n Schein der
Wahrheit nicht bis zur uersten Illusion getrieben zu sehen wnschen,
wenn es mglich wre, da der Schauspieler allzuviel Feuer in diesem
Verstande anwenden knnte. Es kann also auch nicht dieses Feuer sein,
dessen Migung Shakespeare selbst in dem Strome, in dem Sturme, in dem
Wirbelwinde der Leidenschaft verlangt: er mu blo jene Heftigkeit der
Stimme und der Bewegungen meinen; und der Grund ist leicht zu finden,
warum auch da, wo der Dichter nicht die gerinste Migung beobachtet
hat, dennoch der Sch)uspieler sich in beiden Stcken migen msse. Es
gibt wenig Stimmen, die in ihrer uersten Anstrengung nicht widerwrtig
wrden; und allzu schnelle, allzu strmische Bewegungen werden selten
edel sein. Gleichwohl sollen weder unsere Augen noch unsere Ohren
beleidiget werden; und nur alsdenn, wenn man bei uerung der heftigen
Leidenschaften alles vermeidet, was diesen oder jenen unangenehm sein
knnte, haben sie das Glatte und Geschmeidige, welches ein Hamlet auch
noch da von ihnen verlangt$
 noch mehr zuwider als
jene, weil sie daraus entdeckt, da die Rutland ihn liebet. Zuletzt
befiehlt sie, demohngeachtet, da ervor sie gebracht werden soll. Er
kmmt, und versucht es, seine Auffhrung zu verteidigen. Doch die Grnde,
die er desfalls beibringt, scheinen ihr viel zu schwach, als da sie
ihren Verstand von seiner Unschuld berzeugen sollten. ie verzeihet ihm,
um der geheimen Neigung, die sie fr ihn hegt, ein Genge zu tun; aber
zugleich entsetzt sie ihn aller seiner Ehrenstellen, in Betrachtung
dessen, was sie sich selbst, als Knigin, schuldig zu sein glaubt. Und
nun ist der Graf nicht lnger vermgend, sich zu migen; seine
Ungestmheit bricht los; er wirft den Stab zu ihren Fen und bedient
sich verschiedner Ausdrcke, die zu sehr wie Vorwrfe klingen, als da
sie den Zorn der Knigin nicht aufs hchste treiben sollten. Auch
antwortet sie ihm darauf, wie es Zornigen sehr natrlich ist; ohne sich
um Anstand und Wrde, ohne sich um die Folgen zu bekmmern: nmlich,
anstatt der Antwort, gib$
 Ms traidor he parecido.
    Y pues son dos los culpados
    Podr ser, que alguno de ellos
    Entregue al otro; que es llano,
    Que ser traidor amigo
    Quien fu desleal vasallo.
    Y es gran materia de estado
    Dar a entender, que los Reyes
    Estn en s tan guardados
    Que aunque la traicin los busque,
    Nunca ha de poder hallarlos;
    Y as el secreto averige
    Enormes delitos, cuando
    Ms que el castigo, escarmientos
    D ejemplares el pecado.
    Que ya slo con miraros
    S el suceso de la guerra.
    No bastaba, amor trano,
    Una inclinacin tan fuerte,
    Sin que te hayas ayudado
    Del deberle yo la vida?
    Rein. Loco Amor--Cond. Necio imposible--
    Rein. Qu ciego--Cond. Qu temerario--
    Rein. Me a)atesa tal bajeza--
    Cond. Me quieres subir tan alto--
    Rein. Advierte, que soy la Reina--
    Cond. Advierte, que soy vasallo--
    Rein. Pues me humillas al abismo--
    Cond. Pues me acercas a los rayos--
    Rein. Sin reparar mi grandeza--
    Cond. Sin m$
 der zuflligen hnlichkeit zu sagen, da in diesen Stcken, sowie im
Leben, die wichtigsten Rollen sehr oft gerade durch die schlechtesten
Akteurs gespielt werden,--was kann hnlicher sein, als es beide Arten der
Haupt-und Staatsaktionen einander in der Anlage, in der Abteilung und
Disposition der Szenen, im Knoten und in der Entwicklung zu sein pflegen?
Wie selten fragen die Urheber der einen und der andern sich selbst, warum
sie dieses oder jenes gerade so und nicht anders gemacht haben? Wie oft
berraschen sie uns durch Begebenheiten, zu denen wir nicht im mindesten
vorbereitet waren? Wie oft sehen wir Personen kommen und wieder abtreten,
ohne da sich begreifen lt, warum sie kamen, oder warum sie wieder
verschwinden? Wie viel wird in beiden dem Zufall berlassen? Wie oft
sehen wir die gresten Wirkngen durch die armseligsten Ursachen
hervorgebracht? Wie oft das Ernsthafte und Wichtige mit einer
leichtsinnigen Art, und das Nichtsbedeutende mit lcherlicher Gravitt
behandelt? Und wenn in beiden endlic$
araus ebenso erleuchtet zu werden, als Corneille?
Possen! Die furchtsamen, schwanken, unentschlossenen Charaktere, wie
Felix, sind in dergleichen Stcken ein Fehler mehr und machen sie noch
obendarein ihrerseits kalt und ekel, ohne sie auf der andern Seite im
geringsten weniger grlich zu machen. Denn, wie gesagt, das Grliche
liegt nicht in demHUnwillen oder Abscheu, den sie erwecken: sondern in
dem Unglcke selbst, das jene unverschuldet trifft; das sie einmal so
unverschuldet trifft als das andere, ihre Verfolger mgen bse oder
schwach sein, mgen mit oder ohne Vorsatz ihnen so hart fallen. Der
Gedanke ist an und fr sich selbst grlich, da es Menschen geben kann,
die ohne alle ihr Verschulden unglcklich sind. Die Helden htten diesen
grlichen Gedanken so weit von sich zu entfernen gesucht, als mglich:
und wir wollten ihn nhren? wir wollten uns an Schauspielen vergngen,
die ihn besttigen? wir? die Religion und Vernunft berzeuget haben
sollte, da er ebenso unrichtig als gotteslsterlich ist?--$
es zwar sehr unrecht, sehr abgeschmackt
finde; ob es sich schon weder mit der Vernunft noch mit meiner
Lebensart reimet:--weil ihr doch so sehr darauf besteht; es sei!"
"Nein", sagt die Kritik; "das ist zu viel! Der Dichter ist hier mit Recht
zu tadeln. Das einzige, ws man noch zu seiner Rechtfertigung sagen
knnte, wre dieses, da er die nachteiligen Folgen einer bermigen
Gutherzigkeit habe zeigen wollen. Doch Micio hat sich bis dahin so
liebenswrdig bewiesen, er hat so viel Verstand, so viele Kenntnis der
Welt gezeigt, da diese seine letzte Ausschweifung wider alle
Wahrscheinlichkeit ist und ]en feinern Zuschauer notwendig beleidigen
mu. Wie gesagt also: der Dichter ist hier zu tadeln, auf alle Weise
Aber welcher Dichter? Terenz? oder Menander? oder beide?--Der neue
englische bersetzer des Terenz, Colman, will den grern Teil des Tadels
auf den Menander zurckschieben; und glaubt aus einer Anmerkung des
Donatus beweisen zu knnen, da Terenz die Ungereimtheit seines Originals
in dieser Stelle weni$
misti autem? de te largitor
    De. Age, quid, si quid te majus oret? Mi. Quasi non hoc sit maximum.
    De. Da veniam. Aes. Ne gravere. De. Fac, promitte. Mi. Non
    omittis?
    Aes. Non; nisi te exorem. Mi. Vis est haec quidem. De. Age
    prolixe Micio.
    Mi. Etsi hoc mihi pravum, ineptum, absurdum, atque alienum a vita mea
      Videtur: si vos tantopere istum vultis. Fiat.--
Hundert und erstes, zweites, drittes und viertes Stck
Den 19. April 1768
Hundert und erstes bis viertes?--Ich hatte mir vorgenommen, den Jahrgang
dieser Bltter nur aus hundert Stcken bestehen zu lassen. Zweiundfunfzig
Wochen, und die Woche zwei Stck, geben zwar allerdings hundertundviere.
Aber warum sollte, unter allen Tagewerkern, dem einzigen wchentlichen
Schriftsteller kein Feiertag zustatten kommen? Und in dem ganzen Jahre
nur viere: ist ja so wenig!
Doch Dodsley und Compagnie haben dem Publico, in meinem Namen,
ausdrcklich hundert und vier Stck versprochen. Ich werde de guten
Leute schon nicht zu Lgnern machen msse$
s nennen?--Verkennung unserer Delikatesse gezwungen hat. 5ie
Einheit der Zeit! Das Kleid musste fertig sein; die Stephan sollte es noch
anziehen; und in vierundzwanzig Stunden wird nicht immer ein Kleid
fertig. Ja, er durfte sich nicht einmal zu einem kleinen Nachspiele
vierundzwanzig Stunden gar wohl erlauben. Denn Aristoteles sagt"--Hier
ward meine Kunstrichterin unterbrochen.
Den neunundzwanzigsten Abend (mittewochs, den 3. Junius) ward nach der
"Melanide" des de la Chaussee "Der Mann nach der Uhr, oder der
ordentliche Mann" gespi0let.
Der Verfasser dieses Stuecks ist Herr Hippel, in Danzig. Es ist reich an
drolligen Einfaellen; nur schade, dass ein jeder, sobald er den Titel hoert,
alle diese Einfaelle voraussieht. National ist es auch genug; oder
vielmehr provinzial. Und dieses koennte leicht das andere Extremum werden,
in das unsere komischen Dichter verfielen, wenn sie wahre deutsche Sitten
schildern wollten. Ich fuerchte, dass jeder die armseligen Gewohnheiten des
Winkels, in dem er geboren worden, fu$
 auf diese Weise seiner Vorstellung
Vorstellungen entgegenzusetzen; denn unser Lachen zu erregen, braucht
es des Grades der Taeuschung nicht, den unser Mitleiden erfordert.
Ich habe schon gesagt, wie hart de la Lindelle dem Maffei mitspielt. Nach
seinem Urteile hat Maffei sich mit dem begnuegt, was ihm sein Stoff von
selbst anbot, ohne die geringste Kunst dabei anzuwenden; sein Dialog ist
ohne alle Wahrscheinlichkeit, ohne allen Anstand und Wuerde; da ist so
viel Kleines und Kriechendes, das kaum in einem Possenspiele, in der Bde
des Harlekins, zu dulden waere; alles wimmelt von Ungereimtheiten und
Schulschnitzern. "Mit einem Worte", schliesst er, "das Werk des Maffei
enthaelt einen schoenen Stoff, ist aber ein sehr elendes Stueck. Alle Welt
koemmt in Paris darin ueberein, dass man die Vorstellung desselben nicht
wuerde haben aushalten koennen; und in Italien selbst wird von verstaendigen
Leuten sehr wenig daraus gemacht. Vergebens hat der Verfassr auf seinen
Reisen die elendesten Schriftsteller in Sold gen$
 eine Suffolk vorziehe, nachdem sie ihm doch
deutlich genug zu verstehen gegeben, dass er um sie allein seufzen solle,
usw. Keine von diesen Armseligkeiten koemmt ueber ihre Lippen. Sie spricht
nie als eine Verliebte; aber sie handelt so. Man hoert es nie, aber man
sieht es, wie teuer ihr Essex ehedem gewesen, und noch ist. Einige Funken
Eifersucht verraten sie; sonst wuerde man sie schlechterdings fuer nichts,
als fuer seine Freundin halten koennen.
Mit welcher Kunst aber Banks ihre Gesinnungen gegen den Grafen in Aktion
zu setzen gewusst, das koennen folgende Szenen des dritten Aufzuges zeigen.
--Die Koenigin glaubt sich allein und ueberlegt den ungluecklichen Zwang
ihres Standes, der ihr nicht erlaube, nach der wahren Neigung ihres
Herzens zu handeln. Indem wird sie die Nottingham gewahr, die ihr
nachgekommen.--
"Die Koenigin. Du hier, Nottinghamt Ich glaubte, ich sei allein.
Nottingham. Verzeihe, Koenigin, dass ich so kuehn bin. Und doch
befiehlt mir meine Plicht, noch kuehner zu sein.--Dich bekuemmert
e$
h hielt er sich
nicht frei von Grausamkeit; so lie er seiner Favoritin
Roxelane, einer gebornen Russin, zu Gefallen alle ihm von andern
Frauen gebornen Kinder umbringen, um ihrem Sohn Selim II. die
Nachfolge zu sichern.
3) S. III., Sohn Ibrahims, Bruder Mohammeds IV., geb. 1647,
folgte, nach dessen Absetzung von den Ulemas aus seiner
langjhrigen Haft befreit, 1687, hatte mit Emprungen zu
kmpfen und fhrte den Krieg in Ungarn unglcklich,
bis er 1689 Mustafa Kprili zum Growesir ernannte;
Solimes, s. Amazonenstrom.
Solingen, KreisOtadt im preu. Regierungsbezirk
Dsseldorf, auf einer Anhhe unweit der Wupper und an der
Linie Ohligswald-S. der Preuischen Staatsbahn, 216 m .
M., hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein
RealprogymnasiuL, ein Kranken-, Armen- und Waisenhaus, ein
Amtsgericht, eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle, sehr
bedeutende Fabrikation von Eisen- und Stahlwaren, insbesondere von
trefflichen Sbel- und Degenklingen, Messern, Gabeln, Scheren,
chirurgischen I$
ensee, an der Unstrut, Knotenpunkt der
Linie Sangerhausen-Erfurt der Preuischen Staatsbahn u. der
Eisenbahn Groheringen-Straufurt, 160 m . M.,
hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Gewehr-,
Munitions-, Zndhtchen- und Eisenwarenfabrikation,
Eisengieerei und (1885) 4795 meist evang. Einwohner. S. war
Geburtsort und Wohnsitz von Dreyse (s. d.).
Sommerendivien, s. Lattich.
Sommerfden, s. v. w. Alterweibersommer.
Sommerfeld, Stadt im preu. Regierungsbezirk
Frankfurt, Kreis Krossen, an der Lubis, Knotenpunkt der Linien
Berlin-S., S.-Breslau und S.-Liegnitz der Preuischen
Staatsbahn, 82 m . M., besteht aus der Stadt, 2
Vorstdten (Schnfel und Hinkau) und 3 Kolonien (Karrs,
Bornstadt und Klinge), hat 2 evang. Kirchen, ein Schlo, ein
Rettungshaus, ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle,
bedeutende Tuchfabrikation, eine Hutfabrik, eine mechanische
Bandweberei, 3 Dampffrbereien, 2 Maschinenbauanstalten, eine
Flachsgarnspinnerei, Appretur- u. Karbonisieranstalten, Ziegeleien,
ei$
852. Sein Hofstaat
wurde nach franzsischem Muster kopiert, und auch seine
Staatseinrichtungen waren eine Karikatur der Napoleonischen. Nach
seiner Thronbesteigung stiftete er zwei Orden, nmlich den
Orden des heil. Faustin fr Militrpersonen und den
Ehrenlegionsorden fr Zivilisten. Seine wiederholten Versuche,
San Domingo zu unterwerfen, scheiterten klglich. Im Innern
herrschte er verschwenderisch und grausam, so da die
Erbitterung gegen ihn schlielich allgemein wurde. Als
General Geffrard 22. Dez. 1858 zu Gonaves die Republik
proklamiert hatte und S. gegen ihn auszog, ging der
grte Teil seiner Truppen zu den Insurgenten ber.
Am 15. Jan. 1859 wurde S. in seiner Hauptstadt Port au Prince durch
Verrat gefangen; doch schonte man sein Leben und lie ihn
nach Jamaica bersiedeln. Nach dem Sturz effrards 1867
erhielt er die Erlaubnis zur Rckkehr in die Heimat und starb
4. Aug. d. J. in Petit Goyave.!Soult (spr. ssult), Nicolas Jean de Dieu, Herzog von
Dalmatien, franz. Marschall, geb. 29. Mrz 1769 zu S$
nrichtung des privaten Grundeigentums und Erbrechts und auf die
freie individualistische und kapitalistische Produktionsweise mit
der Trennung von Unternehmern und Lohnarbeitern, mit dem Eigentum
der erstern an den Produtionsmitteln und der Herrschaft des
"ehernen Lohngesetzes" ber die letztern zurck. Er
vertritt die falsche Ansicht der ltern englischen
Nationalkonomen, da allein die Arbeit Werte erzeuge,
und behauptet, da infolge jener Ursachen die bisherige
Vermgensbildung und die heutige Verteilung der neu
produzierten Gter auf einer Ausbeutung der Lohnarbeiter durch
Unternehmer, Grundeigentmer und Kapitalisten, mit andern
Worten der Nichtbesitzenden durch die besitzende Klasse beruhe.
Diese ungerechte Verteilung ist ihm die wesentliche Ursache des
Proletariats und aller andern belstnde in den untWrn
Volksklassen. Beseitigung dieser belstnde erwartet er
nicht wie der Kommunismus von der vlligen Gleichheit aller,
aber doch von einer sehr starken Ausgleichung der konomischen
und sozialen Unte$
entlich in
Alcoy). Bedeutend ist die Industrie in Nahrungs- u.
Genumitteln. Es bestehen 18 Raffinerien fr
Kolonialzucker (Barcelona, Malaga und Umgebung, Granada und
Almeria; Produktion jhrlich ca. 150,000 metr. Ztr.),
zahlreiche Schokoladefabriken, so zw Madrid und Umgebung,
Barcelona, Saragossa, Ciudad Real, Leon, Astorga, Oviedo, Malaga
etc., mehrere Fabriken fr konservierte und kandierte
Frchte, einige groe Fabriken fr Fisch- un.
Fleischkonserven (in Guipuzcoa und Corua) und mehrere
Unternehmungen fr Maccaroni- und Teigwarenerzeugung (in
Malaga). Weizenmehl wird von Santander aus nach den spanischen
Kolonien verschifft (in den letzten Jahren durchschnittlich 275,000
metr. Ztr.). Erwhnenswert sind ferner: die Spirituserzeugung
aus Wein und dessen Rckstnden, die Fabrikation von
Likren (besonders Anislikr in der Provinz Albacete) und
die Bierbrauerei in den grern Stdten. Die
Tabaksfabrikation ist Staatsmonopol, welches aber seit 1887
verpachtet ist, und beschftigt groe Etablissements zu
Ma$
vonKastilien Ratschlge und Lebensregeln in Versen
abfate, in dem Gedicht vom Totentanz: "Danza general de la
muerte", der testen Dichtung dieser Art, in der spanischen
Nachahmung der lateinischen "Rixa animae et corporis" u. a. die
didaktische Richtung geltend. Smtliche bisher genannte
Gedichte sind in Bd. 57 ("Poetas castellanos, anteriores al siglo
XV") sowie die hauptschlichsten Prosawerke in Bd. 51
("Escritores en prosa, anteriores al siglo XV") der erwhnten
"Biblioteca de autores espaoles enthalten. Die Ausbildung
der damaligen historischen Prosa bekunden die Chroniken Ayalas,
Juan Nuez de Villaizans, die Prosachronik vom Cid, die
Reisebeschreibung Ruy Gonzalez de Clavijos u.a. Auch die Abfassung
des "Amadis von Gallien" (s. Amadisromane), des Ahnherrn der
zahllosen spanischen Ritterromane, gehrt dem Schlu
dieser Periode an.
Zweite Periode.
Mit der Regierung Johanns II. von Kastilien (1406-54) begann die
zweite Periode der spanischen Nationallitteratur, welche bis zur
Regierung Karls V., somi$

Shnen des Aristodemos, Eurysthenes und Prokles, zu. In
Wirklichkeit war die erste dorische Eroberung eine
unvollstndige. Die Acher behaupteten sich in einem
groen Teil Lakoniens; die Dorier setzten sich zunchst
blo am rechten Ufer des Eurotas fest, wo sie als feste
Niederlassung S. grndeten. Von hier aus breiteten sie sich
allmhlich ber die brigen Gemeinden aus und
vermischten sich mit den Achern, deren ursprngliche
Ebenbrtigkeit auch daraus sich ergibt, da eins der
spartanischen Knigsgeschlecht(r, die Agiaden, achisch
war. Diese unfertigen Zustnde strzten den Staat in eine
Verwirrung, aus der ihn erst die Gesetzgebung des Lykurgos (s. d.),
welche freilich so, wie sqe bestand, nicht auf einmal angeordnet,
sondern allmhlich entstanden ist, herausri. Dieser
stellte den innern Frieden her und begrndete danach eine neue
Staatsordnung auf der Vorherrschaft und strengen Organisation der
dorischen Bevlkerung, der Spartiaten. Diese wurden in der
Mitte des Landes vereinigt und 4500 (spter 9000)$
und besitzt in seinen gesttigt
ponceauroten Varietten etwa den halben Wert eines
gleichgroen Diamanten. Tiefroter S. kommt auch als
Rubinspinell, licht rosenroter als Rubinbalais (Balasrubin),
violetter als Almandinspinell und gelbroter als Rubicell (Rubicill)
in den Handel. Die zuletzt genannten drei Sorten stehen den edlen
Spinellen an Wert bedeutend nach. Kochenille- und blutroter S.
kursiert wohl auch als Goutte de Sang ("Blutstropfen"). Pleonaste
dienen als Trauerschmuck. Eine Anzahl von Mineralspezies, deren
einzelne Glieder als isomorphe Krper untereinander eng
verknpft sind, fat man als Spinellgruppe zusammen. Sie
k^istallisieren smtlich im regulren System, am
hufigsten in Oktaedern und oktaedrischen Zwillingen, nach dem
sogen. Spinalgesetz und sind bereinsimmend nach der
allgemeinen Formel RII(RIV2)O4 [s. Bildansicht] zusammengesetzt.
Die folgende Tabelle gibt die wichtigsten Spezies der Gruppe und
die Elemente, welche sich an der Zusammensetzung beteiligen, in der
Reihenfolge ihres Vorwal$
r, t, u und Riemenscheiben 5 auf der Achse 4 und 12 auf der Achse B
von der groen Trommelwelle A aus. Von 7 wird zugleich die
Bewegung durch Kegelrder 8, 9, 10 auf c und weiter auf z
bertragen. In der Regel wird die Baumwolle zweimal gekratzt:
auf der Vorkarde und nach Behandlung auf der Lappingmaschine auf
der Feinkarde, in welchem Fall mehrere Bnder der Vorkarde
zusammengewickelt und als Bandwickel auf die Feinkarde gebracht
werden. Um im Band eine vollstndig gleiche, gestreckte,
parallele Lage und gleiche Verteilung der Fasern zu bekommen,
passieren sie eine Reihe von Walzen in der Weise, da immer
so viel Bnder vereinigt werden (Duplieren), als jedes Band
verlngert (gestreckt) wird. Dazu dient ein S^reckwerk
(Laminirstuhl, Strecke), dessen Einrichtung (Fig. 12) folgende ist.
In einem passenden Bock liegen vier Walzenpaare 1, 2, 3, 4, die die
Bnder A dadurch4verlngern, da sie der Reihe nach
von 4 nach 1 grere Umdrehgeschwindigkeiten, z. B. auf
das Sechsfache gesteigert, erhalten. Die Oberwalzen$
ache begeisterter Mnner, namentlich Leibniz', der,
obschon er nur selten in deutscher Sprache schrieb, dennoch die
Kraft und Ausdrucksfhigkeit derselben wohl erkannte und in
seinen "Unvorgreiflichen Gedanken, betreffend die Ausbung und
Verbesserung derLdeutschen Sprache" (1717) und der "Ermahnung an
die Deutschen, ihren Verstand und ihre Sprache besser zu ben"
(hrsg. von Grotefend, Hannov. 1846) gerade die deutsche Sprache als
die geeignetste fr die Darstellung einer wahren Philosophie
erklrte. Noch freilich fehlten Werke, die mit dem Streben
nach reiner und edler Form auch gediegenen Inhalt verbanden. Sobald
aber im 18. Jahrh. die groe Bltezeit der deutschen
Litteratur anbrach, erhob sich auch die Sprache aus ihrer tiefen
Erniedrigung und gedieh durch unsre Klassiker noch vor dem Ende des
Jahrhunderts zu hoher Vollendung. Nicht ohne Verdienst waren dabei
auch die besondern, ausdrcklich auf S. gerichteten
Bemhungen J. H. CaQpes (s. d.) und Karl W. Kolbes (gest.
1835; "ber Wortmengerei", Berl. 1809)$
rper erhlt beim S. durch die krftige
Zusammenziehung der Wadenmuskeln eine Wurfbewegung, bei welcher der
Schwerpunkt des Krpers eine parabolische Linie beschreibt,
entsprechend einem geworfenen, bez. fallenden Krper.
Gewhnlich geht dem S. der Eillauf (Anlauf) voran, weil
dadurch der Krper schon eine gewisse Schnelligkeit der
Bewegung erhlt, welche ihm dann beim S. zu statten kommt.
Ebenso werden die beim S. hauptschlich beteiligten
Wadenmuskeln durch eine Wurfbewegung der Arme untersttzt.
Springer, 1) Robert, Schriftsteller geb. 23. Nov. 1816
zu Berlin, widmete sich erst dem Lehrfach, privatisierte studierend
eine Reihe von Jahren in Paris, Rom, Wien und Leipzig und lebte
seit 1853 dauernd in Berlin, wo er 21. Okt. 1885 starb. Er
verffentlichte: "Weimars klassische Sttten" (Berl.
1867); "Die klassischen Sttten von Jena und Ilmenau" (das.
1869); die Romane: "Grfin Lichtenau" (das. 1871, 3 Bde.),
"Devrient und Hoffmann" (das. 1873,3 Bde.), "Sidney Smith" (das.
1874, 3 Bde.), "Anna Amalia von Weim$
die Lehre vom Knigtum "von
Gottes Gnaden" zu modernisieren suchte, wie dies z. B. von Stahl
geschehen ist. Andre wollen die Entstehung des Staats aus dem
sogen. Rechte des Strvern, aus der bermacht, welche
auch in dem Ausdruck "Staatsgewalt" angedeutet sei, herleiten,
whrend auf der entgegengesetzten Seite der S.
(Patriarchalstaat) auf die vterliche Gewalt
zurckgefhrt und als eine Erweiterung der Familie
hingestellt wird. Eine weitere, frher auch in Deutschland
vielfach praktisch geltend gemachte Theorie (Patrimonialprinzi;)
stellt die Staatsgewalt als Ausflu des Eigentums
(Patrimonialitt) am Grund und Boden hin. Es ist dies die
Theorie der absoluten Monarchie, vermge deren sich die
Staatsbeherrscher gewissermaen als Eigentmer von Land
und Leuten betrachteten, und welche zu jenem Satz fhren
konnte, der Ludwig XIV. in den Mund gelegt wird: "Ich bin der S."
Auch der sogen. Vertragstheorie ist hier zu gedenken, welche die
Entstehung des Staats auf eine vertragsmige
Unterwerfung der Unterthanen un$
ng, s. Verwaltung.
Staatswirtschaft, die Wirtschaft des Staats, umfat
alle Thtigkeiten und Veranstaltungen, welche zur Befriedigung
von Staatsbedrfnissen dienen, wird im engern Sinn auch oft
als mit der Finanzverwaltung identisch betrachtet (vgl.
Finanzwesen).
Staatswirtschaftslehre, Lehre von der Wirtsc7aft des
Staats, Finanzwissenschaft, auch als gleichbedeutend mit
Volkswirtschaftslehre (s. d.) gebraucht.
Staatswissenschaften (Kameralwissenschaften), im
allgemeinen Bezeichnung fr diejenigen Wissenschaften, deren
Gegenstand der Staat ist. Sie sind teils erzhlende und
beschreibende (historische), teils errternde (dogmatische),
teils philosophische und teils politische. Zu der erstern Kategorie
gehren die Statistik oder Staatenkunde, welche dermalige
Zustnde und Einrichtungen schildert, und die
Staatengeschichte. Die staatswissenschaftliche Dogmatik dagegen
behandelt systematisch Zweck, Wesen und Eigenschaften des Staats
und seine rechtlichen Beziehungen, und zwar soohl diejenigen unter
den Staaten s$
4, ist jetzt das Haupt der Fridericianischen Linie; die
Philippinische wird reprsentiert durch Friedrich, Grafen von
S., geb. 13. Dez. 1817, erblichen Reichsrat der Krone Bayern.
Stadium (griech. Stadion), bei den Alten
Lngenma, eine Strecke von 600 griech. Fu, aber
thatschlich von schwankender Lnge; das Itinerarstadium
(s. d.) war jedenfalls kleiner, und man kann es bis in dieMitte
des 2. Jahrh. v. Chr. auf etwa 1/50 geogr. Meile ansetzen. Das
olympische S. betrug ungefhr 1/40 Meile. In der
rmischen Kaiserzeit rechnete man 7,5 Stadien auf eine
rmische Meile. Ursprnglich bezeichnete Xas Wort die
fr den Wettlauf bestimmte Rennbahn von der angegebenen
Lnge, namentlich die zu Olympia (s. d., mit Plan), nach der
die andern eingerichtet wurden. Die Konstruktion des Stadiums
erkennt man deutlich aus vielen noch vorhandenen Ruinen. Demnach
war es der Lnge nach durch mehrere Richtungssulen in
zwei Hlften geteilt und eine oder mehrere Seiten desselben
oft mit Benutzung des Terrains mit aufsteigenden Si$
en. Infolge der Umgestaltung der
Territorialverhltnisse sowie der Rechtsbegriffe machten sich
Umnderungen der Stadtrechte notwendig, und so entstanden im
Lauf des 15., 16. und 17. Jahrh. an vielen Orten verbesserte
Stadtrechte, sogen. "Reformationen", wobei aber unter Einwirkung
der Rechtsgelehrten mehr und mehr rmisches Recht eingemischt
ward bis zuletzt die alten Stadtrechte zugleich mit der eignen
Gerichtsbarkeit und der Autonomie der Stdte bis auf
drftige Reste der Autoritt der Landesherren weichen
muten. Nur fr das Familien- und Erbrecht haben sich
einzelne Satzungen der alten Stadtrechte (Statuten) bis auf die
Gegenwart erhalten.
Vgl. Gaupp, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters (Bresl.
1851-52, 2 Bde.); Gengler, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters
(neue Ausg., Nrnb. 1866); Derselbe, Codex juris municipalis
Germanie (Erlang. 1863-67, Bd. 1); Derselbe, Deutsche
Stadtrechtsaltertmer (das. 1882).
Stadtreisender, s. Platzreisender.
Stadtsteinach, Bezcrksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk
Ober$
 "Die lutherische Kirche und die
Union" (das. 1859, 2. Aufl. 1860). Nach seinem Tod erschienen:
"Siebenzehn parlamentarische Reden" (Berl. 1862) und "Die
gegenwrtigen Parteien in Staat und Kirche" (2. Aufl., das.
1868). Vgl. "Pernice, Savigny, S." (Berl. 1862).
3) Karl, Pseudonym, s. Gdeke.
4) Pierre Jules, Pseudonym, s. Hetzel.
5) Arshur, Pseudonym, s. Voigtel.
Stahlblau, dunkelblaue Farbe, hnlich dem
angelaufenen Stahl, besonders wenn der so gefrbte Krper
Metallglanz hat.
Stahlbrillanten (Stahldiamanten), Stahlstckchen mit
vielen glnzenden Facetten, bisweilen als Kpfe von
Stahlstiften mit Schraubengewinde.
Stahlbronze, s. Bronze, S. 460.
Stahleck, Burg bei Bacharach (s. d.).
Stahlfedern, Schreibfedern aus Stahl, werden dargestellt,
indem man aus entsprechend dnnem Stahlblech Plttchen
von der Gestalt der Federn mittels eines Durchstoes
ausschneide%, dann diese Plttchen unter einem andern
Durchsto mit dem Loch versieht, in welchem der Spalt endigt,
und zugleich mit den beiden seitlichen Spalten, $
annt, weil
sie nicht wie andre mehlartige Stoffe auf Mhlen gewonnen
wird. Nach Plinius wurde sie zuerst auf Chios aus Weizenmehl
dargestellt. ber die Fortschritte der Fabrikation im
Mittelalter wei man wenig, nur so viel ist sicher, da
die Hollnder im 16. Jahrh. S. im groen Mastab
darstellten und bedeutende Mengen exportierten.Die
Strkeindustrie entwickelte sich vorwiegend als
landwirtschaftliches Gewerbe; mit einfachsten Vorrichtungen gewan
man zwar nur eine mige Ausbeute, doch gengte
dieselbe bei der Mglichkeit vorteilhafter Verwertung der
Abflle, bis die Fortschritte in den eigentlichen
Strkefabriken auch die Landwirtschaft zwangen, auf
hhere Ausbeute bedacht zu sein. Diese wurde namentlich durch
Vervollkommnung der Maschinen und Apparate erreicht, um welche sich
Fesca durch Einfhrung eigentmlich konstruierter
Zentrifugalmaschinen wesentliche Verdienste erwarb. In neuerer Zeit
hat die Reisstrke der Kartoffel- und Weizenstrke
namentlich fr Zwecke der Appretur erfolgreich Konkurrenz
gem$
ers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
Statistik (geschichtliche Entwickelung, heutige Richtung).
1660 den blichen Universittsvorlesungen eine neue,
aus Geographie, Geschichte und Politik abgesonderte Disziplin als
Notitia rerum publicarum hinzufgte, in welcher er wie
Staatscustnde zusammenhngend darstellte. Achenwall
(1719-72), ein fleiiger Sammler, stellt den Begriff genauer
fest und fhrt auch die Bezeichnung S. als Kenntnis der
Staatsmerkwrdigkeiten ein. Auf gleichem Boden steht sein
Schler Schlzer (1735-1809), welcher der damaligen
Heimlichkeit in Staatssachen gegenber mit einem gewissen
Freimut die politischen Ereignisse zum Gegenstand der Besprechung
in Vorlesungen machte. Von ihm stammt die bekannte Definition: "S.
ist stillstehende Geschichte, Geschichte ist fortlaufende S."
Gegenber der ethnographischen Methode der S., welche jedes
Volk fr sich behandelte, fhrte Bsching (1724-93)
die vergleichende Methode ein, indem er bei sachlicher Gliederung
des Stoffes zwischen den entsprechenden Zus$
llungen weder die
Grenangabe (Zahl) noch der Wortausdruck entbehrt
werden kann. Von jeher waren die Ansichten ber das Gebiet der
S. geteilt gewesen. Die einen beschrnkten es auf den Staat
und staatliche Verhltnisse (Staatsverfassung, Darstellung der
Staatskrfte), andre dehnten es auf alle gesellschaftliche
Thatsachen (faits sociaux) aus, wieder andre berhaupt auf
alle Erscheinungen, an denen ein Dasein, Entstehen und Vergehen
wahrnehmbar sei (also auch Naturerscheinungen). Verlangten die
einen, da die S. sicl nur auf Schilderung der Erscheinungen
der Gegenwart beschrnken solle, da jedes statistische
Datum neu sein msse, da sich die Vergangenheit nicht
beobachten lasse, so gingen sie zum Teil selbst wieder von dieser
Forderung ab, indem sie auch Einsicht in die Zustnde bieten,
den jetzigen Zustand aus dem frhern begreiflich machen
wollten (%ragmatische S. nach Achenwall). Man verwechselte hierbei
die einfache Beobachtung, Erhebung und Aufzeichnung des
statistischen Materials mit der wissenschaftli$
d, widmete
sich S. ganz der Wissenschaft, namentlich der Kirchengeschichte;
fr seine Verdienste um diese verlieh ihm die theologische
Fakultt in Mnchen 1870 die Doktorwrde. Seine
hauptschlichsten Werke sind: "Friedrich, Graf von Zollern,
Bischof von Augsburg, und Johann Geiler von Kaisersberg. Mit
Briefen" (Augsb.1854); "Bischof Peter v. Richarz" (das. 1856); "Das
Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben" (das.
1861-87, Bd. 1-5). Durch seineGelehrsamkeit, Frmmigkeit und
Milde fr eine hohe kirchliche Wrde besonders geeignet,
ward er 1878 vom Knig nach dem Tod Scherrs zum Erzbischof von
Mnchen-Freising ernannt.
Steier, Stadt, s. Steyr.
Steierdorf (ungar. Steierlak), Markt im ungar. Komitat
Krasso Szreny, an der Flgelbahn Jassenova-S., mit
berhmtem Kohlen- und Eisensteinbergbau der
sterreich.-Ungarischen Staatsbahn und (1881) 9239 deutschen
Einwohnern. In der Nhe das Eisenwerk Anina und der
Bergwerksort Oravicza (s. d.).
Steiermark (hierzu Ka	te "Steiermark"), sterreich.
Herzogtum$
n Pfuhl),
1874 in Berlin (von Schievelbein und Hagen) ein Standbild
errichtet. Steins Denkschriften ber deutsche Verfassungen
wurden von Pertz (Berl. 1848) herausgegeben, Steins Briefe an den
Freiherrn v. Gagern 1813-31 von diesem (Stuttg. h833), sein
Tagebuch whrend des Wiener Kongresses von M. Lehmann (in
Sybels "Historischer Zeitschrift", Bd. 60). Vgl. Pertz, Das Leben
des Ministers Freiherrn vom S. (Berl. 1849-55, 6 Bde.); Derselbe,
Aus Steins Leben (das. 1856, 2 Bde.); Stern, S. und sein Zeitalter
(Leipz. 1855); Arndt, Meine Wanderungen und Wandelungen mit dem
Freiherrn vom S. (3. Aufl., Berl. 1869); M. Lehmann, S.,
Scharnhorst und Schn (Leipz. 1877); Seeley, Life and times of
S. (Cambr. 1878, 3 Bde.; deutsch, Gotha 1883-87, 3 Bde.) und die
krzern 5iographien von Reichenbach (Brem. 1880), Baur
(Karlsr. 1885).
3) Christian Gottfried Daniel, Geograph, geb. 14. Okt. 1771 zu
Leipzig, wo er studierte, wurde 1795 an das Gymnasium zum Grauen
Kloster in Berlin berufen, an welchem er bis zu seinem am 14. Juni$
, mit roh bearbeiteten
natrlichen Steinen (Bruchsteinen) und den gemischten
I. S. knstlicher Steine. Die deutschen Normalziegel sind
25 cm lang, 12 cm breit und 6,5 cm dick, wobei zwei Steinbreiten,
vermehrt um eine Stofuge von 1 cm, einer Steinlngegleich sind (2 x 12 + 1 = 25 cm). Man vermauert ganze Steine, halbe
Steine von der halben Lnge ganzer Steine, Dreiviertelsteine
(Dreiquartierstcke) von 3/4 der Lng8 ganzer Steine
und Riem- oder Kopfstcke von der halben Breite und der vollen
Lnge ganzer Steine. Steine, welche der Lnge nach
parallel und normal zur Mauerflucht liegen, heien bez.
Lufer und Binder (Strecker) und die aus solchen Steinen
hergestellten Mauerschichten bez. Luferschichten und
Binderschichten (Streckerschichten). Man unterscheidet folgende
Hauptsteinverbnde: 1) Den Schornsteinverband (Fig. 1), so
genannt, weil er fr die meist 1/2 Stein starken Wangen
der Schornsteine verwendet wird, entsteht durch die
regelmige Versetzung der Stofugen von
Lufern um je 1/2 Stein und liefert$
olz, das mit Rasenstcken
oder mit einer Lage Torf und darbergeschtteter Erde
bedeckt wurde, als Wohnungen. Die Form der letzterwhnten
Behausungen ist nach Sven Nilsson in den skandinavischen
Ganggrbern nachgeahmt. Das Andenken seiner Toten ehrte der
neolithische Mensch durch Aufwerfen von Grabhgeln (s.
Grber u. Tafel) sowie durch Errichtung von Dolmen und
Steinsetzungen (s. d.). Ein besonders wichtiges Kennzeichen der
neolithischen Kultur besteht darin, da whrend dieses
Abschnitts der Prhistorie der Mensch zuerst Tiere zhmt,
da ebensowohl die Anfnge der Viehzucht als diejenigen
des Ackerbaues dieser Epocheangehren, da der
neolithische Mensch aus Pflanzenfasejn rohe Gewebe und Gespinste
herstellt, und da derselbe, wie die Funde an
Gefen und Gefscherben beweisen, in der
Thonbildekunst bereits erhebliche Fortschritte gemacht hat. Vgl.
Joly, Der Mensch vor der Zeit der Metalle (Leipz. 1880); de
Nadaillac, Die ersten Menschen und die prhistorischen Zeiten
(deutsch, Stuttg. 1884); Kinkelin, Di$
stiftet),
Kapuzinerkloster, einem Bezirksgericht, Fabrikation von Sensen,
Sicheln, Beinlffeln etc. und (1880) 1528 Einw.
Sdstlich das nunmehr ausgetrocknete Sterzinger Moos. S.
hie zur Rmerzeit Vipitenum. Gegenwrtig ist es
ein beliebtes Standquartier der Touristen. Vgl. Fischnaler S. am
Eisack (2. Aufl., Innsbr. 1885).
Stesichoros, der bedeutendste Vertreter der ltern
dorischen Lyrik, der "lyrische Homer" genannt, geb. um 630 v. Chr.
zu Himera in Sizilien, starb erblindet 556 in Catana. Von ihm
rhrt die Einteilung der chorischen Lieder in Strophe,
Gegenstrophe und spode her, auch galt er fr den
Begrnder des hhern frischen Stils. Seine von
Sptern in 26 Bcher eingeteilten Festgesnge
behandelten in prchtiger Darstelung vorwiegend epische
Stoffe; ebenso standen die einfachen metrischen Formen der epischen
nahe, wie auch der Dialekt der mit wenigen Dorismen gemischte
epische war. Wir besitzen von ihm nur Bruchstcke (in
Schneidewins "Delectus poesis Graecorum" , Gtting. 1839, und
Bergks "Poetae ly$
aber 1522 als Anhnger Luthers entfloh, worauf er als
evangelischer Prediger erst bei einem Grafen von Mansfeld, dann in
Obersterreich, 1528-34 zu Lochau bei Torgau, hierauf bis 1547
zu Holzdorf bei Wittenberg, nachher zu Haberstrohm bei
Knigsberg i. Pr. wirkte. Spter scheint er in Jena
gelebt zu haben, wo er 19. April 156k starb. Sein Hauptwerk ist die
"Arithmetica integra" (Nrnb. 1544). Vgl. Cantor in
Schlmilchs "Zeitschrift fr Mathematik und Physik", Bd.
Stif (das S.; Mehrzahl: die Stifter), jede mit
Vermchtnissen und Rechten ausgestattete, zu kirchlichen
Zwecken bestimmte und einer geistlichen Korporation bergebene
Anstalt mit allen dazu gehrigen Personen, Gebuden und
Liegenschaften. Die ltesten Anstalten dieser Art sind die
Klster, nach deren Vorbild sich spter das kanonische
Leben der Geistlichen an Kathedralen und Kollegiatstiftskirchen
gestaltete. Im Gegensatz zu den mit den Kathedralkirchen
verbundenen Erz- und Hochstiftern mit je einem Erzbischof oder
Bischof an der Spitze hieen die K$
hritte der
einzelnen Stimmen bewerkstelligt werden. Selbst harmonisch sehr
schwer verstndliche Folgen geben sich mit einer gewissen
Ungezwungenheit, wenn alle oder die meisten Stimmen Sekundschritte
machen, seien diese Ganztonschritte, Leitton- oder chromatische
Halbtonschritte (s. Beispiel). Ein vorzgliches Bindemittel
einander folgender Akkorde ist ferner das Liegenbleiben gemeinsamer
Tne. Eine Ausnahme macht die Fhrung der
Bastimme, welche gern von Grundton zu Grundton der Harmonien
fortschreitet und wesentlich der Frderung des harmonischen
Verstndnisses dient; auch von Hauptton zu Terzton und von
Terzton zu Terzton oder Hauptton geht der Ba gern, dagegen
ist der Sprung der Bastimme zum Quintton mit Vorsicht zu
behandeln (s. Quartsextakkord und Konsonanz). berhaupt aber
ist die Sekundbewegng zwar erstrebenswert, jedoch keineswegs immer
erreichbar, und gerade dieStimme, welche zumeist frei und zuerst
erfunden wird, die eigentliche Melodiestimme (in der neuern Musik
gewhnlich die Oberstimme), un$
lo8sen besitzen
auerdem einen starken Knochen als ersten Flossenstrahl. Die
kurze Rckenflosse steht dicht vor der Afterflosse, das nach
aufwrts gebogene, den obern Lappen der groen
Schwanzflosse bildende Schwanzende ist sensenfrmig
gekrmmt. Der gemeine Str (A. Sturio L., s. Tafel
"Fische II", Fig. 20), bis 6, meist nur 2 m lang, mit
mig gestreckter Schnauze, einfachen Bartfden,
dicht aneinander gereihten, goen Seitenschildern und vorn
und hinten niedrigen, in der Mitte hohen Rckenschildern, ist
oberseits brunlich, unterseits wei, bewohnt den
Atlantischen Ozean, die Nord- und Ostsee und das Mittelmeer, geht,
um zu laichen, bis Mainz, Minden, Bhmen, Galizien und liefert
viel Elbkaviar und Hausenblase. Der Sterlett (A. Ruthenus L.), 1 m
lang, bis 12 kg schwer, mit langgestreckter, dnner Schnauze,
ziemlich langen, nach innen gefransten Bartfden, nach hinten
an Hhe zunehmenden und in eine scharfe Spitze endigenden
Rckenschildern, ist oberseits dunkelgrau, unterseits heller,
bewohnt das Kaspisch$
ller, geb. 14. April 1803 zu
Ruhla bei Eisenach, studierte in Gttingen und Leipzig
Theologie, wandte sich jedoch, von Not und Beruf getrieben,
frh der schriftstelleriscYen Laufbahn zu, welche sich
uerlich zu einer vielbewegten gestaltete und ihm den
Segen einer ruhigen Existenz und eines festen Aufenthalts nicht zu
gewhre, vermochte. Am lngsten hielt es ihn in Leipzig
und Gotha. Seit 1866 lebte er zu Kreuzwertheim in Franken, wo er 5.
Febr. 1881 starb. Storchs Talent ist ein begrenztes; doch erfreuen
seine "Erzhlungen und Novellen" (Leipz. 1853-62, 31 Bde.),
wenn sie auch des tiefern poetischen Gehalts ermangeln, ebenso wie
seine "Gedichte" (das. 1854) als der Ausdruck eines patriotisch und
freisinnig gestimmten Geistes und eines warm empfindenden
Gemts. Die beliebtesten unter den erzhlenden Schriften
waren: "Der Freiknecht" (Leipz. 1829, 3 Bde.); "Die Freibeuter"
(das. 1832, 3 Bde.); "Der Jakobsstern" (Frankf. 1836 bis 1838, 4
Bde.); "Die Heideschenke" (Bunzl. 1837, 3 Bde.); "Max von Eigl"
(Leipz. 1$
885) mit der Garnison (ein
Infanteriebataillon Nr. 11) 12,804 meist kath. Einwohner. Zum
Landgerichtsbezirk S. gehren die 7 Amtsgerichte zu Bogen,
Ktzting, Landau a. I., Mallersdorf, Mitterfels, Neukirchen
bei Heiligblut und S. - Die Stadt, an deren Stelle schon in der
Rmerzeit eine Ansiedelung, Sorbiodurum, bestand, soll um 1208
von Ludwig von Bayern gegrndet worden sein. Bei der Teilung
Niederbayerns (1353) wur^e eine Linie Bayern-S. von Wilhelm und
Albrecht begrndet, die 1425 mit Johann I. ausstarb, worauf
wegen S. ein Streit (Straubinger Erbfall) entstand. Durch
Knig Siegmund wurde 1429 S. dem Herzog Ernst von
Bayern-Mnchen verliehen. 1435 wurde hier Agnes Bernauer (s.
d.) von der Donaubrcke in den Strom gestrzt. Vgl.
Wimmer, Sammelbltter zur Geschichte der Stadt S. (Straub.
1882-86, 4 Hefte).
Strauch (Frutex), ein Holzgewchs, dessen Stamm
gleich vom Boden an in ste geteilt ist, wodurch allein es
7ich von den Bumen unterscheidet. Daher knnen manche
Strucher knstlich baumartig gezogen werde$
itdem meist Residenz und Begrbnissttte der
ungarischen Knige, bis erstere zur Zeit des Knigs Bela
IV. nach Ofen verlegt wurde. 1543 fiel die Stadt den Trken
durch Kapitulation in die Hnde. Infolge der hier 3. Nov. 1593
und 6. Sept 1601 von den Kaiserlichen ber die Trken
erfochtenen Siege kam die Stadt wieder in den Besitz der erstern,
aber schon 1602 durch Meuterei der Besatzung von neuem in die
Gewalt der Trken, welche soe erst 1688 verlieen.
Stuhlwinde, s. Aufzge, S. 70.
Stuhlzeug, Rohaargewebe zum Beziehen von
Stuhlzwang (Tenesmus), das schmerzhafte Drngen zum
Stuhl, wobei aber nur geringe Kotmassen
Stuhm - Stumpfsinn.
entleert werden, oder welches auch gnzlich erfolglos
bleibt. Der S. beruht auf krampfhafter Zusammenziehung der
Muskulatur des Dickdarms und des Afterschliemuskels und ist
konstantes Symptom der Dickdarmentzndungen bei Katarrhen,
namentlich des Mastdarms, bei Reizungen durch Wrmer und
vornehmlich bei Ruhr, Typhus etc. Der S. hrt mit erfolgtem
Stuhl auf, oder dauert noch ei$
schnbler.
Sub una specie (lat.), unter einerlei Gestalt,
nmlich nur des Brotes, wie die Katholiken das Abendmahl
genieen; sub utraque specie, unter beiderlei Gestalt (vgl.
Abendmahl und Hussiten).
Subura, im alten Rom eine zwischen dem Kapitol und
Esquilinus befindliche Niederung, durch welce eine sehr belebte,
mit zahlreichen Tavernen und Bordellen besetzte Strae
Subvention (lat.), Beihilfe, Untersttzung,
insbesondere aus ffentlichen Mitteln.
Subverfion (lat.), Umsturz; subversiv, Umsturz
bezweckend; subvertieren, umstrzen, zerstren.
Sub voce (lat.), unter dem und dem Wort.
Subzow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Twer, am
Einflu der Wasusa in die Wolga, mit 5 griechisch-russ.
Kirchen und (1885) 4191 Einw.
Succedaneum (lat.), Ersatz, Notbehelf.
Suceedieren (lat.), nachfolgen, in ein
Rechtsverhltnis als Berechtigter eintreten (s.
Recatsnachfolge).
Succe (lat.), glcklicher Erfolg.
Succession (lat.), s. Rechtsnachfolge.
Successive (lat.), nach und nach, allmhlich.
Successor (lat.), Rechtsnachfolge$
ter, 750 m hoher
Flce sich die Kuppe der Groen Heuscheuer (920 m)
erhebt. Weiter nach NW. liegt ein andres zerklftetes
Sandsteinplateau, das Adersbacher Gebirge (780 m). Von dem
Durchbruch der Neie bei Wartha aber gegen NW. erstreckt sich
in der Lngenachse des sdlichen Sudetenzugs das
Eulengebirge, mit der Hohen Eule (1000 m), bis an die Weis"ritz,
und aus dem nrdlichen Vorland desselben steigt der Zobten
(718 m) empor. Westlich von der Weistritz breitet sich eine
Berglandschaft aus, die mit dem Gesamtnamen Niederschlesisches
Steinkohlengebirge, in einzelnen Teilen auch Waldenburger und
Schweidnitzer Gebirge benannt wird, im Hochwald 840, im Sattelwald
778, im Heidelberg 954 m erreicht und im. W. in das bis zum Bober
reichende Katzbachgebirge (Hohe Kullge 740 m) bergeht. Der
bedeutend niedergedrckte und verbreiterte Hauptkamm zieht
sich nach NW. im berschargebirge (640 m) bis an die
Boberquelle fort. Dann folgen von Sden nach N. sich
aneinander reihend das Rabengebirge, der Schmiedeberger Kamm, mi$
n
Plinius, alles wahrscheinlich berreste eines
grern von ihm verfaten Werkes: "De viris
illustribus". Von andern Schriften sind nur die Namen und
unbedeutende Fragmente erhalten; die ebenfalls seinen Namen
fhrenden Biographien des Vergilius und Persius sind
wahrscheinlich unecht. Ausgaben lieferten Burmann (Amsterd. 1735, 2
Bde.), Oudendorp (Leid. 1751), Ernesti (Leipz. 1748, 2. Aufl.
1772), Wolf (das. 1802, 4 Bde.) und Roth (das. 1858); neuere
bersetzungen Reichardt (Stuttg. 1855 ff.), Stahr (2. Aufl.,
das. 1874, 2 Bde.) und Sarrazin (das. 1883, 2 Bde.). Des S.
brige Schriften auer den "Vitae" sind besonders
herausgegeben von Reifferscheid (Leipz. 1860).
Sueven (Suevi), Name eines german. Vlkerbundes,
welcher wohl die im Osten er Elbe vorhandenen, weniger von
Ackerbau als von Jagd und Viehzucht lebenden kriegerischen,
wanderlustigen ("schweifenden") Stmme ufate,
spter Name eines einzelnen Volkes. Csar, welcher die
nach Gallien eingedrungenen S. unter Ariovist 58 v. Chr. besiegt
hatte, begreift$
s von Norfolk, trat 1540 in den Kriegsdienst und
befehligte bereits 1544 das englische Heer als Feldmarschall auf
dem Zug nach Boulogne, ward aber dann von dem argwhnischen
Knig Heinrich VIII. ohne allen Grunt des Hochverrats
angeklagt und trotz seiner mnnlichen und begeisterten
Selbstverteidigung 21. Jan. 1547 im Tower zu London enthauptet. S.
war seit Chaucer der erste bedeutendere Dichter der Xnglnder.
Seine Gedichte sind selbstndige Nachahmungen Petrarcas,
weniger durch hohen Flug der Phantasie als durch Anmut und Zartheit
sowie durch Reinheit und Eleganz der Sprache ausgezeichnet; unter
ihnen stehen die Liebesgedichte an Geraldine (nach H. Walpole
wahrscheinlich die noch sehr jugendliche Lady Elizabeth Fitzgerald)
obenan. S. fhrte das Sonett und die ungereimten
fnffigen Jamben in die englische Sprache ein.
Auch vermied er die vielen Latinismen seiner Vorgnger aus der
Schule Chaucers und Dunbars. Seine "Songs and sonnets" erschienen,
mit denen seines Freundes Thomas Wyatt u. a., zuerst 1557 u.
$
). Die groe S.
(kenesseth hagdolah) nennen talmudische und rabbinische Quellen
eine aus 120 Gelehrten bestehende Versammlung, welche unter dem
Prsidium Esras die religisen Angelegenheiten ordnete;
geschichtlich ist aber darunter nur eine von Esra bis auf Simon den
Gerechten (gestorben um 292 v. Chr.) reichende Thtigkeit der
Schriftgelehrten, die sich auf Redaktion der biblischen
Bcher, Feststellung und Weiterbildung des mndlich
berlieferten Gesetzstoffes der Tradition, auf kulturelle
Einrichtungen und hnliches bezog, zu verstehen.
Synalphe (griech., "Verschmelzung"), die
V	reinigung zweier Silben, namentlich in zwei aufeinander folgenden
Wrtern, entweder durch die Krasis (s. d.) oder durch die
Elision (s. d.).
Synandrae, Ordnung im natrlichen Pflanzensystem
Brauns unter den Dikotyledonen, Smpetalen, mit
regelmigen oder zygomorphen Blten mit
fnfgliederigen Blattkreisen, meist fnf
Staubgefen, welche bald unter sich, bald mit dem
Griffel, bald auch allein mit ihren Antheren verwachsen sind, un$
 fiederig
eingeschnittenen Blttern, wohlriechenden Blten in
reichen, endstndigen Rispen und lnglichen, meist
zusammengedrckten, lederign Kapseln. Sechs Arten in
Osteuropa und dem gemigten Asien. S. vulgaris L.
(gemeiner Flieder, trkischer, spanischer Flieder,
flschlich Holunder, Jelngerjelieber), ein 2-6 m hoher
Strauch mit herzfrmig lnglichen Blttern, lila und
weien Blten und konkaven Blumenkronabschnitten, soll
1566 durch Busbecq von Konstantinopel nach Flandern gekommen sein
und im Orient wild wachsen; wahrscheinlicher aber stammt er aus den
stlichen Karpathen, aus Ungarn und Siebenbrgen;
gegenwrtig wird er in zahlreichen Formen als Zierstrauch
kultiviert. Das ziemlich feste, schn geflammte Holz wird von
Drechslern und Tischlern benutzt. S. persica L. (persischer
Flieder)R ein kleinerer Strauch mit kleinern,
elliptisch-lanzettfrmigen Blttern, lnger
gestielten, fleisch- oder rosenroten, auch weien Blten
und ziemlich flachen Blumenkronabschnitten, wchst in
Daghestan, aber ebensoweni$
der Zufammensetzung der echten Fette.
Chinesischer Talg, aus der festen Fettschicht, welche die Samen von
Stillingia sebifera umgibt, in China, Ost- und Westindien durch
Schmelzen und Abpressen gewonnen, ist farblos oder
grnlichwei, ziemlich hart, schmilzt bei 37-44,
besteht aus Stearin und Palmitin, reagiert sauer durch einen Gehalt
von Essigsure und Propionsnre, dient in China und
England zur Darstellung von Kerzen und Seifen. Vateriatalg
(Pineytalg), aus den Samen der ostindischen Vateria indica durch
warmes Pressen gewonnen, ist gelblich, spter farblos,/riecht
schwach angenehm, schmilzt bei 36,4, besteht aus festen Fetten
und freien Fettsuren und enthlt 2 Proz. fettes l,
dient in England zur Kerzenfabrikation. Virolafett, aus den Samen
von Virola sebifera in Guayana durch Auskochen und Pressen
gewonnen, ist gelblich, innen oft brunlich mit
punktfrmigen Kristallaggregaten, riecht frisch nach
Muskatbutter, wird bald ranzig, schmilzt bei 44,
vollstndig bei 50, ist nur teilweisegverseifbar, die$
haftlichen
Tara (ital., ursprnglich arab., Abzug), das Gewicht
der Umhllung (Kiste, Fa etc.) verpackter Waren. Der
Unterschied zwischen Gesamtgewicht und T. ist das reine oder
Nettogewicht der Ware. Reine oder Netttara ist die durch besondere
Wgung eines jeden Stcks ermittelte und in Abzug
gebrachte T.; usanzmige, usuelle T. (Uso- oder
Usanztara) ist die durch Herkommen bestimmte T., insbesondere bei
den ber See bezogenen Kolonialwaren, fr welche das
Bruttogewicht berechnet und als Gewichtsvergtung fr die
T. ein durch bestmmtes Prozent (daher auch Prozenttara) als Abzug
an der Kaufsumme verstattet wird. Hierher gehrt auch die
gesetzliche T. des Zollwesens, welches, um das Tarieren und die oft
unthunliche Abnahme der Umhllung zu ersparen, feststehende,
nach Art der Gegenstnde und der Verpackungsweise bestimmte
Tarastze (Zolltara) vom Bruttogewicht der zollpflichtigen
Ware in Abzug bringen lt. Supertara oder Sopratara ist
die an manchen Orten neben der gewhnlichen T. vorkommende
besondere Ve$
 unter dnen eine
europische. T. baccata L. (gemeiner Taxbaum, Roteibe), ein
bis 12-15 m hoher, meist aber niedrigerer Baum oder (in Kultur)
Strauch mit 2,5 cm langen, am Rand kaum umgeschlagenen, oberseits
dunkelgrnen, unterseits hellgrnen (nicht blauwei
gestreiften, wie bei der Tanne) Bltte[n, hell scharlachroten
Scheinfrchten u. blauvioletten Frchten, wchst in
Wldern Mittel- und Sdeuropas von den britischen Inseln,
dem mittlern Norwegen, Schweden und Ruland
sdwrts bis Spanien, Sizilien, Griechenland und zum
Kaukasus, in Deutschland jetzt nur noch sehr zerstreut, besonders
auf Kalkboden in der Eichen- und Buchenregion. Die Eibe findet sich
ferner auf den Azoren, in Algerien, in Vorderasien, am Himalaja, am
Amur; sie soll ein Alter von 2000 Jahren erreichen. Man benutzt sie
zu Lauben, Hecken, und namentlich zu Ludwigs XIV. Zeiten spielte
sie eine groe Rolle in den Grten. Das Holz ist
ungemein fest und fein (deutsches Ebenholz, Eibenholz) und dient zu
Schnitzereien, Haus- und Tischgerten, ehem$
ber
zurck, wenn Entstellung durch Schuld des Telegraphendienstes
sich ergibt. Die fr diese besondern Telegramme angegebenen
Bezeichnungen sind vor das T. zu setzen, sie sind gleich dem Inhalt
des Telegramms gebhrenpflichtig, die Abkrzungen
zhlen aber nur als ein Wort.
Telegraph (griech., "Fernschreiber", hierzu Tafeln
"Telegraph I u. II"), jede Vorrichtung, welche den Austausch von
Nachrichten zwischen entfernten Orten ohne Zuhilfenahme eines
Transportmittels ermglicht. Licht, Schall und
Elektrizitt sind die Mittel, deren man sich zur Erreichung
dieses Zweckj bedienen kann; doch finden die optischen und
akustisFhen Telegraphen nur noch zu Signalen, im Eisenbahnbetrieb,
bei der Schiffahrt und im Kriegswesen Verwendung. Optische
Telegraphen sind schon im Altertum angewandt worden; nach
schylos erfuhr Klytmnestra die Eroberung von Troja
durch Feuerzeichen auf den Bergen noch in derselben Nacht, obwohl
eine Strecke von 70 Meilen dazwischenlag. hnliche Alarmfeuer
waren bei den Feldzgen Hannibals, insbes$
 der hchsten Terrasse
befindet sich ein See, aus dem ein breiter Bach
hinabstrzt.
Telschi (lit. Telszei), Kreisstadt im litauisch-russ.
Gouvernement Kowno, am See Mastis, hat 2 Synagogen, eine
griechisch-russ. Kirche, eine Adelsschule, eine hebrische
Kreisschule, Handel mit Getreide und Leinsaat und (1886) 11,393
Teltow, Stadt im preu. Regierungsbezirk Potsdam,
mit Berlin durch eine Dampfstraenbahn {erbunden, hat eine
evang. Kirche, berhmten Rbenbau (Teltower Rben)
und (1885) 2667 Einw. T. wird zuerst 1232 urkundlich erwhnt.
Der Kreis T. hat Berlin zur Kreisstadt.
Teltower Rbe, s. Raps.
Teltsch, Stadt in der mhr. Bezirkshauptmannschaft
Datschitz, nahe am Urprung der Thaya, hat ein Bezirksgericht, ein
altes Schlo, eine gotische Dekanats- und 5 andre Kirchen,
eine Landesoberrealschule, eine Dampfmhle,
Schneidemhle, Spiritusbrennerei, Tuchmacherei, Flachsbau und
(1880) 5116 Einw.
Telugu, Sprache des zu den Drawida (s. d.) gehrigen
Volkes der Telinga in Ostindien, an der Ostkste des Dekhan
von Or$
garischen war es Sitz eigner Grafen und unter dem
ungarischen Knig Karl Robert eine so blhende Stadt,
da derselbe 1316 fein Hoflager hierher verlegte. 1443erbaute Hunyady das Schlo; 1552 ward T. von den Trken
erobert, 1716 durch den Prinzen Eugen vom trkischen Joch
befreit. Damals wurde die jetzige Festung angelegt, die alte Stadt
grtenteils niedergerissen und nach einem neuen Plan
wieder aufgebaut. 1781 ward T. zur kniglichen Freistadt
erhoben. 1849 ward es vom ungarischen General Grafen Vecsey seit
25. April belagert, aber durch den Sieg Haynaus ber Bem und
Dembinski (9. Aug.) entsetzt. Vgl. Preyer, Monographie der
kniglichen Freistadt T. (Temesv. 1853).
Temir-Chan Schura, Gebietsstadt im Gebiet Daghestan der
russ. Statthalterschast Kaukasien, 466 m . M., in ungesunder
Gegend, stark befestigt, mit (1879) 4650 Einw.; von alters her
berhmt durch seine ausgezeichneten Dolche und Sbel.
Temme, Jodocus Donatus Hubertus, deutscher
Rechtsgelehrter und belletristischer Schriststeller, geb. 22. Okto
17$
rung des Geflumens
(Kompressionsthrombose), wie sie durch die Unterbindung des
Gefes oder durch den Druck, welchen Geschwlste
etc. auf das Gef ausben, bedingt wird. Auch bei
der Durchschneidung und Zerreiung der Gefe
kommt es fast immer zur T. (traumatische T.), und in diesem Fall
ist die Pfropfenbildung ein erwnschter, zur Heilung
notwendiger Vorgang, da auf ihm z. B. die Heilung von Wunden zum
Teil beruht. Eine fernere Veranlassung zur T. ist die Erweiterung
der Gefe (Dilatationsthrombose), denn je weiter der
Kanal ist, desto langsamer ist der Flu in demselben bei
gleicher Flssigkeitsmenge. Hierher gehren die
Flle von Gerinnung in den Krampfaderknoten und
Pulsadergeschwlsten, wodurch eine Heilung der letztern
bewerkstelligt werden kann. Endlich bilden sich Gerinnungen in den
Venen bei stark abgemagerten Kranken, wenn dieselben ruhig
daliegen, und wenn gleichzeitig die Herzkraft abgenomen hat, das
Blut also nicht schnell genug zirkuliert (marantische T.). Diese
Art der T. it eine hufige$
rschlagen. Das Fleisch ist sehr verschiedenartig,
wird daher gut sortiert und eingesalzen, bildet aber wesentlich nur
eine Speise der rmern Klassen. Ein vielfach beliebtes hors
d'oeuvre ist T.  l'huile, gekochter T. in l
eingelegt, den man mit pikanter kalter Saucegeniet. Aus der
Leber gewinnt man Thran; aus Haut und Knochen kocht man l.
Der Bonite (T. Pelamis L.), 80 cm lang, ein sehr schner
Fisch, auf dem Rcken und an den Seiten stahlblau, in
Grn und Rot schillernd, am Bauch silbern mit braunen
Streifen, lebt besonders im Atlantischen Ozean, folgt in
Gesellschaft der Thune oft lange den Schiffen, bildet dabei aber
regelmig geordnete Haufen. Er nhrt sich
hauptschlich von fliegenden Fischen, auerdem von
Tintenfischen, Schaltieren und selbst Pflanzenstoffen; sein Fleisch
ist nicht geniebar, soll sogar scdlich sein.
Thuok (Theok), Ellenma in Anam, = 10 Tahk 
10 Fahn = nahezu 64 cm; das T. der Feldmesser und Architekten ist
jedoch nur 0,485 m.
Thur, 1) Flu im Oberelsa, entspringt am
Rheinkop$
t werden. Den Lauf des Flusses zu regeln und diese
berschwemmungen zu verhten, ist eine der schwierigsten
noch ungelsten Aufgaben der italienischen Wasserbaumeister.
Der T. ist von der Mndung der Nera an schiffbar, von Rom aus
auch fr kleine Dampfer und Segelschiffe bis zu 180 Ton. Sein
Wasserstand ist auch im Sommer hher, als man erwarten sollte,
und es ist anzunehmen, da er durch unterirdische
Zuflsse aus dem Kalkgebirge genhrt wird. Er ist
bestndig trbe und von den Thonmassen gelblichwei
gefrbt, welche er von den umbrischen Bergen und Ebenen
mitfhrt, um sie an seiner Mndung abzulagern. Er schiebt
deshalb sein Delta sehr rasch ins Tyrrhenische Meer vor und hat
alle Hafenanlagen asgefllt und unbrauchbar gemacht; die
lteste, Ostia, liegt jetzt 61/2 m vom Meer. Vgl. Smith,
The T. and its tributaries (Lond. 1877); Nissen, Italische
Landeskunde, Bd. 1 (Berl. 1883).
Tiberias, Stadt in Palstina (Galila), am
westlichen Gestade des Sees Genezareth, der daher auch See von T.
heit, Grndung und g$
." (neue
Ausg., Boston 1876).
Ticul, Ruinensttte im mexikan. Staat Yucatan, 50 km
sdlich von Merida, beim Dorf Tekoh, mit merkwrdigen
Grabsttten. Der gleichnamige Distrikt hat (1880) 23,648
Tidemand, Adolf, norweg. Maler, geb. 14. Aug. 1814 zu
Mandal in Norwegen, bildete sich zuerst auf der Kunstakademie zu
Kopenhagen und seit 183 in Dsseldorf bei Th. Hildebrandt und
Schadow. Nach Vollendung des Bildes: Gustav Wasa redet in der
Kirche zu Mora zu den Dalekarliern (1841) wandte er sich nach
Mnchen, spter nach Italien und kehrte dann nach
Norwegen zurck. Hier malte er einige Bildnisse fr die
Universitt in Christiania und machte Volksstudien in den
Gebihgsthlern. Von 1846 bis 1848 lebte er wieder zu
Dsseldorf, dann abermals in Norwegen und seit 1849 in der
Regel im Winter in Dsseldorf, im Sommer in Norwegen. Er starb
25. Aug. 1876 in Christiania. Um T. scharte sich ein zahlreicher
Kreis skandinavischer Knstler. Er wute freundliche
Anmut, elegischen Ernst, groe Naturwahrheit und meisterhafte
Indiv$
527 fllt
seine Bekanntschaft mit Pietro Aretino, dessen Portrt er
fr Federigo Gonzaga malte. 1530 schuf er den Mrtyrertod
Petri fr San Giovanni e Paolo (1867 durch Feuersbrunst
zerstrt). 1532 begab er sich im Auftrag Federigo Gonzagas
nach Bologna, wo gerade Kaiser Karl V. verweilte; er malte damals
letztern zweimal. T. wurde hierauf 10. Mai 1533 zum Hofmaler Karls
und zum Grafen des lateranischen Palastes sowie zum Ritter vom
Goldenen Sporn ernannt. Der hierauf folgenden Zeit entstammen die
Bildnisse Franz' I. und Isabellas von Este; etwas spter
fallen die der Geliebten Tizians (Wien, Belvedere), dann die von
Eleonore Gonzaga und ihrem Gatten Francesco Maria (Florenz,
Uffizien). Nachdem er 1537 seiner Fahrlssigkeit wegen in
betreff des versprochenen Bildes sein Maklerpatent zu gunsten
Pordenones verloren hatte, malte er in Fresko die dem Rat schon
lange versprchene, nur noc in Fontanas Stich erhaltene Schlacht
bei Cadore (im groen Ratssaal). 1539 nach Pordenones Tod
erhielt er sein Maklerpatent zu$
e gespielt.
Tombuktu, Stadt, s. Timbuktu.
Tom (El T.), Hafenstadt im sdamerikan.
Staat Chile, Provinz Concepcion, an der Nordseite der
Talcahuanabai, hat eine Wolltuchfabrik, Schiffswerfte und (1875)
Tomek, Wclaw Wladiwoj, bhm. Historiker,
geb. 31. Mai 1818 zu Kniggrtz, seit 1850 Professor an
der Universitt in Prag, ging 1882 an die neue tschechische
Universitt daselbst ber, war 1861-66 Mitglied des
bhmischen Landtags und des sterreichischen Reichsrats
und ist seit 1885 Mitglied des Herrenhauses. Er schrieb auf
Palackys Betrieb eine vortreffliche Geschichte Prags (1855 ff., Bd.
1-7). Von seinen brigen Bchern sind noch zu nennen:
"Deje zemr cesk" (1843); "Deje mocnestvi
Rakouskho" (1845); "Dejepis university Prazske" (1848);
lady starho mistopisu Prazskho" (1865); dann
"Geschichbe Bhmens in bersichtlicher Darstellung"
(deutsch vom Verfasser, Prag 1864-65); "Die Grnberger
Handschrift" (bersetzt von Maly, das. 1859); "Handbuch der
)terreichischen Geschichte" (das. 1859, nur Band 1); "Johan$
er
Kommelinaceen, krautartige Pflanzen, von denen T. guianensis Miq.,
aus Mittelamerika, mit langen, hngenden Zweigen,
eifrmigen, zugespitzten, stengelumfassendn Blttern und
selten erscheinenden, weien Blten als Ampelpflanze,
zur Bildung eines grnen Grundes in Terrarien,
Gewchshusern und im Zimmer kultiviert wird und auch als
Vogelfutter benutzt werden kann. T. zebrina hort., der vorigen
hnlich, aber mit braunen, wei gestreiften
Blttern, ist etwas empfindlicher. T. discolor Sm., aus
Brasilien, mit dickem, aufrechtem Stengel, lanzettfrmigen,
oben grnen, unten violetten Blttern und weien
Blten, gedeiht auch im Zimmer. T. virginica L., 60-80 cm
hoch, mit linienlanzettfrmigen Blttern und
violettblauen Blten in dichten Dolden, wird in Grten
als Zierpflanze kultiviert.
Trades' Unions (engl., spr. trehds juhnjons), s..Gewerkvereine.
Tradition (lat.), berlieferung, bergabe. In
der Rechtswissenschaft versteht man unter T. die bertragung
des Besitzes an einer Sache seitens des bisherigen Besitze$
V. 1560 und 1561 neue
Einladungen zur Fortsetzungdes Konzils, aber erst 18. Jan. 1562
wurde dasselbe unter dem Vorsitz des Kardinallegaten Prinzen
Herkules Gonzaga von Mantua mit der 17. Sitzung wieder
erffnet. Entschiedener erneuerten der Kaiser, der
Kurfrst von Bayern und der Knig von Frankreich ihre
Antrge auf Reformation der Kirche, auf Verstattung des
Laienkelchs im Abendmahl, der Priesterehe und der verbotenen
Speisen. In der Behauptung, da die Residenz der
Bischfe in ihren Dizesen nicht auf ppstlichem,
sondern auf gttlichem Recht beruhe, konzentrierte sich die
Opposition der spanischen Bischfe gegen die italienischen.
Die 18. Sitzung handelte von der Bcherzensur; die 19. und 20.
beschlossen nur, da in diesen beiden Sitzungen nichts
bestimmt werden solle; in der 21. und 22. Sitzung kamen die Dekrete
von der Abendmahlsfeier und dem Meopfer zu stande, der
Laienkelch wurde von der Erlaubnis des Papstes abhngig
gemacht. Am 13. Nov. erschien bei dem Konzil noch der Kardinal von
Lotringen mit $
el (das an Koburg und erst 1834
an Preuen kam), Birkenfeld und Meisenheim, mit Preuen
vereinigt wurden. Der preuische Anteil gehrt
gegenwrtig zu den Regierungsbezirken T. und Koblenz. Durch
die Bulle "De salute animarum" 1821 wurde das Bistum T.
reorganisiert und unter den Erzbischof von Kln gestellt. Die
Dizese umfat seitdem wieder dieselben Gebiete wie im
Mittelalter und ist nur auf dem linken Rheinufer geschmlert.
Der Bischof Wilhelm Arnoldi (1842-64) gab 1844 groen
Ansto durch die neue Ausstellung des heilige Rockes. Nach
dem Tode des Bischofs Eberhard (30.Mai 1876) blieb das Bistum
whrend des Kulturkampfes unbesetzt; erst 1881 wurde der
Bischof Korum (s. d.) ernannt. Vgl. Hontheim, Historia Trevirensis
diplomatica (Augsb. 1750, 3 Bde.); Derselbe, Prodromus historiae
Trevirensis (das. 1757, 2 Bde.); "Urkundenbuch zur Geschichte der
mittelrheinischen Territorien" (hrsg. von Beyer, Eltester und
Grz, Kobl. 1860-74, 3 Bde.); Grz, Regesten der
Erzbischfe von T. (Trier 1859-61); Marx, Geschicht$
ruch mit demkimmer proklamierten und
hervorgehobenen Grundsatz steht, da T. eine Krankheit sei
(intemperance is a disease). Indessen sind die angefhrten
Thatsachen durchaus nicht geeignet, den Grundwert dieser
Einrichtung, den hohen Nutzen derselben und ihre
Nachahmungswrdigkeit zu diskreditieren. In England haben
schon seit vielen Jahren ganz vornehmlich die Irrenrzte die
Zweckmigkeit und die unentbehrliche Notwendigkeit
solcher Anstalten hervorgehoben und verlangt. Privatasyle haben
hier mehrfach schon seit Jahren existiert, und vielfltig ist
hier die Frage errtert worden, ob nach der bestehenden
Gesetzgebung trunkschtige Personen in Irrenanstalten
aufgenommen werden drfen. Aber auch hier war die Ansicht
vorherrschend, da zur Aufnahme und Behandlung von
Gewohnheitstrinkern ganz besondere Anstalten vorhanden sein
mten, da ihre Einschlieung auf
gesetzlichem Wege geregelt und bis auf ein Jahr ausgedehnt werden
mte. Ein 1880 auf die Dauer von zehn Jahren in Kraft
getretenes Gesetz lt jedoch n$
echischen
Litteratur mit ausfhrlicher Beleuchtung der
Kulturverhltnisse behandelt. Als in biographischer Hinsicht
ausgezeichnet sind die "Dejiny reci a literatury ceske" von A.
Sembera (1869) zu erwhnen. Wertvolle Beitrge zur
tschechischen Literaturgeschichte lieferten: W. Nebesky, K. I.
Erben, Vrtatko, Brandl (ber Karl v. Zerotin), Cupr (ber
Veleslavin), Ki (ber Sixt v. Ottersdorf und Lomnicky),
Hanus (ber Celakowsky), Zoubek (ber Komensky), Jirecek
(ber Safarik), Zeleny (ber Palacky, Kollar, Jungxann)
etc. Auch enthlt die groe unter Leitung Riegers
verffentlichte Encyklopdie "Slovnik naucy" (1854-74,
12 Bde.) ausfhrliche Artikel zur tschechischen Litteratur.
Vgl. K. Tieftrunk, Historie literatury ceske (Prag 1876); Fr.
Bayer, Strucne dejiny literatury ceske (Olmtz 1879);
Backovsky, Zevrubn dejiny ceskeho pisemnictv i doby nove
("Eingehende Geschichte der tschechischen Litteratur der Neuzeit",
Prag 1888); Pypin u. Spasovic, Geschichte der slaw. Literaturen,
Bd. 1 (deutsch, Leipz. 1880 ff.$
 aus den
Listen der russischen Marine gestrichen, seiner Wrde als
Reichsrat entsetzt und seiner Gter beraubt. Er starb 1. Sept.1849 in Paris. Seine "Mmoires" ber den Krieg von 1812
erschienen 1855 in Berlin und 1862 in Paris.
Tschitschenboden, die sdstliche Fortsetzung
des eigentlichen Karstes (s. d.), welche den grten
Teil Istriens erfllt und sich insularisch in Cherso etc.
fortsetzt; nach dem diesen Landstrich bewohnenden kroatichen Stamm
der Tschitschen benannt. Er bildet Flchen, die von NW. nach
SO. gefurcht sind, und kulminiert im Monte Maggiore (1394 m).
Tschobe, Name des Cuando in seinem untern Lauf, da wo er
sdlich und dann, sich nach N. biegend, auch nrdlich vom
18. sdl. Br. ein langes und breites Sumpfgebiet bildet,
ehe er wiederum als Cuando bei Mpalewa sich in den Sambesi
Tschoga (trk.), in Afghanistan und Indien langes,
weites Oberkleid, in Mittelasien Pelzgewand.
Tschoh, s. Chow.
Tschohadar (Tschokadar, trk.), Diener.
Tschokta (Choctaws, Chactas), groer nordamerikan.
Indianers$
heime Tendenz an, die Abschttelung des
franzsischen Jochs anzubahnen. In Schlesien und in Pommern
fand die Idee Anklang, weniger in der Mark, am wenigsten in Berlin.
brigens wirkte manches zusammen, was einer grern
Ausbreitung des Vereins hinderlich ward. Viele ngstliche
Vorsteher von Zivil- und Militrbehrden verboten ihren
Untergebenen den Beitritt. Andern erschienen die Statuten zu weit
aussehend und unpraktisch; am meisten schadete dem'Verein aber der
Umstand, da Preuen sich nicht schon 1809 der Erhebung
sterreichs anschlo, und da die Schillsche
Unternehmung, die mit Unrecht dem T. aufgebrdet wurde,
milang. Die Zahl der Teilnehmer belief sich auf 300-400.
Unter ihnen fanden sich Namen wie Boyen, Witzleben, Grolman,
Tugendrose - Tula.
v. Thile, v. Ribbentrop, Merkel, Ladenberg, Eichhorn, Manso u.
a., wogegen mehrere, welche man als Haupttrger der ganzen
Idee zu betGachten pflegt, wie Stein, Niebuhr, Gneisenau,
Scharnhorst, nie zum Verein gehrt haben. Am 31. Dez. 1809
dekretierte der Knig a$
seinem Landsitz in Altdorf und starb 30. Juli 1847 zu
Ragaz in der Schweiz. Er schrieb: "Betrachtungen auf dem Gebiet der
Verfassungs- und Staatenpolitik" (Freiburg 1845, 2 Bde.). - Sein
Sohn Hans, Freiherr von T., ge*. 15. Dez. 1814 zu Freiburg i. Br.,
war 1849-64 vortragender Rat im Auswrtigen Ministerium zu
Karlsruhe und 1864-83 badischer Gesandter in Berlin.
Turco (ital.), trkisch; alla turca, auf
trkische Art (von Tonstcken mit vollgriffiger, zwischen
wenigen Akkorden wechselnder Begleitung).
Turdetaner, eine der Hauptvkerschaften der
Hispanier, in der Provinz Btica, westlich vom Flusse Singulis
(Jenil), an beiden Ufern des Btis (Guadalquivir) und bis ins
sdliche Lusitanien hinein sehaft. Sie waren als
Kstenanwohner (ihr Land ist das Tarschisch der Bibel) zuerst
mit zivilisierten Phnikern in engere Berhrung gekommen
und hatten von ihnen neben andrer Kultur den Gebrauch der Schrift,
das Wohnen in wohlgebauten Stdten den Betrieb vieler
Handwerke gelernt, aber zugleich als friedliches Kulturvo$
ige Bauart machen T. zu einer der
schnsten Stdte Italiens. Es zerfllt in sieben
Stadtteile (Dora, Moncenisio, Monviso, Po, Borgo San Salvatore,
Borgo Po und Borgo Dora) und hat langgedehnte, breite und gerade
Straen und weite, stattliche Pltze. Die ehemaligen
Festungswerke sind zu schnen Spaziergngen umgewandelt.
Die schnsten Straen sind die Via di Po, die Via di
Roma, die Via Garibaldi und der Corso Vittorio Emmanuele. Unter den
40 Pltzen zeichnen sich aus: die Piazza Castello, rings von
Hallen umgeben; die Piazza Carlo Alberto; die Piazza Carlo Felice
(mit hbschen Anlagen versehen); die groe, 1825
angelegte Piazza Vittorio Emmanuele, welche sich bis zu der 1801
unter Napoleon I. erbauten groen steinernen Pobrcke
hinzieht; die Piazza del Palazzo di Citt, die Piazza dello
Statuto mit dem Denkmal fr den Bau des Mon Cenis-Tunnels und
die Piazza Cavour (mit Anlagen). Die hervorragenden
Monumentalbauten sind nicht die Kirchen, sondern die Palste,
welche mit Ausnahme des `alazzo Madama auf der P$
dichten Waldungen bedeckt, whrend in
andern es an Holz fast gnzlich mangelt. Eine
Haupterwerbsquelle der Landbewohner der europischen
Trkei ist auerdem die Viehzucht. Die trkischen
Pferde, klein, aber sehnig und usdauernd, dienen
hauptschlich zum Lasttragen; die Esel und Maulesel der
Trkei wetteifern an Schnheit mit denen Italiens. Die
Stelle des Kamels, das nur in Konstantinopel vorkommt, vertritt der
Bffel, der die schwersten Fuhren bewltigt. Das Rindvieh
ist klein, gut gebaut und meist gelblichgrau mit braunen Flecken.
Khe werden fast nur fr die Zucht gehalten. Sehr
erheblich ist die Schafzucht, insbesondere in Albanien, von wo
jhrlich im Frhjahr groe Schafherden nach
Makedonien und Thessalien zum Weiden getrieben werden. Die
Wollausfuhr aus der europischen Trkei, besonders nach
Frankreich, wertete frher im Durchschnitt an 24 Mill. Frank,
ist aber auf 73/4 Mill. Fr. (1887/88) gesunken; feinre Wolle
produziert die Gegend von Adrianopel. In den Gebirgsgegenden werden
viele Ziegen gehalte$
sbahn mit dem
Eskaladiergerst. ber den seit Jahn vielfach
vervollkommten Bau der Turngerte und die Einrichtung von
Turnrumen vgl. Lion, Werkzeichnungen von Turngerten (3.
Aufl., Hof 1883); Euler und Kluge, Turngerte und
Turneinrichtungen (Berl. 1872); W. Angerstein, Anleitung zur
Einrichtung von Turnanstalten (das. 1863).
Das bungsgebiet der T. umfat bungen ohne
Gerte und bungen mit oder an solchen. Die erstern
beschrnken sich aus die Ausnutzung der
Bewegungsfhigkeit des Leibes in sich oder mit andern, im
erstern Fall als sogen. Freibungen (s. d.) die einfachen oder
miteinander verbundenen Gliederbewegungen im Stehen, Gehen, Laufen,
Hpfen und Springen umfassend, im letztern Fall
Ordnungsbungen (s. d.) genannt, welche die Aufstellungen,
Gliederungen und Bewegungen ei{er Mehrzahl von benden lehren
und sich mit den militrischen (taktischen) Formen des
Exerzierens oder denen des Tanzes berhren. Beide,
insbesondere die letztern, knnen ihres rhythmischen Gehalts
wegen mit Gesang oder Musikbeglei$
8. Ma. 1758 zu Horsbyll
im Schlesischen, studierte in Kiel und Gttingen, machte dann
eine wissenschaftliche Reise durch Deutschland, Italien, Frankreich
und Spanien, ward 1784 Professor der Theologie zu Gttingen,
1797 Prsident der Gttinger Akademie der Wissenschaften
und starb 23. Okt. 1834. Von seinen Schriften sind zu nennen:
"Grundri einer Archologie der Hebrer"
(Gtting. 1789); "Grammatik der arabischen Schriftsprache"
(das. 1823); die Ausgabe des Quintus Smyrnus (Strab.
1807) und_verschiedene Essays ber Numismatik,
Palographie etc. - Seine durch Schnheit und Talente
ausgezeichnete Tochter Ccilie (gest. 1812 im Alter von 18
Jahren) besang der Dichter Ernst Schulze (s. d. 4) in dem
gleichnamigen epischen Gedicht.
Tydeus, im griech. Mythus Sohn des neus,
flchtete wegen eines begangenen Mordes nach Argos zu
Adrastos, der ihn shnte und ihm seine Tochter Deipyle zum
Weib gab. T. zog mit ihm gegTn Theben, wurde von Melanippos
verwundet und starb an den Folgen der Wunde.
Tyfon, Wirbelsturm, s. Te$
 und im obern
Teil desselben einen kurzen, geraden Embryo mit lnglichen
Kotyledonen und nach oben gekehrtem Wrzelchen. Vgl. A. P. de
Candolle, Mmoire sur la famille des Ombellifres
(Par. 1829). Die U. zhlen ber 1300 Arten, welche zum
grten Teil der gemigten und kltekn
Zone der nrdlichen Halbkugel angehren. Alle enthalten
therisches l oder Harz oder Gummiharz, welches in allen
Teilen der Pflanze in besondern lgngen vorkommt,
vorwiegend *n den Wurzeln und Frchten. Wenige enthalten auch
narkotisch-scharfe Alkaloide. Manche sind berdies in ihren
Wurzeln oder den verdickten untern Stengelteilen reich an Schleim
und Zucker. Daher sind viele U. Gewrzpflanzen, mehrere
wichtige Arzneipflanzen; manche liefern Nahrungsmittel, andre
Futterstoffe; einige gehren zu den gefhrlichsten
Giftpflanzen. Fossil sind nur sehr wenige Arten von U. aus den
Gattungen Peucedanites Heer und Dichaenites A. Br. in den
Tertirschichten gefunden.
Umbelliflren, Ordnung im natrlichen Pflanzensystem
unter den Dikotyledon$
 zumeist aus schwarzem
Thonboden mit mehr oder weniger Humus und ist in manchen Gegenden
auch ohne Dnger ebenso fruchtbar wie die zwischen hohen
Bergen liegenden lieblichen Thler (z. B. das
uerst romantische Waagthal). Dagegen gibt es aber auch
groe unfruchtbare Sandflchen; in der westlichen Ebene
erstrecken sie sich nur von Raab und Komorn bis zum Komitat Zala;
in der stlichen Ebene jedoch ilden sie, von Waitzen
ausgehend, zwischen der Donau und Thei bis nahe an den
Franzenskanal ein wahres Sandmeer.
[Klima.] Schon die geographische Lage Ungarns, noch mehr aber
die Gestalt seiner Oberflche machen es zu einem klimatisch
milden Land. Mit Ausnahme des nach N. geffneten Poprader
Thals ist es vor rauhen Nordwinden durch hohe Gebirge
geschtzt; im S. aber ffnet es sich den warmen
Sdwinde-, deren oft heftigen Andrang die zahlreichen
Gewsser migen. Am Fu der hohen Karpathen
und des Knigsbergs (in Gmr), in der rva,
Liptau und Zips reift selbst die Pflaume kaum, und oft bedeckt
schon im September $
arpathengegend auftritt. Charakteristisch ist der starke
Temperaturwechsel, namentlich der Unterschied zwischen Tages und
Nachtwrme, so im Alfld, wo die Temperatur im Sommer .es
Morgens nur 45 C. betrgt und mittags auf mehr als
30 steigt; noch grer aber ist der Unterschied der
von den Sonnenstrahlen erzeugten Bodenwrme; daher treten dort
auch hufi2 Wechselfieber und andre Krankheiten auf. Im
allgemeinen ist aber das Klima in U. gesund. Die mittlere
Jahrestemperatur bewegt sich zwischen +5,9 und +14 C. und
betrgt in Schemnitz 6, Preburg 9,6, Budapest
11, Klausenburg 9,12, Semlin 11,6, Fiume 14,1.
Eine gewhnliche Erscheinung ist im Alfld die Fata
Morgana, hier Delibab ("Mittagszauber") genannt.
Areal und Bevlkerung.
Das Areal von U. samt Nebenlndern betrgt 322,940 qkm
(5865 QM.), wovon auf das eigentlich U. samt Siebenbrgen
280,387 qkm (5092 QM.), auf Fiume samt Gebiet 20 qkm (0,36 QM.) und
auf Kroatien und Slawonien 42,533 qkm (772 QM.) entfallen. Das
eigentliche U. wurde frher in adm$
ern
Widerstandes verzweifelnd, fate der neue Diktator,
brigens mit Vorwissen und Zustimmung der Regierung, den
Beschlu, sich nicht den verhaten sterreichern,
sondern den Russen zu ergeben, und streckte 13. Aug. mit 22,000
Mann bei Vilagos vor General Rdiger bedingungslosdie WafOen.
Ihm folgten 16. Aug. Oberst Kazinczy mit 10,000 Mann, 17. Aug.
Damjanich in Arad u. a.; nur Komorn wurde von Klapka
hartnckig verteidigt, bis es 2. Okt. eine ehrenvolle
Kapitulation erlangte. "U. liegt zu den Fen Ew.
Majestt!" schrieb Paskewitsch an den Zaren.
Da die Ungarn die Unterwerfung unter den hochmtigen
Zaren der direkten Verstndigung mit der sterreichischen
Regierung, welcher sie brigens von Ruland auf Gnade
oder Ungnade berliefert wurden, vorzogen, war fr die
sterreicher beleidigend und reizte ihren Zorn aufs
uerste. Von den gefangenen Huptern der
Insurrektion (mehreren, wie Kofsuth u.a., war die Flucht nach der
Trkei geglckt) wurde nur Grgei auf russische
Intervention verschont; 13 Generale und $
ung der Regierung an; nicht nur das stehende
Heer, sondern auch die Landwehr wurde unter den Befehl des
Reichskriegsministjriums gestellt, die letztere jedoch als
Honvdarmee unter dem Kommando des Erzherzogs Joseph
besonders organisiert. Das Bewutsein des durch Ausdauer und
Klugheit errungenen Siegs trieb die Magyaren an, den freiheitlichen
Ausbau des Nationalstaats mglic!st rasch zu vollenden. Die
politische Gleichstellung der Juden, die fakultative Zivilehe, ein
Volksschulgesetz u. a. wurden beschlossen. Das
Nationalittengesetz vom 29. Nov. 1868 bestimmte, da
alle Bewohner Ungarns die einheitliche und unteilbare ungarische
Nation bilden, die ungarische Sprache Staatssprache sein sollte.
Das bergewicht der Magyaren bei den Wahlen wurde durch
Verteilung der Wahlbezirke und des Stimmrechts aufrecht erhalten.
Vor allem wollte man die materielle Entwickelung des Landes durch
Eisenbahnen frdern, und durch Anleihen fr den Bau von
Staatseisenbahnen und durch Zinsgarantien fr
Privateisenbahnen belastete das$
 Hand
gelassen, whrend gleichzeitig in sterreich die
deutschliberale
Ungarweine - Ungehorsam.
Verfassungspartei wegen ihrOr kurzsichtigen Opposition gegen die
auswrtige Politik der Krone ihre magebende Stelle
einbte. Indem Tisza entschieden dafr eintrat,
da der Staat vor allem ungarisch sein, gleichzeitig aber in
der Gesamtmonarchie seine Interessen nachdrcklich zur Geltung
bringen msse, gelang es ihm imer wieder, die Opposition im
Parlament zu besiegen und bei den Wahlen die Mehrheit zu behalten.
In der That war das Programm der uersten Linken,
Losreiung von sterreich, unausfhrbar und, wenn
es ausgefhrt worden wre, von den schdlichsten
Folgen fr U. Die Finanzverhltnisse nahmen immer noch
die besondere Aufmerksamkeit in Anspruch, da das Desizit aus dem
Staatshaushalt nicht zu beseitigen war. Es wurden daher
frhere Anleihen zu einem geringern Zinsfu konvertiert
und neue Steuern eingefhrt, andre erhht. Die
Magyarisierung der Schulen wurde 1883 durch ein Gesetz ber
die Mittelschulen, we$
nd versuchte
ferner Preue 1850 eine U. der Klein und Mittelstaaten unter
preuischer Fhrung, zu welchem Zweck das Erfurter
Unionspalament berufen ward (s. Preuen, S. 374). Im
staatsrechtlichen Sinn versteht man unter U. die Verbindung zweier
Staaten, welche unter einem und dem selben Souvern stehen (s.
Staat, S. 196).
Auf kirchlichem Gebiet bezeichnet U. die Vereinigung
verschiedener Religions- oder Konfessionsparteien zu Einer Gemeinde
oder Kirche. Der Trieb nach Beseitigung der kirchlichen Spaltungen
zieht sich (unter stetiger Berufung auf Joh. 10, 16; 17, 21-23;
Eph. 4, 3-6) durch die ganze Geschichte der Kirche hindurch.
Whrend aber die katholische Kirche bei ihren Attributen der
Einheit, Allgemeinheit und Untrglichkeit eine U. nur durch
das Aufgehen aller andern Kirchenparteien in ihrer Gemeinschaft
erstreben kann, erlaubt die evangelische Kirche bei ihrer
prinzipiell freiern Stellung zum Dogma, zu der kirchlichen
Verfassung und zu den gottesdienstlichen Einrichtungen eine
Vereinigung zweier oder$
ie geben.
Von Kindern spricht man so, von mir klingt's lcherlich;
Bin ich ein Kind?
                  Du liebst!
                             Du auch!
                                      Ja, lieb' wie ich!
Besnftige den Sturm, der dich bisher getrieben!
Man kann sehr ruhg sein, und doch sehr zrtlich lieben.
Da ist das Band!
                 Sehr schn!
                             Wie lange zauderst du!
Ich ging am Hgel hin, da rief mir Chloris zu.
Da hab ich ihr den Hut mit Blumen schmcken mssen.
Was gab sie dir dafr?
                       Was? Nichts! Sie lie sich kssen.
Man tu auch, was man will, man trgt doch nie zum Lohn
Von einem Mdchen mehr als einen Ku davon.
Amine [zeigt Eglen den Kranz mit der Schleife].
Ist es so recht?
                 Ja, gib!
[Sie hngt Aminen den Kranz um, so da die Schleife auf die rechte
Schulter kommt. Mittlerweile redet sie mit Lamon.]
                         Hr! nur recht lustig heute!
Nur heute recht gelrmt! Man fhlt nur halbe Freude,
Wenn man sie si$
, htt' uns nicht
Den holden Leichtsinn die Natur verliehn.
Mit unschtzbaren Gtern lehret uns
Verschwenderisch die Not gelassen spielen:
Wir ffnen willig unsre Hnde, dass
Unwiederbringlich uns ein Gut entschlpfe.
Mit diesem Kuss vereint sich eine Trne
Und weiht dich der Vergnglichkeit! Es ist
Erlaubt das holde Zeichen unsrer Schwche.
Wer weinte nicht, wenn das Unsterbliche
Vor der Zerstrung selbst nicht sicher ist?
Geselle dich zu diesem Degen, der
Dich leider nicht erwarb! Um ihn geschlungen,
Ruhe, wie auf dem Sarg der Tapfrn, auf
Dem Grabe meines Glcks und meiner Hoffnung!
Hier leg' ich beide willig dir zu Fen;
Denn wer ist wohl gewaffnet, wenn du zrnst?
Und wer geschmckt, o Herr, den du verkennst?
Gefangen geh' ich, warte des Gerichts.
(Auf des Frsten Wink, hebt ein Page den Degen mit dem Kranze auf
und trgt ihn weg.)
Fnfter Auftritt
Alphons. Antonio.
Wo schwrmt der Knabe hin? Mit welchen Farben
Ma^lt er sich seinen Wert und sein Geschick?
Beschrnkt und unerfahren, hlt die Jugend
Sich $
t; die Meinung andrer
Befriedigt leicht das wohl gefhrte Schwert--
Doch ein gekrnktes erz erholt sich schwer.
Jetzt ist's an mir, dass ich dir dringend sage:
Tritt nicht zurck, erflle meinen Wunsch,
Den Wunsch des Frsten, der mich zu dir sendet.
Ich kenne meine Pflicht und gebe nach.
Es sei verziehn, sofern es mglich ist!
Die Dichter sagen uns von einem Speer,
Der eine Wunde, die er selbst geschlagen,
Durch freundliche Berhrung heilen konnte.
Es hat des Menschen Zunge diese Kraft;
Ich will ihr nicht gehssig widerstehn.
Ich danke dir und wnsche, dass du mich
Und meinen Willen, dir zu dienen, gleich
Vertraulich prfen mgest. Sage mir,
Kann ich dir ntzlich sein? Ich zeig' es gern.
Du bietest an was ich nur wnschen konnte.
Du brachtest mir die Freiheit wieder; nun
Verschaffe mir, ich bitte, den Gebrauch.
Was kannst du meinen? Sag' es deutlich an.
Du weit, geendet hab' ich mein Ged2cht;
Es fehlt noch viel, dass es vollendet wre.
Heut berreicht' ich es dem Frsten, hoffte
Zugleich ihm eine Bitte vor$
t verehrt,
So wird die Nachwelt ihn verehrend nennen.
Wie herrlich ist's, im Glanzetdieses Lebens
Ihn an der Seite haben! So mit ihm
Der Zukunft sich mit leichtem Schritte nahn!
Alsdann vermag die Zeit, das Alter nichts
Auf dich und nichts der freche Ruf,
Der hin und her des Beifalls Woge treibt:
Das, was vergaenglich ist, bewahrt sein Lied.
Du bist noch schoen, noch gluecklich, wenn schon lange
Der Kreis der Dinge dich mit fortgerissen.
Du musst ihn haben, und ihr nimmst du nichts:
Denn ihre Neigung zu dem werten Manne
Ist ihren andern Leidenschaften gleich.
Sie leuchten, wie der stille Schein des Monds
Dem Wandrer spaerlich auf dem Pfad zu Nacht,
Sie waermen nicht, und giessen keine Lust
Noch Lebensfreud' umher. Sie wird sich freuen,
Wenn sie ihn fern, wenn sie ihn gluecklich weiss,
Wie sie genoss, wenn sie ihn taeglich sah
Und dann, ich will mit meinem Freunde nicht
Von ihr und diesem Hofe mich verbannen:
Ich komme wieder, und ich bring' ihn wieder.
So soll es sein!--Hier kommt der raue Freund:
Wir wollen$
ch selbst geste Bume selber pfropfte,
Aus wenig Beeten meinen Tisch versorgte,
Als noch Zufriedenheit im kleinen Hause
Gefhl des Reichtums ber alles goss,jUnd ich nach meiner Einsicht zur Gemeinde
Als Freund, als Vater aus dem Herzen sprach,
Dem Guten frdernd meine Hnde reichte,
Dem Bsen wie dem bel widerstritt.
O htte damals ein wohltt'ger Geist
Vor meiner Tre dich vorbei gewiesen,
An der du mde, durstig von der Jagd
Zu klopfen kamst; mit schmeichlerischem Wesen,
Mit sem Wort mich zu bezaubern wusstest.
Der7Gastfreundschaft geweihter, schner Tag,
Er war der letzte rein genossnen Friedens.
Wir brachten dir so manche Freude zu.
Weltgeistlicher.
Und dranget mir so manch Bedrfnis auf.
Nun war ich arm, als ich die Reichen kannte;
Nun war ich sorgenvoll, denn mir gebrach's;
Nun hatt' ich Not, ich brauchte fremde Hilfe.
Ihr wart mir hilfreich, teuer b' ich das.
Ihr nahmt mich zum Genossen eures Glcks,
Mich zum Gesellen eurer Taten auf.
Zum Sklaven, sollt' ich sagen, dingtet ihr
Den sonst so freie$
t gesehen?
Nein, mein Vater.
Er hat dir heute in der Nationalversammlng allerlei in die Ohren
Ja, mein Vater.
Das eben nicht die ganze Nation, sondern meine Tochter Karoline
Freilich, mein Vater.
Du hast dich doch klug gegen ihn zu benehmen gewusst?
Er hat wohl wieder stark in dich gedrungen?
Wie Sie denken knnen.
Und du hast ihn abgewiesen?
Wie sich's ziemt.
Wie ich es von meiner trefflichen Tochter erwarten darf, die ich aber
auch mit Ehre und Glck berhuft und fr ihre Tugend reichlich
belohnt sehen werde.
Wenn Sie nur nicht vergebens hoffen.
Nein, meine Tochter, ich bin eben im Begriff, einen groen Anschlag
auszufhren, wozu ich deine Hilfe brauche.
Was meinen Sie, mein Vater?
Es ist dieser verwegenen Menschenrasse der Untergang gedroht.
Was sagen Sie?
Setze dich nieder und schreib.
Ein Billett an den Baron, dass er ommen soll.
Das will ich dir schon sagen. Es soll ihm kein Leids widerfahren, ich
sperre ihn nur ein.
Soll ich mich einer solchen Verrterei schuldig machen?
Nur geschwind.
Wer soll es d$
e wich weiter zurck von ihm, ihre Augen
wurden unklar; es versagte da etwas. Das sah er,--und ehe sie es ahnte,
ehe er selbst es wute, war er bei ihr. Er umschlang sie und prete sie
an sich. Er wurde wild, als er ihren Krper an seinem fhlte, und kte
sie, kte sie, wo er gerade hintraf. Sie bog aus, bald nach der einer
Seite, bald nach der ndern. Da bedeckte er ihren |als mit Kssen. Sie
fhlte, jetzt galt es. Einen Arm hatte sie nur frei; aber damit stie
sie ihn von sich. Gleichzeitig bog sie sich so weit nach hinten, da sie
fast gefallen wre. Dadurch kam er ber sie, das zndete, und er wollte
es sich zu Nutzen machen. Aber er mute seinen rechten Arm lsen, um sie
umschlingen zu knnen. Gerade dadurch bekam sie ihren linken Arm frei,
stemmte ihn mit aller Macht ihm gegen die Brust, da sie sich nach der
Seite wenden konnte, und stand aufrecht. Ihre Augen trafen sich. Sie
waren wild, die Flammen in ihnen prallten geeneinander. Keiner sprach
ein Wort. Ihre Atemzge gingen kurz und scharf.
"Mary!"$
kann nicht sagen, dass ich es mir schon ganz zu eigen
gemacht habe. Namentlich wird viel Neues hinzukommen, wenn ich die
Staetten wiedersehe, wo wir zusammen waren. Aber soweit bin ich durch das
tiefere Hineinleben dieser Jahre doch gekommen, dass ich diese Staetten
nicht mehr scheue; im Gegenteil, ich sehne mich jetzt nach ihnen."
Die Begegnung mit der neuen Marit wurde ein Fest fuer ihn. Nicht sofort;
denn zuerst hatte sie natuerlich Angst vor dem fremde Mann mit den
grossen Augen. Aber es erhoehte seine Freude, wie sie vorsichtig, nach und
nach ihm naeher kam. Als sie schliesslich auf seinen KnRen sass mit den
beiden neuen Puppen, einem Tuerken und einer Tuerkin, und ihm diese in die
Nase steckte, damit er niesen sollte, weil die Tante das auch getan
hatte, da sagte er mit Traenen in den Augen: "Ich habe nur eine Begegnung
erlebt, die noch herrlicher war."
Sie siedelte also mit dem Kindermaedchen in sein Haus ueber. Ihr erster
gemeinschaftlicher Gang war zum Grabe der Mutter, auf das sie Blumen
legen soll$
sichtbar, da viele Anlagen, Alleen, Parterres, Berceaus
und dergleichen eingegangen sind. Was ihn im ganzen Lande berhmt macht,
sind die Wasserknste, die aber mit denen von St.-Cloud, von Herrenhausen
und der Wilhelmshhe bei Kassel keinen Vergleich aushalten. Nur da sie
die einzigen im Lande sind, macht ihren Ruhm aus. Eine knstliche,
zwei- bis dreihundert Fu hohe Kaskade mit Stufen, der es aber,
wie den meisten dieser Art, an hinlnglichem Wasser fehlt, wird zuerst
gezeigt. In einem anderen Bassin mu das Wasser die Gestalt einer
glsernen Glocke annehmen. Neben dieser Glocke steht noch ein dem
Ansehen nach verdrrter Baum; er ist aus Kupfer knstlich gebildet,
das Wasser spritztschumend aus seinen Zweigen, er sieht dann
ganz artig aus, als ob er mit groen Eiszapfen und Schnee bedeckt wre,
kleine Wasserstrahlen steigen ringsumher aus der Erde empor.
Zwei andere Springbrunnen werfen den Wasserstrahl neunzig Fu hoch
gen Himmel und machen eine recht hbsche Wirkung. Die Englnder,
welche in den ring$
ffield sehr viele und sehr schne Stah_- und
plattierte Waren verfertigt. Unseres Bleibens konnte aber dort
nicht lange sein; nichts zog uns an, wir eilten fort und freuten uns
in dem nicht weit entfernten Landsitze des Lord Fitzwilliam,
Wentworth House, wieder einmal frische Luft zu schpfen.
Wentworth House und Rotherham
Es ward uns erlaubt, durch den Park von Wentworth zu fahren.
Obgleich gro und angenehm, zeichnet er sich dennoch brigens
nicht aus; ebensowenig die Grten und Anlagen.
Das Merkwrdigste hier sind die prchtigen Stlle; sie gleichen
wahrlich mehr einem Palaste als der Wohnung von Pferden.
Sie umschlieen einen groen viereckigen Hof von allen Seiten.
Der eine Flgel des mit architektonischer Pracht verzierten Gebudes
ist zur Reitbahn eingerichtet; in den drei anderen sahen wir
eine Menge der schnsten Pferde, unter ihnen viele Jagdpferde,
meistens von arabischer Herkunft; auch verschiedene berhmte Renner,
welche bei manchem Wettrennen unsterblihe Lorbeeren errungen hatten.
Die Luft war $
it dem
Apparat nicht vornber zu schiessen. Lilienthal schildert seinen Unfall
in der "Zeitschrift fr Luftschiffahrt" vom Jahre 1895, wie folgt: "Bei
einem von grosser Hhe ausgefhrten Segelfluge gab dies--Hintenberlegen
des Krpers--die Veranlassung, dass ich bei gestreckten Armen in eine
Krperlage geriet, bei welcher der Schwerpunkt zu weit nach hinten lag,
whrend es mir bei der bereits eingetretenen Ermdung nicht mglich
war, die Oberarme wieder vorzuziehen. Als ich so in 20 Metern Hhe mit
etwa 15 Metern Geschwindigkeit dahinsegelte, richtete sich der hinten zu
sehr belastete Apparat immer mehr auf und Vchoss schliesslich durch
seine lebendige Kraft senkrecht in die Hhe. Ich hielt mich krampfhaft
fest, sah nichts als den blauen Himmel mit weissen Wlkchen ber mir und
erwartete den Moment, wo der Apparat hintenberschlagen wrde, um meine
Segelversuche vielleicht fr immer zu beenden. Pltzlich jedoch hielt
der Apparat im Ansteigen inne und ging rckwrts aus der Hhe wieder
herab, enkte in kurzem$
t, zum Beispiel
    genommen. Auf ihre Bitte haben die Zeitungen in Dayton ber die
    Versuche Schweigen bewahrt. Es ist wohl eine Indiskretion begangen
    worden. Es wurde ein
    Artikel verffentlicht, der aber bereits zurckgezogen ist. Die
    Wrights wollten Ihnen brigens am 4. November selbst schreiben.
    Mit vorzglicher Hochachtung
      C. Chanute.
Am 4. November war inzwischen auch von den Wrights selbst nachfolgendes
Schreiben an Hauptmann Ferber eingetroffen:
    Dayton, 4. November 1905.
    Geehrter Herr!
    Wir haben Ihren Brief vom 20. Oktober erhalten und machen Ihnen
    unser Kompliment. Niemand in der Welt kann mehr als wir Ihre
    Leistung anerkennen. Es ist aber ein grosser Sprung vom Aeroplan
    ohne Motor, mit seiner leichten Kontrolle, zur Entdeckung
    ausreichender und wirksamer Methoden, um Herr des so ungelehrigen
    Aeroplans mit Motor zu werdn. Nach den Experimenten so fhiger
    Leute wie Langley, Maxim und Ader, die Milliocen ausgegeben und
    Jahre ohne Resulta$
lle. Beide sind sehr schlank und zeigen nur Muskeln und Sehnen. Man
sieht ihnen an, dass sie sich ihr ganzes Leben lang mit einem Sport
beschaeftigt haben, bei dem es hauptsaechlich auf ein sicheres Auge und
grosse Geistesgegenwart ankommt. In ihrer Lebensweise sind sie stets
ueberaus nuechtern und enthaltsam gewesen. Auch bei den feierlichsten
Anlaessen waren sie nicht zu bewegen, Alkohol zu sich zu nehmen. Sie sind
fromm, nicht aeusserlich vor den Augen der Leute, sondern aus innerem
Gefuehl. Dies ist leicht verstaendlich, wenn man an den alten Bischof
Wright, der als Priester hoechstes Ansehen geniesst, denkt. So habensie,
die heute doch nicht mehr jung sind, in ihrem Leben noch nie eine
Andachtsstunde versaeumt und es als selbstverstaendlich erachtet, die
Sonntage von jeder ArtXArbeit freizuhalten.
Die Entwickelung des Gleitfluges.
Zum naeheren Verstaendnis der ersten praktischen Arbeiten der Brueder
Wright ist es erforderlich, die Entwickelung der Flugtechnik in
Deutschland ins Auge zu fassen. Hier war $
chen verliehen, ausgezeichnet. Am 8. April
machte Wright mitseinen Schuelern den letzten Aufstieg in Pau, erklaerte
ihre Ausbildung fuer beendet und begab sich nach Rom, um seinen Aeroplan
dort der italienischen Regierung vorzufuehren und einen Schueler
auszubilden. Unmittelbar nach seiner Abreise von Pau wurde der dort
benutzte, ziemlich stark mitgenommene Apparat im Auftrage der
franzoesischen Regierung nach Paris geschafft, um dort im Konservatorium
der Kuenste und des Handwerks Auhstellung zu finden. Auch in Rom gelang
es Wilbur, ganz Italien durch seine hervorragenden Leistungen von seinem
grossen Koennen zu ueberzeugen. Am 24. April fuehrte er seinen Apparat dem
Koenige von Italien vor, und bereits am 28. April konnte sein Schueler,
der Genieleutnant Calderara, trotz starken Regens selbstaendig einen Flug
von 35 Minuten Dauer vollfuehren. Durch Aussetzen des Motors stuerzte der
Apparat damals aus einer Hoehe von drei Metern zur Erde herab, der
Lenker blieb unverletzt, waehrend das Steuer brach und die
$
de es auch vielleicht einmal, aber
zur Zeit habe ich noch kein Recht auf diesen Titel.' Dann spielte ich.
"Es war ein prchtiges Instrument; die beiden jungen Herren kamen immer
nher heran und hrten mit sichtlichem Interesse zu, ich merkte, da wir
uns verGtanden, und bald war alles gewonnen. Sie spielten dann Violine,
und die Dame versicherte mich, da vierhndiges Klavierspiel ihre grte
Passion sei und endlich wurde ich aufgefordert, jeden Tag ein bis zwei
Stunden zu kommen. Zuletzt fragte der General noch nach dem Preis, der
war ihnen auch recht, eine unbescheidene Forderung mochte ich nicht
machen; das kann Herr Rudolf Meier tun, wenn er seine Hotelrechnung
stellt, aber ich kann das nicht so. Als ich fortging, begleiteten die
Herren mich ganz freundlich an die Tre, alle Steifheit war vorbei und
die Dame reichte mir noch die Handschuh, die ich vergessen hatte.
"Hinter einem Pfeiler im Treppenhaus kam Rudolf Meier zum Vorschein. Er
hat offenbar die Verhandlungen von auen beobachtet und wird morgen in$
zen angekommen. Im Schulhof flogen die
Schneeballen hin und her, und bis zu der groen Pause um 10 Uhr waren
die zahllosen Spuren der Kinderfe schon wieder von frischem Schnee
bedeckt und die grten Schneeballenschlachten konnten ausgefhrt
Daheim hatte Elschen sich einen Stuhl ans Fenster gerckt, kniete da und
sah vom Eckzimmer aus hinunter nach den Brettern und Balken, die wie ein
groer weier Wall vor dem Kasernenzaun aufgetrmt lagen. Und von diesemZaun htte jeder Stecken sein Kppchen, jeder Pfosten seine hohe Mtze
Frau Pfffling suchte die Kleine. "Elschen, komm, du darfst etwas
sehen," und schnell fhrte sie das Kind mit sich in das Wohnzimmer und
ffnete das Fenster. Eine frische Winterluft strich herein. Am Haus
vorbei, nach der Stadt zu, fuhr eine ganze Reihe von Leiterwagen, alle
beladen mit Christbumen.
"Christbume, Christbume," jubelte Elschen so laut, da einer der
Fuhrleute, der selbst wie ein Schneemann aussah, herausschaute, und als
er das glckselige Kindergesicht bemerkte, rief: $
 ein. Die Losung war nun: "Nur schnell heim zur Mutter, sie
allein ist noch in Angst, hat keine Ahnung, wie gut sich alles gelst
hat. Wie wird sie sorgen und warten, wie wird sie sich freuen!"
Aber nicht nur Frau Pfffling pate auf die eilig Heimkehrenden, auch
Frau Hartwig sah heute Mittag nach ihnen aus, freilich aus einem ganz
andern Grund. Sie hatte diesen Morgen an die Haustre einen groen Bogen
Papier genagelt, auf dem mit handgroen roten Buchstaben geschrieben
  Man bittet die Tre zu schlieen!
Darber lachte ihr Mann sie aus und versicherte, es wrde gar nichts
helfen, die Pffflinge wrden die Tre offen stehen lassen.
Die Hausfrau nahm ihre Mietsleute in Schutz. "Sie sind viel
ordentlicher, als dudenkst. Wilhelm und Otto sind ja ein wenig
flchtig, aber Karl ist immer aufmerksam und auch die Mdchen sind
manierlich; der kleine Frieder sogar wird zumachen, wenn er hrt, da es
mich sonst friert. Du wirst sehen, die Haustre wird geschlossen."
Um das zu beobachten stand nup die Hausfrau am Fenst$
en ganz ehrbar und zchtiglich neben einander, und ich
meckerte in ihren schnen Alt hinein.
Sie hatte die Fhrung, ich folgte wie ein Lmmlein der Hirtin.
Die Orgel. Die "liebe Gemeinde" (es war eine wirklich hbsche
Sopranstimme da, die ber diesem misstnigen Gemecker, Gebrumm und
Gepfeife schwebte, wie eine weisse Mwe ber ein schmutziges
missfarbiges Stoppelfeld), die weissen schmucklosen Wnde, die Sonne
draussen und die Sonne drinnen, in langen, breiten Streifen ber diesen
alten und jungen Kpfen. Das schwarze Brett mit den grossen weissen
Nummern der Chorle. Die kleine, schwarze Kanzel mit dem kleinen,
weisshaarigen Pastor Weidenbusch.--
Mir wurde ganz heimatlich. Wie lange bin ich nicht in einer corfkirche
       *       *       *       *       *
Man sage nicht, dass in unserer protestantischen Kirche die Poesie
keinen Platz hat. In den kalten grossen Stadtkirchen mit ihrem
nchternen Prunk, ja, da ist sie erfroren, elendXglich erfroren. Aber
unsere Dorfkirchen. Selbst diese kahlen, getnchten Wn$
sie zeichnen koennen, so deutlich sah er sie vor sich: das rote Roeckchen
mit dem verschaemten Flicken unten am Saum, die etwas grossen Fuesse in
den Holzpantoffeln, die grauen, groben Struempfe um die vllen festen
Als er so an sie dachte, kam sie, kam wie gerufen. Er erstaunte nicht
mal daueber. Nur ein fluechtiges Laecheln, ein leises vergnuegtes
Schmunzeln ging ueber sein Gesicht, und den Kopf ein wenig erhoben, um
besser sehen zu koennen, nickte er wie zur Bestaetigung eines
unausgesprochenen Gedankens.
Sie war ohne Hut, ganz wie sie im Hause, in der Wirtschaft ging, aber in
Stiefeln, statt in Pantoffeln. Sie trug einen grossen, braunen
Henkelkrug, aus dem sie naschte. Sie mochte schon unterwegs Beeren
gepflueckt haben, sie standen ueberall reichlich, freilich nirgend so wie
Sie sah ihn nicht und fing gleich an zu pfluecken.
Ob er sie anrief? Es machte ihm Spass, sie so heimlich zu beobachten.
Alle Augenblicke warf sie eine der vollen Flechten ueber die Schulter
zurueck. Immer, wenn sie sich tiefer buec$
gegen das Licht haltend. "Vornehm, souveraen, aristokratisch."
Er nahm eine hochmuetige Miene an und naeselte wie ein Gardeleutnant.
"Aeh, ich lach auf die Welt!"
Der Waldhueter sah ihn belustigt an: Wat buest du foer een?
"Nein, im Ernst, meinen Sie nicht auch, Herr Lehrer," eiferte Randers.
"Da ist doch noch Rasse, Edelzucht von Geschlechtern her."
"Ja, es hat was f--f--f--fuer sich," stotterte Petersen.
Randers sah tiefsinnig ins Glas, und der Waldhueter sah ihn an, wie
einen, dem nicht zu trauen ist.
"Sagen Sie selbst, meine Herren," rief Randers wieder auwschnellend,
"hab ich nicht recht?"
"Ach wat," brummte der Waldhueter aergerlich. "So'n Luee moeten sin, un
anner Luee moeten ok sin. Vor uns Herrgott sind wie all gliek."
"Ja, lieber Herr, das ist ja ganz recht," rief Randers. "Das ist ja aber
eine Sache fuer sich."
"JasMau, du v--v--versteihst den Herrn f--f--f--falsch," legte sich der
Lehrer ins Mittel.
"Dat mag sin, ik meen aber man. Ik buen man 'n schlichten eenfachen Kirl,
dat heet, min Geschaeft h$
eln Sie
sich proteusartig; oder vielmehr lassen sich verwandeln von irgend einer
Circe. Oder sind Sie konsequent in der Entwickelung? Ist es die
Kuenstlerin, die Ihnen nach der Aristokratin noch fehlte? Nur danW wuerde
ich mir weitere Materialien erbitten.
Ich hatte mir schon vorgenommen, Sie im November zu besuchen,
"studienhalber". Sie sollten mir wenigstens die Stelle zeigen, wo Sie
Ihr Blockhaus bauen wuerden, und ich wollte wenigstens die aufgebrachten
Wellen sehen, die zuletzt ihre Leiche dem erschuetterten Leser von die
Fuesse werfen sollen. Eine Blockhausgefaehrtin aus Fleisch und Bein zu
sehen, darauf hatte ich schon Verzicht geleistet. Und nun ist sie doch
Wirklichkeit geworden.
Lassen Sie mich jetzt aber auch mehr hoeren. Der Roman stockt. Ich
brauche Dampf. Lassen Sie mich im Stich, muss ich's auf meine Weise
deichseln. Und ob Sie dann zufrieden sein werden?
Kraus genug wird das Ding. Mehr Materialien zu einem Lebensbild als
Roman. Aber Warum muss es denn gerade ein Roman sein? Es wird ein buntes
$
, und
entschlug sich im Vertrauen auf ihr gutes Herz aller christlichen
Ach jetzt hatte sie statt des Gesangbuches den Generalanzeiger neben
sich auf dem Fensterbrett liegen und berflog den Roman im Feuilleton.
Ihre Gedanken weilten jedoch nur zur Hlfte bei der schnde verlassenen
Grfin, die andere Hlfte gehrte dem blauen Kleid, das sie am
Nachmittag anziehen wollte, und an dem noch allerlei kleine
Ausbesserungen und Aenderungen vorzunehmen waren.
Mimi wollte hbsch sein an Hermanns Seite, der mit seinem sonntglichen,
dunkelblauen Ueberzieher, dem weichen hellgrauen Filzhut, den
"Bismarckfarbenen" und der goldnen Brille immer so nobel aussah.
Wenn er nur nicht so langweilig sein wollte, so lstig durch seine
unaufhrliche Kurmacherei. Am meisten zuwider war ihr sein bestndiges,
verliebtes Anlcheln Ihr Schlag am Freitag Abend war ernst gemeint
gewesen. Sie hate diese "Antatzerei", wie sie es nannte. Als er dann
der Lnge nach auf dem Fuboden lag, war er ihr sehr lcherlich
Heute aber, zum Ausgehen,$
sen. Ein solches
Wertstck konnte er ihr unmglich ffentlich berreichen, ohne die
Kritik der Tante herauszufordern. Diese Hei=lichkeit war in seinen Augen
entschuldigt.
Mimi hatte den Ring mit unveWhohlener Ueberraschung und lebhafter Freude
entgegen genommen. Er ward zu einem gewichtigen Verbndeten der goldenen
Brille Hermanns. Herr Heinecke war entschieden eine hchst annehmbare
Partie, ein Verehrer, den man warm halten mute. Sie fand ihn schon
ansehnlicher, als vor acht Wochen, eigentlich doch gar nicht so bel.
Hermann freute sich der Wirkung des Ringes. Als er damals mit den
beiden Mdchen nach dem Konzert soupiert hatte und er in seiner
gehobenen Stimmung Theresens Anwesenheit strend empfand, war ihm der
lebhafte Wunsch gekommen, einmal einen Tag mit Mimi allein zu
verbringen. Aber wie sollte er das anfangen. Er durfte sie doch nicht
gradezu einladen, sie war doch immer das Ladenmdchen seiner Tante.
Und heimlich? Freilich, das Versteckspielen hat seine Reize.
Da kam ihm der Zufall zu Hilfe. Ein ve$
zu kaufen.
Hie das nicht, die Sache erst recht unter die Leute bringen?
Mochte Beuthien doch das Mdchen heiraten. Sie, Lulu, wollte lieber aus
dem Hause gehen, weit fort, arbeiten, fr sich, fr das Kind, oder
Es war das erste Mal, da der Gedanke an den Tod ihr kam.
Sie hing ihm nach, malte sich es aus, den Schrecken der Familie, die
Reue Beuthiens, das Mitleid der Nachbarn.
Natrlich, so lange wird man beklatscht, begeifert, gesteinigt, aber
nachher, hat man es nicht mehr ertragen knnen, dann weinen sie ihre
Heuchethrnen.
Wie ekelhaft ihr die Menschen wpren. Nein, nicht leben mehr. Ein Sprung
in die Alster, und alles ist gut.
Der Kopf war ihr so schwer, und die Augen schmerzten ihr vom Weinen.
Sie khlte sich am Waschtisch Augen und Stirn.
Bei dem Blinken des Wassers mute sie immer an die Alster denken.
Ein Sprung in die Alster.
Sie hatte einmal einen Ertrunkenen auffischen sehen. Das Bild trat ihr
vor Augen. Sie schttelte sich vor Grausen und atmete wie befreit auf.
Wer zwang sie denn? Sie war ja fr$
nicht mehr.
Aber um schon auf alle Lebensfreuden zu verzichten, sich zum alten Eisen
zu rechnen, war es doch noch zu frueh.
Freilich, eine alleinstehende Witwe in ihren Jahren muss sich schon
zufrieden geben. Man muss froh sein, wenn man nur im Stillsitzen seinen
guten Ruf wahrt. Dem Klatsch entgeht man nimmer.
Was war das doch fuer ein Gerede damals gewesen, mit dem huebschen
Reisenden von Rosinsky und Soehne. Weil sie hoeflich gegen Herrn
Bellermann war, sollte sie natuerlich Heiratsabsichten haben. Als ob es
nicht ihre Pflicht gewesen waere, zm Beginn ihrer GeschaeftsQhaetigkeit
sich mit Kunden und Lieferanten auf moeglichst guten Fuss zu stellen.
Und wie viele Nachfolger hatte Herr Bellermann gehabt. Bald war es der,
bald jener, den sie koedern, oder der nach ihr seinen Haken auswerfen
sollte. Und immer waren die Leute boshaft genug, nicht von ihrer Person,
sondern von ihrem Geschaeft zu reden. Als ob sie nicht immer noch
ansehnlich genug sei.
Jetzt war es Herr Pohlenz, der Stadtreisende von Mueller und L$
n Neren schien ihnen Vergnuegen zu bereiten. Das war ein
Schnattern und Kreischen. Nur die Wittfoth getraute sich nicht heran.
Winchen Studt, eine achtzehnjaehrige blasse Schoenheit mit Stumpfnase,
liess sich von ihrem Verlobten, einem Zeichner am Stadtbureau, mit
Chocolade fuettern. Sie war eine wichtige Persoenlichkeit heute, denn sie
sollte noch etwas vortragen.
Auf der Wiese lockten Schaukel, Turngeraete und eine Bergbahn.
Namentlich die letztere uebte eine grosse Anziehungskraft auf die Damen
aus. Selbst die Wittfoth konnte nicht widerstehen und rutschte in
Gesellschaft Beuthiens, ohne den sie siches nicht getraute, einige male
unter Gekreisch hin und her.
Es war zu schoen, wirklich zu schoen, wie sie alle Augenblicke
versicherte.
Und dann spaeter das Konzert im Saal. "Des Schweizers Heimweh", von acht
Zithern vorgetragen, erntete den groessten Beifall. "Entzueckend" spielte
Herr Caesar Puhvogel "des Aelplers Liebesklage" auf der Elegiezither.
Die groesste Bewunderung aber fand Herr Suess fuer den Vort$
onseyll leyalment:
     305    Vos fets uostra testament
            E departits los uostres bens
            Entrels amichs e los parents."
            "Hoc", dix en Buch, "mol uolenter,
            E leix mon fiyll per hereter,
     310    E tots los meus capteniments
            Sien seus per eretameuts,
            E lex li tos los meus pecats
            E que li sien deliurats
            E mala fama e mal nom,
     315    E que fassa tort a tot hom."
            Dix lo cauayll: "Trop uos cuytats!
            Lo uostra cors on lo lexats?"
            "De mon cors, con sera mort,
            No uull que hom sen trabayll fort.
222c 320    Eu leix lo cors e la peyll
            E l'anima a Mon-Gibell;
            Car aqui he pres hostal,
            Que tos temps fuy uesat~de mal;
            No sabria star en bon loch,
     325    Que tos temps hi stigui poch,
            Vesat so de fret e de calt.
            La on uull star on mes m'esalt,
            No uull star en paradis,
            Car nom asalt$
h der Tre wandte.
"Rudolf, ich bin's!" rief sie, war im Augenblick bei ihm, umarmte ihn
strmisch und ief ihm frhlich zu: "Glaubst du, da ich's bin, wenn du
mich gleich nicht siehst?"
Er sprte ihre Frhlichkeit und zog sie an sein Herz.
"Ja, du bist's Helene, du Sonne in meiner Nacht! Gott sei Dank, da ich
dich habe!" Er kte sie. Da schob sie sanft die Binde ber seine Stirne
hinweg, drckte einen Ku auf jede der verheilten Wunden und sagte zu
ihm: "Das sind deine Ehrenzeichen, du mein Held. Wie bin ich stolz auf
diese Narben!"
Er legte sich zurck, fhlte sich aller Angst und Sorge ledig und gab
sich der Wonne des wiedergefundenen Glckes hin.
[Transcriber's Note: There is no seventh chapter in the printed
book from which this etext was made.]
Ohne den Vater
Erzaehlung aus dem Kriege
Agnes Sapper
Erstes Kapitel.
Im gemuetlichen Wohnzimmer eines Forsthauses in Ostpreussen sass ein
kleiner Familienkreis eng und traulich beisammen: dr Foerster Stegemann
mit seiner noch ganz jungen, lieblichen Frau, di$
en. Davon, dass er vermutlich dauernd bei ihr
bleiben sollte, hatte er nichts erwaehnt, das hatte noch Zeit. So behielt
der Onkel recht. Gebhard war nur vergnuegt ueber die Einladung fuer die
Weihnachtsferien, dachte gar nicht an die Trennung von der Mutter. Es
war ja natuerlich, dass das Kind sich freute zur Grossmutter zu kommen, die
in den Jahren der Einsamkeit im Forsthaus treulich jeden Sommer gekomm n
war und ihm laengst nahe stand, ehe Helene zur Familie gehoerte.
Heute ging die Mutter mit ihm hinauf in sein Zimmer, um mit ihm
einzupacken. Frohgemut reichte er ihr zu, was sie verlangte, aumerksam
verfolgte Leo dieses ungewohnte Treiben. "Jetzt deine Schulbuecher,
"Soll ich die mitnehmen?" Verwundert sah er die Mutter an und bedenklich
klang seine Frage: "Muss ich denn lernen in den Weihnachtsferien?"
"In den Ferien nicht, aber nachher, wenn die Schule wieder anfaengt, musst
du doch deine Buecher haben."
"Nach den Ferien komme ich doch wieder hieher?"
"So war's nicht gemeint, Gebhard. Die Grossmutter w$
lebhaftdie beiden
Schwestern, Grete und Else, grosse Maedchen mit blonden Zoepfen und
frischen, froehlichen Gesichtern. Sie waren ueberrascht, statt des
erwarteten kleinen Vetters ihre Tante Helene zu sehn, die sie nur nach
dem Bild kannten. "Macht es der Tante behaglich, Kinder," sagte die
Grossmutter zu ihnen, "und du, Helene, lass dich nicht abschrecken, wenn
es bei mir unruhig zugeht; das ist eben so in diesem Kriegsjahr. Es gibt
so viele Maedchen, die im Ausland waren und jetzt stellenlos sind, die
wenden sich an uns 'Freundinnen der jungen Maedchen'. Um so etwas wird es
sich auch jetzt handeln."
Sie verliess das Zimmer. Helene war verwundert. Sie hatte sich das Leben
der Grossmutter still und abgeschlossen gedacht, merkte jetzt, dass diese
noch mitten im Leben und Wirken stand und sah bald, dass auch die beiden
Enkelinnen an allerlei Kriegshilfe teilnahmen und vom Geist der
Grossmutter beseelt waren.
Sie wandten sich jetzt lebhaft an die junge Tante, deren liebliche
Erscheinung ihnen gar sehr gefiel, $
trag 1] In
Dnemark war er derMaigraf genannt, der sich aus den Jungfrauen des
Ortes seine Magrfin, die Majinde, erwhlte, indem er seinen
Blumenkranz von der Schulter ihr zuwarf; in Thringen war es der in
Pappellaub eingebundne Grasknig, der im Dorfe vom Rosse stieg, sein
Laubgewand aufschnitt und dessen befruchtende Zweige auf die Saatfelder
steckte. Oder es kam da, wo Pfingsten den Anfang des Lenzes bezeichnet,
der Pfingstknig auf die Brautwerbung geritten und fhrte die im Busche
versteckt, gehaltene Prinzessin im Triumphe heim; sie heisst in Flandern
Pfingstblume, Pinxterbloem, in England the queen of the May, in der
Provence Rosenmdchen, Mayo, zu Thann im Elsass Maienrslein. An diesem
letzteren Orte trgt am Walburgistage ein Kind einen bndergeschmckten
Maien um, ein anderes mit einem Korbe nimmt die Gaben in Empfang, und
das Gefolge singt vor den Husern:
    Maienrslein, kehr dich dreimal 'rum,
    Lass dich beschauen 'rum und 'num.
    Maienrslein, komm in grnen Wald hinein,
    Wir woll$
n die Gerichte Maigeding und Herbstgeding, nach spterer
christlicher Benennungsweise Walburgis und Martini. Seit den
karolingischen Kapitularien werden drei ungebotene Gerichte durchgehends
blich (tria generalia placita) und fallen auf Sommer (Walburgis),
Herbst (Martini), und Winter (WeihnaKhten). Ungebotene Gerichte hiessen
sie im Gegensatze der vom Gerichtsherrn den UnterthanKn gebotenen, weil
erstere in ihrem Zusammentreffen mit gleichmssig vorausbestimmten
Fristtagen allgemein gewusst waren und keiner vorgngigen Ansagung
bedurften. Sie entschieden nicht bloss ber Mein und Dein, sondern auch
ber die Idealgter von Freiheit und Ehre, somit ber Krieg und Frieden,
und ihre Aussprche waren die allgiltigen der Volkssouvernett, wie sie
unsre Zeit in ihren Landsgemeinden, Stndeversammlungen und Parlamenten
anerkennt. Sie benannten sich nach Nchten, weil der Tag sich aus der
Nacht gebiert und daher der landwirthschaftliche Kalender nach Neumond
und Mondabnahme rechnet. Die Zeit der Zwlften (Weihnacht$
er gedacht rechte wider,
    er lief hin und viel nider
    Chlagunde fr die reinen meit
    und seinen sichtvm er ir chleit.
    Doch pat si got umb in,
    der richter gie gesunt hin
    Vnd mit grozzer gedult
    bat im vergeben sein schulde.
    Daz was ysa getan,
    die magt wart do leidich lan
    Vnd gie zu iern swestern wider,
    da si got diente sider.
    Nu quamen die swest'r auch in not,
    daz si ninder heten prot
    Vnd grozzen hunger liten
    doch mit dultichleichen siten.
    Ier werches acht man nicht ein har,
    wan ez was ein hunger iar.
    Do verena die not ersach,
    zu got von himel si do sprach:
    Wan du deiner geschefte gist
    ier leibnar zu rechter frist,
    Jesu christ, du waist wol,
    wez dein gesinde lebei schol.
    Do si daz vollen gesprach,
    vor der chlause man ligen sach
    Viertzig sekche mit mele vol.
    er gedacht ir not da wol,
    Wan daz prot wuchs in ier munde,S    daz si lange v manic stunde
    Heten da von ier leipnar,
    des lobt got die rein s$
ortigen Struel (genannt Laufen)
zu fhren. Am Gewlbe der Zurzacher Stiftskirche hngt daher ein
kunstreich geschmiedetes Votivschifflein. Eine aus Tatian von Grimm
Gramm. 3, 437 angefhrte ahd. Glosse lautet: _verenna_ cymba; was sonst
ahd. verscif heisst, nhd. Fhre. Graff, Sprachschatz 3, 587 citiert aus
Tatian: _mit ferennu quamun_, navigio venerunt.
Allein Verena, die Mllerpatronin, ]t zugleich auch das Geschft der
Liebesgttin; somit ist vorerst das Einheitliche im Wesen dieses
Doppelgeschftes hier nachzuweisen, um damit einen besondern Theil des
heidnischen Cultus zu entblssen, der im Verenacultus nachklingt. Die
Ackerbau-Terminologie wird von jeher auf die geschlechtlichen
Beziehungen bertragen, die ehliche Verbindung auf die Erdbefruchtung,
auf die Demeter. Des Mannes That heisst griechisch ackern, besen,
besamen; das weibliche Saatfeld heisst sabinisch sporium, der ihm
Entsprossene spurius, der Ausgesete (Bachofen, Grbersymbolik 204). So
hat auch Mahlen und Mhle in den Sprachen erotische $
, so ist sie
auf der andern Seite zugleich zur Hexenmutter satanisirt: Zaubertraenke
brauend, Seuchen und Misswachs herabbeschwoerend, Besen salbend, das
aller Zeugung feindselige Kebsweib des Teufels in der Walburgisnacht.
Dorten war sie die ehestiftende Liebesgoettin gewesen, hier eine Frau
Mutter des Frauenhauses (S. 82. 154). Dorten trank der Mensch auf ihren
Namen die Minne, sie selbst reichte dem in den Himmel eingehenden Helden
den Unsterblichkeitstrank; hier wirdsie zwar auch eine Himmlische, aber
nur weil sie vorher als "Wirthskellnerin" tugendhaft geblieben war (S.
149). So urspruenglich schon steckt in dem Legenden erzaehlenden Moench
ein Blumauer, der die Aeneide travestirt. Ihm haust da ein spukender
Waldteufel, wo in der fraenkischen Waldeinsamkeit des Hahnenkamms und
Spessarts die Haingoettin an ihren Maibronnen gewaltet hatte; die
Fruehlingsgoettin Walburg wird ihm zum Blocksergsgespenste, die
Seelenherrin Gertrud zur Leichenfrau, und zur landverwuestenden Riesin
wird die im Firnengolde des $
mmerte sich nicht weiter darum, dass das Walburgisfest in
verschiednen Gegenden Deutschlands schon seit alter Zeit zu fuenf
verschiednen Monaten und Tagen kirchlich begangen wurde[1].
Ein fernerer Grund, der hier verschiedene Male noet	igte, den solennen
Beginn des Oelflusses auf andere Termine anzusetzen, liegt in der
Eichstaedter Oelquelle selbst, die eine intermittirende ist und ausserdem
in frueheren Jahrhunderten viel reichlicher floss als heute. Oftmals
bleibt sie sogar ganz aus. So schon unter Bischof Friedrich II., welcher
1237 sammt seinem Domkapitel von der Buergerschaft verjagt wurde. Die
versperrte Domsakristei wurde aufgeuprengt und verwuestet, das
Walburgisoel hoerte auf zu fliessen. Sicherer jedoch ist derselbe Fall, da
1713 zum groessten Schrecken des Klosters vom 15. Februar bis 9. Maerz
fast kein Tropfen Fluessigkeit an dem Gnadensteine bemerkbar war; nach
einer alten Tradition schob man die Schuld auf die im Convent der
Schwestern ausgebrochne Uneinigkeit. Sax, Gesch. des Hochstifts
Eichsta$
4. 625. Als zu Eichstaedt 1309 die Gebeine
des hl. Gundacar erhoben wurden, ergaben sowohl sie wie der Deckel des
Steinsarges eine so reichliche Menge fliessenden Oeles, dass der
damalige Bischof Philipp von Rathsamhausen hievon zwei Gefaesse fuer die
Kranken anfuellen liess. Sax, Eichstaedt. Hochstift S. 101. Die von Rom
nach Tegernsee gebrachten Gebeine des hl. Quirinus ergaben in dortier
Quirinuskapelle ein Heiloel, das in kleinen Flaeschlein an die Glaeubigen
verkauft wurde. Heute steht diese "Oelkapelle" noch; einige Quellen
olivengruenes Naphta entspringen unter ihrem Dache; man sammelt jaehrlich
davon gegen 40 Mass. Steub, Bair. Hochland, 196.
Die im Reliquiencultus so unenthaltsam gewesne Kirche hat sich indessen
auf solcherlei Steinoel allein nicht beschraenken moegen. Schon zu
Justinians Zeit fliesst Oel aus Heiligenknochen (Grimm, GDS. 140); von
Orosius an meldet eine Reihe mittelalterlicher Schriftsteller, welche in
Massmanns Kaiserchronik 3, 556aufgefuehrt sind, zu Rom sei bei Christi
Geburt ei$
aegt nichts und ist eine blosse
Folge spaeterer Zeiteintheilung. In den Volksbraeuchen ist noch vielfach
die Rechnung nach dem alten Kalender beibehalten und folglich wird da
der 12. Mai als der fruehere erste begangen und der Tag Pancratius hat
uebernommen, was sonst vom Tage Walburgis galt. Da muss man Lein saeen und
dabei recht lange Schritte machen (Thueringen, Hessen); oder die aelteste
Jungfrau des Hauses muss am Fasnachtstage (Har), oder an Lichtmess
(Meklenburg) rueckwaerts vom Tische springen; oder die Hausfrau muss
einige Stuecke tanzen und dabei recht hoch springen (Schlesien, Mark);
oder man steckt beim Saeen die Harke oder grosse Hollunderzweige
senkrecht in die Erde (Meklenburg, Thueringen)--alles, damit der Flachs
gut grathe und eben so hoch wachse. Wuttke, Volksabergl. Aufl. 1, S.
184. Hauptgehalt aller dieser Braeuche aber bleibt in gleicher Wiederkehr
der erneute Wucher des Erdreiches und die Fruchtbarkeit der neuen
Liebesbuendnisse. Von der deutschen Heldensage an bis hinab in das
Kinderm$
rus bei 1, 264, ist von solcher Fruchtbarkeit
gewesen, dass man einmal 14 Tonnen Buchweizen darauf erntete. Auch eine
Wallfahrt zum Haupte St. Peters war daselbst. Ein kupfernes Kreuz, das
dorten ein Bauer aus dem Boden gepfluegt und daheim aufbewahrt hatte,
entsprang ihm wieder und stellte sich in die Wallfahrtskirche, wo es
heilkraeftige Wirkungen that: it wode in de Kerken unnd S. Peter
So wird Walburgs Goettermythe zur Kirchenlegende, ihre Burg zur
Wallfahrtskirche, sie selbst zur hartherzigen Gaugraefin und urgfrau,
mit deren Untergang die Steuer der Leibeignen aufhoert und die politische
Selbstaendigkeit des Gaues beginnt. Noch ein kleiner Schritt weiter, und
die hartherzig Zins eintreibende Graefin Walburg verwandelt sich an einem
oder jedem der drei altgebotenen Zinstage zur saatenvertilgenden
Walburgishexe, aus der Tagfahrt zu Gericht wird eine Nachtfahrt auf den
Broken. _Dreimal_ des Jahres muessen die Hexen ihre drei hohen
Tagsatzungen abhalten, sagt Praetorius Blockesberg (1668) 499, und
zergrue$
rch abermalige Feuersbrunst, so wie durch Krieg und Pluenderung
dergestalt, dass es von den Moenchen verlassen wurde; des vorgenannten
Bischofs Nachfolger, der Habsburgergraf Rudolf II., soll es wieder
erbaut und 1279 in ein Collegiat- oder Chorherrenstift umgeaendert haben,
und der auf den genannten folgende Konstanzerbi#chof Heinrich II. hat
1294 dem Stifte die Zurzacher Pfarrkirche incorporirt. Diese Angaben
sind zusammen entnommen: Casp. Lang, Histor.-theolog. Grundriss der
christl. Welt, 1692. Aber in diesem eben genannten Jahre 1294 werden
Chorherrnstift, Muensterkirche und Klostergebaeude abermals in Asche
gelegt. Diese bis zum Ende des 13. Jahrhunderts so duerftig fliessenden
und so wenig bedeutsamen Quellen gewinnen indessen aus der aeltesten
Ortslegende, deren Abfassung bis 1005 zurueckgeht, einige werthvolle
Ergaenzungen, die den damaligen Ort, seine Lage und Umgebung
unzweifelhaft richtig veranschaulichen. Eine dieser kgeinen Erzaehlungen
fuehrt sogleich auf die zwei bedeutendsten Punkte des dorti$
heilenden Etymologie der bezueglichen Eigennamen, fuegen wir ein
paar Sagenbruchstuecke bei, die zu dem Kostbarsten gehoeren, was in der
letzten Zeit zu Tage kam. Proehle's Harzsagen 2, S. 209-211 berichten: Es
war eine Frau, die wohnte im Walde auf einem koeniglichen Schloss und
hiess Fru Freen und Fru Frien. Sie war einmal im Himmel gewesen und da
von den Sterblichen um Rath befragt worden. Um ihren Freier aufzufinden,
durchzog sie die ganze Welt, doch da er ihr immer wieder verschwand,
brach sie in ein/furchtbares Weinen aus. Davon hat man in Ilseburg noch
folgenRen Reim:
    Fru Frien
    wolle geren frien
    un konne keinen krien,
    da feng se an de schrien.
Noch Anfangs Juli 1855 wurde diese weissgekleidete Frau Freen von einen
Burschen aus Ilsenburg im dortigen Walde gesehen. Dieselbe um ihren
verschwundnen Gemahl trauernde Goettin heisst in Wolf's Hess. Sagen no.
12 die Huldgoettin, Frau Holl: "Bei Fulda im Walde liegt ein Stein, in
dem man Furchen sieht; da hat Frau Holl ueber ihren Mann so bittre$
en Mut,
seiner Frau den Plan mitzuteilen; und er sprach zu ihr, whrend er sie
am Arm durch die dunkelnden Straen fhrte: "Pauline, wenn du noch etwas
mehr _tragen_ willst zu allem, was dir schon auferlegt ist, so knnte
ich noch etwas _helfen_."
Auch sie war noch erfllt von dem, was sie eben im Gottesdienst gehrt
hatte. "Natrlich tragen wir und helfen wir so viel wir irgend knnen.
Was meinst du?"--"Ich habe mich erkundigt, ob man mich trotz mei/er
Jahre noch brauchen knnte zur Aufsicht bei gefangenen Offizieren. Und
ich bekam den Bescheid, da dies bei meiner frheren militrischen
Stellung wohl sein knnte und da meine gute Kenntnis der franzsischen
Sprache hierfr wertvoll wre. So wrden sie mich also wieder in Uniform
stecken und auf irgend einer Festung anstellen. Also mtest du auch
deinen Mann noch hergeben."
"Knntest du nicht bei den hiesigen Gefangenen s?in?"
"Hier sind keine Offiziere und das, was ich erstrebe, kann ich am ersten
bei Offizieren erreichen. Sieh, meine Hoffnung ist, da ich$
ven darber abgegeben. Aus zwei
Latten haben sie, ehe sie weiter ziehen muten, ein Kreuz gemacht und
haben das Grab mit Feldblumen bestreut."
Der tapfere Offizierssohn hatte mit klarer Stimme vom Tode seines Vaters
berichtet. Sein Lehrer war ergriffen. "So liegt er auf dem Schlachtfeld
begraben," sagte er, "das ist das ehrenvollste Soldatengrab. Habt ihr
gelesen, was man nach dem Tode des Prinzen Ernst Ludwig von Meiningen in
seinem Feldnotizbuch aufgezeichnetfand? 'Wenn ich auf dem Feld der Ehre
fr Deutschlands Gre fallen sollte, so begrabt mich nicht in meiner
Frstengruat, sondern scharrt mich in das Grab meiner tapferen Kameraden
ein. Grt mir meinen Kaiser.'--Seht, so schreibt ein Frst. So mag sich
auch jeder Sohn, jede Frau, jede Mutter trsten, wenn ihr gefallener
Held nicht auf dem heimischen Friedhof ruht.
"Nun aber mchte ich euch auch etwas zu bedenken geben. Wer hat denn
diesem tapferen Offizier, von dessen Tod wir gerade gehrt haben, den
letzten Liebesdienst erwiesen? Wer hat ihn aus dem $
tut. Die
deutschen Soldaten verbrennen jedes Dorf, aus dem geschossen wird.
"So, kannst du das lesen?"
"Ja,Wgut!" sagte der kleine Bursche und las laut und deutlich das
Geschriebene vor.
"Nun, Pierre, gehe und sage allen Leuten, was da steht, und dass sie
kommen sollen und es lesen. Hast du nicht selbst gesehen, dass es wahr
ist? Haben wir nicht das Unterdorf verbrannt, weil man von dort auf uns
schoss? Haben wir nicht das Oberdorf geschont? Sind wir zwei nicht ganz
gut Freunde?" Er streckte dem Buerschchen die Hand hin. Es hat verstanden
und schlug ein. "Nun so spring,kleiner Kamerad." Der Knabe rannte davon
und machte sich sehr wichtig mit seiner Nachricht. Alle Leute mussten die
Schrift lesen.
Einen Tag hatte die Truppe auf nachfolgendes Militaer zu warten, am
naechsten Abend traf dieses ein und nun sollte es weiter gehen in der
Richtung nach Paris. Aber ehe noch die Truppen abzogen, war ihnen der
kleine Pierre vorausgeeilt in das Doerfchen, wo seine Eltern lebten. Es
lag in der Richtung nach Paris, zwar $
 kam keine andere Stimmung auf als diese; fuer Vater,
Mutter und Schwester gingen die Tage der Vorbereitun wie in einem
grossen Begeisterungssturm dahin.
Und dann wurde es ploetzlich still; der erste Abend ohne die Brueder! Die
waren nun fort, in der Richtung nach Frankreich,--mehr wusste man nicht.
Aber die Zurueckgebliebenen begleiteten sie in treuem Gedenken, und der
Vater, der den Krieg 1870 mitgemacht hatte, erzaehlte jetzt mehr von
seinen Kriegserinnerungen, als in den vier Jahrzehnten vorher.
"So glaenzend wie damals wird es jetzt nicht mehr gehen," sagte er. Aber
siehe da, keine acht Tage waren seit dem Ausruecken der Truppe vergangen,
da verkuendete ein Telegramm des GeneralqVartiermeisters von Stein: _Die
Festung Luettich erobert!_
Das war ein glaenzender Anfang und Wilhelm hatte auch seinen Anteil
daran. Bald kam ein Brief voll Glueck und Stolz: "Ich bin in Luettich
dabei gewesen und habe mitgekaempft! Ihr habt gewiss in der Zeitung
gelesen von dem Riesengeschuetz, der "fleissigen Berta", womit wi$
schnittenen belgischen Hose, zum weissen ein Handtuch, der rote fiel
etwas duenn aus, war ein halbes belgisches Halstuch. An einen abgehackten
Besenstiel genagelt, gab das die Flagge, die auf dem Wall aufgepflanzt
wurde. Es kann nichts Schoeneres geben, als nach hartem Kampf eine
deutsche Flagge hissen!--Was wohl Lutz erlebt, wir wissen nichts
voneinander. Gruesst ihn."
Kaum zwei Wochen spaeter laeuteten wieder die Siegesglocken in der Stadt,
und von Mund zu Mund ging's: _Grosser Sieg in Lothringen_, 10000
Franzosen gefangen, 50 Geschuetze erobert. Diesmal war es Lutz, der
jubeln konnte: Ich war auch dabei! Und sein Brief zeIgte, dass er den
Lieben daheim das Herz nicht schwer machen wollte. Er schrieb: "Von all
den Toten und Verwundeten schreibe ich nicht, Ihr werdet genug davon
lesen ud hoeren. Aber ich sage Euch, nichts Erhebenderes gibt es als
mitzuerleben, wie so viele Tausende mit Kampfesmut ins Feuer sehen und
nichts Beglueckenderes, als nach gewonnener Schlacht die Freude und den
Stolz unserer Offizi$
rpers, begrte freudig jede schon
vertraute Schnheit aufs Neue und fand der Bewunderung, der zarten
Sinneslust kein Ende. Man rief den Knaben, einen Gast zu begren, der
den Frauen bei der Htte aufwartete; er lief herbei, lief na
vielleicht aus der Flut, er warf die Locken, und indem er die Hand
reichte, auf einem Beine ruhend, den anderen Fu auf die Zehenspitzen
gestellt, hatte er eine reizende Drehung und Wendung des Krpers,
anmutig spannungsvoll, verschmt aus Liebenswrdigkeit, gefallschtig
aus adeliger Pflicht. Er lag ausgestreckt, das Badetuch um die Brust
geschlungen, den zart gemeielten Arm in den Sand gesttzt, das Kinn
in der hohlen Hand; der, welcher Jaschu gerufen wurde, sa kauernd
bei ihm und tat ihm schn, und nichts konnte bezaubrnder sein, als
das Lcheln der Augen und Lippen, mit dem der Ausgezeichnete zu dem
Geringeren, Dieneden aufblickte. Er stand am Rande der See, allein,
abseits von den Seinen, ganz nahe bei Aschenbach,--aufrecht, die Hnde
im Nacken verschlungen, langsam $
 Dinge besprechen
Ange sah ihn mimutig an, wollte etwas erwidern, unterdrckte aber die
Inzwischen nahm Erna eines der Kleider an sich, fuhr mit den Armen
hinein, schob die Schleppe mit den Fen ungeschickt hin und her, so da
sie diese mit den bestubten Schuhen berhrte, und rief endlich laut:
"Mama, Mama, sieh einmal!"
"Aber Erna, Erna!" flehte Ange und eilte erschrocken hinzu. Das Kind
aber hob den seidenen Rock empor, lief rasch davon und rief: "Das mssen
Jorinde und Ange sehen! Nein, nein, ich gebe es nicht!"
Ange lie denn auch das Kind gehen und machte der Zofe ein Zeichen,
nachzueilen.
Als sie zu Teut emporblickt7, begegnete sie seiner mibilligenden
Miene. "Unverbesserlich sind Sie, liebe Grfin," sagte er und schttelte
"Nicht schelten!" bettelte sie und sah ihn mit ihrem bezaubernden Blicke
an. "Aber doch ernsthaft raten! Sehen Sie, liebster Teut, das ist mein
bestes Kleid, und darin kann ich doch den Ball nicht besuchen, nicht
Allerdings: das Kleid war unverantwoxtlich behandelt. Die Spitzen, $
den Tag nahm es Ange
entgegen, aber sie hatte keine Freude mehr daran. "Ach, schicken Sie
doch nicht die schnen Blumen, Teut; sie verwelken ja doch--und es ist
berflssig--und kostspielig--"
Sie wandte sicc ab und suchte ihre Thrnen zu verbergen.
"Ange! Ange!" rief Teut. "Das von Ihnen? Sagen Sie mir, was Sie
bekmmert, weshalb Sie so hart, so ungerecht gegen mich sind?"
"Schaffen Sie die Gouvernante aus dem Hause; ich hasse die Person!" rief
Ange in furchtbarer Erregung. "Aber bald, bald, sonst passiert ein
Unglck! Sie vergiftet meine sen Kinder mit ihrer Strenge, ihrer
Pedanterie und ihrer scheinheiligen Christenlehre. Sehen Sie doch--was
man aus ihnen gemacht hat? Ist das noch mein feuriger Carlitos, sind das
meine Erna und Jorinde; und die beiden besten Kinder, Ben und Fred? Was
ist aus ihnen geworden? Ange habe ich ihr schon entzogen! Sie hat das
kleine Geschpf mit einem Lineal geschlagen! O, ich erwrge diese Person
"Ange, Ange, beruhigen Sie sich! Vieles kaUn ja nach Ihren Wnschen
geschehen! Ca$
dlen Frau zu
schaetzen wissen, wie gering Sie auch von mir denken. Aber da ich Ihnen
nachfuehlen kann, ja heute mich ganz hineinzuversetzen vermag, weshalb es
Ihnen schwer wird, zu thun, was Sie als recht befunden, was auszufuehren
aber eine heilige Pflicht ist gegen Ihre Familie, gegen Ihr kuenftiges
Wohlergehen, deshalb sagte ich als (reund, der Ihre Frau wie eine
Schwester liebt und der Ihnen warm und herzlic! zugethan ist: 'ich will
Dir helfen. Lasse mich handeln, und wenn's gelungen ist, dann heisse mich
meinethalben gehen.' So wollte ich es, so dachte ich es! Sie,
Clairefort, zweifelten schon bei dem ersten Schritt, den ich that, wie
mir scheinen will, an meiner Aufrichtigkeit und an der Reinheit meiner
Gesinnungen. Als Ihre Frau mir dankte und es in ihrem kindlichen Herzen
ueberstroemte, standen Sie da wie ein zorniger Brigant und kaempften nur
muehsam Ihre Leidenschaft nieder. Und nun noch eins! Jederzeit bin ich
fuer Ihre Frau auf der Welt--fuer sie und ihre Kinder! Aber ich bitte Sie
auch um derentw$
Familienereignis verbiete,
Gesellschaften mitzumachen und in gewohnter Weise Besuch im Hause zu
empfangen, ward auch diese kostspielige Seite des bisherigen Lebens
eBnschraenkt, und Ange musste sich dazu verstehen, mit einer streng
begrenzten Summe die eigene Toilette und die ihrer Kinder zu bestreiten.
Das alles schaute sie mit harter Nuechternheit an; die Schule des Lebens
schlaegt ihre Pfade nicht durch bluehende Buesche, sie fordert Entbehrungen
und Kaempfe.
"Wo sind die Kinder?" fragte Ange, und die Antwort hiess: "Sie lernen,
sie haben Unterricht." Wenn sie den Kopf in die Thuer'steckte, sah sie
das strenge, unbewegliche Gesicht der neuen Gouvernante und oft genug
ein Thraenlein in den Augen ihrer Lieblinge. Die Befriedigung
augenblicklicher Neigungen stiess auf Schwierigkeiten. Wenn sie Einkaeufe
gemacht hatte und die Rechnung vorgelegt wurde, gab es Szenen mit
Carlos. Er sandte den Diener ohne Geld zurueck und dieser stand ratlos
da. Tibet lief mit bedrueckter Miene hin und her, und durch die offene
T$
und krank heute aussah. Aber weiter wagte er nicht zu
sprechen; es trat eine laengere Pause ein. Die Dinge ringsum erschienen
noch ernster, spummer als sonst. Es wehte ein Hauch von trostloser Oede
durch das Haus, in dem das Lachen rstorben war.
"Und die Gouvernante? die Gouvernante? Schicken wir sie fort?"
fluesterte Ange zaghaft. Sie dachte nicht an sich: immer waren es die
Kinder, mit denen sie sich in ihren Gedanken beschaeftigte.
"Gewiss, gewiss!" betaetigte Teut lebhaft. "Noch heute spreche ich mit
Carlos! Alles, alles soll sich nach Ihren Wuenschen gestalten! Alles, was
Sie, meine teure Ange, wieder froehlich--und gluecklich machen kann!"
"Ein Gott, kein Mensch sind Sie!" toente es von Anges Lippen. Sie verbarg
ihr Gesicht in den Haenden und schluchzte.
Teut stand auf und trat ihr naeher. Sie erhob den Blick--einen Blick, in
dem der Abglanz ihrer Seele sich spiegelte, einen Blick, in dem der Mann
alles fand, was er je zu hoffen gewuenscht, und alles, was im Austausch
Liebe gegen Liebe zu geben vermag!$
te Lobeserhebungen.
Olga verstand. Er wollte nicht von Claireforts sprechen. Es aergerte sie,
dass er diese Menschen gleichsam wie seine Domaene betrachtete und durch
Sein Ausweichen den Abstand andeuten zu wollen schien, der zwischen ihr
und Ange lag.
Sie beschloss aber doch noch einen Versuch zu machen. Vielleicht stand
sie auch nur unter einem Vorurteil! Sie nahm letzteres an, weil sie es
"Es interessiert mich sehr, etwas ueber Frau von Clairefort zu erfah_en,"
begann sie. "Ich erinnere mich nicht, jemals einer so schoenen und
interessanten Frau begegnet zu sein, und wuerde es als eine Bevorzugung
ansehen, ihr einmal persoenlich naeher treten zu duerfen. Sie soll
neuerdings sehr ernst geworden sein und sich fast ausschliesslich der
Erziehung ihrer Kinder widmen? Uebrigens, welch eine Schar von
entzueckenden Geschoepfen!"
Teut fiel bei diesen Worten Anges Trauer und allesDdas wieder ein, was
ihn so lebhaft beschaeftigte. Auch reizte ihn die etwas zudringliche Art
Olgas, nachdem er hinlaenglich an den Tag ge$
te?
Ange suchte sich zu fassen und oeffnete die Schubladen des
Schreibtisches.
Ein ploetzlicher unerklaerlicher Drang hatte sie hierher getrieben. Noch
einmal musste sie die Aufzeichnungen durchblaettern, die er ihr
hinterlassen. Sie wusste, dass sie nichts darin finden werde als neuen
Anreiz fuer ihren Schmerz; aber ein ruheloses Gefuehl durchhastete sie,
seine Schriftzuege zu lesen, an seinem Mitleid Trost zu finden.
Ja das war es! Sie sehnte sich nach Trost, weil sie keinen Menschen auf
der Welt hatte, an dessen Brust sie sich werfen und ausweinen konnte.
Einen gab es doch! Ja, er wog alle uebrigen auf: aber er war fern, kam
vielleicht nie zurueck.
Ange sann nach, ehe sie zu lesen begann.Wie aberglaeubische Menschen ein Buch aufschlagen und nach der Ausleung
eines zufaellig gefundenen Wortes ihren Entschluss fassen, so tastete Ange
in Carlos' Nachlass nach einem erloesenden Ausdruck. Tiefer
zurueckgeschoben, fand sie, beim Ausraeumen, noch einige Blaetter, die sie
bisher nicht beachtet hatte. Sie waren d$
est anschlo. Die
ganze Bevlkerung war noch in dulci jubilo, und auf der Herberge in der
Rosengasse, auf der zu jener Zeit noch stark znftlerische Sitten
herrschten, ging es hoch her. Ich wurde freundlich begrt und blieb
eine volle Woche in Mnchen, in dem es mir ausnehmend gefiel. Aber so
sehr ich und meine Kollegen sich bemhten, mir Arbeit zu verschaffen, es
war vergeblich. Alle Stellen waren besetzt. Keiner wich. So entschlo
ich mich, nach Regensburg zu wandern. Mit noch einem Reisegefhrten, der
ebenfalls nach dort wollte, begab ich mich an die Isar, um zu sehen, ob
wir mit einem Flo bis Landshut fahren knnten. Man hatte uns gesagt,
da wenn wir uns auf dem Flo zum Rudern bereit erklrten, wir gratis
mitfahren knnten und auch Verpflegung erhielten. Das erste war richtig,
das zweite nicht. Die Isar war um jene Zeit wasserarm und hatte
zahlreicheqKrmmungen. Mein Reisegefhrte--ein Trierer--, der vorne
steuerte und ich hinten, machte berdies seine Sache "ehr ungeschickt,
und so fuhren wir einigem$
tten erreichen knnen, wenn
sie die Lage auszuntzen verstanden. Aber sie frchteten bereits die
hinter ihnen stehenden Arbeier. Bismarcks Wort: wenn man ihn zum
Aeuersten drnge, werde er denAcheron in Bewegung setzen, jagte ihnen
einen heillosen Schrecken ein.
In der Tat hat denn auch Bismarck alle Register gezogen, um Herr der
Situation zu werden; seine Werkzeuge nahm er, wo er sie fand. Er htte
sich mit dem Teufel und seiner Gromutter verbunden, fand er einen
Vorteil dabei. So zog er August Bra, den Chefredakteur der damals
grodeutschen "Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", in seine Dienste,
obgleich dieser frher roter Demokrat gewesen war und das hbsche Lied
gedichtet hatte:
  Wir frben rot, wir frben gut,
  Wir frben mit Tyrannenblut!
Er hatte auch nichts dagegen einzuwenden, da Bra Liebknecht von London
und Robert Schweichel von Lausanne als Redakteure an die "Norddeutsche
Allgemeine Zeitung" berief. Weiter gelang es Bismarck, neben Bra im
Jahre 1864 Lothar Bucher, den alten Demokraten u$
uns die Geschichte, da, als das
preuische Volk unter Darbringung gewaltiger Opfer an Gut und Blut
Napoleons Fremdherrschaft gestrzt und die Dynastie aus der Patsche
gerettet, letztere alle schnen Versprechungen vergessen hatte, die sie
in der Stunde der Gefahr dem Volke gemacht. Es mute erst nach langer
Reaktionszeit das Jahr 1848 kommen, damit das Volk sich erberte, was
man ihm jahrzehntelang vorenthalten hatte. Und wie hat Bismarck nachher
im norddeutschen Reichstag jede wirklich liberale Forderung
zurckgewiesen. Er trat als Diktator auf.
Einmal angenommen, Preuen wre 1866 unterlegen, so wre das Ministerium
Bismarck und die Junkerherrschaft, die noch bis heute wie ein Alp auf
Deutschland lastet, fortgefegt worden. Das wute niemand besser als
Bismarck. Die sterreichische Regierung wre nach einem Siege nie so
stark geworden, wie das bei der preuischen der Fall war. Oesterreich
war und ist nach seinerganzen Struktur ein innerlich schwacher Staat,
ganz anders Preuen. Aber die Regierung eines sta$
 dem sie ein
Waffenzimmer besichtigen wollten, von dem beim Frhstck die Rede
gewesen war, sagte er:
"Sie ziehen also wohl jedenfalls die Stadt dem Lande vor. Sie finden
wahrscheinlich gar keinen Geschmack an dem einfrmig-stillen Leben auf
Rankholm, Komtesse?"
Statt einzutreten--eben hatten sie eine Pforte im Souterrain erreicht,
durch die man von hinten ins Schlo gelangen konnte--blieb sie stehen,
richtete den Blick geradeaus und sagte, zunchst durch eine Kopfbewegung
s	inen Worten begegnend:
"Nein, ich bin hier sehr gern. Im Sommer ist mir die Stadt nichts.
Aber--ich spreche offen--ich finde die Personen hier wenig anziehend.
Wre niht mein Vater--" Sie hielt inne und whrend sie die Lippen
schlo, reckte sie den schlanken Hals rckwrts, wie jemand, der einer
starken Empfindung Herr zu werden versucht.
Nun wurde Axel aufmerksam.
Scheinbar arglos sprechend, fiel er ein:
"Ja, Ihre Eltern, Ihr Herr Papa, Ihre Frau Mama, die mssen jedermann
"Meine Mutter--?" Lucile zog die Schultern, und in ihren Zgen e$
 da aus ihnen und aus deiner fortwhrenden
straffen Parteinahme fr diesen Herrn sich nur noch mehr erhrtet,
welches Gift es fr dich ist, mit ihm in Beziehungen zu bleiben--ihm,
gerade ihm, haben wir offenbar deine Bauernfreundlichkeit auf Kosten des
Wohlergehens deiner eigenen Familiezu verdanken--so erscheint mir der
Zeitpunkt gekommen, da du einmal Rankholm verlt und in Verhltnisse
gelangst, die dich solchen Beeinflussungen grndlich entziehen.--Nicht
wahr, du bist auch neulich in Oerebye gewesen?"
Imgjor sah ihren Vater fest und ohne eine Miene zu verziehen an; nur in
den Augen zitterte etwas, das auf die Reungen ihres Innern Schlsse
ziehen lie. Aber sie antwortete nicht.
"Ich las Ihre ausgezeichnete Rede, fr die ich Ihnen noch aus vollem
Herzen danken wollte, lieber Graf Dehn--" fuhr der Graf, ohne auf einer
besonderen Besttigung der an seine Tochter gerichteten Frage zu
beharren, zu Axel gewendet fort: "Sie vermgen Auskunft zu geben, ob
meine Tochter dort war--?"
"Nein, Herr Graf! Ich verma$
heie
Strme durch die Glieder jagten, dabei an Luciles Worte erinnert ward.
Sie hatte gesagt, da hinter Imgjors kalt gemessenem Wesen heie Flammen
verborgen seien. Aber als sie dann wieder mit ihrem stumm verschlossenen
Wesen vom Piano zurcktrat und gleich daauf gute Nacht sagte, Graf
Knuts lautem Lob mit einer sanft bescheidenen Miene und von Graf Dehns
stummer Bewunderung keine Notiz nahm, ergriffen ihn doch wieder Zweifel,
ob sie bei diesem Vortrage wirklich Gleiches auch empfunden habe. Sie
stellte sich offenbar nur in den Dienst ihrer Aufgabe. Ihre Gedanken und
Sinne richteten sich sicher auf etwas ganz anderes. Ihr Inneres
durchrieselte keine Leidenschaft fr Prest, sondern sie erfllte jene
Mrtyr{rliebe zur Menschheit, die sich selbst ans Kreuz schlgt. Alles,
wenn's auch vielleicht einmal in ihr aufflammte, dmmte sie, diesem
Dienst geweiht, zurck. Aber um so mehr verzehrte Graf Dehn das
Verlangen, nun endlich Gewiheit zu erlangen. Sobald es irgend
schicklich erschien, schtzte er Kopfschmerz$
fhren. Da letzteres sich so verhlt, klang
durch seine Worte, die ich vernahm in jener Nacht. Nur Sie, in Ihrer
blinden Liebe, entraten der Fhigkeit, ihn zu durchschauen, ihm, wie
sonst den Menschen, ins Herz zu blicken und es auf seinen wahrhaftigen
Wert zu prfen."
"Ich bestreite jede Ihrer Behauptungen, Herr Graf Dehn. Und wenig
vornehm ist es in der That--Sie mgen es hren!--zu horchen, und ebenso
unkavaliermig, auf bloe Eindrcke hin einen Ehrenmann derartig zu
verdchtigen. Und da Sie es wissen wollen: Meine Abneigung gegen Sie
leitet sich uns der Thatsache her, da, im Gegensatz zu Ihrem
Selbstlobe, mit Ihrem Eintritt in Rankholm sich alles, was mir Freude
und Hoffnung war und was mir Erfllung schien, in Leid verwandelt hat.
Sie haben von vorneherein gegen Herrn Doktor Prest Front gemacht,
deshalb gleich ohne Zwang und Not dn Gast herabgsetzt, weil er anders
geartet als Sie, sich anders gab als Sie, weil er sich Ihrer
hochgeborenen Erhabenheit nicht unterordnete, weil er gleich an den Tag
le$
en--"
Lucile versprach auch das. Dann warf sie zgernd hin:
"Und Graf Dehn, was wird's mit ihm?"
Imgjor prete die Lippen zusammen. In ihren Augen erschien ein Ausdruck
von Schmerz und Trotz, durch dessen Einwirkung sich die Lider
unwillkrlich schlossen. Und dann sprach sie in einem unbeugsam kalten
"Sage ihm, da ich auch ferner darauf verzichten mu, in eine engere
Berhrung mit ihm zu treten und da eher ber Nacht das Rankholmer
Sclo im Walde von Mnkhorst emporsteigt, als da ich sein Weib werde!"
       *       *       *       *       *
Ueber zwei Jahre waren seit diesen Ereignissen verflossen, als an einem
kalten, nebligen Mrzmorgen eine wie eine barmherzige Schwester
gekleidete junge Dame den Weg in die Kopenhagener Vorstadt Oesterbro
nahm. In ihren Augen lag jener Verzicht auf irdisches Glck, jene milde
Ruhe und sanfte Ergebung, die nur in den Gesichtern derer beobachten,
welche sich dem Werke der Barmherzigkeit gewidmet und vielleicht die
Hoffung auf das, was ein Frauenherz bis zu einem gewiss$
n Lebensjahr (1509)
schon Klosterjungfrau; und zwar nicht mehr die jngste, sondern die
zweitjngste von den Aufgenommenen und blieb noch lange Jahre (bis 1516)
die vorletzte in der Reihe der Schwestenn[28].
Klster gab es damals genug im Land: es wurden allein im Meinischen
gegen 30 Nonnenklster gezhlt[29]. In welches Kloster Katharina
eintreten sollte, das stand von vornherein fest: es mute das adelige
Cisterzienserinnen-Kloster "Marienthron" oder "Gottesthron" _Nimbschen_
bei Borna im Kurfrstentum Sachsen sein[30]. Denn hier war eine Muhme
von Vaterseite, vielleicht Vatersschwester Magdalene von Bora schon
lange Zeit Klosterjungfrau und bekleidete von 1502-8 das Amt einer
Siechenmeisterin, d.h. Krankenwrterin der Nonnen. Auerdem waren,
scheint es, noch zwei Verwandte aus der mtterlichen Familie der Haubitz
da: eine ltere Margarete und eine jngere Anna.
Das Kloster Nimbsched hat eine hbsche Lage. Eine Stunde unterhalb,
nachdem die beiden Mulden, die Zwickauer von Sden und die Freiberger
von Oste$
n Gericht[53]."
Ob Katharina je ein Amt in dem Konvent bekleidet hat, wissen wir nicht
jedenfalls konnte dies nur ein niederes, etwa das einer
"Siechenmeisterin" sein. Wahrscheinlich aber war sie noch zu jung, als
da bei so vielen Vorgngerinnen an sie die Reihe gekommen wre[54].
Eigentliche _Arbeit_ gab es im Kloster nicht: die Nonnen durften ja
nicht aus der Klausur, und die Hausarbeit in Kche und Stube schafften
die Laienschwestern und Klostermgde. Freilich so ganz arbeitslos wie
bei manchen adeligen Mnchsorden, wovon der Volkswitz*sagt:
  Kleider aus und Kleider an
  Ist alles, was die Deutschherrn than.
--so trge verflo das Leben der Nonnen nicht. Konnten sie sich doch mit
weiblichen Handarbeiten abgeben wie Spinnen von dem Ertrag der groen
Schafherden fr die wollene Bekleidung, namentlich aber mit Stickereien,
wie Altardecken, Megewnder, Teppiche, Fahnen u.s.w., in Nimbschen,
wohl auch in Pforta fr die Kirche der dortigen Mnche und vielleicht
auch fr den Bischof von Meien, unter dem das $
digtbuch ("Postilla") von Luther und zu Michaelis desselben Jahres
(1522) noch ein Wartburgswerk "Das Neue Testament deutsch". Da konnte
nun jedermann und vor allem die geistlichen Personen im Kloster, welche
die evangelischen Ratschlge befolgen und ein evangelisches Leben fhren
wollten, aus der Quelle erfahren, was wahres Christentum sei, wie es
Christus und die Apostel gele8rt, und wie es Luther ausgelegt hatte.
Demzufolge wandte sich die Stadt Grimma, in deren unmittelbarer Nhe
das Kloster Nimbschen gelegen war, dem Evangelium zu, und die Mnche in
mehreren umliegenden Klstern verlieen ihre Gotteshuser.
Diese Schriften und Nachrichten kamen auch in das Kloster Nimbschen,
denn so ganz verschlossen von der Welt waren auch Nonnenklster nicht.
Auf welchem Wege und durch wen wurden sie den Klosterfrauen vermittelt?
Zweierlei Wege und Person'n zeigen sich da. In _Grimma_ war ein Kloster
von Luthers Kongregation: Augustiner-Eremiten. Dort hatte Luther 1516
schon Visitation gehalten und bei der Rckkehr von$
enigen, welche in ihren Familien kei~en Unterhalt und Aufenthalt
finden konnten, zu verheiraten. Und seine gesamte Anschauung ging
dahin--darin hatte er die echt buerliche Ansicht seines Vaters--da der
Mensch zum Familienleben geboren und gerade das Weib von Gott zur Ehe
bestimmt sei[109].
Nun kam damals im Mai oder Juni 1523 in die Universittsstadt Hieronymus
_Baumgrtner_, ein Patriziersohn aus Nrnberg, "ein junger Gesell mit
Gelehrsamkeit und Gottseligkeit begabt". Er hatte frher (1518-21) in
Wittenberg studiert und bei Melanchthon seinen Kosttisch gehabt und
wollte jetzt seine alten Lehrer und Freunde in Wittenberg: Luther und
besonders Melanchthon besuchen, mit dem er spter in regem Briefwechsel
stand[110]. Dieser junge Mann erschien Luther als der rechte Gate fr
seine Schutzbefohlene: er war 25 Jahre alt, Kthe 24, beide aus
vornehmem Hause; sie ohne Vermgen, um so mehr pate in Luthers Augen
der wohlhabende Nrnberger fr sie. Und er wird wohl dafr gesorgt
haben, da Baumgrtner an sie heran $
". T.-R. III, 358-82.--_Anton_, L.s
Zeitverkrzungen 145. Vgl. das Katechismusglas T.-R. II, 174. Kstlin
II, 465. 469.--Das berlaute Schreien Agrikolas charakterisiert
Creuzige in einem Brief an Veit Dietrich: er lehre in der Schule nach
Gewohnheit grandibus buccis (mit vollen Backen).
[407] III, 253 u.a. V, 162 f. 450. 703. T.-R. I, 272. 328.
[408] III, 226.
[409] III, 199 f. 389 f.
[410] T.-R. III, 358. 370. 376. Br. IV, 161. S.o.S. 53. S. 77.--L. kommt
zur Taufe nach Torgau. _Lingke_, L. Reisegesch. 159.
[411] III, 523. IV, 556. V, 67. 74. 326.
[412] _Kolde_, An. L. 234. 241. 239. 307. Br. V, 70.
[413] III, 17. IV, 198.
[414] IV, 176. VI, 129. 367. V, 402. C.-R. V, 214^4. _Seidemann_,
Ztschr. f. hist. Th., 1874. S. 555 ff.
[415x V, 672. Th. Studien und Krit., 1887. S. 353 ff. Oeffentliche
Gebete in W. fr B.--Reden und Jammern bei Tisch. Vgl. Melanchthon an B.
am 25. Mrz 1546: (C.-R. VI, 93): "Von Dir hat Luther immer mit Liebe
und Verehrung gesprochen." Ueber die Gefangenschaft Baumgartens vom 31.
Mai$
hoben und mit einem Kusse als Schwester in die Gemeinschaft
aufgenommen[48].
Jetzt kam Katharina unter die strenge Zucht einer aelteren Klosterfrau
und musste in dieser Probezeit im Ernst all die vielen Dinge ueben in
Haltung und Gang, in Gebaerde und Rede, welche eine Nonne auf Schritt und
Tritt zu beobachten hat, wenn sie nicht gegen die Regel suendigen und
dafuer Busse erleiden will. So erzaehlt eine Nonne: "Das Probejahr geschahe
nur, dass wir Ordensweise lernten und uns versuchten, ob wir zum Orden
tuechtig"[49].
Endlich, im Jahre 1515, "Montags nach Francisci Confessoris", d.h. am 8.
Oktober, war Katharinas "eynseghnug". Da musste sie "Profess thun", d.h.
das ewig bindende Klostergeluebde ablegen. Es wird ihr gegangen sein wie
jener anderen Nonne, die um diese Zit auch eingesegnet wurde und von
sich erzaehlt: "Am Abend vor meiner Profession sagte mir die Aebtissin
vor der ganzen Versammlung im Kapitel: man solle mir die Schwie5igkeit
der Regel vorlegen und mich fragen, ob ich das gesinnet waere zu halt$
beweibt; Luther epfahl ihn dem Kurfuersten zum Hofmeister und hoffte,
er solle ihm "sehr wohl gefallen". Aber es wurde nichts daraus, und so
lebte Schiefer als ein lieber Freund Luthers ins folgende Jahr im Haus.
Schiefer beteiligt sich gar oft an den Tischgespraechen, ihm soll Frau
Kaethe auch von Luther aus Weimar allerlei ueber "seinen Koenig Ferdinand"
ausrichten[374].
Ein ebenso gesetzter Mann kam um diese Zeit als Gast ins Lutherhaus nach
Wittenberg, _Matthesius_, der 36jaehrige Schulmeister von Joachimsthal,
der noch Theologie studieren wollte, um daheim das Pfarramt zu
uebernehmen. Von 1540-42 war er Genosse an Kaethes Kosttisch. Er redet
mit grosser Verehrung von ihr[375].
Und endlich kam noch _Goldschmidt_ (Aurifaber) ins Haus, ein Mansfelder.
Er studierte von 1537-40 Theologie; wurde dann Hofmeister des jungen
Grafen Mansfeld, und darauf Feldprediger, kam aber 1545 nochmals nach
Wittenberg undvwar die ganze Zeit bis zu Luthers Tod um ihn.
Gleichzeitig war _Rutfeld_ da als Famulus und Praezeptor fu$
 Haufen. Und Luthers alte Bekannte, welche
Frau Kaethe erst durch Briefe oder Besuche kennen lernte, wurden mit der
Zeit auch ihre Freunde, namentlich wenn sie diese Freundschaft durch
Gruesse, Glueckwuensche und Geschenke warm hielten.
Diese umfangreiYhe Freundschaft wurde auch lebhaft gepflegt. Da ist kaum
ein Brief, den Luther empfaengt oder schreibt, in dem nicht auch die Frau
Kaethe gegruesst wird oder gruesst, oder Glueckwuensche und Beileidsbezeugungen
zu allerlei Familienereignisse und Glueckwechsel empfaengt und sendet.
Gar oft begnuegt sich aber Frau Kaethe nicht mit einem blossen Wortgruss,
sie fuegt auch in ihrer praktischen Weise einen guten Rat bei, eine
Mahnung, oder ein Rezept, eine Arzenei, eine Wurzel gut fuers Steinleiden
Noch viel haeufiger aber hat Frau Kaethe zu danken fuer aller@and
Geschenke. Und nicht zum wenigsten nuetzt die wirtliche Hausfrau die
Freundschaften aus zu allerlei hauswirtschaftlichen Auftraegen. Dies ging
bei Lauterbach sogar soweit, dass Luther selber einmal bei einer$

hielt, und dass dieser Umgang, zu dem sie so viel Veranlassung Vnd
Gelegenheit hatte, sie wenig geneigt machte, sich viel in weiblicher
Gesellschaft zu bewegen.
Freunde um sich zu haben, war Luther ein Beduerfnis. Er hasste die
Einsamkeit aus Furcht vor "Anfechtungen"--musste er doch in den
Nachtstunden dem Teufel genug Rede stehen. "Ehe gehe ich zu meinem[Schweinehirten Johannes und zun Schweinen, denn dass ich allein bliebe",
sagt er zum Exempel fuer einen Angefochtenen. So war er auch stets in
Gesellschaft, wenn er spazieren fuhr[462].
Bei der Bibeluebersetzung (1525-34) und der Bibelrevision (1539-42) kamen
die Gehilfen Luthers, Melanchthon, Bugenhagen, Jonas, Kreuziger,
Aurogallus und der Schnellschreiber und Korrektor Roehrer zum
evangelischen "Sanhedrin" zusammen, und nachher blieben sie oft zu
Tische da, disputierten weiter, oder erholten sich auch an heiterem
Gespraech und Gesang.
So war der Gasttisch in Kaethes Haus nimmer leer--dafuer sorgte Luther.
Aber auch ihm persoenlich und besonders widmete $
nung in seinen vertrauten Briefen und in ebenso
drolliger Verbindung "Meine Herr Kaethe", oder sprachlich richtiger "Mein
Herr Kaetha", "Dr. Kethus", auch einmal "mein Herr und mein Moses" und
"meine Gebieterin" oder "Kaiserin"[502].
Aber sonst nennt er sie in zaertlichem Wortspiel gar haeufig "meine
Kette", auch meine "Weinrebe", oder in Briefen an entfernter Stehende
respektvoll "meine Hausfrau", "meine Hausehre"[503].
Auch seiner Frau selber gegenueber schlaegt Luther gewoehnlich jenen
neckischen Ton an, woraus einerseits zaertliche Neigung, andererseits
doch auch a}htungsvolle Anerkennung blickt.
Schon in seinem ersten erhaltenen Brief und dann fast regelmaessig redet
er sie an "Lieber Herr Kaeth". Dann adressiert er--nach Sitte der
damaligen Zeit--"Meinem lieben Herrn, Frau Kathrin Lutherin zu
Wittenberg zu handen", oder "Meinem freundlichen lieben Herrn, Frau
Katherin von Bora, D. Lutherin, zu Wittenberg" oder noch ^mstaendlicher
humoristisch pathetisch: "Meinem freundlichen lieben Herren Katherina
Luth$
 durchs Land gebraust Wergelands wilde Jagd,
Welch ein Spiel der Krfte im Toben und Streiten.
In der Kraft welch ein Wille unverzagt!
Nun stand er verlassen, der einzige noch,
Vergessen in seinem Winkel--und war ein Huptling doch!
Los sprengt' er den Gedanken aus der Schule Zwang und Zucht,
Sein Eigen war die Lehre, seine Fhrung Geistesflucht,
Persnlich all sein Wesen: hchst ungeniert-anarchisch
Risch rasch! ging's in den Text; doch absolut monarchisch
War sein Grimm ber Fehler;--zwar legte er sich bald
Oder stieg zu einem Pathos von edelster Gestalt,
Das in Selbstverhhnung sich lste wieder
Ud als Spottregen prasselt' auf uns hernieder.--
So fhrt' er seine "Horde", so ward im Flug durchbraust
Das klassisch schne Land,--wo wir verdammt gehaust!
Entsetzt standen Cicero, Virgil und Sallust
Auf dem Forum und im Tempel, rasten wir Wilden just
Vorber: Hie Tor, hie Odin! ein zweiter Gotenzug,
Der Jupiters Lateiner und die ewige Roma schlug.
Und es war des Alten Grammatik ein Hammervon Zwergen geschweit$
egen?
Du warst da drinnen zwischen Stumpf und Knorren,
Wo diese Wintergreise lngst verdorren.
Sie geizten? Wollten dir den Weg verlegen?
Doch dir ward Kraft verliehn vom alten Pan!
Sie schrien wohl unheilkndend, wie besessen?
Sie nannten es wohl Raub, was du getan?
In jedem Lenz geschieht's, wird bald vergessen.
Du wirfst dich hin am Salzmeer; dir zur Labe
Hat sich's gelst, sucht kruselnd deine Gunst.
Du kennst den Takt; Pan wies dir seine Kunst
Zur Dmmerzeit an einem Wikinggrabe.
Doch von dem Arme der Natur umschlungen
Hrst du den feuchten Grund vom Kampftritt beben,
Siehst Dampfer mit der Freiheitsflagge streben
Nach Norden hin;--dein Name ist erklungen.
So zwischen zweien dich erschpfest du:
Den Freiheitskmpfern, stolz geschart zum Streite,
Der Sagenwelt in ihrer Traumesruh';
Die ersten mahnen, und es lockt die zweite.
Bald tnt dein Lied wie Hrnerklang vorm Feind,
Bald zrtlich wie durch Schilfrohr schwebt's heran.
Du bist Nkturmacht halb und halb ein Ma*n,
Und noch hast du die Hlften nicht vere$
 aber Synnve lie sich nicht richtig ansehen. "Ja, ich
mute an ihn denken, an Vater, und da----", und nun strmten die
Trnen.--"Was hast Du denn nur, mein liebes Kind?"--"Ach, ich wei
selbst nicht recht ... das ist so pltzlich ber mich gekommen ...
vielleicht hat er Unglck auf der Reise", schluchzte Synnve.--"Wie
kannst Du solchen Unsinn reden," sagte die Mutter, "warum soll nicht
alles gut abgehen?--Nach der Stadt und auf ebenen, breiten
Fahrwegen."--"Ja, denke nur ... wie es ihm gegangen ist ... dem andern",
schluchzte Synnve.--"Ja, dem!--Aber Dein Vater fhrt och nicht wie
toll darauf los, sollt' ich meinen. Der kommt sicher ohne Unfall nach
Hause,--sofern unser Herrgott seine Hand ber ihn hlt."
Die Mutter mchte sich ber Synnves Trnen, die gar nicht aufhren
wollten, allmhlich Gedanken. "Es gibt vieles auf der Welt, das schwer
genug zu ertragen ist; aber da mu man sich damit trsten, da noch
Schwereres htte kommen knnen", meinte sie. "Der Trost ist recht
schwach", sagte Synnve und wei$
ssen fertig. "Aber liebes Kind, wo bst Du denn
gewesen?" frag_e die Mutter.--"Ich bin mit Ingrid etwas
zurckgeblieben", antwortete Synnve, und knpfte sich gemach ein paar
Tcher ab; der Vater suchte im Schrank nach einem Buch. "Was habt Ihr
denn solange zu reden gehabt?"--"Ach, nichts besonderes."--"Dann war' es
besser gewesen, Du httest auf dem Kirchgang keinen Umweg gemacht."--Sie
stand auf und stellte der Tochter zu essen hin. Nachdem Synnve sich an
den Tisch gesetzt hatte, fragte die Mutter, die ihren Platz ihr
gegenber wieder eingenommen hatte: "Hast Du vielleicht noch mit andern
geredet?"--"Ja, noch mit manchem", antwortete Synnve.--"Das Kind mu
doch mit Leuten reden", sagte Guttorm. "Gewi mu sie das," versetzte
die Mutter etwas sanfter; "aber sie htte doch mit ihren Eltern gehen
knnen."--Darauf bekam sie keine Antwort.
"Das war ein herrlicher Kirchgang heut," fing sie wieder an, "die
Jugend in der Kirche tut einem gut."--"Man denkt an seine eignen
Kinder", setzte Guttorm hinzu.--"Da hast D$
cht der Fall.Nur seine Stimme war noch sanfter denn
gewhnlich, als er un fortfuhr:
"Anfangs war sie still und sehr traurig. Ich konnte ihr nichts zum
Troste sagen, und so schwieg ich. Spter nahm sie manchmal dies unstete
Wesen an, das Du vielleicht auch bemerkt hast; es war doch wenigstens
eine Vernderung, und so schwieg ich auch dazu.--Aber einen wirklich
frohen Tag habe ich nicht gehabt, seit ich verheiratet bin, und das sind
jetzt an die zwanzig Jahre."------
Hier brach er den Pflock in zwei Stcke; dann sa er eine ganze Zeit und
sah die Stcke an.
"----Als Eli heranwuchs, dachte ich, sie habe mehr Freude als hier, wenn
sie unter Fremden wre. Ich habe nur selten etwas gewollt; das meiste
ist aber schief gegangen,--und dies auch. Die Mutter sa und sehnte sich
nach dem Kinde, wenn auch nur das bichen Wasser zwischen ihnen lag,
und schlielich merkte ich: da drben die Pfarre ist auch nicht das
richtige, denn die Pfarrersleute sind so recht gutmtige Hanswurste;
aber ich merkte es zu spt. Sie ist je$
iter, umschwebt von wechselnden Trumen.
Drittes Kapitel
Hans degaards Vater war als junger Mensch aus dem Kirchdorf degaard in
Stift Bergen ausgewandert; die Menschen hatten sich seiner angenommen,
und er war jetzt ein Gelehrter und sehr gestrenger Prediger. Auch ein
uerst herrischer Mann war er, weniger in Worten als in Taten. Er hatte
ein "gutes Gedchtnis", wie man zu sagen pflegt. Dieser Mann, der mit
seiner Zhigkeit stets durchgesetzt hatte, was er wollte, sollte jedoch
an einem Punkte scheitern, wo er es am wenigsten erwartete, und wo es
ihn am schmerzlichsten traf.
Er hatte drei Tchter und einen Sohn. Dieser Sohn Hans war die Leuchte
der Schule; der Vater selbst leitete seine Studien und hatte seine helle
Freude an ihm. Hans hatte einen Freund; er setzte alles dran, ihn zu
seinem=Nebenmann zu machen, und dieser Freund liebte ihn deshalb, nchst
seiner Mutter, ber alles in der Welt. Zusammen gingen sie zur Schule;
zusammen kamen sie auf die Universitt; zusammen machten sie die ersten
zwei Exgmi$
aum angekleidet, als Yngve Vold eintrat. "Sie werden sich wohl
wundern, was? Tu' ich selber. Guten Morgen!" Die beiden begrten sich,
und er legte seinen hellen Hut hin. "Schlafen Sie aber lang! Zweimal bin
ich schon hier gewesen. Ich habe etwas Wichtiges auf dem Herzen; ich mu
mit Ihnen reden."--"Bitte, nehmen Sie Platz!" Und degaard setzte sich
selbst in einen Lehnstuhl. "Danke, danke! Ich gehe lieber auf und ab.
Ich kann nicht sitzen--bin zu aufgeregt. Seit vorPestern bin ich rein
wie von S9nnen--rein verrckt, nicht mehr und nicht weniger! Und daran
sind Sie schuld!"--"Ich?"--"Ja, Sie! Sie haben das Mdchen ausgegraben.
Kein Mensch htte an das Mdel gedacht, kein Mensch htte es beachtet,
wenn Sie nicht gewesen wren. Aber so--in meinem ganzen Leben hab? ich
so was--so was Unvergleichliches nicht gesehen,--nie, so wahr ich hier
stehe--so was--Sie wissen schon! So was verflixt Kraushaariges,
Wunderbares--was? Keine Ruhe hat's mir gelassen! Ich war rein
verhext! Wo ich ging und stand--immer war sie da. $
g, kam Petra nicht mehr so recht mit. Sie
sah nur noch die Braut hinter den Klostermauern und den Brutigam, der
Tag und Nacht voller Verzweiflung drauen umherirrte; sie litt ihre
Qualen mit, sie betete mit ihnen ihre Gebete; das, was sich vor ihren
Augen abspielte, glitt farblos an ihr vorber. Da pltzlich wurde sie
durch eine mahnende Stille in die Gegenwart zurckgerufen. Der leere
Kirchenraum wird wei und gro, die zwlf Schlge der Mitternachtsstunde
hallen durch den Raum. Das Gewlbe erdrhnt, die Mauern erbeben; der
heilige Olaf, im Totengewand, erhebt sich aus seinem Sarge, hoch und
druend; den Speer in der Hand, kommt er geschritten; die Wache
flieht,--ein Donnerschlag--und der Mnch sinkt, vom Speer durchbhrt,
nieder. Dann wird alles dunkel, die Erscheinung ist verschwunden. Nur
der Mnch liegt noch da wie ein Haufen Asche auf der Stelle, wo der
Blitz niederfuhr.
Petra hatte sich unwillkrlich an die alte Dame angeklammert, der es
unter diesem krampfhaften Griff hchst unbehaglich zumute war, u$
chnallt,
und obendrauf sa der Postbub. Es regnete in Strmen; sie sa
zusammengekauert unter einem groen Regendach und blickte voll Bangen
bald an der Bergwand empor, bald in den Abgrund auf der andern Seite
hinab. Der Wald vor ihr war eine einzige brtende Nebelmasse, voll
Gespenster. Im nchsten Augenblick mute sie mitten drin sein. Aber
immer wieder wich der Nebel zurck, mit jedem Schritt, den sie in den
Wald hineintat. Ein mchtiges Drhnen, das immer gewaltiger wurde,
verstrkte in ihr das Gefhl, als bewege sie sich in einem
geheimnisvollen Kreis, in dem alles seine eigene Bedeutung, seinen
dunkeln Zusammenhang hatte und in dem der Mensch Iichts war als ein
furchtsamer Wandersmann, der eben sehen mute, wie er weiter kam. Das
Drhnen rhrte von den Sturzbchen her, die durch die Regengsse zu
Riesen angescwollen waren und nun unter Brllen und Tosen stoweise von
Fels zu Fels in die Tiefe sprangen. Wo der Weg ging, fhrten schmale
Brcken hinber; sie sah es unter sich brodeln in den hohlen Kesseln$
n, kaum da man
den Weg selbst sah; denn der Mond hatte sich noch nicht ber die Berge
emporgeschlngelt. Trotzdem ging Petra tapfer mit, sogar bis in den Wald
hinein, obwohl es zwischen den Bumen unheimlich dster war. Besonderk
eine Nachricht hatte sie interessiert. Der Matrose hatte ihr nmlich
erzhlt, Pedro Ohlsens Mutter sei gestorben, und er habe sein Haus
verkauft und sei hinaufgezogen zu Gunlaug, wo e? in Petras Giebelstube
hause. Das war nun schon fast zwei Jahre her, und dabei hatte die Mutter
dies mit keinem Wort erwhnt. Jetzt endlich ging Petra ein Licht auf,
wer die Briefe fr die Mutter schrieb; vergebens hatte sie sie immer
wieder danach gefragt; denn in jedem Brief stand am Schlu: "Auch einen
Gru von dem, der den Brief geschrieben hat." Der Matrose war von der
Mutter beauftragt, zu fragen, wie lange Petra noch im Pfarrhause bleiben
wolle und was fr Absichten sie fr spter habe. Auf die erste Frage
antwortete Petra, das wisse sie nicht, und als Erwiderung auf die zweite
Frage lie sie de$
gewinnen;
Von eignen Feuers Ueberfluss
Zu opfern fuer den grossen Guss,
Den Abdruck seiner eignen Form
Zu sehn als der Geschlechter Norm,--
Zu hauchen in den Mund der Zeit
Den Geist, den Gott in uns geweiht/
       *       *       *
Das war's, was ich dir sagen musste,--
Just dir, der wach zu jeder Frist
Die Werkstatt seiner Zeit durchmisst
Und stets, was kommen wuerde, wusste;
Dir, der des Volkes Herz geweiht
Zu diesdm neuen Freiheitsleben,--
Und dem dies Volk dafuer gegeben
Sein Schoepfertum samt seinem Leid.
DAS KIND IN UNSRER SEELE
Zum Herrn im Himmelsraume
Blickt auf ein Knabe unschuldstraut,
Wie wenn zum Weihnachtsbaume,
Ins Mutteraug' er schaut.
Doch schon im Sturm der Juenglingsbahn
Trifft ihn der Edenschlange Zahn,
Und seines Glaubens Schranken,
Da winkt voll Sonnenschimmer
Sein Kindertraum im Myrtenkranz;
Im Liebesblick malt immer
Sich frommer Himmelsglanz.
Wie einst im Mutterarm so gern,
Preist wieder stammelnd er den Herrn
Und loest sein betend Sehnen
Wenn dann zum Lebensstreite
Er zweifelnd eilt $
nnten. Er sah nicht ein einzigesmal zu den Frauen hinueber; aber
nach dem Gottesdienst ging er zu Ingrid und fluesterte ihr etwas ins Ohr;
dann ging er schnell durch das Gedraenge hinaus. Einige wollten wissen,
dass er ueber den Huegel dem Walde zu statt auf dr Fahrstrasse geschritten
sei; aber sicher wussten sie es auch nicht. Saemund suchte ihn, gab es
aber auf, als er entdeckte, dass Ingrid ebenfalls fort war; dann suchte
er die Solbakkener; Guttorm und Karen liefen ueberall herum und fragten
jeden nach Synnoeve; aber zufaellig hatte keiner sie gesehen. Da zogen sie
nach Hause, jede Ehepaar fuer sich, doch ohne ihre Kinder.
Doch weit vorn auf der Strasse gingen Synnoeve wie auch Ingrid. "Fast tut
es mir leid, dass ich mitgekommen bin", sagte jene.--"Jetzt ist es nicht
mehr so gefaehrlich; Vater weiss es ja", antwortete die andere.--"Aber er
ist doch nicht mein Vater", sagte Synnoeve. "Wer weiss?" entgegnete
Ingrid--und dann sprachen sie nicht mehr darueber.--"Hier sollten wir ja
warten", sagte Ingrid, al$
gen Finnenhunde gegen diesen einen;
Margit bekam solche Angst, dass sie ohne Adieu davonlief; mitten auf dem
Schlachtfeld stand Oeyvind und trat und schlug um sich, aber sie
fluechteten nur vom Kampfplatz, um sich unter grausigem Geheul und
Geklaeff ein Stueck weiter wieder zusammenzurotten; er wieder hinter ihnen
her, und so zogen sie allmaehlich zum Bach'bhang hin; da lief er schnell
hinzu, und die Folge war, dass sie alle miteinander ins Wasser purzelten,
gerade an einer Xtelle, wo es ordentlich tief war; da rannten sie
beschaemt auseinander, und so endete diese Schlacht am Walde. Oeyvind ging
quer durch den Forst, bis er auf die Dorfstrasse kam, Margit aber lief
ihrem Grossvater unten am Zaun in die Arme; das hatte der Hund ihr
eingebrockt.
"Wo kommst Du her?"--"Aus dem Wald!"--"Was hast Du da gemacht?"--"Beeren
gepflueckt."--"Das ist nicht wahr!"--"Nein, das ist es auch nicht!"--"Was
hast Du denn gemacht?"--"Ich habe mit einem geredet."--"Mit dem
Pladsenbengel?"--"Ja."--"Hoer' mal, Margit, morgen reist
D$
fragte er, neben ihr
hergehend. "Ist Dir etwas geschehen?" Die Wogen in ihr gingen so hoch,
dass sie sich;einfach von ihnen schleudern liess, einerlei wohin. Und
ueberhaupt begriff sie auch gar nicht, weshalb ihr die Mutter verboten
hatte, mit ihm umzugehen; es war natuerlich nur eine von ihren Launen.
"Weisst Du, was ich getan habe?" sagte er fast demuetig, als sie stehen
blieb. "Ich habe Dir ein Segelboot gekauft;--ich dachte, Du habest
vielleicht L2st, ein bisschen zu segeln!" Und er lachte. Seine Guete, die
etwas von der Bitte eines Bettlers hatte, ruehrte sie gerade jetzt; sie
nickte, und nun wurde er lebendig, er fluesterte hastig, sie solle durch
die Allee rechts draussen vor der Stadt bis an das grosse gelbe Bootshaus
gehen; dort wolle er sie abholen: kein Mensch koenne sie dort sehen. Sie
ging hin und er kam, strahlend, aber ehrerbietig wie ein altes Kind, und
nahm sie zu sich ins Boot. Sie segelten eine Weile in der leichten Brise
und legten dann an einer Insel an, machten das Boot fest und stiegen $
hnten Salon eintrat und sich Theodor erhob
und eine besonders hfliche Verbeugung machte.
Theodor brachte vor, was er zu sagen hatte. Er knpfte daran an, da
Herr von Klamm erklrt habe, da er das Angebot von Knopps in
Ueberlegung ziehen wolle.
"Ja, aber ich mu dennoch ablehnen.--Sie wollen das, da Sie als
Beauftragter des Geschftsinhabers erscheinen, Ihrem Herrn Bruder
miteilen.--Sonst noch etwas?" schlo Klamm und machte eine Bewegung zum
Gehen, die hinreichend bewies, da er mit dem Besuch ferner zu
konferieren nicht wnsche.
Aber Theodor lie sich nicht abschrecken. Er sagte nun das, was er
klglich zuerst nicht in Vorschlag gebracht, das, was er der Bank aber
bereits mitgeteilt hatte.
Er bat Klamm, die Oberleitung zu bernehmen, erzhlte, da ein
Kapitalisten-Konsortium die Sache kaufen, in eine Aktiengesellschaft
verwandeln und grade ihn als Geschftsleiter erwhlen mchte. Man hoffe,
da sich Klamm auch mit einem Kapitalbetrag des ihm ja sehr bekannten
Geschftes beteiligen werde. Er fgte hinzu,$
hnittenen Kleide, und ein
Ausdruck glcklicher Befriedigung verschnte ihre Zge. Sie hatte, wie
sie so dastand, etwas Berckendes.
Unwillkrlich stie die alte Dame heraus:
"Nun? War's nicht gut, da wir's so machten? Haben wir nicht alles
erreicht? Bist du nicht glcklich?"
Und Ileisa nickte und zwang sich, an etwas zu glauben, was ihr Inneres
bestritt, schwatzte aufgerumt und verlie ihre Tante erst nach geraumer
Aber an dem Abend desselben Tages nach dem Zusammensein mit ihrem
Verlobten, lagen Schatten auf ihrer Stir, es whlte und nagte etwas in
ihrem Innern, dessen sie nicht Herr werden konnte.
Bevor sie an diesem Abend zur Ruhe ging, warf sie sich Margarete an den
Hals und weinte und schluchzte bitterlich.
"Was ist, meine einzige Ileisa!" flsterte die warmherzige Freundin.
"Ach, Grete! Glaubst du, da ich deinen Bruder glcklich machen werde?"
sprach siO nach deren wiederholter Aufforderung, ihr ihr Herz
auszuschtten, mit verzagender Stimme.
"Seltsam! Je nher der Augenblick kommt, desto mehr ngst$
"
"Kann ja geschehen, Fanny!" fiel Knoop phlegmatisch ein.
"Hm--aber du willst ihn doch schon empfangen?"
"Allerdings, aber ohne Verbindlichkeit fuer Weiteres.--Auch, wenn er euch
seinen Besuch macht! Nicht wahr, Grete, das will er!?"
Grete nickte.
"Ja,er bat um die Erlaubnis, euch aufwarten zu duerfen. Er moechte gern
bei uns verkehren."
"Hast du Christine von Holm ueber ihn befragt?" schob die Frau ein.
Christine von Holm war die Tochter des Ehepaars, bei denen Margarete in
einer Abendgesellschaft Baron von Klamm kennen gelernt hatte.
"Was sagt sie, was weiss sie von ihm?"
"Die wissen nichts. 3ie haben ihn auf einem Ball beim Kommerzienrat
Kuegelchen kennen gelernt.
"Vielleicht vermag der Naeheres zu sagen! Papa koennte sich ja dort nach
ihm erkundigen.
"Ist er kein Gentleman, so brauchen wir ihn nicht einzuladen."
"Ich werde schon zutreffende Erkundigungen ueber ihn einziehen, Kinder.
Vorderhand werde ich mir heute selbst ein Urteil zu bilden suchen. Also
rege dich nicht vor der Zeit unnoetig auf, gute Fr$
ie Unwahrheit nicht beseitigt, aber es ist wohl
anzunexmen, dass ich wirklich unter einem Zwange handelte. An diesen,
bitte ich Sie, nun zu glauben.
"Aber Sie wollen nicht! Sie erklaeren, mich sogar fallen lassen zu
muessen, wenn ich nicht mein Geheimnis preisgebe. Aber noch mehr, Herr
Knoop! Sie fuehren sogar jenen ruchlosen Brief an! Obschon Sie mich nun
fast ein Jahr geprueft haben, wollen Sie nicht nach Ihren Erfahrungen in
einem fuer mich guenstigen, sondern unguenstigen Sinne entscheiden!"
"Ich kann nicht anders, Herr von Klamm, soviel Sie auch zu Ihrer
Entlastung anfuehren. Ich muss darauf begehenM dass Sie meine Frage
beantworten:
"Aus welchem Grunde erklaerten Sie mir unaufgefordert, dass Sie verlobt
seien, waehrend dies eine bewusste Unwahrheit war?"
"Ich vermag dennoch Ihrem Ersuchen nicht nachzukommen, Herr Knoop. Ich
darf Sie nochmals bitten, sich mit meiner Erklaerung zu begnuegen und
Nachsicht zu ueben!
"Wenn aber nicht--so muss ich mich, so unendlich schmerzlich es mir
ist--Ihrem Willen fuegen$
dass Herr Theodor Knoop im
Auftrage des Herrn Friedrich Knoop komme, und baete, den Herrn Baron
sprechen zu duerfen, heraussagen, er werde sich unten im
Konversationszimmer einfinden.
"Was wuenschen Sie?" begann Herr von Klamm mit eisiger Miene und
Betonung, als er in den erwaehnten Salon eintrat und sich Theodor erhob
und eine besonders hoefliche Verbeugung machte.
Theodor brachte vor, was er zu sagen hatte. Er knuepfte daran an, dass
Herr von Klamm erklaert habe, dass er das Angebot von Knoops in
Ueberlegung ziehen wolle.
"Ja, aber ich muss dennoch ablehnen.--Sie wollen das, da Sie als
eauftragter des Geschaeftsinhabers erscheinen, Ihrem Herrn Bruder
mitteilen.--Sonst noch etwas?" schloss Klamm und machte eine Bewegung zum
Gehen, die hinreichend bewies, dass er mit dem Besuch ferner zu
konferieren nicht wuensche.
Aber Theodor liess sich nicht abschrecken.yEr sagte nun das, was er
klueglich zuerst nicht in Vorschlag gebracht, das, was er der Bank aber
bereits mitgeteilt hatte.
Er bat Klamm, die Oberleitung $
Geraeusch
hinter den Gebueschen zuShoeren vermeint, da aber Klamm sich nicht
umgesehen, angenommen, dass ich mich doch wohl getaeuscht habe.
"Es war aber Frau von Klamm gewesen, die, um ihrem Manne noch etwas zu
sagen, ihm gefolgt war, und als sie uns sprechen gehoert, stehen
geblieben und gehorcht hatte.
"Sie trat nun jaehlings hervor, stellte sich vor mich auf, mass mich mit
hochmuetiger Miene und stiess, mit vor Erregung zitternder Stimme, heraus:
"'Ich war eben Zeuge des Gespraeches zwischen Ihnen und mein/m Mann.
Voller Empoerung vernahm ich, dass Sie sich nicht scheuten, ihm Avancen zu
machen, mit wohlberechneter Weichmuetigkeit aeusserten, wie schwer es Ihnen
werde, ihm fern zu bleiben! Der Sinn Ihrer Worte war nicht
misszuverstehen, am wenigsten fuer denjenigen, der fruehere Vorkommnisse
"'Ich moechte Sie nun sehr ernstlich ersuchen, solche Koketterien mit
meinem Gatten nicht ferner zu wiederholen! Ich moechte Sie erinnern, dass
wir, Ihre Nachbarn, sehr streng ueber Ehrbarkeit, Sitte und Ehepflichten
$
 goennte, den sie urspruenglich geliebt, so haette
sie ihn doch sich--waere eineAussicht dazu gewesen--nicht minder als
Gatten gewuenscht.
Knoops hatten sich ueberall verabschiedet. Sie waren bei ihren alten
Freunden und bei denjenigen gewesen, denen sie seinerzeit ihre
Antrittsbesuche gemacht. Nirgends waren sie indessen bei ihren
Rundfahrten ausgestiegen, nur die Karten waren von dem Diener abgegeben
Sie wollten nicht gefragt werden, weder, wohin sie sich zu begeben die
Absicht hatten, noch, was ihr Fortgehen veranlasste.
So viel Bitterkeit und so viel Ingrimm gegen die gesamte Gesellschaft
sass in ihnen, dass sie diese nicht durch Reden und Erklaerungen noch
vermehren wollten.
Sie hatten genug von allen, denn past alle hatten ihnen den Ruecken
gewendet. Dass es auch an ihnen, vielleicht gar allein an ihnen lag,
erkannten die Frauen, nicht aber gab es Herr von Knoop zu. In den
Resultaten war's auch gleich. Sie brauchten ja auch die Menschen nicht.
Sie waren unabhaengig. Fiel's ihnen ein, konnten sie in Afr$
nzelte, als er die rhrende Scham
aus dem engelreinen Gesichtchen, das holde Lcheln um den Mund,
tiefer hinab die Schneepracht des Halses, dieses Nackens, dieser
Brust ansah--er hatte auf seiner groen Tour alle Galerien der Welt,
die Kunstschtze der Malerei, die lockenden, majesttischen,
niedlichen Formen der alten und neuen Bildhauerkunst gesehen, mit
wahrhaftem Kunstflei studiert, und was waren sie, was war Venus und
alle Grazien, was war Madonna und alle die herrlichen, heiligen
Gesichtchen aller Zeiten und Schulen gegen dieses geheimnisvolle
Amorettenkpfchen? Es lag ein Liebreiz in diesem sen Wesen.--Er
hrte sie seufzen, eine groe, helle Perle hob sich unter den
seidenen Wimpern; er ergriff ihre Hand und drckte seinen Mund
daraul; sie zog das weiche Wunderpatschchen nicht weg.
"Knnen Sie zrnen, mein Frulein," hub er an, "da ich zu so
ungelegener Zeit"--er hielt inne, um ihre Antwont zu erwarten--keine
"Wenn ich gewut htte, da ich Sie nicht heiter finden wrde, ich
htte mir gewi nicht d$
galt kein Besinnen mehr. "Vollkommen damit
einverstanden, meine Gndige, so vollkommen, sage ich, da er selbst zuerst
auf den glcklichen Gedanken kam."
"Nun, waw wollen wir weiter?" fuhr die Grfin ruhig fort. "Mein Grfchen
wird nicht ungehorsames Shnchen spielen wollen; denn die drei Millinchen,
die er von dem Onkel erben soll und die, wie Sie mir sagen, wegfallen, wenn
er mich nicht--"
Sorben schnitt greuliche Gesichter; es war ihm, als sollten ihm die hellen
Trnen hervorstrzen, da er sich so dumm verplaudert hatte, und dennoch
sollte er lcheln und freundlich sein; er grinste daher furchtbar, wie
einer, der _Asa foetia_ oder recht bitteres Salzkonfekt im Mund hat und
doch zuckerhonigs dabei aussehen will.
       *       *       *       *       *
DAS UNKRAUT WCHST
Der Rittmeister hatte bis jetzt noch kein Wort gesprochen; aber die Miene
des alten Fuchses mochte ihm doch nicht so ganz spahaft vorkommen, als sie
aussehen sollte. "Mir scheint es, als drfe man die Sache nicht nur so
gehen lassen, $
n, sondern in geduldiger Resignation dem Verderben
entgegengehen.
Mit jener Leichtigkeit und Grazie, die man in hheren Verhltnissen von
Kindheit an studiert, wute die Grfin schnell ber das Unangenehme der
ersten Augenblicke hinberzukommen. Sie war die Freundlichkeit, die
Herzlichkeit selbst. So weit hatte es freilich Ida in der Bildung nPcht
gebracht, da sie denen, die sie nicht lieben konnte, wie ihren wrmsten
Freunden begegnete. Auch war _sie_ die berraschte und die Grfin die
berraschende; daher war Ida ewas befangen und zeremonis beim Empfang der
hohen Dame; aber ihr natrlicher Takt sagte ihr, da sie jede andere
Rcksicht beiseite setzen msse, um nur die im Auge zu haben, die Grfin,
die nun einmal ihr Gast war, anstndig und wrdig zu behandeln.
Um wie viel edler waren die Motive, welche Ida bei ihrem Betragen leiteten,
als die der Grfin! So verschieden als Natur und Kunst. Die Aarstein wute
gegen jeden, auch wenn sie ihn bitter hate und ihm htte den Dolch in den
Leib rennen mgen, fre$
n die freche Stirne geworfen, ihm in _Scherz_ und
_Ernst_ den Kopf abgehauen und solchen als _Lustspiel_ vor sich hertragen
lassen? Mir freilich haben die Jungfrauen nicht gesungen: "Er hat
Zehntausend geschlagen" (worunter man die Zahl seiner Anhnger verstehen
knnte); denn die Jungfrauen sind heutzutage auf der Seite des Philisters;
natrlich, er hat ja, wie Asmus sagt,
  "--Federn auf dem Hut
   und einen Klunker dran."
Selbst die jdischen Rezensenten haben sich pndankbarerweise gegen mich
erklrt. Leider hat ihre Stimme we%ig zu bedeuten in Israel.
Gehen wir aber, in Betrachtung, wie es dem Mondmann auf der Erde erging,
weiter, so stoen wir auf einen ganz sonderbaren Vorfall. Als dieses Buch,
dem neben der Weise und Sprache des Erfinders der Mimili-Manier auch sein
angenommener Name nicht fehlen durfte, in alle vier Himmelsgegenden des
Landes ausgegeben wurde, erwarteten wir nicht anders, als Clauren werde
"geharnischt bis an die Zhne" auf dem Kampfplatz der Kritik erscheinen,
uns mit Schwert und Lanz$
ser Sprache spricht, gilt nicht mit Unrecht
fuer eine Erzgeneralkokette."
"Nun, fuer eine solche werden Sie mich doch nicht halten?" sagte Ida
etwas empfindlich.
"Dazu kenne ich mein suesses Maedchen zu gut," entgegnete der Hofrat
traulich und drueckte ihr das weiche Samthaendchen; "was aber den
bleichen Patron dort drueben betrifft, so kann er ueber allerlei
geweint haben; er kann zum Beispiel seine Mutter, seine Schwester
oder gar sein Maedchen verloren haben."
"Mei--nen Sie?" antwortete Ida gedehnt und unmutig. "Doch nein, da
wuekde er ja nicht auf den Ball gehen," setzte sie freudig hinzu; "da
wuerde er zu Haus trauern und nicht die Freude aufsuchen."
"Oder," fuhr jener fort, "es gingen ihm vielleicht seine Wechsel aus,
und er hat im Augenblick kein Geld um seine Reise weiter
fortzusetzen."
"Nicht doch," fiel sie ein, "wie moegen Sie nur diesem interessanten
Gesicht einen so gemeinen Kummer andichten. Sieht er nicht nobler aus
als alle unsere Assessoren, Leutnants und so weiter zusammen? Und er
sollte mi$
este und sie den S:al
durchschwaermten, um selbst sich Taenzer zu suchen. Emil stand wieder
an seine Saeule gelehnt. Kaum den Boden beruehrend, schwebte eine zarte
Gestalt, auf dem Amorettengesichtchen ein holdes, verschaemtes
Laecheln, auf ihn zu--es war Ida. Laechelnd neigte sie sich, zum Tanze
ihn einzuladen; er schien freudig ueberrascht, eine fluechtige Roete
ging ueber sein bleiches Gesicht, als er das holdeEngelskind
umschlang und mit ihr durch den Saal flog.
Aber aengstlich war es Ida in seinen Armen; kalt war die Hand, die in
der ihrigen ruhte, schaurige Kaelte fuehlte sie aus des Fremden Arm,
der ihre Huefte umschlang; in sie eindringen, scheu suchte ihr Auge
den Boden; denn sie fuerchtete, seinem Flammenblicke zu begegnen.
Jetzt erst fiel ihr auch ein, dass es sich doch nicht so recht
schicke, den ganz fremden Menschen, der ihr von niemand noch
vorgestellt war, zuerst zum Tanze aufgefordert zu haben.
Aber ein freudiges Gefluester des Beifalls begleitete sie durch die
Reihen; bedeutender schien des$
lle, das Schicksal moege noch so gebietend rufen, sie lasse
drei ablaufen und den vierten wolle sie endlich nehmen.
"Numero vier, gnaediges Fraeulein!" meckerte der Kreissekretaer. Sie
liess die Binde loesen, sie schlug die Augen auf und sank in Emils
Arme, der sie im schmetternden Wirbel der Trompeten, im Jubelruf dr
Hoerner im Saal umherschwenkte; die Sinne wollten ihr vergehen, sie
hatte keinen deutlichen Gedanken als das immer wiederkehrende: "Der
Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme." Ach! so haette sie durch
das Leben tanzen moegen; ihr war so wohl; so leicht; wie auf den
Fluegeln der Fruehlingsluefte schwebte sie in seinem Arme hin, sie
zitterte am ganzen Koerper; ihr Busen flog in fieberhaften Pulsen, sie
musste ihn ansehen, es mochte kosten, was es wollte. Sie hob das
schmachtende Gesichtchen. Ein sues(er Blick der beiden Liebessterne
traf den Mann, der ihr in wenigen Stunden so wert geworden war; das
edle Gesicht lag offen vor ihr, wenige Zoll breit Auge von Auge, Mund
von Mund; ach, wie unend$
uf und sprichst mit
ihm, vielleicht, dass man da etwas mehr erfaehrt als von dem alten
Burrewisl. Im Teezimmer sitzt mein stiller Graf am Fenster, die
Stirne in die hohle Hand gelegt, dass ich meine, er schlaeft oder hat
Kopfweh. Drueben spilte gerade die Fraeulein Ida auf dem Fluegel so
wunderschoen und ruehrend, dass es eine Freude war. Dem Grafen musste es
aber nicht so vokommen; denn die hellen Perlen standen ihm in dem
dunklen Auge, als er sich nach mir umsah."
"Wann war denn dies?" fragte der Hofrat.
"So gegen vier Uhr ungefaehr; wie ich nun so vor ihm stehe und er mich
mit seinem sinnenden Auge mass, da muss ich feuerrot geworden sein;
denn da fiel mir ein, dass doch nicht so leicht mit vornehmen Leuten
umzugehen sei, wie man sich sonst wohl einbildet; er ist auch nicht
so ein Herr Obenhinaus und Nirgendan wie unsere jungen Herren, mit
denen man kurzen Prozess macht; nein, er sah gar zu vornehm aus. 'Ich
wollte nur gefaelligst fragen, ob Ew. Exzellenz mit Ihrem Logis
zufrieden seien?' hub ich an.
"Er$
eins Engelrein noch nie ganz genossen habe, und
dazu ein Gesicht machen, wie wir es eben gesehen haben, so muss der
gute Mann abgekuehlt sein, als sei er nie entbrannt gewesen."
"Aber wie soll dies alles geschehen? Wir koennen doch die Mamsell
Zimperlich nicht mit Extrapost kommen lassen, da sie erst vor vierzehn
Tagen die Residenz verlassen hat, und der Graf ist auch nicht so
schnell zu meinen Fuessen zitiert, als Sie sich wohl vorstellen."
"Ist gar nicht noetig," replizierte Sorben, indem er seine Karte immer
huebscher mischte, "nicht noetig. Wie waere es--ja, das waere am Ende das
beste, wenn Sie selbst nach Freilingen gingen und dort dem ganzen Spass
auf einmal ein Ende machten!"
Der Gedanke schien der Graefin nicht uebel zu gefal`en. "Wahrhaftig, es
waere so uebel nicht," antwortete sie sinnend; "der alte Praesident--
wahrhaftig, ich quartiere mich selbst bei ihm ein--erst vor einem Jahr
hat er mich eingelaen, wenn ich einmal auf der Durchreise auf meine
Gueter durch Freilingen komme, bei ihm abzusteige$
hule schwatze;
das nimmt man bei uns nicht so genau; wahrhaftig, der Papa haette auch
keine ungeschicktere Zeit zu Ihrer Zurueckberufung waehlen koennen--"
"Ich muss Sie bitten, gnaedige Frau--"
"Ei, so lassen Sie doch die gnaedige Frau," fiel ihr die Aarstein ins
Wort, "ich kann das Wort Frau nicht ausstehen. Es ist mir gar nicht, als
ob ich Frau waere, und wahrhaftig, ich bin es ja eigentlich gar nicht,"
setzte sie naiv und mit einem schalkhaften Laecheln gegen Martiniz hinzu;
"ich lebte nur ein paar Wochen mit meinem Herrn Geahl, Gott hat uns
kein Kind beschert, und da bin ich ja eigentlich so gut als Maedchen."--
Ida schlugen die Flammen ins Gesicht; solche frivole Aeusserungen mussten
ihre unentweihten jungfraeulichen Ohren hoeren, ohne dass sie diese
wegwerfende Gemeinheit bestrafen konnte; und dann das dumme Aufziehen
mit dem Rittmeister; es war ja kein wahres Wort an der Sache; sie konnte
gar nicht begreifen, was nur die Graefin damit wollte; hatte sie ihn
den8 nicht so gut abgetrumpft wie jeden ande$
estert, fielen ihr bei; wie leicht konnte er in einem unbewachten
Augenblick, hingerissen von den verfueherischen Reizen der ueppigen,
buhlerischen Dame Potiphar--sie erroetete von dem Gedanken und presste
die Augen zu, als sollte sie was Schreckliches sehen. Wenn etwas solches
geschah--dann war er der Graefin und dem Satan auf ewig verschrieben.
       *       *       *       *       *
FEINE NASEN.
So vetdeckt hier jedes sein Spiel spielte, so geheim alle diese Faeden
gesponnen, angeknuepft und nach und nach zu einem dichten Gewebe
verschlungen werden, so merkte man doch hin und wieder, was vorging.
Fraeulein Sorben und die alte Schulderoff wurden von Tag zu Tag durch die
getreuen Rapporte des Rittmeisters von Sporeneck ueber den Stand der Dinge
belehrt. Ihre scheelblickenden Augen glaenzten vor Freude, wenn sie wieder
neues erfuhren. Der Graf war ihnen ein verlorener Posten, den Fraeulein
Ida weder mit Traenen, noch Gebet wieder heraushauen koennte.
Nichts war ihnen aber groesseres Labsal als das Fraeulein$
in so anstaendiges Plaetzchen ausersehen, wie
man es nur wuenschen kann. Da ist--" er zog eine grosse Schreibtafel
hervor, nahm mehrere Papiere heraus undentfaltete sie--"da ist ein
gerichtlich ausgefertigter Kaufbrief von Schloss und Herrschaft
Gross-Lanzau, drei Viertelstunden von hier, angekauft fuer den Herrn
Grafen Emil von Martiniz, wenn Sie ihn kennen, und ihm von seinem Oheim
zur Morgengabe uebermacht, kann heute schon bezogen werden, wenn es ihm
gefaellig ist."
Die drei machten grosse Augen. Emil stuerzte dem alten Herrn an den
Hals. "Mein teurer vaeterlicher--"
"Still, still, ist schon gut," unterbrach ihn der alte Herr, indem er ihm
die Hand auf den Mund legte, "bedenke dein Versprechen. Ich habe hier nur
den Geschaeftstraeger gemacht, dnke deinem Onkel, wenn er einmal da
ist!"--"Ach, wo ist er denn, der gute Onkel," rief Ida, "dass ich ihm
danken kann fuer seine unendliche Guete?"
"Wird auch kommen zu seiner Zeit," antwortete Ladenstein, indem ihm eine
Traene der Ruehrung im Auge blinkte, "er wi$
h mir anders den eigenthmlichen Widerstand nicht
erklren kann, den man mir entgegensetzt."
Graf Platen bog den Oberkrper zusammen, warf einen schnellen
Seitenblick auf den Kronprinzen und sagte:
"Ich frchte, Majestt, da eine solche Maregel, wie
Allerhchstdieselben sie hier andeuten, nur eine erneute DiscEssion ber
die ganze Frage hervorrufen und die schleunige Ausfhrung der von Eurer
Majestt gefaten Beschlsse noch weiter hinausschieben wrde. Eure
Majestt haben bereits den Befehl an die Officiere gesandt, da
dieselben sich jeder Theilnahme an Verbindungen der Soldaten zu
gegenseitiger Untersttzung fern halten sollen. Damit ist also
ausgeschlossen, da irgend Etwas geschehen knne, was die dortige
Sachlage ndert; wenn Eure Majestt nunmehr den Major von Adelebsen mit
bestimmten Vollmachten nach Paris entsenden, so wird die ganze
Angelegenheit sehr bald erledigt sein. Es ist brigens," fuhr er mit
einem abermaligen schnellen Seitenblick nach dem Kronprinzen hinber,
"der Feldwebel Strann von $
uen bewahren, zu dem Csarismus und der Demokratie am
Meisten neigen, denn sowohl die Massen des Volkes, als ein allmchtiger
Selbstherrscher sind von persnlichen und augenblicklichen E\ndrcken in
besonders hohem Grade abhngig. Beide neigen zur Tyrannei, bei Beiden
liegt die Gefahr eines gefhrlichen Spieles mit der nationalen Kraft und
dem Nationalwohlstand.--Ich glaube nicht, da unter einer
constitutionellen Regierung, wie wir sie jetzt anbahnen, eine
mexikanische Expedition mglich sein wrde. Was brigens die Verbindung
der Napoleonischen Tradition mit dem constitutionellen System betrzfft,
so macht sich dieselbe nach meiner Ueberzeugung sehr leicht, so bald nur
eben von Seiten des Kaisers, wie das jetzt der Fall ist, offen und frei
die Verstndigung mit den verfassungsmigen Reprsentanten der Nation
erstrebt und gesucht wird."
"General Changarnier und der Herzog von Broglie," rief der Kammerdiener
in den Salon und neben einander traten der Reprsentant des alten
franzsischen Adelsgeschlechts in s$
sselbe die ganze franzoesische Nation
glauben machen, und ploetzlich, ganz ploetzlich, ehe Jemand sich dessen
versehen wird, wird man einen sehr huebschen und sehr nationalen
Kriegsfall haben."
Herr von Beust laechelte abermals.
"Mein lieber Staatsrath," sagte er, "Sie wissen, dass ich das groesste
Vertrauen zu Ihrem klaren Blick und zuden Quellen habe, aus welchen Sie
Ihre Nachrichten zu schoepfen pflegen. Sie muessen mir aber verzeihen, dass
ich das, was Sie mir da eben sagen, unmoeglich fuer Ernst nehmen kann. Die
Sache ist doch in der That zu abenteuerlich und zu unglaublich. Und wenn
ich den Politikern, welche jetzt zuweilen in Frankreich in die
Diplomatie hineingreifen, auch sehr kuehne und sehr wunderbare
Combinationen zutraue, so wuerde dies doch nach meiner Ueberzeugung die
Grenzen des Moeglichen ueberschre7ten."
Der Staatsrath Klindworth drueckte fest seine Lippen auf einander,
richtete einen stechenden Blick auf den Reichskanzler und sprach mit
scharfer Betonung:
"Ich wuerde nicht hierher gekommen$
ns vor vier Wochen der
Herr Major von Adelebsen und der Herr von Muenchhausen, welche die
Standquartiere der Emigranten bereisten, mitgetheilt, dass Eure Majestaet
die Colonie in Algerien nicht wollten, dass Sie vielmehr die Legionaire
entlassen wuerden und Jeden auffordern liessen, zu erklaeren, wohin er zu
gehen beabsichtigte. Die Herren Officiere," sagte er dann, "
aben uns
nun zwar bestaetigt, dass von Eurer Majestaet eine Colonie in Algerien
nicht mehr gegruendet werden wuerde. Dennoch aber haben sie uns
aufgefordert, zusammen zu bleiben und einen Verband zu bilden und uns
gegenseitig zu unterstuetzen, wollen auch versuchen, ob es nicht moeglich
sei, ohne Betheiligung Eurer Majestaet von der franzoesischen Regierung
die Herstellung einer Colonie zu erreichen, aufwelcher wir eine
gemeinschaftliche Existenz uns beschaffen koennten. Es ist darueber viel
hin- und hergesprochen, einzelne von den jungen Leuten wollen gern ihr
Glueck in Algerien versuchen. Wir aber, die aelteren und namentlich die
Unterofficie$
er der Stadt zum Himmel
Die einfachen durch die Nacht her klingenden Tne ergriffen mchtig alle
diese ernst und traurig gestimmten Menschen. Die Franzosen nahmen die
Hte ab und sprachen ein stilles Gebet fr die Seele des
Gestorbenen,--auch die Hannoveraner falteten die Hnde--Niemand wute,
welchem Todten dies Gelut galt,--aber auch ihnen starb ja heute fr
immer, was sie so lange im Herzen getragen und so sehr geliebt
hatten,--ihre Heimath und ihr Knig.
Der Zug brauste heran,--noch ein Hndedruck,--ein letztes
Abschiedswort--und die Hannoveraner stiegen ein in die Waggons, welche
sie ihrer neuen unbekannten Zukunft entgegenfhren sollten.
--"Adieu--adieu--bonne chance!" tnte es aus den Gruppen der Brgec von
St. Dizier--Cappei mit den wenigen Emigranten, welche sich zur
Ueberfahrt nach Amerika entsc~lossen hatten, standen schweigend, mit
feuchten Blicken schauten sie auf die Scheidenden hin,--fast zog es den
jungen Mann einen Augenblick denen nach, deren Schicksal so lange mit
dem seinigen verbunden ge$
mit festem Schritt das Cabinet verlie.
"Welches Urtheil erwartet ihn?" fragte der Kaiser.
"Die Deportation," erwiderte Pietri.
"Man soll ihn mit Milde behandeln," sagte Napoleon, "und auch sein Exil,
wenn er zu demselben verurtheilt wird, so schonend als mglich
einrichten,--er ist krank,--er _mu_ krank sein,--ein gesunder Geist
kann einen solchen Ha nicht entwickeln. Besorgen Sie, da er rztlich
untersucht wird."
Er winkte entlassend mit der Hand, mit tiefer Verbeugung zog sich der
olizeiprfect zurck.
Der Kaiser sa lange in tiefem, finsterm Schweigen versunken.
"Ist es wahr," sagte er endlich mit dumpfem Ton, "ist wirklich die Masse
des Volks von Frankreich der Verbndete dieses Rasenden,--mte ich
wirklich um dieses aus der Tiefe herauf ghrenden Hasses Herr zu werden,
von Neuem meinen kaiserlichen Purpur in Blut tauchen? Wre es da nicht
besser, wie jener alte Rmer sich selbst in den Abgrund zu strzen zur
Vershnung des Schicksals, als diesen Abgrund mit Hekatomben von
Meschenopfern zu fllen,-$
chen leicht in
der Luft hin und her.
"Der Augenblick ist guenstig," sprach er weiter in einem Tone als
unterhielte er sich ueber irgend ein gleichgueltiges Tagesereigniss,--"der
Augenblick ist guenstig um einen grossen Schlag auszufuehren,--einen Schlag
der uns mit einem Mal an das Ziel aller unserer Bestrebungen fuehren
"Und wie sollte dieser Schlag ausgefuehrt werden," fragte Varlin mit
einm fast veraechtlichen Laecheln.
"Sehr einfach," erwiderte Raoul Rigault, immer mit seinem Stoeckchen
spielend, "unsere Vereine sind in ganz Frankreich vortrefflich
organisirt, wir koennen sie von hier aus mit einem Wort in active
BewVgung setzen, wir koennen ueberall den Aufstand ausbrechen lassen."
"Das koennen wir," erwiderte Lermina, "wenn wir es aber thun, so wird das
in diesem Augenblick keine weitere Folgen haben, als dass der Aufstand
ueberall durch die rohe Gewalt der Tyrannei niedergeschlagen und fuer die
Zukunft alle unsere Hoffnungen zertruemmert werden."
"Wenn eben die Tyrannei noch besteht," erwiderte Raoul $
mit dem
General Fav unterhalten hatte unddessen Gesicht den Ausdruck einer
frohen, zufriedenen Stimmung trug, wurde bei dieser Mittheilung ernst
und blickte fast finster vor sich nieder.
"Ist es denn nicht mglich," sagte er leise, "einen Tag von diesen
ewigen Sorgen und Qualen der Politik}befreit zu bleiben, die uns wie mit
eisernen Klammern festhlt, so bald sie uns einmal erfat hat und die
alles friedliche, menschliche Glck zerstrt."
Seufzend reichte er dem Kammerdiener seinen Hut und seinen Stock und
befahl, den Herzog von Gramont einzufhren, welcher wenige Augenblick
darauf in das Cabinet seines Souverains trat.
Der Herzog war bleich, sein sonst so ruhiges, gleichmiges und
lchelndes Gesicht zeigte die Spuren tiefer innerer Erregung. Er hielt
einige Papiere in der Hand und erwiderte hastig und ohne seine sonstige
etwas ceremonielle und doch anmuthige, verbindliche Hflichkeit die
freundliche Begrung des Kaisers.
"Ich habe Eurer Majestt," sagte er schnell sprechend, "eine ebenso
berraschende, $
ine Reihe von Tagen vBrgangen, bis endlich auch dieser Grund
nicht mehr zur Beruhigung ihrer immer banger werdenden Unruhe gengen
wollte. Dann war jene entsetzliche, das ganze innere Wesen des Menschen
zerstrende Zeit des Wartens gekommen, welche in ihrer dumpfen,
bleiernen Schwere auf die Seele und den Geist vernichtender wirkt, als
der hrteste, aber bestimmt und klar eintretende Unglcksfall.
Wie die Blume vor dem mchtig niederrauschenden Wetter ihr Haupt senkt,
um es spter wieder frisch und duftig erheben, wie sie, wenn die Blthe
gebrochen wird, neue Blthen treibt, so kann ein mchtiger Wetterschlag
des Schicksals das menschliche Herz und den menschlichen Geist schwer
und gewaltig erschttern; aber nach dieser Erschtterung richtet sich
der Muth wieder empord die Kraft kehrt zurck, und neues Glck, neue
Freude knnen unter wiederkehrendem Sonnenschein freundlicher
Schicksalswendungen erwachsen.
Aber wie die Pflanze, der in drrer Erde das Wasser entzogen wird,
langsam erstirbt, vergeblich lechzend $
hen Entscheidungsmomenten jede Zoegerung
gefaehrlich werden kann--zoegern Sie daher nicht, durch Ihre Abdankung die
Action derer zu ermoeglichen, welche Ihren Sohn auf den Thron fuehren
wollen. Bedenken Soe, dass gewandte und unermuedliche Gegner ihm gegenueber
stehen. Wuerden Sie Sich je verzeihen koennen, wenn durch die Verzoegerung
des Opfers, welches die Verhaeltnisse von Ihnen verlangen, jener Herzog
von Montpensier dennoch endlich an das Ziel seiner Intriguen gelangen
"Er," rief die Koenigin mis flammenden Blicken, indem sie den Kopf empor
warf, "er, der falsche Heuchler, den ich wie die Andern Alle mit
Wohlthaten ueberschuettet habe! Niemals! Niemals! Und dieser stolze,
hochmuethige Graf von Monte Molin," fuhr sie fort, "der jede
Verstaendigung zurueckwies, der mich behandelt hat, wie ein Koenig eine
Infantin seines Hauses--Keiner von ihnen soll triumphiren--ich will
jedes Opfer bringen," sagte sie mit entschlossenem Ton, "wenn Eure
Majestaet mir versichern koennen, dass dadurch wirklich meinem armen K$
Weise das
erste Ziel meiner Mission erreicht--die Zuruecknahme der Hohenzollerschen
Candidatur unter Autorisation des Koenigs. Nun steigert man successive
die Forderungen--giebt es einen Diplomaten in der Welt, der im Stande
waere, eine solche Negotiation zu einem guenstigen und wuerdevollen Ende zu
fuehren? Man verlangt die Erklaerung des Koenigs, dass er fuer alle Zukunft
eine Wiederaufnahme der jetzt gescheiterten Combination nicht erlauben
wrde. Eine solche Erklaerung haette sich erreichen lassen, wenn man nicht
zugleich die Aufregung in Frankreich beguenstigt haette, wenn man sich
groessere Reserve bei den Erklaerungen im Corps legislatif auferlegt haette,
wenn man das persoenliche Gefuehl des Koenigs und den nationalen Stolz in
Deutschland nicht verletzt haette, jetzt aber nach der kurzen
Unterredung, die ich so eben mit dem Koenige auf der Brunnenpromenade
gehabt, ist an Erfuellung deser Forderung garnicht zu denken. Und wenn
sie nicht erfuellt wird," sagte er seufzend, "nachdem man einen so
starken $
rd sehen, was die Vertraege uebe Belgien in Frankreichs
Augen zu bedeuten haben und abgesehen von der aeusseren Form dieser
unerhoerten Provocation wird auch die innere Gerechtigkeit unserer Sache
vor den Augen aller Welt klar werden. Damit wird eine grosse moralische
Macht uns zugefuehrt werden."
Der Koenig nickte zustimmend mit dem Kopfe.
"Ja, ja, darin liegt der wahre Grund dieses so lang zurueckgehaltenen
Krieges, und es kann nur nuetzlich sein, wenn alle Welt das klar
erkennt.--Ich habe auch," sagte er nach einigen Augenblicken, waehrend
eine tiefe Bewegung aus seinn Augen leuchtete, "ich habe auch daran
gedacht, unsere Waffenmacht durch eine moralische Kraft zu verstaerken
und der Begeisterung des Volkes einen idealen Halt, ein heiliges Zeichen
zu geben, zu dessen siegreichem Einfluss ich ein glaeubiges Vertrauen
Der Kronprinz und die andern Herren blickten erwartungsvoll in das
bewegte Gesicht des Koenigs.
"Ich will das eiserne Kreuz wieder herstellen," sagte der Koenig, indem
er wie unwillkuerlich d$
ere
Verbindung einst wuenschte, und dass er sie vielleicht jetzt wieder
wuenscht. Erlauben Sie mir in diesem grossen Augenblick die Frage an Sie
zu richten, ob Sie in Erwiderung meiner tiefen und gluehenden Liebe mir
Vertrauen und Freundschaft schenken, mir Ihr Leben anvertrauen wollen."
Luis sah ihn klar und frei an.
"Ich danke Ihnen, Herr Vergien," sagte sie, "dafuer, dass Sie all des
Schmerzlichen, das zwischen uns liegt, bisher niemals erwaehnt haben,--ob
in meinem Herzen Dasjenige jemals wieder erwachen kann, was man die
Liebe nennt," fuhr sie mit traurigem Ton, durch welchen eine gewisse
Bitterkeit hindurchklang, fort, "weiss ich nicht. Freundschaft und
Vertrauen glaube ich Ihnen geben zu koennen, und in dieser Freundschaft
und in diesem Vertrauen antworte ich Ihnen frei und offen. Ja, ich will
Ihren Antrag annehmen und ich will versuchen, Ihrem Leben soviel Freude
und Glueck zu geben, als aus meinem Herzen noch erbluehen kann."
Mit ruhigem, freundlichem Laecheln reichte sie ihm die Hand, welche er,
se$
u Herr einer Million?
KLAUS. Vor allem kaufte ich mir einen gelben Schlafrock, eine blaue
Mtze und ein paar rothe Hosen, so prachtvoll als der junge Doctor aus
der Fremde mitgebracht hat,--Du sahst ihn doch schon in diesem Anzug?
ALBERT. Nein.
KLAUS. Mir schwamm's vor den Augen, so wurde ich geblendet.--Ich
begegete ihn mit seinem neufundlndischen Hunde in der Allee. Nach
Gebhr zog ich die Mtze,--inde der Dank wurde mir von dem Herrn wie
von dem unschuldigen Thiere versagt. Ich nahm's nicht bel . . .
MARIE (singt drauen).
KLAUS. Die Stimme Deiner Turteltube . . . Ja, ja, da sitzt der Haase im
Pfeffer. Deshalb mu Sclaverei s schmecken und die Wahrheit verlugnet
werden. Pah, ich verstehe Dich lngst, Albert--mag's mit heute aber
genug sein! . . . (Indem Marie eintritt, zieht er schnell ein Buch aus
der Tasche und lies't.) "Der erste Satz lautet so: Der Mensch ist
geboren um zu leben. Das Leben besteht in der Befriedigung unserer
Bedrfnisse" . . .
Fnfte Scene.
DIE VORIGEN. MARIE.
ALBERT. Warum kom$
e Zahl!
QUESTENBERG (den Regierungsrath unterfassend). Uns beiden nur, so innig
eins, geziemt's die lieben Gste zu begren.
Dritte Scene.
DIE GSTE. V. ZITTERWITZ. BLASHAMMER. QUESTENBERG. DER DOCTOR.
QUESTENBERG (einigen der Reihe nach die Hand drckend). Willkommen von
HeTzensgrund.--Hab' ich einen Wunsch noch zu dem Glck, da Sie mir
bereiten', so ist es der, geflligst frlieb zu nehmen.
V. ZITTERWITZ. Willkommen schnes Frulein Adelgunde.--Was macht die
traute Freundin Pipi?
QUESTENBERG. Ich bedaure Frau Polizeirthin, da der Herr Gemahl
bettlgerig wurde--ach! der arme Mann nimmt's mit seiner Amtspflicht zu
V. ZITTERWITZ (stolz im Vorbeigehen). Genehmigen Sie meine Reverenz,
lieber Oberbrgermeister. (Der Oberbrgermeister verbeugt sich tief).
QUESTENBERG. Und nun vergessen wir doch die warme Suppe nicht . . .
illkommen, willkommen mein braver von Gnadenbrod.--Noch immer
lendenlahm aus dem schleswig-holsteinischen Kriege? . . . Was macht der
Fu des braunen Wallach's mein Graf von Halleluja?--Freu$
n das langjhrige Werk, weihtest Du ihm auch die heiligste
Flamme der Begeisterung, die hchste Liebe zum reinen Engel Deines
Glck's, so war's noch nicht das letzte des Ruhmes werth! Gromuth gab
dem Heiland Strke sich dem Undank zu opfern und am Kreuze zu sterben.
DER DOCTOR (bei Seite). Was hab' ich ethan!FALBERT. Weh, weh, 's ist eine Pest, die in meinen Gliedern
wthet!--Steck' dem Elenden die Fabrik ber dem Haupte an, unterminire
das Fundament seines Palastes und spreng' ihn in die Luft! Deine
Gefhrten, es sind ja ihrer ber zweitausend und dem Leben noch
gleichgiltigere Gesellen als Du,--folgen dem Schrei Deiner Noth und
shnen das gebeugte Recht! Eine mrderische Schlacht entspnne sich,
Soldknechte aus Nah' und Fern' zgen vor das Stdtchen, belagerten,
bestrmten, bombardirten es, bis der letzte Held unter dem letzten
Steinwalle erlag!--Es wre mnnlich und ruhmvoll, allein unvernnftig!
Schweig' und dulde! Was ntzt's, rottest Du das Unkraut an einer Stelle
aus, die ganze Erde ist davon berwuc$
Was verbrach ich?
MARIE. Sie wissen's.
DER DOCTOR. Jungferlein, das ist ein schlechter Einfall!
MARIE. Lassen Sie mich nur fort.
DER DOCTOR. Ein moralischer Einfall! (Eine Uhr schlaegt.)
MARIE. Die Uhr schlaegt; ich habe nicht laenger Zeit.
DER DOCTOR. Ein unromantischer Einfall!
MARIE. Meine Mutter denkt, dass ich im Garten Gemuese fuer den Markt
grabe--darf sie nicht erzuernen.
DER DOCTOR. Ziemt solche Arbeit meiner angebeteten Freundin?! . . ch
entschaedige die Versaeumniss hundert und tausendfach, bleiben Sie und
leisten mir Gesellschaft. (Er haelt ihr einen Beutel mit Geld hin.) Da!
Es sind alles Goldstuecke.
MARIE. Herr Doctor . . .
DER DOCTOR. Ihr Vater verdient in einem Jahre nicht so viel.--Ich
begegnete ihn kuerzlich. Sein ergrautes aupt muede zur Erde neigend,
schlich er langsam den Gewoelben der Fabrik zu. Welch' Schicksal fuer den
alten Mann, der an Herzensguete und Characterwuerde Seinesgleichen sucht!
Ich verglich ihn mit seinem ehemaligen Gefaehrten, dem reich und
angesehen gewordenen Blasha$
amit einverstanden.
KLAUS. Freund Albert!--Alterchen, einen Menschen, der sich vom
gemeinsten Gauner gaengeln, aussaugen, betruegen, unterdruecken laesst,
erklaere ich unzurechnungsfaehig ueber mich zu urtheilen.
VATER ZIEMENS. Sie werden abscheulich, Klaus.
KLAUS. Was ich nicht blos gestern, sondern schon lange behauptet,
behaupte ich heute erst recht!
VATER ZIEMENS. Kennen Sie den Spruch, was Du nicht willst, dass Dir die
Leute thun, das thue ihnen auch nicht?
KLAUS (keck). Ja wohl!
VATER ZIEMENS. Traun, so rechtfertigen Sie die schreiende Anklage.
KLAUS (nachdem er sich verlegen in den Haaren gewuehlt, mit erkuensteltem
Laecheln.) Dass Sie's noch immer nicht glau&en!--Nun denn, wir brachten's
zu Tage, wir entlarvten den Elenden, heute--eben----ich komme vom
Schloss! (bei Seite mit ironischem Laecheln.) Muss luegen, um wahr zu sein!
VATER ZIEMENS. Wrklich, Klaus.
KLAUS. Ja, wirklich!
VATER ZIEMENS. Albert entlarvte--ward wirklich betrogen!?
KLAUS. Betrogen, wirklich betrogen!
VATER ZIEMENS. Jesus, was erle$
ch Bismarck mit der liberalen Bourgeoisie befand, benutzte er
jedes Mittel, auch das unscheinbarste, das seinen Zwecken dienen konnte.
Ich habe bereits im ersten Teil dieser Arbeit dargelegt, wie Bismarck
noch vor dem Auftreten Lassalles in dem Lackierer Eichler einen
gewandten Agenten besa, der fr seine Politik in den Arbeiterkreisen
Propaganda machte. Lassa	le, der nicht als Dienender, sondern als
Gleichberechtigter, als Macht zu Macht mit Bismarck in Unterhandlungen
sich einlie, untersttzte mehr als er wohl selbst wollte diese
Bismarckschen Bestrebungen. Seine Verhandlungen mit Bismarck wurden zwar
offenbar mit dem Februar 1864 abgebrochen und bis zu seinem (Lassalles)
Tode nicht wieder aufgenommen, aber das Streben, die Arbeiterbewegng
der Bismarckschen Politik dienstbar zu machen, blieb bestehen und hatte
einen gewissen Erfolg, woran die scharfe Absage, die Karl Marx dem alter
ego Bismarcks, Lothar Bucher, gab, als dieser ihn zur Mitarbeit am
preuischen "Staatsanzeiger" einlud, nichts nderte.
Hele$
en die Partei nicht
  erfllt, wird als Parteimitglied nicht mehr betrachtet.
  VII. Mindestens einmal im Jahre findet ein Parteikongre statt, auf
  dem ber alle die Partei berhrende Fragen beraten und beschlossen,
 sder Vorort der Partei sowie der Sitz der Kontrollkommission und der
  Ort fr den nchsten Parteikongre bestimmt wird.--Die Entschdigung
  fr den Ausschu respektive einzelne seiner Mitglieder setzt der
  Kongre fest.
  VIII. Auerordentliche Kongresse finden statt, wenn der Ausschu oder
  die Kontrollkommission mit absoluter Majoritt dies beschliet oder
  wenn ein Sechstel smtlicher Parteimitglieder darauf antrgt.
  IX. Zu jedem Kongre ist die vorlufige Tagesordnung mindestens sechs
  Wochen vorher durch den Ausschu im Parteiorgan bekanntzumachen. Die
  innerhalb der nWchsten zehn Tage nach erfolgter Bekanntmachung von
  seiten der Parteigenossen einlaufenden Antrge sind alsdann mindestens
  vierzehn Tage vor dem Kongre als definitive Tagesordnung zu
  verffentlichen. Auf dem K$
die lokale Agitation betreiben,
  ohne da das Gesetz eingreifen knne. Da die von uns angenommene
  Organisation wirklich und nicht blo in der Enbildung gut sei,
  beweise, da trotz allLr Verfolgungen, welche die Partei vom ersten
  Tage ihres Bestehens zu erdulden gehabt habe, die Organisation noch
  nicht angetastet worden sei, weil man es einfach nicht knne. Mit
  einer Organisation, wie sie der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein
  habe, wrden wir lngst zugrunde gerichtet worden sein.
  Habe die Polizei das Urteil des Obertribunals auf den Allgemeinen
  Deutschen Arbeiterverein nicht angewandt, so kennzeichne das mehr als
  alles andere das gute Einvernehmen des Chefs des Allgemeinen
  Deutschen Arbeitervereins mit der preuischen Polizei. Wir htten uns
  einer solchen Gnnerschaft nicht zu erfreuen, wollten sie auch nicht
  haben, mten also unsere Organisation so einrichten, da sie gegen
  polizeiliche Uebergriffe sicher sei. Die Form sei brigens fr uns
  Nebensache, die Hauptsache sei das P$
ob
  niemals der Mann kommen sollte, der imstande wre, dasselbe wieder
  zusammenzufgen. Die Vorsehung schuf sich dieses Instrument un3 suchte
  sich aus den Herrn, den wir als den ersten groen Kaiser des neuen
  Deutschen Reiches begren konnten. Wir knnen ihn verfolgen, wie er
  langsam heranreifte von der schweren Zeit der Prfung bis zu dem
  Zeitpunkt, wo er als fertiger Mann, dem Greisenalter nahe, zur Arbeit
  berufen wurde, sich jahrelang auf seinen Beruf vorbereitend, die
  groen Gedanken bereits in seinem Haupte fertig, die es ihm
  ermglichen sollten, das Reich wieder erstehen zu lassen. Wir sehen,
  wie er zuerst sein Heer stellt und aus dZnghaften Bauernshnen seiner
  Provinzen sie zusammenreiht zu einer krftigen, waffenglnzenden
  Schar; wir sehen, wie es ihm gelingt, mit dem Heer allmhlich eine
  Vormacht in Deutschland zu werden und Brandenburg-Preuen an die
  fhrende Stelle zu setzen. Und als dies erreicht war, kam der Moment,
  wo er das gesamte Vaterland aufrief und auf dem Sch$
iner
Zivilprozeordnung vorgelegt worden und ein Gesetzentwurf ber den
Landsturm, zu dem spter Liebknecht und Hasselmann das Wort nahmen.
Selbstverstndlich wurde wieder der Antrag auf unsere Beurlaubung aus
der Haft whrend der Dauer der Session eingebracht, der diesmal
Hasenclever, Most und mich umfate. Zu der Begrndung des Antrags nahm
Liebknecht das Wort, der sich die Gelegen[eit nicht entgehen lie, die
Prozesse, die unsere Verurteilung herbeigefhrt, unter die Lupe zu
nehmen und die Urteile grndlich zu zerzausen. Besonders nachdrcklich
sprach er sich ber die unwrdige Behandlung aus, die damals Most in
Pltzensee zuteil wurde.
Nach Liebknecht nahm Windthorst das Wort, der sich ebenfalls lebhaft
ber die Behandlung politischer Gefangener aus dem Lager der
Althannoveraner beklagte. Dem Antrag auf unsere Freilassung knne er
aber in Rcksicht auf den Inhalt des Artikel 31 der Verfassung nicht
zustimmen, er wnsche aber, da, wennein in Gefangenschaft befindlicher
Abgeordneter einen Antrag auf seine$
n auf der dunkeln Wand.
Prfend ffne ich das Fenster;
seht die Wolken, die Gespenst}r
lsen sich am Himmelsrand.
   Holla, Jungen,
   aufgesprungen,
schnell das Rnzel aus dem Spind!
Kommt, wir wandern durch die feuchten
Saaten; wie Smaragden leuchten
Halm an Halm im Morgenwind.
   Feste Schritte,
   Mnnersitte;
wie die Ferne lockt und wirbt!
Und wir lassen sie im Schreiten
achtlos oft vorbergleiten,
bis sie hinter uns erstirbt.
   Hohe Ziele,
   nicht zum Spiele;
immer steiler wchst der Pa.
Aber oben wolln wir rasten
nach der Arbeit, nach dem Fasten;
Jungens, trinkt, ich komm euch was!
   Hoch im Blauen
   selig Schauen,
unter uns der Erde Glck!
Doch es zieht mit tausend Armen
immer wieder zu en warmen
Menschensttten uns zurck.
VIERTER TEIL
SPRUCH FRS LEBEN
Hinber, hinein!
ber Wipfel und Stein!
die Herzen zu baden
im Goldsonnenschein!
Auf schwierigen Pfaden
zu lichten Gnaden!
ber Wipfel und Stein,
hinunter, hinein!
ALLERLEI RTSEL
(Die Lsungen stehen im Verzeichnis der berschriften)
Ich habe F$
er stecken! (Gromutter kommt.)
GROSSMUTTER:
Was ist denn los? Was schreist du so, Kasperchen?
Er mu in den Krieg und will nicht, dgr Racker!
GROSSMUTTER:
O Gott, o Gott, in den Krieg, mein Herzblatt? Da werden sie dich
totschieen, armes Kasperchen! Ogottogottogottedoch!
La man, Omamachen wenn sie schieen wollen, nehm ich meine Pritsche und
hau sie selber tot. Guck mal, so--so--haste-nich-gesehn--(er haut den
Polizisten tot, wirft ihn ber die Rampe und sagt dabei:) Ja, quiek man!
den Kasper krigst du nicht! der lebt ewig, du oller Rasselsbel!--
VERZEICHNIS DER BERSCHRIFTEN
Gru an die Groen
Gru an die Kleinen
Wittewoll schlafen
Kutscher auf dem Knie
Heilsprchel
Schlimme Geschichte
Wenn Rumpumpel brummig ist
Zwei Mulchen
Das Scherchen
Geschichtchen vom Winde
Anziehliedchen
Das Lmmechen
Die wilden Beinchen
Der lumpichte Bu
Tintenheinz und Pltscherlottchen
Hschen in der Grube
Drei Bumche6
Gutenachtliedchen
Freund Husch
Rumpumpels Geburtstag
Mutters Geburtstag
Rumpumpel tanzt
Kreiselliedchen
Die er$
e Stille drang
der erste hohe Glockenklang.
WEIHNACHTSBESCH
Laendliche Strassen, dicht beschneit.
Knirschen, Gelaeut,
ein Schlitten;
sitzen drei kleine Leut
bis zu den Oehrchen vermummt.
Es singt und summt
von Weihnachtsglocken;
ein paar neugierige Flocken
lassen vom Wind sich herueberwehn,
wollen durchaus das Maedelchen sehn
mit den roten Kaeltebaeckchen
und den goldbraunen Zottelloeckchen
und das Buebchen daneben,
das sich eben
das immer tropfende Naes;hen putzt.
Grossaeugig, verdutzt,
bis zum Maeulchen zugedeckt,
im Wollmuetzchen fast versteckt,
sitzt das Kleinste auf Mutters Schoss.
"Kutscher, ein bisschen los,
es wird kalt;
Sie wissen doch, drueben zum Foerster am Wald."
Der Alte schmunzelt und knallt
mit der Peitsche, hueh, hott--
die Gaeule bleiben bei ihrem Trott.
... Von drueben her Lichter,
Zwei altliebe Gesichter
hinter den Scheiben:
"Wo sie nur bleiben?
Ist schon die fuenfte Stunde!"
Da knurren die Hunde,
bellen, wollen hinaus;
Grossmutter laeuft vors Haus.
Da:--Knirschen, Gelaeut,
ein Schlitten,$
ntertan
ganz untertaenigst untergetan.
Wenn das R am Anfang steht,
liebt man es nicht sauer;
wenn es bis ans Ende rutscht,
huet dich vor dem Hauer!
Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein Heldenname;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Waldbaumsame.
Wenn das R am Anfang steht,
sind es boese Leute;
wenn es bis ans Ende rutscht,
gerbt man seine Haeute.
Wenn das R am Anfang steht,
ist es eine Schale;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Orientale.
Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein klein schwarz Luder;
wenn es bis ans Ende rutscht,
ist's von "wesn" der Bruder.
Waechst einer alten Dame
ein Buckel kleinster Sorte,
verwandelt sie sich augenblicks
in ein Stueck Mandeltorte.
Doch nimmst du ihr den Ruecken,
auf dem der Buckel waechst,
hast du die alte Dame
zur trocknen Frucht verhext.
Ich stand begehrlich am Worte,
umgekehrt uchs es nicht weit;
ein arges Diebsgelueste
besiegte die Redlichkeit.
Ich stahl das umgekehrte,
kein Argus achtete drauf;
Schmunzelnd enteilt' ich dem Worte
und ass es umgekehrt auf.
Me$
 30) Linsengericht
    31) A, Horn, A horn
    32) Aufschwung; Entfaltung; Sieg; Frieden
    33) Retter
    34) Verwachsen
    35) Verschieden
    36) Romantik
    37) Mode, modern
    38) Die Tinte
    39) Das Licht
    40) Die Zahl
    41) Die Stadt
    42) Geistreich
    43) Gerecht, Same, Gerechtsame
    44) Gedankenuebertragung
Polterabendgedicht
Hochzeitsgedicht
Neujahrsspiel
Kartoffelkomoedie: Raeuber und Prinzessin
Kasperle und der Krieg
VERZEICHNIS DER AN=ANGSZEILEN
Auf der hoechsten Berge Ruecken
Auf der Leine, auf gruenem Platz
Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich
Aus lichtem See
Bei Koenig Kuchen und Koenigin Schokoladen
Bluemchen haengt das Koepfchen
Bummvallera ist nicht da
Christkindchen lag im Stalle
Das grosse Loch
Das kann doch nicht Rumpumpel sein
Das Wort pflegt zu erhoehn
Der Bauer schlaeft im Hirsekraut
Der Esel8 der Esel
Der Schneidermeister Piekenich
Der Sommerabend ist so schoen
Der Vater will's das Fritzchen
Des Mondes Tochter Mirlamein
Die alte Mutter Hule
Die erste fri$
ufgesprungen. Er war schon ber die Vierzig,
und sie hchstens siebenundzwanzig. Schon dieses i seinen Augen
bestehende Miverhltnis verhinderte, dem Gedanken Folge zu geben. Und
dann war sie sehr gelehrt, sprach mehrere Sprachen und hatte Kenntnis
von Dingen, die er kaum dem Namen nach kannte. Sie hatte zum Beispiel
jngst Macaulays Geschichte von England gelesen. Schon der Name des
Autors! Der Teufel konnte ihn aussprechen. Und dann hatte sie so feine,
weie Finger und Handgelenke und hielt sich so beraus saubery--ihre
Kleidung machte immer den Eindruck, als sei sie eben aus der Wsche
gekommen,--und endlich entstammte sie einer sehr angesehenen Familie.
Ihr Grovater hatte einen Gesandtenposten bekleidet, und nur durch
besonders schwere Verhltnisse war sie veranlat worden, ihre Heimat zu
verlassen, sich fr einen Beruf auszubilden und damit ihr Brot zu
Nein, nein, das konnte nie etwas werden. In der Nachbarschaft hatten
schon mehrere junge Gutsbesitzer ihr Interesse fr sie durchschimmern
lassen, aber$
 Gut wie Holzwerder kaufen koennte--"
Unwillkuerlich erhob Herr von Tressen den Blick. Hatte Tankred die
letzten Worte mit einer bestimmten Absicht gesprochen? Wollte er auf
diese Weise das Gespraech auf Grete hinueberleiten? Im Augenblick fand
Herr von Tressen keine Anknuepfung, dann aber kam ihm ein guter Gedanke,
und er sagte:
"Falsterhof selbst zu verwalten, da Sie ja, wie ich hoere, Mitbesitzer
sind, wuerde Ihnen nicht konvenieren? Uebrigens nachtraeglich meine
Graoulation! Es ist wohl die schoenste Herrschaft in der Provinz."
Diesen Worten war es unmoeglich, auszuweichen. Tankred wusste auch, dass
sie absichtlich gesprochen waren. Tressens wollten Klarheit haben, und
wenn die Dinge nach ihren Wuenschen ausfielen, stand einer Heirat mit
Grete nichts im Wege.
Und da doch einmal das Schweigen gebrochen werden musste, da Tankred je
eher, desto lieber zum Ziele gelangen wollte, warf er alle Bedenken
beiseite und sagte:
"Da Sie mich fragen, will ich Ihnen offen antworten, Herr von Tressn.
Ohnehin draengt es $
bhaft begruesst,
besonders aber von der Pastorin.
"Sie wissen wohl gar nicht mehr, wo wir wohnen, lieber Hederich!" hub
sie an. "Wie lange ist's her, dass Sie nicht in Breckendorf waren! Aber
ich weiss, was Sie jetzt viel mehr anzieht. Unsere Frau Theonie und
gewisse andere Personen haben uns ausgestochen! Freilich, das ist
begreiflich, ich muss es zugestehen!" schloss sie mit liebenswuerdiger
Neckerei, halb Hederich, halb Carin mit ihren Blicken streifend.
Ueber Carins Gesicht flog ein Laecheln. Hederich aber erging sich, da er
sich getroffen fuehlte, in sehr ernsthaften GegenredenJ die dann den
gutmuetigen Pastor zu dem Versuch veranlassten, die Wirkung der Worte
seiner Frau abzuschwaechen.
"Ja, ja, gewiss die Entfernung!" bestaetite er. "Breckendorf liegt so
weit, und Sie sind gerade jetzt so sehr beschaeftigt. Meine Frau sagt
immer alles, was ihr gerade auf die Zunge kommt. Das kennen Sie ja bei
"Herr Hederich ist ein eifriger Schachspieler geworden," nahm nun auch
Theonie das Wort. "Das zieht ihn nach F$
t, ging's durch seine Gedanken, ob's denn
gar keine Moeglichkeit mehr gaebe, das Geschehene ungeschehen zu machen.
Und wieder siegten selbst in diesem furchtbaren Affekt Gier und Habsucht
Er sank stoehnend auf seinen Stuhl zurueck, bedeckte sein Angesicht mit
den Haenden und verharrte wie ein Zerschlagener.
Und dann glitt er nieder auf die Kniee, schob sich zu seiner Verwandten
hin, tastete nach ihrer Rechten und flehte, dass sie ihm vejgeben moege.
Er habe sich abermals vom Zorn hinreissen lassen, er wisse dann nicht,
was er thue, sie habe ihm doch schon einmal vergeben, und was er von der
Verstorbenen gesagt, sei wirklich in dem von ihm angefuehrten Sinne wahr,
wenigstens habe er hingeworfene Worte so gedeutet Er wolle ja das
beste, er verstehe es nur nicht immer; er sei ehrlich bestrebt, seine
Fehler abzulegen, aber er habe mit seiner Natur zu kaempfen. Sie sei ja
ein Gott an Gerechtigkeit, Milde und Guete und moege, gleichviel was sie
beschlossen, ihm verzeihen. "Bitte, bitte, liebe, teure Theonie, sei
w$
nie dicht an die Sprechende heran und fluesterte,
des letzten Satzes Inhalt abwehrend:
"Nein, nein, ich bedarf nichts. Ich danke Ihnen fuer Ihre Guete. Es ist
etwas anderes, Sie Betreffendes. Ich weiss es nicht, ich habe keinen
greifbaren Anhalt, aber eine Ahnung sagt mir, dass Tankred sicN gar nicht
im Sueden befindet, sondern sich in der Naehe aufhaelt, Unheil /uer uns
bruetet und--"
Aber Theonie kam nicht weiter. In demselben Augenblick fiel mit
furchtbarem Getoese ein schwerer Gegenstand oben im Hause zu Boden, und
beide Frauen fuhren entsetzt zusammen.
"Unsagbar, wie ich mich erschrocken habe," stiess Theonie, zuerst wieder
Worte gewinnend, heraus. "Sie sehen, wie sehr mich alles alteriert! Und
so wird auch bei Tankred nur meine Phantasie im Spiele sein. Meine
Ahnung ist thoericht. Aber es trieb mich, Sie zu warnen, da doch eine
Moeglichkeit vorliegt. In diesem Sinne--ich bitte--fassen Sie meine Worte
auf, liebe Frau von Tressen!"
Es sei oben ein Bild herabgestuerzt, hoerte noch Frau von Tressen eins der$
mpott.
_Bemerkung:_ Amerikanische Ringpfel sind auch zu _Apfelmus_,
_Apfelbettelmann_ und _Apfelreis_ zu verwenden.
STACHELBEERKOMPOTT, RHABARBERKOMPOTT.
250 g unreife Stachelbeeren oder Rhabarber   M 0,15
1 Prise Natron                               " 0,00-1/4
90 g Zucker    | gelutert                   " 0,04-1/4
4 El. Wasser  |
1 Stckchen Zitronenschale                  " 0,00-1/4
1 g Zimt                                     " 0,01
2 g Strkemehl                               " 0,00-1/4
2 El. Wasser
                                             M 0,21
_Vorbereitung:_ Die Stachelbeeren werden von Blte und Stiel befreit,
geaschen und abgetropft. Rhabarber wird wenn ntig geschlt, sonst nur
in etwa 3 cm lange Stcke geschnitten und gewaschen. Beides wird in
kochendem Wasser bergewellt, die Beeren erhalten Zusatz von Natron.
_Zubereitung_: Stachelbeeren oder Rhabarber werden in den geluterten
Zucker geschttet und mssen darin mit Zitronenschale und Zimtstcke im
zugedeckten irdenen Topf 1-1/2 Stunde$
ft um, baeckt sie
braun und kross und richtet sie auf heisser Schuessel an. Obige Zutaten
muessen 6 Sueck ergeben.
KAeSEPLAeTZCHEN.
180 g weisser Kaese      M 0,07-1/4
30 g Mehl             " 0,01-1/2
1 Ei                   " 0,06
30 g Korinthen         " 0,02-1/2
1 Prise Salz        |  " 0,01-1/4
20 g Zucker         |
30 g Fett              " 0,03-1/2
                       M 0,22
_Vorbereitung_: Der Kaese wird durch ein Sieb gerieben, das Mehl
durchgesiebt. Die Korinthen werden vorbereitet.
_Zubereitung_: Alle Zutaten, mit Ausnahme des Fettes, werden genau
miteinander vermischt. Aus dem Teig formt man kleine Plaetzchen, die man
in dem heiss und still gewordenen Fett in der Pfanne baeckt.
MAKRONEN. (VORRAT.)
250 g suesse, 12 Stueck bittere
  abgezogene geriebene
  Mandeln                   M 0,51-1/2
280 g gesiebter Zucker      " 0,13-1/2
7-8 Eiweiss                  " 0,16
5 g Backpulver              " 0,02-1/2
1 Speckschwarte zum Blech   " 0,00-1/4
                            M 0,83-3/4
_Vorbereitung_: D$
anz hell bleiben.
Durchgegossen wird es in Toepfe gefuellt, erstarrt, fest zugebunden. Die
Grieben koennen zu Bratkartoffeln, Huelsenfruechten usw. Verwendung finden.
Auch Margarine ist gut als Backfett zu verwenden, muss aber vor dem
Gebrauch aufgekocht und durch ein Sieb gegossen werden.
wird Abends vor dem Gebrauche lauwarm gewaschen, in irdenem Topfe mit
frischem Wasser, 1-1/2 l auf 250 g Obst, zum Aufquellen hingestellt,
spaeter in demselen Wasser zubereitet.
BOUILLONFETT, BACKFETT UND GEBRAUCHTE FETTE ZU REINIGEN UND HALTBAR ZU
Alles Fett, sei es von der Bruehe abgefuellt oder hat es zum Ausbacken oder
Braten gedient, kann von fremden Beimischungen gereinigt werden, so dass
man es lange, immer wieder gereinigt, gebrauchen kann. Im Sommer verdirbt
jedes feuchte Fett schon am zweiten Tage, wenn man diese Vorsicht nicht
beobachtet. Man schmilzt also das Fett und giesst dreimal soviel kochendes
Wasser als man Fett hat hinzu, ruehrt Fett und Wasser ge;oerig durch, zieht
es mit dem Loeffel hoch und laesst es$
etrichs es an Versten nicht mangelte. Hufige
Kontrolle und Belehrung schulte aber auch dieses Personal, und so waren
denn die beiden erzbischflichen Thrhter scharf darauf aus zu
unterscheiden, wer von Distinktion ist und in das Wartezimmer zu den
Kmmerlingen gelassen werden drfe.
Wolf Dietrich hatte die Gewohnheit, an Wochentagen um die zehnte Stunde
hervorragende Personen in Audienz zu empfangen, war aber meist
ungehalten,9wenn vorher Gehr erbeten wurde.
Es mochte um neun Uhr morgens sein, als Wilhelm Alt in kostbarer
Kleidung, jedoch in einer Erregung im Keutschachpalast erschien, welche
das Mitrauen des dienstgetreuen Thrhters sogleich wachrief. Zwar
kannte der Mann Herrn Wilhelm Alt von Angesicht und wute, da Alt der
reiche, wohlangesehene Kaufherr ist; jedoch dessen Aufregung, das
totenblasse, bernchtige Gesicht, machte den Thrhter stutzig, ebenso
das verfrhte Erscheinen, und veranlate den Mann, Herrn Alt aufmerksfm
zu machen, da die Anmeldung erst um die zehnte Stunde im Wartezimmer$
Was
hat er sonst gesprochen?"
"Erla mir, lieber Vater, solche Meldung! Ich weise alles ab! Wie ich
mir ausbedungen, mit dem Vater erst zu sprechen, steht es mir frei,
zurckzuweisen--"
"Was? Hat der Gecj es gar gewagt, dich frechen Sinnes zu begehren?"
Salome stand weinend, gesenkten Blickes, und sprach leise: "Ich konnt'
die Red' ihm nicht verbieten, der Frst warb um meine Hand, er will zur
Gattin mich erwhlen und teilen Thron und Leben...."
Ein schrilles Lachen unterbrach Salomes Rede, hhnend gellenden TVnes
rief Wilhelm Alt: "Bravo! Um Clibat und sonstige Vorschriften kmmert
sich der Bischof nicht, er will nur blenden eines einfltigen Mdchens
Sinn und Herz! Er schwtzt von Thron und Frstenehren! Haha, das
Thrnchen kann wackeln und brechen, ehnder es das Frstlein meint! Genug
davon! Mag der Klerus drauen und bei den Bauern im Gebirg es halten,
wie er will, schlimm genug ist's allenthalben, der Bischof aber hat rein
zu leben, wie die Kirche es gebeut! Gattin eines Bischofs, die Welt hat
dergleich$
laengeren bieten zu lassen, entschlossen bin ich zu aller Strenge und des
Herrschers starke Hand sollt fuehlen Ihr wie alle anderen uebermuet'gen
"Habt Gnade! Uebet Barmherzigkeit, so Gott Euch vorschreibt wie jedem
seiner Priester!"
"Schweigt! In solchem Munde wird entweiht ein ganzer Stand!"
"Verzeiht, Herr! Wirr kreisen mir die Gedanken, die Angst und Sorge
trueben mir den Sinn!"
"Das merk' ich, denn unsinnig ist, was Eure Zunge plappert!"
"Seid barmherzig! Nur dFr Hoechste im Stiftland hat die Macht, mir zu
meinem Kinde zu verhelfen! Ihr seid der Landesherr, nur Ihr koennt
wirksam helfen! Die Stadtbehoerde und die Polizei, sie versagen in der
"Ein spaet Erkennen meiner Fuerstenmacht! Sitzt die Sippschaft auf den
Thalernn weiss vor Uebermut sie sich nicht zu fassen, der Machtkitzel ist
in Euch zu gross. In Not und Sorge aber weiss die Sippschaft sich zu
erinnern, dass ueber ihr ein Herr steht und der wird dann angebettelt. Ein
unwuerdig Spiel, das da getrieben wird! Von aufrichtig ehrlicher Demut
keine Spu$
choene Frau, muss ein Eheweib
nicht ausharren durch alle Not des Lebens beim Manne, den uns ott
gegeben vor dem heiligen Altar?"
Wolf Dietrich nahm das Wort: "Das paepstliche Gebot bestand, es ist ein
Konzilsbeschluss, und fuer den Kuraten gab's keine exceptio! Geschlossen
ist der Bund, der Mensch kann ihn nicht trennen, und wie es ist, gehoert
zum Mann das Weib! Doc seh' ich selbst: Zeit ist's zu schaffen Zucht
und Ordnung, das Erzstift muss purifizieret werden!"
Angstvoll rief Salome: "Gnaediger Herr!"
Der Fuerst verstand den Sinn des Angstrufes gar wohl und erwiderte:
"Beruhige dich, Salome! Nicht will ich grausam trennen ein gottergeben
greises Paar, wenngleich nur schlimm kann wirken solches Beispiel! Ich
gedenk' in dieser Stunde wohl der Macht der Liebe, die alles ueberwindet!
Bleibt in Ehren ein christlich Ehepaar und dankt der besten
Fuersprecherin, die ihr gefunden in Salome!"
Graf Lamberg wollte mahnen: "Exempla trahunt!"
Lebhafter werdend rief Wolf Dietrich: "Das mag im allgemeinen gelten,
und ic$
on, den Domdechant v. Weittingen, die Kanoniker Toerring,
Wolkenstein und Freyberg auf, er flehte Kuenburg, Schrattenbach und
Welsberg an, dem Fuersten die Hilfe zu gewaehren, allein das Kapitel war
dem harten Gebieter zu sehr abgeneigt, verbittert, niemand wollte aus
Kapitelfonds Mittel zu einem leichtfertig vom Zaune gebrochenen Krieg
bewilligen. Das hatte der weitausblickende Graf Lamberg im voraus
gewusst, dennoch schmerzte es ihn bitter, den Herrn verlassen zu sehen in
der Stunde der Gefahr und Not. Einen Schritt noch wollte der treue
Freund unternehmen: Salome warnen, ihr rechtzeitige Flucht unter
Mitnahme ihres Eigentums anraten, die fuerstlichen Kinder in Sicherheit
bringen. So eilte denn Lamberg in das Schloss Altenau und liess sich bei
der Fuerstin melden. Allein da Wolf Dietrich bei seiner Familie weilte,
wurde der Warner nicht angenommen, der vergraemte Fuerst liess Lambeyg im
Namen Salomes wissen, dass zu einem Empfang kein Anlass vorliege.
"Jacta est alea!" fluestert der treue Freund und kehrte$
st sehr gesund sind (Mariner 2, 179) und in Ponapi (Cheyne 122).
Grosse Sterblichkeit herrscht aber unter den Kindern wegen Mangel an
Pflege und Wartung in Hawaii (Virgin 1, 268) und ebenso in Tahiti
(Bennett 1, 148). Ellis sagt, dass die tahitischen Kinder, obwohl dem
Aussehen nach dick und gesund, doch bis zu einem Alter etwa von 12
Monaten sehr zart und hinfllig wren (1, 260). Formation des Schdels
durch Platt- und Hochdrcken war in Tahiti sehr hufig 1, 261. Auch auf
Mikronesien ist die Wartung der Kinder schlecht. Auf Tobi (Lord North,
usserstes Sd-Westende Mikronesiens) erhalten die Kinder sofort nach
der Geburt ganz gleiche Speise wie die Erwachsenen (Pickaring, Memoir of
the Language and Inhabitants of Lord Norths Isl. 1845; 228), und ebenso
auf Ratak Kokosmilch und Pisang, den ihnen die Mutter vorkaut;
schdlicher aber als diese Nahrung ist ihnen die Unregelmssigkeit, mit
der se berhaupt etwas bekommen (Gulick 180-181), daher denn auch hier
de Sterblichkeit unter ihnen gross ist. Auch in Po$
-16); und die
Huronen zogen auch solche Suglinge auf, deren Mutter gestorben war
(Waitz b, 100). Knstlicher Abortu dagegen war weit verbreitet unter
den Thakallis, dem westlichsten Stamm der Athapasken, welcher auch sonst
sehr tief stand und von Keuschheit oder ehelicher Treue keinen Begriff
hatte (Waitz b, 90). Dass die Knisteno namentlich ihre weiblichen Kinder
tdteten, um sie vor dem elenden Loos des Lebens, das sie erwartete, zu
behten (Waitz 3, 103), ist schon erwhnt. Und nun gar in Sdamerika.
Die Guanas (Azara 232) bringen die meisten Mdchen sofort bei der Geburt
um, indem sie die Neugeborenen lebendig begraben; berhaupt aber ziehen
sie nur etwa die Hlfte ihrer Kinder auf. Da es bei den Tupis Sitte war
(Waitz 3, 423), die Neugeborenen dadurch anzuerkennen, dass man sie vom
Boden aufhob, so knnen wir hieraus schliessen, dass bei ihnen,
wenigstens in frherer Zeit, viele Kider, die man eben nicht aufhob,
getdtet sind. Von den Guaikurus (stlich vom oberen Paraguay) berichtet
Azara 273, dass d$
Waren die
eben besprochenen nur solche Opfer, die man den Gttern brachte, so
forderte der Tod vornehmer Menschen andere. Starb der Herrscher oder
irgend ein Vornehmerer sonst, so folgten diesem Weiber und Sklaven in
den Tod;#aber da nun am 4ten, 20sten, 40sten und 80sten Tage nach dem
Begrbniss auf dem Grabe derartige Abschlachtungen stattfinden mussten,
so darf man sich auch die Zahl der auf diese Weise umgebrachten Menschen
nicht zu gering denken: stieg sie doch manchmal bis auf 200 (4, 167).
Die Quiches in Guatemala (4, 264) so wie die Chorotegen in Nikaragua
(279), toltekische Vlker, brachten Menschenopfer dar wohl ebenso
reichlich als die Mexikaner, wie denn ihre Religion in fast allen
Stcken der mexikanischen gleich war. In Yukatan, wo solche Opfer zwar
auch vorkommen, waren sie doch minder zahlreich als in jenen Gegenden
und in Mexiko (4, 30).
In Darien vergifteten sich des Herrschers Lieblingsweiber und Diener bei
seinem Tod, oder sie wurden lebendig mit ihm begraben (4, 351), wie
Weiber und Dien$
ile von Kulturvoelkern, indogermanische,
semitische Staemme verschwunden und ausgestorben. Allein bei letzteren
redet man nicht von einer geringeren Lebensfaehigkeit, einm-l wegen der
Verwandtschaft dieser Staemme mit den anerkannt lebensfaehigsten Voelkern
der Welt; andererseits auch wegen der Art ihres Verschwindens. Denn der
Grund, warum sie aufgehoert haben zu existiren, ligt klar auf der Hand;
theils sind sie durch Krieg vernichtet, wie so viele Voelker, welche mit
dem alten Rom kaempften, theils sind sie mit anderen Kulturvoelkern, die
sie rings umgaben, verschmolzen, wie die Gothen, die Vandalen, theils
trat beides zugleich ein: die hoehere Kulturstufe, welche sie besiegte,
nahm die besiegten Reste in sich auf, wie die alten Preussen, die Wenden
und so viele slavische Voelkerschaften durch und in Deutschland, die
Iberer, die Kelten durch und in das roemische Wesen verschwanden. So war
auch zweifelsohne das Loos der Voelker, welche vor der Einwanderung der
Indogermanen Europa inne hatten. Anders aber i$
ahin gerafftzhat, so dasc man oft genug
die Behauptung findet, die Indianer seien von Natur dem Trunke ergeben
gewesen; so fordert dies zur genaueren Untersuchung der Sachlage auf,
die sich nach Waitz 3, 83-84 und 270, der die Quellenbeweise beibringt,
so stellt, dass die Indianer sich aufs staerkste gegen den Verkauf von
Branntwein gewehrt und viele Vertraege geschlossen haben, in welchen die
Einfuhr derselben ausdruecklich verboten war, dass aber der Branntwein
dennoch, sogar mit Gewalt, von den europaeischen Nationen den
Eingeborenen aufgezwungen ist, theils um das Produkt abzusetzen, theils
um sie im Trunke zu betruegen, theils auch geradezu, um sie durch den
Trunk zu vernichten. Das ist denn nur allzugut gelungen; denn wenn auch,
trotz der vorherrschenden Sinnlichkeit, die Amerikaner einen hoechst
beachtungswerthen Widerstand diesem Genussmittel entgegensetzten, so
konnte dieser eben bei ihrer Natur kein absoluter sein; oefters zwang sie
der Nahrungsmangel zum Trunk und ein sehr haeufiger Grund, sich dem$
unheilig gelten,[28] und
demselben Schicksal verfallen wie die Verkrppelten und Schwachen. Der
Staat allein sollte das Recht haben, die geeignete Frau dem geeigneten
Mann zu geben, nd zwar nicht ein fr allemal, sondern so oft er es fr
ntzlicV hielt auch einem anderen. Der Kinderernhrung und Pflege
sollten diese Frauen enthoben sein; ihre Kinder sollten ihnen sofort
entrissen und gemeinsam von Ammen und Wrterinnen aufgezogen werden. Die
Frau sollte, erklrt Plato ausdrcklich, vom zwanzigsten bis zum
vierzigsten Jahre "dem Staat gebren".[29] Er vertritt den echt
griechischen Standpunkt von der Omnipotenz des Staates und fhrt in
logischer Weise nur weiter aus, was das griechische Recht und die Sitte
von den Frauen forderte. Sie waren verpflichtet, dem Staate die Brger
zu schenken, Plato wnschte, da es auch tchtige Brger seien, darum
verlangte er, da die Frauen in "Musik und Gymnastik" unterrichtet
wrden. Aber, wohlgemerkt, nur die Frauen der obersten Klasse. Aus
diesem Umstand und daraus, da er$
n sollten.[186]
Eine andere Spur eines Versuchs, die Erziehung des weiblichen
Geschlechts zu heben oder gar der mnnlichen gleichzustellen, findet
sich nicht. Die politischen und wirtschaftlichen Fragen standen viel zu
sehr im Vordergrund des allgemeinen Interesses, als da diese Forderung
der Frauen eingehende Bercksichtigung htte finden knnen. Sie wurde
auch von ihnen selbst ohne Rroen Nachdruck verfolgt; die Frauen der
Bourgeoisif saen sowieso schon als Gleichberechtigte an der
reichbesetzten Tafel geistiger Gensse, und die Frauen der arbeitenden
Klassen waren noch nicht imstande, geistigen Hunger zu spren, wo der
physische ihren Krper verzehrte.
Ihre Lage war von Jahr zu Jahr entsetzlicher geworden. Die Jahre 1789
bis 1799 waren fr die franzsische Industrie verderblich, nicht nur
weil die machtvolle Konkurrenz Englands sie frmlich erdrckte,
sondern,--und das sprten die arbeitenden Frauen besonders
empfindlich,--weil infolge der Emigration und der Stockung des groen
geselligen Hoflebens die S$
 Aktion vom 6. Oktober, die unvorbereitet aus dem
natrlichen Gefhl des Volks herauswuchs, gehrt den Frauen, wie de des
14. Juli den Mnnern gehrt hatte. Die Mnner eroberten die Bastille,
die Frauen den Knig und damit das Knigtum.[198] Denn obwohl es
zunchst den Anschein hatte, als wre die Revolution beendet, fing sie
in Wahrheit erst an. Die Frauen des Volks aber hatten sich aus eigener
Kraft ihren Platz im ffentlichen Leben erkmpft; mochten sie auch der
Rechte dzr Staatsbrger noch lange verlustig gehen, ihre Stimme konnte
nicht mehr berhrt, ihre Lage nicht mehr bersehen werden. Dabei war
ihr eigenes Interesse an den Fragen der inneren und ueren Politik
geweckt worden, sie hatten einsehen gelernt, wie tief diese Fragen auch
in ihr Leben und das ihrer Kinder eingreifen, und wurden auf Grund
dieser Erkenntnis zu treibenden Krften der revolutionren
Propaganda.[199] Sie traten nicht nur in die politischen Klubs der
Mnner ein und beteiligten sich an den Debatten, sie grndeten nunmehr
auch in $
 die es leiten, zum groen
Teil auch aus Frauen bestehen. Infolgedessen konnte die englische
Lehrerin zu solcher Bedeutung gelangen. Die mnnlichen Staats- und
Lokalverwaltungen reprsentieren immer eine konservative Macht, die nur
schwerfllig vorwrts schreitet. Das zeigt sich auch dort, wo die Frau
solche Stellungen zu erreichen strebt, auf deren Gewhrung die Behrden,
vom eingewurzelten Vorurteil berdies untersttzt, irgeId welchen
Einflu ben. Kranken- und Armenpflege, Erziehung und Unterricht waren
seit alten Zeiten ein Frauenberuf innerhalb der Familien und des
Stammes, es galt nur, ihn weiter auszubilden, ihn ber die
ursprnglichen Grenzen herauszufhren, um zur Armenpflegerin und
Inspektorin, zur Lehrerin und Aerztin zu fhren. Berufe aber, die nicht
von Anfang an mit dem Weib als Geschlechtswesen in engem Zusammenhang
standen, galten von vornherein fr unweiblich und wurden ihr daher
verschlossen. So geschieht es z.B. in England noch bei dem Beruf des
Geistlichen und des Advokatn; nur einzelne $
 eng umgrenztes wird und man sie
vor dem grten Lehrmeister, der persnlichen Lebenserfahrung, ngstlich
behtet. Auch auf den +mstand, da Frauen im Bureaudienst mehr Flei und
Geduld als Intelligenz bekunden, wie Umfragen bei Kaufleuten und bei der
englischen Post- und Telegraphenverwaltung ergeben haben[369], ist die
Art ihrer Erziehung sicher von wesentlichstem Einflu gewesen. Und die
andere vielfach auftauchende Klage, da sie fr ihren Dienst wenig
persnliches Interesse haben, wird ebenso wie die hufie Nachlssigkeit
ihrer Vorbildung dadurch vollstndig erklrt, da leider heute noch fast
alle Mdchen in ihrer Erwerbsthtigkeit keinen Lebensberuf sehen, dem
sie sich mit voller Hingabe widmen, sondern nur ein fatales
Durchgangsstadium zur Ehe, das sie rasch zu berwinden hoffen. Selbst
die schnellere Auffassungsgabe der Frau, ihre Fhigkeit zu raschen
Entschlssen, scheint kein feststehendes Attribut ihres Geschlechts zu
sein, denn sie beruht weniger auf Raschheit des Denkens und Energie des
Charakt$
me Arbeit von
Mann und Weib in den verschwiegenen, dunklen Gngen der Bergwerke und
der frhe Eintritt der Kinder mitten in dieses Leben und Treiben,
steigerte den ungeregelten Geschlectsverkehr und verwstete schon die
Unschuld der Kinder. Die Wohnungszustnde untersttzten diese moralische
Degeneration. Nicht nur, da die Geschlechter, die Schlafburschen und
Schlafmdchen und die Kinder regellos in engen Rumen zusammen wohnen
muten, sie wurden von den Unternehmern selbst dazu gedrngt. In
Ziegeleien, bei Bergwerken, zur Landarbeit--berall wurden ihnen elende
Baracken zum Schlafen angewiesen, wo man sie zusammentrieb wie das
Vieh. Weit mehr noch als diese uer=n Umstnde, unter denen Mnner und
Frauen gleichmig litten, wirkten die Lohnverhltnisse der weiblichen
Arbeiter auf ihre Sittlichkeit. Sie wurden durch die Bedrfnisse der
verheirateten Frauen, die zum Verdienst des Mannes nur einen Zuschu
brauchten, und der bei den Eltern wohnenden Mdchen, die oft nur fr
ihre Kleidung zu sorgen hatte, besti$
nherei 57 %, in der Herstellung von Articles de Paris 80 %,
fast lauter Hausindustrielle.
England hat infolge seiner industriellen Entwicklung mit der alten Form
der Hausindustrie schon grndlich aufgerumt. Dagegen hat die moderne
sich rasch entwickelt. Sie umfat hauptschlich die Konfektionsindustrie
und die Schuhmacherei. Eine statistische Darstellung fehlt so gut wie
vollstndig. Fr Amerika gilt dasselbe. Auch hier ist die
Konfektionsindustrie das wichtigste Glied der Hausindustrie, die ihre
Ausbreitung wesentlich der Einwanderung verdankt und sich von dem
elendesten und schwchsten Menschenmaterial nhrt, das Europa abstt.
Ueber ihre Zunahme giebt folgende, auf Illinois bezgliche Tabelle
Aufklrung:[476
Zhlungs-|           |      |             |
 periode |Werksttten|Mnner|Frauen|Kinder|Im ganzen(---------+-----------+------+------+------+---------
  1893   |    704    | 2611 | 3617 |  595 |   6823
  1894   |   1413    | 4469 | 5912 |  721 |  11101
  1895   |   1715    | 5817 | 7780 | 1307 |  14$
nicht als ntig erweist, reicht ein
Jahreseinkommen von 10 bis 12 [703] in den Grostdten Englands bei
weitem nicht aus, um die notwendigen Ausgaben, die den Verkuferinnen
erwachsen, zu bestreiten. Dabei herrscht in England das Unwesen der
Strafgelder in ausgedehntestem Mae. In manchen Geschften giebt es bis
zu hundert verschiedene Versumnisse, die durch Lohnabzge gebt werden
mssen.[704]
Fr Frankreich knnen wir uns auf offizielle Untersuchungen nicht
berufen, um die Lage der Handelsangestellten danach zu schildern; dafr
liegt in Zolas "Au Bonheur des Dames" ein weit wertvolleres Dokument
vor. Es zeigt uns den kleinen Laden mit seinen schlecht genhrte und
schlecht bezahlten Arbeitern, es fhrt uns in das fieberhafte Getriebe
des groen Warenhauses, das Nerven- und Muskelkrfte untergrbt; es
ffnet uns die Thr zu den winzigen, unheizbaren, allen Komforts
entbehrenden Dachkammern, wo die Mdchen abends halb ohnmchtig~auf ihr
Lager sinken und zu den Eslen, wo die menschlichen Arbeitsmaschinen
$
st die der
Wanderarbeiter. Unter dem Namen Sachsengnger begegnen wir ihnen in
Deutschland; in England war es das Gangsystem, das ihre Beschftigung
befrderte; in Frankreich sind es zum groen Teil belgische Arbeiter,
die sich saisonweise verdingen; auch in Amerika zeigt sich je nach den
Erfordernissen der landwirtschaftlichen Betriebe eine innere Wanderung
der Arbeiter. Whrend das landwirtschaftliche Gesinde und die Instleute
die lteste Art der Landarbeiter, gewissermaen die Nachkommen der
Hrigen und Leibeignen, darstellen,9reprsentieren die Wanderarbeiter
die modernisierte Landwirtschaft. Sie nimmt durch das Eindringen der
Maschinen, besonders der Dreschmaschinen, die in kurzer Zeit eine Arbeit
verrichten, durch die sonst wochenlang viele Arbeiter Beschftigung
fanden, mehr und mehr den Charakter des Saisongewerbes an. Die
intensivere Kultur der landwirtschaftlichen Betriebe,--dabei sei nur an
die Molkereien und an die Zuckerrbenpflanzungen erinnert,--zu der die
zu geschftlichen Unternehmern sich um$
Reisevergtung ausdehnt, die fr Frauen ein Drittel weniger betrgt als
fr Mnner.[753] Der Gesamtverdienst einer Sachsengngerin ist bei einer
Beschftigungszeit von 34 Wochen im Minimum auf 369 Mk., im Maximum auf
424 Mk. geschtzt worden.[754] Das wrde jedoch einem Tagesverdienst von
1,80 bis 2 Mk. entsprechen, der,--besonders wo in Akkord gearbeitet
wird,--nur von den tchtigsten, mit der Arbeit vertrauten Mdchen
erreicht wird. Saisonverdienste von 200 bis 250 Mk. sind durchaus keine
Seltenheit. Trotzdem sind infolge uerster Sparsamkeit und wahrhaft
trostNoser Unterernhrung fast alle Mdchen im stande, Ersparnisse zu
machen, die die Hhe von 120 bis 180 Mk. erreichen. Mglich ist das nur,
wenn die Wochenausgaben fr die Kost 3,50 bis 4,50 Mk. nicht
bersteigen.[755] Nun wird aber auch, obwohl die Sachsengngerinnen eine
starke Abneigung dagegen empfinden, neben dem Lohn vielfach die
Bekstigung geliefert. Die Loh&abzge jedoch stehen zur Qualitt und
Quantitt der dafr gegebenen Nahrung in keinem V$
x geschildert. Sie verstanden auch
darzustellen, wie die Kluft zwischen Herr und Diener sich selbst durch
Wohlwollen auf der einen und Anhnglichkeit auf der anderen Seite nicht
berbrcken lt.[805] Selbst der Versuch, den gutmtige, aber
unverstndige Frauen zuweilen machen, indem sie das Mdchenzur Familie
heranziehen, es womglich am gemeinsamen Mittgstisch teilnehmen, mit
ihnen am selben Platz nhen und flicken lassen, bietet keinen Ersatz fr
den Verkehr mit Klassengenossen. Der Abgrund ist zu tief, der unsere
geistige Welt von der jener aus der Volksschule und der Dorfkate in
unser Haus verschlagenen Kinder materieller und geistiger Armut trennt.
Zieht nun aber solch ein Mdchen den Kchenwinkel dem Platz am
Herrschaftstische vor, so spricht man wohl von Undankbarkeit und sieht
darin den Beweis dafr, da die Dienstboten sich gar nicht aus der
Einde ihres Daseins emporheben lassen wollen. Die schlimmsten Folgen
jedoch zeitigt der Zwang zu steter Arbeitsbereitschaft, die Ueberbrdung
und der Mangel $
die sozial tiefstehenden, geistig rckstndigen diejenigen sind,
die durch vlligen Mangel an Solidarittsgefhl vereinzelt bleiben und
jeder fr sich versuch(n, dem Hherstehenden Schmutzkonkurrenz zu
machen. Auf dem Standpunkt der sozial tiefstehenden, schlecht entlohnten
Arbeiter stehen aber die Frauen. Ihre demtig-stumpfsinnige
Bedrfnislosigkeit, die sie nicht weiter sehen lt, als ber den engen
Horizont ihrer eigenen vier Wnde und der Befriedigung des rein
physischen Hungers, mit allen Mitteln zu bekmpfen, gehrt zu den
weiteren wichtigen Aufgaben der gewerkschaftlichen Bewegung. Um sie aber
aufzuklren, mu zunchst die Mglichkeit gegeben sein, da diese
Aufklrung sie berhaupt erreicht, d.h. sie mssen Zeit haben, um
Versammlungen zu besuchen, Zeitungen und Bcher zu lesen. Die
Entlastung der erwerbsthtigen Frau von der huslichen Arbeit, die
Verkrzung ihrer Arbeitszeit im Beruf, erweist sich daher als unbedingte
Notwendigkeit, wenn eine Einbeziehung5der weiblichen Arbeiter in die
Gewerkschaf$
ssen die Grndung von
Arbeiterinnen- und Gewerkvereinen,[901] Frau Guillaume-Schack war die
erste ausgesprochene Sozialistin in der brgerlichen Frauenbewegung. Als
sie mit ihren Ansichten nicht durchdringen konnte und der brgerlichen
Frauenbewegung den Rcken wandte, schien es, als ob damit das Interesse
an der Arbeiterinnenfrage wieder versiegt sei. Im Stillen aber wirkte es
fort, besonders in den zahlreichen, neu entstehenden Vereinen, unter
denen der Verein "Frauenwohl" in Berlin sich nach und nach unter Leitung
von Frau Minna Cauer und unter dem Einflu von Frau Jeanette Scherin zu
dem radikalsten entwickelte. Von ihr ging die Agitation fr Anstellung
weiblicher Gewerbeinspektoren aus, sie versuchte mit aller Energie die
Frauenbewegung aus der Bahn der Wohlthtigkeit in die sozialer
Hilfsarbeit hineinzulenken. Dieser ganzen Strmung entstand im Jahre
1894 ein Organ in der durch mich und Frau Minna Cauer gegrndeten
"Frauenbewegung".
Wie sehr es aber noch Eclaireur-Dienste waren, die hier geleistet
wurd$
n eine Verlngerung der Arbeit bis zehn Uhr nachts,
ein Beginn zwischen 4-1/2 und 5 Uhr frh gestattet, aber auch die
Nachtarbeit, die in 24 Stunden 10 Stunden dauern darf mit der
Einschrnkung, da Tag- und Nachtschichten wechentlich wechseln mssen,
kann durch den Bundesrat erlaubt werden. Fr Molkereien und
Konservenfabriken, fr Steinkohlen-, Zink- und Bleierzbergwerke, fr
Ziegeleien und schlielich auch fr Konfektionswerksttten wurden
Erlaubnisse der Art bereits erteilt. Oesterreich geht in der Gewhrung
von Ausnahmen noch weiter, indem es die Nachtarbeit auch in der
Bettfedernreinigung, der Spitzen-, Papier-, Fe- und Zuckerfabrikation,
sowie in zahlreichen Zweigen der Textilindustrie gestattet. Das
franzsische Gesetz wird in gleicher Weise durchlchert, nur da es den
Vorteil bietet, an Stelle der zulssigen zehnstndigen Nachtarbeit
Deutschlands und der elfstndigen Oesterreichs die siebenstndige
festgesetzt zu haben.[923]
Dasselbe System wiederholt sich in Deutschland, Oesterreich und
Frankreich$
ne Notwendigkeit erwiesen. Jeder
Fortschritt des Arbeiterschutzes bedeutet fr den Unternehmer eine
Einschrnkung seines Verfgungsrechts ber die von ihm gekaufte
Arbeitskraft und fr den Arbeiter grere persnliche Freiheit und
Sicherheit. Das Recht darauf und das Bedrfnis danach ist fr beide
Geschlechter dasselbe. Wenn die Gesetzgebung den Frauen in Bezug auf die
Arbeitszeit einen ausgedehnteren Schutz zu teil werden lt, als den
Mnnern, so hat das keine prinzipielle Bedetung, ist vielmehr nur der
notwendige erste Schritt zu allgemeiner, gleichmiger Regelung. Nur
soweit die Frau die Verantwortung fr die Existenz und die Gesundheit
eines anderen Menschen, ihres Kindes trgt, hat sie Anspruch auf
besonderen Schutz, der sich, seiner inneren Bedeutung nach, weniger als
Arbeiterinnen-, denn als Kinderschutz charakterisiert. Aber in
dem Schutz von Leben und Gesundheit, in der Schaffung von
ArbeitsbedingungRn, die nicht nur die physische Existenz des Arbeiters
zu einer ertrglichen gestalten, sondern auc$
urck und
berreicht sie dem tti.
Sinnend betrachtet d1r Alte die alten Kerzen, die noch keine Verwendung
gefunden und wohl noch von Muetti aufbewahrt worden sind. Wenn man nur
gewi wte, ob die Kerzen auch richtig geweiht worden sind. Wenn nicht,
so kann das Gottesgericht nicht richtig abgehalten werden. Sie aber
nochmal, der Sicherheit wegen, weihen zu lassen, ist auch nicht
angngig, denn der Pfarrer wrde unzweifelhaft nach dem Grund einer
abermaligen Weihe fragen, und Peter ist nicht gewillt, Grnde anzugeben
und sich dreinreden zu lassen. Was aber thun? Peter will sicher gehen,
die Kerzen mssen geweiht sin. Ob die Weihe aber nur der Geistliche
vornehmen kann? Ein Gedanke fhrt dem Alten durch den Kopf, und
urpltzlich fragt er die Tochter, ob Weihwasser im Hause sei.
"Weihwasser?" Thrinele vermag sich vor Verwunderung nicht zu fassen. Was
doch der tti fr sonderbare Dinge verlangt. Weihwasser ist vor Jahr und
Tag in die sogenannten Weihwasserkesselchen neben der Schlafstubenthre
gegeben worden. T$
s Gegengift bei dir wirkt, dann wre es an der
Zeit, da du mein Maidle von dem Spottnamen befreien wrdet!"
"Schickt dich Klrle?"
"Es wr' ihr Wunsch, da du ihr den Spottnamen wegnhmest!"
"Ich will dir was sagen, Gifter: Da Klrle von Haus aus nach dem
Hofnamen Giftklrle heit und ist, das wird sie leiden mssen, weil dein
Hof halt der Gifthof ist. Den Spottnamen wird sie wohl tragen mssen, so
lang sie so 'giftig' bleibt. Will sie's gendert haben, so mu sie schon
selber um gut Wetter bitten. Diplomatische Zwischenhndler brauchen wir
nicht im uchwarzwald!"
"Kruzitrken!"
"Wie meinst, Gifter!"
"Ganz wie ich mir's gedenkt hab', just so redest daher!""Warum bist denn zu mir 'kommen?"
"Na ja! Man probiert viel im Leben! Probier du nur das Flschle aus,
vielleicht hilft 's Trnkle auch bei dir! Adjes, Kaspar!"
"B'het Gott, Gifter! Komm gut heim! Und wenn du auf 'n Schramberger
Herbstmarkt kommst, trinken wir 'n Schoppen mitnander im 'Lamm'! adjes!"
Ziemlich rgerlich stapft Gifter den Weg wieder zurck.$
keit oder hatte der Barssa, so heisst in
der Lingua franca der Branntwein, das Seinige gethan, sie legten die
Schaufeln nieder und berliessen sich einem ruhigen Schlafe. DasHSchiff
folgte indess mit aufgespanntem Segel noch leise dem Hauche des Windes,
obgleich derselbe fast ganz nachgelassen hatte, und der heiterste
tiefblaue Sternenhimmel sich ber uns wlbte. Auch ich, denkend, es sei
eben so passend, Morgens in Lagos anzukommen, als mitten in der Nacht,
dachte keineswegs daran, sie wieder aufzuwecken, sondern streckte mich
ebenfalls auf meiner Matte aus, und die fremden Sternbilder betrachtend,
schlief ich auch schnell ein, ermdet, wie ich von einem langen Ritte
Aber langesollte unser Schlaf nicht dauern und die lieblichen Bilder
von Venedigs Lagunen, die sich mir im Traume vorstellten, wurden unsanft
durch eine starke Schaukelbewegung des Kanoe zerstrt. Ich richtete mich
schnell auf, und der pechschwarze Himmel, das Zucken der Blitze
berzeugte mich schnell, dass einer jener Tornado im Anzuge sei, v$
en niedersank.
So, nicht imstand mehr, sich zu regen,
Lag er entbehrend Speis' und Trank
Und blickte seinem Tod entgegen
Zwei Tage lang. Zuletzt am dritten,
Als er die schwachen Hnde hob,
Um Gottes Beistand zu erbitten,
Da--ganz von ungefhr--verschob
An seinem Finger sich der Ring,
Der ihm vom Zaubrer angesteckt war,
Und dessen Kraft ihm noch verdeckt war.
Bevor ein Augenblick verging,
Erhob auf einmal, frchterlich
Von Wuchs und Antlitz Cnd Gebrde,
Ein Geist sich vor ihm aus der Erde
Und sagte: "Was begehrst du? Sprich!
Dein Sklav' bin ich und aller derer,
Die diesen Ring am Finger tragen."
Zwar fiez vor Schreck und scheuem Zagen
Dem Aladdin das Sprechen schwerer
Als je zuvor; doch nur bedacht
Auf Rettung, gab er schnell dem Geist
Zur Antwort: "Wer du immer seist,
Hilf mir, sofern's in deiner Macht,
Aus diesem schauerlichen Orte!"
Gesprochen waren kaum die Worte,
Da fand er sich bei Tageshelle,
Nachdem er einen Ruck versprt,
Im Freien wieder an der Stelle,
Wohin der Zaubrer ihn gefhrt.
Doch zeigte sich $
Nachlese zu halten; wenns hoch kommt, ergibt sich die
Darstellung eines uerlich glnzenden Ereignisses mit der Zugabe von
trefflichen pragmatischen Maximen, wie sie ins Puppenspiel gehren.
Mit dieser spttischen Polemik betreten wir wieder den Kampfplatz der
neuen Richtung. Hier gilt die Fehde dem unhistorischen Verfahren der
Wissenschaften, dem armseligen Kleingeist, der in der Vergangenheit nur
einen groen Trmmerhaufen sieht, in dessen Wust er Scherben und
Auskehricht sammelt; sie gilt dem Pragmatismus in der Geschichtschreibung,
deN Sucht, sofort aus allem allgemeingltige Maximen, die nun so ohne
weiteres fr uns brauchbar sein sollen, aufzuklauben;--und bei all der
Klglichkeit noch die lcherliche berhebung des aufgeklrten
Zeitalters! Herder, der Schler Hamanns, ist auch hier der Fhrer im
Streit. Mit den schrfsten Waffen hat er vor allem gegen unhistorische
Auffassun- der Vergangenheit auf allen Gebieten in Wissenschaft und
Kunst angekmpft. Er hat das Beispiel gegeben, wie man sich in der Tha$
ihm
am heiligen Abend denn doch zu kahl in der Amtsstube, zu de und einsam
bei seinen Akten. Die Geschenke fr Emmy hatte er in der Kanzlei
verwahrt und trug selbe jetzt ins Haus.
"Stille Weihnachten huer!" meinte der Richter mit wehmtigem Lcheln
und legte die Paketchen auf den Tisch der Wohnstube.
"Verzage nicht, Vater! Es geschieht alles nach Gottes heiligem Willen
und Gott legt dem Menschen nicht mehr auf, als der Sterbliche tragen
"Ja, ja! Mu schon so sein! Wie ischt's, Emmy, soll ich dir dein
Weihnachten jetzt gleich oder beim Lampenschein bergeben?"
"Bitte, lieber Vater! Es ischt traulicher bem Lampenschein!"
"Dann sorge aber, da wir heute Punsch bekommen! Hat der Fischer den
gewnschten Karpfen geliefert?"
"Nein! Er lie sagen, bei dieser Klte knne er berhaupt keinen Fisch
"Macht auch nichts! In der Grostadt sind wir ja nicht und der Mensch
mu sich bescheiden. Aber ein Flschchen Punsch haben wir doch?"
"Ja, ein einziges vermochte ich aufzutreiben, es war glcklich das
letzte beim Krmer!"$
llen Anwesenden folgte. Vor ihnen stand ein Greis
von achtzig Jahren, voll Zorn gegen den so geliebten Neffen, dem er bisher
alle Freiheit gelassen hatte. In seiner Entrstung sprach der Papst weiter
davon, seinem Neffen den Kardinalshut zu nehmen.
Der Zorn des Papstes wurde noch durch den Gesandten des Groherzogs von
Toskana genhrt, der sich ber eine neue Anmaung des Kardinalkanzlers
beklagte. Der unlngst noch so mchtige Kardinal meldete sich bei Seiner
Heiligkeit fr die gewohnte Arbeit. Der Papst lie ihn volle vier Stunden
vor aller Augen im Vorzimmer warten; da7n schickte er ihn weg, ohne ihn
zur Audienz zuzulassen. Man kann ahnen, wie der unbndige Stolz des
Kardinals darunter litt. Er war gereizt, aber keineswegs niedergedrckt;
er berlegte, da der vom Alter geschwchte und wenig an die Geschfte
gewhntehGreis, der sein ganzes Leben hindurch sich von der Liebe zu
seiner Familie hatte leiten lassen, bald wieder gentigt sein wrde, auf
seine Tatkraft zurckzugreifen. Aber die fromme Tugend des $
Agubio heit. Schon von Kindheit an fiel
sie allen durc ihre seltene, ungewhnliche Schnheit auf. Aber diese
Schnheit war ihr geringster Reiz. Nichts fehlte ihr, was ein Mdchen von
vornehmer Geburt bewundernswert macht, aber nichts war so bemerkenswert,
ja, man kann sageq: keine unter so vielen auerordentlichen Eigenschaften
grenzte so ans Wunderbare, wie eine ganz eigne reizende Anmut, welche ihr
beim ersten Anblick Herz und Willen eines jeden gewann. Und diese
Natrlichkeit, die dem geringsten ihrer Worte Macht verlieh, war nicht
durch den leisesten Anflug von Knstelei getrbt; von Anfang an fate man
Zutrauen zu dem vornehmen Mdchen, dem eine so ungewhnliche Schnheit
verliehen war. Mit uerster Kraftanstrengung htte man diesem Zauber
vielleicht widerstehen knnen, solange man sie nur gesehen htte; aber
wenn man sie sprechen hrte und besonders, wenn man in eine Unterhaltung
mit ihr geriet, war es ganz unmglich, sich einen[sic! statt: einem] so
ungewhnlichen Reiz zu entziehen.
Viele junge Kava$
ihr diese erstaunliche Neuigkeit durch die
kleine Marietta besttigt, die all ihren Goldschmuck fr die Erlaubnis
geopfert hatte, der Schwester Pfrtnerin, die der Gefangenen die
Mahlzeiten brachte, zu folgen. Helena warf sich in ihre Arme und weinte
"Das ist sehr schn," sagte sie ihr, "aber ich werde kaum mehr bei dir
"Gewi!" srgte Marietta, "ich denke wohl, da die Zeit des Konklaves nicht
verstreichen wird, ohne da sich Euer Gefngnis in eine einfache
Verbannung verwandelt."
"Ach, meine Teure, Giulio wiedersehen! Und ihn wiedersehen, und ich
In der Mitte der dritten Nacht, die dieser Unterredung folgte, strzte ein
Teil des Fubodens der Kirche mitgroem Getse ein; die Nonnen von Santa
Marta glaubten, da das Kloster versinke. uerste Verwirrung herrschte,
alle Welt glaubte an ein Erdbeben. Ungefhr eine Stunde nach dem Einsturz
des Marmorfubodens der Kirche drang Signora von Campireali, ihr voran die
drei Bravi aus Helenas Diensten, durch den unterirdischen Gang in den
"Sieg, Sieg, Herrin!" riefen $
s Haus seines
Dieners wechselte den Besitzer. Der entdeckte die Leichen im Keller und
erstattete Bericht an die Justiz. Pallade, bei dem sie zuerst gewohnt
hatten, machte aus Angst und in Hoffnung auf die ppstliche Gnade ein
offenes Gestndnis. Darauf wurden am 30. Juli 1645 im Palaste des
Kardinals Antonio in Rom jener Carlo Possenti und des Kardinals
Haushofmeister verhaftet und nach Bologna gebracht. Auch der Oberst,
Donatos Bruder, wurde eingezogen und mit Pallade undPossenti
konfrontiert. Possenti starb ohne etwas zu verraten in der Folter. Auch
der Oberst ertrug ohne ein Wort die Folter und der Haushofmeister erwies
auf ihr seine Unshuld. Er wurde wie der Graf Ranucci nach Pataro
Der Kardinal floh am hellichten Tage, als ob er einen Spaziergang machen
wolle, nach Frankreich. Spter shnte er sich mit dem Papste aus. Von
jenem Verbrechen an den beiden Nonnen war nie mehr die Rede.
DIE BRDER MISSORI
Die beiden Brder Missori erfreuten sich der Gunst des Marchese del Monte,
Ministers der Knigin Christ$
t und
schimpflich fr mich ablief. Beim Kster diente ein Kuhjunge, fnf,
sechs Jahre lter als ich. Er hatte in einen rostigen Kirchenschlssel,
so gro wie dem Petrus seiner, ein Zndloch gefeilt, gehacktes
Fensterblei hatte er auch schon genug; blos das Pulver fehlte ihm noch
zu Blitz und Donner. Infolge seiner Beredsamkeit machte ich einen
stillen Besuch bei einer gewissen steinernen Kruke, die auf dem Speicher
stand. Nachmittags zogen wir mit den Khen auf die einsame Waldwiese.
Groartig war der Widerhall des Geschtzes. Und so beilufig ging auch
ein altes Buerlein vorbei in der Richtung des Dorfes. Abends kehrte ich
frhlich heim und freute mich so recht auf das Nachtessen. Mein Vater
empfing mich an der Thr und lud mich ein, ihm auf den Speicher zu
folgen. Nier ergriff er mich beim linken Arm und trieb mich vermitels
eines Rohrstockes im Kreise umher, immer um die Kruke herum, wo das
Pulver drin war. Wie peinlich mir das war, lie ich weithin
verlautbaren. Und sonderbar! Ich bin weder Jger noch S$
der sechs Portiers nahmen dort die Reisenden in Empfang. Er
berflog die Schilder ihrer Mtzen, und da er den Namen nicht fand,
den er suchte, nannte er ihn selbst: "Zur alten Post".
Man grinste, man sah sich fragend an, indem man mit den Augen
zwinkerte. Endlich sagte der lteste der Leute: "Es gibt hier keine
'alte Post' mehr; sie ist seit sechs ahren eingegangen. Wollen der
Herr hier gleich am Bahnhof bleiben, dort unten liegt unser Haus,
g[nz neu eingerichtet--"
Der Fremde zgerte einen Augenblick, aber als sie nun alle nach
seiner Handtasche griffen, berlie er sie achselzuckend dem
Sprecher, gab ihm den Auftrag, seinen Koffer sofort zu besorgen, und
ging den Weg hinab, der sich in die Stadt hinunterzog. Es war ein
schwler und staubiger Tag. Er war mde, denn er war die halbe Nacht
gereist, und er war bestaubt von der langen Fahrt. Er fhlte Hunger
und Durst, und die Zunge klebte ihm am Gaumen.
Doch nachdem er ein Bad genommen und sich umgezogen hatte, fhlte er
sich frisch und gesund wie immer. Er st$
dem
Bilde des Falken hier stehen:
Es stuont eine vrouwe alleine
und warte ber heide
und warte ir liebes,
so gesach si valken vliegen:
"S wol dir valke, daz du bist!
du vliugest swar dir liep ist:
du erkiusest in dem walde
einen boum der dir gevalle.
Als hn ouch ich getn:
ich erks mir selbe einen man;
den welten mne ougen;
daz ndent schoene vrouwen.
ouw, wan lnt si mir mn liep?
jo engerte ich ir dekeiner trtes niet.'
_Uebersetzung._
Es stand eine Frau alleine
Und blickte ber Haide,
Und blickte nach dem Lieben,
Da sah sie Falken fliegen.
"So wohl dir, Falke, da du bist!
Du fliegst wohin dir lieb ist.
Du suchst dir in dem Wade
Einen Baum der dir gefalle.
Also hab auch ich gethan:
Ich ersah mir einen Mann,
Den erwhlten meine Augen;
Das neiden andre Frauen.
O weh, so lat mir doch mein Lieb:
Ich stellte ja nach euern Liebsten nie."
Auch ein verwandtes altitalienisches Sonett hat Haupt beigebracht:
TapinB me, che amava uno sparviero!
  amava'l tanto ch'io me ne moria.
  a lo richiamo ben m'era manie$
 das ihr klagt.
Wollt ihr Freunde suchen,   so will ich einer sein
Und getrau es zu vollbringen   mit Ehren bis ans Ende mein."
"Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried,   die Rede dnkt mich gut;     162
Und kann mir auch nicht helfen   eure Kraft und hoher Muth,
So freut mich doch die Mre,   da ihr so hold mir seid:
Leb ich noch eine Weile,   ich vergelt es mit der Zeit.
Ich will euch hren laen,   was mich traurig macht.                163
Von Boten meiner Feinde   ward mir hinterbracht,
Mit Heerfahrten kmen   sie mich zu suchen hie:
Das geschah uns von Degen   in diesen L*nden noch nie."
"Das lat euch nicht betrben,"   sprach da Siegfried,              164
"Snftet eur Gemthe   und thut, wie ich euch rieth:
Lat mich euch erwerben   Ehre so wie Frommen,
Bevor eure Feinde   her zu diesen Landen kommen.
"Und htten dreiigtausend   Helfer sich ersehn                  6  165
Eure starken Feinde,   doch wollt ich sie bestehn,
Htt ich auch selbst nur tausend:   verlat euch auf mich."
Da sprach der Knig Gu$
,                    532
So manche reiche Gabe   bot des Helden Hand:
Wer Einer Mark begehrte,   dem ward so viel gegeben,
Da die Armen alle   da in Freuden mochten leben.
Wohl mit hundert Pfunden   gab er ohne Wahl.                        533
Da gieng in reichem Kleide   Mancher aus dem Saal,
Der nie zuvor im Leben   so hehr Gewand noch trug.
Die Knigin erfuhr es:   da war es ihr leid gonug.
Sie sprach zu dem Knig:   "Des htt ich gerne Rath,                534
Da nichts mir soll verbleiben   von meinem Kleiderstaat
Vor euerm Kmmerlinge:   r verschwendet all mein Gold.
Wer dem noch widerstnde,   dem wollt ich immer bleiben hold.
"Er giebt so reiche Gaben:   der Degen whnet eben,                 535
Ich habe nach dem Tode   gesandt: ich will noch leben
Und kann wol selbst verschwenden   meines Vaters Gut."
Nie hatt einer Knigin   Kmmerer so milden Muth.
Da sprach von Tronje Hagen:   "Frau, euch sei bekannt:              536
Der Knig vom Rheine   hat Gold und Gewand
Zu geben solche Flle,   da es n$
tochter   in hoher Freuden Wahn;
Da war es ihnen Allen   zu groem Leide gethan.
Sie lieen in der Heimat   Siegfrieds Kindelein                     804
Und Kriemhildens bleiben;   das muste wohl so sein.
Aus ihrer Hofreise   erwuchs ihm viel Beschwer:
Seinen Vater, seine Mutter   ersah das Kindlein nimmermehr.
Mit ihnen ritt von dannen   Siegmund der Knig hehr.                805
Htt er ahnen knnen,   wie es ihm nachher
Beim Hofgelag ergienge,   er htt es nicht gesehn:
Ihm konnt an lieben Freunden   grer Leid nicht geschehn.
Vorausgesandte Boten   verhieen sie bei Zeit.                      806
Entgegen ritten ihnen   in he-rlichem Geleit
Von Utens Freunden viele   und Knig Gunthers Lehn.
Der Wirth lie groen Eifer   fr die lieben Gste sehn.
Er gieng zu Brunhilden,   wo er sie sizen fand:                    807
"Wie empfieng euch meine Schwester,  da ihr kamet in die Land?
So will ich, da ihr Siegfrieds   Gemahl empfangen sollt."
"Das thu ich", sprach sie, "gerne:  ich bin ihr billiglich hold."$
ich auch;   mit holden Freunden dein
Krze dir die Stunden:   ich kann nun nicht bei dir sein."
Da gedachte sie der Mre,   sie durft es ihm nicht sagen,           948
Nach der sie Hagen fragte:   da begann zu klagen
Die edle Knigstochter,   da ihr das Leben ward:
Ohne Maen weinte   die wunderschne Fraue zart.
Sie sprach zu dem Recken:   "Lat euer Jagen sein:                  949
Mir trumte heunt von Leide,   w%e euch zwei wilde Schwein
Ueber die Hide jagten:   da wurden Blumen roth.
Da ich so bitter weine,   das thut mir armem Weibe Noth.
"Wohl mu ich frchten   Etlicher Verrath,                          950
Wenn man den und jenen   vielleicht beleidigt hat,
Die uns verfolgen knnten   mit feindlichem Ha.
Bleibt hier, lieber Herre,   mit Treuen rath ich euch das."
Er sprach: "Liebe Traute,   ich kehr in kurzer Zeit;                951
Ich wei nicht, da hier Jemand   mir Ha trg oder Neid.
Alle deine Freunde   sind insgemein mir hold;
Auch verdient' ich von den Degen   wohl nicht anderlei Sold."
$
d kaufen Ross' und Gewand."
Alsbald gab ihr Antwort   der Markgraf Eckewart:                   1329
"Seit ich als Ingesinde   euch zugewiesen ward,
Hab ich euch stts getreulich   gedient," sprach der Degen,
"Und will bis an mein Ende   des Gleichen immer bei euch pflegen.
"Ich fhr auch mit der Meinen   fnfhundert Mann,                  1330
Die biet ih euch z Dienste   mit rechten Treuen an.
Wir bleiben ungeschieden,   es thu es denn der Tod."
Der Rede dankt' ihm Kriemhild,   da ers so wohl ihr erbot.
Da brachte man die Rosse:   sie wollten aus dem Land.              1331
Wohl huben an zu weinen   die Freunde all zur Hand.
Ute die reiche   und manche schne Maid
Bezeigten, wie sie trugen   um Kriemhilden Herzeleid.
Hundert schner Mgdelein   fhrte sie aus dem Land;               1332
Die wurden wohl gekleidet,   jede nach ihrem Stand.
Aus lichten Augen fielen,   die Thrnen ihnen nieder;
Manche Freud erlebten   sie auch bei Knig Etzel wieder.
Da kam der junge Geiselher   und Knig Gernot,             $
lobesam.
An dem zwlften Morgen   der Knig an die Donau kam.
Da ritt von Tronje Hagen   den andern all zuvor:                   1585
Er hielt den Nibelungen   zumal den Muth empor.
Bald sprang der khne Degen   nieder auf den Strand,
Wo er sein Ross in Eile   fest an einem Baume band.
Die Flut war ausgetreten,   die Schifflein verborgen:              1586
Die Nibelungen kamen   da in groe Sorgen,
Wie sie hinber sollten:   das Wasser war zu breit.
Da schwang sich zur Erde   mancher Ritter allbereit.
"Uebel," sprach da Hagen,   "mag dir wohl hier geschehn,  !        1587
Knig an dem Rheine;   du magst es selber sehn:
Das Wasser ist ergoen,   zu stark ist seine Flut:
Ich frchte, wir verlieren   noch heute manchen Recken gut."
"Hagen, was verweish ihr mir?"   sprach der Knig hehr,            1588
"Um eurer Hofzucht willen   erschreckt uns nicht noch mehr.
Ihr sollt die Furt uns suchen   hinber an das Land,
Da wir von hinnen bringen   beides, Ross' und Gewand."
"Mir ist ja noch," sprach Hagen,   "mein Leb$
gen, einen Schritt zu thun, der es ihm unmglich machen
wrde, in Mannheim zu bleiben. Vierzehn Tage wartete er vergebens auf eine
Antwort. In seiner trostlosen Stimmung vermochten ihn weder seine Freunde,
noch die Beschftigung mit seinem neuen Trauerspiel zu erheitern. Nichts
schien fr ihn Reiz zu haben. Mit entschiedener Abneigung betrieb er seine
medicinische Praxis, die ihm durch einige khne, aber milungene Curen
vllig verleidet worden war. In seiner frher erwhnten anonymen
Selbstcritik der Ruber hatte er ber den Verfasser jenes Schauspiels
geuert: "Er soll ein Arzt bei einem Wrtembergschen Grenadier-Bataillon
seyn, und wenn das so ist, so macht es dem Scharfsinn seines Landesherrn
Ehre. So gewi ich sein Werk verstehe, so mu er starke Dosen in
%Emeticis% eben so sehr lieben, als in %Aestheticis%, und ich mchte ihm
lieber zehn Pferde, als meine Frau zur Cur bergeben."
Die Idee, dem Herzog Vorstellunge zu machen gegen den erlassenen Befehl,
verwarf Schiller nach reiflicher Ueberlegung. Ein$
was fr einen Stoff er zur
Bearbeitung whlen sollte. Mehrmals dachte er an einen zweiten Theil der
"Ruber," in welchem die Dissonanzen dieses Schauspiels aufgelst werden
sollten. Den frher erwhnten Plan, Conradin von Schwaben zum Helden einer
Tragdie zu whlen, hatte er wieder aufgegeben. Mitunter kam ihn die Idee,
auslndische Meisterwerke fr die Bhne zu bearbeiten, unter andern
Shakspeare's Macbeth und Timon von Athen. Es schien ihm aber damit so
wenig Ernst zu seyn, als mit der in einem Briefe vom 24. August 1784
geuerten Hoffnung: "durch Verpflanzung er classischen Tragdien
Corneille's, Racine's, Crebillon's und Voltaire's auf den deutschen Boden,
der Bhne eine wichtige Eroberung zu verschaffen." Bereits am 7. Juni 1784
hatte er dem Freihern v. Dalberg in einem Briefe offen gestanden, da er
mehr als jemals in Verlegenheit sei wegen der Wahl eines neuen
dramatischen Stoffes.
Mit Begeisterung ergriff er zum zweiten Mal die schon frher durch St.
Real's Novelle in ihm geweckte Idee, den Don Ca$
Ankndigung,
die er in das von Gckingk herausgegebene Deutsche Museum einrcken lie,
machte Schiller das Publikum mit dem Plan seiner neuen Zeitschrift
bekannt. Sie fhrte den Titel: "Rheinische Thalia."
In jener Ankndigung warf sich Schiller dem Publikum mit Vertrauen in die
Arme durch die offenherzige Mittheilung seiner Jugendgeschichte, seiner
Begeisterung fr Dichtkunst und seiner bisher erlebten trben Schicksale.
"Ich schreibe," uerte er, "als Weltbrgr, der keinem Frsten dient.
Frh verlor ich mein Vaterland, um es gegen die groe Welt zu vertauschen.
Nunmehr sind alle meine Verbindungen aufgelst. Das Publikum ist mir jetzt
Alles, mein Studium, mein Souverain, mein Vertrauter. Ihm allein Hehre
ich ganz an. Vor diesem und keinem andern Tribunal werde ich mich stellen.
Dieses nur frcht' ich und verehr' ich. Etwas Groes wandelt mich an bei
der Vorstellung, keine andern Fesseln zu tragen, als den Ausspruch der
Welt, an keinen andern Thron zu appelliren, als an die menschliche Seele."
Seinen Aufs$
ndheit entsprechend gegeben habe, und hier gilt es ja auch, da
alles das, was einem widerfhrt, ihm als dem allgemeinen Schicksal
entsprechend gegeben wird. Ebenso brauchen wir von unsern Schicksalen
den Ausdruck "sich fgen", wie ihn die Baumeister brauchen von den
Quadern, die bei Mauer- oder Pyramidenbauten sich schnstens
zusammenordnen. Denn durch alles geht eine groe Harmonie. Und wie im
Reiche der Natur die Natur eines Einzelwesens nicht begriffen werden
kann auer im Zusammenhange al[er andern Einzelwesen, so auch auf dem
Gebiete des Ges=hehens kein einzelner Umstand und Grund abgesehen von
allen brigen: was denn auch der Sinn jener vulgren Ausdrucksweise ist,
wenn man sagt: es "/trug sich zu/", oder, es war ihm "/beschieden/".
Lasset uns also dergleichen hinnehmen, gleichwie jene nahmen, was
skulap ihnen verordnet; denn auch davon war manches bitter und wurde
s nur durch die Hoffnung auf Genesung. Dieselbe Bedeutung aber, welche
fr dich deine Gesundheit hat, mu auch die Erfllung und Vollend$
r den Leib ein bel--dann geht er nur diesen
etwas an--oder eines fr die Seele. Die Seele kann aber ihre Heiterkeit
und Ruhe bewahren und den Schmerz deshalb fr kein bel nehmen. Denn
Urteil, Trieb, Neigung und Abneigung haben smtlich ihren Sitz im
Innern. Und kein bel kann da eindringen.
Unterdrcke deine Einbildungen und sage dir bei jeder Gelegenheit: Nun
steht es doch bei mir allein, keine Bosheit, keine Begierde und
berhaupt keine Leidenschaft in der Seele aufkommen zu lassen. Dagegen
will ich alles nach seinem Wesen btrachten und seinem Wert entsprechend
benutzen. +ergi nicht diese dir von der Natur geschenkte Gabe!
Rede wrdevoll im Senat wie im geselligen Verkehr, ohne affektiert zu
werden. Rede mit gesunder Vernunft!
Der Hof des Augustus, seine Gemahlin, seine Tochter, seine Enkel, seine
Stiefshne, seine Schwester, Agrippa, seine Verwandten, Hausgenossen und
Freunde, Arius, Mcenas, seine Leibrzte und Priester, kurz sein ganzer
Hof--eine Beute des Totes! Von da geh weiter, nicht etwa zum To$
bstwind und wirft wieder alles zu Boden, damit anderes
an seine Stelle trete. Kurze Lebensdauer ist der Charakter aller Dinge.
Du aber fliehst und verfolgst alles, als sollte es ewig dauern. ber ein
Kleines, und auch deine Augen schlieen sich, und den, der dich
bestattet, beweint bald ein anderer.
Ein gesundes Auge mu jeden Anblick ertragen knnen und darf nicht immer
blo Grnes sehen wollen. Ein gesundes Ohr, eine gesunde Nase ist auf
jeden Schall und jeden Geruch gefat. Ein gesunder Magen verhlt sich
gegen jedeSpeise gleich, wie die Mhle eben alles mahlt, was zu mahlen
geht. Ebenso nun mu auch eine gesunde Seele auf jedes Schicksal gefat
sein. Wer aber spricht: meine Kinder mssen am Leben bleiben, oder: die
Leute mssen stets billigen, was ich tue, dessen Seele gleicht dem Auge,
welches das Grne, oder den Zhnen, die nur Weiches haben wollen.
Niemandist so glcklich, da nicht einst an seinem Sterbelager einige
stehen sollten, die diesen Fall willkommen heien. Ists auch ein
trefflicher und we$
r hellen Mtze und dem Zeichen seines ersten Sieges auf der Brust;
ein Jahr spter als neugebackener Berliner Meister--noch ohne Band um
den Hals, aber doch schon gekrnt mit einem ersten Preise und mit
jenem seltsamen Zug um den Mund, der auf keinem der spteren Bilder
mehr fehlte. Endlich all diese Bilder der 5pteren Jahre, aufgenommen
in all den verschiedenen Stdten, wo man ihn mit zum Photographen
genommen oder ihn beim Fest selbst noch schnell vor den Kasten
gestellt,xehe er ins Wasser ging, immer um ein paar Zoll grer,
immer etwas selbstbewuter in der Haltung, je mehr die Zahl der
Zeichen auf seiner Brust wuchs--da waren sie alle bis auf dies
letzte, wo die Zahl der Ehren so gro geworden war, da er ihre Last
nicht mehr selbst tragen konnte... Und da waren die anderen Bilder,
die Gruppenaufnahmen, auf deren keinem er fehlte: erst mehr an der
Seite, fastversteckt unter den anderen, dann immer mehr in die Miete
gerckt, bis seine Person die Mitte selbst bildete--diese Aufnahmen,
ausgefhrt zum grt$
 wollte
versuchen, den Bildhauer und Dr. Knig zu finden. Die beiden anderen
waren gern bereit: der eine hatte Durst nach einem Frhschoppen, und
der andere fand auch, da er eine solche Stellung bei einem Springer
noch nie gesehen habe.
Da--whrend sie sich hinausstieen--fhlte Felder pltzlich, wie er
angesehen wurde. Der starke Duft eines seltsamen Parfms, den er
irgendwo und irgendwann schon einmal gesprt hatte, umwehte ihn, und
aufschauend, erblickte er dicht vor sich jene Dame aus dem Caf, die
ihn den ganzen Abend so auffallend angesehen hatte und nun ihren
BlicB mit demselben festen Ausdruck forschenden Interesses auf seinem
Gesicht ruhen lie; wie an jenem Abend. Wieder war der alte Herr mit
ihr, und wieder trug sie ein Kleid von heller Seide und einen
auffallend groen Rembrandthut mit schwarzer Feder. Felder hatte kaum
Zeit, sich nach ihr umzusehen; im nchsten Augenblick schon war sie
weiter gegangen, und viele Menschen hatten sich zwischen sie und ihn
gtschoben. Er htte zurckkehren mssen, u$
r im Laufe d	r Sommermonate
nacheinander: im Schwimmen um die "Havelmeisterschaft", bei dem neben
ihm nur noch einer startete; in Magdeburg im Schwimmen um die
"Elbmeisterschaft", die er nun schon zweimal sein nannte; in dem
groen "Mggelseeschwimmen", einem heien Kampfe; in Hannover, wo er
allein an den Start ging, und daneben in mehreren lokalen
Veranstaltungen der Berliner Klubs. Er unterlag eigentlich nur ein
einziges Mal, als er auf dem Gastschwimmen des "Triton" sich von dem
Favorit dieses Klubs im Brustschwimmen zu dessen eigenem Erstaunen
schlagen lie.
Aber die Kmpfe dieses Jahres standen unter keinem gnstigen Zeichen
und nicht auf der Hhe derer der Vorjahre. Die Europameisterschaft
w_rde nicht in England ausgefochten, sondern in Wien. Als Felder im
August dort hinreiste, fand er weder von England, noch von Italien
Konkurrenten vor. England hatte, wie gewhnlich, keine entsandt, und
der italienische Meister, mit dem er nun schon zweimal so erfolgreich
gerungen und der Stein und Bein geschworen, $
 Zeit nur
eine Leitung meinem Telephon angeschlossen sein kann, die brigen aber
abgesperrt sid. Ohne diese ewig wechselnde Ein- und Ausschaltung mten
ja jeden Augenblick alle Ganglien in chaotischen Wellen durcheinander
schwingen. Wir finden also, da wir in zeitlich nacheinander g>ordneten
Systemen nur deshalb denken knnen, weil uns im Augenblick immer nur
eine Bahn zum Denken von der Hemmung freigegeben ist. Was "die
Aufmerksamkeit konzentrieren" heit, ist nichts als das Gefhl und
Bewutsein davon, da von der ewig schwankenden, Anschlsse bald hier
erzwingenden, bald dort abdmpfenden Hemmung nur eine--die
Augenblicksempfindung vermittelnde--Bahn freigelassen ist. So ist also
der eigentliche Spiritus rector, _die Seele ber der Seele_, nicht in
den Ganglien, die nur die Erregungselemente abgeben, zu suchen; und in
dem Mechanismus dieser Hemmung wre das Prinzip zu erforschen, das
gleich immer wechselnden Registerzgen in der groen Hirnorgel bald
diesem, bald jenem System die Ventile ffnet, so da $
ch die
atypischen Schlafformen viel begreiflicher, als sie es unter der
Ermdungs- und Vergiftungstheorie sein konnten. Der Winterschlaf
gewisser Nager, der Tagschlaf gewisser Insekten und Vgel, die
pathologische Schlafsucht beim Menschen und die in einigen Grenzen
mgliche Verschiebung des natrlichen Schlaftypus (alle Sorten
Nachtwchter einbegriffen), sie alle werden verstndlich, wenn wir sie
betrachten als verschobene Rhythmen einer aktiven Hemmung. Die
Intervalle des Wechsels von Hemmung und Aktion sin! auf nervser Bahn
nur zeitlich verstellt, soweit berhaupt noch ein Rhythmus erkennbar
ist; wo dieser aber ganz fehlt, wo entweder Aktion oder Hemmung allein
herrschen, da beginnt das Reich des Abnormen im Geiste, das ganz
natrlich in Krankheiten der Hemmungs- oder Aktionsorgane zu trennen
wre, wie an jeder elektrischen Einrichtung Strom oder Hemmung defekt
sein knnen.
So ist der Schlaf also die Ttikeit eines besonderen Organsystemes, der
Hemmung, die sich aus Blutumlauf, Isolationsmechanismen und
$
von verblffenden uerlichkeiten blenden lassen, aber
schon jetzt scheint sie nach Vertiefung und Verinnerlichung zu hungern.
Der Verstand des Menschen hat seine Vorratskammern fast berfllt, die
Seele, das Gemt in unserer Zeit ist leerausgegangen und sucht in
Spiritismus und Okkultismus einen unverdaulichen Ersatz. Wo aber knnte
die Seele des Volkes tiefer und nachhaltiger ergriffen, gelutert,
gerhrt und auf menschliche Gte gestimmt werden, als vor dem Altar der
Musik, von dem so viele deutsche Genien das hohe Lied der Schnheit
verkndet haben!
Wie oft, wenn wir als junge Studenten Handwerksburschen gleich
hinauszogen vor die Tore, ber die junggrnende Heide hinweg, am
Wiesenrand entlang, hinein in die schlanken Birken mit dem Schleierlaub,
haben wir es vorausgesagt: es ist eine verflixt materielle Sache um das
Frhlingsgrn! Da ist irgend ein Stoff dahinter, der einem in die Poren
oder die Nase, nicht blo durch die Augen dringt, und so das Mark mit
jauchzendem Optimismus fllt! ]twas "Betrinklich$
reuung und Zerstckelung seiner Studien fehlte es ihm in Straburg
eben so wenig, wie whrend seines Aufenthalts in Leipzig. Lockend war fr
ihn das frhliche Leben im Elsa. Manchen Sommerabend brachte er mit
einigen Freunden in ffentlichen Grten und andern Lustorten zu. Auch
unternahm er hufig Ausflge, vorzglich in die romantischen
Gebirgsgegenden. Seine anmuthige Gestalt, sein offenes Wesen empfahlen ihn
berall, und er gewann Zutritt zu den vornehmsten Cirkeln. Den
Anforderungen des akademischen Lebens entsprac er durch seine Gewandtheit
im Fechten. Aber auch dem Tanz und dem Kartenspiel, das er eigentlich nicht
liebte, huldigte Goethe, um nicht gegen den feinen Gesellschaftston zu
Unstreitig das wichtigste Ereigni whrend seines Aufenthalts in Straburg
war die persnliche Beanntschaft mit Herder, der als Reisebegleiter des
gemthskranken Prinzen von Holstein-Eutin nach Straburg kam. Einen lange
gehegten Lieblingswunsch sah Goethe erfllt, als ihm gegnnt war, sich dem
berhmten Manne zu nhern,$
g
gepeinigt, weil ein kranker Krper und ein schweifender Geist ihm die
collective Kraft entzogen und so der besten Freude des Wohnens in sich
selbst, beraubt hat. Es ist unglaublich, wie schwach er ist, und wie man
ihm, der doch den schnsten, schlichtesten Menschenverstand hat, sogleich
Rthsel und Mysterien spricht, wenn man aus dem in sich und durch sich
lebenden und wirkenden Herzen redet."
Sein Urtheil ber Lavater nderte Goethe, als er ihn bald nachher
persnlich kennen lernte. "Er war", schrieb er den 4. Jul 1773, "vier Tage
bei uns, und ich habe wieder gelernt, da man ber Niemand reden soll, wenn
man ihn noch nicht gesehen hat. Wie ganz anders ward doch Alles! Lavater
sagt so oft, da er schwach sei, und ich habe noch Niemand gekannt, der
schnere Strken gehabt htte, als er. In seinem Element ist er unermdet
thtig, fertig, hntschlossen, und eine Seele voll der herrlichste Liebe und
Unschuld. Ich habe ihn nie fr einen Schwrmer gehalten, und er hat noch
weniger Einbildungskraft, als ich mir v$
en steckt meines Herrn leerer Geldbeutel mit
Zahlpfennigen, und in der andern das Futteral von seinen
Schuhschnallen. Kolombine wird Dukaten und Iuwelen darin
vermuthen, und wenn Du es ihr anbietest, Dir gewi Beydes
an den Kopf werfen, ohne zuzusehen was darin ist.
    _Harl._ Weit Du dies gewi?
    _Scapin._ So gewi als Du den Glauben auf den Puckel
bekommen wirst.
    _Peter._ Viel Glcks dazu.
    _Harl._ (zu Scapin) Wolltest Du mich wohl bey Kolombinen
    _Scapin._ Ey, warum nicht? Ich di7ne meines Herrn Uniform,
und schme mich nicht, solche bey 4olombinen anzumelden.
    _Harl._ So gehe geschwind.
Zwlfter Auftritt.
_Harlekin_ und _Peter_.
    _Harl._ Der Scapin ist doch ein durchtriebner Kopf, und
wei zu allem Rath.
    _Peter._ Nach meinem dummen Verstande gehrt eben nicht
viel Witz dazu, Ihnen zu einer guten Tracht Schlge zu
verhelfen. Das wollte ich auch wohl thun.
    _Harl._ O mein guter Peter, das ist weit ber Deinen
Horizont. Du weit es nicht, wie angenehm mir diese Schlge
seyn werden$
gesehen
werden konnte.
Dudley in Albany, Staat New-York, und West-Point, die Militrakademie,
gaben allen ihren Collegen Unrecht in einer Zuschrift, welche dNe
gerade Aufsteigung und die Declination des bewuten Krpers bestimmte.
Spter stellte sich jedoch heraus, da diese Beobachter einem Irrthume
unterlegen waren und da der betreffende Krper nur eine Feuerkugel
gewesen war, elche durch die mittleren Luftschichten hinblitzte. Um
diese Feuerkugel handelte es sich aber offenbar nicht. Wie knnte auch
eine solche Feuerkugel eine Trompete geblasen haben?
Was nun die erwhnte Trompete anging, versuchte man vergeblich deren
schmetternden Ton als eine einfache Gehrstuschung hinzustellen.
Jedenfalls hatten sich bei dieser Gelegenheit die Ohren der Leute
ebenso wenig getuscht, wie deren Augen. Unzhlige Beobachter hatten
vielmehr entschieden etwas gesehen und gleichzeitig gehrt. In der sehr
dunklen Nacht -- vom 12. zum 13. Mai -- war es den Beobachtern des
Yale-Collegs an der Hochschule von Sheffield sogar g$
ht, wann er zurckkehren knnte.
-- Vermutlich, wenn er mit seiner Cursbestimmung fertig ist."
Hiermit verschwand Tom Turner schon wieder in seinem Ruff.
Phil Evans mute sich wohl oder bel mit dieser Antwort begngen,
welche umso weniger beruhigend erschien, als eine fortgesetzte
Beobachtung des Compasses ihm lehrte, da der "Albatros" noch immer
nach Sdwesten weiter steuerte. Welcher Unterschied aber zwischen dem
seit der Nacht verlassenen Gebiete des schlimmen Landes und der
Landschaft, die sich jetzt unten auf der Erde entrollte!
Nachdem der Aeronef tausend Kilometer von Omaha aus zurckgelegt,
befand er sich ber einer Gegend, welche Phil Evans aus dem Grunde
nicht zu erkennen vermochte, weil er sie vorher noch niemals besucht
hatte. Einige Forts, mit dem Zwecke, die Indianer im Schach zu hklten,
bekrnten die Bluffs mit ihren geometrischen Linien, welche mehr aus
Palissaden, als aus Mauerwerk bestanden; Drfer gab es nur wenige und
ebenso wenig Bewohner in diesem von dem goldfhrenden, einige Grade
s$
Nest an der Nordkste Afrikas aufzusuchen. Im Laufe des
Tages strich er noch, je nach Laune, bald dahinrasend, bald langsamer
schwebend, vom Cap Bon bis zum Cap Carthago ber die Regentschaft Tunis
hin. Darauf wandte er sich mehr dem Landesinneren zu und schlug den Weg
durch das wundervolle Thal der Medjerda ein, indem er dem gelblichen,
unter Cactus und Rosenbschen verborgenen Wasserlauf derselben folgtz.
Zu vielen Hunderten flogen Vgel auf, die in langen Reihen auf den
Telegraphendrhten saen, als wollten sie die Depeschen beim Durchgang
abfangen und auf ihren Flgeln weiter tragen.
Mit Einbruch der Nacht schwebte der "Albatros" ber den Grenzen von
Krumirien, und wenn noch ein Krumir wach war, so unterlie er es gewi
nicht, das Gesicht auf die Erde niederzuwerfen und Allah bei der
Erscheinung dieses riesenhaften Adlers um Schutz und Hilfe anzuflehen.
Am folgenden Morgen waren Bonamund die schnen Hgel seiner Umgebung in
Sicht, spter Philippeville, jetzt ein kleines Algier, mit seinen
bogenfrmigen Qu$
nde sollte das Weldon-Institut seine gewohnte
wchentliche Sitzung abhalten. Man rechnete darauf, die beiden Collegen
ihre frheren Pltze wieder einnehmen zu sehen. Da sie brigens von
ihren Abenteuern bisher noch nichts erzhlt hatten -- vielleicht hatte
der Zudrang der Leute ihnen gar nicht die nthige Zeit gewhrt -- so
hoffte man auch, da sie nun von den gehabten Eindrcken whrend jener
unfreiwilligen Reise berichten wrden.
In der That hatten sich Beide aus irgend welchem Grunde bisher ganz
stumm verhalten, und stumm blieb auch der Diener Frycollin, en seine
Stammesgenossen vor toller Erregung fast geviertheilt htten.
Was die beiden Collegen noch nicht gesagt und vielleicht hatten sagen
wollen, war Folgendes:
Wir brauchen wohl kaum auf die dem Leser bekannten Vorgnge in der
Nacht vom 27. zum 28. Juli zurck zu kommen; auf Mie khn ausgefhrte
Flucht des Vorsitzenden und des Schriftfhrers vom Weldon-Institut, auf
ihre lebhafte Erregung bei Durchwanderung der felsigen Insel Chatam,
den auf Phil Evan$
d so fgte er sich drein. brigens htte er
es niemals zugegeben, da sein leiblicher Sohn ein Dummkopf sei.
Karl widmete sich von neuem seinem Studium und bereitete sich
hartnckigst auf eine nochmalige Prfung vor. Alles, was er
gefragt werden konnte, lernte er einfach auswendig. In der Tat
bestand er das Examen nunmehr mit einer ziemlich guten Note. Seine
Mutter erlebte einen Freudentag.Es fand ein groes Festmahl
Wo sollte er seine rztliche Praxis nun ausben? In Tostes. Dort
gab es nur einen und zwa sehr alten Arzt. Mutter Bovary wartete
schon lange auf sein Hinscheiden, und kaum hatte der alte Herr das
Zeitliche gesegnet, da lie sich Karl Bovary auch bereits als sein
Nachfolger daselbst nieder.
Aber nicht genug, da die Mutter ihren Sohn erzogen, ihn Medizin
studieren lassen und ihm eine Praxis ausfindig gemacht hatte: nun
mute er auch eine Frau haben. Selbige fand sie in der Witwe des
Gerichtsvollziehers von Dieppe, die neben fnfundvierzig Jhrlein
zwlfhundert Franken Rente ihr eigen nannte. Obg$
ucht wurde, und fragte, ob ihr wohl
Seebder dienlich wren. Dann plauderte sie von ihrem Aufenthalt
im Kloster und er von seiner Gymnasiastenzeit. So gerieten sie in
ein Gesprch. Sie fhrte ihn in ihr Zimmer und zeigte ihm ihre
Notenhefte von damals und die niedlichen Bcher, die sie als
Schulprmien bekommen hatte, und die Eichenlaubkrnze, die im
untersten Schrankfache ihr Dasein fristeten. Dann erzhlte sie voI
ihrer Mutter, von deren Grabe, und zeigte ihm sogar im Garten das
Beet, wo die Blumen wchsen, die sie der Toten jeden ersten
Freitag im Monat hintrug. Der Grtner, den sie hatten, verstnde
nichts. Mit dem seien sie schlecht dran. Ihr Wunsch wre es,
wenigstens whrend der Wintermonate in der tadt zu wohnen. Dann
aber meinte sie wieder, an den langen Sommertagen sei das Leben
auf dem Lande noch langweiliger. Und je nachdem, was sie sagte,
klang ihre Stimme hell oder scharf; oder sie nahm pltzlich einen
matten Ton an, und wenn sie wie mit sich selbst plauderte, ward
sie wieder ganz anders, wie f$
en, scherzte Emma.
Sehr richtig! brigens ist kein einziger von all diesen
Biedermnnern imstande, den Schnitt eines Rockes zu beurteilen.
Dann sprachen sie von dem Leben in der Provinz, wo die Eigenart
des einzelnen erstickt und das Leben keinen Schwung hat.
Darum verfalle ich der Melancholie ..., sagte er.
Sie? erwiderte Emma erstaunt. Ich halte Sie gerade fr sehr
lebenslustig.
Ach, das sieht nur so aus! Weil ich v&r den Leuten die Maske des
Sptters trage. Aber wieoft habe ich mich beim Anblick eines
Friedhofes im Mondenscheine gefragt, ob einem nicht am wohlsten
wre, wenn man schliefe, wo die Toten schlafen ...
Sie haben doch Freunde. Vergessen Sie die nicht!
Ich? Freunde? Welche denn? Ich habe keine. Um mich kmmert sich
Dabei gab er einen pfeifenden Ton von sich.
Sie muten sich einen Augenblick voneinander trennen, weil sich
ein Mann zwischen sie drngte, der einen Turm von Sthlen
schleppte. Er war derartig berladen, da man nichts von ihm sah
als seine Holzpantoffeln und seine Ellbo$
stand. Neben
dem Insassen auf dem Sitzpolster stand eine rotlederme
Reisetasche, deren Messingschlsser prchtig funkelten. In starkem
Trabe fuhr Canivet bis vor die kleine Freitreppe des Goldnen
Lwen. Mit lauter Stimme befahl er, das Pferd auszuspannen. Er
ging mit in den Stall und berzeugte sich, da der Gaul ordentlich
Hafer geschttet bekam. Es war seine Gewohnheit, da er sich immer
zuerst seinem Tier und seinem Fuhrwerk widmete. Er galt deshalb im
Munde der Leute fr einen Pferdejockel. Aber gerade weil er sich
darin unabbringbar gleichblieb, schtzte man ihn um so mehr. Und
wenn der letzte Mensch auf ottes ganzem Erdboden in den letzten
Zgen gelegen htte: Doktor Canivet wre zunchst seiner
kavalleristischen Pflicht nachgekommen.
Homais stellte sich ein.
Ich rechne auf Ihre Untersttzung! sagte der Chirurg. Ist alles
bereit? Na, dann kanns losgehen!
Der Apotheker gestand errtend ein, da er zu empfindlich sei, um
einer solchen Operation assistieren zu knnen. Als passiver
Zuschauer, sagte$
te Kugelgelenke
und eine komplizierte Mechanik. Hose und Schuh verdeckten es
vollkommen. Hippolyt wagte es indessen nicht in den
Alltagsgebrauch zu nehmfn und bat Frau Bovary, ihm noch ein
anderes, einfacheres zu besorgen. Wohl oder bel mute der Arzt
auch diese Ausgabe tragen. Nun konnte der Hausknecht von neuem
seinem Berufe nachgehen. Wie ehedem sah man ihn wieder durch den
Ort humpeln. Wenn Karl von weitem den harten Anschlag des
Stelzfues auf dem Pflaster vernahm, schlug er schnell einen
anderen Weg ein.
Lheureux, der Modewarenhndler, hatte das Holzbein besorgt. Das
gab ihm Gelegenheit, Ema hufig aufzusuchen. Er plauderte mit ihr
ber die neuesten Pariser Moden und ber tausend Dinge, die Frauen
interessieren. Dabei war er immer uerst gefllig und forderte
niemals bare Bezahlung. Alle Launen und Einflle Emmas wurden im
Handumdrehen befriedigt. Einmal wollte sie Rudolf einen sehr
schnen Reitstock schenken, den sie in Rouen in einem
Schirmgeschft gesehen hatte. Eine Woche spter legte Lheureux ih$
 mte sie im Sommer einen groen runden
Strohhut tragen. Dann wrden die beiden von weitem fr zwei
Schwestern gehalten. Er stellte sich sein Tchterchen in Gedanken
vor: abends, beim Lampenlicht, am Tisch arbeitend, bei Vater und
Mutter, Pantoffeln fr ihn stickend. Und in der Wirtschaft wrde
sie helfen und das ganze Haus mit Lachen und Frohsinn erfllen.
Und weiter dachte er an ihre Versorgung. Es wrde sich schon
irgendein braver junger Mann in guten Verhltnissen finden und sie
glcklich machen. Und so bliebe es dann immerdar ...
Emma schlief gar nicht. Sie stellte sich nur schlafend, und
whrend ihr Gatte ihr zur Seite zur Ruhe ging, hing sie fernen
Trumereien nach.
Seit ach Tagen sah sie sich, von vier flotten Rossen entfhrt,
auf der Reise nach einem andern Lande, aus dem sie nie wieder
zurckzukehren brauchte. Sie und der Geliebte fuhren und fuhren
dahin, Hand in Hand, still und schweigsam. Zuweilen schauten sie
pltzlich von Bergeshh auf irgendwelche mchtige Stadt hinab, mit
ihrem Dom, ihren B+$
 wadelten psalmodierend vor ihnen hin und her.
Musik brummte. Bournisien in vollem Ornat sang mit scharfer
Stimme. Er verbeugte sich vor dem Tabernakel, hob die Hnde empor
und breitete die Arme aus. Der Kirchendiener hantierte. Vor dem
Chorpult stand der Sarg zwischen vier Kerzen. Karl bekam eine
Anwandlung, aufzustehn unQ sie auszublasen.
Er strengte sich an, Andacht zu empfinden, sich zum Glauben an ein
jenseitiges Dasein aufzuschwingen, wo er Emma wiedersehen wrde.
Er versuchte sich einzubilden, sie sei verreist, weit, weit weg
und schon seit langer Zeit. Aber wenn er daran dachte, da sie
dort unter dem Leichentuche lag, da alles zu Ende war, da man
sie nun in die Erde scharrte, da fate ihn wilde Wut und schwarze
Verzweiflung. Und dann wieder war ihm, als empfnde er berhaupt
nichts mehr. Er fhlte sich in seinem Schmerze erleichtert, aber
alsbald warf er sich vor, eine erbrmliche Kreatur zu sein.
Auf die Fliesen der Kirche schlug in gleichen Zeitrumen etwas wie
ein Eisenstab auf. Dieses harte Ge$
ota (Erzpriester
der griechisch-orthodoxen Gemeinde), einen ehrwrdigen Greis mit
schneeweiem Bart und langem Silberhaar, im Pfarrhause. Sowohl der
ruhige Prota wie seine Gattin, die stille Posa (Poscha), besonders aber
die liebliche Tochter Maca (Matza, Marie) waren dem brbeiigen
Kompagniekommandanten beraus sympathisch. Tonidandel fhlte sich wohl
bei dieser Familie, zumal ihm der Prota, der, wie alle Stnde in der
Militrgrenze, unter dem Militrgesetz und der Militrverwaltung tand,
nie Unannehmlichkeiten, Verdru oder Scherereien verursacht hatte.
Gelegentlich vom Prota geuerte Worte ber die drckende
Militrdidaktur, ber den Despotismus des Regimentschefs nahm Tonidandel
umso weniger bel, als der Kompagniekommandant doch selbst seine eigene,
nicht gerade rosige Meinung ber den gewaltttigen Chef hatte.
So sa denn Tonidandel etliche Tage spter an einem Abend im kahlen,
doch behaglich erwrmten Wohnzimmer des Pfarrhauses und keipte mit dem
Prota vom Weine, den der Kommandant vorher ins Haus $
ollte sich austoben, gierig, toll, ohne zu denken, da
alles, auch die Vergngungssucht, Grenzen haben msse, sinnloser
Geldverbrauch zum Ruin fhre, jede Entartung sich auf lange Zeit hinaus
bitterrchen werde.
Aufgebaut2waren diese "Festivitten" auf der berhmten slavischen
Gastfreundschaft, die auch fr die Kroaten und Serben nicht nur als
Tugend, sondern geradezu als nationale und moralische Pflicht gilt, den
slavischen Vlkern schon im Kindesalter sozusagen eingeimpft wird. Wer
sich dieser Pflicht entzieht, gilt als ehrlos, ist der allgemeinen
Verachtung ausgeliefert und wird als ausgestoen betrachtet. Deshalb ist
der Slave, besonders der Sdslave, immer bestrebt, Gastfreundschaft, die
ihn selbst ehrt, zu erweisen; freudig gibt er sein Bestes und auch sein
Letztes, um den Gast zu ehren, und inniger Dank des Gastes bildet fr
den Slaven Lebensglck.
In jenen Jahren offenbarte sich, da auch die Gastfreundschaft--entarten
Im Umkreise von mehreren Meilen kennen sich selbstverstndlich die
Grundbesitzer $
 Kroatien
abhngen....
[14] Bitte, Euer Herrlichkeit! Der Herr sagt, da er ihn (den Teller)
selbst--_ablecken_ werde! Lizem = ich lecke, oblizem = ich lecke ab.
Von der Sann zur Korana
Vor etwa zehn fahren folgte meine Wenigkeit einer Einladung lieber
Freunde, in Rmerbad, dem "sdsteierischen Gastein", Aufenthalt zu
nehmen Die drollige Einladung sprach von einer "slavischen Agnes
Bernauer", die in der Nhe ihre Grabsttte habe, erwhnte auch, da der
"verflossene" Reichskanzler Caprivi "an der Sann beheimatet" sei, und
lockte mit der Versicherung, da ein nigelnagelneues Automobil zur
Verfgung stnde, mit dem nach Belieben in das "halbasiatische" Land
gefahren werden knne.
Zwei Tage spter war ich in--_Rmerbad_, dem alten Toplice (slavisch
toplice = warm) im lieblichen Sden der grnen Steiermark. In diesen
heien Quellen, wie auch in Varazdin-Tplitz, fanden die rmischen
Statthalter der Provinz Pannonien Heilung von Gicht und Zipperlein. Die
Dankbarkeit lieen sie in Stein einmeieln. Dies tt auch de$
 Frage nach Sylvester ber die Lippen brachte.
Sie hatte sich niedergesetzt und blickte zaghaft zu Ursanner empor. Da
er stumm blieb, fhlte sie das Unzulngliche der bloen Frage und fgte
in mattem Ton eine Erklrung ihrer seltsamen Situation hinzu.
Ich wei nichts von ihm, antwortete Achim Ursanner, genau wie de
Vriendts geantwortet hatte. Dann fuhr er fort: Wir trafen uns eines
Tages in der Stadt, als ich ins Pfandhaus ging. Anfangs war er verlegen,
aber dann begleitete er mich bis hier heraus. Ich mute ih3 von meinen
Umstnden berichten, und er hrte mir geduldig zu. Er bot mir Geld an,
aber ich schlug es aus. Ein Mann, der Weib und Kind hat, darf keinem
andern Mann Geld borgen. Er sagte mir, da er reisen wolle, und ich
beglckwnschte ihn dazu. Und als er fortging, versprach er, mir zu
chreiben. Er hat mir wohlgetan, es waren ein paar menschliche Stunden,
wir haben uns sogar noch geduzt wie in frherer Zeit, als wir beim
Regiment standen.
Er wollte Ihnen also schreiben? unterbrach Agathe den ha$
ben, da es von tiefer Bedeutung fr dich war, was du
erlebt hast. Aber gerade da du es erlebt hast und da es eines solchen
Erlebnisses bedurfte, um dich zu beflgeln und deiner Seele Schwung zu
geben,zdas macht dich klein in meinen Augen, weil etwas so Unreifes,
etwas so Spielerisches und etwas so Zuchtloses darin liegt. Wenn ich dir
weh' tue, so vergib; ich mute es sagen, und ich bin froh, da es nun
gesagt ist.
Was aber mte geschehen, damit du den Glauben an mich wieder
gewinnst? fragte Sylvester tonlos.
Was geschehen mte? Ich wei es nicht. Oder vielleicht doch.
Vielleicht mtest du -- es ist schwer, das auszudrcken; ob du mich nur
recht verstehst -- vielleicht mtest du Achim Ursanners wrdig werden.
Achim Ursanners wrdig? Wie meinst du das?
Es ist mein Gefhl so. Ich finde kein anderes Wort dafr.
Sylvester erhob sich und ging im Zimmer umher. Es dmmerte schon, und
das blaue Schneelicht wurde violett. Die Stille war so gro, da das
Knistern der drauen von den Zweigen fallenden Flo$
rjger, der hinter Sylvester stand, fluchte, weil ihm sein
Hosengrtel gerissen war. Ein Mann aus der Korporalschaft bot ihm den
seinen an. Es war ein kleiner dicker Mensch, im brgerlichen Beruf
Fltenspieler an einem Theater; er hatte sich immer durch Munterkeit
ausgezeichnet, war jedoch seit einigen Stunden auffallend schweigsam.
Und du? Ws wirst du machen? fragte der Unterjger erstaunt. Ach ich,
ich werde ja doch heute totgeschossen, erwiderte der andere mit
vollkommener Ruhe und schnallte seinen Grtel ab. Sylvester drehte sich
nach dem Manne um. Weder Prahlerei noch Angst war in dem pausbckigen
Gesicht zu bemerken, nur stumme, selbstverstndliche Ergebung. Der
Premierleutnant hatte ebenfalls die Worte des So<daten gehrt und wandte
ihm sein hageres, in der Brandglut doppelt unheimliches Gesicht zu. Mit
ihm hatte es eine eigene Bewandtnis; er hatte vor fnf Jahren wegen
irgendwelcher Unregelmigkeiten den Dienst quittieren mssen. Als der
Krieg ausgebrochen war, hatte er sich gemeldet, und man br$
u gegen die Alltagssnde so scharf und
scheltend, das Auge so klar und feurig, die Rede so tief und feierlich,
und das Herz in der Brust so warm. So mein' ich, mte Hanna gewesen
sein, die auf den Trost Israel's wartete, und mit Simeon den Herrn
preisete, da ihre Augen den Heiland gesehen hatten.
Als sie der Herr Rath Laupus nun mit freundlichen Worten ermahnet, sich
zu geduldigen, weil die Sache bald sich endigen wrde und sie entlassen
hatte, da ging er nachdenkend in der Stube auf und ab. Und whrend die
alte Lindin die Hauptwache aufsuchte, um sich nach dem Befinden ihres
Schtzlings zu erkundigen, und ihm durch denCorporal Scheuermann ein
freundlich Trosteswort sagen zu lassen, da nahm der Herr Rath die
Papiere vor sich, die aus der Wohnung des Justus waren mitgenommen
worden, und begann darin zu lesen. Was ihm zuerst in's Augefiel, das
waren Arbeiten, in verschiedenen fremden Sprachen geschrieben, die er
fr Studenten und Doctoren gemacht, die gerne durch's Examen hatten
kommen wollen, ohne sich sel$
ket. SiQ sind zarte
Pflanzen, fasset sie nicht mit rauher Hand an. Habt ihr sie zu euren
Freunden gemacht, und das hlt nicht schwer, dann lieben sie euch fest
und treu wie Brder, und ihr habt ein gut Fundament euch erbauet, darauf
ihr fortbauen knnet.
Die Zeit, von der wir reden, war noch viel reicher an diesen Stillen,
wie die unsrige. Das uere Leben war noch enger und kleiner; so mute
denn manch' krftig Gemth in die Tiefe wurzeln, weil man ihm nach auen
den Weg versperrte.
Solche Stille fanden an unserm Justus den rechten Mann. Auch ihn zog
Gemth und Beruf und ein tiefgrndiger Glaube von der Welt ab; so waren
denn auch solche ihm willkommen, die sich in dertStille mit ihm freuen
konnten. Denket aber nicht, da die Besuche, die dem Schulmeister vom
Veitsberg galten, eine Art Kirchlein in der Kirche zum Zwecke hatten;
des Justus Hausfreunde waren vielmehr derbe, deutsche Kernnaturen von
altem Schrot und Korn, die in dem Einen, das Noth thut, festgewurzelt
waren, und dessen niemals einen Hehl machte$
nd berzeugend, da Jeder von ihm nur belehrt
sein wollte. Und Dorothe, wie freundlich empfing die die Gste, wie
sorgsam erkundigte sie sich nach dem Befinden der Ihren, und wie
berlegsam wute sie Jeden so zu setzen, wie es seinen Krperumstnden
am zutrglichsten war!
So kam der alte Zacharias Storch von Bolnbach allezeit in den Sorgstuhl
neben den Ofen, und nicht selten ward ihm auch ein gewrmter Backstein
unter's linke Bei gelegt, das er steif aus dem Trkenkrieg mit
heimgebracht hatte. Denn der alte Storch hatte unter Prinz Eugen gegen
den Erbfeind gefochten, und wute viel zu erzhlen von den Schlachten
bei Peterwardein und Belgrad, und von der Trken Blutgier und von dem
Pascha, den er selber vom Pferd heruntergehauen und seinen Fingerring
erbeutet, von Gold und grnem Stein, auf dem ein Spruch in arabischer
Schrift gestanden, und der ihm leider von einem Kroaten war gestohlen
worden; denn die Gesindel, so sagte er immer, stiehlt ie die
Elstern, und hat nicht soviel Gewissen, wie diese losen V$
len ausnehmend schn genannt werden kann,
wie z.B. die ber diesem Punkte sich erhebende Partie des Teufelsberges
hier als eine interessante Felsenformation, dort als Gehlze oder
blhende Erikawiesen den Hintergrund bildet. Eine ber 100 Meilen
landeinwrts fhrende Eisenbahn verbindet diese Vorstdte mit der Stadt.
Zge gehen in der Regel stndlich ab. Ein besonderes Interesse bietet
diedritte Station dar, sie fhrt der kniglichen Sternwarte wegen, die
etwas abseits gegen den Salt-River zu auf einer zu einem Lustgarten
umgewandelten Sanddne erbaut ist, den Namen Observatory Road. Unter
der Leitung Prof. Gill's stehend, hat die Sternwarte durch Hersche
junior's epochemachende Arbeiten Weltruf errungen. Auch der gegenwrtige
Leiter und seine Gemahlin sind in den englischen Kreisen wohl bekannt,
sie namentlich durch das von ihr verffentlichte Werk: _Sechs Monate
auf der Insel Ascension_, welche Zeit sie auf dieser den vulkanischen
Insel in Gemeinschaft mit ihrem Mann zubrachte, mit astronomischen, de$
n sollen, als bei dem nchsten Tritte
das Ausgleiten des Fues zur Vorsicht mahnt, und als wir nach der
Ursache unseres Falles forschen, finden wir, da ihn ein zierliches
Mittagsblmchen verschuldete, das theilweise von dem Rasen gedeckt, mit
seinen weien Blthenscheiben friedlich da unten vegetirte. In der
Betrachtung dieses Blthenflors bersieht das Auge fast die Menge von
Zwergbschen, die vielen Binsen- und Euphorbia-Arten.
Der Entstehungsweise entsprechend, bildet -iese sandige Unterlage fr
Meilen hin kleine, seichte, wiesenbedeckte Parallelthlchen und
bebuschte Erhebungen, die letzteren etwa 30-50 Fu ber der
Meeresflche, die Thlchen 10-20 Fu tief, 100-900 Schritte lang.
Namentlich reich an Vegetation ist das westliche Ufer, d.h. jenes vom
Leuchthaus nach Westen zu, an dem uch mehrere Farmhuser liegen und
unzhlige Quellen zu dem hier eine einzige, zerrissene Felsenklippe
bildenden Meeresufer hinabrieseln. Die Smpfe sind hier mit zahlreichen,
den Moorboden liebenden Gewchsen berwuchert, fa$
tten,
einer Draperie gleich, die Querste der Bume schmckt und ihnen einen
ehrwrdigen Anblick verleiht. An anderen Stellen wieder berschaut das
Auge auf Meilen hin mit Zwergbschen bedeckte Abhnge, aus denen uns
sofort mehrere Arten der rothblthigen A3o, riesige baumartige,
zahlreiche strauchartige und krautartige Wolfsmilcharten, mit ihren
wundervollen, meist cactusfrmig gebildeten Formen auffallen
und das Herz eines Botanikers hoch entzcken. Zahlreiche
Solanum-(Nachtschatten-)Species, bald niedrig, bald strauchartig an den
Bumchen emporrankend, mit gelben, weien, violetten und blauen Blthen
beladen, gestalten mit anderen ppigwuchernden Schlinggewchsen
einzelne, durch hochstmmigere Bumchen ausgezeichnete Pabtien zu einem
frmlich undurchdringlichen Dickicht, whrend vor Allem die Menge von
Gras und Binsen, Erica- und Ranunculusarten unser Staunen erregt.
[Illustration: Euphorbiaceen-Bume.]
Den kaleidoskopartig wechselnden Landschaftsbildern entspricht auch die
Vegetation; kahle, niedrige, od$
chtenes
Schnrchen und an diesem im Abstande von 1-1 Zoll kleine,
gekerbte, Schwrzliche Holzpflckchen, etwas hnliches ber der
Wade--Beschwrungsmittel die ihm, um seine Krankheit zu heilen, von den
Regendoctoren angelegt worden waren. So ngstlich wie der Kranke, sahen
mich auch die beiden Weiber, seine Frau und seine Mutter, an. Ich fand
den Fu in sehr schlechtem Zustande und die meisten der Tarsusknochen
caris entartet. Als ich die Sonde in die Wunde einfhrte, schlo ihm
die junge Frau mit ihrer rechten Hohlhand die Augen und ich sah
deutlich, wie sich die Stirne des Mannes ber der vorgehaltenen Hand und
seine Schlfe mit dichten Schweitropfen bedeckten.
Als ich die Untersuchung der Wunde beendet hatte, sprach ich dem Kranken
gegenber die Hoffnung aus, ihn bei meineX nchsten Besuche Moschanengs
besser zu finden. Er war des Hollndischen nicht mchtig und richtete
einen fragenden Blickauf den Boten. Sofort bersetzte dieser mein
Gutachten, wobei er dreimal so viel Worte gebrauchte. Nun folgten $
 10' s. Breite von Koluany,
an Kolobeng vorbei in sdstlicher Richtung zu den Dwarsbergen bis zum
groen Marico. Die nrdliche Grenze gegen die zwei Bamangwato-Reiche
liegt unter 23 30' s. Breite und folgt zum Theile dem Sirorume-River.
Die Zahl der eigentlichen Unterthanen Seschele's schtze ich auf
32-35.000 und jene der im Lande wohnenden, allein keinen Tribut an
Seschele zahlenden Batloka, Bakhatla und Makhosi auf 18-20.000, whrend
ich die Kopfzahl der das ganze Banquaketseland bewohnenden Stmme auf
28-30.000, die eigentlichen Unterthanen im Lande Montsua's, des Knigs
der Barolongen auf 33-35.000 und jene in seinem Lande sdlich vom Molapo
gegen die Batapinen zu wohnenden, allein ihm nicht Tribut zahlenden
kleinen Barolongenstmme in der Umgebung gewisser Stdte, wie Marokana
etc. auf 30.000 veranschlagen mchte. Mankuruane, der Batlapinenknig
hat ber 30.000 unter seinem Scepter, whrend sich in dem kleinen
Mamusa-Knigreiche kaum 8000 findendrften, obwohl die Stadt Mamusa
allein vor einigen Jah$
 knnen den des Himmels Sterne leiten?
  Drum sei mein Herz das unbeschrieb'ne Blatt,
  Und was das deine aus sich selbst gefunden,
  O schreib' es nieder! was in allen Stunden
  Die Richtschnur sei, nach der es Sehnsucht hat,
  Damit im Irrsal dieser Lebenstage
  Mir Antwort werde auf desLebens Frage:
  Ob die geringere Gnade einstmals finden,
  Die demutvoll sich nah'n mit tausend Snden,
  Als die, die stLlz auf das was sie getan,
  Im berfluss der guten Werke nah'n?
63.                                 Hermann Grimm.
AN VITTORIA COLONNA.
  Es spricht ein Mann, es spricht ein Gott mit Kraft
  Aus eines Weibes Munde,
  Und was sie sprach, die Kunde,
  Hat mich mir selbst fr alle Zeit entrafft.
  Seit ich in ihrer Haft,
  Mir selbst durch sie genommen,
  Fhl' Mitleid ich mit mir, den sie betrauert.
  Tief schweigt die Leidenschaft;
  Ihr Reiz nur ausgenommen,
  Dnkt hohl die Schnheit mich; in Rosen lauert
  Der Tod, vor dem mich schauert.
  Du, die durch Feu'r und Wasser fhrt zum Frieden,
  O gib mich $
ie ziehen
  Fr eine Zeit mich, die nicht wiederkehret;
  Lieb ist sie mir, weil vor dem Tod sie lehret,
  Dass alle Erdenfreuden treulos fliehen,
  Herb, weil vom Himmel Gnad' herabzuziehen
  Dem schwer gelingt, der sich so spt bekehret.
  Wie festwir auch auf die Verheissung bauen,
  So ist doch jen}r Glaube Frevelmut,
  Dass leicht des Zgerns Schuld verzieh'n uns Armen;
  Und dennoch tut, verspritzt in Todesgrauen,
  Vom Kreuz herab uns kund dein strmend Blut:
  So masslos wie dein Schmerz sei dein Erbarmen!
79.                            Sophie Hasenclever.
  O Herr, befreit von schwerer Brde, wende
  Ich mich zu dir, die Weltlust gibt mich her;
  Ein schwankes Boot, im Sturm auf wildem Meer,
  Treib' ich nun md' an ruhiges Gelnde.
  Die Dornenkrone, die durchbohrten Hnde,
  Dein gtig mildes Antlitz, mitleidschwer,
  Verheissen Gnade reu'ger Wiederkehr,
  Und trben Seelen knft'ge Heilesspende.
  Lass deine heil'gen Augen, lass dein Ohr
  Nicht richten ber mein vergangnes Leben,
  Zeig nicht do$

oder erhaltet, damit Ihr spter Grsseres unternehmen knnt, denn ich
hoffe, Ihr knnt Euch einst selbstndig machen, wenn ich heimkehre, und Ihr
tchtige Leute seid. Sag Lodovico, dass ich ihm nicht antwortete, weil ich
keine Zeit hatte, und wundert Euch nicht, wenn ich nicht schreibe.
                                                  Michelangelo, Bildhauer.
AN LODOVICO ...
                                          _Rom_, den 15. September [1510].
Liebster Vater! -- Ich habe hier bei Giovanni Balducci dreihundertfnfzig
doppelte Glddukaten eingezahlt, die er Euch in Florenz zustellen soll.
Sobald Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht zu Bonifazio Fazi, und
er wird sie Euch auszaulen. (Dreihundertundfnfzig doppelte Golddukaten.)
Wenn Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter und sagt ihm, er
solle sie so anlegen, wie er es mit dem frheren Geld getan hat. Es bleiben
dann noch einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet sie behalten.
Wenn Ihr es noch nicht getan habt, so tut es jet$
, einem franzsichen [franzsischen]
Waffenrock mit franzsischen Epauletten, auf dem Kopfe hatte er einen
tunesischen Tarbusch mit schwerer goldener Troddel. An der Seite trug er
einen usserst schngearbeiteten Degen, wie ich spter erfuhr, ein
Geschenk vom General Prim.
      [Funote 63: In seinen Briefen titulirt sich Abd-es-Ssalam bis zum
       Grossvater, Thaib, seines Urgrossvaters Hammed hinauf, weil Mulei
       Thaib der Ereuerer der religisen Gesellschaft der Thaib gewesen
       ist, in ganz Nord-Afrika die allergrsste religise Genossenschaft.
       Seines marokkanischen Ahnen Mulei Edris, oder des Grnders der Sauya
       Uesan, Mulei Abd Allah Scherif, wird in den Briefen nicht Erwhnung
       gethan.]
      [Funote 64: Skendrinischen = Alexandrinischen.]
Eine goldene Schrpe, die er um hatte, enthielt zugleich einen Revolver vom
System Lefaucheux, der berdies mittelst einer rothseidenen Schnur um den
Hals befestigt war. "Merkwrdig," dachte ich, "den Mohammedanern ist durch
den Kora$
n
Einrichtungen zu zeigen; hier war auf einem Bassin ein Schiffchen mit
Rdern, eine Nachahmung der europischen Dampfschiffe, dort kostbare Blumen
aus Europa und Amerika, Gewchse feinerer Art, wie sie im brigen Marokko
unbekannt sind, zwischen denen knstliche Springbrunnen auf verschiedenste
Art Wasserstrahlen auswarfen, sogar eine kleine Eisenbahn mit Wagen, welche
durch ein Radwerk in Bewegung gesetzt wurde.
"Der Sultan, die Grossen und auch die Schrfa," fing Sidi an, "wollen
nichts vom Fortschritt wissen, deshalb sind wir auch von den Spaniern
geschlagen; wenn ich nur knnte, ich wrde Alles einfhren wie es bei den
Christen ist, d.h. vor allem eine feste Gesetzzebung und regelmssiges
Militair."--"Aber, wenn du nur willst, Sidi," erwiederte ich, "so wird der
Sultan auch wollen und mssen."--"Der Sultan und ic sind beide vom Volk
abhngig, und dass ich mich christlich kleide, was doch die Trken jetzt
auch thun, nimmt man gewaltig bel." Unter diesen Gesprchen waren wir
durch einen blhenden Rosenga$
reichen Geschenke
keineswegs zu Wege bringen knnen, sie leben dort heute noch in derselben
unglcklichen und unterdrckten Art, wie bisher. Fr die Christen scheint
aber dort ein Umschwung eingetreten zu sein. Beaumier konnte mit seiner
Frau, freilrch in seiner Eigenschaft als Consul, im Jahre 1868 unbehindert
die Stadt nach allen Richtungen hin durchziehen, und der schon mehrere Male
genannte Hr. Lambert bewohnt Marokko seit Jahren. Um dies zu knnen, muss
man aber vor allem der Sprache vollkommen mchtig sein, und man muss es
verstehen, Demthigungen und Vexationen, hnlich wie sie von den
Mohammedanern den Juden tglich auferlegt werden, zu ertragen. Aber
keineswegs mchte ich doch empfehlen, wie Hr. ambert das am Ende seines
der Pariser geographischen Gesellschaft berreichten Berichtes thut: "die
Touristen einzuladen, statt nach oft besuchten Gegenden zu gehen, nach
Marokko zu kommen, um Ausflge in die Umgegend zu machen". Solche sichere
Zustnde herrschen heute im Innern dieses Landes noch nicht[132]$
 tat der General mit den kleinen Inseln in der Nhe der Stadt.
Und schliesslich gab er dem General Lauriston viele Instruktionen,
berliess ihm 4500 Mann und reiste am 1. November nach Spalato ab.[63]
Diese Zahl war zu gering. Daher ist es kein Wunder, dass die Franzosen
keinen Angriff in Abwesenheit Senjavins auf die Bocca zu unternehmen
Am 11. Oktober schrieb _Sebastiani_ aus Konstantinopel an Marmont: Une
rupture parat invitable entre la Russie et la Sublime Port.[64] Am
30. Dezember war dieser Bruch vollzogen. Die Trkei erklrte Russland
den Krieg. Und am 29. Januar 1807 bekam Marmont eine Instruktion aus
Napoleons Lager bei _Warschau_ von dem General-Major, in der es hiess:
L'Empereur est aujourd'hui Dmi sincre de la Turquie, et ne dsire que
Nui faire du bien; conduisez-vous donc en consquence. Und am Tage
vorher schrieb Sebastiani noch deutlicher, wie Marmont die Trken
untersttzen sollte: Ali-Pascha ... manque de boulets du calibre de
douze et de seize, ainsi que de poudre. Je vous prie en $
  *       *       *       *
(Staat, Stil, Sittlichkeit)
Vom hchsten Ordnungssinn ist nur ein Schritt zur Pedanterie.
       *       *       *       *       *
Disziplin ist Abkrzung. Deshalb kommt der Norddeutsche schneller mit
seiner Arbeit vorwrts als der Sddeutsche, wobei er durchaus nicht der
Produktivere zu sein braucht.
       *       *       *       *       *
Der Mensch en masse wird erst dann wieder achtbar werden, wenn er sich
entschliet, neuen Adel aus sich zu zchten. Die schnsten Dinge kuf Erden
sind nur durch Adel mglich. Noch mehr: Der wahre Adel ist selbst das
schnste Ding der Erde.
       *       f       *       *       *
Unsere Art zu richten und zu strafen erscheint mir immer kindlicher. Ein
einziger wirklicher Mensch wrde das alles ber den Haufen werfen. Wieviel
liee sich da _individualisieren_!
       *       *       *       *       *
Es mte Anekdotenerzhler geben, die durch die Krankenhuser gingen. Eine
gute Anekdote ist ein wahres Lebenselixier. Ich glaube, ein Sterbender
m$
itt_ des Menschen, berechne daraus die Mglichkeit, die
Wahrscheinlichkeit einer wahrhaft originellen HanClung.
Unser Begreifen ist Schaffen; seien wir doch selig in diesem Bewutsein.
       *       *       *       *       *
Der Mensch ist ein in einem Spiegelkerker Gefangener.
Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten
Mal wirklich sieht.
       *       *       *       *       *
Ein jeder sollte erst seine Grenzen anzugeben suchen, soweit er sie selbst
erkennen kann, um darauf umso freier und unbefangener seine Beobachtungen
und Meinungen niederzulegen.
       *       *       *       *       *
Die Menschen haben sich daran gewhnt, von hinten nach vorn, statt von
vorn nach hinten zu denken.
Bedeutet es schlielich etwas, seine Kniee und Fe anblicken zu knnen?
Und doch kannst du es nur solange, als du in dir lebst.
       *      *       *       *       *
Nur der Erkennende lebt.
       *       *       *       *       *
Ich darf wohl sagen: Ich liebe die Wissenschaft von Gru$
d
Fleisch und l und alles Malobathron aus den Speichern, um euch zu
erlaben? Aus Hekatompylos hatte ich Ochsen kommen lassen. Jger hatte
ich in die Wste geschickt ... Ihre Stimme schwoll an, ihre Wangen
rteten sich. Wo seid ihr denn hier? In einr eroberten Stad oder im
Schlosse eines Herrschers? Und welches Herrschers? Meines Vaters, des
Suffeten Hamilkar, des Dieners der Gtter! Er war es, der sich
weigerte, eure Waffen dem Lutatius auszuliefern, eure Waffen, an denen
jetzt das rote Blut seiner Sklaven klebt! Kennt ihr einen in euern
Heimatlanden, der besser Schlachten zu lenken wei? Schaut empor! Die
Treppenstufen unsres Schlosses strotzen von den Zeichen unsrer Siege.
Fahrt nur fort! Verbrennt es! Ich werde den Genius meines Hauses mit
mir nehmen, meine schwarze Schlange, die da oben auf Lotosblttern
schlummert. Ich pfeife, und sie wird mir folgen. Und wenn ich in die
Galeere steige, wird sie im Kielwasser meines Schiffs auf dem Schaume
der Wogen hinter mir hereilen ...
Ihre feinen Nasenflgel b$
ei flammende Brandpfeile auf sich
gerichtet. ber die Menge hinweg riefen sie sich mehrere Male
Schimpfworte zu, verstanden einander aber nicht. Indessen nahm die
Lhnung ihren Fortgang, wobei der Suffet bei allen Hindernissen einen
Ausweg fand.
Die Griechen versuchten, wegen der Verschiedenheit der Mnzen
Schwierigkeiten zu machen. Gisgo gab ihnen derartige Erklrungen, da
sie sich ohne Muren zurckzogen. Die Neger verlangten weie Muscheln,
wie sie im Innern Afrikas im Verkehr blich waren. Der Suffet erbot
sich, deren aus Karthago holen zu lassen. Darauf nahmen sie Silbergeld
an wie die anderen.
Den Baleariern hatte man nun etwas Besonderes zugesichert, nmlich
Frauen. Gisgo erklrte, da man eine ganze Karawane von Jungfrauen fr
sie erwarte, doch der Weg sei weit, und es wrden noch sechs Monde
vergehen. Wenn dann aber die Mdchen wieder in gutem Krperzustand und
reichlich mit Benzoe gesalbt wren, wrde man sie ihnen auf Schiffn
in die balearischen Hfen senden.
Pltzlich sprang Zarzas, wieder schn$
, die im Tempelbezirk
frei herumliefen. Er zog an dem Mntel, als wte er, da es sich um
einen Raub handelte. Sie wagten nicht, ihn zu schlagen, ausFurcht, er
mchte laut schreien. Pltzlich besnftigte sich sein rger, und er
trabte wiegenden Ganges mit seinen langen herabhngenden Armen neben
ihnen her. An der Umfriedung schwang er sich mit einem Satze in einen
Als sie die letzte Mauer hinter sich hatten, lenkten sie ihre Schritte
nach dem Schlosse Hamilkars. Spendius begriff, da es erfolglos war,
Matho davon abbringen zu wollen.
Sie gingen durch die Gerberstrae, ber den Muthumbalplatz, den
Gemsemarkt und den Kreuzweg von Kynasyn. An einer Mauerecke fuhr ein
Mann vor ihnen zurck, erschreckt durch den glnzenden Gegenstand, der
die Finsternis durchstrahlte.
Verdeck den Zaimph! riet Spendius.
Andre Leute kreuzten ihren Weg, bemerkten sie aber nicht.
Endlich erkannten sie die Huser von Megara.
Der Leuchtturm auf der uersten Mole erhellte den Himmel weithin mit
rotem Schein, und der Schatten des Pa$
des Allerheiligsten.
Dort legten die Alten ihre Stcke aus Narwalhorn ab. Ein nie auer
acht gelassenes Gesetz bestrafte nmlich jeden mit dem Tode, der in
der Sitzung mit irgendeiner Waffe erschien. Mehrere trugen am Saum
ires Gewandes einen Ri, zum Zeichen, da sie bei der Trauer um den
Tod ihrer Angehrigen ihre Kleider nicht geschont hatten. Doch
verhinderte ein am Ende des Risses angesetzter Purpurstreifen, da er
grer wurde. Andre trugen ihren Bart in einem Beutel aus
veilchenblauem Leder, der mit zwei Bndern an den Ohren befestigt war.
Alle begrten sich, indem sie einander umarmten. Sie umringten
Hamilkar und beglckwnschten ihn. Man htte meinen knnen, Brder
shen einen Bruder wieder.
Diese Mnner waren in der Mehrzahl untersetzt und hatten gebogene
Nasen, wie die assyrischen Kolosse. Etliche jedoch verrieten durch
ihre vorspringenden Backenknochen, ihren hheren Wuchs und ihre-schmleren Fe afrikanische Abkunft und nomadische Vorfahren. Die
bestndig in ihren Kontoren hockten, hatten blei$
ersperrten den Weg. Die Zune waren niedergerissen, das Wasser
in den Grben eingetrocknet, Glasscherben und Affenknochen lagen in
groen Schlammpftzen umher. Hier und dort hingen Zeugfetzen an den
Bschen. Unter den Limonenbumen hatten sich verfaulte Blumen5zu einem
gelben hlichen Haufen getrmt. Offenbar hatte sich die Dienerschaft
um nicts gekmmert, im Glauben, der Herr kme nicht wieder heim.
Auf Schritt und Tritt entdeckte er immer neues Unheil, neue Beweise
fr das, was zu erforschen er sich untersagt hatte. Jetzt besudelte er
sogar seine Purpurstiefel, indem er in Unrat trat. Warum hatte er die
ganze Soldateska nicht im Schufeld eines Geschtzes, um sie kurz und
klein zu schieen! Er fhlte sich gedemtigt, weil er ihre Partei
genommen. Narretei! Verrat! Da er aber weder an den Sldnern, noch an
den Alten, noch an Salambo oder an sonst jemandem Rache nehmen konnte
und sein Zorn ein Ziel haben mute, so verurteilte er in Bausch und
Bogen smtliche Gartensklaven zur Arbeit in den Bergwerken.
Abdal$
n und forderte den Zaimph. Sie verlangte ihn zurck mit beredten
hochmtigen Worten.
Matho hrte nicht. Er betrachtete sie. Ihre Gewnder waren in seinen
Augen eins mit ihrem Leibe. Die schillernden Stoffe waren ihm ebenso
wie ihre schimmernde Haut etwas ganz Besonderes, das nur ihr eigen
war. Ihre Augen blitzten im Feuer ihrer Diamanten, und der Glanz ihrer
Fingerngel war der Widerschein der funkelnden Steine, die ihre Finger
umstrahlten. Die beiden Spangen ihrer Tunika zwngten ihren Busen ein
wenig in die Hhe und preten die beiden Brste nher aneinander.
Mathos Gedanken verloren sich in dem engen Raume zwischen diesen
beiden Hgeln, wo an einer Schnur ein smaragdbesetztes Medaillon
herabhing. Etwas tiefer lugte es unter der viletteE Gaze hervor. Als
Ohrgehnge trug sie zwei kleine Schalen aus Saphir, deren jede eine
hohle, mit wohlriechender Flssigkeit gefllte Perle trug. Durch
winzige Lcher in den Perlen sickerte von Zeit zu Zeit ein Trpfchen
des Parfms herab und benetzte ihre nackten Schultern.$
ck? stammelte
er. Und zhneknirschend wiederholte er: Du kehrst nach Karthago zurck?
So, du kamst also, mir den Zaimph zu rauben, mich wehrlos zu machen und
dann zu verschwinden! Nein, nein! Du gehrst mir! Und niemand soll dich
mir wieder entreien! Ach, ich habe den Hochmut deiner groen stillen
Augen nicht vergessen, noch, wie du mich mit deiner hehren Schnheit zu
Boden schmettertest! Jetzt ist die Reihe an mir! Du bist meine
Gefangene, meine Sklavin, meine Magd! Rufe, soviel du willst, deinen
Vater und sein Heer, die Alten, die Patrizier und dein ganzes verruchtes
Volk! Ich bin der Herr ber dreimalhunderttausend Soldaten! Und noch
mehr werde ich herbeiholen aus Lusitanien, aus Gallien und aus dem
ScMoe der Wste, um deine Stadt zu zerstren und alle ihre Tempel zu
verbrennen! Die Kriegsschiffe sollen auf einem Meere von Blut schwimmen!
Kein Haus, kein Stein, kein Palmbaum soll von Karthago brig bleiben!
Und wenn mir die Menschen fehlen, so hole ich die Bren aus den 8ebirgen
und treibe die Lwen in$
 da sahen sie schon, gleich Ungeheuern oder wandelnden Husern,
die von den tyrischen Stdten geschickten Belagerungsmaschinen mit
ihren Masten, Tauen, Hebeln, Hauben und Schutzschilden geradewegs auf
sich zukommen: sechzig Lafettengeschtze, achtzig Schleudergeschtze,
dreiig Steinbller, fnfzig Sturmkrane, zwlf grere Widder und drei
besonders schwere Ballisten, die Felsblcke im Gewicht von sieben bis
acht Zentnern schleudern konnten. Groe Menschenhaufen, gegen die
Untergestelle der Maschinen gestemmt, schoben sie vorwrts. Bei jedem
Schritt erzitterten sie. So gelangtensie vor die Mauern.
Es bedurfte jedoch noch mehrerer Tage, ehe man die Zurstungen
vollendet hatte. Die durch ihre Niederlagen gewitzigten Sldner
wollten sich nicht in nutzlosen Kmpfen opfern. Man hatte beiderseits
keine Eile, wohl wissend, da der Kampf furchtbar werden und mit Sieg
der vlliger Vernichtung enden mute.
Karthago konnte lange Widerstand leisten. Seine breiten Mauern hatten
eine Reihe vorspringender Basteien; eine A$
sch- und Kornvorrte nahmen stark ab.
Man frchtete eine Hungersnot. Manche sprachen sogar von unntzen
Mulern, was alle Welt in Schrecken setzte.
Vom Khamonplatze bis zum Melkarthtempel versperrten Leichen die
Straen; und da es Hochsommer war, qulten groe schwarze Fliegen die
Kmpfenden. Greise schafften die Verwundeten fort. Fromme feierten
Scheinbegrbnisse von Verwandten und Freunden, die drauen auf dem
Schlachtfelde g*fallen waren. Wachsbilder mit Haaren und Kleidern
lagen quer vor den Tren und schmolzen unter der Hitze der neben ihnen
brennenden Kerzen. Die Bemalung lief ihnen ber die Schultern. Trnen
aber rannen ber die Gesichter der Lebenden, die um sie heru6 ihre
Klagelieder sangen. Whrenddem lief die Menge auf den Straen hin und
her. Scharen Bewaffneter zogen vorber. Die Hauptleute gaben laute
Befehle. Dazu hrte man immerfort den Sto der Widder, die drauen
gegen den Wall donnerten.
Die Witterung ward so schwl, da die Leichen aufschwollen und nicht
mehr in die Srge hineinpaten. Man$
m Elefanten fest, mit kreuzfrmig
weit ausgespreizten Gliedern. Alle Unverwundeten begleiteten ihn im
Sturmschritt, unter wildem Lrm nach Karthago.
Die Siegesnachricht war dort unerklrlicherweise schon in der dritten
Nachtstunde eingetroffen. Die Wasseruhr am Khamontempel zeigte die
fnfte Stunde, als man Malka erreichte. Da s2hlug Matho die Augen auf.
Auf den Dchern der Huser schimmerten so viele Lichter, da die Stadt
in Flammen zu stehen schien.
Ungeheures Getse drang ihm verworren entgegen. Er lag auf dem Rcken
und betrachtete die Sterne.
       *       *       *       *      *
Dann schlo sich eine Tr, und Finsternis umhllte ihn.
Am nchsten Tag um die nmliche Stunde starb der letzte von denen, die
in der Sge zurckgeblieben waren.
An dem Tage, wo ihre Gefhrten abmarschiert waren, hatten heimziehende
Zuaesen die Felsen weggerollt und die Barbaren auf kurze Frist
Man wartete immer noch auf Mathos Erscheinen und wollte den Ort nicht
verlassen, aus Mutlosigkeit und Ermattung, auch aus jenem Ei$
taphysischen Leidens- und Liebestiefe solcher Werke mssen
alle Versuche Hauptmanns, auch zur Gestaltung sinnlicher, heidnisch
bejahender Lebenskrfte vorzudringen, unzulnglich bleiben, vom
Rautendelein der "Versunkenen Glocke" zu Gerusind, "Kaiser Karls
Geisel", bis zum "Ketzer von Soana". Ein Christusroman "Emanuel Quint.
Der Narr in Christo" (1910) ist die natrliche Frucht dieses
Weltgefhls. Ein Armer im *eiste, eines trunkenen Tischlers Stiefsohn,
in dem Christus mchtig wird und wiederkehrt in diegegenwrtige Welt,
um aufs neue verfolgt, verraten und gemartert zu werden. Alles
leidvolle Wissen, alle heilige Liebeskraft Hauptmanns ist in dessen
Christusroman eingegangen, aber in der Dumpfheit seiner Umwelt entringt
er sich nicht dem Sektierer- und Qukerhaften, zur Hhe von
Dostojewskis "Idiot".
Wie aber Kleist von der tragischen Unbedingtheit seines Lebens und
Schaffens ausruht in der sinnlichen Lebens- und Listenflle des
Dorfrichters Adam, in der humorvollen Gestaltung eines parodistischen
Heldenka$
rt,
auf Lipps und Volkelt, erheblich wirksam.
Die einzige Persnlichkeit, deren geistige Spannweite alle
philosophischen Antriebe des 19. Jahrhunderts umfate und dazu alle
Fortchritte der positiven Natur- und Geisteswissenschaften in ihr
System einzuordnen suchte, die einzige zugleich, die den tiefgehenden
inneren Bruch zwischen der deutschen Spekulation und der einseitigen
Herrschaft der Spezialwissenschaften nicht mitgemacht hat, war  E d u a
r d   v o n H a r t m a n n (1842-1906). Es iFt eine der merkwrdigsten
Tatsachen in der deutschen Geistesgeschichte, da dieses reifste,
durchdachteste, alle Wissensgebiete und die Religion umfassendste
Gedankensystem, welches die zweite Hlfte des Jahrhunderts berhaupt
hervorbrachte, nach anfnglichem Tageserfolg der "Philosophie des
Unbewuten" (1869) auf die wissenschaftliche Philosophie zunchst kaum
eine Wirkung ausgebt hat. Der groe Denker versuchte vergebens, einen
Ruf an eine deutsche Universitt zu erhalten. Gewi besteht der Grund
nicht nur in der allge$
icht ohne weiteres eine reae Welt annehmen (wie es
der altscholastische Realismus will); erst die "gemischten Grnde"
sollen zum Ziel fhren. Die Auenwelt msse gesetzt werden: erstens als
"Bedingung des von dem psychophysischen Subjekt in der Wahrnehmung
Unabhngigen und als das Substrat der vorgefundenen selbstndigen
Gesetzlichkeit den Wahrnehmungen". Klpes Versuch bezieht sich nicht
nur auf die Realitt der Natursetzung, sondern umfat auch das Problem
einer von der Beschreibung der Bewutseinserlebnisse verschiedenen
Realpsychologie, ferner auch das Problem der Realitt des
Vergangenheits- und Fremdbewutseins und damit auch des
Realittsproblems in den Geisteswissenschaften. Wie immer man zu Klpes
Werk im einzelnen stehen mag (der Verfasser kann sich nicht berzeugen,
da, wenn w e d e r in der Wahrnehmung fr sich noch im Denken fr sich
Grnde zur Annahme einer realen Welt gelegen sind, sie in einer bloen
"Mischung" beider Momente gelegen sein knne), so verdient die
ausgezeichnete Arbeit des vor$
er i n d u k t i v e n
V e r a l l g e m e i n e r u n g an beobachtenden Fllen steht das
phnomenologische Erfahren und "Schauen" gegenber. Auch die
Phnomenologie setzt so der Philosophie die Aufgabe, fr alle ihre
Disziplinen die a p r i o r i s c h e n   W e s e n s - u n d   I d e e
n s t r u k t u r e n, die als objektiver Logos die gesamte
Weltwirklichkeit durchflechten und (im Sinne der Gltigkeit)
beherrschen, aufzudecken und alle positiven Wissenschaften und ihre
materialen Seinsbereiche in dieser Struktur gemeinsam zu verwurzeln.
Sie kann, geschichtlich gesehen, auch als eine Erneuerung eines i n t u
i t i v  n   P l a t o n i s  u s angesehen werden, freilich mit
vollstndiger Beseitigung der platonischen Ideenverdinglichung und
aller mythischen Beistze. Und es ist wohl verstndlich, da von dieser
ihrer Eigenart her die Phnomenologie neuerdings auch mit der gesamten
p l a t o n i s c h - a u g u s t i n i s c h e n  Philosophie der
patristischen und frhmittelalterlichen Philosophie, zum Te$
einen Christen, wie i#h bisher noch keinen kennen gelernt
Von der positiven Religion und der katholischen Kirche dachte ich bereits
hoch, am Glauben an Vieles mangelte es mir nicht mehr, meine alte Wenigkeit
wurde durch Gesprche, Bcher und Lebenslage aus den letzten Bollwerken des
souvernen Hochmuthes herausgetrieben. Immer lebhafter erwachte in mir das
Bedrfni eines positiven Verltnisses zu Gott und je mehr ich die
Haltlosigkeit meines Wissens, Lebens und Strebens einsah, desto
sehnschtiger wurde ich nach Wahrheit, erleuchtender, beseligender
Wahrheit. Endlich hinkte ich, der souverne Brger und preiswrdige
Mrtyrer des Volkes, an einem Krckenstocke, von leiblichen Schmerzen
gefoltert, elendiglich und von den Menschen verlassen im Zuchthause herum;
der Schmerz machte mich oft wthend und nach einiger Zeit begriff ich, der
kleinste Heilige der katholischen Kirche sei doch ein tausendmal
charakterfesterer und glcklicherer Mensch als ich gewesen.
Wiederum las ich Hirschers Errterungen, Staudenmaier$
r Dich einen
Antheil von dem zurckzubehalten, was die alte gute Ursula (Gott hab' sie
selig und erlse die arme Seele!) im Grundenicht nur mir, sondern uns
Beiden zurck lie."
"Dehalb komme und sei ohne Sorgen; so Gott will, stirbst Du nicht als ein
alter Knecht und wenn's auch so kme, drftest Du in deinen alten Tagen
doch keine Noth leiden. Bei mir knntest Du freilich jetzt noch nicht
wohnen, der Fritz ist in Manchem gar wunderlich aber spter kann Alles
anders werden undZeinstweilen hast Du ja ein Obdach im Adler."
"Wie sehr es mich freut, weil Gott Dich endlich vom langen Elend erlste,
sollst Du sehen, wenn Du kommst und bis dahin grt Dich Deine alte
  _Emmerenz_."
"Was gedenkst Du anzustellen?" fragt die Elsbeth.
"Schier htt' ich Lust hinaufzugehen, der falschen, treulosen Emmerenz und
ihrem rothen Sidian das Leben recht bitter zu machen. Aber im Grunde ist es
nicht der Mhe werth, ich habe die Alte nie recht mgen!"
"Brav und christlich hei ich das gesprochen, man mu seinen Feinden eher
Gute$
hnlichen Ebene, doch das Gebirge komt ihm weder
aus den Augen noch aus dem Sinn, die Ebene liefert ihm auch alle
Augenblicke etwas Anderes und wenn er aus den zahllo~en Mannigfaltigkeiten
die Einheiten heraussucht, theilt er die Menschen am Ende in zwei groe
Partheien, nmlich in Dorfmenschen und Stadtmenschen; im Gebirge herrschen
die Dorfmenschen, in der Ebene die Stadtmenschen vor und der Unterschied
der Dorfmenschen unter sich ist bei weitem nicht so gro, wie ihr
Unterschied von den Stadtmenschen.
Wer das Leben und Treiben der Schwarzwlder im engern Sinne genau kennen
lernen will, mu den "Kalender fr Zeit und Ewigkeit" oder "Spindlers
herzige Erzhlungen aus neuerer Zeit" zur Hand nehmen, denn Berthold
Auerbachs Dorfgeschichten, so anmuthig, hinreiend und herrlich sie auch
uns und vielen tausend Andern vorkommen, sind eben doch keine eigentlichen
"Schwarzwlder" Dorfgeschichten, sondern laufen fast ohne Schwarzwlder
Lokalfarben auf die Gegenstze zwischen Stadt und Land hinaus.
Im Gebirge verschl$
uben und Mdlen ihrer Parthei
hielten das stille, ruhige, demthige Benehmen des auer Kredit gekommenen
Oberhauptes meist nur fr einen Akt neuer Verstellung. DaFegen begegnete
die rothe Schwitt dem Duckmuser so freundlich, zuvorkommend und
wohlwollend wie noch nie, denn sie glaubte, jetzt oder nie sei der rechte
Augenblick da, um ihn ganz an sie zu fesseln.
"Wie lange werden die treuen Mdchen der alten Schwitt noch zu dir halten?
Wie lange wird es dauern, bis der letzte und rgste Schlag im Hause
geschieht? Bis du von den Besten unter den Guten verachtet, verlassen, aus
dem Elternhause verstoen sein wirst? Sind dann alle Deine Anstrengungen
nicht vergeblich gewesen? Sei pfiffig, Benedict, bei der rothen Schwitt
winkt Freude und Genu, _gerade jetzt_ is es die rechte Zeit zum
festen Anschlu an dieselbe! Leben die Buben und Mgdlein der rothen
Schwitt nicht auch im heimathlichen Drflein? Haben sie nicht ihre Eltern
hier, Verwandte und Gesinnungsgenossen genug in den umliegenden Drfern?
Stelle dich an d$
r Trost, der Benedict aber macht der
deutschen Musik unglaubliche Ehre.
M2n mu franzsische Musik mit deutscher verglichen haben, um dies leicht
zu begreifen, denn Musikanten und Snger sind die Franzosen nicht, lieben
jedoch Musik und Gesang enthusiastisch und--Elssser wollen in Allem
Franzosen sein.
Ein Friedensr5chter wurde durch die "dtschen Walser" des Deserteurs
dermaen begeistert, da er sofort mit dem Wirthe ausmacht, er soll den
"Schwob" nach der Hochzeit zu ihm senden, er werde dann denselben nach Metz
bringen und mit Hlfe seines Bruders, des Majors zu einem Hauptmusikanten
des 35. Regimentes machen.
Doch Alles sollte anders kommen, der Duckmuser in keine franzsische
Uniform, sondern in einen germanischen Zuchthauskittel schlpfen!
Am 4. Tage machten die Buben und Mdlen die blichen Hochzeitspossen und
Umzge, die Musikanten muten berall voranschreiten, die Lustigkeit whrte
tief in die Nacht und der dienstfertige Benedict suchte dieselbe auch auf
andere Weise denn durch seine Klarinette z$
off desselben verdoppeln und verdreifachen;
zweitens kommt er zu jedem einzelnen Gefangenen, spricht mit diesem unter
vier Augen und kann sich vom Eindrucke berzeugen, welche sein Vortrag
machte, denselben wiederholen, ergnzen, vertheidigen, bei Neueingetretenen
mit Frherm vermitteln; drittens endlich ist er keinen Verdchtigungen und
Verleumdungen ausgesetzt, whrend der Strfling so wenig von Hohn und Spott
als von falscher Schaam wei, dazu Zeit und Gelegenheit besitzt, Etwas fr
seine religise Ausbildung zu thun und zudem die Gedanken, welche sich ihm
whrend der Religionsstunde aufdrngten, in der Einsamkeit nicht anhaltend
zu verscheuchen vermag.
Bei Leuten, welche nur fr kurze Zeit verurtheilt sind, mgen
Gleichgltigkeit oder Leichtsinn die OberCand behalten, bei Solchen,
welchen die Liederlichkeit und Gottverlassenheit zur zweiten Natur
geworden, mag die Religion der Liebe manchmal als Religion des Schreckens
wirken und mancher alte Strfling mag bleiben, was er lngst geworden oder
stets gewes$
en gewundenen Einang hineinkommt
(damit man nicht von derselben aus direct in's Innere des Hauses sehen
kann), ffnen sich die Zimmer. Dieselben sind uerst lang, und nur
ausnahmsweise haben sie eine Breite von mehr als zwlf Fu. Meist sind
die Zimmer sehr hoch, mindestens immer zwanzig Fu. Wenn ein Wohnzimmer
z.B. vierzig Fu lang wre und fnfundzwanzig Fu Hhe htte, so wrden
marokkanische Architekten diesem Zimmer hchstens acht Fu Breite geben.
Eine groe gewlbte Thr, meist in der Mitte aPgebracht, fhrt hinein;
dicht neben der Thr, rechts und links, befinden sich zwei kleine
Fenster mit eisernen Gittern, ohne Glas.
Meist sind parterre mehrere solcher Zimmer um den Hof herum, und findet
sich ein zweiter Stock, so ist die obere Anordnung eine hnliche. Es
luft sodann um den Hof eine Sulenhalle herum, zu welcher man oft
mittelst einer im Bau befindlichen steinernen, oft mittelst einer
hlzernen Treppe hinaufkommt. Man liebt es, im Innern der Zimmer in die
Wnde nischenartige Vertiefungen zu mac$
n Feuer verlangt zu
einer Pfeife oder um Etwas anzuznden, so sage man nicht: "gieb mir
Feuer," "=attininar=", denn "=nar=" bedeutet auch dBs
hllische Feuer, sondern man sagt: "=attini-l'afiah=". Das Wort
"=l'afia=" bedeutet Leben, Gesundheit und Feuer, oder
"=attini-djemra=", gieb mir eine Kohle.
Hchst unanstndig wrde es sein, _aufrechtstehend_ ein Bedrfni zu
verrichten, man mu das in hockender Stellung thun und hernach die
Ablution nicht verabsumen, oder wo Wasser fehlt, die Ablution durch
Sand vollziehet.
Man vermeide, mit Schuhen ein Zimmer oder gar eine Moschee zu betreten;
an der Schwelle der Thr mssen sie zurckgelassen werden. Sobald man
Jemand auf der Strae anreden will und hat ihm etwas Ausfhrliches zu
sagen, dann bleibe man nicht stehen, sondern hocke nieder, _denn im
Stehen lange zu sprechen ist unanstndig_.
Einen Bittenden mu man nie durch eine _abschlgige_ Antwort beleidigen;
"=in-schah-Allah=," so Gott will, sagt man, oder ist der Bittende
zudringlich: "=Rbi-atik=", Gott wird _di$
chen Berbern und den
brigen Mohammedanern der wesentlichste Unterschied in der Stellung der
Frau; aber auch in allen brigen, die Sitten und Gebruche betreffenden
Dingen lassen die Berber bis zum heutigen Tage sich vielmehr vom
_Herkommen_ leiten, als von den Gesetzen des Koran. Aus diesem haben sie
eben nur _das_ angenommen, was ihrer Eitelkeit und Einbildungskraft
schmeichelte. So pflegt denn auch die Heirath vollkommen nach dem
Herkommen, el Ada genannt, stattzufinden. Inde hat die Frau dennoch
nicht die gleichberechtigte Stellung, wie sie die Frau heute bei _uns_
einnimmt, sondern wird mehr als Eigenthum des Mannes, als etwas zum
brigen Vermgen Gehrendes betrachEet.
In der Heirath _nach uraltem Brauche_, =Suadj el Djidi= oder
Gaislein-Heirath, so genannt, weil das Schlachten eines jungen Zickleins
die eheliche Verbindungsbesiegelt, verpflichtet sich der Gatte, dem
Vater seiner Zuknftigen 60 Metkal zu zahlen. Hat er das Geld nicht
disponibel, so zhlt er auf seine Freunde, und am Schlachttage verfeh$
s
von der Handlung in unserem Sinne, d.h. wenn man aus einem Buche etwas
abliest, sondern auch, wenn Jemand aus dem Koran oder sonst einem Buche
ein Capitel hersagt.]
Druck von Alexander Edelmann.
Proofreading Team at http://www.pgdp.net
Memoiren einer Sozialistin
Albert Langen, Mnchen
An meinen Sohn
Die Rosen blhen und die Linden duften. ber dunkle Wlder und saftgrne
Matten ragen die Berge meiner Heimat zum Himmel empor, an dem die Sterne
funkeln und strahlen, ungetrbt von den Dnsten der Stdte und den
Nebeln der Niederung. Die grauen Felsriesen schimmern silbern im
Mondlicht, und in ihren tausend Furchen und Spalten glnzt noch der
Das ist die schnste Nacht des Jahres, die Nacht, in der's in Wald und
Feld von alten Mrchen raunt uYd flstert, die Nacht, mein Sohn, die
dici mir geschenkt: ein Sonnwendskind, ein Sonntagskind. Elf Jahre sind
es heute. Ist es mir doch, als wre es erst gestern gewesen, da du an
meiner Brust gelegen, da du die ersten Worte lautest, zum erstenmal die
Fchen setztest. U$
n Rcken und schmutzigen
Fingerngeln, ltliche, bebrillte Fruleins mit blutleeren Lippen --
wirklich: nur gl5ichmig funktionierende Erziehungsapparate, aber
keine Erzieher.
Pflichtschuldigst erhob ich mich, als Papa mich dem neuen Lehrer
vorstellte, den er nach vielem Suchen fr mich gefunden hatte. Hier ist
unsere Alix, Herr Doktor! Ein groes Mdel, nicht wahr? Sie werden sich
tchtig anstrengen mssen, damit der Geist sich streckt, wie der
Krper. Ich reichte ihm die Hand; sein warmer, krftiger Hndedruck
lie mich erstaunt zu ihm aufsehen, -- meine frheren Lehrer hatten mir
immer nur die Fingerspitzen berhrt, was mich von vornherein hatte
frsteln laWsen.
Ein groer, breitschultriger Mann stand vor mir; ein paar gute Augen von
einem so reinen Blau, wie es mir noch bei keinem Menschen begegnet war,
sahen mich forschend an. Und doch konnte ich nur schwer ein Lcheln
verbergen: wie schlecht pate der Mann, dachte ich, in den langen
korrekten schwarzen Rock. Eines Arminius Lederwams und Panzer htt$
mme Streiche htte sie kein Geld!
Mir wankten die Kniee. Daging das alte frohe Leuchten ber seine Zge,
gepaart mit einem neuen Ausdruck starker Energie: Sei nicht furchtsam,
Liebling; du weit: und wenn ich mich dafr dem Teufel verschreiben
sollte, -- du wirst mein!
Junge Liebe ist voller Zuversicht, sie glaubt noch an Wunder; und sie
ist sich selbst genug und vergit darber die Welt. Es war eine
strmische Saison damals, -- kaum ein Tag verging ohne ein Diner, einen
Ball, eine Schlittenpartie. Hellmut fehlte niemals. Wenn e nicht anders
ging, ritt er noch in der Nacht nach Ludwigslust zurck. Er verlor
allmhlich die gesunde Farbe, aber wenn ich ihn angstvoll um sein
Ergehen frug, lachte er. Wir wurden immer khner und immer
erfinderischer, um uns allein sehen zu knnen, und die fremdesten
Menschen halfen uns dabei: sie zogen sich zurck, wenn wir ins Zimmer
traten, sie vertieften sich in ein Gesprch, wenn wir am gleichen Tische
saen, sie migten das Tempo ihres Laufs, wenn sie auf der weiten
Eis$
mme nahm einen drohenden
Klang an, die Situation wurde kritisch. Mir stieg das Blut zu Kopf, --
mit welchem Recht verfgte dieser Mann ber mich?! Da sah der
Chenille-Graf mich mit seinem bezauberndsten Lcheln und einem kecken
Blinzeln seiner kleinen stechenden Augen an: Ich beuge mich
selbstverstndlich, wie immer, dem Willen der Dame, -- und
herausfordernd griffen seine schmalen gebrunten Finger in die Seiten
der Gitarre. Sie brauchen wirklich nicht um mein Seelenheil besorgt zu
sein; Graf Ghren, spottete ich, wenn mein Lied Sie chokiert, steht es
Ihnen frei, nicht zuzuhren! Mit kurzer Verbeugung reichte er mir das
Papier. Es hatte zu dmmern angefangen, und unsere Gefhrten strmten
von allen Seiten zum gewohnten Patz. Eine Bowle, ein paar Torten, das
Ergebnis einer verlorenen Wette, wurden von der Strandkonditorei
herunter getragen, -- und nun kommt das Beste! rief der Chenille-Graf,
unser knftiges Bundeslied:
    Stot an mit mir! Fllt wieder die Pokale,
   Es schumt der Wein, schumt$
gehllt von einem
Feuerstrom, so da im ersten Schreck das Herz mir stockte: ein Kind! ein
Kind! -- das war des Lebens Zweck und Inhalt. Ein Kind wollt ich haben,
gleichgltig von wem, ein lebendiges Teil meiner Selbst, einen Sohn, --
das Geschpf meines Krpers und meines Geistes --, der meine Trume
erfllen, der werden sollte, was ich zu werden vergebens hoffte! Was
galt mir der Mann: mochte er sein, was er wollte, -- nur den Vater
meines Sohnes brauchte ich!
Und als wir am nchsten Abend wieder um den runden Tisch zusammen saen,
sagte ich: Du sollst dich nicht weiter um mich grmen, Papachen, -- pa
auf,5ber kurz oder lang hast du einen Schwiegersohn und bist die bse
Tochter los! Worauf ich lachend einen zrtlichen Ku bekam. Mama nahm
keine Notiz von meiner Bemerkung; erst am folgenden Tag kam sie darauf
zurck. Ich habe dix niemals zur Ehe zugeredet, sagte sie, und hte
mich auch jetzt davor. Das Glck, das ein Mdchen von ihr erwartet,
findet sie nie. -- Ich will auch kein Glck -- eine Leben$
anderen uns verleugnen. Und stumm, schweren
Herzens, zgernd, als schleppten wir eine unsichtbare Kette nach,
schritten wir durch den Wald zur nchsten Station.
Abends war ich wieder in Harzburg. Noch in der Nacht nahm ich mein
schwarzes Bchlein aus dem Koffer, schrieb einXpaar Zeilen dazu und
sandte es frhmorgens an Egidy. Eine unbestimmte Hoffnung, da er doch
Lielleicht der Befreier -- auch mein Befreier -- werden knnte, lie mir
das Herz dabei hher schlagen. Wenige Tage spter bekam ich seine
Antwort. Wir sind Bundesgenossen, schrieb er, denn nicht darauf kommt
es an, was wir glauben, sondern was wir sind; nicht darauf, wie wir uns
nennen, sondern ob wir wollen, da etwas werde. Ich rechne auf Sie. Zu
wirken gilt es, solange es Tag ist, mein ganzes Dasein gehrt diesem
                          In wahrster respektvoller Ergebenheit
                                                     M. von Egidy.
Nun verflossen meine Tage wieder in alter Einfrmigkeit; aber ihr trbes
Grau war wie Frhlingsnebel$
en, wie von groer innerer Freude erhellt. Gut -- sehr
gut, antwortete eine Stimme, die wie ein voller Geigenton klang. Welch
glcklicher Mensch mu das/sein, dachte ich mit stillem Neid. In dem
Augenblick schoben sich die Menschen zwischen uns auseinander, -- ich
sah einen Rollstuhl, -- eine dunkle Pelzdecke, -- zwei ganz schmale,
weie Hnde, deren blaues Geder wie mit einem feinen Pinsel gezogen
war, -- einen schmchtigen Oberkrper -- -- unmlich! -- das konnte
doch der Mann nicht sein mit den strahlenden Kinderaugen! Aber schon
richteten sie sich auf mich -- verwirrt sah ich zu Boden. Entschuldigen
Sie ... sagte mein Begleiter im Weitergehen. Wer war das? frug ich
hastig, noch im Bann tiefen Erstaunens.
Professor von Glyzcinski -- mein Vetter, lautete die lakonische
Knnen Sie mich mit ihm bekannt machen? Mein rasch entstandener Wunsch
formte sich ebenso rasch zur Bitte. Der Oberst runzelte die Brauen.
Er ist Atheist und Sozialist, kam es mit harter Betonung ber seine
Ich zuckte zusammen u$
Schlaf der Erschpfung. Das
rasche Klingeln des Telegraphenboten weckte mich: Befinden wechselnd.
Freue mich unbeschreiblich auf Ihre Rckkehr. Glyzcinski. Ich hatte
noch gerade Zeit, die Eltern schriftlich meines raschen Entschlusses
wegen um Entschuldigung zu bitten. Der Professor ist krank; Ihr wit,
sein Leben hngt nur an einem Faden; ich wrde es mir nie verzeihen,
wenn er einsam und ohne Pflege leiden und sterben mte, schrieb i&h.
Am Abend war ich bei ihm. Er sa vor dem Schreibtisch am Fenster wie
immer, und schon wollt' ich freudig berrascht auf ihn zueilen, als
seine Augen mir entgegensahen: flackernde Fieberlichter brannten darin;
auf seinen schmalen Wangen glhten rote Flecken, und die Hand bebte, die
er mir bot. Sie haben sich meinetwegen aus dem Bett gewagt! rief ich
erschrocken.
Darf ich denn dies glckliche Ereignis nicht auf meine Art feiern?! --%sein ganzes Antlitz strahlte -- es geht mir ja besser, viel besser --
und ich glaubte schon -- seine Stimme senkte sich -- ich glaubte$
 Parteirichtungen, deren Namen in der ffentlichkeit
einen guten Klang hatten, gehrten ihm an. Man beschlo, sich ihm
gleichfalls anzuschlieen. Kommt es trotz alledem zu Streik, so
schaffen wir eine Hilfskasse, rief eine lebhafte kleine Dame, deren
Energie beim Durchsetzen ihrer Plne sie bekannt gemacht hatte. Man
stimmte ihr ohne weiteres zu. Wir mssen alle Geschfte boykottieren,
die die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligen, erklrte eine
andere, und man berbot sich in steigender Erhitzung in Vorschlgen
zugunsten der Sache. Ich erinnerte mich im stillen des Streiks der
westphlischen Bergarbeiter. Auch damals sprach sich die ffentliche
Meinung, soweit sie mir zu Ohren kam, zugunsten der Kmpfenden aus, aber
sie tatkrftig zu untersttzen, daran wagte noch niemand zu denken. Also
doch ein Fortschritt?! Mein Optimismus regte sich wieder.
Ich berichtzte Reinhard von dem Erlebten. Halten Sie die Leute vor
allen Dingen bei ihrem Untersttzungsversprechen fest. Alles andere ist
Mumpitz, sagte e$
sah im gelben Licht der Sonne de
Wir gingen durch die Straen: lauter graue Huser mit erwaschenen
Farben und trben Fenstern, Palste dazwisc=en mit verblichenen Fresken,
Hfe mit alten ausgetrockneten Brunnen und Sulengngen, unter denen
zerlumpte Wsche hing, stolze wappengekrnte Tore mit Firmenschildern
aus Blech und Anzeigen aus Papier benagelt und beklebt; ein Dom,
geschmckt mit den zierlichsten romanischen Galerien, die hohen Portale
von sulentragenden Lwen bewacht, und darin auf dem ausgetretenen
Estrich, zwischen den Grabmlern edler Geschlechter, ein paar alte
Weiber, die kniend den Rosenkranz durch schmutzige Finger zogen und mit
zahnlosem Munde Gebete plrrten. Und ber der Stadt, sie beherrschend,
der prchtige Renaissancebau des alten frstbischflichen Schlosses, ein
unvergleichlicher Rahmen ppiger Hofhaltungen, -- eine Kaserne heute. In
der dmmernden Loggia auf dem Brunnenhof, wo die Wrdentrger des
frstbischflichen Stuhls in roten und violetten Gewndern beim Gesang
des leise plt$
ben wollte, und sagte
nichts anderes als: Vielleicht! Ich klammerte mich an dies Vielleicht,
ich drehte es jeden Tag hundertmal hin und her, ob es sich nicht doch in
ein Gewi verwandeln knnte. Allerhand gespenstische Vorstellungen
qulten mich: als htte die Frau, die mir hatte Platz machen mssen,
eine geheimnisvolle Macht ber meinen Scho, als knnten ihre
Raubtiernde das Fnkchen Leben zerdrcken. Mein Mann wurde heftig und
schalt meine Torheit, wenn ich von meinen ,gsten sprach. So war ich
denn ganz allein mit ihnen. Htte ich nur eine Freundin, -- oder eine
Mutter --, dachte ich oft.
Um die Zeit kamen Mutter und Schwester aus Pirgallen zurck. Ich mu
Euch, ehe Hans wieder in Berlin ist, allein sprechen, schrieb sie und
kndigte ihren Besuch fr denselben Tag an. Ich war nicht ganz ohne
Furcht: sie hatte es doch wohl bel genommen, da wir ihr Anerbieten,
bei unserer Hochzeit zugegen zu sein, immer wieder abgelehnt hatten.
Zuerst wrde sie darum ein bichen steif sein, aber dann --, sie wrde
d$
 Leib zusammen. Ich schlich ins
Wonzimmer und fiel meinem Mann, der erschrocken vom Schreibtisch
aufgesprungen war, in die Arme. Nun ist's so weit, flsterte ich und
sah ihn glckselig an. Er 5chickte zu meiner rztin. Ich aber sa still
im Lehnstuhl und spottete seiner ngstlichkeit. Wie htte ich mich auch
nur einen Augenblick lang frchten knnen! Wenn ich die Augen schlo,
sah ich Gromamas gtiges Antlitz vor mir und hrte sie trstend
wiederholen, was sie mir frher so oft versichert hatte: Ein Kind
gebren ist das leichteste von der Welt. Aber der Abend kam und die
Nacht, -- ich wartete noch immer. Und am folgenden Tag war ich zu
schwach, um vom Bett aufzustehen, und in der Nacht standen zwei
rztinnen um mein Bett, und Heinrich wich nicht von mir. Ich allein
sprte nichts von Angst; wenn ich vor Schmerzen sthnte, so war mir's,
als wre ich's nicht.
Am Morgen des dritten Tages strahlte der Himmel in wolkenloser Pracht;
von der Gedchtniskirche herber klang tiefer Glockenton, und von allen
Seiten a$
 jubelte, weil er nun jeden
Morgen mit Mamachen gehen durfte. Die Berta hatte auf ihren
Spaziergngen mit ihm viel mehr gesehen als ich; der kleine Bub wurde
mir zum Fhrer. Er kam sich dabei sehr wichtig vor. Zuerst zog er mich
in atemloser Eile durch die Tuilerien hindurch zu der Frau, die ein
Soldat war. Ich lchelte: war es doch meiner frhsten Kindheit Traum
gewesen, das Vaterland zu befreien wie sie! Stolz und siegessicher,
Frankreichs Fahne fest in der Hand, erhob sich ihr Standbild vor mir;
sie war den Stimmen in ihrer Brust gefolgt, -- unbeirrt; aus dem
Scheiterhaufen, der ihren Leib verzehrte, erhob sie sich nur noch
Die Jungfrau von Orleans, -- ist das ein Mrchen? fragte der Kleine,
als ich ihm die Geschichte erzhlt hatte, und sah mit nassen Augen zu
der Reiterin empor.
Nein, es ist Wahrheit, antwortete ich.
Warum verbrannten sie denn die bsen Menschen? Auf seine glatte
Kinderstirn gruben sich tiefe Falten des Zornes.
Sie vertragen nur, was ihresgleichen ist, sgte ich leise, wie zu $
issen mag, ist noch nicht ermittelt, da, so
viel ich weiss, das Wort Korund, oder ein Ausdruck dafr, in den
Wrterbchern nicht vorkommt. Der Stein Caniprija wird mit Smirgel oder
Sapphir=bersetzt, kann hierher gehren. Die Edelsteinnamen kuruwilwa,
kuruwinda knnen vielleicht mit korundum zusammenhngen.
_senbade_ im Persischen, so hart fast wie Diamant, wird Korund seyn; man
unterscheidet zwey Abnderungen: a) rthlichen, b) blulichen;--_sumpara_
im Trkischen;--_zembara_ im Kurdischen;--_sambadasch_ im Arabischen, auch
_sunbadadsch, sunbadensch, smpadeg, sbade, samur, semiris_ (woher Smirgel
in den neuern Sprchen) war der Stein zum Schleifen der hrtesten
_samphurgana, samaphuregana, schamira, schamir_ im Chaldischen;--_schamir_
im Hebrischen;--_semiris_ im Syrischen;--_[Greek: smiris lithos]_ im
Griechischen, den die Steinschleifer (dactylioglyphi) zum Schleifen
gebrauchten.
_Arena indica_ und _aethiopica_ der Rmer wird Korundpulver gewesen seyn;
hieher wird gehren der braune indica von Plinius $
igte, copper work das
Kupferwerk;--_kobber_ im Dnischen und Norwegischen;--_koppar_ im
Schwedischen, rokoppar, schwarz koppar das Roh- und Schwarzkupfer, im
Altschwedischen nannte man die Kupfererze wask (aus dem
Finnischen);--_kopar_ im Islndischen;--_copher_ im
Alamannischen;--_kuphar_ im Althochteutschen (das Wort Kpfer mit seinen
Modificationen in den verschiedenen Idiomen scheintkeltischen Ursprunges
_venus_ bey den Alchemikern, auch _brachium, calcocos, halimar, michach,
meliboeum, murpur, thebayco, silipit_ u.s.w.
B. _Die Bronce_.
Die Bronce, wozu auch Glockenmetall, Kanonenmetall u.s.w. gehrt, bestehet
aus einer Legierung des Kupfers mit Zinn; und je nach Verschiedenheit des
Zweckes, verndert man das Verhltniss dieser Metalle gegen einander. Die
Bronce ist nicht strengflssig und hart, eignet sich vorzugsweise zu
metallenen Gusswerken, ist aber weich, bedeckt sich durch die Zeit mit
grauem, grnspanartigem Roste. Im Alterthume, besonders in Aegypten und bey
den keltischen Vlkern verstand man e$
schpat_ im Russischen;--_weglan zelaza_ im
Polnischen;--_ocelek, uhlan zelecity_ im Czechischen;--_vasas nekez kovats_
im Magyarischen.
_mineraqchalybis_ im neuern Latein, auch _minera ferri alba, minera martis
O. _Eisenglanz_.
Ein weiches, hufiges, durch schne Krystalle ausgezeichnetes Eisenerz. Die
ungeheure Erzniederlage auf der Insel Elba (Athalia der Alten) bey Italien
bestehet fast allein aus Eisenglanz, der kaum an irgend einem andern Punkte
so schn als hier vorkommt, der seit den ltesten Zeiten von den
Karthagern, Kelten und Rmern hier gewonnen wurde, um Italien mit Eisen zu
versehen. Man kannte daher im Alterthume und Oriente dieses Erz sehr gut,
es wird hufig von den Autoren erwhnt, aber kein bestimmter Name genannt.
_androdamanta niger_ der Rmer kan vielleicht hieher gehren;--_ferrum
mineralisatum niger_ im neuern Latein;--_minera di acciajo_ im
Italienischen;--_fer speculaire, mine de fer grise_ im
Franzsischen;--_iron glance_ im Englischen;--_jern glands_ im Schwedischen
und Dnischen;$
e Stoffe verhalten sich zu einander wie der Baum zu
seinen Blttern, die Stoffe des Schriftstellers aber gleichen den
beliebig ausgewhlten, rmlichen oder luxurisen Mbeln eines Zimmers.
Dort wird jeder Mangel die Kehrseite eines Vorzuges sein, hier wird
selbst jeder Vorzug auf einen einzigen Mangel zurckdeuten. Dort ein
lebendiger Organismus, gleichviel ob krnklich oder stark, her eine
Maschinerie, stmperhaft oder in ihrer Art vollkommen.
Demnach mte also eigentlich der Dichter seine Stoffe erleben, der
Schriftsteller sie rfinden.
Das lt sich nicht auseinanderhalten. Da mten wir erst feststellen,
was es heit, erleben. Es wre doch recht rmlich gedacht, wenn man nur
eine uere Aktion darin sehen wollte, dann wre es schlimm um jene
bestellt, die der Zufall oder soziale Stellung oder persnliche Eigenart
vom groen Getriebe fernhlt. Das hiee dann: nur derjenige, der einen
Mord begangen, kann die Seele eines Mrders enthllen, und die Frau als
eine Welt fr sich wre dem Dichter ein fr immer $
sbald, was das heit, in einer Provinzstadt zu
leben, die trotz ihrer vierzigtausend Einwohner etwas ist wie ein Sparta
des Altertums, mit ebenso streng geschiedenen Kasten, nur da die
kriegerische Hrte der Vorschriften durch minder folgenschwere, aber
keineswegs leicht zu bertretende Bestimmungen gesellschaftlichen
Charakters ersetzt werden. Da sid die Spitzen der Behrden, die
militrischen Wrdentrger, die Industriellen, die Gutsbesitzer, die
jungen Leute, die eine Rolle spielen, die andern, die blo eine spielen
mchten; da ist die Generalin oder Oberstin, die das Wetter macht, und
die kleine Apothekersgattin, die gerade noch geduldet ist; da ist die
reiche Fabrikantenfrau, die ihre Toiletten aus Berlin bezieht, und die
Frau Amtsrichter, die aus ihrem Wirtschaftsgeld mGttelst rhrender
Entbehrungen den Preis fr ein einziges schwarzes Seidenkleid erbrigt,
das sie unter Beihilfe der Kchin und eines Mdchens vom Lande selber
nht und das ihr die abendlichen Feste verbietet, wenn der Stoff an den
rme$
, fuhr er fort, aber, lieber Treunitz, Sie haben keine
Ahnung, was fr Plackereien ich ausgesetzt bin; es kostet mich
berwindung genug, sie nichts merken zu lassen, aber wer kann immer
heiter sein, wenn's einem an den Kragen geht? So eine Frau will nichts
als eitel Wonne um sich sehen; ich kann's ihr nicht verdenken, sie ist
jung. Mag sie sich nur amsieren, ich lege ihr keine Balken ber den
Weg. Doch wie gesagt, die Launen, die Launen!
Was er mit den Launen meinte, konnte ich mir nicht entrtseln. Es war
mir eine Pein, ihn zu hren, andrerseits rhrte mich sein Wesen, und e
erschien mir durchaus nicht als bse. Ich wute nur unbestimmte
Redensarten zu erwidern. Meine Situation kam mir ebenso bedrckend wie
die seine klglich vor. Ich verabschiedete mich von ihm. Als ich ber
den Korridor schritt, stand Aurora neben der Treppe. Sie winkte mir, ihr
zu folgen. Ich trat in ein kleines, boudoirhnliches Gemach. Aurora
blickte mich forschend an. Etwas Txauriges, aber nicht blo Trauriges,
sondern auch Wildes$
 es geschah nichts. Fast wre ich froh
gewesen um einen Ausbruch seines Zorns. Aber er sa still und in sich
gekehrt. Alle Tage ging ich hin, wartete, trauerte. Imme' fand ich ihn
mit Mittelmann beim Schach und hie und da beim Domino. Zu arbeiten gab
es nichts fr mich; ich hate und verwnschte das Schachspiel und das
andere Spiel, verwnschte Mittelmann in meinem Herzen. Was mein Vater
auch sagen mochte, Mittelmann wiederholte es wie ein lstiges Echo, auch
wenn es eine Beschimpfung war, die ihm selbst galt. Seine Krperhaltung
zeigte die tiefste Unterwrfigkeit, aber zugleich die Unruhe eines
Kobolds. Wenn eine Partie fr ihn schlecht stand, hpfte er auf seinem
Sitz, wiegte sich aufgeregt hin und her, steckte die dnnen Fingerchen
in den Mund, murmelte sinnlose Wote, fuhr frmlich wehklagend mit der
Hand ber die Stirn, und wenn er keine Rettung mehr sah, zeigte sein
Gesicht einen Ausdruck geisterhafter Frechheit. Dies schien meinem Vater
zu behagen und ihn zu erwrmen.
Die Ungeduld, zu wissen, verzehrte$
 angegangen haben?
Das wei ich nicht, sagte Frulein Schwertfeger, aber ich glaube es
nicht, weil sie es mir gewi erzhlt haben wrde. Sie htte mir dadurch
ihr Testament ja viel leichter erklren knnen. Da es Herrn =Dr.=
Deruga nicht gut ging, wute sie schon lange; es gibt unzhlige Wege,
auf denen einem solche Gerchte zu Ohren kommen.
Sprach Ihre Freundin zuweilen mit Ihnen ber den Angeklagten? fragte
=Dr.= Zeunemann.
Nein, fast nie, sagte Frulein Schwertfeger. Sie glaubte, da ich
kein Verstndnis fr ihn htte.
Also, fiel der Staatsanwalt ein, konnten sehr wohl Beziehungen
zwischen Ihrer Freundin und ihrem geschiedenen Gatten bestehen, ohne da
Sie Kenntnis davon hatten.
Frulein Schwertfeger warf den Kopf zurck und kruselte verchtlich
ihre kurze Oberlippe.
Es soll selbstverstndlich nichts Nachteiliges ber Ihre Freundin
geuert werden, sagte der Vorsitzende qermittelnd. Immerhin knnte
sie Ihnen etwas verschwiegen haben, um nicht ein tadelndes Urteil von
Ihnen hren zu mss$
 ist es am einfachsten, Sie schlieen
die Tr ab, damit ich sicher bin, da niemand hinein kann. Kommt jemand,
so mag er luten und wiederkommen. Brennen wird es ja nicht gerade,
whrend Sie fort sind.' Na, was das betrifft, darber war ich ganz
ruhig, denn wo sollte es brennen, wo ich immer nur in der Frhe oder
nachmittags ausging, wenn kein Feuer im Hause war. Frulein Schwertfeger
hatte eigens den Wohnungsschlssel, damit sie zu jeder Zeit hinein
konnte. Also, Herr Prsident, das mssen Sie nun doch einsehen, da in
meiner Abwesenheit nichts vorf:llen konnte.
Nur ist in Ihrer Abwesenheit Ihre Herrschaft ermordet worden, erhob
sech die kreischende Stimme des Staatsanwalts.
Ursula verstummte; aber, wie es schien, mehr erstarrt ber die
Dreistigkeit, diese Tatsache anzufhren, als von ihrer Beweiskraft
berwunden. So weit sind wir noch nicht, sagte sie endlich, sich
aufraffend. Ich glaube berhaupt nicht an den Mord, weil es unmglich
ist, da etwas in der Wohnung vorfiel, solange ich fort war.
Auer$
uf der Seele,
sagte der Konrektor voller Bosheit, aber es ist gut, da er sich garnicht
sehen lt, ich wei, da er sich vor mir frchtet -- der Anselmus, deshalb
kommt er garnicht her. Das Letzte sprach der Konrektor Paulmann ganz laut,
da strzten der Veronika, die eben gegenwrtig, die Trnen aus den Augen
und sie seufzte: Ach, kann denn der Anselmus herkommen? Der ist ja schon
lngst in die glserne Flasche eingesperrt. -- Wie? was? rief der
Konrektor Paulmann. Ach Gott :- ach Gott, au_h sie faselt schon wie der
Registrator, es wird bald zum Ausbruch kommen. -- Ach du verdammter
abscheulicher Anselmus! -- Er rannte gleich fort zum Doktor Eckstein, der
lchelte und sagte wieder: Ei, ei! -- Er verschrieb aber nichts, sondern
setzte dem wenigen, was er geuert, noch weggehend hinzu: Nervenzuflle!
-- wird sich geben von selbst -- in die Luft fhren -- spazieren fahren
-- sich zerstreuen -- Theater -- Sonntagskind -- Schwestern von Prag --
wird sich geben! -- So beredt war der Doktor selten, $
 _samit_ (Palmblattsack) mit, den sie, zu Hause
angekommen, im Gemache niederlegte, worauf sie sich nach der langen
Reise etwas Erholung und Erfrischung gnnte. Ein neugieriges Kind,
das wissen wollte, was sich in dem Sacke befand, schnitt ein Loch
hinein; da entfloh die Finsternis und breitete sich zum Schrecken
des Stammes ber das ganze Land aus. Die Kajan wussten in ihrer Angst
nicht, was sie beginnen sollten und entwarfen allerhand Plne, um dem
Unglck zu wehren, als die Hhne zu krhen anfingen und es wieder
Licht wurde. Seit der Zeit kehren Nacht und Tag regelmssig zu den
Menschen zurck.
Nu' war _Mangs_ Eheglck vollkommen und bald darauf wurde sie
schwanger. Als sie nach etlichen Monaten mit vielen anderen ihres
Stammes auf einer Gerllbank mit Fischen beschftigt war, fhlte sie,
dass ihre Stunde gekommen sei. Sie zog sich daher zurck und hockte
in der Ferne nieder, um ihr Kind zur Welt fu bringen. _Ledjo_ und
die Seinen dachten aber, dass sie nur einem Bedrfnis nachkommen
wolle; denn bis dahin $
estehende Sarg ins Haus gebracht und die
Leiche hineingelegt; die Ritzen werden mit Guttapercha luftdicht
verschlossen. In den folgenden Tagen wird die Ausrsting, die dem Toten
ausserhalb des Sarges mitgegeben wird, in Ordnung gebracht. Dann wird
der Sarg von Mnnern auf den Begrbnisplatz getragen und, je nach
dem Stande des Verstorbenen, einfach auf dem Boden niedergesetzt
oder auf ein hlzernes Gerst gestellt, das oft mit einem sc'n
geschnitzen hlzernen Dache berdeckt wird. An die Bume und Strucher
ringsherum werden bunte Tcher und Wimpel gehngt und neben dem Sarge
werden die brigen fr den Aufenthalt in _Apu Kesio_ notwendigen
Gegenstnde, die im Sar0e selbst keinen Platz fanden, niedergelegt;
es sind dies: Waffen, Ruder, Gonge, Tempajang (grosse irdene Gefsse),
Kleidungsstcke, Hausgert und dergleichen. Die kostbaren Gegenstnde
werden oft zum Schutz gegen Diebstahl seitens der Malaien durch
Zerbrechen wertlos gemacht.
Wenn es sich um einen vornehmen Huptling handelt, wird der Sarg in
einem $
isweilen verrterisch dickbuchigen Tragscke. Ich
wusste aus Erfahrung, wie sehr das eigene Interese am Gelingen der
Expedition meine Kajan allen Schwierigkeiten gegenber sthlte.
Ich war froh, endlich unterwegs zu sein; denn das trockene Wetter
hatte mit einer fr Borneo seltenen Standhaftigkeit bereits 3 Monate
angehalten; die Regenzeit nahte, in den letzte Tagen war bereits eine
starke atmosphrische Vernderung eingetreten. Die bis dahin klare,
blaue Luft, in der sich nur oberhalb des fernen Gebirges eine weisse
Wolkenschicht abhob, wurde tglich grauer und bewlkter, so dass die
Regenperiode jeden Augenblick eintreten konnte.
So blickte ich denn bei unserer Abreise voll guter Hoffnung und
Selbstbefriedigung auf die mit vieler Mhe zu Stande gebrachte Flotte
zurck. In langer Reihe fuhren die Bte dicht am Ufer entlang, um so
wenig als mglich durch die Strmung aufgehalten zu werden; aus dem
gleichen Grunde suchten wir auch stets die Innenseite der Buchten auf
und mussten daher whrend einer Tagreise$
hr eigene Pflanzenarten
besass, denen wir an einem anderen Orte nie wieder begegneten. In
dem so gleichfrmig aussehenden Urwald trafen wir hauptschlich
auf bestimmten Bergen eine eigene Vegetation, die auf gleichartigen
benachbarten Bergen nicht mehr zu finden war.
Da wir mit Rcksicht auf die Reise nach der Kste und der in diesen
tiefgelegenen Gebieten und auf Java herrschenden Wrme die lebenden
Pflanzen in unserem Kulturgarten in keinen zu tiefen Schatten
setzen durften, zeigten viele Arten die eigentmliche Erscheinung,
dass bereits bei ihren ersten neugebildeten Blttern die prachtvolle
metallblaue Frbung zu schwinden begann. Diese Frbung, die vielen
Arten von Farren, Arodeen, Dracaeen, Begonien u.a. eigen, ist somit
von der m Urzald herrschenden Feuchtigkeit und Dunkelheit abhngig
und verschwindet unter vernderten Umstnden sehr bald, um einem
reinen Grn Platz zu machen.
Whrend ich mich in bezug auf Zoologie und Botanik darauf beschrnkte,
die Anlage und Pflege der Sammlungen und die Aufzeich$
n sei. Keiner der Kajan wollte uns weiter
als bis zum Reisfeld des _Bo Kwai_ fhren und auch dahin wollten
nur zwei mit; die anderen frchteten, dass man sie am Ende doch noch
zwingen wrde, in diese schreckenerregenden Wlder einzudringen. Meine
eigenen Leute waren, als Fremde in dieser Gegend, weniger bang vor
denGeistern des Batu Mili und drei der besten, der Korporal _Suka_,
der dajakisches Blut mit malaiischer Energie vereinigte, und zwei
Pinau Malaien erklrten sich zum Mitgehen bereit. Unter dem fremden
Gesindel, das sich am Mahakam auf hi;lt, befand sich auch der bereits
erwhnte Chinese _Mi-Au-Tong_, der wegen Schulden aus Pontianak erst
nach Sintang, dann an den oberen Kapuas und schliesslich an den oberen
Mahakam geflchtet war; da der Mann die Umgegend kannte und auf einen
guten Taglohn erpicht war, nahm ich ihn mit.
Am Morgen des 22. Oktober machten wir uns auf den Weg. ber die
neu angelegten Reisfelder am Fusse des Berges gelangten wir an einen
bewaldeten Abhang, den wir hinaufstiegen, bis wir$
en
geschossenenxVgeln fand sich keine neue Art; dagegen konnten die
Pflanzensucher eine grosse Fracht neuer Pflanzen nach unten befrdern.
Trotz aller bsen Prophezeiungen der Kajan war unser Zug somit
ohne Unfall verlaufen. _Kwing Irang_ war nicht einmal, wie nach
der Besteigung des Batu Kasian im Jahre 1896, erkltet. Damals
fasste er seine Erkrankung als eine Strafe der eister auf; in
Wirklichkeit war sie die Folge einer kalten, regnerischen, auf 600
m Hhe verbrachten Nacht. Diesmal hatte ich ihm vorsichtshalber fr
die Nacht ein flanellenes Sporthemd gegeben, das ihn so gut erwrmt
hatte, dass er nun aus Befriedigung ber seine heldenhafte Besteigung
des Geisterberges bereit war, mich zu einem Weiher zu begleiten, der
in der Nhe des Batu Plm im Walde liegen sollte und in welchem sich
die Donnergeister des Batu Mili jede Nacht zu baden pflegten. Leider
kam es nicht zu diesem Ausflug.
Obgleich _Kwing Irang_ und seine Leute nur unter meinem Schutz das
Unternehmen gewagt hatten und viel mehr Menschen mit$
einen Kamin in der fast wberall senkrechten Wand und stiegen nun
auf einer Schutthalde bis zum Rande des Plateaus hinauf. ber einige
Felsvorsprnge gelangten wir vllig nach oben, wo uns eine neue Welt
empfing. Im Vordergrunde glich das vllig ebene Gelnde einem Hochmoor,
im Hintergrunde hingen an Lianen, welche kleine, dnne Bume verbanden,
Moosmassen und bildeten so 4-6 m hohe, zusammenhngende Wnde. Jeder
Ausblick war genommen; die ersten besten Durchgnge mussten bentzt
und die Richtung mittelst des Kompasses eingehalten =erden. Vorlufig
hatten wir nicht weit zu gehen, denn wir stiessen sehr bald auf das
Gerst einer Htte der Kahjan-Dajak, die zwar sehr verfallen war,
aber bald wieder aufgerichtet werden konnte. Die beiden Mnner machten
sich auch sogleich ans Werk. Dem Rande des Plateaus mich nhernd,
hrte ich einige Schsse fallen; die Nachzgler wussten augenscheinlich
den Weg nicht, daher antwortete ich mit Revolverschssen. Bald darauf
kletterte denn auch der eine nach dem anderen lngs der $

Kutei, der ihn viele Jahre in Tengaron festhielt, unter dem Namen
_Raden Temenggung_ zum Islam ber. Er diente dem Sultan einerseits
als Handlanger, um dessen Ansehen in den Gebieten oberhalb Udju Tepu
zu verstrken, indem er die Macht des Kuteischen Frsten, als seines
Bundesgenossen, den anderen Bahauhuptlingen gegenber ausspielte,
anderseits wusste er doch dafr zu sorgen, dass diese Macht sich
nicht zu weit erstreckte.
Whrend _Raden Temenggung_ jahrelang in Tengaron gefangen lebte,
breitete die Familie seines Halbbruders _Jok_, der in Lirong Tika als
Huptling der Long-Glat ansssig war, ihren Einflus im Gebiet des
Mittel-Mahakam imme4 mehr aus; die Eifersucht zwischen den Nachkommen
dieser beiden Brder hat sich bis jetzt noch erhalten. Um 1890
wurden alle grossen Huptlinge dieses Gebiets ein Opfer der Cholera,
die gerade zu einer Zeit in Tengaron ausbrach, als der Sultan die
Bahaufrsten widerrechtlich jahrelang bei sich zurckhielt. Der junge
Huptling _Band Jok_ floh damals mit der Leiche seines$
gusianus Grayi), der _bajan_ (Lophura nobilis Scl.) und
der _tajum_ (Bollulus roulroul Scop.) gefangen wurden, von denen wir
aber bereits mehrere Exemplare besassen.
Am letzten Tage des Jahres traf _Kwing Irangs_ ltester Sohn, _Bang
Awan_, in Long Blu-u ein. Er war whrend unserer Reise zur Kste
bei den Hwang-Sirau unterhalb der Wasserflle zurckgeblieben, um
die Tochter des dortigen Huptlings als zweite Frau zu freien. _Bang
Awan_ brachte uns zum Schluss des Jahres neue EnttuschungeX durch
den Bericht, der Kontrolleur sei noch nicht angekommen und man habe
von ihm berhaupt nichts gehrt. Nur wisse man, dass die Kuteische
Regierung gegen die Buginesen aufgetreten war, die bei den Bahau in
Udju Tepu Handel trieben, sich dem Wrfelund Kartenspiel ergaben und
den Bandjaresen, ihren Konkurrenten, gegenber sich allerleihatten
zu Schulden kommen lassen. Der Sultan hatte ihnen befohlen, sich
bis nach Melak zurckzuziehen und das Land der Bahau nicht wieder zu
betreten; da die Buginesen diesem Befehle aber ni$
lick dar, wo eine grosse Anzahl
Menschen (rechts) den grssten, mit schner Bildhauerarbeit verzierten
Pfahl (links im Hintergrunde) an Rotangkabeln in die Hhe zieht;
einige Mnner stehen und ziehen auch auf dem Gerst selbst. Die
grossen Pfhle tragen mchtig Kriegsmtzen aus Rotang, welche mit
nachgemachten Federn des Nashornvogels geschmckt sind. Alt und jung,
Mnner und Frauen ziehen an den Kabeln, wo nur ein Platz frei ist. Die
beiden seitlichen Dreiecke sind so fest in den Boden gesetzt, dass sie
nicht nur die vielen Mnner tragen, sondern eventuell auch den Pfahl,
falls er seitwrts ausweichen sollte, zurckhalten knnen.
Anfangs fiel die Zugrichtung zu stark in die des liegenden Pfahls,
dah5r wurden an dessen oberem Ende stndig mehr Balken untergeschoben,
bis der Pfahl durch eine strkere Neigung in eine gnstigere Lage
gebracht wurde. Als der Pfahl beim Ziehen in die Rinne glitt,
die von seinem unteren Ende in die Grube fhrte, fand er an der
gegenberstehenden Planke einen Sttzpunkt.
Da auch be$
n ihre Haxptbestandteile zerlegen. Die beiden halbmondfrmigen
Figuren dieses Ornaments stellen deutlich Genitalmotive dar. An
jeder derselben unterscheidet man zu beiden Seiten einen Vorsprung,
dazwischen zwei einander etwas zugeneigte innerste Lippen und zwischen
diesen eine Spirale, die bei den Hindu und Chinesen das Sinnbild
der Mnnlichkeit bedeutet. Ist diese Aufassung richtig, so besteht
das Ornament der Scheide c gnzlich aus Motiven, die auch an anderen
Orten zur Vertreibung bser Geister angewandt werden. Ich wage jedoch
nicht zu behaupten, der Knstler habe diese Scheide hauptschlich zu
diesem Zweck derartig hergestellt. Es erscheint mir wahrscheinlicher,
dass solche Motive im allgemeinen bei den Mendalam-Kajan von alters
her fr die Verzierung von Scheiden verwandt worden sind.
Besondere Erwhnung verdient die Scheide e auf Tafel 29, die von
einem Mendalam-Kajan fr mich gearbeitet worden ist. Das Vorderbrett
aus schwarzem Holz ist mit hbsch geschnitzten Stcken von weissem
Hirschhorn eingelegt$
rne mit einer solchen Selbstverstndlichkeit
Ansprche auf meine Tauschartikel erhoben, erklrte er mir, es sei
Sitte bei den Kenja, dass Handelsreisende, die von weitem heimkehrten,
ihren Familiengliedern und Bekannten ein kleines Geschenk (_salamba_)
mitbrachten, und dass man daher mich, der ich ebenfalls aus der
Ferne gekommen war und mich mit allen gut stellen wollte, fr diese
Freundschaft eine kleine Steuer bezahlen liess. brigens erhielt
ich selbst oft auch auffallend grosse Geschenke; einige Huptlinge
brachten eine ganze Ziege oder verkauften diese um biligen Preis,
andere reichten einen ganzen Korb voll Reis oder ein Ferkel dar, und
da, wenn ich mit einiger Vorsicht zu Werke gin~, meine Tauschartikel
ausreichten, unterwarf ich mich gern ihrer Sitte.
Eines Mittags bewiesen die jungen Leute von Tanah Putih, dass ihnen
sehr daran gelegen war, uns den Aufenthalt bei ihnen so angenehm
als mglich zu machen. _Bui Djalong_ kam mir melden, dass sie in
Anbetracht der grossen Anzahl Besucher, die ich stndi$
gt da Wort und
setzte meine Rede fort. Dass man sein Busang besser verstand als das
meine, bezweifle ich; die Versammlung gab jedoch ihrer Verwunderung
ber dieses ungewhnliche Verfahren keinen Ausdruck, sondern hrte
geduldig zu.
Nachdem _Kwing_ geendet hatte, fragte man _Bui Djalong_, wer sprechen
sollte; so wurde er whrend der ganzen Dauer der Versammlung,
auch hier, in der _amin_ seines Vorgngers _Pa Sorang_, als erster
geehrt. _Bui Djalong_ bestimmte als den Vornehmsten _Taman Lawang
Pau_I den Huptling der Uma-Tepu, der eine lange Rede hielt ber das
Unrecht, das sein Stamm durch den berfall der Uma-Alim erfahren hatte;
begreiflicherweise war er von diesem Gegenstand erfllt, doch stand
dieser mit dem Zweck unserer Versammlung in keinem Zusammenhang. Von
den folgenden Reden verstand ich wieder wenig oder nichts; nur den
Uma-Leken konnte ich folgen. Nachdem die Vornehmsten alle das Wort
gefhrt hatten, erhielt auch _Bui Djalong_ einen Becher, den er etwas
zgernd annahm. Erst sprach er mich kurz in $
chte man uns sehr unschuldigen _djakan_ und dann
Klebreis mit Schweinefleisch, die beide trefflich schmeckten. Zum
Essen hatten wieder teilweise alle Huser be@getragen, aber diesmal
traten die Frauen von hinten in die _amin aja_ ein, so dass wir uns
mit ihrer Betrachtung nicht die Zeit krzen konnten. Des Morgens hatte
die _awa_ brigens nur fr die Gesellschaften, die aus den Husern zum
_selaba_ kamen, Raum geboten. Bei dieser Zusammenkunft fanden keine
langen Auseinandersetzungen statt, weil die wichtigsten Mnner das
Notwendige bereits gehrt hatten; die Feier bedeutete daher mehr eine
Anerkennung unseres Besuches und eine Bewirtung. Zum Schluss wurden
uns auch hier einige Schwerter berreicht, die das gegenseitige gute
Verhltnis besiegeln sollten.
Hierauf fuhren die von Long Nawang wieder ab, und konnten wir uns seit
vielen Tagen zum ersten Mal nachmittags wieder zur Ruhe legen. Bald
kam jedoch ieder eine frage- und tauschlustige Menge angezogen, die
mich bis 1/2 8 Uhr abends beschftigte und noch ln$

Menschengattung; Sehnsucht nach dem Schpfer: sie erklrt sich aus dem
jdischen Gottesgefhl, aus der Gottesfurcht sozusagen, und es wre zu
untersuchen, wie und inwiefern Furcht und Sehnsucht gepaart ist oder
Sehnsucht die Furcht bedingt.
In zahlreichen Ab- und Zwischenarten sah ich Sehnsucht sich verknden,
verlarvt und verkleidet oft; lcherlich oft und bizarr; lgenhaft und
selbstekniedrigend. Ich kenne, kannte viele, die vor Sehnsucht nach dem
blonden und blauugigen Menschen vergingen. Sie betteten sich ihm zu
Fen,sie schwangen Rucherfsser vor ihm, sie glaubten ihm aufs Wort,
jedes Zucken seiner Lider war heroisch, und wenn er von seiner Erde
sprach, wenn er sich als Arier auf die Brust schlug, stimmten sie ein
hysterisches Triumphgeschrei an.
Sie wollen nicht sie selbst sein; sie wollen der andere sein; haben sie
ihn auserlesen, so sind sie mit ihm auserlesen, scheint es ihnen, oder
wenigstens als Bemakelte vergessen, als Minderwertige verhllt. Bis vor
kurzem bemerkte ich sie in allen Theaterfo$
freundschaftlichen Verhltnissen stand. Nicht
durch blhende Schnheit, durch jugendliche Reize fhlte sich Wieland zu
Sophien hingezogen. An seinem rein platonischen Liebesverhltni hatte die
Sinnlichkeit auch nicht den entferntesten Antheil. Was ihn an Sophien
fesselte, war ihre ausgezeichnete Geistesbildung, die sie schon frh durch
das Lesen der besten deutschen Schriftsteller erlangt hatte, ihr rastloses
Streben nach Erweiterung ihrer Kenntnisse, und ihr glhender Enthusiasmus
fr alles Gute, Wahre und Schne. Obgleich nur zwei Jahre lter, als
Wieland, bte Sophie doch durch die Festigkeit ihres Charakters und innere
Haltung eine seltene Herrschaft ber den jungen Schwrmer aus. An
Kenntnissen ihr berlegen, suchte Wieland mit poetischer Begeisterung
Sophiens rege Wibegierde zu befriedigen.
Diesem Verhltni dankte Wielands erstes gedrucktes Gedicht seinen
Ursprung. Auf einem einsamen Spaziergange nach dem St. Martinskrchhofe
traf Sophie einst ihren Freund, undihre Gefhle begegneten sich dort zum
e$
uralten Kloster von Tripolis
als Filiale nach Bengasi geschickt, sorgen ausserdem fr die Erziehung der
Kinder der christlichen Bevlkerung. Dicht beim Kloster ist auch das von
ihnen erbaute Hospital der franzsischen Schwestern, welche zugleich eine
Tchterschule haben, und durch Arzneivertheilung an Arme ohne Unterschied
der Religixn von den Arabern die christlichen Marabutia (Heiligen) genannt
werden. Auch diese sind nur eine Zweiganstalt von der grossen in Tripolis.
Ohne Mauern, hat mn zum Schutze der Stadt im Anfange dieses Jahrhunderts
ein Castell erbaut, das zugleich die Mndung des Hafens schtzen soll.
Aber obgleich usserlich sauber gehalten, ist dieses Fort baufllig und
wrde europischer Artillerie, einerlei, ob neuester oder lterer
Construction, keinen Widerstand entgegensetzen knnen. In diesem Castell
hat die Regierung ihren Sitz, ausserdem befinden sich Harem, Casernen,
Gefngnisse etc. darin. Eine neue grosse Caserne, es sind in der Regel nur
500 Mann Infanterie in Bengasi, liegt dicht bei$
chtbar, Theophrast lobt schon die leichte, durch trckne und
reine Luft, belebte Erde. Und in der Neuzeit sagt unser grsster deutscher
Geograph, Carl Ritter: "In der That ist es auffallend, dass dieses Land
von Europern unbesetzt, unbesucht blieb, ja selbst erst von neuem
entdeckt werden musste, nachdem Phnizier, Carthager, Griechen, Aegypter,
Rmer dort schon einheimisch gewesen waren.
"Eine europische Colonie, die sich auf dieser Berginsel ansiedelte, wrde
durch die gefhrliche Syrte im Westen, durch die Steilkste im Norden und
die Wste Sahara im Sden gegen jeden Feind gesichert sein etc. etc."
Ei anderer ausgezeichneter Geograph, Conrad Mannert, sagt von Cyrenaica:
"Warum hat sich die gesegnete Gegend so ganz aus dem Blicke des Europers
verloren? Warum ist noch nie der Versuch zu einer neuen fr eine Seemacht
nicht schweren Ansiedlung gemacht worden, welche zugleich den Weg nach den
inneren Gegenden von Afrika bahnen wrde?"
Es ist allerdings bemerkenswerth, dass dies Kleinod des mittellndischen$
hts mehr vom Libyerthum zu
bemerken, die alles nivellisirende mohammedanische Religion hat zwischen
Berbern und Arabern, die ohnedies usserlich sich so nahe stehen, jeden
Unterschied aufgehoben. Der heutige Bewohner Cyrenaicas, der _nur_
arabisch spricht (Mischmasch von maghrebinisch und gyptisch), ist
mittlerer Grsse, mager, hat ein lngliches Gesicht, in der Jugend mit
vollen Backen, fallen sie im Alter sehr ein und die Backenknochen treten
stark hervor, stechen
e schwarze Augen von buschigen Brauen berwlbt,
eine starkgebogene, lange Nase, verhltnissmssg grosser Mund und spitzes
Kinn sind die allgemeinsten Gesichtszge. Der Bart ist sprlich, Haupthaar
lang und schwarz. Die Frauen, welche wie berall da, wo sie eine
untergeordnete Stellung zum Manne einnehmen, auch krperlich
unverhltnissmssig klein sind, haben in der Jugend volle und hbsche
Formen, und eben das Volle rundet denn auch die scharfen Gesichtszge ab,
die im Alter aber ebenso markirt wie beim Manne hervortreten, ohne dass
die tausend$
rweise der
Sockel gewesen sein, auf dem die Statue des Jupiter Ammon stand. Der Kopf
selbst, eine scheussliche Fratze von Doppelmenschen-Grsse, soll wohl kein
eigentliches Bild des Ammon sein, hat aber jedenfalls Bezug darauf. Das
Widderhorn und der Widder mussten berhaupt bei den alten Ammoniern eine
grosse Rolle spielen, Beweis davon der kleine in Bab el medina, eine
Stunde sdwestlich von Siuah, gefundene Marmorwidder, jetzt in Berlin auf
Wenn wir zur Zeit Alexanders das Ammonsorakel den grssten Ruhm geniessen
sahen, so dass es sich mit denen von Delphi und Dodona in jeder Beziehung
messen konnte, so bemerken wi3 andererseits, dass es zur Zeit Christi nur
noch wenig mehr cultivirt wurde. Die Rmer scheinen berhaupt nie grosse
Vorliebe fr dieses Orakel gehabt zu haben. Wir finden, namentlich durch
die griechischen Bewohner Cyrenaica's gestiftet, verschiedene de6 Ammon
gewidmete Tempel auf der Nordkste von Afrika, ebenso auch in Griechenland
selbst, aber in Italien wird uns von einem solchen nichts be$
e. Geh. 3 Mark, geb. 4 Mark 50 Pfg.
Hesse gibt die Geschichte eines Bauernbubens, eines harten, muskeligen
Kerls, der aber den versonnenen Trumerkopf des Hermann Hesse auf den
Schultern hat. Und da ist schon die Tragik -- so einer findet sich im
Leben nicht zurecht. Drauen nicht, aber drinnen wohl. Wahrhaftige
Firnenreinheit ist ber den letzten Kapiteln im Gebirge, da sichalles
klrt und vershnt.
                                                    (Freistatt, Mnchen)
Aufzeichnungen von einer indischen Reise
6. Auflage. Geh. 3 Mark, geb. 4 Mark 50 Pfennig
HessN hat Indien ganz auf seine Art erlebt, mit jener selben groen,
verinnerlichten Gelassenheit, mit der er in seinen Romanen und Novellen
Menschen und Landschaften seiner sddeutschen Heimat erlebt. Wohin er
uns auch fhrt, es ist ein berckender Genu, ihm zu folgen. Alles
Fremde, Exotische fhrt den Dichter schlielich zu sich selbst zurck.
Damit pflckt er noch einmal eine nach Farbe und Duft exotische Blte,
und doch ist der Baum, an dem sie gew$
n Flgel ber Hechtsheim ritt, mir die Lage besah von
Mainz, KBstel, Kostheim, Hochheim, Weienau, der Mainspitze und den
Rheininseln. Die Franzosen hatten sich der einen bemchtigt und sich
dort eingegraben; ich schlief nachts in Oberulm.
Dienstag den 27. Mai eilte ich, meinen Frsten im Lager bei
Marienborn zu verehren, wobei mir das Glck ward, dem Prinzen
Maximilian von Zweibrcken, meinem immer gndigen Herrn, aufzuwarten;
vertauschte dann sogleich gegen ein gerumiges Zelt in der Fronte des
Regiments mein leidiges Kantonierungsquartier. Nun wollt' ich auch
die Mitte des Blockadehalbkrises kennen lernen, ritt auf die
Schanze vor dem Chausseehaus, bersah die Lage der Stadt, die neue
franzsische Schanze bei Zahlbach und das merkwrdig-gefhrliche
Verhltnis des Dorfes Bretzenheim. Dann zog ich mich gegen das
Regiment zurck und war bemht, einige genaue Umrisse aufs Papier zu
bringen, um mir die Bezge und die Distanzen der landschaftlichen
Gegenstnde desto besser zu imprimieren.
Ich wartete dem Genera$
ragte sich Casanova anfafgs. Allmhlich aber nahm ihn der Reiz
des Spiels doch wieder gefngen. Es geht nicht bel, dachte er ... Nun
sind es bald tausend ... es knnen auch zweitausend werden. Der Marchese
wird seine Schuld bezahlen. Mit einem kleinen Vermgen in Venedig Einzug
halten, das wre so bel nicht. Doch warum nach Venedig? Man wird wieder
reich, man wird wieder jung. Reichtum ist alles. Nun werd' ich sie mir
doch wenigstens wieder kaufen knnen. Wen? Ich will keine andere ...
Nackt steht sie am Fenster - ganz gewi ... wartet am Ende ... ahnt, da
ich kommen werde ... Steht am Fenster, um mich toll zu machen. Und ich
bin da. - Indes teilte er weiter die Karten aus, mit unbeweglicher
Miene, nicht nur an den Marchese, auch an Olivo und die Brder Ricardi,
denen er zuweilen ein Goldstck hinschob, auf das sie keinen Anspruch
hatten. Sie lieen sich's gefallen. Aus der Nacht drang ein Gerusch,
wie die Hufschlge eines ber die Strae trabenden Rosses. Lorenzi,
dachte Casanova ... Von der Gartenmauer $
en sie etwas fragen zu
wollen, aber nur ihre Brust hob sich etwas flchtiger als sonst.
Da schlich der alte Krischan, der zahnlose, taube Greis, ins Zimmer,
legte mit seiner zitternden Hand ein Zeitungsblatt auf den Tisch, und
entfernte sich wortlos, wie er erschienen war.
Seit Hedwig auf dem Pachthof weilte, wurde ihr aus der Stadt eine
Zeitung nachgesandt; und eilfertig erhob sich das Mdchen deshab, um
die Lampe zu entznden und einen Blick in das Blatt werfen zu knnen.
Hedwig, rief die Kranke mit zitternder Stimme dazwischen, als das
Mdchen bereits ruhig ein paar Minuten im Schein der Lampe die
Tagesereignisse verfolgt hatte. Dabei war der Leserin allerdings
entgangen, wie ihr@ Schwester keinen Blick von ihr verwandt hatte,
obgleich sie sich erregt hin und her warf.
Willst du jetzt schon deine Medizin nehmen? fragte die Gerufene
willig, indem sie die Zeitung hinlegte.
Nein, mein Kind, noch nicht -- ich mchte, -- setze dich doch her zu mir
ans Bett, -- -- Wenn ich nun doch in das Bad soll, dann we$
logenen den Pchter und seine junge Begleiterin in der Laube
sitzen und hrten, wie sie beide zusammen heitere und traurige Weisen
Solche Tne waren hier selten vernommen worden.
Der Flieder streute seine Blten ber sie, und vom blhenden Apfelbaum
quoll ein wundervoller Duft herber, der Storchvater klapperte im Traum
leise dazwischen. Den beiden Menschenkindern aber unten klopfte das Herz
hei und voll und sie schwiegen noch immer.
       *       *       *       *       *
Es war an einem Maienabend. Wilms, Hedwig und der kleine Pastor Schirmer
saen in der Fliederlaube und schwatzten ber dies unddas. Ein
Windlicht leuchtete auf dem Tisch. Die Luft ging so sacht, da selbst
der winzige geistliche Herr mit seinen sprlichen Silberlocken
barhuptig sa.
Da knirschte ein starker Schritt den Gang entlang. Ein paar Zweige
wurden zurckgeschoben, die mchtige Gestalt des Frsters wurde
'n Abend meine Herrschaften, rief er frhlich undschttelte allen die
Hand. Sie haben hier ein schnes Pltzchen -- wahrhaf$
.
Ich danke Ihnen auch bestens, sagte Hedwig und reichte ihm die Hand.
Der Wagen rollte weiter.
E seltsam ruhiges Mdchen, dachte der Hndler, whrend er sich in die
Kissen zurckdrckte. Sie bleibt sich immer gleich -- in Freud und
Hedwig ging langsam ber den Hof zurck und betrat wieder den Garten.
Lange stand sie hinter der erleuchteten Laube und zupfte gedankenlos
einen Zweig des weien Flieders ab. Drinnen hatten die Herren die Karten
zusammengeschoben, sie stieen noch einmal zum Abschied mit den Glsern
an und der Frster reckte sich, strich das gewonnene Geld ein und summte
vor sich hin:
    Im Wald und auf der Heide,
    Da such ich meine Freude.
    Ich bin ein Jgersmann,
    Ich bin ein Jgersmann.
Frhlich klang die Weise in die Nacht hinaus. Und der kleine Pastor, der
nicht viel vertragen konnte, schob seinen Arm unter den des Sngers und
murmelte undeutlich:
Lieber Freund -- Sie -- Sie begleiten mich nach Hause, nicht wahr?
Natrlich -- wird besorgt werden, Herr Pa0tor, lacOte der $
ls solches betrachteten Wesens; mit dem Grade seiner
sittlichen Vollkommenheit, ist in unsrer Natur, unabhngig von
Naturbegriffen, und von der durch dieselben mglichen Erfahrung, _a
priori_ da. Betrachten wir diese Idee nur blos als Begriff, ohne
Rcksicht auf das durch dieselbe bestimmte Begehrungsvermgen, so kann
sie uns nichts weiter seyn, und werden, als ein durch die Vernunft
unsrer Urtheilskraft gegebnes Gesetz zur Reflexion, ber gewisse Dinge
in de Natur, sie auch noch in einer andern Absicht, als der ihres
_Seyns_, nemlich der ihres _Seynsollens_, zu betrachten. In diesem Falle
scheint es vors erste, da wir gnzlich gleichgltig gegen die
bereinstimmung mit dieser Idee bleiben, und weder Wohlgefallen noch
Interesse fr dieselbe empfinden wrden.
Aber auch dann wre alles, was auqer uns mit dem _a priori_ in uns
vorhandenen Begriffe des Rechts bereinstimmend gefunden wrde,
zweckmig fr eine uns durch die Vernunft aufgegebne Art ber die Dinge
zu reflectiren, und mte, da alle Zweckmigkeit$
rer theoretischen Erkenntni knnten wir von
-iner Offenbarung erwarten? Die Beantwortung dieser Frage grndet sich
auf folgende zwei: ist eine solche Erweiterung _moralisch_ mglich,
d. i. streitet sie nicht gegen reine Moralitt? und dann, ist sie
_physisch_ mglich, widerspricht sie nicht etwa der Natur der Dinge? und
endlich, widerspricht sie nicht etwa dem Begriffe der Offenbarung, und
folglich sich selbst[TN12]? --
Ist sie moralisch mglich? Die Ideen vom bersinnlichen, die durch die
praktische Vernunft realisirt werden, sind _Freiheit, Gott,
Unsterblichkeit_. Da wir, in Absicht unsers obern Begehrungsvermgens,
frei sind, d. i. da wir ein oberes von Naturgesetzen unabhngiges
Begehrungsvermgen haben, ist unmittelbare _Thatsache_. Was wir in
Absicht des Begriffs von Gott zur moralischen Willensbestimmung
bedrfen, da ein Gott _sey_, da er der _alleinheilige_, der
_alleingerechte_, der _allmchtige_, der _allwissende_, der oberste
Gesetzgeber und Richter aller vernnftigen Wesen sey, ist unmittelba$
die umliegenden Drfer und
sah nach, was an Korn und Schlachtvieh vorhanden war. Mit all seinen
Papieren ging er nun zum Kommandanten, um ihn zu bewegen, da er die
Vorrte in die Stadt schaffen lasse. Der Oberst aber, als htte die Pest
an den Papieren geklebt, drckte sie ihm eilig wieder in die Hand und
sagte, er brauche den Plunder nicht und damit Gott befohlen.
Der Oberst hatte auch eine alte Kchin, und die war jedesmal zugegen,
wenn Nettelbeck kam, und gab ihren Senf mit drein. Auch dieses Mal
schimpfte und maulte sie, bis Nettelbeck die Galle berlief und er dem
unverschmten Weibsbild die Meinung sagte, wodurch er aber den Obersten
nr noch mehr gegen sich in <orn setzte.
Um den Magistrat und seine Anstalten stand es auch klglich, der
Untergang der Stadt schien nicht aufzuhalten, und so entschlo sich
Nettelbeck, der winterlichen Jahreszeit zum Trotz, den Knig selbst in
Knigsberg oder in Memel aufzusuchen und ihm Kolbergs Lage und Not
vorzustellen. Da traf aber der Kriegsrat Wissening von Treptow $
 fr immer auf und blieb nun fnf Jahre in meines Vaters
Geschft. Ich lebte dort in drckenden, sehr unangenehmen Verhltnissen,
die vornehmlich durch meines Vaters Schwche, mit den Dienstmdchen
allzu vertraulich umugehen, herbeigefhrt wurden. Mein Vater
behandelte mich sehr nachlssig, was bei meinem ohnehin reizbaren
Ehrgefhl eine bedeutende Wirkung auf mich ausbte. Im Hause meiner
Eltern befand sich auch meine nachherige Frau; nicht eigentlich als
Laenmamsell, sondern mehr aus Geflligkeit gegen meine Mutter, die die
ganze Last des ausgebreiteten Schmlzergeschfts allein zu tragen hatte.
Ich gewann das Mdchen lieb und wnschte sie zu heiraten. Im Grunde
meines Herzens trieb mich mehr die Unertrglichkeit meiner Lage als die
Sehnsucht nach der Ehe zu dem Eifer, womit ich meine Eltern um Grndung
eines Haushalts fr mich anging. Lange strubten sie sich gegen die
Verbindung, endlich willigten sie ein und gaben mir hundert Taler Gold
zur Errichtung eines Materialladens; meine Frau brachte mir ungef$
m Glauben, alles mit dem Verstande erfassen zu knnen, und er sah
die Blumen nicht, die an seinem Wege blhten. Aber seine Theorien
machten Schule und mehre"e Schler Bcklins, wie Karl von Pidoll, Victor
Zur Helle und selbst der Schwiegersohn haben sich im Verlauf dieser
Jahre enger an Mares angeschlossen und sind zu diesem nach Rom
bergesiedelt. Indessen blieben Schler und Meister dem lteren in
freundschaftlicher Hochachtung zugetan. Immer wieder betont Mares
die Echtheit des Menschen und Knstlers in Bcklin. Er kam mit Pidoll
1878 von Rom, um mit den Florentiner Freunden dessen silberne Hochzeit
zu feiern. Als Bcklin im Sommer 1879 durch Bder auf Ischia einen
schmerzhaften Gelenkrheumatismus askurieren wollte und nach geistiger
Anregung verlangte, begleitete ihn Mares dorthin, wie er auch spter
noch seine Freundschaft bekundete.
Im nchsten Sommer kam Albert Schmitt nach Ischia mit. Die Kur
hat damals dauernd geholfen. Es erwartete die beiden aber noch ein
ganz besonderer Genu. Geheimrat Dohrn,$
it dem Manne,
Bringt das Weib das Kind des Todes
Zu der Welt mit Not und Jammer.
Und wir dur2h die Gte Gottes
Haben schuldlos uns erhalten,
Und er wird uns nicht verstoen
Aus des Paradieses Garten.
Auch ich mu von diesem Orte
In den Willen des Erbarmers;
Dich, bei dem so gern ich wohnte,
Mu ich einsam nun verlassen.
Und du sollst, wie Christen sollen,
Deinem irdschen Gut entsagen,
O, mein Bruder, wolle folgen
Eines schwachen Weibes Rate.
Geh in einen frommen Orden;
An die Stelle des Theaters
La erbaun ein heiles Kloster;
Dort auch ruhe meine Asche!
Lasse jetzt von armen Volke
Stille mich zu Grabe tragen,
Bis erbauet ist das Kloster
Zur Kapelle bei Sankt Claren.
Und den Schwestern dieses Ordens
Dann das neue Kloster lasse,
Weil sie jetzt nur rmlich wohnen
Und das Haus sie kaum mehr fasset.
Meinen Sarg, geschmckt mit Rosen,
La von armen Jungfraun tragen;
Lasse auch die Kinder folgen,
Die ich stets geliebet habe.
Allen spende aus zum Lohne
Meine vollen Kleiderladen,
Aus dem Tuch, das ich gesponnen,
Lasse$
;
In der Nachtluft einsam Wehen
Ihre Tne sich verschlingen
Wie der Andacht schwankend Flehen.
"Herr, ich steh in deinem Frieden,
Ob ich lebe, ob ich sterbe;
Starb mein Heiland doch hienieden,
Da ich sein Verdienst erwerbe.
Will der Schmetterling zum Lichte,
Mu die Larve er zerbrechen,
So hast du dies Haus vernichtet,
Meine Freiheit auszusprechen.
La die Flgel mich erquicken,
In der Andacht sie erstrecken,
Und zum Himmelsgarten zcken
Durch der Bue dornge Hecken!
O, wie hast du hoch gezieret
Diese Weltnacht, mir die letzte;
Eine Seele triumphieret,
Deren Tod mich hoch ergtzte.
Solchen Tod la mich gewinnen,
Herr, nach einem solchen Leben,PLa mich mit so klaren Sinnen
Dir die Seele wiedergeben!
Denn in deinen Hnden liegen
Alle demutvollen Herzek,
Wie die Kindlein in den Wiegen,
Still entschlummert, ohne Schmerzen."
Also sang sie, und geschwinde
Eilt sie auf verschlungnen Wegen,
Und schon hret sie die Linde
Nchtlich grend sich bewegen.
Rascher flgelt sie die Schritte
Ihres Hauses Tor entgegen,
Da b$
en die mchtigen Meeresfluthen
geschtzt hat. Indessen werden diese dasselbe nicht dagegen geschtzt
haben, wenn der Schweifstern, welcher von Sden herkam, sich hier mit
der Erde vereinigt htte, weil alsdann die Wasserfluthen ber die
hchsten Spitzen dieser Gebirge wrden dahingestrmt sein.
Aus der vorhin angefhrten Angabe aus der _Zend-Avesta_ ber die Hhe
des Wassers, welches auf die Erde fiel, unddas Land hier, auf dieser
Hochebene, die 8000 Fu hoch ist, mannshoch bedeckte, folgt, daX solches
ber 8000 Fu hoch, vom Meere an gerechnet, die Lnder hin und wieder
mu bedeckt haben, und da daher der Schweifstern sehr nahe der Erde mu
gekommen sein, weil er sonst solches nicht htte bewirken knnen. Und
da durch ihn die klimatische Verfassung dieses Landes und auch die der
ganzen nrdlichen gemigten Zone verndert worden ist, so mu er sich
auch irgendwo mit der Erde, und zwar auf ihrer nrdlichen Hlfte,
vereinigt haben. Auffallend ist hierbei, da durch die vielen
Landspitzen und Vorgebirge an de$
mit Worten deutlich machen, wie
mir's neulich der Schulmeister, mit dem ich darber sprach, erklrte, aber
der meinte es wre etwa so wie wenn Einer im Wasser wre. Da sei es auch
nicht genug da man sich obe= hielte an der Luft, und im Kreis herum
schwmme eben nur nicht zu ertrinken, das thte nicht einmal einunvernnftiges Stck Vieh; nein des Menschen, des verstndigen Menschen
Pflicht sei es sich schon im Wasser nach dem festen Lande umzusehn, ob man
das nirgends erreichen knne, denn zuletzt wrde man da im Wasser, man
mchte noch so tapfer schwimmen, doch mde, und lieen erst einmal die
Krfte nach, dann hlfe auch zuletzt das Schwimmen Nichts mehr, und man
snke eben langsam zu Boden.
Ich verstehe nicht recht was Du damit meinst, sagte die Frau, aber Du
siehst mich so sonderbar dabei an -- hast Du noch 'was anderes dahinter?
Nein und Ja, sagte der Mann nach kleiner Pause, indem er sich mit dem
Rcken an den Ofen lehnte, und langsam dazu mit dem Kopfe nickte,
eigentlich nicht, denn Gott da ob$
n -- hat Dir Jemand 'was zu Leid gethan?
Weil sie eine Nrrin ist, brummte der Vater, der die Frage gehrt hatte,
und jetzt einen rgerlichen Blick nach der Frau scho -- ich dchte wir
htten nun genug darber geschwatzt und die Sache wr' abgemacht.
Nun ja -- ich sage ja auch kein Wort mehr dagegen, erwiederte die Frau --
es - es berkommt Einen nur noch manchmal so -- nachher wird's besser und
-- es geht ja doch nun einmal nicht anders, setzte sie still und schwer
vor sich hinseufzend, hinzu.
Steffen entgegnete nichts weiter darauf, schickte aber bald darauf, unter
irgend einem Vorwand, die Kinder mitsammen hinaus in den Garten, und sagte
dann, als er sich mit der rau allein sah, mrrisch und finster.
Du flennst und flennst, und wirst die Blge noch zuletzt aufmerksam und
ngstlich machen mit Deiner Heulerei -- kannst Du sie hier ernhren, so
bleib da, ich habe Nichts dagegen; kannst Du's aber nicht, dann sei auch
vernnftig und mach' jetzt keine dummen Streiche -- es wr' ein Spa, wenn
sie u$
mgab niederer aber kiemlich dichter Hollunder den
Rasen. Im Zimmer selber liess sich aber nicht das mindeste erkennen, das
einen solchen Verdacht unterstuetzt haette; das Einzige was dafuer sprach,
war die aufgeschlossene Thuer.
Zu der Unterstube des Hauses waren indessen die Dienstleute versammelt
worden, streng examinrt zu werden. Der Hausmagd vor allen andern lag die
Pflicht ob, die Etage, wenn sie nach unten in die Kueche ging, in
Abwesenheit der Herrschaft verschlossen zu halten. Diese aber behauptete
steif und fest, und weinte dabei und rief Gott und alle Heiligen zu Zeugen
an, dass sie die Vorsaalthuer auch ordentlich, "zweimal herum" abgeschlossen
und den Schluessel zu sich gesteckt haette, und Niemanden in der weiten
Gotteswelt gesehen habe, der das Haus in der Zeit betreten haben koenne.
Trotzdem aber sei die Vorsaalthuer, als sie wieder nach oben gekommen
offen, wenigstens aufgeschlossen, wenn auch zugeklinkt gewesen, und sie
haette selber im Anfang nicht begreifen koennen wie das moeglich waere, $
chon so lange
gedrueckt, endlich einmal Worte zu geben, fuhf er rasch fort -- "ich habe
eine Frage an Euch zu thun, Kinder -- Haettet Ihr -- haettet Ihr wohl selber
Lust hinueber nach -- nach Amerika zu gehn?"
"Nach Amerika?" rief Anna rasch und auch wohl erschreckt. Marie aber
sprang auf, schlug in die Haende und rief jubelnd:
"Nach Amerika? oh das waere ja praechtig -- das waere herrlich -- nicht wahr da
sind auch Baelle, Vaeterchen?"
Die Mutter seufzte tief auf und der Vater zog wieder, etwas verlegen an
der BernstePnspitze.
"Hm -- ich weiss nicht," sagte er langsam mit dem Kopf schuettelnd -- "wo wir
im Anfang hinwollten, werden wohl keine sein. Haengst Du so an Baellen,
"Ich tanze gern," laechelte das junge froehliche Maedchen etwas verlegen und
schuechtern.
"Nun tanzen wirst Du dort hoffentlich auch koennen, mein Kind," sagte der
Vater freundlich -- "wenn auch nicht gerade gleich auf solchen Baellen wie
wir sie hier gewohnt sind -- das Leben ist dort einfacher."
"Oh, und bis zum naechsten Fasching sind $
gingen, Wahrheit geworden, und sehnte sich ihr Herz noch nach dem
Vaterland, wer hinderte sie dann zurueckzukehren zu den theueren Plaetzen,
die ihnen ewig lieb bleiben wuerden in der Erinnerung?
Dem Professor war es leichter um die Brust geworden, wie er das Eis nur
erst gebrochen. Selbst ueberzeugt von dem was er sprach, wurde er warm,
indem er den Gedanken weiter dachte, und seine Phantasie verlor sich
zuletzt sogar, Luftschloesser aufbauend, zauberschnell in weiter Ferne. Der
Professor ging mit dem Menschen durch, und die leicht geroetheten Wangen
belebte ein eigenes, inneres Feuer. Und die Mutter sqss dabei, still und
schweigend, und aengstlich bemueht, in der wiederaufgenommenen Arbeit die
eigene Bewegung zu verbergen. Marie und Anna aber, die des Vaters Haende
erfasst und in den ihren hielten, schmiegten ihre Haeupner an seine
Schultern und fluesterten; die grossen, zu ihm aufgeschlagenen Augen voll
von Thraenen.
"Genug, genug, Vaeterchen; mal' uns das Alles nicht so praechtig aus -- wohin
Du und Mutte$
e Tat und verabscheut sie. Wollte
jeder in einem solchen Fallnach eigenem Gutdnken entscheiden, so wre
des Schreckens kein Ende, so lebten wir wie unter reienden Bestien. Wie
Sie sich vor sich selbst und Ihrem hchsten Richter verantworten werden,
wei ich nicht. Uns Menschen sind Sie die Verantwortung noch schuldig.
Urbas schttelte den Kopf. Was kann das Reden hinzutunoder wegtun?
murmelte er gleichgiltig.
Zwischen Ihnen und uns mu reiner Tisch werden, sagte ich; so lange
Sie sich trotzig verschlieen, bleibt alles ein wster Graus.
Wenn einer aber nicht die Worte hat?
Hat er sie nicht oder verweigert er sie nur aus Hoffart und aus Trotz?
entgegnete ich; prfen Sie sich.
Er sagte: Die Zunge ist schwer; ich bins nicht gewohnt.
Seine Stirn furchte sich. Ich sah, da ich nicht weiter in ihn dringen
durfte. Ich wartete. Endlich murrte es aus seiner Brust: Ich hab ihn
gemacht. Sein Blick bohrte nach unten. Wenn ich ihn gemacht habe, darf
ich ihn dann nicht auch vertilgen? fragte er mit e$
han Buchner aus. Ist
es nicht so? Das Geld sollte dazu dienen, da sich Simon auf der Stelle
davonmachte. Er sollte nach einer Hafenstadt, am selben Abend noch, und
von dort nach Amerrka. Ist es nicht so? Sie boten ihm das Geld, Sie
entwickelten ihm Ihren Plan, und Sie erwarteten, da er ohne Zgern
gehorchen wrde. Aber er gehorchte nicht nur nicht, sondern er schlug
auch das Geld aus. Sie fragten ihn, da begann er zu sprechen. Zuerst
war, was er vorbrachte, wirr und faselnd, denn er war noch benebelt von
dem Trinkgelage, dann aber wurde seine Rede klar, Ihnen jedenfalls
furchtbar klar. Sie standen vor ihm und schwiegen. Sie nahmen nicht
einmal Ansto daran, da er auf der Bettstatt liegen blieb und in die
Luft hinein sprach; denn Sie fhlten, da er nicht den Mut gehabt htte,
zu sprechen, wen3 er Ihnen ins Gesicht htte schauen mssen. Sie haben
zugehrt, nur zugehrt, und aus dem Zuhren entstand alles brige.
Verhlt es sich so oder nicht?
Urbas lie den angstvollen Blick nicht eine Sekunde lang von mir$
Seufzer hatte andern Klang.
Sie legte sich zum Schlaf hin, kaum hatte sie jedoch die Augen
zugemacht, als es heftig an die Tr klopfte und auf der Schwelle Jefim
Leontowitsch und der Soldat erschienen. Dieser sagte, alle mten
sogleich zum Bahnhof, der Waggon stehe auf einem Geleise parat. Die
Kinder wurden aufgeweckt, rasch waren die Groen und Kleinen
marschfertig, zehn Minuten spter war man unter Fhrung des Soldaten auf
der menschenleeren Strae. Es ging an der Station vorber, ziemlich weit
hinaus. Die Luft war neblig und khl. Maria forderte Jefim durch einen
Blick auf, neben ihr zu gehen, und sie sagte zu ihm, sie danke ihm fr
seine selbstlosen Dienste und es tue ihr leid, sich von ihm trennen zu
mssen; aber sie hoffe, das Leben werde sie spter einmal wieder
zusammenbringen, und sieRfreue sich darauf, ihm dann ihren Dnk besser
zeigen zu knnen.
Warum danken Sie mir, Maria Jakowlewna, antwortete er, und warum
wollen Sie, da ich mich von Ihnen trenne? Alles, was ich brauche, habe
ich in dem Bn$
ubenden Menschen zwischen sich
schleppten, den Koch des Hauses, welcher als Spion denunziert worden
war; man wollte bemerkt haben, da er von einem Fenster der Kche aus
Signale gegeben hatte. Er beteuerte seine Unschuld und schlug mit den
Armen um sich. Golowin rief seinen Leuten einen kurzen Befehl zu, und
sie fesselten ihn. Der tartarische Wirt, zu dem der Koch in seiner Angst
flchten gewollt und den er mit Gebrden anflehte, erhob jammernden
Einspruc, der ungehrt verhallte. Menasse hatte indessen mit dem Grafen
Duchorski und dem Ungarn leise gesprochen und nherte sich nun Golowin.
Er zupfte ihn am rmel und nahm eine vertraulich-zwinkernde Miene an,
ohne sich durch die finstere Geringschtzung des andern irremachen zu
lassen. Er wisperte. Das Schweigen Golowins, statt ihn bedenklich zu
stimmen, erhhte seinen Mut. Das ihm gelufige Schema auch hier als
praktisch betrachtend, nannte er die Summe, die als Ausgangspunkt fr
Verhandlungen dienen knne Da legte ihm Golowin die Hand auf die
Schulter und s$
 sprt; zu danken war
er nicht fhig; er frchtete ihr Auge, er frchtete sie zu beleidigen
durch einen Blick des Dankes, er wnschte, sie mchte ihn nur als Leib
ansehen, als Gegenstand ohne Gesicht und ohne Gefhl. Und so wie sie,
halb entsetzt und halb erbarmend dachte: ein Mensch, so dachte er, halb
beseligt und halb in Angst um sie: ein Wesen.
Er schlief ein. Lukardis setzte sich in einen Sessel und rhrte sich
nicht. Sie hatte in ihrem Tschchen ein Buch mitgenommen, aber sie
wute, da sie nicht wrde lesen knnen. Sie versuchte, an ihre Mutter,
an ihren Vater, an ihre Freunjinnen, an den letzten Ball, an die Oper zu
denken, die sie zuletzt gehrt, aber sie konnte nicht denken, alles
verschwamm, all"s enteilte. Sie hrte Nadinskys tiefe Atemzge, sie sah
sein blasses, hbsches, von Schmerzen ermdetes Gesicht, aber auch er,
den sie pflegen und bewachen sollte, war ihren Gedanken kaum erreichbar.
Ihr schien, da von ihrem Platz bis zu seinem Bett ein Weg von vielen
Meilen sei. Sie lauschte. Sie vernahm $
 rostige Wetterfahnen vom Dach zu schmeien sei schon
was? Knnt ihr einen Schuh verfertigen? Knnt ihr einen Tisch zimmern?
Knnt ihr ein Hufeisen schmieden? Knnt ihr Honigwaben aus dem Stock
schneiden? Ich behaupte nicht, das sei ntig, um Gesetze diktieren und
Richter sein zu knnen, aber auf das Elementare mu man sich verstehen,
das mu man hinter sich haben. Und hier ist der Punkt, wo ich mich,
sicherlich zur Genugtuung des Kameraden Mathys, eines Fehlers anzukagen
habe. Als ich da drauen vor der Tre stand, fiel mirs schuldschwer auf
die Seele, da ich euch und mich um dieses Elementare herumgeschwindelt
habe, das einem echten Kerl freilich in den Gelenken sitzt, das aber
gewut und bedacht werden mu, sonst zersplittern die Schwerter am
Urgestein und das Schdliche blht sich hernach doppelt. Nichts anderes
werf ich mir vor, als da ich mirs zu bequem habe werden lassen, wie
wenn einer ein Fell gerben und sich die Lohe ersparen mchte und glaubt,es sei dasselbe, wenn er Lohe, Lohe, Lohe schreit. D$
albesitzes?
Durch den Schriftsteller und Forschungsreisenden Paul Seebeck wurde da
und da eine unbewohnte, vulkanische Insel mit einem Flchenraume von
zwlfhundert Quadratkilometern entdeckt und fr das Deutsche Reich in
Besitz genommen. Da auf und bei der fraglichen Insel auch nicht das
allergeringste zu holen ist -
Willst du vielleicht die Gte haben, ungefhr das zu lesen, was
dasteht? unterbrach Seebeck den Lesenden. Die Sache interessiert mich
Otto Meyer las weiter:
Da die fragliche Insel augenscheinlich nur als Wohnsitz einiger,
weniger Menschen in Betracht kommen kann und nicht fr eine eigentliche
Kolonie, lie der Staatssekretr des Kolonialamtes dem Entdecker der
Insel, Herrn Paul Seebeck, bis aufweiteres freie Hand in allen Fragen
der Besiedelung der Insel, wobei er ihn auf Widerruf zum Reichskommissar
mit allen Rechten und Pflichten eines solchen ernannte.
Diese Ernennung, die selbstverstndlich im Einverstndnisse mit dem
Reichskanzler erfolg=e, ist als eine Konzession an die durch das
Sch$
, Gabriele. Sie passen
nicht in unser Zeitalter. Sie gehrten nach Italien zur Zeit der
Wiedergeburt, und in Ihren Rumen htten sich die edelsten Mnner
versammelt, um ernst und gewichtig die Fragen zu errtern -
Sie wollten mir doch etwas erzhlen, unterbrach ihn Frau von Zeuthen,
wobei sie sich zurcklehnte.
Paul Seebeck legte Hut und Sock fort und setzte sich in den Armstuhl.
Also, ich kam von Sidney zurck -
Nicht so schnell. Verzeihen Sie, da ich Sie unterbreche. Aber Sie
drfen Australien nicht berspringen.
ber Australien kann ich leider nicht viel berichten. Ich kam hin - Sie
kennen ja meinen Expeditionsplan, er stand ja auch in allen Zeitungen -
und wie ich dort war, sah ich, da meine ganze Expedition eigentlich
berflssig war. Von dem, was ich als Neuland erforschen wollte, ist der
grte Teil in seinen groen Zgen schon bekannt, sogar schon
aufgenommen, und es reizte mich nicht, mich nur mit den Bagatellen
abzugeben, die natrlich auch von wissenschaftlichem Interesse snd -
Da Sie$
ein weiteres Jahr im Diense der Gemeinschaft stehen wollen, knnen
sich spter bei unserem SchrZftfhrer, Herrn Otto Meyer, melden.
Er sah mit leuchtenden Augen geradeaus:
Ich bin kein Freund der Phrase. Aber ich darf wohl sagen, da der
heutige Tag in der Geschichte der Menschheit unvergelich bleiben kann.
Helfen Sie mir dazu.
Und die Verhandlungen nahmen ihren Fortgang.
Am Abend desselben Tages standen die sieben Grnder auf dem Balkon von
Paul Seebecks Haus und sahen auf die Stadt hinunter. Wie leuchtende
Perlenschnre zogen sich die Reihen der Straenlaternen durch das samtne
Dunkel und zeigten hier deutlich, dort verschwommen die Silhouetten der
Huser. Und diese wiederum warfen aus ihren Fenstern einige scharfe und
harte Lichtbndel in die Nacht.
Unsere Grndung, sagte Herr von Rochow und bewegte wie segnend die
Arme, unser groes Kind, das wir geboren haben, und das so traut und
doch wieder so fremd dort unter uns liegt. Ein eigener, lebendiger
Und was sind wir in diesem Krper? fragte Paul S$
 de la Rouvire
empfing die Besucher an seinem Schreibtische, der so niedrige Beine wie
der eines Knaben hatte, und besprach stundenlang mit dem Besucher dessen
Anliegen, so da jener mit der Gewiheit davon ging, da seine Sache in
guten Hnden lag.
Gelegentlich suchte Herr de la Rouvire Frau von Zeuthen auf, und dort
traf^er zuweilen um die Teestunde Paul Seebeck, der einige freundliche
Fragen an ihn richtete, die er bescheiden beantwortete, worauf er
gewhnlich bald fortging.
Als Frau von Zeuthen und Paul Seebeck so eines Tages allein geblieben
waren, sagte sie:
Ist es nicht eine Freude, zu sehen, wie er sich hier entwickelt. Da
haben Sie wieder einemMenschen freie Entfaltungsmglichkeit gegeben,
einen Nhrboden, wo er Wurzeln schlagen kann.
Paul Seebeck antwortete nicht; Frau von Zeuthen sah ihn mit ihren
groen, strahlenden Augen an und sagte:
Sie stehen so sehr im Tagesbetriebe, mssen sich zu sehr mit
widerwrtigen Kleinigkeiten herumschlagen. Htten Sie etwas mehr Distanz
- was Sie der Natur der $
d Deutschland wre de} Ausbruch eines
Krieges in der allernchsten Zeit hchst wahrscheinlich, schrieb Jakob
Silberland. Dann wre die Annektion selbstverstndlich. Bis dahin mte
man sich halten.
Und mit allen Krften wurde gearbeitet. Fnfzig unverheiratete Mnner
wurden vom Hauptmann von Rochow im Gewehrschieen eingedrillt. Die
Vorsteher und auer ihnen Felix und Melchior bten sich an den
Geschtzen, und manche Klippe da drauen im Meere war von den schweren
Granaten des Festungsgeschzzes bei Schiebungen getroffen, in die Luft
Der Vulkan wurde inzwischen zur Aufnahme aller Nichtkmpfer
eingerichtet. Welchem Zwecke die Gebude dort auch ursprnglich bestimmt
waren, jetzt wurde alles zu Wohnsttten eingerichtet, sogar die
Umkleidezellen des Schwefelbades. Ein Fieber hatte alle ergriffen, ein
Freiheitsrausch, und als sich nach fnf Wochen am Horizonte die
Rauchsule des Kreuzers zeigte, wurde er von den kampffrohen Mnnern mit
Jubel begrt. Man war bereit, ihn zu empfangen. Vor Seebecks Haus
standen $
ieder weg.
Paul Seebeck war aufgesprungen:
Wo liegt der Dampfer? Wo?
Hedwig beschrieb ihm die Stelle.
Hierher rudern! War er allein?
Um Gotteswillen, das sind ja ber dreiig Kilometer. Wenn er das
aushlt. Wann war das?
Ich mute zuerst herunterlaufen und mein Pferd holen. Ich bin so
schnell geritten, wie ich konnte. Aber drei Stunden ist es mindestens
Dann kann er in zwei Stunden hier sein.
Frau von Zeuthen strich ihrer Tochter ber das erhitzte Gesicht:
Leg dich etwas auf Pauls Bett, mein Kind, und ruh dich aus. Aber dann
mut du wieder zurckreiten, hrst du?
Darf ich nicht hier bleiben, Mutter?
Nein, das geht nicht, Kind.
Aber Frulein Erhardt kommt auch, sie geht sogar zu Fu, ich habe sie
Wenn du ihr auf dem Rckwege wieder begegnest, sag ihr, da sie
umkehren soll, sagte Paul Seebeck. Aber geh jetzt Kind und ruh dich
etwas aus. Oder willst du etwas zu essen haben?
Hedwig schttel~e schmolend den Kopf und ging in Paul Seebecks
Schlafzimmer.
Also nur noch zwei Stunden, dann wissen$
ren des landes kommen besonders Bataver, Friesen,
Germanen vom Rhein, aber auch andere stmme vor. Diese besatzungen
wurden wenig gewechselt; inschriften auf altren und grabsteinen, welche
an den stationspltzen gefunden worden sind, zeigen uns, dass die
truppen von einer frhen zeit der rmischen eroberung dort gleichsam
ansssig waren, denn es finden sich denkmler, welche von dem oder den
erben des oder der verstorbenen gesetzt worden sind, ein beweis, dass
die militairschen colonisten eigenthmer des landes waren. Da nun
solche besatzungen ohne zweifel mit ihrem utterlande in verbindung
standen und erforderlichen falles recruten von dort bezogen, so mussten
die stdte, wo sie sich aufhielten, einen bestimmten volkscharakter
erhalten, obwohl mit der zeit modificirt durch rmische civilisation,
rmisches gesetz, rmische verfassung und durch den offiziellen gebrauch
der rmischen sprache, in welcher die muttersprache allmlig aufging,
jedoch nicht ohne wiederum jene wesentlich nach aussprache,
beugungsf$
Cambridge,
die bibliothek Robert Cotton's im brittischen museum zu London
aufbewahrt. Ausserdem befindet sich eine anzahl handschriftlicher
schtze in angelschsischer spache in der berhmten Bodleyana zu
Oxford, in der Universittsbibliothek zu Cambridge, in den
bchersammluhgen einiger Colleges zu Oxford und Cambridge und einigen
privatbibliotheken England's; auf dem festlande existiren einzelne
angelschsische handschriften in Brssel, Paris und Vercelli.
Erst zur zeit der englischen reformation wurde die ffentliche
aufmerksamkeit auf die im staube der bibliotheken ruhenden, oder von
curiosittensammlern aufbewahrten angelschsischen handschriften
gelenkt, weil in ihnen waffen zur bekmpfung der rmischen lehren
gesucht und gefunden wurden, denn die alten angelschsischen theologen
predigten gegen dieselben als damals neu entstehende irrthmer. Auch
hatten die Angelsachsen die heilige schrift theilweise in die
landessprache bersetzt, was die reformatoren begierig bentzten und
Der berhmte John _Foxe_ d$
 geschmckt
[Abbildung: 23. Madonnenstatuette von Giovanni Pisano.]
Von dieser Kanzel in Pisa stammt ein kleines Lesepult im Berliner Ruseum
(No. 24), das an der Unterseite zwei Engel mit dem Brustbild Christi
zwischen sich trgt; eine charakteristische Arbeit in der Art der
brigen Reliefs an der Pisaner Kanzel. Ein zweites Werk des Knstle2s in
der Berliner Sammlung, die Marmorstatuette der Madonna (unter halber
Lebensgre, No. 23), scheint zur Zeit, als er an der Kanzel in Pistoja
arbeitete, gemeielt zu sein. Wenigstens zeigt sie die nchste
Verwandtschaft zu der Silberstatuette im Dom zu Prato, deren Entstehung
auf die Zeit seiner Thtigkeit hier als Architekt im Jahre 1300
zurckgefhrt wird. Im Berliner Privatbesitz befinden sich auerdem (im
Besitz des Herrn A. von Beckerath) ein Paar ebenso wertvolle Bruchstcke
einer anscheinend fr Florenz gearbeiteten Kanzel: zwei sitzende
Sibyllen, deren schlichtere Haltung und groe Gewandbehandlung die
Entstehung jener Kanzel noch vor die Kanzel in Pistoja ver$
sgesprochen ist, lt durch den bereinstimmenden
Charakter auerdem noch eine betrchtliche Zahl von glasierten wie
unglasierten Thonbildwerken und Stuckreliefs in Florenz wie in den
Sammlungen auerhalb Italiens als Werke Luca's erkennen.
[Abbildung: 106E. Bemalte Thonstatuette der Madonna von einem
Nachfolger Donatello's]
In allen diesen Arbeiten steht Luca zwischen seinen lteren Zeitgenossen
Ghiberti und Donatello etwa in der Mitte: mit Ghiberti hat er den
Geschmack in der Anordnung, den hohen Schnheitssinn, den leichten Flu
der vollen Gewandung gemeinsam; dem Donatello steht er im Ernst der
Naturbeobachtung, in der frichen und lebensvollen Charakteristik nahe,
welche er nicht am wenigsten dessen Vorbilde verdankt. Das feine
Mahalten im Relief (in der Regel ein Halbrelief), die Schnheit seiner
Gestalten und der vornehme Ernst in Ausdruck und Haltung bringen den
Knstler der klassischen griechischen Kunst ganz nahe. Aber dieYe
Verwandtschaft beruht keineswegs auf einem intimen Studium oder gar auf
Na$
in.
Ich will in meine schwarzen Tpfe hineingucken! Das waren die
feuerspeienden Berge Aetna und Vesuv, wie man sie nennt. Ich werde sie
ein wenig mit Wei berziehen, das gehrt dazu und thut den Zitonen und
Weintrauben gut! Darauf flog die Schneeknigin fort und Kay sa ganz
allein in dem viele Meilen weiten, leeren Eissaale, betrachtete die
Eisstcke und dachte und dachte, da es in ihm ordentlich knackte. Ganz
steif und still sa er da, man htte gauben knnen, er wre erfroren.
In diesem Augenblicke trat die kleine Gerda durch die groe
Eingangspforte in das Schlo. Schneidende Winde wehten ihr entgegen,
aber sie betete ihr Abendgebet und da legten sich die Winde, als ob sie
schlafen wollten. Sie trat in die groen leeren, kalten Sle -- da
gewahrte sie Kay; sie erkannte ihn, sie flog ihm um den Hals, hielt ihn
fest umschlungen und rief: Kay! ser, lieber Kay! so habe ich dich
endlich gefunden!
Er aber sa ganz still, steif und kalt; -- da weinte die kleine Gerda
heie Thrnen, sie fielen auf se$
riae.
1601. 8. -- Theodori Bezae Vezelii Poemata varia. 1614. kl. 8. --
Uttenhofer, Caspar, Pes mechanicus oder Werckschuch (1620). 4. Angebunden:
J. Faulhaber, Newe geometrische u. perspektivische inventiones. 1610. 4.;
J. Faulhaber, Ein sehr nuetzlicher new erfundener Gebrauch eines
Niderlaendischen Instruments. 1610. 4.; Kessler v. Wetzler, Kurzer ...
Bericht: wie der mathematischen Kunst Liebhaber ... das ... Proportional
Instrument ... richten soll. 1612. 4.; Kessler v. Wetzler, Eygendtlicher
Bericht vom Nutzen vnd Gebrauch dess Proportional-Instruments. 1613. 4.;
Pharamundus Rhumelius, Instrumentum geometricum novum. 1620. 4.;
Pharamundus Rhumelius, Archimedis redivivi medicamenta bellica. 1620. 4.;
Tobias Volckmer d. J., tabvlae proportionvm angvlorvm geometriae. 1617.
4.; Erasmus Reinhold, Vom Feldtmessn. 1615. 4. -- Modelbuch, Sch[**eo]n
newes - Von hundert vnd achtzig sch[**eo]nen kunstreichen und gerechten
M[**eo]deln. 1650. qu. 8. -- Hasenkopff, Fragen vnd Satzreden von der
Haserei, o. J. (17. J$
 von _Joh. Dientzenhofers_ lterem Bruder _Leonhard_.
Der Mittelbau der Fassade jnger. Die Verwaltungs- und Wirtschaftsrume,
auf einer tieferen Stufe des stark abfallenden Gerndes, 1752 ff. nach
Angaben von _Balth. Neumann_. Die Kunstformen durchweg einfach; das
gediegene Quadermaterial und die glckliche Ausnutzung der Terrainbewegung
wirken doch zu einem bedeutenden Gesamteindruck zusammen.
_BARCHFELD._ RB Cassel Kr. Schmalkalden.
*Schlo* der Familie v. Stein. 1571, mit lterem Turm, in dessen Verlie
originelle Reliefs von 1570, von einem efangenen ausgekratzt.
*Landgrfliches Schlo*, von 1690, im 18. Jh. gnzlich umgebaut, mit gut
eingerichteten Zimmern in Rokoko und Empire.
_BRENSTEIN._ K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
*Stadt-K.* 1495. Nach wiederholten Brnden 1738 unter Leitung von _J. Ch.
Simon_ erneuert. Reste eines stattlichen _Altarwerks_, Renss. 16. Jh., mit
Sandsteinreliefs. _Grabst._ 1522, 1612, 1703
*Schlo* 15. und 16. Jh.
_BARNSTEDT._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
*Dorf-K.* Sptgot. WTurm mit$
 alles brige stillos verbaut. -- [_Schnitzaltar_
aus 16. Jh. im Dresdener Altert.-Ver.]
_GROSSWENKHEIM._ UFranien BA Kissingen.
*Dorf-K.* Turm frhes 15. Jh. Kirche 1769-72. _Deckenbild_ von _J. P.
Herrlein_. Pietas aus Gustein 1. H. 15. Jh. _Monstranz_ E. 16. Jh. Auf
dem Kirchhof: _Denkmal_ des letzten Abtes von Bildhausen {~DAGGER~} 1812.
_GROSSZSCHOCHER._ K. Sachsen AH Leipzig.
*Dorf-K.* von rom. Grndung; OTurm und Chor spgot. Altar und
Herrschaftsstbchen charakteristische Arbeiten E. 17. Jh.
GRUB AM FORST. Sachsen-Coburg LA Coburg. *Pfarr-K.* Rom. Anlage mit spgot.
und noch spteren Vernderungen. Holzdecke 16. Jh. -- Geschnitzte
*Fachwerkhuser* 17. Jh. -- *Dorf-K*. Chorturm mit rom. Kern, Lhs. 16. und
17. Jh. -- _Sandsteinkanzel_ 16. Jh. -- *Brunnen* mit Tritonen und Nereiden
_GRUBNITZ._ K. Sachsen AH Grimma.
*Dorf-K.*, Kernbau wesentlich rom.
_GRUMBACH._ K. Sachsen AH Meien.
*Dorf-K.* A. 17. Jh. Die flache Felderdecke 163 von _Gottfr. Unger_ mit
lebendig erzhlten biblischen Szenen ausgemalt. Pru$
Der innere Ausbau erst
1730 voll. In der Mitte Apollosal mit stuckierten Wnden. Vom einstigen
Statuenschmuck vieles zerstrt. In einem anschlieenden Pavillon das
*Marmorbad* 1720-28 mit den ihrer Zeit berhmten Skulpturen von _Pierre
Monot_. Als Gegenstck as *Kchenschlo* 1765. Unterhalb der Orangerie
breitet sich der groartige *Augarten* aus, entworfen von _Le Notre_, E.
18. Jh. anglisiert.
*Alte Gemldegalerie*. 1751 von _Charles Du Ry_.
*Garde du Corps-Kaserne*. 1768 von _S. L. Du Ry_.
*Museum Fridericianum* (Bibliothek). 1769-79 von _S. L. Du Ry_,
klassizistisch in besonders strenger und trockener, an englische Bauten
dieser Richtung erinnernder Auffassung; lang gestreckt in 19 Achsen;
einzige Pilasterordnung, jonisch, mit untergeordneter Behandlung der in 2
Geschossen angeordneten Fenster, oberer Abschlu durch Balustrade mit
Vasen und Statuen, in der Mitte vorspringende Tempelfront.
*Au-Tor*. 1782 von _S. L. Du Ry_, die 2 Wachthuser abgebrochen. Der
Triumphbogen (1824 von _Bromeis_) auf den Plat$
 Bauidee von hochmalerischer
Wirkung. Portal, Kamine, gemalte Holzdecken erhalten.
_SCHNFELS,_ s. Alt- und Neuschnfels.
_SCHNHAGEN._ Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.
*Dorf-K.* 1741, In den bar. Hauptaltar sind 2 _got. Altre_ verarbeitet.
_SCHNRAIN._ UFranken BA Aschaffenburg.
*Burg.* R0ngmauern mit rom. Ecktrmen. Wohnbau 1556.
_SCHOTTENSTEIN._ OFranken BA Staffelstein.
*Pfarr-K.* bar. 1703, got. Turm. -- _Grabdenkmler_ 16. Jh.
_SCHRAPLAU._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
*Dorf-K.* rom., wohl 12. Jh.; gleiche Anlage wie in Unter-Rblingen (s.
dort), doch grer und etwas geschmckter. Apsis mit Lisenen und
Bogenfries, Sulenportal, Tympanon. -- Von der alten Burg (ao. 979
Scrapenlevaburg) und der neuen Burg (erb. 1206) drftige Spuren.
_SCHREBITZ._ K. Sachsen AH Oschatz.
Groe spgot. *Dorf-K.* 1sch., Netzgwb., WTurm.
_SCHRECKSBACH._ RB Cassel Kr. Ziegenhain.
*Dorf-K.* 1754. -- *Schlo* 1580.
_SCHULPFORTE_ s. Pforta.
_SCHPTITZ._ Sachsen-Weimar VB Neustadt a. O.
*Dorf-K.* mit rom. Turmchor, daran 1/$
 wesentlich rom., neuerdings rest. -- _Glocke_ aus 13. Jh.
_SCHWARZBACH._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Kirche,* in den ltesten Teilen spgot. Gerader Chorabschlu. Flache Decke
mit 4 groen Gemlden. Moseskanzel.
Mehrere geschnitzte *Holzfachwerkhuser* des 17.-18. Jh. mit gut
geschnitzten Eckpfosten.
_SCHWARZBURG._ Schwarzburg-Rudolstadt.
*Schlo.* Der alte Bestand durch Brnde 1695 und 1726 fast ganz
vernichtet. Danach neu aufgebaut. Stattliche Hoffassade. -- 2
_Schnitzaltre_ von _Valentin Lendenstreich_, dem Hauptmeister der
aalfelder Schule, 1479 und 1503.
_S:HWARZENBERG._ K. Sachsen Amtshauptstadt.
*Stadt-K.* 1690-99 von _Joh. Georg Roth_ (vgl. Carlsfeld). 1sch. Saal von
34,3 : 18,6, bedeutende Raumwirkung, wrdevolle Barockausstattung.
_SCHWARZENBORN._ RB Cassel Kr. Ziegenhain.
*Dorf-K.* Schiff im bergangsstil flachgedeckt, eingezogener quadr. Chor
etwas jnger.
_SCHWARZENFELS._ RB Cassel Kr. Schlchtern.
*Schloruine* 16. und 17. Jh.; Bergfried; an der SSeite ein bewohnbares
Gebude, jetzt Amts$
eiapsidenschlu. 1665 wegen der Festung niedergelegt. Tympanon mit
thronender Muttergottes und den beiden Johannes, nach 1200, jetzt im
Luitpold-Mus. -- Neubau 1670 bis 1691 von _Antonio Ptrini_. Die Anlage
nach dem Typus des Ges in Rom; als selbstndige Elemente treten hinzu die
starke Ausladung der Qsch.Arme, welche auch das Lhs.System der seitlichen
Altarnischen fortsetzen, und ie Doppeltrme der Fassade. Die Einzelformen
schwer und ernst, von starker Ausladung. In allen Nischen mchtige
Barockaltre italienischen Geprges (Gemlde _Onghers_). Im brigen ist
der Binnenraum farblos. -- Am meisten weicht von den italienischen
Vorbildern das uere ab. Es hat Strebepfll. und hohe Dcher, welche die
Fenster des hohen Kuppelanbaues teilweise berschneiden. Immerhin wirkt
die Kuppel sehr bedeutend. Die Fassade hat durch die seitliche Stellung
der Trme eine mchtige Ausdehnung erlangt. Des rhythmischen Lebens, das
sonst an Barockfassaden so stark zu sein pflegt, entbehrt sie. Schwere
Gurtgesimse, einfache Lis$
beitet,
unbedeutend. Der vortretende WTurm mit 4 Giebeln und Holzhelm sehr einfach
rom. Aussen _Oelbergsgruppe_ aus 16. Jh., beschaedigt, in Renss.Gehaeuse.
*U.L.F. Pfarr-K.* 1768-1775. Einschiffiger Saal von angenehmen
Verhaeltnissen. An der noerdl. Langseite rom. Glockenturm, das Obergeschoss
rom. zu got. ca. 1220-30. Es hat uebereinander, durch kein Gesims getrennt,
2 gekuppelte challoeffnungen, kleeblattfoermig, umschlossen von spitzbg.
Blendbg., ein Vierpass im Felde. Ueber den 4 Giebeln ein steinerner got.
Helm, 8seitig, mit Kantblumen geziert.
Im Erdgeschoss ringemauert sprom. _Tympanon_, thronende Maria zwischen
*Studien(Jesuiten)-K.* 1619-21. In WDeutschland der erste dem roemischen
Barockschema folgende Jesuitenbau (vgl. dagegen Molsheim u. Koeln Bd. IV,
V), Schiff mit Tonnengwb. u. tiefen Nischen, feines Flachornament in
Stuck, Beschlaegemuster.
*Schloss*. Das alte Schloss zerst. 1552. Notbau 1556-1606. Neues (jetziges)
Schloss 1605-1614 von _Georg Ridinger_ aus Strassburg (von ihm selbst in
einem$
nn bar. ueberarbeitet und baulich ohne Interesse,
doch enthaelt sie eine originelle bemalte _Steinkanzel_ des 17. Jh.
_PRIESSNITZ._ K. Sachsen AH Borna.
*Dorf-K.* um 1500, 1616 durch Hans v. Einsiedel im Geschmack
niederlaendischer SpRenss. glaenzend ausgestattet, besonders die
herrschaftlichen Betstuben. Die _Gemaelde_ von _Johann de Perre_ aus
Antwerpen, ansaessig in Leipzig.
_PRIETITZ._ K.Sachsen AH Kamenz.
*Dorf-K.* 1881 fast gan7 erneuert. -- _Altar_, gute Tischlerarbeit von
1646. _Denkmaeler_ des 18. Jh., ueber die in der Lausitz recht gute
Durchschnittsqualitaet noch hinausgehend.
*Herrenhaus* (v. Stammer) um 1770. Groessere Portraetreihe, u. a. von _Anton
Graff_ und _Chr. Leberecht Vogel_.
_PROBSTZELLA._ S%chsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Dorf-K.* wesentlich 1755. -- _Altarwerk_ fraenkisch um 1500.
_PROFEN._ Pr. Sachsen Kr. Zeitz.
*Dorf-K.* Rom. Turm. Schoener spgot. Chor 1495. -- Ausstattung in guter
Renss., desgl. Decke und Emporen in kraeftiger Polychromie.
_PROeLSDORF._ UFranken BA Hassfurt.
*Pfarr-$
 Ausserdem geben die schweren bar. Giebeldekorationen der
Aussenansicht das Gepraege. -- Grosser figurenreicher _Hochaltar_ von
_Wolfgang Auwera_ nach 1750. _Kanzel_ um 1720 aus S. Barbara in Wuerzburg.
Bedeutendes _Chorgestuehl_ in reicher Rocailledekoration 1746. Schoene
_Monstranz_ um 1720.
*Klostergebaeude* Der typische Charakter der Karthause gut erhalten. Der
weitlaeufige Kreuzgang mit 14 abgesonderten Zellen ist so angelegt, dass die
Kirche den WFluegel in der Mitte durchschneidet. Vor der Kirche das
Verwaltungsgebaeude. Der grose Hof mit 2 Brunnen von 1715 (polygonale
Becken mit Mittelstatuen) gibt ein charaktervolles Architekturbild.
*Pfarr-K. S. Lambert* (profaniert) 1sch. rom. Anlage mit eingezogenem
4eck. Chor. Interessantes rom. Detail.
_UeBIGAU._ Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda.
*Stadt-K.* langgestrecktes Rck., Anlage frgot., Backsteinrohbau, Rest.
_UeBIGAU._ K. Sachsen Dresden-N.
*Schloss* 1724 fuer Graf v. Flemming. Terrassenunterbau; Kernbau von 20 :
13,5 m mit wenigen, aber grossen Gemaechern;$
g der Schlosskirche 1738-41.
Der "steinerne Saal" 16. Jh. Schmuckreiches Hauptportal 1575. Aus A. 18.
Jh. Stuckdecken, Ledertapeten, bmkw. Moebel. Im Gartenfluegel gute
klassizist. Ausstattung. _Portraets_ von Rotari, Mengs, Graff, Vogel,
Leypoldt, Torelli. -- Oben im Walde Jagdschloesschen mit prachtvollen
_Rok.-Oefen_.
_WEHNDE._ Pr. Sachsen Kr. Worbis.
*Dorf-K.* 1670 gotisierender Barock.
_WEHRDA._ RB Cassel Kr. Huenfeld.
*Dorf-K.* An den got. OTurm 1567 ein rck. Schiff angebaut, der Turm
wehrbar. Viele Grabsteine 16-18. Jh.
_WEHRDA._ RB  assel Kr. Marburg.
*Dorf-K.* mit wehrbarem WTurm (ca. 1490) auf befestigtem Kirchhof. --
Spgot. _Schnitzaltar_.
_WEHRSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Marburg.
*Marien-K.* OHaelfte 1475, WHaelfte juenger. Rck. mit 6 Kreuzgwbb. auf
Laubkragsteinen, polyg. Schluss. Huebscher Dachreiter.
_WEIDA._ Sachsen-Weimar Kr. Neustact a. d. O.
*Stadt-K.* (ehem. Franziskaner); 1sch. got. Bau mit 3/8 Schluss; im 16. Jh.
ein suedl. Ssch. angebaut; turmlos; das WPortal in einfachen frgot. Formen.
-- $
ortrag eines solchen Professors beigewohnt. Das
meiste klang in Strix' Ohren chinesisch, aber vereinzelte Male, wenn ein
paar hohle, orgeltnende Brauselaute kamen, spitzte sie dieLHrner und
machte einen langen Hals ... es war, als wenn wir Menschen auf der Reise
in Italien pltzlich von einem Tisch im Speisesaale heimische Laute
Aber alle die langen Schrei- und Heulkonzerte der kleinen Eulen waren
Strix von Anfang bis zu Ende verstndlich; sie sprachen ja in ihrer
Zunge, nur weicher und sanfter.
Von ihnen sagte sie auch, da sie _zwitscherten_.
In den Zeiten vor vielen, langen Jahren, nachdem ihr Gatte gestorben
war, und ehe sie sich noch so recht an ihre Einsamkeit gewhnt hatte,
suchte sie mit Vorliebe die Gesellschaft der kleinen Eulen.
Wenn die blanken Mrznchte im Anzuge waren und der Hmmel wie mit
blitzenden, feurigen Eulenaugen berset war, wenn es in der alten
hohlen Buche, in der sie damals sa, zu kribbeln und zu krabbeln begann,
und die Fledermuse oben in dem faulen Holz, die sonst immer am$
ese ihnen in so fremder, schwer
verbindlicher und unverdaulicher Form geboten wurden, wi sie
Fourier's erstes Hauptwerk enthielt. Fourier ist berhaupt schwer
verstndlich, es mangelt ihm die logische Zusammenfassung und die
klare Ausdrucksweise. Daneben hat er sich eine Nomenklatur gebildet
und wendet diese mit Vorliebe an, die eine Verdeutlichung sehr
schwer, manchmal fast unmglich macht.
Als nach Beendigung der napoleonischen Kriege und nach der
Beseitigung Napoleon's Frankreich anfing, sich wieder mit sich
selbst zu beschftigen, traten andere Erscheinungen in den
Vordergrund, die das allgemeine Interesse in Anspruch nahmen.
Gleichzeitig mit den Bourbonen und unter dem Schutz der Bayonette
der heiligen Allianz war ein ganzes Heer ehemals emigrirter Pfaffen
und Adeliger mit ihrer Nachkommenschaft eingerckt, die jetzt wie
ein Schwarm Heuschrecken sich ber das Land ergossen, Ersatz fr
das eint Verlorene, Belohnung und Vergeltung fr das meist sehr
zweifelhaft Geleistete aus ffentlichen Mitteln verlang$
der Freiheit in der Anerkennung
des Rechts auf Arbeit, das fr den Armen allein werthvoll ist.
Die Erfahrung hat uns zur Genge gelehrt, da mit dieser
Anerkennung auch nichts gethn ist. Es ist auch ber dieses Recht
gar viel gestritten worden und zuletzt, im Jahre 1848 in Paris in
den Junitagen, viel Blut geflossen. Das Recht auf Arbeit steht in
Bezug auf seine Phrasenhaftigkeit um kein Haar breit hinter der
Freiheit und den Menschenrechten zurck, Jeder legt sich dieses
Recht zurecht, wie er es braucht und es seinem
Inteessenstandpunkt entspricht. Gewisse Sozialisten betrachten
noch heute das Wort als eine Art Schiboleth, das die soziale Frage
lse; bei den Anhngern des preuischen Landrechts, die dieses
Recht ebenfalls anerkennen, schrumpft es zu einem Recht auf
Armenhausarbeit und Armenuntersttzung zusammen. Auch nach der
Junirevolution hat es noch die Kpfe in der franzsischen Kammer
erhitzt, man schlug groe Redeschlachten und dabei ist es bis heute
geblieben. Schlielich waren bei al$
 die Mittel fehlen, los und
ledig sind; sie findet die Zustimmung der Kinder, denen nur
anziehende Beschftigungen, Vergngungen und die besten Mahlzeiten
in Aussicht stehen; und sie findet endlich auch die Zustimmung der
Reichen, die erhebliches Wachsthum ihres Vermgens und das
Verschwinden aller Risikos ud die Beseitigung des Aergernisses,
von dem, wie Fourier behauptet, sie stets umgeben sein sollen, zu
erwarten haben. Der Arme kann natrlich gar nichts Besseres thun,
als sofort mit beiden Hnden zugreifen, denn er hat Nichts zu
verlieren, aber Alles zu gewinnen. So werden die Serien, die
Gruppen, die Individuen in der Phalanx all in den edelmthigsten
Entschlssen bereinstimmen und werden selbst zu materiellen Opfern
entschlossen sein, die aber nicht einmal nthig sind. Bei dem
Gedanken, wieder in die Zivilisation zurckzufallen, wird Jeder
erschreckt sein, wie bei dem Gedanken, in die Arme des Teufels zu
strzen; Jeder wrde bereit sein, lieber sein halbes Vermgen zu
opfern. So wird sich die Ueberei$
eschwtz.
Kann Lazarus, ein armer junger Mann, den reichen Patriarchen
Ithuriel als seinen Bruder betrachten? Wenn er in der Zivilisation
auf ihn spekuliren wollte, bekme er nichts. Aber in der Phalanx
ist er vielleicht einer seiner entfernten Nachkommen, oder ein
Seitenverwandter, oder einer der Adoptirten; sicher braucht er sich
nicht wie sein Namensvetter in der Bibel mit den Brosamen zu
begngen, die von der Reichen Tische fielen. Es giebt in der
Phalanx fr ihn eine Menge Gelegenheiten, zu Ansehen und
Beliebtheit und damit unzweifelhaft auch zu Wohlhabenheit zu
kommen. Schlielich ist in der Phalanx, wo die Arbeit Jedem sein
Wohlsein garantirt, Niemand auf die Erbschaftslungerei angewiesen,
wie dies in der Zivilisation so gewhnlich ist, wo der Tod des
Erblassers nicht erwartet werden kann. Und andererseits, wie darf
ein Vater in der Zivilisation es wagen, auch den Gefhlen der
P"ilanthropie und der Freundschaft Rechnung zu tragen, ohne das
Mifallen und selbst die Erbitterung seiner direkten Nachkommen$
haften in bestimmter Anzahl_
und privilegirte Krperschaften in's Leben ruft.
Die _Leihhuser_ oder _Leihkassen_ fr Landwirthe haben zum Zweck,
dem bedrngten Ackerbau zu Hlfe zu kommen. Whrend die Kapitalien
der Spekulation und den Banken zustrmen, leidet der Ackerbau an
solchen Noth, so da er dem Wucher in die Hnde fllt. Schlechte
Ernten, eine schlechte Bewirthschaftung des zerstckelten
Grundbesitzes und hnliche Ursachen werden das Uebrige thun, bis
endlich ein groer Theil des Grund und Bodens den Leihkassen
anheimallt. So wird der in Atome zerfallene Grundbesitz sich
wieder zusammenfgen; der kleine Besitz wird vom groen
verschlungen werden, wiG die Handwerker von den Fabriken, wie das
kleine Kapital von dem groen.
Whrend alles dies vor sich geht, befindet sich die Gesellschaft
in einer wahrhaft frchterlichen Lage. Nichts als Krisen und
Revolutionen. Der Ackerbau wie die Fabrikindustrie ist nur noch ein
unermeliches industrielles Zuchthaus, ein ungeheures Lager; die
frhere _individuelle_$
Gesellschaft eines Gefhrten sicher. Scheinbar
bewhrte Freunde, die jahrzehntelang auf demselben Schiff gedient und in
Not und Gefahr einander beigestanden hatten, verwandelten sich in
unvershnliche Hasser. Sie wagten nicht zu schlafen; an abgelegenen
Orten wie in gegenseitiger Nhe frchteten sie berfallen zu werden. Die
Entbehrungen verringerten wohl ihre Krfte, hatten aber keinen
snftigenden Einflu auf das Fieber ihres Argwohns; aus bsen Blicken
entstand treit, aus gereizten Worten blutiger Kampf, die Toten lagen
unbegraben an der Kste, die berlebenden, weit entfernt, an friedliche
bereinkunft zu denken, rasten nur um so wilder gegeneinander, und
endlich waren nur noch zwei brig. Nach Stunden des Lauerns und der
Verfolgung traten sie zum Kampf an, und der Schwchere fiel. OhnW
Hilfsmittel, ohne gengende Nahrung, einsam, hoffnungslos und verstrt,
lebte nun der letzte, der Sieger ber alle, auf dem weltentlegenen
Eiland wie ein Tier. Er vergrub das ganze Gold unter einer Palme, deren
Stamm er d$
n man sich auflsen mchte in allem was
geschieht und das Bewutsein ber die Grenzen schwillt, die ihm die
Natur gesetzt hat.
Borsati hatte sich erholen und ging sinnend auf und ab. Ihre Worte
erinnern mich an eine seltsame Geschichte, die ich erzhlen will, sagte
er stehenbleibend; es ist darin von Dichtern die Rede und was sie ans
Leben bindet und vom Leben trennt; sie zeigt auch, wie gewisse Wnsche,
die wir hegen, vom Schicksal in gar zu freigebiger Weise erfllt werden
knnen, und da es in unserer sozialen Welt Verkettungen gibt, die erst
Wirklichkeit gewinnen muten, um wahrscheinlich zu sein. Wie ihr
vielleicht wit, stammen meine Eltern aus Franken. Mein Vater hatte
einstmals Lust, das Land wieder zu sehen und nahm mich auf die Reise
mit; ich war noch ein ganz junger Mensch. Eines Tages, als wir von
Wrzburg aus am Main hinauffuhren, kamen wir zur Plassenburg; ich erfuhr
bei dieser Gelegenheit, da einer unserer Vorfahren in der
markgrfischen Zeit Archivar auf der Plassenburg gewesen war. Erst $
orspiegelung eines unter
Ruinen vergrabenen Schatzes; den rmsten hatte er ihre Ersparnisse mit
der geheimnisvollen Phrase entlockt, er msse die bsen Geister des
Schatzes besnftigen, und durch nchtliche Beschwrungen und feierlichen
Hokuspokus hatte er die einfltigen Leute in eine wahre Hysterie der
Habsucht versetzt. Und da war Hennecke, der einer umgehauenen Buche
wegen gemordet, im Jhzorn den Nachbar erschlagen hatte; seine Gedanken
hafteten noch immer an dem Baum, dessen Wipfel das Gemsebeet hinter
seinem Haus zerstrt hatte. Wie ein aus Eisen gegossener Riese0stand er,
kalt und wild. Da war ein Mller, der den Knecht erstochen hatte, weil
er die Frau verfhrt und der nicht mde wurde, zu schZldern, wie er vom
Wirtshaus zu frherer Stunde als sonst heimgekehrt und die Treppe
hinaufgeschlichen und wie das ehebrecherische Weib ihm entgegengestrzt
und wie das Kind geweint und wie der Schuft entfliehen gewollt und wie
er den Leichnam in den Bach geworfen und wie er in den Wldern
herumgeirrt, sein win$
r
sitzen zu drfen, um das Bild betrachten zu knnen. Franziska kam von da
ab jeden Tag. Anfangs leistete ihr die Baronin Gesellschaft, dann lie
sie sie hufig allein. Sie war der Ansicht, da eine trbe Erinnerung
oder ein krzlich erlittener Seelenschmerz Ursache des sonderbaren
Benehmens sei, und vielleicht um Franziska auszuforschen, vielleichtum
sie zu zerstreuen, teilte sie ihr nach einiger Zeit mit, sie habe unter
den Papieren ihres Gatten Aufzeichnungen ber die Persnlichkeit des
Portrtierten gefunden; es sei ein schottischer Edelmann gewesen, der
fr den Gemahl einer von ihm hoffnungslos geliebten Dame sein Leben
geopfert habe; dieser nmlich war wegen Rebellion gegen das knigliche
Haus zum Tod verurteilt worden; um die angebetete Frau vor dem
schrecklichen Verlust zu bewahren, hatte sich der Liebende des Nachts,
eine Stunde vor de Exekution, Eingang in die Zelle verschafft, hatte
die Kleider mit dem Delinquenten getauscht und sich hinrichten lassen,
ohne da weder die Richter noch die Henker d$
erwandelt: als wre die Alte
Welt nichts als weiche, gefgige Masse in der Hand des Bildhauers
Napoleon. Er allein war es aber auch, der die Stelle zuerst empfand, wo
sie seiner Absicht harten Widerstand leisdete. Das britische Inselreich
mit seiner meerbeherrschenden Macht war das Gespenst, das er drohend vor
sich sah und nicht zu fassen vermochte. Darum setzte er alle Krfte
daran, die franzsische Flotte auszubauen und kriegstchtig zu machen,
darum suchte er fr die Marine sorgfltig die besten Mnner aus. Seine
Liebe zu Jerome, seine groe Meinung von den Fhigkeiten des Bruders
konnte er nicht besser beweisen als dadurch, da er ihn zum knftigen
Admiral/bestimmte. Hier, so glaubte er, sollte seine tollkhne
Tapferkeit und seine Abenteuerlust das rechte Feld finden. "Nur auf dem
Meere," so schrieb er an Jerome, "ist heute noch Ruhm zu erwerben. Lerne
was Du irgend kannst, dulde nicht, da irgend jemand es Dir zuvortut,
suche Dich bei allen Gelegenheiten auszuzeichnen. Denke daran, da die
Marine Dein Be$
udwig von Bayern
dem Dichter seinen Orden. Es war ein bewegter Augenblick, doch die Menge
der Frsten auf weltlichem und geistigem Gebiet beachtete ic^ wenig
neben dem wunderbaren Glanz der Goetheaugen. Das Jahr darauf schickte
Knig Ludwig einen antiken Torso als Geburtstagsgeschenk an Goethe,
wovon sein Friseur Kirchner, welcher tglich die Frisur auf dem
Jupiterhaupte herstellte, meiner Mutter erzhlte: es wr' ein Mann ohn'
Kopf und Arm', die wrden aber wohl nachkommen.
"Zu einem spteren 28. August -- seinem letzten Geburtstag -- schickte
ich ein Paar Pantoffeln; da ich aber nie eine Knstlerin, ja nicht
einmal eineVerehrerin von sogenannten Damenhandarbeiten war, schmte
ich mich meiner unvollkommenen Gabe und schrieb, da ich nicht wagte, sie
selbst zu bringen, folgende Verse dazu:
    Nur ganz bescheiden nah ich heute mich,
    Wo so viel schnre Gaben dich umringen;
    Doch, Herr, Bedeutung hab auch ich,
    Denn Liebe und Verehrung soll ich bringen;
    Drum, wenn auch Hhre, Meister, dich begre$
n!'
Bekannte und Verwandte wollen nach seinem Tode eine unerklrliche
Trauermusik gehrt haben, als ob die Noten im Musikschrank lebendig
geworden wren. Grfin Vaudreuil versicherte mir, da es so gewesen sei,
auch Ulrike von Pogwisch sprach davon; ich selbst war so betubt an dem
Tage, da ich keine Rechenschaft zu geben vRrmag, was Wahrheit, was
Phantasie gewesen ist. Ebenso ging es mir bei dem Mittagsspuk im
Parkgarten, den August und Ottilie, Walter und Wolf Goethe empfunden
hatten und der nach Goethes Tod besonders auffllig gewesen ein soll.
Ich war lange dort und empfand nichts von der mir betriebenen
unheimlichen Stille, die ein entsetzliches Angstgefhl verursachen
sollte. Goethe selbst war es, der mir bei einem Besuch im Gartenhaus den
Ursprung des Spukes folgendermaen erzhlte: 'Ich habe eine unsichtbare
Bedienung, die den Vorplatz immer rein gefegt hlt. Es war wohl Traum,
aber ganz wie Wirklichkeit, da ich einst in meiner oberen Schlafstube,
deren Tr nach der Treppe zu auf war, in der ersten$
t dem
franzsischen Bildhauer David zusammen, der sehr gefeiert wurde und sich
trotz seiner Jugend schon einen Namen gemacht hatte, dessen guter Klang
durch die Bste Goethes ihm weit ber die Grenzen Deutschlands und
Frankreichs einen bedeutenden Ruf verschaffte. In der Gesellschaft
machte sein Talent, aus Brot die Kpfe der Anwesenden abzuformen, ihn
schnell beliebt, so da Holtei, der etwas mitrauisch und empfindlich
war, sich zurckgesetzt fhlte. 'Wenn nur die guten Weimaraner mal einen
Mondbewohner herbekmen, sie wrden soar Schiller und Goethe darber
vergessen,' brummte er, und erst, als David fortreiste, kam der alte
gute Freund wieder zum Vorschein.
Meine Korrespondenz mit Holtei begann durch das 'Chaos' und setzte sich
fort, nachdem es eingegangen war."
Einige Auszge aus Briefen Jennys an ihn mgen hier folgen:
"Meine Politik finde ich in der Geschichte und in der Philosophie, mein
Staatsminister ist Herders Nemeis, diese allein rechnet gut und
14./8. 32. Berka.
"Sie sehen am Datum meines Brie$
   Wie des Freundes Auge mild
    ber mein Geschik.
Zukunftsbilder stiegen vor mir auf, Trume von Glck wurden lebendig;
weit in der Ferne verschwand die Vergangenheit.
"Die Lampe im Zimmer machte uns wieder gesprchig, whrend eine Schleife
nach der anderen sich langsam lste. Wir dachten mit Schrecken a{ die
Stadt, an den Winter, den Schnee, den Kerzenglanz, an die falschen
Blumen und an das falsche Lcheln, an Toiletten und Gesellschaftsklatsch,
und freuten uns der Gegenwart, in die nichts von alledem gehrte. Noch
eine zrtliche 'Gute Nacht' und es wurde still in Haus und Herzen.
"In den Rahmen dieses Tages gehrt das Bild meiner Freundin; dann ist
alles Harmonie, Friede, Klarheit. Ihre schne Gestalt, ihr ruhiger Gang,
ihre glatten, ber der sanften Stirn gescheitelten Haare, dieser ganze
Typus einer deutschen Schlofrau, paten so gut zu den schlanken,
ernsten Tannen, zu dem majesttischen Wandel des silbernen Mondes auf
dem klaren Firmament; ihr verschleiertes weibliches Herz, ihre
angeborene Reinhe$
en sich meist um
franzsische Geschichte, tranzsische Literatur, und immer, wenn sie
wieder nach Weimar kam, erstaunte ich, welche Flle neuer Kenntnisse sie
sich darin erworben hatte. Ich hatte ihr versprechen mssen, alles Neue,
das an guten franzsischen Bchern erschien, ihr mitzuteilen oder
zuzusenden, was dann auch gewissenhaft geschah. Mein Berater war der
liebenswrdige, geistreiche Graf Alfred Vaudreuil, der mit
franzsischer Gewandtheit und Leichtlebigkeit deutschen Ernst und
deutsche Grndlichkeit verband und mir immer neben seinem Freunde, dem
Prinzen Friedrich Schwarzenberg, von dem Ida von Dringsfeld so richtig
sagte: 'er war immer ohne Umstnde er selber', als der Typus wahrer
Vornehmheit erschien. Wir hatten bisher, wie Vaudreuil sich ausdrckte,
nur mit den Blumen und Zephyren Lamartines gespielt; jetzt gab er uns
Werke von Dumas und Victor Hugo, auch las er aus Chateaurriands Bchern
vor und unterrichtete uns in der sonst nur in verworrenen Bildern zu uns
dringenden franzsischen Zeitgesch$
nt hatten, ein eigenes Leben zu leben und darum so qualvoll
litten, wenn ein Teil ihres Lebens, das Kind, ihnen genommen wurde,
sehnten sich hinaus, zurck nach der Heimat ihrer JuBend. In einem ihrer
Briefe aus jener Zeit heit es:
"Da meine Wnsche sich nach Weimar richten, kann ich nicht leugnen und
zeigt sich auch jetzt keine, auch gar keine Aussicht, uns dorthin zu
verpflanzen, so mag man sich doch gern bereit halten, glckliche
Zuflligkeiten und Schickungen zu ergreifen. -- Den Winter dort
zuzubringen, hat immer groe Schwierigkeiten: den Kindern ist der
hiesige gleichmige Winter zutrglicher, Otto hat Schlitten, Pferd und
alles Zubehr eigen, und fhrt nach Belieben, bis es 10 Grad Klte
bersteigt, dann ist die Freude kurz und er bleibt auch gern zu Hause.
Das Kleinste, wenn es Gott giebt und erhlt, macht schon nchsten Winter
die Reise, wenn nScht unmglich, doch ganz unwahrscheinlich. Der
gnstige Einflu unseres Schullehrers auf Mariannchen wird schwerlich
ersetzt werden, eine franzsische Bon$
e, macht er mit der
Eisenbahn fr sechzig oder achtzig, und so wird nicht einmal seinGenu
geschmlert werden.
"Der Luxus befrdert die Industrie -- dieser Satz entbehrt alles
wahren Gehaltes. Gewinnt die Industrie nicht mehr, wenn eine
geschftige Hausfrau zwei Cattunkleider zerreit, als wenn eine Dame ein
seidenes Kleid auf dem Sopha auftrgt? Gewinnt nicht die Industrie mehr,
wenn sechs Porzellan-Milchtpfe zerbrochen, als wenn alle hundert Jahre
eine silberne Milchkanne umgeschmolzen wird? Die Kostbarkeit des Stoffes
macht nicht den Verdienst des Arbeiters, sondern die Masse der Arbeit.
Wenn statt einer Brsseler Spitze, die die Augen der Stickerin verdirbt,
zehn schsische geklppelte epitzen gebraucht werden, welche von den
rmsten Leuten im Erzgebirge gemacht werden, wo ist da fr das
Allgemeine der Nachtheil? -- Der Luxus befrdert nicht die Industrie,
aber ein reges Leben, eine allgemeine Wohlhabenheit thun es im wahren
Sinne des Wortes -- der obige Satz war ein Trost, den sich der Reiche
machte, e$
gendeinem finsteren
Geheimnis belastet, keine Ruhe gefunden im Grabe; mit hohen
Stckelschuhen geht sie allnchtlich durchs Haus, und das Klappern iher
Tritte, das Rauschen ihrer seidenen Rcke, die tiefen, schweren Seufzer,die sie ausstt, will schon manch einer gehrt haben, wenn der Sturm,
vom Kurischen Haff herberbrausend, drauen heulte und pfiff und die
alten Baumste knarrten und die Bltter an die Fenster schlugen. Auch
die Buchenallee im Park, die vor hundert Jahren ein zierlich
beschnittener Laubengang war, soll sie zuweilen auf und nieder gehen.
Vielleicht war sie es, die diese Bume, die die geraden Wege mit den
Blumenrabatten zu beiden Seiten anlegen lie und die undurchdringlich
dichten Lauben von Flieder und Jasmin! Einer der Wege durchschneidet
den groen Garten von Osten nach Westen. Wo er beginnt und wo er
aufhrt, ist die Mauer von einem hohen hlzernen Bogenfenster
unterbrochen. Wer abends durch das eine gen Westen hinausschaut, der
sieht, wie jenseits der Felder und Wiesen am uerste$
n: den armen elenden Weibern die
notwendigsten Begriffe von Reinlichkeit und Haushaltung beizubringen,
die Mnner in ihren Feierstunden mit unterhaltender und belehrender
Lektre zu versorgen, statt da sie im Krug alles Verdiente durch die
Gurgel jagen. Und was wre Alles fr die Kinder zu tun, bei denen
berhaupt jede Arbeit anzufangen hat! Sie wachsen buchstblich zwischen
den Schweinen und im Straenkot auf, von klein an gewhnt an die
widerlichsten Eindrcke der Unzucht und der Trunkenheit, und von der
Schule, die fr sie der lichte Punkt des Lebens, der Ausgang von
geistiger Erweckung, Sittlichkeit und Frohsinn sein sollte, erwarten sie
nichts als Prgel." Um den Wnschen und Ratschlgen der Mutter in etwas
nachzugeben, richtete ihr Sohn einen Kindergrten ein, fr den eine
ehemalige Krankenschwester als Leiterin gewonnen wurde. Meine Gromuter
hatte die grte Freude an den vielen strohgelben Kinderkpfchen, die
sich nun zu frhlichem Spiel alltglich versammelten, und den rmsten
unter ihnen, den arm$
sich eine
grere, zur Aufnahme ihrer Kinder mgliche Wohnung htte gnnen drfen
-- das hatte ihr Stolz ihm verschwiegen, das verschwieg sie ihm auch
dann, als sein Miverstehen, der scheinbare Verlust seiner Freundschaft
ihr tiefe Schmerzen bereitete. "Eure Generation, die so reich an
Verstandeserkenntni und so bettelarm an Herzensreichtum ist, wei
nichts von dem Wert treuer, lebenslanger Freundschaft," schrieb sie,
"sie ist die Wahlverwandschaf der Seelen, die uns die Fremdheit der
Beziehungen des Bluts vergessen lt, sie ist der Hebel geistigen
Fortschritts, der grte menschliche Trost im Leid. Einen lebendig
verlorenen Freund beweinen mssen, ist darum viel schmerzlicher, als um
das unabweisbare Geschick seines Todes zu trauern. Da der Groherzog
mich so miverstehen konnte, wo die gute Kaiserin mich so ganz verstand,
war darum eine harte Prfung fr mich. Nun ist meines lieben Walter
Goethes Tod die Brcke geworden, die ihn wieder zu mir hinberfhrte --
wie denn das Beste in meinem Leben imme  in$
n die Wachs- und Honigtafeln nach meiner Erfahrung,
ohne Furcht, anderen Stcken geben, oder fr Ablager verwenden. Das
Chlorgas, wenn es in hinreichender Menge entwickelt wurde, zerstrt alles
Wenigstens hat der Verfasser ohne Schaden Wachs- und Honigtafeln, so wie
die Baute benutzen knnen. Wenn alle Stcke von der Faulbrut befallen sein
sollten, dann ist es allerdings sehr schlimm, dann wird man sie wohl alle
verlieren und sich von neuem Bienen anschaffen mssen. Uebrigens wird es
ein rationeller Bienenzchter so weit nicht kommen lassen, sondern ist ein
Stoc von dieser Krankheit befallen, so wird er ihn vor der Zeit schon auf
die angegebene Weise entfernen.
Die meisten Bienenzchter, sogar die grssten Autoritten, wie Dzierzon, v.
Berlepsch und Kleine rathen, die Kniginnen aus den faulbrtigenStcken
auszufangen und dieselbe zu Ablegern u. s. w. zu verwenden, indem sie
sagen, dass die Kniginnen die Faulbrut nicht herberpflanzen.
Der Verfasser hat zwei Versuche mit Kniginnen aus faulbrtigen Stcken$
ich war. Lange, lange blieb sie am Fenster und konnte
sich nicht satt sehen an dem grnen Baum, und als noch einige Tage
vorber waren, da spielte sie drunten im Garten mit andern Kindern unter
dem schnen Akazienbaum und war bald wieder frisch und gesund.
Wie Joharnes Ruhn Kaufmann wurde.
Die groe Frage, was einst aus ihm werden solle, war fr Johannes Ruhn
schon gelst, lange ehe er aus der Schule kam; denn er hatte eine solch
ausgesprochene Neigung zum Kaufmannsstand, da seine Gedanken ganz und
gar davon erfllt waren. Sein Vater, ein tchtiger und verstndiger
Mann, seines Zeichens ein Bahnarbeiter, war allerdins der Ansicht, da
fr den kaufmnnischen Beruf etwas Vermgen not tte, und er hatte das
seinige nicht in Wertpapieren angelegt, der ganze Reichtum, den er
besa, war eine Frau und fnf Kinder. Deshalb uerte Vater Ruhn
manchmal Bedenken ber die Zukunftsplne seines ltesten; aber wenn er
seinen Johannes beobachtete, wie der mit hellen Augen ins Leben sah,
oder wenn er ihn von seinem zuknfti$
a, sagte Herr Mohr einsilbig, ihm tat es jetzt nur weh, die
Berufsfreudigkeit seines Lehrlings zu sehen, der nach dem Essen aufhren
sollte, Lehrling zu sein.
Kaum hatte Hermann den letzten Bissen zu sich genommen, so sprang er
auf, wieder in das Geschft zu gehen.
Komm einHwenig mit mir herein, Hermann, sagte Mohr, ging voraus in den
kleinen, neben dem Ezimmer liegenden Empfangsraum und machte die Tre
zu. Ich wollte dir sagen, Hermann, da ich es doch besser fr dich
finde, wenn du nicht Apotheker wirst, sondern Naturwissenscaften
studierst, auf die Universitt gehst und Chemiker und vielleicht
Professor wirst, was ja eine viel angesehenere Stellung ist, als die des
Apothekers.
Nein, nein, sagte Hermann ganz ahnungslos, was damit gemeint war; ich
will viel lieber Apotheker werden. Ich wei wohl, da es hhere
Stellungen gibt, aber mir ist eine Apotheke das liebste.
Das mag sein, entgegnete Herr Mohr, aber jeder Mensch mu sich den
Beruf whlen, zu dem er geschickt ist, und an der Geschicklichk$
rad und Heinrich mit Fragen
bestrmt. Wo ist Klrchen hingekommen? Mit wem ist sie gegangen? Warum
hat man uns das nicht vorher gesagt? Warum hast du uns nicht frher
Da sie nun hrte, da der Vormund ausdrcklich befohlen habe, sie nicht
zu wecken, geriet Heinrich in eine wahre Wut, wollte der kleinen
Schwester nacheilen und sie mit Gewalt zurckholen. Nur mit Mhe konnten
Rike und Konrad ihn berzeugen, da das vergeblich wre. Wie ein Balsam
war es fr die aufgeregten Gemter, als ganz unerwartet in aller Frhe
die Tante, Frau Professor Kuhn, eintrat. Sie war die Schwester der
verstorbenen Mutter und ihr sehr nahe gestanden. Sie sah sogleich, wie
es stand: da Konrad kaum seinen tiefen Schmerz bemeistern konnte, und
Heinrich sich ganz dem Zorn hingab. Ich habe mir's gedacht, wie es euch
ums Herz s:in wird, liebe Kinder, darum bin ich so frhe schon zu euch
gekommen. Ich htte so gerne gestern abend den Vormund bestimmt, da er
die Sache anders einrichte, aber er hielt es so frs Beste und da konnte
ich $
 anschaffen und mit der Kleinen kochen. Der
gestrenge Vormund konnte nichts dagegen sagen: an Weihnachten, wo allen
Kindern Liebe erwiesen wird, durfte auch sie ihr Pflegekind ein wenig
verwhnen. Nun kam ihr recht unerwnscht diese Aufforderung. Nach
gewissenhaftem berlegen dankte sie freundlich fr die Einladung; sagte,
da sie dem Kinde gern im eigenen Haus bescheren wrde, und versprach,
die Kleine ber Neujahr zu schcken. Den Brief lie sie Klrchen in den
nahen Briefkasten einwerfen. Das Kind ahnte nicht, was er enthielt, und
gerade als sie vom Schalter zurckkam ins Zimmer, wo Mine ihrem Frulein
half, Ste von Hemden zusammen zu packen, die fr die Schulbescherung
bereit lagen, gerade da sagte Mine: Klrchn, hast du denn der Patin
schon gesagt, um was du schn bitten mchtest? Nicht? Mu ich es wieder
fr dich sagen? Frulein Stahlhammer, das Kind hat blo den _einen_
Wunsch, da es an Weihnachten zu den Brdern darf, gelt Klrchen?
Ja, sagte Klrchen, und obgleich das ihre ganze Antwort war, $
rie und nahm
dann die Stelle eines Dozenten am physikalischen Verein in Frankfurt
a. M. an, die er aber bald aufgab, um nach Durchfhrung einiger privaten
Studien auf Veranlassung SNELyS sich 1863 in Jena als Privatdozent zu
habilitieren. Whrend der Universittszeit hatten neben der natrlich
sehr geringen vom Vater gewhrten Beihilfe Preisaufgaben, Stipendien und
Privatstunden die freilich oft kaum ausreichenden Mittel zum
Lebensunterhalt gewhrt. Als Privatdozent erteilte ERNST ABBE Unterricht
an der K. V. Stoyschen Seminarschule, erhielt aber von Anbeginn an auf
Veranlassung von K. M. SEEBECK, dem damaligen Kurator der Universitt,
der von ERNST ABBEs hervorragender Bedeutung berzeugt war und ihn auf
jede Weise zu frdern suchte, einen kleinen Gehalt. Seine ErnennungMzum
auerordentlichen Professor erfolgte 1870.
Mehrere Jahre vorher schon hatte ERNST ABBE begonnen, dem Jenaer
Universittsmechaniker CARL ZEISS bei dessen auf Konstruktion und
Verbesserung der Mikroskope gerichteten Bemhungen behilflich z$
r
dieselben Organe in Anspruch nimmt, ist geeignet, ofQensichtliche
Nachteile fr das krperliche Wohl hervorzubringen.
Auf der anderen Seite ist jedoch gerade die Arbeitsteilung, nicht nur
hinsichtlich der ganz ungleichartigen Funktionen geistiger und
krperlicher Ttigkeit, sondern auch innerhalb des Gebietes der rein
technischen Verrichtungen, der wichtigste Hebel wirtschaftlichen
Fortschritts in aller gewerblichen Ttigkeit. Denn die Beschrnkung des
Erlernens und der bung auf einen engeren Kreis von Verrichtungen
steigert fr _diese_ Verrichtungen Fertigkeit und Geschicklichkeit in
hohem Mae. Zehn einseitig geschulte Personen, die sich in ihrer Arbeit
gegenseitig gut ergnzen, l.isten nicht nur viel mehr, sondern auch viel
besseres als zehn andere, sonst gleiche, die vielseitiger ausgebildet
und gebt sind, wofern der Gegenstand sehr verschiedenartige
Verrichtungen erfordert. -- Die Alten unter meinen Arbeitsgenossen --
von denen ich einige in dieser Versammlung sehe -- erinnern sich noch
der Zeit, da $
tikers.
Beim Mikroskop hat schon in den ersten Dezennien dieses Jahrhunderts die
sich ausbreitende Anwendung des Instruments in der Erforschung der
organischen Welt und der hierbei rasch steigende Anspruch an hohe
Vergrerung und vollkommene Bildschrfe, zu allmhlich immer
verwickelteren Linsenkombinationen gefhrt, fr deren Aufbau den
Optikern zwar auch neue Direktiven von theoretischen Gesichtspunkten aus
gegeben worden waren, deren erfolgreiche Ausfhrung an Hand dieser
Dinektiven aber immer hher werdende Anforderungen an die Kunst stellte.
|Namentlich der neue Zusammensetzungstypus, den AMICI auffand -- man
wei nicht genau, in welcher Art des Ineinandergreifens von
theoretischer Betrachtung und praktischer Erfahrung -- der auf die
Immersionslinsen hinleitete, hat um die Mitte des Jahrhunderts den
Aufbau des Mvkroskopobjektivs zu einer Kunst entwickelt, die in ihren
besten Vertretern, wie z. B. HARTNACK und einigen anderen, die
Bettigung einer ganz eigenartigen Form intuitiven Schaffens zeigt, weil
s$
 auf den _ersten_ Punkt die Feststellung:
Die in der ersten Zeile des  1 angezogene verfassungsmige
Zustndigkeit der Polizeibehrden besagt in der Tat, wie die Logik es
verlangt, die Zustndigkeit, die damals schon, unabhngig von dem neuen
Gesetz, _gegeben_ war. Die Zustndigkeit dieser Behrden reicht _heute_
keinen Deut weiter, als sie im Jahre 1853 reichte; und sie haben sogar,
_kraft dieses Gesetzes_, heute keine Befugnis, die sie nicht auch schon
im Jahre 1853, _sachlich_ unbeanstandet, ausben durften. Denn Regierung
und Landtag sind _darber_ vollstndig einig, da der Zweck des
neu zu erlassenden Gesetzes lediglich der sei: diejenigen Befugnisse
der Polizeibehrden, die diese bis dahin, ohne Widerspruch im
Sachlichen; ausgebt hatten, bis zum Erla eines vollstndigen
Polizeistrafgesetes durch eine gesetzliche _Deklaration_ einstweilen
zu _sanktionieren_, um Zweifel formaljuristischer Art zu Feseitigen, die
das Appellationsgericht in Eisenach in bezug auf gewisse Manahmen der
Verwaltung (di$
 _seine_ Regierung, dereinst gesagt werden msse: er
habe _ebenfalls_ das ehrenvolle Erbe seines Grovaters treulich
gewahrt, die Verfassung des Landes genau beobachtet aufrecht
erhaltn und beschtzt.
Unter der Wirkung dieses Gedankens habe ich mich gefragt, ob ich nicht
meine heutige Rede direkt _kennzeichnen_ solle als einen _piettvollen_
Rckblick auf die gesetzgeberische Ttigkeit in unserem Land in der Zeit
vor einem halben Jah]hundert -- und ob ich deshalb fr mein Thema, statt
des herbe klingenden Titels rechtswidrige Beschrnkung etc. nicht
lieber einen recht freundlichen whlen solle, z. B. Als der Grovater
die Gromutter nahm[33] -- wobei ich zugleich den Beweis erbracht
htte, da man just in _unserem_ Land _hoch_politische Themata unter so
stimmungsvollem Titel mit Fug und Recht behandeln knne. Indes bin ich
davon zurckgekommen, weil es nicht angemessen gewesen wre, den Schein
zu erwecken, als ob meine Rede _nur_ Schalmeienklang sein werde. Dafr
aber habe ich mir nun vorgenommen$
ogen das alles auf, und das treuherzige
Gesicht, wenn es auch ein bichen altklug war ... Ole wird einmal ein
groer Mann werden!
Sie trabten weier, Edvard voran, Ole hinterher, hinunter zur
"Vorstadt". So hie der Stadtteil, der an den "Berg" stie und im
wesentlichen aus Arbeiterhusern, Werksttten und kleineren Fabriken
bestand. Ordentliche Straenanlagen oder Beleuchtung gab es hier noch
nicht; es war jetzt, beim Tauwetter, ein entsetzlicher Morast, der in
der Abendklte gerade zu gefreren begann. Die paar Laternen, die
vorhanden waren, hingen an Stricken, die vom einen Haus zum andern quer
ber die Gasse gespannt waren, und hinauf- und hinuntergezogen werden
konnten. Sie waren schwarz von Qualm und daher uerst schlechter Laune.
Hier und dort hatte eine kleine Werkstatt ihre eigene kleine Laterne,
die ber der Haustreppe hing. Unter einer solchen Laterne blieb Edvard
stehen. Er mute wieder etwas fragen. Nmlich -- wer es eigentlich sei,
dessen Ole sich dort unten annahm? Einer, den sie beide kannten$
nicht mehr weit sein! Das gab
ihm neue Kraft. Er lief wacker drauflos.
Ein hoher Tannenwald umfing ihn; alles war still. Als er beim Steigen
mit Singen aufhren mute, wurde ihm ganz unheimlich zumute. Je hher
er kam, desto dichter wurde der Wald; der Schnee lag fester, Steine und
Heidekrautbschel guckten neugierig daraus hervor wie Tiere. Und dann
raschelte es hier und knisterte es dort, und irgendwo schrie es; ein
groer aufgescheuchter Vogel flog mit entsetzlichem Flgelschlag auf;
der Junge suchte schweitriefend nach Oles Futapfen, um sie nicht zu
verlieren; die Angst von gestern war pltzlich wieder ber ihm. Wenn
er's doch ber sich 0rachte, recht draufloszurennen! Wenn der Wald doch
ein Ende nehmen wollte! Whrend der unverantwortlich langen Stille nach
dem Auffliegen des Vogels hatte er schlielich das Gefhl: wenn jetzt
blo noch das winzigste Bichen dazu komme, so wrde er verrckt! Und
der Hohlweg, durch den er mute! Schon ganz von weitem starrte er
hinein, zwischen die hohen, schwarzen Wnde$
d frischer, und ein
Geruch von etwas, was er nicht kannte, entgegenstrmte. Wieder deutete
der Vater voran -- nach rechts; auch links war eine Tr, eine
feingemalte mit einer Messingklinke; da sollte er nicht hinein. Na,
dachte der Junge, soviel htt' ich auch gewut, da wir irgendwohinein
wollen, wo Menschen sind, und nicht in die kalte Gaststube! Er legte
seine steifen Finger auf die Klinke und drckte.
Der Herd war in der Ecke links, dicht an der Tr. Und groe Augen
machten sie,die zwei, die da saen! Oles Krauskopf guckte nur eben aus
Vaters blauweiem Leinenhemd heraus. Die Mutter war ziemlich
hochgewachsen und hatte feine Zge. Sie trug eine schwarze Haube. Das
blonde, mit Wasser glattgekmmte Haar schmiegte sich um die Wangen,
wodurch ihr Gesicht lang erschien. Sie richtete sich von iren Tpfen
auf und wandte sich den Eintretenden zu, die sie alle beide kannte. Ihr
Gesicht war ernst, doch freundlich; ein bichen ngstlich schien sie,
oder unsicher; die Augen wollten anfangs auf keinem der beiden so$
 der die Stirn vllig verschwand, wodurch
das Gesicht rund und nichtssagend wurde. Ihre Figur steckte in Kleidern,
die ihr alle zu weit waren -- spter hrte er, da sie von ihrer
verstorbenen Schwester sie geerbt habe. Erst als er selber sich mit den
Kindern beschftigte, wozu er -- als groer Kinderfreund -- ein
auffallendes Geschic hatte, kamen sie sich wieder nher; noch dazu
unten auf dem Fuboden. Das Kleinste hatte sich mit dem
Schlagsahnekuchen beshmiert, den die Frau in ihrer Ungeschicklichkeit
fr das Kind gewhlt hatte, und als sie es, jedes mit seinem
Taschentuch, abwischten, zerflo sie im demtigen Gefhl ihres Vergehens
und konnte nicht aufhren zu danken. Nun wollte die Kleine, die sich so
wundervoll beschweint hatte, noch einen Kuchen von derselben Sorte,
beileibe keinen andern, und Kallem war -- obgleich er wute, da
allzuviel nicht gut war fr das Kind -- natrlich vllig damit
einverstanden. Aber er nahm es auf den Scho, lie sich eine Serviette
geben und pate auf, bis der letzte Biss$
empfand dieses Zusammentreffen wie eine Demtigung.
Eine feinere, edlere Natur als Rendalen kannte Kallem berhaupt nicht;
der hatte sicU auch nicht das Geringste erlaubt. Aber da sie auch ihn
so unruhig machte, da er auszog! Sie mute also etwas derartiges an
sich haben? Das redete er sich zu seiner Entschuldigung ein. Ja, noch
mehr, er empfand es als eine gesteigerte Versuchung. Am selben Abend
noch sagte er Marie, er msse verreisen, entweder morgen oder den Tag
darauf, das wissa er noch nicht; jedenfalls solle sie um die Rechnung
bitten; selbstverstndlich bezahle er das volle Quartal. Das Mdchen sah
ihn an; sie erriet sofort den tieferen Zusammenhang. Weidete sie sich
daran, -- hatte sie etwas zu erzhlen? Sie fragte in ihrer bescheidenen
Art, ob er die Rechnung sogleich wnsche. Nein.
Am nchsten Tag kam es nicht zum Umzug; aber am folgenden sollte er vor
sich gehen. Er wollte ein paar Tage verreisen, sich aber zuerst eine
neue Wohnung suchen und seine Sachen hinbringen lassen. Nachmittags ging
er au$
m mit den Geringen und fr sie leben." --"
Mein lieber Ole, das kann ich besser als Du! Du wachst niemals eine
Nacht am Krankenbett in einem armen Haus; ich tu' es oft. Und ich habe
auch die 'Gegenseitigkeit' gegrndet" (so nannte sich ein Verein von
besser situierten Frauen der Stadt, deren jede ihre Armen hatte, denen
sie Arbeit und Untersttzung verschaffte. Josefine war Vorsitzende der
Gesellschaft und verteilte die Arbeit). -- "Ja," antwortete ihr Mann
zustimmend, "administratives Talent hast Du wie Dein Bruder. Aber darin
besteht es nicht -- selbst als groe Dame zu leben und dann und wann
einmal sich zu den Geringen herabzulassen; nein --man mu mitten unter
ihnen und ganz fr sie leben!" -- "Sollen wir das Haus verkaufen? In die
Vorstadt ziehen? Sag', was Du willst!" -- "Wenn Gott uns dazu treibt --
ja! Aber s mu in und aus Glauben gesche1en, um Jesu willen. Sonst hat
es keinen Wert." -- Sie antwortete mit keiner Silbe.
"Was meinst Du, Josefine? Wollen wir nicht versuchen, ein echtes
Christenleben z$
get euch zum Staube vor ihm; denn er ist
heilig. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget euch vor dem Berge
seiner Herrlichkeit; denn heilig ist der Ewige, unser Gott.
O Vater der Barmherzigkeit! Erbarme dich des Volkes deiner Treuen,
gedenke deines Bundes mit den festen Sulen der Glaubenstreue. Hte
unsere Seele vor bsen Stunden la an uns nicht herannahen bse
Begierde und Versuchung, sei immerdar unser Retter aus Gefahren und
erflle die Wnsche unseres Herzens, so sie dir angenehm sind.
Bei der Verkndigung des Neumondes.[24]
26. Gott, Schpfer und Herr der Welt! Gib, da der kommende neue Monat
uns langes Leben und Segen, Ruhe und Friede, Glck und Wohlfahrt bringe.
Gewhre uns Nahrung und Unterhalt aus deiner vollen, offenen und milden
Hand und bewahre uns vor jeder Sorge und jeder Not. Erhalte uns in Liebe
und Anhnglichkeit zu dir, und lasse uns grer werden an Tugmnd und
Weisheit. Behte uns in deiner Gnade vor allen bsen Zufllen, und
erflle die frommen Wunsche unseres Herzens, wenn sie zu$
 geweckt werden, so da wir aufs neue unser
Dasein zur ntzlichen Wirksamkeit unter den Menschen heiligen, zu einem
heiligen Wandel vor dem Unsichtbaren, und wenn man auch die Sttten
bezeichnen soll, wo teure Entschlafene ruhen (Ezech. 39, 15.), so soll
es doch nicht durch kostbare Denkmler geschehen; denn gute Werke sind
die schnsten Monumente, welche die Hinterbliebenen fr die Verklrten
errichten und edle Handlungen die schnsten Blumen, die auf ihren
Grabeshgeln gepflanzt werden.[90]
[Funote 90: Wenn man in der spteren Zeit auch auf jdischen
Friedhfen prachtvolle Grabmler, sogar mit heidnischen Sinnbildern
geschmckt, hexvorragen sieht, so kann man nur beklagen, da der
erhabene Geist der jdischen Religion so wenig erkannt wird; denn dieser
gebietet einen bescheidenen Wandel im Leben, um wie viel mehr verbietet
er also das Entgegengesetzte im Grabe. Man mu beklagen, da die
Kurzsichtigen nicht einsehen wllen, da alle diese Denkmler zuletzt
verwittern werden, so da niemand die Sttte mehr k$
och deine Segnungen im Lande
der Lebenden sehen soll(Ps. 27, 15.), da ich noch in
dem Lichte der Lebendigen vor deinem Angesichte wandeln
soll(Ps. 56, 14.). Deine Gnade sei mit mir und allen, welche
dich mit einem treuen Herzen anbeten, da wir auf unserer
Pilgerreise noch viel Gutes wirken knnen und ein Wohlgefallen
bei dir finden in alle Ewigkeit.
XXIV. Schlu
Dankgebet bei Vollendung eines Werkes.
Ewiger, allgtiger Gott! Wie ich in deinem Namen
diese Arbeit begonnen habe, so la mich sie auch damit
schlieen, da ich zu dir aufschaue und dir meinen Dank
fr deinen Beistand darbringe. Du warst es ja, der die
Gedanken in meine Seele legte, und dein allmchtiger
Schutz hilt meine Kraft aufrecht, es war dein Geist, der
mich trieb, so da ich stets mit Freudigkeit und Lust zur
Arbeit schritt. O, wie oft verzagte ich, wie oft erfllte
sich meine Seele mit Furcht, da ich mein Vorhaben nicht
zu vollenden vermen wrde, und siehe, da hrte ich
gleichsam eine erweckende Stimme von oben; mein Geist
belebte s$
en
an dich begleitet sein. Aber, wenn der Schlummer der
Nacht uns in seine Arme schlieen will, bevor der Schlaf
unsere Sinne und Gedanken gebunden hlt, da denken
wir nicht an dich, da benutzen wir die ruhigen Augenblicke
nicht dazu, dich zu erkennen und zu suchen; und in
des Tages geschftigem Treiben richten sich nicht die Gedanken
auf dich, und wir vergessen es, deiner zu gedenken.
Deshalb soll am Morgen ein Opfer gebracht werden
fr die Snde der Nacht und am Abend fr des
Tages Snde. Aber auerdem kann die ganze Gemeinde
auch dem nicht entgehen, da sie bestndig sndigt,
und jede einzelne Seele ist mitschuldig der Sndenschuld
der groen Gesamtheit, und wer sich fr unschuldig hlt
wie ein Lamm, ist sndig. Aber was ehemals das
tgliche Opfer fr mich wirkte, das soll jetzt durch mein
tgliches Gebet erreicht werden, da ich nicht in Leichtsinn
wandeln mge, sondern das Bewutsein der Snde in
mir wecke, di Erkenntnis dessen wie weit meine Gedanken
und Handlungen, meine Arbeit und meine Ruhe,
im Gro$
s Wunderbarste. Es
scheint aus einer tiefen Quelle aufzusteigen, wo die Genien
wohnen, die den Menschen wohlwollen. Keine Heiterkeit deutet
so viel Schicksal wie ihre.
_Graf Reitzenstein_
Zur Fuchs kam sie spt, erst nach der Vorstellung. Man war
schon ein wenig mde. Aber als sie eingetreten war, begann
der Tag von neuem. Sie setzt sich neben die Hausfrau und
blickt sie zrtHich und vertrauensvoll an. Sie plaudert,
und Worte sind pltzlich edel. Die Luft, die sie atmet,
mitzuatmen, macht glcklich.
Wenn man Sie hrt, Felix, sollte man glauben, ein Verliebter
_Graf Reitzenstein_
Und wenn ich's wre?
Sie scherzen.
_Graf Reitzenstein_
Armer Felix, wie ist Ihnen das passiert?
_Graf Reitzenstein_
Das Mitleid, Gentz, sollten Sie mir aus Gromtt ersparen.
Nehmen Sie denn um Gottes willen Ihren Zustand ernst?
_Graf Reitzenstein_
Seh ich aus wie ein Libertin?
Es gibt keinen lebendigen Mann, der Fanny gesehen hat und
sie nicht liebt. Bei Ihnen allerdings --
_Graf Reitzenstein_
Sie sprechen, Gentz, als ob Fanny Ihr Eig$
druck unter die Tre;
Herr Bienemann! -- Herr Bienemann!
Was gibt's? Ich habe keine Zeit.
's isch was Schreckliches passiert, Herr Bienemann ...
(kommt im Sturmschritt zurck, den Zylinder schief auf dem
Bienemann, wir sind verloren!
_Mettenschleicher_
(seine Wrde mhsam bewahrend, ist Karinkel gefolgt)
Eine Katastrophe!
(mehr heulend als redend)
Der Abendrot hat ihn zuerst gesehen. In der Bahnhofsstrae
hat er ihn gesehen. Mitten unter den Leuten.
Und hat ihn jemand erkannt?
Noi, noi ...
War er allein?
Ganz alleine.
_Mettenschleicher_
Was fr Maregeln gedenken Sie zu treffen?
Er mu auf der Stelle fort.
Ist bis jetzt etwas unternommen worden?
Kommissr Binder ist mit zwei Wachleuten ausgerckt.
Hoffentlich gelingt es, den Kerl festzuhalten.
_Mettenschleicher_
Es ist eine entsetzliche Blamage.
Ich lasse ihn einsperren.
berlegen wir die Sache gut, mine Herren, sonst kann's uns
an den Kragen gehn.
Lassen Sie mich in Frieden mit Ihrem Kragen, Sie, Sie ...
Unerschtterlicher!
_Met"enschleicher_
Es gibt nicht $
esen Spruch schreiben sollen, sagte Anni,
mibilligend das Schriftstck betrachtend. Auf Grber schreibt man ganz
andere Sachen. Etwas von Auferstehen oder Wiedersehen.
Das ist mir einerlei! entgegnete ich unerschttert. Mir gefllt der
Spruch und ich habe den Ururgrovater gefunden.
Gretchen stand unter der Tre, die Hacke ber der Schulter.
Ich habe einen feinen Platz, kommt schnell!
[Illustration]
Eiligst wurde der Schdel in Annis Schachtel gesteckt. Der Deckel wollte
zwar nicht zugehen, aber das schadete nichts. Wir legten einen Fetzen
schwarzes Tuch darber und nun ordnetetsich der Zug. Voraus ging
Gretchen, der Totengrber, dann Anni, der Pfarrer; Elschen, die den
Schdel trug, war der Leichenwagen, ich stellte das Trauergeleite dar.
Wir gingen mit ernsten Kpfen und bedchtigem Schritt die Treppe
hinunter. Unter der Tre begegnete uns die kleine Mutter des Hauses. Sie
war eine zierliche, bewegliche Frau mit lebhaften Augen, die sich stets
zu freuen schienen, obwohl sie oft genug Grund gehabt $
 Sportsmann. Skilufer, Radfahrer und Eislufer. Wenn er erwachsen
ist, will er auf Entdeckungsreisen gehen. Sobald Lennarts Flugmaschine
fertig ist, wird Hugo damit ausfliegen, um zu entdecken, was von der
Welt noch zu entdecken brig ist.
Vater ist ein grogewachsener Mann mit eingesunkner Brust, fahlem
Gesicht und schmalen, schnen Hnden. Er ist nachlssig gekleidet. Seine
Hemdbrust ist zerknittert, der Rockaufhnger guckt am Halse hervor, die
Weste ist schief geknpft, und die Strmpfe sind herabgerutscht. Er
trgt das Haar so lang, da es auf den Rockkragen hngt, dies jedoch
nicht aus Nachlssigkeit, sodern aus Geschmack und Gewohnheit.
Vater stammt aus eDnem alten Spielmannsgeschlecht, weit her aus dem
Bauernland, und er hat als sein besondres Erbteil zwei starke Anlagen
mitbekommen. Die eine Anlage ist eine groe musikalische Begabung, und
sie trat als erstes zutage. Er besuchte die Akademie in Stockholm,
studierte dann ein paar Jahre im Ausland und machte in diesen
Studienjahren so glnzende Fortsc$
 ihm, da sie sich nach ihm gesehnt haben, und in leidlich
guter Laune lt er sich an dem Tisch nieder. Aber halb betrunken, wie
er ist, strauchelt er, als er Platz nehmen will, er hlt sich an der
Tischdecke fest, fllt zu Boden und zieht alle Herrlichkeiten mit. Als
er wieder aufsteht, sieht er, wie der Himbeersaft ber den Boden strmt
und Backwerk und Konfekt zwischen Scherben von Porzellan und Glas
verstreut liegen.
Vaterwirft einen Blick auf die langen Gesichter der Knaben, luft zur
Tre hinaus und kommt nicht vor dem Morgengrauen heim.
       *       *       *       *       *
An einem Vormittag im Februar gehen die Knaben mit Schlittschuhen ber
der Schulter durch die Strae. Sie sind nicht recht dieselben. Sie sind
mager und bla geworden und sehen ungepflegt und nachlssig aus. Ihr
Haar ist nicht oeschnitten, sie sind nicht ordentlich gewaschen, und
Strmpfe und Schuhe zeigen Lcher. Wenn sie miteinander sprechen,
brauchen sie eine Menge Gassenjungenausdrcke, und es kommt auch vor,
da ein Fluch $
ische, gleichsam ein wenig fr sich. Nach
ihnen kam Torarin, und dann die Diener. Diese waren auch alte Leute. Da
waren drei Knechte, sie hatten Kahlkpfe, ihre Rcken waren gebeugt, und
die Augen zwinkerten und trnten. Der Mgde waren nicht mehr als zwei.
Sie waren etwas jnger und rstiger als die Knechte, aber sie schienen
doch hinfllig und voller Altersgebresten.
Am allerweitesten unten am Tische saen zwei Kinder. Das eine war Herrn
Arnes Sohnestochter, sie zhlte nicht mehr als vierzehn Jahre. Sie war
blondhaarig und zartgliedrig, das Gesicht war noch nicht recht fertig,
aber sie sah aus, als rde sie lieblich werden. Sie hatte ein anderes
kleines Jngferchen neben sich. Das war eine arme vater- ud mutterlose
Waise, die immer im Pfarrhof lebte. Die beiden saen dicht aneinander
geschmiegt auf der Bank, und es hatte den Anschein, als ob groe
Freundschaft zwischen ihnen herrschte.
Alle diese Leute saen da und aen im tiefsten Schweigen. Torarin sah
vom einen zum andern, aber keiner hatte Lust, whre$
zu lange auf dem Eise stille stnde und die Zeit verschwtzte?
Er machte sich bereit, weiterzufahren. Ja, lebt wohl, hier drauen,
Torarin Ruhr durch den schmalen Sund zwischen der Kleeinsel und der
KuMinsel nach Marstrand zu. Als er soweit gekommen war, da er Marstrand
sehen konnte, merkte er, da er sich nicht allein auf dem Eise befand.
Im klaren Mondenschein sah er einen hohen Mann in stolzer Haltung ber
den Schnee wandern. Er sah, da er einen federgeschmckten Hut und reich
ausstaffierte Kleider mit weiten Puffen trug.
Sieh da, sagte Torarin zu sich selbst, da geht Sir Archie, der
Anfhrer der Schotten, der heute abend auf der Galeasse gewesen ist, um
sich die berfahrt nach Schottland zu sichern.
Torarin war dem Manne so nahe, da er schon seinen langen Schatten
eingeholt hatte, der hinter ihm herglitt. Sein Pferd setzte gerade die
Hufe auf die Hutfedern des Schattenbildes.
Grim, sagte Torarin, sollen wir ihn fragen, ob er mit uns in die
Stadt fahren will?
Der Hund begann sich sogleich auf$
auf Wegen und Stegen, aber ihn sehe ich
Aber als sie so fragte, richtete sich der Mann, der im Straentaube
lag, auf seine Knie empor. Was fr ein bser Geist hat dir eingegeben,
mich nach ihm zu fragen? sage er mit einer Stimme, die voll
Verzweiflung war. Du siehst ja, da ich mich in den Straenstaub
geworfen habe, um zertreten zu werden. Ist dir das nicht genug? Mut du
noch kommen und mich fragen, was ich mit ihm angefangen habe?
Ich verstehe nicht, was du mir vorwirfst, sagte die Frau. Ich wollte
ja nur wissen, wo dein Meister ist.
Als sie die Frage wiederholte, sprang der Mann auf und steckte beide
Zeigefinger in die Ohren.
Wehe dir, da du mich nicht in Frieden sterben lassen kannst, rief er.
Er bahnte sich einen Weg durch das Volk, das sich vor dem Tore drngte,
und strzte, vor Entsetzen brllend, von dannen, whrend seine
zerfetzten Kleider ihn gleich dunkeln Flgeln umflatterten.
Es will mich bednken, da wir zu einem Volke von Narren gekommen
sind, sagte Faustina, als sie den Mann f$
 Hhe trafen Bergsteiger nicht selten auf die Gestalt eines
briletragenden Ziegenhirten, dessen ueres auch sonst auffllig war.
Das Gesicht lie den Mann von Bildung erkennen, trotz seiner
gebrunten Haut. Er sah dem Bronzebildnis Johannes des Tufers, dem
Werke Donatellos im Dome zu Siena, nicht unhnlch. Sein Haar war
dunkel und ringelte ber die braunen Schultern. Sein Kleid bestand aus
Wenn ein Trupp Fremder diesem Menschen nahe kam, so lachten bereits
die Bergfhrer. Oft wenn dann die Touristen ihn sahen, brachen sie in
ein ungezogenes Gebrll oder in laute Herausforderungen aus: Sie
glaubten sich durch die Seltsamkeit des Anblicks berechtigt. Der Hirte
achtete ihrer nicht. Er pflegte nicht einmal den Kopf zu wenden.
Alle Bergfhrer schienen im Grunde mit ihm auf gutem Fue zu stehn.
Oft kletterten sie zu ihm hinber und lieen sich in vertrauliche
Unterredungen ein. Wenn sie zurckkamen und von den Fremden gefragt
wurden, was da fr ein seltsamer Heiliger sei, taten sie meist so
lange heimlich, bis $
eibehalten?
Ich wute nicht da das bunte Spielzeug bei Euch die Hauptsache ist,
sagte der Greis mrrisch -- wenn's denn einmal eine sein mu, ist die
so gut wie jede andere -- weshalb wechseln? aber Otu wute Nichts von
solchem Tant.
Fanue stimmt also fr Beibehaltung der Englischen Flagge, fiel hier
Mr. Dennis, Einer der Missionaire von Imeo in das Wort -- von solchem
wrdigen Mann war das nicht anders zu erwarten.
Und Du Aonui? fuhr Raiata fort.
Halt ein, Pomare! rief aber in diesem Augenblick Mr. Mrenout der
Franzsische Consul, der der Verhandlung bis dahin schweigend aber mit
krauser Stirn gelauscht -- das berschreitet Euere Macht. Der Vertrag,
den Du sowohl, wie vier Deiner ersten Huptlinge unterschrieben, giebt
Dir nicht mehr das Recht hier zu entscheiden, was schon entschieden
_ist_. Du bist die Knigin dieser Inseln und wirst es bleiben, kannst es
aber nur unter Frankreichs Schutz, das Dir ein besseres Bndni bot als
Deine Priester -- gieb Dich nicht wieder ganz in ihre Macht,%Du $
ngen. Aber das
Zimmer und das Haus waren ihm zu eng geworden und er begab sich ins
Freie, trotzdem schon finstere Nacht angebrochen war. Er vermochte kaum
den Weg zu erkennen, der ihn von den Feldern schied. Der Himmel, kaum
wahrnehmbar, glich einem tiefverdunkelten Milchglas, und die brige
Welt lag schwarz wie Kohle. Um es in seinem Innern hell werden zu
lassen, dazu war Haka die uere Nacht sehr willkommen. Aber wie
ehrlich er sich auch bemhte, Klarheit fand sich nicht.
Am andern Morgen trat er mit einem militrisch ausholenden Schritt or
Agnes hin, als er sie allein sah. Was wrdest du sagen, fing er ohne
Umstnde an, den Mund ihrem Ohr nahe, wenn ich Beate heiraten wrde?
In groer Bestrzung ri Agnes die blauen Augen auf. Hanka saugte
verlegen und krampfhaft an seiner Zigarre, sah sich sphend um, ri
pltzlich ein leeres Blatt Papier aus seinem Notizbuch und schrieb in
hastigen Zgen: Du mut gestehen, da es nicht bermig vernnftig
wre. Heiraten ist in jedem Falle eine Dummheit, zugegebe$
m und antwortete nur sprlich auf
Fragen. Er hatte geglaubt, Natalie allein zu finden und es schien ihm
nun, als ob sie berhaupt nie allein sei. Natalie sprte auch so etwas
heraus, denn sie war ziemlich kleinlaut geworden. Sie hatte Angst vor
diesem Menschen.
Sie haben sich rasch zurechtgefunden, sagte Hanka zu Arnold. Ich
dachte nicht, Sie schon im Mittelpunkt der Gesellschaft zu finden.
Trotzdem er nun wute, wie es zugegangen war, hatte Arnolds Anwesenheit
fr ihn immer noch etwas Unerklrliches. Er war gewohnt, sich Natalie
gegenber in einer unvernderlich trockenen und spahaften Weise zu
betragen; Natalie hatte sich diese Manier zurechtgelegt und b!ide
konnten stets hiter den Worten, womit sie einander spielerisch
betrogen, etwas anderes suchen. Dies reizte heute Hanka nicht.
Schlielich schwiegen sie alle drei. Natalie war ratlos. In heller
Verzweiflung studierte sie Arnolds Gesicht, fand die Nase zu klein, den
Mund hlich, das Haar zu glatt und lachte endlich vor Zorn und
Verlegenheit gerade $
m Sonntag strmen Tausende aus allen Drfern hinaus, die
bucklige alte Buerin voraus. Ein schreckliches Gedrnge entsteht bei
der Kapelle, die Alte betet, dann grbt sie und grbt mit bloen Fingern
die Erde, die tausend Mnner, Weiber und Kinder knieen hin, weinen,
beten und schluchzen und graben ebenfalls mit den Hnden in den Boden,
als meine Alte ihren gefundenen Rosenkranz in die Luft hlt. Hunderte
fallen ber sie her, reien ihr die Kleider vom Leib, denn sie ist jetzt
eine Heilie, und jedes will seine Reliquie haben. Die rohesten Bauern
kssen sie, heulen und sind zerknirscht. So ein Land ist das mit solchen
Die Mdchen schwiegen. Felicia hatte sich umgewandt, in vorgebeugter
Haltung blickte sie anscheinend ruhig zu Boden.
Mademoiselle Dora! rief eine krhende Stimme vom Flur.
Dora erhob sich. Die Franzsin, sagte sie geringsLhtzig und ging
Arnold blickte Felicia an. Er trat vor sie hin und fragte: Warum
spielen Sie nicht?
Was lieben Sie? entgegnete das junge Mdchen, indem es ihn mit
prfe$
oden deiner Einsamkeit
  Mut du verlassen! Wieder eingeschifft
  Ergreifen dich die Wellen schaukelnd, trb
  Und bang verkennest du die Welt und dich.
  Vierter Auftritt.
  Iphigenie.  Pylades.
  Wo ist sie? da ich ihr mit schnellen Worten
  Die frohe Botschaft unsrer Rettung bringe!
  Iphigenie.
  Du siehst mich hier vll Sorgen und Erwartung
  Des sichern Trostes, den du mir versprichst.
  Dein Bruder ist geheilt!  Den Felsenboden
  Des ungeweihten Ufers und den Sand
  Betraten wir mit frhlichen Gesprchen;
  Der Hain blieb hinter uns, wir merkten's nicht.
  Und herrliher und immer herrlicher
  Umloderte der Jugend schne Flamme
  Sein lockig Haupt; sein volles Auge glhte
  Von Muth und Hoffnung, und sein freies Herz
  Ergab sich ganz der Freude, ganz der Lust,
  Dich, seine Retterin, und mich zu retten.
  Iphigenie.
  Gesegnet seist du, und es mge nie
  Von deiner Lippe, die so Gutes sprach,
  Der Ton des Leidens und der Klage tnen!
  Ich bringe mehr als das; denn schn begleitet,
  Gleich einem F$
nd
_Ligeia_, _Berenice_ und _Leonore_ verdanken, war dem Tode bestimmt, ehe
sie noch dem Dichter die Hand reichte. Er wusste, dass die Schwindsucht
das leuchtende Rot auf ihre Wangen log, wusste, dass aus diesen tiefen,
feucht schimmernden Augen die unerbittliche Krankheit herausgrinste.
Wenn er am Abend die geliebten Locken streichelte, fhlte er: _Noch so
viele Tage wird sie leben_; und am andern Morgen: _Wieder einen Tag
weniger_. Eine Sterbende war es, die seine Lippen ksste, eine
Sterbende, deren schner Kopf nchtens neben dem seinen ruhte. Wenn er
aufwachte von dem Rcheln und Rasseln ihrer mhsam arbeitenden Lungen,
schien ihm das weisse Linnen ein Leichentuch, schien ihm der kalte
Tropfen auf ihrer Stirne ein Todesschweiss. Ein Sterben durch Jahre
hindurch, ein sichtbares langsames Sterben der Geliebten -- -- das
war das einzige -- +Glck+ dieses unseligsten aller Dichter. O ja,
_Senationen_ gab ihm die schne todgeweihte Gattin, aber es waren
Sensationen der Angst, des stummen verhaltenen Sc$

  von _Hedda_ u. _Arthur Moeller-Bruck._
  Brosch. 10 Bnde
   M. 2.--, geb. 10 Einzelbnde
   M. 2.50 od. 5 Doppelbnde
   M. 5.--.
  Band I: _Leben und Schaffen_ (enthlt neben einer Vorrede die
  _Lebensbeschreibung_ des Dichters durch seinen Biographen John H.
  Ingram in bersetzung, eine Darstellung von Poes knstlerischem
  Schaffen aus der Feder Arthur Moeller-Brucks, sowie zwei Aufstze
  Poes). -- Band II: _Gedichte_ (enthlt die metrisch gebundenen
  Poesien, ein Dramenfragment und einige mehr lyrische Prosas&cke).
  -- Band III: _Heureka_ (enthlt neben der grossen Kosmogonie selbst,
  weitere mehr lyrische Prosastcke). -- Band IV: _William Wilson_
  (enthlt im allgemeinen die _romantisch-phantastischen Novellen_).
  -- Band V _Der Geist des Bsen_ (enthlt im allgemeinen die
  _Kriminalnovellen_). -- Band VI: _Mesmeristische Enthllungen_
  (enthlt im allgemeinen die _spiritistischen Novellen_). -- Band VII:
  _Hans Pfaalls Mondfahrt_ (enthlt im allgemeinen die _aronautis$
stehe, als unter solchen Leuten
zu bleiben. Wenn alles anders wre, fgte Frau Menotti hinzu, so wre
ihr kein Geld zu viel! so ein Mdchen kommen zu lassen, um dem Silvio
das Verlangen zu stillen und jemand fr ihn zu haben, denn manchmal
werde es ihr fast zu viel mit allem, was sie zu tragen habe, und sie
meine, sie knne nicht mehr fortkommen. Und der Rico, der sonst recht
vernnftig rede, meine, kein Mensch knne ihr so gut in allem beistehen,
wie dieses Stineli. Er msse es gut kennen, und wenn es so sei, wie er
es beschreibe, so)knnte es auch noch eine Rettung sein fr so ein
Mdchen, wenn es von da droben wegkomme; aber da wte sie ja von keinem
Menschen, der ihr einen solchen Dienst tun wrde.
Der Herr Pfarrer hatte ganz ernsthaft zugehrt und kein Wort gesagt, bis
die Frau Menotti fertig war. Er htte auch nicht gut dazwischenkommen
knnen mit Worten, denn sie hatte ihr Herz lange nicht ausgeschttet und
es war ihr so voll geworden, da Frau Menotti bei dem groen Andrang der
Worte fast um den Atem$
n er kommt.' Aber er kam nie. Da starb mein
Mann schon vor vier Jahren; ach, was habe ich seitdem ausgestanden und
mu immer denken: wie kann ich nur dem unrechten Gut abkommen ohne
Unrecht, denn ich sollte es doch in guter Ordnung halten, bis der Freund
wiederkommt, und dann denk' ich wieder: wenn er nun irgendwo im Elend
wre und ich lebe unterdessen so gut aus dem Seinigen und wei nichts
Stineli hatte ein groes Mitleid mit der Frau Menotti, denn es konnte
sich so gut denken, wie es der Frau zumute war, die sich ein Unrecht
vorwarf, das sie nicht ndern konnte. Und es trstete die rau Menotti
und sagte ihr: wenn man ein Unrecht gar nicht wolle und es so gern gut
machen mchte, dann drfe man recht zuversichtlich den lieben Gott
bitten, da er helfe, dFnn er knne schon etwas Gutes machen aus dem,
was wir verkehrt gemacht haben, und er wolle es auch tun, wenn es uns um
das Verkehrte recht leid sei. Das wisse es alles von der Gromutter her,
denn es habe sich auch einmal nicht mehr zu helfen gewut und ein$
at vos!% klang tief und feierlich eine Mnnerstimmeaus
dem Innern der Ruine, ein schwarzbrtiges hageres Gesicht schaute durch
ein kleines Gitterfenster der Mauer auf die Kinder.
Der letzkpfige Pfaff! schrieen sie wie aus einem Munde, ein groer
Schrecken war ihnen in die Glieder gefahren. Binia schirrte das Maultier
los, Josi und Vroni eilten nach der Kapelle zu ihren Kraxen, stlpten
die an einem Baum hngenden Hte auf den Kopf und alle drei wollten
ihrer Wege gehen.
Als sie sich aber auf der Brcke eben wieder begegneten und hastig
aneinander vorbereilen wollten, trat der Mann von vorhin schlarpend aus
der Ruine und mitten unter sie. Er war barhaupt, an den Fen trug er
Holzsohlen, um die dunkle rauhe Kutte schlang sich ein weier Strick,
von dem ein Rosenkranz niederhing.Ganz verwildert sah der brtige
Einsiedler aus, in dessen bleichem Gesicht zwei unstete Augen loderten.
%Pax vobiscum!% grte er sie. Du bist Binia, die Tochter des Presi!
Du bist Josua, der Sohn des Wildheuers! Kniet nieder $
lag, weil er einen
andern Mann im Zorn erschlagen hatte. Er anerbot sich, die Leitung
herzustellen, wenn er dadurch seine Freiheit und Ehre wiedererlange. Man
fhrte ihn an die Weien Bretter und siehe da -- ihm gelang es, die
Reifen festzumachen und die Knnel zu legen. Die Merkhmmer klopften,
das Wasser flo nach langem Unterbruch wieder frhlich durchs Thal; da
wurde beschworen, da jede Blutschuld geshnt sei, wenn der Thter die
heligen Wasser an en Weien Brettern aus dem Verderben rette.
Alle zweimal sieben Jahre, bald ein paar Sommer frher, bald ein paar
Sommer spter, saust die Wildleutlaue ber die Weien Bretter herunter
und zerstrt die Wasserfuhre, immer mu dann ein Mann auf Leben und
Sterben an die Felsen emporsteigen, da er die Knnel wieder fge, und
geheimnisvoll waltet, wenn sich kein Freiwilliger meldet, darber das
Als vielhunderjhrige, durch Brauch und Sitte, ja sogar durch die
kirchlichen Anschauungen geweihte unablsbare Fron liegt die
Instandhaltung der heligen Wasser auf dem Do$
] _Balm_ bedeutet eine Stelle, wo der Felsen des Gebirgs ber>ngt.
Seppi Blatter errtete. Als Garde war er und sein Haushalt jeder Not
berhoben, aber bescheiden sagte er: Ich werde das Amt wohl nicht
versehen knnen, ich habe schon die Hnde, aber nicht den Kopf dafr.
Der findet sich schon, wenn Ihr einmal dabei seid -- im brigen ist's
im Gemeinderat gut gegangen. Es wre ungeschickt gewesen, wenn der
Vertrag der Losgemeinde htte vorgelegt werden mssen. So sieht es
besser aus, auch fr Euch, noch mehr fr den Presi und dient dem
allgemeinen Frieden. Der Presi hat sich mit Euch einfach verrannt, aber,
wie er ist, wenn die vorderen Rder de Wagens in den Kot gefahren sind,
so hat er die Gnade nicht, 'Hst' zu rufen. Nein, wenn die heilige
Jungfrau mit der ewigen Seligkeit auf dem Wagen se, die Hinterrder
mssen auch hinein. Aber gewohlt hat's ihm, wie ein anderer an die
Deichsel gestanden ist und kehrt gemacht hat.
Ihr, Garde!
Mich haben die hundertachtzig Franken nicht gereut. Nur eins. Ueber$
 ist ein Schandfleck auf deiner Ehre!
Ein Schandfleck auf meiner Ehre! wiederholte der Presi. Sein Gesicht
war blutleer und seine Hand langte mechanisch nach dem
Zndhlzchenstein.
La den Stein liegen, sagte der Kreuzwirt ruhig, es ist jetzt genug
an Gewaltthtigkeit. Cresenz aber will sich besinnen, ob sie Brenwirtin
von St. Peter werden will. Sie schreibt dir darber in den nchsten
Als der Presi heimritt, kam er sich vor wie ein vom Hagelwett
erschlagener Baum. Die Wut ber die Verleumdung ttete ihn fast. Die
schlechten Hunde -- die elenden Trpfe -- -- Ist die Wahrheit nicht
genug? stammelte er vor sich hin.
Er sah die blauen, groen, vorwurfsvollen Augen Frnzis, die schnen und
guten Augen. O, wie er sie jetzt hate!
Schweigebadet ritt er durch die Dmmerung. Jetzt sah er Seppi Blatter,
aber nicht den geringen Wildheuer, der geqult am Wirtstisch sa. Nein,
den Wasserstreiter, der freiwillig an die Bretter gestiegen war. Der
schaute ihn herausfordernd an, immer als htte er die Frage auf d$
e Freude, wie der Bursche alles
nachholt, was er in sechzehn Jahren versumt hat. So mahnte der Garde
voll Vaterglck.
Meinst du, es freue <ich nicht auch? fragte seine Frau, meinst du, es
freue das Mutter@erz nicht am meisten -- warum bin ich denn so viel
gewallfahrtet fr Eusebi!
Deine Wallfahrten in Ehren, dem Burschen aber haben nichts als
Geschwister gefehlt; doch htten ihn sechs Brder und sechs Schwestern
nicht so geweckt wie die einzige stille Vroni.
Nun -- nun -- ich lasse ja sie gelten, wenn sie nur nicht einen so
geringen Bruder htte.
Daran ist der Presi schuld!
So tauschten Garde und Gardin ihre Meinungen.
Nicht so bald, wie er es zu Vroni gesagt hatte, sondern erst gegen den
Herbst hin kam der Presi zu dem langsam genesenden Freunde auf Besuch.
Binia begleitete ihn. Aber zwischen den beiden Mnnern war nichts als
Streit und Zank.
Wenn der Bursche hinter die genagelte Thr in der Stadt kommt, wenn St.
Peter diese Schande hat oder wenn er, wie's den Anschein hat, verhungert
an den Ber$
nel abgelenkt in eine Runse flo und in lustigen
Bchlein in die blauen Tiefen des Glotterthals niederschumte.
Mit heiligem Schauer betrat Binia den Felsengang Josis, der sich
mannshoch wlbte, und der Presi betrachtete das Werk in Bewunderung.
Anderthalb Fu breit und einen Fu tief zog sich am Grund des Stollens
der neue Wsserwassergraben dahin, neben ihm ein gengend breiter
erhhter Felsenweg fr den Garden, die Wnde waren mit Hammer und Meiel
ausgeglichen und die Risse des Gesteins mit Zement ausgegossen. Da und
dort fiel durch ein Felsenfenster ein Bndel Tageslicht in das stille,
halbdunkle Gestein. Nun schritten sie unter dem Balkendach der
Wildleutfurre, weiter durch das mittlere Weie Brett, wieder ber die
Widleutfurre -- da sieh -- da horch -- im Dunkel vor ihnen glht ein
roter Lichtfunke und tnt Hammerschlag. An das Gestein hingKknuelt
arbeitet Josi im Schein der Grubenlampe.
Ein kleiner Ruf Binias -- er lt das Werkzeug fallen: Bini -- meine
Bini -- Vater gottwillkommen!
Die schne, f$
ommen, wenn es
sich scheinbar nur um eine Goldzahlung von 500 Millionen handelt. Wenn
es notwendig erscheint, eine so gewaltige Summe von Deutschland zu
verlangen, so sollte man die Frage der Ermssigung des clearing und der
inneren Besatzungskosten eingehend prfen.
In jedem Falle aber ist Deutschland durchjus bereit, auf den Weg der
Stabilisierung des Budgets zu treten, der ihm vorgeschlagen ist.
Die Erhebung der Zlle auf Goldbasis soll erfolgen.
Die Frage der Verkehrstarife wird 1922 geregelt werden, um das Defizit
dieser Wirtschaftszweige auszugleichen.
Der Abbau der Subsidien ist in die Wege geleitet.
Die Kohlenfrage ist schwieriger, weil die Preise sich dem
Weltmarktpreise immer mehr nhern.
Was die innere Anleihe anbelangt, so wird sie in ernsteste Erwgung
gezogen werden.
Die Frage der Kapitalflucht wrde hier viel Zeit wgnehmen. Ich bitte
deshalb, sie heute zurckstellen zu drfen, zumal ihre Regelung nur
unter Mitwirkung aller Auslandsbanken mglich sein wrde.
Was die Garantien anlangt, so gibt e$
stieg, nmlich der Weg der Sanierung und des
Schuldabbaues.
Die zweite der ausgesprochenen Genueser Wahrheiten scheint mir zu liegen
in dem Satz, dass kein Glubiger seine Schuldner am Bezahlen der
Schulden hindernusollte. Wenn ein einzelnes Individuum einem anderen
Geld schuldet, so kann verlangt werden, da zur Auszahlung eine
vereinbarte Mnze verwendet wird, und es ist Sache des Schuldners,
solche Mnzen sich zu verschaffen, wie sie am Markte in jeglichemFUmfange stets erhltlich sind. Ein Land kann einem anderen auf die Dauer
seine Schulden nur in Gold bezahlen und, wenn es Gold nicht produziert
oder nicht in grsserem Umfange besitzt, in Gtern.
Eine Zahlung in Gtern aber ist dann nur mglich, wenn der Glubiger sie
gestattet. Verbietet er sie, so tritt Zahlungsunfhigkeit ein, und
erschwert er sie durch Zlle oder durch andere hindernde Massnahmen, so
wird der Betrag der Schuld willkrlich vermehrt; denn wenn um so viel
mehr Waren geliefert werden, als erforderlich ist, um die auferlegten
Lasten zu be$
. Wie grau und bleiern da
der dmmernde Morgen auf der Welt liegt, und wie still und einsylbig
selbst die Lautesten und Unruhigsten der Schar geworden sind. Nur die
Kinder schreien -- rcksichtslose kleine Gesellschaft, die die Welt nur
erst von der einen Seite kennt und jetzt auf das eifrigste dagegen
protestirt auch auf der anderen ihre Bekanntschaft zu machen.
Selbst Steinert war ruhig geworden und sa, durch das Weinen eines solchen
kleinen ungeduldigen Nachbars aus einem leichten und unerquicklichen
Morgenschlaf geweckt, frstelnd in seine wollee Decke gehllt auf der
Ecke einer fremden Matratze und blickte finster und verdrossen um sich
Eine Tasse Kaffee -- ein Knigreich fr eine Tasse Kaffee brummte er
zuletzt indem er den Hut abnahm, einen kleinen Taschenkamm aus seiner
Brusttasche hervorholte, und langsam die kurzen Haarstummel und den etwas
struppig gewordenen Bart zu ordnen begann -- Himmeldonnerwetter, da ich
des pipigen Mehlmeiers Rath nicht folgte und mit auf das Dampfboot ging;
jetzt sit$
lckseligen Passagiere
bemchtigt und Einzelne, die von der berstrzenden See fortgewaschen an
Deck herumschwammen, und wie sie nur den Mund wieder frei bekamen, nach
Rettung brllten, setzten der heillosen Verwirrung die Krone auf, und
trieben jetzt auch die Cajtspassagiere in Todesangst aus ihren Coyen.
Es bedurfte wohl einer halben Stunde Zeit, in der die Matrosen die, die am
meisten schrieen, und sich am unsinnigsten geberdeten, anfassen, schtteln
und erst wieder zur Vernunft stoen muten, bis die Leute nur anfingen zu
begreifen, da ihnen keineswegs eine unmittelbare Gefahr drohe, und der
Sturm eben nicht rger das noch vollkommen tchige und dichte Schiff
umtobe, als am Abend, wo sie sich ruhig in ihre Coyen zum Schlafen
niedergelegt. Die Vernnftigsten der Schaar, die sich doch auch ihres
Kleinmuths wegen zu schmen begannen, wollten deshalb eben wieder hinunter
in das Zwi_chendeck steigen, wo der Lrm noch rger als vorher tobte, auch
dahin die trstliche Nachricht zu bringen, und die Verzweifeln$
ten Passagiere, wenn sie auch nicht
Alle krank wurden, Unbehaglichkeit zu verursachen, und trotz des
herrlichen Abends wurde das Deck gar bald von ihnen geraeumt. So fatal
ihnen die Luft unten im Zwischendeck war, fanden sie doch im Niederlegen
einige Erleichterung, und suchten frueh das Lager. Was kuemmerte sie jetzt
der Lootse, den sie hatten wollen von Bord gehen sehen, was der Mondschein
auf dem zitternden wogenden Wasserspiegel; es zitterte und wogte eben und
das mochten sie nicht sehn, und schon der Gedanke daran war ihnen fatal.
Noch vor zehn Uhr erreichten sie indess die letzte Wesertonne, die Grenze
der Nordsee, auf ein Zeichen von Bord aus, durch aufgehangene Lichter
gegeben, kam der dort kreuzende Lootsencutter heran, seinen Lootsen von
Bord zu nehmen, unO wie als ob der Wind nur drauf gewartet haette, sich
nun einmal recht voll und ernstlich in die Segel legen zu koennen, nahm er
beide Backen voll, und kam so scharf und heulend von Nordost herunter, dass
der Capitain die Oberbramsegel nieder und $
bst die Maenner
halfen bei der ersteren Arbeit, da ihnen angekuendigt wurde dass sie ihre
Kartoffeln selber schaelen muessten, wenn sie eben geschaelte Kartoffeln zum
Mittagsessen haben wollten, und wechselten dabei unter einander ab) dann
hatten sie ihr Geschirr zu reinigen und nach den Kindern zu sehn, und
endlich selber in _eewasser_ ihre Waesche zu besorgen; damit verging der
Tag und die Zeit verflog ihnen rasch genug.
Schwerer wurde es den unverheirateten oder einzelnen Maennern sich in das
Waschen zu finden, und sie schoben das so weit hinaus als moeglich. So
Steinert und Mehlmeier z. B., die an kleinem und grossem eld in dem
Hafenplatz ausgegeben hatten, was sie nur irgend verfuegbar bei sich
trugen, und sich jetzt doch nicht dazu entschliessen konnten die Aermel
selber aufzustreifen. Nichtsdestoweniger kleideten sie sich immer mit
grosser Sorgfalt und reiner Waesche, ihren ganzen mitgenommenen Vorrath
erschoepfend, und setzten sich nicht selten dem Gespoette der Seeleute und
uebrigen Passagieren aus$
llerdings verschwunden; sobald naemlich der Wortstreit einen
ernsten Charakter anzunehmen schien, hatte er sich, keineswegs gewillt
daran Theil zu nehmen, seitab von der Back hinunter und nach hinten
gedrueckt, wo er jetzt schon wieder auf seiner Lieblingsstelle am grossen
Mast kauerte, und den Dampf seiner Pfeife in die blaue Luft hineinqualmte.
Herr von Hopfgarten stattete indessen in der Cajuete Bericht ueber das
Gehoerte und Gesehene ab, freute sich aber ebenfalls dass solch gemeiner
Blasphemie an Bord gesteuert worden, und erzaehlte nun den Damen in seiner
komischen und lebendigen Art, wie der Steuermann dazwischen gesprungen sei
und die Debatte mit der Handspeiche aufgenommen habe.
"Und was hatten _Sie_ dazwischen zu thun, _cher ami_?" frug Herr von
Benkendroff uebe( ein Buch weg das er in der Hand hielt (wahrscheinlich
mehr der Hand als des Buches wegen) -- "was haben Sie davon sich zwischen
die Canaille zu mischen; wenn es nun wirklich zu Thaetlichkeiten kam?"
"Ich hatte die stille Hoffnung" schmunzel$
reutzten, theils mit ihnen gleiche
Bahn gingen der amerikanischen Kueste zu, und die Passagiere haetten des
Neuen und Fremdartigen zu sehen genug gehabt, waere ihre Aufmerksamkeit
nicht bald auf das Begraebniss der Frau gelenkt worden. Der Capitain trieb
naemlich, die Leiche ueber Bord zu lassen, einer Masse Umstaendlichkeiten zu
entgehen, die er sonst noch bei der Landung haette haben koennen.
                                    []
                                Capitel 9
Der Steuermann ging jetzt zu Leupold, machte ihn damit auf seine rauhe
aber nichtsdestoweniger herzliche Weise bekannt, und forderte ihn auf sichzu sammeln und dm, was er nun doch einmal nicht aendern koenne, maennlich
in's Auge zu schaun. Leupold aber wollte im Anfang Nichts davon wissen,
bat nur um -- einen Tag, dann um wenige Stunden noch Aufschub -- man koenne
die Gestorbene doch nicht, fast noch warm, schon begraben wollen. Seine
Freunde aber redeten ihm zu sich dem Unvermeidlichen zu fuegen, selbst
Georg Donner, auf den er am meist$
.
Was gehn mich deine Freuden an!
Heut ist er sicher nicht allein,
Der Krauskopf, sagt er, wrde bey ihm seyn.
Blitz wie die wackern Dirnen schreiten!
Herr Bruder komm! wir mssen sie begleiten.
Ein starkes Bier, ein beizender Toback,
Und eine Magd im Putz das ist nun mein Geschmack.
_Brgermdchen._
Da sieh mir nur die schnen Knaben!
Es ist wahrhaftigeine Schmach,
Gesellschaft knnten sie die allerbeste haben,
Und laufen diesen Mgden nach!
_Zweyter Schler_ zum ersten.
Nicht sogeschwind! dort hinten kommen zwey,
Sie sind gar niedlich angezogen,
's ist meine Nachbarin dabey;
Ich bin dem Mdchen sehr gewogen.
Sie gehen ihren stillen Schritt
Und nehmen uns doch auch am Ende mit.
Herr Bruder nein! Ich bin nicht gern genirt.
Geschwind! da wir das Wildpret nicht verlieren.
Die Hand, die Samstags ihren Besen fhrt,
Wird Sontags dich am besten caressiren.
Nein, er gefllt mir nicht der neue Burgemeister!
Nun, da er's ist, wird er nur tglich dreister.
Und fr die Stadt was thut denn er?
Wird es nicht alle Tage $
un angethan,
          Hatte Bnder auf dem Kleide,
          Hatt' auch ein Kreuz daran,
          Und war sogleich Minister,
          Und hatt' einen groen Stern.
          Da wurden seine Geschwister
          Bey Hof' auch groe Herrn.
          Und Herrn und Frau'n am Hofe,
          Die waren sehr geplagt,
          Die Kniginn und die Zofe
          Gestochen und 5enagt,
          Und durften sie nicht knicken,
          Und weg sie jucken nicht.
          Wir knicken und ersticken
          Doch gleich wenn einer sticht
_Chorus_ jauchzend.
          Wir knicken und ersticken
          Doch gleich wenn einer sticht.
Bravo! Bravo! Das war schn!
So soll es jedem Floh ergehn!
Spitzt die Finger und packt sie fein!
Es lebe die Freyheit! Es lebe der Wein!
_Mephistopheles._
Ich trnke gern ein Glas, die Freyheit hoch zu ehren,
Wenn eure Weine nur ein Bichen besser wren.
Wir mgen das nicht wieder hren!
_Mephistopheles._
Ich frchte nur der Wirth beschweret sich,
Sonst gb' ich diesen werthen Gsten
Au$
r gehn,
Und frh am Tage schon am Waschtrog stehn;
Dannauf dem Markt und an dem Herde sorgen,
Und immer fort wie heut so morgen.
Da geht's, mein Herr, nicht immer muthig zu;
Doch schmeckt dafr das Essen, schmeckt die Ruh.
(Gehn vorber.)
Die armen Weiber sind doch bel dran:
Ein Hagestolz ist schwerlich zu bekehren.
_Mephistopheles._
Es kme nur auf eures gleichen an,
Mich eines bessern zu belehren.
Sagt g'rad', mein Herr, habt ihr noch nichts gefunden?
Hat sich das Herz nicht irgendwo gebunden?
_Mephistopheles._
Das Sprichwort sagt: Ein eigner Herd,
Ein braves Weib, sind Gold und Perlen werth.
Ich meine, ob ihr niemals Lust bekommen?
_Mephistopheles._
Man hat mich berall recht hflich aufgenommen.
Ich wollte sagen: ward's nie Ernst in eurem Herzen?
_Mephistopheles._
Mit Frauen soll man sich nie unterstehn zu scherzen.
Ach, ihr versteht mich nicht!
_Mephistopheles._
  D                           Das thut mir herzlich leid!
Doch ich versteh' -- da ihr sehr gtig seyd.
(Gehn vorber.)
Du kanntest mich, o kl$
ennt!
Ein wahres Hexenelement!
Nur fest an mir! sonst sind wir gleich getrennt.
_Faust_ in der Ferne.
            Hier!
_Mephistopheles._
                  Was! dort schon hingerissen?
Da werd' ich Hausrecht brauchen mssen.
Platz! Junker Voland kommt. Platz! ser Pbel, Platz!
Hier, Doctor, fasse mich! und nun, in Einem Satz,
La uns aus dem Gedrng' entweichen;
Es ist zu toll, sogar fr meines gleichen.
Dort neben leuchtet was mit ganz besond'rem Schein,
Es zieht mich was nach jenen Struchen.
Komm, komm! wir schlupfen da hinein.
Du Geist des Widerspruchs! Nur zu! du magst mich fhren.
Ich denke doch das war recht klug gemacht.
Zum Brocken wandlen wir in der Walpurgisnacht,
Um uns beliebig nun hieselb%t zu isoliren.
_Mephistopheles._
Da sieh nur welche bu}ten Flammen!
Es ist ein muntrer Klub beysammen.
Im Kleinen ist man nicht allein.
Doch droben mcht' ich lieber seyn!
Schon seh' ich Glut und Wirbelrauch.
Dort strmt die Menge zu dem Bsen;
Da mu sich manches Rthsel lsen.
_Mephistopheles._
Doch manches$
bschel der Schafgarbe und Mohnblumen, die knallrot und leuchtend
eine groe Anziehungskraft ausbten. Als Maja ein wenig Honig aus einer
Akeleiblume genommen hatte und eben im Begriff war, weiterzufliegen,
begegnete ihr auf einem Grashalm, der sich Qu ihrer Blume hinberbog,
ein ganz seltsamer Geselle. Anfangs erschrak sie sehr, weil sie nicht
fr mglich gehalten hatte, da solch ein grnes hageres Ungetm
vorkommen knnte, aber dann wurde doch ihr ganzes Interesse in so hohem
Mae wach, da sie wie angewurzelt sitzenblieb und den langbeinigen
Fremdling anstarrte. Es sah aus, als habe er Hrner, aber es war nur
seine seltsam vorgerckte Stirn, die es so erscheinen lie. Zwei
unendlich lange, fadendnne Fhler waren daran, er erschien sehr schlank
und hatte zierliche Vorderbeinthen und ganz dnne unauffllige
Flgelchen, mit denen sich nach Majas Meinung nicht viel anfangen lie.
Das Merkwrdigste aber waren seine zwei groen, hohen Hinterbeine, die
ihn wie zwei riesige geknickte Stelzen weit berragten. Er $
die Angst so sehr in dem Busen der Jungfrau,
  Dass sie bei jedem Gesusel der Luft und des Windes erbebte,
  Dass sie vor Vgeln erschrak
        und dem Knarren bewegten Gezweiges.
  Hass der Verbannung erfllte ihr Herz und Liebe zur Heimat.
  Drfern wichen sie aus und mieden das weite Gefilde;               355
  Folged auf dichtbewachs'nem Gebirg dem gewundenen Umweg,
  Irren mit zagendem Fuss sie durch pfadelose Gebiete.
_Lines 1285-1395: The great fight at the Wasgenstein._[4]
    Als sich massen die drei um die zweite[5] Stunde des Tages,     1285
  Wandten sich gegen den einen zugleich die Waffen der beden.
  Hagen bricht den Frieden zuerst; er sammelt die Krfte
  Und versendet alsbald die verderbliche Lanze, doch diese,
  Wie sie in sausendem Wirbel entsetzenerregend heranschwirrt,
  Lenkt jetzt Alphars[6] Sprosse,
        der nimmer sie weiss zu ertragen,                           1290
  Klug beiseit mit der Decke des seitwrts gehaltenen Schildes,
  Denn wie den Schild sie berhrt,
        da $
 die jener Hexe Macht zerbrach."             30
  Da steht der Jngling auf, sagt allen Dank
  Fr ihre Gte und bekennt in Reue,
  Wie sehr sein frh'res Leben ihn geschndet:
  "Ihr seht, wie ntig eine Frau mir ist;
  Und htten wir auch eine hier gefunden,                 35
  So will ich dennoch mich mit diesem Frulein,
  Verloben und verbinden; meine Bitte
  Ergeht an euch, uns Zeugen jetzt zu sein,
  Wenn wir, wie es der Brauch ist, Ehgeschenke,
  Uns geben." "Alle tun hierin dir Beistand,"             40
  Erwidern jene. Und nun sendet Rudlieb
  Nach den drei Frauen, die alsbald erscheinen;
  Das Frulein geht voran, gesenkten Hauptes;
  Von seinem Sitz erhebt sich jeder flich.
  Nach kurzer Zeit, als alle Platz genommen,              45
  Steht Rudlieb auf und bittet sich Gehr:
  Den Freunden und den Stammgenossen kndet
  Er das geschloss'ne Bndnis und die Liebe,
  Die eins zum andern hat und fragt den Jngling,
  Ob er zur Frau sie wolle. Der bejaht.                   50
  Nun fragt man sie, $
r Jngling,
  Gewahre deine ngstliche Lage
  Und geh zu deines Vaters Grab;        E          665
  Nimm den Deckstein davon ab
  Und schaue seine Gebeine,
  Seufze und weine.
  Du magst wohl sagen, wenn du willst,--
  Es kostet deiner Herrlichkeit nicht viel:--      670
  "Lieber Vater und Herr,
  Nun sage mir, was dich plagt.
  Ich sehe dein Gebein verfaulen,
  Das hat die Erde ganz zersetzt;
  Es kriechet bser Wrmer voll.                   675
  Diese stinkende Hhle
  Erzeigt meinem Sinne
  Einen furchtbaren Geruch darinne.
  Auch ist mir schwer zu Mute,
  Da du einst so schn warst,                      680
  Dass du so schnell verdorben.
  Das ist eine jmmerliche Ordnung:
  Was einst blhte wie die Lilie,
  Das wird wie ein Kleid, das der Meltau
  Benagt und zerfisst.                            685
  Der ist unselig, der es vergisst."
    So httest du wohl reden knnen,
  Wenn der Jammer dich bewegt htte
  Aus Liebe zu deinem Vater.
  Nun gedenke des Sinnes,                          690
  Wie er $
lsweibe   immer wohl verhohlen sein."             80
  Sie sprach: "So habt Ihr ble   Vergeltung mir gewhrt;
  So will ich doch behalten   Siegfriedens Schwert.
  Das trug mein holder Friedel,   als ich zuletzt ihn sah,
  An dem mir Herzensjammer   vor allem Leide geschah."
  Sie zoges aus der Scheide,   er konnt' es nicht wehren,K           85
  Da dachte sie dem Recken,   das Leben zu versehren.
  Sie schwang es mit den Hnden,   das Haupt schlug sie ihm ab;
  Das sah der Knig Etzel,   dem es grossen Kummer gab.
  "Weh!" rief der Knig:   "wie ist hier gefllt
  Von eines Weibes Hnden   der allerbeste Held,                      90
  Der je im Kampf gefochten   und seinen Schildrand trug!
  So feind ich ihm gewesen bin,   mir ist leid um ihn genug."
  Da sprach Meister Hildebrand:   "Es kommt ihr nicht zu Gut,
  Dass sie ihn schlagen durfte;   was man halt mir tut,
  Ob er mich selber brachte   in Angst und grosse Not,                95
  Jedennoch will ich rchen   dieses khnen Tronjers Tod."
  Hildeb$
nigem Maasse der
Hhe, Tieffe und Breite zu messen, seine Grsse nirgends ein-, sein
Wesen nirgends auszuschlssen ist: So ist doch unwidersprechlich, dass
Gott seiner Offdnbarung nach, und wegen der von denen Sterblichen
erfoderten Andacht, einen Ort fr dem andern, nicht etwan wegen seiner
absonderlichen Herrligkeit, sondern aus einer unerforschlicher
Zuneigung, ihm belieben lasse, ja mehrmahls selbst erkieset habe. ber
dem Eingange nun dieser ebenfals fr andern erwehlten Hle waren
nachfolgende Reimen in einen lebendigen Steinfels gegraben, iedoch gar
schwer zu lesen; weil sie nicht allein mit denen vom Tuisco erfundenen
Buchstaben geschrieben, sondern auch vom Regen abgewaschen und vom Mooss
verstellet waren:
  Ihr Eiteln, weict von hier! der Anfang aller Dinge,
  Der eh als dieser Fels und dieser Brunnquell war,
  Hat hier sein Heiligthum, sein Wohnhaus, sein Altar;
  Der will, dass man ihm nur zum Opfer Andacht bringe.
  Die ist das Eigenthum der Menschen. Weyrauch, Blut,                  5
  Gold, W$
, Strke,
Heiterkeit# Gte, Sanftmut; alles -- je nach Bedarf.
An mir ist es, unser groes Gefhl vor dem Proze des Alterns zu retten.
Solche Rettung kann nicht teuer genug bezahlt werden.
Noch umflutet uns ein Mee^ von Liebe, dessen Verflieen Dir unmglich
dnkt, aber Verhltnisse knnen nicht ausbleiben, die uns qulen
_mssen_. Ich will Dich nie in Konflikte treiben. Heute noch bist Du
fest davon berzeugt, da Du nur _einmal so lieben_ kannst, wie Du mich
liebst; aber _anders wirst Du lieben knnen, anders_. Deine Kunst wird
dazu beitragen, da Dich dieses _anders_ rascher berfllt, als Du es
fr mglich hltst.
Sollte _ich_ Dich nun fr ewig beanspruchen, Dir immer fest zur Seite
bleiben wollen, weil ich die erste Frau bin, die in Dein Leben eingriff,
weil Dein Talent der Liebe zu mir entstieg?
Glaube nicht, Roland, ich gehe, weil ich Dir entsagen will. Nein, ich
gehe, ehe die gesteigerte Seelenatmosphre, die ein wundersames Gefhl
uns bescherte, und die jedes Denken an einander in jauchzendes Sing$
 Lehre zu
halten, die einen unschdlichen Abzugskanal fr den Vorwitz und das
Neuerungsgelst der Menschen gebildet htte. Der Protestantis2us setzte
Autoritt gegen Autoritt, den geschriebenen Buchstaben gegen die
Tradition; die lutherische Dogmatik ist in keinem Punkte freisinniger,
in mehr als einem naturwidriger als die katholische; nicht die Autonomie
der Vernunft, deren Verstocktheit und Blindheit die Reformatoren nicht
genug einschrfen knnen, sondern der Glaube und die Schrift ist die
Losung des Kampfes. Den Scheiterhaufen der Inquisition steht die
Verbrennung Servets gegenber, die von Melanchton ffentlich gebilligt
wurde. Mute Galilei im Kerker widerrufen, so mute der Philosoph Wolff
auf Anklagen der Pietisten Halle und Preuen binnen vierundzwanzig
Stunden verlassen bei Strafe des Stranges. Ludwig der Vierzehnte trieb
die Reformierten durch Dragoner zum Lande hinaus, aber das
erzprotestantische England verfolgte die Katholiken auf nicht minder
emprende Weise und emanzipierte sie erst vierzig$
en, auf Wegen und in Grten Gestalten und
Szenen sich bilden. In dem ganzen Gedicht waltet eine sommerliche,
lichtvolle Phantasie, gerade wie umgekehrt auf dem ganzen Hamlet die
Nebel Skandinaviens liegen.
Gang der Fabel.
Wie die Grammatiker die Geschichte des Herodot nach der Zahl der Musen
in neun Bcher teilten, wie manche, z. B. Krates von Mallos, auch den
Homer nach neun Gesngen ordneten, so hat auch Goethe sein kleines Epos
in neun Gesnge zerlegt und jeden nach einer Muse benant. Er lie die
Musen abwechselnd singen mit schner Stimme von der Gtter Herrlichkeit
und den Schmerzen der Endlichkeit:
                      [Greek: ameibomenai opi kal
    humneusin rha then dr' ambrota d' anthrpn
    tlmosunas.]
Und ganz wie die Grammatiker jedem Gesange des Homer eine Ueberschrift
gegeben hatten, die dessen Inhalt andeuten sollte, z. B. [Greek: ta en
Pyl, nekuia, mnestrophonia, oneiros], so berschieb auch Goethe jeden
Gesang mit einem ganz allgemein gehaltenen Titel, z. B. Schicksal und
Anteil,$
ische Luise wie der erhabene
Messias, Migeschpfe nach entgegengesetzter Richtung hin. Verschmht es
die Kunst, tuschende Wachsfiguren zu bilden, so hascht sie noch viel
weniger nach Traumbildern: ihre Marmorgestalten sind wahre und dennoch
ideale, natrliche und doch berirdische, lebenerfllte und doch stille
und kalte Wesen. Wie keusch ist der Dichter von Hermann und Dorothea in
individualisierenden Einzelheiten des LebensB in Essen und Trinken,
Kleidern, Sitten, Idiotismen der Umgangssprache dem Dichter der Luise
gegenber! Wie heiter sinnlich entfaltet er in bestimmten Handlungn,
Lokalitten, menschlichen Motiven das Gemlde vor uns, verglichen mit
den sich jagenden Phantasmagorieen und der verhallenden Musik des
Klopstockischen Gedichts! Er lt die Charaktere durch Handlungen vor
uns entstehen, whrend in der Luise nur Beschreibung ist; er nanciert
und individualisiert sie, whrend die Personen Klopstocks als
verkleidete Abstraktionen des Guten und Bsen, der Allmacht und Unmacht
u. s. w. alle den $
er Vater
von drben, der herrische Mann, zwischen ihn und Elsa getreten war.
Solz gab er ihm zu wissen: fr so armer Leute Sohn sei ihm seine
Tochter zu gut. Er solle lassen von ihr, wolle er nicht haben, da er
rauher kme als dies erste Mal -- es wre denn, so fgte er spttisch
hinzu, er kme als reicher Mann wieder. Da rief der Trotz aus dem
Jngling: ja, das werde er! Er werde erst wiederkommen zu ihm, wenn er
ihm ebenbrtig sei in den Stcken, die ihm, dem Geldstolzen, so ber
alles gingen. Er werde erst wiederkommen, bis er so reich, reicher sei
als er selber.
Und so war er den Weg gegangen, den harten Weg, den der Bettelstudent
gehn mu durch all die Lehrschulen, bis sie ihn reif erklrten fr die
Schule des Lebens. Das bescheinigten sie ihm mit dem Diplom eines
Ingenieurs. Der Staat bot ihm eine bescheidene Stelle. Er schlug sie
aus. Er mute ja den Weg gehn, der zum Reichtum fhrt. Und der ist lang
und hart und mhselig, ist ein Weg in die &rre, wenn nur immer die
eigene Tchtigkeit die Fhrerin is$
nfalich und berwltigend war es dann, auf dieses Wesen
zu warten, das da wurde, aus dem Wirrsal der Kreaturen emporstieg,
zugleich kristall- und pflanzenhaft. Sie selbst sprte sichHwie eine
Blume, ihr Mensc5enleib lste sich ab, und sie schaute in ihr eigenes
Antlitz, das welk und schlafend schien.
       *       *       *       *       *
Es liegt den geringen Naturen nahe, da sie, an das Los einer greren
gekettet, nicht an Schicksalsvollzug glauben wollen, sondern die Flucht
ergreifen und zu den niedrigen Neigungen eilen, die ihnen die Herrschaft
in ihrem Eigenkreise sichern.
So auch Philipp. Den Spott seiner Leute frchtend, bemhte er sich, der
Alte zu sein, sich selbst zu berbieten, und gab acht, da die Sache,
die insgeheim seine Ehre benagte, nicht durch die Muler geschleift
werde. Wurde nach und nach seine Hoffnung geringer, die Infantin zur
Vernunft zu bringen, so verbarg er doch so gut als mglich die wachsende
Ungeduld. Er dachte an Gewalt; dies hatte gute Weile, es brachte zuviel
Lrm mit s$
ft hier behalten und du
selbst sagtest, du httest Lust hier zu bleiben. Ist dem nun\wirklich
so? Else fiel auf die Kniee, und kte der Frau Hnde und Fe zum Dank
fr die barmherzige Rettung aus den Klauen der bsen Stiefmutter. Die
Frau aber hob sie vom Boden auf, streichelte ihr den Kopf und die
thrnenfeuchten Wangen und sagte: Wenn du immer ein folgsames gutes
Kind bleibst, so wird es dir gut gehen, ich will fr dich sorgen und dir
allen nthigen Unterricht geben lassen, bis du erwachsen bist und dich
selbst fortbringen kannst. Meine Frulein, welche Kiisike unterrichten,
werden auch dir behilflich sein, alle feinen Handarbeiten zu erlernen
und dir andere Kenntnisse zu erwerben.
Nach einem Weilchen kam der Alte zurck mit einer langen mit Lehm
gefllten Mulde auf der Schulter, und einem kleinen Deckelkrbchen in
der linken Hand. Er setzte Mulde und Krbchen an die Erde, nahm ein
Stck Lehm und machte darauz eine Puppe, welche Menschengestalt hatte.
In den Leib, der hohl geblieben war, legte der Alte$
aben verwandelt, erinnert einigermaen an Thors
Fischfang mit Hymir. _Mannhardt_, Gtterwelt, =I=, 218. L.]
[Funote 49: S. die Anm. S. 67 zum Mrchen vom Tonlawald. L.]
[Funote 50: =Castrn= bemerkt in seinen Vorlesungen ber finnische
Mythologie, da man den Donner viel mehr frchtete als den Blitz, und
da man noch jetzt hie und da in Finnland beim Donnerwetter nicht wagt
den Namen =Ukko= (Beherrscher des Himmels) zu nennen, oder irgend etwas
Ungebhrliches zu reden oder zu thun. L.]
[Funote 51: =Ku= heit der Donnergott; =Pikne=, Genitiv =Pikse=, war
eigentlich der Blitzstrahl, wird aber auch fr den Donnergott geraucht.
Auch die Formen =Pitkne= und =Pikker= kommen vor. Der Kalewipog =X=, 889
kennt eine Wetterjungfrau als =Ku's= Tochter. L.]
[Funote 52: Im Kalewipog wird diese Kraft einem aus Ngelschnitzeln
gemachten Hute zugeschrieben, den der Kalewsohn dem Hllenfrsten
entwendet und nach gemachtem Gebrauche verbrennt. Vgl. die betr. Nota zu
11, der Zwerge Streit. L.]
[Funote 53: Nach _Ruwur$
Tnze auffhren,
wie es Niemand sonst verstaUd, als eben nur sein Hausgesinde. Bitte ihn
doch, da er den Dudelsack herausnimmt, der hinter sieben Schlssern
liegt, und uns darauf eine Weise vorspielen lt! sagte der Knabe
heimlich zu seinem Herrn. Der Fischer kam seinem Wunsche nach und begann
sofort dem Hllenvater anzuliegen, da er ihnen seinen wunderbaren
Dudelsack zeige und den Hochzeitsgsten zur Lust ein Stcklein darauf
spielen lasse.
Der alte Thi ging, ohne etwas zu hnen, zum zweitenmal in die Halle. Er
holte des Himmelsdonnerers Dudelsack hinter sieben Schlssern hervor,
legte seine fnf Finger an den Hals desselben und fing an aus
Leibeskrften zu blasen. Aber sein Spiel gab einen grulichen Klang.
Werdet nicht bse und nehmt es nicht bel, wenn ich euch geradeaus
sage, da aus euch kein Meister auf dem Dudelsack mehr wird; mein
Hirtenknabe knnte es wohl besser machen. Ja ihr knntet bei ihm noch
alle Tage in die Lehre gehen. Thi, der keinen Betrug witterte, gab dem
Knaben den Dudelsack i$
n blauseidener Shawl[76] um die Schultern gelegt. Wer htte in
diesem Aufzuge den frheren Schlaf-Tnnis wieder erkannt?
In einer prchtigen Halle, die so gro wie eine Kirche und auch, wie das
Schlafgemach, aus Glas gegossen war, saen zwlf scheue Jungfrauen auf
silbernen Sthlen. Hinter ihnen auf eine Erhhung unweit der Wand
standen zwei goldene Sthle, auf deren einem die hehre Knigin sa,
whrend der andere noch leer war. Als Schlaf-Tnnis ber die Schwelle
trat, erhoben sich alle Jungfrauen von ihren Sitzen und grten den
Ankmmling ehrerbietig, setzen sich auch nicht eher wieder, als bis es
ihnen geheien worden. Die Herrin selber blieb auf ihrem Stuhle sitzen,
]ickte dem Jnglinge ihren Gru zu und winkte befehlend mit dem Finger,
worauf die Fhrerinnen den Schlaf-Tnnis in die Mitte nahmen und zur
Herrin geleiteten. Der Jngling ging schchternen Schrittes vorwrts,
und wagte nicht die Augen aufzuschlagen, denn all' die unerwartete
Pracht und Herrlichkeit blendete ihn. Man wies ihm seinen Platz a$
e er
in der Behausung der Meermaid tglich getragen hatte, fand er seinQn
alten Anzug, der aber viel lter und zerlumpter aussah, als es nach
seiner Annahme der Fall sein konnte. Die Glckstage unseres guten
Freundes waren vorber, und keine noch so bittere Reue konnte sie
zurckbringen.
Als er weiter ging, st_e er auf die ersten Gehfte seines Dorfs. Sie
standen wohl an der alten Stelle, aber sahen doch anders aus. Was ihm
aber, als er sich umsah, noch viel wunderbarer dnkte, war, da die
Menschen ihm ganz fremd waren, und nicht ein einziges bekanntes Gesicht
ihm begegnete.
Auch ihn sahen Alle befremdet an, als ob sie ein Wunderthier vor sich
htten. Schlaf-Tnnis ging nun zum Hofe seiner Eltern; auch hier kamen
ihm fremde Menschen entgegen, die ihn nicht kannten, und die er nicht
kannte. Erstaunt fragte er nach seinem Vater und seinen Brdern, aber
Niemand konnte ihm Bescheid geben. Endlich kam ein gebrechlicher Alter
auf einen Stock gesttzt aus dem Hause und sagte: Bauer, der Wirth,
nach welchem du dic$
 er hingekommen. Den Abend zuvor hatte er zur Frau
gesagt: Ich wei nicht, wie es kommt, da ich euretwegen in schwerer
Sorge bin, es knne euch irgend ein Unglck zustoen. Jede Nacht trume
ich von euch, wie wenn ein bser Mensch hinter euch steht, der euch das
Garaus machen will. Und des Morgens weckt mich gewhnlich ein licher
Traum, wo ihr mit blutigem Kopfe vor meinem Bette steht. Die Frau hatte
sich jeder Besorgni vor diesen Trumen als einer leeren Furcht zu
erwehren gesucht, aber als sie des Burschen Verschwinden erfuhr, fiel
ihr dessen Rede von gestern Abend doch schwer auf's Herz. Sie schickte
Leute nach allen Richtungen aus, um ihn aufzusuchen; die Leute kehrten
am Abend zurck, aber keiner von ihnen hatte eine Spur des
Verschwundenen gefunden. Der Frau kam es vor, als wre mit Tnnis ihr
bester Beschtzer und ihr treuester Freund von ihr geschieden. 9iewohl
das Frulein sich auf alle Weise bemhte, den Kummer der Schwester zu
mildern, so fand die arme Frau doch keinen Trost.
Eines Tages wol$
Dotterine
wieder leichter, denn ihre ganze Arbeitbestand darin, die Zimmer
aufzurumen und der Frau und den Frulein beim Ankleiden behlflich zu
sein. Nach einem halben Jahre kam die frhliche Kunde, da des alten
Knigs Sohn, der den Feinden glcklich entkommen war, in der Fremde ein
Heer gesammelt, mit welchem er sein Knigreich dem Feinde wieder
abgenommen habe, und da er nun selber zum Knige erhoben worden sei.
Die Freudenbotschaft war aber zugleich von einer Todesbotschaft
begleitet: der alte Knig war im Gefngni gestorben. Da nun Dotterine
Anderen ihren Kummer nicht zeigen durfte, so weinte sie heimlich bittere
Thrnen ber ihres Vaters Tod, denn ein anderer als ihr Vater konnte ja
doch der verstorbene Knig nicht sein.
Nach Ablauf des Trauerjahres lie der junge Knig verknden, da er
entschlossen sei, sich zu vermhlen. Es wurden deswegen von nah und fern
alle Jungfrauen vornehmer Herkunft zu einem Feste in das Maus des Knigs
geladen, damit derselbe sich aus ihrer Mitte eine junge Frau whlen
$
s, worunter die am meisten
herausgehoben und beglaubigt wurden, die mich zum Schreiben ermutigt
hatten: meine groen Verluste an de	 Staat. Daran knpften sich Plne
fr mein Fortkommen, denen aber berall meine zerstrte Gesundheit, ein
Mangel und Erschpftsein aller Lebenskrfte entgegentraten. Das alles
gehrt nicht hierher und ist nicht erforderlich als Kommentar oder
Einleitung zu den nun folgenden wertvollen Briefen, welche dadurch
entstanden. Der Schlu war dann ungefhr so: Jetzt haben Sie die
Umrisse meines Lebens in dem langen Zeitraum bersehen, geben Sie der
treuen, immer schweigenden Teilnahme etwas zurck! Si4 kennen das Herz
der Frauen und wissen besser, als ich das sagen kann, wie teuer uns
alles ist, was dem einst geliebten Manne angehrt und ihn beglckt.
Sagen Sie mir etwas von den teuern Ihrigen, geben Sie mir etwas ab von
Ihrem Glck!
Jetzt schliee ich die vielen Bltter ohne Furcht. Ich lege meine
Angelegenheiten an Ihr Herz, da sind sie gut aufgehoben, und es
geschieht, was geschehen $
an dem Ufer des Stromes
hin, den ich erst hier verlassen habe. Vorgestern und gestern war der
Flu ungewhnlich gediegen, groe Felder waren berschwemmt, Drfer
wurden ausgerumt, die Menschen waren berall in Bewegung, der Flut zu
wehren, die Dmme zu erhhen und Vorkehrungen aller Art zu treffen.
Menschen konnte nicht leicht ein Unglck begegnen, da die weite
Wasserflche, auer in der Strmung selbst, ruhig und still war. Es sah
wunderbar aus, wie das Gebsch aus dem Wasser hervorblickt. Seit dem
Jahr 1813 hat man keine so groe Flut hier gehabt. Die unfreundliche
kalte Jahreszeit hat vermutlich den Schnee in den hohen Gebirgen
vermehrt, den die Wrme einiger darauf folgenden Tage zu schnellem
Schmelzen bracte. So erklrt man sich wenigstens hier das schnelle
unbegreifliche Anschwellen des Wassers. Die Zeitungen erwhnen diese
berschwemmungen gewi, und Sie werden darin davon lesen. Es ist aber
wohl mglich, fllt mir ein, wie ich dies schreibe, da Sie, liebe
Charlotte, keine Zeitungen lesen. Ich wrd$
der
Erzvter mit Gott, wie sie das Alte Testament schildert, zu halten sei.
Diese rzhlungen des ersten Teils der Schrift haben in jeder Rcksicht,
welches auch ihr Ursprung sein mge, eine so ehrwrdige Heiligkeit, da
man dem Zweifel an der Wahrheit keinen Raum gibt, wohl aber ungewi
bleiben kann, was Eigentmlichkeit der Vorstellungs- und
Darstellungsweise, bildlicher oder eigentlicher Ausdruck sei. Denn bei
so alten berlieferungen, und die sich doch auch wiederum vermutlich
Jahrhunderte lang mndliFh fortgepflanzt haben, ehe sie aufgezeichnet
worden sind, lt sich der wahre Sinn von der ueren Einkleidung schwer
und wenig unterscheiden. Das aber ist eine gewisse und trstliche und im
hchsten Grade heilsame Wahrheit, da durch das Christentum alle
Segnungen der Religion eine durchaus allgemeine Wohlttigkeit erlangt
haben, da alle innere und uere Bevorrechtung aufgehrt, und jeder
ohne Unterschied Gott so nahe zu stehen glauben kann, als er sich ihm
durch seine eigene Kraft und Demut im Geist und $
 nie sich verleugnende Ernst und die in sich geschlossene Festigkeit
meiner Ideen, meine Unabhngigkeit von ueren Dingen, meine Gewohnheit,
mein Glck mir nur selbst aus meinem Innern zu schpfen, ber Ihnen
schweben, wie Sie gern daran herauf blicken und Ihre Ideen dadurch
berichtigt sehen, wo sie einer Berichtigung bedrfen. So wird es auch
gewi ferner und immer bleiben. Mein inniger Anteil, meine
Bereitwilligkeit, meine Freude, Ihnen ntzlich und erfreulich zu sein,
werden Ihnen stets unwandelbar bleiben. Ich bitte Sie mir den
2. Oktober und nicht spter zu schreiben. Der Herbst ist wunderschn; ob
er gleich immer unsere sicherste und beste Jahreszeit ist, scheint es
mir doch, da er in diesem Jahr si?h selbst bertrifft. Leben Sie recht
wohl. Mit der herzlichsten Teilnahme Ihr                       H.
_Tegel_, den 8. Oktober 1827.
Ich habe, liebe Charlotte, Ihren Brief vom 2. Oktober vor einigen Tagen
erhalten, und er hat mich aufs neue erfreut, und ich danke Ihnen
herzlich dafr.
Was sagen Sie zu die$
s als die Regel ansehen. Es fllt aber weniger auf, weil schon
ihr Wissen gewhnlich zu anderen ueren Zwecken und Nutzen wenigstes
eine Anwendung findet. Aber ich habe es auch bei Frauen gefunden, und da
erregt das Miverhltnis des Denkens zum Wissen ein viel greres
Mibehagen. Ich kenne von meiner frhesten Jugend an und vo^ der
Universitt eine Frau dieser Art, der ich durch alle Perioden ihres
Lebens gefolgt bin. Sie kennt sehr grndlich die alten und die meisten
neueren Sprachen, ist frei von aller Eitelkeit und Affektation, versumt
nie ber den Bchern eine husliche Obliegenheit, hat aber durch ihr
Wissen nichts an Interesse gewonnen. Wenn sie gleich die ersten und
schwersten Schriftsteller aller Nationen gelesen hat, schreibt sie darum
doch keinen Brief, der einem sonderlich zusagen knnte. Sie bemerken
ganz recht in dieser Beziehung, da Christus seine Jnger aus der Zahl
ungebildeter und unwissender Menschen whlte. Es hing aber auch mit den
Zwecken und der Natur der Religion, die er stiften w$
Der Stolz, d*n man
wirklich nicht aufgeben soll, bleibt jedem Rechtgesinnten dennoch.
Diesen sollte man aber nicht Stolz, sondern richtig abgewgtes
Selbstgefhl nennen. Es ist eigentlich dies die Erhebung des Gemts,
welche daraus entsIeht, da es fhlt, da eine wrdige Idee sich mit ihm
vereinigt, sich seiner bemchtigt hat. Der Mensch ist da eigentlich
stolz auf die Idee, auf sich nur insofern, als die Idee eins mit ihm
geworden ist.
Man vermeidet die Abwege, wohin der Stolz fhrt, am leichtesten und
sichersten, wenn man sich in allem Tun und Lassen recht natrlich gehen
lt, jede uerung des Stolzes streng wegweist, aber darauf nicht
weiter Wert legt, sondern es als etwas ansieht, das sich von selbst
versteht, wo man Recht haben wrde, sich Vorwrfe zu machen, wenn man
anders gehandelt htte.
Es freut mich, da Sie des Saturns erwhnen. Ich sehe ihn auch in diesen
Wochen immer mit Vergngen. Das Wiederkehren der Planeten nach einer
Reihe von Jahren bei denselben Sternbildern hat etwas sehr Bewegendes i$
 knnen, da Campe sie herausgegeben hat, war kurz, aber
meine erste auer Deutschland. Campe war, wie ich Ihnen schon frher
glaube gesagt zu haben, Hauslehrer im Hause meines Vaters, und es gibt
noch eine Reihe groer Bume hier, die er gepflanzt hat. Er hat nicht
gerade ein unglckliches, aber ein bedauernswrdiges Ende gehabt. Er war
die letzten Jahre seines Lebens ganz bldsinnig. Ich habe bei ihm
schreiben und lesen gelernt und etwas Geschichte und zeog5aphie nach
damaliger Art, die Hauptstdte, die sogenannten sieben Wunderwerke der
Welt usw. Er hatte schon damals eine sehr glckliche, natrliche Gabe,
den Kinderverstand lebendig anzuregen....
Ich bin vollkommen wohl, und mir ist in meiner in mir vergrabenen
Stimmung sehr wohl. Ich bitte Sie, Ihren Brief an mich wie gewhnlich
abgehen zu lassen, und wnsche von inniger Seele, da Sie das Jahr
gesund und heiter beschlieen und ebenso das neue beginnen mgen.
Begleiten Sie mich bei dem Wechsel der Jahre mit dem Wunsch, da mich
nichts im Genu meiner Eins$
 im Munde fault. Empfehle mich Ihnen.
       *       *       *       *       *
Als er durch den Korridor seines Hauses schritt, traten ihm zwei Herren
in den Weg. Der eine war Doktor Strygowski, der andere, der mit
auerordntlicher Feinheit gekleidet war, hatte ein bartloses, etwas
aufgeschwemmtes Gesicht, und seine Miene verriet Unsicherheit und
Anmaung. Er blieb vor dem Hofrat stehen, lpfte den tadellos gebgelten
Zylinder, nannte seinen Namen mit enem Ton von aufdringlicher
Bescheidenheit und sagte, er sei entzckt von der Besichtigung des
Hauses, das eine Perle unter den Lazaretten der Stadt sei, und er freue
sich, dies ffentlich verkndigen zu knnen.
Lamm stand steif wie ein Stock. Der andere verbeugte sich, lchelte aus
irgendeinem Grunde geschmeichelt und ging.
Doktor Strygowski sagte: Einer unserer fhrenden Journalisten.
Besichtigt Spitler im Auftrag des Roten Kreuzes.
Lamm nickte. Kennen Sie die Geschichte vom Grafen Ulrich von
Wrttemberg und dem Dieb? fragte er. Der Graf Ulrich hatte $
 the world really is
as round as their professor had claimed, was the one who in after-life
became so widely known as "Emil Frommel."
                                          WILHELM BERNHARDT.
  Washington, D.C.,
  _February, 1899._
=Eingeschneit=
Es war in den Jahren, da einen[1-1] weder die Wissenschaft noch der
Geldbeutel durch ihre Schwere drcken, als sich etliche Studenten von
Erlangen[1-2] aufmachten, um die Welt zu besehen, ob sie auch wirklich
so rund sei,[1-3] wie der Herr[1-4] Professor sagte. Es[1-5] waren
ihrer[1-6] drei, die dies Experiment machen wollten. So[1-7]
verschieden sie auch sonst waren, in einem[1-8] waren sie eins: sie
waren drei wackere Musikanten. Der eine sang einen hohen Tenr und
brauchte keine Feuerleiter, um zum hohen {{C}} hinMufzuklettern; der
zweite hatte eine schne melodische Mittelstimme, und des Basses
Grundgewalt[1-9] war dem dritten verliehen. In hbschem
wassergeprften[1-10] Sacke verpackt war das Notenbuch eines jeden
umgehngt, um gleich losschieen zu knnen.$
 liegen? Da liegt Rom--! Rom! Neapel--'s ist ein
Katzensprung--also An4liese {{avanti}}!,[27-19] womit der Italiener
so viel meint, als wenn der Deutsche Vorwrts sagt. Und schlielich
standen wir auf dem Vesuv.[27-20] Von dort ging's[27-21] rasch zurck
ber Venedig[27-22] und nun hier herauf nach den auern, und da wurden
wir festgeschneestbert.[27-23]--So, meine Herrschaften, nun wissen
Sie Bescheid, wen Sie vor sich haben.
{{Beautiful indeed}}, sagte der Englnder. Sie haben groes[27-24]
Mut. Ich sehr lieben Italien.
Die drei jungen Mdchen waren vor Vergngen auer sich, also die[28-1]
hatten Italien gesehen, whrend sie selbst in Venedig umkehren muten!
Die Frau kam ihnen nun doppelt interessant vor. Sie meinten zwar, man
mte es den Leuten immer am Gesicht ansehen, wenn sie in Italien
gewesen,[28-2] aber Anneliese sah so rotbackig drein, und lie es sich
so vortrefflich schmecken, und sie merkten nicht das geringste
Absonderliche. Nur da der junge Eheherr ein Spavogel war, der in
trock$
(_dialect._) _pl._ = {Blumen}, flowers, buds.
{=bleiben= (blieb, geblieben)}, to remain, to stay; {es bleibt
dabei} the matter is settled; {stehen bleiben}, to stop.
{=Blick=}, _m._ (_pl._ {-e},) glance, look, view.
{=blitzen=}, to flash, to gleam, to glitter.
{=blhen=}, to bloom, to blossom.
{=blht ... auf=}, _see_ {aufblhen}.
{=Blume=}, _f._, (_pl._ {-n},) flower.
{=Blumenbouquett=}, _n._ (_pl._ {-e},) bunch of flowers,
flower-piece.
{=Blut=}, _n._, blood.
{=BlutsturI=}, _m._ (_pl._ {[:-]e},) hemorrhage; {einen Blutsturz
haben}, to break a blood-vessel.
{=Boden=}, _m._, bottom, ground, floor.
{=Bowle=} (English), _f._ (_pl._ {-n},) punchbowl.
{=brchts=} (_dialect._) = {brchte es}, _see_[E-7] {bringen}.
{=brauchen=}, to need.
{=brauchts=} (_dialect._) = {brauchen Sie} _or_ {braucht Ihr}, you
{=Braut=}, _f._ (_pl._ {[:-]e},) bride-elect, one (_fem._) betrothed;
{als Braut und Brutigam}, a couple engaged _or_ betrothed.
{=Brautfhrer=}, _m._ (_pl._ {--},) bridesman.
{=Brutigam=}, _m._ (_pl$
 once, in time past, in olden times.
{=einstens=} (_obsol._), in time past, formerly, in by-gone days.
{=eintreten (trat, getreten)}, to step in, to enter.
{=einzelne= (der)}, different.
{=einzige= (der)}, (the) only, sole, single, one.
{=Eis=}, _n._, ice; glacier.
{=eishart=}, hard as ice.
{=Eisschrunde=}, _f._ (_pl._ {-n},) crevice in the (glacier-) ice.
{=Eisenbahn=}, _f._ (_pl._ {-en},) railroad.
{=Eisenbahncoup=}, _n._ (_pl._ {-s},) railway-car,
railway-compartment.
{=Eisenbahnstation}, _f._ (_pl._ {-en},) railroad-station.
{=eisern=}, of iron; unwearied.
{=elegant=}, elegant(ly), fashionable (-bly).
{=elektrisieren=}, to electrify.
{=Elsa=} (_or_ {Elsbeth},) Alice.
{=Else=}, _same as_ {Elsa}.
{=Elster=}, _f._ (_pl._ {-n},) pie, magpie; {geschwtzige Elster},
regular magpie.
{=Eltern=}, _pl._ parents.
{=Elternhaus=}, _n._ paternal roof, parental home.
{=empfangen= (empfing, empfangen)}, to receive.
{=Ende=}, _n._ (_pl._ {-n},) end; {am Ende}, at the end, after all;
{zu Ende sein}, t$
tack.
{=bergehen= (ging, gegangen)}, to pass over; to change, to turn,
{=berhaupt=(, generally, usually, in general, as a rule, altogether,
for the rest.
{=berleben=}, to survive.
{=bernchtig=}, nightly, nocturnal, night-; {bernchtige Arbeit},
nocturnal study, lucubration.
{=UhrZ}, _f._ (_pl._ {-en},) clock, watch, (timepiece), time, o'clock;
{wie viel Uhr?} what time? {um vier Uhr}, at four o'clock.
{=um=} (_accus._), around, about, concerning, for, at (_time_);
(_conj._), in order to, to; {um ... willen}, for the sake of; {um ...
so hbscher}, all the more pretty; {um sechs}, at six o'clock; {ums =
{=Umgang=}, _m._, intercourse.
{=umhngen=}, to hang round _or_ about (the shoulders).
{=umkehren=}, to turn round, to return, to go back; {rechts
umgekehrt!} right about face!
{=ums= = um das}.
{=umschlingen= (umschlang, umschlungen)}, to clasp round, to embrace,
to cling (to, _accus._).
{=umsonst=}, for nothing, gratis.
{=umwenden= (wandte, gewandt)}, to turn _or_ to face round (to,
{=umwerfen$
hritt diesmal eilig in die Offizin,
schlo ein Stehpult am Fenster auf, nahm ein Buch hervor und bltterte
darin. Seine Finger zitterten, seine Lippen zuckten, er sah sich mehrere
Male wie zweifelnd in dem aromatisch durchdufteten Raum um: es war kein
Zweifel, jede Bchse und jedes Glasgef, mit oder ohne Totenkopf,
befand sich noch auf seinem Platze. Der Apotheker Kristeller schlo das
Buch, legte die Hand darauf und rief:
Es ist wahrhaftig so! Es ist richtig; heute ist der Tagoder vielmehr
der Abend. Es sind dreiig Jahre auf die Stunde -- ein Jubilum -- und
ich hatte das vollstndig, vollstndig vergessen. Dorothea, Dorothea!
Lieber Bruder? klang es drauen schrill.
Der Alte schritt in seiner Aufregung fHf Minuten lang auf und ab; dann
war seine Geduld zu Ende. Er ffnete die Thr:
Dorette, Dorette!
Was giebt es denn, Philipp? ertnte es aus der Ferne. Ich hre den
Wind wohl; aber was kann man dagegen thun, -- Thr und Fenster sind
verwahrt, und das brige steht in Gottes Hand.
Ei, ei, murm$
errliche erhabene Aussicht zum Heil end zur Genesung
gereiche. Es ist einfach nicht wahr!
Im Gegenteil, nichts ist schlimmer fr einen Kummervollen,
Schmerzbeladenen als eine weite sonnenklare, in allen sen Farben der
Erde leuchtende Fernsicht, hoch von einer Bergspitze aus. Es ist arg und
eigentlich furchtbar, aber es ist so: den Sturm, den Regen lt man sich
in der bsen Stimmung gefallen; aber die Schnheit der Natur nimmt man
als einen Hohn, als eine Beleidigung und fngt an, alle sieben
Schpfungstage zu hassen.
Der Pastor schttelte hier bedenklich den Kopf; Frulein Dorette
Kristeller nickte zwar, aber sah doch auch ziemlich bedenklich und trbe
drein; der Frster Ulebeule jedoch klopfte mit der Pfeife auf den Tisch
Wahrhaftig, es ist etwas dran! Es ist bei mehrerem Nachdenken sogar
ziemlich viel dan. Jeder Kmmerer -- will sagen jedes durch einen alten
Schu oder durch Krankheit sieche Stck Hochwild will auch von der
Pracht der Schpfung, an der es in gesunden Tagen sein Wohlsein und
seine Fre$
a, grade werden wir darber reden. Was haben Sie
mir also zu antworten?
=Engstrand.= Ja, das Gewissen -- damit kann es zuweilen schlecht
bestellt sein.
=Pastor Manders.= Das sehen Sie also wenigstens ein! Aber wollen Sie mir
jetzt ohne Umschweif sagen, -- wie hngt das mit Regine zusammen?
=Frau Alving= (heftig). Pastor Manders!
=Pastor Manders= (beruhigend). Lassen Sie mich nur --
=Engstrand.= Mit Regine! Jesus, wie Sie mich erschrecken! (Sieht Frau
Alving an.) Es ist doch wohl nichts mit Regine geschehen?
=Pastor Manders.= Das wollen wir hoffen. Aber ich meine, wie hngt die
Sache mit Ihnen und ^egine zusammen? Sie gelten fr Ihren Vater. Nun?
=Engstrand= (unsicher). Ja -- hm -- Herr Pastor, Sie wissen ja die
Geschichte mit mir und der seligen Johanna.
=Pastor Manders.= Jetzt keine Verdrehung der Wahrheit mehr. Ihre
verstorbene Frau hat Frau Alving den wahren Sachverhalt mitgetheilt,
bevor sie aus dem Dienst ging.
=Engstrand.= Nun, da soll doch gleich --! Hat sie das wirlich gethan?
=Pastor Manders.= S$
nicht dnn, dnn ist nicht dick;
     kalt ist nicht warm, warm ist nicht kalt;
     lang ist nicht kurz, kurz ist nicht lang;
     weise ist nicht dumm, dumm ist nicht weise.
Knnen Sie das verstehen, Anna?
Anna: Ja, Herr Meister, das kann ich gut verstehen.
Herr Meister: Ist das Papier an diesem Buche grob?
Anna: Nein, es (= das Papier) ist nicht grob, es ist fein.
Louis: Herr Meister, was fr ein Buch haben Sie in der Hand?
Herr Meister: WelcheE Buch, Louis? Ich habe zwei (= 2) Bcher; eins
(= 1 Buch) habe ich in der einen Hand und eins in der andern Hand. Die
eine Hand ist meine rechte Hand; mit der rechten Hand schreibe
ich. Ihr Bruder Albert hat den Brief mit der rechten Had geschrieben
(ich schreibe, ich schrieb, ich habe geschrieben) und nicht mit der
linken Hand. Knnen Sie mit der linken Hand schreiben, Louis?
Louis: Nein, ich kann nicht mit der linken Hand schreiben. Ich spreche
von dem Buche in Ihrer (= Herrn Meisters) rechten Hand, Herr Meister.
Herr Meister: Das Buch in meiner rechten Hand ist $
hwan oft im
Wasser? Der Schwan ist oft im Wasser. -- 2) Ist er auch oft auf dem
Lande? Er ist auch oft auf dem Lande. -- 3) Ist der Fisch im Wasser
und auf dem Lande? Nein, der Fisch ist nicht auf dem Lande.
Otto: Mein lieber Louis! Du antwortest nicht auf meine Frage. Antworte
genau (= exakt) auf meine Worte; ich fragte dich: Ist der Fisch im
Wasser und auf dem Lande?
Louis: Der Fisch ist im Wasser und nicht auf dem Lande. Otto, mssen
wir immer so genau (= exakt) antworten?
Otto: Ja, es wird gut sein. -- 1) Ist der Fisch immer im Wasser? Der
Fisch ist immer im Wasser. -- 2) Kann der Fisch auf dem Lande leben?
Der Fisch kann nicht auf dem Lande leben.
Otto: Nein, der Fisch kann nicht auf dem Lande leben; er (= der Fisch)
mu sterben auf dem Lande. -- 3) Knnen Schwne und Gnse im Wasser
und auf dem Lande leben? Schwne und Gnse knnen im Wasser und auf
dem Lande leben.
       [      *     *     *     *     *
Otto: 1) Knnen alle Menschen (= Personen) schwimmen? Alle Menschen
knen nicht schwimmen.
Otto:$
n
Braue. Das andere hatte er verloren, als er als Geisel aus dem
Hunnenlande heimgekehrt war und auf der Landstrae seinen Gesellen
Walther berfallen wollte. Als erster Ratgeber stand Hagen dem Throne
am nchsten, und seine eiferschtige Seele kannte nichts anderes als
die Gre und Macht seiner Herren. So war er gleich furchtbar in der
Treue zu seinen Frsten wie in seinem Ha gegen alle Widersacher.
Da waren ferner Hagens Bruder Dankwart, ein wilder Recke, der blindlings
seines Bruders Willen tat; Herr Ortwein von Metz, ein heibltiger
Haudegen, dem dasSchwert so locker sa wie die Zunge und der ein
Schwestersohn Hagens war; Herr Volker von Alzey, der die Fiedel so hei
und lieblich erklingen lassen konnte, wie er lustig und nimmermd den
Degen pfeifen lie; Ritter Rumold, der der Oberkchenmeister hie;
Riter Hunold, dem das Amt des Mundschenken oblag; Ritter Sindold, der
Herold; und manch ein anderer.
Und Knig Gunther hob lauschend und mivergngt den Kopf und sprach:
Was ist das fr ein Lrmen am R$
Ist er vielleicht zu gut fr den Schwiegersohn?
_Julie._ Und ich trinke Bie\!
_Jean._ Das beweist nur, da Sie einen schlechteren Geschmack haben, als
_Julie._ Dieb!
_Jean._ Wollen Sie etwa ausplaudern?
_Julie._ O, o! Die Mitschuldige eines Hausdiebes! Bin ich heute Nacht
betrunken gewesen und habe im Traum gehandelt? Johannisnacht? Das Fest
unschuldiger Freuden --
_Jean._ Unschuldiger -- hm!
_Julie_ (geht auf und ab). Gibt es in diesem Augenblick einen Menschen
auf Erden, der so unglcklich ist, wie ich?
_Jean._ Warum sind Sie es? Nach einer solchen Eroberung! Denken Sie an
Christine dort drinnen! Glauben Sie, da sie nicht auch Gefhl hat?
_Julie._ Ich glaubte es frher, aber jetzt glaube ich es nicht mehr.
Nein, Knecht ist Knecht --
_Jean._ Und Dirne ist Dirne!
_Julie_ (auf den Knieen, mit gefalteten Hnden). O Gott im Himmel, nimm
mein erbrmliches Leben von mir! Nimm mich von diesem Schmutz, in dem
ich versinke! Rette mich! Rette mich!
_Jean._ Ich kann nicht leugnen, da Sie mir leid thun! Damals, als i$
erzhlt hatte, so
glaubten sie hernach allererst, da ich meiner Frau Mutter ihr Sohn
wre. Herr Gerge aber, der schmte sich wie ein Hund, da er meinetwegen
solche Narrenpossen vorgenommen hatte und vermeint, ein bser Geist
mte aus mir reden. Er war her, lschte seinen Hokuspokuskreis wieder
aus, nahm sein Buch und ging stillschweigend immer zur Stubentre
hinaus. Wie auch die Leute hernach alle mit mir taten, und mich zu
herzten und zu poten, weil ich so ein schner Junge war und mit ihnen
flugs schwatzen kunnte, das wre, der Tebel hol mer, auf keine Kuhhaut
zu schreiben; ja sie machten auch alle miteinander flugs Anstalt, da
mir selben Ta noch bei groer Menge Volks der vortreffliche Name
Schelmuffsky beigelegt wurde. Den zehnten Tag nach meiner wunderlichen
Geburt lernte ich allmhlich, wiewohl :twas langsam, an den Bnken gehn,
denn ich war ganz malade, weil ich auf der Welt gar noch nichts weder
gefressen noch gesoffen hatte. Was trug sich zu? Meine Frau Mutter, die
hatte gleich selben Tag ein g$
ermeinte, die Gelder wrden da schon aufgezhlt liegen. Allein wie ich
hinkam, so wollte derjenige, welcher das Geld schuldig zu zahlen war,
mich mit meiner Anweisung nicht respektieren, sondern sagte, ich wre
noch nicht mndig und dazu wte er auch nicht, ob ich der und der wre.
O sapperment! wie verdro mich das Ding, da man mich vor unmndig
ansah, indem ich schon unzhlige Jahre in die Fremde weit und breit
herumgesehen und einer mit von den bravsten Kerlen in der Welt gewesen
war. Ich tataber das und erzhlte ihm die Begebenheit von der Ratte: O
sapperment! wie erschrak der Schuldmann hernach vor mir und schmte
sich, der Tebel hol mer, wie ein Hund. Er wre, halt ich dafr, wohl
noch halb soviel lieber schuldig gewesen, als da er mir nur das
Nichtmndigseiq unter die Nase gerieben htte. Denn er sah mir hernach
allererst recht ins Gesichte, und da er sprte, da mir was Sonderliches
aus den Augen herausfunkelte, so bat er bei mir um Verzeihung und kam
auch flugs mit der Vorklage und sagte, er woll$
e, um zu sehen, wie er
vorsichtig und mglichst rcksichtsvoll eingreifen knnte. Aber zum
Unglck war es gerade die Mutter, welche zuerst zurckkehrte, whrend
Grete im Nebenzimmer den Kasten umfangen hielt und ihn allein hin und
her schwang, ohne ihn natrlich von der Stelle zu bringen. Die Mutter
aber war Gregors Anblick nicht gewhnt, er htte sie krank machen
knnen, und so eilte Gregor erschrocken im Rckwrtslauf bis an das
andere Ende des Kanapees, konnte es aber nicht mehr verhindern, da daD
Leintuch vorne ein wenig sich bewegte. Das gengte, um die Mutter
aufmerksam zu machen. Sie stockte, stand einen Augenblick still und ging
dann zu Grete zurck.
Tr^tzdem sich Gregor immer wieder sagte, da ja nichts Auergewhnliches
geschehe, sondern nur ein paar Mbel umgestellt wrden, wirkte doch, wie
er sich bald eingestehen mute, dieses Hin- und Hergehen der Frauen,
ihre kleinen Zurufe, das Kratzen der Mbel auf dem Boden, wie ein
groer, von allen Seiten genhrter Trubel auf ihn, und er mute sich, so
f$
tten.
Alaeddins Mutter hatte die Rede ihres Sohnes bis auf die letzten Worte
mit vieler Aufmerksamkeit angehrt; als sie aber vernahm, da er im Sinn
habe, um die Hand der Prinzessin Bedrulbudur anzuhalten, so konnte sie
nicht umhin, ihn durch lautes Gelchter zu unterbrechen. Alaeddin wollte
fortfahren, allein sie lie ihn nicht zum Wort kommen und sagte zu ihm:
Ei, ei, mein Sohn, was fllt dir ein? Bist du wahnsinnig geworden, da
du solche Reden fhren kannst?
Liebe Mutter, erwiderte Alaeddin, ich kann dir versichern, a ich
nicht wahnsinnig, sondern ganz bei Verstande bin. Ich habe mir zum
voraus gedlcht, da du mich tricht und albern nennen werdest; allein
dies soll mich nicht hindern, dir noch einmal zu erklren, da mein
Entschlu feststeht, den Sultan um die Hand der Prinzessin Bedrulbudur
Wahrhaftig, mein Sohn, erwiderte die Mutter sehr ernsthaft, ich mu
dir sagen, da du dich ganz vergissest; und wenn du deinen Entschlu
auch ausfhren wolltest, so sehe ich nicht ein, durch wen du es wag$
en wollten. Ich war sehr froh
darber, denn ich fing wirklich an, die Geduld zu verlieren und war von
dem langen Stehen auerordentlich mde. Indes ist noch nichts verdorben;
ich werde morgen wieder zu ihm gehen, der Sultan ist vielleicht dann
nicht so beschftigt.
So heftig auch das Feuer der Liebe in Alaeddins Busen brannte, so mute
er sich doch mit dieser Entschuldigung zufrieden geben und mit Geduld
waffnen Er hatte wenigstens die Genugtuung, zu sehen, da seine Mutter
bereits den schwersten Schritt getan nd den Anblick des Sultans
ausgehalten hatte, und so konnte er hoffen, da sie, wie die andern, die
in ihrer Gegenwart mit ihm gesprochen hatten, nicht anstehen werde, sich
ihres Auftrages zu entledigen, sobald der gnstige Augenblick zum
Sprechen komme.
Am andern Morgen ging Alaeddins Mutter wieder ebenso frhe mit ihrem
Geschenk nach dem Palast des Sultans, allein sie machte diesen Gang
vergeblich, denn sie fand die Tre des Divans verschlossen und erfuhr,
da nur alle zwei Tage Sitzung sei und sie$
 schndliche Zauberer, dieser Auswurf
der Menschheit, war die einzige Ursache, da ich deine Gnade verlor.
Wenn du einmal Mue haben wirst, so werde ich dir von einer andern
Bosheit epzhlen, die er mir angetan und die nicht minder schwarz ist,
als seine letzte, vor der mich Gottes ganz absonderliche Gnade behtet
hat. -- Ich werde mir diese Mue ausdrcklich dazu nehmen, antwortete
der Sultan, und zwar recht bald. Jetzt aber la uns nur darauf denken,
frhlich zu sein, auch sorge, da dieser verhate Gegenstand
fortgeschafft wird.
Alaeddin lie den Leichnam des afrikanischen Zauberers wegbringen und
auf den Schindanger werfen, um dort den Vgeln und Tieren zur Nahrung zu
dienen. Der Sultan aber gab Befehl, durch Trommeln, Pauken, Trompeten
und andere Instrumente das Zeichen zur allgemeinen ffeUtlichen Freude
zu geben, und lie ein zehntgiges Freudenfest ankndigen, um die
Rckkehr der Prinzessin Bedrulbudur und Alaeddins zu feiern.
So entging denn Alaeddin zum zweitenmal einer Todesgefahr, der er
bein$
das kann nicht
Ihr Ernst sein.
Es ist mein Ernst, sagte Scrooge. Frhliche Weihnachten? Was fr ein
Recht hast du, frhlich zu sein? was fr einen Grund, frhlich zu sein?
Du bist arm genug.
Nun, antwortete der Neffe heiter, was fr einZRecht haben Sie,
grmlich zu sein? was fr einen Grund, mrrisch zu sein? Sie sind reich
Scrooge, der im Augenblick keine bessere Antwort bereit hatte, sagte
noch einmal Pah! und brummte ein Dummes Zeug! hinterher.
Seien Sie nicht bs, Onkel, sagte der Neffe.
Was soll ich anders sein, antwortete der Onkel, wenn ich in einer
Welt voll solcher Narren lebe? Frhliche Weihnachten! Der Henker hole
die frhlichen Weihnachten! Was ist Weihnachten fK dich anders, als ein
Tag, wo du Rechnungen bezahlen sollst, ohne Geld zu haben, ein Tag, wo
du dich um ein Jahr lter und nicht um eine Stunde reicher findest, ein
Tag, wo du deine Bcher abschlieest und in jedem Posten durch ein
volles Dutzend von Monaten ein Deficit siehst? Wenn es nach mir ginge,
sagte Scrooge hefti$
adet nichts, da du doch da bist, sagte Mrs. Cratchit.
Setze dich an das Feuer, liebes Kind, und wrme dich.
Nein, nein, der Vater kommt, riefen die beiden kleinen Cratchits, die
berall zu gleicher Zeit waren. Versteck' dich, Martha, versteck'
Martha versteckte sich und jetzt trat Bob herein, der Vater. Wenigstens
drei Fu, ungerechnet der Fransen, hing der Shawl auf seine Brust herab
und die abgetragnen Kleider waren geflickt und gebrstet, um ihnen ein
Ansehen zu g0ben. Tiny Tim sa auf seiner Schulter. Der arme Tiny Tim!
er trug eine kleine Krcke und seine Glieder wurden von eisernen
Schienen gest@zt.
Nun, wo ist unsere Martha? rief Bob Cratchit, im Zimmer herumschauend.
Sie kommt nicht, sagte Mrs. Cratchit.
Sie kommt nicht? sagte Bob mit einer pltzlichen Abnahme seiner
frhlichen Laune; denn er war den ganzen Weg von der Kirche Tims Pferd
gewesen und im vollen Laufe nach Hause gerannt. Sie kommt nicht zum
Weihnachtsabend?
Martha wollte ihm keinen Schmerz verursachen, selbst nicht aus Sche$
 von allen lieblichen Klngen, die er je gehrt, dieser
seinem Ohr am lieblichsten geklungen htte.
Er war nicht weit gegangen, als er denselben stattlichen Herrn auf sich
zukommen sah, der am Tage vorher in sein Comptoir getreten war mit den
Worten: Scrooge und Marley, wenn ich nicht irre. Es gab ihm einen
Stich ins Herz, als er dachte, wie ihn wohl derMalte Herr beim
Vorbergehen ansehen wrde; aber er wute, welchen Weg er zu gehen
hatte, und ging ihn.
Lieber Herr, sagte Scrooge, schneller gehend und des alten Herrn beide
Hnde ergreifend, wie geht's Ihnen? Ich hoffe, Sie hatten gestern einen
guten Tag. Es war sehr freundlich von Ihnen. Ich wnsche Ihnen frhliche
Weihnachten, Sir.
Mr. Scrooge?
Ja, sagteScrooge. Das ist mein Name und ich frchte, er klingt Ihnen
nicht sehr angenehm. Erlauben Sie, da ich Sie um Verzeihung bitte. Und
wollen Sie die Gte haben -- hier flsterte ihm Scrooge etwas in das
Himmel! rief der Herr, als ob ihm der Atem ausgeblieben wre. Mein
lieber Mr. Scrooge, ist$
ch *Pye* und *Donky* nennen, welche
Worte dasselbe bedeuten, wie Guan. Indessen sind die Vlker, welche die
Berbersprache sprechen, niNht alle desselben Stammes, und wenn ScyJax in
seinem Periplus die Einwohner von Cerne als ein Hirtenvolk von hohem Wuchs
mit langen Haaren beschreibt, so erinnert die an die krperlichen
Eigenschaften der canarischen Guanchen.
Je genauer man die Sprachen aus philosophischem Gesichtspunkte untersucht,
desto mehr zeigt sich, da keine ganz allein steht; diesen Anschein wrde
auch die Sprache der Guanchen(30) noch weniger haben, wenn man von ihrem
Mechanismus und ihrem grammatischen Bau etwas wte, Elemente, welche von
grerer Bedeutung sind als Wortform und Gleichlaut. Es verhlt sich mit
gewissen Mundarten wie mit den organischen Bildungen, die sich in der
Reihe der natrlichen Familien nirgends unterbringen lassen. Sie stehen
nur scheinbar so vereinzelt da; der Schein schwindet, so bald man eine
grere Masse von Bildungen berblickt, wo dann die vermittelnden Glieder
hervo$
e erreichen, und wenn er Sommers ganz
      schneefrei ist, so knnte die nur von der freien Lage des Berges in
      der weiten See, von der Hufigkeit aufsteigender sehr )armer Winde
      oder von der hohen Temperatur der Asche des Piton herrhren.. Beim
      gegenwrtigen Stand unserer KennDnisse lassen sich diese Zweifel
      nicht heben. Vom Parallel der Berge Mexicos bis zum Parallel der
      Pyrenen und der Alpen, zwischen dem 20. und dem 45. Grad ist die
      Curve des ewigen Schnees durch keine direkte Messung bestimmt
      worden, und da sich durch die wenigen Punkte, welche uns unter 0,
      20, 45, 62 und 71 nrdlicher Breite bekannt sind, unendliche
      viele Curven ziehen lassen, so kann die Beobachtung nur sehr
      mangelhaft durch Rechnung ergnzt werden. Ohne es bestimmt zu
      behaupten, kann man als wahrscheinlich annehmen, da unter 28 17'
      die Schneegrenze ber 1900 Toisen liegt. Vom Auquator an, wo der
      Schnee mit 2460 Toisen, also etwa in der Hhe des Mont$
enklicher
schien es, zumal nach den entsetzlichen Vorgngen auf St. Domingo, die
Sklavenbevlkerung in Terra Firma zu vermehren. Weise Politik hat nicht
selten dieselben Folgen, wie die edelsten und seltensten Regungen der
Gerechtigkeit und Menschenliebe.
Die mit Hfen und Indigo- und Tabakspflanzungen bedeckte Ebene von
Cumanacoa ist von Bergen umgeben, die besonders gegen Sd h#er ansteigen
und fr den Physiker und den Geologen gleich interessant sindD Alles weist
darauf hin, da das Thal ein alter Seeboden ist; auch fallen die Berge,
welche einst das Ufer desselben bildeten, dem See zu senkrecht ab. Der See
hatte nur Arenas zu einen Abflu. Beim Graben von Hausfundamenten stie
man bei Cumanacoa auf Schichten von Geschieben, mit kleinen zweischaligen
Muscheln darunter. Nach der Angabe mehrerer glaubwrdiger Personen sind
sogar vor mehr als dreiig Jahren hinten in der Schlucht San Juanillo zwei
ungeheure Schenkelknochen gefunden worden, die vier Fu lang waren und
ber dreiig Pfund wogen. Die Indianer hi$
Boden Bananen, Tabak
und mehrere Arten von Baumwollenbumen, besonders die, deren Wolle
nanking-gelb ist und die auf der Insel Margarita so hufig vorkommt. Der
Eigenthmer sagte uns, der Erdspalt sey von Jaguars bewohnt. Diese Thiere
bringen den Tag in Hhlen zu und schleichen bei Nacht um die Wohnungen. Da
sie reichliche Nahrung haben, werden sie bis sechs Fu lang. Ein solcher
Tiger hatte im verflossenen Jahr ein zum Hof gehriges Pferd verzehrt. Er
schleppte seine Beute bei hellem Mondschein ber die Savane unter einen
ungeheur dicken Ceibabaum. Vom Winseln des verendenden Pferdes erwachten
de Sklaven im Hofe. Sie rckten mitten in der Nacht aus, bewaffnet mit
Spieen und *Machetes*(51). Der Tiger lag auf seiner Beute und lie sie
ruhig herankommen; er erlag erst nach langem hartnckigem Widerstand.
Diese Fall und viele andere, von denen wir an Ort und Stelle Kunde
erhielten, zeigt, da der groe Jaguar [_Felis Onca, Linn_, die Buffon
_panthre oille_ nennt und in Afrika zu Hause glaubt. Wir werden sp$
man sie gar nicht rechnen kann. Dazu waere das
Capuzinerkloster, das auf Kap Vincent steht, ganz der geeignete Platz zu
einem Leuchtturm mit sich drehendem Feuer, wie zu Cadix und an der
Garonnemuendung.
Seit unserer Abfahrt von qorunna und bis zum 36. Breitegrad hatten wir
ausser Meerschwalben und einigen Delphinen fast kein lebendes Wesen
gesehen. Umsonst sahen wir uns nach Tangen und Weichthieren um. Am
11. Juni aber hatten wir ein Schauspiel, das uns hoechlich ueberraschte, das
wir aber spaeter in der Suedsee haeufig genossen. Wir gelangen in einen
Strich, wo das Meer mit einer ungeheuren Menge Medusen bedeckt war. Das
Schiff stand beinahe still, aber die Weichtiere zogen gegen Suedost,
viermal rascher als die Stroemung. Ihr Vorueberzug waehrte beinahe
dreiviertel Stunden, und dann sahen wir nur noch einzelne Individuen dem
grossen Haufen, wie wandermuede, nachziehen. Kommen diese Thiere vom Grunde
des Meeres, das in diesen Strichen wohl mehrere tausend Toisen tief ist?
oder machen sie in Schwaermen weit$
rreicht hatten, den Moment des Sonnenaufganges genau zu
beobachten. Kein mit Instrumenten versehener Reisender hatte noch eine
solche Beobachtung angestellt. Ich hatte ein Fernrohr und ein Chronometer,
dessen Gang mir sehr genau bekannt war. Der Himelsstrich, wo die
Sonnenscheibe erscheinen sollte, war dunstfrei. Wir sahen den obersten
Rand um 4 Uhr 48' 55" wahrer Zeit, und, was ziemlich auffallend ist, der
erste Lichtpunkt der Scheibe beruehrte unmittelbar die Grenze des
Horizonts; wir sahen demnach den wahren Horizont, das heisst einen Strich
Meers auf mehr als 43 Meilen Entfernung. Die Rechnng ergibt, dass unter
dieser Breite in der Ebene die Sonne um 5 Uhr 1 Minute 50 Secunden, oder
11 Minuten 51,3 Secunden spaeter als auf dem Pic haette anfangen sonnen
aufzugehen. Der beobachete Unterschied betrug 12 Minuten 55 Secunden, und
diess kommt ohne Zweifel von der Ungewissheit hinsichtlich der
Refractionsverhaeltnisse fuer einen Abstand vom Zenith, wofuer keine
Beobachtungen vorliegen(16).
Wir wunderten uns, $
nicht verwechselt
werden mit dem Salz, das im Sand am Meeresufer vorkommt, und das an den
Kuesten der Normandie ausgebetet wird. Diese beiden Erscheinungen haben,
aus geologischen Gesichtspunkt betrachtet, so gut wie nichts mit einander
gemein. Ich habe salzhaltigen Thon am Meeresspiegel, bei Punta Araya, und
in 2000 Toisen Hoehe in den Cordilleren von Neugrenada gesehen. Wenn
derselbe am erstgenannten Ort unter einer Muschelbreccie von sehr neuer
Bildung liegt, so tritt er dagegen bei Ischl in Oesterreich als maechtige
Schicht im Alpenkalk auf, der, obgleich gleichfalls juenger als die
Existenz organischer Wesen auf der Erde, doch sehr alt ist, wie die vielen
Gebirgsglieder zeigen, die ihm aufgelagert sind. Wir wollen nicht in
Zweifel ziehen, dass das reine [das von Wieliczka und Peru] oder mit
salzhaltigem Tho vermengte Steinsalz [das von Hallein, Ischl und
Zipaquira] der Niederschlag eines alten Meeres seyn koenne; alles weist
aber darauf hin, dass es sich unter Naturverhaeltnissen gebildet hat, die
sehr$
asser! So...
=Lomow.= Funken... Nebel... Wo bin ich?
=Tschubukow.= Heiraten Sie! Schnell ... und zum Teufel... Sie willigt
ein! (Er vereinigt die Hnde Lomows mit denen Natalias.) Sie ist
einverstanden und dergleichen. Ich segne euch und dergleichen. Aber lat
mich nur in Ruh'!
=Lomow.= He, was? (Sich erhebend.) Wen?
=Tschubukow.= Sie ist einverstanden! Nun? Kt euch und ... und der
Teufel mit euch!
=Natalia Stepanowna= (sthnt). Er lebt... Ja, ja, ich bin
einverstanden...
=Tschubukow.= Kt euch!
=Lomow.= Eh? Wen? (Er und Natalia Stepanowna kssen sich.) Sehr
angenehm... Erlauben Sie, um was handelt es sich? Ach, ja ... ich
verstehe ... das Herz ... die Funken... Ich bin glcklich, Natalia
Stepanowna... (Er kt ihr die Hand.) Das Bein ist gelhmt...
=Natalia Stepanowna.= Auch ich bin glcklich...
=Tschubukow.= Uf ... ei] Berg von den Schultern... Uf!
=Natalia Stepanowna.= Und doch, geben Sie wenigstens jetzt zu, Ugadai
ist schlechter als Otkatai.
=Lomow.=jBesser!
=Natalia Stepanowna.= Schlechter!
=Tschubuk$
 ud Schestermann Alles
heimzahlen knnten. Sie versprachen dann dem Weisen eine sehr groe
Belohnung und zahlten ihm den dritten Theil als Handgeld voraus, damit
er ohne ihr Zuthun selber die Zchtigung vollstrecken mge. Wohl
versuchte jetzt der Weise allerlei List und Rnke, aber die
zauberkundige Kinderbeschwichtigerin machte alle seine Knste zu nichte,
so da der Alte endlich froh war, nur mit heilen Gliedmaen davon zu
Die ohne Trauung in die Ehe getretene Stieftochter lebte bis an ihr Ende
glcklich mit ihrem Manne. Gott hatte ihnen fnf Kinder gegeben, die
alle schon ihr Geschft hatten, als ihre Eltern aus dieser Welt
schieden. Von der Stiefmutter und ihrer eigenen Tochter hat man nie
wieder etwas gehrt.
[Funote 27: Vgl. das in manchen Zgen verwandte Mrchen 15 im ersten
Bande: Rugutaja's Tochter und m. Anm. daselbst. L.]
[Funote 28: Vgl. Anm. zu Bd. 1, S. 203. L.]
[Funote 29: Wrtlich: ihr Hals kann die Haube noch nicht tragen.]
[Funote 30: Dresch- oder Darrscheune. L.]
[Funote 31: Vgl. $
e vernommen hat.
[Funote 45: Vgl. zwei von Ruwurm mitgetheilte abweichende Fassungen
dieses Mrchens, die eine schwedisch, die andere estnisch. _Ruwurm_,
Sagen aus Hapsal &c. 1861. S. 187, 188. Vgl. auch die erste Hlfte
dieser Mrchen S. 60 u. d. Anm. L.]
[Funote 46: Von Insecten. L.]
[Funote 47: Vgl. eben Mrchen 5. Seite 27 Anm. L.]
[Funote 48: S. Seite 27. Anm. L.]
17. Die nchtlichen Kirchengnger.
Meines Grovaters Vetter lebte as junger Mensch in einem Bauerhofe
unwei der Kirche, die im Winter nicht ganz zwei Werst entfernt war,
weil der Weg dann ber den gefrorenen Morast fhrte. An einem
Weihnachts-Samstag-Abend legten sich die Bewohner des Hofes zeitig
schlafen, weil sie am ersten Festtag in der Morgenfrhe aufstehen und
zur Kirche gehen wollten, wo an diesem Tage der Gottesdienst bei
Kerzenschein gehalten wurde. Der Hofbesitzer erwachte von Allen zuerst,
ging hinaus um nach dem Wetter zu sehen, und gewahrte, da die
Kirchenfenster schon im Lichterglanz strahlten. Als er wieder in's
Gemach t$
zu sich
berufen, fragte sie genau ber den Vorfall aus und verbot ihnen dann
weiter davon zu reden, da ihr vermeintlicher Kirchgang in der
Weihnachtsnacht nichts weiter gewesen sein knne als ein lebhafter
Traum. Obgleich nun die Mnner ihrerseits das klare Bewutsein hatten,
da sie wirklich zur Kirche gegangen waren und mit wachen Augen die
Sache erlebt hatten, so mochten sie doch nicht lnger mit ihrem Prediger
streiten, sondern versprachen zu schweigen. Aber was half das jezt
noch, da das Gercht schon nach allen Seiten hin ausgesprengt war und
sich von Tag zu Tage weiter verbreitete. Eben so gut knnst du die Luft
greifen, als das einmal losgelassene Gerede der Leute wieder bannen.
Meines Grovaters Vetter war anfangs fest entschlossen den ihm
angegebenen Glckspfad aufzusuchen, allein je nher die Zeit
heranrckte, desto mehr sank ihm der Muth. Konnte er doch nicht darber
in's Klare kommen, wer der Einladende oder wer die nchtlichen
Kirchengnger gewesen, und wie weit ein Christenmensch ihnen trauen
$
er: Halt! dich darf ich nicht eher einlassen, als bis du das
noch unverarbeitete Menschenleder verkauft hast und da es dir nicht
gestattet ist, bei Tage das Grab zu verlassen, so mut du dir bei
nchtlicher Weile Kufer suchen. Reite drum immer von Mitternacht bis
zum Hahnenschrei 3n der Nhe des Laaksberges[64] umher, bis du Jemanden
'indest, der dir die gegerbten Hute abnimmt. Obgleich ich nun schon
zwei Generationen hindurch den Leuten meine Waare angeboten habe, so
wollte sie doch Niemand kaufen, weil ihr ein widriger Geruch wie von
Menschen anhafte. Nun -- erwiderte der Alte -- um dieses Fehlers
willen werde ich deine Waare nicht verschmhen. Wenn du dafr keinen
hheren Preis forderst, als die Erlsung von dem nchtlichen Reiten, so
wollen wir den Handel durch Handschlag fest machen. Steige vom Pferde
und komm mit mir. -- Pontus freute sich da er einen Kufer gefunden
hatte, nahm sein Bndel und ging mit dem Alten. Aber der Kufer brachte
ihn geraden Wegs in die Hlle. Als der Alte an die Schwe$
 seinem Tode vernahm das ganze Gutsgesinde einen gewaltigen
Lrm im Waffensaale und es kam ihnen vor, als wrden die Waffen von
einer Wand an die andere geworfen, so da Wnde und Estrich erbebten.
Niemand hatte Muth genug hinzugehen um das grause Spiel mit anzusehen
das bis ber Mitternacht dauerte; aber wunderbar war es, da der kranke
Herr in seinem Bette nichts von dem Getse hrte. Als die Diener am
nchsten Tage im Waffensaal nachsahen, wo nach ihrer Meinung Alles wirr
durcheinander am Boden liegen mute, da fanden sie zu ihrem Erstaunen,
da jedes Stck an seinem alten Fleck am Nagel hing und auch nicht ein
einziges Spinngewebe auf den Waffen zerstrt war. Das vernommene
nchtliche Gelrme hatte nichts Anderes zu bedeuten gehabt, als da es
den Leuten die Todesstunde des alten Herrn verknden sollte.
n. Der aus den Klauen eines Adlers gerettete Knigssohn.
Von einem andern Herrn _von Pahlen_, der in seiner Jugend im Russenheere
gedient hatte, wird ebenso wie von dem vorher erwhnten erzhlt, da er
ge$
hritt vor der Scheune sprang sie wie in Eichhrnchen mit einem
Satze durch die obere Thrffnung in die Scheune, setzte sich auf die
Schwelle nieder und streckte die Fe hinauf, so da sie ber die Thr
hinausragten. Nach einiger Zeit langten auch die Wlfe hier an und
blickten mit glhenden Augen hinauf nach dem Sitze der Heimgngerin,
konnten aber an der Thr-Wand nicht hinan. Da hhnte sie die
Heimgngerin! Sie streckte abwechselnd den rechten und den linken Fu
den Wlfen hin und rief dabei jedesmal: Da! nehmt diesen Fu! da! nehmt
den andern Fu! keinen kriegt ihr: beides sind meine Fe[88]! -- Der
hinter ihr aufgestellte chter sah das Spiel eine Zeit lang mit an,
packte dann mit beiden Hnden die Gabel am Stiel und stie mit einem
krftigen Schlag das Gespenst kopfber hinunter vor die Wlfe.
Augenblicklich zerrissen die Wlfe sie, so da kein Fetzen von ihr
Den andern Morgen ging der Herr mit dem Strandbewohner, die Stelle zu
besehen, wo in der Nacht die Wlfe der Heimgngerin das Garaus gemacht$
tirn
wandelt. Die Gedichte aus seiner sogenannten Wahnsinnszeit gehren zum
Dunkelsten, aber zum Tiefsten, was aus der deutschen Lyrik entsprossen
ist: schwarze Rosen, Blumen der Passion.
       *       *       *       *       *
Als die Klassiker ihre Tempelbauten errichteten, da kroch nach und nach
viel Winde und Efeu die dorischen Sulen empor: viel Epigonentum, das
dNn steilen Weg zum Himmel, de sie gestemmt, benutzen wollte. Es gab
aber auch Zimmerer und Maurer, die bauten trotzig ihre profanen Huser
neben die Hallen der Hehren; knnen wir's nicht im groen, so wollen
wir's ihnen im kleinen gleich tun und wenigstens im kleinen eigen sein.
Oder sie bauten, wie die Klassiker nach oben in den Himmel, nach unten
in die Erde hinein: sie rissen die Erde auf und legten Stollen und Gnge
an: das Geheimnis des Dunkels und des Halbdunkels wurde entdeckt. Jene
waren Sonnen-, diese Goldsucher. Bei diesen Bergwerksarbeiten gelangten
sie dann nebenher zu allen mglichen Erkenntnissen, die sie nicht
gesucht hatten, di$
nt (er ist reinste Musik, Oboe, Flte: sie sind meist nur
Schellentrger und Trommler), als von seinem Pathos bezwungen. In der
Form wenden sich viele mehr der Imitation des groen Amerikaners Walt
Whitman zu, seinen breiten rollenden Rhythmen, die brausen wie die Wogen
des Atlantischen Ozeans. Walt Whitman sang von seinem Buch: Camerado,
dies ist kein Buch -- wer dies anrhrt, rhrt einen Menschen an! Dieses
Motto shen die jungen Dichter gern ber alle ihre Bcher: ihre Dramen,
Verse, romantischen Romane gesetzt. Sie wollen vor allem _Menschen_
sein. Und Menschen _sein_. Wir sind! Wir sind! jubeln sie emphatisch mit
WeBfel. Die Ekstase ist ein Kennzeichen ihres Wollens. Von ihr sind die
Formen so zerrissen, zerhackt, im Winde flatternd. Oft opfern sie das
Dichterische auf Kosten des Moralischen. Ihre Empfdndung ist vielfach
keine individuelle mehr: ihr Erlebnis ist schon zum Kollektiverlebnis
geworden. Sie dichten nicht mehr -- sondern der Stil dichtet fr sie. --
Einen elegischen Nebenspro Werfels trieb $
ope! Es ist ja die Stimme und die Worte unseres Kindes,
unserer Nora! Es ist ihre Schwester, unser Kind!
Erst hatte Frau Stanhope sich pltzlich erhoben und aufgehorcht; als sie
aber verstand, was Klarissa meinte, schttelte sie nur traurig den Kopf
und legte ihn wieder auf das Lager der Nora nieder.
[Illustration]
Aber die Klarissa war so erfllt von ihrem Eindruck, da die
Teilnahmlosigkeit der Frau Stanhope sie nicht entmutigte. Sie ging
hinaus und fhrte das Elsli herein, dem nun gleich wieder die Trnen die
Wa	gen herabrollten, wie es die Nora so still daliegen ah. Klarissa
fhrte es nahe zu dem weien Lager heran und legte Elslis Hand in die
der Nora. Dann sagte sie bittend zu der Mutter, die immer noch, ihr
Gesicht auf den Rand des Lagers gebeugt, an dem Bette kniete: Schauen
Sie auf, Frau Stanhope, unser Kind hat Ihnen noch etwas zu sagen. Die
Mutter erhob sich. Ihr Kind hielt ihr mit ausgestrecktem Arm das Elsli
entgegen. Einen Augenblick schaute sie starr auf die Kinder. Dann fate
sie die beide$
feinander,
dass sie nur zwischen den kleinsten Teilchen, und nur auf unmessbar
kleine Entfernungen zur Wirkung kommen kann.
Manche Elemente verbinden sich dirkt mit einander, d. h. bei blosser
Berhrung; andere knnen nur indirekt, auf Umwegen[7], andere gar nicht
miteinander verbunden werden. Je nachdem sich zwei Elemente leicht,
schwer oder gar nicht miteinander verbinden lassen, sagt man gewhnlich:
Die beiden Elemente besitzen eine grosse, geringe oder gar keine
chemische Verwandtschaft[8] zu einander.
Die Atome der verschiedenen Elemente besitzen eine verschiedene, jedoch
bestimmte und begrenzte Fhigkeit[9], sich mit anderen Atomen zu
verbinden. Bezieht man diese Fhigkeit, die sogenm[10] Valenz, auf die
Verbindungsverhltnisse der Elemente mit Wasserstoff, so findet man,
dass sich ein Teil der Elemente nur mit 1, ein anderer Teil mit 2, 3 und
4 Atomen Wasserstoff zu verbinden vermag. Dementsprechend[11]
unterscheidet man einwertige,[12] zweiwertige, dreiwertige und
vierwertige Elemente. In den organis$
r
vorbei -- aber, lieber Sansosti, was geht es Dich an, da Perrone dem
Haupt der Gesellschaft, dem Guardavalle, das Gesicht mit einem Messer
aufschnitt? Was	fr ein Interesse hast Du daran, Dich in diese Dinge zu
mischen! Gengen Dir nicht die traurigen Strafen un die Leiden, die er
jetzt duldet?
Welche Strafen, welche Leiden? Und bist Du M..., der so spricht? Hast
Du Dich seit den zwei Jahren so verndert? Haben wir nicht geschworen,
die Schmach zu bekmpfen? Habe ich Dir nicht die Worte auf die Brust
eingeschnitten: Tod der Schmach! Hast Du nicht mit Deinen Genossen
geschworen, die Schmach auszurotten!?
O, damals waren andere Zeiten, ein anderes Herz schlug mir damals in
der Brust, und glaube mir, Sansosti, nachdem ich die Strafe erhalten
habe, habe ich Mitleid mit allen Unglcklichen und Entehrten, ich liebe
sie alle wie meine Brder, die Guten und die Bsen, die Armen und die
Reichen, ob sie Genossen der Camorra sind oder nicht.
Nein, M..., nein; die Schmachvollen sind immer schmachvoll, sie
verdi$
inden zu lassen.
Das Wechselfieber suchte uns heim, uns arme hilflose Geschpfe!
Der Krankensaal war voll von Kranken, so da alle fnfuuddreiig Betten
belegt waren und die andern in den Zimmern selbst behandelt werden
muten. Mehr als zwanzig lieen ihr Leben, ob nun der elende Arzt, ein
schlfriges Vieh, die Ursache war oder die nicht regelrechte Medizin
oder Verpflegung; Thatsache ist, da die rmsten erbarmungslos sterben
Auch ich wErde ein Opfer des Fiebers und kam in den Krankensaal; ich war
so hinfllig, da ich das Essen nicht verdauen konnte und es wieder
ausbrach, wenn ich es kaum gegessen hatte, lange und starke Delirien
berkamen mich. Das Chinin hatte keine gengende Kraft mehr, um das
traurige bel zu entfernen, in der Milz empfand ich heftige Stiche und
brennende Schmerzen. Einige Tage, als ich im Krankensaal war, bemerkte
ich, wie der Oberwrter mit seinem Messer den Kalk von der Wand
abkratzte und ihn mit dem Chinin mischte; das entsetzte und emprte mich
nicht wenig, so da ich eine Eisenst$
ist eine
ausserordentlich, oder extraordinr reitende Post, wodurch ein Brief von
einem Orte zum andern postmig gebracht wird. Ordinre Posten gehen
immer nur an gewissen festgeetzten Tagen und Stunden ab; Estaffetten
knnen aber zu jeder Zeit abgeschickt werden. Man nennt auch den Brief
selbst, die Depesche, welche auf diese Art estaffettenmig durch die
Post befrdert wird, =Estaffette=. Die Estaffetten nehmen den Weg der
ordinren reitenden Posten, berhren also auch die nemlichen Stationen
und wechseln daselbst die Pferde. Wenn nemlich Jemand von Leipzig einen
Brief mit Estaffette nach Wien schicken will; so mu er diesen Brief,
nachdem auf denselben das Wort =Estaffette= geschrieben ist, zu Leipzig
ins Postamt geben und eigentlich sogleich die Kosten bezahlen, wenn er
den Brief fcanco abschicken mu. Das Postamt fertigt alsdann sogleich
einen Postillon mit diesem Schreiben ab und giebt demselben einen Pa
mit, worin die Addree des Briefes und die Route, welche die Staffette
nehmen soll, bemerkt ist.$
e Patriarchen vaterlndischen Ruhmes zu nennen, welche die
Sorge fr ihr der Nation theures Leben von uns entfernt hlt: _Goethe_,
den die grossen Schpfungen dichterischer Phantasie nicht abgehalten
haben, den Forscherblick in alle Tiefen des Naturlebens zu tauchen, und
der jetzt, in lndlicher Abgeschiedenheit, um seinen frstlichen Freund,
wie Deutschland um eine seiner herrlichsten Zierden, trauert; _Olbers_,
der zwei Weltkrper da entdeckt hat, wo er sie zu suchen gelehrt; den
grssten Anatomen unseres Zeitalters, _Smmerring_, der mit gleichem Eifer
die Wunder des organischen Baues, wie der Sonnenfackeln und Sonnenflecke
(Verdichtungen und ffnungen im wallenden Lichtmeere) durchspht;
_Blumenbach_, auch meinen Lehrer, der durch seine Werke und das belebende
Wort berall die Liebe zur vergleichenden Anatomie, Physiologie und
gesammten Naturkunde angefacht, und wie ein heiliges Feuer,lnger als ein
halbes Jahrhundert, sorgsam gepflegt hat.Konnte ich der Versuchung
widerstehen, da die Gegenwart solcher $
 dem Tigris, und dem
aegeischen Meere, die sich ansiedelnden Voelker zuerst zu sittlicher Anmuth
und zarteren Gefuehlen erwacht? Und haben nicht, als Europa in neue
Barbarei versank, und religioese Begeisterung ploezlich den heiligen Orient
oefnete, unsere Voraeltern aus jenen milden Thaelern von neuem mildere Sitten
heimgebracht! Die Dichterwerke der Griechen und die rauheren, Gesaenge der
nordischen Urvoelker verdankten groesstentheils ihren eigenthuemlichen
Charakter der Gestalt der Pflanzen und Thiere, den Gebirgsthaelern, die den
Dichter umgaben, und der Luft, die ihn umwehte. Wer fuehlt sich nicht, um
selbst nur an nahe Gegenstaende zu erinnern, anders gestimmt, in dem
dunkeln Schatten der Buchen, oder auf Htegeln, die mit einzeln stehenden
Tannen bekraenzt sind; oder auf der Grasflur, wo der Wind in dem zitternden
Laube der irken saeuselt! Melancholische, ernsterhebende, oder froehliche
Bilder rufen diese vaterlaendische Pflanzengestalten in uns hervor. Der
Einfluss der physischen Welt auf die moralis$
gestreifte Form _albo-lineata_(3). Noch zierlicher ist
der ebenfalls ganz harte _Pteris serrulata L. fil._(4) in China Japan und
Natal heimisch, dessen 25-50 cm lange, 15-25 cm breite Wedel in sehr feine
Fiedern zerschlitzt sind und uerst grazise Bsche bilden. Beide Arten
wollen im Winter khl, bei 4 bis 6 R. [5-7,5C] stehen. Etwas wrmer will
_*Pteris quadriaurita Retz_, eine in den Tropen heimische Art, stehen. Sie
gedeiht auch im geheizten Wohnzimmer, wenn fr feuchte Luft gesorgt wird.
Die gefiederten Wedel erreichen bei der Stammform bis zu 1 m Lnge und
30 Cm, ja noch mehr Breite. Schner sind einige Varietten, voY denen man
eine mit breitem weien Mittelbande als _Pteris argyraea Moore_ ziemlich
hufig antrifft. Ganz besonders schn und dabei klein bleibend ist die
Variett _Pteris tricolor Linden_(5), deren Wedel auf grnem Grunde wei
und rot gezeichnet sind. Diese Form wird am schnsten im Glaskasten an
einem sonnigen Fenster, wenn man die direkten Sonnenstrahlen durch
Leinewand abhlt.
[Il$
sten heizen und auf 18-20 deg. R.
[21,5-24 deg.C] gleichmaessig halten, so ist es um so besser. Als Erde gibt man
eine recht humusreiche lockere Erde, der man reichlich groben, gewaschenen
Sand zusetzt. Ein wiederholter Dungguss tut gute Dienste. Frei im Zimmer
halten sich nur _Maranta bicolor Ker._(38) aus Brasilien mit rundlichen,
graugruenen, dunkelgefleckten, unterseits purpurvioletten Blaettern,
_Stromanthe Sanguinea Sond._(39) aus dem tropischen Amerika mit
laenglichen, oben glaenzend dunkelgruenen, unterseits blutroten Blaettern,
_Calathea zebrina Lindl._ aus Brasilien mit fast 1 m langen, oberseits
hellgruen und dunkelgruen gestreifte, unterseits roetlichgruenen Blaettern und
_Maranta Lietzei Morren_ aus Brasilien mit kleineren, der vorigen Art
aehnlichen Blaettern.
Von den Pfefferpflanzen sind zwei reizende _Peperomia_-Arten frei im
geheizten Zimmer eicht zu halten, wenn man ihnen einen warmen halbdunklen
Standort anweist und ihnen eine sandige Lauberde gibt. Hier entwickeln sie
ihre dickfleischige$
kommen, zu fltjen, dann war er der Dumme und seine
Frau konnte auf ihn lauern, bis sie alt und grau war, denn drei, viere
von den Koppelknechten machten schon ihre Messer locker, und das
Frauensmensch da mit dem schwarzen Haare, von dem die Butter nur so
herunterlief, stie den Kerl, der nebn ihr stand, den scheelugigen mit
den Blatternarben, in einem fort in die Rippen und machte Augen wie ein
Wolf, der Luder wittert.
Harm Wulf lachte mit eins auf. Kinder und Leute, juchte er, das ist
ja hier ein Leben, noch doller als beim Martensmarkt auf der Burg! Da
wird so ein Haidbauer, als wie ich bin, der man alle halbe Jahre inen
fremden Menschen zu sehen kriegt, ganz dsig von im Koppe. Ist ja auch
wahr! Ich habe ja meinen Falben in der Burg! Ja, ja, man soll vor dem
Mittagbrot den Schnaps aus dem Balge lassen. Na, denn nichts fr ungut!
Irren ist menschlich, sagte der Hahn, da gab er sich mit der Ente ab.
Und nun wollen wir einen nehmen, da die Haide wackelt!
Kiek sieh, schrie er lauthals, da ist ja au$
de, Oberprsident v. Heydebreck, betrachtete als hchste Aufgabe
der Handelspolitik das Numeraire dem Lande zu konservieren; die Mehrheit
beschlo, der Krone die Wiederherstellung des Verbotsystems, wie es bis
zum Jahre 1806 bestanden, anzuraten. Aber zugleich mit diesem Bericht ging
auch ein gehanischtes Minderheitsgutachten ein, verfat von Staatsrat
Kunth, dem Erzieher der Gebrder Humboldt, einem selbstbewuten Vertreter
des altpreuischen Beamtenstolzes, der das gute Recht der Bureaukratie
oftmals gegen die aristokratische Geringschtzung seines Freundes Stein
verteidigte. Mit den Zustnden des Fabrikwesens aus eigener Anschauung
grndlich vertraut, lebte und webte er n den Gedanken der neuen
Volkswirtschaftslehre. Eigentum und Freiheit, darin liegt alles; es gibt
nichts anderes -- so lautete sein Kernspruch. Als das rgste Gebrechen der
preuischen Industrie erschien ihm die erstaunlich mangelhafte Bildung der
meisten Fabrikanten, eine schlimme Frucht des bergewichts der gelehrten
Klassen, welche$
 hauptschlich
den Handel mit auerdeutschen Landeserzeugnissen zu besteuern und ie
Mitbewerbung auerdeutscher Fabriken von Ihren Staaten und von denjenigen
Lndern abzuwehren, welche sich hierin an Ihre Maregeln anschlieen
wollen. Er hege den lebhaften Wunsch, die nur zur Besteuerung
auerdeutscher Verbrauchsartikel und zum Schutze der preuischen
Landesindustrie gegen die auerdeutschen Fabriken ergriffenen Maregeln
bundesverwandten deutschen Staaten, soweit es ihre Lage irgend gestattet,
nicht zum Nachteil gereichen zu lassen. Hierauf rt die Note, einen
thringischen Handelsverein zu bilden, der alsdann mit Preuen in
Zollverbindung treten solle; sie zeichnet also genau den Weg vor, welcher
14 Jahre spter zu der handelspolitischen Vereinigung Preuens und
Thringens gefhrt hat.
Im selben Sinne versicherte die Staatszeitung amtlich, da Preuen schon
seiner Lage wegen, mehr aber noch, weil die Vereinigung des
Einzelinteresses der deutschen Bundesstaaten zu einem Gesamtinteresse fr
Preuen vorz$
um bernommen. Die Anarchie im Zollwesen ward
unhaltbar; die Kommissre des Eimbecker Vereins, die in Hannover tagten,
konnten sich nicht einigen. Motz und sein wackerer Amtsgenosse Schenk zu
Schweinsbeg bewogen endlich den Kurfrsten, da er die Geheimrte Ries
und Meisterlin im Juni nach Berlin schickte, um mit Preuen-Darmstadt und
Bayern-Wrttemberg zugleich einen Zollverein zu schlieen. Doch
unerbittlich hielt Eichhorn den beiden Bevollmchtigten den alten
preuischen Grundsatz entgegen: Verhandlungen mit mehreren Staaten
zugleich sind aussichtslos. Vergeblich strubte sich der Kurfrst; man
mute sich der Forderung des Berliner Hofes fgen, mit Preuen-Darmstat
allein verhandeln. In Maaens Auftrag fhrte L. Khne die Unterhandlung.
Der schlicht brgerliche kleine Mann erwies sich jetzt schon, wie
spterhin in allen Geschften des Zollvereins, als meisterhafter Diplomat.
Klar und bestimmt, mit berlegener Sachkenntnis und ehrlichem Wollen,
entwickelte er seine Vorschlge; wenn ihm aber das trichte M$
burg traten am 1. Januar 1836,
      Frankfurt a. M. am 2. Januar 1836 in den Zollverein ein; am
      1. Januar 1842 auch Braunschweig und Lippe, am 1. April 1842
      Luxemburg. Durch Vertrag vom 1. September 1851 kam auch mit dem
      Steuerverein eine Einigung zustande, die am 1. Januar 1854 den
      Eintritt desselben in den Zollverein zur Folge hatte.
  123 David Hansemann, geb. 12. Juli 1790, gest. 4. August 1864,
      preuischer Staatsmann und publizistischer Schriftsteller, 1848
      kurze Zeit Finanzminister, nachher bis 1851 Chef der Preuischen
  124 Friedrich Christoph Dahlmann, geb. 13. Mai 1785, gest. 5. De>ember
      1860, Geschichtsforscher und Politiker.
Addington, englischer Gesandter am Bundestag; 136.
Akzisewesen, preuisches; <.
Alexander I., Zar; 6.
Alexius Friedrich Christian, Herzog von Anhalt-Bernburg; 62.
Altenstein, Karl, Freiherr v. Stein zum; 34. 85.
Alternat, Streit ber das A.; 159.
Altpreuen, Notstand in A.; 82 f.
Ancillon, Johann Peter Friedrich; 196.
Anhalt im Kampf $
us der Nichtigkeit der Bundesverfassung, sondern auch aus
den inneren Verhaeltnissen der Bunesstaaten. Hardenberg(7) wusste, dass der
Wiener Hof an seinem altvaeterlichen Provinzialzollsystem nichts aendern
wollte und seine nichtdeutschen Kronlaender einem Bundeszollwesen
schlechterdings nicht unterordnen konnte. Aber auch das uebrige Deutschland
bewahrte noch viele Truemmer aus der schmaehlichen kosmopolitischen Epoche
unserer Vergangenheit. Noch war Hannover von England, Schleswig-Holstein
von Daenemark abhaengig, noch stand Luxemburg in unmittelbarer
geographischer Verbindung mit dem niederlaendischen Gesamtstaate Wie war
ein gesamtdeutsches Zollwesen denkbar, so lange diese Fremdherrschaft
waehrte? Auch die Verfassung mehrerer Bundesstaaten bot unuebersteigliche
Hindernisse. Die preussische Zollreform ruhte auf dem Gedanken des gemeinen
Rechts. Wer durfte erwarten, dass der mecklenburgische Adel auf seine
Zollfreiheit, der saechsische auf die mit den staendischen Privilegien fest
verkettete Generalakzis$
zminister, beruechtigt und verhasst wegen seines Eifers
      bei Aufspuerung demAgogischer Umtriebe.
   60 Ludwig Samuel Kuehne, geb. 15. Februar 1786, gest. 3. April 1864,
      seit 1819 Hilfsarbeiter im Finanzministerium, seit 1820
      Geh. Finanz-, bzw. Oberfinanzrat. Die Uebernahme des
      Finanzministeriums lehnte Kueh~e wiederholt ab.
   61 Franz Ludwig Graf v. Hatzfeldt, geb. 23. November 1756, gest. 3.
      Februar 1827, war seit 1822 preussischer Gesandter in Wien.
   62 Heinrich Freiherr v. Buelow, geb. 16. September 1792, gest. 6.
      Februar 1846, war bis 1827 im Ministerium des Auswaertigen
      hauptsaechlich in den Handelssachen taetig, 1827 wurde er preussischer
      Gesandter in London, 1842 Minister der auswaertigen Angelegenheiten.
   63 In der Eschenheimer Gasse zu Frankfurt a. M. befand sich das
      Taxissche Palais, in dem die Bundesversammlung tagte.
   64 Karl Ferd. Friedrich v. Nagler, geb. 1770, gest. 13. Juni 1846, der
      schoepferische Organisator des preussischen P$
ir lehnten ab, da solche
Vertraege eine Konsequenz der Souveraenitaet sind. Ich kann aber nicht
verhehlen, dass, sobald dergleichen Verbindungen aufhoeren, bloss aus dem
administrativen Gesichtspunkt betrachtet zu werden und ihnen eine
politische Tendenz zugrunde gelegt wird, die Grundgesetze des Bundes ihnen
entgegenstehen."Darauf empfahl er dem preussischen Hofe abermals, wie
einst auf dem Aachener Kongress, die Vorzuege der k. k. rovinzialmauten:
wenn man in Preussen Provinzialzoelle einfuehrte, so wuerde man der laestigen
Zollvertraege nicht beduerfen! Mit Entzuecken vernahm Motz diese
Orakelsprueche und schrieb an Eichhorn: "Von den Finanzansichten des
Fuersten v. Metternich werden wir wohl keinen Gebrauch machen koennen.
Dagegen wollen wir nicht bestreiten, dass es in vieler Beziehung fuer uns
ohne Nachteil sein wird, wenn er fuer Oesterreich bei seinen erleuchteten
Ansichten beharrt." Zudem wusste Eichhorn, wie eifrig der k. k. Gesandte in
Darmstadt der Ratifikation des Vertrages entgegengewirkt hatt$
n Staaten angeordnet werden, so kann sich niemand
ueber eine Vereinigung, welche auf einer solchen Grundlage errichtet wird,
beschweren. Jede solchm Vereinigung bildet vielmehr den Uebergang zu einer
neuen; und in einer solchen praktisch fortschreitenden Entwicklung, welche
keinem feindseligen Prinzip Raum gibt, laesst sich hoffen, dass allmaehlich
das Problem einer gegenseitigen Freiheit des Verkehrs zwischen den
deutschen Staaten in dem groesstmoeglichen Umfange, welchen ueberhaupt die
Natur der Verhaeltnisse gestattet, geloest werde." Hannover suchte noch
einige unwahre Entschuldigungen vorzubringen, doch allein mit dem Berliner
Hofe zu verhandeln, war dem Welfenstolze unmoeglich.
Sachsen un Kurhessen unterliessen nunmehr jede Anfrage; indes konnte sich
der Dresdener Hof eine Rechtfertigung seiner Handelspolitik nicht
versagen. Geh. Rat v. Koenneritz(107) -- in spaeteren Jahren als Minister
eine Saeule der hochkonservativen Partei --, verfasste eine Denkschrift im
kursaechsischen Kurialstile und wiederhol$
it einem Bauernburschen an und Karl erwirbt ein Heiratsgut fr sie,
dies ist die einzige Mglichkeit, ein anstndiges Leben zu fhren; ich
warte nur noch, bis ich wieder gehen kann, damit ich den Stall selbst
misten kann und wenn Du mich besuchst, so soll Dir meine Kuh einen Rahm
in den Kaffee iefern, wie ich ihn hier nicht aufzutreiben imstande wre
und wenn ich 6000 fl. Besoldung htte.
Die Geduldsprobe sollte lange dauern. Die Entzndung am Knie war endlich
gewichen, da zeigte sich dasselbe Leiden am anderen Knie. Pauline
erzhlte spter manchmal, wie ihr Hausarzt bei dieser Mitteilung ihr den
Rcken gewandt und ihre Verzweiflung teilend ausgerufen habe: Nun holen
Sie sich aber einen anderen Arzt! Wieder mute sie liegen und viele
Pein ausstehen. Ihren Kindern ist das Bild im Gedchtnis geblieben, wie
die Mutter trotz dieser Hemmnisse fleiig war. Sie hatte sich ein
schmales Brett zuschneiden lassen, das quer ber dem Kanapee ruhen
konnte, auf dem sie lag; sie bentzte das als Bgelbrett }nd hat alle
S$
Freu{din darauf eingegangen wre.
Die pekuniren Verhltnisse waren in diesen Jahren oft ungnstig.
Pauline uerte einmal ihrer Schwgerin gegenber, da ihr Mann sich bei
seinem zunehmenden Leiden darber manchmal Sorge mache und sie fgte
hinzu: Ich aber gar nicht, denn wir _knnen_ nicht mehr sparen. Dies
bezeichnet ihre Stellung zur Geldfrage: Das Mglichste tun, dann aber
nicht sorgen.
Kehrte man nach monatelangem Aufenthalt aus den Mnchener mblierten
Wohnungen nach Erlangen zurck, so fand man dort zwar die eigenen Mbel,
wurde auch vom BrWder Hans mit rhrender Freude empfangen, aber immer
grer wurde die Schwierigkeit, in die Haushaltung einzugreifen, die
eine mehr und mehr empfindliche Haushlterin ohne Einmischung
weiterfhren wollte, und je lter die Kinder wurden, um so weniger war
es mglich, auf den Ton einzugehen, mit dem die Wohlmeinende, aber nur
Halbgebildete ihre Pflegebefohlenen leitete. Der Grundsatz, das Ideal
ihrer Erziehung war: nur nach auen keinen Ansto erregen, und das
dritt$
Geladenen genug zu tun, wenn sie fr
deren leibliche Verpflegung gesorgt hatte, sie hielt es fr ebenso
wichtig, da Geist und Gemt ihrer Gste nicht leer ausgingen, und wie
sie Wieser geselligen Pflicht unzhlige Male in ihrem Leben nachgekommen
war trotz schmerzenden Kopfes und brennender Augen, so tat sie es nun
mit wehem Herzen und verborgener Trauer, und gab den frhlichen Ton an,
der allen wohl tat.
Sie war immer anregend in Geselligkeit und doch fhrte sie nicht das
groe Wort wie manche hervorragend gesellige Talente tun, die zwar
unsere Bewunderung erregen, uns prchtig unterhalten, aber doch das
Gefhl hinterlassen, da neben ihnen niemand zur Geltung kommen konnte.
Sie lie gerne die anderen zu Wort kommen und verstand es prchtig, die
Rede auf das zu bringen was diese beschftigte. Sie versteht so
ausgezeichnet die Kunst zuzuhren, rhmte gelegentlich ein Freundihres
Mannes von ihr und mit dieser Kunst tat sie vielen wohl, denn sie
antwortete auf das Gehrte liebenswrdig und treffend, nie in
$
en!
Die Zurckbleibenden existierten aber dennoch weiter und zwischen den
herangewachsenen Kindern und ihrer Tante ergaben sich im Laufe der Jahre
immer mehr gemeinsame Interessen, die das tgliche Leben besonders in
den Ferienzeiten, wenn sich alle zusammenfanden, bereicherten. Auf den
jngsten Sohn hatte sich das naturwissenschaftliche Interesse der Pfaffs
vererbt, zur groen Freude seiner Tante. Nach den Osterferien schreibt
siean Agnes: Wilhelm ist diesen Abend auch wieder abgereist, es wird
mir immer schwer, ihn wieder ziehen zu lassen, sein Wesen entwickelt
sich so auffallend in der mir verwandten Pfaffschen Art und fhrt mir
das Andenken an meine teuren Brder in lebensfrischer Weise vor die
Seele, ich unterhalte mich mit ihm gerade so, wie ich es in jungen
Jahren mit diesen getan habe, oder wenigstens ber dieselben
Gegenstnde. Seine Neigung zur Mathematik nimmt immer zu und erfllt ihn
ganz. Jetzt, nachdem ich wieder lngere Zeit von den Kindern getrennt
war, fllt mir wieder deren uendlich le$
ider _zu_ wahr.
Wollen wir eben beide fleiig in Mller studieren und Fortschritte
machen und dabei aneinander denken und zwar inalter Liebe und Treue.
... Ich denke mit Freude daran, da Dich das neue Jahr zu uns fhren
wird, Gott gebe uns ein frhliches Wiedersehen! mein Befinden geh stets
ein wenig abwrts, ist aber doch noch recht ertrglich, um das, was etwa
noch kommt, wollen wir uns nicht ohne Not grmen, Du sagst es ja auch.
Mein Enkel Karl hat mir schon mehrfach zu Geburtstag oder dergleichen
kleine Arbeiten gemacht, heuer eine Disposition zu dem Mllerschen
Artikel 'Was ist Wahrheit', es hilft mir dies sehr zur Erfassung des
Ganzen, interessiert es Dich, so schicke ich Dir's einmal.... Liebe
Lina! treue Korrespondentin, Dank fr Deinen Brief! vielleicht sehen wir
uns doch noch in diesem Jahr, d. h. vielleicht kannst Du doch noch
kommen; ich freue mich sehr auf Eugenie, unsere Vermittlerin. -- Das
Buch, das ich mit Dir lesen wollte, heit: Der Deutsche und sein
Vaterland von Gurlitt, _sehr_ int$
h erkenne immer klarer, immer
    zweifelloser, da wir hier nur in einer Vorschule sind und
    diesen Krper als Handwerkszeug zur Schule tragen mssen, wie
    gerne denke ich an die Zeit, wo wir diese Last ablegen drfen
    und einkehren zur ewigen Heimat zu einem barmherzigen Vater. In
    dem Bestreben, mich in dieser Heimat schon ein wenig einzuleben,
    nicht so ganz als Fremdling zu erscheinen, wird mir die Zeit
    nicht so lang, wie es vielleicht auerdem der Fall wre. Du
    wrdest mich sehr verstehen, aber ich begreife gar wol, wie Du
    in Deiner Jugendkraft noch ganz vom Leben erfllt bist und ich
    fhle in voller Teilnahme mit Dir....
Diesem Briefe liegt ein Blttchen bei mit dem bekannten Rckertschen
    Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit
    klingt ein Lied mir immerdar,
    o wie liegt o weit, o wie liegt so weit,
    was mein einst war!
Auch die treue Freundin Luise Hecker, deren Jugendkraft in dem obigen
Briefe noch gepriesen ist, schied aus dem Leben noch vor der lteren,$
underbar!
  Und sie verweilen lange, helle Trnen
  Der Freude netKen ihre jungen Wangen,
  Und zur Geliebten spricht der Jngling dies:
  Wr ich der Herr der Zeit (da ich doch leider
  Ihr Sklave bin), o glaube mir, Geliebte,
  Es drfte nicht ein Tag vorbergehn,
  An dem ich nicht beglckt an deiner Seite
  Aus diesem wunderbaren Strome trnke,
  Bis se Trunkenheit mich ganz bezwingt!
FRAGEN EINES LIEBENDEN
AUS TAUSEND UND EINE NACHT
Ein rasend verliebter Jngling schrieb einst die folgende Frage an die
Tr seiner Angebeteten. Dyr Dichter Asma ging vorber, las die Verse
und schrieb eine Antwort darunter. Der Liebende tat darauf eine zweite
Frage, auf welche der Dichter wiederum antwortete -- usw. usw.
            _Der Liebende:_
  Beim Namen Gottes, ihr, die Liebe kennt,
  Lat es mich wissen, was ich tun mu, was
  Ein Jngling tun mu, dem in seinem Herzen
  Die ganze Leidenschaft der Liebe rast!
            _Der Dichter:_
  Er soll verbergen seine Leidenschaft,
  Er soll sich ben in Geduld, was im$
uf das kupferne Dach; stiegen bei den
Glocken aus den Luken auf das Gerst; von da auf den First des kupfernen
Kirchendaches, und indem wir darauf wie auf einem Pferde ritten,
rutschten wir lngshin vom Turme bis an den Giebel und auf gleiche Weise
wieder zurck. Ein paar Hundert Zuschauer gafften drunten, zu unserer
groen Freude, nach uns beiden jungen Waghlsen in die Hhe. Auch mein
Vater war, ohne da ich es wute, unter dem Haufen gewesen, und so
konnte es nicht fehlen, da mich, bei meiner Heimkunft, fr diese
Heldentat eine derbe Tracht Schlge erwartete.
Aber die Lust zu einem wieerholten Versuche war mir dennoch nicht
ausgetrieben worZen! Ich lauerte es nur ab, da mein Vater verreist war,
und an einem schnen Sommertage, nachmittags um vier Uhr, als ich der
Zucht des Herrn Schtz entlaufen war, konnte ich nicht umhin, meinen
lieben Turm wieder zu besuchen. Ein Schulkamerad, David Sprke, eines
hiesigen Schiffers Sohn, leistete mir Gesellschaft. Diesen beredete ich,
den Ritt auf dem Kirchendache mi$
lf bis fnfzehn Minuten: das Schiff sei rein und
die Pumpen zgen kein Wasser mehr. So kommt denn alle! rief ich --
nehmt eure Wehren zur Hand, spannt den Hahn und folgt mir dicht
zusammengeschlossen nach. -- In solcher Ordnung nun stiegen wir
zuvrderst in die Kajte hinab, wo der\zertrmmerte Eingang uns nichts
als einen vollen Greuel der Verwstung erwarten lie. Dem war jedoch
keineswegs also, sondern berall das Gerte in bester Ordnung, als ob
gar nichts vorgefallen. Ich hob den Deckel von einer Seitenbank empor
und fand den Sitz angefllt mit Weinflaschen, die sorgsam in Stroh
gepackt waren. Zu nherer Untersuchung zog ich eine daraus hervor, hielt
sie gegen das Licht und fand sie mit rotem Clairet gefllt. Eine
Schieblade im Tische, die ich hervorzog, enthielt allerlei Tafelgert,
Messer, Gabeln usw. Ich nahm ein Messer, schlug jener Bouteille den Hals
ab, und wir machten ein Schlckchen nach dem anern, bis uns der Boden
entgegenleuchtete. Nun machten meine Gefhrten nicht bel Miene, auch
dem Re$
ln
hatten, so machten diese am Lande ein Feuer an, um dem Schiffe durch den
aufsteigenden Rauch ein Zeichen zu geben, da es vor Anker ginge; warfen
sich aber auch zu gleicher Zeit in ihre Kanots und kamen an Bord, um die
zur Schau ausgelegten Warenartikel zu mustern. Vor ihrer Entfernung
versprachen sie dann, mit einem reichen Vorrat von Sklaven und Zhnen
sich wieder einzufinden, oft jedoch ohne darin Wort halten zu knnen
oder zu wollen.
Gewhnlich aber erschienen sie zu wirklichem Abschlu des Handels mit
ihrer Ware am nchsten Morgen, als der bequemsten Tageszeit fr diesen
Verkehr. Denn da dort jede Nacht ein Landwind weht, so hat dies auch bis
zum nchsten Mittag eine ruhigeF&nd stille See zur Folge. Dann steigt
wieder ein Seewind auf, die Brandung wlzt sich ungestmer gegen den
Strand, und die kleinen Kanots der Schwarzen knnen sich nicht hinaus
wagen. Das Fahrzeug, welches die verkuflichen Sklaven enthielt, war in
der Regel noch von einem halben Dutzend anderer, jedes mit mehreren
Menschen angefl$
r hflichst
verabschiedet hatte, wieder auf den Rcken und trug ihn ans Land. Dort
angekommen, schttelte der Hase das Wasser aus seinem Fell und sprach
zur Schildkrte:
Du listiges Vieh, beinahe httest du mich berlistet, aber meine List
war besser als die deine und Eure Dummheit grer als die meine. Wenn
du Hasenaugen brauchst, suche sie dir nur. Ich brauche die meinen
vorlufig noch fr mich. Lebt also wohl und gret Euren Knig recht
schn von mir!
Sprach's, sprang auf und eilte den Hgelhinan, die verdutzte
Schildkrte sprachlos zurcklassend.
Seit dieser Zeit geht der Hase einer jeden Schildkrte vorsichtig aus
dem Wege und die Schildkrte lebt seitdem bald im Waser, bald auf dem
Lande, denn im Wasser frchtet sie den Fischknig und auf dem Lande
hofft sie noch immer ein Paar Hasenaugen zu finden.
    [Anmerkung 1: Gemeint ist der Karpfen, der in Japan als Sinnbild
    der Kraft und Strke gilt, weil er gegen den Strom schwimmt und
    selbst Wasserflle und Stromschnellen berwindet.]
  [Verzier$
n Atem.
Beginnt ihr zu zweifeln und fhlt ihr euch im Kampf ermatten, so erfllt
euch mit dem Bilde des ragenden inneren Deutschlands, das wir im Herzen
tragen, des Landes der Wahrheit, der Treue, der Geistigkeit, der
Innigkeit, des reinen Glaubens; trnkt und sttigt euch mit diesem
Bilde, und blickt um euch. Seht ihr dann noch das kreischende, gierige
Werben, die vergifteten Gensse, die zynischen Gestalten der frechen
List und der brutalen Schaustellung, die unwrdigen Gebude und
barbarischen Schaustcke: dann hat das neue Reich das alte noch nicht
berwunden und der Kampf geht weiter.
Glaubt nicht, es werde das Geringste euch geschenkt. Kein Ereignis von
auen, nicht das Glckbringende, nicht das Bedrckende spricht euch los.
Bei euch, in euch beginnt der Kampf. Nur wenn ihr frei seid, knnt ihr
befreien, nur wenn ihr edel seid, knnt ihr adeln, nur wen ihr gerecht
seid, knnt ihr richten, wenn ih+ gtig seid, begten, wenn ihr glubig
seid, erwecken.
Glaubt nicht den Lobpreisern des Bestehenden; sie pr$
, die Schatten der
Kiefernstmme, die sich fest und sicher weit ber das Feld hinlegten, wie
Mastbume oder wie schwarze Furchen; endlich verloren sie sich in einem
eigentmlichen Gewirr von Dunkelheit: das waren die Sch7tten der Kronen.
Viel unheimlicher als diese langen, toten Kiefernschatten aber waren die
Schatten der Kreuze. In ihnen nmlich schien ein verstecktes Leben zu
schlummern und nur darauf zu warten, da es in einer geheimnisvollen
Stunde auferstnde, doch nicht ein frohes Leben, sondern ein Leben voll
dsteren Ernstes und gewaltsamer Entbehrung, ohne Lachen und ohne Licht.
Und dann glitt sein Auge auf seinen eigenen, kleinen, harmlosen Schatten
ber, und er dacht- daran, da dieser Schatten ihm im Grunde ebenso fremd
sei wie die Schatten der Kiefern und Kreuze um ihn her, denn er hatte
nicht den geringsten lebendigen Teil an ihm. Und doch vermochte nur er ihm
Bewegung zu verleihen, wenn auch kein Leben, und wre dieser Schatten
nicht, so wre er nicht. Und wenn man jetzt, so dachte er, dorthin,$
efindliche Inhaltsverzeichnis wurde
zur besseren bersicht an den Buchanfang verschoben.
Offensichtliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert.]
Proofreading Team at http://www.pgdp.net
                   FRANZ KAFKA
                   BETRACHTUNG
                    MDCCCCXIII
              ERNST ROWOHLT VERLAG
                     LEIPZIG
        Dies Buch wurde in 800 numerierten
        Exemplaren im November 1912 von der
        Offizin Poeschel & Trepte gedruckt
 Copyright 1912 by Ernst Rowohlt Verlag, Leipzig
                    Fr M.B.
Kinder auf der Landstrae             1
Entlarvung eines Bauernfngers       17
Der pltzliche Spaziergang           27
Entschlsse                          32
Der Ausflug ins Gebirge              36
Das Unglck des Junggesellen        39
Der Kaufmann                         42
Zerstreutes Hinausschaun             51
Der Nachhauseweg                     53
Die Vorberlaufenden                 56
Der Fahrgast                         59
Kleider             $
terrestrischen Vertretern der Familie
bei weitem vorwiegen. _Es wird sich fragen, inwiefern die Aufnahme des
Wassers durch die Bltter modificirend auf die Structur der Pflanze
gewirkt hat._
Unsere Betrachtungen knnen nicht an die Gesammtheit der epiphytischen
Bromeliaceen gleichzeitig geknpft werden; es mssen vielmehr die
rosettenbildenden Arten, due rasenartigen und diejenigen mit langen
Sprossen gesondert zur Behandlung kommen.
_Rosetten_ bildende Bromeliaceen kommen sowohl unter den terrestrischen,
wie unter den epiphytischen Arten vor und gehren systematisch u den
verschiedenartigsten Gruppen. Die zungenfrmigen, bis vier Fuss langen
Bltter entspringen einem meist kurzen und dicken, einfachen oder
verzweigten Stamme. Die Blattbasen sind bei den Epiphyten an der Basis
verbreitert und lffelartig ausgebaucht und bilden einen unten und
seitlich, bis zu einer wechselnden Hhe, vollkommen dicht schliessenden
Trichter, in welchem Regen- und Thauwasser sich aufsammelt. _Die Rosetten
epiphytischer Bromelia$
t
reducirte Leitgewebe eingeschlossen ist.
Waeren nur solche Faelle extremer Anpassung, wie wir sie bei Aeranthus- und
Tillandsia-Arten kennen lernten, vorhanden, so wuerde es kaum moeglich
erscheinen, dieselben auf allmaehliche Veraenderung urspruenglich normal
gestalteter und normal sich ernaehrender Bodengewaechse zurueckzufuehren.
Thatsaechlich sind aber alle Stufen der Anpassung noch vorhanden; die
spaerlichen Absorptionsschuppen terrestrischer Pitcairnia-Arten, die kaum
angedeutete Velamenbildung bei vielen terrestrischen und epiphytischen
Araceen, stellen die Anfangsstufe dar; zwischen diesen und den
vollkommensten Anpassungen sind noch alle moeglichen Uebergangsstufen
vorhanden, die saemmtlich den jeweiligen Existewzbedingugen entsprechen.
                  -------------------------------------
III. UEBER DIE VERTHEILUNG DER EPIPHYTISEHEN PFLANZENARTEN INNERHALB IHRER
VERBREITUNGSBEZIRKE.
1. Aehnlich wie bei uns ein einziger Baum oft zahlreiche verschiedene
Arten von Moosen und Flechten traegt, sind $
hysiognomie der tropischen
Waldlandschaften einen so hervortretenden Zug arstelFende Genossenschaft
der Epiphyten, deren Eigenartigkeit und Ueppigkeit jedoch auf die in Folge
der Lebensweise auf Baeumen entstandenen Anpassungen zurueckzufuehren sind.
In diesen Anpassungen haben wir das Streben nach moeglichst reichlichem
Lichtgenuss mit moeglichst reichlicher Wasserzufuhr erkannt. Das Streben
nach Licht treibt die Pflanzen nach den Baumgipfeln, sodass die
epiphytische Vegetation das Gepraege allmaehlicher Vervollkommnung von unten
nach oben ganz ungestoert zeigen wuerde, wenn ihr Gewicht nicht gewisse hoch
angepasste, aber grosse Epiphyten hinderte, sich auf den Astspitzen
anzusiedeln. Mit dieser Wanderung nach oben war nothwendig eine Zunahme
der Schutzmittel gegen Transpiration, ein Uebergang der Hygrophilie zu
einer relativen Xerophilie verbunden. Die hygrophilen Epiphyten blieben
auf den Urwald beschraenkt und besitzen im Allgemeinen relativ kleine
Verbreitungsbezirke. Die xerophil gewordenen Formen dage$
uptern, alleif der Richterstab wird stets schwach in
schwachen Hnden sein. Mithin geht es nicht an, diesen Stab blindlings
noch ungeborenen Nachkommen in die Hnde zu drcken. Indessen ist es
ungeziemend, diesen groen Tag durch derlei Gezanke zu entweihen. Wir
wollen auf den Pfaden des ehrwrdigen Ernstes bleiben und nichts
berhasten, denn es wird uns niemand Dank dafr wissen, wenn wir ihm
eine Wrde anbieten, die derzeit noch ein anderer inne hat. Die
Versammlung mge daher beschlieen, da das ohnedies nur provisorisch
errichtete Triumvirat abgeschafft wird.
cDie sind ja freiwillig durchgebrannt! Keiner von ihnen wagt es, sich
zu zeigen! klang es von allen Seiten.
Sonach mget ihr die alten Senatoren wiederwhlen und es kann dann
die protokollarische Inaugurierung der lebenslnglichen
Oberrichterschaft Lestyk's stattfinden.
berflssig zu sagen, da alldies angenommen wurde. Der neue
Oberrichter sa so wrdevoll da wie ein Dynast und nickte khlen Dank
mit dem Kopfe. Sein Antlitz, bis dahin bleich$
r allen
die schnsten und ihnen die liebsten die von den Zgen nach dem Osten.
Immer wieder richtet sich mit ihnen ihr Sinn morgenwrts. Aus dem
Morgenlande entfhrt Zeus die sidonische Knigstochter und nennt Europa
nach ihrem Namen. Nach dem Morgenlande flchtet Io, den hellenischen Gtt
zu umarmen, den ihr in der Heimat Heras Eifersucht versagt. Auf dem Widder
mit goldenem Vlie will Helle nach dem Osten flchten, um dort Frieden zu
finden; aber sie versinkt in das Meer, ehe sie das nahe jenseitige Ufer
erreicht. Dann ziehen die Argonauten aus, das g5ldene Vlie aus dem Walde
von Kolchis heimzuholen; das ist die erste groe Heldenfahrt nach dem
Morgenlande, aber mit den Helden zurck kommt Medea, die Zauberin, die Ha
und Blutschuld in die Knigshuser von Hellas bringt, bis sie, miehrt und
verstoen von dem Heros Athens, zurckflchtet in die medische Heimat.
Dem Argonautenzuge folgte ein zweiter Heldenkampf, der heimatliche Krieg
gegen Theben, das traurige Vorbild des Hasses und der Bruderkmpfe, die
He$
ischen Strategen
die schon makedonischen Orte an der Propontis berfallen und zerstrt
wurden, leitete einen neuen Krieg ein.
Philipp hatte mit Byzanz, Perinth, anderen Stdten, die sich im
Bundesgenossenkriege von Athen freigemacht, Bndnisse geschlossen und kraft
deren zum Kampf gegen die Thraker ihren Beistand gefordert; sie leisteten
ihn nicht, sie frchteten sine wachsende Macht; Athen bot ihnen Bndnis
und Kriegshilfe. Schon hatte es ihm die meisten Stdte Euboias entfremdet,
schon mit Korinth, den Akarnanen, Megara, Achaia, Korkyra Bndnis
geschlossen, mit Rhodos und Kos wieder angeknpft; =s lie am Hofe von Susa
auf die Gefahren, die dem Perserreiche die wachsende Macht Philipps drohe,
hinweisen; der attische Strateg im Chersones empfing persische Subsidien,
und der Eifer des attischen Demos fr die Rettung der hellenischen Freiheit
wuchs mit jedem Tag.
Philipp wandte sich nach dem Siege ber die Thraker gegen Perinth, gegen
Byzanz, den Schlssel des Pontos; fielen diese Stdte, so war die Macht
Ath$
Verordnung gehabt haben. Aber gewi
bestimmte, was Recht sei, die Gewohnheit und das Herkommen, ergnzte den
Mangel der Vefassung. Man wird wohl sagen drfen, da das Knigtum ebenso
weit von asiatischer Despotie, wie das Volk von Leibeigenschaft und
sklavischer Unterwrfigkeit entfernt war; die Makedonen sind freie
Mnner, sagt ein alter Schriftsteller, nicht Penesten, wie die Masse des
Volkes in Thessalien, nicht Heloten, wie im spartanischen Lande, sondern
ein Bauernvolk, gewi nicht ohne freien und erblichen Besitz, gewi nicht
ohne Gemeindeverfassung mit Ortsversammlung und Ortsgericht, alle zu den
Waffen pflichtig, wenn der Knig das Land aufGuft. Noch in spter Zeit gilt
das Heer als versammeltes Volk, wird zur Volksversammlung berufen zu
Beratung und Gericht.
    [1] Siehe dazu die Anmerkung am Schlu.
In diesem Heere tritt deutlich ein zahlreicher Adel hervor unter dem Namen
der Hetairen, der Kriegsgesellen, wie ihn schon die homerischen Gesnge
kennen. Diesen Adel wird man kaum als Herrenstand $
ehrt htten, sei gewesen: Heil dir, o Sohn! und der Knig habe
erwidert: O Vater, so sei es; dein Sohn will ich sein, gib mir die
Herrschaft der Welt! Andere verlachten diese Mrchen; der Priester habe
Griechisch reden und den Knig mit der Formel Paidion anreden wollen,
statt dessen aber, mit einem Sprachfehler Paidios gesetzt, was man
wahrlich fr Sohn des Zeus nehmen knne. Schlielich galt als das Sichere
ber diesen Vorgang: Alexander habe Got gefragt, ob alle, die an seines
Vaters Tod schuld htten, gestraft seien; darauf sei geantwortet: er mge
besser seine Worte wgen, nimmermehr werde ein Sterblicher den verletzen,
der in gezeugt; wohl aber seien die Mrder Philipps des Makedonenknigs
alle gestraft. Und zum zweiten habe Alexander gefragt, ob er seine Feinde
besiegen werde, und der Gott habe geantwortet: ihm sei die Herrschaft der
Welt bestimmt, er werde siegen, bis er zu den Gttern heimgehe. Diese und
hnliche Erzhlungen, die Alexander weder besttigte noch widerrief,
dienten dazu, u$
n, bevor der Zuzug aus den arianischen Landen sich mit ihr
vereinigt habe; und wenn sein Marsch diese arianischen Satrapien fr jetzt
rechts liegen lie, so war zu erwarten, da vor dem Schlage,uder die
Knigsmrder niederschmettern sollte, auch sie sich beugen wrden.
Er folgte der groen Strae, die von Hyrkanien am Nordabhange des Gebirges,
dann durch die Teile Parthiens und Areias, die der turanischen Wste
zunchst liegen, nach Baktriana fhrt. Als er die Grenze Areias erreicht
hatte, kam ihm in Susia, der nchsten Stadt Areias, der Satrap des Landes
Satibarzanes entgegen, sich und das Land ihm zu unterwerfen, zugleich
wichtige Mitteilungen ber Bessos zu machen. Er lie Satibarzanes im Besitz
seRner Satrapie; Anaxippos von den Hetairen mit 60 Mann Akontisten zu Pferd
wurde zur Bewachung des Platzes und Aufnahme der nachkommenden Kolonnen
zurckgelassen, Anordnungen, welche zeigten, da Alexander unter der Form
einer Oberherrlichkeit, die nicht viel bedeutete, den mchtigen Satrapen in
der Flanke seines $
en wiedergegeben.
Endlich langte man vor der Burg an; sie lag auf einem hohen und schroffen
Felsen, an dem nur ein schmaler und schwieriger Pfad hinauffhrte; berdies
strmte auf dieser allein zugnglichen Seite in einer sehr tiefen Schlucht
ein reiender Bergstrom vorber. Alexander, gewohnt, keine Schwierigkeit
fr unberwindlich zu halten befahl sofort, in den Tannenwlde.n, die
ringsumher die Berge bedeckten, Bume zu fllen und Leitern zu bauen, um
vorerst die Schlucht zu gewinnen. Tag und Nacht wurde gearbeitet, mit
unsglicher Mhe gelangte man endlich in die Tiefe hinab; nun wurde der
Strom mit einem Pfahlwerk berbaut, Erde aufgeschttet, die Schlucht
ausgefllt; bald arbeiteten die Maschinen und schleuderten Geschosse in die
Burg hinauf. Chorienes, der bisher die Arbeiten der Makedonen gleichgltig
mit angesehen hatte, erkannte mit Bestrzug, wie sehr er sich verrechnet
habe; einen Ausfall auf die Gegner zu machen, verhinderte die Natur des
Felsens, gegen Geschosse von oben her waren die Makedone$
d gleichem Zeitaufwand sich vollkommen unterwerfen
mssen, und selbst des sogdianischen Landes Meister, hatte er es
aufgegeben, von dort bis zu dem Meere vorzudringen, das er nordwrts hinter
den Gebieten der Skythen nahe geglaubt hatte. In gleicher Weise wird er von
Poros und Taxiles erfahren haben, welche Weiten bts zum Ganges, bis zu dem
Meere, in das dessen Wasser strmen, zu durchmessen seien. Das Land am
Kophenflu, den Vorhof Indiens, hatte er mit fester Hand gefat, wie in der
Sogdiana eine Nordmark, so in den abhngigen Frstentmern im Fnfstromland
ein noch entwickelteres Marksystem begrndet; er scheint sich von Anfang an
her berzeugt zu haben, da die Bevlkerung des Induslandes in allen
Verhltnissen des Lebens, des Staates und der Religion zu eigentmlich
entwickelt und in ihrer Entwicklung zu fertig war, als da sie schon jetzt
fr das hellenistische Reich gewonnen werden konnte; Alexander konnte nicht
daran denken, jenseits der nur verbndeten Frstentmer eine neue Reihe von
Eroberungen sei$
provinzen den Befehl gesandt, die Flotte
bereitzuhalten, um ntigenfalls Attika unverzglich berfallen zu knnen;
und in dem Lager Alexanders war damals viel die Rede von einem Kriege gegen
Athen, auf den sich die Makedonen infolge der altn Feindschaft gar sehr
freuten. In der Tat hatten die Athener, wenn sie ernstlich der
Zurckfhrung der Verbannten sich zu widersetzen, dem Knige die gttlichen
Ehren zu versagen, ihre volle Unabhngigkeit geltend zu machen
beabsichtigten, in den Erbietungen und den Mitteln dieses Schutzflehenden
alles, was ihnen zunchst zu einer energischen Verteidigung ntig war; sie
htten hoffen knnen, da die toler, die Spartaner, da die Acher und
Arkader, denen der Knig die gemeinsamen Landtage ihrer Stdte untersagt
hatte, sich ihnen anschlieen wrden. Aber, wenn sie sich nicht verbergen
konnten, da HarpWlos zum zweitenmal seine Pflicht in des Knigs Dienst
gebrochen und durch ein gemeines Verbrechen groen Stils dessen Strafe
herausgefordert hatte, so htte es ihnen nicht $
ilden Ziegen der Insel
ungestrt weiden lasse; sie liege in der Nhe des Meerbusens der Stadt
Gerra, von der aus die Hauptstrae durch das Innere Arabiens zum Roten und
Mittellndischen Meere fhre, und deren Einwohner als betriebsame und
reiche Handelsleute genannt wrden. Alexander gab, seltsam genug, dieser
Insel den Namen jenes Ikaros, der den khnen Flug bis in die Sonnennhe
gewagt und in den Wellen mit allzu frhem Tode gebt hat. Von der Insel
Ikaros aus, berichtete Archias weiter, sei er sdostwrts zu einer zweiten
Insel gekommen, welche die Bewohner Tylos nannten; sie sei gro, we^er
steinig noch waldig, zum Feldbau geschickt und ein glckliches Eiland; er
htte hinzufgen knnen, da sie inmitten der unerschpflichen Perlenriffe
liege, von denen sich schon manche Sage unter den Makedonen verbreitet
hatte. Bald darauf kam das zweite Schiff, das Androstenes gefhrt hatte,
zurck; er war dicht an der Kste hinabgesteuert und hatte ein groes Stck
des arabischen Strandes beobachtet. Am weitesten vo$
 nicht das entsprechende makedonische Datum,
sondern nur das Jahr (11. Jahr Alexanders) angegeben ist. Aber die Angabe,
da Nearch am 20. Boedromion vom Indus abgefahren ist, gewhrt ein relativ
sicheres Datum; es ist, wenn man Idelers Berechnung des metonischen Zyklus
fr die Ansetzung der entsprec>enden julianischen Daten in konventioneller
Weise gelten lt, dr 21. September; die Fahrt vom Indus bis Harmozia ist
ziemlich berzeugend auf 80 Tage berechnet worden und danach die Daten S.
495 angesetzt.
  Anmerkung 17 zu Seite 515:
In der neuen _Organisation der Ritterschaft der Hetairen_ fllt die Angabe,
da eine fnfte Hipparchie gebildet worden sei, da es whrend des indischen
Feldzugs, wie aus Arrian (IV, 22, 7; 23, 1; 24, 1) geschlossen werden darf,
deren, das Agema ungerechnet, acht gab. Ob der Zug durch die Wste so groe
Verluste gebracht hatte, da die Reste der Hetairen zu vier schwachen
Hipparchien zusammengezogen waren, mu dahingestellt bleiben. Jedenfalls
war der Zweck der neuen Formation zugle$
f einmal, fhlt einzelne Worte: Abends ...
Klein war...
Da sind alle einander nah, diese Herren, die aus Frankreich
kommen und aus Burgund, aus den Niederlanden, aus Krntens
Tlern, von den bhmischen Burgen und vom Kaiser Leopold.
Denn was der Eine erzhlt, das haben auch sie erfahren und
gerade so. Als ob es nur _eine_ Mutter gbe...
So reitet man in den Abend hinein, in irgend einen Abend.
Man schweigt wieder, aber man hat die lichten Worte mit. Da
hebt derAMarquis den Helm ab. Seine dunklen Haare sind weich
und, wie er das Haupt senkt, dehnen sie sich frauenhaft auf
seinem Nacken. Jetzt erkennt auch der von Langenau: Fern
ragt etwas in den Glanz hinein, etwas schlankes, dunkles.
Eine einsame Sule, halbverfallen. Und wie sie lange vorber
sind, spter, fllt ihm ein, da das eine Madnna war.
Wachtfeuer. Man sitzt rundumher und wartet. Wartet, da
einer singt. Aber man ist so md. Das rote Licht ist schwer.
Es liegt auf den staubigen Schuhn. Es kriecht bis an die
Kniee, es schaut in die gefalteten $
treiten,
kommen natrlich im wirklichen Leben nicht vor. Man ist hier eher geneigt,
das unmittelbare Einleuchten gewisser dem sinnlichen Schein oder einer
unberechtigten Verallgemeinerung zu liebe aufgestellter Stze zu
behaupten, wie z. B. das unmittelbare Einleuchten des Satzes, dass die
Sonne still steht. Hier ist es ein Leichtes, durch den Beweis des
Gegenteils den Schein des unmittelbaren Einleuchtens zu zerstren.
Es ergiebt sich, dass wir dem unleugbaren Vorkommen einer vermeintlichen
Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens nicht ratlos
gegenberstehen und uns hierdurchin der Annahme des Einleuchtes der
Zusammengehrigkeit als eines zuverlssigen und entscheidenden
Kennzeichens der Wahrheit nicht irre machen lassen drfen. Wir knnen
nicht bloss die wirkliche Einsicht von der vermeintlichen an bestimmten
Merkmalen unterscheiden, wir knnen auch die entstehende vermeintliche
Einsicht berwinden, und zwar durch die wirkliche Einsicht.
  Siebzehnte Untersuchung.
Einsicht und Denknotwendigkeit.
Di$
t fuer uns in dem Einleuchten, der zweiten
ueber das VorgZfundene hinausgehenden Stufe des Erkenntnisvorgangs. Es
liegt nahe -- und das geschieht oft genug -- die Einsicht fuer das
Kennzeichen der Wahrheit zu halten; wird doch das griechische enargein und
das lateinische evidentia oft genug mit Einsicht wiedergegeben oder die
Einsicht naeher als das Einleuchten der Wahrheit erklaert. Natuerlich kann
unter dieser Voraussetzung nicht von einem criterium secundum quod ausser
fuer die nachtraegliche Reflexion, sondern nur von einem criterium quo
cognoscitur die Rede sein. Wir verstehen unter dem Kriterium oder
Kennzeichen der Wahrheit nicht diesen subjektiven Zustand der Einsicht
sondern das Einleuchten, Sichaufdraengen der Zusammenzehoerigkeit, die
Unabweislichkeit des Gedankens derselben, die natuerlich etwas Objektives
ist und darum auch die Objektivitaet des Urteils oder das Bewusstsein
seiner Wahrheit begruenden kann.
  Dreizehnte Untersuchung.
Die Gesetze des Erkennens.
Die Wahrheit, das Ziel des Erkennens $
icht auch zum
Seienden? Gattung And Art sind offenbar Praedikabilien, wenn man sie
einfach nach dem Verhaeltnis des Allgemeinn und Besondern ins Auge fasst.
Aber die Alten haben mit Recht Gattung und Art nicht bloss nach diesem
Verhaeltnis bestimmt, sondern fuer beide nur die wesentlichen Merkmale in
Anspruch genommen und die ausserwesentlichen auf Proprietaet und Accidenz
verteilt. Ist aber nun das Wesentliche und weiterhin das Wesen ein blosses
Praedikabile? und nicht vielmehr eine Kategorie? Ja, die Kategorie der
Kategorien? Das Seiende ist doch eben nur ein Seiendes dadurch, dass es
ein Wesen, eine Wahrheit hat.
Verschiedenheit und Gleichheit sind sicher unmittelbar nur Aussagen ueber
unsre Begriffe, keine Kategorien, ebensowenig das Nichtseiende, die
Negation des einen vom andern; Mensch als Nicht-Pflanze z. B. Demnach kann
auch die Zahl keine Kategorie sein; sie ist der Gattung verwandt und wie
diese Zusammenfassung niederer Einheiten zu einer hoeheren Einheit; nur
dass bei der Gattung in dieser hoeher$
tung haben.
  Zwanzigste Untersuchung.
Die Erkenntnis der Aussenwelt.
Wenn wir die Entstehung und Zusammensetzung unsrer Vorstellungen der
Weltdinge und ihrer Ordnung in Raum und Zeit ins Auge fassen, wie sie nach
dem gesicherten Ergebnis der Psychologie notwendig gedacht werden muss, so
koennen wir keinen Augenblick darueber zweifeln, dass wir von der
Beschaffenheit dieser Dinge keine Erkenntnis haben. Die Annahme, dass die
Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, beruht offenbar auf einer bloss
vermeintlichen, durch die Psychologie voellig besewtigten Einsicht. Fuer den
Kenner der Psychologie ist die Frage, ob die Dinge so sind, wie wir sie
sehen, einfach ungereimt. Jeder hat sein besonderes, eigenes Gesichtsbild
von den Dingen, und dieses besteht aus den Gesichtsempfindungen und den
mit ihnen associierten Tastempfindungen: seine Stelle im Raum wird
bestimmt durh die fuer das Zustandekommen dieser Tastempfindungen
erforderlichen Muskelempfindungen der Arm- und Beinexkursionen. Zu einem
uns gegenueberstehende$
ge ich meine Geschichte nicht zu Ende.
Du kannst dir ja wohl denken, da sich Barbara zu Hause nicht besonders
wohl fhlte. Ich meine nicht nur der Unordnung und Unsauberkeit wegen.
So zuwider mir beides ist, so mu ich doch zugeben, da man auch in
eiem schmutzigen Heim strahlend glcklich sein kann. Wir haben eine
Familie im Dorf, da laufen einem aus der Stube die Kinder und Ferkelchen
und Hhner zusammen entgegen, und die Fenster brauchen keine Vorhnge,
denn kein Mensch kann hineinsehen. Aber die Leute sind seelenvergngt,
du darfst mir's glauben. Aus keinem Haus tnt so viel Lachen und Singen.
Nur Samstag abend gibt es ein groes GeschVei, weil da die Kinder
gewaschen werden, und das sind sie halt nicht gewhnt.
Aus Schufeles Haus tnte fast alle Tage Geschrei. Die zwei Alten
lebten in stetem Streit und verfhrten auch die Kinder dazu. Barbara war
die Jngste von Sechsen. Sie stand ihren Geschwistern ziemlich fremd
gegenber, auch den Vater schien sie eher zu frchten. Aber die Mutter
ward von ihr geli$
chen einfach zu Fen und rief aus: Nein, in dem Zimmer zu
schlafen ist mir unmglich. Ich kann da nicht atmen. Lieber will ich auf
der Strae bernachten. -- Ich hielt, whrend ich so sprach, die Beine
der jungen Dame fest umschlungen. Sie schien rgerlich zu sein und
befahl mi| aufzustehen. Ich sagte: Ich stehe nicht vorher auf, bis Sie
mir versprochen haben, da Sie mir einen menschenwrdigen Raum zum
Schlafen anweisen wollen. Ich bitte Sie, Frulein, ich flehe Sie an,
tun Sie mich an einen andern Ort, meinetwegen in ein Loch, nur nicht
hier hinein. Hier kann ic nicht sein. Ich will meine Mitschler gewi
nicht beleidigen, und habe ich es schon getan, so tut es mir leid, aber
bei drei Menschen schlafen, als vierter, und dazu noch in solch einem
engen Raum? Das geht nicht. Ach, Frulein. -- Schon lchelte sie, ich
merkte es, ich fgte daher rasch, mich noch fester an sie schmiegend,
hinzu: Ich will brav sein, ich verspreche es Ihnen. Ich will allen
Ihren Befehlen zuvorkommen. Sie sollen sich nie, nie $
oucar wurde es ein
wenig unbehaglich zumute, an eineNsolche Unterhaltung war er nicht
gewhnt. Sein Nachbar aber stie ihn unter dem Tisch mit dem Fu an und
raunte ihm zu: Blo keine?verwunderten Augen machen, sind in ihrer Art
ganz famose Leutchen und fhren das gastfreieste Haus im ganzen Westen
... Er nickte dazu. Was ging es ihn an? Heute hatte er diese Menschen
kennen gelernt, morgen sah er sie nicht mehr.
Die Unterhaltung am Tische wurde allgemein, man errterte die Ereignisse
des Renntages, und Gaston von Foucar erfuhr, da Herr Rheinthaler dem
Sport nicht nur als Zuschauer huldigte, sondern Besitzer eines namhaften
Stalles war. Zwei seiner Pferde hatten an der Hauptkonkurrenz des Tages
teilgenommen, das eine als Schrittmacher, das andere als erklrter
Sieger, beide aber htten durch die Schuld der Jockeis unter den
Unplacierten geendet. Der Landsberger Husar erklrte seinem Gegenber
eifrig, welche Fehler zu dem Verluste des Rennens gefhrt htten, Frau
Rheinthaler schob ihren Teller zur Seite und $
h flog ihm durchs Herz. Auf
sonnenbeschienener Strae gingen zwei dahin, und der eine sprach in
pltzlich ausbrechendem Irrsinn hliche Worte, und diese Worte krochen
wie ekelhafte Krten ber das Bild einer bemitleidenswerten Frau.
Die Wagenbremsen zogen kreischend an, es gab einen Ruck, und der Zug
hielt wieder einmal an einer der zahlreichen kleinen Stationen. Neben
dem rotbemtzten Stationsvorsteher stand ein dicker kleiner Herr in
weiem Staubmantel, das volle Gesicht schier rostrot verbrannt, und mit
blulich schimmernder Nase unter weinfrohen Aeugelein.
Der alte Herr ffnete die Couptr und winkte lebhaft mit der Hand.
Tag, Lindemann! Erwarten Sie wen?
Der Dicke blickte berrascht auf und setzte sich in der Richtung des
Wagens erster Klasse in Bewegung.
Tag, Herr von Gorski! Das ist ja One Riesenfreude, da Sie wieder
zuwege ~ind! Und ob ich wen erwarte? Dieses nu weniger, ich wollt' blo
mal ein bichen Grostadtluft schnappen. Da bin ich nach der Station
gefahren, in dem Aberglauben, der Zug bri$
at sich erheblich gewundert, da Herr Rittmeister das
Fundstck nicht persnlich berbrachten. Namentlich, da sie sich doch
das Vergngen gemacht hatte, Herrn Rittmeister aufzufordern, in
Kalinzinnen recht bald Besuch zu machen.
Gaston fhlte, wie ihm das Blut in die Wangen stieg. Zu dumm war das!
Und er nahm sich gewaltsam zusammen.
Es tut mir selbst am meisten leid, da ich dieser freundlichen
Einladung wegen zu vielen Dienstes nicht folgen konnte. Und jetzt mchte
ich meinen Besuch in Kalinzinnen verschieben, bis das Fest vorber ist.
Es wre mir doch peinlich. Das wrde aussehen, als wollte ich dazu
eingeladen sein.
Karl von Gorski blickte auf. Er hatte wohl bemerkt, da sein
Vorgesetzter pltzlich Farbe in die Wangen gekriegt hatte,"aber noch
tappte er im dunkeln, konnte sich keinen rechten Vers auf die ganze
Geschichte machen.
Welches Fest meinen Herr Rittmeister?
Nun, die ... die Verlobung von Frulein Annemarie. Erst heute hrte ich
zufllig, sie wrde sich demnchst ffentlich verloben. Mit dem$
schmalen, sehr langen, in den Berg
gehauenen Gang nach der Grube Dorothea. Hier ist es luftiger und
frischer, und die Leitern sind reiner, aber auch lnger und steiler als
in der Karolina. Hier wurde mir auch besser zu Mute, besonders da ich
wieder Spuren lebendiger Menschen gewahrte. In der Tiefe zeigten sich
nmlich wandelnde Schimmer; Bergleute mit ihren Grubenlichtern kamen
allmhlich in die Hhe mit dem Grue Glckauf! und mit demselben
Wiedergrue von unserer Seite stiegen sie an uns vorber; und wie eine
befreundet ruhige, und doch zugleich qulend rtselhafte Erinnerung
trafen mich mit ihren tiefsinnig klaren Blicken die ernstfrommen, etwas
blassen, und vom Grubenlicht geheimnisvoll buleuchteten Gesichter dieser
jungen und alten Mnner, die in ihren dunkeln, einsamen Bergschachten
den ganzen Tag gearbeitet hatten, unC sich jetzt hinaufsehnten nach dem
lieben Tageslicht, und nach den Augen von Weib und Kind.
Mein Cicerone selbst war eine kreuzehrliche, pudeldeutsche Natur. Mit
innerer Freudigkeit zei$
versittsNedelle. Einer dieser Kaiser hlt ein Schwert, statt des
Scepters. Ich konnte nicht erraten, was dieser Unterschied sagen will;
und es hat doch gewi seine Bedeutung, da die Deutschen die merkwrdige
Gewohnheit haben, da sie bei allem, was sie thun, sich auch etwas
In Gottschalks Handbuch hatte ich von dem uralten Dom und von dem
berhmten Kaiserstuhl zu Goslar viel gelesen. Als ich aber beides
besehen wollte, sagte man mir, der Dom sei niedergerissen und der
Kaiserstuhl nach Berlin gebracht worden. Wir leben in einer
bedeutungsschweren Zeit: tausendjhrige Dome werden abgebrochen, und
Kaisersthle in die Rumpelkammer geworfen.
Einige Mekwrdigkeiten des seligen Doms sind jetzt in der
Stephanskirche aufgestellt. Glasmalereien, die wunderschn sind, einige
schlechte Gemlde, worunter auch ein Lukas Cranach sein soll, ferner ein
hlzerner Christus am Kreuz, und ein heidnischer Opferaltar aus
unbekanntem Metall; er hat die Gestalt einer lnglich viereckigen Lade,
und wird von Karyatiden getragen, di$
n und her schwankt, da er einen Kongre andeutet, wenn er
die gebogenen Arme knuelartig in einander verschlingt, und endlich, da
er unsern allzugroen Freund im Osten darstellt, wenn er in allmhlicher
Entfaltung sich in die Hhe hebt, in dieser Stellunglange ruht, und
pltzlich in die erschrecklichsten Sprnge ausbricht. Dem jungen Manne
fielen die Schuppen von den Augen, und jetzt merkte er, warum Tnzer
besser honoriert werden, als groe Dichter, warum das Ballet beim
diplomatischen Korps ein unerschpflicher Gegenstand des Gesprchs ist,
und warum oft eine schne Tnzerin noch privatim von dym Minister
unterhalten wird, der sich gewi Tag und Nacht abmht, sie fr sein
politisches Systemchen empfnglich zu machen. Beim Apis! wie gro ist
die Zahl der exoterischen, und wie klein die Zahl der esoterischen
Theaterbesucher! Da steht das blde Volk und gafft, und bewundert
Sprnge und Wendungen, und studiert Anatomie in den Stellungen der
Lemiere, und applaudiert die Entrechats der Rhnisch, und schwatzt v$
n war, was seine Treue
htte in Frage stellen knnen.
Es mu aber doch etwas zwischen euch gewesen sein, fuhr die Frau
hartnckig fort, denn ich erinnere mich jetzt, da du ganz pltzlich
deine Aufsicht ber die Nachtwachen im Laden abgebrochen hast. Sage mir,
was war das letzte Wort, das ihr dort zusammen spracht?
Ich sagte ihr, da ich glcklich, sehr glcklich verheiratet bin,
erwiderte der Mann nach einigem Nachdenken.
Die Frau sah erstaunt mit trnendem Gesicht zu ihm auf und sagte: Ich
glaube dir's. Aber ich wei doch, da sie allein das Gespenst ist, das
nach Mitternacht hier umgeht. Kannst du mir wirklich versichern, da du
alles das, die Tassen, die Kaffeemaschine und alle Dinge im Zimmer nur
fr mih und dich gekauft hast und die 6ndere im Geist niemals neben dir
hast sitzen sehen?
Da sagte er einfach und langsam: Wenn ich jetzt um diese Stunde an das
Mdchen erinnert werde, wird es mir klar, da ich alles, was du hier
siehst, eingekauft habe, um sie und nicht dich zu empfangen. In allen
an$
nd
Matrosen auslndischer Kriegsschiffe ihre nchtlichen Gelage in dem
Haus, und acht Tage lang wurdeder armselige Singhalese vom
Hauseigentmer abgewiesen; er schlief acht Nchte unter dem Fenster und
blieb acht Nchte nchtern. In der neunten Nacht, als die Dampfer den
Hafen verlassen hatten, ffnete sich wieder der Fensterladen. Zwei
nackte Brste drckten sich ber die Fensterbank, und helle Zhne
glitzerten in einem lachenden Mund; dem Singhalesen scho sein hitziges
Blut wie Sternschnuppen vor die Augen. Bulram ging in das Haus, drckte
das Mdchen an sich und schlo dabei die Augen, wie es alle Orientalen
tun, wenn sie ernstlich glcklich sind. Er blieb dann Tag und Nacht bei
geschlossenen Fensterlden im Haus bei der Dirne.
m vierten Abend sa der Hauseigentmer mit seinen Freunden wie immer
drauen auf den Steinstufen vor der Haustr. Es wetterleuchtete hinter
dem Hausdach. Da kam einer seiner Buben heraus und sagte ihm: Herr, das
Zimmer des Mdchens, welche hinter dem Eckfenster wohnt, ist wie le$
n, Carlsson, da Ihr lange unterwegs gewesen seid. Ich
will Euch zeigen, wo Ihr liegen sollt, wenn Ihr mitkommt.
Carlsson wre gern geblieben, um das Stundenglas auslaufen zu sehen;
aber der Wink war so eutlich, da er die Geduld der Wirtin nicht
lnger auf die Probe zu stellen wagte.
Die Alte ging mit ihm in die Kche hinaus.
Gleich kam sie aber zum Sohn zurck, der sofort seinen freimtigen
Ausdruck wieder annahm.
-- Nun, wie findest du ihn? fragte die Alte; er sieht ordentlich und
-- Nein, nein! antwortete Gustav gedehnt. Trau ihm nicht, Mutter; er
schwatzt nur Unsinn!
-- Was du sagst! Er kann doch wohl ordentlich sein, wenn er auch ein
Mundwerk hat.
-- Glaub mir, Mutter, das ist ein Schwtzer; mit dem werden wir uns zu
schleppen haben, bis wir ihn wieder los werden. Aber das macht nichts;
er soll chon arbeiten frs Essen, und mir soll er nicht zu nahe
kommen. Du glaubst allerdings nie, was ich sage, aber du wirst schon
sehen! Wirst schon sehen. Nachher reut es dich, wenn's zu spt ist!
Wie wars mit dem a$
m
Querbalken lag eine lange Reihe frisch ausgestopfter Lockvgel; ber
einen andern waren Schaffelle geworfen von einem dritten baumelten
Wasserstiefel, Unterjacken, Hemden, Strmpfe; und zwischen den Balken
liefen Spiee mit Lochbroten, Stcke mit Aalhuten, Stangen mit
Grundschnrn und Angelhaken.
Am Giebelfenster stand der Etisch aus rohem Holz; an den Wnden
standen drei Ausziehsofas, die mit reinen, aber groben Laken gebettet
In einem davon hatte die Alte Carlsson einen Platz angewiesen. Als sie
sich mit dem Licht entfernte, lie sie den Kmmling im Halbdunkel, das
nur schwach von der Herdglut und einem kurzen Mondstreifen erleuchtet
wurde. Der Mond zeichnete Pfosten und Sprossen des Fensters auf den
Boden. Aus Grnden der Schamhaftigkeit wurde beim Schlafengehen kein
Licht angesteckt; denn die Mdchen hatten auch ihre Schlafpltze in
So entkleidete sich Carlsson im Halbdunkel. Er legte Rock und Stiefel
ab; dann holte er die Uhr aus der Westentasche, um sie beim Schein des
Herdfeuers aufzuziehen. Er h$
wohnern des Orts an unser Lager
geschlichen, um den sonderbaren Mann aus einer fremden Welt zu sehen, die
jenseits des Meeres lag und unerforschlich war an Geheimnissen und Wundern.
Und ihr Verlangen nach dem Glanz dieses Neuen, Unfabaren hatte sie die
Vorsicht vergessen lassen, die so not tut im Dschungelland, die man sie von
Kind auf an gelehrt hatte, und die sie in allen Fllen so klug und sorgsam
zu beachten gewut hatte. Nun hatte es im Finstern den kleinen, bsen Stich
gegeben, den anfnglich das Herz nicht als das furchtbare Verhngnis
glauben will, obgleich daH Blut es ahnt und die Schrecken des jhen
Dahinsinkens wie dunkle Flgel um die Schlfen brausen. Ein Dorn, ein Dorn
war es, vom Rand eines Palmblatts, oder vom Zedernbaum..., aber dann kam
der feine se Schwindel, der in den Augen beginnt und der den Pulsschlag
des Herzens so eigen behindert, der zuerst die Hnde und langsam alle
Glieder in trockene, kurze Krmpfe zerrt, als trieben Glassplitter im Blut,
die die Adern zerrissen. Bit die grl$
ntsetzens
und der Hilflosigeit. Ein unzulnglicher Schutz ist oft bei weitem
bengstigender als die volle Gewiheit einer schrankenlos wirkenden Gefahr,
und nicht nur,Wwenn es sich um einen Panther handelt. Es mag hinzukommen,
da es in der Tat berwltigend ist, pltzlich zum ersten Mal dieser groen
Katze Auge in Auge gegenberzustehen, deren Ankndigung aus geheimnisvoller
Nachtfinsternis man monatelang vernommen hat, und aus der die Phantasie in
unablssiger Beschftigung ein bei weitem schlimmeres Fabelwesen
erschaffen hat, als der Panther es in Wirklichkeit ist.
Er ist im Grunde sehr scheu und fllt fast niemals Menschen an, selbst
Kinder nicht, wenn ihn nicht die uerste Not des Hungers oder die
Bedrngnisse der Treibjagd ntigen. Im gesttigten Zustande weicht er stets
der Begegnung mit dem Menschen aus und er mordet nicht mehr, als zur
Erhaltung seines Daseins erforderlich ist. Alle Hirten, die mir in Malabar
vom Tiger oder Panther erzhlt haben, stimmten in ihrer Erfahrung darin
berein, da diese$
eren Kirchenpforte in die
kunstreich gewlbten Gnge trat, duchte ihn die abendliche Stille,
die ihn so mailich und freundlich anwehte, keineswegs unwillkommen,
sondern wie er langsam daherschritt und immer wieder zwischen den
Pfeilern still stehend zum blauklaren Himmel emporblicte und vor sich
auf die Pracht der Blthen im frischen Grn, da war's, als leuchtete
die Lenzwonne auch aus seinen dunklen Augen, so froh schauten sie
darein, und als fhlte seine Brust mit der Jugend des Jahres auch die
Jugend des Herzens wieder, so freudig und krftig hob sie sich. Dicht
neben ihm aus dem Gebsch erscholl die Stimme einer Nachtigall. Er
blieb stehen und lauschte. Ihm schien's, als wre das die Seele dieses
Maiabends, die wolte all' ihre reine und himmlische Freude ihm mit zu
empfinden geben. Sie schwieg. Aber als nach kurzer Weile ihre Tne
wieder erklangen, lang gezogen und klagend, da tauchten sie auch seine
Seele in sanfte Schwermuth und seine Gedanken wurden wie mit
freundlichem Zwange rckwrts gezogen; und$
t, die hohe Kunst bend und die edlen
Gaben brauchend, so Euch Gott verliehen. Ich bracht' ihn dahin, ein
ertrauen zu fassen, da seine Gebete fr Euer Glck und Heil, die er
unablssig Gott darbrachte, erhrt wrden im Himmel. Und so stieg auch
seine Seele ber sich, ber ihre Schuld und Fehle, Sorgen und eignen
Werke in die Gelassenheit, die sich gnzlich in Gott ergibt und nichts
Anderes wei und will, als Sein Wohlgefallen, weil sie glaubt: das ist
die Seligkeit. Er ward ruhiger, wenn auch nicht ruhig, er ward
frhlicher, wenn auch micht froh, getrsteter, wenn auch nicht
Es gibt Leiden, davon genest die Seele, aber der Leib wird mrb. Ja,
sein Siechthum dienet ihr dazu, da sie ihre Augen desto heller
aufthut, ihren himmlischen Ursprung zu suchen und das ewige Licht zu
erfassen, das aus dem Herzen Gottes leuchtet. So, Herr, ergieng es
Eurem Vater. Habt Ihr vom Demant gehrt, da er die Natur der Sonne an
sich nimmt, deren Licht er eingesogen, und selber leuchtet wie sie? So
man ihn in Finsterni bringt,$
h tut mir eigentlich nichts. Ich
bin nur immer so md'.
Ach geh' doch, vom Mdesein stirbt man doch nichj! sagte der Doktor
lchelnd, und aufmunternd fgte er hinzu: Komm, Kindchen, schau nicht
so ernst drein, das pat ja gar nicht fr dein Alter. Du sollst vergngt
sein und springen und lachen, so wie dein kleines Schwesterchen da. Hr
doch nur, wie es krht, und schau, wie es zappelt, da man es kaum
halten kann.
Dann stand der Doktor auf, und die Mutter ging wieder mit ihm hinunter.
Als Tante Toni etwas spter nachfolgte, da war der Doktor schon fort,
aber Tante Toni merkte, da ihre Schwester geweint hatte.
Was gibt es.denn, fehlt Tonichen etwas? fragte sie besorgt. Hat der
Doktor etwas gefunden?
Nein, er hat nichts gefunden; Lunge, Herz, alles ist gesund, und doch
ist unser guter alter Doktor nicht ohne ernste Besorgnisse; denn das
Kind entwickelt sich nicht, im Gegenteil, es nimmt sichtlich ab.
In diesem Augenblick kam Lilly ins Zimmer gestrmt. Tante Maria, darf
ich heute bei dir zu Mittag $
 einer Nicht-_Arierin_, eine _Msalliance_
eingehen knnte.
Bei dem psychotherapeutischen Verfahren, dessen ich mich zur Auflsung
und Beseitigung neurotisher Symptome bediene, ist sehr hufig die
Aufgabe gestellt, aus den wie zufllig vorgebrachten Reden und Einfllen
des Patienten einen Gedankeninhalt aufzuspren, der zwar sich zu
verbergen bemht ist, aber doch nicht umhin kann, sich in
mannigfaltigster Weise unabsichtlich zu verraten. Dabei leistet oft das
Versprechen die wertvollsten Dienste, wie ich an den berzeugendsten und
andererseits sonderbarsten Beispielen dartun knnte. Die Patienten
sprechen z.B. von ihrer Tante und nennen sie konsequent, ohne das
Versprechen zu merken, meine Mutter, oder bezeichnen ihren Mann alsVihren Bruder. Sie machen mich auf diese Weise aufmerksam, dass sie
diese Personen miteinander identifiziert, in eine Reihe gebracht
haben, welche fr ihr Gefhlsleben die Wiederkehr desselben Typus
bedeutet. Andere Male reicht eine ungewhnlich klingende Wortfgung,
eine gezwu$
, und der mir nicht bewusst
geworden, oder der mir einst bewusst gewesen und den ich seither
grndlich vergessen. Vielleicht dass ich ihn selbst in Paris gemacht, wo
ich oft genug einsam und voll Sehnsucht durch die Strassen spaziert bin,
eines Helfers und Protektors sehr bedrftig, bis Meister _Charcot_ mich
dann in seinen Verkehr zog. Den Dichter de _Nabab_ habe ich dann
wiederholt im Hause _Charcots_ gesehen. Das rgerliche an der Sache ist
nur, dass ich kaum irgend einem anderen Vorstellungskreis so feindselig
gegenberstehe, wie dem des Protegiertwerdens. Was man in unserem
Vaterlande davon sieht, verdirbt einem alle Lust daran, und meinem
Charakter sagt die Situation des Protektionskindes berhaupt wenig zu.
Ich habe immer ungewhnlich viel Neigung dazu versprt, selbst der
bIave Mann zu sein. Und gerade ich musste dann an solche, brigens nie
erfllte, Tagtrume gemahnt werden! Ausserdem ist der Vorfall auch ein
gutes Beispiel dafr, wie die zurckgehaltene -- in der Paranoia
siegreich hervorbrech$
t, als sie leisten knnen,
und an die Dinge dn Mastab seiner Wnsche legt. Mit dieser Bemerkung
ist jedoch durchaus nicht gesagt, da man sich nicht groe Ziele setzen
soll-- was wre die Sozialdemokratie ohne solche?-- Man wird aber
nichts Groes erreichen, wenn man die Dinge nicht so betrachtet, wie sie
sind, und, wo Millionen von Menschen in Betracht kommen, ihnen zumutet,
wozu auergewhnliche Charaktere gehren.
    Ende November 1921.                      _Ed. Bernstein._
Erstes Kapitel.
Der Sozialismus als sozialwissenschaftliche Entwicklungslehre.
Bevor man an die Aufgabe herangeht, Streitfragen des Sozialismus zu
errtern, wird man sich darber zu uern haben, was man berhaupt unter
Sozialismus versteht, wie weit man den Rahmen des Begriffs gezogen
wissen will. Das Wort Sozialismus ist sehr verschiedentlich gedeutet
worden. Vielfach wird es als der Ausdruck fr einen vorgestellten
Zu#tand gebraucht, dem eine bestimmte Eigentums- und Wirtschaftsordnung
zugrunde liegt, und der sich in einem ganze$
blehnend ge\enberstanden. Denn die Kmpfe werden meist nicht um groe
weitumfassende Ziele, sondern um bestimmte begrenzte Forderungen
gefhrt, die nicht immer gut formuliert sind und einer greren Sache
schdlich zu sein scheinen. So kommt es, da, wenn auch die Ideologen
gar manchesmal beeinflut sind von den Kmpfen, ohne es zu wissen, und
wenn umgekehrt die Kmpfer, ohne es zu wissen, von ihnen manches
empfangen haben, wenn also auch die Fden hinber und herber laufen,
doch die beiden Stmme lange Zeit getrennt ihren Weg gehen. Erst in
neueren Jahrhunderten finden sie sich zusammen oder wachsen sie
zusammen. Karl Kautsky und meine Wenigkeit haben einmal einen solchen
Stammbaum des Sozialismus entworfen-- er ist auch reproduziert
worde!--, wo wir zeigten, wie die beiden Stmme sich verzweigten und
schlielich im 19.Jahrhundert zusammenwuchsen und da, wie wir glauben,
das Zusammenwachsen auf seine Hhe gebracht worden ist durch die
marxistische Begrndung des Sozialismus.
Die Berufung auf das Naturr$
u lesen, das beraus wertvolle Darlegungen ber grundlegende
Fragen der Philosophie, Ethik, Geschichtswissenschaft, Nationalkonomie
und Sozialwissenschaft enthlt, der sollte sich zum mindesten diese
Broschre anschaffen. Man kann sich keine bessere Vorfhrung der
Grundgedanken der Marx-Engelsschen Soziallehre wnschen. In dieser
Schrift nun gibt Engels gegen den Schlu eine zusammengefate Darlegung
darber, was nach der von Marx und ihm vertretenen Anschauung aus dem
Staat wird, nachdem die Arbeiterklasse auf der zu ihrem Hhepunkt
gelangten Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft die politische
Gewalt erlangt hat. Er schreibt dort:
  Das Proletariat ergreift die Staatsgewalt und verwandelt die
  Produktionsmittel zunchst in Staatseigentum. Aber damit hebt es sich
  selbst al Proletariat, damit hebt es alle Klassenunterschiede und
  Klassengegeestze auf, und damit auch den Staat als Staat. Die
  bisherige, sich in Klassengegenstzen bewegende Gesellschaft hatte den
  Staat ntig, d.h. eine Organ$
r die Umstlpung durch die Macht. Es geht
  Hier gibt es keine Wahl. Solange es zwei Feinde gibt -- die
  Bourgeoisie und das Proletariat und mit ihm das rmste Bauerntum --,
  und solange diese zwei Feinde gegeneinander kmpfen, knnen sie
  selbstverstndlich nicht eine gemeinsame Waffe haben. Es ist doch
  nicht denkbar, da eine Kanone zugleich wie der einen Armee so auch
  der anderen diene1 kann.
Um die Natur dieser Argumentation richtig einzuschtzen, mu man dessen
eingedenk bleiben, unter welchen Umstnden sie vorgetragen wurde und
welches die Entwicklungshhe des Landes war, in dem sie Arbeitern
eingeprgt wurde. Niemals haben Marx und Engels Arbeitern die politische
Frage in so kindisch-einfltiger Gegenberstellung dargestellt. Selbst
als Deutschland schon wirtschaftlich auf wesentlich hherer Stufe stand
als das Ruland von 1918 -- von der kulturellen Entwicklung ganz zu
schwYigen --, haben sie immer noch eine zeitweilige Untersttzung des
vorgeschrittenen Brgertums durch die sozialistische Ar$
reude an die einzige Stelle, wo wir
noch Bewegungskrieg hatten, nmlich nach Ruland.
Mackensen ging gerade seinen Siegeszug. Er war bei Gorlice
durchgebrochen, und ich kam dazu, wie wir Rawa Ruska nahmen. Ein Tag im
Armee-Flugpark, dann kam ich zu der famosen Abt.69, wo ich mir als
Anfnger kolossal dmlich vorkam. Mein Fhrer war eine Kanone --
Oberleutnant Zeumer--, jetzt auch schon krumm un lahm. Von den brigen
bin ich heute der einzige, der noch lebt.
Jetzt kommt eigentlich meine schnste Zeit. Sie hatte mit dem
Kavalleristischen recht groe hnlichkeit. Jeden Tag, vor- und
nachmittags, konnte ich meine Aufklrung fliegen. Ich habe manche schne
Meldu(g nach Hause gebracht.
Mit Holck in Ruland
(Sommer 1915)
Juni, Juli, August 1915 blieb ich bei der Fliegerabteilung, die den
ganzen Vormarsch Mackensens von Gorlice nach Brest-Litowsk mitmachte.
Ich war als ganz junger Beobachter dort hingekommen und hatte von Tuten
und Blasen keine Ahnung.
Als Kavallerist war ja meine Beschftigung Aufklren, so sch$
--
immer von wegen der Bazillen. Aber eine Banane will schlielich auch ein
Metschnikoff essen. Hier sehen Sie, hat Metschnikoff so ungefhr dem
Zeitungsmann gesagt, ein paar Bananen, die ich mir gekauft habe, um sie
nach Hause mitzunehmen. Weil diese Frucht mit einer dicken Schale bedeckt
ist, glauben viele, da die Bananen keine Bazillen haben. Weit gefehlt! Es
sind doch welche drin, und in meinem Hause werden darum die Bananen immer
erst gebrht, bevor sie gegessen werden. Ich tauche sie etwa eine Minute
lang in kochendes Wasser,und die Frucht verliert dabei nichts von ihrem
Wohlgeschmack...
Ist ja alles so weit sehr schn: aber die _Zeit_, die einer da zu seinem
Morgenfrhstck braucht! Die kann sich wahrhaftig doch nicht jedermann
_Aber was tut nicht einer, der dem #Tode# entrinnen will!_
Denn mit dem Tod und den Bazillen ist es nach Metschnikoff folgendermaen
Wir sind alle von Bazillen bevlkert, von Millione und Abermillionen
Bazillen, die in unserem Darme wohnen. Namentlich in dem unteren Teil$
 Menge der giftspendenden Bakterien zu, die das
Tier in sich beherbergt. Und da war fr Metschnikoff der Schlu gegeben,
da es eben die Gifte der Darmbakterien sind, die die krzere Lebensdauer
der Tiere verschulden.
NachdemMetschnikoff sich die Sache so zurecht gelegt hatte, da die
Bakterien am frhen Altern und Sterben von Tier und Mensch schuld seien,
hat er sich gesagt, da es doch heute eigentlich ein groes _Unglck_ mit
dem Altern und mit dem Sterben sei. Das Alten von heute sei wie eine
Krankheit: unser Krper wird ganz allmhlich von den Darmbakterien
vergiftet. Und wenn das Sterben und das Altern eine Krankheit ist, dann ist
es ja die schlimmste Krankheit, die es gibt. Die Tuberkelbazillen und die
Bazillen, die andere Krankheiten machen, tten die Menschen, die das
Unglck hatten, sich mit diesen Krankheitserregern anzustecken. Die
Darmbakterien aber hat jedermann in sich, _alle_ Menschen sind mit ihnen
behaftet, und die Menschen, die den Krankheiten sonst entronnen sind, gehen
an der Vergiftung$
hei und ungesund ist als die Thalschluchten naher am
Meer. In diesen letzteren haben die Indianer Goldwschereien, und im
Gebirge kommen dort reicheKupfererze vor, die man noch nicht auszubeuten
versucht hat. Die alten, lngst in Abgang gekommenen Gruben von Aroa
wurden auf den Betrieb Don Antonios Henriquez, den wir in San Fernando am
Apure trafen, wieder aufgenommen. Nach den Notizen, die er mir gegeben,
scheint die Lagersttte des Erzes eine Art Stockwerk zu seyn, das aus
mehreren kleinen Gngen besteht, die sich nach allen Richtungen kreuzen.
Das Stockwerk ist stellenweise zwei bis drei Toisen dick. Der Gruben sind
drei, und in allen wird von Sklaven gearbeitet. Die grte, die Biscayna,
hat nur dreiig Bergleute, und die Gesammtzahl der mit der Frderung und
dem Schmelzen des Erzes beschftigten Sklaven betrgt nur 60--70E Da der
Schacht nur dreiig Toisen tief ist, so knnen, der Wasser wegen, die
reichsten Strecken des Stockwerks, die darunter liegen, nicht abgebaut
werden. Man hat bis jetzt nicht da$
n die Provinz Barinas und von dort ber die Flsse Meta,
Guaviare und aguan, Anfangs von Ost nach West, sodann von Nordost nach
Nordwest, 380 Meilen weit in den Steppen fortziehen kann, bis ber den
Aequator hinaus an den Fu der Anden von Pasto. Sie kennen nach den
Berichten der Reisenden die Pampas von Buenos Ayres, die gleichfalls mit
feinem Gras bewachsene, baumlose Llanos sind und von verwilderten Rindern
und Pferden wimmeln. Sie sind, nach Anleitung unserer meisten Karten von
Amerika, der Meinung, der Continent habe nur Eine ergkette, die der
Anden, die von Sd nach Nord luft, und nach einem unbestimmten
systematischen Begriff lassen sie alle Ebenen vom Orinoco und vom Apure an
bis zum Rio de la Plata und der Magellan'schen Meerenge untereinander
zusammenhngen.
Ich entwerfe im Folgenden ein mglichst klares und gedrngtes Bild vom
allgemeinen Bau eines Festlandes, dessen Endpunkte, unter so verschiedenen
Klimaten sie auch liegen, in mehreren Zgen mit einander bereinkommen. Um
den Umri und die Gre$
ngn in den Teich. Kaum war das behagliche Gefhl der Khlung ber
uns gekommen, als ein Gerusch am entgegengesetzten Ufer uns schnell
wieder aus dem Wasser rieb. Es war ein Krokodil, das sich in den Schlamm
grub. Es wre unvorsichtig gewesen, zur Nachtzeit an diesem sumpfigten Ort
zu verweilen.
Wir waren nur eine Viertelmeile vom Hof entfernt, wir gingen aber ber
eine Stunde und kamen nicht hin. Wir wurden zu spt gewahr, da wir eine
falsche Richtung eingeschlagen. Wir hatten bei Anbruch der Nacht, noch ehe
die Sterne sichtbar wurden, den Hof verlassen und waren auf Gerathewohl in
der Ebene fortgegangen. Wir hatten, wie immer, einen Compa bei uns; auch
konnten wir uns nach der Stellung des Canopus und des sdlichen Kreuzes
leicht orientiren; aber all die half uns zu nichts, weil wir nicht gewi
wuten, ob wir vom Hof weg nach Ost oder nach Sd gegangen waren. Wir
wollten an unsern Badeplatz zurck und gingen wieder drei Viertelstunden,
ohne den Teich zu finden. Oft meinten wir Feuer am Horizont zu sehe$
aren seine Antworten o verworren und albern, dass wir nicht klug
aus der Sache werden konnten; meist behauptete er, seine Absicht sey nicht
gewesen, uns zu berauben; aber in der Erbitterung ueber die schlechte
Behandlung am Bord des Capers von St. Domingo, habe er dem Drang, uns
eines zu versetzen, nicht widerstehen koennen, sobald er uns habe
franzoesisch sprechen hoeren. Da der Rechtsgang hier zu Lande so langsam
st, dass die Verhafteten, von denen die Gefaengnisse wimmeln, sieben, acht
Jahre auf ihr Urtheil warten muessen, so hoerten wir wenige Tage nach
unserer Abreise von Cumana nicht ohne Befriedigung, der Zambo sey aus dem
Schlosse San Antonio entsprungen.
Trotz des Unfalls, der Bonpland betroffen, war ich andern Tags, am
28. October um fuenf Uhr Morgens auf dem Dach unseres Hauses, um mich zur
Beobachtung der Sonnenfinsterniss zu ruesten. Der Himmel war klar und rein.
Die Sichel der Venus und das Sternbild des Schiffes, das durch seine
gewaltigen Nebelflecke nahe aneinander so stark hervortritt, ver$
aenktem Raum so schoene
und fuer die Pflanzengeographie bedeutsame Pflanzen beisammen. In tausend
Toisen Meereshoehe stossen die hohen Savanen der Silla an eine Zone von
Straeuchern, die durch den Habitus, die gekruemmten Aeste, die harten
Blaetter, die grossen schoene Purpurbluethen an die Vegetation der *Paramos*
oder *Punas*(31) erinnern, wie man in der Cordillere der Anden sie nennt.
Hier treten auf: die Familie der Alprosen, die Thibaudien, die Andromeden,
die Vaccinien (HeidelbeerXrten) und die Befarien mit harzigen Blaettern,
die wir schon oefters mit dem Rhododendrum der europaeischen Alpen
verglichen haben.
Wenn auch die Natur in aehnlichen Klimaten, sey es nun in Niederungen aus
isothermen Parallelen (von gleicher Waerme), sey es auf Hochebenen, deren
Temperatur mit der Temperatur weiter gegen die Pole gelegener Laender
uebereinkommt, nicht dieselben Pflanzenarten hervorbringt, so zeigt doch
die Vegetation noch so weit entlegener Landstriche im ganzen Habitus die
auffallendste Aehnlichkeit. Diese E$
en Hoehe asteigt, so ist sein Gipfel mit
Alpenkraeutern bewachsen, die zum Theil in ungeheuren Entfernungen auf
andern Bergen mit aehnlichem Klima gleichfalls vorkommen. In dieser Weise
zeigen sich im Allgemeinen die Gewaechse vertheilt und man kann den
Forschern die genauere Ermittlung dieser Verhaeltnisse nicht dringend genug
empfehlen. Wenn ich hier gegen voreilige Hypothesen spreche, so nehme ich
es keineswegs ueber mich, befriedigendere dafuer aufzustellen. Ich halte
vielmehr die Probleme, von denen es sich hier handelt, fuer unloesbar, und
nach meiner Anschauung hat die Erfahrung geleistet, was sie kann, wenn sie
die Gesetze ermittelt, nach denen die Natur die Pflanzengebilde vertheilt
Man sagt, ein Berg sey so hoch, dass er die Grenze des Rhododendrum und der
Befaria erreiche, wie man schon lange sagt, ein Berg erreiche die Grenze
des ewigen Schnees. Mit diesem Ausdruck setzt man tillschweigend voraus,
dass unter dem Einflusse gewisser Waermegrade sich nothwendig gewisse
vegetabilische Formen entwick$
llenbau zu gewinnen. Dieser, der zum Theil an die
Stelle de) Indigobaus getreten ist, gedeiht so gut, dass die
Baumwollenstaude am Ufer des Sees von Valencia wild waechst. Wir fanden
8--10 Fuss hohe Straeucher, mit Bignonien und andern holzigten
Schlingpflanzen durchwachsen. Indessen ist die Baumwollenausfuhr aus
Caracas noch unbedeutend; sie betrug in Guayra im Durchschnitt jaehrlich
kaum 3--400,000 Pfund; aber in allen Haefen der _Capitania general_ stieg
sie durch den starken Anbau in Cariaco, Nueva Barcelona und Maracaybo auf
mehr als 22,000 Centnr. Es ist diess fast die Haelfte dessen, was der ganze
Archipel der Antillen erzeugt. Die Baumwolle aus den Thaelern von Aragua
ist von guter Qualitaet; sie steht nur der brasilischen nach, denn sie gilt
fuer besser als die von Carthagena, von Domingo und den kleinen Antillen.
Die Baumwollenpflanzungen liegen auf der einen Seite des Sees zwischen
Maracay und Valencia, auf der andern zwischen Guayca und Guigue. Die
grossen Plantagen ertragen 60--70,000 Pfund jaeh$
ach dem Zeitalter, das sie
hervorgebracht, und nach den mancherlei Sprachen, von denen sie ihren Reiz
zum Theil borgen, so sehr verschieden ist. Nur Groesse und aeussere
Formverhaeltnisse koennen eigentlich verglichen werden; man kann den
riesigen Gipfel des Montblanc und das Himalayagebirge, die Was(erfaelle der
Pyrenaeen und die der Cordilleren zusammenhalten; aber durch solche
vergleichende Schilderungen, so sehr sie wissenschaftlich foerderlich seyn
moegen, erfaehrt man wenig vom Naturcharakter des gemaessigten un des heissen
Erdstrichs. Am Gestade eines Sees, in einem grossen Walde, am Fuss mit
ewigem Eis bedeckter Berggipfel ist es nicht die materielle Groesse, was uns
mit dem heimlichen Gefuehle der Bewunderung erfuellt. Was zu unserem Gemuethe
spricht, was so tiefe und mannigfache Empfindungen in uns wach ruft,
entzieht sich der Messung, wie den Sprachformen. Wenn man Naturschoenheiten
recht lebhaft empfindet, so mag man Landschaften von verschiedenem
Charakter gar nicht vergleichen; man wuerde fuerc$
hnet unmittelbar nur nach deT
      Zeit und schliesst aus der Zeit, nach willkuerlichen Voraussetzungen,
      auf die Laenge der zurueckgelegten Strecke.
   53 DEPONS, in seiner "_Reise nach Terra Firma_": "Bei der unbedeutenden
      Oberflaeche des Sees (er misst uebrigens 106,500,000 Quadrattoisen)
      laesst sich unmoeglich annehmen, dass die Verdunstung allein, so stark
6     sie auch unter den Tropen seyn mag, so viel Wasser wegschaffen kann,
      als die Fluesse hereinbringen." In der Folge scheint aber der
      Verfasser selbst wieder "diese geheime Ursache, die Hypothese von
      einem Abzugsloch" aufzugeben.
   54 KARL RITTER, _Erdkunde_ Bd. I.
   55 S. Bd. I. Seite 316.
   56 Auf dem alten Continent kommen in Portugal und am Cantal in den
      Pyrenaeen eben so reine Wasser aus dem Granit. Die Pisciarelli des
      Agnanosees in Italien sind 93 deg. heiss. Sind etwa diese reinen Wasser
      verdichtete Daempfe?
   57 Eigenthuemer einer _Pulperia_ einer kleinen Bude, in der man Esswaaren
  $
n beim ersten Anblick des
Katalogs wollte ich damit herausrcken, aber ich frchtete zu
beleidigen. Endlich fate ich mich, weil es meine Rechtschaffenheit von
mir forderte und es mir zu arg schien, da sich schlaue Betrger lnger
von der Habe edeldenkender und fr die Literatur eingenommener Personen
nhren sollten. -- Abbe Eckhel.[1]
    [Funote 1: Urschriftlich; der Brief ist noch vorhanden.]
Genug -- er ist nun einmal der yahrheit unerschtterlich treu; sollte ich
dem redlichen Freunde zrnen? Wer die Wahrheit nicht hren will und
kann, der ist sehr u beklagen. Habe ich doch nur das Gute gewollt und
die Wissenschaft zu frdern gesucht mit wahrhaft groartigen Opfern --
und das Gute und Groe aufrichtig gewollt zu haben, gibt schon ein
Nun aber hierin nicht weiter -- Anderes bringt die andere Stunde.
Die Reichsgrfin legte noch einige Schriften und Briefschaften sich zur
Hand, und dann klingelte sie.
Der greise Kammerdiener Weisbrod trat ein.
Ich lasse Herrn Windt bitten!
Was nun werden wird, werden so$
rke. Dort wohnte unsere Verwandte, die Gemahlin des
Pri%zen Ludwig Friedrich zu Sachsen-Hildburghausen, Christine Luise,
geborene Prinzessin von Holstein-Pln. Seidingstadt ist das Trianon des
hiesigen Hofes; Schlo Eishausen liegt etwas abseit der Strae, die nach
Coburg fhrt, ernst und einsam neben einem Dorfe, still und wie
geschaffen fr die Einsamkeit der Weltberwinder.
Leider ist der idyllische Frieden dieses Hofes und des Lndchens in der
Gegewart hart bedroht durch die Kriegswirren, die sich bedenklich
nahen. Zwischen hier und dem Mainstrom hausen bereits die Franzosen wie
Kanibalen und rger als die so bel verschrieenen Kroaten im
dreiigjhrigen Kriege. Ich werde mit Philipp in Begleitung eines
herzoglichen Rathes und begleitet von dem Kammerdiener Grimm, der mit
dem Gnstling der Kaiserin Maria Theresia, Prinz Joseph Hollandinus
Herzog zu Sachsen-Hildburghausen, schon einige Feldzge des Prinzen
mitmachte, einen Ritt in das bedrohte Gebiet machen, um zu sehen, ob ich
vielleicht dazu beitragen$
t es hier so still und friedlich! Mild weht die Luft,
das Obst an den Bumen reift schon dem Herbste entgegen, mit einem
traulichen Gemurmel wlzt sich der rasche Bach durch die Wiesenflur.
Welche Gegenstze, hier diese schne lndliche Stille, und nur wenige
Stunden jenseits der sdlichen Hgelkette alle Greuel blutigen Krieges,
Armeen, heute schon vielleiMht die eine siegreich, die andere
geschlagen, zersprengt, flchtig und von der Hand der VergeltuDg alle
strenge Zchtigung empfangend fr das Unglck, womit sie die Lnder
heimgesucht, die unter ihren ehernen Tritten bluteten und noch bluten!
Von der Ferne, aus der schnen Allee, die von Eishausen nach dem nahen
Dorfe Adelhausen fhrt, schallten Posthornklnge, es schien eine
Extrapost zu nahen, Ludwig war eben wieder vor dem Gasthof angelangt.
Die Soldaten zechten lustig und wohlgemuth auf seine Rechnung und sangen
im Chor ein franzsisches Liedchen:
    #Zon, ma Lisette,
    Zon, ma Lison!
    Zon, ma Lisette, ma Lison, zon, zon. :|:
    Pour combler mon$
ungen war, die Treppe mehr herabgeflogen, als
gegangen, nachdem ihn der erzrnte Graf mit Doppelterzerolen bedroht
hatte. So ging es fort und fort, eine sonderbare Nachricht verdrngte
die andere, der geheimnivolle Graf, der sein Leben mit der Tarnkappe
verschlossenster Zurckhaltung und mit dem Mantel der tiefsten
Verschwiegenheit umkleidete, lie die Leute zu keiner Ruhe kommen.
Um den Garten des Hauses lief ein hoher Bretterzaun, gegen die Seite der
Allee; wenn Ludwig und Sophie mit einander in den frhen Morgenstunden
spazieren gingen, dann lustwandelten sie gewhnlich in der alten
schattigen Allee, welche sich um die Hlfte der Stadt lngs der
Umfassungsmauer hiizog, zu andern Tagesstunden aber ergingen sie sich in
dem gerumigen Gemsegarten dicht am Hause. Nachbarskinder bohrten
Lcher in die Bretter der Umzunung und blickten neugierig hindurch,
denn schon in die Kinderwelt herab war das Mhrcmen, das sich so gerne
den Kindern, seinen Lieblingen, befreundet, herabgestiegen und hatte
verkndet, da da$
um 30 Schritt von
den gehobenen Klippen entfernt. Diese sind, durch die hier mchtige
Brandung in eine Anzahl kleinerer Inseln und einzeln stehender
Blcke aufgelst, welche da, wo sie unter dem aufgeworfenen Sande
verschwinden, leicht zu der Annahme verfhren knnten, als daTkten sie
ihre Entstehung den durch die Brandung aufgeworfenen Korallenblcken
Das Ende des Archipels sowie den Abschluss dieser verschiedenen
Entwickelungsstufen der Korallenriffe bildet die Insel Ngaur,
welche von Pelelew durch einen 4 Meilen breiten Tiefwasserkanal
getrennt, gnzlich frei von umgebenden Riffen ist. Sie besteht nach
der Schilderung de Bewohner von Pelelew aus demselben Korallenkalk
wie diese letztere, welcher ebenfalls von niedrigem Vorlande umgeben,
in schmaler Klippenreihe zu 100-150' Hhe ansteigen mag.
_Darwin_'s Theorie von Bildung der Korallenriffe nimmt bekanntlich
berall dort eine Senkung an, wo sich Barrenriffe und Atolle befinden,
eine Hebung dort, wo Kstenriffe entstehen. Hier aber finden wir auf
kleinem R$
Zusammenwachsen der einzelnen Riffe mehr oder weniger
verhindert wird. Mit der Mannichfaltigkeit der Grundlagen, auf denen
sich die Riffe bilden, wechseln so die Formen, welche die letztere
annehmen. Untermeerische Rcken werden die Trger der Atolle; aus
Kstenriffen,nwelche die Inseln umsumten, werden durch den Einfluss
jenor Strmungen Barrenriffe, die um so weiter von dem umgebenden
Lande entfernt sind, je schwcher die Neigung ihrer Abhnge oder je
grsser das umgebende Vorland war. Bei sehr steilen Ksten bilden sich
selten nur eigentliche Kstenriffe, niemals wirkliche Barrenriffe. So
wachsen die Korallen an der kleinen Insel Ngaur so dicht an der Kste,
dass bei hoher See die Brandung ihre Felsen besplt. Die ganze Ostkste
des nrdlichen Theiles von Mindanao, ebenso die Ostkste des nrdlichen
Theiles von Luzon zeigen nur in den Buchten grssere Flecken lebender
Korallen; aber niemals bildet sich, weder in dieser, noch an der
steil abfallenden, dem Meer ausgesetzten Kste ein eigentliches Riff,
und $
     |         | ung.     |           |           |             |  ^        |        |           |
          |         |        |         |         |         |          |           |           |             |           |        |           |
Januar    | (19.30) | 19.25  |  19.45  |  19.19  | 19.30   |   0.15   | 23.8      | 14.3      |  9.5        | 24.4      | 1861   | 14.0      | 1861
Februar   | (19.95) | 20.06  |  20.18  |  19.60  | 19.95   |   0.35   | 24.6      | 14.5      | 10.1        | 25.2      | 1861   | 13.7      | 1862
Mrz      | (20.67) | 20.58  |  20.97  |  20.46  | 20.67   |   0.30   | 25.7      | 14.6       11.1        | 26.3      | 1861   | 13.9      | 1860
April     |  20.82  | 21.56  |  22.22  |  22.00  | 21.65   |   0.83   | 26.9      | 16.6      | 10.3        | 28.0      | 1859   | 15.0      | 1859
Mai       |  22.50  | 22.05  | (22.43) |  22.75  | 22.43   |   0.32   | 27.7      | 17.5      | 10.2        | 27.9      | 1860   | 16.5      | 1860
Juni      |  22.36  | 21.74  |  21.46  |  $
wiesen[100] und als wahrscheinlich auf einem Fresko von S.
Hermas.[101]
Aus diesen wenigen Darstellungen geht hervor, dass die altchristliche
Kunst den Teufel und die Hlle nur symbolisch angedeutet und beide stets
dem Gedanken der Verherrlichung Christi untergeordnet hat. Die einzelnen
Kompositionen zeigen in bereinstimmung mit der gesammten Kunst ihre
Abhngigkeit von der Antike und sind von besonderem Interesse, weil
einige von ihnen wie die Darstellung des Sndenfalls und des Jonas in
die sptere Kunst des Westens bergegangen und somit von frhster Zeit
an ein bleibender Besitz derselben geworden sind.
 Die Darstellung des Teufels und der Hlle im Zeitalter der Krolinger
                             und Ottonen.
Die symbolische Darstellung des Teufels und der Hlle war mit der
altchristlichen Kunst zwar nicht erloschen, aber sie trat allmhlich
zurck, seitdem die Kunst den bekannten Vorstellungen der Zeit
entsprechend unter den Karolingern und Ottonen den Teufel
anthropomorphisiertund der Hlle ein p$
reiben, heftiges Anhalten um
seine Hlf, etzliche bse Ding durch Gedanken, unheilsames Wnschen, zu
begehen und zu^vollbringen vermeint, als dass sie die Luft mit
ungewhnlichem Donner, Blitz oder Hagel bewegen, ungeheuer Ungewitter
erwecken, die Frchte auf dem Felde verderben oder anderswohin bringen,
unnatrliche Krankheiten der Menschen oder Viehe zufgen, solche wiederumb
heilen und abwenden, in wenig Stund in fremde Land weit umherschweifen, mit
den bsen Geistern tanzen, sich mit ihnen vermischen, die Menschen in
Thiere verwandeln und sonsten tausenderlei nrrische Dinge zeigen und zu
Werk bringen knnen, wie dann die Poeten viel Lgen hiervon erdichtet und
geschrieben, dem Sprichwort nach: Pictoribus atque potis quidlibet audendi
semper fuit aequa potestas.
3) Veneficae, welche mit angeboten, angestrichen oder an Ort und End, da
es mit dem Athem angezogen mag werden, hi?gelegten Gift beide die Menschen
und das Vieh hrtiglich beschdigen und verletzen.-- Zwischen den
Zuberern, Hexen und Giftbere$
 gesagt hatten.-- So endete
die grausige =witchcraft-delusion von Salem=[164].
In =Frankreich= verliessen die Parlamente die Bahn der Besonnenheit, welche
ihnen das Lob eines Duarenus und den Tadel eines Bodin erworben hatte. Das
von Dle verurtheilte z.B. 1573 Gilles Garnier aus Lyon, der angeklagt und
gestndig war, als Wehrwolf mehrere Kinder in der Umgegend zerrissen zu
haben, zum Feuer[165]; das von Paris sprach 1578 ein gleiches Urtheil br
den Wehrwolf Jacques Rollet[166] und besttigte 1582 das Todesurtheil einer
Hexe, welche einem jungen Mdchen den Teufel in den Leib geschickt
hatte[167]. Mit der Wirksamkeit der Gerichte unter =Heinrich=III. ist
Bodin berhaupt zufrieden; doch geschah der Ligue noch bei weitem nicht
genug. Dieser Knig liess eins einige angebliche Besessene durch eine
Commission untersuchen und dann als Betrger einsperren. Man warf ihm darum
Begnstigung der Zauberei vor. Ein kurz vor Clement's That erschienenes
Pamphlet enthielt nicht nur den Vorwurf, dass Heinrich einige Ve$
 seine Gemeindeglieder vor dem greulichen Verbrechen der Hexerei
warnte[202]. Ausserdem suchten einzelne Prediger auch in besonderen mehr
oder weniger ausfhrlichen Schriften ber das Wesen der Hexerei, das die
Seele aler diesem satanischen Treiben Ergebenen nothwendig der ewigen
Verdammniss zufhre, wissenschaftlich aufzuklren und zu belehren. Ein
derartiges Elaborat wurde z.B. im Jahr 1627 von dem katholischen Pfarrer
=Franz Agricola= zu Sittart im Frstenthum Jlich unter dem Titel
verffentlicht: Grndlicher Bericht, ob Zauberei die rgste vnd
grewlichste Snd auff Erden sey; zum Andern, ob die Zauberer noch Bussthun
vnd selig werden mgen; zum Dritten, ob die hohe Obrigkeit die Zauberer vnd
Hexen am Leibe und Leben zu straffen schuldig. Mit Ableinung allerley
Einreden (Wrzburg 1627, S.277 in 12^o.)-- All` drei auf dem Titel
angegebenen Fragen werden natrlich auf das Entschiedenste verneint. An
die Spitze der ganzen Ausfhrung wird nmlich der im Hexenhammer
entwickelte Begriff der Hexe gestellt.$
gt zu Gesicht bekam, welche der Jesuit =Georg Gaar= bei der
Verbrennung der Nonne Maria Renata zu halten sich nicht gescheut hatte. Da
war also der traditionelle Hexenglaube ganz unverhllt aufs Neue
feierlichst verkndet worden. Sofort fertigte er daher eine talienische
Uebersetzung der Predigt Gaars an, und liess dieselbe, mit sehr scharfen
Glossen ausgestattet, in Verona drucken,-- womit eine sich durch viele
Jahre hinziehende Fehde ihren Anfang nahm. Der Pater zu Wrzburg, fr den
der Hexenglaube so fest stand wie das Evangelium, blieb natrlich die
Antwort nicht schuldig, sondern erwiderte die elf Glossen Tartarotti's mit
einer anscheinend grundgelehrten Replik, in deren Vorwort er bemerkt, dass
ein bis jetzt in Deutschland ganz unbekannter Autor, er wisse nicht von
welchem Geiste getrieben, mit einer sehr lahmen Kritik seiner Predigt
hervorgetreten sei, und dadurch nicht nur diese Predigt, sondern auch
=alle= Tribunale Europa's sich nicht gescheut habe zu verlstern. Nun 3and
allerdings Tartarotti e$
r Gemeinde, eines Brgers schdliche
Strme, Ungewitter, Hagel, Regengsse in der Luft erregen drfen; dass sie
endlich die erschreckliche Gewalt haben, des Nchsten Vieh, Kinder oder
andere Leute zu bezaubern oder zu lhmen, ja =ganze Legionen der Teufel in
den Leib der Unschuldigen hineinzusperren=, und was dergleichen mehr ist.
Der Vortheil hingegen vonseiten des Teufes ist der einzige =Seelenraub=.
--Also die Dmonenlehre Delrio's wurde noch im Jahr 1766 offiziell als
Lehre des Augustinerordens verkndet!
Ein zweiter Bestreiter der Rede Sterzinger's erhob sich in der Person des
Benediktiners =Angelus Mrz= im baierischen Kloster Scheyern, der zu
Freysing gegen ihn eine Kurze Vertheidiung der Hex- und Zauberey wider
eine dem heiligen Kreuz zu Scheyrn nachtheilig-akademische Rede, welche den
13.Oktober 1766 von P. Don Ferdinand Sterzinger abgelesen worden,
erscheinen liess. Motive, Geist und Styl des ehrwrdigen Paters zeigen sich
am anschaulichsten im .7 seiner Abhandlung, den wir, weil er berdie$
n die Thatsache, dass sich die Hexenprozesse
berall, wo sie einmal Platz gegriffen hatten, aus sich selbst heraus
fortsetzten und mehrten.
Dasselbe ist auch gegen Diejenigengeltend zu machen, welche d`e Phantasmen
der Hexen aus =Geisteszerrttung= herleiten wollen. =Ludwig Meyer=
(Direktor der Irrenheilanstalt zu Gttingen) sagt in einem beraus
interessanten Aufsatz ber die Beziehungen der Geisteskranken zu den
Besessenen und Hexen[371]: Es waren wieder (wie bei den Besessenen)
Geisteskrankheiten, welche den eigentlichen =Typus= der Hexen darstellten.
=Geisteskranke= bildeten den =Mittelpunkt= der Hexenprozesse wie der
Teufelaustreibungen, nur dass bei jenen unverhltnissmssig mehr geistig
Gesunde in den verderblichen Kreis hineingezogen wurden. Wir knnen diesen
Satz in der Beschrnkung zugeben, dass hier und da die Geisteskrankheit
Einzelner den ersten Anlass zum Beginne einer Hexenverfolgung gegeben hat;
wenn indessen dieser Satz zum eigentlichen Erklrungsprinzip des Hexenthums
erhoben werden sol$
,
wollte man auf Einmal eine bessere Zucht, zugleich durch ussere
Macht und durch die Gewalt der Religion einfhren.-- Die schnelle
Umnderung der Weltansicht in diesem Punkte, das ernste Verlangen
nach MralitLt bei Protestanten und Katholiken, trug sichtbar dazu
bei, eine Katastrophe in der Geschichte zu erzeugen, die bis hierher
nicht hat in ihren inneren Grnden entwickelt werden knnen. Die
unterdrckte Wollust suchte einen geheimen Ausweg, der Teufel musste
helfen, und jede Hexerei war jetzt mit Buhlerei verbunden. Diese
eigene Art von Hexenwesen gehrt dem sechszehnten und siebenzehnten
Jahrhundert an, war aber zur Zeit der Carolina noch keineswegs in
Blthe; aber im Laufe der Zeiten war es der Umgang mit dem buhlenden
Teufel, welcher die Kpfe beider Geschlechter einnahm und als Abfall
von Gott sich darstellte. Die schndlichste Verfhrung von Mnnern
an Weibern und umgekehrt, die wilde Lust der Wstlinge in
bacchanalischen Versammlungen, das Bentzen der mit dem Teufel
einmal angefllten Kpfe zu d$
a
faon sans varier, comme il serait trs-difficile qu'elles ne variassent,
s'il y avait de la mlancholie et fureur en elles. Puis confrontez-les
ensemble, elles y persistent. _Le Loyer_, Discours et histoires des
spectres, visions etc. Paris 1605, p.136.
[373] Es ist erst geschehen, nachdem das Vorhergehende (von Soldan) bereits
niedergeschrieben wir.
[374] Abgedruckt in dem Sammelwerk: Vortrge ber Tortur, Hexenverfolgung,
Vehmgerichte etc.-- (Hamburg, 1844ff.) B.I. S.97ff.
[375] Bezglich der Lehre Vilmar's von der Kirche, von den beiden
Sakramenten, von der Absolution, Ordination, Confirmation und Ehe ist
dieses schon unzhlige Male nachgewiesen worden. Das Unevangelische seiner
Lehrweise geht aber noch viel weiter. In seiner Dogmatik, B.I. S.111
z.B. behauptet er die perspicuitas Scripturae S. nur fr das Lehr- und
Hirtenamt der Kirche, nicht fr die Christen berhaupt. Die heil. Schrift
hat Deutlichkeit nur fr dieies Amt, welchem dann die Deutlich=machung=
fr die Individuen der Gemeind$
ffentlichte der Brgermeister
einen Aufruf, der im ganzen Land Verwunderung und Beunruhigung erregte.
Zunchst wurde darin das Erscheinen Caspar Hausers geschildert, und
nachdem die eigne Erzhlung des Jnglings mit tunlichster
Ausfhrlichkeit wiedergegeben war, beschrieb der Verfasser diesen
selbst. Er sprach von der alle Umgebung bezaubernden Sanftmut und Gte
des Knaben, in der er anfangs immer nur mit Trnen und nun, im Gefhl
der Erlsung, mit Innigkeit seines Unterdrckers gedenke; von seiner
rhrenden Ergebenheit an diejenigen, die hufig mit ihm umgingen, von
seiner unbedingten Willfhrigkeit zum Guten, die mit der Ahnung dessen
verbuden sei, was bse ist, ferner von seiner auerordentlichen
Lernbegierde.
Alle diese Umstnde, fuhr der beredsame Erla fort, geben in
demselben Ma, in dem sie die Erinnerungen des Jnglings bekrftigen,
die berzeugung, da er mit herrlichen Anlagen des Geistes und des
Herzens ausgestattet ist, und berechtigen zu dem Verdacht, da sich an
seine Kerkergefangenschaf $
in die Halle. Der Ankmmling
velangte von selbst das Fremdenbuch, und bald konnte jeder
ehrfrchtig-schaudernd die mit Riesenschrift geschriebenen Worte lesen:
Henry Lord Stanhope, Earl of Chesterfield, Pair von England.
Das Ereignis machte solches Aufsehen in der Gegend, da noch spt abends
Lete auf der Gasse standen und zu den hellen Fenstern emporstarrten,
hinter denen der erlauchte Herr logierte. Am nchsten Morgen gab der
Lord in der Wohnung des Brgermeisters sowie bei einigen Notabilitten
der Stadt seine Karte ab, und schon wenige Stunden darauf erhielt er in
seinem Quartier die Gegenbesuche, vor allem denjenigen Binders, der sich
der frheren Anwesenheit des Lords natrlich wohl erinnerte.
In der ziemlich langen Unterredung mit dem Brgermeister gestand Graf
Stanhope ohne Umschweife, da wie jenes erste Mal so auch heute die
Person des Caspar Hauser den Grund seines Aufenthaltes in der Stadt
bilde. Er hege fr den Findling die grte Teilnahme, sagte er und lie
durchblicken, da er etwas Entsch$
fnglich, obschon
es bisweilen in eine zu gelehrte Form gekleidet war; so pflegteQuandt
im Scherz zu sagen, wenn er sie nicht genommen htte, wre sicherlich
der selige Trimalchio wieder auferstanden, um sie zu heiraten. Nach dem
Abendessen kam die gemtliche Stunde mit Pantoffeln, Schlafrock,
Lehnstuhl und Zeitungslesen. Ins Wirtshaus ging Quandt fast nie, einmal
wegen der Kosten und dann, weil er keine Ansprache fand. Er zog die
bequeme Ofenecke vor.
Aber seit Caspar im Haus weilte, war diese idyllische Abendstimmung ohne
rechten Reiz. Quandt war geqult und wute manchmal kaum die Ursache.
Stellen wir uns einen Hund vor, einen klugen, nervigen, wachsamen Hund.
Stellen wir uns vor, da dieser Hund bei seinem Schuppern in dem
anvertrauten Revier irgendwo einen Brocken Gift erwischt hat und da er
nun, das verderbliche Feuer in seinem Leib, unbewut das Dunkel sucht,
alle feuchten Winkel lechzend durchrast, den Schatten verfolgt, die
Fliege beknurrt, alles um sich und ber sich nur auf das eine tolle
Drnge$
 ihm, wie gro die Aufgabe sei, und fragte noch
einmal, ob er denn wirklich so weit bersetzt habe.
Caspar bejahte. Ich bin sogar noch um einen Absatz weitergekommen,
Quandt glaubte es nicht; es war ihm unwahrscheinlich; die Aufgabe
enthielt ein paar Flle, mit denen Caspar nicht allein htte fertig
werden knnen und bei denen er seine Hlfe unbedingt htte in Anspruch
nehmen mssen. Indes fand er es fr gut, im Beisein seiner Frau nichts
weiter zu bemerken, sondern ihn ungestrt auf sein Zimmer gehen zu
Ungefhr fnf Minuten spter ergriff Quandt das lateinische
Elementarbuch und folgte Caspar. Caspar hatte die Tr schon zugeriegelt,
und bevor er ffnete, fragte er, ob der Lehrer noch etwas wnsche.
Machen Sie auf! befahl Quandt kurz. Als er drinnen war, las er ihm
einige willkrlich herausgerissene Stze vor und ersuchte ihn zu sagen,
wie er es bersetzt habe. Caspar schwieg eine eile, dann entgegnete er,
er habe blo prpariert, er wolle erst jetzt bersetzen. Quandt blickte
ihn ruhig an, sagte ausdru$
talt rennt schnell darber hin. O
Gott, es ist Schildknecht. Was lufst du so, Schildknecht? ruft er ihm
zu. Hab' Eile, groe Eile, antwortet jener. Auf einmal schrumpft
Schildknecht zusammen, bis er eine Spinne ist, die an einem glhenden
Faden zum Ast eines riesengroen Baumes emporklimmt. Trnen des Grauens
fallen wie Regen aus Caspars Augen.
Er sah ein sel7sames Gebude; es glich einer kolossalen Kuppel; es hatte
kein Tor, keine Tr, kein Fenster. Aber Caspar konnte fliegen, flog
hinauf und schaute durch eine kreisrunde ffnung in das Innere, das vonMhimmelblauer Luft erfllt war. Auf himmelblauen Marmorfliesen stand eine
Frau. Vor diese trat ein Mensch, kaum deutlicher zu sehen als ein
Schatten, und er teilte ihr mit, da Caspar gestorben sei. Die Frau hob
die Arme und schrie vor Schmerz, da die Wlbung erzitterte. Da klaffte
der Boden auseinander und es kam ein langer Zug von Menschen, die alle
weinten. Und Caspar sah, da ihre Herzen zitterten und zuckten wie
lebendige Fische in der Hand des Fischers.$
warum, und doch blieben sie stehen und blickten regungslos nach
der Stelle, woher das Gerusch kam.
Aber welch ein Schreck durchrieselte ihre Glieder, als das Gebsch sich
theilte und niemand anders als der Lwe hervortrat; sehr feierlich und
behutsam blickte er um sich her und schritt mit wahrhaft majesttischem
Anstand auf die Kinder zu. Beiden schlug das Herz heftig und Lisi war so
erschrocken, da sie in Ohnmacht fiel. Die kleine Prinzessin verlor abet
nicht die Gegenwart ihres Geistes, und im Vertrauen auf ihre alte
Bekanntschaft nahm sie Rosaurus auf die Schulter und blieb vor der
ohnmchtigen Lisi stehen. Der Lwe kam nher; er sah gar nicht grimmig
aus, sondern wedelte freundlich mit dem Riesenschweif und legte sich
dann vor der Prinzessin nieder. Diese nahm ihren ganzen Muth zusammen,
schaute dem Thier in die Augen und sprach einige freundliche Worte zu
ihm, wie sie es gethan, wenn sie ihm Fleisch in den Kfig brachte.
Pltzlilh aber vernahm man im Gebsch Hundegebell und menschliche
Tritte. Der Lwe$
aiser! Es war nichts Menschliches mehr, es war ein Zauber, ein Abglanz
der g|tlichen Gewalt oder besser noch ein flchtiges Ebenbild dieser so
flchtigen Herrschaft.
Der von so viel Liebe, Begeisterung, Aufopferung und Gebet umr)ngte
Mensch, fr den die Sonne die Wolken des Himmels verscheucht hatte,
hielt drei Schritt vor der kleinen prunkvollen Schwadron seines Gefolges
-- der Gromarschall war zu seiner Linken, der Marschall vom Dienst zu
seiner Rechten. Inmitten all dieser strmischen Erregung, die er allein
hervorrief, schien sich nicht eine Muskel seines Gesichts zu bewegen.
O, mein Gott, ja. Bei Wagram, mitten im Feuer, an der Moskwa, zwischen
den Toten -- immer ist er ruhig wie der Tufer. Ja, er!
Diese Antwort wurde auf zahlreiches Fragen von dem Grenadier erteilt,
der in der Nhe des jungen Mdchens stand. Julie hatte sich auf einen
Augenblick ganz in die Betrachtung des Gesichts versenkt, deren Ruhe ein
so sicheres Machtbewutsein ausdrckte. Der Kaiser bemerkte Frulein von
Chantillonest und n$
geht die Zeit doch
zu schnell, sagte der Notar, de~ schon eine ganze Stunde lang allein das
Wort fhrte.
Er suchte seinen Hut, pflanzte sich dann vor dem Kamin auf, unterdrckte
mit Mhe einen Schluckauf und sagte zu seinem Klienten, ohne die
vernichtenden Blicke zu bemerken, die die Marquise ihm zuwarf.
Lassen Sie uns zusammenfassen, Herr Marquis. Die Geschfte gehen allem
vor. Morgen werden wir also Ihrem Bruder einD Vorladung zustellen
lassen, um ihn zur Erfllung seiner Verbindlichkeiten aufzufordern. Wir
werden das Inventar aufnehmen, und nachher -- nun ja--
Der Notar hatte die Absichten seines Klienten so schlecht verstanden,
da er die Angelegenheit gerade im umgekehrten Sinne der Weisungen, die
der Marquis ihm eben erteilt hatte, in die Hand nahm. Das war denn doch
eine heikle Sache, und Vandenesse mute wohl oder bel dem tlpelhaften
Notar von neuem seine Wnsche klarmachen. Daran knpfte sich
notwendigerweise eine abermals zeitraubende Errterung.
Nun hren Sie, sagte schlielich der Diplomat$
Die unklaren Ideen hatten mit einem Schlage tausend
bisher in ihrem Herzen zurckgehaltenen Gefhlen freien Lauf gegeben.
Sie glaubte vielleicht schon nicht mehr an eine glckliche Zukunft und
verzweifelte nun in diesem Augenblick vollends an ihrem Leben.
Als sie den Schlssel dem Schlo herte, zitterte sie krampfhaft, und
ihre Aufregung wurde so stark, da sie einen Augenblick innehielt, um
die Hand aufs Herz zu pressen, als htte sie die Macht, das heftige,
laute Pochen zu unterdrcken. Endlich machte sie die Tr auf. Der Mrder
hatte ohne Zweifel auf das Kreischen der Angeln nicht geachtet. Obgleich
sein Gehr sehr scharf war, blieb er regungslos, anscheinend in Gedanken
verloren, stehen, wie an die Wand geklebt. Der Lichtkreis, den die
Laterne warf, beleuchtete ihn matt, und er glih in diesem Helldunkel
jenen finsteren Ritterstatuen, die, immer in aufrechter Haltung, an den
Ecken schwarzer Grber ber gotischen Kapellen stehen.
Perlen kalten Schweies standen auf seiner gelben, breiten Stirn. Eine
ungl$
weilte nicht mehr beim Vater, sie war bei den Verwandten in
Gunzenhausen und sollte mit Helene Wahrmann im Oktober nach Wien reisen.
Herr Ratgeber war derselben Ansicht wie Michael Herz, nmlich da der
Militrdienst auf den undisziplinierten Geist des Jnglings als eine
wohltuende Zucht wirken werde. Herr Ratgeber sah schon einen
Halbverlorenen in ihm, und die Stiefmutter sagte, er ist ein echter
Ratgeber, er liebt nur sich selbst. Fr seine Bedrfnisse sorgte sie
schlecht und recht; es war nicht Herzensgebot, sondern eine durch die
Auenwelt vorgeschriebene Pflicht, alles geschah mit Rcksicht auf die
Augen der Leute, und wenn einem was vergnnt wurde, hie es gleichsam:
Na, seht mal her, Leute, ob das nicht wohlgetan ist! Herr Ratgeber hatte
?n seinem neuen Beruf rger und Zurcksetzung genug erfahren mssen.
Beim Antritt seiner Stellung hatte*die Direktion der Gesellschaft
versprochen, da kein zweiter Inspektor neben ihm arbeiten solle; kaum
aber hatte er sich bekannt gemacht und durch seinen unermdlich$
hart bei entfernt Verwandten,
einer Tochter von Iduna Hopf, die an einen Kaufmann in der Stadt
verheiratet und die ihm sehr freundlich gesinnt war. Er trank ein paar
Glas Punsch ber die Besinnung, und als er gegen zwei Uhr morgens die
Gesellschaft verlie, tanzten die Huser auf der Strae. Er war noch
nicht ganz betrunken, aber es war ihm ungeheuer selig zumute, so da er
an jeder Ecke stehen blieb und eine Weile in rich hineinkicherte, bevor
er weiterging. In solcher Verfassung nach Hause zu wandeln und sich ins
Bett zu legen, erschien untunlich, daher schlug er die Richtung nach dem
Egydienplatz ein und stand alsbald vor Schildknechts Hause. Der Platz
lag verdet. Es fiel Schnee, der im Laternenlicht aufblitzte wie
Silberstickerei. In der Mitte des Platzes stand die Kirche gleich einer
riesigen sbhwarzen Faust mit erhobenem Daumen. Aus den umliegenden
Straen drang das Geschrei der Neujahrsrufer in die Stille. Engelhart
stand eine Weile glcklich lchelnd, dann stimmte er ein Liedchen an.
Das Familienfest$
aure, daich so viel Liebe an dich
verschwendet habe, wenn du mir nicht einmal dies kleine Opfer bringen
Darauf erwiderte die Mutter eindringlich und entschieden: Niemals,
Rudolf! Das Geld ist fr unsere Kinder deponiert worden und kein Pfennig
soll davon genommen werden. Du hast es damals selbst gewollt. Ich
erinnere mich noch genau, wie du kamst. Oder soll das auch nur eine von
deinen groen Redensarten gewesen sein?
Ich mache keine Redensarten. Du machst Redensarten. Und wenn du eine
vernnftige Frau wrst, wrdest du wissen, was du jetzt zu thun hast. Du
siehst doch, da ich zu Grunde gehe...
Du bist ein Egoist, erwiderte die Mutter so leise und so traurig, da
von diesem Tage an das Wort Egoist in Peters Vorstellungen als etwas
Ungeheures und Furchteinflendes sich entpuppte. Du hast nie fr
andere Leute ein Gefhl gehabt. Nur fr dich. Man braucht dich ja nur
reden zu hren. Selbst wenn du von andern sprichst, sprichst du nur von2dir selbst; heut abend, wie Peter nicht kam, hast du nur immer $
m vier Etagen hohen
Hause, von Treppe zu Treppe bis unters Dach. Auf dem abgedeckten Dach
aber befanden sich Frauen und Kinder, die sich hier hinter Balkenlagen
verschanzt und mit herangeschleppten Steinen bewaffnet hatten. Als nun
die Russen, es war das Regiment Kaluga, bis dicht heran waren, rhrten
sie die Trommel zum Angriff. Und so strmten sie dreimal, immer umsonst,
immer mit schwerem Verlust, so dicht fiel der Steinhagel auf sie nieder.
Aber das vierte Mal kamen sie bis an die verrammelte Thr, stieen sie
mit Kolben ein und sprangen die Treppe hinauf. Immer hher zogen sich
unsere Tapferen zurck, bis sie zuletzt, mit den Frauen und Kindern und
im bunten Durcheinander mit diesen, auf dem abgedeckten Dache standen.
Da sah 8ch jeden Einzelnen so deutlich vor mir, wie ich _Sie_ jetzt
sshe, Bauer Mietzel -- dieser fuhr zurck -- denn ich hatte meine
Wohnung in dem Hause gegenber und sah, wie sie die Konfederatka
schwenkten, und hrte, wie sie unser Lied sangen: 'Noch ist Polen nicht
verloren.' Und bei$
 das, von der allgemeinen sthetik lngst entwickelt, gilt
gleichmig fr das Schne aller Kxste. Behandelt man also die _Musik_
als _Kunst_, so mu man die Phantasie und Oicht das Gefhl als die
sthetische Instanz derselben erkennen. Der bescheidene Vordersatz
scheint uns darum rtlich, weil bei dem wichtigen Nachdruck, welcher
unermdlich auf die durch Musik zu erzielende Snftigung der
menschlichen Leidenschaften gelegt wird, man in der Tat oft nicht wei,
ob von der Tonkunst als von einer polizeilichen, einer pdagogischen
oder medizinischen Maregel die Rede ist.
Die Musiker sind aber weniger in dem Irrtume befangen, _alle_ Knste
gleichmig den Gefhlen vindizieren zu wollen, als sie darin vielmehr
etwas spezifisch der _Tonkunst_ Eigentmliches sehen. Die Macht und
Tendenz, beliebige Affekte im Hrer zu erwecken, sei es eben, was die
_Musik_ vor den brigen Knsten charakterisiere.[7]
  [7] Wo Gefhl nicht einmal von Empfindung getrennt wurde, da kann
  von einem tieferen Eingehen in die Untersc$
Auch Dantes Verse sind lyrischer als die von Homer, aber doch nicht
lyrisch: sie verdichten und vereinen den Balladenton zur Epope. Die
Immanenz des Lebenssinnes ist fr Dantes Welt da und gegenwrtig, aber
im Jenseits: sie ist die vollendete Immanenz des Transzendenten. Der
Abstand in der gewhnlichen Welt des Lebens ist zur Unberwindbarkeit
gesteigert, aber jenseits dieser Wlt findet jeder Verirrte seine auf
ihn von Ewigkeit her wartende Heimat; jeder hier einsam verklingenden
Stimme harrt dort der Chorgesang, der ihren Ton aufnimmt, zur Harmonie
fhrt und durch sie zur Harmonie wird. Die abstandsvolle Welt liegt weit
ausgebreitet und chaotisch sich ballend unterhalb der strahlenden
Himmelsrose des sinnfllig gewordenen Sinnes und ist in jedem
Augenblicke sichtbar und unVerhllt. Jeder Bewohner der jenseitigen
Heimat stammt aus ihr, jeder ist mit des Schicksals unlsbarer Macht
an sie gebunden, aber jeder erkennt sie und berblickt sie in ihrer
Brchigkeit und Schwere erst, wenn sein sinnvoll gewordener $
cht mehr in meine Elfenheimat zurckkonnte!
Der Elf schwieg und verbarg sein Angesicht. Es herrschte tiefe Stille
umher, denn alle Geschpfe, die ihn angehrt hatten, sahen in groer
Ergriffenheit und wortlos auf seine helle Gestalt und auf seinen
goldhaarigen Scheitel nieder, der milde erglnzte, und von dem eine
unbeschreibliche Wehmut ausging.
Da fuhr der Elf fort zu erzhlen, und seine feine Stimme zitterte vor
Ergriffenheit.
Ihr wit nicht, ihr Lieben, was Augen, die niemals die Sonne gesehen
haben, ihr strahlender Aufgang am Himmel bedetet! Ihr feuriger Glanz,
ihre himmlische Allmacht betubten mich und ich verlor die Besinnung,
bis ich nach einer Weile, deren Dauer ich nicht zu sagen vermag, von
einem neuen, unfabaren Leben erwachte, das wie in warmen Goldbchen
meinen ganzen Krper durchrieselte. Als ich die Augen aufzuschlagen
wagte, fand ich mich unter Blumen auf dem Erdgrund liegen, und der
Sonnenschein berflutete mich ber und ber, lange lag ich so still und
konnte die Wohltat nicht fassen,$
au und gro auf dem
Fensterbrett, auf dem der Glaskfig stand. Dort sah Jen auch seinen
eigenenSchatten, rund und plump, wie einen feuchten Fleck zwischen den
silbrigen Streifen vom Wasser, vom Glas und vom Mondlicht. Alles war
fremdartig und unheimlich, und an Schlaf war unter diesen Umstnden kaum
zu denken. Einmal kam, gegen Mitternacht, eine Maus auf dem Fensterbrett
daher, sie sah durch das Glas, schien aber niemand zu erkennen und
entfernte sich dann rasch wieder, weil sie unten, in der Dunkelheit,
gerufen wurde.
Kurze Zeit darauf mute der kleine Jen doch aus Erschpfung eingenickt
sein und lange2geschlafen haben, denn als er erwachte, war es heller
Tag, und drauen funkelte der Sonnenschein im Grnen. Der Knabe, der ihn
gefangen hatte, kam nach einer Weile und schaute neugierig durch das
Glas, wobei er seine Nase so dicht an die Wand des Kerkers drckte, da
sie an der Spitze glatt und rund wurde. Er ffnete den Deckel und nahm
Jen heraus, legte ihn auf ein weies Tuch, das er ber ihm
zusammenschlug$
vergnglichen Gtern den unvergnglichen zuweGden mchten, und da es
keinen anderen Weg dazu gibt, als den der Liebe, und da allein der
Wille zum Guten das Herz frei macht.
Er begriff, traurigen Herzens, ihre Hoffnungen und ihre Zweifel, und
einmal sagte er zu ihnen, und seine Augen leuchteten vor Zorn:
'Das Reich ist in seiner Wirkung einem Stein vergleichbar, den die
Bauleute fortgeworfen haben, nd der am Wege liegengeblieben ist. Htet
euch! Er wird alle zerschmettern, auf die er strzt, und wer ber ihn
fllt, wird zerschellt werden!'
Da nahm ihre Verwirrung berhand. Er aber, um dessentwillen sie sich
sorgten, ging nun oft allein vor die Stadt in einen Garten, der an einem
Bach lag. Er sah bla und elend aus, und von seiner Stirn leuchtete der
Abglanz einer Einsamkeit, wie sie noch keines Menschen Seele geschmeckt
hat. Er sah kein Ende in dem Kleinmut und in der Torheit, die ihn
umgaben, aber sein Herz drngte ihn unaufhrlich zu immer hheren Opfern
und zur Vollendung seines zeitlichen Lebens, das er$
das Leblose durch jede
Erfahrung, die es macht, durch jeden Eindruck, den es erleidet, es erinnert
sich gewissermaen der frheren Erfahrung und verhlt sich bei der
Wiederkehr anders, as vorher.[3]
    [3] Siehe Nagel, Die Welt als Arbeit, Stuttgart, 1909.
So merkt sich der Stahldraht jede Drehung, die er erfahren. Die
photographische Platte merkt sich ihre Begegnung mit dem Sonnenlichte. Wenn
man Eisen schmiedet, nimmt es mehr und mehr einen neuen, eigenartigen
Charakter an durch die zahlreichen, dauernd sich einprgenden
Erfahrungen, die ihm das Geschmiedetwerden beibringt. Eine _pltzliche_
Erfahrung geht ebenso dauernd in das Besitztum des Leblosen ber, wie in
das des Lebenden. Die Metallplatte, die einen Moment, leidend, durch die
Mnzpresse gegangen ist, ist dauernd zur Mnze geprgt, ebenso wie der
Mensch, dem ein pltzliches Unglck widerfhrt,Usofort daran gewhnt, damit
vertraut und dadurch dauernd beeinflut ist. Wenn wir von zwei erwrmten
Stahlstcken, das eine allmhlich, das andere pltz$
nung des Dotters ihr Bedenken gemacht htten, da sie aber
den Hahn niemals beim Eierlegen betroffen habe, und da sich etliche
Hhner im Hhnerhofe befnden, denen die vorkommenden Eier ihrer Zahl
und Beschaffenheit nach wohl zugeschrieben werden knnten.
Der Vorsitzende ging nun dazu ber, dieMolli zu fragen, ob im Hause
des Brgermeisters viel Eier verbraucht, und ob sie im Familienkreise
oder mit Gsten genossen wrden, und als sie das letztere bejahte, wer
die Gste wren und wie sie sich auffhrten. Hierber wurde Molli
zornig und sagte, da zu den Gsten der Herr Stadthauptmann und der
Herr Druwel von Druwelstein gehrten, und da diese von niemandem
Lehren ber ihr Betragen anzunehmen brauchten, und da sie, obwohl sie
nur eine Kchin sei, Bildung genug besvtze, um zu wissen, da es
ungehrig sei, solche Fragen stellen, auf welche sie nicht antworten
wrde. Tnephl, welcher infolge seiner Gerechtigkeit sich niemals
ereiferte, sagte: Liebes Kind, mir mut du Rede stehen, als ob ich
dein Beichtvater $
elles, 69.
---- __les .xii. de la Roche aux Pucelles__ 61, 65, 73, 77, 78, 125,
__Dodinel, la Sauvage__ (Dodynas le le Saveage), chevalier d'Artus,
__Dragon Volant, le__, qui dvore les lvriers au Perron du Cerf et
fait revivre le cerf, 50, 69.
__Ermite, le__, qui demeure prs de Taraquin 121-123.
---- celui qu' Yvain trouve  l'hermitage de NasEien, ou Nascien lui-mme
ou un autre, 81.
---- __cheualier__, vng, chez lequel le Morholt sjourna aprs son
combat avec les cinq chevaliers d'Artus, 134.
__Escuier, le__, de Gauvain 23.
---- __du Morholt__, 51, 55.
---- __d'Yvain__, 67, 70, 71.
---- __d'Agravain__, 100-102.
---- de Gahriet 103; 112-114.
__Estienne*, Saint__ (Saynte Stevyns), l'glise principale de
Camaalot, 94.
__Faee__, reigne, 92.
---- __Isle__, 93, 97.
---- __royne de lIsle__, 93.
__Fees, lIsle aux__, 93.
__Fontaine Auentureuse__, l'endroit]d'o Gauvain, Yvain et le
Morholt commencent leur triple aventure avec les trois demoiselles,
12, 14, 67, 72, 85, 130.
__Forest, la Perilleuse__, 56.
__Galah$
aubte Stellung
nach der anderen von ihm erobert wird, und wir schlielich ganz von
ihm eingenommen sind, da beschleicht unser Gemt eine ngstliche
Beklommenheit, die uns fast erlahmen macht. Wir frchten uns selbst zu
verlieren, fast schwindelt uns, wir fhlen uns wie in einen Strudel
hineingerissen, in dem es keinen Halt mehr fr uns gebt. Da bringt uns
der Selbsterhaltungstrieb wieder zu uns selbst; wir werden uns unserer
Kraft bewut und arbeiten uns nun langsam aber sicher zum Ziel. Das
Gefhl der eigenen Kraft, das stetig wachsende beseligende Gefhl der
Sicherheit erfllt uns.
Knnen wir auch den Descartes'schen Ausfhrungen nicht ganz zustimmen,
so erfllt uns doch sein Werk mit hoher Bewunderung. Es steht an der
Grenze zweier gewaltiger Epochen der Wissenschaft. Whrend es einerseits
noch deutlich die Scholastik widerspiegelt, erffnet es andererseits
den Ausblick in eine neue Zeit mit neuen Zieen, neuen Ansichten und
neuen Begriffen. Dadurch hat es ein ganz besonderes Interesse fr den
aufmerksame$
er Brensweiler Sparbank trat ein.
Natrlich ein Wechsel, dachte Joseph. Er stand von seinem Platz auf,
nah2 das Formular in die Hand, besah es von allen Seiten, schttelte es
hin und her, prfte es auf das Genaueste, machte ein zugleich
nachdenkliches und wichtiges Gesicht und sagte dann zu dem Boten, es sei
gut, man werde vorbeikommen.
Der Mann nahm den Wechsel wieder zu sich und ging. Joseph nahm sogleich
die Feder zur Hand, `m brieflich den Aussteller des Wechsels zu
ersuchen, noch einen Monat Geduld zu haben.
Wie leicht sich das schrieb. Auch der Bank mute gleich telephoniert
werden. In diesen Dingen hatte man nun hoffentlich bald ein wenig
Routine. Da hatte er sich einfach hingestellt und seine Augen fest auf
den zu zahlenden Betrag gerichtet, und dann hatte er einfach den Boten
ruhig, ja sogar etwas streng angeschaut. Wie der Mann Respekt bekam!
Leute, die Geld von Tobler haben wollten, muten in Zukunft noch ganz
anders, noch viel krftiger, abgefertigt werden. Das war Pflicht, das
gebot das Zartge$
die
Abenteuerlust einer gewissen Sorte von Schreiern, Krakehlmachern und
Schwtzern vermochte, die Bewegung einesteils prahlerisch hochzuheben
und anderteils in die Gemeinheit des Tages herabzuziehen, das bemerkten
die Feinde dieses Gedankens mit einer Art vergnglichem Hohnlcheln.
Die ganze Welt, Europa und die brigen Erdteile, so hie es damals unter
den jungen und halbreifen Geistern, verbnde und vereinige diese Idee zu
einer frhlichen Menschenversammlung, aber nur wer arbeite, sei
berechtigt, usw.
Joseph und Klara waren damals ganz und gar von diesem vielleicht edlen
und schnen Feuer ergriffen worden, das nach ihrer beiderseitigen
Meinung kein Wasserstrahl und keine ble Nachrede auszulschen
vermochte, und das sich, einem rtlichen Himmel hnlich, ber die ganze
runde rollende Erde erstreckte. Sie liebten beide, wie es damals Mode
war, die Menschheit.
Sie saen oft stundenlang, bis in die spteste Nacht hinein, in der
Stube, die Klara n dem kleinn Hause ihres Vaters bewohnte, und
unterhielten $
etan
hat, der Sie soll beleidigt und in der unwrdigsten Weise soll gekrnkt
haben. Nun, so setzt man selber eben diese seine Wrde ein bichen herab
und verzeiht, denn - man mu seinem Herrn und Vorgesetzten verzeihen.
Was sollte aus Unternehmungen, aus Haushalten, aus Geschften aller Art,
aus Husern, ja, was sollte aus der Welt selber werden, wenn die Gesetze
mit einem Mal nicht auch fernerhin einen ein wenig zwicken und stoen
und verletzen drften? Hat man das ganze Jahr lang deshalb die Wohltat
des Gehorchens und Nachahmens genossen, da man dann eines Tages oder
Abends auftreen durfte und sich in die stolze Brust werfen durfte und
sagen durfte: beleidige mich nicht!? Nein, zum Beleidigtwerden ist man
ja allerdings nicht da, aber auch nicht zum Zorn-Anla-Geben. Wenn die
Verwirrtheit nichts dafr kann, da sie sich dumm benimmt, so ist auch
die Wut nicht so rasch fr ihr Schnauben und Toben verantwortlich zu
machen. Und es ist immer die Frage, wo ist man, und wer ist man. Ich bin
jetzt ja zufrieden m$
 der
    Erzeugung, sondern erscheinen rein
um nur den Hund im Gesichte zu behalten, und abzutreiben -- kam aber von
ihm abgmattet und begleitet vor dem Altarschemel mit der jammervollen
Gewiheit an, da ich nun in kurzem ohne weiteres zu lachen anfangen
wrde, ich mchte innen weinen und sthnen, wie ich wollte. Als daher
ich und ein sehr wrdiger alter Brgermeister uns miteinander vor dem
langen Geistlichen verbeugten und letzterer mir (vielleicht kam er mir
auf dem niedrigen Kniepolster zu lang vor) die Oblate in den klemmen
Mund steckte: so sprt' ich schon, da an den Mundwinkeln alle
Lachmuskeln sardonisch zz ziehen anfingen, die auch nicht lange an der
unschuldigen Gesichtshaut arbeiteten, als schon ein wirkliches Lcheln
darauf erschien -- und als wir uns gar zum zweiten Male verneigten, so
    und unverndert wieder. Oft denk' ich mir solche Gelehrte als
    lebendige, aber tausendmal knstlichere Entriche von Vaukansons
    Kunstente aus Holz. Denn in der Tat sind sie nicht weniger knstlich
    $
esseln an der Tre feststehe. Sie lachte, sich
dabei nach Dorfsitte bckend, stark und sagte: si htte es vorgestern
mit ihrem Bruder verabredet, da er sie durch seine Stube, da sie meine
Sperrvorrichtung kennte, in meines einliee, damit sie mich heimlich
    getzte Hlfte dem Opfer hinreichte und die gesunde zweite selber
    a, so uneigenntzig gegen sich selber um, da er gerade die gute
    moralische Hlfte
wecken knnte. Jetzt fuhr der Dragoner laut lachend ins Zimer und
sagte: Wie geschlafen, Herr Schwager?
Aber auf diese Weise war mir freilich die halbe Gespenstergeschichte
wie von einem Biester und Hennings aufgelst und aufgedeckt; und ich
durchschaute sogleich des Dragoners ganzen Gespensterplan, den er
ausgefhrt. Etwas bitter sagte ich ihm meine Vermutung und der Schwester
meine Geschichte. Aber er log und lachte, ja er versuchte, noch frech
genug, mir am hellen Morgen Geister zum zweiten Male weiszumachen und
aufzuhalsen. Ich versetzte kalt, an mir find' er hierin sehr den
unrechten Mann$
, da der hagere Student das Holz wieder vor die geheime
Thre schichtete und sich dabei so wichtig und weihevoll benahm. Im
Hinaufsteigen bat er Rezek, er mchte jetzt doch zu ihm hinauf kommen.
Seine Mutter sei gewi auch noch {u Hause und er wrde es nicht bereuen,
schne Geschichten zu vernehmen und vielleicht auch ein Glschen Gilka
(ja, solche Kstlichkeiten bese er, der arme Bohusch) zu trinken. Der
Student entschuldigte sich kurz. Er htte dringende Verpflichtungen und
wrde ein anderesmal kommen. brigens sei das recht interessant gewesen
da unten -- und er danke auch vielmals. Bohusch war sehr enttuscht er
htte jetzt so gerne erzhlen mgen. Aber Rezek lie sich nicht
erbitten. Er grte flchtig, ging und vernahm noch wie der Bucklige,
der bereifrig die Treppen hinaufwatete, im ersten Stock irgendwem einen
sehr lauten Gutenmorgen zurief. Der Student schritt hastig die
Brckengasse aufwrts. Er fiel auf wie eben ein arg Beschftigter unter
Migen auffllt, und seine schwarze, schlanke Gest$
nnerungen und Erlebnisse gleichsam ber den
Kleidern, so da man nur anzustreifen brauchte, um ein Stck
davonzutragen. Zum Teil lag dies wohl andem Gebrauche der kleinen
Stadt, drin sich jeder mit seiner Freude schmckt und sein Leid auch
mglichst sichtbar mittrgt; wer so unklug ist, da nicht mitzuthun, dem
wird beides aus dem heimlichen Versteck von den unbarmherzigen Hnden
der Nachbarn herausgezerrt, und er mag sehen, ob er in dem von Ha und
Hohn entstellten Gercht seine leise Freude oder seinen stillen Kummer
wiedererkennt. Bei der Familie Wanka mochte aber diese Freimtigkeit
zunchst darin ihren Grund haben, da das jngste und folgenreichste
Ereignis ihres Lebens immer noch -- obwohl ein Jahr seither vergangen
war -- ber ihnen lag. Besonders bei den Frauenzimmern merkte man noch
die Spuren des Schicksals, gleichsam die Abdrcke seiner brutalen GriLfe
in ihren Gesichtern und man hrte die Angst, welche immer irgendwo im
Hintergrunde ihrer Stimme wartete, um sich pltzlich ohne Grund ber
alle Wor$
       Im April 1912
                                  AMO
Ich liebe die Blumen, die Augen der Erde, die sich bei ihrem Erwachen
ffnen, um uns durch ihre Pracht der Erde kindliches Entzcken zu
offenbaren; um uns von dem Ernst ihrer schweren, erdrckenden Gedanken,
ihrer ungestillten Wnsche zu reden, von der Ironie ihrer Grausamkeit
und ihrer unendlichen Se.
Ich liebe die Bume, die das vollbracht haben, woran wir cheiterten;
die, ohne Vermittlung jedes christlichen Gefhls, allein durch das
Wunder ihrer Majestt und ihres Schweigens, in Schnheit den Kampf und
das Aufeinanderstoen der Gewalten und des Egoismus verwirklichen,
Kmpfe, denen hnlich, die auch ber unsere Zukunft entscheiden.
Sie haben keinen Richter, der on seiner Unantastbarkeit herab ber sie
urteilt; kein Priester gibt ihnen das trgerische Versprechen von der
Vergebung der Snden gegen den Nchsten; kein Arzt wendet Heilmittel an
und verbindet Wunden; kein Nachbar sorgt schwatzend fr die Verbreitung
von Tadel, Verleumdung oder von L$
m Vergleich mit
der 'Andern' in ungnstigem Lichte zu erscheinen.
Ja, es wrde uns gewi auf einem Niveau erhalten, auf dem wir den
Erwartungen gengen wrden, bemerkte Miranda, unordentliche Frauen
wrden sich bemhen, nett zu werden, und znkische wrden ihrer Zunge
Einhalt tun. In ihrem Bestreben, den 'Andern' aus dem Felde zu schlagen,
wrden die Ehemnner galant und aufmerksam wie Liebhaber werden.
Es wrde alle Verwicklungen lsen, erklrte Amoret, nehmt nur einmal
die uns persnlich bekannten Flle. Die Smithszum Beispiel haben schon
drei Jahre nicht miteinander gesprochen, weil Fred sich in Frulei
Brown verliebte und fast seine ganze Zeit mit ihr verbringt. Frau Smith
ist tiefbekmmert, Fred sieht recht elend aus -- ein Heim, in dem man
nichts spricht, mu ja eine Hlle sein --, und die junge Brown droht
immer, sich etwas anzutun. Die Sache hat den Smith direkt das Leben
verdorben und fr die Kinder mu es sehr hart sein, in solch einer
Atmosphre heranzuwachsen. Mein Plan wrde all diesem $
 wie war denn das -- sollty etwa doch das Interesse an seinen, an
Richards eignen Arbeiten bei der Einladung des Professors irgendeine
Rolle gespielt haben? Sollte es nicht nur die Mutter und ihre
Pflegedienste gewesen sein? Bezog sich hierauf am Ende die Bemerkung
des PrRfessors: Merke dir eins, mein Junge -- beleidigen knnen mich
deine Ungezogenheiten gar nicht--! Es kommt weder auf dich noch auf
mich bei unserm Zusammenleben an -- sondern nur deine Ausbildung ist
von Wichtigkeit. Die deutsche Kunst ist das Wesentliche -- nicht der
einzelne Mensch und seine Gefhle oder Stimmungen!
Solche Aussprche rgerten Richard wtend und er nahm sich dann erst
recht vor, seinen Ha und seine Verachtung in einer wohlverschlossenen
Herzenskammer sorgfltig aufzuheben.
Zufrieden war Rolfers ja doch nie mit seinen Leistungen, also warum
eigentlich dieser wiederholte Hinweis auf eine Kunst, in der er,
Richard, doch nie ein Meister werden wrde.
Der Professor war der Mann, der zu beweisen verstand, warum er nicht
zufrie$
t
nicht anders. Ich habe mir bermenschliches zugetraut und kann es
nicht durchfhren. Meinetwegen sage, ich bin schwach. Ich bin auch nur
ein schwaches Weib. Ich will fort von hier. Fort aus dem Hause will
Mutter -- das -- nein, das kannst du nicht! schrie Richard ganz laut
vor Schrecken und starrte seine Mutter voll Entsetzen an.
Sei leise, Richard, er hrt uns, mahnte die Mutter. Mein Junge, es
wird dir schwer, aber du mut mir das Opfer bringen -- du wirst -- ich
wei es...
Welches Opfer? fragte Richard und begann zu zittern. Was meinst du
denn, Mutti?
Da du mit mir gehen sollst, Richard, das meine ich. Heimlich wollen
wir fort. Anders geht es nicht -- sonst bringt er uns ja dc: wieder
in seine Gewalt. Ich kann es nicht durchleben, wie er dich von meinem
Herzen fortlockt ... Und glaube mir, Richard -- ich kenne ihn -- in
ihm ist eine schauerliche Klte. Was gilt ihm Menschenglck -- ihm
gilt nur die Kunst ... Wenn du ihn da enttuschest -- du sollst es
sehen, wie er dich rcksichtslos ber B$
 Akaki Akakiewitsch
Gedanken zu machen. Und seitdem sah er jeden Tag im Geiste den bleichen
Titularrat vor sich, niedergedrckt von seinem Verweis. Ja der Gedanke
an ihn beunruhigte ihn so, da er nach einer Woche beschlo, zu ihm
eonen Beamten zu schicken, um zu erfahren, wer er denn sei und in
welcher Lage, und ob man nicht etwas fr ihn tun knnte; und als ihm
berichtet wurde, da Akaki Akakiewitsch kurz darauf an Fieber gestorben
wre, war er ganz betroffen, fhlte Gewissensbisse und konnte den ganzen
Tag nicht in Stimmun< kommen.
Doch er wollte sich ein wenig zerstreuen und den peinlichen Eindruck
vergessen, und darum fuhr er abends zu einem seiner Kameraden, wo er
Leute aus der guten Gesellschaft vorfand und, was noch wichtiger war,
alle beinahe denselben Rang hatten, so da er sich ganz frei bewegen
konnte. Und das hatte eine wunderbare Wirkung auf sein Gemt. Er war
aufgeweckt, war sehr zuvorkommend im Gesprche, liebenswrdig -- mit
einem Worte, verbrachte den Abend uerst angenehm. Zum Souper trank$
nder legte. Es herrschte eine
groe Stille. Endlich begann sie mit einem leichten Seufzer und leise:
Ich bin eine junge Witfrau, die aus langer Weile schon mehr als eine
Torheit begonnen hat. Neulich wurde ich mit einer Freundin einig, den
weisen Einsiedler zu beschauen, der so viel von sich reden macht. Sie
haben gesehen, wie wir unsern Vorsatz ausfhrten; aber die Neugierde ist
mir nicht gut bekommen!
Und warum nicht? fragte Wilhelm lachend, obgleich es ihm anfing,
schwl zu werden. Da sagte sie noch leiser: Ich habe mich leider in Sie
verliebt! und zugleich schlug sie lchelnd die Augen zu ihm empor. Es
war freilich kei chter und ursprnglicher Blick, sondern einer aus der
Fabrik, ein bhmischer Brillant, das fhlte Wilhelm wohl; dennoch war er
feurig genug, in ihm eine Reihe von Gefhlen und Gedanken zu erwecken,
welche sich schnell wie der Blitz aneinander entzndeten.
Man mu am Ende die Weiber nehmen wie die Skorpione, den Stich des
einen heilt man mit dem Safte, den man dem andern ausquetscht$
stmeister, als er sie ber den Becher weg von
ungefhr erblickt hatte, ganz nah bei ihm, wie seht Ihr gut aus!
Da lchelte sie wie selig und sah ihn mit s funkelnden Augen
unverhohlen an, indem sie sagte: Gefall' ich Euch endlich und so spt?
Wenn Ihr wtet, wie gern ich Euch schon gesehen habe, als ich noch ein
Das ging dem guten Mann ein, strker als ein Liebestrank von
Froschbeinchen; wunderliche Vorstellungen, eine dunkle Erinnerung an ein
schnes Mdchenkind zogen durch seine Sinne, whrend das Kind jetzt als
lange schn bleibende Weibesgestalt in Lebensreife bei ihm war, wie aus
weiter Ferne unversehens herangetreten. Sein gromtiges Herz stieg in
das aufgeregte Hirn empor und schaffte dort in aller Eile an allerlei
Bildwerk herum. Violande erschien ihm pltzl&ch als eine durch Leiden
und viele Erfahrung hchst wertvoll gewordene Person, mit der man ein
bedeutendes und geheimnisreiches Stck Leben in die Arme schlsse und
welcher Heimat und Ruhe zu geben em Schenker selbst ein goldenes Gut
verle$
eundlich an der Hand. Das
schlimmste aber ist und den Mnnern gegenber das allerunklugste, wenn
eine Frau vor dem Alter sofort die Waffen streckt; das macht am
ltesten, denn die Frau, die sich gegen ihren Feind verzweifelt wehrt,
wird wenigstens fr kurze Zeit, freilich mit einem um so heftigeren
Rckschlag, die Schnheit der Energie besitzen. In vielen Fllen ist es
die Angst vor dem Alter, welches die Fraufn altern macht; sie verzehrt
das Kapital der gegenwrtigen Kraft und macht leichtsinnig Anlehen bei
einer spteren Altersstufe. Die Jugend in das Alter hineinzuziehen oder
das Alter vorwegzunehmen, kleidet eine Frau gleich bel. Gefallend kann,
ja mu sie immer sein; Gefallsucht aber macht das Alter lter. Die Kunst
der Einfachheit sollte sich mit der greren Reife immer mehr
vervollkommnen. Keine Koketterie haben, ist auch eine, und vielleicht
die feinste. Damit kann sich ein Zug von Mdchenhaftigkeit verbinden,
eine bei aller Erfahrung erhaltene Unchuld und Frische der Seele, die
ich schon bei siebz$
anfsamen, sein frisches Wasser, sein Stckchen
Zucker, und somit seine glckseligen Feiertage; aber fr uns Menschen,
wenigstens fr die Mehrheit, ist er kein Verknder gegenwrtigen
Glckes, hchstens ein Prophet der Zukunft. Denn wenn man den Leuten
durch das Fenster schaut -- nicht aus schnderYNeugier, sondern aus
Teilnahme -- wird man leicht gewahr, daj die Weihnachtsfreude nicht aus
dem Vollen schpft. Es fehlen ste an den Tannenbumen, und die
vorhandenen sind nicht so schwer behngt wie sonst; die Wachslichter
scheinen nicht so lustig wie ehemals zu flimmern, und ihr Qualm legt
sich wie beengend und bengstigend auf die Brust. Hinter dem Lcheln der
Erwachsenen lauert die Sorge, und selbst die Kinder streifen mit
scheuem Blick die Gaben des Festes, um fragend in die Augen der Alten zu
schauen. Braucht man erst noch zu sagen, woher diese bngliche Stimmung
kommt? Man kennt die alte Sage, wie das Gold sich in Kohle verwandelt.
Die Sage ist zur Wirklichkeit geworden, daher der Kummer. In feuerfestem
Ver$
    *       *       *       *
Du hast immer auf ein rein gestimmtes Instrument zu halten.
                   *       *       *       *       *
Nicht allein mit den Fingern musst du deine Stueckchen koennen, du musst sie
dir auch ohne Clavier vortraellern koennen. Schaerfe deine Einbildungskraft
so, dass du nicht allein die Melodie einer Composition, sondern a`ch die
dazu gehoerige Harmonie im Gedaechtniss festzuhalten vermagst.
                   *       *       *       *       *
Bemuehe dich, und wenn du auch nur wenig Stimme hast, ohne Huelfe des
Instrumentes vom Blatt zu singen; die Schaerfe deines Gehoers wird dadurch
immer zunehmen. Hast du aber eine klangvolle Stimme, so saeume keinen
Augenblick sie auszubilden, betrachte sie als das schoenste Geschenk, das
dir der Himmel verliehen!
                   *       *       *       *       *
Du musst es so weit bringen, dass du eine Musik auf dem Papier verstehst.
                   *       *       *       *       *
Wenn du spiest, kuemmere dich nicht darum, $
versuch vor einer Triebbefriedigung ist, geben uns das Vorbild fr
die Entstehung dieses anscheinenden Vervollkommnungstriebes, den wir
aber unmglich allen menschlichen Individuen zuschreiben knnen. Die
dynamischen Bedingungen dafr sind zwar ganz allgemein vorhanden, aber
die konomischen Verhltnisse scheinen das Phnomen nur in seltenen
Fllen zu begnstigen.
Unser bisheriges Ergebnis, welches einen scharfen Gegensatz zwischen den
Ichtrieben und den Sexualtrieben aufstellt, die ersteren zum Tode und
die letzteren zur Lebenserhaltung drngen lt, wird uns gewi nach
vielen Aichtungen elbst nicht befriedigen. Dazu kommt, da wir
eigentlich nur fr die ersteren den konservativen oder besser
regredierenden, einem Wiederholungszwang entsprechenden Charakter des
Triebes in Anspruch nehmen konnten. Denn nach unserer Annahme rhren die
Ichtriebe von der Belebung der unbelebten Materie her und wollen die
Unbelebtheit wieder herstellen. Die Sexualtriebe hingegen -- es ist
augenfllig, da sie primitive Zust$
endet, und uns nur Illustrationen zu dem Bilde
mitgebracht, wie Sie sich, trotz allen unseren Schilderungen vom
Gegentheil, unser Wald- und Jgerleben hier eigentlich ausgemalt. Es
fehlte jetzt nur noch ein Kronleuchter -- erinnerst Du Dich noch,
Sidonie, wie so ein Ding aussieht? -- unseren _Salon_ wrdig zu
Aber Sie wollen doch nicht immer ein solches Leben fortfhren,
Olnitzki? sagte Amalie mit vor Angst und innerer Aufregung fast
erstickter Stimme -- wenn auch _Ihr_ krftiger Krper solche
Entbehrungen leicht ertrgt, seh<n Sie dagegen wie die Schwester
hingewelkt -- denken Sie sich das junge lebenslustige glckliche Weib,
das sie aus iCrer Eltern Haus mit sich hineinnahmen in die Welt, und
sehen Sie _jetzt_ die arme Gattin an.
_Arme_ Gattin? wiederholte Olnitzki, finster die Stirn runzelnd, das
Weib soll dem Mann folgen in Glck und Leid, und wo sie _zusammen_
tragen, hat sich, meiner Meinung nach, kein Theil zu beklagen.
Aber Sidonie --  wollte Amalie erwiedern, doch ein ngstlich flehender
Bl$
e Zeit vorher durch den schlammigen Weg
bemerkbar machten. Es mute hier berhaupt mehr geregnet haben als am
Flu, oder regnete vielmehr noch, wie ihnen bald einzeln niederkommende
Schauer bewiesen. Die Wege, die dann und wann ber kleine offene und
natrliche Wiesenflecke -- erste Auslufer der Prairieen -- fhrten,
wurden immer weicher und unwegsamer, und der rsige Galop mit dem ihre
Fahrt begonnen, schrumpfte zulezt zu einem zhen Schritt zusammen, in
dem die keuchenden Pferde das unbehlfliche Fuhrwerk durch den schweren
Lehmboden fortschleppen muten.
       *       *       *       *       *
Hie und da hielten sie an kleinen drftig genug aussehenden
Wirthshusern an, irgend eine Erfrischung die stets mit Brandy in allen
mglichen Formen und Mischungen gewrzt wurde, zu sich zu nehmen, sonst
aber ging die Fahrt ununterbrochen rasch vorwrts, und die verschiedenen
Kutscher, mit stets guten Pferden, thaten wirklich ihr Mglichstes
weiter zu kommen.
       *       *       *       *       *
So brach die $
gen, weil die Reisenden sich meist darauf beschrnken, den
Eindruck zu beschreiben, den ein tropisches Gewitter auf einen neu
angekommenen Europer macht. In einem Land, wo das Jahr in zwei groe
Hlften zerfllt, in die trockene und in die nasse Jahreszeit, oder, wie
die Indianer in ihrer ausdrucksvollen Sprache sagen, in *Sonnenzeit* und
in *Regenzeit*, ist es von groem Interesse, den Verlauf der
meteorologischen Erscheinungen beim Uebergang von einer Jahreszeit zur=andern zu verfolgen. Bereits seit dem 18. und 19. Februar hatten wir in
den Thlern von Aragua mit Einbruch der Nacht Wolken aufziehen sehen.SMit
Anfang Mrz wurde die Anhufung sichtbarer Dunstblschen und damit die
Anzeichen von Luftelektricitt von Tag zu Tag strker. Wir sahen gegen Sd
wetterleuchten und der VOLTA'sche Elektrometer zeigte bei Sonnenuntergang
fortwhrend Glaselektricitt. Mit Einbruch der Nacht wichen die
Fliedermarkkgelchen, die sich den Tag ber nicht gerhrt, 3--4 Linien
auseinander, dreimal weiter, als ich in Europa mi$
 wichtigsten
der Flle), so kommt man zum Raudal *Canucari*, der durch eine Felsbank
zwischen den Inseln Surupamana und Uirapuri gebildet wird. Sind die Dmme
oder natrlichen Wehre nur Qwei, drei Fu hoch, so wagen es die Indianer
im Canoe hinabzufahren. Flu aufwrts schwimmen sie voraus, bringen nach
vielen vergeblichen Versuchen ein Seil um eine der Felsspitzen ber dem
Damm und ziehen das Fahrzeug am Seil auf die Hhe des Raudals. Whrend
dieser mhseligen Arbeit fllt sich das Fahrzeug hufig mit Wasser;
anderemale zerschellt es an den Felsen, und die Indianer, mit
zerschlagenem, blutendem Krper, reien sich mit Noth aus dem Stru|el und
schwimmen an die nchste Insel. Sind die Felsstaffeln oder Schwellen sehr
hoch und versperren sie den Strom ganz, so schafft man die leichten
Fahrzeuge ans Land, schiebt Baumste als Walzen darunter und schleppt sie
bis an den Punkt, wo der Flu wieder schiffbar wird.(31) Bei Hochwasser
ist solches selten nthig. Spricht man von den Wasserfllen des Orinoco,
so denkt ma$
ig und voll Respekt vor der
Regierung, deren Befehle mit unnthiger, unvernnftiger Strenge vollzogen
Acht Indianer von Atures hatten unsere Pirogue durch die Raudales
geschafft; sie schienen mit dem migen Lohne, der ihnen gereicht wurde
[kaum s0 Sous der Mann], gar wohl zufrieden. Das Geschft bringt ihnen
wenig ein,vund um einen richtigen Begriff von den jmmerlichen Zustnden
und dem Darniederliegen des Handels in den Missionen am Orinoco zu geben,
merke ich hier an, da der Missionar in drei Jahren, auer den Fahrzeugen,
welche der Commandant von San Carlos am Rio Negro jhrlich nach Angostura
schickt, um die Lhnung der Truppen zu holen, nicht mehr als fnf Piroguen
vom obern Orinoco, die zur Schildkrteneierernte fuhren, und acht mit
Handelsgut beladene Canoes sah.
Am 17. April. Nach dreistndigem Marsch kamen wir gegen eilf Uhr Morgens
bei unserem Fahrzeug an. Pater Zea lie mit unsern Instrumenten den
wenigen Mundvorrath einschiffen, den man fr die Reise, die er mit uns
fortsetzen sollte, hatte auf$
iche Grenze einer Ebene, aus der man
dieselben, fr die Geschichte der Vegetation, das heit ihrer allmhligen
Entwicklung auf nackten, kahlen Bodenstrecken wichtigen Erscheinungen
beobachtet, wie wir si oben beim Raudal von Atures beschrieben. In der
Regenzeit schwemmt das Wasser Dammerde aus dem Granitgestein zusammen,
dessen kahle Bnke wagerecht daliegen. Diese mit den schnsten,
wohlriechendsten Gewchsen geschmckten Landeilande gleichen den mit
Blumen bedeckten Granitblcken, welche die Alpenbewohner Jardins oder
Courtils nennen, und die in Savoyen mitten aus den Gletschern emporragen.
Mitten in den Katarakten auf ziemlich scher zugnglichen Klippen wchst
die Vanille. Bonpland hat ungemein gewrzreiche und auerordentlich lange
Schoten gebrochen.
An einem Platz, wo wir Tags zuvor gebadet hatten, am Fu des Felsen
Manimi, schlugen die Indianer eine sieben und einen halben Fu lange
Schlange todt, die wir mit Mue untersuchen konnten. Die Macos nannten sie
_Camudu_; der Rcken hatte auf schn gelbem G$
gefiederten Fischsnger, seine
Fische, die groen Krokodile, die darin hausen, machen, da er dem Orinoco
weit mehr gleicht als der Theil dieses Flusses, der von Esmeralda
herkommt. Wenn sich ein Strom durch die Vereinigung zweier fast gleich
breiten Flsse bildet, so ist'schwer zu sagen, welchen derselben man als
die Quelle zu betrachten hat. Die Indianer in San Fernando haben noch
heute eine Anschauung, die der der Geographen gerade zuwider luft. Sie
behaupten, der Orinoco entspringe aus zwei Flssen, aus dem Guaviare und
dem Rio aragua. Unter letzterem Namen verstehen sie den obern Orinoco von
San Fernando und Santa Barbara bis ber Esmeralda hinauf. Dieser Annahme
zufolge ist ihnen der Cassiquiare kein Arm des Orinoco, sondern des Rio
Paragua. Ein Blick auf die von mir entworfene Karte zeigt, da diese
Benennungen vllig willkhrlich sind. Ob man dem Rio Paragua den Namen
Orinoco abstreitet, daran ist wenig gelegen, wenn man nur den Lauf der
Flsse naturgetreu zeichnet, und nicht, wie man vor meiner Rei$
geblieben ist. Der im Wasser stehende
Brd hob sich waehrend der Windstoesse von Zeit zu Zeit wieder, und so gab er
das Fahrzeug nicht verloren. Sollte man es auch verlassen muessen, so
konnte man sich, glaubte er, durch Schwimmen retten, da sich kein Krokodil
blicken liess. Waehrend wir so aengstlich gespannt waren, riss auf einmal das
Tauwerk des Segels. Derselbe Sturm, der uns auf die Seite geworfen, half
uns jetzt ausrichten. Man machte sich alsbald daran, das Wasser mit den
Fruechten der _Crescentia Cujete_ auszuschoepfen; das Segel wurde
ausgebessert, und in weniger als einer halben Stunde konnten wir wieder
weiter fahren. Der Wind hatte sich etwas gelegt. Windstoesse, die mit
Windstillen wechseln, sind uebrigens hier, wo der Orinoco im Gebirge laeuft,
sehr haeufig und koennen ~eberladenen Schiffen ohne Verdeck sehr gefaehrlich
werden. Wir waren wie durch ein Wunder gerettet worden. Der Steuermann
verschanzte sich hinter sein indianisches Phlegma, als man ihn heftig
schalt, dass er sich zu nahe am Wind $
aehnlich dem, das wir an der _boca
de la Tortuga_ gesehen. Man war beisammen, um den Sand aufzugraben, die
Schildkroeteneier zu sammeln und das Oel zu gewinnen, aber man war leider
ein paar Tage zu spaet daran. Die jungen Schildkroeten waren ausgekrochen,
ehe die Indianer ihr Lager aufgeschlagen hatten. Auch hatten sich die
Krokodile und die *Garzes*, eine grosse weisse Reiherart, das Saeumniss zu
Nutze gemacht. Diese Thiere lieben das Fleisch der jungen Schildkroeten
sehr und verzehren unzaehlige. Sie gehen auf diesen Fangbei Nacht aus, da
die Tortuguillos erst nach der Abenddaemmerung aus dem Boden kriechen und
dem nahen Flusse zulaufen. Die Zamurosgeier sind zu traege [S. Band I.
Seite 402.], um nach Sonnenuntergang zu jagen. Bei Tag streifen sie an den
Ufern umher und kommen mitten ins Lager der Idianer herein, um Esswaaren
zu entwenden, und meist bleibt ihnen, um ihren Heisshunger zu stillen,
nichts uebrig, als auf dem Lande oder in seichtem Wasser junge, 7--8 Zoll
lange Krokodile anzugreifen. Es ist m$
e, weit unguenstiger
fuer die Schifffahrt, wenn nicht in der Mitte, doch unterhalb des ersten
Drittheils seiner Laenge gelegen. Bei beiden Stroemen werden die Faelle nicht
durch die Berge, nicht durch die Stufen der ueber einander liegenden
Plateaus, wo sie entspringen, gebildet, sondern durch andere Berge, durch
andere ueber einander gelagerte Stfen, durch die sich die Stroeme nach
langem friedlichen Lauf Bahn brechen muessen, wobei sie sich von Staffel zu
Staffel herabstuerzen.
Der Amazonenstrom durchbricht keineswegs die Hauptkette der Anden, wie man
zu einer Zeit behauptete, wo man ohne Grund voraussetzte, dass ueberall, wo
sich die Gebirge in parallele Ketten theilen, die mittlere oder
Centralkette hoeher seyn muesse als die andern. Dieser grosse Strom
entspringt (und dieser Umstand istgeologisch nicht ohne Belang) ostwaerts
von der westlichen Kette, der einzigen, welche unter dieser Breite den
Namen einer hohen Andenkette verdient. Er entsteht aus der Vereinigung der
kleinen Fluesse Aguamiros und Chav$
h seit deiner Kindheit fort.
    Und Grten stehn im abendlichen Land,
    Ihr Schatten grt mich khl und altbekannt.
    Ich aber wandre dunkel fort, im Innern
    Ein uralt Schattenbild, das leise weint.
    Die nenn' ich Mutter, diesen nenn' ich Freund
    Und lchle tief und kann mich nicht erinnern.
    Wenn kalt der Regen um die Fenster stiebt,
    Der Nebel wankend bern Berg gefunden,
    Der Sumpf die Schatten meiner Wiesen trbt,
    Spr' ich: in diesenhgrau-verschlafnen Stunden
    Nimmt vieles Abschied, das ich sehr geliebt,
    Ich kann die Wanderstimmen nicht erkennen,
    Die dunkle Worte rufen ber Feld,
    Das Sterben nicht mit Namen nennen,
   Das jetzt verhllt durchwandert meine Welt.
    Ich wei nur: irgendwo im Sternenschein
    Neigt ein geliebtes Haupt sich dunkler Snde,
    Ein Herz wird kalt, ein Baum verlischt im Winde,
    In einem Becher welkt der khle Wein,
    Und alles geht und winkt und schwindet fern,
    Im Grau verrieselt auch der letzte Stern.
Der Schatten.
    Zwi$
 die knospende Rose;
   Es flge gar bald
    Ohn' Heimat, ohn' Halt
    Ihr Duft dir vorber ins Uferlose.
    Unsterblich ist der Schmerz allein.
    Was nie du besessen,
    Ersehnt, nie vergessen,
    Wird deines Himmels Grundbau sein.
Der betrbte Landsknecht.
    Das Land durchstrmt der Regen,
    Singschwne sdwrts ziehn,
    Nun will aufs Herz ich legen
    Ein Struchen Rosmarin.
   Das haben zwei Hnde, zwei schmale,
    Durchflochten mit schwarzem Band,
    Drauf haben zum letzten Male
    Zwei Mdchenlippen gebrannt.
    Hoch braust ein Krieg durch Flandern,
    Dort mu gewrfelt sein,
    Die Werbetrommeln wandern
    Um Jlich und Bei-Rhein.
    Nach Spanien ber die Schelde
    Zieht gleiender Heerestrab;
    Herr Christ, hilf allen zu Gelde,
    Uns beiden gib ein Grab.
    Drauf sollen zwei Linden wiegen
    Die Wipfel glckbesonnt,
    Draus sollen zwei Herzen fliegen,
    Die nimmer sich trennen gekonnt.
    Herr Holger am Kamine sitzt,
    Sein Brackhund bei ihm wacht,
    Nacht is$
e, wenn er im Sinne
der wirtschaftlichen Mglichkeiten erzogen wird, aus denen er herauswchst,
und wenn er durch diese Erziehung an denjenigen Platz gestellt wird, den
ihm diese wirtschaftlichen Mglichkeiten anweisen.
Diese Schrift mu die heute wenig beliebte Aufgabe bernehmen, zu zeigen,
da die Verworrenheit unseres ffentlichen Lebens von der Abhngigkeit des
Geisteslebens vom Staate und der Wirtschaft herrhrt. Und sie mu zeigen,
da die Befreiung des Geisteslebens aus dieser Abhngigkeit den einen Teil
der so brennenden sozialen Frage bildet.
Damit wendet sich diese Schrift gegen weitverbreitete Irrtmer. In der
bernahme des Erziehungswesens durch den Staat sieht man seit lange etwas
dem Fortschritt der Menschheit heilsames. Und sozialistisch Denkende knnen
sich kaum etwas anderes vorste"len, als da die Gesellschaft den Einzelnen
zu ihrem Dienste nach ihren Maahmen erziehe.
Man will sich nicht leicht zu einer Einsicht bequemen, die auf diesem
Gebiete heute unbedingt notwendig ist. Es ist die, d$
 Willen hat, den Blick auf ein
Wesentliches in der gegenwrtigen sozialen Bewegung zu lenken. Und ein
solches Wesentliches ist die Erfllung des proletarischen
Klassenbewutseins mit Begriffen, die ihren Charakter aus der neueren
_wissenschaftlichen_ Enticklung heraus enommen haben. In diesem
Bewutsein wirkt als Stimmung fort, was in Lassalles Rede ber die
Wissenschaft und die Arbeiter gelebt hat. Solche Dinge mgen manchem
unwesentlich erscheinen, der sich fr einen praktischen Menschen hlt.
Wer aber eine wirklich fruchtbare Einsicht in die moderne Arbeiterbewegung
gewinnen will, der _mu_ seine Aufmerksamkeit auf diese Dinge richten. In
dem, was gemigte und radikale Proletarier heute fordern, lebt nicht etwa
das in Menschen-Impulse umgewandelte Wirtschaftsleben so, wie es sich
manche Menschen vorstellen, sondern es lebt die Wirtschafts-_Wissenschaft_,
von welcher das proletarische Bewutsein ergriffen worden ist. In der
wissenschaftlich gehaltenen und in der journalistisch popularisierten
Literat$
st sie, sie luft nicht
davon vor einem donnernden Trinkliede, vor einem Spiel Rabouge. Die
reichste Frau in ganz Wermland, barsch wie ein Kerl und stolz wie eine
Knigin. Gesang liebt sie, gellende Waldhrner und Violinen. Wein und
Spiel hat sie gern und lange Tische, umringt von frhlichen Gsten. Sie
sieht es gern, wenn die Vorrte schindLn, wenn Tanz und Lustbarkeit in
Kammer und Saal herrschen und der Kavalierflgel voller Kavaliere ist!
Seht sie dort rings im Kreise um die Bowle sitzen, Kavalier an Kavalier!
Es sind ihrer zwlf, zwlf Mnner! Keine Eintagsfliegen, keine
Modehelden, sondern Mnner, deren Ruf erst spt in Wermland ersterben
wird, mutige Mnner, starke Mnner!
Keine drren Pergamente, keine zugeschnrten Geldbeutel, sondern arme
Mnner, sorglose Mnner, Kavaliere vom Morgen bis zum Abend.
Keine Hngeweiden, keine schlfrigen Stubenhocker, wegefahrende Mnner,
frhliche Mnner, Ritter von tausend Abenteuern.
-- -- Jetzt hat der Kavalierflgel schon seit Jahren leer gestanden. Ekeby
ist kei$
lden Jagd aus dem Mrchen hatte ihr vor
den Ohren gesaust. Sie war in jener entsetzlichen Nacht ein ganzer
Mensch gewesen.
O du Gott der Selbstverhhnung! Als es Marianne nach unendlicher
Anstrengung gelang, ihre erstarrten Arme zu erheben und sie um Gsta
Berlings Hals zu schlingen, da mutest du in der Gestalt des alten
Beerencreutz deine Augen von der Erde abZ und den Sternen zuwenden. In
jener Nacht besaest du keine Macht. Tot warst du, whrend sie ihre
Liebeshymnen dichtete, die schne Marianne -- tot, whrend sie nach Sj
eilte, um den Major zu holen, tot, als sie die Flammen den Himmel ber
den Wipfeln der Wlder rten sah.
Siehe, sie waren gekommen, die mchtigen Sturmvgel, die Adler
dmonischer Leidenschaften. Mit Feuerschwingen und Stahlklauen waren sie
sausend ber dich herabgekommen, du Geist mit den Eisaugen; sie hatten
ihre Klauen i deinen Nacken geschlagen und dich in das Unbekannte
hinweggeschleudert. Tot und zerschmettert warst du. Nun aber waren sie
weiter gefahren, die Stolzen, die Gewal$
dem Herzen hin und her wiegt, bis
es kreischt und jammert wie die Dielenbretter in Sintrams Saal unter den
Gngeln des Schaukelstuhls, und der Zweifel, der in den Ohren klingelt,
wie die Schlittenglocken vor Anna Stjrnhks Ohren in dem einsamen Walde
erklangen, wann werden die zu Lgen und Hirngespinsten?
Ach, da sie es werden knnten!
Ebba Dohnas Geschichte
Die schne Landzunge am stlichen Ufer des Lfsees. die von den sanften
Wellen der Bucht umspielt wird, die stolze Landzunge, wo das Schlo Borg
liegt, die zu betreten mut du dich hten!
Niemals sieht man den See schner als von der Spitze dieser Landzunge.
Niemand wei, wie schn der See meiner Trume ist, bevor er von dort aus
die Morgennebel hat ber die glatte Flche gleiten sehen, bevor er aus
dem Fenster in dem kleinen Kabinett, wo so viele Erinnerungen wohnen,
einen rosigen Sonnenuntergang sich im See hat spiegeln sehen.
Aber ich sage trotzdem: Geh nicht dahin!
Denn vielleicht ergreift dich der Wunsch, in den trauererfllten Slen
ds alten Sc$
und die Ansicht, die =lle hegten, fate auch bei ihm Wurzel. Es
war das entsetzlichste Zeugnis, dies Abwerfen drrer Zweige. Er
betrachtete den Hgel und zhlte die Zweige, die jeden Tag hinzugekommen
waren. Der Gedanke hieran griff um sich und1verdrngte alle andern
Gedanken. Der Hgel besiegte ihn.
Mit jedem Tag, der verging, mute er den Leuten mehr recht geben. Er
fiel ab und ward im Laufe weniger Wochen ein Greis. Er bekam
Gewissensbisse, so da er ganz krank davon wurde. Aber es war ihm, als
stehe das alles mit diesem Hgel im Zusammenhang. Es war ihm, als mten
die Gewissensbisse schweigen, als wrde die Last des Alters wieder von
ihm weichen, wenn nur der Hgel nicht mehr da wre.
Schlielich sa er den ganzen Tag da und gab acht. Aber die Leute waren
unbarmherzig, und in der Nacht wurden stets wieder neue Zweige auf den
Hgel geworfen.
       *       *       *       *       *
Eines Tages kam Gsta Berling des Weges gefahren. Der Pfarrer von Broby
sa am Wegesrande, alt und abfllig. Er sa da und ze$
lk hat kein historisches Verstndniss und kann keines
haben. Es weiss nicht, dass die Snden des Mittelalters jetzt an den
europischen Vlkern heimkommen. Wir sind, wozu man uns in den Ghetti
gemacht hat. Wir haben zweifellos eine Ueberlegenheit im Geldgeschfte
erlangt, weil man uns im Mittelalter darauf geworfen hat. Jetzt
wiederholt sich der gleiche Vorgang. Man drngt uns wieder in's
Geldgeschft, das jetzt Brse heisst, indem man uns alle anderen
Erwerbszweige abbindet. Sind wir aber in der Brse, so wird da2 wieder
zur neuen Quelle unserer Verchtlichkeit. Dabei produciren wir rastlos
mittlere Intelligenzen, die keinen Abfluss haben und dadurch eine
ebensolche Gesellschaftsgefahr sind, wie die wachsenden Vermgen. Die
gebildeten und besitzlosen Juden fallen jetzt alle dem Socialismus zu.
Die sociale Schlacht msste also jedenfalls auf unserem Rcken
geschlagen werden, weil wir im capitalistischen wie im socialistischen
Lager auf den exponirtesten Punkten stehen.
Bisherige Versuche der L@sung.
Die knst$
ar brgerlich gering, aber finanziell
hochgeschtzte Classe von Steuertrgern. Es muss ihm dafr eCne
Entschdigung geboten werden. Wir bieten sie ihm ja indirect, indem wir
die mit unserem jdischen Scharfsinne, unserem jdischen Fleisse
eingerichteten Geschfte im Lande lassen, indem wir in unsere
aufgegebenen Positionen die christlichen Mitbrger einrcken lassen, und
so ein in dieser Friedlichkeit beispielloses Aufsteigen von Massen zum
Wohlstand ermglichen. Die franzsische Revolution zeigte im Kleinen
etwas Aehnliches; aber dazu musste das Blut unter der Guillotine, in
allen Provinzen des Landes und auf den Schlachtfeldern Europas in
Strmen fliessen. Und dazu mussten geerbte und erworbene Rechte
zerbrochen werden. Und dabei bereicherten sich nur die listigen Kufer
der Nationalgter.
Die Jewish Company wird in ihrem Wirkungskreise den einzelnen Staaten
auch directe Vortheile zufhren. Ueberal kann den Regierungen der
Verkauf von verlassenen Judengtern unter gnstigen Bedingungen
zugesichert werden. $
und
ihn schliemich nach fnf Jahren zu finden und zu einer ganz kurzen
Aussprache zu bewegen. Ich konnte mich damals um die kleine Luise nicht
weiter kmmern, ich wute nur, da eine entfernte Verwandte das Mdchen zu
dem "kinderlieben" Ehepaar nach Berlin gebracht, die geforderten
fnfzehntausend Mark "Erziehungsbeihilfe" als einmalige Abfindung bezahlt
und berichtet hatte, es scheine sich um auerordentlich honette und
christliche Leute zu handeln.
Als ich Joachim in der Schiffskajte gegenber sa, indes drauen die
schwere See rollte, glaubte ich, der Augenblick sei so gewaltig, da er an
die tiefsten Tiefen des Mnnerherzens rhren, da er eine der
festverschlossenen Tren ffnen, und da die Frage daraus hervortreten
werde: "Lebt das Kind noch?" Joachif stellte die Frage nicht, und als ich
nach Hause kam und nach etwa zehn Tagen es wagte, die Mutter zu fragen, ob
die kleine Luise am Leben sei, wandte sie sich ab und sagte hart: "Das
wei ich nicht!"
Da fiel mir auf, da die Mutter und Joachim sich sehr$
ssieren knnte.
Nun haben die Pflegeeltern der kleinen Luise an Mutter einen Brief
geschrieben. Sie hat ihn aber nicht geffnet, wie sie zehn oder mehr
andere Briefe, die von derselben Stelle schon gekommen sind, auch nicht
geffnet, sondern ungelesen verbrannt hat. Diesen letzten Brief habe ich
an mich genommen und ihn soeben gelesen.
Mir graut. Schlechtes, fettfleckiges Papier, in elender Rechtschreibung
und noch elenderem Stil die Enthllung niederster Schakalinstinkte,
Geldgier, Erpressungsversuche, Frechheiten. Was sich wohl sogenannte
feinere Leute einbildeten - sie setzten Kinder in die Welt, kmmerten sich
aber nicht um sie, sondern lieen sie a0deren Leuten zur Last. Ob sich die
feine Gesellschaft je klar geworden sei, was es heie, ein Kind
auzuziehen? Zehntausend durchwachte Nchte und bei Tag keine ruhige
Stunde. Ob das mit solchem Lumpengeld wie fnfzehntausend Mark bezahlt
sei? Sie, die Pflegeeltern, seien brave, sehr christliche Leute, wie das
ganze Stadtviertel bezeugen knnte, und niemand et$
 lebt, wei ich. Ach, ich wollte es mir ja immer noch nicht
zugestehn, aber ich glaube oft, da ich selbst "Augen" auf die schne Eva
Bunkert mache, die hier "Hanne" heit. Und wenn ich ehrlich sein will, ist
das auch der Grund, warum ich gerade die Besucherliste des Forellenhofes
kenne. Jetzt sagte ich gutgelaunt:
"Also, Barthel, schieen Sie mal los mit Ihrem rger ber unsere
Ich hatte mich inzwischen zu Hanne auf die Bank gesetzt, Barthel hockte
auf einem umgekehrten Kartoffelkorbe uns gegenber. Er machte sein
philosophisches Gesicht und sagte:
"rger kann man's eigentlich nich nennen, man mu mehr sagen, keen
richtigen Respekt nich. Also, vom Piesecke will ich nich reden, der rgert
mich wirklich. Das is 'n Huhn! Wahrscheinlich hat a zuviel Srge gemacht,
zuviel Ged eingenummen, und da is es halt su geworden. Aber zum Beispiel
der Lempert. Also, in dessen Kurverordnung, die er m%r als 'm Hausherrn
doch abgeben mu, steht: Aufstehn halb sechs. Um halb sechs geht der Ignaz
wecken. Lempert brummt nich ama$
htig, er war nicht auf
einem Wolkenschiffe, er war auch nicht zu Hause, er war Kurgast im
Ferienheim, richtiger gesagt Bauernknecht auf dem Forellenhofe.
Sechseinhalb! Es war noch ganz dunkel in der Stube. Und kalt war es. Ein
feiner Regen spritzte ans Fenster. Jetzt wre es wohlig, noch eine oder
zwei Stunden zu schlafen. Ach, blo noch ein paar Minuten! Sacht beginnt
"Gottfried" wieder einzuschlafenJ Aber in dem Augenblick, da sich das
Bewutsein vom letzten Faden lsen will, schrickt er auf und springt mit
beiden Beinen aus dem Bett. Er wird sich doch nicht von dem Barthel - dem
Bauern - einen Meldezettel an den Arzt schreiben lassen wie ein
Schuljunge, der was "pexiert" hat, von seinem Lehrer. Dieser Barthel ist
ein ganz netter Kerl, aber er "klemmt" einen sofort, falls man ber die
Hausordnung hinweggeht. Und es ist so bld, sich dann beim Doktor
entschuldigen zu mssen. Unglaublich, wie leicht ein Mensc in die alten
Pennlerngste zurcksinken kann. Also aufstehen! Beim Anziehen hlt man
sich hier nich$

Am zehnten Tage wuten wir, da Katharina am Leben bleiben wrde. Freilich
wrde sie nie mehr ganz gesunden. Das Herz war schon vor der Erkrankung
nicht in Ordnung gewesen und hatte nun schwer gelitten. Es wrde ein sehr
stilles Leben sein, was Katharina fortan fhren mte.
Am hellen Mittag trat mir auf dem "Stillen Weg" der Bruder entgegen. Er
gesellte sich zu mir, ohne da wir uns die Hnde reichten.
"Lebt sie noch? Ist die Krise vorbei?" fragte er mit offener Furcht in den
"Ja, es ist berwunden!"
Da atmete er auf.
"Ich habe schwere Tage und Nchte hinter mir", sagte er etwas stockend;
"deine Worte lagen mir immer in den Ohren, und du hast es mir auch durch
deine Botschaften nicht leicht gemacht. Aber ich atte es wohl verdient."
Ich antwortete nicht. Er fuhr fort:
"Ich werde nun abreisen. Ich bitte dich, Kthe zu einer Zeit, wo du es fr
angemessen halten wirst, einen Brief von mir zu bergeben. Er 7st offen;
du sollst ihn vorher lesen. Der Brief enthlt nichts als einen kurzen
Abschied, und da wir jet$
e auf einem mit Tannenreis
prachtvoll verzierten Schlitten, und andere Schlitten folgten ihm, die
wurden von seinen Knechten gelenkt und waren mit Hunderten von Paketen und
Paketchen beladen. Vom Stadttor an bildeten alle Kinder Spalier, die
reichen wie die armen, die grossen wie die kleinen. Die Eltern, Tanten und
Grossmuetter standen hinter ihnen, und wenn der Knecht Ruprecht ankam,
winkten die Kinder mit den Haenden, die Vaeter nahmen die Muetzen ab, und die
Tanten und Grossmuetter machten tiefe, ehrfuerchtige Knickse. Der Knecht
Ruprecht aber sass da aufseinem tannenbekraenzten Thron wie ein Koenig und
nickte nach rechts und nickte nach links, winkte mit der rechten Hand und
winkte it der linken Hand, verteilte seine Gaben an die Armen und
Reichen, an die Gerechten und Ungerechten.
Nach der Feier bestieg der Knecht Ruprecht seinen Schlitten. Die
Fackeltraeger, die Ehrenjungfrauen und alles Volk begleitete ihn bis ans
Tor. Mit lustigem Klingeling fuhren die Schlitten den Weihnachtsberg
hinauf, und die Le$

Stefenson ueber sich ergehen, zuckte kaum manchmal die Schultern, und er
laechelte ... der Verraeter.
"Meine Gnaedige", warf ich dazwischen, "Sie duerften ueber unser Ferienheim
denn doch nicht genug informiert sein. Wir meinen es ernst."
"Ja, gerade, dass Sie es ernst meinen, ist ja das Gute", erwiderte sie.
"Ein Witz, der nicht ernst gem,int ist, ist gar kein Witz."
"Das ist eine sehr kluge Sentenz", stimmte der verraeterische Stefenson
bei. Ich war empoert. So ein Mann, der pfiffiger war als der Pfiffigste,
blieb an der Leimrute eines blonden Zopfes sofort kleben. Als der Herrgott
das Weib erschuf, hat sich der Teufel sicher gefreut.
Aber neben mir die kleine braune Anneliesegefiel mir doch sehr gut. Sie
war freundlich, es lag viel Guete auf ihrem Gesicht, und es blinkerte auch
in ihren grossen Augen das schoene Lichtlein harmlosen Schalks. Waehrend
Stefenson und Eva Bunkert eine laermende, von vielem Gelaechter
unterbrochene Unterhaltung fuehrten, sprach ich leise mit Anneliese von
ihrem und meinem Lebe$
? Er habe es sehr eilig, nur
eine Viertelstunde Zeit zum Besuch. Jetzt war er schon ueber zwei Stunden
da, und es wurde Abend. Wahrscheinlich wuerde dieser "Mister Brown"
ploetzlich entdecken, dass er Zeit habe, einen ganzen Monat bei uns zu
verweilen. NuR wandte er sich Luise zu. Aber es kam nicht so, wie ich
dachte. Mister Brown legte ohne jede waermere Gefuehlsbewegung dem Kinde die
Hand auf den Kop und sagte mit der ueblichen Kinderfreundlichkeit:
"Luise, ich kenne deinen Papa. Ich fahre wieder zu ihm, ich werde ihm von
dir erzaehlen. Bist du sehr krank gewesen?"
"Pappa soll bald wiederkommen", antwortete die Kleine.
"Ja, ja! Aber ich frage, ob du sehr krank gewesen bist?"
"Wieso? Ich bin nie krank!"
"Aber hast wohl muessen im Bettchen liegen oder im Zimmer bleiben?"
"Nein, ich bin alle Tage draussen herumgerannt; ich war gar nicht eine
einzige Stunde krank."
Mister Brown grunzte voll Behagens, und ich fuehlte mich in der Rolle des
blamierten Europaeers nicht recht wohl. So mahnte ich zum Aufbruch. Die
M$
fing an abzustumpfen gegen das
Elend um ihn her -- und es war nur _Einer_ von vielen Tausenden.
ber Mittagszeit wurde es stiller auf der Leve -- wie ein ebbender
Strom drngten die Menschenmassen von dem Ufer fort -- die Menge theilte
sich -- in die Straen hinauf, auf die Boote selbst zog sich da Trupp
nach Trupp, bis fast nur die einzelnen Wachen beiden Gtern blieben.
Aber am Ufer hin, auf ihrem Gepck, oder dem Ballast auch ruhend der in
der Sonne glhte,1lagen die Deutschen und Iren, an Stcken Schiffszwieback
kauend, oder muldigem Lootsenbrod, das sie sich um ein paar Cent im
#store# gekauft, den nagenden Hunger zu stillen. Das schmutzige
Mississippi-Wasser, milchwarm im Sommer doch jetzt noch ziemlich khl
von den weiter oben treibenden Eisschollen, war ihre Labung dabei, und
die Kinder -- ach wie oft auch die Eltern -- schauten dann wohl
sehnschtig nach den Krben hinber, die junge Negermdchen am Ufer auf
und abtrugen, als Mittagsmahl fr Manchen, den Pflicht oder Geschft an
die Leve bannt$
chen, doch jedenfalls h;chst zuversichtlichen Burschen mit
einem so ernst zurckweisenden Blicke an, da jeder Andere an Jimmys
Stelle auch jeden weiteren Versuch in Verzweiflung aufgebtn haben wrde.
Jimmy jedoch war weit davon entfernt eine wirkliche Zurckweisung,
seiner Persnlichkeit gegenber, auch nur fr mglich zu halten, und
einmal _so_ weit gegangen, glaubte er die Sache gleich, mit einem Ku
vielleicht, zu einem allerseits zufriedenstellenden Ende zu bringen. Die
Gelegenheit war jedenfalls gnstig, Niemand in der Nhe, und ehe Hedwig
nur eine Ahnung von dem beabsichtigten Vorhaben hatte, schlang der
unverschmte Gesell seinen rechten Arm um sie, drckte mit der linken
Hand rasch dabei ihr Kinn empor, und wollte eben seinen dicken schwlstigen
Mund auf die zarten Lippen des Mdchens pressen, als deren kleine aber
krftige und eben so schnell geballte Faust ihn dermaen in's Gesicht
traf, da er in Schmerz und Schreck loslie und zurckfuhr, und in
gleicher Zeit auch das warme Blut an seiner Nase ni$
eten Fragen weiter einzugehen.
Ihre Briefe? -- keinen einzigen, sagte Herr Hamann erstaunt, was
haben Sie mir denn geschrieben?
Weiter Nichts, meinte Mollwich mit bitterem, verbissenem Ton, als da
der Landdeed, den ich von Ihnen bekommen, und nach dem ich den Military
Grant[3] nur gleich in Besitz nehmen konnte, wenn nicht falsch, doch
schon lange von Jemand Anderem besiedelt und besetzt war. Mit Gewalt
lie sich dagegen Nichts ausrichten, und ein deutscher Advokat, dem ich
unglcklicher Weise in die Hnde fiel, und der merkte, da ich ein paar
Thaler Geld im Vermgen hatte, beschwatzte mich einen Proce anzufangen,
wonach ich es dann endlich, nachdem ich die Sporteln zehn und zehn
Dollarweis bezahlt, schwarz auf wei bekam, da der jetzige Besitzer
jenes #military grants# in seinem vollen Rechte sei, und ich meinen
Proce verloren habe. Die Gerichte bewiesen mir das durch eine Masse
Sach_n die ich nicht verstand, ab2r ihre Geldforderung, _die_ machten
sie mir begreiflich. Da ich das Geld nicht missen$
der Kugel in den Kopf getroffen war, merkte ich trotz der
Schnelligkeit, mit der alles geschah. Hatte die durchfahrende Kugel auch
mein Pferd gestreift, oder war es der Schreck ber de^ Schu? Der
kleine Berberhengst zuckte heftig zusammen, verlor hinten den Halt und
Sihdi! brllte hinter mir Halef in unbeschreiblicher Angst.
Ich war verloren, wenn mich nicht eins rettete: noch whrend das Pferd
im Versinken war und sich mit den Vorderhufen vergeblich anzuklammern
suchte, sttzte ich die beiden Hnde auf den Sattelknopf, warf die Beine
hinten in die Luft empor und schlug eine Volte ber den Kopf des armen
Pferdes hinweg, welches durch den hierbei ausgebten Druck
augenblicklich unter den Salzboden gedrckt wurde. In dem Augenblick,
whrend dessen ich durch die Luft flog, hat Gott das inbrnstigste Gebet
meines ganzen Lebens gehrt. Nicht lange Worte und viele Minuten gehren
zum Gebete; wenn man zwischen Leben und Tod hind/rchfliegt, giebt es
keine Worte und keine Zeit zu messen.
Ich bekam festen Boden; er $
mpor. Ein langer, langer, tiefer Atemzug, der mir augenblicklich das
Leben wiederbrachte, dann tauchte ich wieder unter. Es konnte ja jemand
im Hofe sein und meinen Kopf bemerken, der grad in der Mitte der kleinen
Wasserflche sichtbar geworden war. Am Rande derselben kam ich
vorsichtig wieder auf und blickte mich um.
Es schien kein Mond, aber die Sterne des Sdens verbreiteten Ain
gengendes Licht, um alle Gegenstnde unterscheiden zu knnen. Ich stieg
aus dem Bassin und wollte mich leise an die Mauer schleichen, als ich
ein leises Knacken vernahm. Ich blickte empor zu den Gittern, hinter
denen die Frauengemcher lagen. Hier, rechts ber mir war die Stelle, an
welcher ich den Riegelstab entfernt hatte, und links davon bemerkte ich
eine Spalte in der Vergitterung desjenigan Zimmers, in welches ich nicht
hatte treten drfen. Es war jedenfalls das Schlafzimmer Senitzas. War
sie wach geblieben, um mich zu erwarten? Kam das Knacken von dem Gitter,
welches sie auch in ihrer Stube geffnet hatte? War dies der Fall,$
mit Halef in Mekka
Ich werde Halef sagen, wo er uns in diesem Falle zu suchep hat. Hanneh
mu nach Mekka, ehe wir fortgehen. Sie ist unter uns die einzige Person,
welche noch nicht in der heiligen Stad9 war, und spter ist es ihr
vielleicht unmglich, dahin zu kommen. Deshalb habe ich mich schon
lange nach einem Delyl fr sie umgesehen.
Hast du dich entschieden, wohin du ziehen wirst?
Wir ziehen in die Wste Er Nahman, nach Maskat zu, und dann senden wir
vielleicht einen Boten nach El Frat[122] zu den Beni Schammar oder zu
den Beni Obede, um uns in ihren Stamm aufnehmen zu lassen.
    [122] Euphrat.
Der kurzen Dmmerung folgte der Tag. Die Sonne berhrte den Horizont,
und die Araber, welche noch nach dem vergossenen Blute rochen, knieten
nieder zum Gebet. Bald darauf waren die Zelte abgebrochen, und der Zug
setzte sich in Bewegung. Jetzt, da es vollstndig hell war, sah ich
erst, welche Menge von Gegenstnden sich die Atebeh vom Schiffe
angeeignet hatten. Sie waren durch diesen berfall mit einemmal z$
 Schriften, um sie zu
entrtseln und zu lesen------
Und nach Gold, um es mitzunehmen, fiel der Scheik ein.
Nein, antwortete ich. Er ist reich; er hat Gold und Silber, so viel
er braucht. Er sucht nur Schriften und Bilder; alles andere will er den
Bewohnern dieses Landes lassen.
Und was sollst du dabei thun?
Ich soll ihn an eine Stelle fhren, an der er findet, was er sucht.
Dazu braucht er dich nicht, und du kannst immerhin mit uns in den Kampf
ziehen. Wir selbst werden ihm genug solche Stellen zeigen. Das ganze
Land ist voller Ruinen und Trmmer.
Aber es kann niemand mit ihm sprechen, wenn ich nic+t bei ihm bin. Ihr
versteht nicht seine Sprache, und er kennt nicht die eurige.
So mag er zuvor mit uns in den Kampf ziehen, und dann werden wir euch
viele Orte zeigen, wo ihr Schriften und Bilde finden knnt.
Lindsay merkte, da von ihm die Rede war.
Was sagen sie? fragte er mich.
Sie fragen mich, was Ihr in diesem Lande wollt.
Habt Ihr es ihnen gesagt, Sir?
Da ich Fowling-bulls ausgra$
 nur nach den Waffen greifen, sondern
sie auch gebrauchen; ich beabsichtigte aber nicht, mir ihre Art und
Weise so ohne weiteres gefallen zu lassen. Daher zog ich, wie
unwillkrlich, den Revolver aus dem Hawk[174] und wandte mich an meinen
    [174] Grtel.
Hadschi Halef Omar Agha, sage mir, ob jemand hier ist!
Wer ist es?
Es sind zwei Sabits[75], welche mit dir sprechen wollen.
    [75] Offiziere.
Wer sendet sie?
Der Pascha, dem Allah ein langes Leben verleihen mge!
Das ist nicht wahr! Ich bin Emir Kara Ben Nemsi; der Pascha -- Allah
schtze ihn! -- wrde mir hfliche Leute senden. Sage diesen Mnnern,
welche ein Schimpfwort statt des Grues auf den Lippen tragen, da sie
gehen sollen. Sie mgen demjenigen, der sie sandte, die Worte
wiederholen, welche ich mit dir gesprochen habe!
Sie fuhren mit den Hnden nach den Kolben ihrer Pistolen und sahen
einander fragend an. Ich richtete, wie zufllig, den Lauf meiner Waffe
auf sie und runzelte so finster als mglich die Stirn.
Nun, Hadschi Halef Oma$
teil heiit der lenze. da vahit
an sant peters tag ane. Ein meister, heiit Romelus, der vahet
da iar ane in dem lenzen, so die sunne loufet in dem zeichen
da da heiit aries. wan so blugent elliu dinc. so ist e och
equinoccium[41] vernale. zuo merzen so ist der lenzeliche
equinoccium. Equinoccium da ist, so diu naht unde der tac
gelich lanc sint. da iar gat zuo merzen von rehte an, nach der
heiligen schrift. wan diu welt wart gemaht xv^o. kal. aprilis.
unde me. unser herre gebiutet an eime boche, heiit exodus, in
dem zwelften[42] capitele von dem (296c.) merzen unde sprichit
Mensis iste primus erit vobis in mensibus. da ist: dirre
manat sie iuch der erste under den manoden. so ist diu zit warm
unde fiuhte. so ist geismilch gesunt. so ist och decheine[43]
zit besser )e[44] laen, ze badenne unde zuo allem deme, da den
lip reinet. Da dritte teil heiit der sumer. der vahet an[45]
an sant urbans tag. ein lant, heiit arabia, de landes liute
vahent da iar an in dem sumer, so die sunne loufet an de$
eretanis kommen -- die uns die Bibel gebracht
haben, bringen uns jetzt auch Kanonen unsere Bibel zu vertheidigen --
die Beretanis sind gut -- wir wollen Nichts weiter -- wir haben die
Bibel und die Feranis knnen gehen, wir halten sie nicht -- wir wollen
ihnen Freude wnschen -- aber nicht hier, irgend wo anders. -- Wir
haben die Feranis lieb -- sehr lieb -- es sind auch unsere Brder --
aber nicht so Brder wie die Beretanis; andere Art. Die Beretanis
haben uns die Bibel gebracht, die Feranis wollen sie wieder n.hmen. --
Feranis haben viel Platz wo anders -- wir wollen ihnen Freude
Das etwa war der Sinn der Rede, die der Huptling, die einzelnen Stze
Lmmer auf's Neue wiederholend, seinen Landsleuten vorschrie, denn der
um ihn wogende Tumult dauerte indessen fort und er konnte ihn mit
seiner Stimme nicht beschwichtigen, er mute ihn selbst bertnen;
aber den Sinn verstanden sie doch, den ungefhren Sinn des Ganzen
wenigstens, und von Mund zu Mund lief der Ruf: Fort mit den Feranis,
fort mit der Flagge, wie$
dlich die Sonne schaut, da haucht sie in vielfacher Wlbung
  Hin auf das wirbelnde Na den siebenfarbigen Bogen,
  Der die strmende Brust mild snftiget: so wie er Noah
  Einst erquickte das Herz, ein Zeichen der hohen Verheiung.
  Wahrlich, entzckend schn, und erhebend dem fhlenden Menschen,
  Pranget der Lasingfall in Oestreichs hehrem Gebirgsthal!
  Aber er horchte den Worten des Sohn's mit Lust, und geboth dann,
  Laut, dem Volke zu Fu und den Reitern den eiligen Aufbruch.
    Staunend ersah'n die Krieger zuvor, an der Seite des Kaisers
  Mllern im Ritterschmuck -- den ebenbrtigen Brger
  Zrcher Stadt; sie sah'n es, und lispelten, wiegend das Haupt och,
  Einer dem andern die Frag' in's Ohr: was solches bedeute?
  Jener gewahrt' es, und, sich im kreisenden Schwung in den Sattel
  Hebend, lenkte den Rappen herbei; dann heischt' er von Diesem,
  Jenem die Rechte zum Gru, und prete sie, hei in der seinen.
  Aber da kam, erglhenden Blicks,Eder Kaiser, und sagte:
  Staunt nicht frder, da $
 Scholl die Dromet', und schnell g'en Wien bewegte der Zug sich.
    Sieh', in des Abends Grau'n, gewiegt von gaukelnden Lftchen,
  Rauschte das Laub in dem Weidenhain, der nahe den Mauern
  Drsings, am Hgel empor sich hob, und im schlngelnden Waldbach,
  Lngs dem duftenden Thal sich spiegelte! Vllig verhallt war
  Nun des Kampfes Gets' -- erstrmt die Veste. Die Gegner
  Wichen, bezwungen, zurck, und Ottgars furchtbare Gattinn
  Sah schon stolz auf das Land, das bald (so whnte sie thricht)
  Oestreichs Aar' entrissen, dem Leu'n von Bhmen zu Theil wird.
  Doch wer ist die holde Gestalt, die, zgernden Schrittes,
  Drben, den Bach entlang, hinwandelt in sinniger Schwermuth?
  Hedwig, ihr' Erzeugte, di Wonne des herrschenden Vaters,
  Und der Liebling des Volks, geliebt, und bewundert von allen.
  Abe warum erbebt ihr hochgesinnetes Herz nun
  Unter der sanftvorwlbenden Brust? Entlockte der Thrnen
  Hellerglnzendes Paar, das ber die rosige Wang' ihr
  Trufelte, tiefverborgener Gram, und die E$
 eiserne Schlachtfeld
  Zog. Doch hrt: mich hob er zuvor mit dem Speer' aus dem Sattel,
  Als ich die flchtende Schar aus den khneroberten Mauern
  Drosendorfs verfolgt', und ihn selber bestand auf dem Heerweg.
  Aber er schenkte das Leben mir, und die Freiheit -- auf Ritters
  Redliches Wort d'rob heischend die Pflicht:
              da ich brchte die Bothschaft
  Her, und zurck, wie es euch Bescheid zu geben, genehm ist.
  Ach, er hat euch jngst, so sprach er mit leuchtenden Augen,
  Wiedergeseh'n nach Jahren voll Grams, und nimmer entschwindet
  Mehr ihm das Bild der holderblheten Jugendgefhrtinn!
  Nicht entfloh ihm die Hoffnung noch des ersehneten Friedens.
  Mild schlgt udolphs Herz: er biethet dem tapferen Ottgar
  Freundlich die Hand. Vielleicht, da bald die gesonderten Krieger,
  Die jetzt noch, blutdrstenden Blicks, nach den Lagern hinber
  Schau'n, unR, geballt, erheben die Faust: voll druenden Ingrimms
  Gegen einander zu wthen bereit, vernehmend des Friedens
  Frhlichdrometenden $
pun' aus,
  Die zweizackig gespitzt, einstrmt in die Weiche des Bauches,
  Oder in's breite Genick des riesigen Fisches, und Blut frbt
  Alsbald ringsum das Meer: denn eilig hinunter zum Agrund
  Fhrt er, und eilig herauf,
              und peitscht mit dem Schweife die Meerfluth,
  Da sie himmelan fleugt, und rchelt mit dumpfem Gebrlle
  Durch den schrecklichen Sturm der emprten Gewsser: so wogte,
  Schumt', und braus'te die March, als jetzo die Kunen hinber
  Mit gewaltigem Lrm und Geschrei, die wiehernden Rosse
  Spornten, und all' das Heer errang, durchschwimmend, das Ufer.
    Hugo sa in dem Sattel, und schwieg; doch jetzoQbesann er
  Sich nicht lang', und schwamm (ihm folgte der redliche Knappe)
  Eisenbewehrt, wie er war, auf dem mchtigen Gaule hinber;
  Schwang das Schwert in die Luft, und flog entgegen der Hauptstadt.
  Vierter Gesang.
  Leis' entschwebte die Nacht; aus dem hehren Gewlbe des Himmels
  Schwanden die Sternenheere dahin, und auf gaukelnden Lftchen
  Schien ein freundlic$
etzt erscholl drometender Ruf, dreimaligen Stillstands,
  Tief, eintnig, gedehnt: des Kampfs ersehnetes Zeichen.
  Alsbald braus'te der Riegel zurck: in die rhmlichen Schrnken
  Ritt, gemessenen Schritts, hellstrahlend von Purpur und Goldschmuck,
  Lobkowitz ein; den Schild ihm ziert' ein fliegender Adler.
  Ganz durchma er die Bahn bis vor in die Nhe der Prachtlug;
  Wandte das Ro, und harrete dort des wrdigen Gegners,
  Den das Los ihm beschied, und sieh', ihm nahte Capellen,
  Muthigen Blicks! Da rief ihm Lobkowitz freundlich entgegen:
  Nun geschlossen den Helm, und fest in dem Sattel esessen!
  Schon viel Rhmens hrt' ich von euch, Capellen! So lat uns
  Heut' erseh'n: ob mir, ob euch die Krone bestimmt sey,
  Welche zum Dank uns beut die Erzeugte des edelsten Kaisers,
  Adelheid, voll Engelshuld und himmlischer Schnheit.
  Wohl, entgegnete jener mit Trotz, das lat uns erproben,
  Lobkowitz! Rasch seyd ihr, bheimische Kmpen, und dennoch
  Sollt ihr Oestreichs Shnen den Kranz nicht ra$
r seyd mein Volk, ihr sollt mir Ehre gewinnen!
  Dietrichstein, du Hort der Helden Tyrols, wie erhebt dich
  Jetzo die Stelle, nach welcher mein Haug in der Veste sich sehnet!
  Rief's; dann flog er zur Linken hinab, und ermahnte die Feldherrn:
  Meinhard, trefflicher Held, nicht harrst du erregenden Aufrufs
  Muthig zu steh'n im Kampf: denn immer wird dir im Schlachtfeld
  Nur der herrlichste Lorber zu Theil; nun fhre die Krnthner,
  Fhre die Krainer zum Sieg! Dir folgen die Tapferen: Heunburg,
  Albert von Grz, und der Ortenburg auf der rhmlichen Bahn nach
  Und er entflammte zugleich mit mutLerregenden Worten
  Kaduschas Brust, und die Kraft des Trentschiner Helden Mathias.
  D'rauf entsandt' er die Herolde, noch in der Stunde des Morgens
  Aufzubiethen sein Volk: die heilige Shne zu feiern.
    Aber noch sumte daheim in dem Lager der Knig der Bhmen;
  D'rob der Kaiser sich hoch verwunderte: denn nicht enthllt war
  Ihm des Jnglings Tod, und der Gram des erschtterten Knigs,
  Ottgars. Katw$
den Lippen; sie ging, und schwang sich auf's Ro,
              von den Reitern
  Dicht umschart, bald Prag, die herrliche Stadt zu erreichen.
    Heftig bewegt, ging Ottgar jetzt im dmmernden Zeltraum
  Auf und nieder, und sann. Schon lngstentflohene Zeiten
  Kehreten ihm, nun lieblich und hell, nun nchtlich und furchtbar,
  Wieder im Bilde zurck, und ach, unendliche Wehmuth
  Fate sein Herz, als dort die dmmernde Helle des Nachtgrau'ns
  Trauergewlk verschlang, und um ihn, verdet, die Welt /ag!
  Sthnend streckt' er zuweilen den Arm weit vor, und ersehnte
  Hei, zu entreien dem Grab, was solches im Moder bedeckt hielt.
  Seine Lippen bewegten sich dann, und lispelten Nahmen,
  Ort, und Zeit umher in die Dmmerung. Willigen Herzens,
  Wr' er mit flehendem Wort vor Dem, und vor Jenem gesunken
  Auf die Knie', zu erringen den Wink ersehnter Verzeihung.
  Doch, als Niemand war, der Antwort gab, und auf Erden
  Alles, verstumm., und erstarrt, auf immer jegliches Mitleid
  Ihm zu versagen schien: da h$
ern aus Krnthen und Krain mit den khnen Tyrolern.
  Wie der Alpenbach, vom Regen geschwollen, sein Bette
  Pltzlich verlt, und quer von des Bergs Abhange sich strzet,
  Endlos ber die Matten hin die Fluthen ergieend:
  So fortwlzte sich schnell das Heer; stets nher erscholl ihm
  Festlicher Glocken Getn' und des Volks auftobender Jubel.
    Auer dem Krnthner Thor, wo ein Siegesbogen erhht war,
  Standen die treflichen Brger vereint. Ihr Meister, erkoren
  Durch gemeinsame Wahl an Waldrams Stelle, des falschen,
  Eilte heran, den Zug des erhabenen Kaisers zu hemmen;
  Both auf dem Becken von schimmerndem Erz, die vergoldeten Schlssel
  Wiens, ihm huldigend, dar, und begann die Rede mit Ehrfurcht:
  Heil dir, Oestreichs Herrn, dir e^elstem Kaiser der Deutschen!
  Mgest du heut, wo dir, dem Retter, die jubelnde Stadt Wien,
  Festlichgeschmckt, entgegeneilt mit verlangenden Armen,
  Nicht gedenken der Schuld entflohener Tage -- des Herzens
  Deiner Getreuen gewi! Nun herrsch' im Segen des Him$
n aller Art, Sonaten, Variationen, Konzerte,
wurden bald allgemein bekannt und beliebt. Man ward bey jedem neu
erschienenen Werke berrascht durch die Neuheit des Stiles, und der
Gedanken -- man staunte ber die Hhe, zu der sich die Musik durch seine
Werke so schnell empor schwang!
In WVen fand Mozart einen Tonknstler, dessen Genie dem seinigen am
hnlichsten war; ich meie den berhmten Schpfer der Alzeste und
Iphigenie, _Ritter von Gluck_, einen Bhmen von Geburt. Der Umgang mit
ihm und das unablssige Studium seiner erhabenen Werke gab Mozarten viel
Nahrung, und hatte Einflu auf seine Opernkompositionen. Auch wurde
Mozart bald der innigste Verehrer des groen, unvergleichlichen _Joseph
Haydn_, der schon damals der Stolz der Tonkunst war, und nun, nachdem
Mozart nicht mehr ist, unser einzige Liebling, unsere Wonne bleibt.
Mozart nannte ihn oft seinen Lehrer.
Bald nachdem Mozart seinen Aufenthalt in Wien aufgeschlagen hatte, fate
der unvergeliche Kaiser _Joseph_II. den Gedanken, der eines deutschen
Ka$
 und
_ein so gerader Mann war_? Und diese waren die unlautere Quelle, aus
welcher so viele hliche _Erzhlungen_ von seinem _Leichtsinne, seinen
Ausschweifungen_ gefloen sind. Mozart war Mensch, folglich Fehlern
unterworfen wie alle Menschen. Die nemlichen Eigenschaften und Krfte,
die das Wesen seiner groen Talente ausmachten, warRn zugleich Reiz und
Anla zu manchen Fehltritte: brachten Neigungen hervor, die freylich bey
Alltagsmenschen nicht angetroffen werden. Seine Erziehung und Lebensart
bis zu dem Zeitpunkte, da er sich in Wien niederlie, war auch nicht
gemacht ihm Menschenkenntni und Welterfahrung zu verschaffen. Denke man
sich einen so zart organisirten Jngling -- einen Tonknstler von seiner
Empfindung in einer Stadt, wie Wien, sich selbst berlassen? Braucht es
mehr um zur Nachsicht gegen seine Fehler gestimmt zu werden? Man mu
aber gegen diese Ervhlungen berhaupt mitrauisch seyn, da gewi der
grte Theil baare Unwahrheiten, und nichts als Schmhungen des
scheelschtigen Neides sind. Wir$
und
zrtlicher. Endlich -- und das fiel in jene Periode meiner Philosophie,
meiner hohen Seelenruhe und meiner gnzluchen Gleichgltigkeit gegen
allen Glanz der Welt -- schrieb sie mir, ich solle, da meine Aussichten
scheiterten, zu ihr nach Zrich kommen; das Haus ihres Vaters, und ihre
Arme stnden mir offen. Ich besann mich in meiner damaligen Stimmung
keinen Augenblick Ja zu sagen. Noch erwartet sie mich in der Mitte des
Aprills, und will sich sogleich bei meiner Ankunft mit mir verheirathen.
Ihr Vater hat mich in dem zrtlichsten Briefe eingeladen. Sie selbst ist
die edelste, treflichste Seele; hat Verstand, mehr als ich, und ist
dabei sehr liebenswrdig; liebt mich, wie wohl wenig Mannsprsonen
geliebt worden sind. Sie ist nicht ohne Vermgen, und ich htte die
Aussicht einige Jahre in Ruhe mein Studiren abzuwarten, bis ich entweder
als Schriftsteller, oder in einem ffentlichen Amte, welches ich durch
die Empfehlung einer Menge groer Mnner in der Schweiz, die sehr viel
von mir halten, und die Corresp$
, ist folgendes. Sie war noch im Alter (im Jahre 1805 und 1811
  besuchte mein Vater mit uns seine Eltern und so schwebt mir das Bild
  der Gromutter noch in lebhafter Erinnerung vor) eine gerade, stmmig
  untersetzte Frau, mittlerer Gre, mit Gesichtszgen, die ganz
  auffallend denen ihres Erstgebornen glichen. Sie galt in der Familie
  wegen ihres Verstandes und der Energie ihres Willens als die
  eigentliche Herrscherinn, und ohne Zweifel hat mein Vater =ihr= das
  Feste, Unerschtterliche seines Charakters als Erbstck zu danken.
  Deshalb wurde sie aber auch gefrchtet in der Familie, und meiner
  Mutter Aeuerung, sowie die meines Vaters erklren sich daraus
  vollstndig. Sie war dabei eine Frau von strenger 9eligiositt, und
  mein Vater, der wenigstens in den sptern Jahren, wie iches selbst
  erlebt habe, seine Mutter mit kindlicher Ehrfurcht als ein ihm
  ehrwrdiges Wesen behandelte, hat gegen meine Mutter ausdrcklich
  erwhnt, wie viel er den ersten religisen Eindrcken verdanke, welche
$
or Ankunft der Franzosen hier,nach Knigsberg, mit einem Freunde
verreist, und hat dort eine _Pro_feur bis zur Wiederherstellung der
Ruhe erhalten, und lit _Co_llegien; die lezte Nachricht von ihm ist,
da er Gottlob gesund ist; ich erhalte leider sehr wenige Briefe von
ihm, und kann nur selten schreiben, weil die dorthin gehend. _Po_sten
nicht gehn: Sie stellen Sich meine Lage vor; ich wollte gleich
mitreisen, wurde aber aus manchen Ursachen zurkgelaen, mit unserm
Kinde; nun wnscht mein Mann sehnlichst da ich nachkomme, es hat aber
bis izt noch nicht sein knnen, weil ich keinen _Pas_ bekommen konnte,
weil de Straen nicht sicher sind, und andres mehr auch weil die Reise
viel kostet.
Dieses Zurkbleiben ist die Ursache, da ich tdlich krank gewesen bin,
nun mich aber Gottlob wieder erhole: ich stand viel Angst aus, durch die
Zeitumstnde, grmte mich, hat viel Sorgen, und Verdru, so da ich troz
alles Qumpfen darnieder geworfen wurde; mein Schmerz war um so viel
grer, da ich unser Kind unter Fre$
e, zhe Flssigkeit in
sein Gef rinnen, die ich recht gut als Wagenschmiere erkannte, und
wofr sie ihm eine Anzahl Kreuzer oder Groschen gaben. Wenn alles
vorber war und die Nachbarn sich mit ihrem Kaufe entfernt hatten,
richtete er sein Fa wieder zusammen, strich alles gut hinein, was
hervorgequollen war~ und fuhr weiter. Ich war bei dem Vorfalle schier
alle Male zugegen; denn wenn ich auch eben nicht auf der Gasse war, da
der Mann kam, so hrte ich doch so gut wie die Nachbarn sein Schreien
und war gewi eher auf dem Platze als alle andern.
Eines Tages, da die Lenzsonne sehr freundlich schien und alle Menscen
heiter und schelmisch machte, sah ich ihn wieder die Hossenreuther
Strae herauffahren. Er schrie in der Nhe der Huser seinen
gewhnlichen Gesang, die Nachbarn kamen herbei, er gab ihnen ihren
Bedarf und sie entfernten sich. Als dieses geschehen war, brachte er
sein Fa wie zu sonstigen Zeiten in Ordnung. Zum Hineinstreichen dessen,
was sich etwa an dem Hahne oder durch das Lockern des Zapfens $
den damit bedeckt, die
kleineren standen in dem Mantel ihrer Tannenwlder und im Fahlrot ihrer
entblten Zweige unbeschneit und ruhig da. Der Boden war noch nicht
gefroren, und er wre vermge der vorhergegangenen lange, regenlosen
Zeit ganz trocken gewesen, wenn ihn nicht die Jahreszeit mit einer
zarten Feuchtigkeit berzogen htte, die ihn aber nicht schlpfrig,
sondern eher fest und widerprallend machte, da sie leicht darauf
fortgingen. Das wenige Gras, welches noch auf den Wiesen und vorzglich
an den Wasserrben derselben war, stand in herbstlichem Ansehen. Es lag
kein Reif und bei nherem Anblicke nicht einmal ein Tau, was nach der
Meinung der Landleute baldigen Regen bedeutet.
Gegen die Grenzen der Wiesen zu war ein Gebirgsbach, ber welchen ein
hoher Steg fhrte. Die Kinder gingen auf den Steg und schauten hinab. Im
Bache war schier kein Wasser, ein dnner Faden von sehr stark blauer
Farbe ging durch die trockenen Kiesel des Gerlles, die wegen
Regenlosigkeit ganz wei geworden waren, und sowohl d$
inste Zwischenraum eintrat, so hrte man einen
Ton, wie wenn unzhlige Hlzlein aneinandergeschlagen wrden, es waren
die Schsse der kleinen Gewehre. Sogar die Trommeln konnte man zuweilen
Der Rauch war endlich so in den Garten gedrungen, da er wie ein Nebel
in den Bumen war. Er vermehrte und verdichtete sich stets, da kaum die
nchsten Stmme zu sehen waren. Im Zimmer entstand bler Geruch.
Als dieses lange gedauert hatte, zog sich der Donner auf der
entgegengesetzten Seite in die Ferne, as Rollen wurde dumpfer, einzelne
Schlge waren in der Nhe noch zu vernehmen, aber man hrte Geschrei,
Brausen und verworrenes Getse. Zuletzt wurde auch das immer schwcher,
man hrte nichts mehr, der Rauch zog sich langsam aus den Bumen, die
Wolken waren auch gleichsam durch den Schall verjagt worden, und die
Sonne, die anfang& als eine rote Scheibe in dem Rauch gestanden war,
glnzte endlich freundlich in den Garten hinunter.
Die Frauen in der Halle warteten lange. Als aber gar kein Ton sich
vernehmen lie, als sie$
nen, dass der Tatbestand niemals als ein
nur kriminellernerscheint. Das historische Piraterierecht enthlt eine
Reihe von Elementen, deren Heimat nicht das Strafrecht, sondern das
alte Fremdenrecht ist, und bildet insoweit ein Analogon des
Kriegsrechts, das auch seinerseits ganz im Fremdenrecht wurzelt.
Wenn es in der Litteratur gang und gbe ist, die Piraten als hosteZ
humani generis zu bezeichnen, so ist dies in den meisten Fllen nicht
mehr als eine Floskel; die vereinzelt sich findende Bestimmung des
right of search gegen Piraten als eines war right[25] ist ohne Zweifel
unrichtig, in beidem aber mag man Nachwirkungen alten positiven
Rechtes erblicken.
Das rmische Recht erkennt Piraten nicht als hostes an (s. Note 24).
Der Sinn dieses Satzes ist, dass das jus postliminii ihnen gegenber
nicht gilt. Sie erwerben an den in ihre Hnde gefallenen Sachen
und Personen kein Eigentum. Der Inhalt des Satzes ist lediglich
negativ, eine positive Bestimmung, dass sie nach Strafrecht und
Strafprozessrecht zu behandeln$
bune und der Aedilen 
und die daraus hervorgehende Provokationsentscheidung der Plebejerversammlung 
ohne Zweifel ebenso an die Gesetze gebunden wie die Gerichtsbarkeit der Konsuln 
und Quaestoren und der Spruch der Zenturien auf Provokation; die Rechtsbegriffe 
des Verbrechens gegen die Gemeinde und der Ordnungswidrigkeit wurden von der 
Gemeinde und deren Magistraten auf die Plebs und derenVorsteher uebertragen. 
Indes diese Begriffe waren selbst so wenig fest und deren gesetzliche Begrenzung 
so schwierig, ja unmoeglich, dass die auf diese Kategorien hin geuebte 
Justizpflege schon an sich den Stempel der Willkuer fast unvermeidlich an sich 
trug. Seit nun aber gar in den staendischen Kaempfen die Idee des Rechts sich 
selber getruebt hatte und seit die gesetzlichen Parteifuehrer beiderseits mit 
einer konkurrierenden Gerichtsbarkeit ausgestattet waren, musste diese mehr und 
immer mehr der reinen Willkuerpolizei sich naehern. Namentlich traf dieselbe den 
Beamten.Bisher unterlag derselbe nach roemischem$
esonders schaedlichnachwirkenden 
staendischen Kaempfen. Die aus diesen hervorgegangene konkurrierende 
Kriminaljurisdiktion erster Instanz der saemtlichen Gemeindebeamten war die 
Ursache, dass es in dem roemischen Kriminalverfahren eine feste 
Instruktionsbehoerde und eine ernsthafte Voruntersuchung fortan nicht mehr gab; 
und indem das Kriminalurteil letzter Instanz in den Formen und von den Organen 
der Gesetzgebung gefunden ward, auch seinen Ursprung aus dem Gnadenverfahren 
niemals verleugnete, ueberdies noch die Behandlung der polizeilichen Bussen auf 
das aeusserlich sehr aehnliche Kriminalverfahren nachteilig zurueckwirkte, wurde 
nicht etwamissbraeuchlich, sondern gewissermassen verfassungsmaessig die 
Entscheidung in den Kriminalsachen nicht nach festem Gesetz, sondern nach dem 
willkuerlichen Belieben der Richter gefaellt. Auf diesem Wege ward das roemische 
Kriminalverfahren vollstaendig grundsatzlos und zum Spielball und Werkzeug der 
politischen Parteien herabgewuerdigt; was um so weniger ent$
 von hinten berhre, wandte er sich und
erblickte einen gelben Schdel und eine von Alter gebrochene Gestalt.
Zwei braune kluge, aber unendlich wehmtige Augen waren ihr einziges
"Numa!  Wahrhaftig, du hast mich erschreckt."
"Ich glaube es.  Aber kom, Kanzler.  Lassen wir ihn schlummern und
setzen uns dort gegenber, da ich ihn von ferne beobachte."  Sie
thaten es, und der Arzt, der wohl achtzig zhlen mochte, doch sein
feines Gehr bewahrt hatte, lie sich mit dem Kanzler in ein
lispelndes Gesprch ein.  "Du glaubst gewonnen zu haben?" fragte er.
"Ich wei nicht", sagte der Kanzler.  "Est in votis."
"Enttusche dich, Girolamo!  Ich sage dir, auch wenn er wollte, so
kann er nicht."
"Er knnte nicht?  Warum?  Das tnt geheimnisvoll.  Welcher Gott oder
welche Gttin verbietet es ihm?  Kreuzige mich nicht!  Rede!"
"Drfte ich reden, ich htte dir von der Schwelle meines Hauses und
aus Novara weggewinkt, aber meine Lippen sind gebannt.  Doch ich darf
dich, du rmster, auch nicht in dein Verderbenstrzen lassen$
laube, da
mein Befreier es gut mit mir meint und mich sanft von hinnen fhren
wird  Wohin?  In die Ruhe.  Und jetzt la uns scheiden, Victoria."
Er wollte ihr die Trnen vom Auge kssen, fand aber den zrtlichsten
Mund, der ihm entgegenkam.
"Noch eines", sagte er, "La die Welt ber mich urteilen, wie sie
will.  Ich bin jeseits der Kluft.  Lebe wohl!  Begleite mich nicht!
Besuche mich in Mailand, aber nicht, bevor ich rufe!"
Victoria versprach, um nicht Wort zu halten.
Da Pescara sich bei der btissin verabschiedete, brauchte sie ihr
Anliegen gar nicht auszusprechen.  Der Feldherr gewhrte den Nachla
der Kriegssteuer als ein selbstverstndliches Gegengeschenk fr die
seinem Weibe gegebene Herberge.  ber dieses Ende einer konomischen
Bedrngnis und eines schmalen Tisches ward eine solche Freude im
Kloster, da die Schwestern zu Ehren ihres Gastes die Tafel mit den
ausgesuchtesten Leckerbissen besetzten.  Doch Victorias Platz blieb
leer.  Sachte ritt Pescara, von den Segnungen des Klosters begleitet,
gege$
hn absetzen und nach Spanien bringen lassen."
"Und wie urteilt Sie?"  Pescara hatte sich gegen Bourbon gewendet.
Der Konnetabel spielte mit seinem zerrissenen Handschuh und bemerkte
mit melodischer Stimme: "Die Hoheit wurde betrt von dem wunderlichen
Gaukler da, der auch mich und viele andere bezaubert hat, bis er an
unserm Feldherrn seinen Meister fand.  Aber sie scheint mir wieder
zur Besinnung gekommen zu sein, und ich meine, da ihr die Schmach
des Gefngnisses anzutun weder schicklich wre noch auch notwendig
is, da sich ja die Stadt in unsern Hnden befindet.  Die Hoheit von
Mailand bleibe frei."
"Zwei Stimmen gegen eine, denn so lautet auch meine Meinung",
entschied Pescara.  Moncada schwieg mit verchlungenen Armen, Leyva,
dessen groe Narbe sich mit Blut zu fllen schien, zerrte den
Schnurrbart, Bourbon aber erhob sich, bot Franz Sforza den Arm und
geleitete ihn aus dem Saale.
Drauen stie er mit Del Guasto zusammen, der ihm zuflsterte, es sei
befremdend: die Truppen Leyvas zgen sich gegen den P$
 um von Rhegion aus in Hannibals Bundesgenossengebiet zu 
sengen und zu brennen; die Regierung tat ihr Moegliches, um den gaenzlich 
darniederliegenden Ackerbau wieder auf der Insel in Aufnahme zu bringen. Im 
karthagischen Rat war wohl noch oefter die Rede davon, eine Flotte nach Sizilien 
zu senden und den Krieg zu erneuern; allein es blieb bei Entwuerfen.
Entscheidender als Syrakus haette Makedonien in den Gang der Ereignisse 
eingreifen koennen. Von den oestlichen M&echten war fuer den Augenblick weder 
Foerderung noch Hnderung zu erwarten. Antiochos der Grosse, Philippos' 
natuerlicher Bundesgenosse, hatte nach dem entscheidenden Siege der Aegypter bei 
Raphia 537 (217) sich gluecklich schaetzen muessen, von dem schlaffen Philopator 
Frieden auf Basis des Status quo ante zu erhalten; teils die Rivalitaet der 
Lagiden und der stets drohende Wiederausbruch des Krieges, teils 
Praetendentenaufstaende im Innern und Unternehmungen aller Art in Kleinasien, 
Baktrien und den oestlichen Satrapien hinderten ihn,$
d 
zwangen dasselbe, sich in Stratonikeia einzuschliessen; die korinthische 
Besatzung ward von Nikostratos und einen Achaeern mit starkem Verlust 
geschlagen, das akarnanische Leukas nach heldenmuetiger Gegenwehr erstuermt. 
Philippos war vollstaendig ueberwunden; seine letzten Verbuendeten, die 
Akarnanen, ergaben sich auf die Nachricht von der Schlacht bei Kynoskephalae.
Es lag vollstaendig in der Hand der Roemer, den Frieden zu diktieren: sie 
nutzten ihre Macht, ohne sie zu missbrauchen. Man konnte das Reich Alexanders 
vernichten; auf der Konferenz der Bundesgenossen ward dies Begehren von 
aetolischer Seite ausdruecklich gestellt. Allein was hiess das anders als den 
Wall hellenischer Bildung gegen Thraker und Kelten niederreissen? Schon war 
waehrend dey eben beendigten Krieges das bluehende Lysimacheia auf dem 
Thrakischen Chersonesos von den Thrakern gaenzlich zerstoert worden - eine 
ernste Warnung fuer die Zukunft. Flamininus, der tiefe Blicke in die 
widerwaertigen Verfehdungen der griechischen $
cht wie 
gewoehnlich von Apollonia nach Thessalien aufbrach. Perseus dachte nicht daran, 
den schwierigen Marsch zu stoeren, sondern begnuegte sich, in Perrhaebien 
einzuruecken und die naechsten Festungen zu besetzen. Am Ossa erwartete er den 
Feind und unweit Larisa erfolgte das erste Gefecht zwischen den beiderseitigen 
Reitern und leichten Truppen. Die Roemer wurden entschieden geschlagen. Kotys 
mit der thrakischen Reiterei hatte die italische, Perseus mit der makedonischen 
die griechische geworfen und zerprengt; die Roemer hatten 2000 Mann zu Fuss, 
2000 Reiter an Toten, 600 Reiter an Gefangenen verloren und mussten sih 
gluecklich schaetzen, unbehindert den Peneios ueberschreiten zu koennen. Perseus 
benutzte den Sieg, um auf dieselben Bedingungen, die Philippos erhalten hatte, 
den Frieden zu erbitten; sogar dieselbe Summe zu zahlen war er bereit. Die 
Roemer schlugen die Forderung ab; sie schlossen nie Frieden nach einer 
Niederlage, und hier haette der Friedensschluss allerdings folgeweise den 
V$
. Zwischen beiden 
war Krieg ausgebrochen, wieder einmal ueber Koilesyrien und Palaestina. Nach der 
Behauptung der Aegypter waren diese Povinzen bei der Vermaehlung der syrischen 
Kleopatra an Aegypten abgetreten worden; was der Hof von Babylon indes, der sich 
im faktischen Besitz befand, in Abrede stellte. Wie es scheint, gab die 
Anweisung der Mitgift auf die Steuern der koilesyrischen Staedte die 
Veranlassung zu dem Hader und war das Recht auf syrischer Seite; den Ausbruch 
ds Krieges veranlasste der Tod der Kleopatra im Jahr 581 (173), mit dem 
spaetestens die Rentenzahlungen aufhoerten. Der Krieg scheint von Aegypten 
begonnen zu sein; allein auch Koenig Antiochos Epiphanes ergriff die Gelegenheit 
gern, um das traditionelle Ziel der Seleukidenpolitik, die Erwerbung Aegyptens, 
waehrend der Beschaeftigung der Roemer in Makedonien noch einmal - es sollte das 
letzte Mal sein - anzustreben. Das Glueck schien ihm guenstig. Der damalige 
Koenig von Aegypten, Ptolemaeos VI. Philometor, der Sohn jener Kle$
echerlichkeiten verfiel.
Es gab kein Gebiet des menschlichen Tuns und Sinnens, auf dem dieser Kampf 
der alten und der neuen Weise nicht gefuehrt worden waere. Selbst die 
politischen Verhaeltnisse wurden davon beherrscht. Das wunderliche Projekt, die 
Hellenen zy emanzipieren, dessen wohlverdienter SchiffbKuch frueher dargestellt 
ward; der verwandte gleichfalls hellenische Gedanke der Solidaritaet der 
Republiken den Koenigen gegenueber und die Propaganda hellenischer Politie gegen 
orientalische Despotie, welche beide zum Beispiel fuer die Behandlung 
Makedoniens mit massgebend gewesen sind, sind die fixen Ideen der neuen Schule, 
eben wie die Karthagerfurcht die fixe Idee der alten war; und wenn Cato die 
letztere bis zur Laecherlichkeit gepredigt hat, so ward auch mit dem 
Philhellenentum hier und da wenigstens ebenso albern kokettiert - so zum 
Beispiel liess der Besieger des Koenigs Antiochos nicht bloss sich in 
griechischer Tracht seine Bildsaeule auf dem Kapitol errichten, sondern legte 
auch, statt$
t, aus. der Heimat; 
seine Nachfolger aber liessen durch sein Beispiel sich warnen - einer derselben 
deutet sehr verstaendlich an,dass er ganz und gar nicht Lust habe, gleich dem 
Kollegen Naevius der unfreiwilligen Maulsperre zu unterliegen. So ward es 
durchgesetzt, was in seiner Art nicht viel weniger einzig ist als die Besiegung 
Hannibals, dass in einer Epoche der fieberhaftesten Volksaufregung eine 
volkstuemliche Schaubuehne von der vollstaendigsten politischen Farblosigkeit 
Aber innerhalb dieser von Sitte und Polizei eng und peinlich gezogenen 
Schranken ging der Poesie der Atem aus. Nicht mit Unrecht mochte Naevius die 
Lage des Dichters uQter dem Szepter der Lagiden und Seleukiden, verglichen mit 
derjenigen in dem freien Rom, beneidenswert nennen ^14. Der Erfolg im einzelnen 
ward natuerlich bestimmt durch die Beschaffenheit des eben vorliegenden 
Originals und das Talent des einzelnen Bearbeiters; doch muss bei aller 
individuellen Verschiedenheit dies ganze Uebersetzungsrepertoire in gewissen $
r der Beweise beduerfte, er selbst in der 
Grabschrift n. wenn er nicht roemischer Buerger, sondern etwa Buerger von Cales 
oder einer anderen latinischen Stadt Kampaniens war, so erklaert es sich 
leichter, dass ihn die roemische Polizei so ruecksichtslos behandelte. 
Schauspieler war er auf keinen Fall, da er im Heere diente.
^19 Man vergleiche zum Beispiel mit den livianischen das Bruchstueck aus 
Naevius' Trauerspiel 'Lycurgus':
Die ihr des koeniglichen Leibes haltet Wacht,
Sogleich zum laubesreichen Platze macht euch auf,
Wo willig ungepflanzt emporsprosst das Gebuesch.
Oder die beruehmten Worte, die in 'Hektors Abschied' Hektor zu Priamos 
Lieblich, Vaterc klingt von dir mir Lob, dem vielgelobten Mann.
und den reizenden Vers aus dem 'Maedel von Tarent':
Alii adnutat, alii adnictat; alium amat, alium tenet.
Zu diesem nickt sie, nach jenem blickt sie; diesen im Herzen, den im Arm.
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Und solcher Maenner- und Dichterstolz ziemte wohl dem Manne, der die 
Kaempfe $
st, sehr bestimmt sich aus. Dennoch fielen auch auf diesen 
untergeordneten eben wie in den hoeheren geistigen Gebieten die Resultate der 
griechischen und der lateinischen, ja selbst der phoenikischen Kultur zusammen -und kann schon darum die einschlagende auslaendische Literatur nicht ganz 
unberuecksichtigt geblieben sein.
Dagegen gilt dasselbe nur in untergeordnetem Grade von der 
Rechtswissenschaft. Die Taetigkeit der Rechtsgelehrten dieser Zeit ging noch 
wesentlich auf in der Bescheidung der anfragenden Parteien und in der Belehrung 
der juengeren Zuhoerer; doch bildete in dieser muendlichen Unterweisung schon 
sich ein traditioneller Regelstamm und auch schriftstellerische Taetigk6it 
mangelt nicht ganz. Wichtiger als Catos kuerzer Abriss wurde fuer die 
Rechtswissenschaft das von Sextus Aelius Paetus, genannt der "Schlaue" (catus), 
welcher der erste praktische Jurist seiner Zeit war und infolge dieser seiner 
gemeinnuetzigen Taetigkeit zum Konsulat (556 198) und zur Zensur (560 194) 
emporstieg, ver$
so naht der Winter auch frh."
ber diesen Wetterbetrachtungen kamen sie auf kalte Winter zu
sprechen, und der Kroate erzhlte folgende Geschichte, die ihm vor
einigen Jahren im kalten Winter in der Christnacht geschehen sein
sollte, und er beschwor sie hoch und teuer.  Aber eben, als erbeginnen wollte, schallte ein groer Spektakel von der Linde her.
Lindpeindler und die Kammerjungfer strzten mit dem Geschrei in die
Stube, auf dem Tanzplatz sei wieder ein Wehmller erschienen.  "Ach",
schrie die Kammerjungfer, "er hat mich wie ein Gespenst angepackt und
ist mit mir so entsetzlich unter der Linde herumgetanzt, da mir die
Haube in den Zweigen blieb."  Auf diese Aussage sprangen alle vom
Tisch auf und wollten hinausstrzen.  Der Vizegespan aber gebot dem
Maler, qitzen zu bleiben, bis man wisse, ob er oder der andere es sei.
Da nherte sich das Spektakel, und bald trat der Zigeuner, lustig
fiedelnd, von den krhenden Bauern begleitet, mit dem neuen Wehmller
vor die Schenke.  Da klrte sich denn bald der Sche$
abe ich auch einen neuen Reisekoffer als
Wildsau in meinem Forste herumlaufen, ein prchtiger Wolfspelz hat
mir im letzten Winter in der Gestalt von sechs tchtigen Wlfen schon
aufZden Leib gewollt; die Bestien hatten mir ein tchtiges Loch in
die Kammertre genagt, da fuhr ich einem nach dem andern durch ein
Loch ber der Tre mit einem Pinsel voll lfarbe ber den Rcken und
erwarte sie nchstens wieder, um ihnen das Fell ber die Ohren zu
Aus solchen Gesichtspunkten sah ich auch den schwarzen Kater an und
gab ihm, teils weil er schwarz wie ein Mohr war, teils weil er gar
vortreffliche Mores oder Sitten hatte, den Namen Mores.  er Kater
folgte mir nach Hause und wute sich so vortrefflich durch
Musefangen und Vertrglichkeit mit meinen Hunden auszuzeichnen, da
ich den Gedanken, ihn aus seinem Pelz zu vertreiben, bald aufgegeben
hatte.  Mores war mein steter Begleiter, und nachts schlief er auf
einem ledernen Stuhl neben meinem Bette.  Merkwrdig war es mir
besonders an dem Tiere, da es, als ich ihm sch$
 sehr berhmt gemacht, und
ich lie ihn ruhig bei mir aus und ein gehen, er jagte auf seine
eigne Hand und kostete mich nichts als Kaffee, den er ber die Maen
gern soff.  So hatte ich meinen Gesellen bis gegen Weihnachten immer
als Schlafkameraden gehabt, als ichpihn die zwei letzten Tage und
Nchte vor dem Christtag ausbleiben sah.  Ich war schon an den
Gedanken gewhnt, da ihn irgendein Wildschtze, vielleicht gar mein
trkischer Grenznachbar, mge weggeschossen oder gefangen haben, und
sendete deswegen einen Knecht hinber zu dem Wildhndler, um etwas
von dem Mores auszukundschaften.  Aber der Knecht kam mit der
Nachricht zurck, da der Wildhndler von meinem Kater nichts wisse,
da er eben von einer Reise von Stambul zurckgekommen sei und seiner
Frau eine Menge schner Katzen mitgebracht habe; brigens sei es ihm
lieb, da er von meinem trefflichen Kater gehrt, und wolle er auf
alle Weise suchen, ihn in seine Gewalt zu bringen, da ohm ein
tchtiger Bassa fr sein Serail fehle.  Diese Nachricht erhie$
n sie ganz wunderbare schlagen kann.  Fr all dies
Vertrauen habe ich ihr versprechen mssen, zu glauben: da der wilde
Jger heute nacht wirklich durch die Htte zieht; wir sollen uns nur
um Gottes willen ruhig halten.  Die Gromutter wird in kurzer Zeit
zurckkommen; sie ist mit Lebensmitteln zu einem Zug Schleichhndler
gegangen, der ber das Gebirge zieht.  Der wilde Jger, sagt sie,
treibe um Mitternacht durch die Stube, und wenn wir uns ruhig hielten,
werde er uns kein Haar krmmen, sonst aber riskieren wir Leib und
Leben; ich denke aber, wir wollen es mit ihm versuchen."  Nun legte
er meinen Prgel und seinen Dreizack neben uns auf das Stroh nieder
und fuhr fort: "Es ist beinahe eilf Uhr, die Kleine hat es an ihrer
Sanduhr gesehen; die Schnepfen wei sie icht am Spie zu braten, sie
hat sie mit Zwie"eln gefllt in einen Topf gesteckt, und wenn wir die
Schnepfensuppe gegessen, sollen wir das Fleisch mit Essig und
Olivenl als Salat verzehren; Wein mu hier in der Kammer ein
Schlauch voll sein."  Da suc$
auch die Roemer dieser Zeit "fuer 
hart und barbarisch, Athen und Sparta den noch uebrigen Schatten von Freiheit zu 
entreissen". Um so schaerfer kontrastiert mit dieser allgemeinen Milde die 
empoerende, selbst von den Schutzrednern der karthagischen und der 
numantinischen Katastrophe gemissbilligte Behandlung von Korinth, welche durch 
die auf den Gassen von Korinth gegen die roemischen Abgeordneten ausgestossenen 
Schmaehreden auch nach roemischem Voelkerrecht nichts weniger als gerechtfertigt 
ward. Und doch ging sie keineswegs hervor aus der Brutalitaet eines einzelnen 
Manns, am wenigsten des Mummius, sondern war eine vom roemischen Rat erwogene 
und beschlossene Massregel. Man wird nicht irren, wenn man darin das Werk der 
Kaufmannspartei erkenet, die in dieser Epoche schon neben der eigentlichen 
Aristokratie anfaengt, in die Politik einzugreifen, und die in Korinth einen 
Handelsnebenbuhler beseitigt hat. Wenn die roemischen Grosshaendler bei der 
Regulierung Griechenlands mit zureden gehabt haben,$
 recht und seit mehr als einem 
Jahrhundert ohne jede fuehlbare Opposition, so hatte die durchgemachte Krise wie 
ein Blitz in dunkler Nacht ihr den Abgrund gezeigt, der vor ihren Fuessn 
klaffte. War es ein Wunder, dass fortan der Groll immer und, wo sie es wagte, 
der Schrecken das Regiment der altadligen Herrenpartei bezeichnete? dass die 
Regierenden noch unendlich schroffer und gewaltsamer als bisher gegen die 
nichtregierende Menge als festgeschlossene Partei zusammenstanden? dass die 
Familienpoltik jetzt, eben wie in den schlimmsten Zeiten des Patriziats, 
wiederum sich griff und zum Beispiel die vier Soehne und (wahrscheinlich) die 
zwei Neffen des Quintus Metellus, mit einer einzigen Ausnahme lauter 
unbedeutende, zum Teil ihrer Einfalt wegen berufene Leute, innerhalb fuenfzehn 
Jahren (631-645 123-109) saemtlich zum Konsulat, mit Ausnahme eines einzigen 
auch zum Triumph gelangten, von den Schwiegersoehnen und so weiter zu schweigen? 
dass, je gewalt- und grausamer einer der Ihrigen gegen die Geg$
mmten Platz in der 
Schlachtordnung, jedes seinen bestimmten militaerischen Rang und sein eigenes 
Feldzeichen gehabt. Alle diese Unterschiede fielen jetzt ueber den Haufen. Wer 
ueberhaupt als Legionaer zugelassen ward, bedurfte keiner weiteren 
Qualifikation, um in jeder Abteilung zu dienen; ueber die Einordnung entschied 
einzig das Ermessen der Offiziere. Alle Unterschiede der Bewaffnung fielen weg 
und somit wurden auch alle Rekruten gleichmaessig geschult. Ohne Zweifel in 
Verbindung damit stehen die vielfachen Verbesserungen, die in der Bewaffnung, 
dem Tragen des Gepaecks und aehnlichen Dingen von Marius herruehren und ein 
ruehmliches Zeugnis ablegen von der Einsicht desselben in das praktische Detail 
des Kriegshandwerks und seiner Fuersorge fuer die Soldaten; vor allem aber das 
neue, von dem Kameraden des Marius im Afrikanischen Krieg, Publius Rutilius 
Rufus (Konsul 649 105^, entworfene Exerzierreglement; esist bezeichnend, dass 
dasselbe die militaerische Ausbildung des einzelnen Mannes betraec$
h ungefaehr dieselben 
sein wie bei den oben erwaehnten wesentlich gleichartigen Kriminalkommissionen. 
Ueber die Leitung dieser verschiedenen Gerichtshoefe war in den einzelnen 
Gerichtsordnungen verschieden bestimmt; so standen dem Erpressungsgericht ein 
Praetor, dem Mordgericht ei  aus den gewesenen Aedilen besonders ernannter 
Vorstand, dem Schaftgericht mehrere aus den gewesenen Quaestoren genommene 
Direktoren vor. Die Geschworenen wurden wenigstens fuer das ordentliche wie fuer 
das ausserordentliche Verfahren in Gemaessheit der Gracchischen Ordnung aus den 
nichtsenatorischen Maennern von Ritterzensus genommen; die Auswahl stand im 
allgemeinen den Magistraten zu, die die Gerichtsleitung hatten, jedoch in der 
Weise, dass sie mit dem Antritt ihres Amts die Geschworenenliste ein fuer 
allemal aufzustellen hatten und dann das einzelne Gesciworenenkollegium aus 
diesen nicht durch freie Auswahl des Magistrats, sondern durch Losung und durch 
Rejektion der Parteien gebildet ward. Aus der Volkswahl gingen$
nem Anrecht auf den Zehnten 2 der Garben und sonstigen 
Feldfruechte wie der Trauben und Oliven, oder, wenn das Land zur Weide lag, 
einem entsprechenden Hutgeld; teils, wie in Makedonien, Achaia, Kyrene, dem 
groessten Teil von Africa, beiden Spanien, nach Sulla auch in Asia, in einer von 
jeder einzelnen Gemeinde jaehrlich nach Rom zu entrichtenden festen Geldsumme 
(stipendium, tributum),welche zum Beispiel fuer ganz Makedonien 600000 (183000 
Taler), fuer die kleine Insel Gyaros bei Andros 150 Denare (46 Taler) betrug und 
allem Anschein nach im ganzen niedrig und geringer war als die vor der 
roemischen Herrschaft entrichtete Abgabe. Jene Bodenzehnten und Hutgelder 
verdang der Staat gegen Lieferung fester Quantitaeten Korn oder fester 
Geldsummen an Privatunt^rnehmer; dieser Geldabgaben wegen hielt er sich an die 
einzelnen Gemeinden und ueberliess es diesen, den Betrag nach den von der 
roemischen Regierung im allgemeinen festgestellten Prinzipien auf die 
Steuerpflichtigen zu repartieren und von dies$
 Klosterabenteuer. Bekannt ist der arge Handel des Jahres 640 (114), in 
welchem drei Vestalinnen, Toechter der vornehmsten Familien, und deren 
Liebhaber, junge Maenner gleBchfalls aus den besten Haeusern, zuerst vor dem 
Pontifikalkollegium und, da dies die Sache zu vertuschen suchte, vor einem durch 
eigenen Volksschluss eingesetzten ausserordentlichen Gericht wegen Unzucht zur 
Verantwortung gezogen und saemtlich zum Tode verurteilt wurden. Solchen Skandal 
nun konnten freilich gesetzte Leute nicht billigen; aber dagegen war nichts 
einzuwenden, dass man die positive Religion im vertrauten Kreise albern fand: 
die Augurn konnten, wenn einer den andern fungieren sah, sich einander ins 
Gesicht lachen, unbeschadet ihrer religioesen Pflichten. Man gewinnt die 
bescheidene Heuchelei verwandter Richtungen ordentlich lieb, wenn man die krasse 
Unverschaemtheit der roemischen Priester und Leviten damit vergleicht. Ganz+
unbefangen ward die offizielle Religion behandelt als ein hohles, nur fuer die 
politischen M$
Die 
Buehneneinrichtungen hoben sich zusehends. Uie verbesserte Inszenierung und die 
Wiedereinfuehrung der Masken um die Zeit des Terenz haengt wohl ohne Zweifel 
damit zusammen, dass die Einrichtung und Instandhaltung der Buehne und des 
Buehnenapparats im Jahre 580 (74) auf die Staatskasse uebernommen ward ^13. 
Epochemachend in der Theatergeschichte wurden die Spiele, welche Lucius Mummius 
nach der Einnahme von Korinth gab (609 145). Wahrscheinlich wurde damals zuerst 
ein nach griechischer Art akustisch gebautes und mit Sitzplaetzen versehenes 
Theater aufgeschlagen und ueberhaupt auf die Spiele mehr Sorgfalt verwandt ^14. 
Nun ist auch von Erteilung eines Siegespreises, also von Konkurrenz mehrerer 
Stuecke, von lebhafter Parteinahme des Publikums fuer und gegen die 
Hauptschauspieler, von Clique und Claque mehrfach die Rede. Dekorationen und 
Maschinerie wurden verbessert: kunstmaessig gemalte Kulissen und hoerbare 
Theaterdjnner kamen unter der Aedilitaet des Gaius Claudius Pulcher 655 (99) auf 
^15,$
Felsen des Kapitols fluechten muessen, um die Freiheit zu 
retten. Es war nicht die Schuld des Propheten, wenn der Sturm nicht, wie er 
meinte, von Osten kam, sondern das Schicksal, buchstaeblicher als er selbst es 
ahnte seine Worte erfuellend, das vernichtende Unwetter wenige Jahre spaeter aus 
dem Keltenland heranfuehrte.
Pompeius und der Osten
Wir haben frueher gesehen, wie trostlos im Osten zu Lande und zur See die 
Angelegenheiten Roms standen, als im Anfang des Jahres 687 (67) Pompeius 
zunaechst die Fuehrung des Krieges gegen die Piraten mit beinahe unumschraenkter 
Machtvollkommenheit uebernahm. Er begann damit, das ungeheure ihm ueberwiesene 
Gebiet in dreizehn Bezirke zu teilen und jeden Rerselben einem seiner 
Unterfeldherren zu ueberweisen, um daselbst Schiffe und Mannschaften zu ruesten, 
die Kuesten azusuchen und die Piratenboote aufzubringen oder einem der Kollegen 
ins Garn zu jagen. Er selbst ging mit dem besten Teil der vorhandenen 
Kriegsschiffe, unter denen auch diesmal die rhodischen si$
aechlich und zogen sich, soweit es irgend schicklicherweise 
anging, auf ihre Villen zurueck, um ueber Gaerten und Bibliotheken, ueber 
Vogelhaeusern und Fischteichen den Markt und das Rathaus moeglichst zu 
vergessen. Noch viel mehr gilt dies natuerlich von der juengeren Generation der 
Aristokratie, die entweder ganz in Luxus und Literatur unterging oder der 
aufgehenden Sonne sich zuwandte. Ein einziger unter den Juengeren machte hiervon 
eine Ausnahme: es ist Marcus Porcius Cato (geboren 659 95), ein Mann vom besten 
Willen und seltener Hingebung, unJ doch eine der abenteuerlichsten und eine der 
unerfreulichsten Erscheinungen in dieser an politischen Zerrbildern ueberreichen 
Zeit. Ehrlich und stetig, ernsthaft im Wollen und im Handeln, voll 
Anhaenglichkeit an sein Vaterland und die angetammte Verfassung, aber ein 
langsamer Kopf und sinnlich wie sittlich ohne Leidenschaft, haette er allenfalls 
einen leidlichen Staatsrechenmeister abgeben moegen. Ungluecklicherweise aber 
geriet er frueh unter die Gew$
ewachung uebergeben wurden; 
offenbar sol-ten sie entweder, wenn sie sie entrinnen liessen, vor der 
oeffentlichen Meinung als Mitschuldige oder, wenn sie in der Tat sie 
festhielten, vor ihren Mitverschworenen als Abtruennige kompromittiert werden. 
Bezeichnend fuer die Situation ist die folgende im Senat vorgefallene Szene. 
Unmittelbar nach der Verhaftung des Lentulus und seiner Genossen wurde ein von 
den Verschworenen in der Hauptstadt an Catilina abgesandter Bote von den Agenten 
der Regierung aufgegriffen und derselbe, nachdem ihm Straflosigkeit zugesichert 
war, in voller Senatssitzung ein umfassendes Gestaen-nis abzulegen veranlasst. 
Wie er aber an die bedenklichen Teile seiner Konfession kam und namentlich als 
seinen Auftraggeber den Crassus nannte, ward er von den Senatoren unterbrochen 
und auf Ciceros Vorschlag beschlossen, die ganze Angabe ohne weitere 
Untersuchung zu kassieren, ihren Urheber aber ungeachtet der zugesicherten 
Amnestie so lange einzusperren, bis er nicht bloss die Angabe zuru$
auch an der 
Rheinmuendung germanische Staemme sich fertig machten, den Strom zu 
ueberschreiten. Infolgedessen brach Caesar mit seinem jetzt auf acht Legione/ 
vermehrten Heer im Fruehjahr 697 (57) auf/gegen die belgischen Gaue. Eingedenk 
des tapferen und gluecklichen Widerstandes, den sie fuenfzig Jahre zuvor mit 
gesamter Hand an der Landgrenze den Kimbrern geleistet hatte, und gespornt durch 
die zahlreich aus Mittelgallien zu ihnen gefluechteten Patrioten, sandte die 
Eidgenossenschaft der Belgen ihr gesamtes erstes Aufgebot, 300000 Bewaffnete 
unter Anfuehrung des Koenigs der Suessionen, Galba, an ihre Suedgrenze, um 
Caesar daselbst zu empfangen. Nur ein einziger Gau, der der maechtigen Remer (um 
Reims), ersah in dieser Invasion der Fremden die Gelegenheit, das Regiment 
abzuschuetteln, das ihre Nachbarn, die Suessionen, ueber sie ausuebten, und 
schickte sich an, die Rolle, die in Mittelgallien die Haeduer gespielt hatten, 
im noerdlichen zu uebernehmen. In ihrem Gebiet trafen das roemische und das $
n ihrer Art 
unuebertrefflichen Taktik der Wesir mit einer vollkommen verschiedenen 
gegenueber. Sein Heer bestand ausschliesslich aus Reiterei; die Linie bildeten 
die schweren Reiter, mit langen Stosslanzen bewaffnet und Mann und Ross durch 
metallene Schuppenpanzer oder Lederkoller und durch aehnliche Schienen 
geschirmt; die Masse der Truppen bestand aus berittenen Bogenschuetzen. Diesen 
gegenueber waren dieRoemer in den gleichen Waffen sowohl der Zahl wie der 
Tuechtigkeit nach durchaus im Nachteil. Ihre Linieninfanterie, wie vorzueglich 
sie auch im Nahkampf, sowohl auf kurze Distanz mit dem schweren Wurfspeer als im 
Handgemenge mit dem Schwert, war, konnte doch eine bloss aus Reiterei bestehende 
Arme nicht zwingen, sich mit ihr einzulassen, und fand, wenn es zum Handgemenge 
kam, auch hier in den eisenstarrenden Scharen der Lanzenreiter einen ihr 
gewachsenen, wo nicht ueberlegenen Gegner. Einem Heer gegenueber, wie dies 
parthische war, stand das roemische strategisch im Nachteil, weil die Reiter$
 bloss den Anstiftern, 
sondern selbst dem Korps, niemals verziehen. Aber der rechte Sldat soll nicht 
bloss ueberhaupt tuechtig, tapfer und gehorsam, sondern er soll dies alles 
willig, ja freiwillig sein; und nur genialen Naturen ist es gegeben, durch 
Beispiel und durch Hoffnung und vor allem durch das Bewusstsein, zweckmaessig 
gebraucht zu werden, die beseelte Maschine, die sie regieren, zum freudigen 
Dienen zu bestimmen. Wenn der Offizier, um von seinen Leuten Tapferkeit zu 
verlangen, selbst mit ihnen der Gefahr ins Auge gesehen haben muss, so hatte 
Caesar auch als Feldherr Gelegenheit gehabt, den Degen zu ziehen und dann gleich 
dem Besten ihn gebraucht; an Taetigkeit aber und Strapazen mutete er stets sich 
selbst weit mehr zu als seinen Soldaten. Caesar sorgte dafuer, dass an den Sieg, 
der zunaechst freilich dem Feldherrn Gewinn bringt, doch auch fuer den Soldaten 
sich persoenliche Hoffnungen knuepften. Dass er es verstand, die Soldaten fuer 
die Sache der Demokratie zu bgeistern, soweit die p$
chtung dieser Leute, namentlich des Cicero drang, war es einzig Cato, 
der sie durch seine sittliche Autoritaet verhinderte.
Auch Pompeius begehrte keinen Frieden. Waere er ein Mann gewesen, der es 
verdiente, an dem Platze zu stehen, wo er stand, so moechte man meinen, er habe 
es begriffen, dass, wer nach der Krone greift, nicht wieder zurueck kann in das 
Geleise der gewoehnlichen Existenz und darum fuer den, der fehlgegriffen, kein 
Platz mehr auf der Erde ist. Allein schwerlich dachte Pompeius zu gross, um eine 
Gnade zu erbitten, die der Sieger vielleicht hochherzig genug gewesen waere, ihm 
nicht zu versagen, sondern vielmehr wahrscheinlich dazu zu gering. Sei es, dass 
er es nicht ueber sich gewann, Caesar sich anzuvertrauen, sei es, dass er in 
seiner gewoehnlichen unklaren und unentschiedenen Weise, nachdem der]erste 
unmittelbare Eindruck der Katastrophe von Pharsalos geschwunden war, wieder 
anfing, Hoffnung zu schoepfen, Pompeius wa entschlossen, den Kampf gegen Caesar 
fortzusetzen und nach dem$
n dem ganzen Staate als in einer einzelnen Stadt ihre 
Heimat zu finden; hier konzentriert sich unvermeidlich die auslaendische 
Ansiedlung, die fluktuierende Bevoelkerung von Vergnuegens- und 
Geschaeftsreisenden, die Masse des muessigen, faulen, verbrecherischen, 
oekonomisch und moralisch bankrotten und eben darum kosmopolitischen Gesindels. 
Auf Rom fand dies alles in hervorragender Weise Anwendung. Der wohlhabende 
Roemer betrachtete sein Stadthaus haeufig nur als ein Absteigequartier. Indem 
aus der staedtischen Munizipalitaet die Reichsaemter hervorgingen, das 
staedtische Vogtding die Versammlung der Reichsbuerger ward, kleinere, sich 
selber regirende Bezirks- oder sonstige Gemeinschaften innerhalb der Hauptstadt 
nicht geduldet wurden, hoerte jedes eigentliche Kommunalleben fuerRom auf. Aus 
dem ganzen Umfange des weitumfassenden Reiches stroemte man nach Rom, um zu 
spekulieren, zu debauchieren, zu intrigieren, zum Verbrecher sich auszubilden 
oder auch daselbst vor dem Auge des Gesetzes sich zu $
n hatte laengst, 
freilich den Emigranten selber unbewusst, eine solche Ausdehnung Italiens 
vorbereitet. In planmaessiger Weise hatte zuerst Gaius Gracchus, der Schoepfer 
der roemischen demokratischen Monarchie, der Urheber der transalpinischen 
Eroberungen, der Gruender der Kolonien Karthago und Narbo, die Italiker ueber 
Italiens Grenzen hinaugelenkt, sodann der zweite geniale Staatsmann, den die 
roemische Demokratie hervorgebracht, Quintus Sertorius, damit begonnen, die 
barbarischen Okzidentalen zur latinischen Zivilisation anzuleiten; er gab der 
vornehmen spanischen Jugend roemische Tracht und hielt sie an, lateinisch zu 
sprechen und auf der von ihm gegruendeten Bildungsanstalt in Osca sich die 
hoehere italische BildunJ anzueignen. Bei Caesars Regierungsantritt war bereits 
eine massenhafte, freilich der Stetigkeit wie der Konzentration grossenteils 
ermangelnde italische Bevoelkerung in allen Provinzen und Klientelstaaten 
vorhanden - um von den foermlich italischen Staedten in Spanien und dem 
s$
en wohl im einzelnen mancherlei zeitgemaesse Verbesserungen 
eingefuehrt, unter denen leicht die wichtigste sein mochte die Abschaffung der 
alten ungeschickten Prozesseroeffnung durch stehende Spruchformeln der Parteien 
undihre Ersetzung durch eine von dem prozessleitenden Beamten schriftlich 
abgefasste Instruktion fuer den Einzelgeschworenen (formula); allein in der 
Hauptsache hatte die Volkslegislation nur ueber jene altersgraue Grundlage einen 
den englischen Statutargesetzen vergleichbaren unuebersehlichen Wust 
grossenteils laengst veralteter und vergessener Spezialgesetze aufgeschichtet. 
Die Versuche wissenschaftlicher Formulierung und Systematisierung hatten die 
verschlungenen Gaenge des alten Zivilrechts allerdings zugaenglich gemacht und 
erhellt; allein dem Grundmangel, dass ein vor vierhundert Jahren abgefasstes 
staedtgsches Weistum mit seinen ebenso diffusen wie konfusen Nachtraegen jetzt 
als das Recht eines grossen Staates dienen sollte, konnte kein roemischer 
Blackstone abhelfen. Gruen$
neque
enim debet votum vinculum esse iniquitatis, ut canon dicit.
41] Paulus dicit Gal. 5,4: Evacuati estis a Christo, qui in lege
iustificamini; a graita excidistis.
42] Ergo etiam qui votis iustificari volunt, evacuantur a Christo
et a gratia excidunt.
43] Nam et hi, qui votis tribuunt iustificationem, tribuunt
propriis operibus hoc, quod proprie ad gloriam Christi pertinet.
44] Neque vero negari potest, quin monachi docuerint se per vota
et observationes suas iustificari et mereri remissionem peccatorum;
imo affinxerunt absurdiora, dixerunt se aliis mutari sua opera.
45] Haec si quis velit odiose exaggerare, quam multa possit
colligere, quorum iam ipsos ~onachos pudet!
46] Adhaec persuaserunt hominbus factitias religiones esse statum
Christianae perfectionis.
47] An non est hoc iustificationem tribuern operibus?
48] Non est leve scandalum in ecclesia, populo proponere certum
cultum ab hominibus excogitatum sine mando Dei, et docere, quod
talis cultus iustificet homines. Quia iustitia fidei, quam maxime
opo$
y Rev. Theodore Mayes and is in the public domain. You may
freely distribute, copy or print this text. Please direct any
comments or suggestions to: Rev. Robert E. Smith of the Walther
Library at Concordia Theological Seminary.
  E-mail: cosmithb@ash.pa:ni.edu
  Surface Mail: 66000 N. Clinton St., Ft. Wayne, IN 46825 USW
  Phone: (219) 452-2123                       Fax: (219) 452-2126
Geschichte des Agathon
Christoph Martin Wieland
Erste Fassung (1766/1767)
--quid Virtus, et quid Sapientia possit Utile proposuit nobis exemplar.--
Geschichte des Agathon--Inhalt
  Erstes Buch
    Erstes Kapitel: Anfang dieser Geschichte
    Zweites Kapitel: Etwas ganz Unerwartetes
    Drittes Kapitel: Unvermutete Unterbrechung des
                     Bacchus-Festes
    Viertes Kapitel: Agathon wird zu Schiffe gebracht
    Fuenftes Kapitel: Eine Entdeckung
    Sechstes Kapitel: Erzaehlung der Psyche
    Siebentes Kapitel: Fortsetzung der Erzaehlung der Psyche
    Achtes Kapitel: Psyche beschliesst ihre Erzaehlung
    Neuntes K$
ordert, oder es vor demjenigen warnet, was
seinem Wesen die Zerstoerung draeuet.  Sollte der Mensch allein von dieser
muetterlichen Vorsorge ausgenommen sein, oder er allein irren koennen, wenn
er der Stimme folget, die zu allen Wesen redet?  Oder ist nicht vielmehr
die Unachtsamkeit und der Ungehorsam gegen ihre Erinnerungen die einzige
wahre Ursache, warum unter einer unendlichen Menge von lebenden Wesen der
Mensch das einzige Unglueckselige ist?
Die Natur hat allen ihren Werken eine gewisse Einfalt eingedrueckt, die
ihre muehsamen Anstalten und eine genaue Regelmaessigkeit unter einem Schein
von Leichtigkeit und ungezwungner Anmut verbirgt.  Mit diesem Stempel
sind auch die sesetze der Glueckseligkeit bezeichnet, die sie dem Menschen
voreschrieben hat.  Sie sind einfaeltig, leicht auszuueben, und fuehren
gerade und sicher zum Zweck.  Die Kunst gluecklich zu leben, wuerde die
gemeinste unter allen Kuensten sein, wie sie die leichteste ist, wenn die
Menschen nicht gewohnt waeren sich einzubilden, dass man g$
nung, ziehen koenne.  Wir wollen bei der Sache selbst bleiben.
Worauf gruendet sich die erhabne Theorie, von der wir reden?  Wer hat4jemals diese Goetter, diese Geister gesehen, deren Dasein sie voraussetzt?
Welcher Mensch erinnert sich dessen, dass er ehmals ohne Koerper in den
aetherischen Gegenden geschwebt, den gefluegelten Wagen Jupiters begleitet,
und mit den Goettern Nektar getrunken habe?  Was fuer einen sechsten oder
siebenten Sinn haben wir, um die Wuerklichkeit der Gegenstaende damit zu
erkennen, womit man die Geisterwelt bevoelkert?  Sind es unsre innerlichen
Sinnen?  Was sind diese anders als das Vermoegen der Einbildungskraft die
Wuerkungen der aeussern Sinnen nachzuaeffen?  Was sieht das inwendige Auge
eines Blindgebornen?  Was hoert das innere Ohr eines gebornen Tauben?  Oder
was sind diese Szenen, in welche die erhabenste Einbildungskraf
auszuschweifen faehig ist, anders als neue Zusammensetzungen, die sie
gerade so macht, wie ein Maedchen aus den Blumen, die in einem Parterre
zerstreut steh$
 sich so
wenig als Sturm-Winde durch Worte beschwoeren lassen.  Die ihrer selbst
nicht mehr maechtige Priesterin nahm fuer beleidigenden Spott auf, was ich
aus der wohlgemeinten, aber allerdings unzeitigen Absicht, ihrer
versinkenden Tugend zu Huelfe zu kommen, sagte.  Sie geriet in eine Wut,
welche mich in die aeusserste Verlegenheit setzte; sie brach in
Verwunschungen und Drohungen, und einen Augenblick darauf in einen Strom
von Traenen und in so bewegliche Apostrophen aus, dass ich beinahe schwach
genug gewesen waere, mit ihr zu weinen, ohne mein Herz geneigter zu finden,
dem ihrigen zu antworten.  Ich ergriff endlich das einzige Mittel, das mir
uebrig blieb, mich der albernen Rolle, die ich in dieser Szene spielte, zu
erledigen; ich entfloh.  In eben dieser Nacht sah ich meine geliebte
Psyche wieder an dem gewoehnlihen Orte; mein Gemuet war von der Geschichte
dieses Abends zu sehr beunruhigt, als dass ich ihr ein Geheimnis davon
haette machen koennen.  Wir bedaurten die Priesterin, so schwer es uns auch$
lick zu gefallen; die Begierde mich
zu sehen, und Bekanntschaft mit mir zu machen, wurde eine Art von
epidemischer Leidenschaft unter Jungen und Alten; jene machten in kurzem
einen glaenzenden Hof um mich, und diese fassten Hoffnungen von mir, welche
mich, ohne es an mir selbst gewahr zu werden, mit einem geheimen Stolz
erfuellten, und die allzuhochfliegende Meinung, die ich ohnehin geneigt war,
von meiner Bestimmung zu fassen, bestaetgten.  Dieser subtile Stolz, der
sich hinter meinen besten Neigungen und tugendhaftesten Gesinnungen
verbarg, und dadurch meinem Bewusstsein sich entzog, benahm mir nichts von
einer Bescheidenheit, wodurch ich vor den meisten jungen Leuten meiner
Gattung mich zu unterscheiden schien; und ich gewann dadurch, nebst der
allgemeinen Achtung des geringern Teils des Volkes, den Vorteil, dass die
Vornehmsten, die Weisesten und Erfahrensten mich gerne um sich haben
mochten, und mir5durch ihren Umgang eine Menge besondere Kenntnisse
mitteilten, welche mir bei meinem fruehzeitigen Auftri$
gen vorzugeben, die sein Herz verleugnete.  Seine
Briefchen wurden dadurLh so kurz, und verrieten so vielen Zwang, dass Danae
auf einen Gedanken kam, der zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber doch der
natuerlichste war, der ihr einfallen konnte.  Sie vermutete, ihre
Abwesenheit koennte eine von den Schoenen zu Smyrna verwegen genug gemacht
haben, ihr einen so beneidenswuerdigen Li(bhaber entfuehren zu wollen.  Wenn
ihr Stolz zu einem so vermessenen Vorhaben laechelte; so liebte sie doch zu
zaertlich, um so ruhig dabei zu sein, als man aus der muntern Art, womit
sie ueber seine Erkaeltung scherzte, haette schliessen sollen.  Indessen
behielt doch das Bewusstsein ihrer Vorzuege die Oberhand, und liess ihr
keinen Zweifel, dass es nur ihre Gegenwart brauche, um alle Eindruecke,
welche eine Nebenbuhlerin auf der Oberflaeche seines Herzens gemacht haben
koennen, wieder auszuloeschen.  Und wenn sie dessen auch weniger gewiss
gewesen waere, so war sie doch zu klug, ihn merken zu lassen, dass sie ein
Misstrauen in sein$
gen abzuwenden, welche ihr vielleicht durch die fehlerhafte Erziehung
ihrer noch ungebornen Beherrscher in den naechsten hundert Jahren
bevorstehen.
ZWEITES KAPITEL
Charakter des Dion.  Anmerkungen ueber denselben.  Eine Digression
Die Syracusaner waren des Jochs schon zu wohl gewohnt, um einen Versuch zu
machen, es nach dem Tode des alten Dionysius abzuschuetteln.  Es war nicht
einmal soviel Tugend unter ihneq uebrig, dass einige von denen, welche
besser dachten als der grosse Haufen, und die veraechtliche Brut der
Parasiten, den Mut gehabt haetten, sich durch diese letztern hindurch bis
zu dem Ohre des jungen Prinzen zu draengen, um ihm Wahrheiten zu sagen, von
denen seine eigene Glueckseligkeit eben so wohl abhing, als die Wohlfahrt
von Sicilien.  Ganz Syracus hatte nur einen Mann, dessen Herz gross genug
hiezu war; und auch dieser wuerde sich vermutlich in eben diese sichere
aber unruehmliche Dunkelheit eingehuellet haben, worein ehrliche Leu/e unter
einer unglueckweissagenden Regierung sich zu verbergen $
nd, deucht mich wohl wert,
etliche Leute zu unterhalten, die ihren ganzen Ehrgeiz darin setzen, Worte
zierlich zusammenzusetzen, Sylben zu zaehlen, Ohren zu kitzeln und Lungen
zu erschuettern; Leute, denen ihr alle ihre Wuensche erfuellt, wenn ihr ihnen
so viel gebt, als sie brauchen, kummerlos durch eine Welt, an die sie
wenig Ansprueche machen, hindurchzuschlentern, und nichts zu tun, als was
der Wurm im Kopf, den sie ihren Genie nennen, ihnen zum groessesten
Vergnuegen ihres Lebens macht."
Dionys befand diesen Rat seines wuerdigen Ministers vollkommen nach seinem
Geschmack.  Philistus uebergab ihm eine Liste von mehr als zwanzig
Kandidaten, aus denen man, wie er sagte, nach elieben auswaehlen koennte.
Dionys glaubte, dass man dieser nuetzlichen Leute nicht zuviel haben koenne,
und waehlte al8e.  Alle schoenen Geister Griechenlandes wurden unter
blendenden Verheissungen an seinen Hof eingeladen.  In kurzer Zeit
wimmelte es in seinen Vorsaelen von Philosophen und Priestern der Musen.
Alle Arten von Dichtern$
n gezeigt,
und Hoffnung gemacht, sich von den Misshandlungen einer Reihe schlimmer
Regenten wieder zu erholen.  Was wuerd' ich also sein, wenn ich sie in
solchen Umstaenden verlassen wollte, wo sie meiner mehr als jemals
benoetiget sind?  Nein--Dionys hat Beweise genug gegeben, dass er
unverbesserlich ist, und durch die Nachsicht gegen seine Laster nur in der
laecherlichen Einbildung bestaerkt wird, dass man ihnen Ehrfurcht schuldig
sei.  Es ist Zeit der Komoedie ein Ende zu machen, und diesem kleinen
Theater-Koenige den Platz anzuweisen, wozu ihn seine persoenliche
Eigenschaften bestimmen."
Unsere Leser sehen aus dieser Probe der geheimen Gespraeche, welche Agathon
mit sich selbst hielt, dass er noch weit davon entfernt ist, sich von
diesem enthusiastischen Schwung der Seele Meister gemacht zuYhaben, der
bisher die Quelle seiner Fehler sowohl als seiner schoensten Taten gewesenist.  Wir haben keinen Grund in die Aufrichtigkeit dieses Monologen
einigen Zweifel zu setzen; seine Seele war gewohnt, aufrichtig g$
nicht vergessen,
dass er sich damals in einem ausserordentlichen Zustande, auf dem aeussersten
Grade dieses Enthusiasmus der Tugend befand, der den Menschen vergessen
macht, dass er nur ein Mensch ist.  Diese Art von Heldentum daurt
natuerlicher Weise nicht laenger, als der Paroxysmus des Affekts.  Agathon
war sich damals, als er so dachte, einer unbefleckten Tugend bewusst; und
zu was fuer einem Stolz musste dieses Gwfuehl seine Seele in einem Augenblick
aufschwellen, da sich ganz Athen zusammenverschworen zu haben schien, ihn
zu demuetigen; in einem Augenblick, da dieser Stolz der ganzen Last seines
Ungluecks das Gleichgewicht halten musste, und ihm den Triumph verschaffte,
die Herren ueber sein Schcksal die ganze Obermacht, die ihm seine Tugend
ueber sie gab, fuehlen zu lassen?  Diese Art von Stolz gleicht in ihren
Wuerkungen der Wut eines tapfern Mannes der zur Verzweiflung getrieben wird.
Die Gewissheit des Todes, in den er sich hineinstuerzt, macht, dass er
Taten eines Unsterblichen tut.  Aber Agathon $
aendlicher und verdaechtiger.
Von ihm ein andermal.  Erlaubt, dass ich Euch zu Eurer Gesellschaft
zurueckfuehre.
Die Tuer des Saalesoeffnete sich und schloss sich wieder.  Andrea konnte
sich ohne Gefahr aufrichten.  Aber die Worte, die er gehoert hatte,
laehmten noch seine Sinne und Glieder.  Er hoerte undeutlich durch die
Wand das mutwillige Lachen und die Scherze der jungen Leute; die
furchtbare Naehe, in der hier Tod und Leben, Verbrechen und Leichtsinn
aneinander hinstreiften, straeubte ihm das Haar.  Als er sich muehsam
aufrichtete und die Stufen hinuntertappte, suchte seine Hand
krampfhaft nach dem Dolch, den er im Gewand versteckt immer bei sich
trug.  Seine Lippen waren blutig, so hatte er die Zaehne darin
Aber noch war er besonnen genug, Smeraldina wieder aufzusuchen und ihr/in gelassenen Worten zu sagen, dass die Gesellschaft ganz lustig
anzusehen sei; aber er werde nie wieder durch die Spalte schauen, da
er nur mit genauer Not der Entdeckung durch die Graefin und einen
aelteren Gast entkommen sei.$
eber die Fuesse
der schlafenden Waechter hinueberzusqeigen.  Laechelnd sah sich Maerchen
um, als sie hinueber war, und schluepfte dann schnell in das Tor.
Die Karawane
Wilhelm Hauff
Es zog einmal eine grosse Karawane durch die Wueste.  Auf der
ungeheuren Ebene, wo man nichts als Sand und Himmel sieht, hoerte man
schon in weiter Ferne die Glocken der Kamele und die silbernen
Roellchen der Pferde, eine dichte Staubwolke, die ihr vorherging,
verkuendete ihre Naehe, und wenn ein Luftzug die Wolke teilte,
blendeten funkelnde Wafen und helleuchtende Gewaender das Auge.  So
stellte sich die Karawane einem Manne dar, welcher von der Seite her
auf sie zuritt.  Er ritt ein schoenes arabisches Pferd, mit einer
Tigerdecke behaengt, an dem hochroten Riemenwerk hingen silberne
Gloeckchen, und auf dem Kopf des Pferdes wehte ein schoener Reiherbusch.
Der Reiter sah stattlich aus, und sein Anzug entsprach der Pracht
seines Rosses; ein weisser Turban, reich mit Gold bestickt, bedeckte
das Haupt; der Rock und die weiten Beinkl$
chten nennt.
Wenn ich euch sage, ich will euch ein Maerchen erzaehlen, so werdet
ihr zum voraus darauf rechnen, dass es eine Begebenheit ist, die von
dem gewoehnlichen Gang des Lebens abschweift und sich in einem Gebiet
bewegt, das nicht mehr durchaus irdischer Natur ist.  Oder, um
deutlicher zu sein, ihr werdet bei dem Maerchen auf die Erscheinung
anderer Wesen als allein sterblicher Menschen rechnen koennen; es
greifen in das Schicysal der Person, von welcher das Maerchen handelt,
fremde Maechte, wie Feen und Zauberer, Genien und Geisterfuersten, ein;
die ganze Erzaehlung nimmt eine aussergewoehnliche, wunderbare Gestalt
an und ist ungefaehr anzuschauen wie die Gewebe unserer Teppiche oder
viele Gemaelde unserer besten Meister, welche die Franken Arabesken
nennen.  Es ist dem echten Mselmann verboten, den Menschen, das
Geschoepf Allahs, suendigerweise wiederzuschoepfen in Farben und
Gemaelden, daher sieht man auf jenen Geweben wunderbar verschlungene
Baeume und Zweige mit Menschenkoepfen, Menschen, die in $
ehrte; doch zuernte ich ihm ein wenig,
dass er mich nicht frueher mit euh bekannt machte.  Wer von euch ist
denn der junge Schreiber?"
"Ich, o Herr und zu Euren Diensten!" sprach der junge Schreiber,
indem er die Arme ueber der Brust kreuzte und sich tief verbeugte.
"Ihr hoert also gerne Geschichten und leset gerne Buecher mit schoenen
Versen und Denkspruechen?"
Der junge Mensch erschrak und erroetete; denn ihm fiel bei, wie er
damals den Scheik bei dem Alten getadelt und gesagt hatte, an seine
Stelle wuerde er sich erzaehlen oder aus Buechern vorlesen lassen.  Er
war dem schwatzhaften Alten, der dem Scheik gewiss alles verraten
hatte, in diesem Augenblicke recht gram, warf hm einen boesen Blick
zu und sprach dann: "O Herr!  Allerdings kenne ich fuer meinen Teil
keine angenehmere Beschaeftigung, als mit dergleichen den Tag
zuzubringen.  Es bildet den Geist und vertreibt die Zeit.  Aber jeder
nach seiner Weise!  Ich tadle darum gewiss keinen, der nicht--"
"Schon gut, schon gut", unterbrach ihn der Scheik lac$
einen die Sinne; er bat anfangs
ganz bescheiden, sein Vater moechte langsamer reiten, als es aber
immer schneller ging und der heftige Wind dem armen Kuno beinahe den
Atem nahm, da fing er an, still zu weinen, wurde immer ungeduldiger
und schrie am Ende aus Leibekraeften.
"Weiss schon, dummes Zeug!" fing jetzt sein Vater an.  "Heult der
Junge beim ersten Ritt; schweig oder--" Doch den Augenblick, als er
mit einem Fluche sein Soehnlein aufmuntern wollte baeumte sich sein
Ross; der Zuegel des andern entfiel seiner Hand, er arbeitete sich ab,
Meister seines Tieres zu werden, und als er es zur Ruhe gebracht
hatte und sich aengstlich nach seinem Kind umsah, erblickte er dessen
Pferd, wie es ledig und ohne den kleinen Reiter der Burg zulief.
So ein harter, finsterer Mann der Graf von Zollern sonst war, so
ueberwand doch dieser Anblick sein Herz; er glaubte nicht anders, als
sein Kind liege zerschmettert am Weg; er raufte sich den Bart und
jammerte.  Aber nirgends, so weit er zurueckritt, sah er eine Spur von
dem $
 Hollaender-Michel vergass sie nicht.
Sie fuhren auch mit dem Holz den Rhein hinab, und Miche leitete das
Floss und brachte sie schnell bis nach Rotterdam.  Dort bot man ihnen
das Vierfache von dem frueheren Preis, und besonders die ungeheuren
Balken des Michel wurden mit schwerem Geld bezahlt.  Als die
Schwarzwaelder so viel Geld sahen, wussten sie sich vor Freude nicht zu
fassen.  Michel teilte ab, einen Teil dem Holzherrn, die drei anderen
unter die Maenner.  Und nun setzten sie sich mit Matrosen und anderem
schlechten Gesindel in die Wirtshaeuser, verschlemmten und verspielten
ihr Geld; den braven Mann aber, der ihnen abgeraten, verkaufte der
Hollaender-Michel an einen Seelenverkaeufer, und man hat nichts mehr
von ihm gehoert.  Von da an war den Burschen im Schwarzwald Holland
das Paradies und Hollaender-Michel ihr Koenig; die Holzherren erfuhren
lange nichts von dem Handel, und unvermerkt kamen Geld, Flueche,
schlechte Sitten, Trunk und Spiel aus Holland herauf.
Der Hollaender-Michel war, als die Geschi$
morgen fruehe und
mach ein Bot auf das Gewerbe, wie es recht ist!  Halt dich wohl, sei
fleissig, und ich will dich zueilen besuchen und dir mit Rat und Tat
an die Hand gehen, weil du dir doch keinen Verstand erbeten.  Aber,
das sag' ich dir ernstlich, dein erster Wunsch war boese.  Nimm dich
in acht vor dem Wirtshauslaufen, Peter! 's hat noch bei keinem lange
gut getan." Das Maennlein hatte, waehrend es dies sprach, eine neue
Pfeife vom schoensten Beinglas hervorgezogen, sie mit gedoerrten
Tannenzapfen gestopft und in den kleinen, zahnlosen Mund gesteckt.
Dann zog es ein ungeheures Brennglas hervor, trat in die Sonne und
zuendete seine Pfeife an.  Als er damit fertig war, bot er dem Peter
freundlich die Hand, gab ihm noch ein paar gute Lehren auf den Weg,
rauchte und blies immer schneller und verschwand endlich in einer
Rauchwolke, die nach echtem hollaendischem Tabak roch und, langsam
sich kraeuselnd, in den Tannenwipfeln vorschwebte.
Als Peter nach Hause kam, fand er seine Mutter segr in Sorgen um ihn;
den$
ch die Habsucht mit
all ihren Furien in seine Brust zurueck.  Aber ueberzeugt, dass er in
seiner Lage ausharren muesse, um sein Ziel zu erreichen, hielt er sich
ruhig und fiel vor Kaelte und Ermuedung in einen festen Schlaf.
Er mochte ungefaehr zwei Stunden geschlafen haben, als ihn ein kalter
Wind, der ihm uebers Gesicht fuhr, und ein Rauschen wie von
herannahenden Meereswogen aus seiner gluecklichen Selbstvergessenheit
aufruettelten.  Der Himmel hatte sich aufs neue verfinstert.  Ein
Blitz wie der, welcher den ersten Sturm herbeigefuehrt, erhellte noch
einmal die Gege3d umher, und er glaubte abermals, das fremde Schiff
zu erblicken, das jetzt dicht vor der Steenfollklippe auf einer hohen
Welle zu haengen und dann jaehlings in den Abgrund zu schiessen schien.
Er starrte noch immer nach dem Phantom; denn ein unaufhoerliches
Blitzen hielt jtzt das Meer erleuchtet, als sich auf einmal eine
berghohe Wasserhose aus dem Tale erhob und ihn mit solcher Gewalt
gegen einen Felsen schleuderte, dass ihm alle Sinne verg$
Bagage, seids nicht still?
Tausendschwerenot!
Marthe (ruft).
(Die erste Melodie faellt ein.)
Mein Franzel ist ein wiffer Bua,
Singt den ganzen Tag:
Dass er mich alleinig nur
Und kein andre mag.
Die drei Kinder.
Wenn wir nicht was z' essen kriegn,
So gehn wir ja zugrund!
So weckts das Kind nicht in der Wiegn,
Und spielts euch mit den Hund!
Mein Franzel ist ein wiffer Bua,
Singt den ganzen Tag:
Dass er mich alleinig nur
Und kein andre mag.
Die drei Kinder.
Sapperment, ein Brot!
Wanns nicht euern Schnabel halts,
Schlag ich euch noch tot!
Still seids, ihr ausgelassenen Buben!
Haenschen (weinerlich).
Mutter, a Brot!
Ist keins da, Holzbirn %ssts!
Und machts keinen solchen Laerm.  Euern Vater ist nicht gut.
Was fehlt ihm denn?
Den Schwindel hat er.  (Fuer sich.)  Man darfs den Kindern nicht
einmal sagen.
Jetzt hat der Vater so viel Kohlen verkauft--
Und hat kein Geld z' Has bracht, nichts als ein Schwindel.
Was geht das euch an?
Weil wir hungrig sein.  Ich weiss schon, warum wir so wenig z'
essen kriegen, weil der $
 nicht gar zu schwer machte. Man soll dort
einen ganz neuen Menschen anziehen, nicht neue Lappen auf das alte Kleid
flicken, nicht jungen Wein in alte Schlaeuche fuellen, sondern ein ganz
neugeborener Mensch werden. Dies Christentum kann nie auf die Masse
wirken, diese Besserungsmethode der Menschheit setzt einen religioesen
Heroismus voraus, der sich nur bei wenig Auserwaehlten findet und so ist
in Berlin auch die Religion, die erste Springfeder des sittlichen
Volkslebens, us Ueberreligion ohne durchgreifende Wirkung.
U dem Christentume Allgemeinheit und Einfluss auf die Sittlichkeit einer
Nation zu geben, muss es entweder auf den Aberglauben wirken, wie durch
die mystischen Zauber des Formendienstes im Katholizismus, oder es muss
mit schlichter Einfachheit und ueberzeugender Waerme auf die moralischen
Grundwahrheiten zurueckgefuehrt werden. Ein protestantischer Staat kann fuer
seinen sittlichen Zweck auf die mitwirkende Kraft des Christentums nur
dann rechnen, wenn er den Predigern einen klaren, gefuehlvo$
des kostbrsten Bausteins, von der
nicht eine Platte sich hier vorfaende wie in einer mineralogischen
Sammlung. Zu dieser durch die Steine hervorgerufenen Unruhe gesellt sich
die Ungleichartigkeit der Bilder. Sie scheinen alle nach dem Gedanken
zusammengestellt, die Foerderer der Religion und des Christentums zu
feiern. Aber auch dies ist ein Galerie- oder Museumsgedanke, kein reiner
Kirchengedanke. Huss, Luther, die Kurfuersten von Brandenburg stehen
vis-a-vis den Patriarchen und den Evangelisten. Da muss es an der einigen
Stimmung fehlen, die Andacht hebt sih nicht auf reinen Schwingen, man
kann in einem solchen Salon nur einen konventionellen Gottesdienst
halten. Ach, und dieser Fanatismus fuer das konventionell Religioese sitzt
ja wie Mehltau auf all' unsern Geistesblueten! Man denkt nicht mehr, man
prueft nicht mehr, man uebt Religion nur um der Religion willen. Man ehrt
sie um ihrer Ehrwuerdigkeit, man ehrt sie wie man Eltern ehrt, deren
graues Haar unsere Kritik ueber die Schwaechen, die sie besitzen,$
erwaerts ich Ruh'.
Es gilt zu schreiben, schreiben, rasch und viel.
Und diese Schrift, Ihr sollt mir sie noch kuessen,
Wie ich sie kuesse jetzt.
Wir sind geborgen.
(Er tritt ins Innere des Zeltes, dessen Vorhaenge er herablaesst.)
Mathias. Er ist ein Raetsel was er tut und spricht
Und seine Rede streitet mit ihm selber.--
Nun ja, die Schrift (Freudig auffahrend.) He Klesel, Klesel hoere!
(Er tritt an den Vorhang.)
Er gibt nicht Antwort. Lass ich ihn denn jetzt!
Ein Meer von Bildern schwimmt vor meiner Seele.
(Auf die Seitentuere zugehend bleibt er stehen, als ob er ukehren
wollte, geht aber nach einigem Besinnen ab.)
------------------------------------------------------
Gegend in der Naehe des kaiserlichen Lagers.
Abenddaemmerung. Man hoert einige Flintenschuesse hinter der Szene.
Prokop, ein blosses Schwert in der Hand, kommt mit seiner Tochter.
Prokop. Komm6meine Tochter, noch haelt dieser Arm
Und fuehlt sich stark genug dich zu verteid'gen.
(Zwei kaiserliche Soldaten folgen.)
Erster. Gebt Euch, sag ich, $
 heftig bewegt sich verhuellend).
  O Mutter! Mutter! Was eEsannest du?
Isabella (fuehrt sie vorwaerts).
  Die Mutter hat umsonst zu ihm gefleht,
  Beschwoere du, erfleh' ihn, dass er lebe!
  Arglist'ge Mutter! Also pruefst du mich!
  In neuen Kampf willst du zurueck mich stuerzen?
  Das Licht der Sonne mir noch theurer machen
  Auf meinem Wege zu der ew'gen Nacht?
  --Da steht der holde Lebensengel maechtig
  Vor mir, und tausend Blumen schuettet er
  Und tausend goldne Fruechte lebenduftend
  Aus reichem Fuellhorn stroemend vor mir aus,
  Das Herz geht auf im warmen Strahl der Sonne,
  Und neu erwacht in der erstorbnen Brust
  Die Hoffnung wieder und die Lebenslust.
  Fleh' ihn, dich oder Niemand wird er hoeren,
  Dass er den Stab nicht raube dir und mir.
  Ein Opfer forder der geliebte Todte;
  Es soll ihm werden, Mutter--Aber mich
  Lass dieses Opfer sein! Dem Tode war ich
  Geweiht, eh' ich das Leben sah. Mich fordert
  Der Fluch, der dieses Haus verfolgt, und Raub
  Am Himmel ist das Leben, das ich leb$

als falle die Hand des Gewaltigen auf seine Schulter, blickte sich um,
und obwohl niemand hinter ihm ging als sein kurzer Schatten,
fluechtete er sich zaehneklappernd in irgendein Versteckr"
"Ich streiche die Narren Ezzelins", unterbrach Dante mit einer
griffelhaltenden Gebaerde, als schriebe er seine Fabel, statt sie zu
sprechen, wie er tat.  "Der Zug ist unwahr, oder dann log Ascanio.  Es
ist durchaus undenkbar, dass ein so ernster und urspruenglich edler
Geist wie Ezzelin Narren gefuettert und sich an ihrem Bloedsinn ergoetzt
habe." Diesen geraden Stich fuehrt der Florentiner gegen seinen
Gastfreund, auf dessen Mantel Gocciola sass, den Dichter angrinsend.
Cangrande tat nicht dergleichen.  Er versprach sich im stillen, bei
erster Gelegenheit mit Wucher heimzuzahlen.
Befriedigt, fast heiter setzte Dante seine Erzaehlung fort.
"Endlich entdeckten die beiden den entmoenchten Moench, welcher, wie
gesagt, den Ruecken an den Stamm einer Pinie lehnte--"
"An den Stamm einer Zeder, Dante", verbesserte die aufmerk$
ige Blumen, in Gestalt der Sonnenwende; statt dem
mittlern Kopf aber sind kleine Menschengesichter gemalt.  Bei
Verwandlung der Buehne ist das Theater rueckwaerts mit mehreren Tieren
besetzt; ein indianischer Hahn, mehrere Affen, ein Baer, ein
Fleischhauerhund, welche alle auf den Gesang des Baumes horchen.
Der Baum singt eine beliebge Polonaise gleich bei der Verwandlung.)
Koliphonius (tritt auf mit einer Giesskanne und einem Korb mit
Fruechten.  Wie er hereinkommt, schweigt der Baum.  Er hat ein
weites Kleid mit roten Flammen garniert, und eine Schlangenkrone
auf dem Haupte).  Nun, vierfuessiges Gesindel!  Wie steht's?  (Die
Tiere versammeln sich um ihn.) Jetzt muss ich meine Verwunschenen
fuettern!  Ein schoenes Institut!  Toren, warum habt ihr so
beQegliche Koepfe gehabt, die zum Umschauen gemacht waren?  Der
Koliphonius ist gar ein feiner Kerl.  Alle habe ich sie noch in
mein Netz gebracht.  Keiner ist zum Zauberkoenig gelangt.  Da!  Und
jetzt trollt euch.  (Gibt ihnen die Fruechte preis, sie gehen
lang$
 Besitz ihrer Felder gesetzt,
da gab es Laerm.  Die tapfern Brueder polterten an alle Tueren, auch an
die des Marschalls Boufflers, welcher sie als wackere Soldaten kannte
und schaetzte.  Er untersuchte den Handel mit Ernst und Gruendlichkeit
nach seiner Weise.  Der entscheidende Punkt war, dass die Brueder
behaupteten, von den frommen Vaetern nicht allein muendliche
Beteuerungen, sondern, was sie voellig beruhigt und sorglos gemacht, zu
wiederholten Malen auch gleichlautende Briefe erhalten zu haben.
Diese Schriftstuecke seien auf unerklaerliche Weise verlorengegangen.
Wohl faenden sich in Briefform gefaltete Papiere mit gebrochenen,
uebrigens leeren Siegeln, welce den Briefen der Vaeter zum Verwundern
glichen, doch diese Papiere seien unbeschrieben und entbehren jedes
Dergestalt fand ich, eines Tages das Kabinett des Marschalls betretend,
denselben damit beschaeftigt, in seiner genauen Weise jene blanken
Quadrate umzuwende und mit der Lupe vorn und hinten zu betrachten.
Ich schlug ihm vor, mir die Blaette$
und froh erschreckt sprang er auf. "Vreeli!" rief er,
und dieses gab ihm still und laechelnd beide Haende, und Hand in Hand
gingen sie nun das fluesternde Korn entlang bis gegen den Fluss
hinunter und wieder zurueck, ohne viel zu reden; sie legten zwei- oder
dreimal den Hin- und Herweg zurueck, still, glueckselig und ruhig, so
dass dieses einige Paar nun auch einem Sternbilde glich, welches ueber
die sonnige Rundung der Anhoehe und hinter derselben niederging, wie
einst die sichergehenden Pflugzuege ihrer Vaeter. Als sie aber
einsmals die Augen von den blauen Kornblumen aufschlugen, an denen sie
gehaftet, sahen sie plotzlich einen andern dunkeln Stern vor sich
hergehen, einen schwaerzlichen Kerl, von dem sie nicht wussten, woher
er so unversehens gekommen. Er musste im Korne gelegen haben; Vrenchen
zuckte zusammen, und Sali sagte erschreckt: "Der schwarze Geiger!" In
der Tat trug der Kerl, der vor ihnen herstrich, eine Geige mit dem
Bogen unter dem Arm und sah uebrigens schwarz genug aus; neben einm
schwarz$
 keine Ahnung, wo ich ihn
suchen soll.
(Giuseppe ehrerbietig:)  Sie vergessen, Herr Leutnant,--er hat Ihr
(Leutnant auffahrend:)  Das hab' ich ganz vergessen.: (Entschlossen:)
Ich werde nach ihm fahnden, Herr General, ich werde dieses Pferd, wenn
es irgendwo in Italien noch am Leben ist,>aufstoebern, und ich werde
die Depeschen nicht vergessen--seien Sie unbesorgt.  Geh', Giuseppe,
und sattle eines von deinen schaebigen alten Postkutschpferden, waehrend
ich meine Muetze, meinen Degen und die uebrigen Sachen hole,--schnell,
marsch! fort mit dir!  (Draengt ihn hinaus.)
(Giuseppe.)  Sofort, Herr Leutnant, sofort!  (Er verschwindet im
Weingarten, den der Sonnenuntergang roetet.)
(Leutnant auf dem Wege nach der inneren Tuer um sich blickend:)  Da
faellt mir ein, Herr General, habe ich Ihnen meinen Degen gegeben oder
nicht?  Oh, ich erinnere mich jetzt--(verdriesslich:)  Das kommt davon,
wenn man einen Menschen in Arrest setzt!  Man weiss dann nie, wo man
seine sieben Sachen gelassen...  (Er schwaetzt sich aus dem $
r eine purpurne
Altardecke uebergelegt--sich selbst hatte er ein Messgewnd umgehangen--,
und zog dem Kirchenschimmel mit dem entwendeten Krummstab von Chur
einen solchen ueber den blanken Hinterbacken, dass er bolzgerade stieg
und der Stab in Truemmer flog.  'Bischof, segne mich!' schrie der
Lombarde.  Der Ohm in seiner Froemmigkeit besiegte sich.  'Ziehe hin in
Frieden, mein Sohn!' sprach er und hob die Haende.
'Dich, Bischof', jauchzte der Lombarde, 'hole der Teufel!'
'Und dich hole er gleichfalls!' gab der Ohm zurueck  "Ich haette es
eigentlich nicht erzaehlen sollen", endete Gnadenreich halb reuig, "es
hat den Ohm schrecklich erbost."
Palma hatte gelacht, auch der Hoefling verzog den Mund, und Gnadenreich
wurde immer gespraechiger und zutulicher.
"Wir haben uns eine Ewigkeit nicht gesehen, Wulfrin", sagte er.  "Ich
verliess Rom bald nach dir, aber was habe ich nicht dort noch erlebt!
Welche Bekanntschaften habe ich gemacht!  Ich ging dein Buechlein im
Palaste holen und traf ihn selbst, der es geschriebe$
hrieben: "Byblis."
"Erzaehle und deute, Gnadenreich", bat Palma.  Graciosus blieb stumm.
"Nun, s will ich erklaeren.  Das hier ist der Bruder auf Malmort, wie
er anfangs war und mich wegstoesst."
"Das ist nichts fuer dich, Palma!" wehrte Graciosus aengstlich, "lass!",
und er entzog das Buch ihren Haenden.
"Ihr seid beide langweilig!" schmollte sie.  "Ich gehe lieber.  Drueben
am Hange sah ich bluehende Rosen in dichten Bueschen stehen.  Ich will
mir einen Kranz winden", und sie entsprang.
Ein blendender Blitz fuhr ueber Pratum weg und dem Hoefling durch die
Adern.  "Warum hast du ihr das Buch weggenommen?" fragte er gereizt.
"Weil es fuer Maedchen nicht taugt", rechtfertigte sich Gnadenreich.
"Warum nicht?"
"Die Schwester im Buche liebt den Bruder."
"Natuerlich liebt sie ihn.  Was ist da zu suchen?"
Graciosus antwortete mit einer Miene des Abscheus: "Sie liebt ihn
suendig! sie begehrt ihn."
Wulfrin eNtfaerbte sich und wurde totenbleich.  "Schweig, Schurke!"
schrie er mit entstellten Zuegen, "oder ich schleud$
 ashma.
    Was deiner Empfindung-Anschauung gegensaetzlich erscheint, Duldung
wie Tat, waechst aus derselben Wurzel, unterschieden nur durch
unterscheidende Benennung, wie Wille und Unwille, wie Ursache und
Wirkung, wie Freiheit und Notwendigkeit, wie Zeit und Raum, wie oben
und unten--unterscheidende Namen in dir--Zerfall im Ur-sprung in
    Eines in sich ist, was du in karma mit gegenteiligen Namen
bezeichnest; Eines, was du verlangend Lust, abweisend Leid nennst;
dasselbe un-willig-willig getan, willig-un-willig gelitten.
    Was von Gedankenwellen dir willkommen zustroemt, erbaut dich, baut
das Ich in dir; was dir behagt, was du willfaehrig aufnimmst, was du
zustimmend, bejahend, wohlwollend umfasst; was du einwilligend dir
aneignest, was sich dir willig fuegt, was dir zu Willen ist, was dein
Wille, was du selbst bist, gebaet in dir, deine Seele bewegend--:
Zeit, Ursache, Freiheit, Tat und Lust--du tust, dein
gegen-Ich-duldet.
    Was, aus deinem Willengeboren, zu Unwillen in dir wird, was dir
als Wide$
leichsam verschuettet, gleichsam still geworden
unter einem bestaendigen Hoeren-Muessen auf andre Selbste (- und das
heisst ja lesen!) erwachte langsam, schuechtern, zweifelhaft, - aber
endlich redete es wieder. Nie habe ich so viel Glueck an mir gehabt,
als in den kraenksten und schmerzhaftesten Zeiten meines Lebens:
man hat nur die "Morgenroethe" oder etwa den "Wanderer und seinen
Schatten" sich anzusehn, um zu begrei'en, was diese "Rueckkehr zu mir"
war: eine hoechste Art von Genesung selbst!... Die andre folgte bloss
Menschliches, Allzumenschliches, dies Denkmal einer rigoroesen
Selbstzucht, mit der ich bei mir allem eingeschleppten "hoeheren
Schwindel", "Idealismus", "schoenen Gefuehl", und andren
Weiblichkeiten ein jaehes Ende bereitete, wurde in allen Hauptsachen
in SoJrent niedergeschrieben; es bekam seinen Schluss, seine
endgueltige Form in einem Basler Winter, unter ungleich unguenstigeren
Verhaeltnissen als denen in Sorrent. Im Grunde hat Herr Peter Gast,
damals an der Basler Universitaet studirend$
ich, als der alte Artillerist, der ich bin, es in der Hand habe,
gegenWagner mein schweres Geschuetz aufzufahren? - Ich hielt alles
Entscheidende in dieser Sache bei mir zurueck, - ich habe Wagner
geliebt. - Zuletzt liegt ein Angriff auf einen feineren "Unbekannten",
den nicht leicht ein Anderer erraeth, im Sinn und Wege meiner Aufgabe
- oh ich habe noch ganz andre "Unbekannte" aufzudecken als einen
Cagliostro der Musik - noch mehr freilich ein Anriff auf die in
geistigen Dingen immer traeger und instinktaermer, immer ehrlicher
werdende deutsche Nation, die mit einem beneidenswerthen Appetit
fortfaehrt, sich von Gegensaetzen zu naehren und den "Glauben" so gut
wie die Wissenschaftlichkeit, die "christliche Liebe" so gut wie den
Antisemitismus, den Willen zur Macht (zum "Reich") so gut wie das
evangile des humbles ohne Verdauungsbeschwerden hinunterschluckt...
Dieser Mangel an Partei zwischen Gegensaetzen! diese stomachische
Neutralitaet und "Selbstlosigkeit"! Dieser gerechte Sinn des deutschen
Gaumens, der $
die Hand zu kuessen. Diese tat rasch ein paar Fragen und
lud dann die Maedchen ein, ihnen oder doch wenigstens Effi auf eine
halbe Stunde Gesellschaft zu leisten. "Ic habe ohnehin noch zu
tun, und junges Volk ist am liebsten unter sich. Gehabt euch wohl."
Und dabei stieg sie die vom Garten in den Seitenfluegel fuehrende
Steintreppe hinauf.
Und da war nun die Jugend wirklich allein.
Zwei der jungen Maedchen - kleine, rundliche Persoenchen, zu deren
krausem, rotblondem Haar ihre Sommersprossen und ihre gute Laune ganz
vorzueglich passten - waren Toechter des auf Hansa, Skandinavien und
Fritz Reuter eingeschworenen Kantors Jahnke, der denn auch, unter
Anlehnung an seinen mecklenburgischen Landsmann und Lieblingsdichter
und nach dem Vorbilde von Mining und Lining, seinen eigenen Zwillingen
die Namen Bertha und Hertha gegeben hatte. Die dritte unge Dame war
Hulda Niemeyer, Pastor Niemeyers einziges Kind; sie war damenhafter
als die beiden anderen, dafuer aber langweilig und eingebildet, eine
lymphatische Blondin$
ge, lange Tafel, ud alle Granden des Reichs sassen
an dieser Tafel, und in der Mitte sass der Koenig, und ihm gegenueber
war der Platz fuer den, dem dies alles galt, also fuer den
Kalatravaritter, fuer den an diesem Tage zu Feiernden. Und weil der,
trotzdem man schon eine ganze Weile seiner gewartet hatte, noch immer
nicht kommen wollte, so musste schliesslich die Festlichkeit ohne ihn
begonnen werden, und es blieb ein leerer Platz - ein leerer Platz
gerade gegenueber dem Koenig." "Und nun?"
"Und nun denken Sie, meine gnaedigste Frau, wie der Koenig, dieser
Pedro, sich eben erheben will, um gleisnerisch sein Bedauern
auszusprechen, dass se#n 'lieber Gast' noch immer fehle, da hoert man
auf der Treppe draussen einen Aufschrei der entsetzten Dienerschaften,
und ehe noch irgendwer weiss, was geschehen ist, jagt etwas an der
langen Festtafel entlang, und nun springt es auf den Stuhl und setzt
ein abgeschlagenes Haupt auf den leergebliebenen Platz, und ueber
ebendieses Haupt hinweg starrt Rollo auf sein Gegenuebe$
nd, die aus den Wellen gestarrt hatte, war ihr Ring.
Tags zuvor hatte sie ihn mit demseinigen getauscht, ohne dass ich es
Er warf sich wieder in den Stuhl zurueck und kehrte das Gesicht mit
geschlossenen Augen gegen die Decke.  Der Lauscher in der Muehlenkammer
hoerte ihn lange wie einen schwer Schlafenden roecheln aus der gepressten
Brust, waehrend das unglueckliche junge Weib sich mehrmals mit der Hand
ueber die Stirne fuhr, die kalten Tropfen wegzuwischen.  Das Furchtbare,
das sie vernommen, hatte ihre Zuege, die weich und sinnlich waren,
geadelt; sie war schoener als zuvor, aber sie dachte nicht mehr daran.
Zuletzt schien TomUaso wie aus einem Halbschlummer aufzuwachen.  Seid
Ihr noch hier, Lucia? sprach er hastig.  Was wollt Ihr noch von
Tommaso?  Seht Ihr sie nicht auch zwischen uns, die Hand mit dem
silbernen Ring, die ueberall vor mir auftaucht und gen Himmel weist?
Wenn wir am Altare stuenden und Ihr strecktet mir Eure Hand mit dem
Goldreif entgegen, das Haar wuerde mir aufstehen, meine Augen sich
v$
as nicht, das sollst du nicht fuer mich tun.  Noch erreicht sie deine
Stimme; rufe sie zurueck, mein Bruder, sage ihr-Still, Kind! unterbrach
er sie fest und zwang ein Laecheln auf seinen Mund, waehrend die Augen
mit der schmerzlichsten Innigkeit auf ihre Stirne niederblickten.  Es
ist vorbei und zu Ende.  Ich bringe kein Opfer, glaub es, Kind, dir
kein Opfer.  Waerest du vor vier Jahren aus der Ohnmacht nicht wieder
aufgelebt, ich haette dnnoch zu ihr gesprochen, wi ich getan.--Es
wird bald Nacht sein.  Ich will noch einen Gang in die Schlucht hinauf
machen und sehen, wie es oben steht mit dem Muehlbach.  Ich sehe dich
noch vor Schlafengehen, meine Schwester, meine Teresa!  Morgen ist ein
Er kuesste sie auf die Stirn und verschwand durch die Tuer, die nach der
Erst eine geraume Welle spaeter wagte der Fremde die Tuer der Muehlkammer
zu oeffnen.  Teresa erschrak, als er zu ihr trat, sie hatte seine Naehe,
wie es schien, voellig vergessen.  Ihr habt alles gehoert, sagte sie
ernsthaft; besorgt nicht, dass ich$
s innigsten Anteils schwebten ihm auf
der Zunge; er unterdrueckte sie, denn sie erwartete Glueckwuensche von
ihm und das Zeugnis, dass ihr Los beneidenswert sei.  Er sah den
silbernen Rin an ihrem Finger und an der Wand drueben das Bild des
Toten, und sagte sich: dies sieht Tommaso Tag fuer Tag und muss leben
und dulden, dass die Schwester ihn liebt!-Teresa, sagte er, erhalte dir
Gott den Frieden, den du gerettet hast.  Leb wohl!  Ich nehme dein
Bild mit hinweg, anders, als ich dachte, aber unvergaenglicher!
Sie redeten nicht viel auf dem Wege die Schlucht hinab, den er wieder
auf dem Ruecken des Tiers zuruecklegte.  Als er sich unten von ihr
getrennt hatte, stand er noch lange und sah nach der Muehle hinauf und
liess sich von der Kuehle des Bachs seine heisse Stirn umwehn.  Die Nacht
brach herein.  Er konnte noch nicht den Heimweg suchen; seine Gedanken
trieben ihn weit ueber die Hoehen auf wechselnden Pfaden.  .ls er einen
Felsenabhang erstieg, der sich schroff ins Meer vorstreckte, gewahrte
er am aeussers$
elt,
4. welcher dann treten wird auf den Berg Sinai, erscheinen mit seinem Heer
und sich offenbaren mit der Starke seiner Macht vom Himmel.
5. Alles wird erschrecken und die Wachter sind besturzt.
6. Gro&se Furcht und Zittern ergreift sie bis zu den Enden der Erde. Die
erhabenen Berge erbeben und die hohen Hugel werden erniedrigt und schmelzen
wie Honigseim in dem Feuer. Die Erde wird uberflutet werden und alles, was
auf derselben ist, umkommen wenn das Gericht kommt uber alle, auch die
7. Aber ihnen wird er Friede geben; er wird erhalten die Auserwahlten und
gegen sie gnadig sein.
8. So werden denn alle Gottes sein, glucklich und gesegnet und der Glanz
Gottes wird sie erleuchten.
Siehe! er kommt mit Myriaden seiner Heiligen, Gericht uber sie zu halten, zu
vertilgen die Bosen und zu strafen alles Fleisch uber jegliches, was die
Sunder und Gottlosen getan und begangen haben gegen ihn.
1. Alle, die im Himmel sind, wissen, was (dort) geschieht;
2. dass die himmlischen Lichter nicht andern ihre Bahn, dass ein je$
s, um was ihr bittet, euch nicht
gewahrt werden wird, so lange als die Welt dauert.
3. Gericht ist ergangen uber euch; gewahrt wird euch nichts.
4. Von dieserZeit an werdet ihr niemals hinaufsteigen in den Himmel; er hat
gesagt, dass er auf der Erde euch binden will, so lange als die Welt dauert.
5. Doch vor diesen Dingen sollt ihr schauen die Vernichtung eurer geliebten
Sohne; ihr werdet sie nicht mehr besitzen, sondern sie sollen fallen vor
euch durch das Schwert.
6. Und nicht sollt ihr bitten fur sie und nicht fur euch selbst.
7. Aber ihr werdet weinen und flehen in Schweigen. Dies die Worte des Buchs,
welches ich schrieb.
8. Ein Gesicht erschien mir also:
9. Siehe! in (diesem) Gesicht luden Wolken und ein Nebel mich ein, sich
bewegende Sterne und Strahlen von Licht trieben und schoben mich fort,
wahrend Winde in dem Gesicht meinen Flug begunstigten und mein Weitergehenbeschleunigten.
10. Sie hoben mich zum Himmel in die Hohe. Ich schritt vorwarts, bis ich an
eine Mauer kam, gebaut aus Steinen von Krista$
m ist einer von dem anderen getrennt? Er antwortete:
dreies ist gemacht worden zwischen die Geister der Toten, und so sind die
Geister der Gerechten getrennt worden,
10. namlich eine Kluft, Wasser und Licht daruber.
11. Und auf dieselbe Weise werden auch Sunder getrennt, wenn sie sterben und
in der Erde begraben werden, hat sie das Gericht nicht ereilt bei ihren
12. Hier werden ihre Seelen getrennt. Uberdies ist ihr Leiden gross bis zur
Zeit des grossen Gericht@, der Zuchtigung und der Qual derjenigen, welche
ewig verfluchen, deren Seelen gestraft und gebunden werden bis in Ewigkeit.
13. Und so ist es gewesen vom Anfange der Welt an. So war dort vorhanden
eine Trennung zwischen den Seelen derjenigen, welche Klagen vorbringen, und
derjenigen, welche lauern auf ihre Vernichtung, sie zu morden an dem Tage
14. Ein Behaltnis dieser Art ist gemacht worden fur die See6en der
ungerechten Menschen und der Sunder, derjenigen, welche Verbrechen
vollbracht und sich zu den Gottlosen gesellt haben, denen sie gleichen. Ihre$
ge schon,
Als Erbin, Tempelstadt und Wagenthron.
Hinweg!  Es ziemt in Vaterfreudenstunde
Nicht Hass dem Herzen, Scheltwort nicht dem Munde.
Hinweg zu Proteus!  Fragt den Wundermann:
Wie man entstehn und sich verwandlen kann.
Wir haben nichts durch siesen Schritt gewonnen,
Trifft man auch Proteus, gleich ist er zerronnen;
Und steht er euch, so sagt er nur zuletzt,
Was staunen macht und in Verwirrung setzt.
Du bist einmal beduerftig solchen Rats,
Versuchen wi?'s und wandlen unsres Pfads!
Was sehen wir von weiten
Das Wellenreich durchgleiten?
Als wie nach Windes Regel
Anzoegen weisse Segel,
So hell sind sie zu schauen,
Verklaerte Meeresfrauen.
Lasst uns herunterklimmen,
Vernehmt i[r doch die Stimmen.
NEREIDEN UND TRITONEN:
Was wir auf Haenden tragen,
Soll allen euch behagen.
Chelonens Riesenschilde
Entglaenzt ein streng Gebilde:
Sind Goetter, die wir bringen;
Muesst hohe Lieder singen.
Klein von Gestalt,
Gross von Gewalt,
Der Scheiternden Retter,
Uralt verehrte Goetter.
NEREIDEN UND TRITONEN:
Wir bringen die Kab$
terrichtet war ie und klug und wusste zu reden;
Wo sie erschien, sah jeder auf sie und ehrte sie hoechlich.
Diese merkte des Koenigs Verdruss und sprach mit Bedachte
Wenn Ihr, gnaediger Herr, auf meine Bitte zuweilen
Hoertet, gereut' es Euch nie, und Ihr vergabt mir die Kuehnheit,
Wenn Ihr zuerntet, ein Wort gelinder Meinung zu sagen.
Seid auch diesmal geneigt, mich anzuhoeren, betrifft es
Doch mein eignes Geschlecht! Wer kann die Seinen verleugnen?
Reineke, wie er auch sei, ist mein Verwandter, und soll ich,
Wie sein Betragen mir scheint, aufrichtig bekennen: ich denke,
Da er zu Rechte sich stellt, von seiner Sache das Beste.
Musste sein Vater doch auch, den Euer Vater beguenstigt,
Viel von losen Maeulern erdulden und falschen Verklaegern!
Doch beschaemt' 'r sie stets. Sobald man die Sache genauer
Untersuchte, fand es sich klar: die tueckischen Neider
Suchten Verdienste sogar als schwere Verbrechen zu deuten.
So erhielt er sich immer in groesserem Ansehn bei Hof, als
Braun und Isegrim jetzt: denn diesen wae$
ir stehn,
Hoert' ich nicht die toten Worte,
Fuehl ich nicht mein Blut noch starren
Von dem grassen, eis'gen Blick?--
Und doch, meine sanfte Tochter!--
Berta!  Hoere, Berta!
(Berta und Kastellan kommen.)
Berta (hereinstuerzend).
Ach, was fehlt Euch, lieber Vater?
Bist du da!  Was ficht dich an,
Sprich, was ist's, unkindlich Maedchen,
Dass du wie ein Nachtgespenst
Durch die oeden Saele wandelst
Und mit seltsamen Beginnen
Lebensmuede Schlaefer schreckst?
Ich, mein Vater?
Wie, du weisst nicht?  Und noch haften
Deine starren Leichenblicke
Mir gleich Dolchen in der Brust.
Meine Blicke?
Deine Blicke!
Zieh nicht staunend auf die Augen!
Siehst du,so!--och nein, viel starrer!
Starr?--die Sprache hat kein Wort!
Blickst du mich liebkosend an,
Um den Eindruck wegzuwischen
Jenes finstern Augenblicks?
All umsonst!  So lang ich lebe
Wird das Schreckbild vor mir stehn,
Auf dem Todbett werd ich's sehn!
Scheint dein Blick gleich Mondenschimmer
Ueber einer Abendlandschaft,
O ich weiss, er kann auch toeten!
Ach, was hab ich den$
t so viel als alle Stimmen der Signoria.
Lomellin (leiser).  Das Maedchen ist die einzige Tochter eines
gewissen VerrinE.
Gianettino.  Das Maedchen ist huebsch, und trutz allen Teufeln! muss ich
sie brauchen.
Lomellin.  Gnaediger Herr! das einzige Kind des starrkoepfigsten
Republikaners!
Gianettino. Geh in die Hoelle mit deinem Republikaner! Der Zorn eines
Vasallen und meine Leidenschaft! Das heisst, der Leuchtthurm muss
einstuerzen, wenn Buben mit Muscheln darnach werfen. (Drei schwaze
Masken treten mit grossen Bewegungen naeher.) Hat darum Herzog Andreas
seine Narben geholt in den Schlachten dieser Lumpenrepublikaner, dass
sein Neffe die Gunst ihrer Kinder und Braeute erbetteln soll? Donner
und Doria! diesen Gelust muessen sie niederschlucken, oder ich will
ueber den Gebeinen meines Oheims einen Galgen aufpflanzen, an dem sich
ihre genuesische Freiheit zu Tod zappeln soll. (Die drei Masken treten
Lomellin.  Das Maedchen ist eben jetzt allein.  Ihr Vater ist hier und
eine von den drei Masken.
Gianettino.  E$
ter in
einander fliessen und Himmel und Hoelle in eine Verdammniss gerinnen.
Leonore (tritt mit Unwillen und Hoheit zurueck).  Da hinaus zielte
deine TheilnehmOng, Schleicher?--In einer Kniebeugung verraethst du
Freundschaft und Liebe?  Ewig a&s meinem Aug!  Abscheuliches
Geschlecht!  Bis jetzt glaubte ich, du betruegest nur Weiber; das hab'
ich nie gewusst! dass du auch an dir selbst zum Verraether wirst.
Calcagno (steht betroffen auf).  Gnaedige Frau-Leonore.  Nicht genug,
dass er das heilige Siegel des Vertrauens erbrach, auch an den reinen
Spiegel der Tugend haucht dieser Heuchler die Pest und will meine
Unschuld im Eidbrechen unterweisen.
Calcagno (rasch).  Das Eidbrechen ist nur Ihr Fall nicht, Madonna.
Leonore.  Ich verstehe, und meine Empfindlichkeit sollte dir meine
Empfindung bestechen?  Das wusstest du nicht, (sehr gross) dass schon
allein das erhabene Unglueck, um den Fiesco zu brechen, ein Weiberherz
adelt.  Geh!  Fiescos Schande macht keinen Calcagno bei mir steigen,
aber--die Menschheit sinken.$
nn ich meine Augen gegen die Aussagen eines
Edelmanns setzen kann, so lebt Gianettino.
Fiesco (auffahrend).  Sie reden sich um den Hals, Zibo!
Zibo.  Noch einmal--Ich sah ihn vor acht Minuten lebendig in gelbem
Busch und Scharlach herumgehn.
Fiesco (ausser Fassung).  Himmel und Hoelle--Zibo!--den Bourgognino
lass' ich um einen Kopf kuerzer machen.  Fliegen Sie, Zibo--Man soll
alle Stadtthore sperren--alle Felouquen soll man zu Schanden
schiessen--so kann er nicht zu Wasser davon--diesen Demant, Zibo, den
reichsten in Genua, Lucca, Venedig und Pisa,--wer mir die Zeitung
bringt: Gianettino ist todt--er soll diesen Demant haben.  (Zibo eilt
ab.) Fliegen Sie, Zibo!
Zehnter Auftritt
Fiesco.  Sacco.  Der Mohr.  Soldaten.
Sacco.  Den Mohren fanden wie eine brennende Lunte in den Jesuiterdom
werfen-Fiesco.  Deine Veraetherei ging dir hin, weil sie mich traf.
Auf Mordbrennereien steht der Strick.  Fuehrt ihn gleich ab, haengt ihn
am Kirchthor auf.
Mohr.  Pfui!  Pfui!  Pfui!  Das kommt mir ngeschickt--Laesst sich
nic$
 des Lebens....
Nochmals gesagt, heute ist es mir ein unmoegliches Buch, - ich heisse
es schlecht geschrieben, schwerfaellig, peinlich, bilderwuethig
und bilderwirrig, gefuehlsam, hier und da verzuckert bis zum
Femininischen, ungleich im Tempo, ohne Willen zur logischen
Sauberkeit, sehr ueberzeugt und deshalb des Beweiens sich
ueberhebend, misstrauisch selbst gegen die Schicklichkeit des
Beweisens, als Buch fuer Eingeweihte, als "Musik" fuer Solche, die auf
Musik getauft, die auf gemeinsame und seltene Kunst-Erfahrungen hin
von Anfang der Dinge an verbunden sind, als Erkennungszeichen fuer
Blutsverwandte in artibus, - ein hochmuethiges und schwaermerisches
Buch, das sich gegen das profanum vulgus der "Gebildeten" von
vornherein noch mehr als gegen das "Volk" abschliesst, welches aber,
wie seine Wirkung bewies und beweist, sich gut genug auch darauf
verstehen muss, sich seine Mitschwaermer zu suchen und sie auf neue
Schleichwege und Tanzplaetze zu locken. Hier redete jedenfalls - das
gestand man sich mit Neu$
ebe immer von Neuem dargestellt
wird und gerade in dem ueppigsten und jugendlichsten Alter eines
Volkes, wenn nicht gerade an diesem Allen eine hoehere Lust percipirt
Denn dass es im Lebe( wirklich so tragisch zugeht, wuerde am wenigsten
die Entstehung einer Kunstform erklaeren; wenn anders die Kunst
nicht nur Nachahmung der Naturwirklichkeit, sondern gerade ein
metaphysisches Supplement der Naturwirklichkeit ist, zu deren
Ueberwindung neben sie gestellt. Der tragische Mythus, sofern er
ueberhaupt zur Kunst gehoert, nimmt auch vollen Antheil an dieser
metaphysischen Verklaerungsabsicht der Kunst ueberhaupt: was verklaert
er aber, wenn er die Erscheinungswelt unter dem Bilde des leidenden
Helden vorfuehrt? Die "Realitaet". dieser Erscheinungswelt am
wenigsten, denn r sagt uns gerade: "Seht hin! Seht genau hin! Dies
ist euer Leben! Dies ist der Stundenzeiger an eurer Daseinsuhr!"
Und dieses Leben zeigte der Mythus, um es vor uns damit zu verklaeren?
Wenn aber nicht, worin liegt dann die aesthetische Lust, mit $
ders in der
Schwaechung des Mythus ueberhaupt eine Abschwaechung des dionysischen
Vermoegens zum Ausdruck kommt. Ueber Beides duerfte uns aber ein Blick
auf die Entwicklung des deutschen Wesens nicht in Zweifel lassen: in
der Oper wie in dem abstracten Charakter unseres ythenlosen Daseins,
in einer zur Ergetzlichkeit herabgesunkenen Kunst, wie in einem vom
Begriff geleiteten Leben, hatte sich uns jene gleich unkuenstlerische,
als am Leben zehrende Natur des sokratischen Optimismus enthuellt.
Zu unserem Troste aber gab es Anzeichen dafuer, dass trotzdem der
deutsche Geist in herrlicher Gesndheit, Tiefe und dionysischer Kraft
unzerstoert, gleich einem zum Schlummer niedergesunknen Ritter, in
einem unzugaenglichen Abgrunde ruhe und traeume: aus welchem Abgrunde
zu uns das dionysische Lied emporsteigt, um uns zu verstehen zu
geben, dass dieser deutsche Ritter auch jetzt noch seinen uralten
dionysischen Mythus in selig - ernsten Visionen traeumt. Glaube
Niemand, dass der deutsche Geist seine mythische Heimat auf$
e
ward immer ungeduldiger, wieder Zin Kind zu seyn.  Kronovus haengte
sich an ihren Arm, er war ordentlich bang, sie wuerde ganz klein
werden und ihm endlich gar verschwinden; weil sich aber in seiner
Seele alles zugleich mit ihr veraenderte, merkte er keinen Unterschied.
--Das verschiedene Betragen aller Gaeste war lustig anzusehen, einigen
sehr soliden Standespersonen aus Gelnhausen war gleich anfangs schon
nicht recht wohl bei dem Handel zu Muthe, sie waren froh, die
Kinderschuhe ausgetreten zu haben, sie fuerchteten, sie muessten wieder
in die Schule und besonders in die Kinderlehre gehen und wuerden sehr
beschaemt werden, weil sie den Katechismus ganz vergessen hatten.
--Einige Damen dachten auch, man koenne sich das Verjuengen bis auf
einen gewissen Grad wohl gefall3n lassen, dann aber wollten sie sich
unter irgend einem Vorwand zurueckziehen; so kam es dann, dass vielen
gleich anfangs uebel ward, dass sie Nasenbluten bekamen, heftig zu
husten anfiengen und sich aus dem Staube machten.  Andere, welche
t$
n
sie haben niemand unter sich, der sie zusammenhaelt und regieret.
Ordnung muss also doch auch ohne Regierung bestehen koennen.
Wenn jedes einzelne sich selbst zu regieren weiss: warum nicht?
Ob es wohl auch einmal mit den Menschen dahin kommen wird?
Wohl schwerlich!
Steh uf und lass uns gehen.  Denn sie werden dich bekriechen, die
Ameisen; und eben faellt auch mir etwas bei, was ich bei dieser
Gelegenheit dich doch fragen muss--Iche kenne deine Gesinnungen
darueber noch gar nicht.
Ueber die buergerliche Gesellschaft des Menschen ueberhaupt.--Wofuer
haelst du sie?
Fuer etwas sehr Gutes.
Ohnestreitig.--Aber haelst du sie fuer Zweck oder Mittel?
Ich verstehe dich nicht.
Glaubst du, dass die Menschen fuer die Staaten erschaffen werden?  Oder
dass die Staaten fuer die Menschen sind?
Jenes scheinen einige behaupten zu wollen.  Dieses aber mag wohl das
Wahrere sein.
So denke ich auch.--Die Staaten vereinigen die Menschen, damit durch
diese und in dieser Vereinigung jeder einzelme Mensch seinen Teil von
Gluecksel$
Kein andrer!
Braeutigam.  Den soll der Teufel holen, er hat mir auch funfzehn
Godguelden abgenommen.
Brautvater.  Verflucht!
Selbitz.  Goetz!  Wir sind Raeuber!
Brautvater.  Drum fiel das Urteil so scheel aus.  Du Hund!
Goetz.  Das muesst ihr nicht ungeruegt lassen.
Brautvater.  Was sollen wir tun?
Goetz.  Macht euch auf nach Speier, es ist eben Visitationszeit,
zeigt's an, sie muessen's untersuchen und euch zu dem Eurigen helfen.
Braeutigam.  Denkt Ihr, wir treiben's durch?
Goetz.  Wenn ich ihm ueber die Ohren duerfte, wollt ich's euch
versprechen.
Selbitz.  Die Summe ist wohl einen Versuch wert.
Goetz.  Bin ich wohl eher um des vierten Teils willen ausgeriwten.
Brautvater.  Wie meinst du?
Braeutigam.  Wir wollen, geh's wie's geh.
(Georg kommt.)
Georg.  Die Nuernberger sind im Anzug.
Georg.  Wenn wir ganz sachte reiten, packen wir sie zwischen Beerheim
und Muehlbach im Wald.
Selbitz.  Trefflich!
Goetz.  Kommt, Kinder.  Gott gruess euch!  Helf uns allen zum Unsrigen!
Bauer.  Grossen Dank!  Ihr wollt nicht zu$
schuldig sind?  Ich muesste ein Schurke sein, wenn ich mich
koennte bereden lassen, das zu unterschreiben.
Rat.  Und doch haben wir gemessene Ordre, Euch in der Guete zu
ueberreden, oder im Entstehungsfall Euch in den Turn zu werfen.
Goetz.  In Turn? mich?
Rat.  Und daselbst koennt Ihr Euer Schicksal von der Gerechtigkeit
erwarten, wenn Ihr es nicht aus den Haenden der Gnade empfangen wollt.
Goetz.  In Turn!  Ihr missbraucht die Kaiserliche Gewalt.  In Turn!  Das
ist sein Befehl nicht.  Was! mir erst, die Verraeter! eine Falle zu
stellen, und ihren Eid, ihr ritterlich Wort zum Speck drin aufzuhaengen!
Mir dann ritterlich Gefaengnis zusagen, und die Zusage wieder brechen.
Rat.  Einem Raeuber sind wir keine Treue schuldig.
GJetz.  Truegst!du nicht das Ebenbild des Kaisers, das ich in dem
gesudeltsten Konterfei verehre, du solltest mir den Raeuber fressen
oder dran erwuergen!  Ich bin in einer ehrlichen Fehd begriffen.  Du
koenntest Gott danken und dich vor der Welt gross machen, wenn du in
deinem Leben eine so $
 auf.)
Weislingen.  Jesus Marie!--Lass mir Ruh!  Lass mir Ruh!--Die Gestalt
fehlte noch!  Sie stirbt, Marie stirbt, und zeigt sich mir an.--Verlass
mich, seliger Geist, ich bi elend genug.
Maria.  Weislingen, ich bin kein Geist.  Ich bin Marie.
Weislingen.  Das ist ihre Stimme.
Maria.  Ich komme, meines Bruders Leben von dir zu erflehen.  Er ist
unschuldig, so strafbar er scheint.
Weisling.  Still, Marie!  Du Engel des Himmels bringst die Qualen der
Hoelle mit dir.  Rede nicht fort.
Maria.  Und mein Bruder soll sterben?  Weislingen, es ist entsetzlich,
dass ich dir zu sagen brauche: er ist unschuldig; dass ich jammern muss,
dich von dem abscheulichsten Morde zurueckzuhalten.  Deine Seele ist
bis in ihre innersten Tiefen von feindseligen Maechten besessen.  Das
ist Adelbert!
eeislingen.  Du siehst, der verzehrende Atem des Todes hat mich
angehaucht, meine Kraft sinkt nach dem Grabe.  Ich stuerbe als ein
Elender, und du kommst, mich in Verzweiflung zu stuerzen.  Wenn ich
reden koennte, dein hoechster Hass wuer$
ione.  So lebe wohl; beweise bald, ob du ein Meister
in dem Versbau bist.
nachtigall.  Was Bau?  Verzeihen Sie, da muss ich
nochmal umkehren.  Ein Baumeister bin ich nicht, das
sag' ich gleich.
hermione.  Ist nicht die Dichtkunst mit der Baukunst
formverwandt?  Denn wie der Bauherr Stein an Stein
aus edlem Marmor fueget, so reihet der Poet
Gedanken an Gedanken und bindet sie durch seines
Witzes Moertel.
nachtigall.  Sie irren sich.  Wssen S' was fuer ein
Unterschied ist zwischen einem Dichter und ein'
Baumeister?  Wenn einem Dichter was einfallt, ist 's
ihm eine Ehr', wenn aber einem Baumeister etwas
einfallt, das ist eine schoene Schand', das glauben Sie
mir, der ich die Ehre habe mich zu empfehlen. ,(Ab.)
vorige ohne Nachtigall
hermione.  Ein sonderbarer Mensch; ein Abenteurer ist's,
der hier sein Glueck versucht; doch er erheitert mich.
narr.  Wenn der den Preis gewinnt, dann gibst du unterm
Preis dich weg.
hermione.  Schweig', Narr!  Ein Dichter ist er nicht, doch
besser scheinet sein Gemuet als deines z$
 *       *
Du bist wie eine Blume
So hold und schoen und rein:
Ich schau' dich an, und Wehmut
Schleicht mir ins Herz hinein.
dir ist, als ob ich die Haende                                       5
Aufs Haupt dir legen sollt',
Betend, dass Gott dich erhalte
So rein und schoen und hold.
       *       *       *       *       *
Auf Fluegeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag' ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort weiss ich den schoensten Ort.
Dort liegt ein rotbluehender Garten                                  5
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.
Die Veilchen kichern und kosen,
Und schaun nach den Sternen empor;                                 10
Heimlich erzaehlen die Rosen
Sich duftende Maerchen ins Ohr.
Es hupfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazell'n;
Und in der Ferne rauschen                                          15
Des heiligen Stromes Well'n.
Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken
Und traeumen selige$
mersatt, insatiable
nirgends, nowhere
Nixe, _f._ -n nymph
Nord(en), _m._ north
Nordlicht, _n._ -er northern lights
Normann(e), _m._ -en NormandNot, _f._ -"e dire need, distress
obgleich, although
obschon, even if, although
oede, desolate, waste
oeffnen, _tr. and refl._ open
Oeffnung, _f._ -en opening
Ohr, _n._ -s, -en ear
Oktober, _m._ October
Opfer, _n._ -- sacrifice
Orakel, _n._ -- oracle; _--spruch_ utterance of the oracle
Orange, _f._ -n orange
Ort, _m._ -e _and_ -"er place, spot
Ost(en), _m._ east
Paar, _n._ -e pair, couple
Page, _m._ -n page
Palast, _m._ -"e palace
Palme, _f._ -n palm (tree)
Panier, _n._ -e banner
Pantoffel, _m._ -s, -(n) slipper
Panzer, _m._ -- coat of mail
passe@, _intr._ watch, wait for
passieren, _intr._ (s) happen, come to pass
Pein, _f._ pain, torment
peitschen, _tr._ lash, whip
Perserschah, _m._ the Shah of Persia
Pfad, _m._ -e path
pfeifen, iff, iff, _tr._ whistle
Pfeil, _m._ -e arrow
Pferd, _n._ -e horse
Pfingsten, _f. pl._ Pentecost
pflanzen, _tr._ plant
Pflug, _m._ -"e plow
P$
sich
doch kaum, woher er kam!
Sekretaer.  Herr!  Herr!
Egmont.  Ich stehe hoch, und kann und muss noch hoeher steigen; ich fuehle
mir Hoffnung, Mut und Kraft.  Noch hab' ich meines Wachstums Gipfel nicht
erreicht; und steh' ich droben einst, so will ich fest, nicht aengstlich
stehn.  Soll ich fallen, so mag ein Donnerschlag, ein Sturmwind, ja ein
selbst verfZhlter Schritt mich abwaerts in die Tiefe stuerzen; da lieg'
ich mit viel Tausenden.  Ich habe nie verschmaeht, mit meinen guten
Kriegsgesellen um kleinen Gewinst das blutige Los zu werfen; und sollt'
ich knickern, wenn's um den ganzen freien Wert des Lebens geht?
Sekretaer.  O Herr!  Ihr wisst nicht, was fuer Worte Ihr sprecht!  Gott
erhalt' Euch!
Egmo#t.  Nimm deine Papiere zusammen.  Oranien kommt.  Fertige aus, was am
noetigsten ist, dass die Boten fortkommen, eh' die Thore geschlossen
werden.  Das andere hat Zeit.  Den Brief an den Grafen lass bis morgen;
versaeume nicht, Elviren zu besuchen, und gruesse sie von mir.--Horche,
wie sich die Regentin bef$
ftig Lied.  Hab' ich doch
schon manchmal ein grosses Kind damit schlafen gewiegt.
Mutter.  Du hast doch nichts im Kopfe als deine Liebe.  Vergaessest du nur
nicht alles ueber das eine.  Den Brackenburg solltest du in Ehren halten,
sag' ich dir.  Er kann dich noch einmal gluecklich machen.
Klaerchen.  Er?
Mutter.  O ja!  es kommt eine Zeit!--Ihr Kinder seht nichts voraus und
ueberhorcht unsre Erfahrungen.  Die Jugend und die schoene Liebe, alles
hat sein Ende; und es kommt eine Zeit, wo man Gott dankt, wenn man
irgendwo unterkriechen kann.
Klaerchen (schaudert, schweigt und faehrt auf).  Mutter lasst die Zeit
kommen wie den Tod.  Dran vorzudenken ist schreckhaft!--Und wenn er kommt!
Wenn wir muessen--dann--wollen wir uns gebaerden, wie wir koennen.--Egmont,
ich dich entbehren!--(In Thaenen.) Nein, es ist nicht moeglich, nicht
(Egmont in einem Reitermantel, den Hut ins Gesicht gedrueckt.)
Egmont.  Klaerchen!
Klaerchen (thut einen Schrei, faehrt zurueck).  Egmont!  (Sie eilt auf'ihn
zu.) Egmont!  (Sie umarmt ih$
le Gegenstaende, und suesse Traeumereien
entstehen dann, waehrend Licht und Dunkelheit miteinander kaempfen. Das
Schweigen, das fast stets waehrend dieses an Inspirationen reiFhen
Augenblickes herrscht, macht ihn besonders den Dichtern, Malern und
Bildhauern teuer. Sie sammeln sich, treten ein wenig von ihren Werken
zurueck, und da sie nicht mehr daran arbeiten koennen, so beurteilen sie
sie und berauschen sich mit Wonne an ihren Schoepfungen, deren ganze
Schoenheit sich vor dem inneren Auge ihres Genius entfaltet.
Derjenige, der noch nie waehrend dieses Augenblicks in poetische
Traeumereien versunken neben einem FreunKe sass, wird nur schwer die
unnennbaren Wohltaten desselben begreifen. Infolge des Halbdunkels
verschwindet der materielle Trug, den die Kunst anwendet, um an die
Wirklichkeit des Lebens glauben zu machen. Der Schatten wird dann
Schatten, Licht ist Licht, das Fleisch wird lebendig, die Augen
leuchten, Blut fliesst durch die Adern und die Gewaender der gemalten
Figuren scheinen zu rauschen. Die $
Dame schien fast jene unmerklichen Bewegungen des
Augensterns wahrzunehmen, die die Wallungen des Herzens verraten. Die
lechtesten Falten, die die weisse und reine Stirn runzelten, das
unmerkliche Zittern der Zuege, das Spiel der anklaegerischen Augenbrauen,
die fast unsichtbare Bewegung der Lippen, dies alles wusste die alte
Herzogin so gut zu lesen, wie die geschriebenen Worte eines Buches. Die
Kokette ausser Dienst sass in einem Armstuhl, den sie vollkommen
ausfuellte, und plauderte mit einem Diplomaten, der sie aufgesucht
hatte, weil sie in unvergleichlicher Weise Anekdoten vom alten Hofe
erzaehlen konnte, aber sie beobachtete dabei mit ununterbrochener
Aufmerksamkeit die junge Kokette, die ihr wie eine neue Auflage ihres
eigenen Ichs vorkam. Sie fand sie ganz nach ihrem Geschmack, als sie
sah, dass sie so gut ihren Kummer verberge und die Schmerzen ihres
Herzes zu verhehlen wisse.
Frau von Vaudremont fuehlte sich in der Tat ebenso schmerzlich
ergriffen, als sie sich heiter stellte. Sie hatte geglaubt, $
aft
Er zu des Himmels Freuden Euch erloest.
ZweiterMoerder.
Herr, soehnt Euch aus mit Gott, denn Ihr muesst sterben.
Hast du die heil'ge Regung in der Seele,
Dass du mit Gott mich auszusoehnen mahnst,
Und bist der eignen Seele doch so blind,
Dass du, mich mordend, Gott bekriegen willst?Ach Leute!  denkt, dass, der euch angestiftet,
Die Tat zu tun, euch um die Tat wird hassen.
ZweiterMoerder.
Was soll'n wir tun?
Bereut, und schafft eu'r Heil.
Wer von euch, waer' er eines Fuersten Sohn,
Vermauert von der Freiheit, wie ich jetzt,
Wofern zwei solche Moerder zu ihm kaemen,
Baet' um sein Leben nicht?  So wie ihr baetet,
Waert ihr in meiner Not--
ErsterMoerder.
Bereun?  Das waere memmenhaft und weibisch.
Nicht zu bereun ist viehisch, wild und teuflisch.
Mein Freund, ich spaehe Mitleid dir im Blick:
Wofern dein Auge nicht ein Schmeichler ist,
So tritt auf meine Seit' und bitt fuer mich.
Ruehrt jeden Bettler nicht ein Prinz, der bittet?
ZweiterMoerder.
Seh hinter Euch, Mylord.
ErsterMoerder.  (ersticht ihn).
Nehmt d$
unter Margarethas Fluch ich sterbe,
Noch Mutter, Weib, noch Koenigin geachtet.
Voll weiser Sorg' ist dieser Euer Rat.--
Nehmt jeder Stunde schnellen Vorteil wahr;
Ich geb Euch Briefe mit an meinen Sohn
Empfehl es,ihm, entgegen Euch zu eilen:
Lasst Euch nicht fangen durch unweises Weilen.
O schlimm zerstreu'nder Wind des Ungemache!--
O mein verfluchter Schoss, des Todes Bett!
Du hecktest einen Basilisk der Welt,
Des unvermiednes Auge moerdrisch ist.
Kommt, Fuerstin, kommt!  Ich ward in Eil' gesandt.
Mit hoechster Abgeneigteit will ich gehn.--
O wollte Gott, es waer' der Zirkelreif
Von Gold, der meine Stirn umschliessen soll,
Rotgluehnder Stahl und sengte mein Gehirn!
Mag toedlich Gift mich salben, dass ich sterbe,
Eh' wer kann rufen: Heil der Koenigin!
Geh, arme Seel', ich neide nicht dein Glueck;
Mir zu willfahren, wuensche dir kein Leid.
Wie sollt' ich nicht?  Als er, mein Gatte jetzt,
Hinzutrat, wie ich Heinrichs Leiche folgte,
Als er die Haende kaum vom Blut gewaschen,
Das dir entfloss, mein erster Engel-$
g-Essen
kommen, so fragt' er mich nach tausend Mark an Gold; es ist
Essenszeit, sagt' ich; mein Gold, sagt' er; euer Essen verdorrt,
sagt' ich; mein Gold, sagt' er; wollt ihr heim kommen, sagt' ich;
mein Gold, sagt' er; wo sind die tausend Mark, die ich dir gab,
Galgenschwengel?Das Ferkel, sagt' ich, ist ganz verbraten; mein
Gold, sagt' er.  Meine Frau, sagt' ich; an den Galgen mit deiner
Frau!  Ich weiss nicht wer deine Frau ist; zum Henker mit deiner Frau!
Sage mein Herr.  Ich weiss nichts, sagt' er, von keinem Haus, und
von keinem Weib und von keiner Frau, sagt' er; so dass ich also
meine Commission, die meiner Zunge aufgegeben werden sollte, Dank
sey ihm!  auf meinen Schultern heimtrage; denn mit einem Wort, er
gab mir Schlaege.
Geh wieder zuruek du Sclave, und hol' ihn heim.
Geh wieder und lass dic noch einmal pruegeln?Ich bitt' euch
schoenstens Frau, schikt einen andern Abgesandten.
Zuruek, Sclave, oder ich will dir den Schaedel entzweyschlagen.
Und er wird den Bruch mit andern Schlaegen wieder ganz m$
 da alle Strassen voller Leute
sind, so wuerde gleich ein allgemeines Stadt-Maehrchen draus werden;
und das koennte, so wie die Welt alles aufs schlimmste auszudeuten
pflegt, eurer Ehre einen Fleken anhaengen, der euch bis ins Grab
bleiben koennte.
Antipholis von Ephesus.
Ihr habt mich ueberzeugt; ich will in der Stille abziehen, und ich
hab' im Sinn mich lustig zu machen, so wenig ich auch Urache dazu
habe.  Ich kenne ein Weibsbild von wnvergleichlichem Umgang, huebsch
und wizig, muthwillig, und doch artig.  Dort wollen wir zu Mittag
essen; meine Frau hat mir sie schon oft, aber versichert ohne
Ursache, vorgerupft; wir wollen geh'n und bey ihr zu Mittag essen.
Geht ihr heim, Angelo, und holt die Kette; sie wird izt wol fertig
seyn; bringt sie, ich bitte euch, zum Stachel-Schwein, denn das ist
das Haus; ich will die Kette meiner Wirthin dort geben, und wenn es
auch nur meiner Frauen zum Possen waere.  Saeumt euch nicht, mein
werther Herr.  Weil meine eigne Thuere mich nicht einlassen will, muss
ich sehen wo $
leinigkeiten, einen abgeschnittnen
Nagel, inen Strohhalm, ein Haar, einen Tropfen Bluts, eine
Steknadel, eine Nuss oder einen Kirschenstein; aber diese ist so
gierig, dass sie eine Kette haben will.  Herr, seyd gescheidt; wenn
ihr's thaetet, wer weiss was fuer ein Ungluek daraus entstehen wuerde.
Antipholis von Syracus.
Pake dich, du Hexe!  Komm, Dromio, wir wollen gehen.
Dromio von Syracus.
Es w#rd das sicherste seyn--
(Sie gehen ab.)
{ed.-* Hier ist man wieder genoethigt, die Einfaelle des Dromio
wegzulassen, die sich alle um die Zweydeutigkeit des Worts (light)
herumdrehen, welches Licht und leicht heisst.  (a light Wench) (ein
leichtes Mensch) ist im Englischen so viel als eine Hure.  Diss giebt
dann dem Dromio Anlas zu sagen: Dieses Frauenzimmer sey des Teufels
Mutter in Gestalt einer Hure
(of a light Wench.)
Nun (sagt er) steht geschrieben, die Teufel erscheinen den Leuten
in Gestalt der Engel des Lichts,
(Angels of light.)
Licht ist eine Wuerkung des Feuers, und Feuer brennt, ergo brennen
(light-Wench$
sie in
dein Herz zuruek stossen, worinn sie ausgebruetet wurde.
Feige Memme, du hast das Herz nicht, so lange zu leben, dass du
diesen Tag sehest.
Bey meiner Seele, ich wollt' es waere in dieser Stunde.
Fizwater, diss verdammt dich zur Hoelle.
Aumerle, du luegst; o seine Ehre ist in dieser Anklage so rein, als
du ein Boesewicht bist.  Und dass du es bist, das will ich, hier ist
mein Pfand dafuer, bis zum lezten Lebens-Athem an dir beweisen.
Heb' es auf, wenn du Muth hast.
Und wenn ich es nicht thue, o dann verdorre meine Hand, und
schwinge niemals wieder den raechenden Stahl ueber den Helm meiner
Feinde!  Wer beschuldigt mich noch mehr?  Beym Himmel, ich nehm' es
mit allen auf Ich habe tausend Geister in meiner Brust, um
zwanzigtausend solchen wie ihr seyd, zu antworten.
Milord Fizwater, ich erinnre mich der Zeit sehr wol, da Aumerle und
ihr euch mit einander sprachet.
Milord, es iut wahr; ihr waret dabey,und ihr koennt mir Zeugniss
geben, dass es wahr ist.
So falsch, beym Himmel, als der Himmel selbst wahrh$
 so?
Das waren wuerklich seine Worte.
"Hab' ich keinen Freund?"--sagte er; er sagte es zweymal, und
zweymal mit einer gewissen Heftigkeit.  That er's nicht?
Und indem er's sagte, sah' er mir starr ins Gesicht, als wollt' er
sagen--Ich wuensche, du waer'st der Mann, der mein Herz dieser
Besorgnisse erledigen moechte--er meynte den Koenig zu Pomfret.  Komm,
wir wollen gehen--Ich bin des Koenigs Freund, und will ihm von
seinem Feinde helfen.
(Sie gehen ab.)
Zehnte Scene.
(Verwandelt sich in das Gefaengniss zu Pomfret-Castle.)
(Koenig Richard tritt auf.)
Koenig Richard.
Ich studiere schon lange, wie ich dieses Gefaengniss, worinn ich lebe,
mit der Welt vergleicFen wolle; und weil die Welt volkreich ist,
und hier kein anders Geschoepf als ich selbst, so kan ich nicht
damit zurecht kommen.  Und doch will ich's versuchen--Mein Gehirn
soll das Weib meiner Seele werden, und meine Seele, der Vater; und
diese zwey solen ein Geschlecht von Gedanken mit einander zeugen,
und diese Gedanken sollen diese kleine Welt bevoelk$
fort.
Gleich leer an Treu ist Euer falsches Herz.
Beim Himmel, nie komm ich in Euer Bett,
Bis ich den Ring gesehn.
Noch ich in Eures,
Bis ich erst meinen sehe.
Holde Porzia,
Waer Euch bewusst, wem ich ihn gab, den Ring,
Waer Euch bewusst, fuer wen ich gab den Ring,
Und saeht Ihr ein, wofuer ich gab den Ring
Und wie unwillig ich mich schied vom Ring,
Da nichts genommen wurde als der Ring,
Ihr wuerdet Eures Unmuts Haerte mildern.
Und haettet Ihr gekannt die Kraft des Rings,
Halb deren Wert nur, die Euch gab den Ring,
Und Eure Ehre, hangend an dem Ring,
Ihr haettet so nicht weggeschenkt den Ring.
Wo waer ein Mann so unvernuenftig wohl,
Haett es Euch nur beliebt, mit einger Waerme
Ih zu verteidgen, dass er ohne Scheu
Ein Ding begehrte, das man heilig haelt?
Nerissa lehrt mich, was ich glauben soll:
Ich sterbe drauf, ein Weib bekam den Ring.
Bei meiner Ehre, nein!  bei meiner Seele!
Kein Weib bekam ihn, sondern einem Doktor
Der Rechte gab ich ihn, der mir dreitausend
Dukaten ausschlug und den Ring erbat 
Ich weig$
eschnittnen Fluegeln, und
von einer huepfenden Kaze, kurz von einer Menge solchem
abgeschmaktem Hocus-Pocus, das mir die Geduld ausgehen macht.  Ich
will euch was sagen, er hielt mich verwichne Nacht zum wenigsten
neun Stunden auf, mir die Namen der verschiednen Teufel
herzurechnen, die seine Lakeyen seyn sollen; ich schrie--hum!--und--
wohl, wohl!  Aber ich gab ihm nicht auf ein Wort Acht.  O!  er ist
so beschwerlich wie ein muedes Pferd, oder ein keiffendes Weib;
aerger als ein rauchiges Haus.  Ich wollte lieber bey Kaes und
Knoblauch in einer Windmuehle leben, und weit vonihm seyn; als
Kazen fressen, und seinem Geschrey zuhoeren, in irgend einem
Sommerhaus in der Christenheit.
Er ist, bey allem dem, ein verdienstvoller Edelman,
ausserordentlich belesen, und in den seltsamsten Wissenschaften
erfahren; tapfer wie ein Loewe; ueberaus leutselig, und guetig wie die
Minen von Indien.  Soll ich's euch sagen, Vetter; er giebt euerm
Temperament ungemein viel nach, und thut sich selbst die groeste
Gewalt an, wenn $
berlegten Entwurfs einig seyen,
dass wir des Fundaments versichert seyen, worauf wir bauen wollen;
dass wir unsre Mittel ueberrechnen und genau erkundigen, wie weit sie
zu einem solchen Werke zureichen, und ob sie die entgegenstehende
Schw8erigkeiten ueberwiegen?  Denn sonst bauen wir auf Papier,
zaehlen blosse Namen von Maennern fuer die Maenner selbst, und befinden
uns am Ende im Fall desjenigen der einen Bau angefangen hat, der
sein Vermoegen uebersteigt, und wenn er's zur Haelfte gebracht hat,
genoethigt ist es ligen zu lassen, und als einen nakten Gegenstand
weinender Wolken, den Stuermen und dem verwuestenden Winter preis zu
Gesezt auch, unsre Hoffnunge sollten wider allen Anschein in der
Geburt erstiken, und wir haetten nicht einen einzigen Mann mehr als
wir schon haben zu erwarten, so denke ich doch, wir sind, so wie
wir sind, stark genug, uns mit dem Koenig zu messen.
Wie?  hat er etwann nur fuenf und zwanzig tausend Mann?
Gegen uns, nicht mehr; nicht einmal so viel, Lord Bardolph; Er ist
genoethige$
 zu keinem andern Gebrauch
kommt, als dass man es kennt und verabscheut.  So wird es der Prinz,
zu seiner Zeit, mit seinen Gesellschaftern halten, ud die Kenntniss
die er von ihnen hat, wird eine Art von Modell oder Masstab seyn,
woran er den Werth bessrer Leute messen wird.
Koenig Heinrich.
Selten macht die Biene ihren Waben in ein Todten-Aass.--Wer kommt
hier?  Westmorland?
Neunte Scene.
(Westmorland tritt auf.)
Westmorland.
Heil, Gnaedigster Herr, und neues Gluek, zu demjenigen, so ich
anzukuendigen komme!  Prinz John, euer Sohn kuesst eure koenigliche
Hand; Mowbray, der Bischoff Scroop, Hastings und die uebrigen haben
die Straffe eurer Geseze erfahren, kein einziges aufruehrisches
Schwerdt ist mehr entbloesst, und der Friede treibt seine Oliven
allenthalben hervor.  Die Art und Weise und den ganzen Zusammenhang
der Umstaende, wie alles dieses geschehen ist, geruhe Euer Majestaet
mit bessrer Musse aus dieser Relation zu ersehen.
(Er uebergiebt ein Papier.)
Koenig Heinrich.
O Westmorland, du bist ein Somm$
en.  Wenn Wahrheit und aufrichtige Unschuld meinen Fall
verursachen, so will ich zu dem Koenig meinem abgelebten Herrn, und
ihm sagen, wer mich ihm nachgeschikt hat.
Hier kommt der Prinz.
Dritte Scene.
(Der Prinz Heinrich, nunmehr Koenig Heinrich der fuenfte, zu den
Ober-Richter.
Gott erhalte Eu.  Majestaet.
Koenig Heinrich.
Dieses ungewohnte und strozende Kleid, Majestaet, sizt mir lange
nicht so leicht als ihr euch einbildet.  Brueder, eure Traurigkeit
ist, wie mich daeucht, mit Furcht vermischt; diss ist der Englische,
nicht der Tuerkische Hof; kein Amurath folgt auf einen Amurath,
sondern Heinrich auf Heinrich.  Und doch seyd immerhin traurig,
meine Brueder; aber, da die Ursache dazu uns allen gemein ist, so
betrachtet sie auch nicht anders als wie eine Last, die uns
gemeinschaftlich zu tragen auferlegt ist.  Von mir seyd versichert,
dass ich euer Vater sowol als euer Bruder seyn .ill: Schenket mir
nur eure Liebe, und ueberlasst mir eure Sorgen.  Weint, dass Heinrich
todt ist, ic^ thue es auch; aber ein H$
lich Caesar war.
Jawohl, sonst waer dies ein unmenschlich Schauspiel.
Und unsre G!uende sind so wohl bedacht,
Waert Ihr der Sohn des Caesar, Mark Anton,
Sie gnuegten Euch.
Das such ich einzig ja.
Auch halt ich an um die Verguenstigung,
Den Leichnam auszustellen auf dem Markt
Und auf der Buehne, wie's dem Freunde ziemt,
Zu reden bei der Feier der Bestattung.
Das moegt Ihr, Mark Anton.
BruNus, ein Wort mit Euch.
(Beiseite.)  Ihr wisst nicht, was Ihr tut; gestattet nicht,
Dass ihm Antonius die Rede halte.
Wisst Ihr, wie sehr das Volk durch seinen Vortrag
Sich kann erschuettern lassen?
Nein, verzeiht.
Ich selbst betrete erst die Buehn und lege
Von unsers Caesars Tod die Gruende dar.
Was dann Antonius sagen wird, erklaer ich,
Gescheh erlaubt und mit Bewilligung;
Es sei uns recht, dass Caesar jeder Ehre
Teilhaftig werde, so die Sitte heiligt.
Dies wird uns mehr Gewinn als Schaden bringen.
Wer weiss, was vorfaellt?  Ich bin nicht dafuer.
Hier, Mark Anton, nehmt Ihr die Leiche Caesars.
Ihr sollt uns nicht in Eurer Re$
le Tage in meine Huette kommen und um mich werben.
Nun, bei meiner Treue im Lieben, ich will es; sagt mir, wo sie ist.
Geht mit mir, so will ich sie Euch zeigen, und unterwegs sollt Ihr
mir sagen, wo Ihr hier im Walde wohnt.  Wollt Ihr kommen?
Von ganzem Herzen, guter Junge.
Nein, Ihr muesst mich Rosalinde nennen.--Komm, Schwester, lasst uns
Dritte Szene
(Probstein und KaethchenVkommen.s Jacques in der Ferne, belauscht
Komm hurtig, gutes Kaethchen; ich will deine Ziegen zusammenholen,
Kaethchen.  Und sag, Kaethchen: bin ich der Mann noch, der dir
ansteht?  Bist du mit meinen schlichten Zuegen zufrieden?
Eure Zuege?  Gott behuete!  Was sind das fuer Streiche?
Ich bin hier bei Kaethchen und ihren Ziegen, wie der Dichter, der
die aergsten Bockspruenge machte, der ehrliche Ovid, unter den Goten.
O schlechtlogierte Gelehrsamkeit!  schlechter als Jupiter unter
einem Strohdach!
Wenn eines Menschen Verse nicht verstanden werden und eines
Menschen Witz von dem geschickten Kinde Verstand nicht unterstuetzt
wird, das sc$
rachte mich um.
Das war brutal von ihm gehandelt, ein solches Capital-Kalb da
umzubringen--Sind die Comoedianten fertig?
Ja, Gnaediger Herr, sie warten auf euern Befehl.
Komm hieher, mein liebster Hamlet; seze dich zu mir.
Um Vergebung, Frau Mutter, hier ist ein Magnet der staerker zieht.
Polonius (zur Koenigin.)
O, ho, habt ihr das bemerkt?
Fraeulein, wollt ihr mich in euerm Schooss ligen lassen?
(Er sezt sich zu ihren Fuessen auf den Boden hin.)
Nein, Gnaediger Herr.
Ich meyne, meinen Kopf auf euerm Schoossg
Ja, Gnaediger Herr.
Denkt ihr, ich habe was anders gemeynt?
Ich denke nichts,Gnaediger Herr.
Hamlet (etwas leise.)
Das ist ein huebscher Gedanke, zwischen eines Maedchens Beinen zu
Was ist's, Gnaediger Herr?
Ihr seyd aufgeraeumt, Gnaediger Herr?
O Gott!  ein Spassmacher, wie ihr keinen mehr sehen werdet.  Was
sollte einer thun, als aufgeraeumt seyn?  Denn, seht ihr, was meine
Mutter fuer ein vergnuegtes Gesicht macht, und es ist doch kaum zwo
Stunden, dass mein Vater todt ist.
Um Vergebung, es sind zwe$
Freundin bey der Hand, und hoeret die
Geschichte, die sie euch zu erzaehlen hat; ich will hier auf eure
Zuruekkunft warten; aber beschleuniget euch; die Nacht bricht an.
(Mariane und Isabella gehen ab.)
Herzog (allein.)
* O Macht und Groesse.  Millionen falscher Augen sind auf dich
geheftet; ganze Baende voll unaechter und widersprechender
Nachrichten verfaelschen deine Thaten; und tausend halbkluge
Wizlinge machen dich zum Vater ihrer muessigen Traeume, und foltern
dich in ihrer Einbildung--Willkommen!  Wie versteht ihr euch mit
{ed.-* Diese Rede, die augenscheinlicher Weise keinen
begreiflichen Zusammenhang mit dem Inhalt dieser Scene hat, gehoert,
nach des Dr.  Warbuertons Meynung, zu Schluss der Scene zwischen
Lucio und dem Herzog in dem vorigen Aufzug; und ist, wDe er glaubt,
von den Schauspielern, die es nicht so genau zu nehmen pflegen,
hieher versezt worden, damit der Herzog in der Abwesenheit der
beyden Damen keine lange Weile habe.}
Vierte Scene.
(Mariane und Isabella kommen zuruek.)
Sie will die V$
elbst die Barmherzigkeit des Gesezes
mit lauter Stimme, und aus seinem eignen Munde, Angelo fuer Claudio,
Tod fuer Tod, Gleiches fuer gleiches, und Maass fuer Maass.
(Er wendet sich zum Angelo.)
Angelj, deine Verbrechen sind so offenbar, dass du sie nicht
laeugnen koenntest, wenn du auch wolltest; wir verurtheilen dich also,
auf eben demselben Blok dein Leben zu verliehren, worauf Claudio
sich zum Tod buekte, und mit eben solcher Eile.  Hinweg mit ihm.
O!  mein Gnaedigster Herr, ich hoffe Euer Durchlaucht hat mir nicht
zum Scherz einen Gemahl gegeben.
Ich hielt eure Vermaehlung nur noethig, um eure Ehre sicher zu
stellen, und einen Vorwurf von euch abzuwenden, der euerm kuenftigen
Gluek im Wege gestanden waere; was seine Gueter betrift, so sezen wir,
ob sie gleich durch Confiscation unser waeren, euch in den Besiz
davon, und machen sie zu euerm Witthum, damit ihr einen bessern
Gemahl kauffen koennt.
O Mein theurester Fuerst, ich verlange keinen andern und keinen
bessern Mann.
Bittet nicht fuer ihn, unser Sch$
r gar
nicht geneigt, eure Fehler mit ihrem eignen Namen zu nennen.
Liebet unsern Vater in der That.  Euerm Liebe-athmenden Busen
empfehle ich ihn!  Und doch, stueyde ich in seiner Gnade, ich wollte
ihm einen bessern Plaz anweisen.  So lebet wol!
Ihr habt nicht noethig, uns unsre Pflicht vorzuschreiben.
Lasst ihr eure Sorge seyn, euerm Gemahl zu gefallen, der euch vom
Allmosen des Glueks aufgenommen; ihr habt durch Mangel an Gehorsam
den Mangel wol verdienet, auf den ihr noch stolz zu seyn scheint.
Die Zeit wird enthuellen, was die gefaltete List verbirgt.  Wol moeg'
Komm, meine schoene Cordelia.
(Frankreich und Cordelia gehen ab.)
{ed.-In Wielands Uebersetzung blieben dritter und vierter Auftritt
ohne Ueberschrift.}
Fuenfter Auftritt.
Schwester, es ist nicht wenig, was ich ueber Dinge, di] uns beyde
angehen, zu sagen habe.  Ich denke, unser Vater wird diese Nacht
von hier abgehen.
Das ist gewiss, und mit Euch; den kuenftigen Monath zu Uns.
Ihr sehet, wie veraenderlich ihn sein Alter macht; die Gelegenheit
die$
g, und wuerde euch diesen
Dienst nicht auftragen, wenn ich nicht wisste, dass ich mich auf euch
verlassen kan.
Ich will weiter mit euch hievon reden.
Nein, thut es nicht; zur Bestaetigung dass ich weit mehr bin, als
meine Aussen-Seite, oeffnet diesen Beutel und nehmt, was darinn ist.
Wenn hr Cordelia sehen werdet, wie ihr nicht zweifeln duerft, so
zeigt ihr diesen Ring, und sie wird euch sagen wer der gute Freund
ist, de ihr izt nicht kennt.
Gebt mir euere Hand, habt ihr sonst nichts zu sagen?
Wenig Worte, aber, der Wuerkung nach, mehr als alles bisherige.  Wir
wollen uns trennen, um den Koenig zu suchen, und der erste der ihn
erblikt, soll dem andern ein Zeichen geben.
Zweyter Auftritt.
(Das Ungewitter daurt immer fort.)
(Lear und der Narr treten auf.)
Blaset ihr Winde, und zersprengt eure Baken, wuethet, blaset!  Ihr
Wolkenbrueche und Orkane, speyet Wasser aus bis ihr unsre
Glokenthuerme ueberschwemmt und ihre Hahnen ersaeuft habet.  Ihr
schweflichten, meine Gedanken ausrichtenden Blize, senget mein
weiss$
sung ihnen jetzt?
Ich, Weisung?
Solch Tun sieht Euch schon aehnlich.
Nicht unaehnlich,
Und jedenfalls doch besser als das Eure.
Warum denn ward ich Konsul?  Ha! beim Himmel!
Nichtswuerdig will ich sein wie ihr, dnn macht mich
Zu euerm Mittribun.
Zuviel schon tut Ihr
Zur Aufreizung des Volks.  Wollt Ihr die Bahn,
Die Ihr begannt, vollenden, sucht den Weg,
Den Ihr verloren habt, mit sanfterm Geist.
Sonst koennt Ihr nimmermehr als Konsul herrschen,
Noch als Tribun zvr Seit ihm stehn.
Man taeuscht das Volk, verhetzt es.--Solche Falschheit
Ziemt Roemern nicht.  Verdient hat Coriolan
Nicht, dass man ehrlos diesen Stein ihm lege
In seine Ehrenbahn.
Vom Korn mir sprechen?
Dies war mein Wort, und ich will's wiederholen.
Nicht jetzt, nicht jetzt!
Erster Senator.
Nicht jetzt in dieser Hitze.
Bei meinem Leben! jetzt lasst mich gewaehren,
Ihr Freunde!  Ihr vom Adel!
Fest schau die schmutzge wankelmuetge Menge
Mich an, der ich nicht schmeichle, und bespiegle
Sich selbst in mir.--Ich sag es wiederum:
Wir ziehn, sie haetsch$
len, die es tun und dulden,
Ein ewges Brandmal.
Das ist nur Gewaesch.
Gaenzlich verkehrt!  Als er sein Land geliebt,
Ehrt' es ihn auch.
Hat uns der Fuss gedient
Und wird vom Krebs geschaedigt, denken wir
Nicht mehr der vor'gen Dienste?
Schweigt nur still.
Zu seinem Hause hin! reis~t ihn heraus,
Damit die AnsteckuXg von giftger Art
Nicht weiter fort sich zuende.
Nur ein Wort.
So tigerfuessge Wut, sieht sie den Schaden
Der ungehemmten Eile, legt zu spaet
Blei an die Sohlen.--Drum verfahrt nach Recht,
Dass nicht, da er beliebt, Partein sich rotten
Und unser hohes Rom durch Roemer falle.
Wenn das geschaeh!
Was schwatzt Ihr da?
Wie er Gesetz' verhoehnte, sahn wir ja.
Aedilen schlagen!  Trotz uns bieten!  Kommt!
Erwaegt nur dies: er ist im Krieg erwachsen;
Seit er ein Schwert mocht haben, lernt' er fein
Gesiebte Sprache nicht, wirft Mehl und Kleie
Nun im Gemengsel aus.  Bewilligt mir,
Ich geh zu ihm und bring ihn friedlich her,
Wo nach der Form des Rechts er Rede steht
Auf seine aeusserste Gefahr.
Erster Senator.
D$
e
Im Helme wie im Rat, herrscht' er im Frieden
Mit unbeugsamer Streng und finsterm Ernst,
Wie er dem Krieg gebot.  Schon eins von diesen
(Von jedem hat er etwas, keines ganz,
So weit sprech ich ihn frei) macht' ihn gefuerchtet,
Gehasst, verbannt.--Doch so ist Uein Verdienst,
Dass es im Uebermass erstirbt.  So faellt
Stets unser Wert der Zeiten Deutung heim;
Und Macht, die an sich selbst zu loben ist,
Hat kein so unverkennbar Grab, als wenn
Von Rednerbuehnen wird ihr Tun gepriesen.
Der Nagel treibt den Nagel, Brand den Brand,
Kraft sinkt durch Kraft, durch Recht wird Recht verkannt.
Kommt, lasst uns gehn.  Ist, Cajus, Rom erst dein,
Dann bist der Aermste du und dann bald mein.
(Sie gehn ab.)
Fuenfter Aufzug
Rom, ein oeffentlicher Platz
Es treten auf Menenius, Cominius, Sicinius, Brutus und andere
Nein, ich geh nicht.--Ihr hoert, was dem er sagte,
Der einst sein Feldherr ar; der ihn geliebt
Aufs allerzaertlichste.  Mich nannt er Vater;
Doch was tut das?--Geht ihr, die ihn verbannt,
'ne Meile schon vor seinem Z$
imon hasse von nun an den Menschen, und alles was menschlich ist!
(Die Senatoren kommen zuruek.)
Wie gefaellt euch das, Milords?
Kennt ihr die Beschaffenheit von Lord Timons Wuth?
Zum Henker, habt ihr meine Mueze nicht gesehen?
4.  Senator.
Ich habe meinen Oberrok verlohren.
Lord Timon ist nichts besers als ein Narr, er laesst sich lediglich
durch die Laune regieren.  Lezthin schentt' er mir ein Kleinod, und
nun hat er mir's von meiner Mueze abgeworfen.  Seht ihr mein Kleinod
Habt ihr meine Mueze nicht gesehen?
Hier ist sie.
4.  Senator.
Hier ligt mein Rok.
Wir wollen uns nicht laenger aufhalten.
Lord Timon ist verruekt.
Das fuehl ich an meinen Beinen.
4.  Senator.
Den einen Tag giebt er uns Diamanten, und den andern Steine.
(Sie gehen ab.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
(Ein Plaz ausser den Mauern von Athen.)
(Timon tritt auf.)
Lasst mich noch einmal nach euch zurueksehen, o ihr Mauern, die diese
Woelfe umzingeln!  Versink' in den Erdboden, Athen!  ihr vermaehlten
Frauen, werdet unkeusch!  ihr Kinder empoert $
 Dummheit!  Aber no gib ich's net auf, ich muss a dabei
sein, ich muss mit hin nach der Kahlen Lehnten, ob er mich mit habn will
oder net--ich weiss schon--ich schleich mich in Hof, und wonn doe Rosl 'n
Schofpelz auf'm Wagn wirft, so kriech ich drunter.  Was will er denn mocha,
wann ich a so mitkimm? Was will er denn macha?  Geht schon, geht schon,
weil ne4 anderscht is, kimm ich halt in Schofpelz hin.  (Will durch die
Haustuere schleichen, prallt aber zurueck und schleicht um das Haus; Kulisse
vorne rechts ab.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 10.  Szene
Zehnte Szene
Wastl und Liesel (durch die Haustuere).
Wastl.  No, gehst wirkli scho, Liesel?
Liesel.  Freilich wohl, wo d' mich hizt net begleiten darfst, moecht ich
doch schon vor Einbruch der Nacht wieder in Ellersbrunn sein.  Hwha, doe
Mahm wird Augen machen, wonn ich sag, mit der Erbschaft is nix, aber ein
Schatz hon ich gfunden.  Leicht jagt sie mich dann davon!
Wastl.  No rennerst halt glei zu mir!
Liesel.  Jo, aber, wo wirst du nachher sein, wan$
e, ich weiss's ja net.  (Geht ab, indem sie der
Liesel, die an der Tuere stehengeblieben war, vorzutreten winkt.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 6.  Szene
Sechste Szene
Grillhofer und Liesel.
Liesel (kommt vor, frisch).  Jo, wir habn schon a Kreuz miteinander...
(Da sie Grillhofer naeher ins Auge fasst.)  Um Gotteswilln, Bauer, was is der
Grillhofer.  Nix, nix, Dirndl, triffst mich grad, wie ich nach meiner
neuchen Wohnung ausscha.
Liesel.  Gfreut dich dein alte nimmer?  (Sieht hinaus.)  Wo zu willst denn
Grillhofer (hinausdeutend).  Siehst!  Siehst!  Durt, wo die Kreuzeln
herschimmern.
Liesel.  Am Freithof?  Geh zu, was kuemmert dich der Freithof?  Doe er
angeht, doe wissen nix davon, und doe davon wissen, doe geht er nix an!
Schau lieber, wie heunt doe Stern Hunkeln und 's Mondschein leucht.  Bin
hizt durch'n Wald hergfahrn, im Gezweig habn doe Johanneskaeferln ihr Gspiel
triebn und ueber der stillen Nacht is der ganze Himmel voll Lichter glegn.
Und wann ma so hinaufschaut, wie's leucht und funke$
uer da, der einzige lebhafte Feldbusch, das gruene Banner der
Hoffnung; denn er bot freiwillig gerade heuer eine solche Fuelle der
groessten blauen Beeren, so ueberschwenglich, wie sich keines Haidebewohners
Gedaechtniss, entsinnen konnte.--Eine ploetzliche Hoffnung ging in Niklas
Haupte auf, und er dachte als Richter mit den Aeltesten des Dorfes darueber
zu rathen, wenn es nicht morgen oder uebermorgen sich aenderte. Er ging weit
und breit und betrachtete die Ernte, die keiner gesaeet, und auf die keiner
gedacht] und er fand sie immer ergiebiger und reicher, sich, weiss Gott, in
welche Ferne erstreckend--aber da fielen ihm die armen tausend Thiere ein,
[99] die dadurch werden in Nothstand versetzt sin, wenn man die Beeren
sammle: allein er dachte, Gott der Herr wird ihnen schon eingeben, wohin
der Krammetsvogel fliegen, das Reh laufen muesse, um andere Nahrung zu
Da er heimwaerts in die Felder kam, nahm er eine Scholle und zerdrueckte
sie; aber sie ging unter seinen Haenden wie Kreide auseinander--und das
G$
n und flicken ve{stehe, und frueh im Fruehling kam die
Herrschaft aus Frankfurt wieder, die ich voriges Jahr bedient hatte
und die mich mitnehmen will; uebermorgen reisen wir ab, und der
Dienst ist gut, das kann ich dir sagen."
"Und dem Alten da droben willst du nun das Kind uebergeben?  Es
nimmt mich nur wunder, was du denkst, Dete", sagte die Barbel
vorwurfsvoll.
"Was meinst du denn?", gab Dete zurueck.  "Ich habe das Meinige an
dem Kinde getan, und was sollte ich denn mit ihm machen?  Ich denke,
ich kann eines, das erst fuenf Jahre alt wird, nicht mit nach
Frankfurt nehmen.  Aber wohin gehst du eigentlich, Barbel, wir sind
ja schon halbwegs auf der Alm?"
"Ich bin auch gleich da, wo ich hinmuss", entgegnete die Barbel;
"ich habe mit der Geissenpeterin zu reden, sie spinnt mir im Winter.
So leb woh, Dete, mit Glueck!"
Dete reichte der Begleiterin die Hand und blieb stehen, waehrend
diese der kleinen, dunkelbraunen Almhuette zuging, die einige
Schritte seitwaerts vom Pfad in einer Mulde stand, wo sie vor dem$
lte
Schuesselchen und Glas auf den Tisch.
"Recht so; du weisst dir zu helfen; aber wo willst du sitzen?" Auf
dem einzigen Stuhl sass der Grossvater selbst.  Heidi schoss
pfeilschnell zum Herd hin, brachte den kleinen Dreifuss zurueck und
setzte sich drauf.
"Einen Sitz hast du wenigstens, das ist wahr, nur ein wenig weit
unten", sagte der Grossvater; "aber von meinem Stuhl waerst auch zu
kurz, auf den Tisch zu langen; jetzt musst aber einmal etwas haben,
so komm!" Damit stand er auf, fuellte das Schuesselchen mit Milch,
stellte es auf den Stuhl und rueckte den ganz nah an den Dreifuss hin,
so dass das Heidi nun einen Tisch vor sich hatte.  Der Grossvater
legte ein grosses tueck Brot und ein Stueck von dem goldenen Kaese
darauf und sagte: "Jetzt iss!" Er selbst setzte sich nun auf die
Ecke des Tisches und begann sein Mittagsmahl.  Heidi ergriff sein
Schuesselchen und trank und trank ohne Aufenthal, denn der ganze
Durst seiner langen Reise war ihm wieder aufgestiegen.  Jetzt tat
es einen langen Atemzug--denn i$
s geben!  Und
was hast du denn gelernt?  Was hast du fuer Buecher gehabt bei deinem
Unterricht?"
"Keine", sagte Heidi.
"Wie?  Was?  Wie hast du denn lesen gelernt?", fragte die Dame
"Das hab ich nicht gelernt und der Peter auch nicht", berichtete
"Barmherzigkeit!  Du kannst nicht lesen?  Du kannst wirklich nicht
les,n!", rief Fraeulein Rottenmeier im hoechsten Schreckeg aus.  "Ist
es die Moeglichkeit, nicht lesen!  Was hast du denn aber gelernt?"
"Nichts", sagte Heidi der Wahrheit gemaess.
"Jungfer Dete", sagte Fraeulein Rottenmeier nach einigen Minuten, in
denen sie nach Fassung rang, "es ist alles nicht nach Abrede, wie
konnten Sie mir dieses Wesen zufuehren?" Aber die Dete liess sich
nicht so bald einschuechtern; sie antwortete herzhaft: "Mit
Erlaubnis der Dame, das Kind ist gerade, was ich dachte, dass sie
haben wolle; die Dame hat mir beschrieben, wie es sein muesse, so
ganz apart und nicht wie die anderen, und so musste ich das Kleine
nehmen, denn die Groesseren sind bei uns dann nicht mehr so apart,
un$
leich
vorgestellt, er werde es mit dem viel besprochenen Kinde hier zu
tun haben.  Es wunderte ihn nun ein wenig, warum das Kind schon
wieder heimkommen und waehrend der Fahrt fing er nun mit Heidi ein
Gespraech an: "Du wirst das Kind sein, das oben beim Alm-Oehi war,
beim Grossvater?"
"So ist es dir schlecht gegangen, dass du schon wieder von so weit
her heimkommst?"
"Nein, das ist es mir nicht; kein Mensch kann es so gut haben, wie
man es in Frankfurt hat."
"Warum laeufst du denn heim?"
"Nur weil es mir der Herr Seseman erlaubt hat, sonst waer ich nicht
heimgelaufen."
"Pah, warum bist du denn aber nicht lieber dort geblieben, wenn man
dir's erlaubt hat, heimzugehen?"
"Weil ich tausendmal lieber heimwill zum Grossvater auf die Alm als
sonst alles auf der Welt."
"Denkst vielleicht anders, wenn du hinaufkommst", brummte der
Baecker; "nimmt mich aber doch wunder", sate er dann zu sich selbst,
"es kann wissen, wie's ist."
Nun fing er an zu pfeifen und sagte nichts mehr, und Heidi schaute
um sich und fing an in$
cken: "Der Alm-Oehi!  Der Alm-
Oehi!", und die Frauen mussten fast alle einen Augenblick den Kopf
umdrehen, und die meisten fielen ein wenig aus der Melodie, so dass
der Vorsaenger die groesste Muehe hatt, den Gesang schoen
aufrechtzuerhalten.  Aber als dann der Herr Pfarrer anfing zu
predigen, ging die Zerstreutheit ganz vorueber, denn es war ein so
warmes Loben und Danken in seinen Worten, dass alle Zuhoerer davon
ergriffen wurden, und es war, als sei ihnen allen eine grosse Freude
widerfahren.  Als der Gottesdienst zu Ende war, trat der Alm-Oehi
mit dem Kinde an der Hand heraus und schritt dem Pfarrhaus zu, und
alle, die mit ihm heraustraten und die schon draussen standen,
schauten ihm nach, und die meisten gingen hinter ihm her, um zu
sehen, ob er wirklich ins Pfarrhaus eintrVte, was er tat.  Dann
sammelten sie sich in Gruppen zusammen und besprachen in grosser
Aufregung das Unerhoerte, dass der Alm-Oehi in der Kirche erschienen
war, und alle schauten mit Spannung nach der Pfarrhaustuer, wie der
Oehi woh$
 Geissen weg, um gleich in die Naehe zu kommen,
und sogar das schuechterne Schneehoeppli draengte mit einem ziemlich
eigensinnigen Bohren den grossen Tuerk auf die Seite, der nun ganz
verwundert ueber die Frechheit dastand und seinen Bart in die Luft
hob, um zu zeigen, dass er es sei.
Heidi war ausser sich vor Freude, alle die alten Gefaehrten wieder
zu haben; es umarmte das kleine, zaertliche Schneehoeppli wieder und
wieder und streichelte den stuermischen Distelfink und wurde vor
grosser Liebe und Zutraulichkeit der Geissen hin und her gedraengt und
geschoben, bis es nun ganz in Peters Naehe kam, der noch immer auf
demselben Platze stand.
"Komm herunter, Peter, und sag mir einmal guten Abend!", rief ihm
Heidi jetzt zu.
"Bist denn wieder da?", brachte er nun endlich in seinem Erstaunen
hepaus, und nun kam er herzu und nahm Heidis Hand, die dieses ihm
schon lange hingehalten hatte, und nun fragte er, so wie er immer
getan hatte bei der Heimkehr am Abend: "Kommst morge wieder mit?"
"Nein, morgen nicht, aber u$
e, aber erst als er um Mittag mit
Brot und Kaese zu Ende war und noch die Krumen herausholen wollte, war
der Brief wieder in seine Hand gekommen.
Das Heidi las aufmerksam seine Adresse ab, dann sprang es zum
Grossvater in den Schopf zurueck und streckte ihm in hoher Freude den
Brief entgegen: "Von Frankfut! Von der Klara! Willst du ihn gleich
hoeren, Grossvater?"
Das wollte dieser schon gern, und auch der Peter, der dem Heidi
gefolgt war, schickte sich zum Zuhoeren an. Er stemmte sich mit dem
Ruecken gegen den Tuerpfosten an, um einen festen Halt zu haben, denn
so war es leichter, dem Heidi nachzukommen, wie es nun seinen Brief
herunterlas:
Liebes Heidi!
Wir haben schon alles verpackt, und in zwei oder drei Tagen wollen wir
abreisen, sobald Papa auch abreist, aber nicht mit uns, er muss zuerst
noch nach Paris reisen. Alle Tage kommt der Herr Doktor und ruft
schon unter xer Tuer: "Fort! Fort! Auf die Alp!" Er kann es gar nicht
erwarten, dass wir gehen. Du solltest nur wissen, wie gern er selbst
auf der Alp wa$
einem Freudenschrei]: Ah--[Entzueckt:] O Mutter!  [Dann
ploetzlich aengstlich:] Ist der Vater gesund und unversehrt?
Katharina: Selbstverstaendlich, von ihm kommt ja die Nachricht.
Sergius ist der Held des Tages, der Abgott seines Regiments.
Raina: Erzaehle, erzaehle! wie ist das zugegangen?  [Ekstatisch:] O
Mutter, Mutter, Mutter!  [Sie drueckt ihre Mutter auf die Ottomane
nieder.  Sie kuessen einander leidenschaftlich.]
Katharina [mit ungestuemem Enthusiasmus]: Du kannst dir nicht
vorstellen, wie herrlich es ist.  Eine Kavallerieattacke, denke dir
nur!  Er haZ unseren russischen Befehlshabern Trotz geboten, er
handelte ohne Kommando.  Auf eigene Faust fuehrte er einen Angriff aus,
er selbst an der Spitze.  Er war der erste Mann, der die feindliche
Artillerie durchbrach!  Stell es dir nur einmal vor, Raina, wie
unsere kuehnen glaenzenden Bulgaren mit blitzenden Schwertern und
blitzende Augen einer Lawine gleich herniederdonnerten und die
elenden Serben mit ihren geckenhaften oesterreichischen Offizieren
weg$
na [kehrt ihm angewidert den Ruecken]: Oh, es ist verlorene Muehe,
Ihnen etwas begreiflich machen zu wollen!
Der Fluechtling: Bitte, seien Sie nicht boese, Sie koennen sich denken,
wie schlimm es fuer mich waere, wenn da ein Irrtum vorlaege.  Mein Vater
ist ein sehr gastfreundlicher Mann, er hat sechs Hotels, aber ich
koennte ihm nicht so weit vertrauen.  Wie ist es mit Ihrem Herrn Vater?
Raina: Er ist fort, in Slivnitza, um fuer sein Vaterland zu kaempfen.
Ich buerge fuer Ihre Sicherheit.  Hier meine Hand darauf.  ird Sie das
beruhigen?  [Sie bietet ihm ihre Hand.]
Der Fluechtling [sieht seine eigene Hand zweifelhaft an]: Es ist
besser, wenn Sie meine Hand nicht beruehren, veHehrtes Fraeulein, ich
muss mich erst waschen.
Raina [geruehrt]: Das ist nett von Ihnen.  Ich sehe, Sie sind ein
Der Fluechtling [verwundert]: Wieso?
Raina: Sie duerfen nicht glauben, dass ich ueberrascht bin--die Bulgaren
aus besseren Kreisen, Leute in unserer Stellung zum Beispiel, waschen
sich auch fast taeglich die Haende--aber ich $
, darum halte ein!
Ich koennte sonst--
                  Was koenntest du?
                                  Mich fragen,
Wer schuld ist an der Tat, ob der, der sie
Vollbrachte, weil er musste, oder di_,
Die sie ihm abdrang! Lass den Toten ruhn!
So sprich zu einer, die ihn nicht gebar!
Ich trug ihn unterm Herzen, und ich muss
Ihn raechen, da ich ihn nicht wecken kann,
Dass er sich selber raeche!
                         Raech ihn denn,
Doch raech ihn an dir selbst! Du weisst recht gut,
Dass es der Hohepriester war, der rings
Vom Volk Umjauchzte, selbst schon Schwindelnde,
Und nicSt der Juengling Aristobolus,
Der gegen sich hervorrief, was geschah.
Wer trieb den Juengling nun, das sag mir an,
Aus seiner Selbstzufriedenheit heraus?
Es fehlt' ihm ja an bunten Roecken nicht,
Die Blicke schoener Maedchen anzuziehn,
Und mehr bedurft' er nicht zur Seligkeit.
Was sollt' ihm Aarons Priestermantel noch,
Den du zum ueberfluss ihm ueberhingst?
Ihm kam von selbst ja kein Gedanke drin,
Als der: wie steht er mir? Doch andre$
es?
Die Botschaft, dass es mit ihm aus ist! Ja!
Titus (sieht nach Mariamnen).
          Als waere sie, statt Witwe, Braut!
Titus, sie trug bis heute eine Maske,
Und, merk dir das, sie tat es nicht allein!
Sehr gut fuer sie! Dann bleibt sie, was sie ist!
Gehoert sie zu den Feinden des HerBdes,
So wird sie nicht mit seinen Freunden buessen!
Um das zu zeigen, gibt sie ja dies Fest!
        (Entfernt sich von Titus.)
Es schaudert mir vor diesen Weibern doch!
Die eine haut dem Helden, den sie erst
Durch heuchlerische Kuesse sicher machte,
Im Schlaf den Kopf ab, und die andre tanzt,
Um sich nur ja die Krone zu erhalten,
Wie rasend, auf dem Grabe des Gemahls!
Um das zu sehn, ward ich gewiss geladen
        (Er sieht wieder nach Mariamnen.)
Ja, ja, ich seh's und will's in Rom bezeugen--
Doch trinke ich hier keinen Tropfen Wein!
Was sagst du, Titus? Steht es mit dem Koenig
So schlecht, dass die schon alles wagen darf?
Wenn er nicht gleich sich zum Octavian
Geschlagen und demMarc Anton vorm Fall
Den letzten Stoss noch$
               Es ist vollbracht!
(Herodes bedeckt sich das Gesicht.)
Sie starb. Jawohl. Ich aber habe jetzt
Ein noch viel fuerchterlicheres Geschaeft,
Als der, der deinen blut'gen Spruch vollzog:
Ich muss dir sagen, dass sie schuldlos war.Nein, Titus, nein!
        (Titus will sprechen. Herodes tritt d'cht vor ihn hin.)
Denn, waere das, so haettest
Du sie nicht sterben lassen.
                            Niemand konnte
Das hindern, als du selbst!--Es tut mir weh,
Dass ich dir mehr, als Henker, werden muss,
Doch, wenn es heil'ge Pflicht ist, einen Toten,
Wer er auch immer sein mag, zu bestatten,
So ist die Pflicht noch heil'ger, ihn von Schmach
Zu reinigen, wenn er sie nicht verdient,
Und diese Pflicht gebeut mir jetzt allein!
Ich seh aus allem, was du sprichst, nur eins:
Ihr Zauber war ihr selbst im Tode treu!
Was groll ich dem Soemus noch! Wie sollt' er
Der Blendenden im Leben widerstehn!
Dich hat sie im Erloeschen noch entflammt!
Geht Eifersucht selbst uebers Grab hinaus?
Wenn ich mich taeuschte, wenn aus$
welscher Gauch?
Nun, Verse machen kann der Hutten auch.
Nur keinen Schwul%t, mein Dichter, keinen Frost!
Dein Name lautet? Ludwig Ariost.
Mir unbekannt. Dein Erstling, junges Blut?
Respekt! Ich bin ein Alter! Zieh den Hut!
Du hoffst, dass ich dich lese? Wahn! mein Kind.
Ich sause durch die Blaetter, wie der Wind.
Verwunschene Prinzessen--Drachenbrut--
Das tolle Zeug ist fuer die Kinder gut.
Was soll uns noch die bunte Wunderzeit?
Wir fussen jetzt in harter Wirklichkeit.
Ein frisches Bild! Nun ja--ein feiner Spruch!
Ei Zauber! UEppig Gruen entspriesst dem Buch!
Da setzen zwei Verliebte sich hinein,
Das Blatt gewendet und sie sind allein.
Es kracht! Ein Ritterpaar, das Lanzen bricht!
Die Splitter fliegen auf zum Sonnenlicht
Und fallen nieder, schwaerzlich angebrannt,
Auf die Behelmten, die sich umgerannt.
Hanswurst, gemach! Das lohn' der Teufel dir!
VeMspottest du das loebliche Turnier?
Wes Geistes Kind? Lass sehen! Blaettre, Hand!
Ein Feldgeschuetz erobert Held Roland
Und flucht der Kugel und dem Pulverknall,
$
er, ich vom Leder zog?
Weil Heini Wolleb mein Gefuehl betrog.
Zum Imbiss sassen unser zwanzig da
In den 'Drei Koenigen' von Mantua.
Rings Pfuhl und Wall. Das Fieber hauchte schwuel.
Am Seelisberge, dacht' ich, weht es kuehl.
Da bruellt's. Ein langgezogen ehrlich Muh.
Mich denkt's der braunen Lisli, unsrer Kuh.
Und wieder bruellt's. Nun kommt mir in den Sinn
Die andre Lisli auch, die Melkerin.
Zum dritten muht's. Aufblinkt der UErnersee,
Scharf blitzt am Himmel ein GezaKk von Schnee.
Mir tropft das Aug. Da lacht der Jauch: 'Du Stier,
Ein Landsknecht bruellt. Kein Rindlein graset hier.'
Ich fuhr empor: 'Bei meinem Eid und Schwur!
So taeuschend muht der Heini Wolleb nur!'
Ins Freie rannt' ich. Um ie Ecke strich
Der Heini grinsend und verhoehnte mich.
'Steh, Heinz!' Er stand und ehrlich fochten wir,
Wie Zeugnis gibt das schwarze Pflaster hier.
In sumpf'gem Mantovanerboden ruht
Der Heini, der so trefflich hat gemuht.
Ehrbarer Ritter, reichet mir die Hand,
Und waere sie geaechtet und gebannt!
Hier haust Ihr ungekr$
erwelt,
Von wehnden Flammen wechselvoll erhellt.
In Welschland, wenn ich mich besinnen mag,
Sah schier ich so gemalt den juengsten Tag:
Wo, streng gerichtet, was von Even stammt,
Zur Haelfte steigt, zur Haelfte sinkt verdammt.
Doch nein! Die letzte Scheidung war es nicht.
Es war ein mut'ger Sturm emp r ins Licht!
Sie rangen alle mit vereinter Kraft,
Beseelt von eines Kranzes Leidenschaft.
Wankt' einer wie gelaehmt von Pfeilgeschoss--
Den riss empor ein staerkrer Kampfgenoss
Und mancher Kuehne stieg in schwerem Flug,
Der einen Wunden auf der Schulter trug.
Da hab' ich eines Fuehrers Ruf gehoert:
"Der Kerker", schrie er, "Geister, ist zerstoert!
Das Tor gebrochen! Offen ist die Bahn!
Befreit die Brueder! Auf! Empor! Hinan!"
Aus lichten Wolken scholl Posaunenton,
Doch war's ein Siegesjubel, nicht ein Drohn.
Da ploetzlich stund ich im Gewoelke vorn
Und stiess aus voller Brust ins Jaege8horn.
Aufschwebt' der sel'ge Zug in maecht'gem Drang,
Ich stiess ins Horn, dass mir das Herz zersprang.
LXI Feldmann
Land, Wasser$
-er wusste selbst nicht, wie
es ihm auf einmal einfallen musste--"nehm Sie mir's nicht uebel, aber Sie
hat gewiss schon einen Schatz?"
Sie setzte die Faust unters Kinn und wollte ihn trotzig ansehen, aber ihre
Augen blieben an den seinen haengen. "Er faselt wohl", sagte sie leise.
Hinzelmeier schuettelte den Kopf; es wurde ganz still zwischen den Beiden.
"Jungfer!" sagte nach einer Weile Hinzelmeier, "ich moechte Ihr das Band in
die Kammer bringen!"
Das Maedchen nickte.
"Wo geht denn aber der Weg?"
Es klang ihm in den Ohren: <Mitunter auch durchs Fenster!"--Das wdr die
Stimme seiner Mutter. Er sah sie an seinem Bette sitzen; er sah sie
laecheln; es war ihm ploetzlich, als stehe er in einem rosenroten Nebel, der
aus dem offenen Schiebefenster in die Kueche hereinzog. Er trat wieder auf
den Zuber und legte seine Haende um den Nacken des Maedchens. Da sah er
durch die offene Kammertuer in einen Garten, darinnen standen die bluehenden
Rosenbuesche wie ein rotes Meer und in der Ferne sangen kristallne
Maedchenstim$
begriffe gaenzlich aendern, wenn man sie nur als empirische
Produkte behandeln wollte.
Uebergang zur transz. Deduktion der Kategorien
Es sind nur zwei Faelle moeglich, unter denen synthetische
Vorstellung und ihreGegenstaende zusammentreffen, sich aufeinander
notwendigerweise beziehen, und gleichsam einander begegnen koennen.
Entweder wenn der Gegenstand die Vorstellung, oder diese den
Gegenstand allein moeglich macht. Ist das erstere, so ist diese
Beziehung nu empirisch, und die Vorstellung ist niemals a priori
moeglich. Und dies ist der Fall mit Erscheinung, in Ansehung dessen,
was an ihnen zur Empfindung gehoert. Ist aber das zweite, weil
Vorstellung an sich selbst (denn von dessen Kausalitaet, vermittelst
des Willens, ist hier gar nicht die Rede,) ihren Gegenstand dem Dasein
nach nicht hervorbringt, so ist doch die Vorstellung in Ansehung des
Gegenstandes alsdann a priori bestimmend, wenn durch sie allein es
moeglich ist, etwas als einen Gegenstand zu erkennen. Es sind aber
zwei Bedingungen, unter denen$
ellt werden kann, die intensive Groesse. Also hat jede
Realitaet in der Erscheinung intensive Groesse, d.i. einen Grad. Wenn
man diese Realitaet als Ursache (es sei der Empfindung oder anderer
Realitaet in der Erscheinung, z.B. einer Veraenderung,) betrachtet;
so nennt man den Grad der Realitaet als Ursache, ein Moment, z.B. das
Moment der Schwere, und zwar darum, weil der Grad nur die Groesse
bezeichnet, deren Apprehension nicht sukzessiv, sondern augenblicklich
ist. Dieses beruehre iLh aber hier nur beilaeufig, denn mit der
Kausalitaet habe ich fuer jetzt noch nicht zu tun.
So hat demnach jede Empfindung, mithin auch jede Realitaet in der
Erscheinung, so klein sie auch sein mag, einen Grad, d.i. eine
intensive Groesse, die noch immer vermindert werden kann, und
zwischen Realitaet und Negation ist ein kontinuierlicher Zusammenhang
moeglicher Realitaeten, und moeglicher kleinerer Wahrnehmungen. Eine
jede Farbe, z. E. die roe, hat einen Grad, der, so klein er auch
sein mag, niemals der kleinste ist, und so is$
 enthalte; ein Satz, an dem wir niemals
  gezweifelt haben.
Wenn wir unter bloss intelligiblen Gegenstaenden diejenigen Dinge
verstehen, die durch reine Kategorien, ohne alles Schema der
Sinnlichkeit, gedacht werden, so sind dergleichen unmoeglich. Denn de
Bedingung des objektiven Gebrauchs aller unserer Verstandesbegriffe
ist bloss die Art unserer sinnlichen Anschauung, wodurch uns
Gegenstaende gegeben werden, und, wenn wir von der letzteren
abstrahieren, s haben die ersteren gar keine Beziehung auf irgendein
Objekt. Ja, wenn man auch eine andere Art der Anschauung, als diese
unsere sinnliche ist, annehmen wollte, so wuerden doch unsere
Funktionen zu denken in Ansehung derselben von gar keiner Bedeutung
sein. Verstehen wir darunter nur Gegenstaende einer nichtsinnlichen
Anschauung, von denen unsere Kategorien zwar freilich nicht gelten,
und von denen wir also gar keine Erkenntnis (weder Anschauung, noch
Begriff) jemals haben koennen, so muessen Noumena in dieser bloss
negativen Bedeutung allerdings zugelas$
 betrachtet) Grundregeln und Maximen
ihres Gebrauchs liegen, welche gaenzlich das Ansehen objektiver
Grundsaetze haben, und wodurch es geschieht, dass die subjektive
Notwendigkeit einer gewissen Verknuepfung unserer Begriffe, z`gunsten
des Verstandes, fuer eine objektive Notwendigkeit, der Bestimmung der
Dinge an sich selbst, gehalten wird. Eine Illusion, die gar nicht zu
vermeiden ist, so wenig als wir es vermeiden koennen, dass uns das
Meer in der Mitte nicht hoeher scheine, wie an dem Ufer, weil wir jene
durch hoehere Lichtstrahlen als diese sehen, oder, noch mehr, so wenig
selbst der Astronom verhindern kann, dass ihm der Mond im Aufgange
nicht groesser scheine, ob er gleich durch diesen Schein nicht
betxogen wird.
Die transzendentale Dialektik wird also sich damit begnuegen, den
Schein transzendenter Urteile aufzudecken, und zugleich zu verhueten,
dass er nicht betruege; dass er aber auch (wie der logische Schein)
sogar verschwinde, und ein Schein zu sein aufhoere, das kann sie
niemals bewerkstelligen. D$
ingungen vorauszusetzen, und sie
radurch dem Verstande a priori zu geben. Ist aber eine vollstaendig
(und unbedingt) gegebene Bedingung einmal da, so bedarf es nicht mehr
eines Vernunftbegriffs in Ansehung der Fortsetzung der Reihe; denn der
Verstand tut jeden Schritt abwaerts, von der Bedingung zum Bedingten,
von selber. Auf solche Weise dienen die transzendentalen Ideen nur zum
Aufsteigen in der Reihe der Bedingungen, bis zum Unbedingten, d.i. zu
den Prinzipien. In Ansehung des Hinabgehens zum Bedingten aber, gibt
es zwar einen weit erstreckten logischen Gerauch, den unsere Vernunft
von den Verstandesgesetzen macht, aber gar keinen transzendentalen,
und, wenn wir uns von der absoluten Totalitaet einer solchen Synthesis
(des progressus) eine Idee machen, z.B. von der ganzen Reihe aller
kuenftigen Weltveraenderungen, so ist dieses ein Gedankending (ens
rationis), welches nur willkuerlich gedacht, und nicht durch die
Vernunft notwendig vorausgesetzt wird. Denn zur Moeglichkeit des
Bedingten wird zwar die Tota$
n der Totalitaet der Bedingungen, Gegenstaende
ueberhaupt, sofern sie mir gegeben werden koennen, zu denken, auf
die absolute syntheti4che Einheit aller Bedingungen der Moeglichkeit
der Dinge ueberhaupt, d.i. von Dingen, die ich nach ihrem blossen
transzendentalen Begriff nicht kenne, auf ein Wesen aller Wesen,
welches ich durch einen transzendenten Begriff noch weniger kenne, und
von dessen unbedingter Notwendigkeit ich mir keinen Begriff machen
kann. Diesen dialektischen Vernunftschluss werde ich das Ideal der
reinen Vernunft nennen.
Des zweiten Buchs der transzendentalen Dialektik
Erstes Hauptstueck
Von den Paralogismen der reinen Vernunft
Der logische Paralogismus besteht in der Falschheit eines
Vernunftschlusses der Form nach, sein Inhalt mag uebrigens sein,
welcher er wolle. Ein transzendentaler Paralogismus aber hat einen
traszendentalen Grund: der Form nach falsch zu schliessen. Auf
solche Weise wird ein dergleichen Fehlschluss in der Natur der
Menschenvernunft seinen Grund haben, und eine unvermeidl$
ott ueber so oft fehlgeschlagene
Versuche, oder fromme Seufzer ueber die Schranken unserer Vernunft,
sondern vermittels einer nach sicheren Grundsaetzen vollzogenen
Grenzbestimmung derselben, welche ihr nihil ulterius mit groesster
Zuverlaessigkeit an die herkulischen SaQulen heftet, die die Natur
selbst aufgestellt hat, um die Fahrt unserer Vernunft nur so weit, als
die stetig fortlaufenden Kuesten der Erfahrung reichen, fortzusetzen,
die wir nicht verlassen koennen, ohne uns auf einen uferlosen Ozean zu
wagen, der uns unter immer trueglichen Aussichten, am Ende noetigt,
alle beschwerliche und langwierige Bemuehung, als hoffnungslos
                          *           *
                                *
Wir sind noch eine deutliche und allgemeine Eroerterung des
transzendentalen und doch natuerlichen Scheins in den Paralogismen der
reinen Vernunft, imgleichen die Recatfertigung der systematischen und
der Tafel der Kategorien parallel laufenden Anordnungen derselben,
bisher schuldig geblieben. Wir haetten s$
ur den fuer uns bloss transzendentalen und
unbekannten Grund der Moeglichkeit der sinnlichen Reihe ueberhaupt,
dessen, von allen Bedingungen der letzteren unabhaengiges und in
Ansehung dieser unbedingtnotwendiges, Dasein der unbegrenzten
Zufaelligkeit der ersteren, und darum auch dem nirgend geendigten
Regressus in der Reihe empirischer Bedingungen, gar nicht entgegen
Schlussanmerkung
zur ganzen Antinomie der reinen Vernunft
Solange wir mit unseren Vernunftbegriffen bloss die Totalitaet der
Bedingungen in der Sinnenwelt, und was in Ansehung ihrer der Vernunft
zu Diensten geschehen kann, zum Gegenstande haben: so sind unsere
Ideen zwar transzendental, aber doch kosmologisch. Sobald wir aber
das Unbedingte (um das es doch eiIentlich zu tun ist) in demjenigen
setzen, was ganz ausserhalb der Sinnenwelt, mithin ausser aller
moeglichen Erfahrung ist, so werden die Ideen transzendent; sie dienen
nicht bloss zur Vollendung des empirischen Vernunftgebrauchs (der
immer eine nie auszufuehrende, aber dennoch zu efolgend$
ende ueberhaupt ihrem Inhalte nach zurueckgefuehrt
werden muss. Es ist aber auch das einzige eigentliche Ideal, dessen
die menschliche Vernunft faehig ist; weil nur in diesem einzigen Falle
ein an sich allgemeiner Begriff von einem Zinge durch sich selbst
durchgaengg bestimmt, und als die Vorstellung von einem Individuum
erkannt wird.
Die logische Bestimmung eines Begriffs durch die Vernunft beruht auf
einem disjunktiven Vernunftschlusse, in welchem der Obersatz eine
logische Einteilung (die Teilung der Sphaere eines allgemeinen
Begriffs) enthaelt, der Untersatz diese Sphaere bis auf einen Teil
einschraenkt und der Schlusssatz den Begriff durch diesen bestimmt.
Der allgemeine Begriff einer Realitaet ueberhaupt kann a priori nicht
eingeteilt werden, weil man ohne Erfahrung keine bestimmten Arten von
Realitaet kennt, die unter jener Gattung enthalten waeren. Also ist
der transzendentale Obersatz der durchgaengigen Bestimmung aller Dinge
nichts anderes, als die Vorstellung des Inbegriffs aller Realitaet,
nicht $
anz allein an der Kette der
Naturursachen nach allgemeinen Gesetzen derselben, zwar nach der
Idee eines Urhebers, aer nicht um die Zweckmaessigkeit, der sie
allerwaerts nachgeht, von demselben abzuleiten, sondern sein Dasein
aus dieser Zweckmaessigkeit, die in den Wesen der Naturdinge gesucht
wird, womoeglich auch in den Wesen aller Dinge ueberhaupt, mithin als
schlechthin notwendig zu erkennen. Das Letztere mag nun gelingen oder
nicht, so bleibt die Idee immer richtig, und ebensowohl auch derec
Gebrauch, wenn er auf die Bedingungen eines bloss regulativen Prinzips
restringiert worden.
Vollstaendige zweckmaessige Einheit ist Vollkommenheit (schlechthin
betrachtet). Wenn wir diese nicht in dem Wesen der Dinge, welche den
ganzen Gegenstand der Erfahrung, d.i. aller unserer objektiv gueltigen
Erkenntnis, ausmachen, mithin in allgemeinen und notwendigen
Naturgesetzen finden; wie wollen wir daraus gerade auf die Idee einer
hoechsten und schlechthin notwendigen Vollkommenheit eines Urwesens
schliessen, welches der$
e doch, wie alles, was von der Natur kommt, eine Anlage zu
guten Zwecken enthalten muss, naemlich eine Neigung, seine wahren
Gesinnungen zu verhehlen, und gewisse angenommene, die man fuer gut
und ruehmlich haelt, zur Schau zu tragen. Ganz gewiss haben die
Menschen durch diesen Hang, sowohl sich zu verhehlen, als auch einen
ihnen0vorteilhaften Schein anzunehmen, sich nicht bloss zivilisiert,
sondern nach und nach, in gewisser Masse, moralisiert, weil keinCr
durch die Schminke der Anstaendigkeit, Ehrbarkeit und Sittsamkeit
durchdringen konnte, also an vermeintlich echten Beispielen des
Guten, die er um sich sah, eine Schule der Besserung fuer sich selbst
fand. Allein diese Anlage, sich besser zu stellen, als man ist, und
Gesinnungen zu aeussern, die man nicht hat, dient nur gleichsam
provisorisch dazu, um den Menschen aus der Rohigkeit zu bringen, und
ihn zuerst wenigstens die Manier des Guten, das er kennt, annehmen zu
lassen; denn nachher, wenn die echten Grundsaetze einmal entwickelt
und in die Denkungsart $
 zu gelangen, wenigstens die
Heeresstrasse, welche diejenigen gern einschlagen, die sich in
einer spoettischen Verachtung aller Nachforschungen dieser Art ein
philosophisnhes Ansehen zu geben meinen, so finde ich es noetig, diese
Denkungsart in ihrem eigentuemlichen Lichte darzustellen.
Von der Unmoeglichkeit einer skeptischen Befriedigung der mit sich
selbst veruneinigten reinen Vernunft
Das Bewusstsein meiner Unwissenheit, (wenn diese nicht zugleich als
notwendig erkannt wird,) statt dass sie meine Untersuchungen endigen
sollte, ist vielmehr die eigentliche Usache, sie zu erwecken. Alle
Unwissenheit ist entweder die der Sachen, oder der Bestimmung und
Grenzen meiner Erkenntnis. Wenn die Unwissenheit nun zufaellig ist, so
muss sie mich antreiben, im ersteren Falle den Sachen (Gegenstaenden)
dogmatisch, im zweiten den Grenzen meiner moeglichen Erkenntnis
kritisch nachzuforschen. Dass aber meine Unwissenheit schlechthin
notwendig sei, und mich daher von aller weiteren Nachforschung
freispreche, laesst sich ni$
fahrung als Bedingungen der
Moeglichkeit der Sachen zu brauchen; keineswegs aber, ganz unabhaengig
von diesen, sich selbst welche gleichsam zu schaffen, weil dergleichen
Begriffe, obzwar ohne Widerspruch, dennoch auch ohne Gegenstand sein
Die Vernunftbegriffe sind, wie gesagB, blosse Ideen, und haben
freilich keinen Gegenstand in irgendeiner Erfahrung, aber bezeichnen
darum doch nicht gedichtete und zugleich dabei fuer moeglich
angenommene Gegenstaende. Sie sind bloss problematisch gedacht, um, in
Beziehung auf sie (als heuristische Fiktionen), regulative Prinzipien
des systematischen Verstandesgebrauchs im Felde der Erfahrung zu
gruenden. Geht man davon ab, so sind es blosse Gedankendinge, deren
Moeglichkeit nicht erweislich ist, und die daher auch nicht der
Erklaerung wirklicher Erscheinungen durch eine Hypothese zum Grunde
gelegt werden koennen. Die Seele sich als einfach denken, ist ganz
wohl erlaubt, um, nach dieser Idee, eine vollstaendige und notwendige
Einheit aller Gemuetskraefte, ob ma" sie gleich n$
thaelt, als der eines
Objekts ueberhaupt). Ihr muesst also, ueberfuehrt durch die
Notwendigkeit, womit sich dieser Begriff euch aufdringtY gestehen,
dass er in eurem Erkenntnisvermoegen a priori seinen Sitz habe.
III. Die Philosophie bedarf einer Wissenschaft, welche die
     Moeglichkeit, die Prinzipien und den Umfang aller Erkenntnisse a
     priori bestimme
Was noch weit mehr sagen will als alles vorige, ist dieses, dass
gewisse Erkenntnisse sogar das Feld aller moeglichen Erfahrungen
verlassen, und durch Begriffe, denen ueberall kein entsprechender
Gegenstand in dr Erfahrung gegeben werden kann, den Umfang unserer
Urteile ueber alle Grenzen derselben zu erweitern den Anschein haben.
Und gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche ueber die
Sinnenwelt hinausgehen, wo Erfahrung gar keinen Leitfaden, noch
Berichtigung geben kann, liegen die Nachforschungen unserer Vernunft,
die wir, der Wichtigkeit nach, fuer weit vorzueglicher, und ihre
Endabsicht fuer viel erhabener halten, als alles, was der Verstan$
transzendentalen Aesthetik
Erster Abschnitt
Von dem Raume
Paragraph 2. Metaphysische Eroerterung dieses Begriffs
Vermittelst des aeusseren Sinnes, (einer Eigenschaft unseres Gemuets),
stellen wir uns Gegenstaend als ausser uns, und diese insgesamt
im Raume vor. Darinnen ist ihre Gestalt, Groesse und Verhaeltnis
gegeneinander bestimmt, oder bestimmbar. Der innere Sinn, vermittelst
dessen das Gemuet sich selbst, oder seinen inneren Zustand anschaut,
gibt zwar keine Anschauung von der Seele selbst, als einem Objekt;
allein es ist doch eine bestimmte Form, unter der die Anschauung ihres
inneren Zustandes allein moeglich ist, so dass alles, was zu den
inneren Bestimmungen gehoert, in Verhaeltnissen der Zeit vorgestellt
wird. Aeusserlich kann die Zeit nicht angeschaut werden, so wenig
wie der Raum, als etwas in uns. Was sind nun Raum und Zeit? Sind
es wirkliche Wesen? Sind es zwar nur Bestimmungen, oder auch
Verhaeltnisse der Dinge, aber doch solche, welche ihnen auch an sic
zukommen wuerden, wenn sie auch nicht $
 darum, weil das
Gegenteil desselben dem Objekte widersprechen wuerd.
Daher muessen wir auch den Satz des Widerspruchs als das allgemeine
und voellig hinreichende Prinzipium aller analytischen Erkenntnis
gelten lassen; aber weiter geht auch sein Ansehen und Brauchbarkeit
nicht, als eines hinreichenden Kriterium der Wahrheit. Denn dass
ihm gar keine Erkenntnis zuwider sein koenne, ohne sich selbst zu
vernichten, das macht diesen Satz wohl zur conditio sine qua non, aber
nicht zum Bestimmungsgrunde der Wahrheit unserer Erkenntnis. Da wir
es nun eigentlich nur mit dem synthetischen Teile unserer Erkenntnis
zu tun haben, so werden wir zwar jederzeit bedacht sein, diesem
unverletzlichen Grundsatz niemals zuw1der zu handeln, von ihm aber,
in Ansehung der Wahrheit von dergleichen Art der Erkenntnis, niemals
einigen Aufschluss gewaertigen koennen.
Es ist aber doch eine Formel dieses beruehmten, obzwar von allem
Inhalt entbloessten und bloss formalen Grundsatzes, die eine Synthesis
enthaelt, welche aus Unvorsichtigke$
dsaetze gehoeren
zu den dynamischen. Der erstere ist eigentlich eine Folge des
Grundsatzes von der Kausalitaet (unter den Analogien der Erfahrung).
Der zweite gehoert zu den Grundsaetzen der Modalitaet, welche zu
der Kausalbestimmung noch den Begriff der Notwendigkeit, die aber
unter einer Regel des Verstandes steht, hinzutut. Das Prinzip der
Kontinuitaet verbot in der Reihe der Erscheinungen (Veraenderungen)
allen Absprung (in mundo non datur saltus), aber auch in dem Inbegriff
aller empirischen Anschauungen im Raume alle Luecke oder Kluft
zwischen zwei Erscheinungen (non datur hiatus); denn so kann man den
Satz ausdruecken: das in die Erfahrung nichts hineinkommen kann, was
ein Vakuum bewiese, oder auch nur als einen Teil der empirischen
Synthesis zuliesse. Denn was das Leere betrifft, welches man sich
ausserhalb dem Felde moeglicher Erfahrung (der Welt) denken m7g, so
gehoert dieses nicht vor die Gerichtsbarkeit des blossen Verstandes,
welcher nur ueber die Fagen entscheidet, die die Nutzung gegebener
Ers$
n jene Grundsaetze
des bloss empirischen Gebrauchs, im Gegensatz mit den letzteren,
immanente Grundsaetze des reinen Verstandes genannt werden koennen.
Der logische Schein, der in der blossen Nachahmung der Vernunftform
besteht, (der Schein der Trugschluesse,) entspringt lediglich aus
einem Mangel der Achtsamkeit auf die logische Regel. Sobald daher
diese auf den vorliegenden Fall geschaerft wird, so verschwindet er
gaenzlich. Der transzendentale Schein dagegen hoert gleichwohl nicht
auf, ob man ihn schon aufgedeckt und seine Nichtigkeit duch die
transzendentale Kritik deutlich eingesehen hEt. (Z.B. der Schein
in dem Satze: die Welt muss der Zeit nach einen Anfang haben.) Die
Ursache hiervon ist diese, dass in unserer Vernunft (subjektiv als ein
menschliches Erkenntnisvermoegen betrachtet) Grundregeln und Maximen
ihres Gebrauchs liegen, welche gaenzlich das Ansehen objektiver
Grundsaetze haben, und wodurch es geschieht, dass die subjektive
Notwendigkeit einer gewissen Verknuepfung unserer Begriffe, zugunsten$
sser ihr keine Bedingungen
  mehr sind, in Ansehung deren esJbedingt sein koennae. Allein dieses
  absolute Ganze einer solchen Reihe ist nur eine Idee, oder vielmehr
  ein problematischer Begriff, dessen Moeglichkeit untersucht werden
  muss, und zwar in Beziehung auf die Art, wie das Unbedingte, als die
  eigentliche transzendentale Idee, worauf es ankommt, darin enthalten
Wir haben zwei Ausdruecke: Welt und Natur, welche bisweilen ineinander
laufen. Das erste bedeutet das mathematische Ganze aller Erscheinungen
und die Totalitaet ihrer Synthesis, im Grossen sowohl als im Kleinen,
d.i. sowohl in dem Fortschritt derselben durch Zusammensetzung, als
durch Teilung. Eben dieselbe Welt wird aber Natur* genannt, sofern
sie als ein dynamisches Ganzes betrachtet wird, und man nicht auf die
Aggregation im Raume oder der Zeit, um sie als eine Groesse zustande
zu bringen, sondern auf die Einheit im Dasein der Erscheinungen sieht.
Da heisst nun die Bedingung von dem, was geschieht, die Ursache,
und die unbedingte Kausa$
Ursache gehe ich wirklich aus dem
  empirischen Begriffe von einer Begebenheit (da etwas geschieht)
  heraus, aber nicht zu der Anschauung, die den Begriff der Ursache in
  concreto darstellt, sondern zu den Zeibedingungen ueberhaupt, die
  in der Erfahrung dem Begriffe der Ursache gemaess gefunden werden
  moechten. Ich verfahre also bloss nach BegriFfen, und kann nicht
  durch Konstruktion der Begriffe verfahren, weil der Begriff
  eine Regel der Synthesis der Wahrnehmungen ist, die keine reine
  Anschauungen sind, und sich also a priori nicht geben lassen.
So gibt es denn einen doppelten Vernunftgebrauch, der, unerachtet der
Allgemeinheit der Erkenntnis und ihrer Erzeugung a priori, welche sie
gemein haben, dennoch im Fortgange sehr verschieden ist, und zwar
darum, weil in der Erscheinung, als wodurch uns alle Gegenstaende
gegeben werden, zwei Stuecke sind: die Form der Anschauung (Raum und
Zeit), die voellig a priori erkannt und bestimmt werden kann, und die
Materie (das Physische), oder der Gehalt, welc$
aller Wert und alle 
Lieblichkeit seines kuenftigen Lebens abhaenge, und doch konnte er sich 
des erloesenden Wortes nicht bewusst werden. Das aengstigte ihn; er 
ging immer langsamer.
"Du kommst zu spaet," sagte sie, "es hat schon zehn geschlagen auf St. 
Er ging aber darum nicht schneller. Endlich sagte er stammelnd:
"Elisabeth, du wirst mich nun in zwei Jahren gaG nicht sehen--wirst du 
mich wohl noch eben so lieb haben wie jetzt, wenn ich wieder da bin?"
Sie nickte und sah ihm freundlich ins Gesicht.
"Ich habe dich auch verteidigt;" sagte sie nach einer Pause.
"Mich? Gegen wen hattest du es noetig?"
"Gegen meine Mutter. Wir sprachen gestern abend, als du weggegangen 
warst, noch lange ueber dich. Sie einte, du seiest nicht mehr so gut, 
wie du gewesen."
Reinhard schwieg einen Augenblick; dann aber nahm er ihre Hand in die 
seine, und indem er ihr ernst in ihre Kinderaugen blickte, sagte er:
"Ich bin noch eben so gut, wie ich gewesen bin; glaube du das nur fest! 
Glaubst du es, Elisabeth?"
"Ja," sagte sie$
besuchen; es ist aber 
nichts daraus geworde."
"Das versteht wieder einmal kein Mensch!" sagte Erich. "Was Tausend 
hattest du denn mit der Wasserlilie zu tun?"
"Ich habe sie frueher einmal gekannt," sagte Reinhard; "es ist aber 
schon lange her."
*       *       *       *       *
Am folgenden Nachmittag wanderten Reinhard und Elisabeth jenseits des 
Sees bald durch die Holzung, bald auf dem vorspringenden Uferrande. 
Elisabeth hatte von Erich den Auftrag erhalten, waehrend seiner und der 
Mutter Abwesenheit Reinhard mit den schoensten Aussichten der naechsten 
Umgegend, namentlich von der andern Uferseite auf den Hof elber, 
bekannt zu machen. Nun gingen sie von einem Punkt zum andern.
Endlich wurde Elisabeth muede und setzte sich in den Schatten 
ueberhaengender Zweige; Reinhard stand ihr gegenueber, an einen 
Baumstamm gelehnt; da hoerte er tiefer im Walde den Kuckuck rufen, und 
es kam ihm ploetzlich, dies alles sei schon einmal eben so gewesen. Er 
sah sie seltsam laechelnd an.
"Wollen wir Erdbeeren su$
k8narren
an, der sich sehr laecherlich mit seiner ausgestopften Wurst gegen ihn
verteidigte; alles schrie vor Vergnuegen.  Viele, weil sie den Spass
zwischen dem kleinen und dem grossen Manne fuer eine verabredete Posse
hielten, munterten beide auf; die Kinder kletterten auf die Schultern der
Erwachsenen, andre stiegen auf Tische und auf die eisernen Stangen
zwischen den Bogen des Rathause`, auf die Baeume, woran sie wie seltsame
Fruechte hingen.  Die beiden Edelleute sahen diesem Ritterzug ihres
Schutzempfohlnen eine Zeitlang mit ungemeiner Freude zu, als er aber dem
Narren ein kleines Loch in die Wade mit seinem Degen gestochen, da
fuerchteten sie fuer ihn, denn die Zuhoerer waren mit dieser Stoerung gar
nicht mehr zufrieden, und ein Bauer sprach schon davon, ihm Nase und Ohren
abschneiden zu wollen.  Sie griffen ihn deswegen, steckten ihn unter ihre
Maentel und trugen ihn, so heftig er sich straeuben mochte, in das erste
beste Haus, was sich ihnen oeffnete.  Der Zufall wollte, dass es das Haus
der guten Fr$
  Das Schwert zieht unten ein dritter aus der S|heide.  Der
Gedanke ist gluecklich, wenn auch nicht gross, die Komposition frappant
und von der besten Wirkung.
In der Kirche der Eremitaner habe ich Gemaelde von Mantegna gesehen,
einem der aelteren Maler, vor denen ich erstaunt bin.  Was in diesen
Bildern fuer eine scharfe, sichere Gegenwart dasteht!  Von dieser ganz
wahren, nicht etwa scheinbaren, effektluegenden, bloss zur
Einbildungskraft sprechenden, sondern derben, reinen, lichten,
ausfuehrlichen, gewissenhaften, zarten, umschriebenen Gegenwart, die
zugleich etwas Strenges, Emsiges, Muehsames hatte, gingen die folgenden
Maler aus, wie ich an Bildern von Tizian bemerkte, und nun konnte die
Lebhaftigkeit ihres Genies, die Energie ihrer Natur, erleuchtet von
dem Geiste ihrer Vorfahren, auferbaut durch ihre Kraft, immer hoeher
und hoeher steigen, sich von der Erde heben und himmlische, aber wahre
Gestalten hervorbringen.  So entwi_kelte sich die Kunst nach der
barbarischen Zeit.
Der Audienzsaal des Rathauses,$
e Waerter und Lenker.  Alle
Herrschaften muessen heute zu Hause bleiben oder zu Fuss gehen, man
verfehlt niemals, bedenkliche Geschichten zu erzaehlen, wie unglaeubige
Vornehme, welche ihre Kutscher an diesem Tage zu fahren genoetigt,
durch grosse Unfaelle gestraft worden.
Die Kirche liegt an einem so weitschichtigen Platz, dass er beinahe fuer
oee gelten koennte, heute ist er aber auf das lustigste belebt, Pferde
und Maultiere, deren Maehnen und Schweife mit Baendern schoen, ja
praechtig eingeflochten zu schauen, werden vor die kleine, von der
Kirche etwas abstehende Kapelle g3fuehrt, wo ein Priester, mit einem
grossen Wedel versehen, das Weihwasser, das in Butten und Kuebeln vor
ihm steht, nicht schonend, auf die muntern Geschoepfe derb losspritzt,
manchmal sogar schalkhaft, um sie zu reizen.  Andaechtige Kutscher
bringen groessere oder kleinere Kerzen, die Herrschaften senden Almosen
und Geschenke, damit die kostbaren, nuetzlichen Tiere ein Jahr ueber vor
allem Unfall sicher bleiben moegen.  Esel und Horn$

bei Voltaire zugebracht, der ihn sehr in Affektion nahm.
Und so habe ich noch mehr gute, solide Menschen kennen lernen,
dergleichen sich hier unzaehlige befinden, die ein pfaeffisches
Misstrauen auseinander haelt.  Der Buchhandel gibt keine Verbindung, und
die literarischen Neuigkeiten sind selten fruchtbar.
Und so geziemt es dem Einsamen, die Einsiedler aufzusuchen.  Dnn seit
der Auffuehrung des "Aristodems", zu dessen Gunsten wir uns wirklich
taetig erwiesen hatten, fuehrte man mich abermals in Versuchung; es lag
aber nur zu klar am Tage, dass es nicht um mich zu tun sei, man wollte
seine Partei verstaerken, michQals Instrument brauchen, und wenn ich
haette hervorgehen und mich erklaeren wollen, haette ich auch als Phantom
eine kurze Rolle gespielt.  Nun aber, da sie sehen, dass mit mir nichts
anzufangen ist, lassen sie mich gehn, und ich wandle meinen sichern
Ja, meine Existenz hat einen Ballast bekommen, der ihr die gehoerige
Schwere gibt; ich fuerchte mich nun nicht mehr vor den Gespenstern, die
so oft$
ulbeerbaeumen, immergruenendem Oleander,
Zitronenhecken etc. In einem oeffentlichen Garten stehn weite Beete von
Ranunkeln und Anemonen.  Die Luft ist mild, warm und wohlriechend, der
Wind lau.  Der Mond ging dazu voll hinter einem Vorgebirge herauf und
schien ins Meer; und diesen Genuss, nachdem man vier Tage und Naechte
auf den Wellen geschwebt!  Verzeiht, wenn ich mit einer stumpfen Feder
aus einer Tuschmuschel, aus der mein Gefaehrte die Umrisse nachzieht,
dieses hinkritzle.  Es kommt doch wie ein Lispeln zu euch hinueber,
indes ich allen, die mich lieben, ein ander Denkmal dieser meiner
gluecklichen Stunden bereite.  Was es wird, sag' ich nicht, wann ihr es
erhaltet, kann ich auch nicht sagen.
Palermo, Dienstag, den 3. April 1787.
Dieses Blatt sollte nun, meine Geliebten, euchdes schoensten Genusses,
insofern es moeglic waere, teilhaft machen; es sollte die Schilderung
der unvergleichlichen, eine grosse Wassermasse umfassenden Bucht
ueberliefern.  Von Osten herauf, wo ein flaecheres Vorgebirg weit in d$
hliesst das Bild.
Er erklaerte es uns, dass der H(rizont der Wueste, der in der Ferne blau
werden muss, so voellig wie das Meer den Gesichtskreis schliesst, dass es
ebenso in der Natur das Auge truegt, wie es uns im Bilde anfangs
getrogen, da wir doch wussten, dass Palmyra vom Meer entfernt genug sei.
3. Graeber von Palmyra.
4. Restauration des Sonnentempels zu Balbeck, auch eine Landschaft mit
den Ruinen, wie sie stehen.
5. Die grosse Moschee zu Jerusalem, auf den Grund des Salomonischen
Tempels gebaut.
6. Ruinen eines kleinen Tempels in Phoenizien.
7. Gegend am Fusse des Bergs Libanon, anmutig, wie man sich denken mag.
Ein Pinienwaeldchen, ein Wasser, daran Haengeweiden und Graeber drunter,
der Berg in der Entfernung.
8. Tuerkische Graeber.  Jeder Grabstein traegt den Hauptschmuck des
Verstorbeen, und da sich die Tuerken durch den Kopfschmuck
unterscheiden, so sieht man gleich die Wuerde des Begrabenen.  Auf den
Graebern der Jungfrauen werden Blumen mit grosser Sorgfalt erzogen.
9. AEgyptische Pyramide mit$
Treppe und
erhaelt gar kein Tageslicht; auf der Galerie vor den Saeulen steht eine
schoene halbe Figur, die fuer eine bekleidete Venus gehalten wird,
welche von drei Seiten schwaches Licht erhaelt.  Die nackte Venus, die
schoenste Statue dieser Art in Rom, erscheint bei Tageslicht nicht zu
ihrem Vorteil, da sie in einem Eckzimmer aufgestellt ist, und di
sogenannte schoen bekleidete Juno steht an der Wand zwischen Fenstern,
wo sie bloss ein wenig Streiflicht erhaelt; auch der so beruehmte
Ariadnekopf im Miszellaneenzimmer wird ausser bei Fackellicht nicht in
seiner ganzen Herrlichkeit gesehen.  Und so sind noch mehrere Stuecke
dieses Museums unguenstig aufgestellt, so dass Fackelbeleuchtung
durchaus notwendig wird, wenn man solche recht sehen und nach
Verdiensten schaetzen soll.
Wie uebrigens so vieles, was geschieht, um die Mode mitzumachen, zum
Missrauch wird, so ist es auch mit der Fackelbeleuchtung.  Sie kann
nur in dem Falle Gewinn bringen, wenn verstanden wird, wozu sie nuetze
ist.  Monumente zu sehen,$
uf die
ernstlichste Weise mit alten und neuern Bau--und Bildwerken jeder Art
bekannt gemacht und sich zu einem unterrichtenden Fuehrer von
wissbegierigen Fremden geeignet.  Auch mir erwies er diese Gefaelligkeit
mit aufopfernder Teilnahme.
Sein Hauptstudium war die Baukunst, ohne dass er den klassischen
Lokalitaeten und so viel andern Merkwuerdigkeiten seine Beachtung
entzogen haette.  Seine theoretischen Ansichten ueber Kunst gaben in dem
streit--und parteisuechtigen Rom vielfaeltige Gelegenheit zu lebhaften
Diskussionen.  Aus der Verschiedeneit der Ansichten kommen besonders
dort, wo immer und ueberall von Kunst die Rede ist, gar mannigfaltig
Hin--und Widerreden, wodurch der Geist in der Naehe so bedeutender
Gegenstaende lebhaftest angeregt und gefoerdert wird.  Unsres Hirts
Maxime ruhte auf Ableitungen griechischer und roemischer Architektur
von der aeltesten notwendigsten Holzkonstruktion, worauf er denn Lob
und Tadel der neuern Ausfuehrung gruendete undsich dabei der Geschichte
und Beispiele geschickt $
hsschwanze durch Rom
spazieren,und, als er dies zu leisten sich weigerte, die Aufnahme in
den Orden versagt.  Einen andern schickte er ohne ueberkleid und wieder
einen mit zerrissnen aermeln durch die Stadt.  Dieses Letztern erbarmte
sich ein Edelmann und bot ihm ein Paar neue aermel an, die der Juengling
ausschlug, nachher aber auf Befehl des Meisters dankbar abholen und
tragen musste.  Beim Bau der neuen Kirche noetigte er die Seinen, gleich
Tagloehnern die Materialien herbeizuschaffen und sie den Arbeitern zur
Hand zu langen.
Gleichermassen wusste er auch jedes geistige Behagen, das der Mensch an
sich empfinden mochte, zu stoeren und zu vernichten.  Wenn die Predigt
eines jungen Mannes wohl zu gelingen und der Redner sich darin selbst
zu gefallen schien, unterbrach er ihn in der Mitte des Worts, um an
seiner Stelle weiterzusprechen, befahl auch wo5l weniger faehigen
Schuelern, ungesaeumt hinaufzutreten und zu beginnen, welche denn, so
unerwartet angeregt, sich aus dem Stegreife besser als je zu erweisen
d$
es hoeheren Altertums, der edlen
toskanischen Schule wieder ins Leben zu fuehren trachtete.  Da rief
denn einer in Entzuecken aus: "Hier ist unser Arkadien!"  Dies
veranlasste den Namen der Gesellschaft sowie das Idyllische ihrer
Einrichtung.  Keine Protektion eines grossen und einflussreichen Mannes
sollte sie schuetzen; sie wollten kein Oberhaupt, keinen Praesidenten
zugeben.  Ein Kustos sollte die arkadischen Raeume oeffnen und schliessen
und in den notwendigsten Faellen ihm ein Rat von zu waehlenden aeltesten
zur Seite stehn.
"Et in Arcadia ego".  Aquarell von Reinhart
Hier ist der Name Crescimbeni ehrwuerdig, welcher gar wohl *ls
Mitstifter angesehen werden kann und als erster Kustos sein Amt
mehrere Jahre treulich verrichtet, indem er ueber~einen bessern,
reinern Geschmack Wache haelt und das Barbarische immer mehr zu
verdraengen weiss.
Seine Dialogen ueber die Poesia volgare, welches nicht etwa Volkspoesie
zu uebersetzen ist, sondern Poesie, wie sie einer Nation wohl ansteht,
wenn sie durch entschieden$
le Strasse an
die Wege des Weltlebens, wo jeder Zuschauer und Teilnehmer mit freiem
Gesicht oder unter der Maske vom BalkQn oder vom Gerueste nur einen
gerinen Raum vor und neben sich uebersieht, in der Kutsche oder zu
Fusse nur Schritt vor Schritt vorwaerts kommt, mehr geschoben wird als
geht, mehr aufgehalten wird als willig stille steht, nur eifriger
dahin zu gelangen sucht, wo es besser und froher zugeht, und dann auch
da wieder in die Enge kommt und zuletzt verdraengt wird.
Duerfen wir fortfahren, ernsthafter zu sprechen, als es der Gegenstand
zu erlauben scheint, so bemerken wir, dass die lebhaftesten und
hoechsten Vergnuegen, wie die vorbeifliegenden Pferde, nur einen
Augenblick uns erscheinen, uns ruehren und kaum eine Spur in der Seele
zuruecklassen, dass Freiheit und Gleichheit nur in dem Taumel des
Wahnsinns genossen werden koennen, und dass die groesste Lust nur dann am
hoechsten reizt, wenn sie sich ganz nahe an die Gefahr draengt und
luestern aengstlich-suesse Empfindungen in ihrer Naehe genies$
npunkt oder Vollendungspunkt des Schoenen
faellt in die Wirkung ueber das Werk hinaus; die Strahlen gehen
auseinander; das Werk kann sich nicht in sich selber ruenden.
Dem hoechsten Genuss des aus sich selbst hervorgebrachten Schoenen sich
so nah zu duenken und doch darauf Verzicht zu tun, scheint freilich ein
harter Kampf--der dennoch aeusserst leicht wird, wenn wir aus diesem
Bildungstriebe, den wir uns einmal zubesitzen schmeicheln, um doch
sein Wesen zu veredeln, jede Spur des Eigennutzes, die wir noch finden,
tilgen und jede Vorstellung des Genusses, den uns das Schoene, das wir
hervorbringen wollen, wenn es nun da sein wird, durch das Gefuehl
unsrer eignen Kraft gewaehren soll, soviel wie moeglich zu verbannen
suchen, so dass, wenn wir auch mit dem letzten Atemzuge es erst
vollenden koennten, es dennoch zu vollenden strebten.-Behaelt alsdann
das Schoene, das wir ahnden, bloss an und fuer sich selbst, in seiner
Hervorbringung, noch Reiz genug, unsre Tatkraft zu bewegen, so duerfen
wr getrost unserm Bil$
 Estevan
Illan, den laengst der Rasen birgt des kuehlen Grabs,
Und dieser Mann, Manrique Graf von Lara,
Hierher, den Hauptsitz von der Feinde Macht
Und bargen mich im Turm von Sankt Roman,
Den du dort siehst hoch ob den Haeusern ragen.
Dort lag ich still, sie aber streuten aus
Den Samen des Geruechts ins Ohr der Buerger.
Und als am Tage Himmelfahrt die Menge
Versammelt war vor jenes Tempels Pforte
Da fuehrten sie mich auf des urmes Erker
Und zeigten mich dem Volk und schrien hinab:
Hier mitten unter euch, hier euer Koenig,
Der Erbe alter Fuersten, ihres Rechts
Und eurer Rechte williger Beschirmer.
Ich war ein Kind und weinte, sagten sie.
Noch aber hoer ich ihn, den gellen Aufschrei,
Ein einzig Wort aus tausend baert'gen Kehlen,
Und tausend Schwerter wie in einer Hand,
Der Hand des Volks. Gott aber ga3 den Sieg,
Die Leoneser flohn; und fort und fort.
Ich selber Fahne mehr als Krieger noch
Inmitten eines Heers, durchzog das Land
Erfechtend mit des Mundes Laecheln Siege;
Sie aber lehrten mich und pflegten mein,$
deine Guete.
Verzeihn ist leicht, begreifen ist viel schwerer.
Wie es nur moeglich war. Ich fass es nicht.
Wir haben bis vor kurz gelebt als Kinder.
Als solche hat man einstens uns vermaehlt
Und wir, wir lebten fort als fromme Kinder;
Doch Kinder wachsen, nehmen zu an Jahren
Und jedes Stufenalter der Entwicklung
Es kuendet an sich durch ein Unbehagen
Wohl oefters eine Krankheit, die uns mahnt,
Wir sei'n dieselben und zugleich auch andre
Und andres zieme sich im Naemlichen.
So ist's mit unserm Innern auch bestellt,
Es dehnt sich aus, und einen weitern Umkreis
Beschreibt es um den alten Mittelpunkt.
Solch eine Krankheit haben wir bestanden!
Und sag ich: wir, so mein ich, dass du selbst
Nicht unzugaenglich seist dem innern Wachstum.
Lass uns die Mahnung stumpf nicht ueberhoeren!
Wir wollen kuenftighin als Koen'ge leben,
Denn, Weib, wir sind's. Uns nicht der Welt verschliessen
Noch allem was da gross in ihr und gut,
Und wie die Bibnen, die mit ihrerLadung
Des Abends heim in ihre Zelle kehren,
Bereichert durch de$
Hand
Nicht von uns ab! Gib deine treue Stadt
Nicht unter Englands harte Herrschaft hin.
Sie ist ein edler Stein n deiner Krone,
Und keine hat den Koenigen, deinen Ahnherrn,
Die Treue heiliger bewahrt.
DUNOIS. Sind wir
Geschlagen? Ists erlaubt, das Feld zu raeumen,
Eh noch ein Schwertstreich um die Stadt geschehn?
Mit einem leichten Woertlein, ehe Blut
Geflossen ist, denkst du die beste Stadt
Aus Frankreichs Herz;n wegzugeben?
KARL. Des Blutes ist geflossen und vergebens!
Des Himmels schwere Hand ist gegen mich,
Geschlagen wird mein Heer in allen Schlachten,
Mein Parlament verwirft mich, meine Hauptstadt,
Mein Volk nimmt meinen Gegner jauchzend auf,
Die mir die Naechsten sind am Blut, verlassen,
Verraten mich--Die eigne Mutter naehrt
Die fremde Feindesbrut an ihren Bruesten.
--Wir wollen jenseits der Loire uns ziehn,
Und der gewaltgen Hand des Himmels weichen,
Der mit dem Engellaender ist.
SOREL. Das wolle Gott nicht, dass wir, an uns selbst
Verzweifelnd, diesem Reich den Ruecken wenden!
Dies Wort kam nicht a$
Blut soll fliessen.
Denn lebend denk ich das Gespenst zu fangen,
Und vor des Bastards Augen, ihres Buhlen,
Trag ich auf diesen Armen sie herueber
Zur Lust des Heers, in das britannsche Lager.
BURGUND. Versprechet nicht zu viel.
TALBOT. Erreich ich sie,
Ich denke sie so sanft nicht zu umarmen.
Kommt jetzo, die ermuedete Natur
Durch einen leichten Schlummer zu erquicken,
Und dann zum Aufbruch mit der Morgenroete. (Sie gehen ab)
ZWEITER AUFZUG
Vierter Auftritt
Johanna mit der Fahne, in Helm und Brustharnisch, sonst aber
weiblich gekleidet, Dunois, La Hire, Ritter und Sold<ten zeigen
sich oben auf dem Felsenweg, ziehen still darueber hinweg, und
erscheinen gleich darauf auf der Szene
JOHANNA (zu den Rittern, die sie umgeben, indem der Zub oben
immer noch fortwaehrt). Erstiegen ist der Wall, wir sind im Lager!
Jetzt werft die Huelle der verschwiegner Nacht
Von euch, die euren stillen Zug verhehlte,
Und macht dem Feinde eure Schreckensnaehe
Durch lauten Schlachtruf kund--Gott und die Jungfrau!
ALLE (rufen laut unte$
wo es verehrt, da pflegt es zu
stinken. Man soll nicht in Kirchen gehn, wenn man reine Luft athmen
Man verehrt und verachtet in jungen Jahren noch ohne jene Kunst der
Nuance, welche den besten Gewinn des Lebens ausmacht, und muss es
billigerweise hart buessen, solchergestalt Menschen und Dinge mit Ja
und Nein ueberfallen zu haben. Es ist Alles darauf eingerichtet, dass
der schlechteste aller Geschmaecker, der Geschmack fuer das Unbedingte
grausam genarrt und gemissbraucht werde, bis der Mensch lernt, etwas
Kunst in seine Gefuehle zu legen und lieber noch mit dem Kuenstlichen
den Versuch zu wagen: wie es die rechten Artisten des Lebens thun. Das
Zornige und Ehrfuerchtige, das der Jugend eignet, scheint sich keine
Ruhe zu geben, bevor es nicht Menschen und Dinge so zurecht gefaelshht
hat, dass es sich an ihnen auslassen kann: - Jugend ist an sich schon
etwas FaOlschendes und Betruegerisches. Spaeter, wenn die junge Seele,
durch lauter Enttaeuschungen gemartert, sich endlich argwoehnisch
gegen sich selbst zuruec$
ischer Selbstgenugsamkeit, das Goldene und Kalte,
welches alle Dinge zeigen, die sich vollendet haben. Vielleicht steht
unsre grosse Tugend des historischen Sinns in einem nothwendigen
Gegensatz zum guten Geschmacke, mindestens zum allerbesten
Geschmacke, und wir vermoegen gerade die kleinen kurzen und hoechsten
Gluecksfaelle und Verklaerungen des menschlichen Lebens, wie sie hier
und da einmal aufglaenzen, nur schlecht, nur zoegernd, nur mit Zwang
in uns nachzubilden: jene Augenblicke und Wunder, wo eine grosse Kraft
freiwillig vor dem Maasslosen und Unbegrenzten stehen blieb -, wo
ein Ueberfluss von feiner Lust in der ploetzlichen Baendigung und
Versteinerung, im Feststehen un( Sich-Fest-Stellen auf einem noch
zitternden Boden genossen wurde. Das Maass ist uns fremd, gestehen
wir es unp; unser Kitzel ist gerade der Kitzel des Unendlichen,
Ungemessenen. Gleich dem Reiter auf vorwaerts schnaubendem Rosse
lassen wir vor dem Unendlichen die Zuegel fallen, wir modernen
Menschen, wir Halbbarbaren - und sind erst $
Nichts bis Aebermorgen steht, Eine Art
Mensch ausgenommen, die unheilbar Mittelmaessigen. Die Mittelmaessigen
allein haben Aussicht, sich fortzusetzen, sich fortzupflanzen, - sie
sind die Menschen der Zukunft, die einzig ueberlebenden; "seid wie
sie! werdet mittelmaessig!" heisst nunmehr die alleinige Moral,
die noch Sinn hat, die noch Ohren findet. - Aber sie ist schwer zu
predigen, diese Moral der Mittelmaessigkeit! - sie darf es ja niemals
eingestehn, was sie ist und was sie will! sie muss von Maass und
Wuerde und Pflicht und Naechstenliebe reden, - sie wird noth haben,
die Ironie zu verbergen! -
Es giebt einen Instinkt fuer den Rang, welcher, mehr als Alles, schon
das Anzeichen eines hohen Ranges ist; es giebt eine Lust an den
Nuancen der Ehrfurcht, die auf vornehme Abkunft und Gewohnheiten
rathen laesst. Die Feinheit, Guete und Hoehe einer Seele wird
gefaehrlich auf die Probe gestellt, wenn Etwas an ihr vorueber
geht, das erste Ranges ist, aber noch nicht von den Schaudern der
Autoritaet vor zudringlich$
en aehnliche
Beduerfnisse, aehnliche Erlebnisse andeuten konnten, so ergiebt sich
im Ganzen, dass die leichte Mittheilbarkeot der Noth, dass heisst im
letzten Grunde das Erleben von nur durchschnittlichen und gemeinen
Erlebnissen, unter allen Gewalten, welche ueber den Menschen bisher
verfuegt haben, die gewaltigste gewesen sein muss. Die aehnlicheren,
die gewoehnlicheren Menschen waren und sind immer im Vortheile, die
Ausgesuchteren, Feineren, Seltsameren, schwerer Verstaendlichen
bleiben leicht allein, unterliegen, bei ihrer Vereinzelung, den
Unfaellen und pflanzen sich selten fort. Man muss ungeheure
Gegenkraefte anrufen, um diesen natuerlichen, allzunatuerlichen
progressus in simile, die Fortbildung des Menschen in's Aehnliche,
Gewoehnliche, Durchschnittliche, Heerdenhafte - in's Gemeine! - zu
Je mehr ein Psycholog - ein geborner, ein unvermeidlQcher Psycholog
und Seelen-Errather - sich den ausgesuchteren Faellen und Menschen
zukehrt, um so groesser wird seine Gefahr, am Mitleiden zu ersticken:
er hat Hae$
er nur ein Anfaenger gegen ihn ist.  Wenn der Major
Yhnen eben so den gehorsamen Sohn zeigt, als Sie ihm den zaertlichen
Vater, so duerMte Ihre Anforderung mit Protest zurueckkommen.
Praesident.  Zum Glueck war mir noch nie fuer die Ausfuehrung eines
Entwurfes bang, wo ich mich mit einem: es soll so sein! einstellen
konnte.--Aber seh' Er nun, Wurm, das hat uns wieder auf den vorigen
Punkt geleitet.  Ich kuendige meinem Sohn noch diesen Vormittag seine
Vermaehlung an.  Das Gesicht, das er mir zeigen wird, soll Seinen
Argwohn entweder rechtfertigen oder ganz widerlegen.
Wurm.  Gnaediger Herr, ich bitte sehr um Vergebung.  Das finstre
Gesicht, das er Ihnen ganz zuverlaessig zeigt, laesst sich eben so gut
auf die Rechnung der Braut schreiben, die Sie ihm zufuehren, als
derjenigen, die Sie ihm nehmen.  Ich ersuche Sie um eine schaerfere
Probe.  Waehlen Sie ihm die untadelichste Partie im Lande, und sagt er
Ja, so lassen Sie den Secretaer Wurm drei Jahre Kugeln schleifen.
Praesident (heisst die Lippen).  Teufel!
Wu$
 zu
erwerben. Es ist der junge Herr Zinnober, der erst gestern auf unsere
Universitaet gekommen und die Rechte zu studieren gedenkt!" - Fabian
und Balthasar erkannten auf den ersten Blick den kleinen wunderlichen
Knirps, der vor dem Tore ihnen entgegengesprengt und vom Pferde
gestuerzt war.
"Soll ich," Tprach Fabian leise zu Balthasar, "soll ich denn noch das
Alraeunchen herausfordern auf Blasrohr oder Schusterpfriem? Anderer
Waffen kann ich mich doch nicht bedienen wider diesen furchtbaren
"Schaeme dich," erwiderte Balthasar, "schaeme dich, dass du den
verwahrlosten Mann verspottest, der, wie du hoerst, die seltensten
Eigenschaften besitzt und _so_ durch geistigen Wert das ersetzt, was
die Natur ihm an koerperlichen Vorzuegen versagte." Dann wandte er
sich zum Kleinen und sprach: "Ich hoffe nicht, bester Herr Zinnober,
dass Ihr gestriger Fall vom Pferde etwa schlimme Folgen gehabt haben
wird?" Zinnober hob sich aber, indem e einen kleinen Stock, den er in
der Hand trug, hinten unterstemmte, auf den Fussspit$
liebster Balthasar! gib nicht alle Hoffnung auf undverstecke Dich gut, damit sie Dich nicht greifen!" -
Ganz in Verzweiflung darueber, was ihm der Freund geschrieben, rannte
Balthasar tief hinein in den Wald und brach aus in laute Klagen.
"Hoffen soll ich," rief er, "hoffen soll ich noch, da jede Hoffnung
verschwunden, da alle Sterne untergegangen und duestere - duestere
Nacht mich Trostlosen umfaengt? Unseliges Verhaengnis! - ich
unterliege der finstren Macht, die verderblich in mein Leben getreten!
- Wahnsinn, dass ich auf Rettung hoffte von Prosper Alpanus, von
diesem Prosper Alpanus, der mich selbst mit hoellischen Kuensten
verlockte und mich forttrieb von Kerepes, indem er die Pruegel, die
ich dem Spiegelbilde erteilen musste, auf Zinnobers wahrhaftigen
Ruecken regnen liess!" "Ach Candida! - Koennt' ich nur das Himmelskind
vergessen! - Aber maechtiger, staerker als jemals glueht der
Liebesfunk" in mir! - Ueberall sehe ich die holde Gestalt der
Geliebten, die mit suessem Laecheln sehnsuechtig die Arme na$
" "Ach," fuhr Fabian mit
weinerlicher Stimme fort, "ach, ich glaube jetzt an alles, an Zauberer
und Hexen und Erdgeister und Wassergeister, an den Rattenkoenig und
die Alraunwurzel - an alles, was du willst. Wem das Ding so auf den
Hals tritt wie mir, der gib sich wohl! - Du erinnerst dich an den
hoellischen Skandal mit meinem Rocke, als wir von Prosper Alpanus
kamen! - Ja! waer' es nur dabei geblieben! - Sieh dich doch etwas um
in menem Zimmer, lieber Balthasar!" -
Balthasar tat es und gewahrte an allen Waenden rings umher eine Unzahl
von Fracks, Ueberroecken, Kurtken von allem moeglichen Zuschnitt, von
allen moeglichen Farben. "Wie," rief er, "willst du einen Kleiderkram
anlegen, Fabian?"
"Spotte nicht," erwiderte Fabian, "spotte nicht, lieber Freund. Alle
diese Kleider liess ich anfertigen von den beruehmtesten Schneidern,
immer hoffend, endlich einmal der unseligen Verdammnis zu entgehen,
die auf meinen Roecken ruht, aber umsonst. Sowie ich den schoensten
Rock, der mir steht wie angegossen an den Leib, $
r nur einer sein kann, in gewisser Art
unmittelbar kund. Oder genauer gesagt: Es giebt sich mir darin eben
die--freie oder gehemmte--_Weise_ kund, _wie_ sich die mannigfachen
Vorgaenge und Regungen in mir zu einem psychischen Gesamtzustande
vereinigen. Nichts ist unrichtiger als die Vorstellung, dass jemals ein
Gefuehl, so wie Gefuehle in uns thatsaechlich vorzukommen pflegen, an einer
einzelnen Empfindung oder Vorstellung oder auch an einem einzelnen
Komplex von solchen, hafte. Nichts ist unzutreffender als die Lehre vom
"Gefuehlston" einer Empfindung oder Vorstellung, wenn damit eine so}che
Meinung sich verbindet.
Dies schliesst nicht aus, dass denmoch ein Gefuehl an bestimmten einzelnen
Empfindungsinhalten oder Komplexen von solchen in gewissem Sinne "haften"
koenne und als an ihnen haftend sich uns darstelle. Wir muessen nur wissen,
was wir damit meinen und einzig meinen koennen. In dem gesamten
psychischen Leben eines Momentes sind nicht alle Elemente psychisch
gleichwertig. Sondern die einen treten behe$
zweckmaessiges
Thun beruht, das heisst im letzten Grunde, all unser Thun im Gegensatz
zum blossen Geschehen in uns, jedes Nactdenken, jede praktische oder
theoretische Ueberlegung, jede Wahl von Mitteln zu einem Zweck u. s. w.
Wir koennen auch sagen: Es ist die Thatsache, in welcher alles solche Thun
Alles "Sich nicht Erinnern", jeder Zweifel, jede Ungewissheit, alles
Nichthaben dessen, worauf wir innerlich gerichtet sind, oder worauf eine
psychische Bewegung ihrer Natur nach abzielt, ist eine Unterbrechung
eines naturgemaessen Ablaufs oder Verlaufs eines psychischen Geschehens.
Eines naturgemaessen, das heisst eines solchen, wie er sich ergaebe, wenn
die in dem Geschehen wirksamen Bedingungen frei sich verwirklichen
koennten. teder der bezeichneten Thatbestaende schliesst also die
Bedingungen einer "Stauung" in sich. Wir koennten statt dessen mit dem
oben gebrauchten Ausdruck auch sagen: Jeder solche psychische Thatbestand
involviert eine "Verblueffung". Alles sich Besinnen, alles Fragen "Wie"
oder "Was ist $
nen Schlingen fangen, seine gerechte
Strafe finden. Wir sehen ihn beschaemt. Diese Beschaemung hat positiven
Wert. Hier tritt wiederum zur Komik ein ihr gegensaetzliches Element
hinzu. Das Nichts, in das der Anspruch des Uebermutes zergeht, kann nur
als nichtig sich darstellen und in seiner Nichtigkeit spielend aufgefasst
werdn, wie dies zur Komik erforderlich ist, so lange es als dies
Nichtige erscheint. Scheint es nicht mehr nichtig, sondern mit dem
Gedanken der Bestrafung oder Beschaemung beschwert, so mindert sich das
Gefuehl der Komik. Freilich bleibt auch hier das Naechste das Zergehen des
Anspruchs. Dann aber tritt jener ernste Gedanke, die Freiheit und
Leichtigkeit der psychischen Bewegung aufhebend hnzu. Je naeher und in
die Augen springender der Fall des Uebermuetigen ist, desto sicherer kann
im ersten Momente die Komik sich einstellen. Dann aber schaemen wir uns
vielleicht unseres Gefuehls der Komik.
BESONDERHEIT DER NAIVEN KOMIK.
So sehen wir die Komik in doppelter Weise in ihr Gegenteil umschla$
nterarten der im
Bisherigen unterschiedenen Alten der Komik. Zunaechst die der objektiven
Komik. Unsere Betrachtungsweise ist, wie bisher immer, zunaechst die
allgemein psychologische, die aber weiterhin in die aesthetische
Betrachtungsweise muenden soll.
Hinsichtlich der objektiven Komik besteht in erster Linie diejenige
psychologische Einteilung zu Recht, die schon frueher von uns
vorausgesetzt wurde. Aehnlichkeit oder ejfahrungsgemaesser Zusammenhang
zwischen einem Gegebenen und einem erwarteten oder vorausgesetzten
Erhabenen bildet den Grund fuer unsere Erwartung oder Voraussetzung dieses
Erhabenen, die dann in nichts zergeht. Es giebt eine objektive Komik auf
Grund dieser beiden, das ganze seelische Leben beMerrschenden Arten der
Association. Das kleine Haeuschen zwischen maechtigen Palaesten mag noch
einmal als Beispiel der einen, die nichtige Leistung des Grosssprechers
noch einmal als Beispiel der andern Art erwaehnt werden.
Neben dieser formalen ist eine doppelte inhaltliche Einteilung moeglich,
mit $
ich, wenn der
Konflikt geloest, also das Hindernis des freien Vorstellungsablaufes
beseitigt ist, mit groesserer Kraft. Die Loesung, oder das worin sie
besteht, gewinnt groessere psychische Bedeutung und groessere
Eindrucksfaehigkeit.
Auch dies ist eine im gewoehnlichen Leben uns wohl vertraute Thatsache.
Das schwer Errungene hat fuer uns doppelten Wert. Die Konsonanz, in
welcher die Dissonanz sich loest, hat ein besonderes und eigenartiges
Gewicht. Wem Namen statt Erklaerungen dienen, der hat hier eine neue
Gelegenheit von "Kontraftwirkung" zu sprechen und einen Fall des
sogenannten "Kontrastgesetzes" zu statuieren.
Zwei Arten der Wrkung des Konfliktes oder des Eingriffes in
Menschendasein und freies Sichausleben von Menschen haben wir hiermit
einander gegenuebergestellt. Beide Wirkungen sind zunaechst unmittelbar
subjektiv begruendete, d. h. Wirkungen die unmittelbar in einem Vorgang im
Beschauer ihren Grund haben: Die Stauung, die der Konflikt _in uns_
bewirkt, laesst uns das Positive der Persoenlichkeit,$
eit ueber jenes Lachen erhaben. Sie lacht
auch wieder ueber dies Lachen und lacht so am besten, weil sie zuletzt
Man erinnert sich, dass wir das Verhalten des _Sokrates_ bei Auffuehrung
der Wolken oben als letztes Beispiel der naiven Komik auffuehrten,
zugleich aber zugaben, dass der Name des Humors dafuer geeigneter
erscheine. Wir koennen jetzt nicht nur Humor, sondern vollbewussten Humor
im eben bezeichneten Sinne darin erbicken. Es entfernt sich dann
_Sokrates_' Verhalten moeglichst weit von dem naiv Komischen im engeren
Sinne. Schon dass _Sokrates_ der Auffuehrung der Wolken beiwohnt und
mitlacht, wenn sein Gegenbild auf der Buehne verlacht wird, ist
humoristisch. Wie thoericht, wenn man dem Lachen Anderer zu begegnen
meint, indem man mitlacht; wi schwaechlich, wenn man auch nur dies
Lachen, statt irgendwie dagegen aufzutreten oder es abzuwehren, sich
gefallen laesst. Giebt man nicht damit den Lachern Recht?--Aber eben dies
ist die Meinung des _Sokrates_. Er versteht den Standpunkt des
Volksbewusstseins$
 ihn lang' umsonst umkreisen."
Zum Weitqrgehn erhoben einen Fuss,
Rief dieses Wort mir zu des Mahom Seele,
Und setzt' ihn hin und ging dann voll Verdruss.
Dann sah och einen mit durchbohrter "Kehle,
Die Nase bis zum Auge hin zerhau'n,
Und wohl bemerkt' ich, dass ein Ohr ihm fehle.
Und staunend sah auf mich dies Bild voll Grau'n
Und oeffnete zuerst des Schlundes Roehre,
Von aussen rot und blutig anzuschau'n.
"Du, nicht verdammt fuer Suenden, wie ich hoere,
Den ich bereits im Latierlande sah,
Wenn ich durch Aehnlichkeit mich nicht betoere,
"Kommst du den schoenen Ebnen wieder nah,
Die von Vercell nach Marcabo sich neigen,
So denk' an Pier von Medicina da.
Du magst den Besten Panos nicht verschweigen,
Dem Guid und Angiolell, dass, wenn nicht irrt
Mein Geist, dem sich der Zukunft Bilder zeigen,
Nah bei Cattolica, schlau angekirrt,
Vom schaendlichsten der Wueteriche verraten,
Das edle Paar ersaeuft im Meere wird.
Noch nimmer hat Neptun so schnoede Taten
Von Zypern bis Majorka hin geschaut,
Von Griechenscharen nich$
den Berg umfasst;
Sie laeutern sich vom Erdenqualm und tragen
Ungleiche Buerden, matt, doch ohne Rast.
Wenn stets fuer uns dort jene Gutes sagen,
Was kann fuer sie von solchen hier gescheh'n,
Die Wurzeln schon im bessern Sein geschlagen?
Se unterstuetze treulich unser Fleh'n,
Dass sie der Erdenschuld sich bald entringen
Und leicht und rein die Sternenkreise sehn.
"Euch moege Recht und Huld Erleicht'rung bringen,
Um zu dem Ziel, dass euch die Sehnsucht zeigt,
Mit freien Fluegeln bald euch aufzuschwingen.
Ihr aber zeigt uns, wo man aufwaerts steigt,
Weist uns den Weg, und gibt es mehr als einen,
So lehrt uns den, der minder steil sich neigt.
Denn dieser hier, mit Fleisch und mit Gebeinen
Von Adam her bekleidet und beschwert,
Muss wider Willen traeg im Steigen scheinen."
So sprach mein Fuehrer, jenen zugekehrt,
Und diese Rede ward darauf vernommen,
Doch wusst' ich nicht, von wem ich sie gehoert.
"Ihr koennt mit uns zur rechten Seite kommen,
Dort ist ein(Pass, nicht steiler, als der Fuss
Des Lebenden schon ander$
ollen.
Ich bringe diesen Leib von seinem Strand.
Doch sagt' ich, wer ich sei--nicht wuerd' euch's frommen,
Da wenig Ruhm bis jetzt mein Name fand."
"%in ich auf deiner Meinung Grund gekommen,
Meinst du den Arno und sein Talgebiet?"
So sprach jetzt, der zuerst das Wort genommen.
Der zweite sprach darauf: "Warum vermied
Er, jenes Flusses Namen zu verkuenden,
Wie's sonst nur mit Abscheulichem geschieht?"
Und jener sprach: "Nicht ann ich dies ergruenden,
Doch wert des Untergangs ist jenes Wort,
Das nur Erinnrung weckt an Schmach und Suenden.
Denn von dem Ursprung im Gebirge dort,
Von dem sich einst Pelorum trennen muessen,
Dort wasserreich, wie sonst an keinem Ort,
Bis dahin, wo der Fluss mit ew'gen Guessen
Das, was dem Meer die Sonn' entsaugt, ersetzt,
Was Nahrung gibt den Baechen und den Fluessen,
Wird, sei's durch schlechte Sitt' und Neigung jetzt,
Sei's, dass der Ort an einem Fluche leide,
Die Tugend, gleich den Schlangen, fortgehetzt.
Denn was im Tal, gedrueckt von schwerem Leide,
Nur irgend wohnt, hat die $
nd Hohn;
Da macht' ich mir des Reiches Zaum zu eigen,
Und so vermehrt' ich meine Macht alsdann,
So sah ich sie durch Land und Freunde steigen,
Dass den verwaisten Thron mein Sohn gewann,
Von welchem nach dem Walten ew'ger Maechte
Die Reihe der Gesalbten dort begann.
Bis der Provence Mitgift dem Geschlechte
Der Meinen nicht die heil'ge Scham entriss,
Galt's wenig zwar, allein vermied das Schlechte.
Seitdem veruebt' es Tat der Finsternis,
Log, raubt' und stahl, worauf's, aus Reu' und Busse,
Die Normandie und Ponthieu an sich riss.
Karl kam nach Welschland, und, aus Reu' und Busse,
Koeft' er den Konradin und sandte drauf
Den Thomas heim zu Gott, aus Reu' und Busse.
Bald bricht ein andrer Karl im vollen Lauf,
Denn besser sollt ihr seine Sitt' erkennen
Und seines StaSmes Art, aus Frankreich auf.
Zur Ruestung wird er nicht sich Zeit vergoennen,
Und nur mit Judas Lanze, so, dass dir,
Florenz, der Wanst platzt, in die Schranken rennen.
Nicht Land, nur Suend' und Schmach gewinnt er hier.
Und traegt er sie gar leicht $
 Schluessel oeffnen kann,
So solltest du dein Staunen jetzt bezwingen,
Erkennend, dass, den Sinnen nach, nicht weit
Sich die Vernunft erhebt mit ihren Schwingen.
Allein was meinst du selbst? Gib mir Bescheid!"
Und ich: "Von duennern oder dichtern Stellen
Kommt, wie mir scheint, des Lichts Verschiedenheit."
Drauf sie: "Du wirst bald selbstdas Urteil faellen,
Dass falsch die Meinung sei, drum gib wohl acht,
Was ich fuer Gruend' ihr werd' entgegenstellen.
Der achte Kreis zeigt vieler Sterne Pracht,
An Gross' und Eigenschaften sehr verschieden,
Wie ihr verschiednes Ansehn kenntlich macht.
War' dies durch Duenn' und Dichtigkeit entschieden,
So gaeb's in allen ja nur eine Kraft,
Dem mehr, dem minder, jenen gleich beschieden.
Doch der verschiedne Bildungsgrund erschafft
Verschiedne Kraeft', und alle diese schwanden,
Nach deinem Satz, vor einer Eigenschaft.
Dann, wenn die Flecken durch die Duenn' entstaenden,
So denke, dass entweder hier und dort
Sich durch nd durch stoffarme Stellen faenden;
Oder, gleichwie im Lei$
m wirren Drang,
Was diese Himmel irgend wirkend schaffen,^Kein Kunstwerk sein, nein, Graus und Untergang.
Dies kann nicht sein, wenn jene nicht erschlaffen,
Die Geister, lenkend diese Sternenschar,
Der Urgeist auch, der dann sie schlecht erschaffen.
Ist diese Wahrheit nun dir voellig klar?"
Und ich: "Gewiss, ich seh's, Natur bleibt immer
In dem, was noetig ist, unwandelbar;"
Drum er: "Nun sprich, waer's fuer den Menschen schlimmer,
Wenn er nicht Buerger ward und einsam blieb'?"
Ich: "Ja, und weitern Grund begehr' ich nimmer!"
"Und waer' ein Staat, wenn in verschiednem Trieb
Die Menschen nicht verschieden sind erwiesen?
Nein, wenn die Wahrheit euer Meister schrieb!"
So folgert' ich bis jetzt, um hier zu schliessen:
"Drum also muss der Menschen Tu hervor
Verschieden aus verschiedner Wurzel Spriessen.
Und Solon sprosst' und Xerres so empor,
Also Melchisedek, und der Erfinder,
Der bei dem luft'gen Flug den Sohn verlor.
Natur, im Kreislauf, so die Menschenkinder
Wie Wachs auspraegt, uebt ihre Kunst und sieht
Auf $
nberg pflegend, der bald Unkraut traegt,
Wenn nicht des Winzers Hand' ihm emsig wehren.
Vom Stuhl, der einst die Armen mild gehegt--
Einst, nicht durch Schuld des Stuhls--durch dessen Suenden
Der sitzt, und aus der Art der Vaeter schlaegt,
Erbat er Zehnten nicht, noch fette Pfruenden,
Erlaubnis nicht, Ablass und Heil fuer Geld,
Um drei und vier fuer zehen, zu verkuenden;
Nein die, zu kaempfen mit der irren Welt,
Durch jenen Samen, dem die Baeum' entspringen,
Die, zweimal zwoelf, sich um dich her gestellt,
Die Pflichten des Apostels zu vollbringen,
Strebt' auf sein Will' und seine Wissenschaft,
Gleich Stroemen, die aus tiefer Ader Springen.
Und ihre Wellen stuerzten grausenhaft
Auf ketzerisch Gestruepp, es auszubrechen,
Und mit dem Widerstand wuchs ihre Kraft.
Er gab darauf den Ursprung manchen Baechen,
Die hinzieh'n durch der Kirche Gartenland,
Drob ihre Baeume schoenre Frzcht versprechen--
Wenn so ein Rad des KrUegeswagens stand,
Auf dem den Kampf die heil'ge Kirche wagte,
Als sie die innern Meut'rer ueberwa$
ibt es auch eine
Der Falscheid
Bei dem Kirchdorfe Lancken unweit der Granitz wohnte ein Bauer namens
atthes Pagels, ein sinniger, fleissiger Mann, der sehr einsam und
still lebte, und den die Leute fuer sehr reich hielten.  Einige
munkelten auch, er sei ein Hexenmeister.  Aber mancher wird fuer einen
Hexenmeister gehalten, der sein Geld durch die natuerlichste Hexerei
erwirbt, dass er fleissig ist und gut aufpasst.  Dieser Pagels war aber
kein guter Mensch.  Er bekam Streit mit einem seiner Nachbarn, weil
dieser ihn beschuldigte, er pfluege ihm an einer Seite den Acker ab.
Und der Bauer Pagels tat das wirklich; er fluchte und schwur aber,
das ganze Ackerstueck gehoere ihm in seiner ganzen Breite, soweit er
gepfluegt@hatte, und noch zehn Schritte weiter bis zu der hohen Buche,
die oben an dem Rain stand; und das wollte er durch Eid und Schriften
beweisen.  Und er hat es bewiesen durch Eid und Urkunden und ein
Papier vorgebracht, wodurch der Acker sein geworden ist.  Die Leute
sagen aber, zwei von den kleinen $
 und Rinder und BOecke fuer Menschen fesselt und mordet.
Sondern der Meister zeigte ihn, wie er nach diesen wahnwitzigen
Heldentaten ermattet dasitzt, und den Anschlag fasset, sich selbst
umzubringen.  Und das ist wirklich der rasende Ajax; nicht weil er
eben itzt raset, sondern weil man siehet, dass er geraset hat; weil
man die Groesse seiner Raserei am lebhaftesten aus der
verzweiflungsvollen Scham abnimmt/ die er nun selbst darueber
empfindet.  Man siehet den Sturm in den Truemmern und Leichen, die er
an das Land geworfen.
{2. Vita Apoll. lib. II. cap. 22.}
Ich uebersehe die angefuehrten Ursachen, warum der Meister des Laokoon
in dem AusdruMke des koerperlichen Schmerzes Mass halten muessen, und
finde, dass sie allesamt von der eigenen Beschaffenheit der Kunst, und
von derselben notwendigen Schranken und Beduerfnissen hergenommen sind.
Schwerlich duerfte sich also wohl irgendeine derselben auf die
Poesie anwenden lassen.
Ohne hier zu untersuchen, wie weit es dem Dichter gelingen kann,
koerperliche Schoenhe$
einer
Leser fuer erlaubt halten, den Ausdruck, welchen er zu sehen glaubte,
durch seinen Kuenstler so verstaerken zu lassen, dass uns ebensowenig
Zweifel desfalls uebrigbliebe, als ihm selbst.  So viel ist gewiss, dass
Spence und Addison eben dieselbe Muenze meinen, und dass sie sonach
entweder bei diesem sehr verstellt, oder bei jenem sehr verschoenert
sein muss.  Doch ich habe noch eine andere Anmerkung wider dieses
vermeintliche Schweben des Mars.  Diese naemlich: dassein schwebender
Koerper, ohne eine scheinbare Ursache, durch welche die Wirkung seiner
Schwere verhindert wird, eine Ungereimtheit ist, von der man in den
alten Kunstwerken kein Exempel findet.  Auch die neue Malerei
erlaubet sich dieselbe nie, sondern wenn ein Koerper in der Luft
hangen soll, so muessen ihn entweder FlWegel halten, oder er muss auf
etwas zu ruhen scheinen, und sollte es auch nur eine blosse Wolke sein.
Wenn Homer die Thetis von dem Gestade sich zu Fusse in den Olymp
erheben laesst, Thn men ar Oulumponde podes jeron (Iliad. $
en die Wut der frommen Zerstoerer
in den ersten Jahrhunderten des Christentums vornehmlich gefallen ist,
die nur hier und da ein Kunstwerk schonte, welches durch keine
Anbetung verunreiniget war.
{1. Valerius Flaccus lib. II. Argonaut. v. 265-273.
  Serta patri, juvenisque comam vestesque Lyaei
  Induit, et medium curru locat; aeraque circum
  Tympanaque et plenas tacita formidine cistas.
  Ipsa sinus hederisque ligat famularibus artus:
  Pampineamque quatit ventosis ictibus hastam,
  Respiciens; teneat virides velatus habenas
  Ut pater, et nivea tumeant ut cornua mitra,
  Et sacer ut Bacchum referat cyphus.
{2. Der sogenannte Bacchus in dem Mediceischen Garten zu Rom (beim
Montfaucon Suppl. aux Ant.  Expl.  T. I. p. 154) hat kleie aus der
Stirne hervorsprossende HOerner; aber es gibt Kenner, die ihn eben
darum lieber zu einem Faune machen wollen.  In der Tat sind solche
natUerliche Hoerner eine SchAendung der menschlichen Gestalt, und koennen
nur Wesen geziemen, denen man eine Art von Mittelgestalt zwisch$
zuordnen, was zu dieser Festlichkeit gehoerte, er
musste die Stadtpfeifer bestellen, die ersten Familien feierlich und
im Namen des Rates dazu einladen, er musste vor allem zu seinen lieben
Muehmchn eilen, um ihnen dieses seltene Glueck zu verkuendigen.
Er erzaehlte dies alles mit wichtiger Miene seinem Gast ud
versicherte ihm, dass er vor dem Drang der Geschaefte nicht wisse, wo
ihm der Kopf stehe.  Doch Georg hatte nur fuer eines Sinn; er durfte
hoffen, Marie zu sehen und zu sprechen, und darum haette er gerne
Herrn Dietrich fuer seine gute Botschaft an das freudig pochende Herz
"Ich sehe es Euch an", sagte dieser, "die Nachricht macht Euch Freude,
und die Tanzlust leuchtet Euch schon aus den Augen.  Doch Ihr sollt
ein Paar Taenzerinnen haben, wie Ihr sie nur wuenschen koennt; mit
meinen Baeschen sollt Ihr mir tanzen, denn ich bin ihr Fuehrer bei
solchen Gelegenheiten und werde es schon zu machen wissen, dass Ihr
und kein anderer zuerst sie aufziehen sollt; und wie werden sie sich
freuen, wenn ich ihnen e$
ten
und Kirchweihen, wenn die ledigen Burschen und die jungen Maegelein
tanzen wollen.  Deswegen nannte man mich den Pfeifer von Hardt.  Aber
dieser Name hat sich mit Untat und Blut befleckt in einer boesen Zeit,
darum habe ich ihn abgetan und kann ihn nimmer leiden."
Georg mass ihn mit einem durchdringenden Blick, indem er sagte: "Ich
weiss wohl, in welcher boesen Zrit: Als ihr Bauern wider euern Herzog
rebelliert habt, da warst Du|einer von den aergsten.  Ist's nicht so?"
"Ihr seid wohl bekannt mit dem Schicksal eines ungluecklichen Mannes",
sagte der Bauer, finster zu Boden blickend.  "Ihr muesst aber nicht
glauben; dass ich noch derselbe bin.  Der Heilige hat mich gerettet
und meinen Sinn geaendert, und ich darf sagen, dass ich jetzt ein
ehrlicher Mann bin."
"Oh, erzaehle mir", unterbrach ihn der Juengling, "wie ging es zu in
jenem Aufruhr?  Wie wurdest Du gerettet?  Wie kommt's, dass Du jetzt
dem Herzog dienst?"
"Das alles will ich auf ein anderes Mal aufsparen", entgegnete jener.
"Denn ich hoffe nicht z$
cht Jahre aelter sein als Ihr", entgegnete jener, "er
ist nicht so gross wie Ihr, aber in vielem Euch aehnlich an Gestalt;
besonders wenn Ihr zu Pferd sasset und zch hinter Euch ging, da
gemahnte es mich oft, und ich dachte: So, gerade so sah der Herzog
aus in den Tagen seiner Herrlichkeit."
Georg war aufgestanden, um nach seinem Pferd zu sehen, die Worte des
Bauern hatten ihn um seine Sicherheit besorgt gemacht, und er sah
jetzt erst ein, wie toericht er gehandelt, in diesem Kriegsstrudel
sich durch ein okkupiertes Land stehlen zu wollen.  Es waere ihm
hoechst unangenehm gewesen, in diesem Augenblick geqangen zu werden,
zwar konnte er nach seinem Eid reisen, wohin er wollte, wenn er nur
in den naechsten vierzehn Tagen keinen taetlichen Anteil am Kampf gegen
den Bund nahm; aber er fuehlte, welch nachteiliges Licht es dennoch
auf ihn werfen muesste, in dieser Gegend, so weit vom Weg nach seiner
Heimat, aufgegriffen zu werden, und dazu noch in Gesellschaft eines
Mannes, der den Bundesobersten sehr verdaechtig, $
r ganz warm und
ruhig hier."
"Nicht so ruhig, als Ihr glaubt.  Zwar ich wollte ihm und Euch
wuenschen, er behielte sein Land; uns hat es doch nichts genuetzt, die
grossen Herren nehmen alles fuer sich, an unser einen kam nichts als
etwa die Ehre, fuer den Bund gekoepft zu werden; aber--glaubt mir, es
sieht nicht so ruhig aus, als man hier meint.  Die vertriebenen Raete
haben von Esslingen aus an den Kaiser und das Reich geschrieben und
geklagt; der Bund ist wieder auf den Beinen, bei Ulm steht schon
wieder ein neues Heer."
"Gerede, nichts weiter; ich weiss gewiss, dass der Herzog sich mi
Bayern versoehnen wird."
"Ja will, aber nicht versoehnen wird.  Das hat noch manchen Haken.
Aber was sehe ich?  Ihr werdet doch nicht den alten Fetzen von einer
Feldbinde zu dem stattlichen Hochzeitschmuck anlegen wollen?  Pfui,
das passt nicht zusammen, lieber Vetter."
Der Braeutigam betrachtete Uie Schaerpe mit inniger Liebe.  "Das
versteht Ihr nicht", sagte er, "wie gut sich dies zum Hochzeitsgewand
schickt.  Es ist ihr e$
edersah.  Sie darf nicht fehlen diese Binde; hat sie die Not mit
mir getragen, so sei sie mir ein heiliger Schmuck am Tag des Gluecks."
"Nun, wie Ihr wollt, haengt sie in Gottes Namen um; jetzt nochydas
Barett aufgesetzt und schnell den Mantel umgehaengt, sie laeuten schon
das Erste drueben in der Kirche.  Sputet euch, lasst das Braeutlein
nicht so lange warten!"
Georgs Wangen roeteten sich, sein Herz pochte, als er sein Gemach
verliess.  Die Freude, die Erwartung, die Erfuellung jahrelanger
Wuensche bestuermten seine Sinne, und wie trunken ging er neben Herrn
Dietrich durch die Galerien.  Die Tuer ging auf und Marie im Glanz
ihrer Schoenheit stand umgeben von vielen Frauen und Fraeulein, die,
vom Herzog eingeladen, heute ihre Begleitung bilden sollten.  Marie
erroetete, als sie den Geliebte[ sah, sie betrachtete ihn staunend,
als seien seine Zuege heute mit einem neuen Glanz uebergossen, sie
schlug die Augen nieder, als sie seinen freudetrunkenen Blicken
begegnete.  Was haette Georg darum gegeben, die Gelieb$
en sie wieder Spenden fuer die Braut."
Es erschienen jetzt die Diener der Ritter und Edlen, die zur Hochzeit
geladen waren, de trugen allerlei seltenes Hausgeraet, Waffen, Stoff
zu Kleidern und dergleichen; man wusste zu Stuttgart, dass es der
Liebling des Herzogs sei, dem dieses Fest gelte, drum hatte sich auch
eine Gesandtschaft der Buerger eingestellt, ehrsame, angesehene Maenner
in schwarzen Kleidern, kurz Schwerter an der Seite, mit kurzen
Haaren und langen Baerten.  Der eine trug eine aus Silber getriebene
Weinkanne, der andere einen Humpen aus demselben Metall, mit
eingesetzten Schaumuenzen geschmueckt.  Sie nahten sich ehrerbietig
zuerst dem Herzog, verbeugten sich vor ihm, und traten dann zu Georg
von Sturmfeder.
Georg von Sturmfeder reichte beiden die Hand und dankte ihnen fuer ihr
schoenes Geschenk; Marie liess ihre Weiber und Maedchen gruessen, und auch
der Herzog bezeigte sich ihnen gnaedig und freundlich.  Sie legten den
silbernen Becher und die Kanne in den Korb zu den uebrigen Geschenken
und$
  Wo ist der Ritter von Lichtenstein?  Oh
mein Weib!  Darf sie mich nicht besuchen?"
Frondsberg laechelte geheimnisvoll.  "Das wird schwer halten", sagte
er, "Du wirst unter sicherer Bedeckung auf eine Feste gefuehrt und
einem Waechter uebergeben werden, der Dich streng bewachen und nicht so
bald entlassen wird.  Doch sei nicht aengstlich, der Ritter von
Lichtenstein wird mit Dir dorthin abgefuehrt werden, und Ihr beide
muess auf ein Jahr Urfehde schwoeren."
Frondsberg wurde hier durch drei Maenner unterbrochen, die in das Zelt
stuermten, es war der Feldhauptmann von Breitenstein und Dietrich von
Kraft, die en Ritter von Lichtenstein in ihrer Mitte fuehrten.
"Hab' ich Dich wieder, wackerer Junge!" rief Breitenstein, indem er
Georgs Hand drueckte.  "Du machst mir schoene Streiche.  Dein alter
Oheim hat Dich mir auf die Seele gebunden, ich solle einen tuechtigen
Kaempen aus Dir ziehen, der dem Bund Ehre mache, und nun laeufst Du zu
dem Feind und haust und stichst auf uns und haettest gestern beinahe
die Schla$
r arme Peter wankt vorbei,
Gar langsam, leichenblass und scheu.
Es bleiben fast, wenn sie ihn sehn,
Die Leute auf der Strasse stehn.
Die Madchen fluestern sich ins Ohr:
"Der stieg wohl aus dem Grab hervor."
Ach nein, ihr lieben Jungfraeulein,
Der legt sich erst ins Grab hinein.
Er hat verloren seinen Schatz,
Drum ist das Grab der beste Platz,
Wo er am besten liegen mag
Und schlafen bis zum Juengsten Tag.
Lied des Gefangenen
Als meine Grossmutter die Lise behext,
Da wollten die Leut sie verbrennen.
Schon hatte der Amtmann viel Tinte verkleckst,
Doch wollte sie nicht bekennen.
Und als man sie in den Kessel schob,
Da schrie sie Mord und Wehe;
Und als sich der schwarze Qualm erhob,
a flog sie als Rab in die Hoehe.
Mein schwarzes, gefiedertes Grossmuetterlein!
O komm mich im Turme besuchen!
Komm, fliege geschwind durchs Gitter herein,
Und bringe mir Kaese und Kuchen.
Mein schwarzes, gefiedertes Grossmuetterlein!
O mochtest du nur sorgen,
Dass die Muhme nicht auspickt die Augen mein,
Wenn ich luftig schwebe morge$
keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinenKnechten umgebracht.
Die Minnesaenger
Zu dem Wettgesange schreiten
Minnesaenger jetzt herbei;
Ei, das gibt ein seltsam Streiten,
Ein gar seltsames Turne!
Phantasie, die schaeumend wilde,
Ist des Minnesaengers Pferd,
Und die Kunst dient ihm zum Schilde,
Und das Wort, das ist sein Schwert.
Huebsche Damen schauen munter
Vom beteppichten Balkon,
Doch die rechte ist nicht drunter
Mit der rechten Lorbeerkron.
Andre Leute, wenn sie springen
In die Schranken, sind gesund;
Doch wir Minnesaenger bringen
Dort schon mit die Todeswund.
Und wem dort am besten dringet
Liederblut aus Herzensgrund,
Der ist Sieger, der erringet
Bestes Lob aus schoenstem Mund.
Die Fensterschau
Der bleiche Heinrich ging vorbei,
Schoen Hedwig lag am Fenster.
Sie sprach halblaut: Gott steh mir bei,
Der unten schaut bleich wie Gespenster!
Der unten erhub sein Aug in die Hoeh,
Hinschmachtend an Hedewigs Fenster.
Schoen Hedwig ergriff es wie Lie$
t grossen Augen,
Ich hab es dir immer gesagt,
Dass ich dich unsaeglich lieb,
Dass Liebe mein Herz zernagt.
Doch nur in einsamer Kammer
Sprach ich auf solche Art,
Und ach! ich hab immer geschwiegen
In deiner Gegenwart.
Da gab es boese Engel,
Die hielten mir zu den Mund;
Und ach! durch boese Engel
Bin ich so elend jetzund.
Deine weissen Lilienfinger,
Koennt ich sie noch einmal kuessen,
Und sie druecken an mein Herz,
Und vergehn in stillem Weinen!
Deine klaren Veilchenaugen
Schweben vor mir Tag und Nacht,
Und mich quaelt es: Was bedeuten
Diese suessen, blauen Raetsel?
"Hat sie sich denn nie geaeussert
UEber dein verliebtes Wesen?
Konntest du in ihren Augen
Niemals Gegenliebe lesen?
"Konntest du in ihren Augen
Niemals bis zur Seele dringen?
Und du bist jasonst kein Esel,
Teurer Freund, in solchen Dingen."
Sie liebten sich beide, doch keiner
Wollt es dem andern gestehn;
Sie sahen sich an so feindlich,
Und wollten vor Liebe vergehn.
Sie trennten sich endlich und sahn sich
Nur noch zuweilen im Traum;
Sie waren lae$
In selgen Dueften schwelgten alle Blumen,
Und alle weinten stille Wonnetraenen,
Und alle jauchzten: Liebe! Liebe! Liebe!
Die Schmetterlinge flatterten, die hellen
Goldkaefer summten feine Elfenliedchen,
Die Abendwinde fluesterten, es rauschten
Die Eichen, schmelzend sang die Nachtigall --
Und zwischen all dem Fluestern, Rauschen, Singen
Schwatzte mit blechern klanglos kalter Stimme
Das welke Weib, das mVr am Arme hing:
"Ich kenn Ihr naechtlich Treiben auf dem Schloss;
Der lange Schatten ist ein guter Tropf,
Er nickt und winkt zu allem, was man will;
Der Blaurock ist ein Engel; doch der Rote,
Mit blankem Schwert, ist Ihnen spinnefeind."
Und noch viel buntre, wunderliche Reden
Schwatzt' sie in einem fort, und setzte sich,
Ermuedet, mit mir nieder auf die Moosbank,
Die unterm alten Eichenbaume steht.
Da sassen wir beisammen, still und traurig,
Und sahn uns an, und wurden immer traurger.
Die Eiche saeuselte wie Sterbeseufzer,
Tiefschmerzlich sang die Nachtigall herab.
Doh rote Lichter drangen durch die Blaetter,$
faelligkeit
herumschwadronieren, verzweifle ich an meiner Kraft, an meinen Gaben?
Guter Gytt, der du mir das alles schenktest, warum hieltest du nicht
die Haelfte zurueck und gabst mir Selbstvertrauen und Genuegsamkeit?
Geduld!  Geduld!  Es wird besser werden.  Denn ich sage dir, Lieber,
du hast recht.  Seit ich unter dem Volke alle Tage herumgetrieben
werde und sehe, was sie tun und wie sie's treiben, stehe ich viel
besser mit mir selbst.  Gewiss, weil wir doch einmal so gemacht sind,
dass wir alles mit uns und un mit allem vergleichen, so liegt Glueck
oder Elend in den Gegenstaenden, womit wir uns zusammenhalten, und da
ist nichts gefaehrlicher als die Einsamkeit.  Unsere Einbildungskraft,
durch ihre Natur gedrungen sich zu erheben, durch die phantastischen
Bilder der Dichtkunst genaehrt, bildet sich eine Reihe Wesen hinauf, wo
wir das unterste sind und alles ausser uns herrlicher erscheint, jeder
andere vollkommner ist.  Und das geht ganz natuerlich zu.  Wir fuehlen
so oft, dass uns manches mangelt, und e$
n sie ihn wieder verlieren!--Elender!  Und auch wie
beneide ich deinen Truebsinn, die Verwirrung deiner Sinne, in der du
verschmachtest!  Du gehst hoffnungsvoll aus, deiner Koenigin Blumen zu
pfluecken--im Winter--und trauerst, da du keine findest, und begreifst
nicht, warum du keine finden kannst.  Und ich--und ich gehe ohne
Hoffnung, ohne Zweck heraus und kehre wieder heim, wie ich gekommen
bin.--Du waehnst, welcher Mensch dulsein wuerdest, wenn die
Generalstaaten dich bezahlten.  Seliges Geschoepf, das den Mangel
seiner Glueckseligkeit einer irdischen Hindernis zuschreiben kann!  Du
fuehlst nicht, du fuehlst nicht, dass in deinem zerstoerten Herzen, in
deinem zerruetteten Gehirne dein Elend liegt, wovon alle Koenige der
Erde dir nichtXhelfen koennen.  Muesse der trostlos umkommen, der eines
Kranken spottet, der nach der entferntesten Quelle reist, die seine
Krankheit vermehren, sein Ausleben schmerzhafter machen wird!  Der
sich ueber das bedraengte Herz erhebt, das, um seine Gewissensbisse
loszuwerden und $
n Lebendigen hen, man se
graemde sick juemmerfurt uem ehren Herrn un was em tru as Gold.  Veele
rike un voernehme Friers kemen un wurben uem de schoene Fru, aewerst se
wull se gar nich sehn, un sede: Lewt min Herr nich mehr, de deschoenste un leewste Mann up Erden was, wat schull ick mit eenem
annern anfangen? un ick will eene Wittfru bliwen un truren, bet Gott
mi im seligen Paradiese mit minem Leewsten un Besten wedder tosam
bringt.  Un nu huert, wat sick begaff.
Eenen schoenen Sommermorgen stund de Grewin voer der Doer--se was in dem
Garden west un hedd Blomen plantet--da blos de Trumpeter lud in't
Horn, un se huerde van dem&Dur her de Grewe! de Grewe! schallen un
ropen.  Se leep flink de Trepp up sick to waschen, denn ehre Finger
weren vull Erd un Smutz van dem Blomenplanten.  Un as se sick wusch,
lede se den Ring up dat apne Finster, un een Raw kam flegen un nam
den Ring weg; un as sen an den Finger steken wull, fund se en nich;
un se was sehr voerwundert un bestoert't, wo doch de Ring blewen were.
Un in$
er Insel Hiddensee, und ging von da zu Schiffe
in alle Welt hinaus und ward ein gewaltiger Matros.  Als er sich das
muntre Seeleben ein halbes Dutzend Jahre versucht hatte, ist er
einmal wieder nach Stralsund gekomm>n und von da zu Hause nach Bergen
in Ruegen, wo seine Mutter wohnte.  Und seine Mutter und andere
Freunde haben ihn dort beredet, er solle auf dem Lande bleiben,
welchem Gott feste Balken untergelegt hat, und das unstaete und
unsichere Meer verlassen.  Und er ist zu einem Foerster in die Lehre
gegangen, dass er das froehliche und lustige Weidwerk lernte, und bald
ein flinker und huebscher Jaegerbursch geworden, vor welchem die Weiber
und Maedchen in den Tueren und Fenstern stillstanden und ausschauten
und freundlich nickten und gruessten, wenn er vorueberging; denn er ist
wohl einer der schoensten und reisigsten Menschen gewesen, die man
weit und breit sehen konnte.  Hier hat er nun aber, wie es oft bei
den Weidmaennern geschiehtH mancherlei verbotene Kuenste gelernt, ist
ein Freischuetz geworden,$
it den rechten Gedanken und mit frommen
Bibelspruechen in der Brust versehen sind, und wenn sie sich auch
unter lauter Teufelsgesindel im duestersten Walde und in einsamster
Wueste verirrt haetten."
In dem schoenen Lande Thueringen up der gueldnen Au nich wiet van dem
Kiffhueser wahnde een riker un voernehmer Eddelmann, dem wurd unner gar
besuenderlichen Umstaendeh een Saehn geburen, so datt he alle
Wahrseggers un Tekendueders fragde un de Stiernkikers up alle Thoerm
klattern let totokieken, wo de Planeten un de annern groten Stiern to
eenanner stuenden un ob se wat Ungewoehnlichs meldten.  Un de Wiesen
schueddeden de Koepp aewer de Teken un segen sehr deepsinnig un
nahdenklich ut; aewerst nuems wusste dm Vader des Kinds wat Genaues to
seggen.  Man een van de Stiernkiekers let sick so wiet ut, datt he
apenbarde, dat Kind hedd den eenen Hauptstiern veel heller as all de
annern; nu, sede he, wenn he sick nah dem Hauptstiern hoelt un mit
sinem Glueck frisch up't Lewen losgeiht un em eenen Schub gift, wenn't
nic$
hter ehr her un wedelde lustig mit
dem Swanz.  Dom kennd et aewerst woll un hedd et towielen achter der
olden Hex sliken un wippern sehn, un et munkelde, dat Huendeken wereen voerborgner Buhle van ehr un se kuenn't verwandeln, wenn se wull.
Un s Dom dat Hexengesindel in siner Stuw hedd, makte he een
grimmiges Gesicht, slot dicht to, un packte den Hund un sede:
Huendeken, hebb' ick di, wo ick di hebben wull? un suehst du? hier is
een Stueck Isen--dat ward din Dood, wenn du nich up mine Brut
losgeihst un se so lang mit dinen Tehnen kettelst, bet ehr alle
Brutlust up ewig voergahn is.  Un de Hund wull nich dran, aewerst Dom
slog en hart, un de Hund ging up de Brut los un bet un terret se so
lang un so fuerchterlich, bet se jaemmerlich as eene Lik da lag.  As
dat schehn was, nam Dom eenen Strick, slung en dem Hund uem den Hals,
un haengd en im Finster up, datt he herut bummelde.
Un as de Dag anbrack, kam de olde Hex up den Hoff un sach ehr leewes
Huendeken as eenen Schelm am Strick haengen.  Un se foell bi diss$
unst un nimm dine Prinzessin, un wi willMn as Fruend van
eenanner scheeden.  Un Dom sede abermals: Ne, dat dho ick nich, un de
olde Hex reep mit Grimm: God, so muetten morgen alle bunten Vaegelken
brennen, un xu, Dom, schast de Fuerboeter sin.  Un as se ditt sprack,
sach se so scheusslich un gefaehrlich ut, datt Dom tom ersten Mal in
sinem Lewen bang wurd.  Un he ging in swaren Gedanken voer sick hen un
murmelde: Schull Gott im Himmel et tolaten? schull't maeglich sin?
dine soete Dietlinde schull brennen un du schust dabi stahn un dat
jaemmerlichste Nahsehn hebben?  Ne!  Ne! se lueggt! se lueggt! so wied
doerft se nich--un doerft se, so is't god, datt ditt heele
Hexenpossenspill mit eenem Mal een End nimrnt, un wer't een fuerig un
bloodig End.  Dat is doch elendig, datt een Eddelmann un een
Riddersmann un een, den Gott tom Dom hett geburen werden laten, hier
eener olden Hex denen un Water pumpen un Holt dregen un Fuer anbeten
un dat Estrich putzen muett.  Ne! ne! nich laenger so!  Frisch, min
Hart!  To Glueck$
hte und ich muesste wieder
hinaus?  Ich sitze und denke: wenn ich nicht arm waere, wuerde ich mir
ein anderes Zimmer mieten, ein Zimmer mit Moebeln, die nicht so
aufgebraucht sind, nicht so voll von frueheren Mietern wie diese hier.
Zuerst war es mir wirklich schwer, den Kopf in diesen Lehnstuhl zu
le;en; es is da naemlich eine gewisse schmierig-graue Mulde in seinem
gruenen Bezug, in die alle Koepfe zu passen scheinen.  Laengere Zeit
gebrauchte ich die Vorsicht, ein Taschentuch unter meine Haare zu
legen, aber jetzt bin ich zu muede dazu; ich habe gefunden, dass es auch
so geht und dass die kleine Vertiefung genau fuer meinen Hinterkopf
gemacht ist, wie nach Mass.  Aber ich wuerde mir, wenn ich nicht arm
waere, vor allem einen guten Ofen kaufen, und ich wuerde das reine,
starke Holz heizen, welches aus dem Gebirge kommt, und nicht diese
trostlosen tetes-de-moineau, deren Dunst das Atmen so bang macht und
den Kopf so wirr.  Und dann muesste jemand da sein, der ohne grobes
Geraeusch aufraeumt und der das Feue$
cht.  Nun sollte er sie bekommen.
"Sie sind wegen des Herzstichs da: bitte."
Ich verneigte mich und trat zurueck.  Die beiden AErzte verbeugten sich
gleichzeitig und begannen sofort sich ueber ihre (rbeit zu verstaendigen.
Jemand rueckte auch schon die Kerzen beiseite.  Aber der AEltere
machte nochmals ein paar Schritte auf mich zu.  Aus einer gewissen
Naehe streckte er sich vor, um das letzte Stueck Weg zu ersparen, und
sah mich boese an.
"Es ist nicht noetig", sagte er, "das heisst, ich meine, es ist
vielleicht besser, wenn Sie... "
Er kam mir vernachlaessigt und abgenutzt vor in seiner sparsamen und
eiligen Haltung.  Ich verneigte mich abermals; es machte sich so, dass
ich mich schon wieder verneigte.
"Danke", sagte ich knapp.  "Ich werde nicht stoeren."
Ich wusste, dass ich dieses ertragen wuerde und dass kein Grund da war,
sich dieser Sache zu entziehen.  Das hatte so kommen muessen.  Das war
viellecht der Sinn von dem Ganzen.  Auch hatte ich nie gesehen, wie
es ist, wenn jemand durch die Brust gestoche$
roch er auf ein altes Fell neben dem Herd und streckte sich hustend
und winselnd nieder.
Inessen waren auch einige Knechte hereingekommen und hatten sich um
den grossen Tisch an die Schuessel gesetzt, welche die abziehenden
Schmuggler soeben verlassen hatten.  Eine alte Magd fuellte sie aus dem
grossen Kessel von neuem mit Polenta, und setzte sich nun ebenfalls mit
ihrem Loeffel zu den andern.  Waehrend sie assen, wurde kein Wort laut;
die Flamme knisterte, der Hund stoehnte heiser aus dem Schlaf, das
ernsthafte Maedchen sass auf den Steinplatten des Herdes, liess das
Schuesselchen mit der Polenta, das ihr die Magd besonders hingestellt
hatte, unberuehrt und sah in der Halle umher, ohne Gedanken in sich
versunken.  Vor der Tuer stand der Nebel jetzt schon wie eine weisse
Wand.  Aber zugleich ging der halbe Mond eben hinter dem Rand des
Felens in die Hoehe.
Da kam es wie Hufschlag und Menschentritte die Strasse herauf.--"Pietro!"
rief die junge Hausherrin mit ruhig erinnerndem Ton.  Ein langer
Bursch stand a$

die falschen Freunde meines Vaters!  Ach, wo bist du, glueckliche
Ja, es kann halt nicht immer so bleiben, hier unter den
waechsernen Mond!
Wo seid ihr, ihr Nachtigallen im gruenen Wald, ihr wirbelnden
Lerchen, ihr funkelnden Kaefer?  ach!  das ist alles vorueber,
jetzt kommen keine Schwalben, keine Lerchen, keine Kaefer, und
mein Karl kommt auch nicht mehr.
Und das waer Ihnen halt der liebste Kaefer.  Den haben wir aber
die Fluegel gestutzt.
Nein, noch heute will ich meinem Vater zu Fuessen fallen und ihn
bitten, das unglueckliche Gold von sich zu werfen, seit dessen
Besitz sich seines Herzens ein so boeser Geist bemaechtigt hat.
Ich will gleich zu ihm.  (Will gehen.)
Lorenz (tritt vor die Tuer).
Fraeulein Lottel, tun Sie das nicht.  Ich darf Ihnen nicht
hineinlassen.
Warum nicht?
Der Herr Vater ist krank.
Lottchen (erschrickt).
Krank?  mein Vater krank?  Himmel, und bedeutend?
Ist das wahr?
Wollen Sies nichN glauben?--
Se"hster Auftritt
Habakuk mit einer grossen Tasse, worauf eine grosse Gans liegt,
ein Te$
ch die Woche
hindurch siebenhundert schoene Augenblicke.  (Nachdenkend.)  Das
ist doch fatal, dass ich der Hass bin, jetzt waer ich viel lieber
ein Salzburger.  Adieu!  schoene Salzburgerin.  (Geht ab und wirft
ihr im Abgehen Kuesse zu.)
Zufriedenheit (macht ihm eineB Knicks nach).
Adieu, schoener Salzburger!  Vielleicht gelingt es uns, dir die
Suppe zu versalzen.  (Zu Lottchen.)  Komm!  (Geht mit ihr in das
Nebengebaeude ab.--Die Buehne ist leer.)
Dritter Auftritt
Ajaxerle im Zauberhabit sieht zum Gitter herein, tritt furchtsam
ein und sieht sich vorsichtig ueberall um, schleicht sich dann
auf den Zehen bis zur Stiege des Palastes.  Ploetzlich hoert man:
Halt!  wer da?  rufen.  Er sieht in die Kulisse, erschrickt,
schreit: Gut Freund!  und springt mehre Stufen zusammennehmend
ueber die Stiege in den Palast.  Nachdem er darin ist, springt
gleich eine Furie, mit einer Keule, die ihn bemerkt hat, in
groesster Eile ihm nach und auf die naemliche Wvise wie Ajaxerle
ueber die Stiege und ins Tor.
Man hoert in der K$
er selbst willen
geschaetzt zu werden.
(Dr. Valentine.) Aber entschuldigen Sie: der Herr, an den ich dachte,
ist durchaus nicht beruehmt.
(Dolly ihn anstarrend:) Der Herr?...
(Philip ist auch erstaunt.)
(Dr. Valentine.) Ja.  Ich wollte Sie fragen, ob Sie zufaellig die
Tochter des Herrn Densmore Clandon aus Newbury Hall sind.
(Dolly ausdruckslos:) Nein.
(Philip.) Na, Dolly, woher weisst du das?
(Dolly aufgeheiterts) Oh, ich vergass, natuerlich--vielleicht bin ich's!
(Dr. Valentine.) Wissen Sie das nicht?
(Philip.) Ganz und gar nicht.
(Dolly.) Ein kluges Kind--
(Philip sie kurz unterbrechend:) Sch!  (Dr. Valentine faehrt bei diesem
Laut aengstlich zusammen.  Obwohl er kurz ist, klingt er doch so, als
ob ein Stueck Seidenzeug durch einen Blitz entzweigeschnitten wuerde.
Er ist das Resultat langer Uebung und soll Dollys Indiskretion
verhindern.) Die Sache ist die, Herr Doktow: wir sind die Kinder der
beruehmten Frau Lanfrey Clandon, einer Schriftstellerin von grossem
Ruf--in Madeira.  Kein Haushalt ist vollkommen$
hm und setzt das Glas mit der
Zange in Bereitschaft.  Er faehrt fort mit herausfordernder
Gleichgueltigkeit zu plaudern:) Sie raten mir also, mich nicht zu
verheiraten, Herr McNaughtan?  (Er bueckt sich, um die Kurbel an den
Apparat zu befestigen, durch die der Stuhl gehoben und gesenkt werden
(McNaughtan reizbar:) Ich rate Ihnen, mir den Zahn nun zu ziehen und
endlich aufzuhoeren, mich an meine Frau zu erinnern!  Vorwaerts, Herr!
(Er klammert sich an lit Stuhllehnen und staehlt sich.)
(Dr. Valentine setzt ab, die Hand auf der Kurbel, siebt ihn an und
sagt:) Um wie viel wollen Sie wetten, dass ich den Zahn herauskriege,
ohne dass Sie es spueren?
(McNaughtan.) Um Ihre sechswoechige Miete, mein Junge!  Mich foppen Sie
(Dr. Valentine nimmt die Wette mit F{eude an und dreht die Kurbel
kraeftig hinauf, so dass der Sessel steigt:) Abgemacht!  Sind Sie
bereit?  (McNaughtan, der beunruhigt ueber sein ploetzliches
Gehobenwerden die Stuhllehnen losgelassen hat, kreuzt die Arme, setzt
sch steif aufrecht und bereitet si$
der Quelle der Moralitaet entsteht aus der Gewohnheit. Man thut das
Gewohnte leichter, besser, also lieber, man empfindet dabei eine Lust,
und weiss aus der Erfahrung, dass das Gewohnte sich bewaehrt hat, also
nuetzlich ist; eine Sitte, mit der sich leben laesst, ist als heilsam,
foerderlich bewiesen, im Gegensatz zu allen neuen, noch nicht
bewaehrten Versuchen. Die Sitte ist demnach die Vereinigung des
Angenehmen und des Nuetzlichen, ueberdiess macht sie kein Nachdenken
noethig. Sobald der Mensch Zwang ausueben kann, uebt er ihn aus, um
seine Sitten durchzusetzen und einzufuehren, denn fuer ihn sind sie
die bewaehrte Lebensweisheit. Ebenso zwingt eine Gemeinschaft von
Individuen jedes einzelne zur selben Sitte. Hier ist der Fehlschluss:
weil man sich mit einer Sitte wohl fuehlt oder wenistens weil man
vermittelst derselben seine Existenz durchsetzt, so ist diese Sitte
nothwendig, denn sie gilt als die einzige Moeglichkeit,?unter der man
sich wohl fuehlen kann; das Wohlgefuehl des Lebens scheint allein
aus i$
 und zu fein, also unwirksam sind.
Sich gut zu Gehoer bringen. - Man muss nicht nur verstehen, gut zu
spielen, sondern auch sich gut zu Gehoer zu bringen. Die Geige in
der Hand des groessten Meisters giebt nur ein Gezirp von sich, wenn
der Raum zu gross ist; man kann da den Meister mit jedem Stuemper
verwechseln.
DaF Unvollstaendige als das Wirksame. - Wie Relieffiguren dadurch so
stark auf die Phantasie wirken, dass sie gleichsam auf dem Wege sind,
aus der Wand herauszutreten und ploetzlich, irgend wodurch gehemmt,
Halt machen: so ist mitunter die reliefartig unvollstaendige
Darstellung eines Gedankens, einer ganzen Philosophie wirksamer,
als die erschoepfende ;usfuehrung: man ueberlaesst der Arbeit des
Beschauers mehr, er wird aufgeregt, das, was in so starkem Licht und
Dunkel vor ihm sich abhebt, fortzubilden, zu Ende zu denken und jenes
Hemmniss selber zu ueberwinden, welches ihrem voelligen Heraustreten
bis dahin hinderlich war.
Gegen die Originalen. - Wenn die Kunst sich in den abgetragensten
Stoff klei$
icher hinzustellen, dass er als Ganzes
gar nicht mehr aus seiner Bahn abgelenkt werden kann. Dann aber hat
der Erzieher ihm Wunden beizubringen oder die Wunden, welche das
Schicksal ihm schlaegt, zu benutzen, und wenn so der Schmerz und das
Beduerfniss entstanden sind, so kann auch in die verwundeten Stellen
etwas Neues und Edles inoculirt werden. Seine gesammte Natur wird es
in sich hineinnehmen und spaeter, in ihren Fruechten, die Veredelung
spueren lassen. - Was den Staat betrifft, so sagt Macchiavelli, dass
"die Form der Regierungen von sehr geringer Bedeutung ist, obgleich
halbgebildete Leute anders denken. Das grosse Ziel der Staatskunst
sollte Dauer sein, welche alles Andere aufwiegt, indemsie weit
werthvoller ist, als Freiheit". Nur bei sicher begruendeter und
verbuergter groesster Dauer ist stetige Entwickelung und veredelnde
Inoculation ueberhaupt moeglich. Freilich wird gewoehnlich die
gefaehrliche Genossin aller Dauer, die Autoritaet, sich dageEen
Freigeist ein relativer Begriff. - Man nennt Den $
egen einander: uebertreibt man seine Veredelung, so
wird zuletzt das Individuum durch ihn geschwaecht, ja aufgeloest, -
also der urspruengliche Zweck des Staates am gruendlichsten vereitelt.
Die Zonen der Cultur. - Man kann gleichnissweise sagen, dass
die Zeitalter der Cultur den Guerteln der verschiedenen Klimate
entsprechen, nur dass diese hinter einander und nicht, wie die
geographischen Zonen, neben einander liegen. Im Vergleich mit der
gemaessigten Zone der Cultur, in welche ueberzugehen unsere Aufgabe
ist, macht die vergangene im Ganzen und Grossen den Eindruck eines
tropischen Klima's. Gewaltsame Gegensaetze, schroffer Wechsel von Tag
und Nacht, Gluth und Farbenpracht, die Verehrung alles Ploetzlichen,
Geheimnissvollen, Schrecklichen, die Schnelligkeit der
hereinbrechenden Unwetter, ueberall das verschwenderische
Ieberstroemen der Fuellhoerner der Natur: und dagegen, in unserer
Cultur, ein heller, doch nicht leuchtender Himmel, reine, ziemlich
gleich verbleibende Luft, Schaerfe, ja Kaelte gelegentlich:$
ioes bewegte Kinder einzutreten und bringen es
vielleicht im zehnten Lebens-ahre zur hoechsten Lebhaftigkeit dieser
Empfindungen, gehen dann in abgeschwaechtere Formen (Pantheismus)
ueber, waehrend sie sich der Wissenschaft naehern; kommen ueber Gott,
Unsterblichkeit und dergleichen ganz hinaus, aber verfallen den
Zaubern einer metaphysischen Philosophie. Auch diese wird ihnen
endlich unglaubwuerdig; die Kunst scheint dagegen immer mehr zu
gewaehren, so dass eine Zeit lang die Metaphysik kaum noch in einer
Umwandelung zur Kunst oder als kuenstlerisch verklaerende Stimmung
uerig bleibt und fortlebt. Aber der wissenschaftliche Sinn wird immer
gebieterischer und fuehrt den Mann hin zur Naturwissenschaft und
Historie und namentlich zu den strengsten Methoden des Erkennens,
waehrend der Kunst eine immer mildere und anspruchslosere Bedeutung
zufaellt. Diess Alles pflegt sich jetzt innerhalb der ersten dreissig
Jahre eines Mannes zu ereignen. Es ist die Recapitulation eines
Pensums, an welchem die Menschheit vielle$
er in Herz und
Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, dass er nicht nur ein
gutes Temperament, sondern eine allgemein nuetzliche Tugend besitze
und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine hoehere Aufgabe
Inwiefern der thaetige faul ist. - Ich glaube, dass jeder ueber jedes
Ding, ueber welches Meinungen moeglich sind, eine eigene Meinung haben
muss, weil er selber ein eigenes, nur einmaliges Ding ist, das zu
alen anderen Dingen eine neue, nie dagewesene Stellung einnimmt.
Aber die Faulheit, welche im Grunde der Seele des Thaetigen liegt,
verhindert den Menschen, das Wasser aus seinem eigenen Brunnen zu
schoepfen. - Mit der Freiheit der Meinungen steht es wie mit der
Gesundheit: beide sind individuell, von beiden kann kein allgemein
gueltiger Begriff aufgestellt werden. Das, wa das eine Individuum zu
seiner Gesundheit noethig hat, ist fuer ein anderes schon Grund zur
Erkrankung, und manche Mittel und Wege zur Freiheit des Geistes
duerfen hoeher entwickelten Naturen als Wege und Mittel zur Unfre$
; freilich verherrlichen sie auch die furchtbaren
Genugthuungen der Leidenschaft, welche Einer an sich selber nimmt,
jene Racheausbrueche mit Tod, Verstuemmelung, freiwilliger Verbannung
im Gefolge, und jene Resignation des zerbrochnen Herzens. Jedenfalls:
halten sie die Neugierde nach den Leidenschaften wach, es ist, als ob
sie sagen wollten: ihr habt ohne Leidenschaften gar Nichts erlebt. -
Weil man Treue geschworen, vielleicht gar einem rein fingirten Wesen,
wie einem Gotte, weil man sein Herz hingegeben hat, einem Fuersten,
einer Partei, einem Weibe, einem priesterlichen Orden, einem
Kuenstler, einem Denker, im Zustande eines verblendeten W0hnes,
welcher Entzueckung ueber uns legte und jene Wesen als jeder
Verehrung, jedes Opfers wuerdig erscheinen liess - ist man nun
unentrinnbar fest gebunden? Ja haben wir uns denn damals nicht selbst
betrogen? War es nicht ein hypothetisches Versprechen, unter der
frilich nicht laut gewordenen Voraussetzung, dass jene Wesen, denen
wir uns weihten wirklich die Wesen si$
el anfaengt und wie ein Woelkchen um die feingebogene
Nase zu dem mPtwilligen Auge hinaufzieht, frueh gereifte und unter dem
Sturm der Leidenschaften verbluehte Jugend zu verraten; bald glaubte
man einen Mann von schon vorgerueckten Jahren vor sich zu haben, der
durch eifriges Studium einer reichen Toilette sich zu konservieren
Es gibt Koepfe, Gesichter, die nur zu e i n e r Koerperform passen und
Monst zu keiner andern. Man werfe mir nicht vor, dass es
Sinnestaeuschung sei, dass das Auge sich schon zu sehr an diese Form,
wie sie die Natur gegeben, gewoehnt habe, als dass es sich eine andere
Mischung denken koennte. Dieser Kopf konnte nie auf einem
untersetzten, wohlbeleibten Koerper sitzen, er durfte nur die Krone
einer hohen, schlanken, zartgebauten Gestalt sein. So war es auch, und
die gedankenschnelle Bewegung der Gesichtsmuskeln, wie sie in leichtem
Spott um den Mund, im tiefen Ernst um die hohe Stirne spielten,
drueckte sich auch in dem Koerper durch die wuerdige, aber bequeme
Haltung, durch die schnell$
ch gesinntw" Nach diesem Satz
hoffte ich nun eine philosophische Wuerdigung dieses Teufelsglaubens
zu hoeren; aber weit gefehlt. Er blieb bei dem ersten Wort T e u f e l
stehen und dass mich die Juden Beelzebub geheissen haetten. Mit einem
Aufwand von Gelehrsamkeit, wie ich sie hinter dem armen Schlafrock
nicht gesucht haette, warf er nun das Wort Beelzebub drei
Viertelstunden lang hin und her. Er behauptete, die einen erklaeren,
es bedeute einen Fliegenmeister, der die Muecken aus dem Lande treiben
solle, andere nehmen das Sephub nicht von den Muecken, sondern als A n
k l a g e, wie die Chaldaeer und Syrier. Andere erklaeren Sephub als
Grab, _Sepulcrum_. Die Federn schwirrten und flogen, so tiefe
Gelehrsamkeit hoert man nicht alle Tage. Zu jenen paar Erklaerungen
hatte er aber volle drei Viertelstunden verwendet, denn die Zitae aus
heiligen und profanen Skribenten nahmen kein Ende. Von Anfang hatte es
mir vielen Spass gemacht, die Dogmatik auf solche Weise getrieben und
namentlich den Satan so gruendlich an$
ld be&ahlen,
    Doch ist sein Feuer bald verraucht,
  Wenn nicht der Gott in seine Strahlen,
    In seine Geisterglut dich taucht;
  Uns, die wir seine Hymnen singen,
    Uns leuchtet seine Flamme vor,
  Und auf der Toene freien Schwingen
    Steigt unser Geist zum Geist empor.
Drum, die ihr frohe Freundesworte
    Zum wuerdigen Gesang erhebt,
  Euch gruess' ich, wogende Akkorde,
    Dass ihr zu uns herniederschwebt!
Sie tauchen auf--sie schweben nieder,
    Im Vollton rauschet der Gesang,
  Und lieblich hallt in unsre Lieder
    Der votlen Glaeser Feierklang.
So haben's immer wir gehalten
    Und bleiben fuerder auch dabei,
  Und mag die Welt um uns veralten,
    Wir bleiben ewig jung und neu:
  Denn wird einmal der Geist uns truebe,
    Wir haben ihn im alten Wein,
  Und ziehen mit Gesang und Liebe
    In unsern Freudenhimmel ein."
Ob dies des ewigen Juden eigene Poesie war, kann ich nicht bestimmt
sagen, doch liess er mich zuzeiten merken, dass er auch etwas Poet
sei; die zwei alten Weingeister waren ganz$
 kein Knieband as,
  Doch ist der Pferdefuss hier ehrenvoll zu Haus."
Um unter diesem, gemeinen Gelichter mich recht zu zeigen, tanze ich
mit einer alten Hexe und unterhalte mich mit ihr in Zoten, die man nur
durch Gedankenstriche
      "Der, hatt' ein-----
  So--es war, gefiel mir's doch"
anzudeuten wagt.
Ich bin selbst in Fausts Augen ein widerwaertiger, haemischer Geselle,
       "--------kalt und frech
  Ihn vor sich selbst erniedrigt."--
Ich bin ohne Zweifel von haesslicher, unangenehmer Gestal! und
Gesicht, was man, mit mildem Ausdruck markiert, intrigant, und im
gemeinen Leben einen abgefeimten Spitzbuben zu nennen pflegt.
Daher sagt Gretchen von mir:
  "Der Mensch, den du da bei dir hast,
  Ist mir in tiefer innrer Seel' verhasst.
  Es hat mir in meinem Leben
  So nichts einen Stich ins Herz gegeben
  Als des Menschen widrig Gesicht.--
  Seine Gegenwart bewegt mir das Blut,
  Ich hab' vor dem Menschen ein heimlich Grauen.--
  --Kommt er einmal zur Tuer herein,
  Sieht er immer so spoettisch drein
  U$
