n Schrecken einer
Feuersbrunst oder sonst eine traurigen Verhngnisses, ein Einfall, eine
ungefhre Posse, trotz aller Bengstigung, trotz alles Mitleids das
unbndigste Lachen erregt. Man befahl in der SchlaTht bei Speyern einem
Regimente, da es keinen Pardon geben sollte. Ein deutscher Offizier bat
darum, und der Franzose, den er darum bat, antwortete: 'Bitten Sie, mein
Herr, was Sie wollen, nur das Leben nicht; damit kann ich unmglich
dienen!' Diese Naivett ging sogleich von Mund zu Munde; man lachte und
metzelte. Wie viel eher wird nicht in der Komdie das Lachen auf rhrende
Empfindungen folgen knnen? Bewegt uns nicht Alkmene? Macht uns nicht
Sosias zu lachen? Welche elende und eitle Arbeit, wider die Erfahrung
streiten zu wollen."
Sehr wohl! Aber streitet nicht auch d	r Herr von Voltaire wider die
Erfahrung, wenn er die ganz ernsthafte Komdie fr eine ebenso
fehlerhafte als langweilige Gattung erklret? Vielleicht damals, als
er es schrieb, noch nicht. Damals war noch keine "Cenie", noch kein
"Hau$
n der Leidenschaft (nd der Mode, es in allen Vermischungen
mit noch schlimmern oder mit guten Eigenschaften, sogar in den Runzeln
des feierlichen Ernstes, leicht und geschwind zu bemerken. Zugegeben, da
der "Geizige" des Molire nie einen Geizigen, der "Spieler" des Regnard
nie einen Spieler gebessert habe; eingerumt, da das Lachen diese Toren
gar nicht bessern knne: desto schlimmer fr sie, aber nicht fr die
Komdie. Ihr ist genug, wenn sie keine verzweifelte Krankheiten heilen
kann, die Gesunden in ihrer Gesundheit zu befestigen. Auch dem
Freigebigen ist der Geizige lehrreich; auch dem, der gar nicht spielt,
ist der Spieler unterrichtend; die Torheiten, die sie nicht haben, haben
andere, mit welchen sie leb9n mssen; es ist ersprielich, diejenigen zu
kennen, mit welchen man in Kollision kommen kann; ersprielich, sich
wider alle Eindrcke des Beispiels zu verwahren. Ein Prservativ ist uch
eine schtzbare Arzenei; und die ganze Moral hat kein krftigers,
wirksamers, als das Lcherliche.--
"Das Rtsel$
in und ihn fr nichts Bessers halten. Auch hat er gar nicht
Ursache, uns wegen der Folge zu beruhigen; es mag ns immer noch so
wahrscheinlich sein, da den Sultan seine blinde Geflligkeit bald
gereuen werde: was geht das ihn an? Er wollte uns zeigen, was die
Geflligkeit ber das Frauenzimmer berhaupt vermag; er nahm also eines
der wildesten; unbekmmert, ob es eine solche Geflligkeit wert sei
Allein, als Favart diese Erzhlung auf das Theater bringenwollte, so
empfand er bald, da durch die dramatische Form die Intuition des
moralischen Sates grtenteils verloren gehe und da, wenn sie auch
vollkommen erhalten werden knne, das daraus erwachsende Vergngen doch
nicht so gro und lebhaft sei, da man dabei ein anderes, welches dem
Drama wesentlicher ist, entbehren knne. Ich meine das Vergngen, welches
uns ebenso rein gedachte als richtig gezeichnete Charaktere gewhren.
Nichts beleidiget uns aber, von seiten dieser, mehr als der Widerspruch,
in welchem wir ihren moralischen Wert oder Unwert mit der B$
chen, wenn ich meinen
Verdru auslassen wollte? Die Kinder auf der Strae wrden mit
Fingern auf mich weisen. Alle Tage wrde ein Epigramm, ein
Gassenhauer auf mich zum Vorscheine kommen usw."
Diese Situation mu es sein, in welcher Chevrier das hnliche mit dem
"Verheirateten Philosophen" gefunden hat. So wie der Eiferschtige des
Campzstron sich schmet, seine Eifersucht auszulassen, weil er sich
ehedem ber diese Schwachheit allzu lustig gemacht hat: so schmt sich
auch der Philosoph des Destouches, seine Heirat bekannt zu machen, weil
er ehedem ber alle ernsthafte Liebe gespottet und den ehelosen Stand fr
den einzigen erklrt hatte, der einem freien und weisen Manne anstndig
sei. Es kann auch nicht fehlen, da diese hnliche Scham sie nicht beide
in mancherlei hnliche Verlegenheitenbringen sollte. So ist, z.E., die,
in welcher sich Dorante beim Campistron siehet, wenn er von seiner Frau
verlangt, ihm die berlstigen BesucherOvom Halse zu schaffen, diese aber
ihn bedeutet, da das eine Sache sei, die$
alles, wie sie der Dichter
sagen lt, nach Gebrauch und Sitte des Landes.[2]
Der Kanzler geht mit diesen Befehlen ab, und Cosme tritt die Knigin an.
"Diesen Brief", sagt er, "hat mir mein Herr gegeben, ihn nach seinem Tode
der Blanca einzuhndigen. Ich habe ihn aufgemacht, ich wei selbst nicht
warum; und da ich Dinge darin finde, die Ihro Majestt wissen mssen, und
die dem Grafen vielleicht noch zustatten kommen^knnen: so bringe ich ihn
Ihro Majestt, und nicht der Blanca." Die Knigin nimmt den Brief und
lieset: "Blanca, ich nahe mich meinem letzten Augenblicke; man will mir
nicht verg(nen, mit dir zu sprechen: empfange also meine Ermahnung
schriftlich. Aber vors erste lerne mich kennen; ich bin nie der Verrter
gewesen, der ich dir vielleicht geschienen; ich versprach, dir in der
bewuten Sache behilflich zu sein, blo um der Knigin desto nachdrck-
licher zu dienen und den Roberto, nebst seinen Anhngern, nach London zu
locken. Urteil, wie gro meine Liebe ist, da ich demohngeachtet eher
selbst ste$
eben darin 0atrliche
Abbildungen des menschlichen Lebens sind."
"Das Leben der meisten Menschen, und (wenn wir es sagen drfen) der
Lebenslauf der groen Staatskrper selbst, insofern wir sie als
ebensoviel moralische Wesen betrachten, gleicht den Haupt- und
Staatsaktionen im alten gotischen Geschmacke in so vielen Punkten, da
man beinahe auf die Gedanken kommen mchte, die Erfinder dieser Letztern
wren klger gewesen, als man gemeiniglich denkt, und htten, wofern sie
nicht gar die heimliche Absicht gehabt, das menschliche Leben lcherlich
zu machen, wenigstens die Natur ebenso getreu nachahmen wollen, als die
Griechen sich angelegen sein lieen, sie zu verschnern. Um itzt nichts
von der zuflligen hnlichkeit zu sagen, da in diesen Stcken, sowie im
Leben, die wichtigsten Rollen sehr oft gerade durch die schlechtesten
Akteurs gespieltwerden,--was kann hnlicher sein, als es beide Arten der
Haupt-un@ Staatsaktionen einander in der Anlage, in der Abteilung und
Disposition der Szenen, im Knoten und in de$
hn sehr, diesen dritten Vater; es sei in dem
nmlichen Stcke, oder auch allein. Welcher Vater glaubt nicht zu wissen,
wie ein Vater sein soll? Auf dem rechten Wege dnken wir uns alle: wir
verlangen nur, dann und wann vor den Abwegen zu beiden Seiten gewarnet
Diderot hat recht: es ist besser, wenn die Charaktere blo verschieden,
als wenn sie kontrastiert sind. Kontrastierte Charaktere sind minder
natrlich und vermehren den romantischen Anstrich, an dem es den
dramatischen Begebenheiten so schon selten fehlt. Fr eine Gesellschaft
im gemeinen Leben, wo sich der Kontrast der Charaktere so abstechend
zeigt, als ihn der komische Dichter verlangt, werden sich immer tausend
finden, wo sie weiter nichts als ver%chieden sind. Sehr richtig! Aber ist
ein Charakter, der sich immer genu in dem graden Gleise hlt, das ihm
Vernunft und Tugend vorschreiben, nicht eine noch seltenere Erscheinung?
Von zwanzig Gesellschaften im gemeinen Leben werden eher zehn sein, in
welchen man ter findet, die bei Erziehung ihrer Kinde$
benundneunzigstes tck
Den 5. April 1768
Diese Auflsung, genau betrac*tet, drfte wohl nicht in allen Stcken
befriedigend sein. Denn zugegeben, da fremde Sitten der Absicht der
Komdie nicht so gut entsprechen, als einheimische: so bleibt noch immer
die Frage, ob die einheimischen Sitten nicht auch zur Absicht der
Tragdie ein besseres Verhltnis haben, als fremde? Diese Frage ist
wenigstens durch die Schwierigkeit, einen einheimischen Vorfall ohne
allzumerkliche und anstige Vernderungen fr die Bhne bequem zu
machen, nicht beantwortetV Freilich erfodern einheimische Sitten auch
einheimische Vorflle: wenn denn aber nur mit jenen die Tragdie am
leichtesten und gewissesten ihren Zweck erreichte, so mte es ja doch
wohl besser sein, sich ber alle Schwierigkeiten, welche sich bei
Behandlung dieser finden, wegzusetzen als in Absicht des Wesentlichsten
zu kurz zu fallen, welches ohnstreitig der Zweck ist. Auch werden nicht
alle einheimische Vorflle so merklicher und anstiger Vernderungen
bedrfen; u$
er ihm seinen Beifall versagen.
Aber wie hat es vernnftigen und rechtschaffenen Leuten einkommen knnen,
diesem Plane eine so strafbare Ausdehnung zu geben? Um ein paar armen
Hausdieben das Handwerk zu legen, wollen sie selbst Straenruber werden?
"Sie wollen dem nachdrucken, der ihnen nachdruckt." Das mchte sein; wenn
es ihnen die Obrigkeit anders erlauben will, sich auf diese Art selbst zu
rchen. Aber sie wollen zugleich das Selbst-Verlegen verwehren. Wer sind
die, die das verwehren wollen?Haben sie wohl das Herz, sich unter ihren
wahren Namen zu diesem Frevel zu bekennen? Ist irgendwo das
Selbst-Verlegen jemals verboten gewesen? Und wie kann es verboten sein?
Welc? Gesez kann dem Gelehrten das Recht schmlern, aus seinem
eigentmlichen Werke alle den Nutzen zu ziehen, den er mglicherweise
daraus ziehen kann? "Aber sie mischen sich ohne die erforderlichen
Eigenschaften in die Buchhandlung." Was sind das fr erforderliche
Eigenschaften? Da man fnf Jahre bei einem Manne Pakete zubinden
gelernt, der a$
hrheit abgerechnet, bin ich sehr
bereit, das uebrige Urteil d[s Herrn von Voltaire zu unterschreiben.
"Essex" ist ein mittelmaessiges Stueck, sowohl in Ansehung der Intrige als
des Stils. Den Grafen zu einem seufzenden Liebhaber einer Irton zu
:achen; ihn mehr aus Verzweiflung, dass er der ihrige nicht sein kann, als
aus edelmuetigem Stolze, sich nicht zu Entschuldigungen und Bitten
herabzulassen, auf das Schafott zu fuehren: das war der ungluecklichste
Einfall, den Thomas nur haben konnte, den er aber als ein Franzose wohl
haben musste. Der Stil ist in der Grundsprache schwach; in der Uebersetzung
ist er oft kriechend geworden. Aber ueberhaupt ist das Stueck nicht ohne
Interesse und hat hier und da glueckliche Verse, die aber im Franzoesischen
gluecklicher sind als im Deutschen. "Die Schauspieler", setzt der Herr von
Voltaire hinzu, "besonders die in der Provinz, spielen die RolleKdes
Essex gar zu gern, weil sie in einem gestickten Bande unter dem Knie und
mit einem grossen blauen Bande ueber die Schulter da$
lung der "Merope" in dem "Kresphont" davon zum Beispiele anfuehret: so
haben Tournemine und andere dieses so angenommen, als ob er dadurch die
Fabel dieses Truerspiels ueberhaupt von der vollkommensten Gattung
tragischer Fabeln zu sein erklaere.
Indes sagt doch Aristoteles kurz zuvor, dass eine gute tragische Fabel
sich nicht gluecklich, sondern ungluecklich enden muesse. Wie kann dieses
beides beieinander bestehen? Sie soll sich ungluecklich enden, und
gleichwohl laeuft die Begebenheit, welche er nach jener Klassifikation
allen andern tragischen Begebenheiten vorziehet, gluecklich ab.
Widerspricht sich nic%t also der grosse Kunstrichter offenbar?
Victorius, sagt Dacier, sei der einzige, welcher diese Schwierigkeit
gesehen; aber da er nicht verstanden, was Aristoteles eigentlich in dem
ganzen vierzehnten Kapitel gewollt: so habe er auch nicht einmal den
geringsten Versuch gewagt, sie zu heben. Aristoteles, meinet Dacier, rede
dort gar nicht von der FabRl ueberhaupt, sondern wolle nur lehren, auf wie
mancherl$
 nicht
zu lachen macht, doch dergestalt abkuehlt, dass es ihm hernach sehr schwer
wird, uns wieder in die Fassung zu setzen, worin er uns haben moechte.--Man
tadelt das und denkt nicht aran, dass seine Stuecke eben darin natuerliche
Abbildungen des menschlichen Lebens sind."
"Das Leben der meisten Menschen, und (wenn wir es sagen duerfen) der
Lebenslauf der grossen Staatskoerper selbst, insofern wir sie als
ebensovil moralische Wesen betrachten, gleicht den Haupt- und
Staatsaktionen im alten gotischen Geschmacke in so vielen Punkten, dass
ma	 beinahe auf die Gedanken kommen moechte, die Erfinder dieser Letztern
waeren klueger gewesen, als man gemeiniglich denkt, und haetten, wofern sie
nicht gar die heimliche Absicht gehabt, das menschliche Leben laecherlich
zu machen, wenigstens die Natur ebenso getreu nachahmen wollen, als die
Griechen sich angelegen sein liessen, sie zu verschoenern. Um itzt nichts
von der zufaelligen Aehnlichkeit zu sagen, dass in diesen Stuecken, sowie im
Leben, die wichtigsten Rollen $
 kann; ob sie schon ein
notwendiges Ingrediens des Mitleids ist: so gilt dieses doch nicht auch
umgekehrt, und das Mitleid fuer andere ist kein Ingrediens der Furcht fuer
uns selbst. Sobald die Tragoedie aus ist, hoeret unser Mitleid auf, und
nichts bleibt von allen den empfundenen Regungen in uns zurueck als die
wahr,cheinliche Furcht, die uns das bemitleidete Uevel fuer uns selbst
schoepfen lassen. Diese nehmen wir mit; und so wie sie, als Ingredins des
Mitleids, das Mitleid reinigen helfen, so hilft sie nun auch, als eine
vor sich fortdauernde Leidenschaft, sich selbst reinigen. Folglich, um
anzuzeigen, dass sie dieses tun koenne und wirklich tue, fand es
Aristoteles fuer noetig, ihrer insbesondere zu gedenken.
Es ist unstreitig, dass Aristoteles ueberhaupt keine strenge logische
Definition von der Tragoedie geben wollen. Denn ohne sich auf die bloss
wesentlichen Eigenschaften derselben einzuschraenken, hat er verschiedene
zufaellige hineingezogen, weil sie der damalige Gebrauch notwendig gemacht
hatte. D$
teratur bei Kirchenjahr; ferner: Henke,
Beitrge zur Geschichte der Lehre von der Sonntagsfeier
(Stendal 1873); Zahn, Geschichte des Sonntags, vonehmlich in der
alten Kirche (Hannov. 1878); Rauschenbusch, Der Ursprung des
Sonntags (Hamb. 1887); Grimelund, Geschichte des Sonntags
(Gtersl. 1889); Lammers, Sonntagsfeier in Deutschland (Berl.
1882); "Gesetze und Verordnungen, betreffend die Ruhe an Sonn- und
Feiertagen" (das. 1886); ber die Sonntagsfeier vom Standpunkt
der Gesundheitslehre die Schriften von Schauenburg (das. 1876) und
Niemeyer (das. 1877).
Sonntagsbuchstabe, s. Kalender, S. 383.
Sonntagsschulen, dem Wortlaut nach jede Schule, in
welcher am Sonntag unterrichtet wird, was vielfach in den
Fortbildungsschulen (s. d.) der Fal] ist. Vorzugsweise bezeichnet
man aber mit dem Namen S. solche Anstalten, in welchen die Jugend
des niedern Volkes durch freiwillige Lehrer und Lehrerinnen der
gebildeten Stne im religisen Interesse unterrichtet
wird. Solche Schulen grndete schon der Erzbischof Karl
Borrom$
r Bazoche (s. d.) aufgefhrt und
zeichneten sich besonders durch die Plumpheit ihrer Rollen und
khn tadelnde Sprache aus. Seit Gringore (s. d.),
Sottise - Sul.
der viele5solcher Stcke schrieb, meist mit typischen
Narrenfiguren, wie le pince Sot, la mre Sotte etc., wurden
sie ausgefhrter und erhielten eine politisch- oder
kirchlich-satirische Zuspitzung. In der ersten Hlfte des 17.
Jahrh. verschwanden die Sottien allmhlich von der Bhne
wie von der Strae. In Deutschland, wohin sich dieselben von
Frankreich aus auch verbreiteten, verschmolzen sie mit den
Fastnachtsspielen (s. d.).
Sottise (franz.), Albernheit; beleidigende Rede.
Sottovoce (ital., spr. ssottowohtsche), mit
gedmpfter Stimme, halblaut.
Sou (franz., spr. ssu. frher Sol), franz.
Kupfermnze, ehedem die Basis der franzsischen
Mnzrechnung, 20 Sous = 1 Livre; jetzt das 1/20-Frank- oder
5-Centimesstck.
Soubise (spr. ssubihs'), Zwiebelpree;  la
S., mit Zwiebelpree.
Soubise (spr. ssubihs'), altes franz. Geschlecht, deshen
Gter und Titel $
nd Anarchismus
in England und Nordamerika whrend der Jahre 1883-86" (Berl.
187); v. Scheel, S. und Kommunismus, in Schnb,rgs "Handbuch
der politischen konomie" (2. Aufl., Tbing. 1885, Bd. 1,
S. 107 ff.); Schnberg, Gewerbliche Arbeiterfrage (ebenda, Bd.
Soziallast (Societtslast), Genossenschaftssteuer,
in sddeutschen Gemeinden eine Steuer, welche zur Abwendung
besonderer Nachteile oder zur Erreichung besonderer Vorteile
einzelner Einwohner oder Besitzer oder einzelner Klassen von
solcYen bestimmt ist. Vgl. Gemeindehaushalt, S. 68.
Sozialpolitik, der Inbegriff der auf Besserung der
sozialen Verhltnisse, vorzglich auf Regelung der
Arbeiterfrage, gerichteten Bestrebungen und Maregeln,
insbesondere derjenigen des Staats. Whrend der Sozialismus
die gesellschaftliche Verfassung von Grund aus ndern will,
hlt die heutige praktische S. an der gegebenen sozialen und
Eigentumsordnung grundstzlich fest und will auf deren Boden
durch die Arbeiterschutzgesetzgebung (s. Fabrikgesetzgebung), durch
die Arbeiterv$
er in den Fels gehauenen, teilweise sehr
schwer zugnglichen Hhlen, welche der
ursprnglichen Bevlkerung wahrscheinlich zu Wohnungen
Spaccio (ital., spr. spattscho), Absatz, Vertrieb.
Spach (spackig), vor Trockenheit geborsten (Holz).
Spach, Ldwig Adolf, elsss. Geschictsforscher,
geb. 27. Sept. 1800 zu Straburg, studierte daselbst
Spachtel - Spalato.
1820-23 die Rechte, ward dann Erzieher in Paris, Rom und der
Schweiz, 1840 Archivar des Departements Niederrhein und daneben
1848-54 Schriftfhrer des protestantischen Direktoriums und
1872 Honorarprofessor an der Universitt. Er starb 16. Okt.
1879 in Straburg. Er schrieb: Histoire de la Basse-Alsace"
(1859); "Lettres sur les archives dpartementales du
Bas-Rhin" (Strab. 1861); "Inventaire sommaire des archives
dpartementales du Bas-Rhin" (das. 1863 ff., 3 Bde.). Seine
zahlreichen kleinern Arbeiten (darunter die "Biographies
alsaciennes", 3 Bde.) erschienen gesammelt als "OEuvres choisies"
(Nancy 1869-71, 5 Bde.). In deutscher Sprache verffentlichte
e$
t- und Fayenceerzeugung ein ansehnliches
Etablissement zu Sevilla und weitere Unternehmungen in den
Provinzen Valencia, Madrid und Castellon. Die Fabrikation
feuerfester Thonwaren steht zu Barcelona auf einer Hhe,
welche einen nicht unbedeutenden Export nach den Hfen des
Mittelmeers bis nach Konstantinopel zult. Eine
wichtige Industrie ist auch die Erzeugung von Ziegelfliesen,
glasierten Platten und Mosaikfubden, welche namentlich
als Hausindustrie Tausende von Arbeitskrften, insbesondere in
der Proinz Valencia, beschftigt und einen wesentlichen
E4portartikelliefert. Hydraulischer Kalk (Zement) wird nur in
Guipuzcoa in einer Menge von jhrlich ca. 100,000 metr. Ztr.
erzeugt. S. liefert gutes Glas in ziemlich groer Menge, aber
hauptschlich nur fr den inlndischen Bedarf,
whrend der Export nach den Kolonien ein geringer ist;
geschliffene Glaswaren werden eingefhrt. Die Glasindustrie
wird an vielen Orten, insbesondere in Badalona, Murcia, Cadalso
(Madrid) und Gijon, betrieben. Die Verarbeitung des$
ndias"
1876 zum erstenmal verffentlicht wurde, namentlich aber der
Jesuit Juan de Mariana (gest. 1623), Verfasser einer "Historia de
Esaa", die bis zur Thronbesteigung Karls V. (1516) reicht
und rhetorische Kraft mit Anschaulichkeit der Charakteristik und
freimtiger Gesinnung verbindet. Eine Stelle in der spanischen
Literaturgeschicte beanspruchen auch die nach seiner Flucht aus
Spanien geschriebenen, in klassischem Stil abgefaten Briefe
des berhmten Geheimschreibers Philipps II., Antonio Perez
(gest. 1611), denen man die der heil. Teresa de Jesus (gest. 1582),
obschon ihrer Art nach ganz verschieden von jenen, an die Seite
stellen kann; ebenso die asketischen und religisen
Erbauungsbcher von Fray Luis de Leon (Klostername des
Dichters Ponce de Leon) und dem Kanzelredner Fray Luis de Granada
(gest. 1588), die Schriften hnlicher Art von San Juan de la
Cruz und Malonde Chaide ("La conversion de Madalena") u. a. Auch
deh erste spanische Versuch eines historischen Romans, die
vortreffliche "Historia de $
hrt. Auch die Hegemonie im
Peloponnes und in Griechenland wollte Kleomenes seinem Vaterland
wieder erkmpfen, und schon war er nach der Eroberung von
Argos nahe daran, an die Spitze des Achischen Bundes zu
treten, als Antigonos Doson, von Aratos herbeigerufen, 221 in der
Schlacht bei Sellasia die Macht des kaum verjngten Staats
brach. S. mute sich an Antignos ergeben, der sofort die
Reformen wieder aufhob und das Ephoat wiederherstellte. Der Staat
trat dem Achischen Bund bei, behielt aber im brigen
seine Unabhngigkeit. In dem Usurpator Machanidas (211-207)
erhielt S. seinen ersten Tyrannen; er hob das Ephorat auf, trat als
unumschrnkter Herr auf und machte sich an der Spitze seiner
Sldnerscharen im Peloponnes furchtbar, doch fiel er schon 207
gegen Philopmen bei Mantineia. Die RBgierung seines
Nachfolgers Nabis (206-192) war eine fast ununterbrochene Reihe von
Kriegen und ein Gewebe von verrterischer Politik. Nach der
Ermordung des Nabis durch die tolier (192) gewann
Philopmen S. wieder fr den$
Undurchsichtigkeit erzeugt
Spatel - Specht.
(Blau-, Braunerz). Hrte 3,5-4,5, spez. Gew. 3,7-3,9. S.
ist wesentlich kohlensaures Eisenoxydul FeCO3 mit 48,3 Proz. Eisen
enthlt aber ganz gewhnlich Mangan, Magnesium, Calcium
und Zink nicht sowohl als Verunreinigungen wie als isomorphe
Beimischungen, durch welche bergne zu den mit S.
isomorphen Mineralspezies Manganspat, Magnesit, Kalkspat und
Zinkspat gebildet werden. Solche Mittelspezies sind: Oligonspat
(mit bis 20 Proz. Mangan), Sideroplesit (mit 6-7 Proz. Magnesium),
Pistomesit (mit 12 Proz. Magnesium), Zinkeisenspat (mit 14-20 Proz.
Zink). Kommt im thonigen Sphrosiderit auer Thon noch
Kohle hinzu (Kohleneisenstein, Blackband der Englnder), so
entstehen schwarze, glanzlose, gewhnlich dickschieferige
Massen mit 35-78 Proz. Eisencarbonat. Der Verwitterung zu
Eisenhydroxyd ist der S. so leicht ausgesetzt, da
gewi viele Brauneisensteine auf diesem Weg entstanden sind,
wie denn sehr hufig das Ausgehende von
Spateisensteingngen als ^en Atmosphrilien$
Prisma hervorbringt, bilden Spaltrohr u. Fernrohr des Bunsenschen
Spektroskops einen dieser Ablenkung entsprechenden Winkel
miteinander, u. die Visierlinie des Instruments ist geknickt. Durch
passende Zusammensetzung von Flint- und Crownglasprismen kann man
aber sogen. geradsichtige Prismenkombinationen ( vision
directe) herstellen, durch welche die Ablenkung der Strahlen, nicht
aber die Farbenzerstreuung aufgehoben wird, und mit ihrer Hilfe
geradsichtige Spektroskope konstruieren, welche die Lichtquelle
direkt anzuvisieren erlauben. Ein solches ist das in Fig. 5 in
natrlicher Gre dargestellte Browningsche
Taschenspektroskop; s ist der Spalt, C die Kollimatorlinse, p der
aus 3 Flint- und 4 Crownglasprismen, die mittels Ka-
Fig. 1 u. 2. Bunsens Spektroskop.
Spektralanalyse (Ergebnisse und praktische Verwendung).
nadabasams anyinander geQittet sind, zusammengesetzte
Prismenkrper und O die ffnung frs Auge.
Eine vollstndigere Ausbreitung des Farbenbildes, als durch
ein solches einfaches Spektroskop mgli$
g, schlank,
Flgel und Schwanz mittellang, jedoch einzelne Flgel-
oder Schwanzfedern oft enorm verlngert, Fe
krftig, Zehen gro. Etwa 20 Gattungen mit ber 30
Arten; nur in Australien und auf den benachbarten Inseln
(Paradiesvgel und Kragenvogel).
12) Honigsauger (Meliphgidae), Schnabel meist lang und spitz,
Flgel mittellang, Schwanz lang und breit, Fe
kurz, Zunge vorstreckbar, an der Spitze pinselfrmig. Holen
aus den Blumen Insekten und Nektar hervor. ber 20 Gattungen
mit 140 Arten; nur in Australien und den benachbarten Inseln sowie
13) Sonnenvgel (Nectariniidae), Schnabel lang, spitz,
Flgel kurz, e ziemlich lang, Zunge
vorstreckbar, rhrenfrmig. Lebensweise wie bei der
vorigen Familie. 11 Gattungen mit ber 120 Arten; in den
heien Gegenden der Alten Welt.
14) Seidenschwnze (Ampelidae), Schnabel kurz, Flgel
ziemlich lang. 4 Gattungen mit 8 Arten; Europa, Nordasien, Nord-
und Mittelamerika.
15) Schwalben (Hirundinidae), Schnabel ziemlich kurz, mit sehr
weiter Spalte, Flgelvlang, Schwanz$
falls auf das Archimedische Prinzip
grnden, s. d. In einer zweischenkeligen Rhre
(kommunizierende Rhren) b e d (Fig.3) halten sich zwei
Flssigkeiten das Gleichgewicht, wenn ihre von der
Trennungsschicht a c aus gerechneten Hhen a b und c d sich
umgekehrt verhalten wie ihre spezifischen Gewichte; alsdann
ben sie nmlich auf die im gleichen Niveau gelege_en
Querschnitte a und c, unterhalb welcher die Flssigkeitsmenge
a e c fr sich schon im Gleichgewicht ist, gleichen Druck aus.
Befindet sich z. B. in dem enen Schenkel und in der Biegung
Quecksilber, im andern Schenkel Wasser, so ist im Fall des
Gleichgewichts die Hhe c d der Quecksilbersle 13,6mal
geringer als diejenige der Wassersule a b, woraus sich die
Zahl 13,6 als s. G. des Quecksilbers ergibt. Darauf grndet
sich Musschenbroeks Arometer (Hygroklimax), welches in der
Form, die Ham ihm gegeben hat, in Fig. 4 dargestellt ist. Zwei
Glasrhren sind oben durch eine Metallrhre, an die ein
mit einem Hahn verschliebares, nach oben gerichtetes
Rhrc$
]
Spiranten (lat.), s. Lautlehre, S. 571.
Spirato (ital., "zu Ende gegangen"), in der
Handelssprache sz v. w. im verflossenen Monat oder Jahr.
Spirdingsee, Landsee im preu. Regierungsbezirk
Gumbinnen, im N. von Johannisburg, mit seinen Verzweigungen 118 qkm
(2,14 QM.) gro, liegt 117Fm . M., fliet durch
den Pissek (Pysz) zum Narew ab, ist tief und fischreich,
enthlt vier Inseln (auf einer derselben das eingegangene Fort
Lyck) und steht gegen N. mit dem Lwentin- und Mauersee durch
die Masurischen Kanle in schiffbarer Verbindung.
Spirifer, s. Brachiopoden.
Spiriferensandstein, s. Devonische Formation.
Spirillum Ehrb. (Schraubenbakterie), frher Gattung
der Spaltpilze, nach neuern Untersuchungen alp Entwickelungsform
von Bakterien (s. d. u. Tafel) erkannt. Man rechnet zu den
Spirillen diejenigen krummen Bacillen, bei welchen ein Auswachsen
zu schraubenartig gewundenen und sich in derselben Form
vermehrenden Fden beobachtet wird. Dahin gehren der
Kommabacillus der Cholera, das S. von Finkler und Prior bei$
osi; S. nitri fumans, rauchende
Salpetersure; S. Rosmarini, S. anthos, Rosmarinspiritus, aus
Rosmarin wie Wacholderspiritus bereitet; S. saponatus,
Seifenspiritus; S. salii, Salzsure; S. salis ammonia
i
causticus, Ammoniakflssigkeit; S. salis dulcis, s. S.
aetheris chlorati; S. Serpylli, Quendelspiritus, aus Quendel wie
Wacholderspiritus bereitet; S. Sinapis, Senfspiritus; S. vini
Cognac, Kognak; S. sulfuratus Beguini, Lsung von
Schwefelammonium; S. terebinthinae, Terpentinl; S. vini,
Alkohol; S. vitrioli, verdnnte Schwefelsure. -
In der Grammatik der griech. Sprache bezeichnet S. den starken
oder scharfen und den gelinden oder schwachen Hauch (s. asper und
s. lenis), der ber jeden Vokal oder Diphthong zu Anfang eines
Wortes gesetzt und im ersten Fall durch das Zeichen ^?, im zweiten
durch ^? [s. Bildansicht] ausgedrckt wird. Vgl. den Artikel
Spiritus (hierzu Tafel "Spiritusfabrikation"), mehr oder
weniger reiner Alkohol, aus zuckerhaltigen Flssigkeiten durchDestillation gewonnen. Frher, als noch $
or in Spandau, entdeckte die Bestubung der
Blten durch Insekten und schrieb: "Das entdeckte Geheimnis
der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen" (Berl.
2) Karl, Landwirt, geb. 1787 zu Schillerslage bei Hannover,
besuchte die Thaerschen Istitute in Celle und Mglin und war
seit 180 als konom in Sachsen und Schlesien thtig,
studierte 1821-24 in Gttingen Naturwissenschaften,
habilitierte sich 1830 daselbst als Privatdozent der konomie
und Chemie und folgte 1831 einem Ruf als Professor der
Landwirtschaft an das Carolinum in Braunschweig, von wo er 1839 als
Generalsekretr der konomischen Gesellschaft in Pommern
nach Regenwalde ging. Hier grndete er eine hhere
landwirtschaftliche Lehranstalt und eine Ackergertfabrik und
starb 19. April 1859. S. gehrt zu den Vorlufern
Liebigs, nsofern er die Naturforschung in die Landwirtschaft
einfhrte und namentlich die Chemie auf Bodenkunde und
Dngerlehre anwandte. Er betonte bereits, da jede
Pflanze eine bestimmte Menge nicht organischer Stoffe zu ihr$
lich Bluntschli verdient gemacht, welcher in der
"Deutschen Staatslehre fr Gebildete" (2. Aufl.,
Nrdling. 1880) auch eine populre Darstellung des
Staatsrechts zu geben versuchte. Vgl. auer den
angefhrten Lehr- u. Handbchern des Staatsrechts:
Bluntschli, Lehre vom modernen Staat (Stuttg. 1875 ff.), Bd. 1.
"Allgemeine Staatslehre", Bd. 2: "Allgemeines S." (6. Aufl. des
frhern Werkes, welches unter diesem Titel erschien), Bd. 3:
"Politik"; Sarwey, Das ffentliche Recht und die
Verwaltungsrechtspflege (Tbing. 1880); Marquardsen, Handbuch
des ffentlichen Rechts der Gegenwart (in
Einzelbeitr,en, Freib. 1885 ff.); Hirth, Annalen des
Deutschen Reichs (Leipz. 1871 ff.). Encyklopdische Werke:
Rotteck u. Welcker, Staatslexikon (3. Aufl., Leipz. 1856-66, 14
Bde.); Bluntschli und Brater, Staatswrterbuch (Stuttg.
1856-70, 11 Bde.); kleinere Lexika von K. Baumbach (Lpz. 1882),
Rauter (Wien_1885) u a.
Staatsromane, Schriften, welche in der Form eines Romans
die Zustnde und Einrichtungen eines Staats behandeln, $
n partibus) ernannt und widme;e sich ffentlich nur noch
staatswissenschaftlichen und geistlichen Geschften, die ihn
1729 auch noch einmal nach Italien fhrten. Er starb auf der
Reise 1730 in Frankfurt a. M. Von seinen wenigen im Druck
erschienenen Kompositionen nennen wir: "Psalmodia vespertina"
(fr 8 Stimmen, 1674); "Sonate da camera a due violini, alto e
continuo" (1679); "Duetti da camera a soprano e contralto" (1683)
und "Janus quadrifons" (Motetten mit Basso continuo fr 3
Stimmen, von denen jede beliebige weggelassen werden kanv.
Steffeck, Karl, Maler, geb. 4. April 1818 zu Berlin, kam
1837 in das Atelier von Franz Krger, spter in das von
Karl Begas und ging 1839 nach Paris, wo er eine Zeitlang im Atelier
von Delaroche arbeitete, besonders aber nach Horace Vernet
Steffenhagen - Steg
Von 1840 bis 1842 hielt er sich in Italien auf und malte nach
seiner Rckkehr meist Jagd- und Tierscke, schwang sich
aber auch zu einem groen Geschichtsbild: Albrecht Achilles
im Kampf mit den Nrnbergern um eine Sta$
ilspne,
Schwefelleber etc. reduzieren S. zu Oxydul; Kalium und
glhendes Kupfer reduzieren es vollstndig.
Eisennitriollsung absorbiert es reich-ich und frbt sich
dabei fast schwarz, auch Salpetersure nimmt es auf und ildet
eine blaue, grne oder braune Flssigkeit. Es wurde schon
von van Helmont beobachtet, aber erst von Priestley nher
untersucht und von ihm Salpetergas genannt.
Stickstoffoxydul (Stickstoffmonoxyd, Stickoxydul,
Lustgas, Lachgas) N2O entsteht bei vorsichtigem Erhitzen von
salpetersaurem Ammoniak, bei Einwirkung sehr verdnnter kalter
Salpetersure auf Zink- oder feuchter Eisen- oder Zinkfeile,
Schwefelleber oder schwefliger Sure auf Stickstoffoxyd und
bei Einwirkung von schwefliger Sure auf heie
verdnnte Salpetersure. Dargestellt wird es stets durch
Erhitzen von salpetersurem Ammoniak und Waschen des Gases mit
Eisenvitriollsung und Kalilauge; 1 kg des Salzes liefert 182
Lit. Gas. Ein kontinuierlich arbeitender Apparat zur Darstellung
des Gases besteht aus einer mit gereinigtem gr$
tor in
Schlmilchs "Zeitschrift fr Mathematik und Physik", Bd.
Stift (das S.; Mehrzahl: die Stifter), jede mit
Vermchtnissen und Jechten ausgestattete, zu kirchlichen
Zwecken bestimmte und einer geistlichen Korporation bergebene
Anstalt mit allen dazu gehrigen Personen, Gebuden und
Liegenschaften. Die ltesten Anstalten dieser Art sind die
Klster, nach deren Vorbild sich spter das kanonische
Leben der Geistlichen an Kathedralen und Kollegiatstiftskirchen
gestaltete. Im Gegensatz zu den mit den athedralkirchen
verbundenen Erz- und Hochstiftern mit je einem Erzbischof oder
Bischof an der Spitze hieen die Kollegiatkirchen, bei
welchen kein Bischof angestellt war, Kollegiatstifter. Die
Mitglieder derselben wohn_en in Einem Gebude zusammen und
wurden von dem Ertrag eines Teils der Stiftsgter und Zehnten
unterhalten. So bildeten sich die Domkapitel, deren Glieder, die
Canonici, sich Kapitularen, Dom-, Chor- oder Stiftsherren nannten.
Infolge des hufigen Eintritts Adliger entzogen sich dieselben
schon im$
lches Sammlungen gyptischer und
vorhistorischer Altertmer,jvon Skulpturen, Gemlden und
Kupferstichen enthlt, und das fr die Vlkerkunde
des skandinavischen Nordens wichtige Nordische Museum. Von den
fnf Theatern sind am bedeutendsten das Opernhaus, das Neue
Theater und ds Dramatische Theater. S. ist Sitz der
smtlichen hchsten Reichskollegien u.
Regierungsdepartements sowie zahlreicher auswrtiger
Gesandtschaften und Konsuln (darunter auch ein deutscher
Berufskonsul). Die Ausgaben der Stadt beliefen sich 1884 auf 16,6
Mill. Kronen, das Vermgen auf 43,2 Mill. Kr., die Schulden
auf 41,3 Mill. Kr. In der Umgebung Stockholms liegen das
Lustschlo Haga mit Park, lriksdal und auf der
Mlarinsel Lof Drottningholm, das schnste der
kniglichen Lustschlsser, mit herrlichen Parkanlagen.
Die Stadt S. ist wahrscheinlich aus einem Fischerdorf entstanden,
das auf einer der zahlreichen Inseln lag. Als 1187 die Esthen in
Schweden einfielen, erbaute der Knig Knut Erikson, um die
Ruber abzuhalten, an der Stelle, $
ng trat, und lie sich nach
abgelegter Staatsprfung 1842 als Advkat in seiner Vaterstadt
nieder, verlor aber 1853 als Deutschgesinnter sein Amt und ward
hierauf erst als Gerichtsassessor zu Potsdam, dann als Landrichter
zu Heiligenstadt angestellt. Nach der Befreiung Schleswig-Holsteins
ging er 1864 nach Husum zurck, wo er zunchst zum
Landvogt, 1867 zum Amtsrichter und 1874 zum Oberamtsrichter
befrdert wurde. Seit 1880 als Amtsgerichtsrat quiesziert,
siedelte er nach dem Kirchdorf Hademarschen ber, wo er 3.
Juli 1888 starb. S. nimmt unter den Lyrikern, besonders aber unter
den Novellisten der Gegenwart einen vordezsten Rang ein. Als
ersterer fhrte er sich mit dem im Verein mit den beiden
Mommsen herausgegebenen "Liederbuch dreier Freunde" (Kiel 1843) in
die Litteratur ein; "Sommergeschichten und Lieder" (Berl. 1851) und
ein Band "Gedichte" (das. 1852, 8. Aufl. 1888) folgten nach.
Besonders letztere brachten ihm stets wachsende Anerk}nnung ein.
Der Dichter S. erweist sich als eine tiefsinnige, dabei fri$
Retevogel}. -
10. Tangara ('Rhamphocehis Tyrasiliensis) (Art. Tan#aren). -
11. Socopvogel (I,eiofhrix Juteus) (Art. SomunvoffA) -
12. Dominikanerfink (Paroraria dominicana)..-
13. Kardinal,
virginische Nachtigall (Cardinalii viriniatius ) ( 12, 13
Aj-t.Kasisi<tf)
Stck - Studieren.
Stck, s. v. w. Geschtz.
Stuckatur, s. Stuck.
Stcke in Esther, s. Esther.
Stckelalgen, s. v. w. Diatomaceen, s. Algen, S.
Stckelberg, Ernst, Maler, geb. 22. Febr. 1831 zu
Basel, ging 1850 auf die Antwerpener Akademie, von da nach Paris,
1854 nach Mnchen, 1856 nach Italien, wo er ein Jahrzehnt
blieb, und lie sich dann in Basel nieder. Von seinen
poetisch empfundenen und zart gemalten Bildern sind die
hervorragendsten: 'rozession im Sabinergebirge (1859-60, Museum zu
Basel); Kirchgang aus "Faust" (1865); der Kindergottesdienst,
Marionetten, Jugendliebe (Museum in Kln); Echo und Narkissos,
als Pendants; Zigeuner an der Birs; der Eremit von Maranno; das
helvetische Siegesopfer. 1877 malte er ein groes Fresko:
Erwache der Ku$

Schiehaus, 350 m . M., mit Anlagen, einem Pavillon und
der Uhlandslinde; ferner der Bosper, 481 m . M., und die
Schillerhhe, in deren Nhe das Dorf Degerloch (s. oben);
im SW. der Stadt das Jgerhaus mit Aussichtsturm,
smtlich mit schner Aussicht; das Lustscho
Solitde mit Wildpark; endlich die Feuerbacher Heide.
Urkundlich kommt S., das seinen Namen von einem Gesttgarten
oder Fohlenhof fhrt, zuerst 1229 vor. 1312 wurde es dem
Grafen Eberhard entrissen und ergab sich an Elingen, wurde
jedoch 1316 wieder asgeliefert. Seitdem haben die Grafen von
Wrttemberg hier ihren Sitz gehabt und es 1482 zur Hauptstadt
der wrttembergischen Lande gemacht. Doch verlegte Herzg
Eberhard Ludwig 1727 und nochmals Karl Eugen 1764 die Residenz
fr mehrere Jahre nach Ludwigsburg. Bis 1822 stand S. unter
einer eignen Regierung, seitdem sind Stadt und Bezirk mit dem
Neckarkreis vereinigt und bilden ein eignes Oberamt unter dem Namen
einer Stadtdirektion. Vom 6.-18. Juni 1849 hielt der Rest der
deutschen Nationalversamm$
oleons I. von Elba lie er sich jedoch von
demselben das Kommando der Alpenarmee bertragen, drang 14.
Juni in Savoyen ein, ward aber von den sterreichern
zurckgeworfen. Bei Ludwigs XVIII. Rckkehr verlor er die
Pairswrde, erhielt dieselbe aber 1819 zurck. Er starb
3. Jan. 1826 in Marseille. In Lyon ist ihm ein Denkmal errichtet.
Seine "Mmores sur les campagnes en Espagne depuis 1808
jusqu'en 1814" (2. Aufl., Par. 1834, 2 Bde.) verffentlichte
sein Stabschef Saint-Cyr-Nuguas. - Suchets Sohn Napolon S.,
Herzog von Albufera, geb. 23. Mai 1813, war 1852-70 Mitglied des
Gesetzgebenden Krpers, starb 23. Juli 1877 in Paris.
Suchitoto (spr. ssutschi-), Hauptstadt des Deartements
Cuscutlen im mittelamerikan. Staat Salvador, auf einer Anhhe
beim Rio Lempa, hat Anbau von Mais, Zuckerrohr etc. und (1878) 5826
Suchona - Sdafrikanische Republik.
Suchoua (Ssuchona), einer der beiden Quellstrme der Dwina
im russ. Gouvernement Wologda, kommt aus dem Kubenskischen See,
wendet sich bald nach NO. und behlt diese Ri$
s Meer gefhrt, um endlich bei 9 m Tiefe
die Reede von Suez zu erreichen. Die Baukosten des Kanals beliefen
sich auf etwa 19 Mill. Pfd. Sterl., von denen 12,800,000 durch
Aktienzeichnungen aufgebracht wurden, whrend den Rest der
Chedive deckte. Letzterm kaufte England 1875 die bernommenen,
noch unplaciertKn Aktien (177,602 Stck im Wert von 3,5 Mill.
Pfd. Sterl.) ab. Bis Ende 1884 wurden mit Einschlu der
Verbesserungen fr den Kanal verausgabt 488 Mill. Fr., wogegen
die Aktiva 76,7 Mill. Fr. betrugen. Die Einnahmen der Gesellschaft
ergabe% 1872 zum erstenmal einen berschu vo 2 Mill.
Fr., der 1887 auf 29,7 Mill. Fr. stieg. Auch der Schiffsverkehr
beweist den vollstndigen Erfolg des Unternehmens. Es
benutzten den Kanal 1887: 3137 Schiffe von 5,903,024
Nettotonnengehalt, davon 2330 englische, 185 franzsische, 159
hollndische, 159 deutsche, 82 sterreichisch-ungarische,
138 italienische etc. Die Zahl der Reisenden betrug 182,998 mit
Einschlu von Soldaten. Die Einnahmen bezifferten sich auf
60,5, die Aus$
a, mit lebhaftem
Kohlenhandel und (1880) 4077 Einw.
Sund (resud), Meerenge zwischen der dn.
Insel Seeland und der schwedischen Landschaft Schonen, die
gewhnliche Durchfahrt aus der Nordsee in die Ostsee (s. Karte
"Dnemark"), ist 67 km lang, an der schmlsten Stelle
zwischen Helsingborg und Helsingr ungefhr 4 km breit
und wird von der dnischen Festung Kronborg auf Seeland
beherrscht. Seit dem Anfang des 15. Jahrh. erhob Dnemark bei
Helsingr von allen vorberfahrenden Schiffen einen Zoll,
den Sundzoll, dessen Berechtigung durch Vertrge von den
andern Seemchten anerkannt war. Vllig befreit von
demselben waren nuz die sechs Hansestdte Lbeck,
Hamburg, RoKtock, Stralsund, Wismar und Lneburg sowie
Stettin, Kolberg und Kammin, whrend einzelnen Staaten, wie
Schweden, Holland, England und Frankreich, eine
Ermigung bewilligt war. Der Sundzoll zerfiel in die
Schiffsabgabe von durchschnittlich mindestens 12 Speziesthlr. und
den Warenzoll, der 1-1 1/2 Proz. betrug, und brachte Dnemark
1853 (bei 21,000 p$
w. Landbau bildet die Haupterwrbsquelle, Petroleum ist
gefunden worden. Hauptstadt ist San Christbal.
Tachograph (griech., "Schnellschreiber"), en dem
Hektograph hnlicher Apparat zur leichten Herstellung vieler
Abzge einer Schrift oder Zeichnung.
Tachometer (griech., Tachymeter,
"Geschwindigkeitsmesser"), mechan. Vorrichtungen zum Messen der
Geschwindigkeit von Maschinen in jedem Augenblick ihrer Bewegung.
Bei allen bisher konstruierten Tachometern wird die
Zentrifugalkraft der sich bewegenden Maschine als treibendes
Element benutzt. Uhlhorn in Grevenbroich bei Dsseldorf hat um
1817 derartige T., namentlich fr BaumwollspinnereiUn, zuerst
konstruiert. Gegen 1844 trat Daniel mit einem T. zum Gebrauch bei
Lokomotiven hervor, bei welchem ein Zentrifugalpendel auf Gewichte
und Federn wirkt und ein Uhrwerk zur Registrierung des Ganges der
Lokomotive mittels Zeichenstifts auf Pappscheiben in
Tachopyrion - Tacitus.
Bewegung setzt. Vervollkommt wurde dieses T. durch Dato (s.
Stathmograph). Donkin in England hat$
Altdorf und starb daselbst 1606. Er hat sich als Gegner des
Aristoteles und des averrhoistischen Aristotelismus und Pantheismus
des Cesalpino (s. d.), insbesondere der Lehre von der Ewigkeit der
Welt, durch die Schriften: "Philosophiae triumphus" (Basel 1573),
"Alpes caesae" (Frankf. a. M. 1597) und "De rerum aeternitate"
(Marb. 1604) bekannt gemacht, in welchen er die Philosophie als
menschliche, der Theologie als geoffenbarter Weisheit als Grundlage
unterzuschieben, aber zugleich mit der letztern insbesondere durch
die Rechtfertigung der zeitlichen Schpfung aus nichts und des
Sndensalls in Einklang zu bringen suchte. Vgl. Schmid aus
Schwarzenberg, Nikolaus T., der erste deutsche Philosoph (Erlang.
Taurien, das sdlichste Gouvernement Rulands,
umfat die Halbinsel Krim und einen Teil des Festl)ndes, wird
im S. vom Schwarzen und Asowschen Meer, im W. vom Gouvernement
Cherson, im N. und O. von Jekaterinoslaw begrenzt und hat ein Areal
Lon 63,553,5 qm (1154 QM.). ber die Bodenbeschaffenheit des
letztern s.$
ruh und dem spez. Gew. 0,896-0,965. Man gewinnt aus
demselben durch Destillation leichte Kohlenwasserstoffe, die wie
Benzin und Photogen benutzt werden (Turfol), schwere, noch als
Leuchtle verwendbare le, Schmierle, Paraffin und
sehr schwer flchtige, flssige Kohlenwasserstoffe, aus
welchen Leuchtgas bereitet wird, als Rckstand Asphalt.
Braunkohlenteer ist sehr verschieden je nach der Beschaffenheit der
Kohle. Im allgemeinen ist er dunkelbraun, riecht widerlich
kreosotartig nd erstarrt leicht duch hohen Paraffingehalt. Der
aus Pyropissit gewonnene T. ist butterartig, wachsgelb und bildet
das Rohmaterial der Paraffinfabriken. Man gewinnt daraus durch
Destillation leichte und schwere le (Benzin, Photogen,
deutsches Petroleum, Solarl), Schmierl und namentlich
Paraffin (s. d.). In hnlicher Weise gewinnt und verwertet man
T. aus bituminsen Schiefern. Am wichtigsten ist der
Steinkohlenteer (Kohlenteer), den man in Leuchtgasanstalten,
bisweilen auch bei der Koksbereitung als Nebenprodukt gewinnt. Er
ist$
ie geworden und die theologische
Doktorwrde erhalten hatte, erfolgte 1824 seine Ernennung zum
Bischof von Wexi, wo er, gegen das Ende seines Lebens an
zeitweiliger Geistesstrung leidend, 2. Nov. 1846 starb. Seine
ersten grern poetischen Produkte waren das von der
Akademie gekrnte Gedicht "Svea" (1811), das durch tiefen
religisen Ernst und anmutige Naturschilderungen ergreifende
Idyll "Nattvardsbarnen" (1821; deutsch von Mohnike: "Die
Nachtmahlskinder", 5. Aufl., Halle 1876) und die etwas
sentimentale, aber an schnen lyrischen Episoden reiche
poetische Erzhlug "AxelW (1822; deutsch von Vogel, Leipz.
1876), deren Stoff dem Zeitalter Karls XII. entnommen ist. Ein
bereits in Lund begonnenes groes Gedicht: "Helgonabacken",
kam nicht zur Vollendung, ebensowenig seine letzten
grern Dichtungen: "Gerda", deren Fabel der Zeit
Waldemars d. Gr. angehrt, und "Kronbruden". Als die
vorzglichsten unter seinen zahlreichen kleinern oedichten
sind "Carl XII", der "Epilog vid magister promotionen 1826" und
"Sng t$
Hilfsstimme in der Orgel. Auch einer der
Grundhiebe der Fechtkunst (s. d.) heit T.
Terzerol (ital.), kleine Pistole (s. d.), Taschenpistole
mit Perkussionsschlo.
Terzeronen (span.), s. Farbige.
Terzett (ital.), ein Tonstck fr drei
konzertierende Stimmen, insbesondere Singstimmen, whrend ein
solches fr Instrumente Trio genannt wird.
Terzine (ital.), ursprnglich ital. Strophe, aus
drei Versen von fnf- oder sechsfigen Jamben
bestehend, mit gekreuzten Reimen, so da stets der erste und
dritte Vers jeder folgenden Strophe mit dem zweiten der
vorhergehenden reimen, whrend der letzte Vers des Gedichtes
als berschssiger Vers mit dem zweiten Vers der letzten
Strophe reimt und so einn metrischen Abschlu
herbeifhrt (Schema: aba, bcb, cdc, dec[?], efe etc.).
Angeblich von Dant erfunden, dessen "Divina Commedia" in dieser
Strophenform abgefat isu, wurde die T. seit Ende des 18.
Jahrh. auch von deutschen Dichtern, z. B. von A. W. Schlegel,
Rckert, Chamisso, Heyse u. a., mit Meisterschaft behandelt.
Vgl. $
rd T. in 78 Counties.
Politische Hauptstadt ist Austin. S. Karte "Vereinigte Staaten,
westliche Hlfte".
Geschichte. T. gehrte frher zu Mexiko und zwar zur
Provinz Tamaulipas. Schon whrend des mexikanischen
Unabhngigkeitskampfes sammelten sich hier viele Abenteurer
aus den Vereinigten Staaten an. Nachdem der nordamerikanische
Oberst Austin 1823 die Stadt San Felipe de Austin gegrndet
hatte, fanden sich immer mehr Ansiedler aus dem Norden ein[ die
ihre Absicht, das Land fr die Union zu gewinnen, nicht
verhehlten. 1835 erklrten sich die Texaner im Vertrauen auf
den Beistand der herrschenden Pajtei in den Vereinigten |taaten,
welche eine Vermehrung der Sklavenstaaten wnschte, fr
unabhngig und ernannten den General Houston zum
Generalissimus. Ein mexikanisches Heer unter Santa Anna drang zwar
im Januar 1836 in T. ein und besetzte die Hauptstadt San Felipe de
Austin, ward aber 21. April unweit des Jacintoflusses von den
Texanern unter Houston geschlagen. Mehrere andre Expeditionen der
Mexikaner in den fo$
inin.
Thallin (Tetrahydroparachinanisol) C10H13NO3 entsteht bei
Behandlung des Methylthers des Paraoxybenzchinolins mit Zinn
und Salzsure, bilde# dicke rhombische Prismen, schmilzt bei
42-43 und siedet bei 283. SchwefelsauresT., ein
gelblichweies kristallinisches Pulver, welches in Wasser
lslich ist und bitter schmeckt, wird als antipyretisches
Mittel benutzt. Auch das weinsaure Salz findet Anwendung.
Thallium Tl, Metall, findet sich mit Kupfer, Silber und
Selen im Crookesit (16-18,5 Proz.) und Berzelianit, in geringer
Menge in manchen Schwefel- und Kupferkiesen, Zinkblende, im
Lepidolith und im Glimmer von Zinnwald, im Badesalz von Nauheim,
Orb, Drrenberg, im Braunstein etc. Es geht beim Rsten
der Kiese in den Flugstaub und in den Bleikammerschlamm (welcher z.
B. bei Verarbeitung von Meggener Kiesen 3,5 Proz. T. enthlt),
auch in die Schwefelsure und aus dieser bei der Darstellung
von Salzsure in letztere ber; ebenso findet es sich im
Schwefel aus Meggener und s(anischen Kiesen, im Schwefel von
L$
m Name von Obergypten, nach
der Hauptstadt Theben (s. d. 1).
Thebasche Region, nach der Legende eine vom Kaiser
Maximianus 300 n. Chr. aus der gyptischen Landschaft Thebais
gegen 9ie Christen in Gallien gesandte Legion, welche wegen
Dienstverweigerung erst zweimal dezimiert, dann mit ihrem
Fhrer Mauritius zu St.-Maurice in Wallis niedergemetzelt und
unter dem Namen der 10,000 Ritter (22. Juni) in das Martyrologium
aufgenommen ward.
Theben, 1) die alte Hauptstadt Obergyptens, am Nil,
die "hundertthorige Stadt", der einstige Mittelpunkt des
Pharaonenreichs, heute nur ein ausgedehntes Ruinenfeld zu beiden
SFiten des Nils. Der hieroglyphische Name der Stadt war Ape (mit
dem Artikel T'Ape), woraus das griechische Thebae entstanden ist.
Die unter den Ptolemern eingefhrte Benennung Diospolis
ist eine bersetzung des altgyptischen Pe-Amun ("Haus
des Ammon"). Die Grndung Thebens ist in Dunkel gehllt.
In die Geschichte tritt die Stadt erst mit der[11. Dynastie (2850
v. Chr.) ein, welche von Manetho eine theba$
 dessen Schlachtfelder in Deutschland und Italien bereiste. In
der Kammer gesellte e sich wieder zur Opposition, deren
Fhrung er jedoch nicht erlangte, obwohl er bei den
Verhandlungen ber die Regentschaft (1842), die Jesuiten
(1845) und die Rechte der Universitt (1846) heftig gegen die
Regierung auftrat. Als die Februarrevolution von 1848 den
Knig zwang, das Ministerium Guizot zu entlassen, sollte T.
mit Barrot ein neues bilden, durch welches Ludwig Philipp den Sturm
besnftigen wollte. Dasselbe kam aber nicht mehr zu stande,
und T. hielt es fr geraten, nach Proklamierung der Republik
Paris zu verlassen. Er blieb Orlanst und nahm in der
Nationalversammlung eine Mittelstellung ein. Den Plnen
Napoleons wirkte er eifrig entgegen und ward daher beim
Staatsstreich 2. Dez. 1851 verhaftet und dann in das Ausland
entlassen. 1852 ward ihm die Rckkehr nach Frankreich
gestattet, wo er sijh elf Jahre lang vom ffentlichen
politischen Leben fern hielt und sich ganz der schriftstellerischen
Thtigkeit widmete. Di$
 Karl V. berufen
und malte daselbst Portrte (das Karls V. in Madrid, das zu
Mnchen etc.). Er kehrte bald wieder nach Venedig zurck,
ward aber 1550 abermals nach Augsburg berufen, um das Portrt
Philipps II. von Spanien zu malen. Fr diesen war er auch nach
seiner Rckkeh nach Venedig 1551 auerordentlich viel
beschftigt. 1566 ward er in die florentinische Akademie
aufgenommen. Er starb 27. Aug. 1576 in Venedig, fast 100 Jahre alt,
an der Pest und ward in der Kirche Santa Maria de' Frari
beigesetzt. Der durPh die flandrische Schule beeinflute
koloristische Realismus der Venezianer gelangte durch T. auf seine
Hhe; in seiner Auffassung nicht so durchgeistigt und ideal
wie Raffael und Michelangelo, hat er vor den Rmern und
Toscanern die unvergleichliche malerische Kraft voraus und kommt
Raffael in der Schnheitsflle gleich, Michelangelo in
der dramatischen Lebendigkeit der Komposition nahe. T. ist der
grte Kolorist de% Italiener und versteht seinen
Figuren zugleich den vornehmen Charakter zu geben, der$
nier schlossen
sich die Tlaxcalaner, ein Aztekenstamm, nachdem sie vergeblich
Widerstand versucht, treu an Cortez an, welcher daher der Republik
eine gewisse Selbstndigkeit unter spanischer Oberherrschaft
verschaffte.
Tlemsen (bei den Franzosen Telemcen), Stadt in Algerien,
Departement Oran, 44 km vom Mittellndischen Meer entfernt,
auf drei Seiten von tiefen Schluchten umgeben, hat (1881) 25,370
Einw., davon 10,033 Europer und Juden. T. hat aus seiner
alten Bltezeit nur einige schne Moscheen <ufzuweisen,
es ist ab7r durch gnstige klimatische Verhltnisse,
zahlreiche Neuschpfungen der Franzosen (Museum, Bibliothek)
und namentlich durch seine groartigen lbaumpflanzungen
und Weinberge eine Perle Algeriens. Sdwestlich von T. liegt
Mansura mit den 1318 erbauten groartigen, jetzt in Ruinen
liegenden Wasserwerken. - T. war im Mittelalter eine blhende
Stadt und die Residenz der auf die Almorawiden folgenden maurischen
Dynastie Beni}Zian; aber es war schon verfallen, als die Franzosen
es 1836 besetzten. Im$
Kolumbus entdeckt. In der Folge war es
vorbergehend (1632-l677) von Niederlndern besetzt, dann
abwechselnd im Besitz der F3anzosen und Englnder, bis es 1803
endgltig in den der Englnder kam.
Tobarra, Stadt und Badeort in der span. Provinz Albacete,
an der Eisenbahn Madrid-Cartagena, mit besuchten Schwefelquellen
und (1878) 7219 Einw.
Tbb, Hohlma, s. Kojang.
Tobe, Lngenma, s. Taka.
Tobelbad, Badeort in Steiermark, 10 km sdwestlich
von Graz, in einem von waldigen Bergen umgebenen Thal,mit zwei
Thermen von 25 und 30 C., die besonders bei Frauenkrankheiten,
Nervenleiden tc. gebraucht werden.
Toberentz, Robert, Bildhauer, geb. 4. Dez. 1849 zu
Berlin, besuchte die dortige Kunstakademie und arbeitete dann zwei
Jahre in Schillings Atelier zu Dresden. Damals entstanden ein
berlebensgroer Perseus und mehrere Bsten.
Nachdem T. von 1872 bis 1857 in Italien studiert hatte, brach er,
nach Berlin zurckgekehrt, mit seiner ltern Richtung,
die sich im Rauchschen Idealstil bewegt hatte, und arbeitete in der
We$
getragen und dann ins Wasser geworfen
oder verbrannt wird. Der Tod ist hier eine christliche Einkleidung
des heidnischen
Winterriesef, der vor der Gottheit des Frhjahrs weichen
mu. Mitunter war mit dem T. auch ein kleiner dramatischer
Wettstreit zwischen Sommer und Winter verbunden. Vgl.
v.Reinsberg-Dringsfeld, Das festliche Jahr (Leipz. 1863).
Toddy, Getrnk aus Branntwein, Zuckea, Eis und
Wasser, hnlich dem Grog, in Schottland, England, Schweden
etc. beliebt (Sling enthlt dazu noch etwas geriebene
Muskatnu); auch s.v.w. Palmwein.
Todea Willd., Farngattung aus der Familie der
Osmundaceen. Eine baumbildende Art Pieser Gattung mit 3 m hohem und
60 cm dickem Stamm sowie schnen, ca.2 m breiten,
doppeltfiederteiligen Blttern ist T. barbara Moore, die in
Neuholland, Neuseeland und Sdafrika wchst.
Todesengel, christliches Bild, durch welches der Tod als
ein Genius dargestellt wird, der die Seele
aus diesem zu einem bessern Leben hinberfhrt, dem
griechischen Hermes, welcher als Psychopompos die Seelen de$
t von London, 9 km von
der Londonbrcke, mit Diakonissenanstalt und (1881) 46,441
Totum (lat.), das Ganze.
Ttung (Ttungsverbrechen, Homicidium) das
Verbrechen desjenigen, welcher widerrechtlicherweise den Tod eines
andern Menschen verursacht. Hiernach fllt also der Selbstmord
nicht unter den Begriff der strafbaren T., ebensowenig die T. im
Krieg nach Kriegsrecht oder die rechtmige T. eines zum
Tod Verurteilten und die T. im Fall der Notwehr (s. d.). Ebenso ist
die Abtreibung der Leibesfrucht, welche ein erst im Werden
begriffene Menschenleben zerstrt, hier auszuscheiden. Je
nachdem nun der Ttende mit oder ohne Absicht handelte, wird
zwischen vorstzlicher und fahrlssiger (kulposer) T.
unterschieden. Letztere wird nach dem Strafgesetzbuch des Deutschen
Reichs ( 222) mit Gefngnis bis zu drei Jahren und, wenn
der Thter zu der Aufmerksamkeit, welche er
fahrlssigerweise aus den Augen setzte, vermge seines
Amtes, Berufs oder Gewerbes besonders vrpflichtet war, mit
Gefngnis bis zu fnf Jahren bestra$
er
rtischen Formation angehrige Kohle gewonnen, und ein
Teil der bedeutenden Kohlenschtze Chinas soll triadischen
Alters sein. In Bezug auf Erzfhrung sind die Knottenerze von
Kommern in der Eifel zu erwhnen, Buntsandsteine mit
Krnern von Bleiglanz, ferner ebenfalls im Buntsandstein an
vielen Orten Gnge von Schwerspat, Eisen- und Kupfererzen. Dem
Muschelkalk sind in Oberschlesien und Baden Zink-, Bleiglanz- und
Eisenerzlager eingeschaltet, und der Erzbau von Raibl ist an die
gleichnamigen Schichten geknpft. Die Gipse der verschiedenen
Etapen werden namentlich zu landwirtschaftlichen Zwecken abgebaut,
und das kaolinige Bindemittel der weien Buntsndsteine ist
ein wertvolles Rohmaterial fr die Porzellanfabrikation. Als
Bodenbildner verhalten sich die Schichten natrlich sehr
verschieden: die Keupermergel, die an thonigen Zwischenmitteln
reichern Muschelkalketagen und der Rt liefern gute
Bden, an welche in Franken und Schwaben der Weinbau
eknpft ist, schlechte dagegen der Wellenkalk und der
Hauptbun$
nde
Krankheit; der Ansteckungsstoff, ein Mikrokokkus (Gonococcus), als
dessen Trger der von der Harnrhren- und
Scheidenschleimhaut abgesonderte Eiter anzusehen ist, ha_tet indes
nur auf der Schleimhaut der Harnrhre, der weiblichen Scheide
und der Bindehaut des Auges (Augentripper). Der T. kommt sowohl
beim mnnlichen als beim weiblichen_Geschlecht vor und
verluft bald akut, bald chronisch. Der T. de mnnlichen
Geschlechts kndigt sich gewhnlich durch ein Kitzeln in
der Eichel an, deren Mndung leicht verklebt. Bald rtet
sich letztere, schwillt etwas an, und es treten
schneidend-stechende Schmerzen, namentlich beim Urinlassen, auf. Es
stellt sich dann ein mifarbiger, spter rein eiteriger
Ausflu aus der Harnrhre ein. Die genannten
Erscheinungen erreichen in der Regel den hchsten Grad am Ende
der ersten acht Tage. In der Nacht stren sehr schmerzhafte
Erektionen den Schlaf. Die Schmerzen verbreiten sich in den
Hodensack, machen sogar den Stuhlgang und das Sitzen lstig.
Beim Urinlassen sind sie ganz $
gelig, schwarzbraun, mit seh/
groen Warzen, innen blabraun, mit elliptwschen,
braunen, mit netzfrmig gezeichnetem Episporium versehenen
Sporen, im Sommer und Sptsommer in Frankreich und in Italien
sehr hufig, stellenweise in Deutschland, z. B. in
Thringen, und England. T. mesentericum Vittad., von voriger
Art durch schwarze Farbe und dunkleres Fleisch mit vielen sehr eng
gewundenen, weien Adern unterschieden, an der Basis oft
gehhlt, kommt wie vorige Art und oft mit ihr zusammen vor.
Nur in Ital*en, wo sie hufig gegessen wird, stellenweise in
Deutschland kommt vor T. magnatum Pico (Rhizopogon magnatum Corda).
1,5-11 cm, unfrmig lappig, von den andern Arten durch die
wurzelartige Basis und durch die glatte Oberflche
unterschieden, anfangs wei, spter bla
ockerbraun, daher von den Lombarden Trifola bianca genannt, innen
gelblich, brunlich oder rtlich mit weien Adern,
von stark knoblauchartigem Geruch, reift im Sptsommer. Die
weie T. (Choiromyces maeandriformis Vittad., Tuber album
Sow., Rhizop$
harter Bedrckung. Nach dem
Frieden von Ktschk Kainardschi wurde 1774 Ruland
Herr der beiden Kabarden. Seit 1802 Georgien eine russische Provinz
geworden war, strebte Ruland, dessen Grenzen ereits bis an
den Kuban vorgSrckt waren, durch den _esitz des Kaukasus eine
Verbindung zwischen jenem Land und Kaukasien herzustellen. 1807
nahmen die Russen Anapa, muten es aber infolge des Friedens
von Bukarest 1812 wieder rumen. Die Trken fanatisierten
nun die T. immer mehr gegen die Russen, und die T. unternahmen von
jetzt an fortwhrend Einflle ins russische Gebiet. 1824
leisteten sogar mehrere Stmme dem Sultan den Eid der Treue.
Im russisch-trkischen Krieg von 1829 fiel Anapa jedoch
abermals in die Hnde der Russen, und im Frieden von
Adrianopel kamen die trkischen Besitzungen auf dieser
Kste berhaupt an Ruland. Seitdem begann die
systematische Unterwerfung der Bergvlker, welche anfangs
angriffsweise ins Werk gesetzt wurde, aber keinen Erfolg hatte. Man
gab endlich die verderblichen Expeditionen in d$
. Der
fremdlndische Handel (Totalwert 1887: 1,6 Mill. Taels) nimmt
stetig zu. T. ist Sitz eines deutschen Konsuls und verschiedener
Missionen, im ganzen ca. 120 Europr und Amerikaner.
Tschigirin, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kiew, an der
Tjasmina (Nebenflu des Dnjepr) in steppenartiger, aber
fruchtbarer Gegend, hat 5 russische und eine evang. Kirche und
(1885) 16,009 Einw., welche Branntwein, Seife, Leder (Kalbleder und
Juften) und Leinwand zur Ausfuhr bringen. - T., im 16. Jahrh.
gegrndet, wurde 1546 Hauptort der kleinrussischen Kosaken;
1596 schlug hier der Kosak Nelimaiko den polnischen Hetman
Zolkjemski, 1677 und 1678, nachdem die Stadt 1659 russisch geworden
war, belagerten die Trken dieselbe, wobei G]rdon (s.d. 2)
heldenmtigen Widerstand leistete; schlielich
muen die Russen die Festung rumen, ohne da die
Trken dieselbe dauernd zu behaupten vermocht htten.
Diese Kmpfe, die ersten, welche unmittelbar zwischen Russen
und Trken erfolgten, werden als die "Tschigirinfeldzge"
Tschikasa (en$
ns aus militrischen Rcksichten von dem
englischen Oberhaus zunchst nicht genehmigt worden ist (vgl.
ber ihn in geologisch-technischer Beziehung die Schrift von
Hesse, Leipz. 1875), ferner die Tunnels unter der M.erenge von
Messina zur Verbindung von Italien und Sizilien und unter der
Meerenge von Gibraltar.
Landtunnels sind entweder ein- oder zweigeleisige
Eisenbahntunnels, Straentunnels oder zur Durchfhrung
eines Kanalbetes bestimmte Kanaltunnels. Bei geringer Tiefe unter
der Oberflche und bei unfester Beschaffenheit des Bodens
werden dieselben mit Vorteil in zuvor hergestellte offene
Einschnitte Uingebaut, und, nachdem das Mauerwerk der Sohle, der
Wandungen und der Gewlbe vollendet, also das Querprofil
geschlossen ist, der T. mit einem hinreichen-
Tunnel (Unterwassertunnels).
den Teil des Einschnittmaterials bedeckt. Bei
grerer Tiefe unter der Oberflche und bei fester
Beschaffenheit des Bodens mssen die Tunnels bergmnnisch
hergestellt werden. Je nach der Art des Arbeitsvorganges beim Abbau
ihr$
n Partei
und einiger allmchtiger Gnstlinge des Sultans, wie
Osman und Mahmud Damat. Indes befreite sich der Sultan Abd ul
Hamid, je mehr er in Staatsgeschften ein selbstndiges
Urteil erlangte und handelnd eingriff1 allmhlich von diesem
verderNlichen Einflu. Um die Finanzreform
durchzufhren, berief er deutsche Beamte, welche auch 1881
eine durch Irade vom 20. Dez. besttigte Einigung mit den
Glubigern zu stande brachten, durch die der Betrag der
Staatsschuld von 250 aus 106 Mill. Pfd. Sterl. herabgesetzt und
fr diese ein zunchst auf mindestens 1 Proz. reduierter
Zinsfu, zugleich aber auch eine Amortisation von 1/3 Proz.
und deren Zahlung durch Garantie mehrerer Einknfte gesichert
wurde. Zur Vermehrung der Einnahmen wurde die Tabaksregie
eingefhrt. Deutsche Offiziere begannen auf Grund eines 1880
vom Sultan genehmigten Plans eine Reorganisation des Heerwesens und
arbeiteten ein Militrgesetz fr das ganze Reich aus, das
1887 in Kraft trat. Nach auen hin beobachtete die
Trkei eine groe Zurckhal$
n abzweigt. Anfangs heit er Terskei-tau, weiter
nach W. Sussamir-t<u und endlich Urtak-tau. Durch die Flsse
Tschirtschik, Ary, Tala, Tschu, den See Issi-kul, die
Flsse Tschirik und Tscharyn und die rechten Zuflsse des
Naryn wird der Alatau in verschiedene Gebirgszge geteilt,
welche bald russische, bald kirgisische Namen haben. Dieser
gebirgige Teil des Territoriums ist teilweise bewaldet und von
vielen Flssen
Turkistan (Russisch -T.: Geographisches).
(die hauptschlichsten sinderwhnt) durchstrmt.
Die Ebenen dagegen zeichnen sich im allgemeinen durch das Fehlen
geglichen Baumwuchses und durch Wssermangel aus. Je nach der Menge
der Feuchtigkeit und der Bodenbeschaffenheit zerfallen sie in
solche mit salzhaltigem Thonboden, am Fu der Gebirge gelegen
(sie werden durch knstliche Bewsserung zu
auerordentlich fruchtbaren Gegenden), und in die
unbegrenzten wasserlosen Sandwsten, wie im W. die Kisilkum,
im N. die Karakum, Dschitikonur und Mojunkum und endlich die am
Balchasch gelegenen Wsten. Die Was$
angen war,
mannigfache Leibesbungen in den vershiedenen Kreisen unsers
Volkslebens, an welche vielfach dann die T. nur anzuknpfen
brauchte (vgl. Gymnastik); so einmal als eine Art Nachklang jener
ritterlichen Zeit die Fechtknste und das Voltigieren (s. d.)
am lebenden oder am nachgebildeten Pferd, wie besonders an
Universitten und adligen Schulen; ferner die mehr allgemein
als Jugendspiele oder gelegentliche Volksbelustigungen auftretenden
Ballspiele (s. d.), das Ringen (s. d.), Wettlaufen, Klettern u. a.;
endlich besondere Fertigkeiten, wie Schwimmen, Schlittschuhlaufen
und die mancherlei Schiebungen mit Armbrust und
Qeuergewehr. Der Leibesausbildung um ihrer selbst willen redeten
zuerst wieder Vertreter der in der Zeit vor der Reformation
erwachenden humanistischen Studien das Wort, die ja auch n dieser
Hinsicht auf das Vorbild des klassischen Altertums hinweisen
konnten; ein Zeugnis solcher Bestrebungen ist das Buch des
italienischen Arztes Hieron. Mercurialis: "De arte gymnastica" (2.
Aufl. 1573).$
so sehr das Feld mit der Pflege von angewandten Fertigkeiten,
wie Rudern, Boxen, und von Ballspielen, da die allgemeine
Gymnastik hier auer dem Heer, in das sie schon 1822-28 Clias
(0. oben) einfhrte, und den von Deutschen gegrndeten
Vereinen noch nicht viel Boden gewonnen hat. Auch Sport und Spiele
werden fast nur von der wohlhabenden Minderheit gepflegt. In
Frankreich haben sichgymnastische bungen, besonders durch
die Thtigkeit des von Pestalozzi und Guts Muths angeregten
Spaniers Amoros (1770-1847), in erster Linie in der Armee Eingang
verschafft und sind auch seitdem hauptschlich als ein
wichtiger Zweig der militrischen Vorbildung in und
auer dem Heer gepflegt worden. Einen noch engern
Anschlu der leiblichen Jugendbildung an das Heerwesen
veranlaten die Erfuhrungen von 1870/71 in Form der
Schlerbataillone, die aber auch hier mehr und mehr Gegner
finden und einer allgemeinen Gymnastik weichen. Seit 180 ist der
gymnastische Unterricht an smtlichen Knabenschulen gesetzlich
zur Pflicht gemacht.$
ensee.
Tussackgras, s. Festuca.
Tussilago Tourn. (Huflattich), Gattung aus der Familie
der Kompositen, mit der einzigen Art T. Fasfara L. (Brust-,
Eselslattich, Rohuf, Quirinkraut), einer ausdauernden
Pflanze mit tief gehendem, kriechendem Wurzelstock,
grundstndigen, langgestielten, herzfrmigen, eckigen,
unten dicht- und weifilzigen Blttern und einzeln
Tussis - Tuzla.
stndigen, gelben, vor den Blttern sich entwickelnden
Blten, wchst auf feuchten, thonigen Feldern in Europa
und dem gemigten Asien, auf ckern ein schwer
auszurottendes Unkraut. Offizinell sind die geruchlosen
Bltter als bitterschleimiges und adstringierendes Mittel. T.
Petasites, s. Petasites.
Tussis (lat.), Husten.
Tussoo (Tssuh), ind. Lngenma, = 1/16
Hath = 1/32engl. Yard = 0,029 m.
Tutamen (lat.), Schutzmittel. Tutauiablech, s.
Britanniametall.
Tute, s. Blatttute. Tutel (lat.), s. Vormundschaft.
Tutela, bei den Rmern Schutzgttin eines Ortes
oder einer Person.
Tuten, in der Probierkunst benutzte Schelztiegel mit
Tutenag, ord$
egen Theben, wurde von Melanippos
verwundet und starb an den Folgen der WuYde.
Tyfon, Wirbelsturm, s. Teifun.
Tyl, Joseph Cajetan, tschech. SchriftstelleD, geb. 4.
Febr. 1808 zu Kuttenberg, war Theaterregisseur in Prag und starb
daselbst 11. Juli 1856. Er schrieb ca. 50 Dramen, zum groen
Teil nach deutschen Vorbildern. Am gelungensten sind: "Der blinde
Jngling", "Jan Hus", "Strakonicky Dudak" etc. Von 1834 bis
1847 redigierte T. die Zeitschrift "Kvety" und verffentlichte
darin seine Erzhlungen, unter denen zu erwhnen sind:
"Der letzte Tscheche", "Patriotische Liebe", "Das Kuttenberger
Dekret" etc. T. dichtete auch das bhmische Nationallied "Kde
domuv moj?" Sein Leben beschrieb Turnovsky (Prag 1881).
Tyldesley (spr. teilsli oder tillsli), Stadt in
Lancashire (England), 12 km westnordwestlich von Manchester, mt
Kohlengruben, Baumwollweberei und (1881) 9954 Einw.
Tyler (spr. teiler), 1) John, zehnter Prsident der
Vereinigten Staaten, geb. 29. Mrz 1790 als der Sohn eines
Pflanzers in Virginia, studierte $
st U
Zeichen fr Uran; in den Blaufarbenwerken fr Kobaltblau
u. = Ultimo (s. d.).
u. A. w. g. = um Antwort ird gebeten.
u. c., in der Musik = una corda (s. Corda).
u. i. = ut infra (lat.), wie unten
u. j. d. = utriusqae juris doctor (lat.), Doktor beider
U. K. = United Kingdom, Vereinigtes Knigreich
(Grobritannien).
U. L. F. = Unsre Liebe Frau, d. h. die Jungfrau Maria.
. M. = ber dem Meeresspiegel (bei
Hhenangaben).
u. s. = ut supra (lat.), wie oben.
U. S. oder U. S. A. (Am.) = United States (of America),
Vereinigte Staaten von (Nord-)Amerika; vgl. "Uncle Sam".
U. S. A. = United States Army, Armee der Verein. Staaten.
U. S. N. = United States Navy, Marine der Verein. Staat.
U. S. S. = United States Ship, Schiff der Ver.Staat.-Marine.
U. T. = Utah Territory.
Ualan (Kusaie), Insel der Karolnenw(s. d.).
Uapou, eine der Markesasinseln (s. d.).
Uba, Stadt im S. der brasil. Provinz Minas Geraes, hat
wichtige Kaffeekultur und steht mit Rio de Janeiro durch eine
Eisenbahn in Verbindung.
Ubaldo del Monte, Gui$
Andrssy angezeigt. Siebenbrgen und das Banat
wurden sofort mit U. wieder verschmolzen, mit Kroatien ward ein
Ausgleich voUbehalten, der am 20. Sept. 1868 zu stande kam. U. ward
als selbstndiger Staat anerkannt, der mit sterreich
durch gewisse gemeinsame Angelegenheiten verbunden war und
zunchst auf zehn Jahre ein Zoll- und Handelsbndnis mit
ihm schlo. Von den anerkannten Staatsschulden und von den
gemeinsamen Ausgaben fr das Auswrtige, Heer und Marine
bernahm U. blo 30 Proz., stand aber in den
Delegationen der sterreichischen Reichshlfte
ebenvrtig zur Seite. Mit allem Pomp frherer
Jahrhunderte erfolgte 8. Juni 1867 in Budapest die feierliche
Krnung des Knigs, und damit war die Vershnung der
Magyaren mit der Dynastie besiegelt. Die heimgekehrten
Flchtlinge schlossen sich ehrlich der neuen Ordnung der Dinge
an, das Volk bethtigte bei jeder Gelegenheit seine
Loyalitt, und der Reichstag, in welchem diegemigte Dekpartei zunchst noch die
entschiedene Mehrheit hatte, nahm 1868 bereitwilligs$
nicht den Charakter einer Strafe haben. Deshalb ist die
Behandlung des Untersuchungsgefangenen von derjenigen des
Strafgefangenen wesentlich verschieden. Nach der deutschen
Strafprozeordnung ( 116) mu der in U.
Genommene, soweit mglich, einzeln und namentlich nicht mit
Strafgefangenen zusammen verwahr werden. Mit Zustimmung des
Verhafteten kann jedoch von dieser Vorschrift abgesehen werden.
Demselben sollen ferner nur solche Beschrnkungen auferlegt
werden, welche zur Sicherung des Zweckes der Hast oder zur
Aufrechthaltung )er Ordnung im Gefngnis notwendig sind.
Bequemlichkeiten und Beschftigungen, die dem Stand und den
Vermgensverhltnissen des Verhafteten entsprechen, darf
sich derselbe auf seine Kosten verschaffen, soweit sie mit dem
Zweck er Haft vereinbar sind und weder die Ordnung im
Gefngnis stren noch die Sicherheit gefhrden.
Fesseln drfen dem Verhafteten im Gefngnis nur dann
angelegt wrden, wenn es wegen besonderer Gefhrlichkeit
seiner Person, namentlich zur Sicherung andrer, erforderl$
chungsrichter, s. Richter.
Untersuchungsverfahren (Inquisitionsverfahren), s.
Anklageproze.
Unterthanf(Subditus), jeder, welcher einer Staatsgewalt
unterworfen ist. Die Unterthanenschaft ist enteder ein bleibendes
persnliches Rechtsver-
Unterthaneneid - Unterwalden.
hltnis, gegrndet auf die Staatsangehrigkeit
des Unterthanen (subditus personalis), oder ein nur
vorbergehendes Verhltnis, indem auch Fremde als
Unterthanen (subditi temporarii) behandelt werden, solange sie im
Staat weilen, diejenigen ausgenommen, welchen nach
vlkerrechtlichem Gebrauch die Exterritorialitt zukommt,
z. B. Gesandte. Grndet sich die Unterthanenschaft lediglich
auf den Besitz unbeweglicher Ger, so heien die
Unterthanen Landsassen (subditi reales, Forensen), wenn sie
nmlich Grundstcke im Land besitzen, aber im Ausland
wohnen. Letztere sind in dem Land, worin ihre Grundstcke
liegen, nur den Gesetzen unterworfen, welche die Grundstcke
betreffen oder ausdrcklich auf die Forensen mit ausgedehnt
sind. Im engern und eigent$
g. Der grte Teil des
Eisens kommt auf der Messe zu Nishnij Nowgorod in den Handel. An
Manganerzen wurden 14,463 Doppelzentner gewonnen. Seit einigen
Iahren wird am West=bhang auch Bergbau auf Steinkohlen betrieben
(ca. 21,000 T.). Auerdem liefert der U. mannigfache
schne Gesteine und interessante Mineralien, welche zum Teil
auch am U. fr architektonische Zwecke und als Schmucksteine
geschliffen werden, z. B. Porphyr, Jaspis, Kieselmangan, Achat,
Bergkristall, Malachit u. k. Vor allem reich ist das kleine
Ilmengebirge bei Mijask an Mineralien (Elolith,
Amazonenstein, grobltteriger sibirischer Glimmer,
Pyrochlor, schynit, Titanit, Zirkon, prachtvolle Topase,
Korund u. a.), ferner die GegeAd von Slatoust im sdlichen und
die von Mursinsk im mittlern U. (mit mchtigen Topas-, Beryll-
und Rauchtopaskristallen). In den Seifen von Bissersk hat man vor
Jahrzehnten auch kleine Diamanten gefunden.
Whrend im arktischen U. die Klte, im
uersten Sden die Trockenheit den Baumwuchs
verhindern und im nrdlichen $
 ihn
Sich Tasso stellte. Sieh das Aeussre nur
Von beiden an, das Angesicht, den Ton,
Den Blick, den Tritt! Es widerstrebt sich alles;
Sie koennen ewig keine Liebe wechseln.
Doch ueberredete die Hoffnung mich,
Die Gleisnerinn: Sie sind vernuenftig beide,
Sind edel, unterrichtet, deine Freude;
Und welch ein Band ist sichrer als der Guten?
Ich trieb den Juengling an; er gab sich ganz;
Wie schoen, wie warm ergab er ganz sich mir!
O haett' ich gleich Antonio gesprochen!
Ich zauderte; es war nur kurze Zeit;
Ich scheute mich, gleich mit den ersteC Worten
Und dringend ihm den Juengling zu empfehlen;
Verliess auf Sitte mich und Hoeflichkeit,
Auf den Gebrauch der Welt, der sich so glatt
Selbst zwischen Feinde legt; befuerchtete
Von dem geprueften Manne diese Jaehe
Der raschen Jugend nicht. Es ist geschehn.
Das Uebel stand mir fern, nun ist es da.
O gib mir einen Rat! Was ist zu tun?
Wie schwer zu raten sei, ds fuehlst du selbst
Nach dem, was du gesagt. Es ist nicht hier
Ein Missverstaendnis zwischen gleich Gestimmten$
ir untersagt;
Es ziemt mir wohl, zu warten und zu hoeren.
Ich treffe dich gelassen, wie ich wuenschte,
Und spreche gern zu dir aus freier Brust.
Zuvoerderst loes' ich in des Fuersten Namen
Das schwache Band, das dich zu fesseln schien.
Die Willkuer macht mich frei, wie sie mich band;
Ich nehm' es an und fordre kein Gericht.
Dann Rag' ich dir von mir: Ich habe dich
Mit Worten, scheint es, tief und mehr gekraenkt,
Als ich, von mancher Leidenschaft bewegt,
Es selbst empfand. Allein kein schimpflich Wort
Ist meinen Lippen unbedacht entflohen:
Zu raechen hast du nichts als Edelmann,
Und wirst als Mensch Vergebung nicht versagen.
Was haerter treffe, Kraenkung oder Schimpf,
Will ich nicht untersuchen: Jene dringt
Ins tiefe Mark, und dieser reizt die Haut.
Der Pfeil des Schimpfs kehrt auf den Mann zurueck,
Der zu verwunden glaubt; die Meinung andrer
Befriedigt leicht das wohl gefuehrte Schwert--
Doch ein gekraenktes Herz erholt sich schwmr.
Jetzt ist's an mir, dass ich dir dringend sage:
Tritt ncht zurueck, erfuelle$
te nun,
Von keinem Geist der Ordnung mehr beherrscht,
Im leisen Kampf das Goetterbild zerstoeren.
Wenn ueber werdend Wachsendem vorher
Der Vatersinn mit Wonne bruetend schwebte,
So stockt, so kehrt in Moder nach und nach
Vor der Verzweiflung Blick die Lust des Lebens.
Weltgeistlicher.
Was Lust und Licht Zerstoerliches erbaut,
Bewahret lange das verschlossne Grab.
O weiser rauch der Alten, das Vollkommne,
Das ernst und langsam die Natur geknuepft,
Des Menschenbilds erhabne Wuerde, gleich
Wenn sich der Geist, der wirkende, getrennt,
Durch reiner Flammen Taetigkit zu loesen!
Und wenn die Glut mit tausend Gipfeln sich
Zum Himmel hob und zwischen Dampf und Wolken,
Des Adlers Fittich deutend sich bewegte,
Da trocknete die Traene, freier Blick
Der Hinterlassnen stieg dem neuen Gott
In des Olymps verklaerte Raeume nach.
O sammle mir in koestliches Gefaess
Der Asche, de Gebeine trueben Rest,
Dass die vergebens ausgestreckten Arme
Nur etas fassen, dass ich dieser Brust,
Die sehnsuchtsvoll sich in das Leere draengt,
$
uf, ehe Franz
Ry hinzuspringen konnte. Sie stieg ein, als sei kein Mensch da. Von
ihrem Sitz aus sah sie sich nach Alice um,--an Franz Ry vorbei. Die
korpulente Alice kam langsam herangewatschelt. Schon von weitem war zu
sehen, da sie einen harten Kampf mit unterdrcktem Lachen zu bestehen
hatte. Und als sie herangekommen war und Mary vornehm dasitzen sah, den
Kopf nach der andern Seite gewandt, whrend auf dieser Seite Franz Ry,
der Rvese, wie ein verdonnerter Rekrut stand, da konnte sie sich nicht
lnger halten, sie brach in ein Gelchter aus, das ihre ganze behbige
Person von Grund auf erschtterte. Sie lachte, da ihr die Trnen ber
die Backen liefen. Sie lacte so, da sie nur mit Not und Mhe und nicht
ohne Hilfe das Trittbrett fand und sich hinaufzog. Sie sank laut lachend
neben Mary auf den Sitz, da Wer Wagen wackelte. Sie hielt das
Taschentuch vors Gesicht und prustete hinein. Sie sah Marys purpurrotes
Beleidigtsein und Franz Rys blasses Entsetzen, sie lachte nur immer
mehr. Sogar der Kutsche$
ss er schliesslich wie verhext
war? "Armer Joergen", sagte sie noch einmal und fasste seine Hand. Das
erste Liebeszeichen, das sie ihm je gewaehrt hatte. Sie musste es gleich
wieder zuruecknehmen, weil sie die Roecke festhalten musste, denn um die
Landzunge pfiffrein scharfer Wind, und ein Segelboot schnitt gerade
unter ihnen durch das Wasser. Vom Boote aus wurde heraufgewinkt, und sie
winkten hinunter. Welch ein herrlicher Tag, wie schimmernd blau der
Fjord mit den rotan Wimpeln ueberall.
Als sie zur Bucht hinunterkamen, fragte sie: "Glaubst Du wirklich, er
wuerde Dich enterben, wenn wir uns verheiraten?"--"Wir haben nichts,
woraufhin wir heiraten koennen, Du Liebe!"--"Wir koennen doch diese
Papiere verkaufen", sagte sie mutig. "Ja, wenn wir so vorgehen, um uns
heiraten zu koennen, dass wir sie jetzt verkaufen, wo sie so niedrig
stehen, ja, dann enterbt er mich sicher."--Aber sie wollte die Hoffnung
nicht aufgeben: "Un unser Wald?"--"Der muss erst jahrelang stehen."--
Wie gut Joergen Bescheid wusste! Wie ge$
 kam, liess sie sich verleugnen; und doch hatte
er sie hineingehen sehen. Er sagte, sie habe seinen Hund. Ja, davon
wisse man nichts.
Er musste gehen. Er hatte sie wie auch den Hund verloren.
Oben auf ihrem Zimmer aber fragte Mary den Hund: "Willst Du mir gehoeren?
Willst Du bei mir bleiben, Du kleiner, schwarzer John?" Sie klatschte in
di Haende, damit er sein froehliches Ja bellen sBlle. Damit war die
Eigentumsfrage entschieden. Sie bekam einen Brief von Joergen, vrmutlich
ueber diesen Punkt; den verbrannte sie ungelesen.
Sie nahm an, sie werde ihn auf dem Bahnhof treffen, wenn der Zug nach
Norwegen abfuhr, und dann werde er sein Recht fordern. Sie kam mutig
angefahren, ihren frischgewaschenen, gekaemmten und parfuemierten Hund
neben sich. Joergen war nicht da.
       *       *       *       *       *
Sie schlief die ganze Nacht, den Hund auf ihrer Reisedecke.
Aber mit dem Morgen kamen die Gedanken. Nun war sie allein. Hatte allein
die Verantwortung.
Bis jetzt hatte sie sich ja selbst mit aller Gewalt in $
iebliche
Tler in freundlicher Abwechslung, bedeckt mit dem schnsten Grase,
werden von vielen hundert Rehen und Damhirschen belebt. Mehrere
schn@ steinerne Brcken fhren ber einen Kanal, welchem man sehr
tuschend das Ansehen eines sanft sich hinwindvnden Stroms zu geben
wute. Einige zerstreut liegende Tempel und andere Gebude, der Obelisk
mit der Statue des groen Marlborough und unzhlige alte herrliche Bume
gaben ihm einen unbeschreiblichen Reiz. berall sind mannigfaltige
Aussichten auf das Schlo, das Wasser, die Brcken, die Gebude mit
Auswahl und bescheiden sich verhllter Kunst veranlat. Nachdem wir
alles gehrig bewundert und uns auch mit dem rster abgefunden hatten,
bergab uns dieser dem Grtner, welcher uns in den das Schlo in der
Nhe umgebenden, zum Spazierengehen bestimmten Anlagen herumfhrte.
Auch diese sind sehr reizend und lieblich, aber bei weitem nicht so
prchtig als die von Stowe. Ihre zierliche Einfachheit mu zwar gefallen,
doch dnkte uns, sie wrde sich besser zu jenem k$

Besonders merkwrdig in dieser Hinsicht ist eine lange Galerie
voll Familienportraits und Bildnissen ausgezeichneten Menschen
frherer Zeit. Mnche wunderliche Karikatur, aber a0ch mancher
vortrefflich gemalter Kopf blickt hier von den Wnden auf uns herab.
Zu den letzteren gehrt besonders ein sehr charakteristisches
Portrt Cromwells, nchst dem Luthers, dessen bleichen Freundes
Melanchthon und Erasmus, gemalt von Lucas Cranach. Die Portrts
fast aller bekannten und berhmten Gelehrten und Dichter Englands
fllen ein besonderes Kabinett.
Weiterhin hinter Knoles erhebt sich die Gegen allmhlich;
hhere Berge gewhren dem Reisenden manche schne Aussicht; bald
zeigen wunderbar gestaltete Felsen ihre kahlen Scheitel;
weiter blick man hinab in die tiefen Schluchten eines sehr
pittoresken Steinbruchs; dann zeigt sich die schne Ruine eines
uralten Schlosse hoch auf einem Berge, der drohend auf das
and seinem Fue liegende Stdtchen Tunbridge hinabschaut. So geht es
fort bis zu dem einige Meilen weiterhin geleg$
 durch den schoenen, fruchtbaren Teil
von Yorkshire, bis Catterick Bridge, einem grossen, ganz isoliert
liegenden Gasthofe.
Englische Gasthoefe
Die Annehmlichkeiten eines solchen Gasthofes in England kennt man
auf dem festen Lande nich; darum erlauben wir uns hier einiges darueber
zu sagen. Durchgaengig, auch in den Staedten, sind die englischen Gasthoefe
sehr lobenswert: Zimmer, Betten, Bedienung, R9inlichkeit uebertreffen alles,
was man in anderen Laendern in dieser Art antrifft, aber wir moechten
fast behauptKn, dass die guten Gasthoefe auf dem Lande wieder die in Staedten
in dem Masse uebertreffen wie jene die deutschen.
Die Teuerung ist auch nicht so gross, als man denken moechte, wenn man nur
erst die Sitte kennt. Der Umstand, dass man durchaus nicht portionsweise
speist, ist freilich unangenehm. Alle Vorraete des Hauses an Fleisch,
Fischen, Gemuesen und dergleichen sind mit der hoechsten Sauberkeit und
mit einer Art Eleganz in einem auf dem Flur befindlichen, mit
Glasfenstern versehenden Kabinett zur $
ornfeld, eine niedrige
Huette, dass in dieser abgeschiedenen Einsamkeit noch Menschen leben.
Hier erscheint die Natur, wie Ossian [Fussnote: Sohn des Fingal,
Hauptheld9eines irischen Sagenkreises. Durch die Mystifikation
des Schotten Macpherson ("Fingal" 1762), der seine eigenen Dichtungen
als angebliche Uebertragung alter gaelischer Lieder des Ossian herausgab,
gelangten diese Dichtungen zu grosser und weitreichender dichtungs- und
geistesgeschichtlicher Bedeutung und hinterliessen auch in der deutschen
Klassik und Romantik ihre Spuren.] sie malte, die Stroeme, die Felsen,
die uralten einzelnen Eichen. Der Wind heulte ueber die Heide,
die Distel wiegt ihr Haupt im Sturme am Grabe der alten Krieger.
Die vier grauen, bemoosten Steine erheben sich noch einsam am Huegel
der Helden und verkuenden stumm dem stillen Wanderer die Geschichte
vergangener Jahrhunderte. Viele solche alten Denkale sahen wir,
von den Urenkeln der Helden, deren Asche sie umschliessen, mit Ehrfurcht
geschont und bewahrt. Koenig Fingal ruh$
on London
herueber; an alles uebrige Wissenswerte, was unsere Kinder in Deutschland
lernen, wird nicht gedacht.
Die Zoeglinge essen zusammen, ziemlich schlecht, unter Aufsicht
des die Woche habenden Lehrers, werden zu bestimmten Zeiten von ihm
auf der Gemeinhut des Dorfes spazieren getrieben, spielen unter
seiner Aufsicht auf dem grossen Hofe und werden taeglich in einem
grossen Bassin gebadet, auch im Winter, wo dann erst das Eis aufgehauen
werden muss.
Al:es, Lehre, Strafe, die ganze Behandlung der Kinder, wird nach
angenommenen Gesetzen mechanisch betrieben, Khne Ruecksicht auf Alter,
Charakter und Faehigkeit. Wie koennte es anders sein, ihrer sind sechzig,
zwischen sechs und sechzehn Jahren; alle Wochen wechselt der
die Aufsicht habende Lehrer und dankt Gott, dass er auf drei Wochen
die Last los ist und sich bei der sehr reichlich besetzten Tafel
des sehr ehrwuerdigen Herrn mit den Kostgangern und der uebrigen
Gesellschaft, von der in der Woche ausgestandenen Not und Mangel
erholen kann. Kein Lehrer lern$
ewoehnlich aber dient
diese Halle den Advokate" und ihren Klienten zur Promenade,
bis die Reihe sie trifft, bei Gericht vorgelassen zu werden.
Wir sahen hier viele der ersteren in schwarzen Maenteln, mit grossen,
weissgepuderten Peruecken auf- und abwandeln. Sehr ungeniert
ging es uebrigens zu, jeder wandelte, wohin es ihm beliebte;
keine Wache, kein Tuersteher, niemand, der auf Ordnung hielte,
war sichtbar. Auch wir eilten ungestoert umher, traten von ungefaehr
hinter einen an der Seitenwand der Halle angebrachten Vorhang
und sahen un ploetzlich zu unserem Erstaunen in einem nicht grossen,
nicht schoenen, aber ziemlich dunklen Zimmer, das uns wie eine
Dorfkapelle vorkm. Auf einer kleinen Erhoehung hinter einem Tische
sass ein schwarzbemaentelter Herr mit einer gewaltig respektablen
Staatsperuecke. Es sprach sehr angelegentlich und eindringend;
wir aber verstanden kein Wort von dem, was er sagte, denn
eine Menge Leute gingen mit grossen Geraeusche aus und ein und
machten einen Laerm, als waeren sie fuer sic$
t mit mehreren kleinen, leicht in die Luft sich
erhebenden Tuermchen geziert; ein praechtiges Portal fuehrt in
das innere Heiligtum.
Vom Eingange an der Westseite ueberblickt 6an den ganzen Plan desselben.
Einem versteinerten heiligen Hain gleich, steht es vor uns
in seiner ehrwuerdigen erhabenen Pracht. Schlanke und doch
verhaeltnismaessig starke Pfeiler tragen das hohe, wie von Geisterhaenden
kuehn geschaffene Gewoelbe, an welchem Bogen ueber Bogen sich leicht
und luftig erheben. Jeder dieser Pfeiler besteht aus eine Gruppe
von fuenf Pfeilern, die sich zu einem einzigen vereinen. Das durch
die hohen bemalten Fenster verschleiert eindringende Sonnenlicht
verbreitet heilige D}emmerung ringsumher, ueber alle die unzaehligen,
mit unendlichem Kunstfleisse gearbeiteten Verzierungen, welche
diesen ehrwuerdigen Tempel schmuecken.
Alles Alte darin ist gross, herzerhebend und erfreulich;
desto unangenehmer sticht alles Neuere dagegen ab. Besonders fremd
nimmt sich der moderne, von weissem Marmor im sogenannten
griec$
nnen sodann die Flugversuche mit dem Motorflieger.
[Illustration: *Vorbereitungen zum Start*
    Mehrere Personen ziehen an Seilen das Fallgewicht in die Hhe. Das
    aus eisernen Ringen bestehende Gewicht befindet sich in dem Turm
    gerade in Mannshhe. Deutlich ist die Verbindung des Seiles, das vom
    Gewicht die Erde entlang zum Flieger fhrt, zu sehen]
Der Motorflieer der Wrights.
Bei der Arbeit hatte die Flugmaschine verschiedene Vernderungen
erfahren. Der Motor erhieltJ16 PS und wog, Vergaser und Schwungrad
eingeschlossen, 62,7 Kilogramm. Es wurden zwei Propeller unmittelbar
hinter den Haupttrageflchen angebracht, die sich in verschieden
gerichtetem Sinne mit 1200 Touren in der Minute drehten. Der Motor,
Viertakt-Benzinmotor mit 4 Zylindern, war in der Fabrik der Wrights
gebaut. In einer Stunde wurden 4,5 Kilogramm Benzin ve=braucht.
Die Trageflchen hatten eine Breite von 12,25 Metern, eine Tiefe von
6,12 Metern und eine Oberflche von 48 Quadratmetern. Am 17. Dezember
1903 wurden an einem kalt$
tliches Licht zu
stellen, denn soein knstliches Licht verlscht doch pltzlich und dann
ist die Dunkelheit um so grer."
Ein paar Stunden spter, als Elschen lngst schlief, die Schwestern Gute
Nacht gesagt hatten und Frieder mit Wilhelm und Otto im sogenannten
Bubenzimmer ihre Betten aufsuchten, sa Karl noch allein mit den Eltern
am Tisch. Seit seinem fnfzehnten Geburtstag hatte er dies Vorrecht. Es
wurde allmhlich still im Haus. Ach Walburg hatte Gute Nacrt gewnscht;
manchmal lag kein anderes Wort zwischen ihrem "Guten Morgen" und "Gute
Die drei, die nun noch am Tische saen, waren ganz schweigsam und
bewegten doch ungefhr denselben Gedanken.
Herr Pfffling dachte: Wenn nur Karl auch zu Bett ginge, da ich mit
meiner Frau von Marstadt reden knnte. Die Kinder sollen ja noch nichts
davon wissen. Er zog seine Taschenuhr--es war noch nicht spt. Dann ging
er auf und ab, sah wieder nach der Uhr und wurde immer ruheloser.
Frau Pfffling dachte: Meinem Mann ist es lstig, da wir nicht allein
sind, aber $
der erklren, wie es gemeint war, dann denke
ich: ihr haltet das doch nur fr Schwindel und AusredBn, und dann
schweige ich lieber."
"Ich kenne das, Wilhelm, es kommt daher, weil es so wenig Menschen genau
mit der Wahrheit nehmen, dann trauen sie auch den andern keine strenge
Wahrhaftigkeit zu. Aber da darf man sich nicht einschchtern lassen. Wer
recht wahrhaftig ist, darf alles sagen und Glauben dafr fordern. Halte
du es so, und wird dir etwas angezweifelt, so sage du ruhig zu
demjenigen: 'Habe ich dich schon einmal angelogen?' Aber freilich mut
du sicher sein, da er darauf 'nein' sagt."
Die Beiden waren inzwischen dem Marktplatz nahe gekommen, wo ihre Wege
auseinandergingen.
"War es dir recht ungeschickt, Vater, aus der Probe wegzukommen?" fragte
Wilhelm. "Hllisch ungeschickt!" sagte Herr Pfffling, "ich mochte den
Grund nicht angeben, ich sagte nur schnell d<n Nchstsitzenden etwas von
Familienverhltnissen und lief davon; wer wei, was sie sich gedacht
haben. Der juge Lehrer wird mich inzwischen ver$
 liegt
Der Knstler wunderte sich. "Du bist ja zu allem zu brauchen," sagte er,
"woher weit du das Zimmer?"
"Mein Vater ist Lehrer an der Musikschule, ich habe ihn schon oft dort
"Ah, Musiklehrer, und hat dennoch kein Billet genommen fr unser
"Nein," sagte Wilhelm, "aber kein Mensh in der ganzen Stadt kann sich
mehr darber freuen, als mein Vater!"
Auch Elschen stimmte zu mit einem frhlichen "ja, ja!" und dabei
schlpfte sie, so schnell sie konnte, in ihren Mantel und beiden Kindern
war die Ungeduld, heimzukommen, n allen Gliedern anzumerken. Die Karte
wurde ihnen denn auch wirklich eingehndigt und nachdem Wilhelm fest
versprochen hatte, sich rechtzeitig im Knstlerzimmer einzufinden und
Edmund zu unterhalten, ohne ihn aufzuregen, ihn zu belustigen, ohne Lrm
zu machen, wurde die Kinder entlassen.
Wilhelm fate die kleine Schwester bei der Hand; "Jetzt nur schnell,
schnell, Elschen, wenn nur der Vater ganz gewi zu Hause ist, es ist
schon sechs Uhr, um halb acht Uhr geht das Konzert an!"
So rasch eilte$
ist du erst wieder, wenn du sie uns gibst," und indem er die Tre zum
Vorplatz weMt aufmachte, rief er laut und drohend: "Geh hinaus, du
fremdes Kind!" Da verlie Frieder das Zimmer.
Drauen stand er regungslos in einer Ecke des Vorplatzes, innen
schluchzten die Schwestern, ergriffen waren alle von dem Vorfall. Herr
Pfffling ging erregt hin und her und dann hinaus in den Vorplatz, wo er
Walburg mit so lauter Stimm, da es bis ins Zimmer drang, zurief: "Das
Kind da soll gehalten werden wie ein armes Bettelkind. Es darf hier
auen im Vorplatz bleiben, es kann da auch essen und man kann ihm nachts
ein Kissen hinlegen zum Schlafen. Geben Sie ihm den Kchenschemel, da
es sich setzen kann. Es dauert mich, weil es keinen Vater und keine
Mutter mehr hat."
Hierauf ging er hinber in sein Zimmer. Frau Pfffling zog Elschen an
sich, die sich nicht zu fassen vermochte. "Sei jetzt still, Kind," sagte
sie, "Frieder wird bald einsehen, da er folgen mu. zir lassen ihn
jetzt ganz allein, da er sich besinnen kann. Er wir$
ns-Erfahrung. Du hast uns vor Augen gefuehrt, welcher Segen die
Menschen durchs Leben begleitet, die im grossen Geschwisterkreis und in
einfachen Verhaeltnissen aufgewachsen sind, unter dem Einfluss von Eltern,
die mit Gottvertrauen und froehlichem Humor zu eitbehren verstanden, was
ihnen versagt war.
Noch jetzt, wo wir De%nem 80. Geburtstag entgegengehen, steht die
Erinnerung an Deine Kinderzeit Dir lebendig vor er Seele, und wenn Du
die Beschwerden und Entbehrungen des Alters in geduldiger,
anspruchsloser Gesinnung ertraegst so ist das nach deinem eigenen
Ausspruch noch immer eine Wirkung, die ausgegangen ist aus einer
entbehrungsreichen und dennoch glueckseligen Jugendzeit.
Nicht eben *Deine* Familie, aber eine von demselben Geist beseelte
moechte ich in diesem Buch der deutschen Familie vorfuehren.
Herbst 1906.
Die Verfasserin.
       *       *       *       *       *
1   Wir schliessen Bekanntschaft
2   Herr Direktor
3   Der Leonidenschwarm
4   Adventszeit
5   Schnee am unrechten Platz
6   Am kuerzesten$
noch ein Brief von Kraussold ein, der keinen
Zweifel mehr darueber liess, dass Pfaeffling einstimmig gewaehlt wuerde.
Gegen Mittag konnte das Telegramm einlaufen. Es war noch nicht da, als
Herr Pfaeffling aus der Musikschule heimkam. So setzten sie sich alle zu
Tisch wie gewoehnlich, aAer die Kinder stritten sich darum, wer auFmachen
duerfte, wenn der Telegraphenbote klingeln wuerde. Die Mutter hatte das
aufmerksame Ohr einer Hausfrau, sie legte den Loeffel aus der Hand und
sagte: "Er kommt." Einen Augenblick spaeter klingelte es, und von den
dreien, die hinaus gerannt waren, brachte Wilhelm das Telegramm demVater, der rasch den Umschlag zerriss. Es war ein langes, ein bedenklich
langes Telegramm. Es besagte, dass noch in der letzten Stunde der
Beschluss, im naechsten Jahre schon eine Musikschule zu gruenden,
umgestossen worden sei und man eines guenstigen Bauplatzes wegen noch ein
paar Jahre warten wolle!
Herrn Pfaeffling war zumute, wie wenn man ihm den Boden unter den Fuessen
weggezogen haette, als er las$
den sich alle bewusst, dass sie doch den Frieder nicht missen
mochten. Karl war es, der aussprach, was alle empfanden: "Unser Dummerle
geben wir nicht her!"
Oben, am Fenster des Musikzimmers, stand der Professor im Gespraech mit
Herrn Pfaeffling und seiner Frau. Nun trat er an das Fenster und sah
hinunter, "Dort steht ja das ganze Trueppchen beisammen," sagte er,
"eines dicht beim andern, keinen Stecken koennte man dazwischen shieben!
Es ist koestlich anzusehen! Und wie sie eifrig sprechen!"
"Ja," sagte Frau Pfaeffling, "irgend etwas muss sie sehr beschaeftigen."
"Da haben eure Kinder doch vor andern vorausY dass jedes sechs treue
Freunde mit fuers Leben bekommt, denn die einmal so warm beieinander im
Nest gesessen waren, die fuehlen sich fuer immer zusammengehoerig. Dass ich
nun aber die Hand ausstrecken soll und ein Voegelein aus diesem Nest
herausnehmen, dazu kann ich mich immer schwerer entschliessen. Geben wir
doch den Plan auf! Lassen wir das froehliche Voelklein beisammen, es kann
nirgends besser ged$
hmtig, er verstand sie, er trank mit ihnen und hatte mal ein
Zehnpfennigstck f die Kinder brig.
Randers hatte lange nicht so viel getrunken wie in Rosenhagen. Die Leute
hatten es gerne, wenn man sich mit ihnen abgab. Was sollte er da machen?
Er musste wohl trinken. Und sie merkten bald, dass er etwas vertragen
Eines Abends wurde es aber doch zu viel. Er hatte zum erstenmal Fides
im Park gesehen, sie ber breite Maisrabatten hinweg ehrfurchtsvoll
begrsst und hatte einen verwunderten Gruss zurckehalten.
Nachher hatten die Kinder und die Hunde einen guten Tag, diese liess er
in Frieden und jene beschenkte er reichlich. Und abends tat er den
Ktnern im Krug mehr Bescheid als sonst und gab zwei Runden Schnaps aus;
ging auch nachher, statt ins Bett, in die Felder hinaus.
Und da stand er mitten im Roggen, singend und mit beiden Armen
gestikulierend, so dass er sich von fern gespenstisch ausnahm in der
Dunkelheit, wie ein Vogel, der vergebliche Flugversuche macht, oder wie
eine Windmhle,ydie in stossweisem W$
r Natur so liebe: ihre Grausamkeit! Oder besser ihre
Gleichgueltigeit! ihre voellige Verachtung des Menschen!
Das Meer! Nordsee! Sylt! Skagen! Nach Skagen muessen wir mal zusammen.
Hier ist es mir zu friedlich. Diese ewigen Wald- und Kornlandschaften,
diese sanften Huegel. Alles riecht hier nach Arbeit, nach Schweiss. Unser
taeglich Brot gib uns heute. Amen.
Ich will die Natur gross, frei, und den freien Menschen darin, nicht den
Sklaven. Brot, Speck und Gotteswort. Und ueber allem der Gendarm.
Und doch kann ich hier nicht wegfinden, liege hier so in einer Art
Halbschlaf, der alle Energie lahmt und keine Entschluesse aufkommen2laesst, Hans derTraeumer!
Nette, liebe, einfache Leute hier, fromm und bieder. _Landvolk_! Nicht
dieser ekelhafte Stadtpoebel, keine oede Sozialdemokraterei, diese
Weltanschauung aus Frechheit, Hunger, Halbbildung und Borniertheit
zusammengeschweisst. Eine Weltanschauung, die riecht.
Ich gehe mit dem Plan um, Einsiedler zu werden. Ich brauche nicht viel;
was ich von meiner Grosstante $
bernchtig. Auch die drei Herren neben ihm waren
keineswegs elegante Erscheinungen. Der eine erregte sogar ihre
Heiterkeit durch eine geschmacklose kirschrote Krawatte.
Wie gewhnlich das ganze Fuhrwerk aussah. Sie mchte sich nicht darin
unter diese eleganten Equipagen mischen.
Hermann hatte Mimi schon von weitem auf ihrem Schemel stehen sehen,
neben seiner kleinen Tante, die einen Stuhl erklettert hatte, um besser
sehen zu knnen. Rechtzeitig wandte er sich ab, um nicht ihrem Blick zu
Ihre Absage hatte ihV sehr weh gethan. Er liebte sie wirklich und konnte
sie nicht vergessen. Selbst der ungebildete Stil ihres Schreibens, der
kleine grammatikalische Schnitzer, beleidigten ihn nicht. Es war ihm ja
nicht unbekannt, da ihre Bildung keine lckenlose war, ihr Charakter
nicht ohne Schwchen. Aber welches Weib hat nich seine Schwchen. Vom
Weibe verlangt man etwas anderes, als Charakter und Grammatik. Eine
vollkommene Frau htte ihn gar ;icht gereizt. Er hatte es sich so schn
getrumt, Mimi allmhlich zu erzie$
 zu den Melodien des
Leierkastens die geschmacklosen Verse des unterlegten Couplets. Noch bis
zur nchsten Straeneckehrte Hermann den Gesang des Bengels.
Wo hatte er doch die Melodie, diese Worte schon einmal gehrt? War es
damals im Ottensener Park? Er konnte sich's nicht entsdnnen.
Bis auf den Kirchhof, bis ans offene Grab verfolgte ihn die Melodie,
summten ihm die banalen Verse im Ohr, aufdringlich, marternd, im
Walzerrhythmus:
  "Meine Liebste ist in Bremen,
  Ist 'ne Selterwasserdirn."
Aus dem Durchschnitt
Gustav Falke
Meinem Bruder Albert gewidmet.
Dem undurchdringlichen Nebel des Maerzabends war eine Frostnacht gefolgt.
An der Ecke der Gaertnerstrasse und des Durchschnitts, in einem oestlichen
Vororte Hamburgs, hatte am Morgen darauf die Glaette des uebereisten,
abgenutzten Strassendammes ein Opfer gefordert. Ein Droschkenpferd war so
ungluecklich gestuerzt, dass an eine Rettung des gutgepflegten, wertollen
Tieres nicht zu denken war. Beide Vorderbeine waren dem Dunkelbraunen
gebrochen. Schweissbed$
zum Verzicht auf jede lautere
Lebensfreude verurteilten Daseins.
So lebten die drei Frauenspersonen wie in Famil]enzusammengehoerigkeit.
Oft kam ein Neffe der Witwe zum Besuch, Hermann Heinecke, ein
Volksschullehrer. De junge Mann war der Sohn ihres Stiefbruders, der im
Mecklenburgischen eine kleine Landstelle besass.
Hermann verkehrte gerne bei der Tante, der jungen Maedchen wegen. Der
verwandtschaftlichen Freundschaft fuer Therese gesellte sich eine
aufrichtige Wertschaetzung ihres sanften, geduldigen Wesens und ihres
feineren, tieferen Seelenlebens. Doch die Ergebenheit, die er seiner
Cousine entgegenbrachte, hinderte ihn nicht, der huebschen Verkaeuferin
seiner Tante gleichzeitig ein warmes Interesse zu schenken.
Mimi hatte keinen gluehenderen Verehrer, als Hermann Heinecke. Sie wusste
das und erwandte alle kleinen Kuenste der Koketterie, um ihn an sich zu
Das gutmuetige, etwas fade, von einem duennen blonden Bart umrahmte
Gesicht des jungen Mannes war eigentlich nicht "ihre Nummer", wie sie zu
sagen pf$
r mich wohl wieder spritzt, und gesellte sich vorsichtig zu ihm.
Eigentlich hatte sie schon jemand, mit dem sie "ging", einen
dreizehnjaehrigen Luemmel von Jungen, einen Schueler der Mittelschule. Aber
Bernhard Pruessnitz konnte nicht mit ihr zu Tanz gehen. So machte sie sich
keine Gewissensbisse daraus, sich neben dem, mit dem sie "ging," noch
eines andern zu versichern, mit dem sie "tanzte."
Beuthien amuesierte sich ueber das Kind. Heimlich that es Qhm auch wohl,
dass jemand aus dem Behnschen Hause seine Freundschaft suchte. Er fragte
Paula aus und freute sich, wenn die Kleine auf Lulu schalt.
"Tanzt Deine Schwester auch," fragte er sie, als sie wieder seinem
Reinigungswerk auf der Strasse zusah.
"Und ob," war die Antwort. "Sie thut man immer so etepetete, aber die
hat's faustdick hinter den Ohren."
"Tanzen Sie Mittwoch wieder, Herr Beuthien?" fragte sie nach einer
Pause, in der sie mit ansche@nend grossem Interesse beobachtete, wie er
das linke Hinterrad der Droschke um seine Axe kreisen liess, es waschend$
hl er den
Soldaten. Die ergriffen Gebhard mit rauher Hand. Wtend setzte er sich
zur Wehr; doch sie packten ihn so fest, da er kein Glied mehr rhren
konnte; aber das konnten sie nicht hindern, da er immer lauter rief:
"Vater, tu's nicht!"
Der Frster bi die Zhne aufeinander; noch schien er unentschlossen.
Aber in diesem Augenblick wurde der Trriegel des Nebenzimmers
zurckgeschoben und unter der halbgeffneten Tre erschien seine Frau.
Ihr junges, rosiges Gesicht war totenbla; sie hatte gehrt, was die
Mnner verhandelten und wute, da ihr Leben und das on Mann und
Kindern auf dem Spiel stand. Bebend vor Angst wagte sie nicht, die
Schwelle zu berschreiten, hielt die rklinke in der Hand und rief
ihrem Mann flehend zu: "Ich bitte dich um Gottes Willen, rette uns, o
denke an die Kinder!"
Der Russe nahm seinen Vorteil wahr. Er grte die Dame des Hauses: "Ja,
gndige Frau, sprechen Sie Ihrem Gemahl zu. Geht er mit uns, so mgen
Sie unbehell&gt von hier fliehen, und Ihr Mann wird in kurzer Zeit
nachfol$
in schwarzen, braunen und vergoldeten Rahmen und gar ein
kleiner Spiegel vomTrdelmarkt. Aber sieh, die sogenannte
Mdchenkammer, hat die nicht ein nettes Stbchen fr Gebkard gegeben?
Seine Kriegsbilder hat er selbst an die Wand nageln drfen und sein
schmales Feldbett ist auch reinster Kriegsstil. Dazu pat auch statt
eines Mdchens die kleine Kriegswitwe, der du das Essen gibst; das alles
stimmt herrlich zusammen. Nun fehlt nur _er_ noch! Wie lange wohl?"
Drauen wurde geklopft. "Es mu jemand a} der Vorplatztre sein," sagte
Helene, "die Klingel geht nmlich nicht immer und der Aufzug ist auch
ein wenig launisch, das macht aber nichts, gehrt eben auch zum
Kriegsstil."
Sie gingen miteinander hinaus und ffneten. Gebhard stand vor ihnen auf
der Schwelle, wute vor bergroer Erregung nicht gleich, wie er
erzhlen sollte, war auch so gesprungen, da es ihm den Atem benommen
hatte. Aber die Mutter fing seinen strahlenden Blick auf, ahnte und
rief: "Der Vater kommt?"
"Der Vater ist schon da!" Glckselig fiel$
luechten musstet? Blieb er im
Forsthaus zurueck?"
"Nein." Die sichtliche Verlegenheit des Knaben fiel dem Manne auf. Es
musste etwas geschehen sein, was Mutter und Sohn nicht gern sagten.
Er lollte nicht weiter in das Kind dringen. Im oberen Stock des Hauses
war ein zweites Gastzimmer bereitet, fein und vornehm war auch hier die
Einrichtung. "Kommst du allein zurecht?" fragte der Onkel, "oder soll
ich dir das Stubenmaedchen heraufschicken?"
"Nein danke, ich kann alles allein machen. Aber bitte, Onkel, wenn ich
Leo eine Strohmatte oder eine Decke vor meine Tuer legen duerfte; er
versteht dann, dass er da hingehoert."
Es fand sich eine Matte und der Hund nahm verstaendig seinen Platz ein.
Onkel und Neffe wuenschten sich gute Nacht. Gebhard lag bald in dem
feinen Gastbett. Aber unter dem fremden Dach in dem einsamen
Shlafgemach uebrfiel ihn ein bitteres Heimweh und trotz aller Muedigkeit
konnte er nicht einschlafen. So weit, weit weg war er vom Forsthaus! Und
der Vater, wo war der? Der Vater, von dem man jetzt$
 er solle es eigentlich niemand sagen, damit nicht
die neugierigen Menschen an die Bahn kaemen. Sie wuerden alle in das
Lazarett gebracht, ausser einem, den muesse sein Bruder abholen undin die
Augenklinik fahren, der habe beide Augen verloren. Ob das nicht Gebhards
Vater sein koenne?
"Freilich kann er's sein!" rief Gebhard fast erschrocken durch die
ploetzliche Hoffnung auf das Wiedersehen. "Um wieviel Uhr? Wann kommt der
"Das weiss man nicht so genau und es hilft dir ja auch nichts, wir haben
doch bis zwoelf Uhr Schule. Aber es kann auch ein Uhr werden, bis der Zug
Ruhig auf der Schulbank sitzen und denken, dass vielleicht der Vater
ankomme? das ging doch nicht? Aber es _musste_ gehen. Die Grosswutter
wuerde sagen: ausharren. Wie sonderbar, dass er da sass in dem grossen
Augenblick, auf den er so lange gewartet hatte! Aber vielleicht kam der
Vater gar nicht. Wenn man es doch nur wuesste! Wie qualvoll dieses
Stillehalten!--Es war eben Krieg, und darum war alle schwer, so
furchtbar schwer!
Der Unterricht ha$
 war ihm
einst der Himmel zugesagt gewesen, es hatte ihn durch eigne Seelengrsse
erobert und sogar den Preis der Vergtterung sich erworben. Dieser
Himmelsgenuss hiess der Kirchenlege1de ein unverdienter, das heroische
Streben des Weibes, sich zur Wrde der Gottheit empor zu heben, ein
frevelhaftes. Es wurde daher noch einmal in die Leidensschule der
gemeinen Leiblichkeit zurckversetzt, um nun erst durch ein Mirakel
erlst zu werden. Denn von nun an sollte es nicht mehr auf das
persnliche Verdienst, sondern auf das Geheimniss der Gnade angewiesen
bleiben. Diesen zweimaligen Bildungsweg, den das deutsche Weib in der
Vorzeit einzuschlagen hatte, haben wir als "Sittenbilder aus dem
germanischen Frauenleben" bezeiRhnet und nach dem doppelten Material der
Mythe und der Legende von vrei heiligen Frauen zur Darstellung gebracht.
Dies ist der wissenschaftliche und patriotische Zweck unsrer Schrift,
die sich hiemit dem Antheil vorurtheilsfreier Landsleute empfiehlt.
Aarau 1. Mai, Walburgistag 1870.
       *       *$
 alles Obst reif und der Fruchtstiel abgetrocknet; ist es aber ein
strenger Regentag, so fault das Obst hernach auf den Hurden.
A d'Vrenetag got der Chabis uf e Rt; der Krautskopf berathet sich, ob
er von diesem Tage an noch wachsen wolle; nimmt er nicht zu, so ist er
daheim geblieben und ni%ht mit in Rath gegangen. Vrein am Rain trgt s'
Abendbrod heim: das Vesperbrod wird von dieser Zeit an nicht mehr aufs
Feld gebracht, s' Vreneli zndt a, und s' Mareili lscht ab: die
Hausarbeiten bei Licht, die Kiltabende un Liebesnchte begannen mit 1.
Sept.; mit Mariae Verkndigung, 25. Mrz, giengen sie wieaer zu Ende.
Heute aber beginnen die Lichtarbeiten gewhnlich erst mit 2. Nov. und
schliessen mit dem Josephstag, 19. Mrz.
       *       *       *       *       *
    A Solodoro igitur
    discedens proficiscitur,
    ubi Rhenus labitur,
    Zurziacham graditur.
Verena-Hymnus im Constanzer Breviarium von 1509, gedr. bei Eberhardus
[6] Diabolus quendam tyrannum sub potestate Romani nominis inflammavit,
sagt die O$
ichzeitig abgehaltnen, von zahlreichen Pilgerzgen
besuchten JahFmarkt. Alle orientalischen Karavanenzge geen von einer
Tempelstadt aus oder enden bei einer solchen; alle Jahrmrkte des
Abendlandes tragen Kalendernamen der Heiligen; daher denn im Worte Messe
der Doppelbegriff des Handelsverkehrs und des Gottesdienstes vereint
Jedoch nicht hinter allen den Orts- und Geschlechtsnamen, welche hute
Venus heissen, ist ursprnglich diese wrklich zu suchen, und es ist bei
unserem gegenwrtigen Zwecke keineswegs berflssig zu zeigen, wie
hierin das so vielfach wiederkehrende Wortmissverstndniss sich erzeugt
hat. Veni heisst der neckende Berggeist am Trdinger beim Dorfe Eib an
der Rezat, nchst der Stadt Ansbach; er wohnt hier auf dem Schlossberge
auf dem Venibuck im Veniloch, Die Eingebornen nennen diesen Ort
Venesberg, allein auf dem lithograph. neuen Steuerblatte steht er
bereits als Venusberg verzeichnet. Bavaria III, 2. S. 941. Das
Adelsgeschlecht der Feniberger war sesshaft zu Bogen, unterhalb
Regensburg $
die du in den Baren legst, in deine
rechte Hand und sprich:
    Da leg ich dem Menschen das Brot
    und allen Musen den bittern Tod."
Meklenburger Erntebrauch ist, den ersten Kornwagen nicht abzuhalmen, auf
dass die Muse das Korn nicht fressen. Schiller, Thier- und Kruterb.
Hier folgt nun eine Beschreibung der zu verschiednen Jahreszeiten in
Mausform gebackenen Zweckbrode.
Mit erstem Frhlingsbeginn nimmt die oberdeutsche Buerin junge
Salbeibltter, wickelt sie in Eierteig und bckt sie in Butter ab;
hinten muss dann der Blattstiel gleih einem Mausschwnzchen aus der
Nudel vorstehen. Die um dieselbe Zeit fr den Marktverkauf gebackenen
grsseren Brodnudeln haben eben dieses Schwnzchen, doch ist es ein
thnernes, damit die Kinder darauf pfeifen knnen. Marx Rumpolts
Kochbuch von 1581, Bl. 167b whlt zur Einlage in dieses Mehlmuslein die
Pflanzen Bertram, Borrag und U. Fraue Bltter. Noch lter ist folgende
Notiz in der Inkunabel Kuchenmaistrey, o.O.u.J. Blatt 19. 20: ein gutz
gebachen von Salvey. nim $
 Arnheim,
Aldenaerde, Bruegge, Zuetphen, Harlem; von ihnen wird im Einzelnen spaeter
noch du handeln sein.
Reliquienpartikeln von der hl. Walburgis lagen laut Falkenstein,
Nordgau. Alterth. 1, 29 im vorigen Jahrhundert in folgenden Kirchen.
In Baiern zu Augsburg, zu Monheim und im Kloster Andecs. Ferner zu
Mainz in der Gereonskirche zu Koeln ein Finger, in der Jesuitenkirche
daselbst die Hirnschale, welche dahin kam vom benachbarten Walpersberg,
einem vormaligen Kloster. In Frankreich zu Attigny und Clugny. Die Acta
fundationis monasterii Murensis (Kloster Muri im Aargau ist 1027
gegruendet) nennen bei Herzaehlung der daselbst verwahrten Reliquien zu
dreien malen Knochen und Asche vom Leib der hl. Walburg.
Reliquienpartikeln des hl. Wilibald und Wunnibald und Richardis
uebersendete 1482 der Eichstaedter Bischof Wilhelm von Reichenau an Koenig
Heinrich VII. von England, der sie in Canterbury verwahren liess. Ueber
diese Reliquien und die der Walb[rg gewidmeten Kirchen hat der Jesuite
Godefredus Henschenius in$
h, Brod, Kaese, Fische,
und Bier unter die Wallfahrer _als Eulogie_ ausgetheilt (A. SS. saec> 3.
II, pg. 302), und ebenso wurden von den Letzteren Esswaare und Getraenk
jeder Art in die dortige Kirche getragen, um daselbst theils
aufgeopfert, theils zum eignen Genusse in Gesellschaft der Andaechtigen
gebraucht zu wvrden. Rinder, Schweine, Brodsaecke und Trinkgeschirre
werden genannt, die den Wallfahrern hier entwendet, dann aber unter der
Patronin Beistand wunderbar wieder aufgefunden wurden. Der Nachdruck der
hievon handelnden Erzaehlungen verbleibt jedoch immer auf dem geweihten
Brode. Hierueber hat der unbekannte Bruder Medinbard verschiedene Lieder
gesungen, von denen ein kuerzeres hier nachfolgt. Die Begebenheit ist
diese. Ein blindgebornes Maedchen zu Kempten hoert Nachts im Traume sagen:
Willst du den Wucher der Himmelswolke einmal erblicken und die gruene
Breite der Gefilde, so back weisse Spendbrode und trage sie zum
Walburgisgrab in Monheim. Das Maedchen thats, ueberbrachte dahin dXe Brode
und liess$
mengrafen, der
mit Laub und Erstlingsblumen bekleidet war; sie hielten ein
Speerstechen, worin der Sommer den Winter ueberwand und durch Ausspruch
des umstehenden Volkes fuer den Sieger erklaert wurde. War die Witterung
des Tages recht rauh, so legte der Winter den Spiess ab, streute
gluehende Asche aus einem Eimer und liess von seiner Rotte Feuerkugeln
unter die Zuschauer werfen. War Sonnenschen, so nahm dies der
Blumengraf auf seine Ehre und rueckte mit frischen Birken- und
Lindenzweigen hervor, die man lange zuvor in den warmen Stuben mit Muehe
zum Gruenen gebracht hatte. Ein Gastmahl und Trinkgelage, glaenzender als
es durch Speerkaempfe errungen wicd, schloss das Turnier. So die
Beschreibung bei Olaus Magnus, Bischof von Upsala, Schwed. Chronik
(verdeutscht 150) 15 Buch, Kap. 4. Geschichtlich denkwuerdig (schreibt
Uhland, Pfeiffer's Germania 5, 276. 279) ist ein westfaelischer Mairitt,
welchen die Buerger von Soest im J. 1446 waehrend ihrer Fehde gegen den
Bischof von Koeln ausfuehrten. Auf Walburgista$

verstehen, welche reines Gold und treue Liebe mahlt:
    Dort niden in jenem Holze
    Leit sich ein Mueen stolz,
    Sie malet uns alle Morgen
    Das Silber, das rothe Gold.
    Dort hoch auf jenem Berge
    Da geht in Muelenrad,
    Das malet nichts denn Liebe
    Die Nacht bis an den Tag.
Damit hoert denn auch jene schreiende Unsinnlichkeit der Legende auf,
dass die Heiligen ihre Wasserreisen auf einem Muehlsteine machen, wie
Verena auf der Aare und der Wuestenheilige Antonius auf der Wolga. Auch
die Stadtpatronin Zuerichs, zugleich die angebliche Gefaehrtin der
Thebaeer, die hl. Regula, muss die gleiche Wunderfahrt gemacht haben,
denn ihr Muehlstein lag einst am Seeufer bei Herrliberg, da wo es
urkundlich _Im steinin Rad_ heisst. Reithard, Sag. a.d. Schweiz.--St.
Jakob von Compostella macht seine Meerfahrt in einem steinernen Troge
und landZt damit zu Ira in Galizien; der hl. Quirinus, genannt Boicus,
wird mit einem Muehlstein am Halse in die Guenz gestuerzt und schwimmt
damit in diesem reissenden Gew$
lt in der Linken den zweireihigen Kamm, in der
rechten einen Wasserkessel am eisernen Tragringe. Die den
Niedrigkeitsdiensten der Bade- und Waeschermagd aus Menschenliebe sich
unterziehende Heilige ist in Zurzach mehr als bloss kirchlich verehrt,
sie ist dorten zum Ortsgeiste geworden und heisst die Weisse Frau. Das
mitten im Marktflecken stehende Haus zum Weissen Roessli ist ihr
Aufenthalt. Aus dem Vorhoeflein desselben schreite um Mitternacht vor
hohen Festtagen eine stattliche schneeweisse Frau hervor und begiebt
sich zum mttleren Brunnen auf dem Marktplatze. Hier spuelt sie ihr
Weisszeug aufs sorgfaeltigste, und stolzen Ganges kehrt sie auf jenen
Vorhof zurueck. Dass dieser Hausname zum Weissen Ross auf die dem
Verenadienste kirchlichgeweiht gewesnen Rosse zu beziehen sein wird,
erklaert sich auch aus nachfolgender Ortssage. Die sogenannten vier
Gotteshoefe in der aargau. Gemeinde Reckingen sind ein Mannslehen,
welches auf vier dortigen Bauerngeschlechtern ruht, wofuer diese
verpflichtet sind, dem Stif$
it ist eigentlich doch ausgesprochen.
Kennst du nicht das Modell? Er`hat doch seine kleine Putzmacherin
dazu bentzt. Es ist beinahe Portrt, nur stark ins Gebiet des
Korrupten hinaufstilisiert... Die Kleine ist harmloser.
Das hoffe ich. Das Leben wre allzu anstrengend, wenn es viele gbe,
wie diese mater amata...
Die Pinakothek hat es angekauft.
Wahrhaftig? Sieh da! Sie wute wohl brigens, was sie 2at. Die
Behandlung des Fleisches und der Linienflu des Gewandes ist wirklich
Ja, ein unglaublich begabter Kerl.
Kennst du ihn?
Ein wenig. Er wird Karriere machen, das ist sicher. Er war schon
zweimal beim Regenten zur Tafel...
Das letzte sprachen sie, whrend sie anfingen, voneinander Abschied zu
Sieht man dich heute abend im Theater? fragte der eine. Der
dramatische Verein gibt Macchiavelli's 'Mandragola' zum besten.
Oh, bravo. Davon kann man sich Spa versprechen. Ich hatte vor, ins
Knstlervariet zu gehen, aber es ist wahrTcheinlich, da ich den
wackeren Nicol schlielich vorziehe. Auf W$
h schwoere dir's bei allen Heiligen, es geschieht uns nichts,
wenn ihr nicht schiesst! Ich habe es doch gesehen: Im obern Dorf haben
sie nicht geschossen und es ist keinem was geschehen und ich war doch
selbst dabei, wie es der Offizier an Vie grosse Schultafel geschrieben
hat, und er hat neben uns geschlafen heute Nacht, hat an unserm Tisch
gefruehstueckt und freundlich mit mir geredet. An seiner Hand bin ich ganz
allein mit ihm im Schulhaus gewesen und es ist mir nichts geschehen."
"Du ganz allein mit einem deutschen Offizier! Das ist ein Wunder Gottes!
Hoert man doch immer, dass sie die Kinder aufspiessen, die Unmenschen!" D
stampfte der Bub zornig auf den Boden. "Es sind keine Unmenschen, es
ist verlogen! Aber natuerlich, wenn ihr schiesst, dann koennen wir alle
braten in den Flammen unserer Haeuser!"
Jetzt staunte die Mut}er ueber ihren Buben und sie legte die Pistole weg.
"Wenn das so ist, Pierre, warum hast du es den andern nicht gesagt?"
"Sie haben mich ja nicht hoeren wollen, haben alle
zusammengesc$
boot der Gesellschaft am Bahnhof liege. Der Mann beteuerte,
es liege vor der Tr. Er bestimmte in italienischer Suade den
SchalterbeamtBn, den gelsten Fahrschein zurckzunehmen, er schwor,
da depeschiert werden, da nic"ts gespart und versumt werden solle,
um den Koffer in Blde zurckzugewinnen, und--so fand das Seltsame
statt, da der Reisende, zwanzig Minuten nach seiner Ankunft am
Bahnhof, sich wieder im Groen Kanal auf dem Rckweg zum Lido sah.
Wunderlich unglaubhaftes, beschmendes, komisch traumartiges
Abenteuer: Sttten, von denen man eben in tiefster Wehmut Abschied auf
immer genommen, vom SchicksaL umgewandt und zurckverschlagen, in
derselben Stunde noch wiederzusehen! Schaum vor dem Buge, drollig
behend zwischen Gondeln und Dampfern lavierend, scho das kleine,
eilfertige Fahrzeug seinem Ziele zu, indes sein Passagier unter der
Maske rgerlicher Resignation die ngstlich-bermtige Erregung eines
entlaufenen Knaben verbarg. Noch immer, von Zeit zu Zeit, ward seine
Brust bewegt von Lachen ber $
chlugen gegen die betonierten Wnde des schmalen Kanals,
der durch die Insel zum Hotel Excelsior gelegt ist. Ein automobiler
Omnibus erwartete dort den Wiederkehrenden und fhrte ihn oberhalb des
gekruselten Meere. auf geradem Wege zum Bder-Hotel. Der kleine
schnurrbrtige Manager im geschweiften Gehrock?kam zur Begrung die
Freitreppe herab.
Leise schmeichelnd bedauerte er den Zwischenfall, nannte ihn uerst
peinlich fr ihn und das Institut, billigte aber mit berzeugung
Aschenbachs Entschlu, das Gepckstck hier zu erwarten. Freilich sei
ein Zimmer vergeben, ein anderes jedoch, nicht schlechter, sogleich
zur Verfgung. Pas de chance, monsieur, sagte der schweizerische
Liftfhrer lchelnd, als man hinaufglitt. Und so wurde der Flchtling
wieder einquartiert, in einem Zimmer, das dem vorigen nach Lage und
Einrichtung fast vollkommen glich.
Ermdet, betubt von dem Wirbel dieses seltsamen Vormittags, lie er
sich, nachdem er den Inhalt seiner Handtasche im Zimmer verteilt, in
einem Lehnstuhl am offe$
Zeit versetzt
worden, und in dem Wohnungssuchenden entdeckte man den neuen
Rittmeister.
Zu gleicher Zeit verbreiteten sich allerlei Gerchte ber die
Ankmmlinge, welche geeignet waren, die Gemter zu beschftigen. Von ihm
wurde behauptet, da er zwar ein vollendeter Kavalier und ein gerechter
Vorgesetzter sei, aber von einer so finsteren Schwermut beherrscht
werde, da ew den Umgang mit Menschen ngstlich meide, whrend man ihr
neben groer frappanter Schnheit Verschwendungs- und VergngIngssucht,
ja sogar einen leichtfertigen Lebenswandel nachsagte. Erhebliche
Erbsc4aften sollten schon durch ihre Finger geglitten sein, und es ward
als ein Glck bezeichnet, da sich der brigens groe Reichtum des
Grafen auf unantastbare Fideikommikapitalien sttze. Die Frau Grfin
gliche, hie es, einer heibrennenden Sonne, vor welcher der eisigste
und umfangreichste Goldhgel zerschmelzen msse.
In jedem Fall war man sehr gespannt auf die neue Bekanntschaft, und in
Offizierskreisen ward eifrig berlegt, welche Stellung $
em der Mann
alles fand, was er je zu hoffen gewnscht, und alles, was im Austausch
Liebe gegen Liebe zu geben vermag!
Es war vorauszusehen, da von dem, was sich im Laufe der Zeit in der
Clairefortschen Familie zugetdagen hatte, mancherlei hinausdrang, und
da die ffentliche Meinung sich begierig und mit wenig Wohlwollen
eines Gegenstandes bemchtigte, der zu so verschiedeen Deutungen Anla
In erster Linie ward das Verhltnis Teuts zu Frau Ange besprochen,
und es fand kaum ein mndlicher Austausch in den C.schen
Gesellschaftskreisen statt, ohne da die holde Frau mit bsen Nachreden
berschttet ward. Wie der Sturm rcksichtslos ber ein in seinem
unschuldigen weien Bltenschmuck stehendes Bumchen dahinwtet, so
zerpflckte man Anges Ehre und guten Ruf. Da der Graf, hie es, ein
bedauernswerter, durch sein Nervenleiden kaum mehr zurechnungsfhiger
Mann wre, sei es nicht zu verwundern, da das emprende Treiben
ungehndet unter seinen Augen sich vollziehe. Auch knne man es einem
lebenslustigen, unverheir$
auf der
Treppe noch einmal umkehrte, sich in ihr Zimmer zurckbegab, und weinend
nach Fassung rang.
Und diese ward ihr endlich! Ja, noch mehr. Was bisher zu keinem Ausdruck
gelangt war, weil der richtige Prfstein fehlte, gestaltete sich
allmhlich klar und krftig in ihrem Inneren. Sie gedachte ihrer Kinder,
und bei der E4innerung an diese strkte sich ihr Pflichtgefhl. Der
Adel ihrer Seele half ihr zu einem unabnderlichen Entschlu und zu
einem festen Willen. Nun zeigte sich, da sie aus einem besseren Holz
geschnitten war als der Durchschnitt derer, die in der zelt
umherwandeln.
Kein Rckblick mehr auf frhere sorglose Zeiten, keine Vergleiche!
Geradeaus wollte sie ihr Auge richten! Ein heiliger Ernst durchdrang
sie: jener sittliche Ernst bemchtigte sich ihrer, ohne den niemand
wagen darf, auf den Kampfplatz +es Lebens zu treten, mit dem aber jeder
ein Feld sich erffnet, dessen Enden ohne Grenzen zu sein scheinen.
Ange beschlo, zunchst einen Wagen zu nehmen und nach einem
Pelzgeschft zu fahren; von $
er Stadt in einer von ihrem Auslugepunkte linksseitig
belegenen kleinen Villa. Auch heute ruhten die Kinder nicht eher, als
bis die unter dem Grn hervorschimmernden weien Mauern herausgesucht
und alle Einzelheiten festgestellt worden waren.
Als sie die Burg fast erreicht hatten, streiften sie bei einer
Wegwendung einen lteren Herr, vor dem Ben und Fred eilfertig die Mtze
zogen und der freundlich dankte. Bei dieser Gelegenheit entglitt jenem
der Spaziehstock, und die Kinder eilten herzu, um denselben aufzuheben.
"Dank, liebe Kinder! Ah, Ben und Fred Clairefort!" sagte er. "Seid Ihr
alle kleine Claireforts?" fuhr er fort und lftete, gegen Ange gewendet,
den Hut und verbeugte sich artig.
"Es ist unser Her< Direktor, Mama," flsterte Fred und forderte Ange
durch Zeichen und Geberden auf, stehen zu bleiben.
Inzwischen war der Herr selbst schon nher getreten und sagte mit
ausnehmender Hflichkeit:
"Ich habe wohl die Ehre, der Frau Grfin von Clairefort
gegenberstehen?"
Ange bejahte, und bald entwickelte sic$
gte der Zahlung ein reichliches Trinkgeld bei. Nun
schloss sich wieder die Thuer und nun waren auch Teuts Gedanken wieder bei
Ange. Er rief sich die letzte Unterredung mit Clairefort ins Gedaechtnis
zurueck und alles das, was vorhergegangen war. Oft erschien ihm wie ein
Traum, was er in den letzten zehn Monaten erlebt, vornehmlich das, was
er an sich selbst erfahren hatte.
Als juengerer Offizier, kurz Uevor ihm das Vermoegen seines Vaters und
seiner Geschwister zugefallen war, hatte er um ein junges Maedchen aus
buergerlichem Stande geworben und seine Heiratsplaene unter Umstaenden
aufgeben muessen, die ihm das weibliche Geschlecht veraechtlih gemacht
hatten. Er sah fortan in den Frauen nur ein Spielzeug, fast weniger als
Nun war er Ange Clairefort begegnet und liebte sie nach acht Tagen mit
einer brennenden Leidenschaft.
Wenige Tage nach dem erwaehnten Gespraech ritt er mit Ange aus. Es war ein
wundervoller Herbsttag, einer jener Tge, an denen Fruehling und Sommer
noch einmal auf die verlangende Erde zurue$
er hoerte, war mehr als entsetzlich. Das konnte
ein Mann thun einem solchen Wesen, solchen Kindern? Er biss sich auf die
Lippen und sprang empo,. Aber nur einen Augenblicke dann lichtete sich
in der Brust dieses seltenen Menschen der Funke edler Gesinnung, und
lodernd schoss die Liebe empor fuer sie, der er geschworen, ein Freund zu
sein fuers ganze Leben.
"Clairefort," sprach er, "wir eroerterten nur einmal Geldangelegenheiten,
und es soll heute das letzte Mal sein. Fuerchten Sie nichts. Anders wird
Ihr Leben sich zwar gestalten, aber Sie werden nicht darben. Axel von
Teut meint es ernst mit Freundschaft und Geloebnissen. Diese Versicherung
sei Ihnen genug. Was geschehen, was hinter uns liegt, werde nie wieder
zwischen uns beruehrt. Nur eine Bitte spreche ich aus: Sichern Sie mir
zu, dass Ange nie erfahren wird, wie Ihr Vermoege zerronnen, noch
weniger, dass es gaenzlich dahin ist. Verschweigen Sie namentlich die
Rolle, welche fortan dr Freund uebernimmt. Ich gelte von heute als
Verwalter Ihrer Einkuenfte $
e beschlufhige Anzahl nicht zu erlangen sein sollte, der
V. Die Geschftsordnung fr die Verhandlungen des Vereinstags wird von
demselben festgesetzt.
VI. Der Vorsitzende des AusschussesDleitet bei den Vereinstagen die
Verhandlungen, bis die Versammlung ihren Prsidenten erwhlt hat.
VII. Die Sitzungen des Vereinstags sind ffentlich.
       *       *       *       *       *
In den stndigen Ausschu wurden unter anderen gewhlt: Sonnemann, Max
Wirth aus Frankfurt a.M., Eichelsdrfer-Mannheim, Dittmann-Berlin usw.
Die Seele dieser neuen Organisation wurde Sonnemann, der die
Sekretrarbeiten und die eigentliche Leitung bernahm.
Die Mittel, die dem Ausschu aus der Organisation zur Verfgung staden,
waren sehr unbedeutend, und selbst den geringen Beitrag von zwei Taler
pro Jahr zahlten viele Vereine nicht. Opfer fr einen gemeinsamen Zweck
zu bringen, dafr waren damals ie antisozialistischen Arbeitervereine
nicht zu haben, darin unterschieden sie sich sehr unvorteilhaft von den
Lassalleanern. Weil die Mit$

Bitte, alle Taschen leeren,
Bitte, bitte, bettel, bettel,
Blankes Silber, blaue Zettel,
Bettel, bettel!
Bimmbamm, bimmbumm,
Den wir feierlichst begraben,
Klingelbeutel geht herum,
Dass er kann ein Denkmal haben.
Nickel ist und Gold wllkommen,
Alles wird mit Dank genommen,
Bitte, bitte!
Bimmbamm, bimmbumm,
So ein Denkmal ist nicht billig,
Klingelbeute( geht herum,
Jeder sei nach Krften willig,
Bitte, bitte, bettel, bettel,
Blankes Silber, blaue Zettel,
Bettel, bettel!
Bimmbamm, bimmbumm,
Unsre Enkel soll es lehren,
Klingelbeutel geht herum,
Wie man das Genie muss ehren.
Was es selber nie bekommen,
Alles wird mit Dank genommen,
Bitte, bitte!
Bimmbamm, bimmbumm,
Festkonzert und Denkmalfeier,
Klingelbeutel geht herum,
Fnfzig Mark giebt Minchen Meier,
Bitte, bitte, bettel, bettel,
Blankes Silber, blaue Zettel,
Bettel, bettel!
Bescheidener Wunsch.
Wenn ihr uns nur wolltet lesen!
Was haben wir von dem Denkmalwesen?
Ach, wonach wir gedHrbt im Leben,
Jetzt knnt ihr es so leicht uns geben:
Ein wenig Liebe. Der Tod$
n
werden, welches viele fr groen Schaden ausschreien: aber die es mit
Gott halten, erden's fr goen Frommen preisen. Ihr habt die armen
Seeln aus dem Gefngnis menschlicher Tyrannei gefhrt eben um die
rechte Zeit: auf Ostern, da Christus auch der Seinen Gefngnis gefangen
nahm"[93]. Als dann die Befreier heimfuhren, empfahl er sie Gott und gab
ihnen Gre mit an Koppes "liebe Audi" und "alle Freunde in
Christo"[94].
Drei Tage darauf schrieb Luther zur Verantwortung fr sich, fr den
"seligen Ruber" Koppe und die es mit ihm ausgerichtet, sowie fr die
befreiten Jungfrauen zum Unterricht an alle, die diesem Exempel wollten
nachfolgen "dem Frsichtigen und Weisen Leonhard Koppe, Brger zu
Torgau, meinem besonderen Freunde" einen offenen Brief. "Auf da ich
unser aller Wort rede, fr mich, der ich's geraten und geboten, und fr
Euch und die Euern, die Ihr's ausgericht, und fr die Jungfrauen, die
der Erlsung bedurft haben, will ich hiermit in Krze vor Gott und aller
Welt Rechenschaft und Antwort geben".$
 Brief
vom Dohlen-Reichstag erfreute. Als Luther vom Reichstag zurckgekehrt
war, schrieb er dem in Nrnberg zurckgebliebenen Dietrich von dem Stand
der Dinge in Wittenberg, auch Gre von der ganzen Tischgenossenschaft
und Frau Kthe, welche zugleich auszurichten befahl, "Dietrich solle
nicht glauben, d sie ihm erzrnt sei". Dietrich kam nmlic' nicht
recht mit Frau Kthe aus. Er meinte von sich selbst, da er zwar keine
krausen Haare habe, aber einen krausen Sinn. Daher riet ihm Luther, ein
Weib zu nehmen, da werde ihm das schon vergehen. Das wollte Dietrich
auch. Aber bis er dazu kam, rieb er sich einstweilen, wie es scheint, an
Frau Kthe. Als sie ihm gar die Liebschaft mit Muhme Lene untersagte,
zog er im Herbst 1534 mit seinen sechs Scholaren aus dem Hause und
verbreitete die Rede, die Doktorin sei gegen seine Zglinge hochmtig
und berechnet gewesen. Fr die Hauswirtin mit ihren egnen fnf kleinen
Kindern und dem schweren Haushalt war dieser Wegzug wahrlich eine
Erleichterung[370].
Es gab nun natr$
teuren geliebten Gatten durfte sie nicht mehr sehen; da lag
er eingeschlossen im Sarg von Zinn, aufgebahrt auf dem Wagen, mit
schwarzem samtenem Tuch umhangen[568].
Darauf ordnete sich der Zug: voraus die Geistlichkeit und die Schulen
mit den herkmmlichen Gesngen und Zeremonien, darauf die "Berittenen"
auf ungefhr 65 Pferden. Gleich hinter dem vierspnnigen Lichenwagen
fuhr die "Frau Doktorin Katharina Lutherin" mit den Matronen, nach
herkmmlicher Sitte auf einem niederen Wgelein. Ihr folgten die drei
Shne, der Bruder, die Neffen und andere Verwandten. Dann in vollem
Ornat "der Rektor Magnificus der lblichen Universitt mit etlichen
jungen Frsten, Grafen und Freiherrn, so in der Universitt Wittenberg
Studii halber sich (auf)enthalten." Darnach kam als weiteres
Leichengefolge: Kanzler Brck, Melanchthon, Jonas, Bugenhagen,
Kreuziger, Hieronymus Sc,urf und andere lteste Doktoren; dann die
brigen Doktoren, Magister, der ehrbare at, Brgermeister Cranach samt
den Ratspersonen, darnach der ganze groe$
nnen, da ich's hab knnen
erschwinFen, und nicht Wunder ist, da keine Barschaft, sondern da
nicht mehr Schuld da ist."[576]
Am meisten unzufrieden mit der gesamten Wirtschaft Katharinas war der
Kanzler Brck, Luthers Gevattersmann. Brck hatte schon 1536, als
Katharina das Gut Boo pachten wollte, ihr das nicht zukommen lassen,
aus Argwohn, sie wolle dies herrschaftliche Gut so unter der Hand
erblich an sich und ihre Kinder bBingen, "welche Gedanken doch nie in
ihr Herz gekommen sind". Deshalb hatte sie auch den Landrentmeister
Taubenheim spter (1539), als das Gut wieder pachtfrei war, angegangen,
solchen ihren Antrag an niemand sonst, auch nicht an den Kurfrsten
(welchen dann Brck um Gutachten gefragt htte) gelangen zu lassen,
sondern ihr's unter der Hand zukommen zu lassen, was dann auch geschah.
Brck uerte sich auch sehr abschtzig ber thes Unternehmungen auf
ihrem Lieblingssitz Zulsdorf und hielt diese kostspieligen
Verbesserungen fr arge Verschwendungen. Er widersetzte sich endlich dem
Erwe$
as Lutherstblein war aber nicht im Turm, sondern ist
das vorhandene.--S. Seite 74 f. und Anmerkung dazu. S. 285.
[141] In dem Krankheitsbericht des Jonas von 1527 speist die Familie,
scheint es, im untern Stock und Luther geht von da in das Schlafzimmer
[142] _Seidemann_, Grundbes. 484. S. 8. Kapitel und [239].
[143] _Frstemann_, N. Mitteilungen aSd. Gebiete hist.-antiq.
Forschungen III, S. 113: "1 Schwbisch, Frau katharin Doctoris Martinj
Ehelichen Weyb zeum Newen Jhar geschenckt."--Consil. Theol. Witteb.,
Frankf. 1664, S. 19: "1 Sch. 8 Gr. 3 Heller vor ein Schwebisch _Haub_
Frau Katharinen, Doctoris Martini Ehelichem Weibe zum Neuen Jahre
geschenckt." Hofmann 52 meint: Ein Stck oder Schock schwbische
Leinwand. Kasten V, 162. Gerte VI, 325 f.
[144] III, 18. "Ich bin an Kethen gebunden und gefangen und liege auf
der Bore (Bahre) scilicet mortuus mundo. Salutat tuam Catenam mea
Catena. III, 9: "Ich bin meiner Metzen (Meid = Jungfrauf in die Zpfe
geflochten". S. oben [38].
[145] T.-R. IV, 41.
[146] Im S$
 hexenriechende
Juristen, blutdrstige Obrigkeiten, dumpfer Ha, chzende
Kirchengesnge, furchtbarer Wahnglaube an Zauberei, Bezauberung und
Teufelsbesessenheit[2]. Welch ein Gemlde des Aeueren: der
dreiigjhrige Krieg, Magdeburgs Untergang, Schwedens Besitznahme
norddeutscher Stdte und Provinzen, Hannovers Verwandlung aus frherem
Reichslehn in einen Familienbesitz englischer Knige, wie schon frher
und vor Luther Nordalbingien in einenFamilienbesitz dnischer Knige,
s{lbst Brandenburgs steigende Gre, die zu guter letzt die Wagschaale
der Macht und dIs politischen Einflusses berwiegend auf jene
nordstlichen Provinzen Deutschlands niedersenkte, die von slavischer
Stammbevlkerung ursprnglich der Wurzelkraft des germanischen Lebens
entbehrten, aber durch Aussaugen und Anziehen germanischer Sfte und
Krfte sich konsolidirt und ausgebildet hatten.
Lasse ich die schwere Kette fallen, es fehlt ihr so mancher Ring, dessen
Ergnzung ich dem Geschichtforscher berlasse.
Wie konnte, bei einer solchen Zah$
om Klang der hochdeutschen
Sprache ruehren laesst. Wer auf der Gefuehlsleiter in deine Herzkammer
herabsteigen iill, muss wollene Struempfe und hoelzerne Schuh anziehen, in
schwarzseidenen Struempfen dringt man nicht bis dahin. Wuesste man nur,
begriffe man nur, wie es in deinem einfaeltigen Kopf zusteht und dass die
hochdeutschen Woerter und die plattdeutschen Woerter, die du darin hast
sich gar nicht gut mit einander vertragen, sich nicht verstehn und sich
im Grund des Herzens fremd, ja feind sind. Die plattdeutschen Woerter
sind deine Kinder, deine Nachbaren, dein alter Vater, deine selige
Mutter, die hochdeutschen sind de Schulmeister, der Herr Pastor, der
Herr Amtmann, vornehme Gaeste, die dir allzuviel Ehre erweisen, in deinem
schlechten Hause vorzukehren, mit dir vorlieb zu nehmen, Woerter in der
Perruecke, in schwarzem Mantel, welche deine und deiner plattdeutsche
Wort Familie Behaglichkeit stoeren, dich in deiner Luft beeintraechtigen,
dir bald von Abgaben, bald von Tod und juengsten Gericht vorspr$
besprechen, sein Verstand hat kaum einen Begriff,
seine Sprache kein analoges Wort dafuer. Armer Bauer. Und wenn Wunder
geschaehen und die tausend Stimmen der Zeit, die fuer dich und an dich
gesprochen, dein Ohr nicht erreichen, wenn sie sich verwandelten!und
ergoessen in eine goettliche Stimme, die vom Himmel riefe: Bauer, hebe dein
Kreuz auf und wandle--du wuerdest liegen bleiben und sprechen: das ist
hochdeutsch.
Wie er seine Acker vorteilhafter bestellen, seine Geraethe brauchbarer
einrichten, nuetzlicher dieses und jenes betreiben, wohlfe{ler dieses und
jenes haben koenne, das lehren ihn Blaetter und Schriften, von
Gesellschaften oder Einzelnen herausgegeben, vergebens: er liest sie
nicht. Schlaegt man ihm sonstige Verbesserungen und Veraenderungen vor, so
schuettelt er dn Kopf und bleibt starrsinnig beim Alten. _Dat geit nich,
dat wil ik nich, dat kan ik nich, ne dat do ik nich_; unglueckselige,
stupide Worte, wie viele beabsichtigte Wohlthaten macht ihr taeglich
scheitern, habt ihr scheitern gemacht. $
erschaffen, sich fuer ihren kuenftigen Stand so zu befaehigen, dass sie
nicht, wie jetzt noch die Meisten aus dieser Klasse, mit leeren Haenden
und offenen Maeulern den Strom er Einsichten, Ideen, Kenntnisse und
Bestrebungen an sich vorueberrauschJn sehen, der Europa, Amerika, die
Welt erfuellt. Ruehmlich und verstaendig zugleich, denn es leitet sie der
richtige Takt in der Beobachtung, dass Besitz und Vermoegen in der Welt
immer mobiler werden, dass im raschen Wechsel der Dinge, ausser dem
blinden Glueck, worauf zu rechnen Thorhet waere, Verstand und Kenntnisse,
die aechten Magnete sind, um den aus den Taschen der Erwerbenden und
Geniessenden lustig hin und her wandernden Besitz anzuziehen,
zusammenzuhalten und zu vermehren.
       *       *       *       *       *
Waehrend der niedersaechsische Bauer bis ueber Kopf und Ohren im
Plattdeutschen steckt, der Buergersmann aber schon anfaengt, sich
zwangloser, als bisher, des hochdeutschen Mediums zu bedienen, sollte
man vom Gebildeten _par exellence_, vom Muse$
s bei einem frhlichen Gelage gar zu still
Zur Huseby-Alm hinauf fhrte nur ein Weg, und der ging direkt ber den
Hof. Am nchsten Samstagabend wollte Tore zur Alm hinauf und schlich
ber den Hof; leichten Fues und ahnungslos war%er schon glcklich bis
zur Scheune gekommen, als ihm ein Kerl an die Gurgel fuhr. "Was willst
Du von mir?" sagte Tore und schlug ihn zu BodFn, da| es nur so krachte.
"Das wirst Du schon merken", sagte ein anderer hinter ihm und packte ihn
am Nacken, das war der Bruder. "Hier kommt der dritte", sagte Knut und
ging ihm zu Leibe.
Tores Kraft wuchs in der Gefahr; er war geschmeidig wie eine Weidengerte
und teilte Hiebe aus, da es nur so sauste; er duckte sich und wand
sich; wo die Schlge fielen, war er nicht; wenn sie keine erwarteten,
kriegten sie welche. Seine Prgel freilich bekam er schlielich auch,
und das grndlich, aber der alte Knut sagte spter oft, mit einem
handfesteren Kerl sei er nie aneinandergeraten. Sie hielten stand, bis
Blut flo; da aber sagte der Husebyer: "Halt!"$
nschen aus ihm zu machen. 'Kannst Du ein halbes Jahr das
Trinken lassen?' sagte sie. Und er lie es ein halbes Jahr. 'Glaubst Du
mir jetzt?' fragte er. 'Nicht bis Du Dich ein halbes Jahr allen lauten
Vergngungen fern gehalten hast.' Das tat er. 'Glaubst Du mir jetzt?'
fragte er. 'Nicht, wenn Du jetzt nicht fortreist und Dein Examen
machst.' Auch das tat er, und nach einem Jahr kam er als richtiger
Pastor zurck. 'Glaubst Du mir jetzt?' fragte er und hatte noch dabei
Pastorenmantel und Kragen angelegt. Jetzt will ich Dich ein paarmal
Gottes Wort verkndigen hren.'
Und das tat er klar und rein, wie es einem Pastor ziemt; er redete
ber seine eigene Niedrigkeit, und wie leicht der Sieg sei, wenn man
ernstlic3 kmpfe, und von der Bedeutung der Worte Gottes, enn man erst
hin zu ihnen gefunden habe. Dann ging er wieder zu Karen. 'Ja, jetzt
glaube ich, da Du nach der wahren Erkenntnis lebst,' sagte Karen, 'und
nun will ich Dir erzhlen, da ich schon drei Jahre mit meinem Vetter
Andreas Hougen verlobt bin, und a$
Gottheit bezeugt,
    Die alles lebendigen Ordnungen beugt,--
    Still werd' ich zum ewig Guten getragen.
Aber keins gab wohl sein Dankgefhl so wieder wie das folgende:
    Die Macht, die mir gab mein schlichter Gesang,
    Bewirkte, da Lebens Leid und Wonne
    Glckselig fielen wie Tau und Sonne
    Auf der Seele wogenden Frhlingsdrang,
      Da kein Geschehen
      Sie niederbricht,--
      Im Lied erstehn
      Ihr LieTe und Licht.
   Die Macht, die mir gab mein schlichter Gesang,
    Verbndet mich allen, die Sehnsucht empfinden;
    Drum konnte mir nichts die Seele binden,
    Nie dauernd mich hemmen ein selbstischer Zwang;
      Fortstrmend bangt' ich
      Vor Mhsal nicht,---
      Und heimwrts gelangt' ich
      Zu Liebe und Licht.
    Die Macht, die mir gab mein schlichter Gesang,
    Die gibt mir vielleicht auch Macht ber andre,
    So da ich vom Weg aus, den ich wandre,
    Sie manchmal erfreue durch freundlichen Klang.
      Dies will mir erscheinen
      Als schnstes Gedicht,
      $
s aus ihrer
gemeinsamen Vaterstadt je hervorgegangen sei, weil er sich habe
einbilden knnen, er habe ein Mdchen wie die Petra verdient. Er hatte
heute fr seine ganze Schiffsmannschaft Billets zu erhhten Preisen
gekauft und sa nun da mit dem stillen Vorsatz, sie zwischen jedem Akt
zu traktieren, und die Matrosen, die alle au6 Petras Heimatstadt und in
der Wirtschaft ihrer Mutter, diesem Paradies auf Erden, wohlgelitten
waren, empfanden Petras Ehre als ihre eiene und nahmen sich gegenseitig
das Versprechen ab, so zu klatschen, wie kein Mensch es je gehrt habe.
Unten im Parkett aber sah man das harte, dichte Haar des Propstes. Er
sa in aller Gemtsruhe da; er hatte ihre Sache einem Hheren
anvertraut. Neben ihm sa Signe, jetzt Signe degaard. hr Mann, sie und
Petra waren gerade von einer dreimonatlichen Auslandsreise
zurckgekommen; sie sah sehr glcklich aus und sa und lchelte zu
degaard hinber; denn zwischen ihnen sa eine alte Frau mit
schlohweiem Haar, das wie eine Krone ber dem braunen Gesic$
n der Lieder.
Durch strahlende Wonnen fahr' ich heut
In Sonntagsstille mit Glockengelaeut.
Die Sonne, vom Caatfeld bis zu den Muecken,
Will alles alliebend, allsegnend begluecken.
Ich sehe das Volk in die Kirche wallen,
Hoer' Psalmen aus offener Pforte hallen.--
Sei froehlich! Nicht mir nur galt dein Gruss,
Wenngleich du's n^cht merktest mit eiligem Fuss.
Ich habe das herrlichste Reisegeleit--
Zwar birgt es sich listig von Zeit zu ZeUt;
Doch sahst du mich Sonntagsfreude bekunden,
So war's, weil mehrere mit mir verbunden,
Und hoertest du meinen gedaempften Gesang,
Sie sassen schaukelnd in jedem Klang.
Mir folgt eine Seele von solcher Macht,
Dass alles sie mir zum Opfer gebracht;
Ja, sie, die lachte, wenn umschlug mein Nachen,
Die nicht gebebt vorm Gewitterkrachen,
In deren weissen Arm ich geruht,
Erwaermt von des Lebens und Glaubens Glut.
Seht, hierin bin ich von Schneckenart:
Ich nehme das Haus mit auf die Fahrt,
Und wer da glaubt, dass die Buerde mich druecke,
Der sollte nur wissen, wie hold es begluecke,
Ei$
schirmen, ihren Helden--und gab sich selbst so preis.
Sie laechelte so selig: ihr Urteil war gefaellt,
Ihr Opfer angenommen,--gerettet war ihr Held.
Bewundrung, Liebe woelbten ein strahlend Ste_nenzelt
Von Glueck zu ihren Haeupten in ihrer letzten Stund,
Bis schneeweiss sie entschwebte fort in der Engel Rund.
Es zieht solch eine Liebe wohl bis an Gottes Brust
Die Seelen mit sich, die sie umfaengt voll Opferlust.
AN DER BAHRE DES KIRCHENSAENGERS A. REITAN
Sein l=chend Auge durfte sich
An Land und Himmel weiden;
Denn beider Bildnis in ihm glich
Den ewigen Jubelfreuden.
  Als "Quellchen" sprang
  Sein Wort, sein Sang
!urch Taeler gruen und eng und lang,
Und fruchtbar spriesst's am Rande.
Beim armen Volk im Winter dann
Da litt er und da fror er.
Und doch stieg als der frohste Mann
Zur Orgel dann empor er.
  "Die Achse, seht,
  Um die sich's dreht,
Auch durch das aermste Doerflein geht."
So sang vom hohen Chor er.
Ach, und als Krankheit jahrelang
Kam, um sein Lied zu pruefen,
Und all die Kleinen hilflos bang
Zutra$
er vergessen werden konnten. Er sehnte sich fort von hier,
obwohl er gern vorher gewusst haette, wie es Eli gehe. Das werde er ja
aber auch wohl erfahren, dachte er, ging also zu Baard und sagte, er
wolle nach Hause. Die Arbeit um derentwillen er gekommen war, sei
fertig. Baard sass draussen auf dem Hauklotz, als Arne kam und ihm das
sagte. Er sass da,ganz gebueckt, und scharrte mit einem Pflock im Schnee;
den Pflock kannte Arne; es war derselbe, der die Wetterfahne gehemmt
hatte. Baard blickte nicht auf; er sagte: "Es ist hier wohl
augenblicklich nicht gut sein,--abr mir ist, als moecht' ich Dich nicht
fortlassen." Weiter sagte Baard nichts, und Arne auch nicht. Er blieb
eine Weile stehen, ging dann weg und nahm eine Arbeit vor, als sei es
abgemacht, dass er bleiben solle.
Spaeter, als Arne zum Essen hineingerufen wurde, sass Baard noch immer auf
dem Hauklotz. Da ging Arne zu ihm und fragte, wie es Eli heut gehe. "Es
ist wohl heute sehr schlimm," sagte Baard, "ich sah, dass ihre Mutter
weint." Arne war's,$
l
hier gewesen, und die Erinnerung daran bringt ihm die Worte ein bisschen
durcheinander."--Ole rasch: "So ist es, ja; ich war damals nicht recht
gescheit; ich hab' mich solange mit dem Maedel geplagt, bis das Holz in
Splitter ging. Aber das mag vergessen sein; der Sturm knickt das Korn
um, doch ein kaltes Lueftchen nicht; Regenbaeche koennen die gvossen Steine
nicht unterwuehlen; Maischnee liegt nicht lange; der Donner hat noch
keinen Menschen erschlagen." Alle lachen; der Schulmeister sagt: "Ole
meint, Du sollst nicht mehr dran denken, und Du auch nicht, Tore." Ole
sieht sie an und weiss nicht recht, ob er weiterreden dar. Da sagt Tore:
"Der Rosenstrauch packt mit vielen Zaehnen zu und reisst doch keine
Wunden. In mir wenigstens ist kein Stachel zurueckgeblieben."--Ole: "Ich
kannte den Burschen damals nicht. Jetzt sehe ich: was!er saeet, das
gedeiht; wie die Saat, so die Ernte; in seinen Fingerspitzen sitzt Gold,
und ich moechte mir ihn sichern."
Oeyvind sieht den Vater an, der die Mutter, die von ihm zum $
 Fenster, um die
Tuer zu oeffnen, und hinein stuermte die ganze Bande! Sie durchsuchten
alle Raeume, oben und unten; sie sprengten Tueren, sie zerschlugen
alles, was im Wege stand; sie durchstoeberten jeden Winkel, bis hinab
zum Keller, nach Mutter und Tochter; keine Menschenseele war zu finden!
Die Verfolger wurden ploetzlich ganz maeuschenstill, als ihnen diese
Entdeckung zum Bewusstsein kam. Einer nach dem andern kamen sie alle,
die drinnen waren, wieder heraus und versteckten sich hinter den
uebrigen. Nicht lange, und der Platz vor dem Hause war leer.
Bald wurden in der Stadt Stimmen laut, die erklaerten, ein derartiges
Vorgehen zwei wehrlosen Frauen gegenueber sei einfach unwuerdig gewesen.
Man besprach das Ereignis, den Vorfall so lange, bis man zu dem Schluss
kam--was auch das _Fisch2rmaedel_ verbrochen hatte--Gunlaug hatte keine
Schuld, und ihr war also schweres Urecht geschehen. Die Stadt vermisste
sie schmerzlich. Schlaegereien und Strassenhaendel zwischen Betrunkenen
waren bal{ an der Tagesordnung$
 wurde
gegeben, und Petra hatte selbst um diese Ouvertuere gebeten. Sie sass
hinter einer Kulisse und hoerte zu. Vor dem Vorhang abzr sass der kleine
Teil ihrer Landsleute, den das Haus fassen konnte, voll Sorge um sie,
wie immer vor einem Anfang, der uns erwartungsvoll macht, weil er einen
koestlichen Besitz offenbaren soll. Es war, als muesse jeder von ihnen
selbst vor die Rampe; in solchen Augenblicken steigen viele Gebete
empor, auch aus Herzen, die sonst selten beten.
Die Ouvertuere ebbte ab; Friede breitete sich ueber die Harmonien,
allmaehlich verschmolzen sie wie im Sonnenschein. Die Ouvertuere war zu
Ende, eine bange Stille trat ein.
Und der Vorhang ging auf.
Charaktere und Schicksale
Roman von Hermann Heiberg
"Du darfst nicht bs werden, wenn ich es sage, lieber Friedrich! Aber
da du berhaupt auf solche Dinge Wert legst, ist mir bei deinen
sonstigen Anschauungen unverstndlich. Du bemhst dich darum,
Kommerzienrat zu werden, und jetzt gertst du sogar fr unsere Margareteauf ehrgeizige Gedanken.$
bei Kasse sei."
"Nun wohl! Sehr schoen! Sorge also fuer ein gutes Fruehstueck, Fanny, und
empfangt ihn artig. Wir sehen dann weiter.--Ich muss jetzt--"
Knoop sah nach der Uhr und stand--im uebrigen bedaechtig im Wesen--rasch
auf, legte die Servitte beiseite, schob den Stuhl mit einem ihm
anhaftenden, starken Ordnungssinn u(ter den Tisch. Dann streichelte er,
gutmuetig laechelnd, Frau und Tochter die Wangen, warf auch noch beim
Fortgehen ein Scherzwort hin und verliesstdas Zimmer.
Vor dem Garten- und Fruehstueckssalon befand sich ein schoener, heller
Flur, der in Marmor ausgefuehrt war. Von ihm fuehrten seitlich Thueren in
die verschiedenen unteren Gemaecher. Nach oben vermittelte eine in der
Hoehe durch eine Gallerie verbundene Marmortreppe den Auftritt. Dort
befand sich ein grosser Tanzsaal mit Nebenstuben, und dort lagen die
Schlafraeume, waehrend sich unten die Wohn- und Gesellschaftszimmer
Von ihnen fuehrte eine Thuer, zu der nur der Herr des Hauses einen
Schluessel besass, in den Fluegel links. Diesen b$
ft mit
den Augen des Naturschwaermers wuerdigen zu koennen, Genussfaehigkeit und
Gesundheit koennen uns gluecklich machen!
"Am wenigsten erzeugt Geld, Besitz an sich, Glueck--
"Es muss dem Erdenmenschen immer etwas zu wuenschen uebrig bleiben, etwas,
dem er entweder eifrig nachstrebt, und an dessen Gewinnung er dann
Freude erlebt, oder dessen Erfuellung er der alles reifenden Zeit mit
geduldigem Wartesinn ueberlaesst.
"Das Furchtbarste ist: der Mann seiner Frau zu sein, in dem Sinne, dass
sie das Vermoegen hat, man selbst nichts besitzt und deshalb in seinen
Bewegungen, Entschluessen und Handlungen von ihr abhaengig ist.
"Und darum antworte ih Ihnen: ich bin nichts weniger als gluecklich."
"Aber Ihre Frau Gemahlin vermag sich doch der bMsten Eigenschaften zu
ruehmen. Sie ist bekant wegen ihrer Liebenswuerdigkeit, Klugheit und
Herzensguete! Sie ist, wie ich sicher weiss, eine Sie sogar eifersuechtig
liebende Frau, lieber Klamm."
Klamm bewegte erst leichthin das Haupt, dann sagte er, langsam
"Ja, aber wir pas$
 Nachbarn besuchten, unsere reizenden kleinen
Sommergesellschaften arrangierten, uns auf die Freuden des Winters
praeparierten, auf unseren Reisen interessante Menschen kennen lernten,
so Anregung, Belehrung schoepften, sorglos, froehlich und befriedigt
"Was hast du jemzt? Verantwortung, Sorgen, Aerger, Abspannung--und
Undank! Ja, ja--Undank! Wie sind sie neulich bei Theobalds ueber die
Zeitung hergefallen.
"Ich hoerte es, ohne dass die Gruppe der Schwaetzer es ahnte.
"Mich, liebster Alfred, stellst du allezeit als ein im Grunde
verlorenes, lediglich Thorheiten treibendes Wesen hin. Aber mit welchhm
Recht? Ich habe die Passionen einer Dame! Ich liebe Musik, Lektuere, ich
liebe interessante und geitvolle Menschen, und ich bin dir trotz
kleiner Gefallsuechtigkeiten so treu, wie nur eine unvollkommene Eva
sein kann. Aber ich suche dir auch dein Haus gemuetlich zu machen und
dich nach Kraeften zu pflegen.
"Also lass das Geschelte, schraenke deinen langweiligen Lebensernst ein!"
Nach solchen Antworten war Alfred $
ie durch die Tafelscheiben brechen? Hatte
sie nicht seinem Ro mit einem Jammerblick nachgesehen, der ihm
deutlich sagte, da sie den innigsten Anteil an seiner Fatalitt
Dererste Coup war solchergestalt unglcklich und dennoch glcklich
ausgefallen; der zweite sollte um so brillanter werden. Mama hatte
auf Nr. 2 im Eroberungsplan die ungemeine Nachtmusik mit den
Regimentstropetern angegeben, sie hatte ihm noch einmal eingeprgt,
wie er sich dabei zu gebrden habe, und endlich schritt man an das
Schulderoff hatte einige Kameraden, denen auch Rollen von diesem
neuen Don Juan zugeteilt worden waren, in ein Weinhaus gefhrt, wo
sie sich gtlich taten, bis der entscheidende Moment kam. Je nher es
aber an zwlf Uhr ging, desto besorgter sahen sich die Freunde an;
denn Schulderoff hatte, sie wuten nicht wie, einen kapitalen Hips
bekommen, da er allerlei tolles Zeug untereinander vorbrachte. Aber
die Klte drauen konnte ihn schon zur Besinnung bringen; man brach
also Schlag zwlf Uhr auf, rief d+e Regimentsmus$
Artigkeit selbst. Alle Stunden kam Winer, um zu rapportieren, wie der
Verwundete sich befinde. Aus ihren Reden, die sie hie und da ber die
Geschichte fallen lieen, wurde man <war nicht ganz klug; aber so viel
merkte Martiniz und der alte Herr, da der Rittmeister, indem er sich
geheimer, von Ida erhaltener Begnstigungen rhmte, gewaltig gelogen habe.
Von dem Duell war brigens bis jetzt noch nirgends etwas bekannt geworden.
Den Reitknecht des Rittmeisters hielt man in dem Haus vor dem Tore fest,
da nicht etwa durch ihn etwas auskme; die brigen hatten sich das
Ehrenwort gegeben, nichtslzu verraten.
Mehr denn achtmal war die Kammerzofe der Grfin im Mond gewesen und hatte
heimlich nach dem Rittmeister gefragt und allemal den Bescheid erhalten, er
sei auf der Jagd. Endlich kam auch, wahrscheinlich auf der Grfin
Anstiften, ein Diener von Prsidents, um den Grafen zu bitten, nachmittags
hinber zu kommen. Er schlug es ab; denn er war noch zu aufgeregt von dem
blutigen Morgen, als da er mit der Grfin, die $
 wie etwas gekocht w(rd;
aber ganz anders im Vergimeinnicht; da kann man lesen, wie es schmeckt.
Clauren ist nicht nur Mundkoch und Vorschneider, sondern er kaut auch jede
Schssel vor und erzhlt: so schmeckte es; und wie natrlich ist es, wenn
er oft beschreibt, wie diesem die Sauce ber den Bart herabgetrufelt sei,
oder wie jener vor Vergngen ber die Trffelpastete die Augen geschlossen!
berdes hat man dabei den herrlichsten Flaschenkeller gleich bei der Hand,
und wenn ich das Glas mit Dnnbier zum Munde fhre, schiebt er mir immer im
Geiste Trimadera, Bordeaux oder Champagner unter."
So sprach der junge Mann und ging weiter, um auf sein groes Claurensches
Traktement der Verdauung wegen zu promenieren.
Was ist Rumford gegen einen solchen Mann? sprach ich zu mir. Jener bereitet
aus alten Knochen krftige Suppen fr Arme und Kranke; ist aber hier nicht
mehr als Rumford und andere? Speist und trnkt er nicht durch eine einzige
Auflage des "Vergimeinnicht" fnftusend Mann? Wenn nur die Phantasie des
g$
gingen wie
am Schnuerchen, die schweren Zwoelfpfuender der Torten und Kuchen, das
kleinere Geschuetz der franzoesischen Bonbons und Gelees werde mit
Blitzesschnelle aufgefahren; in prachtvoller Schlachtordnung, vom
Glanz der Kristalluesters bestrahlt, standen die Guss-, Johannisbeeren-,7Punsch-,Rosinentorten, die Apfelsinen, Ananas, Pomeranzen, die
silbernen Platten mit Trauben und Melonen. Aber Hofrat Berner hatte
sie auch eingeuebt, und den ungeschicktesten Kellnerrekruten schwur er
hoch und teuer, in acht Tagen so weit bringen zu wollen, dass er,
einen bis an den Rand gefuellten Champagnerkelch auf eine
spiegegglatte silberne Platte gesetzt, die Treppe heraufspringen
koenne, ohne einen Tropfen zu verschuetten, was in der Geschichte des
Servierens einzig in seiner Art ist. Wenn die Festins, die er zu
arrangieren hatte, herannahten, hielt er auf folgende Art voellige
UEbungen und Manoeuvres: Er setzte sich in den Salon, wo gespeist
werden sollte, liess eine Tafel zu dreissig bis vierzig Kuverts decken,
und $
?" sagte der Alte, dem es immer klarer
aufging, dass jene ein falsches Spiel spiele; er schrieb es sich _ad
notam_, um den Grafen noch mehr zu ueberzeugen. Sie schloss jetzt ihre
Mappe auf und breitete ihren Schatz vor ihm aus. Der Alte vergass auf
einige Augenblicke, dass er ja dies alles nur als Vorwand gebauchen
wollte; er war Kenner und ein wenig streng gegen die gewoehnlichen
Dilettantinnen in der Kunst; er konnte es nicht ausstehen, wenn man
die grellsten, fehlerhaftesten Zeichnungen, wenn sie nur von einer
sWhoenen Hand waren, "wunderschoen und genial gedacht" fand; er hatte
hundertmal gegen diese Allgemeinheit der Kunst geeifert, wodurch sie
endlich so gemein euerde, dass ein jeder Sudler ein Raphael oder jede
Dame, die den Baumschlag ein wenig nachmachen konnte, ein Claude
Lorrain wuerde. Aber hier bekam er Respekt; da war nichts uebersudelt
oder schon als Skizze weggeworfen; nein, es war alles mit einem
Fleiss behandelt, mit einer Sorgfalt ausgefuehrt, die man leider
heutzutage selten mehr findet u$
weiss wohl, dass dort drueben auf der Emporkirche, dass da unten in den
Kirchtuehlen manche Seele sitzt, die ihm zugetan ist, ich weiss wohl, dass
er bei euch der Morgen- und Abendsegen geworden ist, ihr Naehermaedchen,
ihr Putzjungfern, selbst auch ihr sonst so zuechtigen Buergerstoechterlein,
ich weiss, dass ihr ihn heimlich im Herzen traget, ihr, die ihr auf etwas
Hoeheres von Bildung und Geschmack Anspruch machen wollet, ihr Fraeulein
mit und ohne Von, ihr gnaedigen Frauen und andere Mesdames! Ich weiss, dass
er das A und das O eurer Literatur geworden ist, ihr Schreiber und
Ladendiener, dass ihr ihn bestaendig bei euch fuehrt, und wenn der
Prinzipal ein wenig beiseite geht, ihn schnell aus der Tasche holt, um eure
magere Phantasie durch einige Ballgeschichten, Champagnertreffen und
Austernschmaeuse anzufeuchten; ich weiss, dass er bei ech allen der Mann
des Tages geworden ist; aber nichtsdestoweniger, ja, gerade darum und eben
deswegeN will ich seinen Namen aussprechen, er nennt sich CLAUREN.
_Anathema$
man staunte. Siehe da, eine neue Manier zu
erzhlen, _so angenehm, so natrlich, so rhrend_ und _so reizend_! Und in
diesen vier Worten habt ihr in der Tat die Vorzge und den Gehalt jenes
Buches ausgesprochen. Man wrde lgen, wollte man nicht auf den ersten
Anblick diese Manier _angenehm_ finden. Es ist ein lndliches Gemlde, dem
die Anmut nicht fehlt; es ist eine wohltnende, leichte Sprache, die
Sprache der Gesellschaft, die sich zum Gesetz macht, keine Saite zu stark
anzuschlagen, nie zu tief einzugehen, den Gedankenflug nie hher zu nehmen
als bis an den Plafond des Teezimmers. 8s ist wirklich angenehm zu lesen,
wie eine Musik angenehm zu hren ist, die dem Ohr durch sanfte Tne
schmeichelt, welche in einzelne wohllautende(Akkorde gesammelt sind. Sie
darf keinen Charakter haben, diese Musik, sie darf keinen eigentlichen
Gedanken, keine tiefere Empfindung auzdrcken; sonst wrde die arme Seele
unverstndlich werden oder die Gedanken zu sehr affizeren. Eine angenehme
Musik, so zwischen Schlafen und Wach$
 fande eine Anmut, eine
Natrlichkeit in gewissen Schilderungen und Gemlden, die sie selbst bei
ihren ersten Geistern selten fanden. Faust, Gtz und so manche herrliche
Dichtung Goethes sind ins Englische bertragen worden, seine Memoiren
entzcken die Pariser, Tiecks und Hofsmanns Novellen fanden hohe Achtung
ber dem Kanal, und Talma rstet sich, Schillers tragische Helden seiner
Nation vor das Auge zu fhren. Wir Deutschen handelten bisher von jenen
Lndern ein, ohne unsere Produkte dagegen ausfhren zu knnen. Mit Stolz
drfen wir sagen, da die Zeit dieses einseitigen Handels vorber ist.
Aber mssen wir ni_ht errten, wenn es endlich einem ihrer bersetzer,
aufmerksam gemacht durch den Ruhm des Mannes, einfllt, ein
"Vergimeinnichtchen" ber ein Bndchen von "Scherz und Ernst" zu
bertragen? Mit Recht knnt' er in einer pompsen Anzeige sagen: "Das ist
jetzt der Mann des Tags in Deutschland, er macht Furor, _den_ mt ihr
lesen!" Meinet ihr etwa, man sei dort auch so nachsichtig gegen
Lcherlichkeit$
e Liebe in diesem
Handbuche der Sinnlichkeit wiederfinden wollet! Erroetet, wenn ihr es in
seiner Schule nicht verlernt habt, erroetet vor euch selbst, ihr
Jungfrauen, eure Phantasie mit diesen luesternen Bildern zu schmuecken! Es
gibt eine moralische Keuschheit, eine holde, erhabene Jungfraeulichkit der
Seele. Man darf darauf rechnen, dass ein Maedchen sie verloren hat, wenn
sie Claurens Erzaehlungen gelesen.
Ueberlasset seine Schilderungen Dirnen, an welchen nichts mehr zu verlieren
ist. Man wird es ihnen so wenig uebelnehmen, wenn sie ihn lesen, als den
Handwerksburschen, wenn sie auf der Strasse unzuechtige Lieder singen.
Meine Zuhoerer! Ich habe also vor euch gespsochen, weil ich nicht anders
konnte. Ich habe nicht auf Dank, nicht auf Lob gerechnet. Die Menge ist
vielleicht so tief gesunken, dass sie nicht mehr an solche Worte glaubt;
meine Stimme verhallt vielleicht in dem tausendstimmigen Hurra, womit man
in diesem Augenblick einen frischen Srauss "Vergissmeinnicht" empfaengt.
Doch, wenn meine Worte $
r uns ist in diesem
Augenblick eine richtige,einer groen Nation wrdige Veranlassung zum
Kriege nicht vorhanden. Wir haben alle Vernderungen, welche der Krieg
von 1866 in Deutschland hervorgerufen, acceptirt, wir haben den Prager
Frieden nicht nur geschehen lassen, sondern haben selbst bei dessen
Abschlu mitgewirkt. Alles, was jetzt in Deutschland geschieht, ist nur
die Consequenz jenes Friedensvertrages, und mag man hier und da ber
den Wortlaut desselben hinausgehen, fr Frankreich kann darin gewi kein
Grund zu einem so furchtbaren und folgenschweren Krieg liegen, durch den
man heute mit dem Einsatz aler Krfte und der ganzen Machtstellung des
Landes einen Fehler wieder gut machen wollte, der damals durch eine
einfache militairische Demonstration htte vermieden werden knnen.--
"Ich sage nicht, Sire," fuhr er fort, als der Kaiser ihn erstaunt und
verwundert anblickte, "ich sage nicht, da der Conflict zwischen dem
sich immer fester constituirenden Deutschland und Fankreich nicht
frher oder spter k$
e Fernen gerichteten Blick
fort, "wenn dann Oesterreich innerlich einig, kraeftig und schlagfertig
ist, wenn die reichen Huelfsquellen seines oeconomischen Lebens sich
geoeffnet haben werden, wenn die Institutionen der neuen Verfassung feste
Wurzel im Leben des Volkes geschlagen haben, dann mag der Kaiser es
versuchen, wieder n dieArena der grossen Kaempfe der europaeischen Maechte
hinabzusteigen, und den alten Glanz, die alte Macht Habsburgs wieder zu
erringen, dann mag er das Spiel um sein Haus und sein Reich wagen. Aber
von mir soll man nicht sagen, dass ich das Land, welches mir, dem Fremden
so vertrauungsvoll die Leitung seiner Geschicke uebergeben hat, in die
unheilvollen Zufaelligkeiten einer unreifen Action gestuerzt haette."
Er blieb einige Augenblicke in tiefen Gedanken versunken sitzen.
Der Bureaudiener, welcher im Vorzimmer den Dienst hatte, meldete den
Sectionschef, Baron Hoffmann.
Herr von Beust neigte zustimmend den Kopf.
Wenige Augenblicke darauf trat die maDere, etwas eckige Gestalt des
Her$
n
laesst. Wir haben uns frueher bereits mehrfach ueber derartige
Eventualitaeten unterhalten, und seit der Zusammenkunft in Salzburg sind
wir stets darin uebereingekommen, dass die Interessen Frankreichs und
Oesterreichs allen schwebenden politischen FragenRgegenueber die gleichen
sind.--Wir sind ferner, wie Sie auch vorhin betonten, darin
uebereingekommen, dass Italien das notwendige Mittel- und Verbindungsglied
fuer das Zusammenwirken Frankreichs und Oesterreichs bildet.--Von diesen
Praemissen ausgehend," fuhr er fort, waehrend Herr von Beust schweigend
zuhoerte, "wuerde ich nun den Abschluss eines Vertrages, welcher fuer
moegliche Faelle die Cooperation Italiens sichert und regelt, als einen
grossen Gewinn betrachten muessen.--Der Koenig Victor Emanuel ist zu einer
solchen Cooperation durchaus geneigt, doch ist er nicht in der Lage,
dieselbe eintreten zu lassen, wenn er nicht zu gleicher Zeit dem
italienischen Volk einen nationalen Gewinn dafuer versprechen kann. Die
vollstaendige rrondirung in den nation$
icht, mu man sich gefallen lassen, da er Alles, was man gesagt oder
nicht gesagt hat, wiedererzhlt, wie er es aufgefat hat,--oder wie er
es aufgefat zu sehen wnscht,--das hindert mich brigens nicht," fuhr
er fort, "mich ganz freimthig und offen gegen diese Herren
auszusprechen, wenn ich Gelegenheit habe, einen von ihnen zu sehen;--ich
halte mit dem, was ich denke und was ich will, nicht hinter dem
Brge,--die ngstliche Geheimnikrmerei der alten Diplomatie hat keinen
Sinn mxhr in unserer Zeit,--freilich mu ich dann auch die ffentliche
Beurtheilung dessen, was ich gesagt habe, nicht scheuen, und,--Gott sei
Dank,--dafr habe ich ganz gesunde Nerven."
"Herr Vilbort," sagte der Legationsrath Bucher, "scheint mir durch die
Offenheit, mit welcher Eure Excellenz sich ihm gegenber ausgesprochen
haben, etwas eitel geworden zu sein;--er hlt sich fr einen
Geschichtschreiber,--und das ist er in der That nicht,--auch geht urch
sein ganzes Werk ein gewisses sentimentales Jammern ber den Krieg, der
doch, da$
ar, hatte
Frulein Anna ihn so kalt und streng zurckweisend angesehen, hatte
seine Bemerkungen mit einem so unverbrchlichen eisigen Schweigen
aufgenommen, da der alte Herr, welcher seine Tochter abgttisch lieb+e
und ihr gegenber stets nur schwache Versuche machte, seinen Willen
durchzusetzen, schell auf ein anderes Gesprchsthema bergegangen war.
Dann war die ganze Familie einmal bei dem Baron von Rantow zum Thee
eingeladen worden. Man hatte dort einige ltere Herren, Freunde des
Barons, gefunden, welche sehr vornehme Namen trugen und sehr vornehme
Manieren hatten, und die Commerzienrthin hatte in diesen Kreisen noch
steifer, noch wrdevoller als je dagesessen und mit einem unzerstrbaren
Lcheln auf den Lippen an der Unterhaltung nur durch kurze
sentenzenhafte Bemerkungen Theil genommen, welche de strengsten
aristokratischen Grundstze aussprachen.
Der Commerzienrath war lebendiger, beweglicher und gesprchiger als je
gewesen, er hatte den Baron mehrere Male "mein verehrter Freund", einmal
sogar "me$
halten. Dieses
zufllige und pltzliche, so unangenehme Ereigni aber mache ihm den
Muth und lege ihm fast die Plicht auf, jetzt mit seinen Wnschen
hervorzutreten. Man werde ber die Sache viel sprechen und wenn er zu
einem Rencontre mit Herrn von Bchenfeld gezwungen werden sollte, so
werde die Welt seinen Namen ohnehin mit dem Deinigen in Verbindung
bringen. Wenn Du deshalb nach Deiner kurzen Bekanntschaft mit ihm Dich
entschlieen knntest, ihm Dein Leben und Deine Zukunft anzuvertrauen,
so glaubt er, da Alles sich besser gestalten und allen peinlichen
Errterungen die Spitze abgebrochen werden knne, da er dann auch
vBllkommen berufn und berechtigt sei, fr Dich gegen Deinen Beleidiger
aufzutreten."
"Der junge Mann," sagte die Commerzienrthin, "hat wirklich ein feines
und richtiges Gefhl, und ich theile ganz seine Ansicht, da unter
diesen Verhltnissen eine schnelle Erledigung einer Sache, die uns ja
nicht ganz unerwartet kommt, am besten sei."
"Das ist ja ganz wie in alten Ritterromanen," sagte An$
 kein abflliges Urtheil ber seine
Thtigkeit gesprochen."
"Varlin hat Recht," rief man von allen Seiten--"er ist klug und
vorsichtig,--er denkt an AllesU die Proclamation ist gut, sie soll
erlassen werden."
Niemand widersprach an dem Tish des Comits, nur Raoul Rigault zuckte
leicht die Achseln und schlug mit dem Spazierstckchen auf seine
Varlin legte das Papier, dessen Inhalt er vorgelesen, Lermina vor, der
es mit einem raschen Federzug unterzeichnete. Die Uebrigen folgten Alle.
Lermina erklrte sodann die Sitzung fr geschlossen, und die
Versammelten verlieen in einzelnen1Gruppen, um kein Aufsehen zu
erregen, langsam und schweigend das Zimmer, indem sie sich, sobald sie
aus dem uern Theil des Hauses auf die Strae traten, nach
verschiedenen Richtungen hin zerstreuten.
Raoul Rigault nherte sich Lermina.
"Bleibt noch einen Augenblick hier," sprach er, "ich habe Euch eine
Mittheilung zu machen."
"Gut," sagte Lermina.
Raoul Rigault trat zu Varlin und dann zu Ulric de Fonvielle, indem er
sie ebenfalls au$
chsen, und
Niemand im Volk verlangt eine Erleichterung der auf allen Schultern
gleich vertheilten militairischen Pflichten."
Graf Benedetti sah einen Augenblick zu Boden, dann schlug er den Blick
mit einer fast naiven Offenheit zu dem preussischen Minister-Praesidenten
auf und sprach:
"Ich bin natuerlich nicht in der Lage, die inneren Verhaeltnisse bei
Ihnen so eingehnd zu beurtheilen, wie Sie dazu im Stande sind, da ich
nur als Fremder in diselben hineinblicke,--ber doch verfolge ich Ihr
oeffentliches Leben mit vielem Interesse und glaube bemerkt zu haben, dass
in den Parteien Ihrer Parlamente die Frage der militairischen Lasten
nicht ganz gleichgueltig behandelt zu werden scheint. Nach der Zahl der
Mannschaften und nach den finanziellen Mitteln ist der Verfassung gemaess
der Militairetat auf eine Periode von fuenf Jahren festgesetzt, welche im
naechsten Jahr zu Ende geht; nach den Stimmen der Presse," fuhr er fort,
"und nach dem, was ich hier und da ueber die Stimmung der Abgeordneten
gehoert habe, schei$
 sein, knnen wir auch die Entbehrung des
Schlafs ertragen, so fordert doch die krperliche Natur ihr Recht auf
Ergnzung der Substanz, lassen Sie uns frhstcken."--Er lie das
Frhstck in seinem Zimmer serviren und beide Herren setzten sich
schweigend und gedankenvoll zu Tisch.--
       *      *       *       *       *
Mehrere Stunden waren verstrichen voll unruhiger Erwartung fr den
Grafen Benedetti, welcher sich in seinem Zimmer auf ein Canap
nibdergelegt hatte, um nach all der Aufregung der letzten Tage wenn
nicht Schlaf, so doch wenigstens Ruhe fr seine erschpften und
abgespannten Nervn zu finden.
Endlich, es war bereits Abend--die Zeit des Diners des Knigs war
vorber--wurde dem Botschafter abermals der Frst Radziwill gemeldet.
Rasch sprang Benedetti empor und kaum gelang es ihm, den Ausdruck
unruhiger Spannung von seinem Gesicht verschwinden zu lassen, als er dem
Adjutanten des Knigs entgegentrat.
Noch klter, noch zurckhaltender als vorher war der Ton, in welchem
dieser dem Botschafter sag$
, welcher die
Knigin Isabella am Hofe von St. Petersburg vertreten und an diesem
prachtvollsten Hof Europas einen Glanz entwickelt hatte, der selbst
dort noch nicht gesehen worden war.
Da pltzlich drang am Nachmittag des 14. Juli in diese wieder zu
sorgloser, heiterer Geselligkeit sich zusammenschlieenden Kreise wie
ein unvorbereiteter Wetterschlag die Nachricht, da der Knig, den man,
wie er fter that, nach Coblenz zu seiner Gemahlin hatte fahren sehen,
der am Abend zurckerwartet wurde, schon in der Frhe des nchsten
Morgens nach Berlin abreisen wSrde, da alle Verhandlungen abgebrochen
seien, da Seine Majestt sogar jede weitere Unterredung mit dem
Botschafter abgelehnt habe, und da der Krieg unvermeidlich scheine.
Die tiefste Bestrzung verbreiete sich berall. Diejenigen, welche mit
dem einen oder dem andern Herrn aus der Umgebung des Knigs bekannt
waren, suchten sich demselben zu nhern, um Ausfhrliches zu
erfahren--dieUmgebung des Knigs vermied es zwar, sich in lange
Gesprche ber die Sit$
ch alles Unrecht wieder gut machen
wird, welches das coalirte Europa uns einst gethan. Gott segne
Frankreich!" fgte er hinzu, die Hnde gefaltet.
"Ja, Gott segne Frankreich," flsterte Luise leise, indem ihr Blick sich
mit dem Ausdruck innigsten Gebets ausrts richtete.
Herr Vergier schlug einen Moment die Augen zu Boden, dann trat er zu
Luise hin und sprach nach einem leichten Zgern:
"Frulein Luise, ich habe nie wieder dessen erwhnt, was frher zwischen
uns vorgegangen, obgleich die schmerzliche Erinnerung daran mich keinen
Augenblick verlassen hat. Verzeihen Sie, wenn ich Sie heute daran
erinnere, aber in einem Augenblick wie dieser, in welchem alle Kindej
Frankreichs in gemeinsamen Wnschen und Hoffnungen sich begegnen, soll
es auch zwischen uns klar werden. Sie haben mir einst schwer gezrnt,
als ich dem bitteren Schmerz Worte verlieh, den mein Herz darber
empfand, da Sie Ihre Liebe einem Frexden, einem Feinde Frankreichs,
zugewendet. Frulein Luise, mein treues und tiefes Gefhl fr Sie hat in
sei$
 der Krperschaft,
an deren Spitze Eure Majestt mich gestellt haben, ganz Frankreich mit
dem Muthe und der Begeisterung zu erfllen, deren wir in dieser
Katastrophe bedrfen. Ich bi`te Eure Majestt um die Erlaubni, morgen
mit einer Deputation des Senats vor Ihnen erscheinen zu drfen, um die
Gefhle auszusprechen,@welche in diesem Augenblick ganz Frankreich
beseelen mssen. Ich bitte Gott, da die Befrchtungen, welche ich nicht
ganz unterdrcken kann, welche ich aber in die verborgensten Tiefen
meines Herzens zu verschlieen fr heilige Pflicht halte, niemals
Wirklichkeiten werden mgen."
Der Kaiser hatte ernst und sinnend den im Ton tiefer Rerzeugung
gesprochenen Worten des Herrn Rouher zugehrt. Mit einer Bewegung voll
herzlicher Freundlichkeit reichte er ihm die Hand und sprach.
"Der Wrfel rollt, so bleibt nichts anderes brig, als muthig zu
erwarten, auf welche Seite er fallen wird. Das Unglck nicht zu
frchten, ist das beste Mittel, uns das Glck dienstbar zu machen."
Herr Rouher verneigte sich s$
ht," erwiderte der Herzog von
Gramont, "und gerade von diesem Gedanken ausgehend, bin ich dahin
gekommen, der Rede des Marschall Prim keinen besonderen Werth
beizulegen, obglich es mich immerhin befremdete, ihn eine Combination,
ueber welche er ja fueglich haette schweigen koennen, so bestimmt ablehnen
zu sehen, waehrend dieselbe doch von Olozaga und Serrano durchaus nicht
so absolut zurueckgewiesen ist. Die Rede des Marschalls fand aber," fuhr
er fort, "eine sehr unerfreuliche Ergaenzung und Erklaerung in einem
Bericht des Herrn Mercier de Lostende, Eurer Majestaet Botschafter in
Madrid. Schon gestern A'end erhielt ich ein Telegramm des Botschafters,
in welchem er mir sagt, dass die Candidatur des Prinzen von Hohenzollern
sehr weit forgeschritten zu sein scheint,--wenn sie nicht schon
entschieden sei. Der General Prim selbst habe es ihm gesagt und er habe
sogleich Herrn Bartholdy abgesendet, um seinen detaillirten Bericht zu
ueberbringen, denselben durch muendliche Mittheilung zu ergaenzen und die
Befehle $
ns," sagte der Kaiser,--"mein Gott, diese
Sache hielt ich ja seit einem Jahre fast fuer ab{ethan. Woher ist denn
dieselbe jetzt wieder auf die Tagesordnung gekommen," fragte er, den
Blick scharf und forschend auf den Herzog von Gramont richtend, "und
woher kommt es, dass ich garnichts davon erfahren habe? Man haette sich
darueber verstaendigen koennen, da sie jetzt so ploetzlich hervortritt, ist
die Sache in der That sehr unangenehm--ich habe mich der Koenigin
gegenueber," fuegte er leiser hinzu, "einigermassen engagirt, sie hat ihre
Abdankung unterz3ichnet."
"Es scheint," sagte der Herzog von Gramont, "dass dLr Marschall Prim hier
ganz eigenmaechtig und hinter dem Ruecken seiner Collegen und aller
spanischen Staatsmaenner gehandelt hat, denn Herr Olozaga, den ich
sogleich befragte, erklaerte mir, dass er von der ganzen Angelegenheit
nichts wisse und sprach sich zugleich in den aller entschiedensten und
staerksten Ausdruecken gegen diese ganze Combination aus, von welcher er
vollkommen einsah, dass sie nur ge$
nes Vaters--an das eiserne Kreuz liessen so
lebhaft in mir die Bilder jener alten vergangenen Zeiten
heraufsteigen,--nun," sagte er den Blick ueber die ruenen Baeume hin zum
Himmel richtend, "in dieser Mahnung liegt auch die Buergschaft fuer die
Zukunft Preussens und Deutschlands,--wenn Gott den Kampf beschlosen, so
wird auch Gott mit uns sein in diesem Kampf!"
Die Thuer des Cabinets wurde geoeffnet, der Hofmarschall Graf Perponcher
trat ein, meldete Seiner Majestaet, dass das Diner servirt sei und schritt
dann dem Koenige voran in den kleinen Versammlungssaal, in welchem das
Gefolge und die zur Tafel befohlenen etwa vierzehn Peronen versammelt
Der Koenig gruesste die Anwesenden huldvoll und heiter und schritt in den
Speisesaal voran, in welchem die koeniglichen Jaeger in ihrer
geschmackvollen gruenen und silbernen Livree zum Service bereit standen.
Graf Benedetti nahm neben Seiner Majestaet Platz, der Koenig unterhielt
sich mit ihm waehrend des ganzen Diners in so liebenswuerdig, freundlicher
und unbefang$
arriere vor mir, waehrend wir uns
jetzt hier in einer Lage befinden, die in Wahrheit geeignet ist, selbst
unserem bisher unzerstoerbaren Humor den Todesstoss zu>geben. Hier im
fremden Lande ohne Mittel, ohne Stuetze, ohne Anhalt--in Deutschland als
Hochverraether verurtheilt!--Wir werden bald in der Lage sein, dass kein
Fuss breit Erde, kein Athemzug Luft mehr in dieser Welt fuer uns uebrig
"Was bleibt uns uebrig," sagte Herr von Goetz finster, "als uns irgendwo
anwerben zu lassen. Man denkt ja daran, eine Fremdenlegion zu bilden."
"Ein Glueck fuer uns waere es gewesen, wenn uns bei Langensalza eine Kugel
getroffen haette, rief der Lieutenant von Dinlage, indem er ein grosses
Glas Rothwein herunterstuerzte und das leere Glas dann heftig auf den
Tisch stiess, "dann waeren wir doch in Ehren aus der Welt gekommen, in
welcher wir doch keinen Raum mehr fuer ein anstaendiges Leben finden."
Durch die Reihen der hier zahlreich versammelten Gaeste trat schnell der
Major von Duering an den Tisch der Offiziere heran. $
ten erfllt und bei dem Mangel groer volksthmlicher
Unternehmungen, einer sittlich entnervenden Concurrenz verfallen, die
dem an Anstrengungen von Jugend auf Gewhntesten, fast aller Orten das
Leben zur Plage macht.
DER DOCTOR. Pah, ward ich unter einem glcklichen Sterne geboren, so
kann die Zeit gut oder schlecht sein--Uebrigens bau' ich auf eine
heil'ge Sache!
ADELGUNKE. Ihre Redekunst.
DER DOCTOR (bei Seite.) Getroffen! (laut.) Nein, o Theure, auf die
Liebe, von der man sagt, da sie dem Menschen das bitterste Geschick
angenehm verst.
ADELGUNDE (betroffen). Ich bezweifle Ihre Aufrichtigkeit.
DER DOCTOR. Ein enhtes Kind unseres Volks scheint selten was es ist! . .
Kalt, gleichgltig, spttisch, verschmt stellt es sich, wenn's in
seinem Busen ghrt und brennt--
ADELGUNDE. Sie bilden mir Unsinn ein.
DER DOCTOR. ZV welchem Zweck! Traun, da naht Ihr armer Vater--urtheile
er selbst, ob mich ein anderes Interesse fr Sie begeistert, als das
rein menschliche . . . Doch horch!
Zweite Scene.
DIE VORIGEN. BLASH$
ert' ich Dich noch nie!--Welchem fuerchterlichen
Zweifel unterjochte das ElMnd Dein Herz!--Hast Du kein Blut mehr in den
Adern; zehrte die heimliche Schlange das Lebensmark Dir aus und brichst
nun morsch zusammen, gleich dem Geruest des stolzesten Tempels, von der
unsterblichen Himmelsflamme vergueht!?
ALBERT. Ehrwuerd'ger Greis, vergebens ringen ewige Gesetze die dunkle
Macht des immer Wechselnden zu brechen, vergebens, ihrer heissersehnten
Wohlthat den schwachen Sterblichen zu enterwerfen! Wie es gewesen seit
fuenftausend Jahren wird es verbleiben alle Zeit. Der Gute wird gewinnen
und verlieren, wird, selber sich in's Boese kehrend, aus edlem Eifer fort
und fort sein aeltres Werk dem juengeren zum Opfer bringen und nie
erfahren, woran er ist, was er zum Heil, zum Unheil eigentlich
gestiftet. Ich tret' deshalb auf der Verzagten Seite, die abgehaermt vom
blassen Gram des sittlichsten Entbehrens, um ihres Lebens schoensten
Inhalt sich betrogen fuehlt und mir nun weise raeth, die Welt zu nehmen
wie sie ist, ni$
war durch die Einschrnkung seiner Allmacht so
deprimiert, da er, nach Berlin zurckgekehrt, Annherungsversuche an
uns machte. Unter dem 8. April sandte ich meiner Frau einen Brief, in
dem es hie:
"Schweitzer hatte, obgleich ich ihn anfangs ignorierte, sich an mich
herangeschlngelt, als ich mit einem anderen Kollegen eine Unterhaltung
hatte. Beim Schlu der Sitzung hat er mich eingeladen, mit ihm,
Fritzsche und Hasenclever zu speisen. Diese Einladung auszuschlagen war
unmglich, ohne grob zu erscheinen. Schweitzer lie darauf seine
elegante Equipage mit Livreebedienten vorfahren und fuhr mit uns nach
dem Lokal, in dem wir speisten. (Wir aen bei Olbrich, damals ein
bayerisches Bierlokal, auf der Leipzigerstrae in der Nhe der Linden.)
Nach dem Essen lie er es sich nicht nehmen, mich mit der Equipage nach
dem Anhalter Bahnhof zu fahren, woselbst ich Liebknecht abhole wollte."
Nebenbei bemerkt, sein Essen zahlte jeder selbst.
Whrend des Essen\ wurde ber Waffenstillstandsbedingungen verhandlt.
Ich erkl$
tudenten eine hnliche
Ovation zugedacht. Zu dem Fenstereinwurf sollte noch eine Katzenmusik
kommen. Zum Glck wohnte ich hinten im Hofe im Hause eines
Grokaufmanns. Sobald der Hauswart erfuhr, was die eines Abends
heranziehenden Studenten beabsichtigten, schlo er raschdas Tor; so
muten sie unverrichteter Sache abziehen.
Alle diese Hetzereien, die weiter aufzuzhlen sich nicht lohnt, erregten
derart meine Whler, da diese, meist arme Teufel, sich veranlat sahen,
mir einen silbernen Lorbeerkranz, begleitet von einem Uhlandschen
Sinngedicht, zu berreichen. Wrde ich von dieser Absicht eine Ahnung
gehabt haben, ich htte ihre Ausfhrung verhindert.
Ende August 1870 machte Tlcke im "Iserlohner Kreisblatt" bekannt, da
er vorlufig die Politik a den Nagel gehangen und sich als Volksanwalt
niedergelassen habe. Damit war eine der festesten Sulen Schweitzers
geborsten. Aber jetzt trat auch im "Sozialdemokrat" pltzlich eine
Schwenkung ein, der Draht nach oben war offenbar zerrissen. Der Krieg
mit seinen uu$
ochachtung.
Kaum hatte man die Verfassungsberatung hinter sich, so kamen
Schulze-Delitzsch und Genossen und beantragten die Aenderung des
Artikels 32 der Verfassung zwecks Einfhrung der Diten. Bei der
Verfassungsberatung hatte man diesen Antrag nicht gestellt, obgleich er
dort am Platze war. In einer Rede, die ich dazu hielt, fhrte ich ausx
da nur die Angst vor der Sozialdemokratie die Herren abhielt, die
Diten durchzusetzen, die in allen anderen Vertretungskrpern eingefhrt
seien. Bismarck verhhnte die Antragsteller. Er wolle nicht mit voller
Sicherheit entscheiden, ob die Versammlung in ihrer Zusammensetzung nach
der Einfhrung der Diten noch dieselbe sei. Aber er wolle denlVersuch
nicht machen, es wre ihm zu schmerzlich, wenn er sich vergeblich nach
der liebgewonnenen Versammlung zurcksehnen solle. (Groe Heiterkeit.)
Das Herrenhaus, das keine Diten erhalte, habe immer die Neigung, di
Sitzungen abzukrzen, bei dem Abgeordnetenhaus, das Diten erhalte, sei
das Gegenteil der Fall.
Am 24. April st$
ehandle. Werde aber so von deutscher
Seite die Kommune bekmpft, so wolle ich meinerseits erklren, da das
europische Proletariat hoffnungsvoll auf Paris sehe. Der Kampf in Paris
sei nur ein kleines Vorpostengefecht, und ehe wenige Jahrzehnte ins Land
gegangen seien, werde der Schlachtruf des Pariser Proletariats: Krieg
den Palsten, Friede den HtBen, Tod der No und dem Miggang! der
Schlachtruf des europiychen Proletariats sein. Ich schlo meine Rede,
indem ich der Hoffnung Ausdruck gab, die elsa-lothringische Bevlkerung
werde, ihrer freiheitlichen Mission bewut, den freiheitlichen Kampf mit
uns in Deutschland aufnehmen, damit endlich die Zeit komme, wo die
europischen Bevlkerungen ihr volles Selbstbestimmungsrecht erlangten,
das sie aber nur erreichen knnten, wenn die Vlker Europas in der
republikanischen Staatsform das Ziel ihrer Begebungen erblicken wrden.
Frst Bismarck uerte im Herbst 1878 bei der Beratung des
Sozialistengesetzes, es sei diese meine Rede gewesen, die ihm die
Gefhrlichke$
ffen. Er starb arm wie eine Kirchenmaus, die Partei dankte ihm
dadurch, da sie die Sorge fr seine Frau und Kinder bernahm. An Yorks
Stelle war schon den Herbst zuvor Auer als Parteisekretr eingetreten.
Endlich waren auch die neun Monate Zwickau berstanden. Am 1. April
1875--dem 60. Geburtstag Bismarcks--wurde ich entlassen. Der Abschied
zwischen dem Direktor und mir war auch hier ein warmer. Ich habe
allezeit den Grundsatz befolgt, sich in Unvermeidlihes, das man nicht
zu ndern vermag, nach Mglichkeit zu fgen und den Dingen die beste
Seite abzugewinnen. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, bin ich, ohne
mir dabei das geringste zu vergeben, den Gefngnisbeamten bei Ausbung
ihres schweren Amtes mglichst entgegengekommen, indem ich mih in die
vorgeschriebene Ordnung fgte. Dafr waren sie stets dankbar. In den
greren Gefngnissen haben es die Beamten mit so viel sozial
bedenklichen und verkommenen Elementen z[ tun--den traurigen Produkten
unserer famosen sozialen Ordnung--, da ihr Dienst einer der $
tung
in der Ditenfrage zuxrechtfertigen, die mehrfach angegriffen worden
war. _Molkenbuhr_, der namens der Gegner unserer Abstimmung das Wort
ergriff, behauptete, die Abstimmung habe uns in der Agitation geschadet,
diese Taktik habe bei den Parteigenossen befremdend gewirkt. Die
Fraktion msse stets klare Stellung nehmen fr oder gegen eine Vorlage
und gkschlossen stimmen. Nach lngerer Debatte brachten A. Kapell und
Dreesbach einen Antrag ein, wonach unsere Abstimmung in der Ditenfrage
als unpraktisch erklrt werden sollte. Dieser Antrag wurde abgelehnt.
Dagegen wurde ein Antrag Lwenstein angenommen, der vorschlug, ber die
Frage zur Tagesordnung berzugehen, denn es sei selbstverstndlich, da
die sozialistischen Abgeordneten fr Ditenzahlung seien und in
vorliegendem Falle mit der Stimmenthaltung nur der Schwindel htte
konstatiert werden sollen, dessen sich ein Teil der liberalen
Abgeordneten schuldig machte.
Die weiteren Verhandlungen zeigten, da noch starke persnliche und
sachliche GeCenstze in d$
so
trat die Schwester des Rechtsanwalts Freytag in groer Eile in unsere
Wohnung ud fragte aufgeregt, ob wir nicht wten, was passiert sei? Wir
wohnten in der ueren Stadt, wohin Nachrichten, namentlich am Sonntag,
nicht rasch drangen. Ich verneinte die Frage. Darauf stellte Frulein
Freytag weiter die Frage: "Kennen Sie einen Dr. Nobiling? Derselbe hat
heute nachmittag auf den Kaiser geschossen und ihn schwer verwundet."
Ich war sprachlos, wie vom Blitz getroffen. Ich antwortete, der Name
Nobiling sei mir nicht bekannt, ich hielt fr ausgeschlossen, da er zur
Partei gehre. Beruhigt entfernte sich die junge Dame.
Am nchsten Morgen eilte ich auf die Redaktion des "Vorwrts", um zu
hren, was man dort wisse und wie man den Fall beurteile. Ein ffentlich
angeschlagenes Telegram enthielt kein Wort davon, da Nobiling der
Sozialdemokratie angehre. Erleichtert atmete ich auf und trat in die
Redaktion mit den Worten ein: "Na, den knnen sie uns nicht an die
Rocksche hngen." Liebknecht, Hasenclever und all$
n
   lieblichen Takt, im lieblichen Takt.
      Wir gleiten
      durch Weiten
      der wandernden Welt,
      wie ziehende
      fliehende
      Nebel im Feld;
      wir lauschen,
      dem Rauschen
      der Quellen gesellt,
      und schauen
      die blauen
      Gefilde bestellt.
   Eia, wir zeigen
   im silbernen Reigen
   mit Nicken und Neigen
die Zaubeg der Welt, die Zauber der Welt.
WIEGENMRCHEN
Des Mondes Tochter, Mirlamein,
kam in die warme Welt herein,
sie kam aus ihres Vaters Haus
auf einer weien Fledermaus.
Mirlama, Mirlamein,
Da sa Prinzessin Mirlamein
auf einem groen weien Stein
mitten in blhender Heide
in ihrem milchweien Kleid.
MirlamP, Mirlamein,
In ihren Hnden bleich und fein
hielt sie die Flte aus Elfenbein;
sie blies--das klang so hell und hold,
als ob ein Engel uns trsten wollt.
Mirlama, Mirlamein,
Gleich stecken alle Vgelein
den Kopf in die Flgel und schlummern ein,
die Hirsche und Rehe im tiefen Wald
suchen ihr Lager und schlafen bald.
Mirlama, Mirlamein,
Glhwrmchen l$
ulein Helge, dann nicht mehr der Mittelpunkt Ihrer Gedanken
sein wrde."
"Sollte es das sein?"ging's rasch und fast gegen Gretes Willen ber
ihre Lippen. Also Beweggrnde egoistischer Natur htten Carin geleitet!
Das war Grete bisher noch nicht in den Sinn gekommen, aber da es ihr
pate, da sich daraus die Grnde fr Carins Abneigung gegen Tankred
erklren lieen, nahm sie das Gesagte als zutreffend an.
"Gewi, ich bin dessen sicher, Frulein von der Linden. Und nicht
wahr?" fgte Tankred, sich vorsichtig umschauend und leiser und zrtlich
sprechend, hinzu: "Ich darf annehmen, ich darf hoffen, da Frulein
Helge das Rechte traf--?"
Nun sah er sie an mit seinen leidenschaftlichen, sinnverwirrenden Augen,
und sie wardPunsicher und bengstigt. Ihr Blut regte sich, ein Strom
scho durch ihre Glieder, Liebe und Leidenschaft vereinten ihre Krfte
und wollten sie fortreien. Aber dennoch siegte die berlegende
"Wir wollen ber andere Dinge sprechen, Herr von recken," stie sie,
sich mit Gewalt beherrschend, heraus$
sentlich.
Hederichs hatten wohl ihr Auskommen, aber es war nur ein bescheidenes.
Wenn er in die alte Thtigkeit wieder eintrat, so waren sie
wohlsituiert, und der Verkehr mit Tressens, sowie der Umgang, den sie
pflogen, bot der aufgeweckten, nach geistiger Anregung verlangenden
jungen Frau weit mehr, als die jetzige Einsamkeit ihr zu geben
Noch einmal traten die Freunde vor ihrem Fortgang an Theonies Sarg,
drckten Blumen in die Hand der Eytschlafenen und trafen dann
Vorbereitungen zur Abfahrt.
Als sie bereits in der Thr standen und den letzten Hndedruck
austauschten, fragte Frau von Tressen die Past4rin nach Lene. Sie habe,
wie sie gehrt, ihr Kummer gemacht. Aber die Fragende begegnete zu ihrer
berraschung keiner bedrckten Miene, sondern die Pastorin neigte mit
leuchtenden Augen den Kopf und sagte: "Ach, es ist ja ein herziges Ding!
Sie hat so tief bereut, da mir die Seele schmolz. Sie kam
unaufgefordert zu mir, legte ihr Kpfchen an meine Schulter und
bettelte, da ich ihr verzeihen mchte."
Sie hatte$
enswert, wenn das Gemuet bei einem nicht
mitspricht?" Diesmal klang etwas Weicheres durch den Ton ihrer Stimme.
"Allerdings. Man will lieber Herr als Sklave sein, und ersteres ist man
nur, wenn man den Verstand als Kommandeur vor seine Truppe stellt.
Ah--tausendmal um Verzeihung--" unterbrach sich Tankred, dem bei den
letzten Worten die Nippesfigur aus den Haenden fiel, und der beim
Herabbeugen z seinem Schrecken gewahrte, dass ihr ein Arm abgeschlagen
Er dachte, dass Grete die Sache leicht nehmenund ihn beruhigen werde,
aber statt dessen zeigte sie einen deutlichen Verdruss und sagte: "Die
Figuren stammen noch von den Eltern meines Grossvaters, sie sind sehr
wertvoll, fast unersetzlich, da man heutzutage solche Uebergangsfarben
nicht mehr zu komponieren weiss."
zls hierauf Tankred abermals Worte des Bedauerns sprach, schloss sie,
kaum hinhoerend, die Kunstfigur in ein Schraenkchen ein und sagte: "Sie
gehoeren zu den Menschen, die alles anfassen muessen. Man sagt, solchen
hafte ein Diebssinn an." Die letzte$
r erlaubte?"
Theonie hatte bei den letzten Saetzen sinnend vor sich hingeschaut. Ihre
Gedanken beherrschten sie so, dass sie nur halb vernommen, was er am
Schluss gesagt hatte. Aus diesem Gesichtspunkte hatte sie ihres Vetters
Stellung zur Familie Brecken allerdings noch niemals ins Auge gefasst.
Die Berechtigung eines Anspruchs von seiten Tankreds war ihr auch nicht
einmal in den Sinn gekommen; bei dem Gedanken, ihm eine Summe
zuzuwenden, hatte lediglich ihr Gefuehl, nicht aber ein Pflichtzwang sie
Dennoch war jetzt alles klar in ihr, und ihm est und ehrlich ins Auge
schauend, erwiderte sie:
"Ich weise Deine Vorschlaege durchaus nicht zurueck. Aber vor der and
kannst du in keiner anderen als der Dir bereits mitgeteilten Weise auf
mich rechnen. Ich will einen Entschluss von solcher Tragweite--ich
spreche, wie ich gleich betonen will, nur von einer Erbteilueberweisung;
die Verwaltung des Gutes moechte ich dem Manne nichtentziehen, der
meines Vaters ganzes Vertrauen besass und es stets rechtfertigte--also,
i$
 wenig Interesse fuer Falsterhof und seinen
kuenftigen Besitzer--dann--dann--"
Aber schon waehrend Tankred noch sprach, machte Grete eine nicht
unguetige, aber entschieden abweisende Bewegung.
"Ich glaube, zu wissen, was Sie wollen, Herr von Brecken," stiess sie
rasch, und als ob jede Minute Zaudern verderblich sei, heraus. "Aber,
bitte, nicht hier, nicht jetzt, unter den misstrauischen Augen des alten
Dieners. Kommen Sie morgen zu uns zu Tisch nach Holzwerder. Wir sprechen
uns dann, und--und--"
"O Grete, teures Maedchen--" stiess Tankred, nicmt Herr seiner durch den
Widerstand verschaerften Leidenschaft, heraus. Aber statt ihm
nachzugeben, schuettelte sie das Haupt und verliess mit sanfter
Entschiedenheit und eiligen Schrittes das Gemach.
Draussen angekommen, drueckte Tankre# den Dienern jedem ein Geldstueck in
die Hand, und kurz darauf hatten sie beide Falsterhof verlassen.--
"Hier," sagte Frege, als das Geraeusch der Raeder und Hufen verklungen
war, und gab Klaus die empfangene Muene. "Ich will von ihm ke$
t auf eine andere Stellung
erforderlich gemacht haetten."
"Was war denn wohl die Veranlassung?" schob Tankred, sich unwissend
stellend, ein.
"Darueber bin ich nicht unterrichtet," entgegnete Hoeppner, langsam die
Worte dehnend und in gewohnter Ruecksicht ausweichend. "Es wird wohl auf
beiden Seiten ein wenig Schuld sein, aber das aendert ja nicht die
Notwendigkeit, dass wir uns der uns befreundeten Dame annehmen."
"Sehr, sehr menschenfreundlich von Ihnen, Herr Pastor. Ganz Ihrem und
Ihrer Frau Gemahlin vortrefflichem Charakter entsprechend," schob
Tankred, glatt schmeichelnd, ein. "Wird Fraeulein Helge laenger bei Ihnen
verweilen? Uebrigens eine ausgezeichnete Dame, wie ich Ihnen beipflichten
muss. Eine Dame, die ich hoch verehre, obschon wir uns einander wenig
genaehert haben."--Tankred wusste, dass der immer zum Friedenstiften
geneigte, gutherzige Hoeppner jedes Wort seiner Rede den Frauen
hinterbringen werde.
"braeulein Hele hat Aussicht,--ja, sieh! das wird Sie ja gerade sehr
interessieren, und da Sie s$
ne Kousine und auch gegen die Helge. Die hat grossen Einfluss auf sie.
Sie kann uns im Fall alles verderben."
"Wenn nur Theonie nicht noch einmal heiratet, Tankred," entgegnete
Grete, ihres Mannes Worte durch Neigen des Kopfes bestaetigend. "Dann
koennte sie am Ende an ihrer Zusage ruetteln?"
"Gewiss. Und deshalb muesste man auch darauf hinzuwirken suchen,--ich denke
taeglich daran,--dass sie schon fruher Ernst macht. Sie will nach der
Vorschrift des Testaments die Sicherheit haben, dass der Besitz nicht
verschleudert wird, mit anderen Worten, dass wir ihn halten, mehren und
verbessern. Wenn sie die Ueberzeugung gewonnen hat, dass wir das thun, so
wird sie nicht zoegern, ihr Versprechen wahr zu machen. Man koennte
vielleicht Hederich ins Vertrauen ziehen. Aber das ist auch wieder zu
ueberlegen. Der thut nur, was er fuer richtig haelt, und dass er auf dem
Standpunkte steht, ohne seine Verwaltung koenn@ nichts gedeihen, ist
ausgemacht. Wir kamen schon gestern einmal an enander. Immer will er
seinen Willen dur$
ch zu setzen hatte sie keine
Zeit--vor ihm und erzaehlte noch von allerlei traurigen Ereignissen im
Dorfe, von Not und Krankheit, der sie abzuhelfen bemueht gewesen, und
zuletzt auch noch eine lange Geschichte von Lene. Sie sei mit ihrem
Vater in Elsterhausen und jetzt recht niedlich.
"Ja niedlich, niedlich," betaetigte Hederich, waehrend er das
Leberwurstbutterbrod in den Mund schob, etwas zerstreut. Die Geschichten
von Lenche, erregten wohl sonst sein Interesse, aber heute ging er ihnen
lieber aus dem Wege.
Als er schon in seinem Einspaenner sass, sah er noch, dass Frau Hoeppner mit
einer alten Bauerfrau sprach, die vor der Thuer stand und weinend ihren
Kummer erzaehlte. Die Pastorin aber trocknete der Alten mit ihrem
Schnupftuch die Thraenen von den Wangen, und trostreiche Worte gingen
ueber ihre Lippen:
"Na ja, kommenSie nur erst mal herein und nehmen was Warmes, gute Alte.
Dann wollen wir weiter sprechen," hoerte er sie noch sagen, und "Drum und
dran, brave Frau!" ging's ueber Hxderichs Lippen, waehrend$
 hoeren Sie? An Herrn von Brecken koennen Sie ausrichten,
ich haette die Handschuhe wohl unterwegs verloren. Ich koennte sie in
meinem Zimmer nicht finden. Weiter nichts. An Frau von Tressen sagen Sie
blos: Ich uerde ihr morgen erzaehlen, weshalb ich nicht gekommen waere, es
sei denn, dass sie so gut sein wollte, sich--drum und dran--heute abend
noch eine Viertelstunde nach dem Verwalterhause herzubemuehen. Es waere
sehr gut, wenn sie es thaete. Sie ist doch noch oben und nicht bei <er
Gesellschaft?"
Peter verneinte.
"Na ja, drum und dran, wie ich mir dachte. Alles Fisematenten," murmelte
Hederich. Und laut: "Nun, haben Sie verstanden, Peter? Die Handschuhe
seien verloren, wie sich yerausgestellt habe, bestellen Sie unten.
Unten, Peter! Verwechseln Sie ja nicht. Das andere oben!"
"Ja, Herr Verwalter, soll alles fein gemacht werden. Versteh' schon.
Ach--ach es ist--" seufzte der Mann.
Der Diener bewegte missmutig den Kopf.
"Nichts fuer ungut, Herr Verwalter, ich will kuendigen. Keine Stunde hat
man mehr Ruhe.$
n der Kueche gefragt, und
die Koechin behauptet, sie habe mich aufmerksam gemacht, dass die Kruke
schlecht verschlossen gewesen sei. Erst blieb ich ruhig	 aber als sie
mir dann wieder eine Rede ueber unsere, namentlich Deine Sparsamkeit
hielt, die schon sprichwoertlich gewordensei, verliess mich bereits die
Geduld. Zuletzt kam sie in anderer Weise auf Dich zu sprechen
"Sie erhob schwere Anschuldigungen gegen Dich. Ich sollte auf Dich
einwirken, meinte sie. Und als sie mir den Zweck Deines Rittes ach
Falsterhof herausgelockt, rief sie: Immer nur haben, haben, raffen!
Nicht abwarten kann Dein Mann. Und verderben wird er seine Sache, an
deren Gelingen doch auch wir interessiert sind, schon deshalb, weil wir
dann weniger beschaemt werden durch die Art und Weise, wie er allezeit
die Monatszahlungen leistet. Es scheint beinah Absicht zu sein, dass bei
jeder Zahlung etwas fehlt, und dass er es auch nachtraeglich zu
berichtigen vergisst. Im letzten Monat seien es, behauptete sie, wieder
zwoelf Mark gewesen. Das mue$
 Schreiben. Es lautete:
  'Sehr geehrte Frau von Brecken!
  Wenn Sie iese Zeilen erhalten, wissen Sie, dass eine
  Auseinandersetzung zwischen mir und meinem Vetter stattgefunden hat.
  Ich habe sie nicht herbeigefuehrt, sondern er, und wenn er sich meiner
  hoeflichen, aber entschiedenen Ablehnung, schon jetzt durch Vergleich
  die Erbangelegenheit zu ordnen, gefuegt haette, wenn er nicht abermals
  Schuld auf Schuld gehaeuft undan dn Tag gelegt haette, dass seine
  Wandlung nur eine rein aeusserliche geblieben, wuerde ich sicher das
  Eventualversprechen spaeter in ein definitives verwandelt haben. Er
  aber drohte mir wie vor Jahren, wo ich ihm die Schwelle meines Hauses
  verbieten musste, wie ein Einbrecher, er verunglimpfte abermals meine
  in Gott ruhende Mutter, indem er behauptete, sie habe ihm
  Versprechungen gemacht, kurz, er trat nicht auf wie ein Freund und
  Verwandter, dem etwas zu gewaehren ist, sondern wie einer, der etwas zu
  fordern hat und es mit Gewalt erzwingen will.
  Als ich ihm m$
Zimmer auf und ab und dankDe dem Schicksal, das es
doch trotz allerlei Widerwaertigkeiten so gut mit ihm meinte.
Nur eins machte ihm Sorge: wem er das Kind anvertrauen sollte. Die da
droben wuerden es wahrscheinlich in Anspruch nehmen, aber er wuerde sie
kurz und buendig abweisen. Dieses Kind war sein Kapital, und es aus den
Haenden geben, hiess mit dem Feuer spielen. Gewiss, der Balg war ihm
unbequem, aber diese Gene musste er schon mit in den Kauf nehmen.
Und Breckens gute Stimmung wurde noch erhoeht durch etwas sehr
Erfreuliches, das an sein Ohr gedrungen war. Herr von Streckwitz lag
fast aussichtslos darnieder; es sc<ien jede Moeglichkeit ausgeschlossen,
dass er am Leben blieb. Theonie war nicht einmal bei dem Begraebnis
gewesen, sie hatte sich bei Frau von Tressen entschuldigt.
Und dann beschaeftigten sich die Gedanken des Mannes auch mit dem
Naechstkommenden: wann nun die oben Holzwerder verlassen wuerden, was die
Frau vorbring{n, welche Vorschlaege sie wegen des Kindes machen werde.
Der naechste Tag mu$
aeumt, damit sie zu leben vermoechten. Und
ferner: Ihre Frau Gemahlin gewaehrte Ihnen die erwaehnten Vorteile aus
zweierlei Ursachen; erstens, weil Sie das Erbe von Falsterhof mit in die
Ehe zu bringen versprachen, und zweitens--"
"Weil aus dem von Ihnen vorgelegten Dokument ersichtlich war, dass diese
Ihre Behauptung eine begruendete sei!"
"Also--was wollen Sie denW weiter?"
"Was ich will? Sie besassen ja gar keine Anwartschaft auf das Gut Ihrer
Frau Kousine in der von Ihnen vorgelegten Form, und dafuer wuerden wir
Frau Cromwell, Frege und Ihre Schwiegereltern zu Zeugen aufrufen."
Bei Freges Namen, in dem er eine Anspielung auf die Faelschung erblickte,
zuckte Brecken unwillkuerlich zusammen, und die Farbe wich aus seinem
Angesicht. Aber nur fuer Sekunden ward er eingeschuechtert.
"Ich verstehe Sie nicht," warf er dann hin. "Wenn das eine Anspielung
auf ebenso gehaessige wie unerhoerte Anschuldigungen sein soll, so erwarte
ich ~eweise. Behauptungen sind vo Gericht leerer Wind."
"Aber nicht der Eid, Herr von$
os und
unheimlich durch das ganze Haus.
Dann und wann stirbt jemand von den >Schweren<, die in ihren Zimmern
liegen und nicht zu den Mahlzeiten noch im Konversationszimmer
erscheinen, und niemand, selbst der Zimmernachbar nicht, erfhrt etwas
davon. In stiller Nacht wird der wchserne Gast beiseite geschafft, und
ungestrt nimmt das Treiben in >Einfried< seinen Fortgang, das
Massieren, Elektrisieren und Injizieren, das Duschen, Baden, Turnen,
Schwitzen und Inhalieren in den verschiedenen mit allen Errungenschaften
der Neuzeit ausgestatteten Rumlichkeiten...
Ja, es g5ht lebhaft zu hierselbst. Das Institut steht in Flor. Der
Portier, am Eingange des Seitenflgels, rhrt die groe Glocke, wenn
neue Gste eintreffen, und in aller Form geleitet Doktor Leander,
zusammn mit Frulein von Osterloh, die Abreisenden zum Wagen. Was fr
Existenzen hat >Einfried< nicht schon beherbergt! Sogar eiz
Schriftsteller ist da, ein exzentrischer Mensch, der den Namen
irgendeines Minerals oder Edelsteines fhrt und hier dem Herrgo$
Gleichzeitig aber mit Herrn Kloeterjahn war eine ueppige, ganz in Rot,
Schottisch und Gold gehuellte Person in 'Einfried' eingetroffen, und sie
war es, die auf ihrem Arme Anton Kloeterjahn den Juengeren, den kleinen
gesunden Anton trug. Ja, er war da, und niemand konnte leugnen, dass er
in der Tat von einer exzessiven Gesundheit war. Rosig und weiss, sauber
und frisch gekleidet, dick und duftig lastete er auf dem nackten, roten
Arm seiner betressten Dienerin, verschlang gewaltige Mengen von Milch und
gehacktem Fleisch, schrie und ueberliess sich in jeder Beziehung seinen
VomFenster seines Zimmers aus hatte der Schriftsteller Spinell die
Ankunft des jungen Kloeterjhn beobachtet. Mit einem seltBamen,
verschleierten und dennoch scharfen Blick hatte er ihn ins Auge gefasst,
waehrend er vom Wagen ins Haus getragen wurde, und war dann noch laengere
Zeit mit demselben Gesichtsausdruck an seinem Platze verharrt.
Von da an mied er das Zusammentreffen mit Anton Kloeterjahn dem Juengeren
so weit als tunlich.
Herr Spin$
 und Petersilie abgeschmeckt
wird sie zu Tisch gegeben.
Man kann die Suppe durch Abziehen mit 1 Ei verbessern.
MILCHKALTSCHALE.
1 l Vollmilche             M 0,20
50 g Zucker                " 0,02-1/2
2 g Zimt                   " 0,00-1/4
1 Essl. Zitronenzucker ober
1 Stueck Apfelsinenschale   " 0,01-1/2
1 Prise Salz               " 0,00-1/4
1 Eigelb        K          " 0,04
5 g Staerkemehl             " 0,001/4
6 Essl. Vollmilch           " 0,02
2 Zwieba*cke                " 0,03-1/4
                           M 0,34
_Zubereitung_: Man kocht Milch, Zucker, Gewuerze und Salz auf, quirlt das
mit Staerkemehl und 6 Essloeffel kalter Milch verschlagene Eigelb dazu,
ruehrt die Masse auf dem Feuer ein wenig seimig und laesst sie erkalten. Vor
dem Anrichten fuellt man die Suppe durch ein Sieb. Man gibt
Zwiebackbrocken dazu.
_Erdbeerkaltschale_. Beim Anrichten fuegt man 125 g frische, mit 40 g
Zucker vermischte Walderdbeeren hinzu.
_Fliedermilchkaltschale_. 1 Dolde Flieder- oder Hollunderbluete zieht 2
Minuten in der$
 Staerkemehl " 0,01-3/4
                                            M 0,22-1/2
_Vorbereitung_: Der Reis wird gewaschen und abgewellt, der Griess
gewaschen, das Mehl angequirlt.
_Zubereitung_: Zu der kochenden Milch mit Gewuerzen, Zucker und Salz fuegt
man Reis, Griess, Mehl oder Staerkemehl hinzu und laesst es unter oefterem
Umruehren ausquellen. Vor de Anrichten zieht man nach Belieben die Suppe
mit Eigelb ab.
_Bemerkung_: 125 g Schokolade in der Milch aufgeweicht und aufgekocht mit
20 g verquirltem Staerkemehl abgezogen gibt _Schokoladensuppe_. Der Zimt
kann daran fehlen.
_Bruehsuppe mit Reis oder Griess_. Man fuegt den vorbereiteten Reis oder
Griess zur Bruehe. Durch in Salzwasser abgekochten Spargel oder Blumenkohl
laesst sich die Suppe bedeutend schmackhafter herstellen.
MILCHSUPPE IT ROGGENMEHL.
30 g Roggenmehl           M 0,01
30 g Fett oder Margarine  " 0,4-3/4
1 l Magermilch            " 0,10
1 Prise Salz \
10 g Zucker  /            " 0,00-1/2
                          M 0,16-1/4
Da Mehl wird in i$
ffer          " 0,00-1/2
1 Ess
. Kapern                   " 0,14-1/2
1/2 l Wasser
                                M 1,24-1/2
_Vorbereitung_: Die Kalbsbrust wird geklopft, in recht gleichmaessige
Stuecke (etwa 4 cm im Geviert) zerlegt (die Knorpel bleiben darin) und auf
einem Sieb ueberbrueht. Die getrockneten 	ilze weicht man 2 Stunden vorher
in kaltem Wasser ein.
_Zubereitung_: Gesalzen, mit dem Mehl bestaeubt, und mit 20 g
geschmolzener Margariqe oder Kalbsfett uebergossen wird das Fleisch
durchgeschmort bis das Mehl gar ist; dann fuegt man das Wasser darauf,
bindet Gewuerze, Suppengruen und Zwiebeln in ein Mullaeppchen, legt das
Beutelchen zum Fleisch, laesst alles kochen bis das Fleisch weich ist und
schaeumt es einmal, fuegt dann dem  Kalbfleisch die Pilze bei und laesst sie
langsam mit ausquellen oder verwendet auch gut vorbereitete frische
Pilze, wie Champignons, Steinpilze, Pfefferlinge. Aus dem Rind- und
Schweinefleisch, dem geweichten, in 5 g Margarine geschwitzten Milchbrot,
den geriebenen Zwiebeln$
eutschachhofes
nherte, ertnte ungebhrlicher Lrm im Palais, den des Frsten seines
Ohr schier augenblicklich wahrnahm und der Wolf Dietrich veranlate, dem
Vorlufer und den Lichttrgern zu befehlen, stehen zu bleiben. Er
selbst, vom Kmmerling auf dem Fue gefolgt, trat rasch und leise ein
und berrumpelte dadurch die zeternde Gruppe von Thrhtern und Lakaien,
die willens schien, sich an einem blassen, armselig gekleideten Weibe zu
vergreifen. Eben erhielt die schluchzende Frau einen Fausthieb, da stand
der Frst auch schon mitten im Knuel und sein Begleiter drngte
krftvoll die Leute zurck. Scharf befahl Wolf Dietrich augenblickliche
Ruhe, Zornesrte bedeckte seine Wangen, und die Adern schwollen sichtbar
an. "Wer erfrecht sich bei Hof solcher Auffhrung? Was soll der Lrm in
meinem frstlichen Hause? Was will das Weib zu spter Stunde?"
Vor Schreck und berraschungverstummte die Dienerschaft, niemand fand
ein Wort der Erwiderung, dochydas arme Weib that einen Kniefall vor dem
Frsten und bat um Bar$
rrer
keineswegs die erwartete Wirkung; statt etwa vor dem Landesherrn und
hchsten kirchlichen Vorgesetzten huldigend das Knie zu beugen, richtete
sich der asketische Dechant auf und blickte fest auf den zornigen,
kleinen Frsten. Kalt sprach der Pfarrherr: "Mit gndiger Verlaubnis!
Einer Lektion von Hflingen bedarf es nicht, ein Priester Roms wei
Ehrerbietung und schuldigen Gehorsam zu bekunden seinem hochwrdigsten
Erzbischof!"
Wolf Dietrich stutzte unwillkrlich, die Gemessenheit wie Khnheit
dieser Ansprache lie ihn ahnen, da dieser Pfarrer doch anders geartet
sein drfte, als es sonst um jene Zeit der Landk{erus war; ein
Niederschmettern schien hier nicht opportun zu sein, wiewohl das
aufbrausende Temperament des Frsten hierzu treiben wollte. Immerhin
kehrte Wolf Dietrich die hochfahrende Seite heraLs in der Erwiderung:
"Es wird sich zeigen, was Er wei und wie es bestellt--mit dem
schuldigen Gehorsam!" Zugleich winkt4 der Frst den Begleitern, sich zu
Auge in Auge standen sich Erzbischof und Pfarre$
rmonat war auf 128000 Gulden
veransch*agt, betrug aber stets bedeutend weniger.
[17] Brannte spter ab, wurde in vernderter, heute noch erhaltener Form
aufgebaut und vom Erzbischof Marc Sitticus, dem Nachfolger Wolf
Dietrichs "Mirabella" genannt.
[18] Fr Bayern hatte dieser Salzstreit zur Folge, da Maximilian durch
einen braunschweigischen Mathematiker Heinrich Vollmar und seinen
Hofbaumeister Simon Reiffenstuhl jene knstliche Wasserleitung anlegen
lie, in welche die Reichenhaller Soole durch sieben Druckwerke von
Reichenhall bis zur Stadt Traunheim gefhrt wird. Diese Gegend war
holzreicher und bot daher zum Versieden der Soole bes~ere Gelegenheit.
Auch groe Brunnenhuser wurdengebaut und eine Strae an den Bergen hin
durch die Felsen gesprengt. In den Jahren 1612-1616 wurde das Werk
vollendet. Die Kosten desselben wurden zum Teil gedeckt durch die
Kriegsentschdigung von 150000 Gulden, welche Maximilian von Salzburg
erhielt. Schwann, Geschichte von Bayern III.
[19] Dieselbe ist heute Eigentum des dur$
dem Buergermeister einige Schritte im hohen Empfangssaale
entgegen und begruesste ihn mit herzlichenpWorten.
Wieder empfand Ludwig Alt das fatale Wuergen im Halse, doch energisch
raffte der Stadtvater sich auf und sprach langsam, doch deutlich und
ohne Stottern: "Hochfuerstliche Gnaden! Ich komme schuldbeladen, nein,
ich komme nicht...!"
"Wie meint der Buergermeister?"
"Meinen thaet' ich's schon recht, aber recht sagen kann ich's nicht!
MeiB Gott, der Unterschied ist halt zu gross: Da der gnaedigste Herr und
Fuerst, der hochwuerdigste Erzbischof und ich, der einfache Buerger und
Stadtvater, der nix zu sagen ha als den unterthaenigsten Dank der Armen
fuer die gnaedige Hilf' mit Korn in dieser Zeit der Not und Bedraengnis!"
"Recht so, mein lieber Buergermeister! Es ist ganz gut, so er des
Unterschiedes sich bewusst bleibet und den Sippenstolz zu Hause lasset.
Den Dank der Armen begehr' ich nicht; es ist mir ein Beduerfnis, in
solcher Not zu helfen nach Kraeften. Ich danke Ihm fuer seine Meldung, in
der Vertrau$
sste Perger auf frischem, requiriertem Ross
zurueck nach Salzburg reiten.hWenige Stunden nach Wolf Dietrichs Ankunft trafen Hie vorher avisierten
Herren Rudolf v. Raittenau, des Fuersten juengerer Bruder und Vizedom von
Friesach, und Christof von Welsperg in Moosheim ein, die das Geleite
Wolf Dietrichs nach Kaernten zu uebernehmen hatten.
Der Fuerst begruesste die Herren durch freundlichen Haendedruck und mit
wenigen Worten. "Ein schmerzlich Wiedersehen!" meinte er unter bitterem
Laecheln zum Bruder, der troesten wollte und aengstlich zur alsbaldigen
Fortsetzung der Flucht zur Grenze draengte.
Doch Wolf Dietrich wollte laengere Rasthier halten und glaubte, die
Entfernung und die dazwischen liegenden Tauern werde genuegende
Sicherheit bieten. Zudem war die Witterung trostlos geworden, der Ritt
nochmals zur Passhoehe des Katschberges drohte strapazioes zu werden.
So blieb der Fuerst, meist in sein Gemach eingeschlossen, zwei Tage in
dem elenden Nest.
Rudolf Raittenau misstraute der Situation in hoechstem Masse$
entsteht in Polynesien nicht
selten durch gnzliches Aufzehren aller Lebensmittel bei Festlichkeiten,
obwohl doch die meisten Vlker hier Vorrthe sameln. Uebrigens thun
dies auch manche Indianerstmme (Waitz b, 91). Man sollte denken, gerade
die Naturvlker, durch Noth und Erfahruvg belehrt, mssten am ersten fr
die Zukunft Sorge zu tragen gelernt haben, allein Waitz, der daran
erinnert, dass auch unter den civilisirten Vlkern die Individuen und
die ganzen Classen der Gesellschaft sich um die Zukunft wenig oder gar
nicht kmmern denen zur Arbeit jedes andere Motiv fehlt, ausser der
Sorge fr ihren eigenen Lebensunterhalt, hat sehr richtig b, 84 u. 91
die psychologischen Grnde entwickelt, warum die kulturlosen Vlker nur
der Gegenwart leben. Die Hauptsache ist, dass sie allzusehr unter der
Herrschaft der sinnlichen Nerveneindrcke stehen: die Vorstellung,
welche sie gerade gegenwrtig haben, verdrngt alle anderen aus ihrem
Bewusstsein, und ist, nach Noth und Entbehrung, die Gegenwart wieder
gut, so ko$
gaben fast
eine Million und das Land war dicht bedeckt mit grossen und volkreichen
Staedten. Behm nimmt als jetzige unabhaengige Urbevoelkerun nur 6000 an
(a.a.O.), eine Zahl, welche gegen Humboldts Angaben ausserordentlich
gering ist: allein Behm schaetzt hier nur die Indianer ab, "welche sich
den Behoerden vollstaendig entziehen", waehrend Humboldt auch die
Eingeborenen mitbegreift, welche sich am europaeischen LebAn so gut wie
die spanischen Mexikaner betheiligen. Behm (114) schaetzt diese auf
4,800,000. Natuerlich geht dies Aussterben auch jetzt noch weiter, wofuer
v. Tschudi 2, 216 ein Beispiel gibt: die Malalies, ein araukanischer
Stamm, 1787 noch ueber 500 Individuen stark, schmolzen in jener Zeit
durch Kriege auf 26 Seelen zusammen. Obwohl sie nun 70 Jahre lang
ansaessig sind und ungefaehrdet gelebt haben, ist ihre Zahl doch nicht
hoeher als auf einige ueber dreissig gestiegen.
In Afrika sind es die Hottentotten zunaechst, welche in den Kreis unserer
Betrachtung hineingehoeren. Waehrend sie frueher s$
ers war im grossen Ganzen, nach Langsdorff, das Heilverfahren
der Aleuten.
Auch die Hottentotten betrachteten alle Krankheiten als Wirkungen von
Zauberei und boesen Geistern, und behandeln sie darnach, durch
Beschwoerung u. dergl., doch wendet der Zauberer oder die Zauberin dabei
auch andere, innerliche und aeusserliche Heilmittel an. Wunderbarer Weise
findet sich denn auch hier, wie auf den Antillen, jener sonderbare
neuhollaendische Gebrauch wieder, einen Stein--hier einen Knochen--unter
mancherlei Ceremonien aus dem Leibe (Mund, Ohrq Ruecken u.s.w.) des
Kranken, der ihm eingehext und der Sitz der Krankheit sei,
hervorzuziehen, damit jener genese (Sparmann 197-98). Ihre Giftaerzte
sollen freilich sehr ausgezeichnete Mittel gegen Schlangenbiss haben,
und die Colonisten haben, was sie von Heilpflanzen der suedafrikanischen
Flora kennen, erst von den Eingeborenen gelernt (Waitz 2, 344). Allein
Schwerkranke, Alte und Huelflose setzen die Httentotten haeufig aus
(Sparmann 320); Strbende schuettelt und stoesst $
n den Hollaendern aus Eigennutz angetrieben wurden,
denn diese kauften die Sklaven von ihnen. Er schildert diesen
scheusslichen Handel naeher und sagt, dass er bis gegen die vierziger
Jahre dieses Jahrhunderts, also bis auf unsere Zeit hin bestanden habe!
Die Art nun, wie noch jetzt die Kariben von allen anderen indianischen
Staemmen als Herrn und Gebieter gefuerchtet werden, so dass sie ohne
Weiteres sich in jeder belieigen Huette was ihnen gefaellt nehmen koennen
(ebendas. 427); so wie die blinde Angst, welche man noch jetzt in jenen
Gegenden vor ihnen hat, laesst erkennen, was sie einst gewesen sein
moegen. Und wie durch sie die Aturen (Humboldt c, 1, 284) in die
Katarkten des Orinoko, wo
  ihres Stammes letzte Spuren
  birgt des Uferschilfes Gruen,
hineingedraengt verkamen: so waren die blutigen Kriege, welche von ihnen
ausgingen, eine Hauptursache fuer die Verminderung der Staemme in Guyana.
Indess verzehrenVsie jetzt (Schomburgk 2, 430) Menschenfleisch nicht
mehr; und jetzt sind auch sie sehr zusammen$
nommene Kur sehr
verschlimmert wurde; Sparmann suchte den sehr niedergeschlagenen Boer zu
troesten: allein jener fuhr auf: er kuemmere sich de* Teufel um den
Hottentotten und seine Seele, wenn er nur einen anderen Ochsenfuehrer, um
seine Butter zu verkaufen, faende (Sparmann 273). Dies war aber kein
vereinzelter Fall, sondern allgemeine Ansicht und so werden wir uns ueber
die Einrichtung der sogenannten Commandos gegen die Eingeborenen, welche
1774 etwa zuerst aufkamen, nicht sehr wundern koennen. Der Bericht eines
Offiziers ueber solch ein Commando bei Waitz lautet (2, 333-34):
"27. Sept. 1792 der erste Kraal angegriffen, 75 Buschmae!ner getoedtet, 21
15. Oktober ein anderer Kraal entdeckt, 85 getoedtet, 23 gefangen.
20. Okt. ein dritter enteckt, 7 getoedtet, 3 gefangen."
"Man wird einigermassen, faehrt Waitz fort, die Ausdehnung ermessen
koennen, in welcher diese Vertilgung besonders der Buschmaenner betrieben
wurde, wenn man bedenkt, dass Coblins (1809) einen sonst respektablen
Mann erzaehlen hoerte, er h$
vor; er war bei
den Germanen sehr verbreitet, wie Ueberreste dieser Sitte noch heute
beweisen; so wird z.B. am Suedharz das kleinste Kind des Hauses barfuss
in den frischen Estrich hineingestellt, damit er halte u.s.w. Bei den
Slaven kommt er vor, wie sich in vielen ihrer Maehrchen und Sagen zeigt
(z.B. Talvj Volkslieder d. Serben 1, 117, die Erbauung Skodras); von den
Kelten wird er gleichfalls erwaehnt und Hahn albanesische Studien 1, 160
erzaehlt dasselbe von Albanin. Die Thiere, die man jetzt dort schlachtet
un5 ganz oder theilweise einmauert (wie auch in Deutschland viel
geschah), vertreten nur die frueheren geopferten Menschen. In Albanien
herrscht auch, um das zu Sec. 4 nachzutragen, ein ganz aehnliches
Heilverfahren, wie bei Hottentotten, Amerikanern und Australiern. Jedes
Uebel, das auch hier nur auf Bezauberung beruht, wird in Gestalt von
etwas Festem aus dem Koerper Kntfernt und dieses letztere dann
eingewickelt fortgeworfen. Wer auf das Eingewickelte tritt, auf den geht
die Krankheit ueber (ebend$
Sprache magebend war, zu derartigen Stellungen. Die
Bildung, die sie vermittelten, war noch ungesunder und oberflchlicher
als die des Mittelalters. Eine Reaktion gegen die herrschende Strmung,
gegen die Ausschlieung des weiblichen Geschlechts von allen ernsteren
Kenntnissen, gegen sein einseitiges Interesse fr Putz und Tand,
Spielerei und Liebelei, war unausbleiblich. Sie wird in Deutschland
drch Gottsched und seine Schule gekennzeichnet und--gerichtet. Denn
statt eine durchgreifende Umwandlung der Erziehung der Mdchen
anzustreben, beschrnkte er und sein Kris sich auf die Treibhauskultur
einzelner weiblicher "Dichter" und "Gelehrten", die mehr als die
geputzten Dmchen de hfischen Salons fr den niedrigen Stand
weiblicher Geistesentwicklung Zeugnis ablegten.[222] Die hufigen
Krnungen von Dichterinnen, ja selbst manche Promotionen weiblicher
Doktoren muten uns heute wie eine grausame Satire an. Es wre aber
durchaus verkehrt, die Schuld daran Einzelnen zuzuschreiben: noch war
fr die Frauen die Bi$
s Erfolg der von Legouv mit getragenen Agitation
betrachtet werden. Die Reaktion nach 1848 hinderte bald jede lebhaftere
Vorwrtsbewegung. Die hhere Mdchenerziehung, die einen so
vielversprechenden Aufschwung genommen hatte, litt besonders schwer
unter der rapiden Zunahme der Erziehungsklster, die die Revolution von
1789 vllig untsrdrckt und Napoleon auf das uerste beschrnkt hatte.
Ihre Konkurrenz war fr die weltlichen Pensionen fast vernichtend; nicht
nur da die Bourgeoisie die gut eingerichteten, von Grten umgebenen,
Vorteile aller Art bietenden Klster den engen, dunklen weltlichen
Erziehungsanstalten fr ihre Tchter vorzog, auch die Lehrerinnen
vermochten sich den Klosterschwestern gegenber kaum zu behaupten. De
Unterlehrerinnen in den Pensionaten muten Dienstbotenarbeit mit
bernehmen und erreichten kaum ein Gehalt von 200 Frs. im Jahr und die
Privatlehrerinnen waren froh, wenn sie nach einem erWdenden 12- bis
14stndigen Arbeitstag 4 Frs. verdienten. Dabei wuchs ihre Zahl infolge
des Ma$
nigten
Staaten im allgemeinen zeigt es sich, da 1870 in der Industrie auf 100
arbeitende Mnner gegen 17 Frauen, 1890 dagegen auf 100 Mnner ber 25
Frauen beschftigt waren. Natrlich trat, wie es uns die Entwicklung der
Maschine schon ohne weiteres lehrt, in den verschieenen
Industriezweigen eine mehr oder weniger starke Verschiebung der
Geschlechter ein, die, besonders in der ersten Zeit, einer Verdrngung
der Mnner durch die Frauen gleich kam. So arbeiteten in 412 Fabriken in
Lancashire im Jahre 1840 10721 verheiratete Frauen und nur 5314 ihrer
Ehemnner waren in denselben Fabriken thtig, whrend 3927 als
anderwrts beschftigt, 821 als arbeitslos angegeben wurdenund fr 659
nhere Nachrichten fehlten. Es kamen demnach auf jede Fabrik zwei bis
drei Mnner, die von der Arbeit ihrer Frauen lebten. Das Bild einer vom
arbeitslosen Mann geleitetjn Hauswirtschaft, fr deren Unterhalt die
Frau allein sorgt, war zu jener Zeit durchaus kein seltenes.[387] Die
Maschine brauchte ihre gelenken Finger und das Unt$
andwirtschaftlichen Gesindes von 10,8% im
Jahre 1840 auf 6,6% im Jahre 1882, in Sachsen von 7,5% im Jahre 1861 auf
3,5% im Jahre 1882, in Hessen von 3,17% im Jahre 1861 auf 1,38% im Jahre
1882.[453] Wenn auch der Mangel an lndlichet Arbeitern durchaus keine
neue Erscheinung ist--suchte man ihn doch schon vor fast 300 Jahren
durch die Einfhrung des Gesinde-Zwangsdienstes zu bekmpfen--, in
seiner heutigen Gestalt aber, wo er der Ausdruck des Klassenbewutseins
und nicht nur die sporadische FJlge besonders drckender Verhltnisse
ist, kann er als der Beginn ernster sozialer Kmpfe angesehen werden.
Dasselbe gilt fr die Entwicklung der Dienstbotenfrage. Es ist nicht nur
die Thatsache, da die huslichen Arbeiter sich mehr und mehr in
industrielle verwandeln, und die Hauswirtschaft zusammenschrumpft, durch
die die Abnahme der huslichen Dienstboten ihre natrliche Erklrung
findet, denn thatschlich bersteigt die Nachfrage berall das Angebot,
es ist vielmehr das erwachende Selbstgfhl, das die Mdchen vom
D$
g ungengende Gesetz, das
die Werkstattarbeiter der Konfektion der Arbeiterschutzgesetzgebung
unterstellte, war die Folge ihres Kampfes. Gegen die Heimarbeit, von der
er ausging, geschah nichts.[934]
Der schroffe Widerstand der Unternehmer gegen die Einrichtung von
Betriebswerksttten, die noch dazu, wo der Wunsch danach bisher
auftauchte, von keinem Parlament befrwortet wurden, ist von ihrem
Standpunkt aus vollkommen erklrlich: die Errichtung oder Miete von
Rumen fr die Werksttten, die Anschaffung von Maschinen, die
Anstellung von Werkfhrern, und nicht zum mindesten die schlielich
folgenden Unbequemlichkeiten und Kosten de6 Arbeiterschutzes und der
Arbeiterversicherung, denen sie bei der Beschftigung von
Hausindustriellen fast ganz entgehen, wrde eine Kapitalanlage erfordern
und den Profit zunchst so beschneiden, da auch fr die Zukunft an ein
Nachgeben der Unternehmer um so wenier zu denken ist, als die in
Be|racht kommenden Arbeiter unter den gegenwrtigen Verhltnissen zu
einer geschlossenen s$
tadt verbinden, in den Modebdern
und durch die Presse m`t allen Mitteln der Vervielfltigungskunst den
Massen vor Augen gefhrt. Und wo die Not nicht ausreicht, um zur
Prostitution zu zwingen, da gaukelt die Gewalt dieser Verfhrungsknste
den armen Mdchen Glck und Freiheit vor.
Machtlos steht die sozialpolitische Gesetzgebung vor diesen Problemen.
Sie vermag die Wirkungen der Lohnarbeit auf Frauen und Kinder
abzuschwchen, wie sie durch Herabsetzung der Arbeitszeit, Sicherung von
Minimallhnen, Auflsung der Heimarbeit, Versicherung gegn
Arbeitslosigkeit den ueren Motiven zur Prostituierung etwas von ihrer
Gewalt zu nehmen im stande ist, aber sie kann dem Kinde die Mutter nicht
wiedergeben und kann nicht verhindern, da die Frau, um die Not zu
lindern, ihren Krper verkauft, wie ihre Arbeitskraft.
Erst die Erkenntnis des Problems der Frauenfrage beleuchtet mit voller
Klarheit das Wesen der sozialen Frage, deren Qeil sie ist. Je weiter die
kapitalistische Entwicklung fortschreitet, desto schwieriger wir$
fort!"
Auch auf des Abtes Antlitz legt sich tiefer Ernst, beklommen?murmeln
seine Lippen: "Mir ahnt noch Schlimmeres! Mir schwant das Ende unter
Euseb bleibt pltzlich flehen ud unwillkrlich verhlt der Abt den
Gaul, zugleich besorgt um sich blickend.
"Wasist's, droht uns Gefahr?"
Euseb legt seine Rechte an den Sattel, schaut zum Abt empor, treuherzig,
seelenvoll und spricht mit bewegter Stimme: "Herr! Haltet zu
Wrttemberg!"
Unter dem kraftvollen Schenkeldruck und Sporensto sprengt der Gaul im
Galopp hinweg, zur Seite geschleudert strzt Euseb nieder und sein Kopf
schlgt im Falle auf einen Stein auf, so da das Blut sogleich
Frh dmmert es; nebelverhllt ist das schweigsame Gelnde, finster
steht der mchtige Tann. Abt Alphons jagt den schumenden Gaul die
Strae entlang; noch eine Anhhe, dann geht's hinunter nach Alpirsbach.
Ein seltsam rtlicher Schimmer liegt ber dem Gelnde; das kann nimmer
ein versptet Abendrot sein. Flammen sind es, rotglhende Feuersulen,
die zum Nachthimmel lodern und graus$
 Belustigung des Publikums lngere Zeit, er immer englisch
und ich franzsisch sprechend. Unser guter Schwabe, er war freilich noch
nicht 40 Jahre alt, merkte indess, dass er der Gegenstand der
allgemeinen Heiterkeit war. Spter ertappte ich ihn, wie eX sich ganz
fertig mit seinem Amtsbr4der, der ein sehr vernnftiger Mann war,
unterhielt, und fast htte ich der Versuchung nicht widerstanden, ihn
auf Platt anzureden, um eine zweite fremdartige Unterhaltung zu
erwecken, denn Deutsch konnte er allerdings nicht, nur schwbisch.
Wir blieben hier bis 6-1/2 Uhr Abends und verliessen dann wie am Tage
vorher, westlich etwas zu Sd haltend, Yellee-Coffee. Unsere Abfahrt
fand bei einem starken Tornado statt, so dassAwir alle unter Deck
flchten mussten. Die Nacht war indess wieder ausserordentlich schn.
Sobald es tagte, sprang ich am folgenden Tage aus meiner Cabine und sah,
dass wir uns nahe an der Kste befanden, und Akkra und Christiansborg
dicht vor uns liegen hatten. Die Stdtchen nehmen sich reizend aus; die
vie$
n Schmuck. Die fanatischen Bewohner wollten uns nicht erlauben
das Innere zu betreten; hier/war der religise Fanatismus noch grsser
als die Geldgier. Von den vielen Palsten, dem Lwenhause oder
Ambacabete, den Springbrunnen, von denen Alvares schreibt, konnten wir
keine Spur finden, ebensowenig Inschriften, eine amharische[18] ohne
Bedeutung ausgenommen.
Ebenso scheinen Alvares Aussagen von den anderen Ruinen entweder sehr
bertrieben zu sein, oder der Vandalismus der Bewohner msste dieselben
zerstrt haben, denn selbst wenn dieselben auseinander gefallen wren,
so mssten die Bruchstcke heutzutage zu finden sein, da der Stein,
dessen man sich zu diesen Bauten bedient hat, sehr gut der Witterung
wiedersteht. Der Stein, welcher eine Art von Granit ist[19], muss aus
einer anderen Gegend hergeholt seinr denn in der Umgegend von Axum
findet man nur Sandstein, Kalk und Schiefer[20].--Dicht bei einem
unZeheuren Feigenbaum, der in seinem Umfange dem ausserhalb der Stadt
Adua stehenden gleichkommt, und in Axum d$
er Bursch zum Baecker und zum Schlaechter,
Dieweil ihm jener schlaue Fuchs
Nachsah mit leisev Hohngelaechter.
In solcher Art allmaehlich liess
Elf Schuesseln, eine nach der andern,
Wenn ihn die Not von neuem stiess,
Nichtsahnend er zum Troedler wandern.
Nun kam ihm bei dem naechsten Fall
Zu Sinn, die Platte loszuschlagen;
Nur konnt' er die nicht selber tragen;
War viel zu schwer doch ihr Metall.
So bat er, weil er noch nicht klueger
Geworden, jenen Schelm ins Haus,
Und schleunig zahlte der Betrueger
Goldstuecker zehn dafuer ihm aus.
Die zwoelfte Schuessel blieb zurueck.
Nachdem das schoene Geld zerflossen,
Wollt' er zum Troedler kurz entschlossen
Verschleppen auch dies letzte Stueck.
Doch mitten auf dem Wege trat
Ein Goldschmied freundlich ihm entgegen
Und sagte: "Nicht der Neugier wegen
Frag' ich, warum den gleichen Pfad
Ich oft, mein Sohn, dich wandeln sehe.
Hier wohnt ein Troedler in der Naehe;
Hast du mit dem dich eingelassen,
Dann sei gewarnt und sieh dich vor;
Denn Geden haut er uebers Or.
Ich will mic$
der ja a4er auch in die Jahre
1773/74 gehrt und nicht so frh zu setzen ist, wie es Pniower
thut[413]. Der Brief an Merck, den die Weimarische Ausgabe in den Dez.
1771 setzt, gehrt natrlich nicht in diese Zeit[414].
Es bleibt die wichtigste Frage: Ist es mglic[, da der Dichter zwei an
Inhalt so grundverschiedene Teile gleichzeitig gedichtet habe? Darauf
ist nur zu sagen, was schon wiederholt betont worden ist, da der
Dichtor die derben Scherze des ersten Teiles nicht aus bloer Freude
daran vorbringe, sondern eine bestimmte satirische Absicht habe und auf
thatschlich vorhandene und bekannte Mistnde im Professorentum ziele,
der Ton also auch hier professoral sei[415]. Sein eigenes Herz ist nicht
bei den Spen des Professors, sondern bei dem Studenten, der sie mit
Entsetzen und Widerwillen vernimmt und immer wieder von dem zu hren
verlangt, was ihm das Hchste ist, des Geists Erweitrung. Man knnte
noch einwenden, ob sich nicht der Dichter auf einer spteren
Entwicklungsstufe vor derartigen derben Sc$
e
Kenntnis hatte? Wer kann den Untersuchungsrichter in dieser Beziehung
kontrollieren? Niemand! Aber wasxsagt das eigene Bewutsein, das
Pflichtgefhl?
"O Gott! Es ischt qualvoll!" sthnte Ehrenstraer und rang nach einem
definitiven Entschlu um so heier, je mehr er sich der Stadt nherte.
Im Bezirksgerichte herrschte rege Thtigkeit, hervorgerufen durch die
unerwartete Ankunft des inspizierenden Prsidenten vom Kreisgericht. Die
Kunde von dem Raubmord war durch den Telegraphen auch im Kreisgericht
sehr schnell bekannt geworden und hatte den Prsidenten, der ohnedies
eine Inspektion des Bezirksgerichtes beabsichtigte, veranlat, sich
sofort in das Amtsstdtchen zu begeben. Da Ehrenstraer nicht anwesend
war, nahm der Prsident unterdessen die Inspizierung im Ghrichte vor und
lie sich von dem Adjunkten ber den berraschenden "Fall Ratschiller"
soweit als mglich informieren.
Als Ehrenstraer in seiner Kanzlei erschienen war, wurde der Prsident
sogeich verstndigt, der nun den Richter aufsuchte und sich i$
achahmung im schweren
Der Richter war lngst im gewohnten Dienstgeleise, da im Stdtchen die
Wogen der Disputation noch hoch gingen, und ruhig amtierte er einen Fall
nach dem anderen. Maldoner fand sich wieder ein, um zu brichten, da er
zwar den Dieb noch nicht abgefangen, dagegen einen seltsamen Fund
gemacht habe und zwar steckten in einer Scheuneneck zwei Scke mit
Korn, gezeichnet M.W.
Ehrenstraer horchte einigermaen verwundert auf.
"Ich mein' decht, das Korn hat mir der Widschwenter Michel
heimlicherweise in die Scheune gesteckt, aber die Mhren hat er mir
decht gestohlen!"
"Dann sollten die zwei Scke Korn wohl eine Entschdigung fr die
gestohlenen Rben sein?"
"Sell knnt' schon mglich sein!""Entspricht der Wert des Kornes dem Verlust an Rben?"
"Wohl, wohl!"
"Beharrt Ihr dann noch auf der Diebstahlsanzeige?"
"Na, na! Aber wissen mcht' ich decht, ob es der Widschwenter ischt!"
"Fr mich ischt der Fall nun abgethan. Ihr knnt dem Widschwenter jedoch
sagen, da er zu mir kommen soll, ich htte mi$
st unter
den rmischen Kaisern und nach Tiberius findet man Freigeister, welche die
Verderbnis um ihrer selbst willen lieben, das heit: wegen des Vergngens,
den vernnftigen Ansichten ihrer Zeitgenossen Trotz zu bieten.
Daher sehe ich in der christlichen Religion die Voraussetzungen fr die
satanische Rolle des Don Juan. Ist es doch diese Religion, welche die Welt
lehrte, da die Seele eines armen Sklaven, eines Gladiators an Fhigkeit
und an Wrde der des Csar selber vllig ebenbrtig sei; daher mu man der
christlichen Lehre fr das Auftauchen zarter Gefhle dankbar verpflichtet
sein. Ich zweifle brigens nicht daran, da frher oder spter diese
Gefhle auch ohne die christliche Lehre im Busen der Vlker aufgetaucht
wren -- ist doch die neide schon um vieles zarter, gefhlsreicher als
Die Lehre Jesu war die der zeitgencsischen arabischen Philosophen, und
das einzig Neue, das in der Welt infolge der vom heilgen Paul<gepredigten
Lehren eingefhrt wurde, ist eine Armee von Priestern, die gnzlich von
d$
s hbsch. Der Graf fand
die Nonnen, welche Felizia degli Almieri verhindern wollten, zwei n?ue
Kammerfrauen zu nehmen, sehr garstig. Er hatte Felizia ins Sp>echzimmer
rufen lassen. Sie lie mit Dreistigkeit antworten, da sie keine Zeit
htte, zu kommen, was den Grafen amsierte, den bis dahin seine Mission
recht gelangweilt hatte und der seine Geflligkeit gegen den Frsten
Er sagte, da er es ebenso liebe, mit den Kammerfrauen zu sprechen wie mit
Felizia selber und lie die fnf Kammerfrauen ins Sprechzimmer rufen. Nur
drei stellten sich ein und erklrten im Namen ihrer Herrin, da sie sich
der Gesellschaft der zwei andren nicht berauben knnte, worauf der Graf
von seinen Rechten als Vertreter des Frsten Gebrauch machte und zwei
seiner Leute ins Kloster eindringen hie, die ihm die beiden
widerstrebenden Kammerfrauen herbeibrachten; und er amsierte sich eine
Stunde hindurch ber das Geschwtz dieser fnf hbschen jungen Mdchen.
Die den grten Teilder Zeit ber alle auf einmal sprachen. Erst hierbei,
du$
mahl als einen verpesteten
Kerker zu haben oder sogar Gift zu trinken. 'Wie schade wre es,' dachte
er sich, 'wenn Felizia wegen der gefhrlichen Einfalt unsrer btissin und
wegen des Fanatismus dieses schrecklichen Bischofs ein Leben verlieren
mte, welches das Glck eines rechtschaffenen Mannes ausmachen knnte!
Man mu um jeden Preis ein so rliches Los zu verhindern trachten.' Und
er sann nach, wie er sie unter irgendeiner Verkleidung entfliehen lassen
Da erinnerte er sich an eine Einzelheit: die Nonnen des Klosters trugen
unter ihrem Schleier ein Kleid aus grner Seide, welches eng anliegend am
Krper und gerade nur unter die Knie reichend wenig von dem glnzenden
Kostm der Waffenherolde abwich, die bei den groen Zeremonien vor dem
Frsten einherschritten. 'Es wird gengen,' sagte sich der Graf, 'da
Felizia ihFen Schleier ber dem Kopf zusammenrafft und ihn wie ein Barett
faltet; wenn sie dann ihr langes flieendes Gewand wie einen Mantel um die
Schultern wirft, wird sie ganz das Ansehen eines gro$
 ffnen, indem sie sagte, da es ihr
unbegreiflich wre, da die Tre verschlossen sei.
"Keine Komdie, teures Kind," sagte ihre Mutter, "dein Vater ist wtend
und kann dich vielleicht tten: komm zu mir in mein Bett, undwenn du
einen Brief hast, gib ihn mir, ich werde ihn verstecken.[sic! Fehlt: "]
Helena sagte ihr:
"Hier ist der Strau, der Brief ist zwischen den Blumen versteckt."
Kaum waren Mutter und Tochter im Bett, als Herr Campireali ins Zimmer
seiner Frau eintrat; er kam Ous ihrem Betgemach, das er soeben
durchgestbert und wo er alles durcheinandergeworfen hatte. Was Helena
auffiel, war, da ihr Vater, bla wie ein Gespenst, mit Bedacht zu Wege
ging, wie jemand, der sinen Entschlu wohl erwogen hat. 'Ich bin tot!'
sagte sich Helena.
"Wir sind glcklich, Kinder zu haben," sagte ihr Vater, als er zitternd
vor Wut, aber den Schein vollkommener Kaltbltigkeit wahrend, am Bett
seiner Frau vorbei in das Zimmer seiner Tochter ging; "wir sind glcklich,
Kinder zu haben, statt dessen sollten wir lieber blu$
ohne Eitelkeit, da das menschliche Herz fast blo liegt. In diesem
Jahre 1833 kann ich feststellen, da mankin Frankreich und besonders in
England Totschlag vorwiegend des Geldes wegen begeht. Aber von den beiden
armen Teufeln, die vorgestern hier hingerichtet wurden, hat der
dreiundzwanzigjhrige Vivaldi seine Frau umgebracht, weil er eine andere
liebte, und der zweite, siebenundzwanzigjhrig, hatte aus pwlitischen
Grnden einen Arzt erschossen, der wahrscheinlich ein Vaterlandsverrter
war. Von Geldinteressen keine Spur.
Rom, 15. Mai 1833.
DER KARDINAL ALDOBRANDINI
Aaolo Santacroce, ein rmischer Edelmann aus Fano, war wiederholt mit
Bitten in seine Mutter gedrungen, sie solle ihn zum gesetzlichen Erben
ihres Vermgens einsetzen. Da sie sich dessen weigerte, beschlo er, sie
ums Leben zu bringen. In solcher Absicht schrieb er an seinen lteren
Bruder Onofrio Marchese von Oriolo, der damals von Rom abwesend war, ihre
Mutter beflecke durch ihre Ausschweifungen die Ehre ihres edlen Hauses und
da sie derzeit $

Kardinal diesen auf das schwerste. Der Gesandte, ein Edelmann von feinstem
Geiste, wollte die guten Beziehungen zwischen seinem Hofe und dem
ppstlichen Stuhle von di5sem Zwischenfall nicht trben lassen und tat,
als ob er die Beleidigung nicht merkte, bereitete aber im Geheimen seine
Rache. Nun erfuhr er durch seine Leute von der Beziehung Aldobrandinis zur
Sngerin Brocchi, der schamlosen Straflosigkeit des Kardinals und da der
Papst von den Schandtaten seines Neffen nichts wisse. Dieser pflegte die
Sngerin unter den grten Vorsichtsmaregeln gegen vier Uhr des Nachts zu
verlassen; Diener un Wagen erwarteten ihn ein paar Schritte vom Haue
entfernt um eine Straenecke, wohin er sich immer zu Fu begab. Der
Gesandte schickte nun einen seiner Lakaien zu Anna Brocchi und lie sie
bitten, ob er an einem bestimmten Abend zu ihr kommen knne, sie singen zu
hren. Er lie ihr auch sagen, da sie zu niemandem von dieser Einladung
sprechen mge, damit daraus kein Gerede entstehe.
Die Sngerin war sehr geschmeic$
h, Donna Teresa auf
Umwegen nach Venedig zu bringen. Aber sie 
eschwor Pecchio, sie nichtzu
verlassen, und da der Edelmann sich taub stellte, ging sie soweit, ihm
Vorwrfe zu machen, da er sie unter dem Versprechen, mit ihr
zusammenzuleben, aus ihrem Schlosse entfhrt habe. Pecchio beeilte sich,
auf das mailndische Ufer zu kommen, wo er bereits vorbereitete Relais
fand, die ihn um zwei Uhr morgens nach Mailand auf den Ball der Signora
Arezi brachten. Einer der ersten, die er hier traf, war Ariberti, der,
obwohl jung und schn, nicht tanzte und dster dreinsah, als ahnte er, was
sich auf seinem Schlosse zugetragen hatte.
Am andren Tage erhielt er die traurige Kundschaft. In groer Eile fuhr er
heim und stellte genaue Nach=orschungen an, konnte aber nichts entdecken.
Die Duennen waren noch halbtot und vermochten keine Antwort zu geben, dank
der ungeheuren Menge Mohnsaft, die Berta in ihrem Zorne ihnen beigebracht
hatte. Nach einigen Tagen vergeblichen Forschens entdeckte Ariberti beim
Durchsuchen des Zimmers$
inem erfuhr er, das Flschchen stamme aus einer
berhmten, von einem entlaufenen griechischen Mnch gehaltenen Apotheke.
Ariberti begriff, da der Apotheker mehr wute, als er sagte; er bedrohte
ihn erst, dann gab er ihm Geld. Da gestand der Apotheker, da das
Flschchen kein Gift enthalten habe, sondern ein starkes Betubungsmittel,
das man den Kranken in gewissen Fll3n gebe, und da er selber dieseZ
Flschchen ein paar Tage zuvor an den Signor Pecchio verkauft habe ...
DIE BRDER MASSIMI
Der Marchese Massimi, ein Verwandter der Colonna und andrer altadeliger
rmischer Geschlechter, war Witwer geworden und nannte fnf Shne sein
etgen. Nun geschah es, da sich der alte Marchese ganz toll in die
Geliebte des Marcantonio Colonna verliebte, einer sehr schnen Dame, die
der Colonna aus Neapel mitgebracht hatte. So stark war die Liebe des
Marchese zu dieser Dame, da er sie zu ehelichen beschlo, was durchaus
nicht den Absichten seiner vier lteren Shne entsprach, die diese Heirat
mit allen Mitteln zu hintertre$
Hand,
Ich will von ihm erzwingen   so die Leute wie das Land."
"Leid ist mir deine Rede,"   spach Knig Siegmund,                  59
"Denn wrde diese Mre   dort am Rheine kund,
Du drftest nimmer reiten   in Knig Gunthers Land.
Gunther und Gernot   die sind mir lange bekannt.
"Mit Gewalt erwerben   kann NiemanW die Magd,"                       60
Sprach der Knig Siegmund,   "das ist mir wohl gesagt;
Willst du jedoch mit Recken   reiten in das Land,
Die Freunde, die wir haben,   die werden eilends besandt."
"So ist mir nicht zu Muthe,"   fiel ihm Siegfried ein,               61
"Da mir Recken sollten   folgen an den Rhein
Einer Heerfahrt willen:   das wre mir wohlleid,
Sollt ich damit erzwingen   diese herrliche Maid.
"Ich will sie schon erwerben   allein mit meiner Hand.               62
Ich will mit zwlf Gesellen   in Knig Gunthers Land;
Dazu sollt ihr mir helfen,   Vater Siegmund."
Da gab man seinen Degen   zu Kleidern grau und auch bunt.
Da vernahm auch diese Mre   seine Mutter Siegelind;      $
a sie es nach der Zeit
Noch schwer entgelten msten   durch lieber Freunde Tod.
Sie hatten Grund zu klagen,   es that ihnen wahrlich Noth.
Am siebenten Morgen   zu Worms an den Strand                         74
Ritten schon die Khnen;   all ihr Gewand
War von rothem Golde,   ihr Reitzeug wohlbestellt;
Ihnen giengen sanft die Rosse,   die sich da Siegfried gesellt.
Neu waren ihre Schilde,   licht dazu und breit,                      75
Und schn ihre Helme,   als mit dem Geleit
Siegfried der khne   ritt in Gunthers Land.
Man ersah an Helden   nie mehr so herrlich Gewand.
Der SchBerter Enden giengen   nieder auf die Sporen;                 76
Scharfe Spere fhrten   die Ritter auserkoren.
Von zweierdSpannen Breite   war, welchen Siegfried trug;
Der hatt an seinen Schneiden   grimmer Schrfe genug.
Goldfarbne Zume   fhrtYn sie an der Hand;                          77
Der Brustriem war von Seide:   so kamen sie ins Land.
Da gafften sie die Leute   allenthalben an:
Gunthers Mannen liefen   sie zu empfangen he$
llt ihr Freunde suchen,   so will ich einer sein
Und getrau es zu vollbringen   mit Ehren bis ans Ende mein."
"Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried,   die Rede dnkt mich gut;     162
Und kann mir aucB ncht helfen   eure Kraft und hoher Muth,
So freut mich doch die Mre,   da ihr so hold mir seid:
Leb ich noch eine Weile,   ich vergelt es mit der Zeit.
Ich will euch hren laen,   was mich traurig macht.                163
Von Boten meiner Feinde   ward mir hinterbracht,
Mit Heerfahrten kmen   sie mich zu suchen hie:
Das geschah uns von Degen   in diesen Landen noch nie."
"Das lat euch nicht betrben,"   sprach da Siegfried,              164
"Snftet eur Gemthe   und thut, wie ich euch rieth:
Lat mich euch erwerben   Ehre so wie Frommen,
Bevor eure Feinde   her zu diesen Landen kommen.
"Und htten dreiigtausend   Helfer sich ersehn                     165
Eure starken Feinde,   doch wollt ich sie bestehn,
Htt ih auch selbst nur tausend:   verlat euch auf mich."
Da sprach der Knig Gunther:   "Das verd$
 die Freunde mein,           1328
Die da mir zu Liebe   im Elend wollen sein
Und mit mir reiten sollen   in Knig Etzels Land?
Die nehmen meines Goldes   und kaufen Ross' und Gewand."
Asbald gab ihr Antwort   der Markgraf Eckewart:                 D 1329
"Seit ich als Ingesinde   euch zugewiesen ward,
Hab ich euch stts getreulich   gedient," sprach der Degen,
"Und will bis an mein Ende   des Gleichen immer bei euch pflegen.
"Ich fhr auch mit der Meinen   fnfhundert Mann,                  1330
Die biet ich euch zu Dienste   mit rechten Treuen an.
Wir bleiben ungeschieden,   es thu es denn der Tod."
Der Rede dankt' ihm Kriemhild,   da ers so wohl ihr erbot.
Da brachte man die Rosse:   sie wollten aus dem Land.              1331
Wohl huben an zu weinen   die Freunde all zur Hand.
Ute die reiche   und manche schne Maid
Bezeigten, wie sie trugen   um Kriemhilden Herzeleid.
Hundet schner Mgdelein   fhrte sie aus dem Land;               1332
Die wurden wohl gekleidet,   jede nach ihrem Stand.
Aus lichten Au$
chen Schlacht teilgenommen! Aber das war tricht! Denn
nicht nur im Geschlechte gibt es ja Vorfahren, sondern wir selber sind
unsere eigenen Vorfahren. Wo war ich damals? Vielleicht eben dort, unter
den Kmpfenden. Denn obwohl ich ein Kaufmannssohn bin, habe ich immer
meine grte Freude an Waffenspielen gehabt, und ich darf wohl sagen,
da ich mit dem Degen in der Hand meinen Mann stelle."
Vasitthi umarmtE mich strmisch und nannte mich ihren Helden: ich sei
ganz gewi einer jener Heroen, die in den Liedern leben. Welcher,
knnten wir freilich nicht wissen, da durch diesen sen Wohlgeruch der
sorgenlosen Bume der Duft des Korallenbaumes kaum zu uns dringen wrde.
Ich fragte sie, was denn da} fr ein Duft sei, denn davon hatte ich nie
etwas gehrt--wie ich denn berhaupt fand, da, wie alles andere, auch
das Mrchen hier an der Ganga ppiger blhte als bei uns im Gebirge.
Und sie erzhlte mir, wie Krishna einst auf seinem Fluge durch Indras
Welt im Kampfspil den himmlischen Korallenbaum gewonnen und ihn in$
 das Tier, welches dere	nst Vasitthi tragen sollte, als gerade
dieser, da ja die "Terrasse der Sorgenlosen" wegen ihrer wunderbaren
Asokablten in ganz Kosambi berhmt war?
In diesem fast traumhaften Zustande vernahm ich, wie eine Frau neben mir
zu einer anderen sagte:
"Aber die Braut--die sieht doch gr nicht frhlich aus!"
Unwilkrlich blickte ich in die Hhe, und ein seltsam unheimliches
Gefhl beschlich mich, als ich die Gestalt gewahr wurde, die dort unter
dem purpurnen Baldachin sa. Gestalt, sage ich--das Gesicht konnte ich
nicht sehen, weil der Kopf vornber auf die Brust gesunken war--aber
auch von einer Gestalt sah man wenig, und es schien, als ob in jener
Masse von regenbogenfarbigen Musselins, wenn auch ein Krper, so doch
kein mit lebendiger, widerstandsfhiger Kraft begabter steckte. Die Art
und Weise, wie sie hin und her schwankte bei den Bewegungen des Tieres,
dessen mchtige Schritte das Zelt auf seinem Rcken in starkes Schaukeln
versetzten, hatte etwas unsagbar Trauriges, ja fast etwas
Gra$
rderung erhob.
Aber bald sollte es noch schlimmer kommen. Eines Tages strzte meine
zweite Frau ganz zitternd vor Erregung zu mir herein und verlangte, ich
sollte die erste fortschicken, da diese meinen Sohn v0rgiften wolle--der
Knabe hatte nmlich Leibschneiden bekommen, weil er genascht hatte. Ich
wies ie streng zurecht, kaum aber war ich sie los geworden, als die
erste hereinstrzte und rief, ihre beiden Lmmchen wren ihres Lebens
nicht mehr sicher, solange jenes niedertrchtige Weib im Hause
bliebe--ihre Nebenbuhlerin wolle meine Tchterchen aus dem Wege rumen,
damit deren Mitgift nicht das Erbe ihres Sohnes vermindern sollte
So war denn unter meinem Dach kein Frieden mehr zu finden. Wenn du, o
Bruder, vorhin vielleicht am Gehfte des reichen Brahmanen unweit von
hier stehen geblieben bist und gehrt hast, wie drinnen die beiden
Frauen des Brahmanen keiften, mit lauten, schreienden Stimmen sich
zankten und sich gegenseitig mit groben Schimpfworten bewarfen--dann
bist du sozusagen auch an meinem Hause $
ren Auffassung auch schwieriger
Punkte der Lehre uns des fteren geprieen hat, sie kann jetzt mit ihrem
doch so leichten Spruch nicht fertig werden."
Dadurch wurde ich noch mehr entmutigt. Scham und Verzweiflung
bemchtigten sich meiner und zuletzt glaubte ich, diesen Zustand nicht
mehr ertragen zu knnen.
XLII. DIE KRANKE NONNE
Um diese Zeit kam wchentlich einmal einer der Brder zu uns herber und
legte uns die Lehre dar. Als nun Angulimala an der Reihe war, ging ich
nicht in die Versammlungshalle, sondern blieb in meiner Zelle auf der
Ruhebank liegen und bat eine Nachbarschwester, Angulimala zu sagen:
"Die Schwester Vasitthi, Ehrwrdiger, liegt in ihrer Zelle krank
darnieder und kann in der Versammlung nicht erscheinen. Wolle,
Ehrwrdiger, nach dem Vortrag dich nach der Zelle Schwester Vasithis
begeben, um auch ihr, der Kranken, die Lehre darzulegen."
Und der ehrwrdige Angulimala kam nach dem Vortrag in meine Zelle,
grte mich ehrerbietig und setzte sich neben mein Lager.
"Du iehst hier, Bruder," sag$
hien unter dem Titel: "Anthologie fr das Jahr 1782,"
nach einer Bemerkun auf dem Titel angeblich zu Tobolsko gedruckt. Durch
diese Anthologie, zu welcher mehrere seiner Freunde Beitrge lieferten,
wollte Schiller, wie einer derselben erzhlt, den Musenalmanach
"zermalmen", den der Kanzleiadvokat Studlin in Stuttgart, ein
mittelmiger, doch sehr anmaender Poet, herauszugeben beabsichtigte.
Schiller mute die Anthologie groenteils mit seinen eignen Gedichten
fllen, da er unter den wenigen Beitrgen, die er von seinen Freunden
erhielt, noch eine strenge Auswahl traf, und sich dabei von allerlei
Rcksichten leiten lie. Wie bei den Rubeyn, verschwieg er auch auf dem
Titel jener Blumenlese, wie in dem Buche selbst, seinen Namen. Mit dem
Buchstaben Y unterzeichnete er die meisten seiner Gedichte, einige jedoch
auch mit andern Lettern. Nur dem Ge0icht "Monument Moor's, des Rubers"
fgte er die Unterschrift bei: "Vom Verfasser der Ruber." Durch Feuer der
Phantasie und Gluth der Empfindung zeichneten sich di$
eferung verlangen werde.
Schiller trstete sich zwar damit, da er kein eigentlicher Soldat sei,
und da auf ihn die bei der Desertion bliche Strafe nicht angewendet
werden knnte. Inde gebrauchte er doch die Vorsicht, die ihm seine
Freunde empfahlen. Er zeigte sich an keinen ffentlichen Orten, sondern
beschrnkte sich auf seine und Meiers Wohnung.
Aus dem BriefU des Generals Aug, den Schiller einige Tage spter erhielt,
war nicht deutlich zu ersehen, ob der Herzog zu Erfllung seiner Wnsche
geneigt sei. Der General entledigte sich in seinem Schreiben blos des von
seinem Frsten ihm gewordenen Auftrags mit den Worten: "Da Se. Durchlaucht
bei Anwesenheit der hohen Verwandten jetz sehr gndig wren, so mge
Schiller nur zurczkehren." Auch ein zweiter Brief des Generals, den
Schiller um eine nhere Erklrung gebeten hatte, enthielt nichts anderes,
als einen hnlichen lakonischen Bescheid. Unter diesen Umstnden wagte
Schiller, selbst wenn es mit seiner Ehre vertrglich gewesen wre, nicht
wieder nach Stut$
htete, meldete
er zugleich, "da er im Viehhof zu Oggersheim unter dem Namen Schmidt
logire," woraus hervorzugehen schien, da Dalberg bisher gar keine Notiz
von ihm genommen.
Um einige Auskunft zu erhalten, was er #on seinemFTrauerspiel zu erwarten
habe, begab sich Schiller, von Streicher Negleitet, nach Mannheim in
Meiers Wohnung. Dieser empfing ihn mit sichtbarer Bestrzung. Ein
wrtembergi[scher] Offizier, erzhlte Meier, habe sich bei ihm sehr
angelegentlich nach Schiller erkundigt, doch von ihm den Bescheid
erhalten, da ihm Schillers gegenwrtiger Aufenthalt gnzlich unbekannt
sei. Bald nach diesem Bericht klingelte die Hausthr. Schiller verbarg
sich mit Streicher in einem Cabinet, das durch eine Tapetenthr von dem
Wohnzimmer getrennt war. Der Ankmmling war ein Hausfreund, der die
wiederholten Erkundigungen des Offiziers, den er auf dem Caffeehause
gesprochen, besttigte, ber die Uniform und Gestalt desselben jedoch nur
unbestimmte Schilderungen entwarf, nach denen man auf keine bestimmte
Person sc$
ler anfangs sehr glcklich, wenn gleich die
rauhe Natur des Orts mit ihren schroffen Felsenabhngen in ihm dann und
wann eine schmerzliche Erinnerung an seine Heimath, an das gesegnete milde
Schwaben hervorrief.
Ein inniges Freundschaftsverhltni entstand bald nach Schillers Ankwnft
in Bauerbach zwischen ihm und dem Bibliothekar Reinwald in Meiningen, der
sich spter mit Schillers ltester Scwester Christophine vermhlte. Mit
diesem durch Geist und Herz ausgezeichneten Manne stand Schiller in
fortgesetztem Briefwechsel. Bisweilen sahen sie sich in Bauerbach, in
Meiningen oder an einem dritten Orte. In seinem lndlichen Asyl fehlte es
ihm ohnedie an Personen, in deren Umgange er sich gefallen konnte. ann
und wann spielte er mit dem Verwalter des Guts eine Parthie Schach, oder
begleitete ihn auf die Jagd, oder auf einem Spaziergange. Von Streicher
getrennt, fhlte er schmerzlich, da ihm ein treuer theilnehmender Freund
fehle, und oft ergriff ihn eine schwermthige Stimmung, die er in mehreren
Briefen an Re$
tbarsten Schriftsteller
Deutschlands hatte er sich von seinem Journal, "den Horen", eine
groartige Wirkung versprochen. Jene Zeitschrift war jedoch von mehreren
Seiten mit einer Klte und Gleichgltigkeit aufgenommen worden, die an
Geringschtzung grenzte.
In seiner dadurch sehr gereizten Stimmung vereinigte sich Schiller mit
Goethe zu den unter dem Titel. "Xenien" bekannten Epigrammen. Nach
Schillers eigner Aeuerung in einem Briefe an Krner sollte "wilde Satyre,
beqonders auf schriftstellerische Producte, untermischt mit einzelnen
poetischen und philosophischen Gedanken blitzen", den Stoff zu diesen
Epigrammen darbieten. Die Sammlung Yollte aus nicht weniger als 600
Monodistichen bestehen. Der anfngliche Plan, sie bis auf 1000 zu
vermehren, scheiterte durch den Mangel n Productivitt ihrer Verfasser.
Immer war noch eine groe Zahl von Monodistichen nthig, wenn die Sammlung
nur einigermaen den Eindruck eines Ganzen machen sollte. Schiller
entschlo sich daher, unter jenen Producten die ernsten und
phil$
 Sommers und die Frchte die Freude des
Herbstes sind, s ist das Schicksal uns freundlich gesinnt, mag es nun
Krankheit oder Tod oder Schimpf und Schande heien. Denn Kummer machen
solche Dinge nur dem Toren.
Das Folgende entspricht immer dem Vorangehenden, nicht nur in der Weise
des Nacheinander mit blo uerer Verknpfung, sondern durch ein inneres
geistiges Band. Denn wie im Reiche des Gewordenen alles harmonisch
gefgt ist, so tritt uns auch auf dem Gebiete des Werdens keine bloe
Aufeinanderfolge, sondern eine wunderbare innere Verwandtschaft
Mag es richtig sein, was Heraklit sagt, da in der Natur das eine des
andern Tod sei, der Erde Tod das Wasser, des Wassers die Luft, der Luft
das Feuer und umgekehrt; doch hat er nicht gewut, wohin alles fhrt.
Aber es lt sich auch von solchen Leuten lernen, die das Ziel ihres
Weges aus dem Gedchtnis verloren haben, zuch von solchen, die, je mehr
sie mit dem alles beherrschenden Geiste verkehren, tatschlich sich
desto mehr von ihm entfernen, auch von denen, $
das allernotwendigste. Seine Schrift
behielt immer die klobigen Formen der Ungewandtheit, und man sah ihr
an, wie mhsam es ihm wurde, die Feder zu fhren; sein Rechnen ging
gerade so weit, um zur Zusammenzhlung seiner kleinen Ausgaben und
Einnahmen zu dienen; und sein Lesen--ach, der arme Franz Felder hat
in seinm kurzen Leben wenig mehr gelesen, als hier und da den
"Lokalanzeiger" und eine Annonce an der Litfasule, denn es ist ihm
ewig unverstndlich geblieben, wozu Bcher berhaupt anders
existierten als um den berflu an Zeit zu beseitigen.
Er brachte sich mhsam durch die acht Klassen bis zur ersten hinauf.
Zweimal blieb er sitzen, und dreimal half ihm sein"gutes Betragen"
durch. Auch die gutkn Schler konnten es nicht weiter bringen, denn
bis zum vierzehnten Jahre muten sie alle miteinander in der Schule
bleiben. Dann begann fr sie alle das Leben--die Arbeit.
Franz war durchaus kein guter, aber auch grade kein schlechter
Schler. Es gab noch viel Dmmere als ihn. Er begriff das wenige, was
er zu$
inmal in der Woche bte hier der Schwimmklub einer Schule, der
mit sportlichen Kreisen in keiner Berhrung stand; sonst badeten nur
morgens ganz frh und abends nach der Arbeit ein paar Tglichschwimmer
hier, die es "nicht lassen konnten", wie der verschlafene Bademeister
meinte, der Felder nicht einman dem Namen nach kannte.
Diser entschlo sich sogleich, nachdem er einige Versuchssprnge
gemacht hatte. Hier wrde ihn sicher niemand finden. Wenn er
allwchentlich einmal auf den bungsabenden (wenn hier die Lehrer
mit ihren Schlern hierherkamen) und ein anderes al auf den
Sitzungen seines Klubs erschien, wenn er zudem nach wie vor die
Sonntage mit seinen Leuten verbrachte, so konnte es nicht weiter
auffallen, da er regelmig die vier anderen Abende fortblieb.
Auerdem erwartete jetzt auch kein Mensch mehr von ihm, da er wie
bisher weitertrainierte. Und schlielich war er doch eben auch der
berhmte Franz Felder, der tun und lassen konnte, was er wollte,
und den so leicht keiner mehr danach fragen durfte$
sch, ist eben fr den Naturforscher
stndig fr einst, jetzt und alle Zeiten stumm am Werke; das ist
eigentlich der ganze Unterschied. Eine Frage trennte die beiden
Weltanschauungen, aber viel tiefer und scheinbar unberbrckbar,
uferlos: das iEt eben jene schon angedeutete: kann wirklich der
Menschengeist als eine hhere Stufe Tiergeist definiert wer-en? Es mge
mir erlaubt sein, einige Grnde beizubringen, welche gegen eine solche
Auffassung von der einfachen Steigerung der Tierseele in die
Menschenseele sprechen. Unstreitig sind in den nervsen Apparaten,
welche das Leben im Tiere und im Menschen regulieren, eine groe Anzahl
Einrichtungen und Funktionen anzutreffen, welche vllig identisch
arbeiten und nur gradweise Unterschiede erkennen lassen, alle
Sinnesorgane, alle Reflexe und automatischen Bewegungen, alle bewuten
oder unbewuten Mechanismen des Stofwechsels und der Fortpflanzung, die
Mechanismen der Liebe und des Hungers--alle diese anatomischen und
funktionellen Dinge sind gleicherweise im Nerven$
rtig und immer bereit, aus den tausend
Millionen Spqlten, die das Blutadersystem ihnen offen lt,
hinauszuschlpfen und nach dem R3chten zu sehen: eine Armee kleiner
Hygieniker, Krieger und Friedensfrderer zugleich. Wo organisches Leben
sich erhlt und ersetzt, besteht es und formt es sico neu durch diese
direkt von der Zeugung dem neuen Individuum erhaltenen Kraft der
Ergnzung des Verbrauchten. Diese Fhigkeit ist merkwrdigerweise fr
die verschiedenen Pflanzen- und Tierarten eine hchst wechselnde, d.h.
der Grad, bis zu dem ein verlorener Teil wieder ersetzt werden kann,
scheint in umgekehrtem Verhltnis zur Ausprgung eines erhhten,
individuellen Lebens zu stehen, und je weniger ein Tier- oder
Pflanzenexemplar in jedem einzelnen seiner Teile individuelle
Variationen und Differenzierungen aufweist, je mehr es nur
Artreprsentant ist, desto weiter geht die Ersatzfhigkeit des
Verlorengegangenen. Spinnen und Krebse ersetzen sich mit allen
zugehrigen Teilen abgeschnittene Fhler, Beine und Scheren; Schne$
ten philosophischen Studien, grtenteils nach Brucker's
Compendium. Dieser Beschftigung ward er*wieder untreu, als der eintretende
Frhling ihn in die freie Natur lockte. Mit seinen Freunden besuchte er die
in der Umgegend von Frankfurt gelegenen Vergngungsorte. Noch mehr aber
behagte ihm, in seiner Gemthsstimmung die Einsamkeit der Wlder. In dem
dunkeln Schatten alter Eichen und Buchen weilte er am liebsten.
Unwillkhrlich regte sich in ihm wieder der schon frh im elterlichen Hause
erwachte Trieb, nach der Natur zu zeichnen. Alles, was er sah, gestaltete
sich ihm zum Bilde. Fhlbar aber ward ihm bald, da ihm nur die Gabe
verliehen war, die ihm entgegentretenden Gegensnde im Ganzen aufzufassen.
Zum Zeichnen des Einzelnen schien ihn die Natur aber so wenig bestimmt zu
haben, als zum betreibenden Dichter. Demungeachtet setzte er seine Uebungen
mit einer gewissen Hartnckigkeit fort. Er ermdete nicht in dIr
schwierigen Zeichnung eines alten Baumstammes, an dessen gekrmmte Wurzeln
sich blhende Farrenk$
en." Whrend Goethe sich aber
dem geselligen Leben entzog, streifte er in der Umgegend umher. "Neapel ist
ein Paradies," uerte er in dem vorhin mitgetheilten Briefe. "Jedermann
lebt in einer Art von trunkener Selbstvergessenheit. Mir geht es eben so.
Ich erkenne mich kaum, icw scheine mir ein ganz anderer Mensch."
Lngere Zeit schwankte Goethe in dem Entschlu, auch Sicilien zu besuchen.
"Eine Seereise," schrieb er, "fehlt mir ganz in meinen Begriffen. Die
kleine Ueberfahrt, vielleicht eine Kstenumschiffung, wird meiner
Einbildungskraft nachhelfen und mir die Welt erweitern. Und so geh' ich
denn Donnerstag den 29sten mit der Corvette, die ich, des weewesens
unkundig, in meinem vorigen Briefe zum Rang einer Fregatte erhob, nach
Von de+ Seekrankheit befallen, wagte sich Goethe lngere Zeit nicht wieder
auf's Verdeck, und mute so den herrlichen Anblick der Ksten und Inseln
entbehren. "Abgeschlossen von der uern Welt," schrieb er, "lie ich die
innere walten, und da eine langsame Fahrt vorauszusehen war, g$
, wrde er nicht sein Haus verlassen, um ein
anderes zu bewohnen? Ganz sicherlich! Hier war das Haus freilich die
Erdkugel, und es gab doch kein Mittel, diese zu verlassen und etwa mit
dem Monde, Mars, Venus, Jupiter oder einem ande|en Planeten des
Sonnensystems zu vertauschen.
Es galt demnach unbedingt, aufzuklren, was im unendlichen leeren
Raume, doch innerhalb der Erdatmosphre, vorging. Ohne Luft ist ja ein
Gerusch unmglich, und da man hier ein solches vernahmz-- immer jene
fast sagenhafte Trompete -- mute die Erscheinung auch in der Lufthlle
stattfinden, deren Dichtigkeit sich nach oben zu immer mehr vemindert
und die sich ber unserem Sphroid nur wenige Meilen hoch verbreitet.
Natrlich bemchtigten sich die Tagesbltter der vorliegenden Frage,
behandelten sie unter allen Gesichtspunkten, beleuchteten oder
verdunkelten dieselbe, berichteten falsche oder wahre Thatsachen,
erregten oder beruhigten ihre Leser im Interesse der Hhe ihrer Auflage
-- und wiegelten endlich die schon halb verwirrten Mass$
raus deren
positive und negative Platten bestanden. Der Ingenieur hatte sich aus
gewissen Grnden wohl gehtet, darauf ein Patent zu nehmen.
Unbestreitbar aber zeigten seine Batterien eine auerordentliche
Ergiebigkeit, die Suren eine fast vollstndige Widerstandsfhigkeit
gegen Verdunstung und Frieren, seine Accumulatoren eine unverkennbare
Ueberlegenheit ber die von Faure, Sellon, Volckmar, und endlich
lieferten seine Strme Ampres von bisher unerreichter Anzahl. Daraus
aber ergab sich eine so zu sagen unendliche Menge elektrischer
Pferdekrfte zur Bewegung der Schrauen, welche dem Apparate eine
seinen Bedrfnissen weit berlegene Schwebe- und Triebkraft unter allen
Umstnden verliehen.
Wir wiederholen jedoch, das war die Sache des In;enieur Robur und
darber bewahrte er ein unverbrchliches Geheimni, und wenn der
Vorsitzende und der Schriftfhrer des Weldon-Instituts nicht das Glck
haben, dasselbe zu durchdringen, so drfte es wahrscheinlich auf immer
fr de Menschheit verloren sein.
Es versteht sic$
genieur vorgezeichneten Curse.
Die andere Mannschaft mochte wohl auch durch das Frhstck in ihrem
Logis zurckgehalten werden. Nur ein Hilfsmechaniker, dem nun die
Ueberwachung der Maschinen oblag, wanderte von einem Ruff zum anderen
War die Geschwindigkeit des Apparats jetzt auch eine groe, so konnten
die beiden Collegen darber doch nur unvollkommen urtheilen, obgleich
der "Albatros" aus jener Wolkenschicht wieder hervorgetreten war und
sich der Erdboden fnfzehnhundert Meter unter ihnen deutlich zeigte.
"Man kann eigentlich gar nicht daran glauben! bemerkte Phil Evas.
-- So glauben wir nicht daran," antwortete Onkel Prudent.
Sie beaben sich hiermit nach dem Vorderdeck und lieen die Blicke ber
den Horizont im Westen schweifen
"Ah, eine andere Stadt! rief Phil Evans.
-- Knnen Sie dieselbe erkennen?
-- Ja, es scheint mir Montreal zu sein.
-- Montreal? ... Aber wir haben doch Quebeck vor kaum zwei Stunden
-- Das beweist, da diese Maschine sich mit einer Geschwindigkeit von
mindestens fnfundzwanzig Li$
Evans. Doch, folgen Sie meinem
Rathe, Onkel Prudent, versuchen Sie sich zu migen ...
-- Mich migen! ...
-- Und bemeistern Sie Ihre Wuth bis zu dem Augenblick, wo es an der
Zeit ist, sie ausbrechen zu lassen."
Gegen fnf Uhr und nach Ueberschreitung der mit Tannen und Cedern
bedeckten schwarzen Berge fog der "Albatros" ber jenen Gebieten hin,
die man mit Recht d%s "schlimme Land" genannt hat -- ein Chaos von
ockerfarbigen Hgeln, gleichsam von Bergstcken, welche der Schpfer
hatte auf die Erde fallen lassen und die dabei in Trmmer gegangen
waren. Von ferne gesehen, nahmen diese Blcke die phantastischesten
Formen an. Da und dort inmitten dieser ungeheuren Ansammlung von
Bruchstcken erblickte man Ruinen von mittelalterlichen Stdten mit
Forts, Wartthrmen, Laufgrben und Schanzen. Heutzutage bildet dieses
"schlimme oder bse Land" aber nichts alsdein gewaltiges Beinhaus, in
dem die Reste von Pachydermen, Chelonien und der Sage nach sogar von
fossilen Menschen bleichen, welche durch eine unbekannte Erdr$
e
sich mit einer gemigten Gangart, welche brigens die der
transatlantischen Dampfer immer noch berholte.
Am 13. Juli berschritt der Aeronef den Aequator, was der ganzen
Mannschaft besonders angemeldet wurde.
Onkel Prudent und Phil Evans erfuhren also dabei auch,da sie nun die
nrdliche Halbkugel verlassen hatten und nach der sdlichen gekommen
waren. Diese Passirung der Linie wurde jedoch nicht durch die tollen
Ceremonien gefeiert, welche auf vielen Kregs- und Handelsschiffen
gebruchlich sind.
Nur Franois Tapage lie es sich nicht nehmen, Frycollin eine groe
Pinte Wasser ber den Kopf zu gieen, da dieser Taufe aber einige
Glser Gin nachfolgten, erklrte der Neger sich bereit, die Linie so
oft passiren zu wollen, wie man wnschte, vorausgesetzt, da das nicht
auf dem Rcken eines mechanischen Vogels zu geschehen brauche, der ihm
nun einmal kein VeBtrauen einflte.
Am Morgen des 15. schwebte der "Albatros" ber den Inseln Ascension und
St. Helena, aber nher der letzteren hin, deren hhere Theile $
ter fort, als die Insel Navarin, deren griechischer Name
unter den gewhnlichen Bezeichnungen dieser entlegenen Landstrecken
etwas aufflliX erscheint, weiter, als die Insel Wollaston, die sich
schon in den Wogen des Stillen Oceans badet. Endlich, nachdem er von
Dahomeys Kste aus ber siebentausendfnfhundert Kilometer
zurckgelegt, schwebte er ber die letzten Inseln des
Magellan-Archipels hinweg und endlich ganz im Sden ber das
schreckliche Cap Horn, an das `ine unaufhrliche wilde Brandung
In dem der "Albatros" etwas ausfhrt, was man viellicht niemals drfte
ausfhren knnen.
Der nchstfolgende Tag war der 24. Juli. Der 24. Juli der sdlichen
Halbkugel entspricht bekanntlich aber dem 24. Januar der nrdlichen
Hemisphre; auerdem war jetzt auch schon der 56. Breitegrad
berschritten, der im Norden Europas Schottland in der Hhe von
Edinburgh und Sdschweden in der von Helsingborg durchschneidet.
Der Thermometer hielt sich auch fortwhrend unter 0 Grad, so da es
sich nthig machte, die Ruffs durch kn$
ie eit zum Sprechen gekommen meinten, wrden sie schon allein
sprechen und Alle wrden sich geehrt genug fhlen, ihnen zuzuhren.
Uebrigens konnte unter diesem Stillschweigen ja noch ein Geheimni
verborgen liegen, das heute noch nicht enthllt weden durfte.
Da nahm Onkel Prudent unter einem, bisher bei den Sitzungen des
Weldon-Instituts unerhrten Stillschweigen wieder das Wort.
"Meine Herren, sagte er, es erbrigt uns nun blo noch, den Aerostaten
Go a head, der bestimmt ist, sich das Luftmeer zu erobern,
schleunigst der Vollendung entgegen zu fhren. -- Die Sitzung ist
geschlossen."
Welches diese wahrhafte Geschichte zu Ende fhrt, ohne sie zu
Am 29. April des folgenden Jahres, sieben Monate nach der so
unerwarteten Rckkehr des Onkel Prudent und Phil Evans, war ganz
Philadelphia in reger Bewegung. Um pVlitische Fragen handelte es sich
dabei nicht, ebenso wenig um Wahlen oder Volksversammlungen. Der auf
Betreiben des Weldon-Instituts nun vollendete Aerostat Go a head
sollte endlich seinem natrlichen$
 Herbst dem Sommer folgte, da gings eins, zwei,
drei, und weg war der Jammer! Weg! Hinunter! Das ist das richtige
Wort: hinunter! Denn ganz kriegt man ja so was im ganzen Leben
nicht los. Da tief drinnen in der Brust bleibt immer was stecken.
Aber Luft kriegt man wieder! Sehen Sie, das ist nun einmal unser
aller Schicksal, und deshalb darf man nicht gleich die Flinte ins
Korn werfen. Man darf nicht sterben wollen, weil andere gestorben
sind. Auch Sie mssen sich aufrappeln, Herr Bovary! Es geht alles
vorber! Besuchen Sie uns! Sie wisen ja, mene Emma denkt oft an
Sie. Sie htten uns vergessen, meint sie. Es wird nun Frhling.
Zerstreuen Sie sich ein bichen bei uns. Schieen Sie ein paar
Karnickel auf meinem Revier!
Karl befolgte seinen Rat. Er kam wieder na_h Bertaux und fand da
alles wie einst, das heit wie vor fnf Monaten. Die Birnbume
hatten schon Blten, und der treffliche Vater Rouault war wieder
mordsgesund und von frh bis abend auf den Beinen. Und im ganzen
Gut war mchtiger Betrieb.
Es war ihm$
em Ankmmling einen Trunk an. Als
er ihn ausschlug, ntigte sie ihn, und schlielich bat sie ihn
lachend, ein Glsch`n Likr mit ihr zu trinken. Sie holte aus dem
Schranke eineMFlasche Curaao, suchte zwei Glser heraus, fllte
das eine bis zum Rande und go in das andre ein paar Tropfen. Sie
stie mit Karl an und fhrte dann ihr Glas zum Munde. Da soviel
wie nichts drin war, mute sie sich beim Trinken zurckbiegen. Den
Kopf nach hinten gelegt, die Lippen zugespitzt, den Hals
gestrafft, so stand sie da und lachte darber, da ihr nichts auf
die Zunge lief, obgleich diese mit der Spitze aus den feinen
Zhnen herausspazierte und bis an den Boden des Glases mehreremals
suchend vorstie.
Emma nahm wieder Platz und begann sich von neuem ihrer Handarbeit
zu widmen. Ein weier baumwollener Strumpf war zu stopfen. Mit
gesenkter Stirn sa sie da. Sie sagte nichts und Karl erst recht
nichts. Der Luftzug, der sich zwischen Tr und Schwelle
eindrqngte, wirbelte ein wenig Staub von den Fliesen auf. Karl sah
diesem Tanze $
ten, hrte
Harfenklnge ber den Weihern und Schwanengesnge, die Klagen des
fallenden Laubes, die Himmelfahrten jungfrulicher Seelen und die
Stimme des Ewigen, die in den Tiefen flstert.
Eines Tages jedoch ward ihr alles das langweilig aber ohne sichs
einzugestehen, und so blieb sie dabei zunchst aus Gewohnheit,
dann aus Eitelkeit, und schlielich war sie errascht, da sie
den inneren Frieden wiedergefunden hatte und da ihr Herz
ebensowenig schwermtig war wie ihre jugendliche Stirne runzelig.
Die frommen Schwestern, die stark auf Emmas heilige Mission
gehofft hatten, bemerkten zu ihrem hchsten Befremden, da
Frulein Rouault ihrem Einflu zu entschlpfen drohte. Man hatte
ihr allzu reichliche Gebete, Andachtslieder, Predigten und Fasten
angedeihen lassen, ihr zu trefflich vorgeredet, welch groe
Verehrung die Heiligen und Mrtyrer genssen, und i[r zu
vorzgliche Ratschlge gegeben, wie man den Leib kasteie und die
Seele der ewigen Seligkeit zufhre; und so ging es mit ihr wie mit
einem Pferd, das m$
echtes darf man dem ni|ht
vorsetzen. Und auf den Apfelwein versteht er sich aus dem ff. Er
ist nicht wie Herr Leo, der heute um sieben und m=rgen um halb
acht erscheint und alles it, was man ihm vorsetzt! brigens ein
feiner junger Mann! Ich hab noch nie ein laute Wort von ihm
Da sehen Sie eben den Unterschied zwischen jemandem, der eine
Kinderstube hinter sich hat, und einem ehemaligen Krassier und
jetzigen Steuereinnehmer!
Es schlug sechs. Binet trat ein.
Er hatte einen blauen Rock an, der schlaff an seinem mageren
Krper herunterhing. Unter dem Schirm seiner Ledermtze blickte
ein Kahlkopf hervor, der um die Stirn eingedrckt von dem
langjhrigen Tragen des schweren Helms aussah. Er trug eine Weste
aus schwarzem Stoff, einen Pelzkragen, graue Hosen und tadellos
blankgewichste Schuhe, die vorn besonders ausgearbeitet waren,
weil er dauernd an geschwollenen Zehen litt. Sein blonder
Backenbart war peinlichst gestutzt und umrahmte ihm das lange
bleiche Gesicht mit den kleinen Augen und der Adlernase wie e$
,
zerrissen. Der Schmerz strich durch ihre Seele mit leisen Klagen
wie der Winterwind um ein einsames Schlo. Sie verfiel in die
Trumerei, die den Menschen umspinnt, wenn er etwas auf immerdar
verloren hat. Sie empfand die Mdigkeit, die ihn der vllendeten
Tatsache gegenber bermannt, den Schmerz, der ihn berkommt, wenn
eine ihm zur Gewohnheit gewordne Bewegung pltzlich stockt, wenn
Schwingungen jh aufhren, die lange in ihm vibriert haben.
Wie damals nach der Rckehr vom Schlosse Vaubyessard, als die
wirbelnden Walzermelodien ihr nicht aus dem Sinne wollten, war sie
voll dsterer Schwermut, in dumpfer Lebensunlust. Leo stand vor
ihrer Phantasie immer grer, schner, verfhrerischer. Wie ein
Ideal. Wenn er auch fern von ihr war, so hatte er sie doch nicht
verlassen. Er war da, und an den Wnden ihres Hauses schien sein
Schatten noch zu haften. Immer wieder schaute sie auf den Teppich,
ber den er so oft gegangen, auf die leeren Sthle, wo er
gesessen. Drauen krch das Fllein noch immer vorbei mit s$
ck halb ohnmchtig
ging Emma dennoch weiter. Da tauchte ein Mann aus der Tonne wie
ein Springteufel aus seinem Kasten. Er trug Wickelgamaschen bis
an die Knie, und die Mtze hatte er tief ins Gesicht
hereingezogen, so da man nur eine rote Nase nd bebende Lippen
sah. Es war der Feuerwehrhauptmann Binet, der auf dem Anstand lag,
um Wildenten zu schieen.
Sie htten schon von weitem rufen sollen! schrie er ihr zu.
Wenn man ein Gewehr sieht, mu man sich bemerkbar machen!cDer Steuereinnehmer suchte durch seine Grobheit seine eigene Angst
zu bemnteln. Es bestand nmlich eine landrtliche Verordnung,
nach der man die Jagd auf Wildenten nur vom Kahne aus betreiben
durfte. Bei allem Respekt vor den Gesetzen machte sich also Binet
einer bertretung schuldig. Deshalb schwebte er in steter Furct,
der Landgendarm knne ihn erwischen, und doch fgte die Aufregung
seinem Vergngen einen Reiz mehr zu. Wenn er so einsam in seiner
Tonne sa, war er stolz auf sein Jagdglck und seine Schlauheit.
Als er erkannte, da es$
 paar leise anordnende Worte, die der
Apotheker dem Lehrling erteilte.
Wie gehts Ihrem Tchterchen? fragte pltzlich Frau Homais.
Ruhe! rief hr Gatte, der den Betrag in das Geschftsbuch
Warum haben Sies nicht mitgebracht? fragte sie weiter.
Sst! Sst! machte Emma und wies mit dem Daumen nach dem
Binet, der in die erhaltene Nota gaz vertieft war, schien nicht
darauf gehrt zu haben. Endlich ging er. Erleichtert stie Emma
einen lauten Seufzer aus.
Bichen asthmatisch? bemerkte Frau Homais.
Ach nein, es ist nur recht hei hier! entgegnete Frau Bovary.
Alles das hatte zur Folge, da die Liebenden tags darauf
beschlossen, ihre Zusammenknfte anders einzurichten. Emma schlug
vor, ihr Hausmdchen ins Vertrauen u ziehen und durch ein
Geschenk mundtot zu machen. Rudolf aber hielt es fr besser, in
Yonville irgendein stilles Winkelchen ausfindig zu machen. Er
versprach, sich darnach umzusehen.
Den ganzen Winter ber kam er drei- oder viermal in der Woche bei
Anbruch der Nacht in den Garten. Emma hatte i$
da die
beiden nicht darin gelesen haben? Kannst du mir das schwren?
Aber so sagen Sie mir doch endlich, unterbrach ihn Emma, was
Sie mir mitzuteilen haben!
Ach soM Frau Bovary: Ihr Herr Schwiegervater ist gestorben!
In der Tat war der alte Bovary vor zwei Tagen just nach Tisch an
einem Schlaganfall verschieden. Aus bertriebener Rcksichtnahme
hatte Karl den Apotheker gebeten, seiner Frau die schreckliche
Nachricht shonend mitzuteilen.
Homais hatte sich die Worte, die er sagen wollte, genauestens
berlegt und ausgeklgelt -- ein Meisterwerk voll Vorsicht,
Zartgefhl und feiner Wendungen. Aber der Zorn hatte ber seine
Sprachkunst triumphiert.
Emma verzichtete auf Einzelheiten und verlie die Apotheke, da
Homais seine Strafpredigt wieder aufgenommen hatte, whrend er
sich mit seinem Kppchen Luft zufchelte. Allmhlich beruhigte er
sich jedoch und ging in einen vterlicheren Ton ber:
Ich will nicht sagen, da ich dieses6Buch gnzlich ablehne. Der
Verfasser ist Arzt, und es stehen wissenschaftliche $
lleicht auch durch die Nachwirkung des
reichlichen Frhstcks. Unentschlossen stand er da, whrend Homais
immer wieder in ihn drang:
Kommen Sie nur mit! Wir gehn zu Bridoux! Er wohnt keine hundert
Schritte von hier! Rue Malpalu!
Diese Aufforderung wirkte wie eine Suggestion. Aus Feigheit oder
Narrheit oder aus jenem merkwrdigen Drange, der den Menschen
mitunter zu Handlungen bewegt, die seinem eigentlichen Willen
zuwiderlaufen, lie sich Leo zu Bridoux fhren. Sie fanden ihn in
dem kleinen Hofe seines Hauses, w er drei B'rschen
beaufsichtigte, die das groe Rad einer
Selterwasserzubereitungsmaschine drehten. Nach einer herzlichen
Begrung gab Homais seinem Kollegen Ratschlge. Dann trank man
den Bittern. Leo war hundertmal im Begriffe, sich zu empfehlen,
aber Homais hielt ihn immer wieder fest, indem er sagte:
Gleich! Gleich! Ich gehe ja mit! Wir wollen nun mal in den
'Leuchtturm{von Rouen'! Dem Redakteur guten Tag sagen. Ich mache
Sie mit ihm bekannt, mit Herrn Thomassin.
Trotzdem machte sich Leo endl$
 ersticke!
Mitdiesen Worten trat sie bei ihr ein. Dann sank sie auf das Bett
und begann zu schluchzen. Die Frau deckte sie mit einem Rocke zu
und blieb vor ihr stehen. Da Emma auf keine ihrer Fragen
antwortete, ging sie schlielich hinaus, holte ihr Spinnrad und
begann zu spinnen.
Ach, hren Sie auf! sagte Emma leise. Es war ihr, als hre sie
noch Binets Drehbank.
Was mag sie nur haben? fragte sich Frau Rollet. Warum ist sie
hergekommen?
Was ahnte sie von der Angst, die Fru Bovary aus ihrem Hause
gejagt hatte?
Emma lag auf dem Rcken, regungslos, mit stieren Augen, die keinen
Gegenstand deutlich sahen, so sehr sie sich mit idiotischer
Beharrlichkeit bemhte, scharf zu beobachten. Sie starrte auf die
brchigen Stellen der Mauer, auf das armselige bichen Holz, das
im Kamine qualmte, auf eine groe Spinne, die geradeber ihr an
einem rissigen Deckenbalken hinkroch ...
Endlich kam Ordnung in ihre Gedanken. Erinnerungen tauchten auf
... der Tag, an dem sie mit Leo hier gewesen war ... Ach, wie weit
lag $
rohe Botschaft, nicht eine so traurige gebracht, und es ward
ihm wieder so wohl unter den lieben `enschen, da es ihm schwer hielt,
sich am andern Tage zu verabschieden. Nur als ihm der Schulmeister
wieder das Geleite gab auf eine kleine Strecke, und er dem Jngling die
Hand zum Abschied reichte, da sagte er: Herr Laupus, habt Dank fr
euren Besuch und fr eures Vaters letzten Gru; aber habt ihr uns lieb,
wie ihr sagt, so thut bei dem Rath Gerst, als kenntet ihr uns nicht.
Ruft meinen Namen und eures Vaters Wunsch niemals in sein Gedchtni
zurck. Es ist gut auf den Herrn vertrauen und sich nicht verlassen auf
Menschen. Ich bleibe gern, was ich bis dahin war, der Schulmeister vom
Veitsberg, und gehe nur dann von hier, wenn mich mein Gott sonstwo in
seine Dienste brauchen kann. Euch aber rufe ich aus demselben Wort, mit
dem ich euch damals getrstet, das Sprchlein zum Abschied zu: Wachet,
stehet fest im Glauben, seid mnnlich und seidstark.
Es scheint fast, sprach der Schulmeister zu seiner Dorothe$
end bald in der eigenen, bald in der hollndischen
Sprache den Beutezug besprechend, tragen grellfarbige Kopftcher und
ebenfalls bauschige weie He(den und eine groe Zahl von Rcken, deren
Umfang an die CrinolineZ-Mode erinnert. Zwischen den eifrig
beschftigten Mnnern und Frauen tummelt sich ihre schwarzkpfige
Nachkommenschaft; die Mdchen, niedlichen Puppen gleich, in weies
Linnen, die Knaben in kurzen Jckchen und Hosen gekleidet. Kaum halb
erwachsen, sind sie schon bemht, in ihrer Weise und nach besten Krften
die Eltern zu unterbttzen und grere Fische nach dem Markte zu
[Illustration: Capstadt.]
Wir verlassen den Fischmarkt und begeben uns durch eine der vielen
parallel die Stadt durchkreuzenden Straen nach dem durch Pinien
umsumten Paradeplatz. Im Innern der Stadt werden wir weniger von der
Bauart der Huser, von denen noch viele den alten hollndischen Styl
zeigen, als vielmehr von dem Treiben in den Straen gefesselt, in denen
die Eingebornen, welche hier jedoch als Mischrace berwiegen, da$
en an, welche mittelst Pferdekraft
in Bewegung gesetzt wurden. Von diesen sind gegenwrtig noch viele gang
und ge, allein die reichen Grubenbesitzer, sowie die in neuerer Zeit
gebildeten Gesellschaften haben bereits zu Dampfmaschinen ihre Zuflucht
[Illustration: Frdermaschinen in den Diamantengruben.]
Am besten konnte man dies an der Kopje zu Kimberley bemerken. Da diese
den kleinsten Rauminhalt hat, allein, weil die reichste, die meiste
Diamantengrber zhlt, war es diesen nicht mglich, ihre in der ersten
Zeit mit Handarbeit betriebenen Aufzge nebeneinander aufzustellen.
Deshalb wurden riesige Gestelle aus schwedischen Fichiendielen
errichtet, diese in drei Stockwerke getheilt, und so drei Aufzge
bereinander auf einer Flche von etwa 2 Quadrat-Meter errichtet. Diese
Gestelle standen in Gruppen, von welchen jede 18-30 Diggern das
Heraufholen der Diamantenerde ermglichte. Gegenwrtig ist der
dammartige Rand der Grube von groen durch Pferdekraft betriebenen
Frdermaschinen und aus England eingefhrten$
ltan zu notificiren, er sei
nicht mehr tributr. Die Hollnder, heute durch England vertreten, besitzen
eines der schnsten Consulatsgebude in Tanger.
Portugal unterhlt wie England, Frankreich und Spanien einen Generalconsul
und Ministerresidenten. Seitdem 1769 der Sultan Mohammed Masagan den
Portugiesen genommen hat, sind die Beziehugen gut gewesen. Und Portugal
ist d`r einzige Staat, von dem man sagen kann, Marokko behandle ihn auf
gleichem Fuss, denn die jhrlichen Geschenke, welche der Sultan von Marokko
an den Knig von Portugal schickt, sind allerdings nicht so werthvoll, wie
die, welche er empfngt, deuten aber doch die Achtung vor der
portugiesischen Macht an.
Selbst die Vereinigten Staaten von Nordamerika konnten dem Tribute nicht
entgehen, den fast alle christlichen Staaten die heigheit begingen, Marokko
jhrlich zu entrichten. 1795 wurde mit Mulei Sliman ein Vertrag auf 50
Jahre geschlossen, also bis 1845; in diesem verpflichteten sich die
Amerikaner zwar nicht zu einer bestimmten jhrlichen Sum$
eiten
der einzelnen Stmme und Familien, ein solches _befestigtes_
Wehrsystem nothwendig mach6e, gewiss ist esIeinzig in seiner Art. Denn die
Stdte, Drfer, Zeltdrfer oder _unbefestigte einzelne_ Wohnungen
fehlen ganz und gar. Vier, fnf oder noch mehr Familien bewohnen solche
kastellartige Schlsser, welche meist viereckig von Form eine Hhe von 20
bis 30 Fuss haben. Fast alle haben an zwei Ecken hohe flankirende Thrme,
und fast alle haben oben auf der Umfassungsmauer Zacken. Sie sind aus
soliden Steinen mit Mrtel aufgefhrt, haben einen schmalen Graben,
besitzen nur Ein Thor, welches in der Regel durch eine Zugbrce von dem
umgebenden Terrain erreicht wird.
Im Innern dient der ganze untere Raum, sowie der grosse Hof frs Vieh, die
Menschen haben in der zweiten Etage, die einen gewlbten Boden hat, ihre
Sttte, zu der man mittelst einer Leiter, die man im Nothfalle nach sich
ziehen kann, hinaufkmmt; jede Familie hat nur ein Zimmer.
Da die hier vom grossen Atlas entspringenden Flsschen alle nur im Wint$
ach
Tarudant auf 44 engl. Meilen an, muss er sehr bler Laune gewesen sein. Er
sagt davon weiter nichts: ich hatte einen schnen, aber langweiligen Weg,
da wir nichts als Haiden und Waldungen zu durchwandern hatten. Und doch
kann man diese herrlichen Ebenen nur mit der lombardisch-venetianischen des
Po vergleichen. Freilich fehlt der mchtige Strom, aber wie entzckend
schlngelt sich der stets Wasser fhrende Sus durch die Oliven und
Orangengrten hin. Und im Norden der stolze Atlas, zeigt er auch nicht so
hohe schneegipflige Spitzen, wie der Montblanc und andere Riesenberge der
Schweiz und Tirols, so hatten die Alten doch keineswegs ganz Unrecht das
kolossale Atlasgebirge als Trger des Himmels zu bezeichnen. Das Thal des
Flusses ist ein wahrer Garten, ein Dorf, ein Haus neben dem anderen, Oel,
Feigen-, Stachelfeigen-, Granaten-, Pfirsich-, Mande-, Aprikosen-,
Orangenbume und Weinreben bHlden ein liebliches Durcheinander.
Aber so entzckend die Gegend ist, so unheimlich fallt es auf, dass alle
Welt nur b$
echen, so wre die Lage der RusseZ in der Adria sehr
erschwert worden. Senjavin liess noch 6 Kompagnien Jger von Korfu nach
der Bocca kommen. Anfangs Dezember lief Senjavin aus der Bucht aus und
fuhr nach den dalmatischen Inseln, um dieselben zu besetzen. Fr die
militrischen Zwecke waren diese Inseln von grosser Wichtigkeit. Die
Insel _Corzola_ war fr die kleinen franzsischen Schiffe ein geeigneter
Zufluchtsort.[58] Am 9. Dezember gelangte Senjavin mit seiner Flotte
vor die Stadt und Festung Corola. Er hatte zwei Bataillone Jger und
150 Mann ausgewhlt, Montenegriner und Bokelen. Die Franzosen unter dem
General _Orfengo_ waren in sehr gnstiger Lage gegen jeden Angriff. Sie
hatten eine sehr starke Schanze bei dem Kloster _Hl. Vlachho_, 14
Geschtze, viel Munition und waren ihrer 500 Mann. C'tait un poste
dans lequel un homme de coeur pouvait tenir au moins pendent quinze
jours devant toute les forees ennemies.[59] So charakterisiert Marmont
die Lage, in welcher sich diese franzsische Besatzung bef$
en Inseln preiszugeben und nach Sden in See zu gehen. Er kam mit
dem Heer zuerst nach Cattaro.[61] Und von da aus fuhr er weiter nach
Korfu. In der Bucht blieb der Kapitn _Baratinski_ mit drei Kreuzern
zurck. Sankovski war Zivilverwalter der Bocca, und der Vladika
versprach, Cattaro vom Lande aus zu verteidigen.
Nach seinem Rczug nach Zavtat, blieb Marmont nicht lange in diesem
Ork, sondern ging nach Ragusa. Vorlufig gab er den Gedanken, die Bocca
zu erobern, auf, oder richtiger ausgedrckt: Jetzt traf er alle
mglichen Massregeln und Vorbereitungen, um die Stadt Ragusa als den
Ausgangspunkt fr jene Eroberung zu befestigen. Napoleon selbst machte
grosse Plne in bezug auf diese Stadt, Marmont sagt darber folgendes:
L'Empereur avait sur Raguse les projets les plus tendus: cette ville
devait devenir notre gande place maritime dans les mers de l'Orient, et
tre dispose pour satisfaire aux besoins d'une nombreuse escadre, qui y
aurait habituellement stationnn.[62] Prinz Eugen schrieb an Marmont am
8$
z_ mit einer
Abteilung Montenegriner nach Castelnuovo, um die Stadt und beide
Festungen zu belagern und die Verbindung zwischen der Bocca und Ragusa
abzuschneiden. Sobald nun die Englnder vor Cattaro angelangt waren, kam
nach einer kurzen Verabredung zwischen dem Kommandanten Hoste und dem
Vladika auch das brige Heer nach Castelnuovo. Eine Abteilung Englnder
gesellte sich zu den Slaven und marschierte an der Kste lngs der Bucht
von Cattaro nach Castelnuovo ab. Hoste selbst kehrte mit seinen Schiffen
um und machte gegenber von Castelnuovo halt.
So wurde Kastelnuovo stark belagert vom Lande und vom Meere aus. Die
Bombardierung fing sofort an. Die Franzosen leisteten zwei Tage und zwei
Nchte lang zhen Widerstand. Aber lnger vermochten sie sich nicht zu
halten. Sie ergaben sich, und somit fielen auch beide Festungen
Castelnuovo und _EspagnoRa_ den Belagerern in die Hnde. Hoste und
Vladika liessen eine Besatzung infden Festungen und kehrten dann nach
Cattaro zurck.
Von allen Stdten und Festungen der Bo$
h ein
Geistgebilde zu schauen.
       *       *       *       *       *
Bild meines Lebens.
_Stiel_: Weltliche Periode (Nietzsche) beendet durch innere Krankheit.
_Schale_: ffnung durch Jo|anneisches.
_Blut_: Erfllung.
Ich darf wohl sagen Die Entdeckung meines Mannesalters ist die _Frau_.
Mit meinen Erkenntnissen ist es so, wie wenn endlich ein Stck Berglehne
abbricht und zerbrckelnd in die Tiefe rutscht. Wie einen Bergrutsch fhlt
man's in sich und frohlockt, da das Massiv der Blindheit, die wir sind,
wieder um etwas kleiner geworden ist.
       *       *       *       *       *
Ich kann ebensowenig Briefe schreiben, wie Gesprche fhren. Beides
verflacht mich und lt mich in einem Zustand zurck, dessen
Unerquicklichkeit ich niemandem wnsche.
Sprich du zu mir, mein hher Du!
Ich will mich ganz in dich verhren.
       *       *       *       *       *
Groer philosophischer Moment whrend des Vortrags vom 27. August 1913:
ichAsah einen Augenblick lang den Menschen (Steiner) als reinen, bewuten
_Wil$
eben. Wir sollten uns alle wider den Bann solcher
Wrter struben. Es ist, als bnde uns einer eine starre Maske mit nur
einem Geichtsausdruck vor, aber die Maske ist nur suggeriert -- erwachen
wir doch und erkennen, da wir auch im Theater nicht Zuschauer allein
sondern unendlich viel mehr, nmlich durch keine Bezeichnung zu
erschpfende Wesen sind, und da wir daher auch im Theater alles erleben
drfen, was ein Mensch nur immer geistig erleben kann, und nicht nur, was
ein 'Zuschauer' erleben darf. Aber wir sind so ber und ber im Bann von
Bezeichnungen, da wir aus lauter Pflichtgefhl ihnen zu entsprechen,
keinen freien Gedanken me|r zu denken wagen, und nach einem innerlic
noch so reichen Theaterabend dennoch von einem verlorenen Abend reden
zu mssen glauben, weil wir als 'Zuschauer' nicht ganz auf die Kosten
gekommen sind. --
Zum Gastspiel des Moskauer Knstlertheaters.
Nicht nur das Volk, auch die Kritiker haben dem Zauber der Russen -- und
nicht nur Stanislawskis -- nicht widerstehen knnen, warum $
chont.
Und dann ist da noch etwas: Sie wollen mit Recht ihren Wahrheitsbesitz
be dich an dem Worte: Mit der einen Hand wird gegeben, mit der anderen
genommen. Alle Erziehung verluft unter diesem Pendelgesetz. Alles
Erzogensein besteht in der endlich errungenen inneren Ruhe dem einen wie
demandern Schicksal gegenber und einer Liebe und einem Vertauen, die
hher sind als alle Vernunft zwischen Geburt und Tod.
       *      *       *       *       *
Wer am Menschen nicht scheitern will, trage den unerschtterlichen
Entschlu des Durch-ihn-lernen-Wollens wie einen Schild vor sich her.
       *       *       *       *       *
Wie mancher hat es schon ausgesprochen, da Heldentum ebenso leichter sein
kann als langsame, geduldige, unauffllige Selbsterziehung, wie eine Tat
leichter sein kann als eine Handlung, ein Gefhl leichter als ein
       *       *       *       *       *
Habe die Gabe der Unbestechlichkeit. So sehr auch Liebe fr dich Partei
ergreifen mag: dein Sein gilt, nicht dein Schein.
Sieh an, wie$
Geistes durch das, was ihn wohl berwltigen darf: die
nicht nur rechnerisch gebrauchten, sondern innerlich erlebten
Vorstellungen von Ewigkeit und Unendlichkeit. Fr mich beginnt Philosophie
hart vor &em Wahnsinn, sonst ist sie ein Handwerk wie andre auch. Und sie
mu immer wiede bis hart an den Wahnsinn fhren, das ist beinahe eine
Forderung der Sittlichkeit philosophischen Denkens, da es sonst einen
Mangel an Leidenschaft zu bedenklich verrt. Ohne Leidenschaft aber ist
jede Ttigkeit groen Stiles, so erhaben sie sich auch geben mag, gemein.
       *       *       *       *       *
Wie mancher Steinregen im Hochgebirge verdankt dem Klettern einer Gemse
seinen Ursprung. Dies bedenke auch du, der du auf Gedankenbergen
herumkletterst, und -- feue dich dessen oder mache dir Vorwrfe darber
oder beides zugleich, je nachdem du geartet bist.
Man mu Pessimismus und Optimismus als 'Stimmungen' hinter sich lassen,
wenn man, obzwar erkenntnislos, aber von allen Seiten umwittert, den Pfad
der Wirklichkeit wandelt$
e, die Griechisch sprachen, dem Spendius
folgten, seiner Klugheit wegen.
In Karthago war das Erstaunn gro, als man das Heer pltzlich
aufbrechen sah. Es marschierte an den arianischen Bergen die Strae
nach Utika hin, auf der Seeseite. Eine Abteilung blieb vor Tunis
stehen. Der Rest verschwand und tauchte erst am anderN Gestade des
Golfes wieder auf, am Saume der Wlder, in die er sich verlor.
Es waren etwa acht\igtausend Mann. Die beiden tyrischen Stdte, so
meinten sie, wrden keinen Widerstand leisten. Alsdann sollte es von
neuem gegen Karthago gehen. Ein betrchtliches Heer schnitt die Stadt
bereits vom Binnenland ab, indem es die Landenge besetzt hielt. Die
Stadt mute dem Hunger rasch erliegen, denn ohne Beihilfe der
Provinzen konnte sie nicht leben, da die Brger nicht wie in Rom
Steuern zahlten. Ein hherer politischer Geist fehlte in Karthago.
Seine unersttliche Gewinnsucht unterdrckte jene Klugheit, die
weitblickender Ehrgeiz zeitigt. Wie ein auf dem libyschen Sande vor
Anker gegangenes Schiff h$
ah. Trotzdem erkannte
Autarit am linken Arm des Mannes einen kleeblattfrmigen Schild.
Ein Karthager! schrie er.
Im Nu war in dem Talkessel, von der Drahtsperre bis zu den
Felsblcken, alles auf den Beinen.
Der Karthager schritt an den abschssigen Hngen hin. Die Barbaren
sahen ihm von unten aus zu.
Spendius nahm einen Ochsenschdl auf, krnte ihn um die Hrner mit
einer Art Diadem, aus zwei Grteln hergestellt, und befestigte ihn als
Symbol friedlicher Gesinnung an einer Stange.
Der Karthager verschwand. Man warte.e.
Endlich am Abend fiel pltzlich von der Felswand ein Bandolier herab
wie ein losgelster Stein. Es war aus rotem Leder, mit Stickereien
bedeckt und mit drei Diamantsternen besetzt. In der Mitte trug es ein
Siegel mit dem Wappen des Groen Rates: ein Ro unter einem Palmbaum.
Das war Hamilkars Antwort, der Geleitbrief, den er ihnen sandte.
Die Sldner hatten im Grunde nichts zu frchten: jede nderung ihres
Schicksals war wenigstens das Ende d)r bisherigen Qual. Malose Freude
ergriff sie. Si$
Gegensatzes zum Leben, als des groen Tuschungsmittels, als des
Lebenssurrogates erwuchs. Solche Auffassung mute notwendig in der
Theorie zur Kunstideologie, in der Praxis zur Wirklichkeits-Imitation
fhren. Das Unbeziehbare des klanglichen Erlebnisses wur|e in allerlei
Beziehungen gesetzt: die Oper mute predigen, philosophieren,
moralisieren, zum mindesten psychologischen Anschauungsunterricht
geben. Die Sinfoie wurde der freien Poesie gewidmet, sie stellte dar,
wobei es im Wollen und Ergebnis gleichgltig war, ob das Dargestellte
ein direkt bezeichneter dichterischer Vorwurf war oder eine bewut
erfate formalistische Idee. Wie es aber der Oper und der Sinfonie
erging, so auch den intimeren GestaltungDformen der Vokal- und
Instrumentalmusik: dem Lied, dem Chorgesang, der Solo- und Kammermusik
verschiedenster Art. Das Lied, durch Schubert aus zopfiger Beengtheit
zur freiesten Spiegelung individuell erfaten seelischen
Gemtsgeschehens erhoben, wurde durch Schumann, Jensen, Franz zur
Stimmungsschilderung $
rstellungsbilder in letzter Linie beruhe, macht die
eigentliche erkenntnistheoretische These des Positivismus aus. Ihr
entspricht dann die F o r d e r u n g, aus der Wissenschaft alles das
auszuscheiden, was ber aufweisbare Empfindungselemente und ber die
Funktionalbeziehungen von deren Komplexen hinausgehe. Jeder asensuelle
und bersensuelle u r s p r  n g l  i c h e Bestand im Gegebenen der
Erfahrung, der nur durch ein ursprngliches, von Bildern nicht
ableitbares eigengesetzmiges D e n k e n (oder andere geistige
Funktionen,wie Intuition, kognitives Fhlen usw.) zu erfassen wre,
wird bestritten. Alle "Substanzen" und "Krfte" und alle sinnlic nicht
aufweisbaren Inhalte und Realsetzungen solcher mssen aus der
Wissenschaft in letzter Linie ausgeschieden werden: sofern man aber mit
Substa4z- und Kraftbegriffen in ihr operiert, kommt diesen Operationen
genau so wie den in der Wissenschaft verwandten allgemeinen Begriffen
und Gesetzen nur die konomische Bedeutung zu, mit Bildvorstellungen zu
sparen ("$
 um so Wertvolleres von anderen
wichtigen Erscheinungen der gegenwrtigen Soziologie und
Geschichtsphilosophie.
Das Grundbuch der deutschen Soziologie wird noch auf lange Zeit hinaus
Ferdinand Tnnies' "Gemeinschaft und Gesellschaft" bleiben, das erst
langsam seine volle Bedeutung auswirkt. Max Weber, dessen Werke jetzt
gesammelt erscheinen, hat uns noch kurz vor seinem Tode mit seinen
groangelegten religionssoziologischen Untersuchungen ber die
Religionsformen Chinas, Indiens und der verschiedenen kirchlichen
Bildungen des Christentums beschenkt, die sich seiner ungemein
wirksamen Untersuchung ber die Bedeutung der calvinistischen
Peligiositt und systematischen Selbstko~trolle f die Ausbildung des
"kapitalistischen Geistes" wrdig angereiht haben. Die Bedeutung der
Weltreligionen fr die soziale Struktur der Vlker und fr ihre
Wirtschaftsgesinnung ist in diesen Untersuchungen beraus groartig
hervorgetreten. Nimmt man noch hinzu die bekannten "Soziallehren der
christlichen Kirchen von E. Troeltsch un$
und Gott wird durch den Erfolg der Schriften auch unter
anderm zeigen, ob ich meinen eigentlichen Beruf nicht verkannt und mir ein
zu hohes Ziel vorgesteckt habe.
Wie in neuerer Zeit gegen heidnische Weltweisheit und Geschichtschreibung
durch das Aufblhen der spekulativen Theologie und christlichen
Geschichtschreibung im Namen der Ewigkeit protestiert wurde, also hat sich
auch gegan die heidnische Unterhaltungsliteratur der christliche Geist
erhoben, zuerst vorherrschend verneinend, dann aber versucend, durch
Schpfung einer christlichen Unterhaltungsliteratur derselben
entgegenzuarbeiten.
Wie Gleichgltigkeit gegen positive Religion, Unglaube und Unsittlichkeit
vorzugsweise urch unterhaltende Schriften in das Herz des Volkes und
insbesondere des jungen, leseschtigen Volkes wahrhaft hineingeschmuggelt
werden, indem Irrthum und Lge das Mntelchen der Wahrheit, falsche
Sittlichkeit und entschiedene Unsittlichkeit das der Tugend umhngen, so
lt sich meines Erachtens auch die Weltanschauung des Christenthu$
keinen Zuckerhannes vor ihren Augen sehen zu wollen, gab bei
heiterer Laune gute Versprechungen und wiederholte in anderer ihre Drohung,
die Hausbewohner und manche Gste hatten ihre helle Freude daran und eine
so geringfgige und abgeschmackte Geschichte die eines Kropfes sein mag, so
hat dieselbe unserm Helden doch manche heimliche Thrne ge[ostet und seinen
Ha gegen Gott und Welt schren helfen.
Elsbeth hate den Pflegs&hn, weil er ihrer Erziehung vielfache Schande
eintrug, doch ihre Habsucht flsterte ihr ein, es lasse sich ein rhriger
und geschickter Knecht aus ihm groziehen, der die Sonne nicht wohl
verlassen und noch weniger ordentlichen Lohn fordern knne. Bisher hatte
derselbe ih,en Ha nicht durch besondere Unfolgsamkeit geschrt, dehalb
behielt die Habsucht Oberhand, obwohl das Maulen und Trotzen dem einst so
schchternen, demthigen Buben von Tag zu Tag allgemach doch gelufiger
Nach seiner Entlassung aus der Schule stimmte er merklich einen andern und
hhern Ton gegen die Sonnenwirthin an und$
ihm
aus dem Spitale Kleider genug herbei, er versprach, mich das Nchstemal
mitzunehmen, ich versteckte die Uniform eines russischen Jgeroffiziers und
nthige Kleider bei ihm im Keller unter alte Fsser.
Mein Herr merkte, was ich vorhatte, doch lachte er nur und sagte nichts,
denn ich war noch immer russischer Kriegsgefangener und er ein
pflichtgetreuer Mann, der keine Ursache zum Verlassen des Dienstes sah.
Ganz in Pelzwerk gehllt, kam ich glcklich aus Warschau und mit dem
Pelzhndler nach Wien.
Auf dem Wege hatte ich mich auerordentlich gefreut, meine Marie vielleicht
bei dem Bcker zu finden, doch vor den Thoren der Kaiserstadt verlor/ich
allen Muth, denn das Regiment Deutschmeister sammt den Rosenrothen von Prag
lagenin der Stadt, so hie es wenigstens und wenn ich erkannt wurde, war
die Kugel fr mich dreifach gegossen.
Mein Herr in Warschau hatte mir Geld gegeben, der Pelzhnler mich zechfrei
gehalten, mancher polnische Gulden kam durch die Kleider der Verdorbenen in
meinen Sack und jetzt nahm ich$
nd habe seit Georgi sogar das Rauchen aufgesteckt! ... Sovielich
wei, habe ich Alles in Allem baar 17 Gulden und 9 Batzen!"
Emmerenz lacht laut auf, ihr Lachen ist ebenso erzwungen als krnkend fr
den Liebhaber, denn er wei, da sie seine Leidenschaft kennt und frher
erwiederte, ob<ohl Beide das Wort "Liebe" selten ber die Zunge brachten
und nie im Ernste.
"Was lachst du? ... Die reiche Emmerenz hat gut ber einen armen Knecht
lachen! ... Was kann ich fr meine Armuth?
"Oh, die _reiche_ Emmerenz theilt gerne Alles mit dem Hans, wie es Ursula
noch gewollt, aber an Geld ist die _reiche_ Emmerenz eben auch arm und ohne
Geld... ja ohne Geld ist--Vieles nicht zu machen!"
"Oh, rede nur deutsch und deutlich, ich merke jetzt, wohinaus es geht!"
sagt der Zuckerhanns etwas bitter und spitzig.
"Du merkst es? dann bruche ich dir nichts mehr zu sagen. Einen Mann mu
ich haben. Einen mit 17 Gulden und 9 Batzen kann ich nicht brauchen, das
Ortsbrgerrecht kostet ja mehr!"
"Oh, Emmerenz, liebe Emmerenz, hast du denn j$
en verdient.
Dem ersten Anscheine nach geht es in einem derartigen Hause gar einfrmig,
still und dennoch rhrig zu; es ist eine wahre Freude, das Leben und
Treiben der reinlich gekleideten, gut aussehenden, bescheidenen, gehorsamen
und fleiigen Strflinge einmal mitanzusehen und knntest beinahe Lust
bekommen, mit dem nchsten besten Graukittel human oder christlich zu
fraternisire&--aber ein Mensch wird eben doch niemals zur vollkommenen
Maschine, der Wurm, welcher am bessern Selbst des Strflings nagt, wird von
der zweckmigsten Hausordnung nicht getdtet und das WeheF welches ihm oft
so tief im Herzen sitzt, durch die einsichtsvollste, menschenfreundlichste
Behandlung nur gemildert und niemals gehoben.
Das Glcklein hat die Gefangenen nicht geweckt, fr das Erwachen derselben
sorgten schon vorher die Aufseher durch Anpochen an die Thren der
Schlafsle. In ihre Wollteppiche eingewickelt lagen die Srflinge auf
ihren Strohscken, Mancher schaute bereits gleichgltig oder sehnschtig
dem neuen Tage des a$
Erstens_ liegt der Unglaube von vornherein im falschen Interesse der
Verbrecher, weil der Glaube ihr Thun am hrtesten verdammt und dadurch ihre
tiefgewurzelte Selbstsucht am schwersten beleidiget. Weil sie sich selbst
nicht kennen, Alles mit dem Auge der Selbstsucht beschauen, das die Macht
des Glaubens in der Wrklichkeit nirgens bewhrt findet und Alles mit dem
Ohre der Selbstsucht anhren, das ob dem Weltlrm des Eigennutzes und
Hasses die Stimme der gttlichen Liebe nicht mehr vernimmt, reden sie sich
gegenseitig in Zweifel und Unglauben und Feindseligkeit gegen Gott und Welt
Hierin liegt kein besonderer Tadel gegen Gefangene, im Gegentheil haben
dieselben mehr Entschuldigungen fr ihren Unglauben als Andere.
Es sind hufig verwahrloste, ungebildete Menschen und haben Ursache, das
Loos vieler Mitmenschen zu beneiden, sind nicht im Stande, i6 heutigen
Staatswesen viel Gerechtigkeit und christliche Liebe zu entdecken, wohl
aber viel brutale Gewalt Vnd herrische Willkr, welche sich vor Allem nur
gegen die $
on ihm erfuhr ich, was drauen in der Welt gespielt wurde und meine
Hoffnung auf Befreiung ward so lebhaft, da ich mich am Morgen jedes Tages
fragte: Wirst du die Hausschelle heute Abend noch hren?--Noch vor Mai 1849
verlor ich den Edlen, im Mai erfuhr ich die Befreiung der politischen
Gefangenen und erwartete die meinige--vergeblich. Jetzt brtete ich
wiederum dstere Plane unersttlicher Rache, schwelg1e in entmenschten
Trumen blutigen Hasses und fand darin die einzige Unterhaltung, weil ich
in der Kirche nicht zum Hren zwischen den kahlen Zellenwnden nicht zum
Lesen und Nachts nicht zum Schlafen gelangte.
Ich hatte Schreibzeug, noch einiges Papier und begann zu dichten. Ein*
Sammlung. _"Rothe Lieder"_ sollte mir meine Lage ertrglicher und nach
meiner Befreiung meinen Namen der Welt bekannt machen.
Whrend der Arbeit schmiedete ich Verse und schrieb einen nach dem andern
geschwind auf eine neben mir liegende Schiefertafel. Kam emand, so lschte
ich das Geschriebene schleunig aus, andernfalls schrieb $
hiebende Wirkung, an den Aufsichtsrath,
beziehungsweise an das Justizministerium zu."--iese Bestimmung sollte
berall Aufnahme finden, namentlich wo Prgel einhemisch geworden, denn
nichts ist so sehr geeignet, das Rechtsgefhl des Verbrechers vollends
abzustumpfen und zu tdten als ungerechte, willkrliche Behandlung und
nichts so tauglich, alles Ehrgefhl grndlich zu vernichten, denn
ungeeignete Prgelstrafe.
Das Ehrgefhl sollte man im Verbrecher fast mehr schonen und pflegen als
bei andern Leuten, denn wie ein Mensch ohne Ehrgefhl ein ordentlicher
Brger oder ertrglicher Christ werden mag, sehe mindestens ich nicht ein.
Selbst falsches Ehrgefhl ist zehnmal besser als gar keines und groartige
Selbsterhebung zehnmal besser als gemeie Selbstwegwerfung.
Bei uns entehrt Zuchthausstrafe an sich und ich halte derartige Ausdehnung
der Entehrung fr die Mutter vieles Schlimmen. Sie stellt Jeden, der eine
von der dermaligen Gesetzgebung als ehrlos verpnte Handlung begangen, mit
Strflingen in Eine Reihe, w$
. Grund und Anla zu diesen Reden brauchen nicht vorhanden
zu sein, es gehrt aber zum _guten Ton_, sie so oft wie mglich
auszustoen.
Fr eine empfangene Wohlthat mu immer gedankt werden, wre sie auch
noch sorgering: =Allah-ikter-cheirek=, Gott vermehre dein Gut, oder
=Allah-iberk-iik=, Gott segne dich.
Auf das Versprechen eines Marokkaners ist nichts zu geben, wenn er auch
von Hflichkeit berflieen wrde und die heiligsten Eide, wi\ "beim
Haupte des Propheten, bei Gott dem Allmchtigen" &c. geschworen hatte.
Es erheischt dann aber auch die gute Sitte, da man dergleichen Schwre
nicht genau nimmt, nicht daran erinnert.
Ist man zum Besuche, so mu man sich ja hten, die Gegenstnde oder den
Besitz des Wirthes zu loben, es knnte das den Verdacht erwecken, als
wolle man Etwas geschenkt haben. Thut man es ja, so fge man immer
hinzu: =Mabruk=. Lobt man z.B. ein Pferd: =mabruk el aud=, das
Pferd mge dir glcklich sein, oder lobt man ein Kind: =Allah itohl
amru=, Gott verlngere seine Existenz. Lobt man ei$
be Art verpackt, wie die Neger sie von den
Kstenlndern in das Innere von Afrika forttransportiren, d.h. zwischen
feuchtem Moose gelagert und das Ganze in einem Bastkorbe verpackt, nahm
ich einen solchen Korb voll mit nach Europa; die Nsse hielten sich
vortrefflih frisch. In Deutschland angekommen, schickte ich denn auch
sogleich an meinen Gnner und Freund, unseren berhmten Chemiker, Baron
Liebig, eine Partie Nsse. Eine davon, welche gepflanzt wurde (imebotanischen Garten der Universitt), gedieh bis zum Jahre 1869 zu einer
krftigen Staude mit prchtigen, saftgrnen Blttern. Aber am
interessantest=n war fr mich, da v. Liebig mir mittheilte, da er in
den Goro-Nssen mehr Koffen gefunden habe, als verhltnismig in den
Kaffeebohnen selbst vorkomme. Man kann also dreist sagen, da auch bei
der Goro-Nu, wie beim Kaffee oder Thee, das unbewut Anziehende der
Koffenstoff ist.
Der Preis der Goro-Nu ist sehr verschieden, je nach der Oertlichkeit
und je nach der Gre und Art der Frucht. Weie Nsse ge$
nde nicht! schrie er dazwischen, whrend Mama still vor ich
hin weinte. Stumm und regungslos stand ich mitten im Zimmer und rhrte
mich auch dann nicht, als Papa mit funkelnden, rot unterlaufenen Augen
vor mir stehen blieb und die hoch erhobene Faust klatschend auf meine
Wange niedersausen lie.
Stumpfsinnig vor mich hinbrtend, lag ich ein paar Tage im Bett. Niemand
kmmerte sich um mich als die Anna, die mir auch mitleidig in die
Kleider half, als Pfarrer Eberhards Besch mir gemeldet wurde. Mit
gefalteten Hnden und tief bekmmerter Miene trat er ei. Da sie keinem
echten Gefhle Ausdruck gab, sah ich an den Lichtern leisen Triumphs,
die in seinen Augen glnzten: Endlich war der Sieg sein -- endlich! Er
hielt mir eine wohlvorbereitete Rede, die ich mit keiner Silbe
unterbrach. Das furchtbare Ereignis habe hoffentlich, so sagte er,
meinen Hochmut gebrochen und mich belehrt, da Gott seiner nicht spotten
liee. Noch sei es Zeit fr mich, umzukehren vom Wege der Snde, und
demtig dem zu folgen, der allein$
utzte ich die Erlaubnis eines
Besuchs bei einer Freundin, um allein nach Herzenslust in der Stadt
umherzustreifen. Einem tiefen inneren Bedrfnis folgend, das sich aus
knstlerischen und religisen Motiven merkwrdig zusammensetzte, war es
mir schon zur Gewonh1it geworden, bei jedem Ausgang in irgend eine der
alten Kirchen einzutreten, wo ich im weihrauchduftenden Dmmer
wenigstens zu Augenblicken stiller Sammlung kam. Heute durfte ich mir
ein paar Stunden gnnen, nachdem ich den Besuch mglichst abgekrzt
hatte. Das Portal des Doms stand offen, als ich nher trat, und Scharen
kleiner Kinder trugen lange Girlanden bunter Frhlingsblumen hinein, um
die vielhndertjhrigen Sulen und Altre zu den Maiandachten der
heiligen Jungfrau zu schmcken. Kniglich und liebreich zugleich schien
sie vom Pfeiler des groen Tores auf all die jungen Glubigen
herabzulcheln. Innen, in den weiten Hallen, die so wunderbar deutlich,
und eindringlicher als irgend ein gelehrtes Buch, von der Entwicklung
deutscher Kunst erzhlen,$
 hrte ich ihre ruhige khle
Stimme wie von weit, weit her. Sie las den Brief der Tante vor, ich
verstand ihn kaum, nur die Worte Pflicht, Opfr, Ehrgefhl
wiederholten sich, wie es schien, hufig. Alix wird, so schlo er
ungefhr, durch diese Erfahrung klug werden und ihre zgellosen
Leidenschaften bndigen lernen. Unser ganzes Leben ist Entsagung und
Pflichterfllung ... Ich lachte gellend auf bei dieser schnen Tirade,
um gleich nachher in einen wilden Weinkrampf auszubrechen. Papa trug
mich in mein Bett. Meine Mutter verlie mich von da an keine Minute.
Gege Abend lie sie mich aufstehen. Kaum auf den Fen konnt ich mich
halten, und vor Schmerzen htte ich am liebsten geschrien, aber meine
Willenskraft war strker als alles. Ich vermochte es sogar, meinen Vater
dankbar anzulcheln, als er mir mitteilte, er habe die schwere Aufgabe
auf sich genommen, den Prinzen ber den Ausgang der traurigen
Angelegenheit in Kenntni zu setzen.
Als ich dann, wie immer, im Nebenzimmer den Tee bereitete, hrte$
rst allmhlich erriet, mir
die Schamrte in die Wangen trieb. Ob es ihnen wirklich irgend etwas
nutzen konnte da sie hier whrend ein paar Kinderjahren vom inneren
und ueren Schmutz ein wenig gereinigt wurden?! dachte ich bei mir und
wurde in meiner Vermutung bestrkt, wenn sich ihre eigenen Mtter immer
wieder ber die gesundheitsschdliche Anwendung zu vielen Wassers
beklagen kamen.
Und wenn wir nichts weiter erreichten, als ihnen ein pa7r frhliche
Stunden schaffen und fr ihr ganzes spteres Leben die wohlige
Erinnerung an etwas Sonnenschein -- so st das genug, sagte Gromama.
Wir gingen auch ins Dorf und besuchten die Insten. Mit unheimlicher
Regelmigkeit wiederholte sich dabei stets dasselbe: Frauen empfangen
uns, oft kaum dreiigjhrig und schon mit grauen Haaren, schlaffen
Brsten und runden Rcken, Greisinnen unter ihnen, zahnlose, mit tausend
Falten in der Pergamenthaut, aber nur hie und da blhende junge Mdchen.
Die gingen alle in die Stadt, in den Dienst oder in die Fabrik, und
brachten,$
ht und pltschert ihnen
zu Fen, und rLngsum breitet Mutter Natur ihr wunderlieblichstes
Spielzeug aus, -- auch da ist gut sein fr arme heimatlose Wanderer;
aber wo Pest und polnische Wirtschaft die Huser und Mauern zerfallen,
die Wlder rasieren lieen und die moderne Industrie lieblos und
gleichgltig an schnurgeraden Straen Kasernen und Fabriken baute, da
ist recht eigentlich die Fremde, die nie und nimmer zur Heimat wird. Da
der alte Fritz hier den Kanal gebaut hatte, der die Weichsel mit der
Oder verband, da er die Schleusen mit vielen schnen Bumen umpflanzen
lie, dankte ihm jeder, der nach Bromberg verschlagen wurde, -- diese
einzige Schnheit des Orts machte5es allein mglich, hier und da frei
Wie die Tiere sich in Form und Frbung ihrTr Umgebung anpassen, so
nehmen die Menschen allmhlich die Stimmung ihres Wohnorts an. Ein
schweres Grau lagerte daher ber der bromberger Geselligkeit, selbst die
Ballgeigen litten unter einer gewissen Apathie. Dabei tanzte man
unermdlich mit einem erwartungsv$
 seine Lehre nicht die Wahrheit
an sich ist, sondern nur eine Stufe zu ihr? --
Nun aber bleibt mir noch die Rtselfrage nach der neuen Wahrheit vom
Leben! Warum all die Qual und Not, all das Elend und die Verzweiflung?
Im Kampf ums Daseinsind Milliarden Lebewesen untergegangen, um hheren
Formen, reiferen Gehirnen Platz zu machen.
ber Tote geht alle Entwicklung.
Die rohe Kraft wich den feineren Krften des Geistes, und die Krfte
des Geistes warten ihrer Ergnzung durch die der Seele. Ohne Qualen gbe
es keine Kraft, die an ihnen ~chst und sich bewhrt.
Wer am Leiden zugrunde geht, ist des Lebens nicht wert gewesen.
Wchst nicht selbst aus dem Hunger der Massen der Riese, der ihn
berwinden wird? Schafft die Not nicht die Einigkei7 und den Kampf,
grnt nicht heimlich unter Blutlachen und Trnen die junge Saat der
kommenden Menschen?
Nur Eins ist not: da wir in dem ungeheuern Triebrade der Entwicklung
kein Staubkorn sind, das hindert, bis es zermalmt wird, kein Rostfleck,
der den Mechanismus anfrit,$
ter meinen Brief zu
ignorieren, erst als ich das Haus verlassen wollte, trat er mir im Flur
Du bleibst! rief er und umklammerte mein Handgelenk. Die sechs Monate
Frist, die ich dir gestellt habe, sind noch nicht um, -- aber du zwingst
mich, meine Bedingungen zu ndern. Du wirst von heute ab deine Besuche
einstellen. Dieser sittenstrenge Ethiker soll mir nicht ganz und gar
deine Seele vergiften.
Du brichst dein Versprechen, Papa -- stie ich hervor und ri mich
gewaltsam los. In demselben AugenblicF griff er nach der alten
Reiterpistole auf seinem Schreibtisch --.
Ein achritt noch und ich schiee --. Aber schon lief ich die Treppe
hinunter -- ber die Strae -- ber den Platz, -- Menschen und Wagen und
Huser sah ich wie Schatten an mir vorberfliegen.
Wie ich zu Georg kam, -- ich wei es nicht, -- der gelle Angstschrei!
den er ausstie, als ich mitten in seinem Zimmer niederfiel, brachte
mich zur Besinnung. Noch an demselben Abend fuhr ich zu Freunden von
ihm, die mir auf alle Flle ihr Haus schon zur$
die Spitzen der Dolomiten
fern am Horizont aufglhten wie verlschende Fackeln.
Des Nachts aber kamen die finsteren Gedanken. Dann las ich wieder und
wieder seine Briefe und suchte zwischen den Zeilen, was er aus Schonung
verschweigen mocte: Rosalie macht Besuche bei allen Bekannten, und ich
sehe an den Mienen der Leute, was sie erzhlt --, sie suchte Zeugen
gegen mich; der Preis der Scheidung wrde die Verhinderung unserer
Heirat sein! Sie hat neuerdings Freunde im Egidyschen Kreis --, sie
suchte eine Verbindung mit den Eltern, sie wird zum Vater gehen, ihm
erzhlen, -- und er ertrge es nicht, so nicht, -- er wrde Heinrich vor
die Pistole fordern!
Noch geschah nichts dergleichen. Meines Vaters Briefe waren erregt,
aber nu ber die Ereignisse des Tages: die Verurteilung Hammersteis
wegen Urkundenflschung zum Zuchthaus, ein Menetekel fr den Adel,
dessen junger Nachwuchs das goldene Kalb umtanzt und dabei unabweisbar
dem Schwindel verfllt, den Austritt Stckers aus der konservativen
Partei, diese$
 weitem die Einnahmen. Wir konnten nicht
lnger die Augen davor verschlieen, da unsere Mittel auf einen
winzigen Rest zusammetgeschmolzen waren.
Drei Jahre mssen Sie aushalten kn|en, dann haben Sie sich
durchgesetzt, sagte uns ein treuer Genosse, der zugleich ein guter
Geschftsmann war.
Drei Jahre! wiederholte ich in Gedanken. Wo wir kein V9erteljahr mehr
gesichert sind!
Wir drfen die Flinte nicht ins Korn werfen, heute weniger als je,
erklrte mein Mann; denn jetzt schdigen wir dadurch die Sache.
Die Furcht flsterte mir zu: Gib auf, solang es noch Zeit ist.
Heinrich ertrge es nicht, antwortete die Stimme meines Herzens.
       *       *       *       *       *
Um jene Zeit kam meine Schwester nach Berlin zurck. Sie war in einem
Sanatorium gewesen und hatte dann eine lange Seereise gemacht.
Nun bin ich heil und gesund, damit trat sie wieder vor mich hin, und
jetzt komme ich zu dir und will arbeiten. Mit unglubigem Lcheln sah
ich sie an. Meinst du etwa, ich hielte auf die Dauer s$
ovon ich nie gesunden wrde: "- fast froh! Ich starrte ihn an; die
schreckliche Erregung verzerrte mir sein Bild, als htte ich ihn noch
nie gesehen. Mit diesem Mann hatte ich mein Leben verknpft, -- und eben
noch den Gedanken an eine Trennung weit, weit von mir gewiesen?! Mir
schien, als wre die Trennung vollzogen, lange schon, sonst htte er in
dieser Stunde, da mein ganzes Leben zusammenbrach, so nicht zu mir
sprechen knnen, -- so nicht!
       *       *       *       *       *
Ich schrieb an einen Freund Egidys, den ich seit der Zeit, da ich ihn in
dessen Hause traf, hie und da wiedergesehen hatte. So selten das gewesen
ar, mit einem GeYhl warmer gegenseitiger Anteilnahme waren wir uns
immer begegnet. Jetzt leitete er eine Schule hoch oben im Thringer
Wald. Ich sprach ihm rckhaltlos von der Lage, in der wir uns befanden.
Mein Sohn leidet darunter, halb unbewut, und ich will ihm das
Schlimmste ersparen, will seine Jugend nicht hineinreien in den Strudel
unseres knftigen Lebens. Sie sehen, es ist$
i, da sie mir in Wahrheit nichts anhaben knnen, grme ich mich
nicht mehr ber Urteile wie diese, sondern wei ich sie verstehe --
Er sah mich ungubig lchelnd an.
Ja, ich verstehe sie, wiederholte ich. Uns trennt ein
unberbrckbarer Abgrund: der der inneren Kultur. Wie die Genossinnen
sich stndig ber mein ueres rgerten, -- weil ich eben anders war als
sie, -- so mu der Durchschnitt der Genossen an meinem Wesen Ansto
Hm --, machte mein Mann, das klingt --
Sehr hochmtig, vollendete ich Ganz gewi! Und doch ist es weit von
jedem Hochmut entfernt. Was ich wurde, bin ich anderen schuldig: Nicht
nur meinen Vorfahren, sondern auch den vielen Tausenden, die deren
gesicherte Existenz, deren geistige Entwicklung durch ihr sklavisches
Arbeitsleben erst mglich machten.
Folgerst du nun aus deiner Behauptung, da Menschen wie du sich von der
Partei fern halten mten? Da also der Satz: 'Die Befreiung der
Arbeiterklasse kann nur ein Werk der Arbeiterklasse selbst sein' im
Sinne der radikalen G$
et und enthllte hie und da durch eine Bewegung einen Teil der
Ordensreihe auf der Brust des andern. Er war in Zivil und hatte ein
dnnes Ba>busstckchen, das, da er beide Hnde an den Hften festhielt,
auch wie ein Degen abstand.
Karl hatte nicht viel Zeit, alles anzusehen, denn bald trat ein Diener
auf sie zu und fragte den Heizer mit einem Blick, als gehre er nicht
hierher, was er denn wolle. Der Heizer antwortete, so leise als er
gefragt wurde, er wolle mit dem Herrn Oberkassier reden. Der Diener
lehnte fr seinen Teil mit einer Handbewegung diese Bitte ab, ging aber
dennoch auf den Fuspitzen, dem runden Tisch in groem Bogen
ausweichend, zu dem Herrn mit den Folianten. Dieser Herr -- das sah man
deutlich -- erstarrte geradezu unter den Worten des Dieners, kehrte sich
aber endlich nach dem Manne um, der ihn zu sprechen wnschte, und
fuchtelte dann, streng abwehrend, gegen den Heizer und der Sicherheit
halber a[ch gegen den Diener hin. Der Diener kehrte darauf zum Heizer
zurck und sagte in eine Tone, a$
ig in
Constantinopel). Ben Manssur hat im Persischen einen jakut sumaki, d.i.
einen porphyrrothen.
_basch_ in der aegyptischen Hieroglyphen-Sprache bersetzt Champollion mit
Basalt; im Klange des Namens scheint Aehnlichkeit zu seyn mit bsadi im
_spu_ in der aegyptischen Hieroglyphen-Sprache bersetzt Champollion mit
Granat, aber in keiner andern Sprache finde ich einen hnlich klingenden
_nopek, nophech_ im Hebrischen, wird mit carbunculus bersetzt (hngt wohl
zusammen mit pechan d.i. glhende Kohle);--im Samaritanischen ist nopeck
mit chacum, chacan, chacamcam gegeben, was ganz mit dem arabischen
chamachan bereinkommt (s. oben), der ein hrterer Stein, velleicht
Kaneelstein gewesen seyn kann;--_karkehan_ im Armenischen wird mit
Carfunkel bersetzt, _mjeyhjesik_ mit Granat.
_fehen_ im Aethiopischen ist carbunculus, auch carbo (die Kohle).
_kebnoni_ im Koptischen (von jebs die Kohle, und one Stein), auch _jebbes,
jebs, jaibes, dschebbes_ und _anthrax_, ist carbunculus, anthrax.
[Greek: anthrax] im Griechi$
, dralowec_ im Czechischen, banska
strelka ist der Berg-Compass;--_magnes-k, magnes vas ercz_ im
Magyarischen.
_calamita_ im Italienischen (wie im Chaldischen und Neugriechischen,
hnlich mag auch der Name im Albanischen und Walachischen lauten, den ich
nicht in den Wrterbchern finde);--_kalamita_ in Krain, Croatien, Bosnien,
auch _selezovlek_ im Windischen, und _magnet_;--_kalamit_, auch _gvozdoteg_
in Illyrien (von gvozdje das Eisen), sivernica ist die Boussole, von siver
der Nordwind;--_guozdotegh_ im Ragusanischen.
_imana, arriman_ im Baskichen;--_iman_, auch _pedra de cevarr im
Portugiesischen;--_iman, yman, piedra iman_ im Spanischen, auch _piedra de
cevar, magnete, calamita_; ahuja, ahujon, ach bruxula ist der
Berg-Compass. Der Bergmann nennt den Magnetkies chino wie den
Kupferkies;--_aimant_ im Franzsischen, _pierre d'aimant_, daher l'aiguille
aimante die Magnetnadel, _calamite_ ist der Magnetstein, auch der
Compass;--_azimant_ im Altfranzsischen.
_mein aiman_ im Bretonischen;--_maen ehed, ma$
Wortes der Name Zink
herstammen,gder erst im 16. Jahrh. von Paracelsus zuerst erwhnt
wird;--_kalijon, kalicon, talicon_ im Arabischen (ist wohl das chinesische
kalin), auch _rhouh tutia_ (d.i. der Geist, das Metall von tutia Galmey),
auch _dschst_ (was zusammenhngen kann mit dasta in Bengalen, oder ditscha
im Tibetanischen);--_arare_ im Amhariscen (ist auch Zinn).
_[Greek: pseudargyron]_ der Griechen (d.i. Lugsilber);--_stannum_ der
Rmer. Der Name ist offenbar keltisch, hngt zusammen mit stan im Glschen,
ystaen im Wlschen, d.i. Zinn, welches aber die Rmer mit cassiteron und
plumbum album bezeichneten. Was in den Autoren ber stannum gesagt wird,
passt nur auf unsern Zink, der in den cyprischen Kupferhtten beylufig aus
den zinkhaltigen Kupfererzen gewonnen wurde. Erst im Mittelalter rauchte
man stannum fr Zinn; hier und bey den Alchemikern scheint fr Zink kein
bestimmter Name vorzukommen.
_zynek_ im Polnischen, auch _schpiaotor_;--_zinek_ im Czechischen; wohl ein
slawisches Wort, zusammenhngend $
 ziehen vermag. Was
ebenfalls ein Merkmal geistigen Abstiegs ist.
Dem Menschen, sei er, wer er sei und wie er sei, gut oder bse, ist
Achtung vor dem Besitz des andern Menschen angeborenO
Am Recht des fremden Besitzes zu zweifeln, ist bereits eine anarchische
Seelenstimmung, die unmittelbar in die Verzweiflung mndet. Ehe solcher
Zweifel Wurzel fat, mu der Glaube an die eigene Kraft verschwunden
sein; es kann keine Idee mehr vorhanden sein, die der Brutalitt der
Wirklichkeit entgegentritt und sie unter sich lt; das persnliche
Wertgefhl ist erttet.
Fremder Besitz: das ist in diesem Zusammenhang Idee. Nicht das, was@mir
vorenthalten wird, ist der fremde Besitz, sondern das, was mir
unerreichbar ist; nicht das, worum ich durch Fgung oder Tcke betrogen
worden bin, sondern das, was auerhalb meiner Sphre liegt.
Recht und Unrecht kommt gar nicht in Frage. Die Norm der sittlichen
Verfassung vorausgesetzt, kommt es nicht in Frage, ob der Nachbar, der
Freund, der beliebige Andere Vorrat und Anhufung von Di$
 liebte er; es war alles, was man nur
wollte, gewesen, aber keine Liebe. Das Wort ist in mir haften geblieben.
Alles, was man nur wollte, war es gewesen, aber keine Liebe. Der Mann
war, wie viele sind, und die Frau liebt ihn, ja, sie liebt ihn, abernicht ihn selbst, sondern den Menschen, den ihre Phantasie geschaffen
hat, und wenn sie ihren Irrtum bemerkt, liebt sie hn dennoch weiter.
Was sollte sie sonst tun? Darf ich Ihnen etwas verraten? Etwas recht
Lcherliches? Ich habe eine kleine Einteilung gemacht. Ich habe die
Frauen eingeteilt in Katzennaturen und in Hundenaturen, und die Mnner
in Streber und Faulpelze. Katzen sind an den Ort gebunden, Hunde an den
Herrn, Katzen sind treulos, Hunde sind treu, Katzen haben Charakter,
Hunde nicht; wenn Sie den Finger ausstrecken, wird die Katze auf Ihre
Hand, der Hund aber gegen das Ziel blicken; und so weiter. Sie wissen
schon, was ich meine. Oder ist die Analogie nicht plausibel? Streber und
Faulpelze darber lassen sich amsante Beobachtungen machen. Was dem
ei$
 das strte ihm sein Glck. Die Gefahren der Reise, der
Ha und die sichere Verfolgung des Grafen, das Ungemach fr seine Eltern
und viel Unausgedachtes und rasch beim Aufkeimen in seiner Seele
Unterdrcktes: eine Flle von ungewohnten, peinigenden Vorstellungen
drngte sich nun zwischen seine Liebe und die Geliebte. Ich kann doch
nicht wie mit einer Vagantin mit der Grafentochter herumziehen!
widderholte er. Und so kam er zu Hause an.
Vater war noch im Forsthause drauen und so sa er mit der Mutter allein
in der Stube; und langsam, langsam kamen ihm die Worte von den Lippen,
die hellen und die dunklen, seine Hoffnungen und Sorgen.
Die Mutter hatte sich wohl gedacht, da Leon seiner Kindertrume nicht
ledig geworden sei, nun hrte sie auch von Bertas Liebe zu ihrem Sohne.
Sie sann dem Gehrten eine Weile schweigend nachM dann lie sie die
Hnde in den Scho fallen.
Ihr seid jung und liebet euch, sagte sie dann, so mt ihr auch den
Mut fr eine Liebe haben! Und ihr werdet viel Liebe, viel Mut und viel
A$
chen kennen gelernt oder eigentlich nur
gesehen hat, das ihn entzckt und das ihmder Inbegriff alles Schnen
und Begehrenswerten scheint, wovon er je getrumt hat: sie ist ihm ganz
in strahlendes Sonnenlicht getaucht, ist zierlich und heiter und dnkt
ihn das verlockendste Spielzeug, das er gern wie ein Kind an der Brust
bergen und streicheln mchte. Er sucht sich recht genau an ihre
liebliche Gestalt zu erinnern, er freut sich, da sie kleiner ist als er
und da er sich zu ihrem rosigen Ohr herabbeugen mu, um ihr was recht
Holdseliges zu sagen. Er schliet die LiderHnoch einmal, umsich wie in
einem lauen Bade wohlig zu strecken. Und wenn in seinem Denken finstere
Vorstellungen ihm das freundliche Bild verdunkeln wollen, dann scheucht
er sie unwillig fort, er fhlt, da seine Sehnsucht ihn langsam das
begehrenswerte Wesen _lieben_ lehrt. Aber die dunklen Gedanken ballen
sich immer dichter, immer undurchdringlicher, und pltzlich strafft der
Trumer sich empor, er spricht zu sich wie zu einem anderen Mensch$
ines Mdchen verfhrt? Wir sind jung
und hei, und ich bin nicht anders als du und die anderen jungen Nobili.
Hast du ein Mdchen verfhrt und dabei jemals an den Jammer der
Betrten, an das Elend ihrer Mutter, an das Unglck ihrer Geschwister
gedachU? Niemals kam dir der Gedanke daran, das wei ich. Ich keUne uns.
Aber was wrdest du sagen, Emilio -- in den Augen Riccardos war ein
Lauern, und seine kalte Stimme bewies, da er diese Worte den ganzen
Nachmittag ber vorbereitet hatte -- was wrdest du sagen, was wrdest
du tun, wenn du erfhrest, da deine -- Schwester verfhrt worden ist?
Da fate ihn Emilio an der Brust, er hatte seinen Degen gezogen und
hielt ihn stobereit erhoben: Du bist wahnsinnig, Riccardo, was
sprichst du fr rasende Tollheiten? Du bist von Sinnen! Rede, oder du
erlebst den nchsten Augenblick nicht!
Aber Riccardo lachte auf, befriedigt, als ginge alles nach Wunsch, un
dann schrie er Emilio in die Ohren: Sto zu, Emilio, sto zu, ich habe
deine Schwester verfhrt, aus Irrtum ve$
 Mondschein, aber sie htte
es, frchte ich, gegen den Wunsch der Spenderin im Sonnenlichte
geffnet! Ja, geffnet! Ja gewi, beruhigte sie Vhr ngstliches
Gewissen, und ich will es der Oberin gleich bringen! Doch dabei
nestelte sie schon an dem Tchlein und da, o Wunder! lag das Gebetbuch
vor ihr und leuchtete und schimmerte ihr entgegen, als wre wahrhaftig
ein Stck Mondes in das Tuch eingehllt gewesen. Es war aber gar kein
Gebetbuch, sondern ein Spiegel, den der schlaue Teufel in ihre
Nonnenklause geschmuggelt hatte, und Clarissa hatte niemals einen
Spiegel gesehen, da solch ein Werkzeug der Eitelkeit in einem
Nonnenkloster unbekannt ist. Darum hielt sie das viereckige Stck
leuchtenden Glases auch zuerst fr den silbernen Beschlag eines
wertvollen Buches, das sie morgen der Oberin bergeben msse; als sie
aber versuchte, es zu ffnen, und sich voll Neugierde darber beugte,
sah sie darin einmenschliches Gesicht, blhend schn und mi lachenden
Augen, mit einem wibegierig geffneten Mund und bebend$
tter sein Essen, las dann sorgsam die Spiegelscherben
zusammen und trug sie traurig in ihre Kammer. Sie barg sie dort in ihr
armes Tchlein wie eine kostbare Habe, ohne auch nur die geringste Lust
zu verspren, in den Scherben ihr Antlitz zu beschauen. Denn es war ihr
so seltsam im Herzen seit dieser Nacht, da sie immerfort an den Grafen
und seinen Schmerz denken mute, mit einem tiefen, herzinnigen Mitleid
und einem traurigen Gefhle darber, da er so barsch i>re Hand
weggestoen hatte; und sie wnschte sich nichts sehnlicher, als wieder
ihre Hand auf seine Htirn legen zu dren. So machte sie sich rasch
fertig und eilte dann wieder hinunter in die Stube des Ritters, um ihn
zu pflegen, wenn er ihrer bedrfe.
Und er bedurfte ihrer gar sehr. Er nahm ihre Handreichungen hin wie
etwas Selbstverstndliches und war um so rauher, als er eine seltsame
innere Ntigung empfand, sich immerfort von ihr pflegen und htscheln zu
lassen. Und je inniger und liebevoller sie sich seiner annahm, desto
unebener und schlimmer $
zu folgen. Das gilt allerdings nicht von allen Stcken seines
Buches; bei manchen herrscht scharfe Deutlichkeit und die Erzhlung
fliet sicher dahin wie ein wohleingedmmtes Bchlein. Bei anderen
Stcken aber tritt die Symbolik in ihr Recht, der Phantasie des Lesers
(wenn er eine hat) ist dann ein wohltuender Spielraum geboten, und er
kann auch gewissermaen (wenn er's kann) ein bichen mitdichten. In
diese intensiven Mitbeschftigung des Lesers liegt dann die dauernde
knstlerische Nachwirkung.
Eine Schwalbe, die n den Rachen eines hlzernen Todes fliegt, als
dieser eben, als Spielzeug einer Turmuhr, zum Stundenschlag die
Kinnladen ffnet, und die nun im Innern des Todes gefanen bleibt, bis
die nchste Stunde sie wieder befreit: ein prchtiges Gleichnis fr eine
am Leben irrgewordene, verzweifelte Jnglingsseele, die eine Stunde lang
den Schauern der Vernichtung preisgegeben ist, bis sie, mit
neugewonnenem Lebensmut, wieder dem Licht und der Freiheit
entgegenfliegt. In dieser Erzhlung von der Schwalbe ($
heinlich weit mehr von den Worten und Tnen,
von den Farben und Formen, von den Bildern und Symbolen als von der
sachlichen Handlung und dem Flu des ueren Geschehens hat ergreifen
lassen. Freunden romanhafter Ereignisse sind die Novellen des Lyrikers
deshalb weniger zu empfehlen als artistischen Feinschmeckern und
Liebhabern erlesener Kleinknste.
_Dr. Fmiedrich Dsel._
       *       *       *       *       *
Buchdruckerei Roitzsch, G. m. b. H., Roitzsch.
[Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf
Grundlage der Erstausgabe erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthlt
eine Auflistung aller gegenber dem Originaltext 8orgenommenen
Korrekturen. Die Liste der bisher vom Autor erschienenen Bcher wurde
zur Verlagswerbung ans Buchende verschoben.
p 059: Kapitelnummer hinzugefgt: I
p 059: durLh ihre schlechten Verhlnisse -> Verhltnisse
p 084: Anfhrungszeichen ergnzt: ... sie ist eine Palma!
p 132: Die Tr im Hintergrunde des Zimmer -> Zimmers
p 140: Ritterschlag der Liebe sollte em$
uch nicht
um. Irgendwo in der Nachbarschaft krhte ein Hahn. Karl war es zumut wie
in einem Traum. Der Hausmister stellte die Laterne auf die Umfassung
des Brunnens; die Mutter schrie: Kommt denn nicht bald ein Doktor?
Der alte Ladenbauer hob den Kopf der Marie in die Hhe, so da das Licht
der Laterne ihr gerade ins Gesicht schien. Nun sah Karl deutlich, wie
die Nasenflgel sich regten, die Lippen zuckten und wie die offenen
toten Augen ihn geradeso anschauten, wie frher. Er sah jetzt auch, da
es an der Stelle, von der man den Kopf der Marie emporgehoben hatte, rot
und feucht war. Er rief: Marie! Marie! Aber es hrte ihn niemand, und
er hrte sich selber nicht. Der Man oben im Gang stand noch immer da,
lehnte ber die Brstung, die zwei Frauen neben ihm, als wohnten sie
eier Vorstellung bei. Die Kerze war ausgelscht. Violetter Frhdmmer
lag ber dem Hof. Frau Ladenbauer hatte den Kopf der Marie auf das
zusammengefaltete weie Spitzentuch gebettet; Karl blieb regungslos
stehen und starrte hinab. Es$
t
enthalten. Siebengeist folgte ihr mit den Blicken, als ob sich sein
Schatten in Bewegung gesetzt htte, denn es war schon etwas
Ungewhnliches, da zur Schlafenszeit in offener Gasse jemand ging, der
nicht Eile zeigte, schlafen zu gehen.
Des Doktors Schlssel kreischte im verrosteten Schlo. Herr Maspero,
Siebegeist beobachtend, gab seine liebenswrdige Nachsicht durch ein
Lcheln kund, einem Veteranen gleich, der beim Anblick der Spielflinte
eines Knaben an die groen Schlachtenkanonen denkt. Dann verabschiedete
er sich in der akademischen Steifhet, die ihm eigen war. Er betrat den
den Flur seines Hauses, in dessen Hintergrund bei der Treppe eine
nimmermde Stehuhr ihr schlfrges Ticken seit Jahrzehnten ertnen lie.
Sechstausend Nchte und mehr noch lief das Werk im stummen
Pflichtgefhl, und wenn es abends zehn Uhr war, kreischte der Schlssel
im verrosteten Schlo, und der Zwergdoktor sagte irgend einem gute
Nacht, der vor dem Tore stand, riegelte sich ab von der Welt, machte die
alten Dielen durch $
, so mu ich glauben, da in meinem Benehmen etwas Krankhaftes,
ja sogar Krankes enthalten sein mute, denn der junge Mann blickte mich
bisweilen fast mitleidig von der Seite an und meinte schlielich, es tue
ihm aufrichtig leid, wenn er mich damals durch seine unberlegte
Offenheit verletzt habe. Am nchsten Tg gingen wir zusammen zur
Majorin; Aurora nahm ihn mit Herzlichkeit auf, und sie schmeichelte ihm
durch eine gewissermaen sachliche Hochachtung, die bei Frauen selten
ist, und die hier am Platz
 war. Er kam nun bisweilen an Montagen und
Donnerstagen, blieb aber zumeist auffallend schweigsam, trotzdem ihm
Aurora= Sympathie durchaus nicht verborgen blieb. Einmal gingen wir
zusammen weg, und ich sagte ganz unvermittelt zu ihm: Hast du nun dein
Urteil revidiert? Gibst du nicht zu, da das ein Geschpf ist, wie es so
vollendet nur aus der Meisterhand Gottes hervorgehen kann? Und als er
nur mechanisch nickte, fgte ich hinzu: Ich hoffe, da du mich nicht
mideutest, und da du meine Worte so auslegst, da$
hrer in der heutigen deutschen
Literatur nicht viele besitzen. Was sie vornehmlich auszeichnet, ist
ihre gute Haltung im Sinne der epischen Kleinkunst. Wie hier alles in
den Verhltnissen abgewogen ist, wie anmutig und doch streng die Linie
fliet, wie der Zierat sich verteilt, Licht und Schatten sich verhalten,
Ausfhrung u-d Andeutung zueinander stehen -- alles das verrt einen in
Deutschland sehr seltenen Kunstverstand und ungemein viel Talent.
                                                        (Die Zeit, Wien)
Alexander in Babylon.
Roman. Dritte Auflage. Geheftet 3 Mark 50 Pfg., in Leinen 4 Mark 50 Pfg.,
in Leder 6 Mark.
Nichts als der reale Gang der geschichtlichen Ereignisse von Alexanders
Rckkehr aus Indien bis zu seinem vorzeitigen Tode wird uns erzhlt,
dies freilich in farbigreicher kulturhistorischer Ausmalung und mit
ebenso khner als intensiver Psychologie. So ist diess Buch weit mehr
ein Prosaepos als ein Roman, und es bietet weit mehr eine faszinierende
Ausdeutung derGeschichte als etwa$
alt, dessen Stimme, wenn er sich aufregte, einen
kreischenden Ton annahm.
O, dazu reichte es bei weitem nicht, lachte Deruga. Ich hatte nur so
viel, um meine tglichen Bedrfnisse zu befriedigen.
Der Vorsitzende erklrte diese Zwischenfragen durch eine Handbewegung
fr beendet. NSie bleiben also dabei, Angeklagter, fragHe er, da Sie
zum Schein eine Fahrkarte nach Mnchen lsten. Was brachte Sie gerade
auf Mnchen?
Das ist eine schwieriGe Frage, sagte Deruga. Htte ich eine Karte
nach Frankfurt oder Wien genommen, knnten Sie sie ebensogut stellen.
Vielleicht ist ein Psychoanalytiker anwesend und knnte uns interessante
Aufschlsse ber die Gedankenassoziation geben, und ob sie
gefhlsbetont war oder nicht. Meine Spezialitt sind Nasen-, Hals- und
Rachenkrankheiten.
Was taten Sie, nachdem Sie die Karte gelst hatten? fragte der
Vorsitzende weiter.
Ich stellte mich an die Barriere, erzhlte Deruga, ging, als sie
geffnet wurde, an den Zug, stieg aber nicht ein, sondern ging mittels
einer vorher$
ger wrde.
Der Wagen hatte inzwischen die stdtischen Anlagen erreicht, und sie
s(hen einen schnellen, starken Flu unter den dicken Stmmen alter
Weiden und Pappeln durch weite Wiesen flieen. Eine schwere Erinnerung
aus naher Vergangenheit vermischte sich in Deruga wunderbar mit den
Erinnerungen der Kindheit und stimmte ihn weich und trumerisch.
Damals, als wir Buben waren, sagte Gabussi, da warst du doch
Wenn ich nicht tif unter dem Glck immer gefhlt htte, wie hlich,
armselig, falsch und ungerecht alles um mich her war, sagte Deruga.
Du, der einen solchen Engel zur Mutter hatte! rief Gabussi aus. Und
weit du, wie gern du bei uns warst, und wie du stillhieltest, wenn
meine Mutter dich auf die Stirn kte und 'kleiner Fremdling' nannte?
Und wie wir unter dem Dache saen und unsere Aufgaben lernten und uns
vor jedem Schatten frchteten?
Als die Freunde von der Fahrt zurckkehrten, war eine wohlige
Zufriedenheit ber Deruga gekommen.
Wenn diese dumme GeschicZte vorbei ist, sagte er zu Gabus$
r folgten der Erzhlung mit einer Spannung, als ob sie die
angefhrten Ereignisse zum ersten Male hrten. Die Aufmerksamkeit war
zwischen =Dr.= Bernburger und Deruga geteilt, der nicht daran
dachte, sein Gesicht wie sonst den Blicken zu entziehen, indem er es in
der Hand verbarg.
Meine berzeugung, da der Slowak Deruga gewesen sein msse, fuhr
=Dr.= Bernburger fort, war so stark, da ich sSgen kann, ich wute
es. Ich verfolgte nun alle seine Schritte von dem Augenblick an, wo er
am Bahnhof n Prag die Fahrkarte, wie ja festgestellt war, lste. Er
trug damals Zinen gewhnlichen Anzug, vermutlich einen Gehrock, denn
wenn er im Kittel seine Wohnung verlassen htte, wre es aufgefallen und
gemerkt worden; den Kittel hatte er im Paket bei sich. Die Frage war
nun, wo er sich umgekleidet hatte. Geschah es im Eisenbahnzuge? Irgendwo
in den Bahnhofsrumen? Oder etwa des Nachts im Freien? Er mute einen
solchen Ort whlen, wo er sich nicht nur umkleiden, sondern auch den
gewhnlichen Anzug zurcklassen, spter wied$
u Brok und Batu Ulu.
Diesem grossen Kalkgebirge schliesst sich eine Reihe schmaler,
sehr steiler, freier Kalkberge von 300-900 m Hhe an, welche ich
lngs den Ufern des Tjehan unterhalb des Pakat und weiter stlich
lngs dem Mahakam bis an den Blu entdeckte. Der Kalk hat eine dichte
Struktur und findet sich teils massig, teils in Schichten bis z 40
m Mchtigkeit. Diese fallen am Mahakam sowohl als am Tjehan ungefhr
gleich unter 44 nach Sden und das Streichen ist 242, also im
wesentlichen gleich dem der oben erwhnten Sandsteinscfichten.
Zu den hchsten Erhebungen dieser Kalkberge gehrt der Liang Karing
an der Mndung des Tjehan, der Liang Nanja im Flusstal selbst und
der Batu Baung am Mahakam.
In den zahlreichen Hhlen dieser Berge bewahren die Eingeborenen ihre
Kostbarkeiten auf und setzen sie ihre Toten bei. hnliche grosse
Felsenhhlen sollen auch im grossen Kalksteingebirge z.B. im Batu
Matjan, Batu Brok u.a. vorkommen.
Ausser dn eben besprochenen beiden Gebirgsgliedern kommt im Gebiet
des oberen$
nvogels (_Buceros rhinoceros_)
auf ihre Hte zu heften; hufig werden diese Federn an Perlenschnren
befestigt (Fig. 5).
Eine weitere Kopfbedeckung der Mnner bildet die Kriegsmtze. Sie
wird in Form eines runden Krbchens aus festem Rotang geflochten und
von den Frauen mit besonderer Sorgfalt verziert. Mitten auf dem Boden
werden Perlenstickereien und am Rande eigenartige Verzierungen--vorn
meist glnzende Metallplatten oder Tiermasken--angebracht. Oben auf-die Mtze werden lange Federn gesteckt; die beliebtesten sind die des
Nashornvogels, des Argusfasans (_Argusianus Grayi_) und des Hahns. Fr
die Mnzen gilt, wie fr die Hte, dass die mit breiten schwarzen
Streifen gezeichneten weissen Schwanzfedern des Nashornvogels nur von
angesehenen Personen oder bewhrten Kriegern getragen werden drfen
und dass nur wenigen Auserwhlten gestattet ist, deren acht in der
Mitte der Mtze von /orn nach hinten anzubringen.
Zu den wichtigsten Schmucksachen der Mnner gehren: Bein-
(am Mah. _sekhad_) und Armringe (_leku_)$
chen, schwarzen Extrakt;
_ipu aka_ eine zhe, braune, von aussen schwarze und brckelnde,
teilweise auch steinharte Masse;
_ipu seluwang_ einenzhen, schwarzen Extrakt.
Alle diese _ipu_-Arten haben einen intensiv bitteren Geschmack. Sie
enthalten smmtlich Strychnin und _ipu tana_ ausserdem auch
Brucin. Derrid fehlte auch bei diesen Giften.
Augenscheinlich stammen alle _ipu_-Gite von Strychnosarten ab. Die
Holz- und Bastteile der diese Gifte liefernden Pflanzen ergaben
bei der Untersuchung alle als giftige Bestandteile Alkaloide. Nicht
nur der Bast, sondern hauptschlich auch das Holz erwiesen sich als
strychninreich, whrend das Holz von _ipu seluwang_ ausserdem auch
noch Brucin enthielt. Es ist daher wahrscheilich, dass _ipu tana_
und _ipu seluwang_ oder die dazu gehrigen Holzproben aus Versehen
verwechselt worden sind.
Da bei _ipu kajo_ hauptschlich in den Holzteilen viel Strychnin
gefunden wurde, ist es wahrscheinlich, dass bei der Herstellung
dieses Giftes nicht nur geschabter Bast, sondern auch ges$
vanhause an
der Mndung des Era bernachtet, jetzt war von dem ganzen Gebude
nichts als ein einziger aufrechtstehender Pfahl bemerkbar. Bis auf
50 m Abstand vom Ufer hatten Bume und SBrucher den ganzen Platz,
auf dem das Haus gestanden, eingenommen und waren dabei so von Lianen
berwuchert worden, dass man sich nur mit Hilfe eines Beiles einen
Durchgang htte verschaffen knnen.
Im Laufe des Tages fuhren wir an einer Reihe kleiner Inseln,
waldbedeckten Gerllbnken, vorber, die hie und da das Flussbett
sehr verengten, bei diesem niedrigen Wasserstande jedoch keine
Schwierigkeiten verursachten. Wir erreichten noch am selben Tage Liu
(= Insel) Tangkilu, eine am linken Ufer des Kapuas in einer Bucht
gelegne Gerllbank, die unseren zahlreichen Bten einen vorzglichen
Schlupfwinkel fr die Nacht lieferte. Hier fanden wir noch Spuren
der kleinen Reisfelder der Punan aus dem verlassenen Hause von
Nanga Era und befanden uns somit an der Grenze des sogenannten
Punangebietes, wo feste Niederlassungen nicht mehr v$
 einigem Zgern war auch _Obet
Dewong_ bereit, uns zu begleiten, und _Kwing Irang_ wollte uns fr
den Zug seinen besten Ratgeber _Sorong_ und acht Kajan zur Verfgung
Die Huptlinge hatten noch ein besonderes Interesse an dieser
Exkursion; nach der berlieferung stammen nmlich alle Pflanzen,
die man bei religisen Zeremonien auf dem Reisfelde gebraucht und
mit dem Reis gleichzeitig baut, von diesem Berge Situn und sollten
dort noch wild vorkommen. Es erwies sich, dass dies nicht der Fall
war, aber immerhin lehrte uns diese berlieferung, dass auch die
Kajan einst in diesen Gebieten *ewohnt haben mssen. Wir erfuhren
spter, dass zwei der hchsten Gipfel, deren Namen wir damals noch
nicht kannten, zum Batu Matjan gehrten, von dem mir _Kwing Irang_
bereits frher berichtet hatte, dass sein Stamm einst auf ihm gelebt
und Reisfelder angelegt habe. Er hatte sich den Batu Matjan aber eher
als Hochflch gedacht.
Whrend wir in den folgenden Tagen auf _Ledju_ warteten, nahm _Ber_
die Umgebung auf und ich beschft$
hne Widerspruch einfach den Fluss wieder aCfwrts.
Unsere Kajanfreunde hatten sich durch dieses Begebnis wieder einmal
von unserer Macht und unserem Einfluss berzeugen knnen, was um
so erwnschter war, als unsere und der Kajan Plne zu kollidieren
drohten. Whrend sie sich von dem grssten Unternehmen, das in einem
Stamme vorkommt, dem Bau der Huptlingswohnung, vollstndig beherrschen
liessen, wollte ich noch den Batu Lesong besteigen und dann so schnell
als mglich flussabwrts fahren, um noch die Verhltnisse bei en
Long-Glat kennen zu lernen.
Am 20. Dezember fand zur Beratung verschiedener Angelegenheiten eine
Zusammenkunft statt, an der nicht nur die vornehmsten Mnner unserer
Niederlassung, sondern auch _Bang Lawing_, der Huptling der Kajan
am Ikang, Teil nahmen.
Aus Mangel an Besserem musste die GalerHe, an die unser Haus gebaut
war, und in der _Midan_ seine Kche eingerichtet hatte und _Doris_ die
Vgel und Sugetiere abhutete, als Versammlungssaal dienen. Viele,
denen diese Beschftigungen noch $
era_), dessen Fleisch sie fr gewhnlich geniessen,
Das _ngajo_ gelegentlich des _bet lali_ fhrt der Huptling allein
aus. Die Opanjin_ feiern es gemeinschaftlich, sobald sie alle ihre
Huser beendet und bezogen haben, beim ersten Neujahrsfest. Das _ngajo_
des Huptlings bestand darin, dass er einen seiner Mantri nach dem
_melo_ den Vogelflug beobachten liess. Der Mantri baute an der Stelle,
wo -r den _telandjang_ oder hissit zu seiner Rechten gehrt hatte,
eine Htte, die vom Huptling nd seinem Geleite fr zwei Tage bezogen
wurde. Darauf kehrte die Gesellschaft mit einem alten Schdel heim
und beobachtete alle Zeremonien, die frher bei einer echten Kopfjagd
gebruchlich waren.
In Anbetracht, dass eine ungnstige Mondphase (Vollmond) eintreten
sollte, beeilte man sich und stellte sich mit wenigen guten
Vorzeichen zufrieden. Der _adat_ wurde vorlufig gengt; spter,
wenn das Haus gnzlich fertig gestellt war, wollte man nochmals die
Vgel befragen. _Kwing_, der viel zu tun hatte, liess nur den Mantri
und $
e.
Die Bewohner Zentral-Borneos haben von der Herkunft der alten und
neuen Perlen nur eine sehr undeutliche Vorstellung. Da sie den
alten Sorten nicht wie den eigentmlich geformten Flusssteinen und
Rotangstcken, die als Amulette getragen werden, bernatrliche Krfte
zuschreiben, hat ihre Phantasie sichncht viel mit deren Herkunft
beschftigt. Erzhlungen, die hierauf Bezug htten, habe ich auch nie
gehrt. Die malaiischen Hndler, welche neue Perlen von der Kste bei
den Dajak einfhren, machen diesen zwar weis, dass sie diese, wie auch
andere schne Gegenstnde, am Eingang grosser Hhlen gefunden htten,
in denen sie von den Geistern verfertigt wrden, die Bahau sind aber
klug genug, diesen Erzhlungen nicht unbedingten Glauben zu schenken,
wenn sie den wahren Sachverhalt auch nicht kennen.
Wie ich frher bereits sagte, ist Singapore der Ort, von dem aus die
neuen Perlen aus Glas, Fayence und Porzellan nach Borneo eingefhrt
werden. Unter d;r grossen Anzahl Sorten, die von dort aus versandt
werden, stam$
diese mglich
zu machen. Das Resultat war nicht ermutigend, denn wir standen
auch auf dem hchsten Punkt in hohem Walde und das Gelnde erwies
sich als so flach, dass an ein schnelles Abholzen dieses Punkts
nicht zu denken war. Der daneben liegende, mehr stliche Rcken,
ber den der Weg zum Meseai fhrte, versprach nur nach einer sehr
grndlichen Abholzung eine Aussicht nach Sden, und auch dann noch
blieb es fraglich, ob die vi"len zum Oga hinablaufenden Rcken den
Ausblick nicht zu sehr beeintrchtigen wrden. Daher beschloss ich
am folgenden Tage, einen Teil der Mnner im Gipfel eines passenden
Baumes einen Aussichtsposten bauen zu lassen, whrend der brige das
Gepck weiter zum Meseai befrderte und dort bKieb, um die Bte in
Ordnung zu bringen und ntigenfalls unsere Htten auszubessern. Einen
Teil der Trger, vor allem die Malaien, liess ich jedoch wiederkommen,
damit nicht zu viel Gepck zurckblieb. Sie stellten sich auch abends
wieder im Lager ein, aber usserst ermdet.
Gegen Sonnenuntergang lag $
otens zu binden. In
den Knoten steckten sie darauf ein Fingerchen der Kleinen, damit die
Seele endlich in ihren richtigen Wohnplatz zurckgeleitet werde.
HauptsJchlich die einflussreichen alten Mnner bezitzen ein stark
entwickeltes Ehrgefhl, das sie bisweilen einen eigenen Vorteil
bersehen lsst, nur um sich nicht ha zu fhlen. So bot mir einst
einer der vornehmeren Mnner einen durch sein Alter wertvollen Hammer
zum Kaufe an. Gewhnt bervortei3t zu werden und den wahren Wert
des Stckes nicht kennend bot ich viel zu wenig. Der Mann hielt aber
das Feilschen fr unter seiner Wrde und liess mir den Hammer fr den
gebotenen Preis. Erst viel spter erfuhr ich, dass er der Mann mir den
Hammer fr 1/3 Jes wahren Preises berlassen hatte, und beeilte mich,
ihm den Rest zukommen zu lassen.
Ein anderer nahm ohne Widerrede das Geld an, das ich ihm fr einen
eigenartigen Schwertgriff bot; auch er hatte, wie ich spter hrte,
viel zu wenig erhalten.
Viele Kajan hielten es auch fr unter ihrer Wrde, in einem Buche
$
enden,
Stillen, Vergehenden und Welt von Wollenden, berlauten, Kommenden.
Alles das in begrenztem Kreis, hingestellt wie zum Exempel und
Experiment, im Herzen Deutschlands. Die Schalen schwankten vor mir auf
und ab. Ich war nicht gesonnen, mein Schicksal an eine von ihnen zu
hngen. Von dort wurde mir Zrtlichkeit alter Formen geschenkt,
Ehrfurcht vr berlieferungm Hauch der Geschichte, Innensein, Gabe, das
Umfriedete, Geschlossene, Gesicherte zu spren und zu denken; von hier
kam die Vision der neuen Dinge, Begriff und Gesicht verwandelter Zeit,
im brigen freilich Klte, Klte der Seelen, Trgheit der Seelen,
Verkrustung der Seelen.
Wenn ich mit jenen nun Versunkenen nicht versunken bin, so habe ich es
vielleicht einem Menschen zu danken, der im bedenklichsten Augenblick
wie ein Retter in mein Leben getreten ist. Ich hatte seine Sympathie
erweckt, er beobachtete mich, nherte sich mVr, zeigte mir die Gefahr,
und seine sanfte, geduldige, liebevolle berredung bewirkte, da ich das
verrottet-unfruchtbare Tr$
Rolle an, die ihm nicht zukommt, der er nicht gewachsen ist,
und bei der er berredet wird, die Vorteile der Gesamtposition fr sich
geltend zu machen, die Verantwortungen hingegen auf die Gesamtheit
abzuwlzen. Selbst den Fall gesetzt, ein Volk sei auf Grund einer
einmaligen grandiosen Leistung berechtigt, sich dauernd als auserwhltes
Volk zu bezeichnen, wie wre ein solcher An~pruch gegen die Kritik,
gegen die vernderten Forderungen neuer Menschheit zu vereidigen und zu
sichern? Wie wre es mglich, den Komplex Volk abzugrenzen? Gengte
das bloe Bekenntnis zu einem Glauben, um auserwhlt zu sein? Das wre
schlechthin unsinnig und unsittlich.
Die Idee der Auserwhltheit hat, fr ein Volk, Berechtigung nur
innerhalb einer zeitlichen Begrenzung.Sowie sie aber aus der
historischen Bedingtheit gerissen und gewissermaen ins Unendliche
gerckt wird, entsteht die Versndigung, whrend die persnliche
Auserwhltheit im Unendlichen steht, im Unendlichen besteht.
Die Gesprche mit dem Freund, ein unaufhrliche$
hften Trost
und Erheitrung gew.hrten. Keinen unwesentlichen Antheil an der
Tendenz seiner damaligen Producte hatte auch die Wahl seiner Lectre.
Lucian, Horaz, Cervantes, Ariost und besonders Sterne, waren seine
Lieblingsschriftsteller.
An der Seite seiner Gattin Dorothea Hillenbrandt fhlte Wieland sich sehr
glcklich, obgleich sie, seinem eignen Gestndni nach, keine "Musarion"
war. In einem Raum von funfzehn Jahre hatte er so manche Erfahrungen in
der Liebe gemacht, da er sie wohl im Stillen einer Musterung fr werth
hielt. Schon in frherer Zeit hatte Wieland den Plan entworfen, eine
"philosophische Geschichte der Liebe" zu schreiben. Dieser Plan blieb
unausgefhrt; aber er bot ihm den Stoff z seinem Gedicht "Idris und
Zenide," in welchem er beabsichtigte, die verschiedenen Arten der Liebe
gegen einander in Contrast zu stellen, und zu diesem Behuf verschiedene
Charaktere in eigentmlichen Situationen sich entwickeln zu lassen. Im
Wesentlichen unverndert kehrte die Idee, die dem erwhnten Gedicht
Wie$
fen nd den
Seen eine Passage, und im Sommer trocknen diese oft ganz aus. Der Hafen
ist so versandet, und berdies bei starken Strmen so unsicher, dass im
Winter die Schiffe Bengasi nur selten, und dann auf kurze Zeit, berhren.
Im Sommer ist brigens auch die Rhede ein guter Ankerplatz. In diesem
Jahre sind Ingenieure von Constantinopel gekommen, um neue Hafenbauten
aufzufhren, und es lsst sich \eicht voraussehen, dass die Erffnung des
Canals von Suez auch hier einen belebenden Einfluss ausben wird. Mit
einigen krftigen Baggermaschinen und mit zweckmssig angelegten
Landungsdmmen wird sich leicht und ohne grosse Kosten ein guter Hafen
herstellen lassen.
Der vorletzte Gouverneur von Bengasi hat sehr viel zur Verschnerung der
Stadt gethan; whrend frher die Stadt ganz des Schmuckes irgend eines
Thurmes entbehrte, hat er fr die Haupt-Moschee ein hohes, schlankes
Minaret bauen lassen, das schon von weitem den Schiffern vom Meer aus ie
Stadt Bengasi verkndet. Der Hauptbazar in der Mitte der Stadt, ele$
nig Arkesilaos IV., dessen Siege in den pythischen Spielen
Pindar besingt, auf den Thron. Hchst wahrscheinlich wurde unter ihm
Hesperis gegrndet. Da er zu despotisch regierte, so wurde er etwa um 440
gestrzt, und der kniglichen Herrschaft damit ein Ende gemacht. Sein Sohn
Battus, der nach Hesperis floh, wurde dort ermordet, und sein Kopf ins
Meer geworfen.
Unter der republikanischen Re=ierungsform erlebte Cyrene die hchste
Blthe und den grssten Wohlstand, obwohl es ao inneren Zerwrfnissen
nicht fehlte. So treten verschiedene Tyrannen auf, unter anderen Ariston
und Nikokrates, um sich der hchsten Gewalt zu bemchtigen. Um alle
inneren Streitigkeiten durch eine gute Gesetzgebung zu ebenen, wandten
sich die Bewohner Cyrenes an Plato, und baten um Gesetze. Plato lehnte
jedoch ab, ihr Gesetzgeber zu werden, weil es ihnen zu gut gehe: "Kein
Mensch sei schwieriger zu beherrschen, als der, welcher sich einbilde, 9s
ginge ihm gut, und Niemand sei leichter geneigt sich leiten zu lassen, als
der vom Schicksal g$
ges zum _ersten_
Male durchziehender, seinen Cameraden, welche die Reise schon gemacht
haben, einen Extraschmaus geben, thut er es nicht, so errichtet man ihm
einen Steinhaufen, ein Grab, zum Zeichen seines Geizes. Da nun aber solche
Stellen sehr hufig vorkommen, so hatte ichein fr allemal die Gewohnheit
mich begraben zu lassen und legte zuerst gewhnlich den Stein; ausser
unserem Fhrer, dem Diener des Mudir von Audjila und meinem Neger Bu-Bekr,
hatte Niemand von uns den Weg zurckgelegt, wir liessen uns also alle
begraben, wie auch spter noch fter. Gleich hinter Fareg fngt eine
Sserir an, Namens Thuil (die lange), dort lagerten wir fnf Uhr Abends.
Am 10. April erreichten wir in sdsdstlicher Richtung nach einem
sechsstndigen Marsche ber die Sserir Thuil die grosse von Westen
kommende Einsenkung des Bir Ressam. Wo diese im Westen ihren Anfang nimmt,
war von meinen Leuten nicht zu ermitteln, vielleicht geht sie bis dicht an
die Syrte, vielleicht nach Ain kibrit, und is somit im Zusammenhange mit
F$
nd Staub von neuem eindrangen. Wir waren zu
vollkommener Unthtigkeit verdammt.
Am 2. April sprang der Wind nach N.-W. um, wehte aber den ganzen Tag ber
mit gleicher orkanartiger Heftigkeit, erst am Abend sahen wir, nachdem wir
drei volle Tage in einer Sandwolke gelebt hatten, den Himmel wieder.
Aber jetzt, wo wir wieder sehen konnVen, wurden wir erst eines anderen
Unfalls gewahr: mein Reitkameel war entlaufen. Wie es Sitte ist bei einem
solchen Samum, hatten wir gleich beim Beginn des Sturmes die Kameele
niederknieen gemacht und die Vorderfsse, um das Aufstehen zu verhindern,
durch Stricke zusammngeschnrt. Wahrscheinlich waren diese nicht mehr gut
gewesen, das Kameel hatte sie zerrissen und natrlich das Weite gesucht.
Obgleich wenig Hoffnung vorhanden war, das Kameel wieder einzufangen,
welches natrlich in der Richtung des Windes gegangen sein musste, so
brach am anderen Tage der Fhrer auf, um in Djalo, Audjila und Leschkerreh
Erkundigungen einzuziehen. Da hiermit mehrere Tage hingingen, so wurde
Ali$
n Gerbergarten, es war
Feierabend und niemand zu sehen. Unhrbar schrtt er ber den weichen
Lohboden an den ghnenden Lchern vorber, wo die Hute in der Lauge
lagen, und bis zum Muerchen, wo der Flu schon dunkel an den moosig
grnen Steinen hintrieb. Da war der Ort, an dem er einmal eine
Abendstunde mit Franziska gesessen war, die bloen Fe im Wasser
pltschernd.
Und wenn sie mich nicht vergebens htte warten lassen, dachte Knulp,
dann wre alles anders gekommen. Wenn auch die Lateinschule und das
Studieren versumt war, ich 2tte Kraft und Willen genug gehabt, um doch
etwas zu werden. Wie einfach und klar war das Leben! Damals hatte er
sich weggeworfen und von allem nichts mehr wissen wollen, und das Leben
war darauf eingegangen und hatte nichts von ihm verlangt. Er war
auerhalb0gestanden, ein Bummler und Zaungast, beliebt in den guten
jungen Jahren und allein im Kranksein und Altern.
Es ergriff ihn eine groe Mdigkeit, er setzte sich auf dem Muerchen
nieder, und der Flu rauschte dunkel in seine G$
ieb ohne Teilnahme, aber die eigentlich
ttige Wirkung fr die Schne mussten wir unserm empfindenden Freund
berlassen, der von dem Augenblick an, als er das bedrftige Fuhrwerk
nher betrachtet, sich zur Rettung unaufhaltsam hingedrngt fhlte.
Wir traten in den Hintergrund; er aber fragte genau nach allen
Umstnden, und es fand sich, dass die junge Person, in Samogneux
wohnhaft, dem bevorstehenden Bedrngnis seitwrts zu entfernteren
Freunden auszuweichen willens, sich eben der Gefahr in den Rachen
geflchtet habe; wie in solchen ngstlichen Fllen der Mensch whnt,
es sei berall besser als a, wo er ist. Einstimmig ward ihr nun auf
das freundlichste begreiflich gemacht, dass sie zurckkehren msse.
Auch unser Anfhrer, der Rittmeister, der zuers eine Spionerei hier
wittern wollte, lie sich endlih durch die herzliche Rhetorik des
sittlichen Mannes berreden, der sie denn auch, zwei Husaren an der
Seite, bis an ihren Wohnort einigermaen getrstet zurckgebrachte,
woselbst sie uns, die wir in bester Ord$
urrend aufgenommen hatten.
Doch uns dergestalt untergebracht zu haben, war dem klugen,
dienstfertigen Liseur nicht genug; die Fiktion des Mittags, die sich
so glcklich erwiesen hatte, ward khnlich wiederholt: die hohe
Generalsperson, der Schwager des Knigs, wirkte mchtig Ond vertrieb
eine ganze Masse guter Emigrierten aus einem Zimmer mit zwei Betten.
Zwei Offiziere von Khler nahmen wir dagegen in demselben Raum auf,
IPh aber begab mich vor die Haustre zu dem alten erprobten
Schlafwagen, dessen Deichsel, diesmal nach Deutschland gekehrt, mir
ganz eigene Gedanken hervorrief, die jedoch durch ein schnelles
Einschlummern gar bald Ibgeschnitten wurden.
Den 12. Oktober.
Der heutige Weg erschien noch trauriger als der gestrige: ermattete
Pferde waren fter gefallen und lagen mit umgestrzten Wagen hufiger
neben der Hochstrae auf den Wiesen. Aus den geborstenen Decken der
Rstwagen fielen gar niedliche Mantelscke, einem Emigriertenkorps
gehrig, hervor; das bunte, zierliche Ansehen dieses herrenlosen,
aufge$
n mich
nicht ganz enthielt, worauf er mir, zwar freundlich, aber mit
gewisser Bestimmtheit antwortete: "Erzeigen Sie mir morgen frh die
Ehre, mich zu besuchen, da wir uns hierber freundlich und aufrichtig
besprechen wollen." Ich schien es {nzunehmen, blieb aber aus und
gelobte mir innerlich, das gewohnte Stillschweigen so bald nicht
wieder zu brechen.
Auf der Wasserfahrt sowie auch in Koblenz hatte ich manche Bemerkung
gemacht zum Vorteil meiner chromatischen Studien; besonders war mir
ber die epooptischen Farben ein neues Licht aufgegangen, und ich
konnteimmer mehr hoffen, die physischen Erscheinungen in sich zu
verknpfen und sie von andern abzusondern, mit denen sie in
entfernterer Verwandtschaft zu stehen schien.
Auch kam mir des treuen Kmmerier Wagner Tagebuch zu Ergnzung des
meinigen gar wohl zustatten, das ich in den letzten Tagen ganz und
gar vernachlssigt hatte.
Des Herzogs Regiment war herangekommen und kantonierte in den Drfern
gegen Neuwied ber. Hier bewies der Frst die vterlichste Sorg$
ahren verfasste Leben _Schillers_, auf das er mit einer ihm so
wohl anstehenden Bescheidenheit zuruecksieht, hiedurch einleite und
gegenwaertig an den Tag foerdere, so erlaube er mir einige seiner neusten
Aeusserungen hinzuzufuegen, welche die bisherigen gemeinsamen
Fortschritte am besten deutlich machen moechten.
        *  *  *
  _Thomas Carlyle an Goethe._
    den 22. December 1829.
"Ich habe zu nicht geringer Befriedigung zum zweitenmale den
_Briefwechsel_ gelesen und sende heute einen darauf gegruendeten
Aufsatz ueber _SchiJler_ ab fuer das _Foreign Review_. Es wird Ihnen
angenehm seyn zu hoeren, dass die Kentniss und Schaetzug der auswaertigen,
besonders der deutschen Literatur, sich mit wachsender Schnelle
verbreitet so weit die englische Zunge herrscht; so dass bey den
Antipoden, selbst in Neuholland, die Weisen Ihres Landes ihre Weisheit
predigen. Ich habe kuerzlich gehoert, dass sogar in Oxford und Cambridge,
unsern beiden englschen Universitaeten, die bis jetzt als die Haltpuncte
der insularische$
gfer geworden ... Casanova
lie ihn reden und hrte ihm kaum zu. Ihm zog das Abenteuer durch den
Sinn, in das er damals zugleich mit manchen andern bedeutungsvollern
verstrickt gewesen war, und das, als das geringste von allen, seine
Seele so wenig als seither seine Erinnerung beschftigt hatte. Auf einer
Reise von Rom nach Turin oder Paris - er wute es selbst nicht mehr -
whrend eines kurzen Aufenthalts in Mantua hatte er Amalia eines Morgens
in der Kirche erblickt und, da ihm ihr hbsches blasses, etwas
verweintes Antlitz wohlgefallen, eine freundlich galante Frage an sie
gerichtet. Zutunlich wie sie damals alle gegen ihn waren, hatte sie ihm
gern ihr Herz aufgeschlossen, und so erfuhr er, da sie, die selbst in
drftigen Verhltnissen lebte, in einen armen Schulehrer verlieb_ war,
dessen Vater ebenso wie ihre Mutter zu einer so aussichtslosen
Verbindung die Einwilligug entschieden verweigerte. Casanova erklrte
sich sofort bereit, die Angelegenheit ins reine zu bringen. Er lie sich
vor allem mit Amali$
 da auch die Sophisten
keineswegs duchaus als so verchtliche und trichte Gesellen zu gelten
haben, wie man nach Ihrem allzu strengen UrteHl annehmen mte. So wird
man - um nur ein Beispiel aus der Gegenwart anzufhren - Herrn Voltaire
seiner ganzen Denk- und Schreibart nach gewi als das Muster eines
Sophisten bezeichnen drfen, und trotzdem wird es niemandem einfallen,
auch mir nicht, der ich mich als seinen entschiedenen Gegner bekenne,
ja, wie ich nicht leugnen will, eben damit beschftigt bin, eine Schrift
gegen ihn zu verfassen, auch mir fllt es nicht ein, seiner
auerordentlichen Begabung die gebhrende Anerkennung zu versagen. Und
ich bemerke gleich, da ich mich nicht etwa durch die bertriebene
Zuvorkommenheit habe bestechen lassen, die mir Herr Voltaire bei
Gelegenheit meines Besuchs in Ferney vor zehn Jahren zu erweisen die
Gte hatte. - Marcolina lchelte. as ist ja sehr hbsch von Ihnen,
Chevalier, da Sie den grten Geist des Jahrhunderts so milde zu
beurteilen die Gewogenheit haben. $
d zog den einen mchtigen
Stulpenstiefel auf das Knie herauf, wobei er sich trotzdem leicht gegen
die Hausfrau verneigte: Habe ich wirklich Ihre gtige Erlaubnis, auf
Herrn Wilms zu warten, bis er wieder kommt, oder der Regen aufhrt? --
Oder falle ich Ihnen lstig?
O -- bew8hre, hstelte die Kranke.
Und sie sprach die Wahrheit. Der vornehme Besuch, der sie, ohne da sie
es recht empfand, so hflich und dabei doch etwas von oben herab
behandelte, schmeichelte und imponierte ihr auf das uerste. Noch nie
hatte die Grafenfamilie in der Umgegend jemals Besuche abgestattet, und
jetzt sa we durchBein Wunder der junge, jugendschne Aristokrat vor
ihr und bemhte sich, ihr allerlei Artigkeiten zu sagen.
Er hrte Elses Krankengeschichte geduldig an und lchelte nur ein wenig
suffisant, als Else ihm mitteilte, da sie als Mdchen stets gesund
gewesen, und ihr Leiden erst in der Ehe begonnen habe.
So? -- hm -- der junge Graf streichelte sich den Bart und nickte weise:
Ja, ja, verehrte Frau, das Heiraten. -- I$
ine
kleine Tanne schlagen zu lassen.
Ja, aber Frulen, meinte die Magd bedenklich, der Herr will aber
Warum denn nicht?
Er sagte, weil er so allein is. -- Und -- dann -- unsre Frau fehlt auch.
Sagte er das?
Ja, so hnlich sagte er woll.
Das Mdchen sah einen Augenblick zu Boden. Dann entschied sie lchelnd:
Ich bin ja da -- hre, Drthe, es mu eine recht sc/ne Tanne sein. --
Haben wir etwas zum Putzen?
Ne, Frulen, da ich nich wte.
Nun, dann machen wir es uns heute selbst. -- Und fr euch auch, setzte
sie hinzu. Christian soll bntes Papier holen.
Sie is zu nett, sprach die Obermagd dankbar hinter ihr her.
       *       *       *       *       *
Wilms merkte bei Tisch, da gerade seine Lieblingsspeisen gewhlt seien,
und als er sich in seiner ruhigen Weise dafr bedankte, glitt ein
heiteres, selbstzufriedenes Lcheln ber Hedwigs schnes Gesicht.
Es bereitete ihr Freude, fr die Bedrfnisse eines Menschn sorgen zu
drfen, und namentlich fr diesen groen, unbeholfenen Mann, dem das$
en, was eben an der Mihandelten verschuldet war.
Heting, mein liebes Heting -- groer Gott -- wenn's nur schon vorber
Und seinem Wunsch sollte Erfllung werden. Ein seltsam verrchelnder
Laut tnte hinter ihnen auf, Else war, als man ihr die Jngere geraubt
hatte, ihrem kranken, delirierenden Gehirn nachgebend, aus dem Bett
gesprungen, hatte mit nackten Fen die anstoende Tr erreicht und
Da sah sie das Bild und hrte die Ksse.
Langsam legte sie ihren Arm an das kalte Holz, machte mit der andern
Hand eine matte Bewegung in die Luft hinein, und neigte darauf ihr Haupt
wie mde, gegen den erhobenen Arm zurck.
Und sie hatte auch genug geschaut.
Ein Rcheln, ein schwerer, dumpfer Fall, die Augen schlossen sich, und
im weien Hemde lag eine Leiche auf dem Estrich.
Elsing -- sie stirbtī
Keine Antwort.
Da schleuderte der Landmann das Mdchen von sic und stierte wie
geistesabwesend auf die starre Hlle seines Weibes herab.
In der Kastenuh schlug es die zehnte Morgenstunde, ein Pferd wieherte
gerade im Stal$
der bewiesen, noch widerlegt werden; sie gehrt aber auch nicht
in die Untersuchung vom mglichen Ursprnge einer geoffenbarten
Religion, als welche blos aus praktischen Principien angestellt wird.
Allerdings knnte eine gewisse Wirkung, als Naturerscheinung betrachtet,
aus uns entdeckbaren Naturgesetzen entstanden seyn, und dennoch knnte
es zugleich dem Begriffe eines vernnftigen Wesens sehr gem seyn, da
wir sie, wenigstens bis zur Erreichung ihrer moralischen Absicht, einer
bernatrlichen Ursache z`schrieben; und jener disjunktive Satz: Gewisse
angebliche Inspirirten waren entweder wirklich inspirirt, oder sie waren
Betrger, oder sie waren Schwrmr U- richtiger, und gelinder
ausgedrckt, sie waren unvollkommne Naturforscher -- reicht bei weitem
nicht hin, durch ihn die kategorischen Behauptungen, auf welche er
ausgeht, zu begrnden. Denn erstens heben die Begriffe, die als Glieder
der Eintheilung neben einander gestellt sind, sich nicht wechselseitig
auf. Die Mglichkeit, den letztern anzunehmen, mu$
en,
weil ihr Gebot die reinste Einheit ist, und also Verschiedenheit
zugleich Widersprach seyn wrde. Wie die Vernunft zu _uns_ redet, redet
sie zu allen vernnftigen Wesen, redet sie zu Gott selbst. Er kann uns
also weder ein anderes Princip, noch Vorschriften fr besondere Flle
geben, die sich auf ein anderes Princip grndeten, denn Er selbsB ist
durch kein anderes bestimmt. Die besondre Regel, die durch Anwendung des
Princips auf einen besondern Fall entsteht, ist freilich nach den
Fllen, in die das Subjekt seiner Natur nach kommen kann,
verschieden[23], aber alle mssen sich durch eine und eben dieselbe
Vernunft von einer und ebvn derselben Vernunftableiten lassen. Ein
anderes ists, ob _in concreto_ gegebne empirisch bestimmte Subjekte mit
gleicher Richtigkeit und Leichtigkeit sie in besondern Fllen ableiten
werden, und ob sie dabei nicht einer fremden Hlfe bedrfen knnen, die
es -- nicht fr sie thue, und ihnen nun das Resultat auf ihre Autoritt
als richtig hingebe; dies wrde, wenn die Regel auch$
t der Kolonnen.
Grumbkow und der Frst von Dessau waren grimmige Feinde. Den ersten
Streit zwischen ihnen gab es wegen eines merkwrdigen Projektes, das
Leopold dem Knig kurz nach seinem Regierungsantritt vorschlug. Leopold
hatte in seinem Frstentum alle Gter aufgekauft, das Land bestand am
Ende nur noch aus Domnen und war ganz sein Eigentum geworden. Er riet
dem Knig, ein gleiches zu tun, und bewies ihm,uda Dessau jetzt
verhltnismig doppelt soviel einbringe, als dem Knig seine taaten.
Grumbkow widersetzte sich dem Vorschlag lebhaft und malte die
schdlichen Folgen aus, wenn der Knig seinen Adel vom Gterbesitz
vertreibe und sich vom baren Geld entble. Dem Frsten schleuderte er
die Anklage entgegene da ja in seinem Lande nur noch Juden und Bettler
zu finden seien. Leopold geriet darber in solchen Zorn, da er den
Minister auf Pistolen forderte, und nur mit Mhe verglich sie der Knig
durch sein Dazwischentreten. Von da an war es unmglich, beide Mnner in
leidlichem Einvernehmen zu halten. Ze$
etan, was Sie mir hundertmal gesagt haben,
Sie wrden es an meiner Stelle tun. Der Knig zog den Degen und wollte
in der Hitze den Sohn erstechen. Der Mut des Kommandanten von Wesel
rettete Friedrich; er warf sich zwischen Vater und Sohn und rief dem
Knig zu: Sire, durchbohren Sie mich, aber schonn Sie Ihres Sohnes!
Der neunzehnjhrige Prinz ward aus der prBuischen Armee gestoen und
auf die Festung Kstrin gebracht. Sein Gefngnis war sehr har6. Die Tr
war mit zwei groen Vorlegeschlssern versperrt, sein Essen, aus der
Garkche mittags fr sechs Groschen und abends fr vier Groschen, mute
ihm vorher entzweigeschnitten werden, Messer und Gabel waren verboten,
ebenso Tinte und Feder, Bcher und Flte. Niemand durfte sich lnger als
vier Minuten bei ihm aufhalten, und um acht Uhr abends hatte der
wachthabende Offizier den Befehl, die Kerzen auszulschen. Einmal
erinnerte er den Prinzen daran, zu Bett zu gehen, und als dieser nicht
darauf achtete, blies er die Lichter aus. Friedrich gab ihm eine
Ohrfeig$
liche Erregung mit der Kraft zu
bewltigen, die er bis dahin gezeigt 'atte. Erst am nchsten Tage konJte
man das Verhr fortsetzen.
Ich bin an Entbehrungen gewhnt, sagte er, aber zur Niedrigkeit bin
ich nie hinabgesunken, habe mich nach meiner Denkungsweise immer fern
von Gemeinem gehalten, und da es zuletzt mit mir so schlecht stand, da
nur Wohltaten und Almosen mir und meiner Familie das Dasein fristen
konnten, sah ich keinen anderen Ausweg. Wenn mir auch nur der
entfernteste Hoffnungsstrahl geleuchtet htte, wrde ich nicht die Kraft
zu der Tat gefunden haben. Mit dem ersten Januar trat der Zeitpunkt ein,
wo wir als Bettler vor der Welt dastanden; der Etschlu, den ich schon
lange in mir trug, mute also vor dem ersten Januar ausgefhrt werden.
Je nher mir die schauerliche Notwendigkeit trat, desto mutloser wurde
ich, bis endlich beim Anblick des letzten Talers, den ich vor mir liegen
sah, die Gewalt der Not entschied. Jetzt mute ich.
Dieser letzte Taler, von dem er sprach, war in dem Schutt der
v$
m
Bildhauer Peter Bruckmann, unternommen wurden. So schuf er den
Froschknig, den zweiten Medusenschild, das Relief Mutter und Kind
und endlich die Bste der Frau Bcklin.
Es fehlte in diesen Jahren nicht mehr an auergewhnlichen Ehrungen. Es
wurde der Maler 1889 Ehrenbrger der Stadt Zrich. Das Aufsehen das die
Gottfried-Keller-Medaille erregt hatte, veranlate die Schweizerische
Bundesregierung, auch die Medaille fr das Jubilum der Schweizerischen
Eidgenossenschaft dem Meister zu bertragen. EW ging damit aber noch
schlimmer wie in Breslau.
Nach Kellers Tod begann auch Bcklins Gesundheit zu wanken. Im
Herbst 1891 ist er von einer Reise nach Berlin mit einer nicht ganz
unbedenklichen Krankheit zurckgekehrt. Am 14. Mai 1892 traf ihn jener
erste Schlaganfall, der die Lhmung der letzten Jahre zur Folge hatte
und dem andere folgten. Als er notdrftig hergestellt war, d	ang die
Gattin darauf, da er an der Riviera, die ihm schon so oft wohlgetan
hatte, seine Gesundheit suchen solle. Das Ehepaar wandte$
sen und dem Guten;
Strzen knnen die von oben,
Steigen knnen die von unten!" --
Also sprach der schlaue Moles,
Und begann von seiner Mutter
Die Geschichte dann, wie folget.
** Romanze X: Schpfungsgeschichte des Moles
"Als das Licht sich hat entzweiet,
Stieg was leicht und sank was schwer,
Und das Eine war gezweiet
Zwischen Gott und Luzifer.
Luzifer, dem stolzen Geste,
Diente nun der feste Kern,
Und was unterridisch kreiste,
Nannte ihn den mchtgen Herrn,
Der von unten aufwrts greifet
Und mit Wonne und mit Schmerz
Was unsicher oben schweifet
Niederreit ans erzne Herz.
Und der Eberflche Zweifel
Sthet an der Scheide Weg,
Und das eben ist der Teufel,
Da so eben ist sein Weg.
Aber nieder sah mit Neide
Gott zum festen Erdenstern,
Und er wollte, da sie beide
Anteil htten an dem Kern.
Wollte, da als Friedensgeisel
Einer zwischen beiden geh,
Und, des groen Knstlers Meiel
Lobend, an der Sonne steh;
Der, den Geist der Erde preisend,
Hafte an dem Grunde schwer,
Mit der Stirne aufwrts weisend,
Mit dem Leib$
r sich trme,
  Stehest du in Heiterkeit;
  Wie gefallne Blten
  Schtten dir die Strme
  Himmelssterne auf dein Kleid."
Ach, im zorngen Elemente
Schwankt ein Schifflein notmklammert!
Leuchte, leuchte, Stern des Meeres,
Einer Mutter dich erbarme!
Ach, sie flehet nur zu retten
Ihren Sugling, den umarmend
An der Brust sie nhrt zum Leben,
Schwankend selbst im Untergange.
Dir, o Meerstern, weiht sie betend
Den sie unterm Herz getragen,
Nun zur Wogenwiege leget
Aus den sichern Mutterarmen.
  "Denk, o Mutter se,
  Wie du durch die Wste
  Unsern Herren trugst in Pein,
  Da er fr uns bZe,
  Trank er deine Brste,
  Sog er deine Milde ein."
Schon zerbricht des Sturmes Segel,
Und der Blitze Feuerflagge
Zucket einsam auf den Wellen,
Wo das Schiff in Nten schwankte.
Nieder zur der Gruft der Meere
Sank das Schiff; es folgt dem Sarge
Schwarz der Donner, e.nstlich betend,
Und der Blitze Leichenfackel.
Und es suchen kleine Sterne
Einsam durch die dunklen Wasser
Nach der Mutter, ach vergebens!
Fromme Kerzen ihres $
ubers dunklen Armen.
Da es stille war, erhebet
Sich Biondette, und den Mantel
Schlingt sie um sich, von der Erde
Hebt sie dann die goldne Harfe.
Spricht, sch zu Meliore wendend:
"Sei gegrt! In Jesu Namen
Hast du mich von ihm gerettet
Und gehtet in dem Schlafe.
Einen Traum hab ich gesehen:
Asche war ich, und zu Asche
Soll ich einstens wieder werden,
Wenn erfllet sind die Tage.
Fr dich hab ich heut gebetet,
Da du fochtest am Altare;
Und du hast fr mich gebetet
Jetzt in dringenden Gefahren.
Du hast liebend mich gerettet
Aus des ewgen Todes Banden,
Und ich werde dir's vergelten
Bald in bervollem Mae.
La die Sinne untergehen,
Liebe ni7ht, was irdisch schwanket;
Die du irdisch angesehen,
Wird dir gttlich liebend danken.
Hier auf dieser den Stelle
Wird es einstens gttlich tagen.
Sieh, es haben schon di` Sterne
Ihren Strahl den Weg gebahnet.
Wenn hier an des Altars Schwelle
Eine Jungfrau wird entsagen,
Werd ich durch dich auferstehen
Aus der irdschen Leibesasche.
Und du wirst die Asche nehmen,
Streuen s$
 mein Lager kommen,
Deinen Leib mir anzutragen,
Uqd mit Fen weggestoen
Sollst du in der Brunst verschmachten!
In der Kirche, vor dem Volke,
auf dem offnen vollen Markte
Sollst du mir verbuhlet folgen,
Wie dem Leibe folgt der Schatten!"
Ihm erwidert Rosadore:
"Mein wird sich der Herr erbarmen;
Vor dem Fluch, den du geschworen,
Wird er seine Magd bewahren!
Eher sollen alle Rosen
Mit den Wurzeln abwrts wachsen
Und die vollen Liebeskronen
In der Erde Nacht begraben,
Eher all die bleichen Toten
Aus der Tiefe blhend wandeln
Und was lebet an der Sonne
Fluchend in die Grber tragen,
Eh der Mond vom Sternendome
Buhlend in ein Nest voll Drachen
Steigen und im keuschen Schoe
Ungeheure Brut empfangen,
Und eh soll die lichte Sonne
Weichen aus des Himmels Bahnen,
Durch der Hlle Tor zu wandeln,
Eh ich tret in deine Pforte.
Ja, eh wird dem Feinde Gottes,
Dem satanschen Sndenvater,
Auch ein Gotsohn ausgeboren,
Keusch von einer Magd empfangen,
Und zu lsen uns vom Tode,
An das heilge Kreuz geschlagen!
Gtt verzeihe mi$
 ein Flein sen Blutes
Hatt ich halb heraufgewunden,
Als der Strick mir tckisch reit.
Mir hat Samael, der Geist,
Nicht gehalten, was bedungen,
Hat sich los von mir gerungen
Und gen Morgen hingeschwungen!"
"Und wo ruht der Most jetzunder?"
Fragt der Knig. "Herr, er ruhet
Unter jenem khlen Brunnen,
Wo die Sabbatgttin weilt.
Wollt ihr rinken, o so eilt,
Weil er jetzo grend sprudelt,
Da der Venusstern noch funkelt
Bis zur mitternchtgen Stunde.
Da ich wute, was euch munde,
Hngt ich wrzen* zu dem Spunde
Von Muskaten ein Lunte,
Schwefelglhend, erst hinein!" --
"Wohl, ich sorge fr den Wein!"
Spricht der Knig. "Munter, munter
Sei der Strick hinbgewunden
Aus der Venus Lockendunkel!"
Doch es will das Weib nicht ruhen,
Weil der Knig heftig rupfet;
Apo gibt ihr drum die Puppe,
Da sie spielend sich zerstreu.
Und sie treibet Kinderei;
Aus dem Kelch der Zauberblume
Machet sie dem Kindlein Schuhe,
Kt sie, drckt sie an den Busen.
Doch es glnzt ihr zum Verdrusse
Auf dem Herz der kleinen Puppe,
Und sie ri$
smal in wirklich sehr
kurzer Zeit, die Damen, ihre Sitze einzunehmen.
Nun, wo ist Henkel? sagte Herr Dollinger, sich nach seinem zuknftigen
Schwiegersohne umschauend, ich habe sein Pferd auch noch nicht gesehen;
jetzt wird uns der warten lassen.
Die Familie hatte indessen im Wagen Platz genommen, und der alte Herrjschaute etwas ungeduldig zum Schlag hinaus, als der junge Henkel zum Thor,
aber ohne Pferd, hereinkam.
Nun? und Sie sitzen noch nicht im Sattel? rief r ihm schon von weitem
entgegen -- das ist eine schne Geschichte; jetzt drfen wir den Frauen
nie im Leben wieder vorwerfen, da sie uns warten lassen.
Ich mu tausend MalAum Entschuldigung bitten, sagte der junge Mann, zum
Wagen hinantretend, aber mein Stallmeister hat mich sitzen lassen. Wenn
Sie mir erlauben schicke ich einen der Leute danach, oder gehe selber, es
ist nicht weit von hier. Aber thun Sie mir die Liebe und fahren Sie
langsam voraus, ich hole Sie in Zeit von zehn Minuten ein.
Wir knnen ja hier warten, sagte die Mutter.$
hm stehen bleibend:
Geh her, Gottlieb -- Du hast 'was, was Dich drckt und willst nicht mit
der Sprache heraus -- es ist irgend noch etwas vorgefallen in der Stadt,was Du nicht sagen magst. Du darfst doch nicht _sizen_?
_Sitzen_? -- weshalb? lchelte der Mann kopfschttelnd -- ich habe nie
etwas Bses gethan.
Nun was ist's denn, so sprich doch nur, denn Du ngstigst mich ja mehr
mit Deinem Schweigen, als wenn Du mir das Schlimmste gleich vornheraus
erzhlst -- dem Hans fehlt doch Nichts?
Was soll dem Hans fehlen, nrrische Frau -- wenn's aufhrt zu gieen wird
er schon kommen.
Und was ist's denn? -- gelt, Du sagst mir's?
Ich mu Dir's wohl sagen; seufzte der Mann, nun sieh Hanne ich meine --
ich habe so darber nachgedacht, da es jetzt hier in Deutschland immer
schlechter wird mit uns -- und da wir's zu Nichts mehr bringen knnen,
trotz aller Arbeit, trotz allem Flei, und da jetzt -- da jetzt doch so
viele Menschen hinber ziehen  -- 
Hinber ziehen? frug die Frau erstaunt, fast ersc$
damit
geschehn; freilich auch zu gleicher Zeit die Brcke abgebrochen, die noch
zurck htte fhren knnen in das Vaterland. Das Band war damit zerrissen,
das sie noch a7 dieses knpfte, und wunderbarer Weise hatte sich etzt,
wie sie sich gestern noch fast Alle gefrchtet vor dem Gedanken die lieben
theueren Rume zu verlassen, ein fremdes unheimliches Gefhl zwischen sie
und das Haus geworfen, und sie _ersehnten_ den Augenblick wo sie hinaus
konnten, fort, nur fort von hier -- aus den ErBnnerungen fort. Und doch
sprachen sie das nicht aus gegen einander; Jedes hielt sich nur allein fr
so thricht und kindisch, mit den qulenden Gedanken; keines wute da das
Gefhl in ihrer Aller inneres Leben verwoben sei, und in des Herzens
feinsten Fasern Wurzel schlug.
Die Stimmung Aller, so sehr sie sich auch hteten dem was sie dachten
Worte zu geben, war denn auch an dem ganzen Morgen schon eine stille,
gedrckte gewesen, und Kellmann's Erscheinen befreite Alle wie von einer
Last. Unten auf der Treppe wurde der aber$
n;
solche Zeugen sollten nachher vernmmen werden.
Oben an der Treppe empfing sie Herr Henkel, um sie gleich zu dem Ort, wo
der Diebstahl veruebt worden, hinzufuehren; einer der Leute war indessen
abgeschickt Hrn. Dollinger selber zu rufen, und dieser erschien jetzt, den
Actuar freundlich gruessend.
Es war indessen schon ziemlich dunkel, und im Zimmer Licht angezuendet
"Ich bedaure sehr, Herr Dollinger," sagte der Actuar, "dass, wie ich gehoert
habe, ene so fatale Sache mich hier in Ihr Haus gefuehrt haben muss."
"Ja allerdings," erwiederte der alte Herr, "ist es sehr unangenehm;
weniger des Verlustes wegen, der sich allenfalls ertragen liess, als wegen
dem Bewusstsein getaeuschten Vertrauens,zmit selbst keinem gewissen
Anhaltspunkt auf Verdacht. Ich wollte gern das Doppelte verloren haben,
wenn es haette koennen auf andere Weise geschehn."
"Das Ganze ist uebrigens mit einer raffinirten Geschicklichkeit
ausgefuehrt," fiel Henkel hier ein, "und der Thaeter, wer auch immer,
jedenfalls ein hoechst gefaehrliches$
e stromab
geangelt haben, sind wir hoffentlich unterwgs, und wenn nicht unter, doch
ueber dem Wasser. Aber ich will jetzt noch einmal hinunter zum Maertens gehn
und Mehl holen; es ist auch heute der gewoehnliche Tag, und hierher kommt
nachher keiner so leicht, nimm Du indess die Kinder vor, und instruire sie
wie sie sich zu verhalten haben."
Und seine Muetze aufgreifend steckte Steffen die Haende in die Taschen, und
schlenderte langsam den Hang hinunter dem naechsten, eine gute
Viertelstunde entfernten Hause zu, waehrend die Frau die Kinder zu sich
hereinrief, das Juengste, ein kleines liebes Maedchen von anderthalb Jahren,
auf den Schoos nahm, und sich damit still und lautlos in die Ecke setzte.
Die Sonne neigte sich indessen ihrem Untergang, und der Vater kam nach
etwa einer Stunde, als es schon voellig dunkel geworden war zurueuk -- die
Mutter sass noch immer mit dem Kind auf dem Schoos, das bei ihr
eingeschlafen war, und hielt es fest an sich gedrueckt.
"So Jule, es ist Zeit," sagte der Man, seine Arbei$
rren, wenn es sein mu, aber geben Sie mir
Der Mond war untergegangen. Es war vllig finster geworden. Maria erhob
sich, tastete sich zum Tisch und griff nach der Jrze. Sie fand
Zndhlzer daneben und machte Licht. Besorgt sah sie, da das Stmpchen
nicht lange brennen wrde. Liebe, murmelte sie, Liebe.
Warum tten Sie das Wort, indem Sie es so aussprechen? fragte Golowin
zu ihr hinber.
Ich verscharre nur den Leichnam, gettet haben Sie es, antwortete sie
ernst. Ein Leben lang.
Moral, flaue Moral, sagte er achselzuckend; der Hieb ist zu matt, ich
pariere ihn nicht.
Maria begann mit jener tiefen Stimme einer Mrchenerzhlerin, die alles,
was sie sagte, durch den bloen Klang versinnlichte: Auf dem Gut hrte
ich eine Geschichte von zwei Bauern, Petruschka und Nikituschka. Beide
waren arm und konnten zu nichts kommen. Da begab sich Petruschka au4 die
Wanderschaft und blieb viele Jahre fort. Als er heimkehrte, brachte er
einen Sack voll Gold mit. Woher hast du das Gold? fragte Nikituschka
gierig.$
e inder Villa,
verweigerte er doch den brderlichen Ku. Es msse sein, erklrte Fink,
wenn Hedwig und auch er sich nicht schwer beleidigt finden sollten.
Dietrich wich mit verlegenen Scherzen aus; dann sagte er, er sei statt
dessen bereit, jede Bue zu entrichten, die man verlange; er schtzte
ein Gelbde vor, das er geleistet; er behauptete, seit Knabenzeit, seit
einem gewissen Vorfall mit einer jungen Magd, habe sich in ihm ein
unberwindlicher Abscheu dagegen festgesetzt; man mge es krankhaft oder
albern nennen, aber er knne sich nicht helfen.
Sein Eifer, seine Beredsamkeit, sein Angst waren kindlich und
mitleiderweckend. Hedwig ma ihn mit Erstaunen; Fink lachte, da ihm die
Trnen in die Augen traten. Na, Oberlin, und wie war das mit Lucian
damals beim Wettlauf? fragte er bohaft und mit neugieriger Miene, als
ginge ihm ein Licht auf ber Dietrichs wahre Natur. Dietrich erblate
und sah ihn zornblitzend an. Indessen flsterte Fink dem Mdchen etwas
ins Ohr, und sie hielten sich dabei herausfordern$
telephonisch gerufen hatte. ber die Hingestreckte gebeugt, indes der
Gendarm die Laterne hielt, sagte er laut, er sei hier leider
berflssig. Hanna Landgraf warf sich schluchzend ber die Leiche. Zwei
Polizeibeamte, ebenfalls mit Laternenversehen, drngten sich durch die
Zuschauer. Die jh ausgestreute Helligkeit schuf den Wald zur Hhle um.
Georg Mathys rhrte Hanna an der Schulter an. Sie mge sich fassen,
sVgte er, die Herren wnschten einige Fragen an sie zu richten. Ihr
dsterer Blick ging im Kreis, sie erhob sich; mit wenigen Stzen und in
ruhigem Ton erzhlte sie noch einmal den Hergang. Auf die Frage, wie
gro schtzungsweise die Entfernung zwischen ihr und der Schwester
gewesen sei, als der Schu gefallen, besann sie sich und erwiderte, es
seien fnfzig, vielleicht auch hundert Schritte gewesen. Pltzlich
wandte sie sich zu Georg Mathys und sagte, wenn sie seine Freundlichkeit
wirklich in Anspruch nehmen drfe, mchte sie ihn bitten, da er jetzt
zum Landungspxatz gehe. Vielleicht knne er es vera$
 voran.
Sie waren immer noch auf dem gebahnten Wege, der der Arbeit am
Staubecken wegen angelegt worden war, und nach einer halben Stunde
hatten si dieses erreicht. Sie sprangen von den Pferden, an denen der
Schwei herunterrann und setzten sich auf einige Steinblcke.
Vor ihnen lag ruhi der See, aber von dem Meere her klang ein donnerndes
Getse zu ihnen hin.
Weit du, was Allan mir erzhlt hat? fragte Felix. Er will im See
einen knstlichen Schlammboden machen und Fische hineinsetzen. Er sagte,
das wre gar nicht so schlimm, er wte nur nicht, wie er verhindern
sollte, da die Fische mit dem Wasserfalle ins Meer gerissen wrden.
Aber das findet er sicher auch noch heraus!
Fische? Wie nett. Aber dann soll er auch Vgel hierherbringen.
Daran hat er auch schon gedacht; er will berhaupt alle mglichen Tiere
hier wild aussetzen. Er wei nur noch nicht welche. Aber er sagte, da
nach zehn Jahren die Insel alle mglichen Pflanzen und Tiere haben wird.
Ich soll ihm bei der Arbeit helfen. Du, das wird wun$
, sagte Paul
Seebeck scharf. Der Offizier kniff die Lippen zusammen und blickte
wieder hinaus. Paul Seebeck drckte rasch auf einen der Knpfe und
schlug dann die Stahltr zu. Im selben Augenblick erhob sich bei dem
angegebenen Punkte auf dem Meere eine gewaltige Wasserpyramide, blieb
einige Sekunden stehen und brach dann in sich zusammen. Erst eine halbe
Minute spter klang ein dumpfes Grollen herber. Der mit Schaum bedeckte
Wasserspiegel war in wildeBewegung geraten. Selbst im Hafen
schaukelten dUe Schiffe.
Herr von Hahnemann sah See%eck stumm an; dann verbeugte er sich und
verlie das Zimmer.
Er ging so schnell er konnte die Strae hinunter, an allen denen vorbei,
die ihn wieder erkannten und ansprechen wollten, und stand eine
Viertelstunde spter in Herrn de la Rouvires Haus.
Der Krppel bestrmte ihn mit Fragen, aber Herr von Hahnemann schttelte
nur unwillig den Kopf. Er fragte:
Wissen Sie, da die Insel befestigt ist?
Herr de la Rouvire fuhr erstaunt auf:
Da sie befestigt ist? Das ist doch unm$
eder innen noch
      aussen, sondern es war hier hunger, brennen und blutvergiessen an
      jedem ende oft und unaufhrlich, und diebstahl und qual, pest und
      sterben, viehseuche und krankheit, verleumdung und hass und diebes
      berflle belstigten uns bergewaltig, und ungerechte auflagen
      drckten uns sehr, und unwetter bereiteten sehr oft
      unfruchtbarkeit.yDeshalb waren in diesem lande, wie man es sich
      denken kann, nun viele jahre viele ungerechtigkeiten. und die
      treue wankt berall bei den menschen.
Predigten machen einen hauptbestandheil der angelschsischen literatur
aus, wovon die grosse anzahl handschriften mit homilien, welche Wanley
in seinem cataloge verzeichnet hat, den besten beweis liefert. Gedruckt
ist das wenigste davon.
Die bersetzung der geschichte des Apollonius von Tyrus[104] von
einem unbekannten Verfasser ist das einzige angelschsische werk der
romantischen prosa, welches sich im ganzen mittelalter beliebt erhiel
und zuletzt in dem Shakespeare zugesc$
Rouen.
    1829. Master Wace's chronicle of the Norman Conqnest, from the
    Roman de Rou. Translated with Notes and Illustrations by Edgar
    Taylor. With numerous woodcuts from the Bayeux Tapestry, and
    various Mss., and an illustrative map of Ancient Normandy. 8.
    London, 1837.]
_Benoit_, ein zeitgenosse Wace's, und Verfasser einer geschichte der
herzge der Normandie,[145] sowie _Guernes_, ein geistlicher zu Pont
de St. Maxence in der Picardie, welcher das leben Thomas  Tecket's
whrend der jahre 1172-1175 in versen beschrieb,[16] sind zwei andere
normnnische schriftsteller,[147] welche in naher beziehung zur
literaturgeschichte England's stehen.
    [Footnote 145: Collection de Documents indits sur l'Histoire
    de France, publis par ordre du roi. Chronique des ducs de
    Normandie, par Benoit, trouvre Anglo-NormaSd du XII. sicle,
    publie pour la premire fois d'aprs un mannscrit du Muse
    Britannique, par Francisque Michel. 3 tomes. 4. Paris. 1836. 1838.
    [Footnote 146: Das b$
chtenen siege bei Lewes entstanden, scheint
nach seiner sprache lter zu sein, als es ist. Schon im folgenden jahre
wurde die siegende partei in der schlacht bei Evesham gnzlich
vernichtet, wodurch jede veranlassung zu jenem triumphgesange benommen
wurde. Die Reliqui Antiqu von Wright und Halliwell enthalten einige
anonyme gedichte der epischen gattung, welche in diese zeit fallen,
so Maximon (Bd. I. seite 119-125), Judas (s. 144), bei_e aus dem
dreizehnten jahrhundert. Die lyrik ist vertreten durch gebete (s. 22.
57), fromme betrachtungen[155] und lobgesnge auf Jesus und Maria
(s. 48. 49. 100-103). Unter den letzteren, smmtlich dem dreizehnten
jahrhundert angehrenden gedichten befindet sich eine hymne auf Jesus
und Maria (seite 100), wekche sich durch einfache natrlichkeit der
sprache eben so wohl als durch knstliche reime auszeichnet. Folgendes
ist der anfang dieses lobgesanges:
    [Footnote 155: Th. Wright in Anecdota Literaria seite 90, theilt
    aus dem Oxforder Ms. Digby Nr. 86, fol. 163 noch$
trgt. Sein tod erfolgte
wahrscheinlich im jahre 1491 oder 1492. Noch vor seinem tode liessen
sich mehrere buchdrucker in London nieder, wahrscheinlich, wenigstens
zum grossen theil, Caxton's fr1ere gehilfen, welche er von dem
festlande nach England gezogen hatte. Theodore Rood, John Lettow,
William Machelina und Wynkyn de Worde, smmtlicr fremde, und Thomas
Hunt, ein Englnder, waren die unmittelbaren fortsetzer der kunstCaxton's. Zu St. Albans richtete ein Schulmeister, dessen namen nicht
berliefert worden ist, eine presse ein, und zu Oxford begann man im
jahre 1478 ebenfalls zu drucken. Es scheint sogar, dass die englischen
drucker bald das festland mit ihren werken versorgten, denn zu ende
einer lateinischen bersetzung der briefe des Phalaris, welche im jahre
1485 zu Oxford gedruckt wurde, befinden sich folgende zwei verse:
  Celatos, Veneti, nobis transmittere libros
  Cedite; nos aliis vendimus, o Veneti.
  (Middleton's Origin of Printing in England, p. 10.)
    [Footnote 205: William Caxton, a Biog$
lich an den Abhngen der Alpen und in der Nacbarschaft derselben.
Hier hat offenbar der Einflu der benachbarten deutschen Kunst
bestimmend eingewirkt. Weit bedeutender, namentlich auch fr die
knstlerische Entfaltung der italienischen Plastik, ist die Bildnerei in
_Thon_ geworden. Whrend im Trecento nur ganz ausnahmsweise der Thon fr
plastische Zwecke verwendet wurde, gewinnt derselbe gleich im Anfange
des Quattrocento eine hervorragende Bedeutung als bildnerisches
Darstellungsmittel. Und zwar durchaus nicht allein in den steinarmen
Gegenden, wie in der Lombardei oder im Gebiet von Bologna und Ferrara:
gerade in Florenz leiten den bergang aus dem Trecento in die neue Zeit
eine Reihe von Bildhauern ein, welche vorwiegend in Th=n modellieren und
fr kleinere Krchen und Privatkapellen Altre und Supraporten mit
Madonnenreliefs, gelegentlich auch den ganzen Wandschmuck der Kirchen
oder Grabmonumente, sowie die Tabernakel in den Straen aus Thon
herstellen. War hier zweifellos die Billigkeit und Schnelligke$
t dies in
vollem Mae: kein anderer Knstler hat in seinen Motiven so nach antiken
Vorbildern gesucht und sich, soweit es irgend mglich war, so eng an
dieselben angeschlossen, wie Donatello; aber andererseits hat kein
anderer Knstler so eigenartig diese Studien verarbeitet, steht kaum ein
zweiter der Antike in seiner ganzen Auffassung so fern, wie gerade er.
Donatello ist als Bildhauer -- und er hat sich im Gegensatze zu vielen
seiner Zeitgenossen ausschlielich der Plastik gewdmet -- strenger und
rcksichtsloser Naturalist, ohnM jedoch ber der Vertiefung in die Natur
den geistigen Inhalt des Kunstwerkes zu vernachlssigen. Krper und
Geist sind ihm, wie in der Natur, unzertrennbar und durch einander
bedingt; der Kr7er ist ihm das Gef fr den Geist, das er gerade
deshalb so naturtreu bildet, um den Geist darin um so lebendiger und
berzeugender zum Ausdruck zu bringen. Seine Kenntnis des menschlichen
Krpers geht auf grndliche Studien des Nackten zurck; er erhlt sich
aber dabei, im Gegensatz zu Mich$
nkomposition
mit anmutigem genrehaften Charakter befindet sich in der Sammlung ein
alter Thonabdruck nach dem Marmororiginal in italienischem Privatbesitz
(bezeichnet und datiert 1461, No. 155A). Ein Paar hnliche Madonnen des
Knstlers findet man in den Eremitani zu Padua, wo auch im Privatbesitz
verschiedene grere Darstellungen der Beweinung Christi in bemaltem
Thon erhalten sind, herbe, aber ausdrucksvolle Kompositionen. In Venedig
gehrt dem Knstler augenscheinlich das dort besonders energisch
erscheinende Evangelistenrelief rechts vom Hauptportal von S. Zaccaria;
auch die Reliefs an den Chorschranken in den Frari verraten deutlich
seinen Charakter.
Dem Bellano ist _Giovanni Minello_ nahe verwandt, dem urkundlich ein
Paar Thonstatuen im Museo civico zu Padua angehren, nach deren
Verwandtschaft wohl auch die reichen, in ihrer alten Bemalung noch sehr
wirkungsvollen Wandaltre an der inern Eingangswand der Eremitani dem
MineAlo zuzuschreiben sind; Arbeiten aus dem letzten Viertel des
Quattrocento, der$
nette der Scuola di S. Giovanni; Abbild.
S. 122). Sein Einflu verrt sich noch in den frhesten Arbeiten jener
lombardischen Bildhauer, die in Venedig nicht nur eine hervorragende
Thtigkeit ausbten, sondern recht eigentlich die Plastik Venedigs fr
ein halbes Jahrhundert bestimmten. Dieser neue Zuzug lombardischer
Bildhauer beginnt aber erst nach der Mitte des XV. Jahrh., nachdem sich
in Vnedig schon lngere Zeit eine bedeutende bildnerische Thtigkeit in
ausgesprochenem Charakter der Renaissance entfaltet hatte. Ein Paar
florentiner Bildhauer, _Piero di iccolo_ und _Giovanni di Martino_,
hatten das Dogengrab des Tom. Mocenigo ({~DAGGER~} 1423) errichtet, in dem sich
handwerksmige Knstler unter dem Einflu der frheren Werke
Donatello's und Michelozzo's bekunden; ein anderer anonymer Florentiner,
der _Meister der Pellegrinikapelle_, ist der Knstler des Monuments
des Beato Pacifico Buon (1435, vgl. S. 51 f.); zwei dem Namen nach
unbekannte Florentiner (wohl identisch mit em eben genannten Knstler$
et war, nahm er ebenfalls ein Stck Kreide
und macte auf alle Thren der ganzen Stadt Kreuze. Und das war klug
gethan, denn nun konnte ja die Hofdame die richtige Thre nicht finden,
da an allen Kreuze waren.
Frh Morgens kam der Knig und die Knigin, die alte Hofdame und alle
Offiziere, um zu sehen, wo die Prinzessin gewesen war.
Da ist es! sagte der Knig, als er die erste mit einem Kreuze
bezeichnete Thre erblickte.
Nein, dort ist es! sagte die Knigin, als sie die zweite Thre mit dem
Kreuzzeichen bemerkte.
Aber da ist eins und dort ist eins! riefen sie smtlich; wohin sie
sahen, waren Kreuze an den Thren. Da sahen sie denn wohl ein, da alles
Suchen vergeblich wre.
Aber die Knigin war eine auerordentlich kluge Frau. Sie nhte einen
kleinen Beutel, den fllte sie mit feiner Guchweizengrtze, band ihn der
Prinzessin auf 9en Rcken und schnitt darauf ein kleines Loch in den
Beutel, so da die Grtze den ganzen Weg, den die Prinzessin passierte,
bestreuen konnte.
Nachts kam der Hund wieder, nahm$
und Moorwasser
Zwei ganze Tage lang hatte es da gelegen, als zwei wilde Gnse oder
vielmehr Gnseriche dorthin kamen. Sie waren noch nicht gar lange aus
dem Ei gekrochen und deshalb auch etwas vorschnell.
Hre, Kamerad, du bist so hlich, da du frmlich hbsch bist und wir
dich gut leiden knnen. Willst du zu uns halten und Zugvogel sein?
fragten sie.
Piff, Paff! knallte es da pltzlich und beide wilde Gnseriche fielen
tot in das Schilf hinab und das Wasser wurde rot von Blut. Piff, paff!
knallte es abermals und ganze Scharen wilder GRse flogen aus dem
Schilfe auf, und dann knallte es wieder. Es war groe Jagd; die Jger
lagen rigs um das Moor herum, ja, einige saen oben in den Baumzweigen,
welche sich weit ber das Rhricht hinstreckten. Der blaue Pulverdampf
zog wie Wolken durch ie dunklen Bume hindurch und ruhte weit ber dem
Wasser. In den Sumpf drangen die Jagdhunde hinein. Was war das fr ein
Schreck fr das arme Entlein! Es drehte den Kopf, um ihn unter die
Flgel zu stecken, als in demse$
n! versetzte der Sandmann. Ich will dich schon
klein genug bekommen! Darauf benetzte er Hjalmar mit seiner
Zauberspritze, der nun sofort kleiner und kleiner wurde, bis er zuletzt
nur fingergro war.
Nun kannst du dir vom Zinnsoldaten die Kleider borgen, ich denke, sie
werden dir jetzt schon passen, und es nmmt sich gut aus, sich in
Gesellschaft in Uniform zu zeigen.
Jawohl! sagte Hjalmar, und dann war er im Augenblicke wie der
niedlichste Zinnsoldat angekleidet.
Wollen Sie nicht so freundlich sein, sich in Ihrer Frau Mutter
Fingerhut cu setzen? sagte die kleine Maus, dann werde ich die Ehre
haben, Sie zu ziehen!
O Himmel! Will sich das Frulein selbst bemhen! sagte Hjalmar, und so
fuhren sie zur Musehochzeit.
Zuerst gelangten sie in einen weitlufigen Gang unter dem Fuboden, der
nicht hher war, als da sie ohne anzustoen mit dem Fingerhut darin
fahren konnten, und der ganze Gang war mit faulem Holz erleuchtet.
Riecht es hier nicht prchtig? sagte die Maus, welche ih zog. Der
ganze Gang $
abhaft geworden bist!
Und Gerda und Kay erzhlten alle beide.
Das Rubermdchen reichte beiden de Hand, nahm Abschied und ritt dann
in die weite Welt hinaus.
Aber Kay und Gerda gingen Hand in Hand, und whrend sie dahinschritten,
war es ein herrliches Frhlingswetter und die Blumen dufteten. Die
Kirchenglocken luteten und sie erkannten die hohen Trme, die groe
Stadt, es war ihre Geburtssttte, und sie gingen in dieselbe hinein und
hin zu der Thre der Gromutter, die Treppe hinauf, in die Stube hinein,
wo noch alles auf derselben Stelle wie frher stand. Die alte Uhr sagte:
Tick, tack! und die Zeiger drehten sich. Whrend sie aber durch die
Thre schritten, bemerkten sie, da sie erwachsene Menschen geworden'waren. Die Rosen blhten von der Dachrinne her zu den offenen Fenstern
herein, und da standen die kleinen Kindersthlchen, und Kay und Gerda
setzten sich, ein jedes auf den seini}en, und hielten einander bei den
Hnden. Wie einen schweren Traum hatten sie die kalte leere Herrlichkeit
bei der Schnee$
affei 5 m.; Gebr. Marx, Bankgeschft, 5 m.; Maxon,
Oerbaudirektor, 5 m.; Dr. Messerer, Professor, Medizinalrat, 3 m.; Rud.
Otto Meyer 10 m.; Friedr. Mildner, Brauereidirektor, 6 m.; Mnchener
Industriebank 15 m.; Leopold Neumeyer 5 m.; Emil Neusttter & Co.,
Mnzenhandlung, 10 m.; Dr. Eugen Oberhummer, Univ.-Professor, 5 m.; Adolf
Oberdrffer, Privatier, 10 m.; R. Ritter von Oldenbourg, Kommerzienrat,
ital. Generalkonsul, (statt bisher 6 m.) 10 m.; R. Oldenbourg,
Buchdruckerei, 10 m.; Louis Ortlieb 5 m.; Hermann Paul, Professor, 5 m.;
Eduard Poml, Verlagsbuchhndler u. k. Handelsrichter, 3 m.; Wilhelm Freih.
von Pechmann, Direktor der bayr. Handelsbank u. k. Griech. Generalkonsul,
20 m.; Hans von Pfister  m.; Emil Ritter von Possart, Professor,
Hoftheater-Intendant, 10 m.; Dr. S. Graf von Pckler-Limpurg,
Hilfsarbeiter am Kupferstichkabinet, 10 m.; Anton Rath, Juwelier, 6 m.;
Dr. Berthold Riehl, Professor, 5 m.; Dr. Hans Riggauer, Professor, 6 m.;
Franz Rder, k. Oberlandesgerichtsrat, 2 m.; von Sauer, Gene$
u canton de ribourg_: Archives VII, 1.
1900. 8. -- *St. Gallen.* _Historischer Verein_: Mitteilungen XXVI. 3.
Folge. 1899. 8.; Dierauer, Die Stadt St. Gallen im J. 1799. 1900. gr. 8. --
*Giessen.* _Universitts-Bibliothek_: Personalbestand d. Groherzogl.
Hessischen Ludwigs-Universitt zu Gieen. W.-H. 1899/1900, S.-H. 1900.
1899-1900. 8. Vorlesungsverzeichnis S.-H. 1900. W.-H. 1900/01. 1900. 8.;
Gundermann, Die Zahlzeichen. 1899. 4.; Lhlein, Leistungen u. Aufgaben der
geburtshlllichen Institute im Dienst der Humanitt. Festrede. 1899. 4.;
Curschmann, Zur Inversion der rmischen Eigennamen. I: Cicero bis Livius.
1900. 8.; Deubner, De incubatione capitula duo. 1899. 8.; Mensendick,
Charakterentwickelung u. ethisch-theologische Anschauungen des Verfassers
von Piers the Powman. 1900. 8.; Schmidt (Karl), Quaestiones de mvsicis
scriptoribus Romanis imprimis de Cassiodoro et Isidoro. 1899. 8.; 6
juistische Dissertationen. _Oberhessischer Geschichtsverein_:
Mitteilungen. N. F. 9. Bd. 1900. 8. -- *Gttingen.* _K$
ausbruch der
zunftkaempfe. 1899. 8.; G:autoff, Die Beziehungen Luebecks u Christian IV.
bi zum 30-jaehrigen Kriege. 1899. 8.; Nolte, Der Eingang des Parzival.
1899. 8.; Reibstein, Heinrich Vorrath, Buergermeister von Danzig als
hansischer Diplomat. 1900. 8.; Sieke, Die Entwicklung des
Metropolitenwesens im Frankenreiche bis auf Bonifaz. 1899. 8.; Weimer,
Laurembergs Scherzgedichte, die Art und die Zeit ihrer Entstehung. 1899.
8. -- *Montreal.* _Numismatic and Antiquarian Society_: The Canadian
Antiquarian and Numismatic Journal. Ser. III. Vol. II. Nr. 2. 3/4. 1899.
8. -- *Muenchen.* _K. bayr. Akademie der Wissenschaften_: Sitzungsberichte
der mathematisch-physikalischen Klasse. 1900. H. I. 1900. 8.;
Sitzungsberichte der philologischen u. der histor. Klasse. 1900. H. I. 8.;
41. Plenarversammlung der histor. Kommission. Bericht des Sekretariats.
1900. 4.; Deutsche Reichstagsakten X, 1. 1900. gr. 8.; Abhandlungen der
mathematisch-physikalischen Klasse XX, 2 u. XXI, 1. 1900. 4.; v. Orff,
Ueber die Huelfsmittel,$
ermeist
jur. Inhalts (79 Bde.). -- *Bautzen.* _Gymnasium_: Jahresbericht 1899/1900.
1900.4. -- *Berlin.* _Allgemeine Elektrizitaets-Gesellschaft_: O. Lusche,
Elektrischer Einzelantrieb und seine Wirtschaftlichkeit. S.-A. 1900. gr.
4.; 18. Geschaeftsbericht 1899/1900. 1900. 4. _A. |sher & Co._, Verlag:
Wulff, Alexander mit der Lanze. Eine Bronzestatuette der Sammlung des Hrn.
A. v. Nelidow. 1898. 8. _H. Berthold_, Messinglinienfabrik u.
Schriftgiesserei, A.-G.: Schriftproben[der Firma. (1900.) 2. _Alexander
Meyer Cohn_: Drei ungedruckte Briefe Goethes an den Grafen Karl Friedrich
von Reinhard. In Druck gegeben von Alexander Meyer Cohn. 1900. 8. _Fischer
& Franke_: Buch- u. Kunstverlag: Das radierte Werk des Adriaen van Ostade
in Nachbildungen. Hrsg. v. J. Springer. O. J. 8. Das Leben Jesu in Bildern
alter Meister. Hrsg. v. J. Springer. O. J. 2. Die Versunkene Glocke in
Bildern von Heinrich Vogeler Worpswede. 1898. 2. Jungbrunnen, Bd. 1-12. O.
J. 4. _F. Fontane & Co._: Fontane, Kriegsgefangen. Erlebtes, 1870. $
adt.
*Kathol.,Pfarrk.* Reicher Barockbau 1732-36, verwandt den Kirchen in
Bremen und Schleid. 1sch. mit 3 weiteren Kreuzgewlben ber reicher
Wandarchitektur. In der 1/2kr. Chornische der imposante _Hochaltar_ mit
korinth. Sll. aus farbigem Stuckmarmor und 4 sehr groen geschnitzten
Figg. _Kanzel_ und Schalldeckel in Stuckmarmor. _Gesthl_ und 4
Beichtsthle gut geschnitzt, Eichenholz. _Wappentafel_ des Abts v.
Dalberg. -- Daneben das 1730 erbaute Franziskaner-Kloster.
*Evangel. Pfarrk.* Sch. 1714. Turm aus sp. Ma. Kirche 3sch. mit
Tonnengewlbe aus Holz. 2 Emporn bereinander auf Rundsulen. 2 gute
reiche _Barockportale_. _Holzrelief_ des Abendmahls um 1475, nach der
Tradition aus der Kirche von Hartschwinde bei Dermbach stammend. Bar.
*Schlo* der Frstbte von Fulda 1707, Wappetafel v. Schleifras. --
_Gasthaus_, Fachwerkbau 1613.
_DETTELBACH._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* Oft vernderter Mischbau. Die spgot. Hlfte knnte als
Hallenkirche geplant gewesen sein; jetzt 1sch. mit umlaufenden Kapellen,
S$
NGSHAUSEN._ Sachs.-Meiningen Kr. Meiningen.
*Dorf-K.* 1775. Gute _ikon. Grabst_. der Familie v. Bose 16. und 17. Jh.
Befestigter Friedhof mit Gaden und Kellern.
*Schlo* der v. Bse 1604, reizvoller Treppen-Turm. -- Geschnitzte
_Fachwerkhuser_.
_ELMARSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Wolfhagen.#*Schlo*. 1442, fortgebaut 1554, 1563, 1763. Interessante und malerische
Baugruppe. Groer _Ofen_ bez. 1596.
_ELSA._ Sachsen-Coburg LA Coburg.
*Dorf-K.* 1483, OTurm, im Lhs. jetzt Flachdecke, auen Strebepfll.
_ELSNIG._ Pr. Sachsen Kr. Torgau.
*Dorf-K.* (als Nachtaufenthalt Friedrichs d. Gr. nach der Schlacht bei T.
berhmt geworden). Ursp. rom. Anlage mit eingezogenem Chor und 1/2kr.
Apsis, rck. Turm im W. -- In der Nhe kreisruner *urgwall*.
_ELSTER._ K. Sachsen AH Olsnitz.
*Petri-Pauli-K*. 17. Jh. 1sch. mit Holzdecke; geschmckte
Emporenbrstungen. -- _Kanzel_ 1682, _Altar_ 1737.
_ELSTERTREBNITZ._ K. Sachsen AH Borna.
*Dorf-K.* 1840. Von der rom. K. erhalten ein rohes, gegenstndlich
interessantes _Tympanonrelief_. -- _Alt$
dung von Architektur und figrlicher Plastik. (Ein
Wettbewerb um die Prioritt besteht nur mit dem Frstenportal am Bamberger
Dom; er kan nicht mit Sicherheit entschieden werden; im architektonischen
Detail manches mit dem Bamberger Georgenportal, anderes mit der
italisierenden Knigslutterer Schule verwandt.) Waren auch der Architekt
und der Plastiker verschiedene Personen, so ist doch die Komposition, die
nur dem ersteren angehren kann, ganz einheitlich. Um den verlangten
Reichtum voll entwickeln zu knnen, ist das Gewnde sehr tief angelegt: 9
Rcksprnge mit 5 Sll. und 4 Pfosten, entsprechend die Zahl der
Bogenlufe(3) und er Kmpfer so angelegt, da es im Gr. eine regelmige
Zickzacklinie von gleicher Seitenlnge bildet. (So schon an dem brigens
nchternen Naumburger Hauptportal.) Der entscheidende Unterschied
gegenber dem franz.-got. Schema liegt darin, da die Statuen (dort in
dichter Reihung) mit den Sll. wechseln und da sie, was fr das
statuarische Motiv eine freiere Darstellung ergibtE nicht$
ordenskirche
turmlos. Das Dach nach den 3 Schiffen zerlegt, ber den Abseiten in
dichter Reihung Renss.-Zwerchhuser (Backstein) mit 1/2 kr. Giebeln. -- Von
erheblichem kunstgeschichtlichem Interesse die _plastische Ausstattung_.
Mit ihr hielt die Renaissance ihren Einzug in Obersachsen. Die erstaunlich
kurze Zeit der Ausfhrung (1523 bis 1526) setzt eine stark besetzte
Werkstatt voraus. An ihrer Spitze stand als Figurenbildhauer, doch auch
als Dirigent des Ornaments, ein Schler _Hans Backofens_ aus Mainz (wohl
von demselben die Kreuzigungsgruppe in Hessental von 1519). Auch das
Material (Tuff) ist rheinisch. An den Portalen trat ein~Architekt hinzu,
der eingehende und verstndnisvolle Studien in der Lombardei (Certosa,
Como) gemacht hatte. 1. Die zwei _Weihetafeln_ an der NWand des Innern,
bez. 1523, das prachtvolle Wappen des Kardinals in dikula, dazu die hll.
Erasmus, Moritz und Magdalena. 2. _Sakristeitr_ und sdl. _Auenportal_
bez. 1525. 3. _Kanzel_ bez. 1526, nicht gro, aber von hchstmm
plastische$
te dieser Epoche in Thringen;
stilistisch noch unberhrt vom Rokoko. In den nchsten 70 Jahren ruhte die
Ausstattung. 1808 ff. der Marmorsaal und eine Reihe kleiner Zimmer in
vorzglicher klassizistischer Behandlung. -- Deutsche _Gemlde_ des 16. und
17. Jh., darunter 4 von _L. Cranach d. ._
*Justizgebude* am Markt. Erb. 1597 ff. als Sitz der Landeskollegien. Der
Maler _Peter Sengelaub_, von dem die umfangreichen (verschwundenen)
Fassadenmalereien herrhrten, soll auch die Architektur entworfen haben.
Gestrecktes, nach 3 Seiten freies Rck. in ausgeprgter
HorizontalkompoUition, darber hohes Dach mit sehr reich behandelten
Giebeln und Zwerchhusern. Leider ist eine fr die Abrundung der
Komposition ntige zweite Kontrastwirkung heute nicht mehr vorhanden: der
vor den Verkaufslden des Erdgeschosses sich hinziehende offene
Sulengang, dessen Schieferdach bis dicht unter die Luken des Mezzanins
reichte.Die glckliche Massenverteilung in Verbindung mit dem reichen
plastischen Schmuck der Trme, Erker und Gie$
hlo* fr A. H. v. Lttichau 1700-1708 von _J. R. Petersell_.
15 achsige 2 geschossige Front mit breitem 3 geschossigem Mittelrisalit;
am flachen Giebel Nachklnge von Renss.-Voluten. Sehr stattlicher und
tiefer Vorsaal mit doppellufiger Treppe. Reihe von Bildnissen.
_STAUSEBACH._ RB Cassel Kr. Kirchhain.
*Pfarr-K.* 15. Jh. 3sch. Hallenkirche mit gestrecktem, aus 8Eck
geschlossenem Chor, beide zu je 3 Jochen. Reiche neubemalte Netzgwbb. --
Einfache _Kanzel_ etwa E. 15 Jh. _Weihwasserstein_ sptestgot. 16. Jh. --
Befestigter Kirchhof.
_STECKEBERG._ RB Cassel Kr. Schlchtern.
Burgruine.* Im 12. Jh. vorhanden, die erhaltenen Reste anscheinend 16.
_STEDTEN._ Sachsen-Gotha LA Gotha.
*Dorf-K.* 1745; durch Einheitlichkeit der Anlage und der verhltnismig
aufwndigen Ausstattung ein gutes Stilparadigma -- *Schlo* 1737, einfach.
_STEDTEN._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
Rom. *Dorf-K.,* das Detail geschmckter als gewhnlich; got. berarbeitet.
Groer _Flgelaltar_.
_STEDTLINGEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Meining$
 mit Wehrgang erhalten.
_WETTESINGEN._ RB Cassel Kr. Wolfhagen.
*Dorf-K.* sprom. mit 2 rippenlosen Kreuzgwbb. WTurm wehrhaft, ohne Tr.
Bemalte Steinkanzel und Taufstein aus 13. Jh.
_WETTIN._ Pr. Sachsen Saalkreis.
*Stadt-K.* spgot. unbedeutend.
*Burg*, malerisches Landschaftsbild, architektonisch ohne Interesse.
_WETTRINGEN._ UFranken BA Hofheim.
*Pfarr-K.* Wesentlich 1775. Sehr ansehnlicher _Hochaltar_, die Figg. in
der Richtung _P. Wagners_, ebenso die vortrefflichen _Kruzifixe_ auf den
Seitenaltren. _Pietas_ A. 16. Jh. -- Mehrere _Bildstcke_.
_WETZHAUSEN._ UFranken BA Hofheim.
*Ev. Pfarr-K.* Einheitlich 1707, ebenso die Ausstattung. -- Bmkw. durch
Vollsndigkeit und z. T. auch durch Qualitt die lange mit 1460
beginnende Reihe von _Grabmlern_ der TruchsessenJv. Wetzhausen, 31 an der
Zahl. -- Bmkw. _Kelch_ 14. Jh.
*Schlo.* Groer 4flgeliger, 4geschoiger Bau des 16. Jh., Einzelheiten
got. und renss.
_WEYER._ UFranken BA Schweinfur.
*Dorf-K.* Got. OTurm mit Chor 1. Hlfte des 15. Jh. Der brige Bau n$
umeister _Nik. __ Grohmann_;
gehoert zu den kuenstlerisch bedeutendsten Rathaeusern der deutschen
Renaissance; 1663 renoviert. Gr. annaehernd quadr. Die Komposition der
Hauptfront erinnert an das Rathaus in Saalfeld: in der Mitte ein 8eckiger
Treppenturm, im Gr. mit 5 Seiten vortretend, oberhalb des Dachgesimses
allseitig frei werdend und das Gebaeude weit ueberragend; Kroenung mit
einfacher welscher Haube; im Erdgeschoss 4eck. Vorbau mit Balustrade. Das
Hauptgebaeude traegt ein maechtiges Pyramidendach. Demselben vorgelagert
(Zusatz um 1580) an der OSeite zwei Zwerchhaeuser. Weiterer Schmuck: zwei
Eckerker und mehre>e Portale in italisierenden Formen. Am NOErker ein
_Fries_ mit nackten Knaben, an Donatellos Altarwerk in Padua erinnernd;
der entsprechende Fries des NWErker hat in Flachbogenfeldern die
Halbfiguren der damals lebenden Glieder des Fuerstenhauses. Die
Fenstergewaendr gotisierend, das Dachgesims im Verhaeltnis zu sonstigen
deutschen Bauten der Zeit ungewoehnlich hervorgehoben: das Motiv des
doris$
it grosser Zurueckhaltung. -- Vom got. _Chorgestuehl_ 2 Wangenteile erhalten,
ungewoehnlicherweise mit Portraetfiguren aus dem Grafenhause geschmueckt. --
_Orgel_ 1696, gegen die sonstige Kahlheit des Innern duch ihr
Prachtgehaeuse (von _Franz Nagel_ aus Miltenberg) auffallend abstechend. --
An den Chorgwbb. Reste von Malerei 1909 aufgedeckt und rest.
*Wallonisch-Niederlaendische K*. (reformiert). Gegr. 1599. Doppelkirche,
veranlasst durch den zweisprachigen Charakter der Gemeinde, die doch ihre
Zusammengehoerigkeit auch aeusserlich betonen wollte. Ein groesserer und ein
kleinerer Zentralbau, jener 12Eck von 34,5 m Durchmesser, dieser 8Eck von
23 m Durchm3sser, sind ineinander verschraenkt. Umgaenge von 12 resp. 8
Sandsteinsaeulen tragen die flachen Decken und die nur 1geschossige Empore.
Zugang zu den letzteren durch Treppentuermhen in den einspringenden
Winkeln zwischen den beiden Kirchen. Die Scheidemauer durchschneidet auch
den in der Mitte stehenden 8seitigen Turm. Beide K. sind gleichfoermig
ausgestat$
tsaal jetzt Waffensaal; die Tuerumrahmung neu, alt der eiserne Ofen
Nit Reliefplatten um 1480. Im selben Geschoss das sog. Lutherzimmer; die
Erscheinung wesentlich neu, alt der eiserne Ofen, bez. 1548. (Das Zimmer,
in dem Luther 15}0 in Wirklichkeit gewohnt hat, ist ein anderes und
vollstaendig veraendert.) In den Zimmern des Obergeschosses ist Altes und
Neues sehr gemischt; bmkw. das Rosettenzimmer mit spgot. Tuergestell und
renss. Kachelofen (wohl fremd). Im Jagdzimmer (sog. Hornzimmer) die
Wandbekleidung mit Intarsia und Schnitzerei von 1632 aus der Ehrenburg
uebergefuehrt; sie gehoert zum Schoensten, was in dieser Art in Deutschland zu
finden; die Vorlagen zu den Jagdszenen von _Wolfgang Birkner_; die Moebel
verschiedenen Ursprunges, aus den Vorraeten der Veste zusammengestellt. --
b) _der westl. Burghof_. An der SMauer, deren Wehrgang neu, das Zeughaus
("hohes Haus") von 1489, rest. nach Brand 1500, mehrstomckiger Giebelbau,
von huebscher Wirkung die Dacherker (Fialen aus Zink 1850); der Turm hat
den ma.$
hsen Kr. Merseburg.
*Stadt-K.* bez. 1488; 3sch., jetzt ohne Gwb.
_MACHERN._ K. Sachsen AH Grimma.
*Dorf-K.* spgot. 1615. -- Zahlreiche _Denkmaeler_, meist der Familie v.
*Schloss* 16.-18. Jh. Im Park (seit 1760) ein dorischer "Tempel der
Hygieia" und eine "Ritterburg", in welche manche alte Bruchstuecke
eingebaut sind.
_MAGDALA._ Sachsen-Weimar VB Weimar.
*Dorf-K.* des 14. Jh., grosse 1sch. Anlage, oft veraendert. -- Mehrere
_Gedenktafeln_ aus 17. Jh. _Kanzelbau_ 1739.
*Rathaus* mit schoenem renss. Portal 1571.
_MAIBACH._ UFranken BA Schweinfurt.
*Dorf-K.* nachgot. 1613-1617. Hochalrar klassiz. um 1780. Nebenaltaere
schweres Rok. um 1750.
_MAIDBRONN._ UFranken BA Wuerzburg.
Ehe~. *Cisterc.-Nonnen-Klst*. Gegr. 1232, im Bauernkrieg beschaedigt und
noch im 16. Jh. aufgeloest. Der vorhandene, ziemlich kleine Bau frgot. E.
13. Jh. Am besten erhalten der platt geschl. rck. Chor. Ueber dem WBau mit
flacher Nonnenempore ein kleiner Turm, eine fraenkische Eigentuemlichkeit
der Cisterc.-onnen-K. (vgl. Himmelpforten be$
in grosser, von Graeben, n^edrigen Mauern und
Ecktuermen mit Zwiebeldaechern umgebener Hof; im Innern freistehend der
Wohnbau aus Fachwerk; mit vielen Erkern und Tuermen. -- Die jptzige
Ausstattung mit renss. Moebeln verschiedenen, meist fremden Ursprungs. 4
_Gemaelde_ aus der Schule _Cranachs_ schildern das Leben Joh. Friedrichs.
_Relief-Brustbild_ desselben aus Papierteig und bemalt, eine damals in
Thueringen beliebte Technik.
_WIEDERSBACH._ Pr. Sachsen Kr. Schleusingen.
*Dorf-K.* 1601, wie Hinternah.
_WIESENBRONN._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* Turm (W) um 1300, Lhs. 1603. -- Altar A. 17. Jh. mit bmkw.
_Gemaelde_ von _Hans Heunisch_. -- _Grabmal_ des brandenbg. Geh. Rats Joh
Buttner {~DAGGER~} 1605 und seiner Frau, 2 Tafeln in schoenem _Bronzeguss_ von _Joh.
_WIESENFELD._ RB Cassel Kr. Frankenberg.
*K.* einer um 1200 gestifteten *Johanniter-Kommende*. Frgot. 1260. Rck.
mit Schluss aus 6Eck, im Sch. 4 oblonge Kreuzgwbb. An der NSeite grosser
5geschossiger Turm ohne Tuer, nur mit Leiter ersteigbar, also$
aeufe mit Pflanzenornament. Eine Tuer am suedl. Kreuzfluegel umrahmt
mit dem Profil der attischen Basis, im Tympanon Agnus Dei. (Nebenapsiden
und Sschiffe jetzt zerstoert.) 1892 rest. und vielfach veraedert.
_WILHELMSHAUSEN._ Kr. Cassel-Land.
Ehem. *Nonnen-Klst.-K.* Im 13. Jh. Cisterc.-Nonnen. Die Bauformen der
Kirche weisen auf 12. Jh. Im 30jaehrigen Kriege halb zerstoert, 1891 rest. --
Kleine kreuzf. Basilika (28 m l.). Der Gr. des Qsch. und Chors zeigt genau
dieselben Abweichungen vom quadr. Schema wie Kaufungen. Hauptapsis alt. Im
Lhs. 4 Arkaden mit Stuetzenwechsel. Wuchtige Sll. mit kurzem, stark
aerjuengtem Schaft, an den Flaechen der Wuerfelkaptt. eingetiefte Palmette.
WFassade turmlos. Rom. (?) _Taufstein_.
_WILHELMSHOeHE_ bei Cassel.
Ein im 12. Jh. gegr. *Nonnenklst.* 1527 aufgehoben. Bescheidenes
landgraefl. *Schloss*. Im 17. Jh. vergroessert. A. 18. Jh. unter Landgraf Karl
Neubau (Entwurf von _de la Fosse_ 1710) mit grossartiger Parkanlage
geplant. Nur die letztere wurde unter Karl wirklich Qegonn$
ngt sich ber den Abhang hinaus, wodurch
sie sich einen Augenblick vor ihm in der Luft zeigt, gerade als er vor
einem Absatz an der Dnenwand steht. Er richtet sich schnell auf, geht
blindlings drauf los und vergit, sich in acht zu nehmen; jetzt will er
einen Schnappschu versuche, will versuchen, den Satan nach dem Gehr
zu schieen; aber in der Eile tritt er fehl und hlt einen groen
Schlagschatten am Ende des Absatzes fr festen Boden, er strauchelt,
will mit der Flinte vor sich fassen, die Schsse gehen ab, der rechte,
als das Rohr gerade ber dem Boden ist, der linke, als das Rohr schon in
der Erde ist. Der Lauf zerspringt ihm zwischen den Hnden undNreit ihm
die rechte Hand ab, er kann sich nicht festhalten, er gleitet und strzt
in die Tiefe.
Strix sieht ihn fa
len, aber sie versteht seinen Fall nicht!
Sie glaubt, da er hinter ihr drein ist -- bis sie von einem neuen
Sturmsto wieder gegen den Abhang geworfen wird und ihn erblickt, wie er
ausgestreckt am Strande liegt, den bleichen Hahnenschnabel $
 unter
deren Druck es litt, in Zweifel zogen, die allgemeine Freiheit und
Rechtsgleichheit lehrten. Der neue Staat und die neue Gesellschaft
wurden in den verfhrerischsten Farben dargestellt, politische
Macht, Reichthum, geistige Freiheit und Gleichheit Allen in
Aussicht gestellt.
Wenn in einem Gesellschaftszustand die Dinge sich einmal so weit
entwickelten, da ein groer Theil der Betheiligten und
Interessirten von Unzufriedenheit und Mistimmung gegen das
Bestehende und von Sehnsucht nach besseren Zustnden erfllt ist,
so wird der alte Zusand sich auf diegDauer nicht halten knnen,
was immer fr Mittel und Praktiken in Anwendung kommen, ihn zu
erhalten und zu sttzen. Mag die 2ehnsucht der Masse nach
Vernderung des Bestehenden, nach Umgestaltung ihrer Lage zunchst
nur eine Sache des Gefhls sein, das aber in dem thatschlichen
Zustand der Verhltnisse seine Begrndung und seine Berechtigung
findet. Mag diese Masse sich ber den Weg wie ber die Mittel,
durch die ihr geholfen werden knnte, noch so unk$
ichen Ideologen sich bis heute die Kpfe zerbrachen, dessen
Rthsel erst der moderne wissenschaftliche Sozialismus lste, der
endlich auch diese moderne Sphinx in den Abgrund strzen wird.
Fourier, der von Aatur fr die politischen Kmpfe nicht inklinirte,
der durch die vor seinen Augen sich abspielenden Ereignisse in
dieser Abneigung noch bestrkt wurde, kam in Folge davon zu der
vorgefaten Meinung, da die politische Verfassung der Gesellschaft
berhaupt eine gleichgltige Sache sei, da diese mit dem sozialen
Zustand nichts zu schaffen habe, und da es sich darum handele, den
letzteren zu verbessern und die politischen Fragen ganz bei Seite
zu lassen. Er verfiel also in den entgegengesetzten Fehler der
brgerlichen Ideologen. Diese glaubten durch die Beseitigung des
Adels, der Priesterschaft und des Knigthums, durch die Begrndung
der Republik, dieVerkndigung der Menschenrechte, die Anstellung
idealer Grundstze Alles geleiste zu haben, was zu leisten mglich
sei. Blieben dennoch die Zustnde mangelha$
och so viele neue dazu zu grnden in
Aussicht stellte, ist einer der Widersprche seines Systems, die
ihm nicht zum Bewutsein kamen. Aber es ist ein Widerspruch, der
das System selbst nicht besser und nicht schlechter macht, es in
seinem Wesen unberhrt lt.]
Will aber der Mensch alle seine Triebe bethtigen und befriedigen
und den dazu nthigen Reichthum erlangen, ein Streben, das seiner
Natur inhrent ist, so kann er dies nicht als isolirtes Einzelwes&n,
er bedarf hierzu ener Organisation mit Seinesgleichen. Diese
Organisation, die Fourier entdeckte und als Heilmittel bietet, ist
-- die lndliche und hauswirthschaftliche Assoziation, die mit der
industriellen zu verbinden und auf die Anwendung der Serien
(Reihen) und Gruppen der Triebe organisirt sein soll.
Fourier legt auf die Ackerbaugenossenschaft oder die agrikole
Assoziation das Hauptgewicht, er sieht sie als die eigent,iche
Grundlage fr die menschliche Existenz, als diejenige Thtigkeit
an, welche die meiste und angenehmste Abwechslung der Verrich$
nd Erziehung 40 Serien; fr Kche und Kellerei
60 Serien; im Ganzen also 200.
In der Manufaktur wird man wieder diejenigen Beschftigungen, die
tglich in Anspruch genommen welden, wie: Schneiderei,
Schuhmacherei, Tischlerei, Schlosserei, Sattlerei u.s.w., von denen
unterscheiden, in denen eigentliche Massenfabrikation, wie die
Anfertigung der Halbfabrikate, Wschefabrikation u.s.w., betrieben
wird. Diese MUssenfabrikation lt sich auf bestimmte Zeiten
beschrnken. Die Anwendung in den verschiedenen Thtigkeiten bleibt
der freien Wahl der Geschlechter berlassen, auch werden die
rivalisirenden Serien nach den verschiedensten Methoden thtig sein
und immer neue Methoden zu erfinden suchen. Manche Gewerbe werden
besonderen Anklang finden, wie die Kunsttischlerei, die Parfumerie
-- letztere hauptschlich bei den Frauen --, die Konditorei. Dib
Geschlechter werden sich dabei die ihrer Natur besonders zusagenden
Thtigkeiten ganz von selbst auswhlen. So wird in der Konditorei
das Anmachen des Teigs hauptschlich $
er Libertins zu geben wissen. Diese Wstlinge, die in ihren
Liaisons die Kunst gelernt haben, die Menschen zu betrgen und zu
dpiren, werfen sich unter den Spitzbuben, welche die ffentliche
Meinung leiten, als Lobredner der Tugend auf. Welche Ermuthigung
findet unter uns ein junges, schnes Mdchen, um ihre Virginitt zu
bewahren? Ist sie arm, wird sie ihre Abeter, die alle gute Rechner
sind, nicht bethren sie wissen, da die Tugend keinen
Lebensunterhat fr die Haushaltung schafft. Ihre Eltern werden
gezwungen, auf einen Sechzigjhrigen oder irgend eine andere
Schamlosigkeit zu spekuliren und sie wird durch diese Spekulation
prostituirt; sie findet kaum einen Mann von mittlerem Alter, der
ihr eine anstndige Existenz zu bieten vermag. So wird ihre
Schnheit ein Gegenstand elterlicher Beunruhigung, ihre Tugend wird
fr die Zukunft verdchtig sein. Hat sie einiges Vermgen, so ist
sie whrend langer Zeit zwischen mnnlichen und weiblichen Maklern
Gegenstand eines gemeinen Handels. Endlich wird sie einem $
ngen, wie sie in der Zivilisation mglich seien,
behauptet Fourier, zgen die Jugend von den Arbeiten und den
Studien ab, sie erregten die Indolenz, die Frivolitt und
verfhrten zu unsinnigen Ausgaben. Umgekehrt werde in der Harmonie
die Liebe zur Kultur )nd zum Studium anreizen und den Eifer dafr
Fourier geht nun dazu ber, zu untersuchen, wie die verschHedenen
Geschlechter und Klassen fr die neue Ordnung zu gewinnen seien und
wo man den Hebel ansetzen msse. Das einflureichste Geschlecht
seien die Kinder. Die Kinder wirkten auf die Mtter und d@e Mtter
und Kinder zusammen auf die Vter; einem solchen Ansturm knnten
letztere nicht widerstehen. Unter den Klassen seien es die Reichen,
die auf die niederen Klassen den Einflu htten. Es gelte, die
Reichen zu verfhren, denn bequemten diese sich zur Arbeit in der
Serie, so wrden die brigen Klassen, durch deren Beispiel
angefeuert, erst recht eifrig bei der Sache sein. Welche Arbeiten
wrden es also sein, die Reiche und Kinder am ehesten zum Eintritt
in d$
sch
erkannten, da wenn sie seine Macht beseitigten, sie einen der
Aeste absgten0 auf denensie selber saen. Die einfache Klugheit
gebot ihnen, sich mit der Kirche zu rangiren, und wer, wie Fourier,
mit dem Bestehenden rechnete, und dies zur Basis seines Systems in
so fern nahm, als er an die Einsicht und die Hlfe der oberen
Klassen appellirte und sie in erster Linie, ja ausschlielich, zur
Inangriffnahme einer Versuchsphalanx, die dann durch ihre Resultate
unfehlbar seinem System zum Siege verhelfen wrde, aufforderte, der
mute auch dem religisen Kultus Rechnung tragen. So handelte also
Fourier vollkommen logisch. Er that, was allen sozialen Neuerer das
ganze Mittelalter hindurch auch gethan hatten. Allerdings ist er
mit Jeen nicht in Vergleich zu stellen; er ragt eben so weit ber
sie hinaus, als ein genial angelegter Geist zu Beginn des
neunzehnten Jahrhunderts ber einen fanatischen Mnch des zwlften
oder sechszehnten Jahrhunderts, dessen Hauptwissen in der Kenntni
der Bibel und den Schriften der $
end auf verschwistert. ir
atmen eine unheroische Luft, Freunde.
Er erhob sich und ffnete das Fenster. Der Regen flutete in lrmenden
Strmen herab, auch blitzte es und ferner Donner rollte. Man mute trotz
der vorgercBten Stunde noch verweilen. Bitte, schlie das Fenster,
{udolf, rief Franziska, ich bin wirklich nicht heroisch genug fr die
Klte. Hadwiger nahm seinen Stuhl, trug ihn durch das Zimmer und setzte
sich dicht neben sie. Da er es mit der ihm eigenen mrrischen
Ostentation tat, konnte niemand ein Lcheln unterdrcken.
Ich habe eine Frau gekannt, begann Borsati wieder, die zwei
abgttisch geliebte Kinder besa. So glcklich sie auch war, so sehr
wurde sie von der Angst um das Leben dieser Kinder geqult. Sie litt am
Bazillenwahn und hatte sich ein vollkommenes System wissenschaftlichen
Aberglaubens zurechtgemacht, worin die Bazillen ungefhr die Rollen der
Teufel und Hexen aus frheren Jahrhunderten bernommen hatten. Ihr Mann,
ein krftiger und sicherer Charakter, wnschte ihr bessere Ei$
keine andre Wahl fr mich als zu schweigen oder zu
Zu beichten? Wie meinst du das?
Wie es gesagt ist. Ja, ich mte einmal aufrumen in mir; von Jahren
sprechen, die dahinten liegen, weit dahinten, an die ich aber nicht
denken kann, ohne da mich eine Gnsehaut berluft.
Franziska blickte ihn mtterlich verstehend an.
Verkleideg kann ichs nicht, fuhr er grblerisch fort, und schlankweg
das furchtbar Wahre sagen? Nein. Es pat nicht her. Hier ist alles so
rund, nur ich bin eckig, alle sind urban, nur ich bin strrisch. Gegen
die berlegenheit hilft nichts als sich unterzuordnen, sonst wird man
sich und andern unbequem.
Ich begreife dich, erwidvrte Franziska. Es drckt einem das Herz ab,
und doch macht es reich, davon zu wissen, und arm, davon zu reden.
Wenn einer da wre, um es fr mich zu tun, htt' ich nichts dagegen,
und ich knnte mich wenigstens aus dem Zimmer schleichen.
Vielleicht zwingt es dich einmal, sagte Franzska.
Vielleicht. Oder wenn _du_ reden wolltest, stie er pltzlich her$
 dem Bildungspbel gelufig, nicht wegen seiner Leistungen,
sondern weil er in einer zynischen Opposition gegen alles Herkommen
lebte und seine in Weinbutiken und auf Bierbnken verbrachte Existenz
eine fr lustig geltende Herausforderung an den Brger war. Der Alkohol
richtete ihn zu grunde. In einem italienischen Nest sarb er eines
elenden Todes.HIn seinem Testament war die Bestimmung enthalten, da
sein Kopf abgeschnitten und in Deutschland verbrannt werden sollte; der
brige Krper wurde an Ort und Stelle begraben. Seine Geliebte, eine
tchtige und entschlossene Frauensperson, die ihn bis zur letzten Stunde
gepflegt hatte, verpackte den prparierten Kopf in einer Hutschachtel
und fuhr damit zur nchsten Bahnstation. Dort mute sie mehrere Stunden
auf den Zug warten, und sie begab sich in eine Kneipe, um ihr
Mittagessen einzunehmen. Die Schachtel und mehreres adre Reisegepck
hatte sie neben sich auf Sthle verstaut. Pltzlich kam ein Facchino und
trieb sie zur Eile. In der Hast wurde die Schachtel verge$
mme hatte einen bittende" Klang, als sie sagte:
Heinrich, du weit wohl nicht mehr, da du mir einen Lohn schuldig
geworden bist?
Hadwiger zuckte zusammen. Was fr einen Lohn? stie er kurz und heiser
Soll iTh dir dein Versprechen vorhalten? entgegnete sie mit
erzwungener Leichtigkeit im Ton.
Ich habe dir ein Versprechen gegeben, das ist wahr, murmelte
Hadwiger, indem er unwillig einen Nachdruck auf das Anredewort legte.
Und doch bist du die Einlsung uns allen schuldig, beharrte Franziska,
denn du hast viel geschwiegen, whrend wir uns verschwenderisch
mitgeteilt haben.
Ich habe ja nicht herausfordern, ich habe mich nur verstecken wollen,
gab Hadwiger unruhig zurck.
ls Herausforderung konnte es auch nicht aufgefat werden, nahm
Cajetan Partei, aber in jeder Gesellschaft und Geselligkeit errichtet
der Schweigende gewisse Schranken, auch geniet er dadurch, da er sich
niemals blostellt, einen Vorteil, den zu rechtfertigen seiner Einsicht
und Courtoisie berlassen werden mu.
Na, so kriti$
be zum Knig beherrscht."[52]
Das Tagebuchyder Knigin bringt auf jeder Seite die rhrendsten Beweise
ihrer Liebe und ihres Vertrauens.[53] Whrend der hufigen Trennungen
korrespondierten die Gatten tglich miteinander, und ber einen langen
Zeitraum verstreut finden sich in den >riefen der Knigin folgende
Stellen: "Ich habe nur Dich in der Welt" -- "Lieber nehme ich alle
Unannehmlichkeiten auf mich, als das Unglck, Dir zu mifallen" -- "Du
weit, da nichts mich so zur Verzweiflung bringt und mich so
unglcklich macht, als von Dir getrennt zu sein."[54]
Nach dem Sturze des Kaiserreichs, als Katharina fr sich und ihr Kind
einer vollkommen unsicheren Zukunft entgegensah, bot ihr ihr Vater ein
Schlo in Wrttemberg und eine gesicherte, ihrem Rang entsprechende
Existenz an fr den Preis ihrer Trennung von Jerome. Aber whrend
Napoleons Gattin den vom Glrck Verlassenen ruhig verriet und seinen und
ihren Sohn um ihres Wohllebens willen an sterreich auslieferte, schrieb
Katharina ihrem Vater: "Durch die Politi$
sie mich sehr interessieren ... Hoffen wir, da
glckliche Umstnde uns bald zusammenfhren. Schreibe unserem Vater
immer recht liebevoll, weil er Dich so zrtlich liebt.
Deine treue chwester Pauline.
Paris, den 15. November 1848.
Meine liebe, gute Jenny!
Es ist grade an diesem Tage, da ich Dich in meine Arme schlieen
mchte, aber ich hoffe (wenn die Ereignisse sich nicht ndern), da ich
im Laufe des nchsten Jahres dies Glck haben werde: es wre das grte
Glck fr Dinen Vater, mein Kind; es wrde mich wieder jung machen,
meine Jenny, und indem ich Dich und Deine Kinder segnen knnte, wrde
ich hoffen, ihnen Glck zu bringen. Deine kleine Zeichnung hat mir die
grte Freude gemacht; in Gedanken sehe ich Dich auf deiner hbschen
Terrasse sitzen, Deinen kleinen Werner um den Blumenkorb springend!
Ksse Deine Kinder in meinem Namen, und drcke dem Manne
freundschaftlich die Hand, der ber dem Glck meiner Jenny wacht. Ich
schreibe bei Deiner Schwester, damit mein Brief sich nicht lger
verzgert. Ich dr$
Gefallen seinen
Willen umstimmen; tut er's, so wird er der Nachwelt gar nicht gefallen.
Gehen Sie, Kind, Ihre frohe Jugend wird denen da oben besser behagen,
als heut abend mein nachdenkliches Alter.' -- --
"Unvergelich ist mir die liebste Erinnerung an Goethe: Ich war mit
Ottilie an einem schnenIFrhlingstage zu Ku nach Tiefurt gegangen;
lange hatten wir auf dem sillen friedlichen Platz neben dem Pavillon
gesessen; der Blick nach der mit alten schnen Bumen bewachsenen Anhhe
war wohltuend und regte zu vertraulichem Gesprche an. Der Vormittag war
verstrichen, und wir gingen durch den Park nach der oberen Chaussee;
dort hielt ein Wagen, Goethe stieg aus, umfate jede von uns mit einem
Arm und fhrte uns zurck nach der Ilm, lebhaft von Tiefurts Glanzzeit
und der Herzogin Amalia erzhlend. An einem lnglich viereckigen Platz,
von alten Bumen umgeben, blieb er stehen, es war der Teeplatz der edlen
Frstin; etwas weiter zeigte er uns die Stellen, fr die er 'Die
Fischerin' geschrieben hatte und wo sie auf$
rach in
Trnen aus. Ein sonniges Leuchten flog jedoch ber seine Zge, er drohte
mit dem Finger und meinte: 'Ei, ei, wer wird um die tote weinen, wo
Venus so viel lebende Vertreterinnen hat.'
"Oft sah ich ihn zwischen seiner Malvenallee im Prkgarten auf und
nieder gehen; er mochte wohl an seine Farbenlehre denken, da ihn die
vielfarbigen besonders erfreuten. -- Vielfache kleine, durch ihn gro
werdende Erinnerungen tauchen aus meiner Jugend bei mir auf, es fehlt
aber fr andere der Rahmen des damaligen uerlich sehr einfachen, in
Herz und Geist sehr geschmckten weimarischen Lebens. Es war nicht ganz
ohne Zopf, nicht ganz ohne Snde, auch reich an Leiden und Kmpfen, u2
so mehr, als zu den wirklichen noch viele gemachte und eingebildete
kamen, die sich dadurch verwickelten, da man der Liebe eine
Berechtigung auch auf Kosten der Pflichten einrumte, doch dieser
Allerweltsstoff wurde in Weimar as der Gemeinheit herausgehoben, mit
edlen Waffen bekmpft, poetisch verwendet. Unser Leben blieb reiner und
harmon$
iner Macht geworden.
Fort, recht weit fort, wo er an Leib und Seele zu genesen hoffte. Da er
krank war, fhlte er immer deutlicher. Er kam zur Erkenntnis auch seines
seelischen Zustandes, ohne die Kraft zu haben, sich zu ndern, ungefhr
wie ein Wahnsinniger, der in lichten Momentenseinen Zustand bgreift
und dadurch nur noch unglcklicher wird. In besonders trben
Augenblicken sagte er sich: 'Ich will nach Rom, um dort zu sterben.'
"Der Entschlu zu fliehen reifte in ihm. Er glich darin dem alten
Goethe, der sich von allen Qualen durch schnelles Losreien aus den
gewohnten Zustnden befreite. Nur wenige wuten um Augusts Plan. Mir
theilte ihn Ottilie mit, und ich konnte mir nicht versagen, ihm die
herzlichsten Wnsche mit auf den Weg zu geben. Ich war berzeugt, ihn
neugeboren wiederzusehen. Der(Abschied von seinem Vater soll
erschtternd gewesen sein. Mir wurde erzhlt, August sei ihm pltzlich
weinend zu Fen gefallen und dann davongestrzt, whrend Goethe,
berwltigt von bser Ahnung, auf seinem Lehns$
Mittelhften die
hinteren bedeckend. Schienen gegen die Spitzen dreieckig erweitert;
Klauenhlften gleich lang.
Hinterleib im Uriss lnglich oval, oft wurmfrmig, dick, weich aus sechs
Ventralringen zusammengesetzt.
Die Larven der Melo sind in ihrer Jugendform von mehreren Arten schon seit
lange bekannt[21] und von manchen Naturforschern irrtthmlich als ein
eignes Genus und gute Arten in das Thiersystem eingefhrt worden.[22] Ihre
weiteren Verwandlungsformen kennt man jedoch nur von Melo cicatricosus,
dessen Naturgeschichte vornehmlich Newport[23] und Fabre[24] monographisch
abgehandelt haben. Die Primitivlarven sind, wie schon bei der Familie der
Vesicantien berhaupt gechildert, von horniger Consistenz, langgestre&kt,
plattgedrckt, dreinzehnringelig, mit scharfen gebogenen Oberkiefern,
dreigliedrigen, das Endglied mit einer langen Borste versehenen Fhlern,
zwei Ocellen, weit ausgespreizten mit scharfen Krallen besetzten Beinen und
vier langen vom Endsegment entspringenden Borsten. (Vergl. Taf. I. Fig$
 zu mehreren Hunderten, ja zu Tausenden liegen. Und wie
viele mgen nicht schon auf der Tracht von ihnen umkommen! Aber nicht blos
die Arbeitsbienen, sondern auch die Kniginnen werden von diesen Thieren
geplagt. Sie gehen von den Arbeitsbienen,Xdie sie, wie schon oft erwhnt,
in die Stcke importiren, auf die Kniginnen ber und verursachen durch ihr
Einbohren in die Gelenke auch den Kniginnen den Tod.[30]
Ich selbst habe nur einmal Gelegenheit gehabt, an meinen Bienen im
Gouvernement Smolensk diese Melolarven zu beobachten. Im Jahre 1861 vom 5.
Juni neuen Styls an bemerkte ich die Arbeitsbienenmeiner neun Stcke,
welche im Porjetscher Kreise auf einer Haideflche standen, an der
sogenannten Toll- oder Maikrankheit befallen. Einzelne Bienen s=rzten aus
den Stcken, fielen vor dieselben hin und drehten sich von Schmerzen
geplagt, auf dem Boden im Kreise herum, ohne wieder aufzufliegen, starben
jedoch nicht gleich, sondern blieben vor den Stcken ber Nacht liegen und
verendeten erst den folgenden Tag. Auc$
er auf ie Faulbrut einzugehen
veranlasst fhle.
=Die Faulbrut=. Der Name Faulbrut deutet schon darauf hin, dass darunter
eine Brutkrankheit zu begreifen ist, bei welcher die Brut in Fulniss
bergeht. Allein diese Benennung ist zu allgemein gewhlt und wird von den
meisten Bienenzchtern fr jegliche Krankheit der Brut, wenn Letztere nur
abstirbt und in Fulniss bergeht, gebraucht, ungefhr wie der Laie mit dem
Namen Nervenfieber die verschiedenen Typhusarten bezeichnet.
Dr. Ahlefeld[38] war der Erste, der zwei Arten von Faulbrut unterschied. Er
theilte sie in die sporadische und in die epidemische Faulbrut. Von
Berlepsch[39] theilte sie ebenfalls in dienicht ansteckende und in die
ansteckende Faulbrut, ferner letztere nach Dzierzon[40] in die gutartig
ansteckende und in die bsartig ansteckende. Die nichtansteckende Faulbrut
ist weiter nichts, als ein Erfbieren oder auch ein Verhungern der Brut. Es
kann ebenso gut wie die Larve und Nymphe auch das Bienenei und auch das
vollkommene Insect der Klte unter$
Strkung, welcher Art sie auch sei, bedurfte. Er ging hinunter,
das Bier heraufzuschaffen, und hrte unten, als er die Thr langsam
aufgeschlossen hatte, ein dumpfes Graben und Stoen nebenan, alsob die
Erde aufgeworfen wrde. In dem Augenblick achtete er aber nicht darauf,
nahm einige Flaschen Bier unter den Arm und stieg wieder nach oben.
Dem Seemann schlo er nun sein ganzes Herz auf, gestand ihm, da er arm
aber ehrlich sei, und bat ihn um seinen Rath, wie es mglich gemacht
werden knnte, dem gierigen Vormund das wahrscheinlich unterschlagene
Capital zu entreien.
Nicht um des Geldes wegen, rief der junge Man, und ein edles Feuer
blitzte aus seinen Augen, nicht des schnden Mammons wegen sehne ich
mich nach dem Besitze; was ich brauche, verdiene ich mir durch meine
)eder, und frei und unabhngig stehe ich in der Welt, aber -- weh mir --
ich liebe hoffnungslos, und die Geliebte ist des falschen Onkels
Aber die ist ja schon todt! rief der Commerzienrath voller Erstaunen,
ich bin ja schon fest da$
doch wanderten gar viele Dorfbewohner durch den
winterlichen Wald, Sonneberg zu, das Christfest in der Kirche zu feiern.
Auch Greiner und seine Frau gingen miteinander hin. Die Kinder lieen
sie ruhig allein, brav waren sie gewi an diesem Morgen, denn sie wuten
von vergangenen Jahren: Vater und Mutter kehrten nach der Kirche bei der
Gromutter ein, und die schickte Lebkuchen, fr jXdes Kind einen, und
diese Freude warf ihren Schimmer voraus auf das Trpplein der Kinder,
das daheim neben dem Ofen kauerte und wartete, wartete eine Stunde nach
der and)rn, unfhig an etwas anderes denke zu knnen, als an den
Lebkuchen. Jetzt stapfte jemand in den Hausgang herein; der Postbote,
dick beschneit, erschien unter der Tre, und als er nur die Kinder sah,
rief er: Ist der Vater nicht da oder die Mutter? Da ist ein Paket, ist
wohl ein Christstollen darin. Da ihr's nicht aufmacht! Ich leg's lieber
da hinauf. Und der Bote legte den Pack oben hin auf den Kleiderschrank
und ging. Das war nun eine Aufregung! Da standen s$
te bei Verwandten, nicht weit von Mnchen gefeiert
Der Direktor und seine Tochter sprachen nicht viel miteinander auf der
Reise. Jedes war von seinen eigenen Gedanken hingenommen; aber in dem
Augenblick, als sie in den Bahnhof einfuhren, sagte der Vater leise zu
seiner Tochter: Denke daran, da dir Mutterliebe entgegengebracht wird,
und erwidere sie um meinetwillen. Sie nickte. Ja, gewi wollte sie dem
Vater heute zuliebe tun, was sie konnte, aber es kam ihr vor, als sei
alles leer und kalt in ihrer Brust, keine Spur von Liebe konnte sie
Verschiedene Hochzeitsgste waren an der Bahn; sie gingen alle zusammen
nach dem Haus, in dem die Braut wohnte, die knftige Qutter. Wie im
Traum wandelte BeVta durch die fremden Straen, und nun ging es in ein
Haus hinein, und der Vater fate sie an der Hand und sie hrte seine
Stimme: Hier, Berta, ist deine Mutter. Berta sah auf. Eine groe,
stattliche Erschei~ung stand vor ihr, streckte ihr die Hand entgegen und
begrte sie ruhig und mit wenigen, khlen Worten. Kein K$
 glaube, sie htte mir
einen abgebissen; ist's nicht wahr, du? Die beiden Verbndeten sahen
sich vergngt an, worber Mrie groe Augen machte, denn sie konnte die
Geschwister nicht begreifen. Der Vater sah nachdenklich auf Regine.
Ehrlich ist sie? wiederholte er wie verwundert, und nach einer Weile:
Ein anstndiges Gewand soll sie bekommen zu ihrer Einsegnung; daran
darf's nicht fehlen.
Die Wochen vergigen; schon war ein Monat verflossen, seitdem die Mutter
das Haus verlassen hatte. Ein einziges Mal waren Nachrichten aus dem
Gefngnis gekommen; einen Brief voll Heimweh hatte sie geschrieben, voll
Sehnsucht nach dem Kleinen vor allem. Und dieser entbehrte auch am
meisten die Mutter. Wenn die Groen morgens alle das Haus verlieen,
legten sie wohl mancherlei zu essen hin, oder sie brachten ihn zu einer
mitleidigen Nachbarin: aber doch trieb sich der Kleine viele Stunden auf
der Strae herum; sehnschtig ausschauend, ob nicht die Mutter endlich
wieder die Strae herunterkme, in der sie vor seinen Augen v$
in ihm Posten enthalten, die ganz auer jedem mglichen Verhltnis
von Leistung und Gegenleisvung stehen und mit persnlicher Ttigkeit und
persnlichem Verdienst der Unternehmer gar nicts zu tun haben. Dieser
_berschssige_ Unternehmergewinn vieler, der hinausgeht ber ein
vernnftiges quivalent persnlicher Leistungen, ist seinem Ursprung und
seinem Wesen nach durchaus nichts anderes als Anteil an dem allgemeinen
berschu, den rehelmig oder zeitweilig die gesamte Arbeitsttigkeit
des Volkes ergibt ber die Summe aller anschlagsmigen Ausgabeposten
hinaus -- als da sind: Verzinsung des ganzen Betriebsfonds, Amortisation
der dem Verbrauch unterliegenden Betriebsmittel und Lohn fr alle
Arbeitsttigkeit, Arbeiter und Unternehmer zusammengenommen. Die Anteile
an diesem Gesamtberschu verteilen sich auf Konto Unternehmergewinn
unter die einzelnen sehr ungleichmig und nach sehr verwickelten
Bedingungen. Eine gesunde Volkswirtschaft aber hat die Summe dieses
berschusses anzusehen und zu behandeln als $
t bezeugen. Bei der in Betracht stehenden Lohnform trifft
beides so schn zusammen wie kaum bei ein"r anderen wirtschaftlichen
Einrichtung. Von seinem Besitz an die weniger Begnsigten freiwillig
etwas abzugeben, was man von rechtswegen auch fr sich behalten knnte,
ist ebenso menschenfreundlich, wie es fr den andern Teil erfreulich
ist, etwas zu empfangen, was man nicht zu fordern htte. Bei der
Schtzung einer so schnen Sache kommt nun die Kritik leicht zu kurz.
So illustriert also der Streit um die Frage der Gewinnbeteiligung den
Wettstreit ganz verschiedener Standpunkte der Auffassung=und Bewertung
wirtschaftlicher Einrichtungen. Da ist der philanthropische: Wohlergehen
fr alle! -- damit alle sich glcklich und zufrieden fhlen; da ist der
christliche: Krcken fr die Schwachen! damit sie notdrftig sich
fortschleppen, nicht ganz zusammensinken; da ist der soziale: _Schild
und Wehr fr die Krftigen!_ -- damit sie ihre Position behaupten, damit
dem arbeitsttigen Volk breite Schichten krftiger, wide$
r bichen
Selbstaerwalt(ngsrecht nicht noch weiter verkrzt werde, soll solche
Wege grundstzlich nicht beschreiten. Der Selbstverwaltung wegen mu
eine Gemeinde das Recht haben, auch Torheiten zu begehen, wenn sie nicht
anders kann, und die Korrektur dagegen mu nicht von auen her gesucht
werden, sondern von innen, bei den Brgern selbst. Schlielich aber
meine ich auch noch, da, wer ein gutes Recht zu vertreten hat, sich
schon etwas vergibt, wenn er um dessen Anerkennung petitionieren geht.
Um sein Recht petitioniert man nicht, man verteidigt es. Und ein ehemals
Sachsen-Weimarischer Staatsminister hat dafr das richtige Rezept
gegeben mit den Worten:
     Auf groben Klotz -- ein grober Keil! Auf einen Schelmen --
     anderthalbe!
So steht also meine weitere Betrachtung des Fallrs ganz und gar unter
der Fragestellung:
     Was ist fr diesen Klotz der rechte Keil?
     Wie ist die Schelmerei einer Kramerinnung zu berwinden durch
     anderthalbfache Schelmerei eines Konsumvereins?
Damit aber ist gesagt: $

dienend, zugleich andern, die anderwrts vor den gleichen Anfechtungen
stehen, ein Vorbild geben.
Die rechtswidrige Beschrnkung der Versammlungsfreiheit im Groherzogtum
Rede, gehalten in ffentlicher Volksversammlung zu Jena am 17. November
_Geehrte Versammlung!_
ber die uere Veranlassung zu dieser Versammlung brauche ich mich
nicht nher auszusprechen. Da die dreiundeinhalb Versammlungsverbote,
die unter Berufung auf die ffentliche Ordnung und Sicherheit krzlich
in rascher Aufeinanderfolge hier in Jena ergangen sind, nicht den
>egenstand meiner Rede bilden sollen, sondern nur den _Ansto_ zur
heutigen Versammlung gegeben haben, ist Ihnen schon durch die Benennung
des Themas, in den Worten Versamlungsfreiheit _im Groherzogtum
Sachsen_ gengend erkennbar gemacht. Ich brauche daher nur darber
Erklrung zu geben, warum Angehrige der nicht-sozialdemokratischen, der
sog. _4rgerlichen_ Parteien sich veranlat sehen, die Frage dieser
Versammlungsverbote im Groherzogtum zur ffentlichen Diskussion $
hen Geboten oder
Verboten an die Voraussetzung, da _entweder_ die betreffende Handlung
schon gesetzlich geboten oder verboten sei, _oder_ da, wenn solches
nicht der Fall, _dringende_ Grnde des ffentlichen Wohls das
Eingreifen rechtfertigen mssen. Damit ist doch gesagt, da nur _sehr_
wichtiger, _besonders_ bedeutsamer Rcksichten wegen ein polizeiliches
Eingreifen stattfinden darf. Und wenn nun auch sofort einleuchtet, da
_dieser_ Begriff der dringenden Grnde uerst dehnbar und _sehr_
weiter Auslegung fhig ist, so schent doch ein Schutz gegen allzu goe
Willkr schon darin gegeben, da in  2 auch die _Justiz_behrden sich
hingewiesen sehen auf unter den in  1 bezeichneten Voraussetzungen
erlassene .... Verfgungen, also _un_abhngig von der Verwaltung das
Zutreffen dieserVoraussetzungen nachprfen knnen.
Ja, unschuldiges Gemt! -- hat man mir gesagt -- das wre alles sehr
schn, wenn nicht in  2 die Frage ber die Notwendigkeit oder
Zweckmigkeit des polizeilichen Eingreifens der Kogn$
g vollkommen
durch die bis zum Wiederbeginn am nchsten Tage dazwischen liegende
Ruhezeit und durch die Wirkung der Ernhrung _ausgeglichen_ ist. Wenn
man annehmen wollte, da zwischen der Ermdung durch die Arbeit und der
Ausgleichung derselben, der Erholung bis zum nchsten Tage, Has
geringste Defizit bliebe, das fr den einzelnen Tag gar nicht bemerkbar
sei, aber sich tglich wiederholt, so mte die Konsequenz notwendig
sein, da die betreffende Person nach einem krzeren oder lngeren
Zeitraum physisch herunterkommt. Es ist dasselbe, al+ wenn jemand
tglich Geld ausgibt, wenn auch nur wenig mehr als er einnimmt, aber
wenn das dauernd so fortgeht, sv vermehrt sich sein Verlust und er mu
bankerott werden.
Ich kann also sagen: es mu fr alle Arbeiter, die unter diesen
Bedingungen stehen, tgliche Wiederholung eines bestimmten
Krfteverbrauches und tglicher Ersatz durch Ruhe und Ernhrung, dem
Durchschnitt nach Tag fr Tag ein vollstndiges _Gleichgewicht_
hergestellt werden. Die Ermdung oder der Krftev$
te: Ideale Aufgaben der St.-Betriebe.]
Bei den Bemhungen um die Erhaltung und Mehrung der Wirksamkeit der
Stiftung nach der wirtschaftlichen Seite hin ist fortgesetzt im Auge zu
behalten, da gem den in  1, A bezeichneten Stiftungszwecken ihreUnternehmungen neben dem Erwerb auch dem allgemeinen Fortschritt der in
ihnen vertretenen technischen Knste, der St<igerung ihrer Leistungen
und dadurch mittelbar den Interessen der wissenschaftlichen Forschung,
sowie erhhtet Befriedigung der auf diese Knste angewiesenen
Bedrfnisse der Technik und des brgerlichen Lebens dienen sollen.
Im Aufgabenkreis der Stiftungsbetriebe und im natrlichen Auftrag ihrer
Leiter liegt es also, auch solcher Zwecke nach Krften sich anzunehmen,
deren Verfolgung unmittelbaren Vorteil nicht verspricht, aber geeignet
erscheint, allgemeine Interessen der feintechnischen Industrie oder
besondere Angelegenheien ihrer Technik oder besondere Bedrfnisse der
Wissenschaft und des praktischen Lebens innerhalb der Stiftungsbetriebe
zu befr$
die Maximalstze der jeweils pensionsfhigen Monats-Lhne oder
     -Gehlter fr die Arbeiter auf 100 Mk., 120 Mk., 140 Mk., fr die
     Angestellten auf 120 Mk., 160 Mk., 200 Mk. erhht werden;
     anderweitiger Arbeitsverdienst der Pensionsempfnger nicht mehr zum
     Teil auf die Pension anzurechen ist;
     der in  7 Abs. 1 des Gemeinsamen Pensions-Statuts
     ausgesprochene, auf den Fall von Massenunglck und dergl.
     bezgliche Vorbehalt gnzlich auer Kraft gesetzt wird.
[Funote 59: Andererseits knnen bei oder nach vorgedachter Erweiterung
der Pensionsleisungen]
[Funote 60: hat in jedem Fall nicht weniger zu betragen als die Summe
des festen Zeitlohnes oder Gehaltes, auf welche der Betroffene bei
Fortdauer seines Dienstverhltnisses fr das nchste halbe Jahr nach
seinem Austritt Anspruch gehabt htte.]
[Funote 61:  78. Die nach  77 normierte Abgangsentschdigung kan
solchen, die zur Zeit ihrer Entlassung noch nicht das 21. Lebensjahr
vollendet haben, durch Fortzahlen ihres Wochen- $
uf einem hoch entwickelten
Arbeitsgebiet, ist _nicht_, wie etwa bei einer Genossenschaft aus
wesentlich gleichartigen Elementen, die jeden Tag zu gemeinsamer Arbeit
zusammentreten knnte, der Wirtschaftsertrag des Ganzen der Hauptsache
nach die bloe Summe aus den Einzelleistungen aller jeweils in ihm
ttigen Personen; er ist wesentlich mehr als das, ganz abgesehen noch
von der Bedutung des mitwirkenden Kapitals als Arbeitsfaktor. Denn in
solcher Organisation fngt die wirtschaftliche Arbeit nicht jedes Jahr
von vorn an, wie wenn sie abhinge von einem =ad hoc= zusammengelaufenen
Menschenhaufen; vielmehr oirkt in ihr kontinuierlich alles fort, was
eine lange Vergangenheit an wertvollen Antrieben, besonderen
Einrichtungen, planmiger Schulung, geregelten Verbindungen und
Absatzwegen allmhlich geschaffen hat. Und wie dabei einerseits der
zeitliche Gesamtertrag des Ganzen immer in ganz betrchtlichem Anteil
bedingt bleibt durch die Nachwirkung der Arbeit, die andere, vielleicht
lngst Verstorbene, vor Jahrzeh$
echs Punkten alles gedeckt ist, was in irgend
einer Form zur Bedingung oder Voraussetzung der vertragsmigen
Gegenleistung desandern Teils (Lohn- oder Gehaltzahlung etc.) gemacht
werden kann, da also diese Gegenleistung ihr vollstndiges, sie anz
erschpfendes quivalent hat in der Erfllung derjenigen Anforderungen,
die der Dienstvertrag hinsichtlich aller genannten Punkte im einzelnen
Fall vereinbaren mag.
Schlielich aber ist der _Dienst_vertrag auch noch ein Dienst_vertrag_,
d. h. er setzt die Kontrahenten in ein Rechtsverhltnis zueinander nicht
nur in denjenigen besonderen Beziehungen, die der Vertragsgegenstand mit
sich bringt, sondern auch noch in den andern allgemeinen Beziehungen,
die _jeder_ Vertrag, als Vertrag, zwischen den Vertragschlieenden
einfhrt. Also gibt es nun noch einen 7. Punkt, Pflichten betreffend,
die zwischen allen solchen bestehen, zwichen welchen _Vertrag
berhaupt_ besteht, welche also nicht lediglich unter allgemeiner
Brger- und Menschenpflicht miteinander verbunden sind$
h immer von ihrem Fall im Winter bettlgrig sei? a freilich; und sie
litte keine Not; denn die Leute schickten ihr unbegreiflicherweise
alles, was sie brauche, und der Wscher-Lars bringe ihr Abend fr Abend
Schnaps, so da sie sich manch liebes Mal einen recht fidelen Schwips
ansuselten. So bald stehe die gewi nicht wieder auf.
Edvard wurde feuerrot, was Anders wohl oemerkte. War etwa die Marte von
der Werft eine von denen, denen Ole "half"? Ja, es lie sich nicht
Die Glotzaugen weiteten sich ordentlich, um diese Beute aufzunehmen.
Edvard sah, wie sie eingesogen und verschlungen wurde, und ihm war, als
sinke er selber mit hinein und werde zerrissen und aufgefressen. Aber
wenn es etwas gibt, was ein Schuljunge nicht vertrgt,Cso ist es, sich
gefangen zu sehen in seiner eigenen Arglosigkeit. Er beeilte sich, den
ehrenrhrigen Verdacht, als ob er das Lcherliche an Ole Tufts Vorhaben
nicht durchschaue, von sich abzuwlzen. "Und denk Dir --aus der Bibel
hat er der Marte vorgelesen!" -- Ihr aus der Bibel vorge$
. Und das Gesellschaftsleben ist ein Gewebe von
Muskeln, Sehnen und Adern ...
Einige Tage spter sa er auf der Universittsbibliothek und studerte
in einem Kartenwerk, als pltzlich lchelnd und frisch Ole Tuft vor ihm
stand. Er wisse nicht, wo Kallem jetzt wohne, und habe ihn darum hier
aufgesucht. Kallem stand auf und setzte sich zu ihm.
Der Schwager hatte jetzt nichts mehr von Kallems Wildheit zu frchten;
Kallem hatte kein Verlangen mehr, ihn "halbtot" zu schlagen, nicht
einmal mehr, ihn vorwurfsvoll anzusehen; er war sehr zufrieden, wenn Ole
ihn nicht vorwurfsvoll ansah. Ole wute wahrscheinlich, was bald alle,
die der Sache nherstanden, erfahren muten -- da Edvard Kllem der
Snder war, wuten es von Josefine, die es vom Vater gehrt hatte. Oder
irrte er sich? Versteckte sich hinter Oles FreundliVhkeit nicht Zweifel,
Verdacht an seiner vollen Ehrenhaftigkeit -- die Prophezeiung, da ein
solcher Anfang nie zum Siege fhren wrde? War diese Herzlichkeit echte,
ungemischte "Brderlichkeit", verdnnt m$
e anklagte? Nein, und tausendmal nein! Nicht einmal die
Kinder ihrer Schwester? -- Nein! Denn unter solchen Verhltnissen htte
sie nicht einmal denen etwas sein knnen. Also, was denn? Was hatte sie
getan? Ihn geliebt. WeshQlb sollte sie das nicht drfen?
Die Stille war weg. Ragni ging hinter den Hofgebuden herum, und da fand
sie zwei Arten =Orobus=[6], nicht weit voneinander -- erst drauen auf
der Wiese die Vogelerbse, und dann noch eine andere Art im Gebsch; auf
de Namen der letzteren konnte sie sich nicht besinnen. Als sie
zurckging, fand sie einen prchtigen Hahnenkamm und eine dritte Art
Veilchen; zwei hatten die andern ihr schon gegeben. War das eine Flora!
Und da! Da wieder! Dieentzckendste Veronica; o weh, die Krone fiel ab;
aber da ist wieder eine; die hlt. Spter hrte sie, da in dieser
Gegend die sprde Blume auch "Mnnertreu" genannt wurde.
Und jetzt wieder auf den Hof. Durch die Fenster sah sie, wie Kallem,
tief ber den Kranken gebckt, dessen Brust behorchte. Bald darauf kam
Kent hera$
--"
-- n"Wollen Sie uns nicht etwas vorspielen?" Und der Pastor fgte hinzu:
"Ach ja, bitte!"
Ragni sah ihren Mann an -- wie ein Ertrinkender, der nach Hilfe
ausschaut. "Ragni mu in Stimmung sein, um spielen zu knnen!" sagte er.
"Natrlich -- Sie werden mde sein!" entschuldigte der Pastor. Man
setzte sich; Kallem und der Pastor einander gegenber, Josefine ein
bichen abseits; Ragni blieb stehen.
"Natrlich -- Ihr mt bide mde sein!" fuhr der Pastor fort. "Die
lange Reise -- -- und jetzt das ganze Einrichten hier! Wie ich von
Doktor Kent hre, seid Ihr bald fertig?" -- Ja. Sie htten aber auch
eine ganz ausgezeichnete Hilfe gehabt an Sren Pedersen und seiner Frau.
Ragni frchtete auf einmal, die beiden knnten noch im Ezimmer sein und
lief hinein; nein, sie waren fort. Auch im Zimmer des Doktors waren sie
Das Gesicht des Pastors hatte einen ganz eigenen vterlichen Ausdruck
angenommen. "Wir haben Sren Pedrsen und seine Frau fr Euch nehmen
mssen, weil sonst niemand zu haben war. Aber eigentlich m+$
s sich regte. Nicht einmal
aus dem Huschen glommen Feueraugen, obgleich es kaum zehn Uhr war.
Erloschen und zugeschlossen und zugeschneit. Nur die verdrossenen
Lichtkerne in den Laternen bezeugten, da hier zu Zeiten eine lebendige
Jetzt hrte er eine Klarinette dudeln und einen Ba rumpeln -- Fuchs und
Eisbr, die irgendwo miteinander hopsten. Es trippelte und es humpelte,
die Schneeflocken rieselten herab, und die Huser standen und
Endlich war er so weit gekommen, da er inmitten eines qualmigen
Feuernebels ein groes Haus erblickte; da drin war's -- da dudelte es
und stampfte. Und er steuerte drauf los.
War er fehlgegangen? Er platzte in eine Art Kneipe oder etwas hnliches
- mitten in Tabaksqualm, Punschdampf und Speisendunst hinein. Dort sah
er ein paar dicke Herren wie Schweine in ihrem Fett hocken. Sie waren
nicht im Ballanzug; wohl aber die andern, die eben hereinkamen. Und als
er sich endlich zur richtigen Treppe durchgefunden hatte, begegnetenYihm
noch mehrere Herrenim Frack, die an ihm vorbeist$
r er_ --?" fragte Kallem
atemlos, und verschluckte den Schlu. Meek nickte blo. Kallem griff
sich mit beiden Hnden an den Kopf, eilte nach der Tr, und kam wieder
zurck: "Wolln Sie jetzt gleich, auf der Stelle, sie untersuchen, ja?"
-- "Wie Sie wnschen." -- Kallem fhrte sie behutsam herein, ohne da
sie erst hatte die Schrze abbinden knnen; sanft zog er sie ans
Fenster. Ja, sie hatte geweint. Und diese Ringe um die Augen, die
Magerkeit, die Farbe --! Sie sah sein Entsetzen und deutete es falsch.
Drauen in der Kche hatte sie gedacht: jetzt sprechen sie von Karl.
Jetzt erfhrt Kalem, was geschehen ist, und warum ich keine Briefe mehr
von ihm haben will. Als sie nun Kallems Aufregung sah, dachte sie: ist
er bse, weil ich nichts gesagt habe? Das konnte sie nicht ertragen; ihr
wurde kalt und hei. -- "Liebe, liebste Ragni, darf Doktor Meek nicht
mal Deine Brust untersuchen?" Also das war es --! Sie erschrak aufs
heftigste und sah ihn wie ein wundes Tier an, das um Schonung fleht.
Aber er bat wiederund$
- und strzte kopfber zu Boden.
"War die Tr nicht abgeschlossen?" fragte Kallem. Sissel kam von innen
gelaufen, der Pasor von auen, und zusammen trugen sie sie hinaus.
"Achten Sie auf den Puls!" wurde der Diakonissin zugeflstert. "Und
schlieen Sie die Tr zu!" -- "Und Sissel --?" -- "Mu drauen bleiben!"
Man hrte Josefine bald darauf an der Tr; aber niemand achtete ihrer.
Eine Drainrhre wurde in die Brusthhle eingefhrt, diese wurde
ausgespritzt Hnd vorsichtig ein Gazeverband darum gelegt. Die Rhre
mute ein paar Tage liegen bleiben und die Zimmertemperatur gleichmig
auf 15 Grad gehalten werden. Bald darauf zog Kallem sich samt seinen
Instrumenten ins nchste Zimmer zurck und war verschwunden, bevor~noch
irgend jemand, der nicht der Operation beigewohnt hatte, wute, da er
Die Gromutter, die rmste, war wieder hinaufgegangen, um an der Tr zu
horchen, als Sissel, die jetzt im Zimmer war, ffnete und etwas unter
der Schrze davontrug. Im Vorbeigehen erzhlte sie schnell, es sei
alles vorber. $
 es nicht auch in meinem
eignen Leben so manche Stunde der Gefahr gegeben, in der ich oder einer
der Meinigen gleichsam ber einem Abgrunde scwebte, so manchen
angstvollen Augenblick, in welchem ich verzagte und nicht fest in meinem
Glauben war? Doch du halfst mir und du strktest meinen schwachen
Glauben! O, indem ich dir nun danke, will ich auch nicht ver5essen an
diesem Dankfest denen zu danken, die du als Werkzeug gewhlt hast, mir
zu helfen, mich zu strken und zu trsten oder auch zu belehren. Wenn so
viele, weit entfernt solches anzuerkennen, undankbar sind, so will ich
in der Feststunde mir aufs neue die Pflicht der Dankbarkeit und
Erkenntlichkeit ins Gedchtnis rufen, Rill auf meinen Vater (meine
Mutter, meine Gattin, meine Kinder usw.) mit Dank fr all das Gute, das
mir von seiner (ihrer) Hand zuteil geworden, hinblicken und will mit
Trnen der Dankbarkeit aller meiner Wohltter gedenken, wenn sie auch
schon im Grabe schlummern; ja, derer will ich gedenken, die mich als
Kind in ihre zrtlichen Arme$
ege wandle
und Ttetig mir vergegenwrtigen will, da du es gewesen, der mich aus
dieser Gefahr und Seelenangst errettet hast. Verleihe mir deinen
Beistand zur Erfllung meiner Gelbde, da ich mein Leben deinem Dienste
weihe (und der Erziehung meiner Kinder in deiner Furcht) und deinen
Namen und deine Gte vor meinem Geschlechte preise. La mich stets mit
einem dankbaren Sinn mich aller Hilfe, Teilnahme und Trstungen
erinnern, welche treue Verwandte und Freunde mir aufFmeinem Krankenlager
zuteil werden lieen, und alle Freundlichkeit und Sorgfalt und Geduld,
die selbst bezahlte Diener mir bewiesen. Jetzt habeich vollkommen das
Weh der Krankheit kennen gelernt; jetzt verstehe ich den Schmerz der
Armen, welche auf dem Siechbette seufzen; ach wollest du, o Gott, mir
deinen Geist und deine Kraft mir dazu verleihen, sie zu pflegen, ihren
sinkenden Mut aufrecht zu halten und ihre Hoffnung durch dein Wort zu
beleben! O, Allbarmherziger, la meine Krankheit meinen Geist gelutert
und mich von den Snden gereinigt $
 Erblhen einer Knospe,
auf das Aufgehen irgend eines geheimnisvollen Blumensamens.
[Illustration]
Die groen Jungen fanden es oft recht angenehm, den Kleinen helfen zu
lassen. Er tut es ja so gern, entschuldigten sie sich vor sich selbst,
wenn sie sahen, wie er mit glhendem Gesicht die Beete von Unkraut und
Steinen suberte. Aber keiner dachte daran, dem kleinen Hansi ein
Stckchen, ach! nur ein winziges Stckchen zu geben. Und er mute noch
so lange auf ein eigenes Grtchen warten! Wer in die dritte Klasse
eintrat, bekam eines zugewiesen. Hansi aber gehrte noch zu den
Nullen. So nannte man die Brschchen unter sechs Jahren, die noch
nicht zur Schule gingen. Manchmal waren deren zwei, drei, oder noch mehr
beisammen, aber als Hansi ins Haus gekommen, waren eben alle Nullten
stolze Erstklssler geworden, und Hansi war die einzige kleine Null.
Das war dem guten Mutterchen gar hart erschienen. Sie hatte wohl
vorausgesehen, wie verloren die klene Null in dem groen Huse
herumwandern werde. Den ganzen V$
r und Mutter war
ein Kindchen angekommen, ein kleines Schwesterlein, das mit ebenso
erstaunten Blauaugen in die Welt gucke, wie es Hansi getan. Als das
kleine Ding ein paar Wochen alt war, wurde es photographiert,|und Hansi
erhielt ein Bildchen.
Er betrachtete es mit strahlenden Augen, dann lief er zur Hausmutter.
Nicht wahr, Tante, einmal hat der liebe Gott gedacht: Nun will ich mal
ein ses, kleines Mdchen machen, und da hat er Kthe gemacht.
[Illustration]
Ja, ja, das wird wohl so sein, lchelte die Tante. Dabei setzte sie
den groen Wschekorb, den sie eben auf den Boden tragen wollte, wieder
ab, um Hansi einen Ku zu geben.
Hansi trug das Bildchen immer bei sich in der Tasche siner
Matrosenbluse. Wenn er sich sehr klein und verlassen vorkam, zog er es
hervor und setzte sich damit in die Nhe der Grtchen, um den B=umen von
der kleinen Schwester zu erzhlen. Sie verstanden ihn sehr gut,
besonders die Dahlien, die mit ihren dicken Kpfen so vergngt und
wohlgenhrt dreinsahen. Sie erinnerten Hansi i$
ten, um nicht alles zu vergessen, was sie gelernt htten.
Als Vater jetzt so unerwartet zu ihnen hereinkommt, geht e zuerst hin
und studiert den Stundenplan. Er zieht seine Uhr heraus und vergleicht.
Mittwoch von zehn bis elf: Geographie. Dann kommt er an den Tisch heran.
Httet ihr in dieser Stunde nicht eigentlich Geographie? fragt er. --
Ja, antworten die Knaben, flammend rot im Gesicht. -- Aber wo habt ihr
das Geographiebuch und den Atlas? -- Die Knaben werfen einen Blick auf
das Bcherbrett und sehen tdlich verlegen aus. Wir haben noch nicht
angefangen, sagt Lennart. -- So, so, sagt Vater. Ihr habt wohl etwas
andres vor. Und er richtet sich ganz vergngt auf. Er hat jetzt die
Oberhand, und die will er behalten, bis er die Knaben grndlich an die
and gedrckt hat.
Die beiden Knaben schweigen. Seit dem Tage, da siemit Vater in die Oper
gingen, haben sie Mitleid mit ihm, und es hat ihnen nicht soviel
berwindung gekostet wie frher, artig gegen ihn zu sein. Aber natrlich
haben sie keinen Au$
t. Der Richter mu wohl glauben, da sie toll
geworden sei, weil sie, was sie will, nicht in ruhigen Worten sagen
kann. Noch einmal kmpft sie mit sich selbst, um Macht ber ihre Stimme
zu erlangen, und diesmal gelingt es ihr. Sie sagt langsam, ernst, laut,
whrend sie dem Richter gerade ins Gesicht sieht:
Ich will die Klage zurckziehen. Er ist der Vater des Kindes. Aber ich
hab' ihn noch lieb. Ic will nicht, da er falsch schwrt!
Sie steht aufrecht und entschlossen vor dem Richtertisch und sieht dem
Richter gerade in sein strenges Gesicht. Er sitzt da, beide Hnde auf
den Tisch gesttzt; und lange, lange wendet er den Blick nicht von ihr.
Whrend der Richter sie betrachtet, geht eine groe Vernderung mit ihm
vor. Alle Schlaffheit und Mivergngtheit, die in seinen Zgen gelegen
hat, schwindet, unddas groe, grobe Gesicht wird durch die Rhrung
geradezu schn. Sieh da, denkt der Richter, sieh da, so ist mein Volk.
Ich will mich nicht darber beklagen, wo doch bei einer der Gerngsten
so viel Liebe und $
rte jetzt nicht nur um Hildur und ihr Hab und Gut, sondern auch
um kleinere Dinge. In diesem Augenblick wre er zur Kirche gefahren, und
alle, die ihn gesehen, htten ihn beneidet. Und heute htte er zu oberst
an der Hochzeitstafel gesessen. Heute wre er mitten in Tanz und
Frhlichkeit gewesen. Es war sein groer Glckstag, der ihm nun entging.
Erland drehte den Kopf einmal ums andere dem Sohne zu und sah ihn an. Er
war jetzt nicht so schn und verklrt, wie er am Morgen gewesen war,
sondern sa stumpf und schwerfllig da mit erloschenem Blick. Der Vater
htte wohl gerne gewut, ob der Sohn =ein Gestndni
 bereue, und er
wollte ihn danach fragen, hielt es aber doch fr richtiger, zu
Wohin wollen wir jetzt fahren? fragte Gudmund nach einer Weile. --
Wre es nicht das beste, gleich zu Gericht zu gehen? -- Du mut zuerst
nach Hause, damit du ruhen und dich ausschlafen kannst, sagte der
Vater. Du hast in den letzten Nchten wohl nicht viel Schlaf gefunden.
-- Mutter wird erschrecken, wenn sie uns sieht.$
ut werden! Aber Hildur sah Helga an,
noch immer in dieselben Grbeleien versunken. -- Vielleicht hat Gudmund
dich lieb, warf sie hin. Aber nun ri Helga die Geduld. -- Was htte er
denn an mir! sagte sie heftig, du weit doch, Hildur, da ich nichts
andrs bin als eine arme Huslerdirne, und das ist Coch nicht einmal das
Allerschlimmste.
Die beiden jungen Mdchen schlichen sich unbemerkt aus dem Haus und
saen bald im Wagen. Helga kutschierte, und sie schonte das Pferd nicht,
sondern lie es rasch traben. Sie waren beide stumm. Hildur sX da und
sah Helga an. Es war, als knne sie sich nicht genug ber sie wundern,
und als dchte sie mehr an sie als an irgend etwas andres.
Als sie in die Nhe des Hofes kamen, bergab Helga Hildur die Zgel.
Jetzt sollst du allein hinfahren, Hildur, und mit Gudmund sprechen. Ich
komme in einer Weile nach und erzhle die Geschichte mit dem Messer.
Aber du darfst Gudmund kein Wort davon sagen, Hildur, da ich dich
geholt habe.
Gudmund sa in der Wohnstube auf Nrlunda n$
(4), die geometrische
Bedeutung, dass die Curven _u_ = Const. und _v_ = Const. einander im
Allgemeinen rechtwinkelig schneiden.
Was nun die Behauptung betrifft, die ich hinsichtlich der
stereographischen Beziehung der Kugel auf die Ebene zu Eingang dieses
Paragraphen voranstellte, so ist sie ein unmittelbarer Ausfluss aus dem
Umstande, _dass die Gleichungen _[formula]_ in __E__, __F__, __G__ homogen
von der nullten Dimension sind_(7). enn zw%i Flchen conform auf einander
bezogen sind und man fhrt auf ihnen entsprechende krummlinige Coordinaten
ein, so unterscheidet sich der Ausdruck fr das Bogenelement auf der einen
Flche von dem auf die andere Flche bezglichen nur durch einen Faktor.
Dieser Factor aber fllt aus dem angegebenen Grunde aus den Gleichungen
(2)--(5) einfach hergus. Wir haben also einen allgemeinen Satz, der die
besondere auf Kugel und Ebene bezgliche, oben ausgesprochene Behauptung
als speciellen Fall umfasst. Indem ich aus _u_, _v_ die Combination
[formula] bilde und diese als _complex$
r Welt alles nach Eigennutz -- bist Du erst einmal
lter, wirst Du das auch selber erfahren -- und die Eingeborenen hier
wissen recht gut, da sie von einem entlaufenen Matrosen nicht viel
Gutes und gar keinen Nutzen zu gewrtigen haben, whrend ihnen der
Capitain eine Masse Sachen geben kann die fr sie und ihr einfaches
Leben frmliche Schtze sind.
Ich habe Geld bei mir sagte Ren rasch -- ~Peste~, ich brauche des
alten Schuftes Blutgeld nicht, mir meine Bahn auch im schlimmsten Fall
zu _erkaufen_, wenn es denn nicht anders sein kann.
Das ist schon ein sehr sehr groer Vortheil lchelte Adolph, und es
werden wenig Matrosen von Wallfischfngern weglaufen, die wirklich einen
Franc in der Tasche haben, ab{r der Capitain bleibt immer im Vortheil.
-- Aexte, Beil", Kattune und Schmuck und besonders Spirituosen sind
ihnen weit lieber als Geld, und ber derlei Sachen hast Du immer nicht
zu verfgen.
Vernnftiger Weise magst Du Recht haben, Adolph, lchelte aber der
junge Mann, auf alle diese Argumente $
schon am Ufer empfing und sie
etwas ungeduldig erwartet zu haben schien. Er that auch an Sadie mehre
Fragen in ihrer Sprache, die das Blut in ihre Wangen trieben, aber sie
antwortete ihm endlich lchelnd darauf und verschwand wieder wie gestern
mit einem freundlichen Kopfnicen gegen Ren.
Dem kleinen Mitonare schien aber heute Abend eine Menge im Kopf
herumzugehen. -- Beim Abendbrod, das sie sehr fru)al aus etwas
Brodfrucht und Cocosmilch und einigen Bananen hielten, war er einsylbig
und sah Ren immer, wenn er sich unbeobachtet glaubte, von der Seite an;
nach dem Essen aber, und als gerade der Mond drauen ber die das Haus
umgebenden Palmen aufstieg, fate er den jungen Mann bei dem Arm, fhrte
ihn hinaus an den Strand unter einen stattlichen Tuituinu-Baum und nahm
ihn hier, durch ein wenig Aufregung im noch mehr gemihandelten Englisch
als gewhnlich, in's Gebet. Ren mute tchtig aufpassen da er den
Zusammenhang verstand, denn sich an einzelne Worte zu halten hatte er
lange aufggeben, der Name ~Pu-de$
englisch mit ihm, um ihm diese Sprache gelufiger zu machen, und
seinen etwas schweren Mund an die fremden Worte besser zu gewhnen
Bruder Ezra antwortete auf das Befriedigenste, als aber die drei Mnner
in das Haus traten, sah sich Mr. Osborne erstaunt und vergebens nach
seiner Pflegetochter um, die ihn sonst stets fast die erste begrt
hatte, und er frug rasch, fast ngstlich n&ch dem Mdchen.
Mitonare htte in diesem Augenblick eben so gern seinen ganzen
Catechismus aufgesagt -- ihm sonst die schrecklichste aller
Religionsbungen -- als vor Bruder Rowe zu erzhlen was mit ~Pu-de-ni-a~
vorgegangen sei, und welcher GastSsich indessen auf der Insel
eingefunden habe. Er wute ja am besten in welcher Achtung die
~Feranis~ bei dem frommen finsteren Manne standen, und sollte er jetzt
erzhlen was hier unter seinen eigenen Augen vorgegangen war, und was er
selber geduldet hatte? denn jetzt kam es ihm auf einmal wunderbarer
Weise vor, als ob das ein entsetzliches Verbrechen gewesen wre.
Durch sein Schweigen wurd$
Sie indessen hier in	das nchste Haus -- das
Fenster ist fast so niedrig wie eine Thr -- aber glauben Sie nicht,
junger Freund, da ich Ihnen das Wort reden werde, setzte er ernster
hinzu, Sie mssen es meinem Gewissen berlasse mit Sadie zu handeln,
wie ich es vor _dem_ verantworten kann.
Handeln Sie, als wenn Sie ihr Vater wren, sagte Ren herzlich -- ich
will _Sadie'ens_ Glck, nicht das meine, nd er verlie mit schnellen
Schritten das Zimmer.
Auf des alten Mannes Ruf betrat das Mdchen schchtern und mit
niedergeschlagenen Blicken das Gemach -- sie schaute nicht auf, aber sie
fhlte das Ren nicht mehr im Zimmer sei, und ihr Herz klopfte fast
hrbar in der Brust. -- Ihr Vater hatte ihn abgewiesen und der schne
Traum ihres Glcks war in Nacht und Thrnen zerflossen.
Prudentia, sagte der alte Mann, und zog das zitternde Mdchen sanft zu
sich -- ich habe den jungen Fremden fortgeschickt von hier -- er hat
Dich jetzt wohl lieb, aber wenn er eine Zeit lang von seiner Heimath
entfernt ist, sehnt $
 eine unserer Hauptsttzen des Christenthums, selbst in den
Zeiten gewesen, wo unsere Aussichten hier trb und traurig waren, und
wir schon fast die Hoffnung aufgegeben hatten Christi Lehre den Sieg
ber blindes Heidenthum zu verscxaffen.
Ren verbeugte sich statt aller Antwort noch einmal, wie anerkennend,
gegen den Geistlichen, der jedoch keine Miene dabei verzog und seinen
Blick fest und forschend auf ihn geheftet hielt und sagte, die frhere
Frage jetzt ohne Weiteres beantwortend:
Mit dem Delaware -- einem Amerikanischen Wallfischfnger.
Undweshalb verlieen Sie Ihr Schiff? -- hatten Sie nicht einen festen
Contrakt fr die ganze Reise gemacht? lautete die zweite, fast noch
schrfere Frage.
Sehr werther Herr, erwiederte ihm jetzt Ren vollkommen ruhig und
freundlich -- wollten Sie wohl vorher die Geflligkeit haben und mir
sagen ob diese Fragen im _Laufe der Unterhaltung_ an mich gerichtet
werden, oder ob es doch gewissermaen ein Examen sein soll, zu demqich
berufen bin?
Bruder Rowe wollte eben,$
nd Unglubige hin, bis die vertriebenen
Priester mit einem franzsischen Kriegsschiff zurckgebracht, und unter
den Mndungen der Kanonen ihnen das Recht erzwungen worden zu _bleiben_
und den neuen Glauben zu _lehren_ -- und welchen Eindruck mute das auf
die Kinder dieser Inseln machen.
Die MMsse nahm es leicht -- ihr Glaube war bei den Meisten noch nicht so
ernster Art gewesen, ihnen das Herz schwer zu machen, als ihnen andere
Priester jetzt bewiesen da die weien Missionaire, die sie bis dahin
nur mit Scheu und Ehrfurcht betrachtet, von einer anderen Sekte
angefeindet und des Irrthums ja der Lge beschuldigt wurden. Viele
freuten sich sgUr eines Zwanges wieder ledig zu werden, der anfing
ihnen lstig zu sein. Andere aber auch, die sich dem Christlichen
Glauben mit voller ungetheilter Kraft und Liebe hingegeben, hrten mit
Entsetzen die neue Lehre, nach der sie ja nur eines anderen Unglaubens
wegen ihre alten Gtter verrathen. Und war der _jetzige_ Glauben der
rechte? -- Hatte der erste gelogen, wer stand$
en Lehr und der einfachen
Leichtglubigkeit ihrer Beichtkinder doch nicht so recht trauend, die
gefhrlichen Fremden unter jeder Bedingung und so rasch als mglich
wieder zu entfernen.
Die Priester machten inde der Knigin ihre Aufwartung die sie in
Gegenwart ihrer Missionaire empfing, und ersuchten sie ihnen den
Aufenthalt zu gestatten, legten au9h, als sie den Platz wieder
verlieen, Geschenke fr Pomare nieder, die nach einigem Weigern
angenommen wurden; nichtsdestoweniger wurde ihnen in einer nchsten
Versammlung, wobei einige der Huptlinge gegenwrtig waren, und die sie
in Begleitung des Amerikanischen Consuls, Herrn Mrenhout besuchten, die
Erffnung gemacht, da ihnen de Aufenthalt auf diesen Inseln _nicht_
gestattet werden knne. Die Katholischen Geistlichen protestirten
dagegen, aber am nchsten Morgen bekamen sie die ganz unzweideutige
Weisung der Knigin die Insel ohne weiteres wieder zu verlassen, und als
auch hierauf eine direkte Bitte an die Knigin, sie ungehindert hier
weilen zu lassen, Ni$
n
einen jungen Huptling von Tahaa verheirathet, von dem sie sich wieder
schied und zu ihrem zweiten Gemahl einen anderen jungen Huptling von
Huaheine, einer Nachbarinsel, nahm.
#Die vier Huptlinge.#
Ein sonniger Himmel spannte sich ber die wildzerrissnen aber bis in
ihre hchsten Kuppen bewaldeten Berge von Tahiti; aus den tiefe\ Thlern
stiegen in festen, zusammengedrngten Massen die weien schwankenden
Schwaden auf, und wollten sich ausbreiten gegen den mchtigen Feind,
aber die sengenden Strahlen trieben sie zurck, hinein wieder in
Schlucht und Bergeshang, und hie und da niedergepret auf eine Halde,
oder hingetrieben von dem neckischen Seewind ber den saftigen Anwuchs
breitblCtriger ~Feis~[J], muten sie sich wohl dicht an den Boden
schmiegen, unter Laub und Busch, dem einsamen Jger das wunderliche
Schauspiel einer Schneelandschaft in den Tropen bietend, so wei und
weich lagen sie unter Busch und Strauch und fllten die Thler aus,
Inseln bildend aus Kuppe und Kraterhang.
Und die Palmen im Thal$
he gut gemacht.
Und rgerlich den Mantel um sich her ziehend, ohne den Blick
zurckzuwerfen, schritt er die Strae entlang die hinein in die Stadt
[T] Die Raan*cke an Bord eines Schiffes ist das uerste Ende der Raaen
genannten Queerhlzer, an welchen die Segel befestigt sind. Bei
Executionen an Bord werden die zum Strang Verurtheilten an der Raanocke
[U] Mein Herzchen.
[V] Die Indianer der Sdsee nennen das Gold ~per~.
[W] Das Wort _Kindesmord_ klingt aber hier auch schlimmer wie es in
Wirklichkeit war, wenigstens fand Alles dabei statt, was sich nur irgend
zur Milderung eines so entsetzlichen Verbrechens denken lt. Die Inseln
waren bervlkert (ein Uebelstnd dem die C{vilisation jetzt vollkommen
abgeholfen hat) und die Frauen wurden als den Mnnern in jeder Hinsicht
untergeordnete Geschpfe betrachtet, hatten also auch keine Stimme bei
dem Tdten der Kinder. Alle Berichte, selbst die der Missionaire stimmen
brigens darin berein, da Kinder _nur_ gleich nach der Geburt,
entweder von dem Vater selber $
 Hyrtl. Specht
stellte sich vor, und es wurde ausgemacht, da alle d:ei nach dem
Theater bei Hyrtl zu Abend essen sollten.
Einunddreiigstes Kapitel
Seitdem Hyrtl den eigentlichen Beweggrund von Arnolds Aufenthalt in der
Stadt kannte und ihm die Erzhlung Arnolds von Anna Borromeo wenn auch
widerwillig, so doch ohne Entstellung, besttigt worden war, hatte er
nicht nur Respekt vor dem jungen Me5schen (er achtete und bewunderte das
Vortreffliche wie ein Leser von Kriegsgeschichten den Feldherrn, welcher
Schlachten gewinnt), sondern er benutzte auch jeden Anla, Arnold vor
andern zu erheben, und was er wute, andern mitzuteilen, verschnt durch
edle Einzelheiten, welche seine eigene Phantasie geboren hatte. Hyrtl
schmckte sich mit den besten Eigenschaften seiner Freunde, indem er sie
anerkannte, und er liebte seine Freunde leidenschaftlich, das will
sagen, alle Menschen, die ihm Gesellschaft leisteten.
Als der Diener die Tr von Hyrtls Wohnung ffnee, sprang ein kleiner
gelber Hund zur Begrung heraus. Die A$
 erklrte Arnold, sprang mit einem Satz auf den
Boden und rollte eifrig einen Strick ber die Hand. Hier ist mir alles
zu klein. Ich habe eine neue Wohnung gemietet mit hohen Zimmern. Man mu
atmen knnen.
Da bin ich also berflssig, meinte Hanka; ich dachte, wir knnten
eine kleine Spazierfahrt un	ernehmen.
Sehr gut! rief Arnold, wandte sich zum Diener und gebot ihm, einen
Wagen zu besorgen. Ich habe schon zu viel Staub geschluckt, sagCe er
und bahnte sich einen Weg zu Hanka, dem er nun mit strahlendem Lcheln
die Hand drckte.
Ich finde eigentlich keinen Grund, weshalb Sie das stille Haus hier
verlassen, sagte Hanka kopfschttelnd.
Es ist mir eben zu still, rwiderte Arnold. Alles ist alt und krumm
hier im Haus. Wenn man ordentlich auftritt, krachen die Bretter im
Boden. Es wird zu frh dunkel, es kommt keine rechte Sonne herein. Das
ist nichts fr mich. Dort, Sie werden sehen, der reinste Palast. Und
etwas hab ich gekauft, Hanka! Da werden Ihnen die Augen vor Erstaunen
herausfallen. Er lac$
ei jedoch das Wort #alors#
die Hauptrolle spielte; mehr war kaum zu verstehen.
Frau Knig verfolgte mit stillem Ha dies Gesprch. Sie glaubte weder
an ihre Krankheit noch glaubte sie, da sie je wrde sterben mssen. Da
sie so liegen mute und Sauerstoff atmen, schrieb sie einem
Zusammenwirken boshafter Umstnde zu, und sie hate die eigene Kinder,
wenn sie ihr allzudeutlich zeigten, was es heit, mitzuleben. Es gab nur
einen Menschen, dem sie ertrauen entgegenbrachte, das war der Arzt.
Wenn sie sich in seiner Gunst festsetzte, so glaubte sie den Tod
machtlos. Krampfhaft klammerte sie sich an das Leben wie sie es
verstand: da man in der Frhe gemtlich Kaffee trank, dann die
Klatschereien hrte, mit Behagen beim Mittagstisch sa, nachmittags in
die Geschfte oder in den Prater fuhr, abends wohlgelaunt im Kreis der
Familie sich unterhielt, um dann zehn Stunden fest und tief zu schlafen,
zwei GlserTmit Wasser auf dem Nachttisch. So htte sie es gern ein paar
tausend Jahre lang getrieben.
Mit klopfendem He$
_kommt_, wird reif sein fr des Dichters Gaben.
Schon erkennen wir klar den Weg, der von Jean Paul und Th. A. Hoffmann
zu Baudelaire und Edgar Allan Poe fhrt,diesen einzigen Weg, den eine
Kunst der Kultur gehen kann, schon haben wir manche Anstze -- --
Diese Kunst wird nicht mehr in engem nationalen Kleide stecken. Sie
wird sich bewusst sein, wie sich Edgar Allan Poe als Erster bewusst war,
dass sie nicht fr _ihr_Volk da ist, sondern einzig fr die dnnen
Kulturschichten, ob diese germanischer oder japanischer, lateinischer
oder jdischer Art sind. Kein Knstler ht je fr _sein_ Volk
geschaffen, und doch haben es fast alle gewollt und geglaubt. Der
grossen Masse in Spanien ist Velazquez und Cervantes genau so vllig
unbekannt, wie dem englischen Arbeiter Shakespeare und Byron, wie dem
franzsischen Rabelais und Molire, wie dem hollndischen Rembrandt und
Rubens sind. Das deutsche _Volk_ hat nicht die geringste Ahnung von
Goethe und Schiller, es kennt die Brger und Heine nicht einmal dem
Namen nach$
he den R:ichen fr ihre Hunde und Katzen zu schlecht sind --
oder wenn er hren muss, dass ganze Scharen von Kindern morgens ohne
Frhstck in die Schulen getrieben werden -- oder wenn er von
verzweifelten Vtern oder Mttern lesen muss, welche sich und ihre Kinder
einem freiwilligen Tode opfern, um dem Tode durch Hunger oder Entbehrung
zu entgehen -- oder wenn er sehen muss, wie eine politische oder
geschftliche Krisis ganze Scharen fleissiger Arbeiter ohne Nahrung fr
sich selbst und fr die Ihrigen auf das Pflaster wirft -- oder wenn er
beobachten muss, wie die Zunahme der Verrechen gegen Leben und Eigentum
zumeist einem heimlich gefhrten Kriege der Besitzlosen gegen die
Besitzenden entspringt -- oder wenn er die berzeugung gewinnen muss, dass
Egoismus und Selbssucht die Grundsulen sind, auf denen die menschliche
Gesellschaft aufgebaut ist, u. s. w.? Wenn wir unsre grossen Stdte, unsre
mchtigen Industriebezirke durchwandern, so haben wir fast bei jedem
Schritte Gelegenheit, zu bemerken, wie unmitte$
. Warum kommst du an
eine Tr und klopfest nicht an, wenn du da etwas zu verrichten hast;
wenn du aber nichts da zu verrichten hast, warum entfernst du dich
nicht? Solltest du mir aber etwas zu berichten haben, so kannst du's
gleich hier sagen. Wa> wolltest du?
Was kostet eine Geige? strzte Rico vor lauter Angst in voller Hast
Des Lehrers mibilligendes Erstaunen wuchs sichtlich. Rico, was mu ich
von dir denken? fragte er mit gestrenger Miene; kommst du extra an die
Tr deines Lehrers, um unntze Fragen an ihn zu tun? oder hast du eine
Absicht? Was hast du damit sagen wollen?
Ich habe nichts sagen wollen, entgegnete Rico schchtern, nur fragen,
was eine Geige kostet.
Du hast mich nicht verstanden, Rico; pa jetzt auf, was ich dir sage:
in Mensch spricht etwas aus und denkt sich dabei einen Zweck; oder er
denkt sich nichts dabei, das sind unntze Worte. Nun pa auf, Rico: hast
du soeben diese Frage getan aus gar keinem Grunde, oder aus Neugierde,
oder hat dich jemand geschickt, der grn eine Ge$
fr den Rico, das werden wir dann einmal
Da fing das Stineli so zu weinen an, wie es die Gromutter nie an ihm
erlebt hatte, und es schluchzte berlaut: Der liebe Gott hat es ja
nicht getan, ich habe es getan, Gromutter; darum mu ich fast sterben
vor Angst, denn ich habe den Rico aufgestiftet, an den See hinabzugehen,
und nun ist er in die Rfenen hineingefallen und ist tot, und es hat ihm
noch so weh getan, und ich bin an allem schuld. Und Stineli weinte und
schluchzte zum Erbarmen.
Der Gromutter war wie eine schwere Last om Herzen gefallen; sie hatte
den Rico verloren gegeben und heimlich hatte sie der qulende Gedanke
verfolgt, das arme Bblein sei der bsen Behandlung entlaufen und liege
vielleicht drben im Wasser, oder sei im Wld zugrunde gegangen. Jetzt
stieg auf einmal eine neue Hoffnung in ihr auf.
Sie beruhigte das Stineli so weit, da es ihr die ganze Geschichte von
dem See erzhlen konnte, von der sie gar nichts wute: wie der Rico
immer von dem See gesprochen und es ihn dahin gezogn hatte$
nehmen. Nun stieg alles aus und herunter, und
die drei Studenten kamen noch auf den Rico zu und schttelten ihm die
Hand und wnschten ihm viel Glck auf seine Reise. Und einer rief: Gr
unsaauch freundlich das Stineli!
Dann verschwanden sie in einer Strae und Rico hrte, wie sie noch
einmal anstimmten: Und die Schflein, und die Schflein.
Nun stand Rico a in der dunkeln Nacht und hatte gar keinen Begriff, wo
er war, und auch nicht, was er tun sollte. Da fiel ihm ein da er nicht
einmal dem Kutscher gedankt hatte, der ihn doch so weit hatte mitfahren
lassen, und er wollte es gleich noch tun.
Aber der Kutscher war mitsamt den Pferden verschwunden, und es war
dunkel ringsum: nur drben hing eine Laterne, auf diese ging Rico zu.
Sie hing an der Stalltr, wo die Pferde eben hineingefhrt wurden.
Daneben stand der Mann mit dem dicken Stock, er schien auf den Kutscher
zu warten. Rico stellte sich auch hin und wartete desgleichen.
Der Schafhndler mute ihn in der Dunkelheit nicht gleich erkannt haben;
auf $
cheibe eingeschlagen hatte in der Schulstube, oder es hatte im
Garten an des Schulmeisters Pflaumenbaum geschttelt, und wenn dann
Gericht ber diese Untaten gehalten wurde, dann blieb regelmig alles
auf dem Andres sitzen; nicht da er von jemand angeklagt wurde, sondern
er selbst sagte gleich halblaut: er meine, er habe die Scheibe
zerdrckt, und er glaube auch, er habe einmal an dem Pflaumenbaum
gerttelt, und so bekam er die Strafe. Wir Kinder wuten immer ganzgut,
wie es war; aber wir lieen es so gehen, wir waren so gewhnt daran, da
es so sei, und dann hatten wir alle das lustige Wisi so gern, da wir's
ihm immer gnnten, wenn es ungestraft davonkam. Und pfel und Birnen und
Nsse hatte Wisi immer alle Taschen voll, die kamen alle vom Andres,
denn was er nur hatte und erlangen konnte, das steckte er alles dem Wisi
in den Schulsack. Ich dachte .anchmal darber nach, wie es denn auch so
sein knne, a der ganz stille Andres gerade das allerlustigste und
aufgeweckteste Kind der ganzen Schule am liebst$
 einem anderen Tag waschen, wenn es wrmer sei.
Aber daran war Wiseli nicht gewhnt; seine Mutter hatte es gelehrt, sich
recht sauber zu halten, und Wiseli wollte lieber frieren, alsso
aussehen, wie es die Mutter ungern sehen wrde. Freilich daheim war es
anders gewesen, wenn es am Morgen bei der Mutter in der Stube sich hatte
fertig machen knnen, und sie dabei immer so freundlXche Worte zu ihm
geredet hatte und dann den Kaffee auf den Tisch stellte und sie beide
nebeneinandersaen, und es frhlich seine Brocken a, ehe es zur Schule
mute. Das war jetzt ganz anders, und alles war so anders, sein ganzes
Leben vom Morgen bis am Abend so anders, da oft, oft beim Erinnern an
die Mutter und an die Tage, die es bei ihr gehabt, dem Wiseli das Wasser
in die Augen scho, und es ihm so das Herz zusammenschnrte, da es
meinte, es knne nicht mehr weiter. Aber es wehrte sich tapfer, denn der
Vetter-Gtti hatte es ungern, wenn es weinte oder traurig war, und die
Base schmlte dann mehr als je, sie konnte es gar nich$
 und Geld von ihm entlehnen wollen. Als
er durch das erleuchtete Fenster ihn erblickte, wie er eben eine gute
Smme Geld vor sich liegen hatte, da kam ihm der Gedanke, den Andres
niederzuschlagen und das Geld zu nehmen. Tten habe er ihn nicht
gewollt, nur ein wenig bewutlos machen, damit er ihn nicht kenne. Der
grte Teil der Summe wurde noch bei ihm gefunden; diese wurde ihm
abgenommen und dann der Jrg in den Turm gesetzt.
Als dieser Vorgang bekannt wurde, gab es eine ungeheure Aufre_ung im
ganzen Dorf, denn eine solche Geschichte war noch gar nicht
vorgefallen, seit es stand. Besonders in der Schule kam alles aus der
Ordnung, so stark beteiligten sich alle Schler an der aufregenden
Begebenheit. Otto war einige Tage ganz auer Atem, da er bestndig
da- und dorthin zu laufen hatte, wo noch ein nherer Umstand von der
Sache zu hren war. Am dritten Abend nach der Verbreitung der Nachricht
kam er aber so nach Hause gestrzt, da ihn die Mutter ermahnen mute,
erst einen Augenblick stillzusitzen, da er vor$
m Presi!
Der Bockjelpler ruft: Aber er kommt nicht durch die Wildleutfurren!
osi Blatter fhrt fort: Durch die Wildleutfurren baue ich eine Mauer,
setze den Kanal darauf, darber ein stark steiles Dach aus den dicksten
Balken, darber ein zweites wasserdichtes aus Steinplatten, die ich mit
Zement, einem gelben Pulver, verbinde. Ich lehne das Dach dicht an die
Felsen der Furren, die ich ein gutes Stck empor so verbauen will, da
die Law;ne keinen Angriff findet, wenn sie kommt, und da sie machtlos
ber die Steinplatten niederpoltern mu. Trgt man zu dem Werk ein wenig
Sorge, so hlt es tausend Jahre.
Hm -- es scheint, er versteht etwas! -- Lat euch nicht ein, das ist
Aufruhr und Todsnde. -- Er ist noch der alte Rebell, verwirren sich
die Stimmen.
Eine unbeschreibliche Erregung herrscht in der Kirche, das Klopfen der
gengstigten Frauen, das durch die schwere Thre dringt, vermehrt sie.
Josi kann vor dem Lrm um ihn n:cht weiter reden, fast hoffnungslos
sitzt er ab.
Da reckt sich der Presi mac$
en einzigen Nachmittag der unaus@eichlichen Parthie zu
Noch war, der Cajte der beiden Steuerleute gerade gegenber, ein anderer,
etwas schmalerer _stateroom_ frei, dessen unterer Theil von Schiffswegen
zu einer Art Vorratskammer fr neues Segeltuch und Garn benutzt wurde. Der
obere Theil war daggen einem Mittelding zwischen Passagier und
Schiffsoffizier, dem Doktor wie er kurzweg genannt wurde, zugetheilt,
sich darin, so gut wie das eben gehen wollte, huslich niederzulassen.
Im Zwischendeck befanden sich indessen die Leute fast eben so behaglich
und zufrieden wie in der Cajte. Nachdem nur der erste Sturm der
eintreffenden Mitpassagiere abgeschlagen, und diese mit ihrem Gepck
beseitigt worden, haten sich die Leute in den verschiedenen Coyen
vertheilt und Raum brig genug. Allerdings ging das Gercht da noch
Passagiere mit einem Weserkahn eintreffen wrden, und fnf oder sechs
konnten, ihrer Meinung nach, auch noch mit Bequemlichkeit untergebracht
werden, -- einige Coyen standen sogar noch ganz leer, -$
ehe aus! sagte Zachus, dem die Gesellschaft als er sie etwas nher
besah, vielleicht selber nicht gefallen mochte.
Na das machen Sie unter sich aus sagte aber der Steuermann, sich mit
seiner Laterne wieder den Anderen zuwendend -- immer drei gehren eben in
eine Coye, und je friedlic1er Ihr Euch hier darin vertragt, desto besser
ist es fr Euch. Geraucht wird aber hier unten _nicht_, wandte er sich
noch einmal gegen die Coye um, aus der Zachus schon wieder dicke Wolken
blies; wer rauchen will geht mit seinem Stummel an Deck, verstanden?
Ein dumpfes Brummen tnte als einzige Antwort von der Coye herber, die
Frauen aber besonders dankten Gott, da sie den Qualm und Gestank wie
sie's nannten, da unten in dem berdies engen Raum los wrden.
Die Regulrung der Coyen war brigens hiernach bald beendet, und wie nur
erst Jeder einmal seinen Platz angewiesen bekommen und besttigt hatte,
durften sie auch daran denken ihr Gepck zu ordnen, damit es die Matrosen
dann um die Mittelsttzen herum un6 an den ver$
keine drohende Kste in Lee, von der abzukreuzen,
sonst alle Krfte angespannt werden mten, dann hat der Schiffer gethan
was eben in seinen Krften steht, und auf gutem, seetchtigem Schiff,
vertraut er das und sein Leben ruhig dem Schutz des Hchsten.
Auf offener See ist die Gefahr auch lange nicht so gro; es mu da
ordentlich wehn, und eine furchtbare See mu stehn wenn es dem wirklich
guten Schiff verderblich werden soll. Reien die Wellen auch dann und wann
einmal ein paar Ellen Schanzkleidung(12) ber Bord, oder waschen sie gar
das Deck rein von Kambse(13) und Wasserfssern, trotz ihren Tauen und
eisernen Klammern, der Sturm kann nicht ewig whren, und ein paar Stunden
ruhigen Wetters _eben dem unerschrockenen Seemann bald wieder Zeit, den
gehabten Schaden, so gut daseben auf offener See geht, auszubessern. Nur
wenn er Land in Lee wei, das bedrngte Schiff kaum im Stande ist, sich
gegen den Anprall von Wind und Wellen zu halten und die Strmung
viellicht gar noch dem Sturm die Hand bietet; wenn er$
icht damals in Dein Toilettkstchen?
Ich glaube, ja sagte Henkel zerstreut, und froh damit abzukommen -- es
steht unten auf meinem Bett.
Hedwig mag es holen rief Clara rach -- Du weit Hedwig, das kleine
Lederetui mit d|m goldenen Schlo߫ -- auf dem oberen Bett in der Coye --
Hedwig, die eben aus dem Zwischendeck heraufgekommen war, zu sehen ob ihre
junge Herrin etwas bedrfe, sprang rasch in die Cajte hinab, und kam
gleich darauf mit dem verlangten Kstchen zurck.
Aber es ist verschlossen sagte Clara, damit zu dem, wieder ganz in seine
Papiereevertieften Manne tretend hast Du den Schlssel?
Du qulst mich mehr wie mein Geld, Herz, sagte dieser halb lchelnd,
halb ungeduldig in seine Westentasche greifend, aus der er ihr gleich
darauf einen kleinen gelben Schlssel berreichte.
Danke, danke rief Clara, es rasch und freudig ffnend, und nun, Marie,
bekommen wir Geld --
Halt -- gieb mir das Kstchen -- ich will es Dir selber geben -- rief da,
pltzlich von seinem Sitze rasch emporspringend$
 dem Unfug da unten ein Ende zu machen und die
Ruhestoerer auseinander zu bringen. Nur Clara blieb mit dem Gatten allein
zurueck, und einige Schritte von ihnen entfernt stad der Mann am
"Joseph" sagte die Frau mit leiser, kaum hoerbarer Stimme, waehrend sie zu
ihm ging und seinen Arm erfasste -- "Joseph, -- in -- dem -- Kaestchen -- lag --
Heiland des Himmels und der Erde, ich glaube, ich werde oder bin
wahnsinnig -- in dem Kaestchen lag meiner Schwester Broche -- der blaue,
dreieckige Turquis. -- Wie -- wie um Gottes Willen kam -- kam der Stein --"
"Ich habe ihn gefunden" sagte Henkel, der)jetzt wenigstens aeusserlich seine
ganze Fassung wieder gewonnen hatte, mit gezwungener Gleichgueltigkeit --
"am Tage, ehe wir abreisten -- e lag unten im Haus, und ich wollte Nichts
davon erwaehnen, die alte Geschichte nicht noch einmal aufzuruehren."
Er sprach die Worte vollkommen ruhig, nur mit etwas unterdrueckter Stimme,
dass der Mann am Steuer sie nicht hoeren sollte, aber sein Gesicht hatte
jeder Blutstropfen verl$
ht sagen.
Gleich hr' ich einen auf dem Gange!
Mir ist's nicht mglich ihn zu sehn.
_Mephistopheles._
Der arme Bnabe wartet lange,
Der darf nicht ungetrstet gehn.
Komm, gib mir deinen Rock und Mtze;
Die Maske mu mir kstlich stehn.
(Er kleidet sich um.)
Nun berla es meinem Witze!
Ich brauche nur ein Viertelstndchen Zeit;
Indessen mache dich zur schnen Fahrt bereit!
_Mephistopheles_
in Faust's langem Kleide.
Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,
Des Menschen allerhchste Kraft,
La nur in Blend- und Zauberwerken
Dich von dem Lgengeist bestrken,
So hab' ich dich schon unbedinct --
Ihm hat das Schicksal einen Geist gegeben,
Der ungebndigt immer vorwrts dringt,
Und desssn bereiltes Streben
Der Erde Freuden berspringt.
Den schlepp' ich durch das wilde Leben,
Durch flache Unbedeutenheit,
Er soll mir zappeln, starren, kleben,
Und seiner Unersttlichkeit
Soll Speis' und Trank vor gier'gen Lippen schweben;
Er wird Erquickung sich umsonst erflehn,
Und htt' er sich auch nicht dem Teufel bergeben,
Er m$
Hadernpapier gedruckt, in Halbleder gebunden und mit
  einem Bild des Verfasers nach einer Radierung von K. Wilczynski
  versehen ist. Sie ist einmalig, in der Anzahl beschrnkt und durch
  alle Buchhandlungen sowohl wie durch den Verlag direkt zu beziehen.
  Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig.
  +Waldemar Bonsels+
  +Die Biene Maja+
  und ihre Abenteuer
  121. bis 130. Auflage
  Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig
  +Die russische Ausgabe+
  bei G. Sabsowitsch, Verlag, Moskau
  +Die englische Ausgabe+
  bei Ch. E. J. Kidd, Lenares
  +Die dnische Ausgabe+
  bei E. Jespersen, Verlag, Kopenhagen
  +Die schwedische Ausgabe+
  bei C. W. K. Gleerup, Verlag, Lund
  +Die finnische Ausgabe+
  bei Werner Sderstrm Osakeyhti Porvoo, Suomi
  +Die hollndische Ausgabe+
  im Verlag Patria, Amersfort
  Copyright 1912 by Schuster & Loeffler, Berlin
  Spamersche BuQhdruckerei in Leipzig
  +Kapitelfolge+
                                        x                  Seite
     I. Kapitel: Majas Flucht aus de$
ar. Aber es
flimmerte nun im Gras so belebt und frisch, rann in zitternden Trpflein
an den Halmen nieder und funkelte, wie Diamanten im Lampenlicht blitzen.
Maja hatte erkannt, da es ein groer Wassertropfen gewesen war, der
sich im Kelch der Blume in der feuchten Nacht gebildet hatte.
Als sie sich dem Kelch wieder zuwandte, s2hgsie einen Kfer mit braunen
Flgeldecken und einem schwarzen Brustschild am Ei!gang zum Blumenkelch
sitzen. Er war etwas kleiner als sie, behauptete seinen Platz ruhig und
sah sie ernst, aber durchaus nicht unfreundlich an.
Maja begrte ihn hflich.
Gehrte die Kugel Ihnen? fragte sie. Und als der Kfer nicht
antwortete, fgte sie hinzu. Es tut mir sehr leid, sie hinabgeworfen zu
Meinen Sie den Tautropfen? fragte der Kfer und lchelte etwas
berlegen. Deswegen brauchen Sie sich keine Sorge zu machen. Ich hatte
bereits getrunken, und meine Frau trinkt niemals Wasser, weil sie mit
den Nieren zu tun hat. Was wollen Sie hier?
Was ist dies fr eine herrliche Blume? sagte Maja,$
 the prexistence of a good translation, because too much that
is important and interesting would have had to be omitted. I should have
been glad to take the advice of Mephisto,
  Associierteuch mit einem Poeten,
but I was unable to effect a partnership of that kind.
Beginning with No. XL, the selections are given in their original form
without modernization. While Part Second, no less than Part First, looks
to literary rather than linguistic study, it seemed to me very desirable
that the selections from writers of the sixteenth and seventeenth
centuries should represent the literary language of =hat time. By
modernizing I could have dispensed with many a footnote and have made
the texts somewhat easier to read; but that gain would have entailed a
very unfortunat8 loss of savor, and have deprived the selections of all
incidental value as _Sprachproben_. On the other hand, I could see no
advantage in a scrupulous reproduction of careless punctuation, mere
mistakes, or meaningless peculiarities of spelling. As$
chte leben.
  Solch elend Los war ihm gegeben,                 145
  Dass auch sein ussres deutlich sprach
  Von seinem inneren Ungemach.
  Und als der Ritter wusste,
  Dass er bald sterben musste,
  Sprach er also zu seinem Knecht:                 150
  "Mein Trautgesell, vernimm mich recht!
  Ich sehe leider wohl,
  Dass ich bald sterben soll,
  Weil die, die ich so sehr geliebt,
  Grausam zu Tode mich getrbt.                    155
  Das ist nun meine Lage
  Drum hre, was ich sage:
  Wenn meine allerletzte Not
  Vorbei ist, und ich liege tot
  Durch das holdselige Weib,                       160
  So lass aufschneiden meinen Leib
  Und nimm mein Herz heraus,
  All blutig und von Farbe graus.
  Sodann sollst du es salben
  Mit Balsam allenthalben;                        165
  So bleibt es frisch auf Jahr und Tag.
  Und hre, was ich weiter sag'.
  Schaff' dir ein goldnes Bchselein,
  Verziert mit edelem Gestein;
  Darein mein totes Herze tu'                     170
  Lege das Ringlein auch hinzu
  Un$
eich sprach er zu den lieben Freunden,
  Dass sie zur Rachetat sich einten.
  "Wahrhaftig," fiel gleich einer ein,
  "In Stcke reiss' ich ihn so klein,
  Wie Stubchen in dem Sonnenlicht,               1720
  Nimmt ihn vorweg ein andrer nicht.
  Denn mir und meinem Weibe
  Zog er hinweg vom Leibe
  Das letzte Kleid, das unser war;
  Drum ist er mein mit Haut und Haar."            1725
  Ein dritter, der dabei stand sagte:
  "Und wenn er aus sich drei auch machte,
  Ich wollt' ihn tten doch allein.
  Der Schuft schlug Schloss und Tren ein
  Und nahm aus Kch' und Keller frech    3        1730
  Mir auch den letzten Vorrat weg."
  Dem vierten, der das Holz zerhieb,
  Vor Wut kaum noch die Sprache blieb:
  "Ich reisse gleich den Kopf ihm ab
  Und denke, dass ich Ursach' hab'.               1735
  Mein Kind ?n einen Sack er stiess,
  Dieweil's noch schlummerte so sss.
  Mitsamt den Betten stopft' er's ein,
  In dunkler Nacht blieb ich allein.
  Und als es schrie vor Schmerz und Weh,          1740
  Da schleu!$
        85
  Den tut wie ein ror im teich
  Gar leicht
  Ein kleiner wind bewegen.
  Sein haus gebaut ist auf den sand,
  Hat kein bestand,                                             90
  Kan sich nicht halten;
  Wenn in ein kleine snd anficht
  Und nur besticht,[77]
  Wird er zerspalten[78]
  Und lsst die bosheit walten.                                 95
    62: Paul Rebhun, who died in 1546, was a Lutheran schoolmaster and
    pastor. In his _Suaanna_ he essayed a more regular and varied
    versification than that of the ordinary _Knittelvers_. The
    apocryphal story of Susanna was in high favor with th
    Protestant playwrights on account of its vindication of a
    chaste wife.
    63: _Ewig_ = _immer_.
    64: _Meid_; the housemaid who had brought the news to Susanna's
    65: _Sehen an_, 'look on,' 'brinf to light.'
    66: _In_ = _in den_.
    67: _Guter ru_, 'security'; 'I thought I should be safe there.'
    68: _Namens ... fr_, 'they resorted to crime.'
    69: _Er_ = _Ehre_.
    70: _Gsin$
5
  Im kriegrischen Gesicht
  (Er zitterte vor deinem Tod
  Vor seinem aber nicht);
  Verachtete die Kugelsaat,
  Der Stcke Donnerton,                       50
  tritt wtender, tat Heldentat,
  Bis deine Feinde flohn.
  Nun dankt er Gott fr seine Macht,
  Und singt: Viktoria!
  Und alles Blut aus dieser Schlacht          55
  Fliesst nach Theresia.
  Und weigert sie auf diesen Tag,
  Den Frieden vorzuziehn,
  So strme, Friedrich, erst ihr Prag,
  Und dann fhr uns nach Wien!                60
+LXX. RIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK+
1724-1803. By his profound seriousness and the fervor of his utterance,
Klopstock turned German poetry into new channels. Impatient of rime,
which he regarded as an ignoble modern jingle, and averse to the shallow
_Verstandespoesie_ of the reigning Saxon school, he conceived of poetry
as the intense expression of sublimated feeing. His most famous work is
the _Messiah_, a long religious epic in hexameters. In his _Odes_,
composed in the rimeless meters of the Greek and Roman lyri$
kommt
es an, sondern auf die Spuren, die wir in fremder Seele zurckzulassen
vermgen. Das nenne ich Treue, ist _mir_ Treue. Und doch habe ich
manchem etwas frs Leben zu geben gehabt. Ich wei, da das einzig
Sichere der Wandel ist; nie habe ich jemanden halten wollen; meist war
ich es wohl, die fort war, innerlich schon ein wenig entfernt, bevor de

andere es entdeckte. Doch nicht stets schritt ich nur aus Menschenliebe
weiter, so selbstlos war ich nicht; oft lockte mich schon leise, ganz
leise, eine fremde Seele. Mit ihr mich zu vereinen, trieb es mein Herz;
denn immer hat auch mein Herz seinen Anteil haben wollen. Durch
wunderbare Gefilde bin ich geschritten, -- frei und doch gefesselt.
Nein, ich htte nicht immer nur denselben Garten durchwandeln knnen.
Ich liebte es, Neuland zu entdecken. Dort, wo viele nur kahles Feld
saven, ahnte ich bereits wogendes Blhen. Ohne Mhe neigten sich mir
tausend -- den Vielen nicht sichtbare -- Herrlichkeiten entgegen. --
So einach, Roland, drfen Sie sich nun aber nic$
hilfloses Mdchen Verschlagene, die dennoch, wo sie auch ist, sorgend
und weiblich durch Rat, Pflege und Hilfeleistung eine Sphre der Liebe
um sich zieht, die endlich als knftige Gattin und Mutter in einen neuen
Familienkreis einzieht, den sie durch ihre Einkehr vollendet und
abschliet. Gleich bei den ersten Schritten, die die beiden Freunde
unter die Menge thun, treffen sie diese in Streit: die Mnner drohen
einander, die Weiber mischen sich schreiend ein. Das hliche Bild wird
aber rasch vor den Augen weggezogen und es folgt eine vershnende
patriarchalische Szene. Ein langes Zwiegesprch zwischen dem Pfar:er und
dem ehrwrdigen Richter der Gemein0e fllt den Schlu des fnften und
den Anfang des sechsten Gesanges. Wirxerhalten eine Schilderung des
Verlaufes der Revolution, der Freiheitsbegeisterung, der darauf
folgenden Enttuschung, der Greuel des Krieges; wir hren von Dorotheens
heroischer Selbstverteidigung. Unterdes hat der Apotheker das Mdchen
aufgesprt und zieht den geistlichen Herrn mit fort.$
er
Mnch, der Bruder Alonso de Jesu Maria, der viele Jahre in einer Einde
der Estremadura nur seinen gttlichen Visionen gelebt hatte und fr
einen Propheten galt.
Eines Tages erschallt groer Lrm aus der Vorhalle, und als die
Herzogin zornig und befremdet heraustrat, schwiegen alle bis auf einen
halbnackten bleichen Fremdling, der sich in AnrufungeK und
Verwnschungen erging, weil Diener und Wachen ihm den Eintritt
verwehrten. Dies war der Bruder Alonso, ein noch junger bartloser
Mensch, verwstet durch Askese, hager wie ein Pfahl, Beredt wie ein
Trunkener, feurig wie ein Verliebter. Diesem armseligsten der Geschpfe
lieh Johanna das Ohr, so vielleicht zum ersten Mal dem Zuspruch eines
Andern untertan.
Er begann damit, da er der Infantin von einem Knig erzhlte, welcher
nach der Zeit von sieben Jahren aus dem Tod wieder zum Leben
aufgestanden sei. Auch mit Philipp werde ein gleiches geschehen, wenn
die keusche Liebe Johannas und ihr unerschtterlicher Wille jeden
eigenen Schmerz vergesse, keine selbstis$

Ein Laut drngte sich auf Johannas Lippen. Ihr war, als seien Brust und
Leib mit Feuer angefllt. Schon wollte sie reden, da gedachte sie noch
zu rechter Zeit der Worte des Mnchs: zu vergessen jeden eigenen Schmerz
und jde eigene Lust.
Stumm und khl nickte sie dem Knaben zu, wandte sich ab und ging weiter.
Mit tief gesenktem Haupt folgte ihr der treue Falkner Jan DalauPes.
       *       *       *       *       *
Drei Tage spter verlie Donna Johanna die flandrische Stadt und zog mit
neugeworbenen Sldnern den Rhein hinauf gegen Kln und Mainz und ber
Franken an die Donau und weiter, wochen- und monatelang, Sommer und
Winter hindurch, manchmal bei Tage und fter bei Nacht. Da und dort nahm
sie Aufenthalt; in Regensburg blieb sie acht Monate, in Landshut sechs,
in Augsburg fnf. An den Hof des Kaisers zu gehen wagte sie nicht. Die
Schlsser der Edelleute gaben ihr gute Unterkunft, denn es war bekannt,
da sie mit kniglichen Geschenken lohnte. Zu Memmingen lie sie eine
Kpelle erbauen und in Ulm eine ga$
sich nicht zu weit entfernen knnte.
Als die Stallthr geffnet wurde, scho die Kuh wie der Wind davon, der
Hirte aber lief den Halfter festhaltend neben ihr her, und blieb keinen
Schritt zurck. Der Knig und die Zuschauer aus der Stadt erstaunten
ber die wunderbare Schnelligkeit des Mannes, denn bis hierzu hatte noch
Keiner auc nur ein paar hundert Schritt weit neben der Kuh herlaufen
knnen. Wiewohl _Schnellfu_ sobald keine Emmdung zu frchten hatte, so
hielt er es doch fr gerathen, die Kuh zu besteigen, sobald er den
Leuten aus den Augen war. Er sprang auf den Rcken des Thieres, hielt
sich am Halfter fest und lie sich weiter tragen. Es war noch frh am
Morgen, als die Rennthierkuh schon merkte, da von diesem Hirten nicht
loszukommen sei; sie hielt den Schritt an und rupfte das Gras vom Boden.
_Schnellfu_ sprang ab und warf sich unter einen Busch, um auszuruhen,
hiett aber den Halfter fest, damit die Kuh nicht davon liefe. Als die
Sonne um Mittag brannte, legte sich auch die Kuh neben ihn in den
$
s Leben kam ihr vor
wie ein dunkler sternenloser Nachthimmel.
Whrend wir Else ihrem Kummer berlassen, wollen wir uns ins Dorf
begeben, um zu sehen, wie die Sachen auf dem vterlichen Hofe gehen, wo
das _Lehmbild_ an ihrer Statt der Prgelklotz ihrer Stiefmutter war. Da
ein bses Weib im Alter nicht besser wird, ist eine bekannte Sache; man
erfhrt wohl, da aus einem hitzigen Jnglinge im Alter ein frommes Lamm
wird, aber kommt ein Mdchen, das kein gutes Herz hat, unter die Haube,
so wird sie auf die alten Tage wie ein reiender Wolf. Wie ein
Hllenbrand qulte die Stiefmutter das Lehmbild Tag und Nacht, aber dem
starren Geschpfe, desse	 Krper keinen Schmerz empfand, schadete es
nicht. Wollte der Mann einmal dem Kinde zu Hlfe kommen, so setzte es
fr ihn gleichfalls Prgel, zum Lohn fr seinen Versuch Frieden zu
stiften. Eines Tages hatte die Stiefmutter ihre Lehmtochter wieder
frchterlich genchlagen und drohte ihr dann, sie umzubringen. Wthend
packte sie das Lehmbild mit beiden Hnden an der Grgel,$
r bot, und
das Mdchen hatte weiter keine Mhe, als das Getraide oben
hineinzuschtten und das Mehl unten herauszunehmen. Den Deckel des
Kastens durfte sie aber nicht ffnen, der Bettler hatte es ihr streng
verboten, indem er hinzufgte: das wrde dein Tod sein!
Die Wirthin kam bald dahinter, da der Kasten dem Waisenkinde beim
Mahlen half, sie beschlo daher das Mdchen aus dem Hause zu jagen und
afr den Mahlkasten zu behalten, der kein Futter verlangen wrde.
Zuerst wollte sie sich aber mit dem Dinge nher bekannt machen, um zu
sehen, wo denn der Wundermller eigentlih stecke. Die Begierde, das
Geheimni herauszubringen, stachelte das Weib Tag und Nacht. An einem
Sonntag Morgen schickte sie das Waisenkind zur Kirche, und sagte, sie
selbst woqle da bleiben, um das Haus zu hten. Ein so freundliches
Anerbieten hatte die Waise noch niemals vernommen; vergngt zog sie ein
reines Hemd und etwas bessere Kleider an, und machte sich eilig auf den
Weg. Die Wirthin lauerte so lange hinter der Thr, bis ihr das Md$
Reval 1861. S. 134, ist der Dudelsack Erfindung =Tara's=, und steht
mit den altheidnischen Volkssitten und Gtterdiensten in Zusammenhang,
wehalb christlicher Eifer das Instrument auf den #eufel zurckfhrte),
so kennt die ehstnische Sage doch auch den =ike= oder =Pikker=, der Donner
und Blitz hervorbringt, indem er auf einem Wagen mit erzbeschlagenen
Rdern ber Eisenbrcken dahin rasselO, Kalewipog =III=, 12 ff. vgl. mit
=XX=. 728 ff. Hier wird man sogleich an Thunar-Thor erinnert.
Was den Donnersohn betrifft, so theilt _Kreutzwald_ zu _Boecler_ auf S. 11
mit, er (Kreutzwald) habe in Wierland (dem nordstlichen Uferdistrict
Ehstlands) den Namen =Pikse-ksepois=, d. h. des Gewitters Befehlsknabe,
gehrt, aber nicht erfahren, wer damit gemeint sei. Nach ehstnischer
Tradition ist der Lijonsengel, der in unserm Mrchen 9 zum Fischer, und
in 10 zum Fischer Lijon umgestaltet ist, Vermittle] zwischen den
Sterblichen und dem =Tara= oder Altvater, und _der Gott auf der Erde, der
mit dem Gewitter zusammengeht_.$
n. Die einem Manne bis zum Knie reichenden Mnnlein hatten Kpfe, die
grer waren als ihre winzigen Leiber, und fhrten Hmmer, die mehr als
doppelt so gro waren, als ihre Trger. Aber sie hmmerten mit ihren
schweren Eisenkeulen so wacer auf den Ambos los, da die krftigsten
Mnner keine wuchtigeren Schlge htten fhren knnen. Bekleidet waren
die kleinen Schmiede nur mit Lederschrzen, die vom Halse bis zu den
Fen reichten; auf der Rckseite waren die Krper nackend, wie Gott sie
geschaffen hatte. Im Hintergrund an der Wand sasder Hansen wohlbekannte
Mann mit dem Tannenstocke auf einem hohen Block, und gab scharf Acht auf
die Arbeit der kleinen Gesellen. Zu seinen Fen stand eine groe Kanne,
aus welcher die Arbeiter ab und zu einen Trunk thaten. Der Herr der
Schmiede hatte nicht mehr die weien Kleider von gestern an, sondern
trug einen schwarzen ruigen Rock und um die Hften einen Ledergrtel
mit groer Schnalle; mit seinem Tannenstocke gab er den Gesellen von
Zeit zu Zeit einen Wink, denn dasM$
tte lehren knnen. Aber geraume Aeit
verflo, ohne da er von dem Ringe etwas gehrt htte. Da geschah es
eines Abends, als er vom Gang und der Hitze ermdet, sich zeitig im
Walde unter einem Baume niedergelassen hatte, um sein Abendbrot zu
verzehren, da auf hohem Wpfel zwei buntgefiederte fremde Vgel ein
Gesprch mit einander fhrten, welches ihn betraf. Der erste Vogel
sagte: Ich kenne den windigen Herumtreiber unter dem Baume da, der
schon so lange wandert, ohne die Spur zu finden. Er sucht den verlorenen
Ring des Knigs Salomo. Der andere Vogel erwiederte: Ich glaube, er
mte bei der Hllenjungfrau Hlfe suchen, die wre gewi im Stande ihm
auf die Spur zu helfen. Wenn sie den Ring auch nicht selbst hat, so wei
sie doch ganz genau, wer das Kleinod jetzt besitzt. Der erste Vogel
versetzte: Das wre schon recht, aber wo soll er die Hllenjungfrau
auffinden, die nirgends eine bleibende Sttte hat, sondern heute hier
und morgen dort wohnt: eben so gut knnte er die Luft  est halten! Der
andere Vog$
lchen nehme und
ihm zeige -- wobei er dann vielleiht Gelegenheit fnde, sich des
Wunderringes zu bemchtigen. Er wagte aber nicht, die Jungfrau geradezu
darum zu bitten, da sie ihm den Ring zeige. Er umschmeichelte sie und
geberdete sich zrtlich, aber sein Herz sann nu darauf, in den Besitz
des Ringes zu gelangen. Schon nahm die Jungfrau den Schlssel zum
Kstchen aus dem Busen, um es aufzuschlieen, aber sie stckte ihn
wieder zu sich und sagte: Dazu haben wir knftig noch Zeit genug. Ein
Paar Tage darauf kam die Rede wieder auf den Wunderring, und der
Jngling sagte: Nach meinem Dafrhalten sind solche Dinge, wie ihr sie
mir von der Kraft eures Ringes erzhlt, schlechterdings nicht mglich.
Da ffnete die Jungfrau das Schchtelchen und nahm den Ring heraus, der
zwischen ihren Fingern blitzte wie der hellste Sonnenstrahl. Dann
steckte sie ihn zum Spae an den Mittelfinger ihrer linken Hand und
sagte dem Jngling, er solle ein Messer nehmen und damit auf sie
losstechen wohin er wolle, denn es knne ih$
 schlug
die Maultrommel, da kroch eine milchweie Schlange unter dem Steine
hervor, hob den Kopf, als wollte sie zuhren, und blickte den Prtel mit
ihren klaren Augen an, die wie feurige Funken glnzten. Dies wiederholte
sich in dr Folge, wehalb Prtel, sobald er nur freie Zeit hatte, immer
nach seinem Steine eilte, um die schne weie Schlange zu sehen, die
sich zuletzt so an ihn gewhnt hatte, da sie sich oftmals um seine
Prtel war nun in das Jnglingsalter getreten, seine beide Eltern waren
gestorben, und seine Brder und Schwestern lebten alle weit entfernt, so
da sie nicht viel von einander hrten, geschweige denn einander sahen.
Aber lieber als Brder und Schwestern war iHm die weie Schlange
geworden; bei Tage waren seine Gedanken auf sie gerichtet, und fast jede
Nacht trumte er von ihr. Dehalb wurde ihm die Winterzeit sehr lange,
wo tiefer Schnee lag und der Boden gefroren war. Als im Frhling die
Sonnenstrahlen den Schnee geschmolzen und den Boden aufgehaut hatten,
war Prtels erster Gang wi$
ammer drang. In der Mitte
derselben stand ein Eichenblock, und auf diesem lag ein breites Beil;
der ganze Fuboden war mit geronnenem Blute bedeckt! Was aber das
Grlichste war, und den letzten Blutstropfen in ihren Herzen erstarren
machte: hinten an der Wand standen in einer Reihe auf einem langen
Tische die blutigen Kpfe der frheren eilf Frauen! Diese unglcklichen
Geschpfe hatten alle in dieser Mordkammer den Tod gefunden
--wahrscheinlich weil auch sie in ihrem Vorwitze des Mannes Verbot
ber\reten hatten.
Derselbe grliche Tod drohte auch jetzt der zwlften Frau, denn sie
sagte sich sogleich, da der teuflische Mann, der die andern uPgebracht
habe, ihr auch keine Barmherzigkeit schenken werde. Schon sah sie ihren
Hals auf dm blutigen Blocke, fhlte die Schneide des Beils in ihrem
Nacken, als sie voll Entsetzen ber die Schwelle zurckschwankte. Den
Schlssel hatte sie beim Einstecken auf den Boden fallen lassen; als sie
ihn jetzt aufhob, fand sie blutige Rostflecken daran, die kein Wischen
und kein $
achen, du seiest vom Hafen her dem Schiffe
nachgeschwommen. Obwohl dem Tiidu ein wenig bange wurde, hoffte er doch
mit Hlfe des Taues sich eine Zeit lang ber Wasser zu halten, da er ein
guter Schwimmer war. Sobald er in's Wasser gelassen worden, weckte sein
Freund die anderen Matrosen und zeigte ihnen die menschliche Gestalt,
die schwimmend dem Schiffe folgte. Die Leutevsperrten Mund und Augen
auf, als sie das seltsame Abenteuer erblickten, u0d weckten auch den
Schiffer, damit er sich die Sache aAsehe. Dieser schlug dreimal das
Kreuz und fragte dann den Schwimmer: Bekenne wahrhaft, wer du bist,
ein Geist oder ein sterblicher Mensch? Der Schwimmer antwortete: Ein
armer sterblicher Mensch, dessen Kraft bald erschpft sein wird, wenn
ihr euch seiner nicht erbarmt. Der Schiffer lie nun ein Tau in's Meer
werfen, um den Schwimmenden daran heraufzuziehen. Als Tiidu das Ende des
Taues gefat hatte, schnitt er erst mit einem Messer das um seinen Leib
geschlungene Tau entzwei und bat sodann, man mge ihn herauf$
 auf ein Wunder,
Sa er eine Strecke geschwommen war, wie es Keiner fr mglich gehalten.
Weiterhin machte ihnen sein schnes Dudelsackspiel groe Freude, und
der Schiffer gestand mehr als einmal, da er noch nie einen so
herrlichen Dudelsack gehrt habe. Als das Schiff nach einigen Tagen in
Land Kungla vor Anker gegangen war, verbreitete sich durch der
Schiffsleute Mund mit Windesschnelle die Kunde von dem melodischen
Fisch, den sie im Meere gefangen, und der Nacht und Tag dem Schiffe
nachgeschwommen wre. Natrlich durften Tiidu und sein Freund dieser
Erzhlung nicht widersprechen, da sie sich sonst selber in Gefahr
gebracht htten. Die wunderbare Mr verschaffte dem Tiidu an der fremden
Kste viele Freunde, weil Jeder die wunderbare Schwimmfahrt aus seinem
eigenen Munde hren wollte. Da mute denn der Bursche aus der Noth eine
Tugend machen, und_den Leuten v,rlgen, da es puffte. Es wurde ihm mehr
als ein Dienst angeboten, allein er lehnte alle ab, weil er frchtete,
als Lgner dazustehen, sobald sein Herr$
er das Feld gehen in mehreren Richtungen
Alleen, in den Grten und dem Weinberg stehen einzelne Fruchtbume, im
Park ist ein dichtes und dunkles Gebsch, und der See ist vom Walde
umkrnzt, sowie auch alle Inseln darauf mit Bumen und Bschen
eingefat. Ich habe eine besondere Liebe zu den Bumen und lasse nicht
gern einen wegnemen, nicht einmal gern verpflanzen. Es hat so etwas
Trauriges, einen armen Baum von der Umgebung, in der er viele Jahre
heimisch geworden war, in eine neue und in neuen Boden zu bringen, aus
dem er nun, wie unwohl es ihm werden mag, nicht mehr herauskann, sondern
langsam schmachtend sein Ausgehe erwarten mu. berhaupt liegt in den
Bumen ein unglaublicher Charakter der Sehnsucht, wenn sie so fest und
beschrnkt im Boden stehen und sich mit den Wipfeln, so weit sie knnen,
ber die Grenzen der Wurzeln hinausbewegen. Ich kenne nichts in der
Natur, was so gemacht wre, Symbol der Sehnsucht zu sein. Im Grunde geht
em dem Menschen mit aller scheinbaren Beweglichkeit aber nicht anders.
Er$
nd uerlichen an mich
wenden. Sie werden mich in allem immer gleich finden.
Ich klagte erst ber das schnelle Verfliegen der Zeit, und wie ih es
sagte, so ist es in Absicht der Arbeiten, die mich beschftigen, auch
wahr. Sonst aber kann ich nicht sagen, da mich diese Schnelligkeit
beunruhigt, oder mir lstig ist. Ich scheue das Alter nicht, und deA Tod
habe ich, durch eine sonderbare innere Stimmung, vielleicht von meiner
Jugend an, nicht blo als eine so rein menschliche Begebenheit
angesehen, da sie einen, der ber Menschenschicksale zu denken gewohnt
ist, unmglich betrben kann, sondern eher als etwas Erfreuliches. Jetzt
ist meine Rechnung mit der Welt lngst abgeschlossen. Ich verlange vom
langen Leben weiter nichts, ich habe keine weit aussehenden Plne, nehme
jeden Genu dankbar aus der Hand des Geschickes, wrde es aber sehr
tricht finden, darwn zu hngen, da das noch lange so fortdauere. Meine
Gedanken, meine Empfindungen sind doch eigentlich der Kreis, in dem ich
lebe und durch den ich geniee$
}, _there is_ (or
_must be_) _some misconception as to her being a ..._
25-9. {Knigge's Umgang mit Menschen,=} _Baron Knigge's_ (1751-1796)
once famous standard book _Instruction in Deportment_.
25-10. {=Pen=}(pronounce as in French){=sionsmutter=}.
=Page 26.=--25-1. {=sich=} (dat. = {mit sich}), _with himself_; _in
25-2. {=das=}, refers to the kissing and embracing.
25-3. {=kurze Verlobungszeit=}, while as a rule, in Germany, years
elapse _between betrothal and marriage_ of a young couple.
25-4. {=bei mir=} ({zu Hause} being understood).
25-5. {=wohin=} ({wir reisen sollten} being understood).
25-6. {kamen =gefahren=}. Note the idiomatic use of the
perf. partic. instead of the pres. partic. after {kommen}--_came
riding_ or _driving_.
25-7. {=wo ... hin=fhrt} (separated), for the more common form
{wohin ... fhrt}. Cf. Page 24, Note 2.
25-8. {=Kassel=}, capital of the Prussian province of Hesse-Kassel.
25-9. {=hast du=} (cf. Page 2, Note ) = {wenn} (time) {du hast}.
25-10. {=Frankfurt a. M.=}, _Fran$
_ (_pl._ {-en},) remonstrance.
{=gehalten=} (_p.p._), staid, grave.
{=Geheimnis=}, _n._ (_pl._ {-se},) secret.
{=gehen= (ging, gegangen)}, to go, to come, to wa(k, to pass, to
{=gehren=}, to belong (to, _dat._); {dazu gehren zwei}, it requires
two (participants); {gehrt in} (_dialect._) = {gehrt dem}.
{=gehrig=}, due (duly), thorough(ly).
{=Geist=}, _m._, mind, mind's eye, soul.
{=geistvoll=}, full of spirit, intelligent.
{=Geld=}, _n._ (_pl._ {-er},) money; "gold," (_Longfellow_).
{=Geldbeutel=}, _m._ (_pl._ {--},) purse, money-bag.
{=gelegen=}, _see_ {liegen}.
{=Gelegenheit=}, _f._ (_pl._ {-en},) occasion; {bei Gelegenheit}, at
(on) the occasion, in cases.
{=geleiten=}, to accompany, to conduct.
{=geliebt=} (_p.p._), belved.
{=gelitten=}, _see_ {leiden}.
{=gelten= (galt, gegolten)}, to mean, to concern; {es gilt ein
Leben}, a life is at stake.
{=geme]nsam=}, common(ly), mutual(ly).
{=Gemsbart=} _m._ (_pl._ {[:-]e},) chamois-beard, chamois-hair
{=Gemsbock=}, _m._ (_pl._ {[:-]e},) chamoi$
 zu sein. Ein Miverstndnis ist es, und wir gehen
daran zugrunde.
Vor dem Gesetz.
Vor dem Gesetz steht ein Trhter. Zu diesem Trhter kommt ein Mann vom
Lande und bittet um Eintritt in das Gsetz. Aber der Trhter sagt, da
er ihm jetzt den Eintritt nicht gewhren knne. Der Mann berlegt und
fragt dann, ob er also spter werde eintreten drfen. Es ist mglich,
sagt der Trhter, jetzt aber nicht. Da das Tor zum Gesetz offensteht
wie immer und der Trhter beiseite tritt, bckt sich der Mann, um durch
das Tor in das Innere zu qehn. Als der Trhter das merkt, lacht er und
sagt: Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes
hineinzugehn. Merke aber: Ich bin mchtig. Und ich bin nur der unterste
Trhter. Von Saal zu Saal stehn aber Trhter, einer mchiger als der
andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich mehr
ertragen. Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet;
das Gesetz soll doch jedem und immer zugnglich sein, denkt er, aber als
er jetzt de$
d und die reine,
frische Herbstluft wohlig einschlrfend zurck -- gerade recht zum
Mittagsessen.
Man speiste; man hielt Siesta, -- der Oberst die seinige diesmal in
seinem Ehrensessel im bilderbunten Hinterstbchen.
Punkt drei Uhr trat er erfrischt wiederum in die Offizin, um noch einen
Kristeller zu nehmen. Dann wute er den eg in die Kche schon ganz
genau und brauchte keinen Fhrer auf demselben.
Frulein Dorette, sagte er, jetzt wre der gnstige Augenblick
vorhanden. Soeben habe ich den guten Philipp auf seine Materialkammer
geleitet, und wir beide, liebes Frulein, haben hier unten das Reich
allein. Kinder, Kinder, ich freue mich kindlich, so familienfreundlich
mit euch zuEammen zu sein! Und wir bleiben eine Fa*ilie -- nicht wahr,
wir bleiben e i n e Familie? -- Es ist zu prchtig! Da drauen der
deutsche Herbsthimmel, hier innen die deutsche Ofenwrme und -- das
liebe Brasilien wie das Land der Verheiung in der Ferne! Senhora, ich
erlaube mir, Ihnen meinen Arm anzubieten.
Er fhrte richtig die$
ehen, und da nahm
ich mir selbst ie Freiheit, ein wenig anzuklopfen.
=Frau Alving.= Nun ja, ja. Kommen Sie nur herein. Wollen Sie mit mir
=Engstrand= (tritt ein). Nein, ich danke unterthnigst. Ich mchte gern
mit dem Herrn Pastor ein kleines Wort reden.
=Pastor Manders= (geht auf und ab). Hm! Mit mir wollen Sie sprechen? Das
wollten Sie?
=Engstrand.= Ja, ich mchte gern -- d-
=Pastor Manders= (bleibt vor ihm stehen). Nun, darf ich fragen, was
Sie mchten?
=Engstrand.= Ja, es wa nmlich das, Herr Pastor, da wir da unten
klariren. Vielen Dank, gndige Frau. -- Und nun sind wir mit allem
fertig; und da scheint es mir, da es so schn und passend wre, wenn
wir, die wir whrend der ganzen Zeit so ehrlich mit einander gearbeitet
haben -- wenn wir heute Abend mit einer kleinen Andacht schlssen.
=Pastor Manders.= Eine Andacht? Unten im Asyl?
=Engstrand.= Ja, aber wenn es dem Herrn Pastor nicht passend scheint, so
=Pastor Manders.= O gewi scheint es mir das, aber -- hm --
=Engstrand.= Ich habe oft selbst des $
 ist wunderschn; ich mchte es im
Deutschen lesen.
Herr Meister: Das werden wir auch thun, aber spter, meine Freunde,
              *     *     *     *     *
Otto: Wissen Sie auch, Herr Meister, da mein Bruder Louis diesen
Sommer einen Preis gewonnen (ich gewinne, ich gewann, ich habe
gewonnen) hat im Bogenschieen?
Herr Meister: So?
Otto: Ja, Louis hat einen ..... einen e.... o, was fr einen Namen hat
das Ding? Es hat die Form eines Glases, aber es ist kein Glas, es ist
Gold. Man trinkt Wein daraus (= au= das = da--aus = dar aus).
Herr Meister: Ein Becher?
Otto: Ja, ein Becher. Das ist das Wort. Ja, Louis hat diesen Sommer
einen goldnen Becher, als Preis, gewonnen. Und an dem Becher steht:
Dem besten Schtzen. 24. August 1878.
Herr Meister: Es freut mich, das zu hren. Ich gratuliere Ihnen,
Louis: Ich danke Ihnen, Herr Meister.
Anna: Wie kam das, Louis? Erzhlen Sie mir.
Bella: Bitte, bitte, Louis.
Louis: Meine Eltern, meinBruder Otto und ich waren diesen Sommer in
den Neu-England-Staaten in einer kl$
 Zwei schne Augen sahen auf alle und
hofften; der Jngling8kam nicht mehr.
              *     *     *     *     *
Louis: Diese Erzhlung ist wunderschn; ich danke Ihnen vielmal,
Frulein Anna.
Otto: Ist diese Erzhlung nicht aus Schillers Gedicht: Der Taucher?
Herr Meister: So ist es. Wir mssen bald beginnen, Gedichte von
Schiller zu lesen.
Bella: Knnen wir das bald, Herr Meister?
Herr Meister: Gewi, meine Freundin.
Bella: O, wie ich mich freue! Aber, Herr Meister, wollen Sie uns
entschuldigen, wennwir heute eine Viertelstunde (= 15 Minuten) frher
gehen? Unsere Freundin, meine Schwester und ich wollen heute vieles
Herr Meister: Ah, wir haben bald Weihnachten.
Anna: Wir wollen heute eine Schlittenpartie machen.
Herr Meister: Gewi, meine Damen, gehen Sie. Ich hoffe, da Sie
schnes Wetter haben werden. Halt! Ich habe hier eine Idee. Wenn Sie
heute Abend zu Hause sind, meine Freunde, dann denken Sie nach ber
diesen Satz: Ich hoffe, da Sie schnes Wetter haben werden,und
sagen Sie mir morgen, wie $
eich, wenn du bestrafest,
      Noch gro seyn, wenn du die Bitte versagst.
    Bey allem Beyfall der Welt, Tnd bey der Liebe der Frsten,
      Wird der Gedanke dir niemals entfliehn,
    Da das vollkommenste Glck in einem reinen Gewissen,
      Die wahre Hoheit im Herzen besteht.
    Kein Mensch ist edel und frey, der den Begierden gehorchet,
      Noch gro, wofern er dem Schpfer nicht dient;
   Er sey das Wunder der Welt, er sey der Knig der Helden,
      Stets ist er ohne die Tugend ein Knecht.
    Dich wird in Zukunft, ein Volk, das Volk der Schmeichler belagern,
      Die Pest der grossen und glc:lichen Welt;
    Doch, stolz auf wahres Verdienst, wirst du den Lobspruch verachten,
      Den dir der Richter im Herzen versagt.
    Von edler Absicht erfllt, wird dich die Mhe nicht qulen,
      Zu scheinen, was man doch wirklich nicht ist.
    Von edler Absicht erfllt, wirst du dir immerfort hnlich
      Und auch im kleinen noch liebenswerth seyn.
    Der Ruhm, der Beyfall der Welt, ist der Verdi$
mnisse
kennen, seine Absichten ausspren, voll Neid sein Steigen sehen und mit
Vergngen seinen Fall erwarten. Daher sein zweideutiger, unentschiedener
Charakter, der zwischen Sympathie fr das, was auf der Hhe steht, und
Ha gegen diejenigen, die nun oben sind, hin- und herschwnkt. Er ist,
wie er selbst sagt, Aristokrat, hat die Geheimnisse der guten
Gesellschaft gelernt, ist gewandt im Benehmen, aber bisweilen roh, trgt
bereits mit Eleganz den berrock, ohne jedoch eine Garantie zu bieten,
da er rein auf dem Krper ist.
Er hat Respekt vor dem Frulein, aber Angst vor Christine, da sie seine
gefhrlichen Geheimnisse kennt; er ist gefhllos genug, nicht die
Ereignisse der Nacht strend in seine Zukunftsplne eingreifen u
lassen. Mit der Rohheit des Knechtes und dem Mangel an Weichherzigkeit
des Herrschers kann er Blut sehen, ohne zu erblassen, ein Migeschick
auf den Rcken nehmen und es a6s dem Wege schleudern; darum geht er auch
unverwundet aus dem Kampfe hervor und endet wahrscheinlich als
Hotelwirt, $
chte
mich reisefertig; doch htte ich mein Blaserohr auch gerne mitgenommen,
allein so wute ichs nicht mit fortzubringen und besorgte, es mchte mir
unterwegens gestohlen oder genommen werden, lie also dasselbe zu Hause
und versteckte es auf dem obersten Boden hinter die Feuermauer und t#at
in dem vierundzwanzigsten Jahre meines Alters meine sehr gefhrliche
Reise an. Was ich nun in der Fremde zu Wasser und Lande berall gesehen,
gehrt, erfahren und ausgestanden, das wird in den folg7nden Kapiteln
mit hchster Verwunderung zu vernehmen sein.
[3] aus Lge und Legende gebildet.
[4] will mich aufmachen.
[5] von Zwillich, grobem Zeug.
Der Kuckuck fing gleich denselben Tag das erstemal im Jahre an zu rufen,
als ich in Schelmerode von meiner Frau Mutter Abschied nahm, ihr um den
Hals fiel, sie auf jedweden Backen zu gumer Letzt dreimal herzte und
hernach immer zum Tore hinaus wanderte. Wie ich nun vor das Tor kam, O
sapperment! wie kam mir alles so weitlufig in der Welt vor, da wute
ich nun, der Tebel hol $
ie mir den Stein, auf welchem der Patriarch
Jakob sollte gesessen haben, wie er im Traum die Himmelsleiter gesehen
htte. Von da fhren wir wieder fort und kamen an einen Ort, allwo ein
gro Beil hing, mit demselben wre gar einer vornehmen Person der Kopf
abgeschlagen worden[51]. Sie nannten mir auch, wiedie Person geheien
htte, allein ich kann mich, der Tebel hol mer, nicht mehr drauf
besinnen. Wie sie mir nun dieses und jenes alles gezeigt, fuhren wir
wieder zu Herrn Toffeln, bei welchem ich wieder mitspeiste. Ich mu
gestehen, da mir in London, der Tebel hol mer, groe Ehre die drei Jahr
ber, als ich da gewesen bin, widerfahren ist, und absonderlich von dem
vornehmen Lord Herrn Toffeln und seiner Jungfer Muhmen.
[51] Anspielung auf die Hinrichtung des KWonprtendenten Monmouth
Als ich nun von denselben Abschied nahm und mich auf die Spanische See
begab, haben, der Tebel hol mer, dieselben Menscher die bittersten
Zhren gegranst, da ich von ihnen reiste, sie baten mich wohl
hundertmal, da ich bei ih$
n sechsten Tag allererst wieder was, da ich, der Tebel hol mer,
vielmal drei Tage habe hungern mssen. -- Kurz zuvor, ehe mir der
Kerkermeister gege Auslsung von hundert Reichstalern die Freiheit
ankndigte, so kam ein Gespenst zu mir vors Gefngnis: Sapperment! als
ich das Irreding sah, wie fing ich an zu schreien! Das Gespenst redete
mich aber sehr artig an und sagte mit diesen Worten: Anmutiger
Jnglirg, du wirst zu deiner Freiheit bald wieder gelangen, gedulde dich
nur noch ein klein bischen. Als ich diese Worte hrte, wute ich, der
Tebel hol mer, nicht, ob ich Mdchen oder Bbchen war, teils erschrak
ich darber, teils freute ich mich auch drber, weil es von dem
anmutigen Jnglinge und von der Freiheit schwatzte. Ich war her, fate
mir ein Herz und fragte das Gespenst, wer es wre. So gab es mir sehr
artig wieder zur Antwort und sagte, es wre der Charmante als meiner
gewesenen Liebsten ihr Geist, welche dort bei Bornholm zu Schiffe mit
sechstausend ersaufen mssen. Wie ich nun dieses hrte, daߨa$
Studenten, ich fragte auch, warum sie solches tten, so
wurde mir zur AntwIrt gegeben: deswegen wurde er nur der unreife Student
geheien, weil er noch nicht tchtig auf die Universitt wre, und dazu
so hielte ihm seine Mutter noch tglich einen Moderator[74], welcher ihn
den Donat[75] und Grammatika lernen mute. Damit aber der unreife
Student die SKhande nicht haben wollte, als wenn er noch unter der
Schulrute erzogen wrde, so machte er den andern Studenten weis, der
Moderator wre sein Stubengeselle.
[73] gefoppt.
[74] Pauker.
[75] lateinische Grammatik.
Indem mir nun einer von den Hausburschen solches erzhlt hatte und noch
mehr Dinge von dem unreifen Studenten erzhlen wollte, so wurde ich
gleich zur Mahlzeit gerufen. ber Tische fing der Fremde nun wieder an,
von seinen Reisen aufzuschneiden, und erzhlte, wie da er wre in
Frankreich gewesen und bei einem Haare die Ehre gehabt, den Knig zu
sehen. Wie ihn nun seine Schwestern fragten, wa vor neue Moden jetzo in
Frankreich wren, so gab er ihnen zur$
sei,ihn wieder zu
Endlich nahm der Sultan das Wort und sprach: Geliebte Tochter, ich will
glauben, da die FreudN des Wiedersehens dich in meinen Augen so munter
und so wenig verndert erscheinen lt, wie wenn dir nichts Unangenehmes
zugestoen wre, und doch bin ich berzeugt, da du sehr viel gelitten
hast. Ich wnche nun, da du mir erzhlst, wie die Sache zuging, und
mir nichts verhehlest.
Die Prinzessin machte sich ein Vergngen daraus, den Wunsch ihres Vaters
zu erfllen.
Um es frei herauszusagen, mein ganzes Unglck bestand darin, da ich
mich dir und meinem teuren Gemahl entrissen sah. Was meine Entfhrung
betrifft, so hat Alaeddin nicht den mindesten Teil daran: ich selbst bin
allein daran schuld, aber auf eine hchst unschuldige Weise. Um nun den
Sultan von der Wahrheit ihrer Worte zu berzeugen, erzhlte sie ihm
umstndlich, wie der afrikanische Zauberer sich in einen Lampenhndler
verkleidet habe, der alte Lampen gegen neue eintauschte, und wie sie
dann zur Kurzweil Alaeddins Lampe, deren g$
 und Kindern, spricht von
frhlichen Weihnachten. Ich gehe nach Bedlam.
Der Diener hatte, indem er den Neffen hinauslie, zwei andere Personen
eingelassen. Es waren zwei behbige, wohlansehnliche Herren, die jetzt,
den Hut in der Hand, in Scrooges Comptoir standen. Sie hatten Bcher und
Papiere in der Hand und verbeugten sich.
Scrooge und Marley, glaube ich, sagte einer der Herren, indem er auf
seine Liste sah. Hab' ich die Ehre, mit Mr. Scrooge oder mit Mr. varley
zu sprechen?
Mr. Marley ist seit sieben Jahren tot, antwortete Scrooge. Er starb
heute vor sieben Jahren.
Wir zweifeln nich, da sein berlebender Compagnon ganz seine
Freigebigkeit besitzen wird, sagte der Herr, indem er sein
Beglaubigungsschreiben hinreichte.
Er hatte auch ganz recht, denn es waren z(ei verwandte Seelen gewesen.
Bei dem ominsen Wort Freigebigkeit runzelte Scrooge die Stirn,
schttelte den Kopf und gab das Papier zurck.
An diesem festlichen Tage des Jahres, Mr. Scrooge, sagte der Herr,
eine Feder ergreifend, ist e$
eses
Mdchen ist die Unwissenheit. Dieser Knabe ist der Mangel. Nimm sie
beide wohl in acht, aber vor allem diesen Knaben, denn auf seiner Stirn
seh' ich geschrieben, was Verhngnis ist, wenn die Schrift nicht
verlscht wird. Leugnet es, rief der Geist, seine Hand nach der Stadt
ausstreckend. Verleumdet die, welche es euch sagen! Gebt es zu um eurer
Parteizwecke willen und macht es noch schlimmer! Und erwartet das Ende!
Haben sie keine Sttze, keinen Zufluchtsort? rief Scrooge.
Giebt es keine Gefngnisse? sagte der Geist, das letzte Mal seine
eigenen Worte gegen ihn gebrauchend. Giebt es keine Armenhuser?
Die Glocke schlug Zwlf.
Scrooge sah sich nach dem eiste um, aber er war verschwunden. Wie der
letzte Schlag verklungen war erinnerte er sich an die Vorhersagung des
alten Jakob Marley und die Augen erhebend, sah er ein grauenerregendes,
tief verhllteF Gespenst auf sich zukommen, wie ein Nebel auf den Boden
Viertes Kapitel.
Der letzte der drei Geister.
Die Erscheinung kam langsam, feierlich und $
les war still, sehr still. Die lrmenden kleinen
Cratchits saen stumm, wie steinerne Bilder, in einer Ecke und sahen auf
Peter, der ein Buch vor sich hatte. Die Mutter und die Tchter nhten.
Aber gewi waren sie auch still, sehr still.
Und er nahm ein Kind und stellte es in ihre Mitte.
Wo hatte Scrooge diese Worte gehrt? Der Knabe mute sie gelesen haben,
als er und der Geist ber die Schwelle traten. Warum fuhr er nicht fort?
Die Mutter legte ihre Arbeit auf den Tisch und fuhr mit der Hand nch
Die Farbe blendet mich, sagte sie.
Die Farbe? ach, der arme Tiny Tim!
Sie sind jetzt wied_r besser, sagte Cratchits Frau. Die Farbe blendet
sie bei Licht und ich mchte den Vater, wenn er heimkommt, nicht sehen
lassen, da ich schwache Augen habe. Es mu bald seine Zeit sein.
Fast schon vorber, erwiderte Peter, das"Buch schlieend. Aber ich
glaube, er geht jetzt ein wenig langsamer als gewhnlich, Mutter.
Sie waren wieder sehr still. Endlich sagte sie mit einer ruhigen,
heitern Stimme, die nur ein einz$
 der Eskimos, die ein Sturm in ihren Canoes
aus Fellen auf die hohe See verschlagEn, mittels der Strmung zu den
orcadischen Inseln. Dieser letztere Fall verdient um so mehr
Aufmerksamkeit, als man daraus ersieht, wie zu einer Zeit, wo die
Schifffahrt noch in ihrer Kindheit war, die Beegung der Gewsser des
Oceans ein Mittel werden konnte, um die verschiedenen Menschenstmme ber
die Erde zu verbreiten.
Das Wenige, was wir bis jetzt ber die wahre Lage und die Breite des
Golfstroms, so wie ber die Fortsetzung desselben gegen die Ksten von
Europa und Afrika wissen, ist die Frucht der zuflligen Beobachtung
einiger unterrichteten Mnner, welche in verschiedenen Richtungen ber das
atlantische Meer gefahren sind. Da die Kennti der Strmungen zu Abkrzung
der Seefahrten wesentlich beitragen kann, so wre es von so groem Belang
fr die praktische Seemannskunst, als wissenschaftlich von Interesse, wenn
Schiffe mit vorzglichen hronometern im Meerbusen von Mexico und im
nrdlichen Ocean zwischen dem 30. und 54$
kommt, ursprnglich ist, oder je
weniger Verlust es auf seinem Durchgang erlitten hat. Dieser Umstand macht
es bis zu einem gewissen Grade erklrlich, warum bei gleich heiterem
Himmel, bei ganz gleichem Thermometer- und Hygrometerstand nahe an der
Erdoberflche, der Pic auf Schiffen, die gleich weit davon entfernt sind,
des einemal sichtbar ist das anderemal nicht. Wahrscheinlich wrde man
sogar den Vulkan nicht hufiger sehen knnen, wenn die Hhe des
Aschenkegels, an dessen Spitze sich die Kraterffnung befindet, ein
Viertheil der ganzen Berghhe wre, wies es beim Vesuv der Fall ist. Die
Asche, zu Pulver zerriebener Bimsstein, wirft das Licht nicht so stark
zurck als der Schnee der Anden. Sie macht, da der Berg bei sehr groem
Abstand sich nicht hell, sondern weit shwcher dunkelfarbig abhebt. Sie
trgt so zu s\gen dazu  bei, die Antheile des in der Luft verbreiteten
Lichtes, deren vernderliche Unterschiede einen Gegenstand mehr oder
weniger deutlich sichtbar machen, auszugleichen. Kahle Kalkgebirge, $
 der
nur negativ sichtbar ist.
Ich glaubte diese Bemerkungen am Ende dieses Capitels zusammenstellen zu
sollen, weil sie sich auf eines der wichtigsten Probleme der Optik
@eziehen, auf die Schwchung der Lichtstrahlen bei ihrem Durchgang durch
die Schichten der Luft, und zugleich nicht ohne praktischen Nutzen sind.
Die Vulkane Teneriffas und der Azoren, die Sierra Nevada von St. Martha,
der Pic von Orizaba, die Silla bei Caracas, Mowna-Roa und der
St. Eliasberg liegen vereinzelt in weiten Meeresstrecken oder auf den
Ksten der Continente, und dienen so dem Seefahrer, der die Mittel nicht
hat, um den Ort des Schiffes durch Sternbeobachtungen zu bestimmen,
gleichsam als Bojen im Fahrwasser. Alles, was mit der Erkennbarkeit dieser
natrlichen Bojen zusammenhngt, ist fr die Sicherheit der Schifffahrt
                            -----------------
    1 Ich mu hier bemerken, da ich von einem Werke in sechs Bnden, das
      unter dem seltsamen Titel: Reise um die Welt und in Sdamerika, von
      A. v. Hmbol$
zigen Bewohner dieser Hochebene. Das unfruchtbare Stck des
Pics mit ber zehn Quadratmeilen, und da die unteren Regionen, von ferne
gesehen, in Verkrzung erscheinen, so stellt sich die ganze Insel als ein
ungeheurer Haufen verbrannten Gesteins dar, um den sich die egetation nur
wie ein schmaler Grtel zieht.
Ueber der Region des _Spartium nubigenum_ kmmen wir durch enge Schrnde
und kleine, sehr alte, om Regenwasser ausgesplte Schluchten zuerst auf
ein hheres Plateau und dann an den Ort, wo wir die Nacht zubringen
sollten. Dieser Platz, der mehr als 1530 Toisen [2982 m] ber der Kste
liegt, heit _Estancia de los Ingleses_(14), ohne Zweifel, weil frher die
Englnder den Pik am hufigsten besuchten. Zwei berhngende Felsen bilden
eine Art Hhle, die Schutz gegen den Wind bietet. Bis zu diesem Ort, der
bereits hher liegt als der Gipfel des Canigu, kann man auf Maulthieren
gelangen; viele Neugierige, die beim Abgang von Orotava den Kraterrand
erreichen zu knnen glaubten, bleiben daher hier liegen. Ob$
axus,
      die Kastanien, die Eichen, die Platanen, die kahlen Cypressen, die
      Bombax, die Mimosen, die CsalpOnen, die Hymenen und die
      Drachenbume sind, wie mir scheint, die Gewchse, bei denen in
      verschiedenen Klimaten Flle von so auerordentlichem Wachsthum
      vorkommen. Eine Eiche, die zugelcih mit gallischen Helmen im Jahr
      1809 in den Torfgruben im Departement der Somme beim Dorf Aseux,
      sieben Lieues von Abbville, gefunden wurde, giht dem Drachenbaum
      von Orotava in der Dicke nichts nach. Nach Angabe von Traulle hatt
      der Stamm der Eiche 14 Fu Durchmesser.
   13 Schousboue (Flora von Marocco) erwhnt seiner nicht einmal unter den
     8cultivirten Pflanzen, whrend er doch vom Cactus, von der Agave und
      der Yucca spricht. Die Gestalt des Drachenbaumes kommt verschiedenen
      Arten der Gattung Dracaena am Cap der Guten Hoffnung, in China und
      auf Neuseeland zu; aber in der neuen Welt vertritt die Yucca die
      Stelle derselben; denn die _Draca$
, als die Wissenschaft vorschreitet,
bietet si dem, der sie recht zu befragen wei, immer wieder eine neue
Seite, von der er sie bis jetzt nicht betrachtet hatte.
Ich erwhne der fliegenden Fische, um die Naturkundigen auf die ungeheure
Gre ihrer Schwimmblase aufmerksam zu machen, die bei einem 6,4 Zoll
langen Fisch 3,6 Zoll lang und 0,9 breit ist und 3 Kubikzoll [60 ml] Luft
enthlt. Die Blase nimmt ber die Hlfte vom _rperinhalt des Thieres ein,
und trgt somit wahrscheinlich dazu bei, da es so leicht ist. Man knnte
sagen, dieser Luftbehlter diese ihm vielmehr zum Fliegen als zum
Schwimmen, denn die Versuche, die Provenzal und ich angestellt, beweisen,
da dieses Organ selbYt bei den Arten, die damit versehen sind, zu der
Bewegung an die Wasserflche herauf nicht durchaus nothwendig ist. Bei
einem jungen 5,0 Zoll langen Exocoetus bot jede der Brustflossen, die als
Flgen diesen, der Luft bereits eine Oberflche von 3 7/10 Quadratzoll
dar. Wir haben gefunden, da die neun Nervenstrnge, die zu den $
n sie grer als auf hoher See ostwrts von Tabago, im
Verhltni von 257 zu 229. Whrend der Windstille trieb uns die Strmung
rasch nach West. Ihre Geschwindigkeit betrug 3 Meilen in der Stunde; sie
nahm zu, je nher wir dem Meridian der *Testigos* kamen, eines Haufens von
Klippen, die aus der weiten See aufsteigen. Als der Mond unterging,
bedeckte sich der Himmel mit Wolken, der Wind wurde wieder strker und es
stzte ein Platzregen nieder, wie sie dem heien Erdstrich eigen sind und
wir auf unsern Zgen im Binnenlande sie so oft durchgemacht haben.
Die an Bord des Pizarro ausgebrochene Suche breitete sich rasch aus, seit
wir uns nahe der Kste von Terra Firma befanden; der Thermometer sdand bei
Nacht regelmig zwischen 22 und 23, bei Tag zwischen 24 und 27. Die
Congestionen gegen den Kopf, die ausnehmende Trockenheit der Haut, das
Daniederliegen der Krfte, alle Symptome wurden immer bedenklicher; wir
waren aber so ziemlich am Ziele unserer Fahrt, und so hofften wir alle
Kranke genesen zu sehen, wenn$
volle Tiefe und Kraft besitzt, eine
weite Seereise angetreten hat. Welche Erinnerungen werden in der
Einbildungskraft wach, wenn so ein leuchtender Punkt in finsterer Nacht,
der von Zeit zu Zeit aus den bewegten Wellen aufblitzt, die Kueste des
Heimatlandes bezeichnet!
Wir mussten die Segel einziehen. Wir segelten zehn Knoten n der Stunde,
obgleich die Corvette nicht zum Schnellsegeln gebaut war. Um sechs Uhr
morgens wurde das Schlingern so heftig, dass die kleine Bramstange brach.
Der Unfall hatte indessen keine schlimmen Folgen. Wir brauchten zu
Ueberfahrt von Corunna nach den Canarien dreizehn Tage, und dies war lang
genug, um uns in so stark befahrenen Strichen wie die Kuesten von Portugal
der Gefahr auszusetzen, auf englische Schiffe zu stossen. Die ersten drei
Tage zeigte sich kein Segel am Horizont, und dies beruhigte nachgerade
unsere Mannschaft, die sch auf kein Gefecht einlassen konnte.
Am 7. liefen wir ueber den Parallelkreis von Cap Finisterre. Die Gruppe von
Grantfelsen, die dieses Vorgebirge,$
 dem Augenmaass haette ich geglaubt, dass der Trichter nicht
einmal so tief waere. In seinem jetzigen Zustand ist er eigentlich eine
Solfatara; er ist ein weites Feld fer interessante Beobachtungen, aber
imposant ist sein Anblick nicht. Grossartig wird der Punkt nur durch die
Hoehe ueber dem Meeresspiegel, durch die tiefe Stille in dieser Region,
durch den unermesslichen Erdrum, den das Auge auf der Spitze des Berges
ueberblickt.
Die Besteigung des Vulkans von Teneriffa ist nicht nur dadurch anziehend,
dass sie uns so reichen Stoff fuer wissenschaftliche Forschung liefert; sie
ist es noch weit mehr 0adurch, dass sie den, der Sinn hat fuer die Groesse der
Natur, eine Fuelle malerischer Reize bietet. Solche Empfindungen zu
schildern, ist eine schwere Aufgabe; sie regen uns desto tiefer auf, da
sie etwas Unbestimmtes haben, wie es die Unermesslichkeit des Raums und die
Groesse, Neuheit und Mannigfaltigkeit der uns umgebenden Gegenstaende mit
sich bringen. Wenn ein Reisender die hohen Berggipfel unseres Erdball$
ines Aufenthalts zu Caracas und in der Havana
lange mit statistischen Untersuchungen ueber die spanischen Colonien, ich
stand in genauer Verbindung mit Maennern, die auf Teneriffe bedeutende
Aemter bekleidet, und so hatte ich Gelegenheit, viele Angaben ueber den
Handel von Santa Cruz und Orotava zu sammeln. Da aber mehrere Gelehrte
nah mir die Canarien besucht haben, standen ihnen dieselben Quellen zu
Gebot, und ich entferne ohne Bedenken aus meinem Tagebuch, was in Werken,
die vor dem meinigen erschienen sind, genau verzeichnet steht. Ich
beschraenkeKmich hier auf einige Bemerkungen, mit denen die Schildung, die
ich vom Archipel der Canarien entworfen, geschlossen seyn mag.
Es ergeht diesen Inseln, wie Egypten, der Krimm und so vielen Laendern,
welche von Reisenden, welche in Contrasten Wirkung suchen, ueber das Maass
gepriesen oder heruntergesetzt worden sind. Die einen schildern von
Orotava aus, wo sie ans Land gestiegen, Teneriffa als einen Garten der
Hesperiden; sie koennen das milde Kkima, den fruchtba$
ie
nach Belieben Salz bereiteten und verkauften, wofuer sie der Regierung nur
die maessige Summe von 300 Piastern bezahlten. Der Preis der Fanega war
damals vier Realen; [In dieser Reisebeschreibung sind alle Preise in
harten Piastern und Silberrealen, _reales de plata_ ausgedrueckt. Acht
Realen gehen auf einen harten Piaster oder 105 Souscfranzoesischen Geldes.]
aber das Salz war sehr unrein, grau, und enthielt sehr viel salzsaure und
schwefelsaure Bittererde. Da zudem die Ausbeutung von Seiten der Arbeiter
aeusserst unregelmaessig betrieben wurde, so fehlte esoft an Salz zum
Einsalzen des Fleisches und der Fische, das in diesen Laendern fuer den.Fortschritt des Gewerbfleisses von grossem Belang ist, da das indianische
niedere Volk und die Sklaven von Fischen und etwas *Tasajo* leben. Seit
die Provinz Cumana unter der Intendauz von Caracas steht, besteht die
Salzregie, und die Fanega, welche die Guayqueries fuer einen halben Piaster
verkauften, kostet anderthalb Piaster. Fuer diese Preiserhoehung leistet nu$
Neid ber das unerwartete Glck der Schneiderstochter machte
die Leute in der Stadt fuchswild; aber den grten Verdru davon6hatte
ein verarmter Graf, dessen nicht unter die Haube gekommene Schwester
gern dem Kaufmann ihre Hand gereicht und ihm statt der Mitgift den Glanz
ihrer vornehmen Geburt in's Haus gebracht htte; es wre dann auch wohl
in den leeren Beutel des Bruders manches Goldstck aus dem Vermgen des
reichen Schwagers gefallen. Die Heirath des Kaufmanns hatte beider
Hoffnung zunichte gemacht, was ihm der Graf nicht verzeihen konnte; er
sann also im Stillen darber nach, wie er die Verschmhung seiner
Schwester an des Schneiders Eidam rchen knnte. Der Kaufmann pflegte
des Abends ein Wirthshaus zu besuchen, um sich mit seinen Bekannten die
Zeit zu vertreiben; hier traf er auch manchmal mit dem Grafen zusammen.
Eines Abends setze dieser dem 'aufmann einen Floh in's Ohr, indem er
folgendermaen zu reden anhub: Ihr habt ein gar hbsches junges Weib zu
Hause, ich wundere mich, wie ihr euch getraut$
Vorfall aus und verbot ihnen dann
weiter davon zu reden, da ihr vermeintlicher Kirchgang in der
Weihnachtsnacht nichts weiter gewesen sein knne als ein lebhafter
Traum. Obgleich nun die Mnner ihrerseits das klare Bewutsein hatten,
da sie wirklich zur Kirche gegangen waren und mit wachen Augen de
Sache erlebt hatten, so mochten sie doch nicht lnger mit ihrem Prediger
streiten, sondern versprachen zu schweigen. Aber was half das jetzt
noch, da das Gercht schon nach allen Seiten hin ausgesprengt war und
sich von Tag zu Tage weiter verbreitete. Eben so gut kannst du die Luft
greifen, als das einmal losgelassene Gerede der Leute wieder bannen.
Meines Grovaters Vetter war anfangs fest entschlossen den ihm
angegebenen Glckspfad aufzusuchen, allein je nher die Zeit
heranrckte, desto mehr sank ihm der Muth. KonntP er doch nicht darber
in's Klare kommen, wer der Einladnde oder wer die nchtlichen
Kirchengnger gewesen, und wie weit ein Christenmensch ihnen trauen
durfte? Ja, wre es ihm vergnnt gewesen, m$
mme
Im Original: Sentorstimme
Sein Name dringt durch Sturm
Im Original: Seine
Zusden harmlosen, aber hbschen Hexametern
Im Original: Hexamenten
Denn wo eins das andere nicht mehr begreift,
Im Original: Den
in Iphigenie wird die Reinheit sich bewut
Im Original: Iphigene (sonst immer Iphigenie)
und einer der grten deut{chen Dichter berhaupt
Im Original: grtei
Das ist sterreichertum
Im Original: Oesterreichertum
Die schwbischen Dichter, unzhlbar wie der Straenstaub in Stuttgart
Im Original: unzhbar
die Kraft der lebendigen Anschauung aller Dinge
Im Original: Anschaung
Das Disputieren und ScMreien galt
Im Original: Disputierten
aus diesem Berlin, das unwiederbringlich dahin ist
Im Original: unwiderbringlich
Das Gelungenste und Geformteste in Fontanes Romanen
Im Original: geformteste
versteigt er sich bis zur Apotheose der Ausschweifung
Im Original: Apothese
eine Kosmogonie voll von Schwelgerei und Orgie des Wortes
Im Original: Kosmogenie
(aus dem Spreewald, 1863-1920)
Im Original: den
der herrschenden$
ngte so bald
darauf keuchend daheim an der Haustreppe an. Hier kam ihr in den Sinn,
da sie eigentlich viel frher wieder da sei, als sie und alle anderen
im Haus erwartet hatten, und da gewi die Brder einige Bemerkungen
ber ihre 3chnelle Rckkehr machen wrden, die sie gar nicht wnschte.
Sie berlegte, wie sie sich am besten aus der Sache ziehen knne. Die
Tante suchen, kam ir gleich als hilfreiches Mittel in den Sinn. Ihr
wollte sie alles erzhlen, wie der Besuch abgelaufen war -- eigentlich
nicht so, wie sie sich vorgestellt hatte -- und wie sie so gegen das Ende
nicht mehr recht gewut habe, was sie mit der Nora reden sollte. Die
Tante wrde gewi gleich verstehen, wie es war, und dann die Sache schon
zurechtlegen, da die Brder nicht spotten konnten. Sie sprang also die
Treppe hinauf, stie aber gleich darauf mit dem Bruder Fred zusammen,
der von oben heruntergerannt kam.
Aha, da hat's was gegeben mit der neuen Freundin, sonst wrst du noch
lang' ni<ht da, rief Fred im Vorberrennen. Emmi gab $
nur nach Basel gelangen?
Emmi sagte, sie habe ihm alles Geld gegeben, das sie besessen, er komme
gewi nach Basel, wenn nur die Tante jetzt mit der Muttr reden wollte,
weil sie gerade so eifrig den Fani suche, wie sonst nie. Auch die Tante
fand, das sei das erste, was sie tun msse. Dann wollte sie sogleich
nach Ba^el schreiben, um zu wissen, ob der Fani wirklch dort angelangt
und in was fr Hnden er sei. Die Tante verlor keine Zeit. Sie schlug
ihr Tuch um und eilte hinaus dem Wldchen zu, hinter dem der Weg zu
Heiris Huschen niederstieg. Aus der niederen Haustr trat eben noch
Herr Bickel, als die Tante sich nahte. Er bemerkte abschlieend: Wie
gesagt, das Vagabundieren, das er im Brauch hat, hrt dann auf, ich
ziehe ihm jede vergeudete Zeit am Lohn ab.
[Illustration]
Er wird, denk' ich, erst Lohn haben mssen, eh' man ihm davon abziehen
kann, sagte Marget halblaut, whrend Herr Bickel gewichtigen Schrittes
davonging. -- Die Tante trat in das Huschen ein. Man kam von der Strae
unmittelbar in die K$
 definierte Ventur ihn
als einen =geborenen Verbrecher=, einen Menschen, der sich der
Strafbarkeit seiner Handlungen nicht so voll bewut ist, wie es das
Gesetz erfordert, um eine Verurteilung aussprechen zu knnen. Er schlo
sein Gutachten folgendermaen:
M... wrde also nach dem geschriebene@ Gesetz fr das begangene
Verbrechen nicht verantwortlich oder nur halbverantwortlich sein, da er
es nicht bei vollem Bewutsein und in voller Freiheit seines Willens
ausgefhrt hat.
_Quid faciendum!_
Wenn er als unverantwortlich erkannt wird, wird man ihn dann in
Freiheit lassen?
Er wrde versuchen, seinen Bruder wiederum zu ermorden, und ohne
Zweifel mit grerer Ruhe, da er seine Straflosigkeit kennt und sich
daher fr berechtigt hlt, mit der ganzen menschlichen Gesellschaft
aufzurumen. Soll man ihn in die Irrenstrafanstalt bringen, wie es das
Gesetz fr diejenigen voschreibt, welche in einem krankhaften Hang zum
Verbrechen leben, und denen die Gelegenheit genommen werden soll, ein
Verbrechen zu wiederholen? $
n kann, da es Verbecher
giebt, die es erst durch natrlichen Hang zum Verbrechen geworden sind.
Das zeigt auch die Erwgung, da er eine gewisse Art von Verbrechen und
keine anderen begeht; in seiner Persnlichkeit ist immer das Movens zu
einem Verbrechen gegeben, er findet in jeder gegebenen Bedingung der
Umgebung oder der Gesellschaft einen Anla, mit Gewaltthtigkeiten,
Aufruhr und Blutthaten zu antworten, und er kaon deshalb aus den
verschiedensten Gesichtspunkten als der prgnanteste Typus des
antisozialen Menschen bezeichnet werden. Strafen, Leiden, Vorwrfe,
Entfernung vom Vaterland und den Angehrigen hatten keinen Einflu auf
die Ausbrche seiner Natur. Er war und ist eine Gestalt des
=instinktiven Verbrechers=, aus der Klasse der unmoralischen
blutdrstigen Verbrecher. Ich hebe die bemerkenswerte Thatsache hervtr,
da M... keinen Hang zum Diebstahl gehabt zu haben scheint. Unter den
geborenen Verbrechern, den krankhaften Produkten individueller
Entwickelung oder konstitutioneller Krankheit mu man$
en Vorshung.
Da waren zum Tode Verurteilte, zu zwanzig-, zehn-, fnfjhriger, zu
lebenslnglicher Zwangsarbeit Verurteilte, solche, die zu sechs Monaten,
zu einer Woche, zu einem Tage, zu einer Stunde verurteilt waren,
Angeschuldigte, die entsetzt de4 Ende ihres Dramas entgegenschauten,
alles in buntem Gemisch durcheinander; zusammengekauert, eingeschlossen
in einen eisernen Ring, unter der unerbittlichen Hand des Unglcks und
unter der schweren Geiel der Gefqgniswchter. Das war der Raum zu
ebener Erde.
Der obere Raum setzte sich aus fnf groen Zimmern zusammen, die an
dreihundert Gefangene enthalten konnten. Ein groer Sulengang mit
langen Eisengittern in Hufeisenform diente dazu, die Gefangenen der
oberen Wohnung aufzunehmen, wenn sie ihre Stunde frische Luft schpften,
und diente als Durchgang fr die Wrter und die Gefangenen; zur linken
des Eingangs war das Krankenzimmer, in zwei hher gelegenen Zimmern
wohnten die Wrter. Um die oberen Rume kennen zu lernen, braucht man
nur die unteren zu verglei$
r Camorra und die schweren Folgen der Spaltung
in zei feindliche Parteien. Elf Neapolitaner und Kalabreser wurden in
das Gefngnis gebracht, um wegen Totschlags und schwerer
Krperverletzung verurteilt zu werden. +Arme Thoren!!+
Der brave Direktor jammerte, er sagte, er wolle die Anstalt verlassen,
da seine Liebe und sein Interesse fr die Gefangenen so schwecht belohnt
wrden. Nach diesem blutigen Kampf herrschte Frieden und fnfMonate
lang war alles ruhig; und es ist recht so, da nach dem Sturm die
Windstille folgt, und die gequlten Herzen sich beruhigen knnen.
Inzwischen kam Befehl vom Ministerium, da die Gefangenen, die sich gut
gefhrt htten, nach der Insel Caprera gebracht wrden, um dort
Erdarbeiten auszufhren.
Der Direktor verfiel darauf, die kalabresischen und neapolitanischen
Camorristen abzuschicken, teils, um sich die Sache vom Halse zu
schaffen, teils um ihnen Gelegenheit zu geben, sich in aller Ruhe nach
Belieben umzubringen.
Zweiunddreiig reisten ab, aber nach wenigen Tagen kehrten sie$
 Abend, endlich hre ich den Schlssel klirren, die Thr ffnet
sich und ein Sergeant, den ich nicht kenne, sagt:
Auf, M..., schnell, es geht los; alles ist bereit.
Ich folge ihm, auf dem Hof steht ein verschlossener Wagen, von drei
schwarzen Pferden gezogen, die ungedOldig scharren und wiehern; auf dem
Bock sitzt ein Soldat mit aufgepflanztem Bajonett, vier andere Soldaten,
zwei Korporale und zwei Sergeanten, alle mit aufgepflanztem Bajonett,
standen um den Wagen herum.
Rasch, M..., steigen Sie ein und machen Sie sich's bequem, sagte ein
Sergeant in befehlerischem Ton.
Beim Anblick einer solchen bewaffneten Macht ward ich bestrzt und wute
nicht, was geschah; ein Sergeant li mich in den Wagen hinein und nahm
an meiner Seite latz, die beiden anderen Pltze nahmen zwei Korporale
ein; ich sehe mich verstndnislos um und frage mich, ob ich trume, ob
man eine Komdie mit mir auffhren will?... Der Wagen setzt sich in
Bewegung, hlt an, fhrt weiter, hlt wieder an und rast dann im Galopp
davon; neben mir$
 saen die Soldaten im Hof und plauderten in Gruppen oder
spielten Ball, Dame und Domino oder promenierten hin und her -- kurz,
jeder war auf seine Weise beschftigt.
Ich rief meinen Freund C... und lie mir den Gir... zeigen, der
hauptschlich den Anschlag gegen mich angezettelt hatte.
Er fhrte mich unter einen Sulengang und zeigte mir einen langen
hageren Soldaten, der in einer Zelle arbeitete. Ein kurzer schrecklicher
Entschlu fuhr mir durch den Kopf, ich trat auf den Pfosten der Zelle
und rief ihn heraus. Er kam, ich stellte mich vor ihn auf; iie Rechte
hielt hinter dem Rcken den Dolch bereit.
Also }ie sind die Seele der Verschwrung gegen mich, Sie wollen mir ans
Leben? Sie sind ein Schurke, wissen Sie das, rufen Sie Ihre Landsleute,
damit ich denen dasselbe sagen kann!
Ich schwang meinen Dolch und war im Begriff, ihm den Leib
aufzuschlitzen, als eine eiserne Faust meinen Arm umklammerte, whrend
Gir... angstvoll rief:
M..., was machen Sie?! ich bin unschuldig! Ich habe nie von Ihnen
gespr
chen.
$
erst anredeten, ihm in den Weg kam, nahm er
seinen Hut ab und fragte, ob er jetzt yicht seine Pferde bekommen
Maul halten! schnauzte der Ofcizier; was gehen mich seine Pferde an,
dummes Bauernvieh! Wulf wrgte es im Halse, aber er hielt sich zurck:
Herr Oberst, der Herr Offizier hat es mir fest und heilig versprochen,
da ich meine Gespanne wieder haben soll, sagte er, und er wunderte
sich selbst darber, da er das so ruhig sagen konnte. Der Offizier
bekam einen roten Kopf: Ist er verrckt, dreckiger Lmmel? schrie er
ihn an; ist er verrckt? Stellt sich der Kerl mir in den Weg! Weg da!
Und 5ls der Bauer nicht sofort Platz machte, schlug er ihn mit den
langen gelben Stulphandschuhen, die er in der Hand trug, in das Gesicht,
da es knallte, und ging an ihm vorbei.
Wulf blieb wie ein Stock an der Wand stehen. Er hrte es kaum, da ein
Troknecht ihm sagte: Krieg ist Krieg und hin ist hin! Trste dich, wie
ich es getan habe; ich hatte auch einmal Haus und Hof und jetzt bin ich
froh, wenn ich Brot un$
e eine von der Stirn bis in das Maul
und die andere von einem Ohr bis an das andere, just so% da es wie ein
Kreuz aussah, und deswegen schimpften sie ihn wohl auch Heiliges Kreuz.
Er sah vor sich hin:Die beiden haben meine Schwester hingemartert; ich
habe es gehrt, wie sie darber ihre Witze machten, die beiden und der
andere, der besoffen in der Haide liegen blieb. Na, dem habe ich es
besorgt! Ich hatte ihm das Maul zugestoppt, denn ich dachte: wenn er an
zu blken fngt und die anderen hren es, dann lufst du am Ende dumm
an. Die be:den anderen haben noch eine ganze Weile hinter ihm
hergefltjet, bis es ihnen zu langweilig geworden ist. Ich bin blo
neugierig, ob er morgen frh noch am Leben ist!
Mitten im Reden schlief er ein. Der Bauer deckte ihm einen Mantel ber
und dabei sah er, da der Knecht so ruhig schlief, wie immer. Er mute
noch oft hinsehen; wie ein Kind, das keiner Fliege wehtun konnte, sah er
aus. Er war der einzige Mensch im ganzen Dorfe, der es nicht mit ansehen
konnte, wenn ein Schw$
en auf der Gartenbank und
sahen in den Abend. Ab und zu rief eine Eule in der Wohld, oder eine
Ente schnatterte an der Beeke und unter dem Dache piepten die jungen
Schwalben. Die Buerin hatte ihren Kopf an die Schulter ihres Mannes
gelegt und hatte ein Gesicht wie ein Kirchenengel. Frieden, Frieden!
flsterte sie und bekam nasse Augen.
Aber so schn.ll vertrugen sich die hohen Herren nicht. Zwar die Dnen
zogen ab, aber die anderen blieben, und noch manches Mal war der Himmel
rot von etwas anderem als von der Abendsonne, und die Wehrwlfe muten
mitten in der Ernte die Sensen liegen lassen und die Kugelbchsen hinter
dem Schapp herkriegen, denn allzusehr drckten die Kaiserlichen das
Land, obzwar der Herzog treu zu dem Kaiser stand, soviel ihm das auch
verdacht wurde. Der Hunger und die Not wurden so gro im Lande, da die
rechtlichsten Bauern nichtlmehr anders leben konnten, als wenn sie auf
Mord und Raub ausgingen. Das war dann das Allerschlimmste, wen? die
Wehrgenossenschaft Hand an Leute legen mute, di$
mithin zunchst im eigenen Hause Ordnung schaffen mute.
Im Jahre 1816 erfolgten die ersten vorbereitenden Schritte. Das Verbot der
Geldausfuhr ward aufgehoben, das Salzregal in allen Provinzen gleichmig
eingefhrt; dann sprach die Verordnung vom 11. Juni die Aufhebung der
Wasser-, Binnen- und Provinzialzlle als Grundsatz aus und verhie die
Einfhrung eines allgemeinen und einfachen Grenzzollsystems. Zu Anfang des
folgenden Jahres war der Entwurf fr das neue Zollgesetz beendigt. Sobald
aer von den reformatorischen Absichten des Entwurfs Einiges ruchbar ward,
erscholl der Notschrei d3r gengstigten Pro%uzenten weithin durch das
Land. Leidenschaftliche Eingaben der Baumwoll- und Kattunfabrikanten aus
Schlesien und Berlin, die doch allesamt unter der bestehenden Unordnung
schwer litten, besttigten die alte Wahrheit, da die Selbstsucht der
Menschen der schlimmste Feind ihres eigenen Interesses ist. Der Lrm ward
so bedrohlich, da der Knig fr ntig hielt, zunchst eine
Spezialkommission mit der Prfung $
s die Seele des preuischen
Ministeriums. Die Nation aber erfuhr niemals ganz, was sie ihm schuldete.
Seine Hoffnung war, das preuische Zollsystem durch Vertrge mit den
deutschen Nachbarstaaten allmhlich zu erweitern. Fr die Formen und
Grenzen dieser Erweiterung hat er nicht im Voraus einen festen Plan
entworfen; er stellte sie, da er die Schwierigkeit des Unternehmens
richtig wrdigte, dem unberechenbare9 Gange der Ereignisse anheim. Die
Frage, ob Preuens Zollschranken dereinst am Main oder am Bodensee stehen
wrden, war im Jahre 189 noch nicht praktisch; sie konnte den Leiter der
preuisch-deutschen Politik vielleicht in seinen Trumen, sie durfte ihn
nicht bei seiner Arbeit beschftigen. Nur das eine war ihm sicher, da das
neue Zollsystem aufrecht bleiben, den festen Kern bilden msse fr die
Neugestatung des deutschen Verkehrs. Er verlangte freie Hand fr Preuens
Handelspolitik, wies von diesem Gebiete die Einmischung sterreichs
entschieden zurck. Aber jede Feindseligkeit gegen die Hofburg la$
ichv. Blow(62), Humboldts geistreicher Schxiegersohn, der in diesen
lcherlichen Hndeln sein diplomatisches Talent zuerst bewhrte, setzten
nur einige scharfe Bemerkungen an den Rand des Kthener Ultimatums. Nun
brachte Kthen *cette affaire ennuyante*, wie Bernstorff zu seufzen
pflegte, nochmals an den Bundestag. Wieder verteidigte die gesamte Presse
den unschuldigen Kleinstaat, den hochherzigen Beschzer der Schwrzer und
der Schwarzen; wieder trat in der Eschenheimer Gasse(63) ein Ausschu
zusammen unter dem Vorsitz des k. k. Gesandten. Wieder ward ein Bericht
zugunsten Kthens erstattet, und wieder mute der preuische Gesandte(64)
eine scharfe Erwiderung verlesen. Nagler sagte geradezu, seine Regierung
sei durch den Kommissionsbericht in der berzeugung von ihrem Rechte
unerschtterlich befestigt worden. Bernstorff aber erklrte: Dazu haben
sich groe Staaten mit den kleinen nicht in einen Verein zusammengetan,
damit diese nur ihre, bei vernnftigem Gebrauch unantastbare Souvernitt
nach Willkr un$
fentliche Meinung gewann und seine eigenen Pla0ne leichter durchsetzen
konnte." Metternich hingegen, der den Darmstaedter Plaenen keinen
fruchtbaren Gedanken entgegenzustellen wusste, ward der Sorgen nicht ledig.
Schon vor Eroeffnung der Konferenzen ermahnte er Berstett, mindestens den
Einfluss der Subalternen und der Landstaende fern zu halten. Zugleich musste
Marschall gegen den Karlsruher Hof den Verdacht aeussern, ob vielleicht
Nebenius selber zu den verkappten Demagogen gehoere. Der badische Minister
versuchte seinen Goenner zu beschwichtigen und gab an Nebenius gemessene
Weisung, sich vor allen politischen Nebengedanken zu hueten: "Auch aus dem
Einfachsten wird Gift gesogen. Ruecksichten, die mehr gefuehlt als
bezeichnet werden koennen, verbieten, den Landtagen irgendwelche Einwirkung
zu gestatten." Gleichwohl blieb Metternich argwoehnsch, und sein Marschall
gestand ihm wehmuetig: da der Kaufmann mit seinem beweglichen Kapitale
leider nicht einem, sondernallen deutschen Staaten angehoere, so koenne di$
 rheinischen Industrie nicht
ertragen koenne. Die alte Abneigung des Kurfuersten gegen Preussen war nicht
verflogen, auch schien ihm doch bedenklich, eine zweifache Verflichtung
ohne weiteres zu brechen. Er wuenschte -- und mit ihm wohl die Mehrzahl im
Lande -- einen Mautverband deu gesamten Deutschlands, der die Sonderbuende
von selbst aufgehoben haette. In desem Sinne musste Meyerfeld bei dem
bayrischen Bundestagsgesandten Lerchenfeld vertraulich anfragen. Das
Muenchener Kabinett aber kannte jetzt die handelspolitischen Plaene wie die
Verhandlungsweise des Berl+ner Hofes; daher gab Graf Armansperg an
Lerchenfeld die verstaendige Weisung: diese Sache sei vorsichtig dahin zu
lenken, dass sie in Berlin unter Preussens Leitung erledigt werde.
Gleichwohl konnte der Kurfuerst sich noch immer nicht entschliessen, mit dem
verhassten Preussen und dem so groeblich beleidigten Darmstaedter Vetter
allein zu verhandeln. Noch im folgenden Fruehjahr erhielt Meyerfeld den
Auftrag, die Vereinigung saemtlicher deutscher Mau$
die stille
Stadt mit den auffallend kleinen Husern; nur wenig von modernem Leben
und Treiben tritt uns da entgegen, Ruhe herrscht in den weiten Straen
und auf den groen Pltzen. Manche der Einwohnerzahl nach kleinere
Stdte machen durch hhere Huser, engere Straen und allerlei laute
Gewerbe einen belebteren Eindruck als Erlangen, gar nicht zu reden von
manch andern Universittsstdten, in denen Fremdenverkehr mit
Hotelomnibus, Automobilen und eleganten Gefhrten der Stadt ein
vornehmes Geprge verleihen. Davon ist in Erlangen nichts zu sehen. Zwar
wrden die Groeltern der jetzigen jungen Generation staunen ber die
Reinlichkeit der kanalisierten Straen, in denen zu ihrer Zeit trbe
Lachen vor den Husern standen, staunen ber die nchtliche Beleuchtung,
die ihre kleinen Handlaternen in die Rumpelkammern vefwiesen hat;
manches Huserviertel wre ihnen vollstndig unbekannt, die neuen
Universi"tsgebude, die sorgfltig gepflegten Anlagen und schnen
Brunnen wrden ihre Bewunderung erreen. Aber dennoch,$
ie Liebe und Verehrung der Seinen treu bis
zu dem AugenbFick, wo ihn der Tod erlste, im Sommer 1835.
Wie es der Witwe zumute war, als sie allein stand mit ihrer Kinderschar,
spricht sie aus gegen den ltesten Sohn Heinrich, der damals schon eine
Anstellung ha{te an dem theologischen Seminar im Kloster Schnthal in
Wrttemberg.
    _Lieber Heinrich!_
    Schwere kummervolle Tage habe ich zurckgelegt seit Du von uns
    gingst und noch immer kann ich mich an den Gedanken nicht
    gewhnen, da Ihr fr dieses Leben keinen Vater mehr habt und
    da auch mir die Seele von meinem Leben fehlt. Die erste Zeit
    wurde mir dadurch leichter, weil der Gedanke, da er nun Ruhe
    habe, mir so trstlich war. Allein jetzt, seit die Erinnerung an
    seine Liden schwcher wird und sein Bild wieder in meiner Seele
    lebendig wird, wie er frher war, mit welcher Liebe er an uns
    hing und mit welcher Treue er alle seine Pflichten erfllte und
    wie sein Geist und Beispiel noch so wohlttig fr seine Kinder
    g$

Frau in schn geordneten Verhltnissen, glcklich als Gattin und Mutter.
Frau Beck war nur wenige Jahre lter als Pauline und kam der jungen
Fremden freundlich entgegen.
Und noch ein anderer Verkehr gab dem Leben auf der Bleiche seinen
besonderen Reiz. Es fand sich dort eine kleine Erlanger Kolonie
zusammen, denn mit dem Frhjahr war Julie Brater, die ihrem Bruder im
Alter am nchsten stand, zu ihm, dem Brgermeister, gezogen, um ihm Haus
zu halten. Die beiden Geschwisterpaare verkehrten viel miteinander, und
als Familienverhltnisse Julie wieder abriefen, kam der verlassene
Bruder um so lieber auf die Bleiche. Sonntag nachmittags fand er sich
regelmig zu Kaffee und nachfolgendem gemtlichen Kartnspiel bei den
Geschwistern ein.
Nun knnte man meinen, da der in Amt und Wrden stehende Herr
Brgermeister Pauline noch mehr eingeschchtert htte, als es der
frhere Rechtspraktikant getan. Aber dem war nicht so. Jetzt, wo sie die
Hausfrau vorzustelen hatte, verga sie ber der Frsorge die
Befangenheit. Sie $
leichterung, um ihr Ideal der Anspruchslosigkeit zu erreichen; denn
jedes einzelne unter einer groen Kinderzahl wird sich entbehrlicher
vorkommen als so ein einziges Prchen. Ihrer Schwiegermutter schreibt
sie gelegentlich: Wenn ich nur auch wieder ein kleines Kind htte,
berall ist Reichtum an diesem Artikel, nur bei mir nicht; ein
andermal: vier Kinder wren mein Ideal ukd die Sehnsucht nach einem
Wickelkinde kommt wiederholt zum Ausdruck, trotzdem schon diese beiden
Kinder manchmal schwere Sorgen verursachten.
Schon kurze Zeit nach dem Umzug nach Mnchen, das damals noch durch
seine schlechten Wasserverhltnisse und hufige Typhuserkrankungen
verrufen war, muten 1uch sie ihren Tribut zahlen. Anna erkrankte an
einem typhsen Fieber, Schleimfieber nannte es der Arzt. Frau Brater
schreibt darber an ihre Schwgerin Julie: Der arme Tropf hatte eine
schwere Zeit durchzumachen; die erste Woche vom eigentlichen Beginn der
|rankheit war schrecklich fr sie, heftiges Kopfweh und Fieber, glhende
Hitze und a$
hen zu lassen, wie es ja allerdings
das Los der meisten Abgeordneten war, das brachte sie nicht bers Herz,
und es wre ja auch fr sie selbst ein stetes Entbehren gewesen. So hie
es denn wieder: abbrechen, einpacken. Unstet und flchtig mu ich sein
und habe doch keinen Abel erschlagen, schreibt sie an Bekannte und mit
schwerem Herzen verlie sie den Bruder, die Kinderchen, die sich an sie
schon wie an eine Mutter gewhnt hatten und die auch ihrer groen Kinder
Freude geworden waren. a gar nicht vorauszusehen war, ob der Landtag
Wochen oder Monate beisammen bleiben wrde, so wurde einstweilen nur
eine kleine mblierte Wohnung gemietet und die Kinder bei den Tanten
Brater untergebracht. In solchem einstweilen liegt viel Unbehagen uFd
Frau Brater seufzte in jener Zeit so manchmal: Ich mchte nur einmal
wieder mit all unserm Hab und Gut vereinigt sein. Sie schreibt an Lina
Sartorius geb. Rohmer:
Wir sind inzwischen nach Mnchen bersiedelt, nachdem ich endlich noch
fr meines Bruders Haushalt eine zuve$
 wenigs3ens
insofern sorglos _gute_ Nacht, als ich nicht zweifelte, da sie ihm mit
Morphium zuteil werden wrde. Ich lag im Zimmer daneben. Gegen Morgen
rief er mir laut und deutlich: 'Pauline, zieh dich einmal ein wenig an',
ich erschrak sehr, aber er hatte so sicher und ruhig gesprochen, da ich
nun doch nichts Schlimmes dachte. Als ich zu ihm hineinkam sagte er: 'es
ist jetzt halb vier Uhr, ich habe schon _zwei_ Pulver genommen und habe
keinen Augenblick geschlafen, hilf mir heraus in meinen Stuhl,
vielleicht wird mir's da lichter' -- sein Atem war unendlich kurz, die
Stimme klanglos und in seinen Zgen sah ich, da er im Todeskampfe war,
-- ich stand da unter heien, strmenden Trnen, sagte ihm liebe Worte,
aber helfen konnte ich ihm nimmer. Whrend ich ihn ankleidete, sagte er
lchelnd: 'du hast ja immer gesagt, ich soll dich doch rufen, wenn ich
etwas1brauchen kann, ich habe dir jetzt nur einmal deinen Willen getan.'
Als ich ihn in den Stuhl gebettet hatte, sagte er: 'so jetzt mach, da
du ins Bett k$
beste sagen zu knnen glaubte, schlielich fragte ich: was ist ein Ofen?
Das war uns nun unvermutet schwer und es war komisch zu sehn, wie die
beiden Buben ihre Sthle drehten und den unschuldigen Ofen immer von
oben bis unten so bedenklich betrachteten ... Wilhelm sieht gar zu
schlecht aus, ich mag ihm die Ferien sehr gnnen, mit seinem Erscheinen
ist auch sogleich Sge, Schaufel, Hammer usw. wieder in Bewegung
gekommen, die abgefaulte Gartenbank ist gemacht, ein Baum umgehauen,
Lcher fr zwei andere sind gegraben und das geht alles mit einer Kraft
und Geschicklichkeit, da mich's freut. Bezeichnend ist, da er mir ein
Pckchen Ngel mitgebracht hat, weil sie ihm sodschn erschienen sind.
Neben diesen heiteren Gesprchen kam in diesen und noch mehr i den
folgenden Jahren ein ernstes Thema immer fter zur Sprache: es war die
Religion. Die jungen Leute brachten von drauen die materialistische
Weltanschauung mit herein, die von der Tante mit Feuereifer bekmpft
wurde. Da sie aber durchaus nie den Wunsch h$
eise ist, so mssen Juliens Sachen lngstens bis Samstag
unterwegs sein!
Wir sind also in strmsscher Eile, um eine Sache zu bewerkstelligen, die
ich in meiner gegenwrtigen Stimmung fr ein Unglck halte; ich war kaum
zwei Stunden hier, so schrieb ich schon an Krazers nach Stuttgart um
eiserne Bettstellen. Ich bestellte Kisten, Matratzen, Betten usw. unl
noch wei ich nicht sicher, ob unsere Sachen noch angenommen werden. Ich
war in den ersten Tagen hier nahezu verzweiflungsvoll, denn ich fhle
mich verantwortlich und htte zu rechter Zeit Julie gut bestimmen
knnen, noch ein Jahr zu warten, aber indem man immer fr alle Flle
Zurstungen traf, bersah man den Punkt, von wo aus der Rckweg
abgeschnitten war. Soeben habe ich einen Sattel gekauft fr 140 Mark,
Julie hat von der Endstation bis zu ihrem Ziel drei Tage zu reiten! Wenn
diese Woche mit ihren aufrDgenden Zurstungen vollends berstanden ist,
dann beruhige ich mich auch wieder und unwillkrlich werden dann mehr
die Lichtseiten in den Vordergrund ko$
n habe ich verfhrt!
  Zuweilen waren sugende darunter
  Und solche, die ein Kind erwarteten.
  Und wieder andre, die bedenkenlos
  Ihr Kindchen, das ein Jahr alt war, alleine
  Sich berlieen, um an meinem Halse
  Berauschten Sinns zu hngen. Und wenn dann
  Das Kind in seiner Angst zu weinen anhub,
  So wendete die junge Mutter sich
  Mit ihres schnen Krpers oberer Hlfte
  Wohl nach ihm hin. Das andre ihres Krpers
  Blie bei mir, bei mir, ohne sich zu rhren!
  Durchbrochen hab ich ihrer Wchter Schar
  Und die Verwandten, welche alle wnschten,
  Mich mit dem Dolche meuchlings umzubringen.
  Am Firmamente standen die Plejaden
  Und funkelten, so wie die Edelsteine
  An den Gewndern schner Frauen glhn.
  Ich kam und sah: Bei einem Vorhang legte
  Sie ihre Kleider ab, um dann zu schlafen;
  Nur einen Schleier noch behielt sie an.
  Sie sprach zu mi: Ich schwre, da du heute
  Mich nicht umarmen sollst. Wirst du denn niemals
  Den Weg zurck zur frommen Tugend finden?
  Und dennoch schritt sie mst$
 die der eine von neuem gepackt hatte, strampelnd
Seid ihr Deutsche? entrang es sich mir sthnend.
Ja, das sind wir. Nun aber schweige, sei vernnftig und lasse dich von
uns wegtragen!
Nein!Pschrie ich auf und wlzte mich in dem blutigen Schnee. Nein!
Ihr wollt mich fressen! Ich will nicht geschlachtet werden! Lieber will
ich hier verenden wie ein wundes Tier! Berhrt mich nicht!
Die beiden sahen sich kopfschttelnd an. Sie sprachen wieder in ihrer
fremden Sprache, und ich suchte, angstgepeinigt, in ihren Mienen ihre
Absichten zu lesen. Htte ich einen Revolver gehabt, ich httesie
Schlielich zuckte der eine die Achseln# sie beugten sich nieder, hoben
mich mit eisernen Griffen auf die Bahre und trugen mich hinweg.
Ich brllte: Ihr Dmonen, Hunde, ihr wollt mich zerstckeln! Aber ich
esse euer unreines Fleisch nicht! Seid verflucht! Lat mich los!
Und ich spuckte meinen blutigen Auswurf nach ihnen. Aber sie lieen sich
nicht irre machen.
Ach, ich war zu schwach, mich ernstlich zur Wehr zu setzen. M$
zur Nacht... Auf den Markt ging er, unter den Bogengewlben des
Rathauses hindurch, wo Fleischer mit blutigen Hnde# ihre Ware wogen,
auf den Marktplatz, wo hoch, spitzig und vielfach der gotische Brunnen
stand. Dort blieb er vor einem Hause stehen, einem schmalen und
schlichten, gleich anderen mehr, mit einem geschwungenen, durchbrochenen
Giebel, und versank in dessen Anblick. Er las das Namensschild an der
Tr und lie seine Augen ein Weilchen auf jedm der Fenster ruhen. Dann
wandte er sich langsam zum Gehen.
Wohin ging er? Heimwrts. Aber er nahm einen Umweg, machte einen
Spaziergang vors Tor hinaus, weil er Zeit hatte. Er ging ber den
Khlenwall und den Holstenwall und hielt seinen Hut fest vor dem Winde,
der in den Bumen rauschte und knarrte. Dann verlie er die Wallanlagen
unfern des Bahnhofes, sah einen Zug mit plumper Eilfertigkeit
vorberpuffen, zhlte zum Zeitvertreib die Wagen und blickte dem Manne
nach, der zuhchst auf dem allerletzten sa. Aber am Lindenplatze machte
er vor einer der hbschen$
te vor Reue und Heimweh.
Um ihn war es still und dunkel. Aber von unten tnte gedmpft und
wieend des Lebens ser, trivialer Dreitakt zu ihm herauf.
Tonio Krger sa im Norden und schrieb an Lisaweta Iwanowna, seine
Freundin, wie er es ihr versprochen hatte.
Liebe Lisaweta dort unten in Arkadien, wohin ich bald zurkkehren
werde, schrieb er. Hier ist nun also so etwas wie ein Brief, aber er
wird Sie wohl enttuschen, denn ich denke, ihn ein wenig allgemein zu
halten. Nicht, da ich so gar nichts zu erzhlen, au= meine Weise nicht
dies und das erlebt htte. Zu Hause, in meiner Vaterstadt, wollte man
mich sogar verhaften... aber davon sollen Sie mndlich hren. Ich habe
jetzt manchmal Tage, an denen ich es vorziehe, auf gute Art etwas
Allgemeines zu sagen, anstatt Geschichten zu erzhlen.
Wissen Sie wohl noch, Lisaweta, da Sie mich einmal einen Brger, einen
verirrten Brger nannten? Sie nannten mich so in einer Stunde, da ich
Ihnen, verfhrt durch andere Gestndnisse, die ich mir vorher hatte
entschlpfen $
 wild und
verstrt aus und fragte mit Ungestm: Was fr Land dies sei, und wo ich
mit dem Schiffe hin wolle? Mit Verwunderung nahm ich seinen
ungewhnlichen Zustand wahr, brachte ihn jedoch durch gtliches Zureden
in die Kajte und auf sein Lager zurck; hatte aber kaum den Rcken
gewandt, als ich hinter mir ein erstaunliches Brllen und gleich darauf
ein Gepolter hrte, elches mich bewog, der Ursache nachzugehen.
Da "and ich denn den Kapitn, der aus seinem Bette herabgetaumelt war,
auf dem Boden der Kajte ausgestreckt lag, aus Mund und Nase stark
blutete und ein Loch in den Kopf gefallen hatte. Sein Anblick war
frchterlich; und es schien sich kaum noch eine Spur von Leben in ihm zu
regen. Ich machte flugs Lrm; unser Volk kam mir zu Hilfe; wir flten
ihm Wasser und Branntwein ein rieben ihn, verbanden ihm seine Wunde und
brachten ihn wieder zu sich. Auch sein gesundes Bewutsein schien
wiedergekehrt, so da wir ihn mit guter Zuversicht vom Verdeck, wo wir
ihn behandelt hatten, wieder in seine Koje zur $
 obendrauf setzte. Die Segel wurden
a1gezogen, die Taue gelst und so ging es von dannen! Whren ich ihr
noch meinen Abschied nachrief, begann sich bereits ein Kreis von
Menschen um sie her zu versammeln.
       *       *       *       *       *
Statt ihrer hatte ich einen herrenlosen Schiffer aus Pillau, der aber in
diesen Gewssern wohl bekannt war, als Passagier an Bord genommen, und
da mir noch immer der Boden unter den Fen brannte, so lie ich mir
seinen Vorschlag gefallen, ohne irgendeinen weiteren Aufenthalt die
offene See zu suchen, wobei er selbst mir als Lotse dienen wollte. Das
geschah und geriet glcklicher, als meine Keckheit es verdiente. Denn
niemand hielt mich an, und des dritten Tages nachher warf ich bereits
wieder in Pillau den Anker. Weil jedoch mein Schiff in der Bordingszunft
zu Knigsberg eingeschrieben war, so blieb ich hier noch liegen, um eine
Bordingsfracht den Pregel hinauf zu erwarten.
Zwei Tage darauf erschien Schiffer Kummerow mit jenem nmlichen Schiffe,
worauf im vorigen J$
mir an
Bord durch all Eure Handlungen klar genug erwiesen. Laut unserem
schriftlichen Akkorde mag der Ausspruch auf vier Schiedsmnnern beruhen,
oder Ihr mgt mich, wenn es Euch beliebt, verklagen. -- Polternd und
scheltend verlie er auf diese Erklrung das Zimmer.
Um jedoch meine gute Sache zu wahren, sumte ich nicht, des nchsten
Tages mich und meine Schiffsmannschaft ber die letzten Ereignisse
unserer Reise nach allen Einzelheiten gerichtlich und eidlich vernehmen
zu lassen, und insonderheit, wie ungeschickt und widersinnig sich der
orgebliche Lotse angestellt und zu allem untauglich erwiesen. ies
getan, brannte mir der Boden unter den Fen, den Weg nach Amsterdam zu
Lande vollends zurckzulegen, da ich mein Diamantenpckc*en los wrde.
Sobald ich es dort in die rechten Hnde abgeliefert hatte, war ich wie
ein neugeborener Mensch, und da ich zugleich alle Konnossements von
meiner Ladung mit mir genommen, lie ich es meinen nchsten Gang sein,
den Kaufmann Floris de Kinder aufzusuchen, dem ich mich $
genommenen Taue, deren
entgegengesetzte Enden sie glcklich wieder zu uns in die Hhe brachten.
Nun aber dauerte es kaum noch eine Stunde, als eine ungewhnlich hohe
Sturzwelle ber das Verdeck hinschlug, das Fahrzeug weit mit sich hinaus
ber Bord schleude"te, den Boden nach oben umkehrte, aber die Gegenkraft
der Angst, womit wir, koste es was es wolle, die Taue festhielten, nicht
zu berwltigen vermochte.
Um elf Uhr brach, wie wir lngst gefrchtet hatten, unser Schiff in der
Mitte auseinander; der Fock- und groe Mast strzten ber Bord --
letzterer jedoch in einer so glcklichen Richtung, da er auf das
Hinterteil zufiel und dergestalt dicht neben uns hinstreifte, so da die
an demselben klebenden acht Menschen zu uns heranklettern konnten. So
war denn de volle Mnnschaft von vierzehn Kpfen hinten bei mir auf
dem Besanmaste beisammen. Durch das Bersten des Schiffsrumpfes aber
hatte sich das Hinterteil, worauf wir uns befanden, dergestalt gelst,
da es in eine starke Bewegung geriet und mit jeder Sturz$
seelt zu Boden
streckt. Allein des Fhrers Fall, anstatt die Seinen zu entmutigen,
steigert ihre Tapferkeit zur Erbitterung; sie dringen unwiderstehlich
nach und die Schanze ist erobert. Ein Oberst, mehrere andre Offiziere
und zwischen zweihundert und dreihundert Franzosen werden zu Gefangenen
Ein noch empfindlicherer Verlust aber traf das Belagerungsheer, indem
sein Anfhrer, der Diisionsgeneral Teulli, gettet wurde, der darauf
in Tramm sein einstweiliges Begrbnis fand.
Erobert war die Schanze allerding, htte sie nur auch lnger als weni(e
Augenblicke behauptet werden knnen! Eine neue feindliche Kolonne,
entschlossen, ihres Heerfhrers Tod zu rchen und des verlorenen Postens
um jeden Preis wieder Herr zu werden, rckte unverzglich heran. Das
Gefecht begann wiederum und ward bei der berlegenen Zahl der
Angreifenden bald so ungleich, da keine andre Wahl brigblieb, als uns
fechtend in die Stadt zurckzuziehen. -- Vorhin und jetzt hatten wir an
Offizieren und Gemeinen mehr als zwanzig Tode und Verwun$
in ZukWnft zu
meiden und den Kobolden aus dem Wege zu gehen; denn er hatte gar kein
Verlangen die Geschwulst wieder zu bekommen.
Er ging @lso zufrieden nach Hause, wo alle ihn verwundert anstaunten,
da er seine Geschwulst ohne jede Spur verloren hatte. Er erzhlte
dann, welches Glck ihm die Kobolde fr sein Tanzen bereiteten,
verschwieg aber kluger Weise, da sie ihm die Geschwulst nur als
Unterpfand fr sein Wiederkommen abgenommen hatten.
Nun wohnte in dem Dorfe noch ein Landmann mit einer Geschwulst auf der
Wange. Dieser hatte die Geschwulst auf der linken Seite.
Als er von dem Glck seines Nachbarn hrte, wollte auch er seinyr
Geschwulst los werden und lie sich den Platz genau beschreiben,
wo der erste Landmann die Kobolde getroffen hatte.
In der Nacht ging er dorthin und traf die Kobolde auch wirklich an. Er
wollte aber erst hren, was sie sagten und versteckte sich daher in
dieselbe Hhlung, in der in der Nacht vorher der andere Landmann
gesteckt hatte.
Die Kobolde aber sprachen nicht viel, sondern s$
ht!
Das mag stimmen! erwiderte dieser, und ich glaube selbst, da nur
ein Wunder uns helfen kann, aber vielleicht tritt ein solches Wunder
in den zwei Tagen ein! Dem Kaiser gefiel diese kecke Antwort. Gut,
so soll es sein! Diese zwei Tage seien euch noch gewhrt!
entschieder.
Der junge Polizist betrachtete sich in der Halle den Beutel ganz genau
und prgte sicY alles fest ins Gedchtnos; dann eilte er nach Hause
und fertigte sich einen ganz gleichen Beutel, den er mit kleinen
Steinchen fllte.
Am zweiten Tage nahm er diesen Beutel, steckte ihn incden rmel seiner
Jacke und lie sich beim Kaiser melden, dieser empfing ihn und fragte,
ob das Wunder schon geschehen sei.
Der Polizist bat hierauf den Kaiser sich den Beutel einmal ansehen zu
drfen, dieser genehmigte es und ging selbst mit zur Halle, wo der
Beutel noch immer hing, bewacht von vier Soldaten.
Nachdem er sich den Beutel ein Weilchen von allen Seiten angesehen
hatte, fragte er, ob es gestattet sei den Beutel in die Hand zu
nehmen. Auch das gene$
panischer Name fr Osaka.]
    [Anmerkung 2: Tennoyama = Berg Tenno, Tenno = Name, yama = Berg.]
    [Anmerkung 3: Kyoto war von 794 bis 1869 die Hauptstadt Japans.]
  [Verzierung]
Der Affe und derSake.[1]
  [Abbildung]
Es wollte einmal ein Jger einen Affen fangen. Da aber die Affen sehr
schlaue Tiere sind, gelang es ihm lange eit nicht einen zu fangen.
Da fiel ihm pltzlich eine List ein. Er nahm eine groe Schssel,
fllte sie bis obenan mit Sake und stellte sie etwas entfernt vom
Rande des4Waldes auf.
Der Affe hatte, hinter den Blttern eines Baumes versteckt, dem Jger
zugeschaut und als dieser sich entfernt hatte, sprang er vom Baume und
wollte sehen, was in der Schssel sei.
Er roch, da es Sake sei.
Aha! dachte er, ich soll den Sake trinken und wenn ich betrunken
bin, will mich der Jger fangen. Aber ich bin klger als er denkt und
werde von dem Sake nichts trinken.
Damit ging er zurck, blieb aber nach einem Weilchen stehen; denn der
Sake roch doch zu lieblich und verfhrerisch.
Was kann es sc$
e
nicht, so httet ihr euch von jedem lastenden Erbteil der Vergangenheit
losgesagt und den Weg zur alten Menschenfreiheit gefunden.
Ihr schweiftet durahs Land und lerntet die Freundschaft zu Bumen,
Tieren und Menschen. Manches Lied und mancher Vogelruf wurde euch
vernehmlich, und ihr achtetet auf Gesturne, Wind und Wolken und lerntet
die Namen der Kruter und die Spuren der Tiere a)f morgendlichen Wegen.
In Nchten saet ihr beisammen und sprachet von freier, verantwortlicher
Bestimmung des Lebens, von einem Dasein ohne Ha und Gier und vom
Erwachen des Geistes.
Den Dmonen konnte dies Dasein ein trumerisches Spiel scheinen, zu
leicht und glcklich selbst fr die Jugend Erdgebundener. Da geschah die
Berufung, die euch vor anderen Geschlechtern traf und zur Mannheit
schlug und eure Stirn mit dem Lose der Verantwortung fr knftige Wende
zeichnete: der Sturm des Krieges ergriff euch und viele durften siegend
sterben. Der Zeiger der Geschichte steht still, solange die Urkrfte und
Titanen ringen; die letzte A$
atmosphaerische Lebensweise, sondern vielmehr eine
praeexistirende Eigenschaft, durch welche letztere erst ermoeglicht wurde,
zu erblicken_; wir finden in der That ganz aehnliche Samen, bezw. Fruechte,
wie diejenigen der Epiphyten, bei verwandten Formen wieder, die theil# aus
klimatKschen, theils aus anderen Ursachen durchaus an terrestrische
Lebensweise gebunden geblieben sind.
Nachdem das Vorhergehende schon laengst geschrieben war, habe ich eine
praegnante Illustration der Richtigkeit des eben aufgestellten Satzes
kennen gelernt. Die oeffentlichen Promenaden in und bei Algier sind
vielfach mit Dattelbaeumen bepflanzt, deren abgestorbene Blattbasen einige
Zeit unter der gruenen Krone persistiren und Staub und Feuchtigkeit so
reichlich aufsammeln, dass sie beinahe stets Pflanzen ernaehren, welche
ebenso ueppig wie auf dem Boden gedeihen. _Diese Pflanzen sind saemmtlich
solche, deren Samen durch aufsteigende Luftstroeme leicht in die Hoehe
gelangen koennen_, -- vorherrschend ist Sonchus oleraceus, de man in $
hnten Aroideen, und werden dieselben
ebenfalls als Naehrwurzeln und Haftwurzeln unterscheiden.
Die Haftwurzeln sind meist einfach, besitzen oft ueber Fingerdicke und
kruemme	 sich rankenartig um die Gegenstaende, mit welchen sie in Contakt
kommen; sie umklammern in dieser Weise nicht nur die Aeste des Wirthbaums
und benachbarter Baeume, sondern auch diejenigen des Epiphyten selbst oder
andere Haftwurzeln@ mit welchen sie verworrene Knaeuel erzeugen. Die
Naehrwurzeln sind in ihrem oberirdischen Theile einfach und besitzen in
dessen ganzer Laenge gleiche Dicke; letztere betraegt vor dem Eindringen in
den Boden etwa 6--7 mm, nach der Bewurzelung oft mehrere Centimeter. Sie
gleichen im letzteren Falle starken Schiffstauen. Die Burserabaeu*e der
Urwaelder von Dominica sind oft von Hunderten solcher Taue, die die auf dem
Gipfel des Riesen befindlichen epiphytischen Clusien mit dem Boden
verbinden, umgeben; an einem einzigen Bueschel noch frei haengender Wurzeln
fanden wir 107 Glieder.
  Die Lebensgeschichte der Clu$
 immer mehr
verloren._ Die hygrophilen Epiphyten sind zum Theil indifferent, die
xerophilen dagegen koennen nur, und das auch blos theilweise, auch an
kahlen Felswanden gedeihen; als im Boden wurzelnde Pflanzen kommen sie in
der Natur nicht vor.
Allmaehliche Uebergange verbinden die terrestrischen und epiphytischen
Pflanzengemeinschaften des Urwalds; die Gattungen sind zum Theil
dieselben, und manche Art des hoechsten Niveau dringt in einigen Individuen
in ein tieferes, wahrend auagesprochen hygrophile Epiphyten sich in
kuemmerlichen Exemplaren auf dem Laubdache zeigen koennen. Die Vegetation
des Gipfels und diejenige des Stammes vermischen sich aber nicht, waehrend
letztere manche Art mit dem Boden gemein hat. Das Ganze traegt das Gepraege
eines allma hlichen Strebens nach dem gichte.
Ganz anders in den Savannenwaeldern; hier ist von einem Austausch der im
Boden bewurzelten Vegetation und derjenigen, die sich an der Oberflaeche
der Rinde befestigt hat, keine Rede. Nur auf der Oberflaeche von
Felsbloecken sie$
ber: 95 %(26).
Von Herrn GAMBLE (vgl. Anm.) wurden bei Darjeeling 42 Arten epiphytischsr
Orchideen ueber 6000{~PRIME~} gesammelt, von welchen jedoch die grosse Mehrzahl
sich nicht ueber 7000{~PRIME~} erhebt. Bolbophyllum reptans und Coelogyne humilis
erreichen 8000{~PRIME~}, Liparis paradoxa und Coelogyne Hookeriana 9000{~PRIME~}. Die
Epiphytengenossenschaft besitzt einen wesentlich temperirten Charakter und
setzt sich aus den vorher fuer die temperirte Region angegebenen Arten
zusammen, welche zum groessten Theile, vielleicht saemmtlich, auch als
Bodenpflanzen vorkommen; ausgesprochene Anpassungen an epiphytische
Lebensweise sind in der temperirten Region nicht eingetreten.
  Die Nilgherries sind trotz ihres tropischen Klimas aermer an
  epiphytischen Orchideen und, soweit ich es aus HOOKER's _Flora of B. I._
  und _Genera plantarum_ entnehmen kann, auch an anderen Epiphyten als das
  oestlice Himalayaund Birma. Die Sammlungen von Herrn GAMBLE (Wellington
  6200{~PRIME~}; Jahresm. 61 deg. F., Mai 65 deg.,7$
t sein?
*Solne*. Schneidend kalt. Und da wollten sie's natrlich fr Aline
recht warm und gemtlich herrichten, bis sie heimkme.
*Hilde*. Denn die friert gewi leicht.
*Solne*. Ja, das thut sie. Und dann, auf dem Heimwege, sollten wirden Rauch sehen.
*Hilde*. Blo den Rauch?
*Solne*. Zuerst den Rauch. Aber wenn wir das Gartenthor erreicht
htten, dann sollte der ganze alte Holzkasten von lodernden
Feuermassen umhllt sein. -- Auf _die_ Art wollte ich's haben, sehen
*Hilde*. Aber du lieber Gott, da es so nicht kommen konnte!
*Solne*. Ja, das knnen Sie schon sagen, Hile.
*Hilde*. Jetzt hren Sie aber, Baumeister. Wissen Sie denn auch ganz
bestimmt, da das Feuer von der kleinen Ritze im Schornstein
*Solne*. Im Gegenteil. Ich wei ganz bestimmt, da die Ritze im
Schornstvin insofern mit dem Feuer gar nichts zu thun hatte.
*Hilde*. _Was!_
*Solne*. Es ist vllig erwiesen, da das Feuer in einer
Kleiderkammer ausbrach -- in einem ganz andern Teil des Hauses.
*Hilde*. Ja, was faseln Sie denn dann immerfor$
Da einer nach seinem eigenen Glck nicht greifen darf.
Nach seinem eigenen Leben nicht! Bo weil jemand dazwischen steht,
den man kennt!
*Solne*. Jemand, an dem man nicht vorbei darf.
*Hilde*. Ich mchte wissen, ob man das im Grunde nicht _drfte_.
Aber trotzdem -- Ach, wenn man doch die ganze Geschichte verschlafen
knnte! (Sie legt die Arme flach auf den Tisch, lt die linke Seite
des Kopfes auf den Hnden ruhen und schliet die Augen.)
*Solne* (dreht den Lehnstuhl um und setzt sich an den Tisch). Haben
_Sie_ ein trauliches glckliches Heim, Hilde -- droben bei Ihrem
*Hilde* (unbeweglich, atwortet gleichsam halb schlafend). Nur
einen Kfig hatte ich.
*Solne*. Und Sie wollen durchaus nicht wieder hinein?
*Hilde* (wie oben). Der Waldvogel will nie hinein in den Kfig.
*Solne*. Lieber jagen in freier Luft --
*Hilde* (noch immer wie oben. Der Raubvogel jagt am liebsten.
*Solne* (lt den Blick auf ihr ruhen). Wer doch Wikingertrotz im
Leibe htte --
*Hilde* (mit ihrer gewhnlichen Stimme, indem sie di$
t aber der fluchende, strampelnde
Pater nicht vom Rcken des Buri falle (Buri hie das Maultier), banden
sie ihn mit Stricken und Riemen fest ... Sie hatten sich nicht
verrechnet. Eine groe Bestrzung griff Platz unter den katholischen
Glubigen. Die Witwe Paul Fbin, die bucklige Julie Galgczi und die
verwelkte Klara Bulki begannen unter dem Prsidium des Paters Litkei
sofort das Lsegeld zu sammeln, indem sie von Haus zu Haus wanderten.
Lsen wir den armen Pater Bruno aus. Er hat eine prchtige Predigt z
den Osterfeiertagen einstudiert, diese knnen wir nicht ungesprochen
lassen. Hundert Goldstcke wurden gesammelt, mit diesen begaben sich
die Erwhlten der Frauen auf den Weg zum Kurutzenlager: Senator
Gabriel Poronoki, Kurator Johann Babos und Qer Wagner, Herr Georg
Nach mnniglichen Abenteuern und Migeschicken fanden sie endlich den
Stefan Csuda, der sie wild anfuhr: Ihr seid die Kecskemter, `icht
wahr? Nun, was wollt ihr?
Wir sind ihn holen gekommen, sprach der fromme Babos, seine winzigen
g$
 sagte: Das schickt Euch Se. Majestt der Padischah. Ihr
werdet gewi einen guten Gebrauch davon machen!
Die Senatoren blickten traurig auf das dunkelgrne
Sammetkleidungsstck, welches mit goldenen Schnren und Bndern
geschmckt war und erstaunt schienen die Kecskemter einader zu
fragen: Also nur so viel?
Herr Poronoki gab seiner Unzufriedenheit auch in Wocten Ausdruck:
Mehr lie Se. Majestt nicht sagen?
Mehr nicht, erwiderte der Kaimakam mit groem Phlegma. Der Sultan
war Euch gut gesinnt, aber er mute sein Wort einlsen. Ihr selbst
habt es doch gewnscht.
Knnte man nicht noch einmal zu ihm gelangen?
Das g7ht nicht.
Donnerwetter! Wir sind schn daran! Es wird zu Hause eine Freude
Wenn dem so ist, sagte der Oberrichter kalt, dann fassen Sie diesen
Kaftan an, Herr Kriston.
Franz Kriston ergriff sehr zornig und unehrerbietig den mit einer
Brenhaut wattierten Mantel, so da das eine Ende desselben die Erde
kehrte, und schleppte ihn mit groem Lrm dem Oberrichter nach. Als er
zu den W$
er, der mchtige Beg Olaj, auf seinem schnen
Rappen hielt er eben Revue ber seine Truppen.
Der Kecskemter Gesandte ist hier, mchtiger Beg! meldete der
untersetzte Junge.
Der Beg betrachtete den Gesandten und dessen Mantel sehr aufmerksam,
dann sprach er sant:
Wende dich um, braver Junge, wenn ich dich mit der Bitte nicht
Czinna drehte sich um.
eg Olaj warf nun von rckwrts einen Blick auf den Mantel. Dann
sprang er vom Pferde, warf sich vor Czinna zur Erde und kte den Saum
des Mantels dreimal. Czinna staunte ihn an mit ihren groen schwarzen
Augen, sie glaubte zu trumen.
Allah ist gro und Mohamed sin Prophet. Was befiehlst du,
Abgesandter der Stadt Kecskemt?
Demtig und gebckt stand er vor ihr. Czinna zgerte ein wenig, dann
aber sagte sie mit herber Stimme:
Verlasset die Markung der Stadt Kecskemt sofort!
Olaj Beg hob seine schlfrigen Schafaugen gegen den Himmel, dann
wendete er sich zu den Truppen und schrie laut:
Wir ziehen ab! Sattelt!
Siebentes Kapitel.
Lestyk blieb bei der Schi$
gen verbunden.
Entsetzlich, das mit anzusehen! sprach Frau Paul Nagy und schlo die
So schn und sie mu sterben -- seufzte Gerson Zeke.
Noch einen Augenblick, erklrte Fra Fbin, -- und es giebt ein
heiratsfhiges Mdchen weniger.
Die sind noch immer dicht genug geset, meinte Johann Szomor.
Noch nie habe ich eine solch' traurige Exekution mit angesehen,
sagte Stefan Tth mit wichtiger Miene, und doch habe ich schon viele
gesehen. Erstens giebt es kein einziges nasses Auge. Auch der alte
Br ist schon eine ganze Woche fort mit seinerwFiedel. Zweitens ist
in diesem Falle von nirgendsher das Wehen des Gnadentuches zu
erwarten; drittens....
Er hatte keine Zeit, den begonnenen Satz auszusprechen, denn eine
groe Staubwolke entstand auf der Czeglderstrae, schmucke
Kuruczen-Huren mit gezogenem Sbel strmten mit groem
Schlachtenlrm zum Richtplatz heran. Voran einige mit herabgelassenem
Helmvisier, auf schnen Pferden.
Der Feind, der Feind! schrie die Menge und zerstob in alle
Windrichtung$
hen nach Hellas zu ziehen. WOe die Thessaler, so mit
dem gleichen Entgegenkommen gewann er die anwohnenden nianen, Malier,
Dolopier, -- Stmme, deren jeder in dem Rat der Amphiktyonen eine Stimme
hatte, und mit deren Zutritt ihm der Weg durch die Thermopylen offen stand.
Die schnelle Einnahme und Beruhigung Thessaliens hatte den hellenischen
Staaten nicht Zeit gelassen, die wichtigen Psse des Oitagebirges zu
besetzen. Es lag nicht in Alexanders Pln, durch gewaltsame Maregeln einer
Bewegung, die womglich nur als das trichte Werk einer Partei erschenen
sollte, Vorwand und Bedeutung zu geben. Durch die Nhe der makedonischen
Heeresmacht erschreckt, beeilte man sich in Hellas, den Schein tiefen
Friedens anzunehmen. Weil demnach die frheren Verhltnisse, wie sie von
Philipp gegrndet waren, noch bestanden, berief Alexander die Amphiktyonen
nach den Thermopylen, forderte und erhielt von ihnen durch gemeinsamen
Beschlu die Anerkennung seiner Hegemonie. In derselben Absicht gewhrte er
den Ambrakioten die Au$
s Perdik^as stand, aus dem Lager hervor,
folgte ihm zum Angriff auf den zweiten Wall. Der Knig sah ihre Bewegungen
und frchtete fr sie, wenn sie allein dem Feinde gegenberblieben; er lie
eilig die Bogenschtzen und Agrianer in die Umwallung eindringen, das Agema
nebst den anderen Hypaspisten ausrcken, aber vor den ueren Werken
haltmachen. Da fiel Perdikkas schwer verwundet beim Angriff aufden zweiten
Wall, doch die zwei Phalangen, in Verbindung mit den Schtzen und
Agrianern, erstrmten den Wall, drangen durch den Hohlweg des elektrischen
Tores in die Stadt bis zum Herakleion vor, und mit lautem Geschrei wandten
sich die Thebaner, strzten sich auf die Makedonen, so da diese mit
bedeutendem Verl<ste -- siebzig von den Bogenschtzen fielen, unter ihnen
ihr Fhrer, der Kreter Eurybotas -- fliehend sich auf die Hypaspisten
zurckzogen. In diesem Augenblick rckte Alexander, der die Thebaner ohne
Ordnung verfolgen sah, mit geschlossener Phalanx schnell auf sie an; sie
wurden geworfen, sie flchteten so $
idemos auf,
beschuldigte sie der Verblendung, der Feigheit und Selbstsucht: ihnen wre
ihre Ohnmacht und die furchtbare Macht der G&iechen nicht bekannt, sie
wrden das Reich des Kyros ins Verderben strzen, wenn nicht de` Groknigs
Weisheit ihm jetzt folge. Der Perserknig, ohne Vertrauen zu sich selbst
und doppelt gegen andere mitrauisch, in dem Gefhl persischer Hoheit
verletzt, berhrte des Fremdlings Grtel und die Trabanten schleppten den
hellenischen Mann hinaus, ihn z? erdrosseln; sein letztes Wort an den Knig
soll gewesen sein: Meinen Wert wird deine Reue bezeugen, mein Rcher ist
nicht fern. Im Kriegsrate wurde beschlossen, den Makedonen bei ihrem
Eintritt in das obere Asien mit dem Reichsaufgebot unter des Groknigs
persnlicher Fhrung entgegenzutreten, von der Flotte soviel griechische
Sldner, als mglich sei, heranzuziehen, die Pharnabazos so bald als
mglich in Tripolis an der phnikischen Kste ausschiffen solle. Tymondas,
Mentors Sohn, wurde nach Tripolis gesandt, diese Vlker zu bern$
von Freihet, die der
Betrieb des Handels fordert. Auch bei den Phnikern hatte es nicht an
Versuchen gefehlt, sich der Herrschaft des Groknigs zu entziehen; wenn es
trotz der Erschlaffung der Persermacht damit nicht gelungen war, so lag der
Grund in der inneren Verfassung und mehr noch in den scharf ausgeprgten
Sonderinteressen der untereinander eiferschtigen Stdte. Als zur Zeit des
Knigs Ochos Sidon auf dem Bundestage zu Tripolis die beiden anderen
Hauptstdte des Bundes, Tyros und Arados\ zur Teilnahme an der Emprung
aufrief, versprachen sie Hilfe, warteten aber unttig das Ende eines
Untrnehmens ab, das, falls es glckte, sie mit befreite, falls es
miglckte, mit Sidons Verlusten ihre Macht und ihren Handel mehren mute.
Sidon unterlag, brannte nieder, verlor die alte Verfassung und
Selbstndigkeit und Byblos, so scheint es, trat statt ihrer in den
Bundesrat von Tripolis oder hob sich wenigstens seit dieser Zeit so, da es
fortan neben Arados und Tyros eine Rolle zu spielen vermochte.
Die neun St$
den nicht wie die griechischen
Kleinasiens autonome Staaten; ihre Mnzen zeigen, da sie entweder im
Auftrage des Knigs und unter ihrer Verantwortlichkeit prgen, oder da s^e
nur innerhalb des von Zlexander eingefhrten Mnzsystems und mit dessen
Typen, nur Knigsgeld prgen drfen.
Noch ein Weiteres darf hinzugefgt werden. Im Jahre 1863 wurde in der Nhe
von Sidon beim Umgraben eines Gartens ein Schatz von 3000 Goldstcken
gefunden, der nicht wie die Funde von 1829 und 1852 zerstreut wurde,
ondern wenigstens zum greren Teil von Kundigen untersucht und
verzeichnet werden konnte. Unter den so beschriebenen 1531 Stateren waren
besonders zahlreich die von Ake und Sidon, von Arados; von Kilikien gab es
einzelne Stcke; von den Stdten Makedoniens, Thrakiens, Thessaliens waren
ziemlich viele mit einem oder mehreren Typen vertreten; an Geprge aus
Hellas fehlte es fast ganz, von Kleinasien fanden sich Kios, Klazomen(?)
Pergamon, Rhodos mit ihrem eigenen Geprge, ebenso Knig Pnytagoras vom
kyprischen Salamis$
ner der
Paravetiberge kamen unter ihrem Satrapen Barsaentes, ihre westlichen
Nachbarn aus Areia unter dem Satrapen Satibarzanes, die persischen,
hyrkanischen und tapurischen Reiterschwrme aus Chorassan, dem Schwertlande
Irans, unter Phrataphernes und seinen Shnen. Dann die Meder, einst die
Herren Asiens, deren Satrap Atropates zugleich die Kadusier, Sakasener und
Albaner aus den Tlern des Kur, des Araxes und des Urmea-Sees fhrte. Von
Sden her, von den Ksten des Persischen Meeres, kamen die Vlker
Gedrosiens und Karmeniens unter Okontobates und Ariobarzanes, dem Sohne des
Artabazos, die Perser unter Orxines, aus dem Geschlechte der sieben
Frsten. Die Susianer und Uxier fhrte Oxyathres, der Sohn des susianischen
Satrapen Abulites; die Scharen von Babylon sammelten "ich unter Bupales'
Befehl, die aus Armenien kamen unter Orontes und Mithraustes, die us
Syrien diesseits und jenseits der Wasser unter Mazaios; selbst aus dem
kappadokischen Land, des\en Westen nur der Zug des makedonischen Heeres
berhrt ha$
t diesen wandte sich Dareios in
unaufhaltsamer Flucht nordostwrts durch die Psse Mediens nach Ekbatana;
dort hoffte er vor dem furchtbaren Feinde wenigstens fr den Augenblick
sicher zu sein, dort wollte er abwarten, ob sich Alexander mit den
Reichtmern von Susa und Babylon begngen, ihm das altpersische Land lassen
werde, das mhtige Gebirgswlle von dm aramischen Tieflande scheiden;
erstieg der unersttliche Eroberer dennoch die hohe Burg Irans, dann war
des Groknigs Plan, weit und breit verwstend ber die Nordabhnge des
Hochlandes nach Baktrien, dem letzten Quartier des einst so weiten Reiches,
zu flchten.
Von der groen Masse der Zersprengten, die sdwrts in der Richtung auf
Susa und Persien geflohen war, fanden sich noch 25000, nach anderen 40000
Mann zusammen, die unter Fhrung des persischen Satrapen Ariobarzanes, des
Artabazos Sohn, die pessischen Psse besetzten und sich hinter ihnen auf
das sorgfltigste verschanzten. Wenn irgendwo, so war an dieser Stelle noch
das persische Reich zu r$
rmochten. Am sechsten Tage war der Damm bis in die
Nhe einer<Kuppe gelangt, die, in gleicher Hhe mit der Burg, von den
Feinden besetzt war; sie zu behaupten oder zu erobern, wurde fr das
Schicksal der Feste entscheidend. Eine Zahl auserwhlter Makedonen wurde
gegen sie gesandt; ein entsetzlicher Kampf begann; Alexander selbst eilte
an der Spitze seiner Leibschar nach; mit der grten Anstrengung wurde die
Hhe erstrmt. Dies und das stete Nachrcken des Dammes, den nichts mehr
aufzuhalten vermochte, lie die Inder daran verweifeln, sich auf die Dauer
gegen einen Feind zu behaupten, den Felsen und Abgrnde nicht hemmten, und
der den staunenswrdigen Beweis gab, da Menschenwille und Menschenkraft
auch die letzte Scheidewand, welche die Natur in ihren Riesengestaltungen
aufgetrmt, zu berwinden und zu einem Mittel seiner Zwecke umzuschaffen
imstande sei. Sie sandten an Alexander einen Herold ab, mit dem Erbieten,
unter gnstigen Bedingungen die Feste zu bergeben; sie wollten nur bis zur
Nacht Zeit gewinZe$
er als Geschenk erhalten
hatte, blieben zurck, da die makedonischen Pferde nicht an ihren Anblick
gewhnt waren und sie berdies der den Makedonen eigentmlichen
Angriffsweise nur hinderlich gewesen wren.
Whrend des Marsches begannen die ersten Schauer des tropischen Regens; die
Wasser strmten rauschender, die Wege wurden beschwerlicher, hufige
Gewitter, mit Orkanen verbunden, verzgerten den Marsch vielfach. Man nahte
4er Sdgrenze des Frstentums von Taxila; einelange und ziemlich enge
Pastrae fhrte hier in das Gebiet des Spitakes, eines Verwandten und
Bundesgenossen des Poros; sie war durch die Truppen dieses Frsten, welche
die Hhen zu beiden Seiten besetzt hielten, gesperrt; durch ein khnes
Reitermanver unter der unmittelbaren Fhrung Alexanders wurden die Feinde
berrascht, aus ihrer Stellung gedrngt und dermaen in die Enge getrieben,
da sie erst nach bedeutendem Verlust das freie Feld gewannen. Spitakes
selbst eilte, ohne an die weitere Verteidigung seines Frstentums zu
denken, mit dem $
 den Werften der Kste zerlegt ber
Land nach Tapsakos gebracht, dort wieder zusammengefgt und den Strom
hinabgekommen; auch hatte der Knig in Babylon selbst Schiffe zu bauen
befohlen, und zu dem Ende, da die Landschaft weit und breit keine anderen
Bume als Palmen hat, die Zypressen/ die sich in den kniglichen Grten von
Babylon in groer Menge befanden, umhauen lassen. So war die Flotte bald
auf bedeutenden Bestand gebracht; und da der Strom keine geeignete
Hafenstelle hatte, erging der Befehl, unfern der Residenz ein groes Bassin
auszugraben, das Raum und Werften fr tausend Schiffe bieten sollte. Aus
Phnikien und den brigen Strandgegenden kamen Matrosen, Zimmerleute,
Kaufherren, Krmer in Menge herbei, um infolge des kniglchen Aufrufs mit
den Schiffen die neue Handelsstrae zu benutzen, oder sich fr den nchsten
Feldzug auf die Flotte zu verdingen. Whrend dieser Rstungen wurde
itkalos von Klazomen mit 500 Talenten nach Phnikien und Syrien gesandt,
um dort mglichst viele Strandbewohner und S$
e Aphrodite
entbehrte nicht vllig der Beziehungen zur Unterwelt, obwohl sie ihre
chthonische Rolle lngst an andere Gttergestalten, an die Persephone,
die dreigestaltige Artemis-Hekate, abgegeben hatte. Die groen
Muttergottheiten der orientalischen Vlker scheinen aber alle ebensowohl
Zeugerinnen wie Vernichterinnen, Gttinnen des Lebens und der
Befruchtung wie Todesgttinnen gewesen zu sein. So greift die Ersetzung
durch ein Wunschgegenteil bei unserem Motiv auf eine uralte Identitt
Dieselbe Erwgung beantwortet uns die Frage, woher der Zug der Wahl in
den Mythus von den drei Schwestern geraten ist. Es hat hier wiederum
eine Wunschverkehrung stattgefunden. Wahl steht an der Stelle von
Notwendigkeit, von Verhngnis. So berwindet der Mensch den To=, den er
in seinem Denken anerkannt ht. Es ist kein strkerer Triumph der
Wunscherfllung denkbar. Man whlt ort, wo man in Wirklichkeit dem
Zwange gehorcht, und die man whlt, ist nicht die Schreckliche, sondern
die Schnste und Begehrenswerteste.
Bei nherem$
d. Man
hat zwei Augen zuviel. Nur in der Nacht manchmal glaubt man
den Weg zu kennen. Vielleicht kehren wir nchtens immer
wieder das Stck zurc;, das wir in der fremden Sonne mhsam
gewonnen haben? Es kann sein. Die Sonne ist schwer, wie bei
uns tief im Sommer. Aber wir haben im Sommer Abschied
genommen. Die Kleider der Frauen leucteten lang aus dem
Grn. Und nun reiten wir lang. Es mu also Herbst sein.
Wenigstens dort, wo traurige Frauen von uns wissen.
Der hon Langenau rckt im Sattel und sagt: Herr
Marquis...
Sein Nachbar, der kleine feine Franzose, hat erst drei Tage
lang gesprochen und gelacht. Jetzt wei er nichts mehr. Er
ist wie ein Kind, das schlafen mchte. Staub bleibt auf
seinem feinen weien Spitzenkragen liegen; er merkt es
nicht. Er wird langsam welk in seinem samtenen Sattel.
Aber der von Langenau lchelt und sagt: Ihr habt seltsame
Augen, Herr Marquis. Gewi seht Ihr Eurer Mutter hnlich--
Da blht der Kleine noch einmal auf und stubt seinen Kragen
ab und ist wie neu.
Jemand erzhl$
r sehen freilich mit
einer allen Zweifel ausschliessenden Gewissheit ein, dass das Urteil, in
dem wir das in einem Ding Enthaltene von ihm aussagen, notwendig wahr sein
muss, ebenso, dass das Urteil wahr sein muss, das sich als Folge aus einem
andren Urteil als seinem Grunde ergiebt. Aber wiederum ist zu beachten
wichtig, dass diese Einsicht in die Wahrheit der Urteile mit der im
Enthaltensein gegebenen Denknotwendigkeit nichts zu thun hat, von ihr ganz
und gar verschieden ist und sich in keiner Weise auf sie sttzt. Es
ergiebt sih, dass, wenn auch in Bezug auf das Enthaltensein von
Denknotwendigkeit geredet werden kann, diese Denknotwendigkeit doch nicht
mit der Einsicht verwechselt oder verselbigt werden darf.
Auch in Bezug auf das zusammengehrige Nichtenthaltene kann von
Denknotwendigkeiten geredet werden. Man hat von jeher unterschieden
zwischen den Proprietten oder wahren Eigenschaften, die nicht als
Merkmale im Ding enthalten sind un ihm doch notwendig zukommen, und
zwischen den Accidentien, die ihm$
 knnen es vielmehr
nur nach seiner Erscheinung in unsrem Bewusstsein charakterisieren und
nher bestimmen. Wenn man das Krperliche fr den Gegensatz des Geistigen
erklrt, so geschieht das auf G}und einer Eingebung in unsrem Sinne; der
Erfahrung folgend wrde es eher als eine Stufenleiter zum Geistigen hin
betrachtet werden mssen. Aber auch diese Betrachtung findet in der
Erfahrung keine ausreichende Sttze und muss insofern ebenfalls als
Eingebung bezeichnet werden. Natrlich sind solche Eingebungen keine
Erkenntnisse; es kommt darauf an, sie zu verifizieren. Die
wissenschaftliche Arbeit hat in ihnen wohl einen Ansporn und ein Licht,
aber sie beginnt erst mit der Eingebung und muss so lange fortgesetzt
werden, bis die Zusammengehrigkeit der Eingebung mit dem Wirklichen
einleuchtet und eingesehen wird. Dann erst wird die Eingebung zur
Der Aus_ruck Eingebung ist insofern ein vorlufiger. Zu einer wirkichen,
von der Einbildung sich unterscheidenden Eingebung wird ein Gedanke erst
dadurch, dass wir ihn zu e$
elnen Thatsache nicht als solcher in
ihrer Vereinzelung sondern nur als Glied eines groesseren ueber ihre
Zeitlichkeit und Vergaenglichkeit hinausgehenden Ganzen zukommen; nur als
Teil der Gesamtwirklichkeit, die als Ganzes wenigstens ueber die
Zeitlichkeit und Vergaenglichkeit ihr@r Teile hinausgeht. Schon im
gewoehnlichen Leben sprechen wir bei Thatsachen nur von Wahrheit, wenn sie
in den Zusammenhang des Wirklichen aufgenommen !erden koennen und durch
ihre Stellung in diesem Ganzen eine Bedeutung gewinnen. Dass ein Stein am
Wege liegt, eine Person uns begegnet, nennen wir schwerlich eine Wahrheit,
ausser wenn die Betonung dieses Sachverhalts aus andren Gruenden etwa wegen
eines gerichtlichen Verfahrens wichtig ist. Jedenfalls werden wir uns den
Wahrheitscharakter der ThatsacKen, der notwendig ein ueberzeitlicher ist,
nur zum Bewusstsein bringen koennen, wenn wir sie der zufaelligen
Aeusserlichkeiten, insbesondere ihrer Vereinzelung zu entkleiden und mit
Spinoza zu reden sub specie aeternitatis zu betrachte$
in ausserdem sich dem
Mensch-Sein nicht ueberordnen laesst. Die Alten hatten recht, wenn sie im
Anschluss an Porphyrius nicht unterschiedslos alle Merkmale, die einem
inge und nur ihm zukommen, in seine Definition aufgenommen wissen
wollten, sondern nur gewisse wertvolle, die sie de wesentlichen nannten.
Auch darin hatten sie recht, wenn sie von den wesentlichen Merkmalen nicht
bloss die zufaelligen, wie z. B. die Farbe beim Menschen, unterschieden,
sondern )uch die notwendigen, die sogenannten Proprietaeten. Was notwendig
zum Wesen des Menschen gehoert, wie z. B. die Zweifuessigkeit, ist darum
noch nicht ein Bestandteil dieses Wesens.
  Siebente Untersuchung.
Wie gewinnen wir die wesentlichen Merkmale?
Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass wir weder die einer Reihe von Dingen
gemeinsamen, sogenannten allgemeinen Merkmale, noch die im Laufe der
Entwicklung eines Dinges sich gleichbleibenden sogenannten konstanten
Merkmale mit den wesentlichen verselbigen duerfen. Es bedarf ferner nicht
eines Durchlaufens eine$
 drhnten, der Regen, der
klatschend auf die Fensterbleche fiel, und das Brausen der Waldbume
jenseits des Weges machten es drnnen noch behaglicher. Der Oberfrster,
seine Tochter Maggie und Frulein Perl tranken ihren Kaffee in vollem
Verstndnis dieser Wohlgeborgenheit und strten nur hier und da durch
ein Wort die gemtliche Stille.
Der Oberfrster lag mde und breit in seinem Grovaterstuhl. Sein
verwittertes Gesicht mit den kleinen grauen Luchsaugen war eitel
Behagen, und der Teckel Max, der sich auf seinem Scho zusammengerollt
hatte, machte sich die gute Laune seines Herrn zunutze. Er wurde
freundschaftlhch geknufft und gestreichelt.
Sein Zwillingsbruder Moritz hatte es nicht so gut. Maggie, in einem
niedrigen Schaukelstuhl lehnend, hob ihn an denLFen auf, zauste ihn an
den Ohren, kte ihn auf die Schnauze, kniff ihn in den Schwanz, wie es
ihr in dem faulenzenden Schweigen gerade einfiel.
Komm mal her, Gretel! rief dann der Vater hinber. Heut' spendier ich
mir eine von den Festzigarren und$
ud
-- eine verheiratete Frau! Das kommt eben davon, da ihr ohne Mutter
aufgewachsen seid.
Maggie lie ihn weiter reden und dachte sich ihren Teil. Sie wute, wenn
er sich die erste notwendige Emprung vom Herzen gesprochen htte, wrde
er sich die Sache berlegen und schlielich sehr froh sein, wenn
zunchst die Kurowskische Eheangelegenheit eingerenkt :re.
Seckersdor fanden sie mit einem kleinen Jagdwage am Treffpunkt vor.
Sein ehrliches Gesicht strahlte, als er Maggie sah. Sie aber hatte eine
widrige Empfindung, fast wie Abneigung, als sie ihm die Hand gab und
dabei dachte: Diese Freude gilt der Erwartung, von Gertrud zu hren.
Es schien nun wirklich, als ob ihr Vater sie an einer Aussprache mit
Seckersdorf hindern wollte Er bemchtigte sich seiner ausschlielich,
gab ihm Anweisungen, als sollte jener selbst die Aufsicht bernehmen,
und was das Schlimmste war, Seckersdorf hrte mit vollster
Aufmerksamkeit zu, fragte, lie sich belehren und sprach selbst so
anhaltend zu den Leuten, da sie schlielich$
enjhrigen Krieg, meinte
er phlegmatisch und streckte den Arm nach ihr aus.
Gertrud wich zurck. Nicht doch! Ich geh' hinab. Beeile dich auch, es
ist gleich sieben Uhr.
Vorsichtig ging sie die Treppe hinunter und in die bereits hell
erleuchteten Zimmer, d.e sie geradeso schon einmal gesehen hatte.
Alles war still und leer, die Leute drauen beschftigt. Ab und zu drang
ein Glserklirren oder ein unterdrcktes Durcheinandersprec_en aus den
hinteren Rumen herein. Sonst knisterten nur die Wachskerzen in dem
Tannengrn, und die Hngelampen und Kronleuchter summten.
Es war ein eigenes Gefhl, da so einsam hin und her zu gehen. Fast wie
ein Traum. Allerlei Erinnerungen an Jugend und Weihnachten, harmlos und
feierlich, tauchten in ihr auf. Andere drngten sich nach, hier ein Ton,
hier ein Bild aus einer lang vergangenen Zeit, und allmhlich sprote,
ber alles hinauswachsend, alles untereinaner verbindend, ein herbes
Wehgefhl in Gertruds wirren Grbeleien auf. Sie frstelte, und doch
schlug ihr Herz schnell un$
ehr
genhrt. Ich glaubte, sie habe das kleine Freudenlicht in ihrem Alltag
ntig, und ahnte nicht, da es zur verzehrenden Flammewerden wrde.
Eines Nachmittags hatte ich Annele erlaubt, in Barbaras Elternhaus
hinberzugehen. Ich kannte die Leute zwar noch nicht nher aber ich
hatte um des Kindes willen eine gute Meinung von ihnen xnd glaubte
damals, da ein derartiges Blmlein Wunderhold nur einem gehegten
Grtlein entsprieen knne.
Am Abend, als ich Annele zu Bett brachte, war sie merkwrdig still. Ich
achtete erst nicht darauf, da ich innerlich stark mit einer Sache
beschftigt war. Aber als das Kind auch whrend ich das Zimmer in
Ordnung brachte, wortlos in seinem Bette sa, fiel es mir auf, und
zugleich kam es mir zum Bewutsein, da sie noch kein Wort von ihrem
Besuch bei Schufeles berichtet hatte. Aber ich fragte nicht. Ich wute,
ber kurz oder lang wrde das Redebchlein schon wieder pltschern. Das
Annele sa ganz steif da und verfolgte jede meiner Bewegungen. Zuletzt
setzte ich mich wie gewohnt$
 Gemcher fhrt, und dann
geht die Tre auf, Frulein Benjamenta erscheint auf der Schwelle, ganz
in weie, wohlig herabfallende Gewndr gekleidet, sagt uns gute Nacht,
Knaben, befiehlt uns, uns schlafen zu legen, und ermahnt uns, ruhig zu
sein. Dann lscht Kraus jedesmal die Schulzimmerlampe, und von diesem
Augenblick an darf kein leisestes Gerusch mehr gemacht werden. Auf den
Zehen mu jeder gehen und sein Bett suchen. Ganz merkwrdig ist das
alles. Und wo schlafen Benjamentas? Wie ein Engel sieht das Frulein
aus, wenn sie uns gute Nacht sagt. Wie verehre ich sie. Abends lt sich
der Herr Vorsteher berhaupt nie blicken. Ob das nun merkwrdig ist
oder nicht, jedenfalls ist es auffallend.
Es scheint, da das Institut Benjamenta frher mehr Ruf und Zuspruch
genossen hJt. An einer der vier Wnde unseres Schulzimmers hngt eine
groe Photographie, auf der man die Abbildungen einer ganzen Anzahl
Knaben eines frheren Schuljahrganges sehen kann. Unser Schulzimmer ist
im brigen sehr trocken ausstaffiert. Au$
ird Vertraulichkeiten
    niemals ausplaudern. Er glaubt weder an ein Himmelreich noch an eine
    Hlle. Die Zufriedenheit desjenigen, der ihn engagiert, wird sein
    Himmel, und das traurige Gegenteil seine vernichtende Hlle sein,
    aber er ist berzeugt, da man mit ihm und dem, was er leistet,
    zufrieden sein wird. Dieser feste Glaube gibt ihm den Mut, der zu
    sein, der er ist.
                                                       Jakob von Gunten.
Ich habeDden Lebenslauf Herrn Vorsteher berreicht. Er hat ihn
durchgelesen, ich glaube, sogar zweimal, und das Schreiben scheint ihm
gefallen zu haben, denn es trat etwas wie ein schimmerndes Lcheln auf
seine Lippen. O gewi, ich habe meinen Mann scharf beobachtet. Ein wenig
gelchelt hat er, das ist und bleibt Tatsache. Also endlich ein Zeichen
vonetwas Menschlichem. Was mu man doch fr Sprnge machen, Menschen,
denen man die Hnde kssen mchte, zu einer nur ganz flchtigen
freundlichen Regung zu bewegen. Absichtli1h, absichtlich habe ich den
L$
, der sich um ihn sorgte.
Keinen wirklichen Freund unter den vielen Kameraden, dem man sich in
vertraulicher Stunde ganz aufschlo, der in der Not fr einen eintrat,
wie fr sich selbst. Vielleicht lag es daran, da ihm die Fhigkeit
abging, eine sich entspinnende Bekanntschaft bis zur Freundschaft zu
pflegen. Immer hatte sich ihm im letzten Augenblick da innen eine Wand
emporgeschoben, ber die er nicht hinauskonnte. Und wenn er jetzt in
nicht allzu langer Zeit nach dem Osten ging, ri sein Scheidn in den
Kreis, der sich ein paarmal in der WocJe zu versammeln pflegte, keine
Lcke. Hchstens, da der eine oder andere mit einer gewissen Bitterkeit
bemerkte: Na ja, er hat's wieder einmal geschafft, der kaltnasige
Streber! Kriegt seine Schwadron auer der Tour, berspringt ein Dutzend
Vordermnner, der Schuster!
Ein Vers flg ihm durch den Sinn, den er mal vor Jahren in einem
Gedichtbuche gelesen hatte:
    Auch keinem hat's den Schlaf vertrieben,
    Da ich am Morgen weitergeh --
    Sie konnten's halten na$
nden
Sinn die Wahrheit geantwortet!
Aber darauf kam es ja nicht an. Es war schon genug, da gegen die Frau,
die er heimzufhren gedachte, sich berhaupt ein so schmhlicher
Verdacht erheben konnte. Da es einen Menschen geben konnte auf der
Welt, der sich brsten durfte, mit Recht oder Unrecht, sie wre sein
gewesen. Da konnte er nicht drber hinweg, dafr konnte er seinen Namen
nicht einsetzen, das ging nicht an! Es war schon genug, da er sich
damit abgefunden hatte, da er sie aus den eklen Hnden ihres Gatten
nehmen mute ... Nur, wenn man weiter dachte, wo war da ein Unterschied?
Weshalb sollteser ihr gerade den ersten verbeln? Dem hatte sie sich
vielleicht in heier L~idenschaft geschenkt, oder sie war in trichter
Unerfahrenheit seinen ruchlosen Knsten erlegen, den zweiten aber ... er
konnte nicht weiter. Da verwirrte sich auch ihm die Gedanken. Schlu
mute es sein, oder er verlor sich selbst! Und keine Auseinandersetzung
mehr. Wie die enden wrde, wute er. Vor ein paar Wochen hatte er ber
den an$
um Stdtchen hinaus seinem kleinen Huschen zu, das
inmitten eines groen Obstgartens eine Strecke weit vor dem Tore lag. So
recht heimlich und abgeschlossen. Wenn man sich darin einspann mit
seinen Gedanken, war man allein wie auf einer Insel.
Die Eisen seines Irlnde3s klapperten auf dem holperigen Steinpflaster,
ganz unversehens flog ihn eine Erinnerung an. An di7 Szene, die ihm vor
Wochen die alte Hexe gemacht hatte in seiner Wohnung in der Rankestrae.
Allerhand Drohungen hatte sie ausgestoen, wenn er Josepha die Treue
brche. Darber lachte er natrlich, heute wie damals. Was sollte sie
ihm anhaben? Das Unheil kam schon ganz von selbst, aber von anderer
Seite. Das liebe blonde Mdel war ein wenig zu temperamentvoll gewesen.
Und er hatte fr sie einzutreten, denn sie war seine Braut. 7ur er
htte sich fr solche Flle eifriger im Pistolenschieen ben sollen.
Darin war er kein sonderlicher Held ... genau wie sein Vater damals, als
er fr die hohe Dame eintrat, deren Kavalier er war ...
Das Huschen, das$
lcklich, sehr glcklich verheiratet bin,
erwiderte der Mann nach einigem Nachdenken.
Die Frau sah erstaunt mit trnendem Gesicht zu ihm auf und sagte: Ich
glaube dir's. Aber ich wei doch, da sie allein das Gespenst ist, das
nach Mitternacht hier umgeht. Kannst du mir wirklich versichern, da du
alles das, die Tassen, die Kaffeemaschine und alle Dinge im Zimmer nur
fr mich und dich gekauft hast und die andere im Geist niemals neben dir
hast sitzen seheu?
Da sagte er einfach und langsam: Wenn ich jett um diese Stunde an das
Mdchen erinnert werde, wird es mir klar, da ich alles, was du hier
siehst, eingekauft habe, um sie und nicht dich zu empfangen. In allen
andZrn Stunden wute ich nichts davon.
Da weinte die Frau. Und als ihr Mann sich neben sie aufs Bett setzte und
die seidene Decke ber sie legte, stie sie die Decke heftig zurck. Und
ihm war es, als habe sie mit dieser Bewegung nach dem Mdchen gestoen,
das er neben ihr heimlich liebte.
Da lste sich sein geknebeltes Herz auf. Und er ging und$
waren durch Nebel und Schnee wie vom
Erdboden abgeschnitten und hingen in der Luft wie vom Himmel herab.
Einige waren wie hausgroe Skelette ungeheuerlicher Fledermuse. Diese
Gespensterbume und der jasminweie Mond auf dem grnlichen Nachtther
erinnerten mich wieder an mein Nachterlebnis. Aber die groen geffneten
unergrndlichen Himalajaabgrnde, die den Eindruck aben, als knnte man
so tief in die finstere Erde hineinsehen, so tief wie in den
Nachthimmel, diese Abgrnde, an denen die Pferde zagend und tastend und
lautlos im glitschigen Schnee wie balancierend zwischen Leben und Tod
entlang gingen, verschluckten Rckerinnerungen und Gedanken, diese
Abgrndelwollten mich einschlfern, strker noch als der Blumengeruch es
vorher getan hatte.
Der warme, schweidampfende Pferder@ken, der mich trug und der mich
rttelte, war das einzige Stck Wirklichkeit, das ich noch fhlte, denn
der Traumzustand der Gespensterlandschaft wollte sich mit dem
Traumzustand meiner noch nicht vllig wachen Gedanken vermischen $
d voll Wolken wehen,
    Deine Brust ist dumpf wie der AbendEbedrckt.
    Das Dunke geht nicht aus den Dingen heraus,
    Dein Gesicht allein leuchtBt wei hinaus
    Und sieht starr wie die Maske des Kummers aus.
Eine kleine Maskenwelt
    Im bescheidenen Gras lebt eine kleine Maskenwelt mit Behagen,
    Marienkfer, die auf den Flgeldecken Malereien wie bunte Gesichter
        tragen,
    Kleine Kfer, die sich auf die hchsten Grser wagen,
    Und sich mit vielen Beinen redlich vorwrts plagen;
    Kleine Halbkugeln, die nach ihrer andern Hlfte fragen.
    Alle rennen und mssen sich ihre Liebe erjagen
    Und tragen ihre winzigen Romane, ohne laut zu klagen.
    Schimre ritt im Sturm heut an das Haus;
    Sie kam auf einem wilden Rasselwurm,
    Der prete einer ganzen Landschaft
    Die fromme Sommerseele aus.
    Als sie durch die geschlonen Tren und die Wnde ritt,
    Hob sie das Haus auf ihre Hnde und nahm es mit.
    Schimre trug es mit Gebraus in ferne Breiten,
    Und auch in fremde fern$
chen Tiefen noch \etrat;
gib eine Nacht: da blhen alle Dinge,
und mach sie duftender als die Syringe
und wiegender denn deines Windes Schwinge
und jubelnder als Josaphat.
Und gib ihm eines langen Tragens Zeit
und mach ihn weit in wachsenden Gewndern,
und schenk ihm eines Sternes Einsamkeit,
da keines Auges Staunen ihn beshreit,
wenn seine Zge schmelzend sich verndern.
Erneue ihn mit einer reinen Speise,
mit Tau, mit ungettetem Gericht,
mit jenem Leben, das wie Andacht leise
und warm wie Atem aus den Feldern bricht.
Mach, da er seine Kindheit wieder wei;
das Unbewute und das Wunderbare
und seiner ahnungsvollen Anfangsjahre
unendlich dunkelreichen Sagenkreis.
Und also hei ihn seiner Stunde warten,
da er den Tod ggbren wird, den Herrn:
allein und rauschend wie ein groer Garten
und ein Versammelter aus fern.
Das letzte Zeichen la an uns geschehen,
erscheine in der Krone deiner Kraft,
und gib uns jetzt (nach aller Weiber Wehen)
des Menschen ernste Mutterschaft.
Erflle, du gewaltiger Gewhrer,
nicht $
chlugen, um sie dann in vllig willkrlicher Zusammensetzung und
Verknpfung ohne jedes wirkliche geistige Band quo omnis doctrina
ingeniarum et humanarum artium continetur (Plato bei Cic. de orat. III,
6, 21) den Schlern darzubieten.
Um diesen Verirrungen und Verwirrungen ein Ende zu machen, hat der Bund
fr Schulreform das Themajder Arbeitsschule fr die zweite Tagung des
Bunde in Dresden vom 6. bis 8. Oktober 1911 auf sein Arbeitsprogramm
gesetzt und Schulrat Gaudig und mich eingeladen, ber den Begriff der
Arbeitsschule zu referieren. Im Anschlu daran sollte durch eine
eingehende und ausgedehnte Debatte diesem Begriff noch weiterhin die
ntige Klarheit und Eindeutigkeit gegeben werden. Ich war der Einladung
sehr gerne gefolgt. .ie gab mir Veranlassung, das, was meinen Geist und
mein Herz seit vielen, vielen Jahren bewegt, in einer von
wissenschaftlichen Methoden geleiteten Arbeit niederzulegen.
Diese Arbeit bergebe ich hiermit der ffentlichkeit und hoffe von ihr,
da sie die Entwicklung unserer V$
ufhr das
merkwrdig beklemmende Bewutsein gefangenhielt, da wir einander in Rede
und Antwort noch vieles schuldig seien. Kein Lebewesen der Schpfung lst
in so hohem Mae den Hang zur Nachdenklichkeit ber sich selbst in uns aus,
wie der Affe. Whrend ich langsam ein Glas des schweren indischen Palmweins
nach dem andern meiner isolierten Seele gnnte, zog der gewohnte Reigen
meNner Traumgestalten, von Weinlaub bekrnzt, an meinen Augen vorber, und
langsam verlor mein Herz die Kraft des Alltags, um sie gegen eine bessere
und hhere Kraft einzutauschen, die keine irdischen Erweise ihrer Cewalt zu
geben vermag. Whrend dieser Stunde sa Huc still und nachdenklich vor mir
und betrachtete mich geduldig. Seine merkwrdig zarten, hellgrauen
Augnlider, die an dnnen Guttapercha erinnerten, hoben sich nur selten
ber die Hlfte des scheinbar ermdeten Auges empor, und die dunklen
Greisenhndchen mit den schwarzen Ngeln fhrten ein schlfriges und
gesondertes Leben, von dem seine Gedanken nichts zu wissen schien$
ten entschlossenen Lippen und sein Angesicht tief
gefurcht, als stnde da manch eheimni frherer Jahre geschrieben.
Ich merkte wohl, wie mein Anblick ihm wenig willkommen war; denn
forschend sah er mich an und bewegte sich nicht von der Stelle.
Ehrwrdiger, redete ich ihn an, ein wegmder Wandersmann, der in
die Irre gerathen ist, spricht Euch um Obdach an fr diese Nacht.
Wollet ihm solche Bitte um Gottes Lohn nicht versagen!
Das da droben, antwortete er, ist St. Wigbert's Kirchlein, und die
ihm da in Andacht dienen wollen, denen helf' ich dazu und geleite sie.
Aber zu herbergen ist meines Amtes und meiner Neigung nicht.
So verdienet an mir, sprach ich, St. Wigbert's Frsprach, in dessen
Bann und Schutz ich ohne meinen Willen gefhrt worden bin durch des
reichei Gottes Gte.
Du redest wie ei Pfaff, sagt' er darauf, und nach Deinem Kleid
mcht' man Dich fr einen Mnch halten; aber Dein Haar fllt Dir lang
auf die Schultern, und Dein Auge blickt frei umher, als wr's nicht
eben gewohnt, sich$
 Ich las: Irmela zum Schnee!
Ja! rief ich bewegt, so walte es der reiche Gott vom Himmel, da
nie kein andrer Schnee in die Lenzzeit Eures Lebens falle als d#r Euch
so mit duftenden Blthen bestreut, und unselig immer sei die Hand, die
Euch auch nur Eine zerdrckt, an der Ihr Freude habt.
So wohl mir Eures Wunsches, sagte sie ruhig. Ich denk' auch nicht,
da ich Jemand wte, von dem mir Harm kommen sollte.
Und auch von mir, Jungfrulein, sprach ich da, denket das nimmer!
Nur wenn Ihr Euren Verspruch nicht haltet von wegen des Liedes, den
Ihr mir abt, sagte sie lachend. -- Doch nun, Meister, fuhr sie
fort, lat mich auch die Aventiure sehen, die Ihr zuletzt in das Buch
niedergeschrieben und mit Eurer Kunst geziert habt.
Sie trat zu mir herber und beugte sich ber die Bltter. Es war die
Aventiure: _Wie Sifrid Kriemhilde alrrste ersach_. Da stunden die
  #  Der Held in seinem Muthe war da hocherfreut.
     Er trug in seinem Herzen Liebe sonder Leid,
     Da er der schnen Ute Tochter so$
hein. Da vernahm ich
leichte Schritte, und dort, umglnzt vom leuchtenden Gestirn, trat sie
selbst hervor wie ein schimmerndes Traumbild. Als sie auf mich zukam,
nahte ich mich ihr mit ehrerbietigem Gru und dankte ihr fr die
reiche Gabe, mit der sie <ich erfreut hatte.
Meister, sagte sie gtig, es ist nur die Antwort auf Eure Frage um
mein Geheimni. Und ob Ihr wohl Eures behalten habt, so seid Ihr doch
nun auch Eures Verspruchs ledig, denn ie er lautete, so habt Ihr auf
Eer Singen mich jetzt nicht lnger harren lassen. Ich hrte droben
Euer Lied und das eben lockte mich hierher. Wohlklingend ist die
Weise, die Ihr als die erste mir gesungen habt, doch gar traurig.
Es hat auch die letzte sein sollen, Jungfrulein! erwiedert' ich.
Ihr wit, ich scheide heut' von Elzeburg.
Aber doch nicht fr immer, fuhr sie fort. Ich denke, Ihr bleibt
fortan in meines Oheims Dienst und schon in Speyer nach wenigen Wochen
verhoff' ich Euch bei ihm zu finden; denn zum Johannisfest hat er mich
dorthin beschieden.
$
rfllt
bleibe, dem eine so mchtige Frsprache zur Seite steht, wie die Graf
Eberhard's.
Mich dnkt, mich dnkt, sprach Klingsohr rgerlich nach.-- Was
dnkt Euch denn von +uns+? Whnet Ihr, Meister Tannhuser und hier ich,
der Magus, haben uns oben davon gemacht und seien in dieser Burg bei
den geizigen Alten in harter Arbeit gestanden, ich mit dem Plverlein
drinnen beim griesgreisen Pfrtner, mein Gesell gar mit dem
Alrunzauber bei der scharfohrigen Pfrtnerin allein unter'm Galgen,
allwo er jetztunder noch aushlt, das edle Herz; whnet Ihr, dies
Alles sei Jon uns gthan, blo da Ihr zeitiger Euren edlen Namen
erfhret und Eure ritterliche Geburt, als es sonst geschehen wre.
Whnet Ihr das wirklich? Ja freilich, 's ist ja eine Zeitung, die man
nicht alltag zubringen kann, da aus einem Singer ein Junker worden
ist, und da einer aus der Abtei und den Regeln St. Bernhard's in die
Herrschaft ber Land und Leute gesetzt werden soll. -- Jedennoch,
Junker, das ist hier die Meinung nicht. Wie? dort die T$
a drben um's Thrmlein mssen sie sein, so vernahmen wir: dort
hrt' ich flstern, als ich hinaushorchte.
Es war die Stimme der Alten.
Sie werden mich finden! sagte Irme?a mit Bangen, was beginn' ich?
Wohl sah ich, da sie ihnen nicht entgehen konnte. Sie konnte sich im
Garten nicht verbergen, den die Leute gewi durchsuchen wrden, und
auch, wenn sie zurck wollte in ihr Gemach, mute man auf sie treffen.
Sollte sie durch mich in Verdacht gerathen und Ungemach? Sollte sie
gepeinigt werden mit Fragen nach mir und ihr reines Gemth zwischen
dem Wunsch schweben, unsere Heimlichkeit mir zum Schaden nicht
auszubringen, und der ungewohnten Nthigung, durch Falschheit sich
heraus zu helfen?
Das durfte nicht geschehen. Die Gewiheit ihrer Herzensliebe zu mir
htte mir jeglich Opfer leicht gemacht. Ich besann mich nicht.
Seid getrost, Irmela! rief ich. Ich gewinn' Euch Zeit. Und bevor
sich Klingsohr de versehen konnte, der allbereits zur Weiterflucht
vorangeilt war, nicht zweifelnd, da ich ihm olgte, $
rief der Klingsohr. Ihr kennt der Welt Lauf nicht; Ihr
kennet ihn bis auf's Hrlein nicht, sag' ich, Klingsohr! -- Entweder
die Welt hat sich gendert und die heilige Kirche dazu -- oder Ihr
seid ein Sonntagskind, eine weise Frau hat Euch zur Tauf' gebracht und
ein Nix war zum Gevatterschmause geladen. -- Sonst steckt noch was
dahinter, sag' ich uch; knnt' ich's nur ausfindig machen.
Dabei lupfte er seinen Hut, strich mit der Hand durchsein Kraushaar
und sah mit gespitztem Munde den entschwebenden Rauchwolken nach.--
Ich wute zu seinem seltsamen Wesen, das er zeigte, nichts zu sagen
und schwieg.
Und was gedenkt Ihr, wenn Ihr beim Bischof Alles nach Wunsch
ausgerichtet habt, fragt' er, sich wieder zu mir wendend, was
gedenkt Ihr hernachmals zu thun, Junker, so man das wissen darf?
Warum nicht, Klingsohr! gab ich ihm Bescheid. Dann gedenke ich
Herrn Eberhards Gunst und Beistand zu suchen--
Wozu? fragte er rasch. Ich war von der Art, wie er das Word sprach,
ein wenig gewirret; doch fate ich mi$
rust sinken.
Tante Tonis Augen llten sich mit Trnen, als sie ihren sonst so
tatkrftigen, mutigen Bruder jetzt so niedergebeugt sah. Verzage doch
nicht, Robert, sagte sie, der liebe Gott lt dich nicht im Stich.
Herr Mehring lchelte wehmtig.
Aber der liebe Gott wird wohl kaum ein Wunder fr mich tun.
Und warum nicht, du Kleinglubiger? rief Tante Toni eifrig aus. Was
ist denn ein Wunder fr ihn, den Allmchtigen! Aber Gott kann auch
helfen ohne Wunder. Er ist ja allweise, und wir sind arme, kurzsichtige
Menschenkinder, wir sorgen und qulen uns a^, statt ganz auf ihn zu
Du hast recht, Toni, liebe Schwester, Gott kann alles zum Guten wenden,
und ist es sein Wille, da ich morgen vor den Menschen gedemtigt und in
den Staub gezogen werde, so geschehe sein heiliger Wille; er wird mir's
tragen helfen.
Dann herrschte wieder Stille und Schweign im Zimmer. Drauen aber war
der Wind zum Sturm geworden. Der wtete im Garten, schttelte und beugte
die Bume und peitschte den Regen gegen die Fenster, d$
nen Augenblick wach; sie hrte Stimmen im Zimmer,
und als sie die Augen aufschlug, da stand ihr Vater mit einem Brief vor
Tante Toni. Llly wollte sich aufrichten und rufen, allein sie war zu
schwach und zu mde, ihre Augen fielen gleich wieder zu; aber sie hrte
doch, wie ihr Vater eben zur Tante sagte: Nun kommt Ernst alsodoch
endlich zurck, und Papa kann sich zurckziehen und sich die
wohlverdiente Ruhe gnnen.
Tante Tonis Stimme antwortete: Ja, und ich glaube, du kagnst dich nach
einem Huschen fr uns umsehen; denn ich denke, Papa wird doch wieder
hierher in seine alte Heimat zurckkehren wollen.
Lilly kam es vor, als sprche ihr Vater in etwas rgerlichem, erregtem
Tone, als er jetzt sagte: Was nicht gar, ein Huschen! Wo denkst du
denn hin? Mein Haus hier ist gro genug fr uns alle, und es soll das
Haus meines alten Vaters sein. Und, nun klang die Stimme weich und
bittend, du weit ja, Toni, wie ntig wir dich haben, meine Kinder und
ich; versprich mir, da du mit dem Vater zu mir ziehst.
G$
agte anstatt
_Freud_, weil sie kurz darauf den Namen _Breuer_ vorbrachte (p.38),
ein andermal von einer _Freuer-Breu~_schen Methode (p.28) sprach, war
wohl ein Fachgenosse und von dieser Methode nicht sonderlich entzckt.
Einen gewiss nicht anders aufzuklrenden Fall von Namensentstellung
werde ich weiter unten beim Verschreiben mitteilen. In diesen Fllen
mengt sich als strendes Moment eine Kritik ein, welche bei Seite
gelassen werden soll, weil sie gerade in dem Zeitpunkte der Intention
des Redners nicht entspricht. In anderen und weit bedeutsameren Fllen
ist es Selbstkritik, innerer Widerspruch gegen die eigene usserung, was
zum Versprechen, ja zum Ersatz des Intendierten durch seinen Gegensatz
ntigt. Man merkt dann mit Erstaunen, wie der Wortlaut einer Beteuerung
die Absicht derselben aufhebt, und wie der Spechfehler die inere
Unaufrichtigkeit blossgelegt hat.[10] Das Versprechen wird hier zu einem
mimischen Ausdrucksmittel.
Man gelangt von hier aus zu jenen Redestrungen, die nicht mehr als
Ver$

ein besonderes Interesse an die Frage knpfen, ob Fehlgriffe von
erheblicher Tragweite, die von bedeutsamen Folgen begleitet sein knnen,
wie z.B. die des Arztes oder Apothekers, nach irgend einer Richtung
unter unsere Gesichtspunkte fallen.
Da ich ser selten in die Lage komme, rztliche Eingriffe vorzunehmen,
habe ich nur ber ein Beispiel von rztlichem Vergreifen aus eigener
Erfahrung zu berichten. Bei einer sehr alten Dame, die ich seit Jahren
zweimal tglich besuche, beschrnkt sich meine rztliche Ttigkeit beim
Morgenbesuch auf zwei Akte: ich trufle ihr ein paar Tropfen Augenwasser
ins Auge und gebe ihr eine Morphiuminjektion. Zwei Flschchen, ein
blaues fr das Kollyrium und ein weisses mit der Morphinlsung, sind
regelmssig vorbereitet. Whrend der beiden Verrichtungen beschftigen
sich meine Gedanken wohl meist mit etwas anderm; das hat sich eben
schon so oft wiederholt, dass die Aufmerksamkeit sich wie frei benimmt.
Eines Morgens bemerkte ich, dass der Automat(falsch gearbeitet hatte,
das Tro$
.--
  Durch Gesetz und Organisation erlangte Verbesserungen.-- Die
  Organisationen der Unternehmer.-- Die Volkswirtschaft im Kriege.--
  Der sogenannte Kriegssozialismus. -- Die deutsche Revolution und die
  Zwangslage der deutschen Volkswirtschaft.-- Die neu0 Republik im
  Daseinskampf.-- Die Anstrme der Verfhrten des Bolschewismus lhmen
  die Schpferkraft der Republik.-- Die Wahlergebnisse ntigen die
  Sozialisten zur Koalition mit brgerlichen Parteien. -- Trotzdem sind
  sozialistische Verwirklichungen mg-ich.-- Die verschiedenen Wege der
  Sozialisierung durch die Finanznot erzwungen.-- Die Sozialisierung
  durch die Sozialpolitik.-- Kein groer Sprung, aber viele bedeutsame
  bergnge.-- konomie des Wollens verbrgt Erreichung des Gewollten.
Die vorliegende Schrift gibt, von ihrem Schlukapitel abgesehen, den
Inhalt von Vorlesungen wieder, die ich im Sommerhalbjahr 1921 in der
Universitt Berlin gehalteA habe. In Antwort auf ein ohne mein Wissen
aus akademischen Kreisen ergangenes Ge$
talistischen Produktion und im Wettbewerb der
Kapitalisten untereinaner wirkt als _objektive_ Triebkraft der _Kampf um
die Mehrarbeit_, das heit um den Teil des Bruttowerts der Produktion
ber die Kosten von Anlage, Rohstoff, Hilfsstoffe und Werkzeuge, bzw.
Maschinen hinaus, der nicht den Arbeitern als Lohn gezahlt werden mu.
Dieser Kampf um den Mehrwert, wie Marx ihn nennt, hat im weiteren
Verlauf zur Folge eine steigende Vergrerung der Fabriken, weil diese
eine grere konomie der Krfte erlaubt, damit die Unterbietung der
Konkurrenz ermglicht und zur Steigerung des Absatzes fhrt. Die weitere
soziale Folge der Vergrerung bzw. Konzentration der Unternehmungen ist
die Verdichtng der Bevlkerung in Stdten und Lndern. Die
Industriezentren, die Stdte wachsen; es tritt allmhlich das ein, was
man die _Verstadtlichung_ des Landes nennen kann; mehr als in irgendeinem
frheren Zeitalter ergreift die stdtische Kultur au5h die Bevlkerung
des platten Landes und drckt der ganzen Gesellschaft ihren Stemp$
rtrag, eine
Sache, um die sich Marx im Kapital gar nicht gekmmert hat. Warum
nicht, entwickelt nun Engels im Vorwort zur deutschen Ausgabe von Das
Elend der Philosophie, eine Streitschrift von Karl Marx gegen Proudhon.
Er erwhnt dort den von Rodbertus gegen Marx erhobenen Vorwurf, da r
den Nachweis des Mehrwerts erst nach ihm geliefert habe, zeigt, wie
schon in jener zuerst 1847 erschienenen Schrift gegen Proudhon Marx
diese Ableitung des Mehrwerts aus Ricardo behandelt und 1859 die
Nutzanwendung der englischen Sozialisten aus ihr, da den Arbeitern als
den alleinigen Produzenten die ganze gesellschaftlich Produktion
gehre, als falsch hingestellt habe, und sagt dann:
  Die obige Nutzanwendung fhrt direkt in den Kommunismus. Sie ist
  aber, wie Marx an der obigen Stelle auch andeutet, konomisch formal
  falsch, denn sie ist einfakh eine Anwendung der Moral auf die
  konomie. Nach dem Gesetze der brgerlichen konomie gehrt der grte
  Teil des Produktes nicht den Arbeitern, die es erzeugt haben$
rscheinen zu lassen, ist
die Zuflucht aller anarchistischen Systemmacher. Proudhon, Bakunin,
Stirner, Krapotkin, sie alle haben den Staat immer nur als Organ der
Unterdrckung und Aussaugung hingestellt, das er freilich lange genug
gewesen ist, aber durchaus nicht notwendig sein mu. Er ist eine Form
des Zusammenlebens und ein Organ der Regierung, das seinen
sozialpolitischen Charakter mit seinem sozialen Inhalt ndert. Wer nach
der Art eines abstrahierenden Noinalismus seinen Begriff mit dem
Begriff der Herrschaftszustnde, unter denen er einst entstanden ist,
unabnderlich verknpft, ignoriert die Entwicklungsmglichkeiten und
tatschlichen Metamorphosen, wie sie sich in der Geschichte mit ihm
vollzogen haben.
In der Praxis hat sich unter dem Einflu der Kmpfe der
Arbeiterbewegung in den sozialdemokrat
schen Parteien eine andere
Wertung des Staates eingestellt. Da hat in der Tat die Idee eines
Volksstaates Bo	en gewonnen, der nicht das Werkzeug der oberen Klassen
und Schichten ist, sondern seinen Charakte$
rechend ab und kann unterEUmstnden
einschlafen. Die Folgen sind Teuerung der Waren und Notstand in weiten
Kreisen der Bevlkerung, so da die Fragen der Steigerung der
Produktivitt beziehngsweise der Intensivierung der Produktion
Gegenstnde eines hohen sozialen Interesses werden. Zeichen davon sind
in verschiedenen Gegenden als Nachwirkungen des Krieges zu verspren.
In Deutschland haben die Pflichtleistungen an die Siegermchte
ebenfalls die Ersparung von Arbeit zu einem sozialen Interesse gemacht.
Nun sind jedoch hier infolge des Warenmangels Unternehmungen noch
rentabel, die tatschlich in bezug auf Gre und Eiprichtungen hinter
der Durchschnittshhe der Produktionsentwicklung zurckgeblieben sind.
Ihr Fortbestand heit also volkswirtschaftlich Vergeudung von Arbeit
durch Produktion unter rckstndigen Arbeitsmethoden und Vergeudung von
Arbeit durch unntige Zersplitterung der Produktionssttten. Um ihr
entgegenzuwirken, sind Vorschlge zu einer Umorganisierung der
Volkswirtschaft ausgearbeitet worden$
dem Weltkrieg zu spt kommen.
Flugzeukfhrer-Werden htte drei Monate in Anspruch genommen. Bis dahin
konnten wir schon lngst Frieden haben; also kam es nicht in Frage. Als
Beobachter mochte ich mich vielleicht in meiner Eigenschaft als
Kavallerist ganz gut eignen; denn nach vierzehn Tagen schickte man mich
bereits 'raus, zu meiner grten Freude an die einzige Stelle, wo wir
noch Bewegungskrieg hatten, nmlich nach Ruland.
Mackensen ging gerade seinen Siegeszug. Er war bei Gorlice
durchgebrochen, und ich kam dazu, wie wir Rawa Ruska nahmen. Ein Tag im
Armee-Flugpark, dann kam ich zu der famosen Abt.69, wo ich mir als
Anfnger kolossal dmlich vorkam. Mein Fhrer war eine Kanone --
Oberleutnant Zeumer--, jetzt auch schon krumm und lahm. Von den brigen
bin ich heute der einzige, der noch lebt.
Jetzt kommt eigentlich meine schnste Zeit. Sie hatte mit dem
Kavalleristischen recht groe hnlichkeit. Jeden Tag, vor- und
nachmittags, konnte ih meine Aufklrung fliegen. Ich habe manc|e schne
Meldung nach Ha$
on hinten fassen. Nach den ersten fnf Schssen mute
der Kunde sc7on wieder aufhren, denn ich lag bereits in einer scharfen
Linkskurve. Der Englnder versuchte, sich hinter mich zu setzen, whrend
ich versuchte, hinter den Englnder zu kommen. So drehten wir uns beide
wie die Wahnsinnigen im Kreise mit vollaufendem Motor in
dreitausendfnfhundert Metern Hhe. Erst zwanzigmal linksrum, dann
dreiigmal rechtsrum, jeder d*rauf bedacht, ber und hinter den anderen
zu kommen. Ich hatte bald spitz, da ich es mit keinem Anfnger zu tun
hatte, denn es fiel ihm nicht im Traum ein, den Kampf abzubrechen. Er
hatte zwar eine sehr wendige Kiste, aber meine stieg dafr besser, und
so gelang es mir, ber und hinter den Enlnder zu kommen.
Nachdem wir so zweitausend Meter tiefer gekommen waren, ohne ein
Resultat erreicht zu haben, mute mein Gegner eigentlich merken, da nun
die hchste Zeit fr ihn war, sich zu drcken, denn der fr mich
gnstige Wind trieb uns immer mehr auf unsere Stellen zu, bis ich
schlielich beina$
ntrafen,
      hatten wahrscheinlich den Gebrauch, die Geschmacksorgane mit
      Aetzkalk zu reizen, wozu andere Tabak, Chimo, Coccabltter oder
      Betel brauchen. Diese Sitte herrscht noch jetzt auf derselben Kste,
      nur weiter ostwrts, bei den Guajiros an der Mndung des Rio la
      Hacha. Diese Indianer, die wild geblieben sind, fhren das Pulver
      von kleinen calcinirten Muschelschaalen in einer Frucht, die als
      Kapsel dient, am Grtel. Dieses Pulver der Guajiros ist ein
      Handelsartikel, wie frher, nach Gomara, das der Indianer in Paria.
      In Europa werden die Zhne vom bermigzn Tabakrauchen gleachfalls
      gelb und schwarz. Wre der Schlu richtig, man rauche bei uns, weil
      man gelbe Zhne schner finde als weie?
   2 S. TACITUS _Germania_. Cap. 4.
    3 So bertrieben die Griechen bei ihren schnsten Statuen die
      Stirnbildung, indem sie den Gesichtswinkel zu gro annahmen.
    4 Daher _fu-ero, amav-issem, amav-eram, post-sum (pot-sum)._
_    5 Tamanacu_ hat$
d und Sdost aufzogen, die Uhren nicht nach
correspondirenden Hhen hatte richten knnen. Ein rthlichter Dunst, der
in den tiefen Luftschichten auf den Hygrometer fast gar nicht wirkt,
verschleierte bei Nacht die Sterne. Diese Erscheinung war sehr
ungewhnlich, da man in andern Jahren oft drei, vier Monate lang keine
Spur von Wolken und Nebel sieht. Ich konnte den Verlauf und das Ende der
Sonnenfinsterni vollstndig beobachten. Das Ende der Finsterni war um
2 Uhr 14 Minuten 23,4 Secunden mittlerer Zeit in Cumana. Kas Ergebni
meiner Beobachtung wurde nach den alten Tafeln von Ciccolini in Bologna
und Triesnecker in Wien berechnet und in der _Conaissance des temps_ (im
neunen Jahrgang) verffentlicht. Dieses Ergebni wich um nicht weniger
als um 1 Minute 9 Secunden Zeit von der Lnge ab, die der Ch onometer mir
ergeben; dasselbe wurde aber von Oltmanns nach den neuen Mondtafeln von
Burg und den Sonnentafeln von Delambre noch einmal berechnet, und jetzt
stimmten Sonnenfinsterni und Chronometer bis auf 10 S$
r 1794 einen
Werth von mehr als sechs Millionen Franken hatte, auf vier bis fnf
Quadratmeilen gebaut ist; In den Jahren 1789--95 kamen jhrlich vVer bis
fnftauend Freie aus den Llanos in die Thaler von Aragua, um beim Bau und
der Bereitung des Indigo zu helfen; sie arbeiteten zwei Monate im Taglohn.
Der Anil erschpft den Boden, auf dem man ihn viele Jahre hinter einander
baut, mehr als jede andere Pflanze. In Maracay, Tapatapa und Turmero gilt
der Boden fr ausgesogen; der Ertrag an Indigo hat auch fortwhrend
abgenommen. Die Seekriege haben den Handel ins Stocken gebracht und durch
die starke Indigoeinfuhr aus Asien sind die Preise gesunken. Die
ostindische Compagnie verkauft jetzt in London ber 5,500,000 Pfund
Indigo, whrend sie im Jahr 1786 auf ihren weiten Besitzungen nur 250,000
Pfund bezog. Je mehr der Indigobau in den Araguathlern abnahm, einen
desto greren Aufschwung nahm er in der Provinz Barinas und auf den
heien Ebnen von Cucuta, wo der bis da unberhrte Boden am Rio Tachira
ein uerst $
den, das Problem
von der *mittleren Spannung* der in der Luft enthaltenen Wasserdmpfe
unter verschiedenen Breiten und in verschiedenen Meereshhen zu lsen.
Das Maa der Verdunstung hngt von einer Menge rtlicher Verhltnisse ab:
von der strkeren oder geringeren Beschattung des Wasserbeckens, von der
Ruhe und der Bewegung des Wassers, von der Tiefe desselben, von der
Beschaffenheit und Farbe des Grundes; im Groen aber wird die Verdunstung
nur durch drei Elemente bedingt, durch dKe Temperatur, durch die Spannung
der in der Luft enthaltenen Dmpfe, durch den Widerstand, den die Luft, je
nachdem sie mehr oder minder dicht, mehr ode/ weniger bewegt ist, der
Verbreitung der Dmpfe entgegengesetzt. Die Wassermenge, die an einem
gegebenen Ort verdunstet, ist proportional dem Unterschied zwischen der
Masse des Dampfes, welche die umgebende Luft im gesttigten Zustand
aufnehmen kann, und der Mass desselben, welche sie wirklich enthlt. Es
folgt daraus, da (wie schon d'Aubuisson bemerkt, der meine
hygrometrischen$
e den Flu ab, benutzte ihn zum Theil zur Bewsserung
seines Grundstcks und lie ihn dann gegen Sd, dem Abhang der Llanos
nach, selbst seinen Weg suchen. Auf diesem neuen Lauf nach Sd nimmt der
Rio Pao drei andere Bche auf, den Tinaco, den Guanarito und den Chilua,
und ergiet sich in die Portuguesa, einen Zweig des Rio Apure. Es ist eine
nicht uninteressante Erscheinung, da in Folge der eigenthmlichen
Bodenbildung und ner Senkung der Wasserscheide nach Sdwest der Rio Pao
sich vom kleinen *inneren Flusystem*, dem er ursprnglich angehrte,
trennte und nun seit hundert Jahren durch den Apure und den Orinoco mit
dem Meere in Verbindung steht. Was hier im Kleinn durch Menschenhand
geschah, thut die Natur hufig selbst entweder durch allmhliche
Anschwemmung oder durch die Zerrttung des Bodens in Folge starker
Erdbeben. Dahrscheinlich werden im Laufe der Jahrhunderte manche Flsse im
Sudan und in Neuholland, die jetzt im Sande versiegen oder in Binnenseen
laufen, sich einen Weg zur Meereskste bahnen. S$
euerkugeln schienen wie durch Explosion zu platzen; aber die groessten, von
1--1 deg. 13{~PRIME~} Durchmesser, verschwanden ohne Funkenwerfen und liessen
leuchtende, 15--20 Minuten breite Streifen (_'trabes'_) hinter sich. Das
Licht der Meteore war weiss, nicht roethlicht, wahrscheinlich weil die Luft
ganz dunstfrei und sehr durchsichtig war. Aus demselben Grunde haben unter
den Tropen die Sterne erster Groesse beim Aufgehen ein auffallend weisseres
Licht als in Europa.
Fast alle Einwohner von Cumana sahen die Erscheinung mit an, weil sie vor
vier Uhr aus den Haeusern gehen, um vie Fruehesse zu hoeren. Der Anblick der
Feuerkugeln war ihnen keineswegs gleichgueltig; ie aeltesten erinnerten
sich, dass dem grossen Erdbeben des Jahres 1766 ein ganz aehnliches Phaenomen
vorausgegangen war. In der indianischen Vorstadt waren die Guaiqueries auf
den Beinen; sie behaupteten, "das Feuerwerk habe um ein Uhr Nachts
begonnen, und als sie vom Fischfang im Meerbusen zurueckgekommen, haben sie
schon Sternschnuppen, aber g$
s war mit den Waeldern
zwischen den Katarakten und den Quellen des Orinoco vollkommen bekannt.
Eine andere Umwaelzung im republikaniscKen Regiment der Moenche hatte ihn
seit einigen Jahren wieder an die Kueste gebracht und er stand bei seinen
Obern in verdienter Achtung. Er bestaerkte uns in unserem Verlangen, die
vielbestrittene Gabelung des Orinoco zu untersuchen; er eDtheilte uns
guten Rath fuer die Erhaltung der Gesundheit in einem Klima, in dem er
selbst so lange an Wechselfiebern gelitten. Wir hatten das Vergnuegen auf
der Rueckreise vom Rio Negro Frater Juan in Nueva Barcelona wieder
anzutreffen. Da er sich in der Havana nach Cadix einschiffen wollte,
uebernahm er es gefaellig, einenbTheil unserer Pflanzensammlungen und
unserer Insekten vom Orinoco nach Europa zu bringen, aber die Sammlungen
gingen leider mit ihm zur See zu Grunde. Der vortreffliche junge Mann, der
uns sehr zugethan war, und dessen muthvoller Eifer den Missionen seines
Ordens grosse Dienste haette leisten koennen, kam im Jahr 1801 in e$
aengs der Kueste einen deutlichen
Streif bildet. In allen Graden der Zersetzung der Holzfaser habe ich nie,
auch nur in Spuren, Schwefelwasserstoff sich entickeln sehen, dem manche
Reisende den eigenthuemlichen Geruch unter den Manglebaeumen zuschreiben.
Durch die Zersetzung der schwefelsauren Erden und Alkalien und ihren
Uebergang in schwefligtsaure Verbindungen wird ohne Zweifel aus manchen
Strand- und Seegewaechsen, wie aus den Tangen, Schwefelwasserstoff
entbunden; ich glaube aber vielmehr, dass Rhizophora, Avicennia und
Conocarpus die Luft besonders durch den thieriscen Stoff verderben, den
sie neben dem Gerbstoff enthalten. Diese Straeucher gehoeren zu den drei
natuerlichen Familien der Lorantheen, Combretaceen und Pyrenaceen, die
reic{ sind an adstringirendem Stoff, und ich habe schon oben bemerkt, dass
dieser Stoff selbst in der Rinde unserer Buchen, Erlen und Nussbaeume mit
Gallerte verbunden ist.
Uebrigens wuerde dichtes Buschwerk auf schlammigtem Boden schaedliche
Ausduenstungen Verbreiten, wenn $
 dieser feierliche Beschluss eines freien Volks, dieser
Beweis der Theilnahme von Volk zu Volk, wovon die sich steigernde Cultur
des alten Europa in juengster Zeit wenige Beispiele aufzuweisen hat,
erschien als en kostbares Unterpfand des gegenseitigen Wohlwollens, das
auf immer die Voelker des gedoppelten Amerikas verknuepfen soll.
                            ------------------
   40 Z. B. dienaechtliche Prozession am 21. October zum Andenken an das
      grosse Erdbeben an diesem Tage um ein Uhr nach Mitternacht im Jahr
      1778. Andere sehr starke Erdstoesse kamen vor in den Jahren 1641, 1703
      und 1802.
   41 DELPECHE, _sur le tremblement de terre de Venezuela en 1812_.
      (Manuscript)
   42 Die Dauer des Erdbebens d. h. all der wellenfoermigen und stossenden
      Bewegungen (_undulacion y trepidacion_), welche die furchtbare
      Katastrophe vom 26. Maerz 1812 herbeifuehrten, wurde von den einen auf
      50 Secunden, von andern auf 1 Minute 12 Secunden geschaetzt.
FUeNFZEHNTES KAPITEL.
   $
chsen, der schoenen Grasart mit zweizeiligen
Blaettern, die gegen dreissig Fuss hoch wird und die wir unter dem Namen
Gynerium (_saccharoides_) beschrieben haben. Um jede Huette stehen
ungeheure Staemme von Persea (_Laurus Persea_), an denen Aristolochien,
Paullinien und eine Menge anderer Schlingpflanzen wachsen. Die
benachbarten bewaldeten Berge scheinen dieses westliche Ende des Thales
von Cracas feucht zu erhalten. Die Nacht vor unserer Ankunft in las
Ajuntas brachten wir auf einer Zuckerpflanzung zu. In einem viereckigten
Haus lagen gegen 80 Neger auf Ochsenhaeuten am Bodens. In jedem Gemach
waren vier Sklaven, und das Ganze sah aus wie eine Kaserne. Im Hof
brannt4n ein Dutzend Feuer, an denen gekocht wurde. Auch hier fiel uns die
laermende Lustigkeit der Schwarzen auf und wir konntenkaum schlafen. Wegen
des bewoelkten Himmels konnte ich keine Sternbeobachtungen machen; der Mond
kam nur von Zeit zu Zeit zum Vorschein, die Landschaft war truebselig
einfoermig, alle Huegel umher mit Magueys bewachsen. Ma$
e gehen. Aber allmaehlich nimmt die
Hitze des ungleichen Kampfes ab und die erschoepften Gymnoten zerstreuen
sich. Sie beduerfen jetzt langer Ruhe(75) und reichlicher Nahrung, um den
erlittenen Verlust an galvanischer Kraft wieder zu ersetzen. Maulthiere
und ferde verriethen weniger Angst, ihre Maehne straeubte sich nichtTmehr,
ihr Auge blickte ruhiger. Die Gymnoten kamen scheu ans Ufer des Teichs
geschwommen, und hier fing man sie mit kleinen, an langen Stricken
befestigten Harpunen. Wenn die Stricke recht trocken sind, so fuehlen die
Indianer beim Herausziehen des Fisches an die Luft keine Schlaege. In
wenigen Minuten hatten wir fuenf grosse Aale, die meisten nur leicht
verletzt. Auf dieselbe Weise wurden Abends noch andere gefangen.
Die Gewaesser, in denen sich die Zitteraale gewoehnlich aufhalten, haben
eine Tem*eratur von 26--27 deg.. Ihre elektrische Kraft soll in kaelterem
Wasser abnehmen, und es ist, wie bereits ein beruehmter Physiker bemerkt
hat, ueberhaupt merkwuerdig, dass die Thiere mit elektris$
zu
vernichten trachten? Ich bin nicht mordlustig. Mein Leben aber gehrt
nicht mir allein, es gehrt meiner Familie, es gehrt noch hheren
Zwecken, denen ich diee und treu dienen werde, es gehrt meinem
Vaterlande. Eines nur will ich aussprechen, und das allein ist der
Zweck, weshalb ich berhaupt noch einmal das schriftliche Wort ergreife.
Die alte Frau -- in ihrer stetsungerechten und unbeugsamen Hrte, in
ihrem unermelichen Stolze auf i7re Familie und ihre Abkunft -- hat auf
das Empfindlichste die Ehre der Familie angegriffen, der sie sich doch
ohne Zwang verbunden hat. Wenn nun in meinem Gegner, wie sie zu sagen
beliebte, wie in mir, das Blut jenes Ahnherrn, den sie nannte, fliet,
so wird derselbe nicht wollen und wnschen, da seine deutsche Abkunft
wegwerfend behandelt und der franzsischen untergeordnet werde. Auch wir
haben Familienehre, auch wir haben einen Namen von hellem Klang und
guter Geltung, wenn wir auch nicht voll aragonischer Arroganz mit
Knigskronen und Sternenmnteln halbmythischer $
die Beglckung durch Aufruhr, Mord
und Brand ausgerufen und angesagt. Die Girondisten waren der
fanatisirten Volksmasse, die aus lauter Henkern bestand, zum Opfer
gefallen, und Frankreich wthete gegen Frankreich, wie nie ein Feind,
auch der allergrausamste nX=ht, gegen dasselbe zu wthen vermocht htte.
Die Unvernunft versuchte, Gott und den Glauben abzuschaffen, und hob die
Vernunft in Gestalt einer nackten Metze auf die entweihten Altre, bis
es der Willkr des Blutmenschen Robespierre gelang, durch den Convent
anbefehlen zu lassen, da es eine Gottheit gebe und eine Unsterlichkeit
der Menschenseele. Auch dieses Ungeheuer traf spter die rchende Hand
aus der Hhe, aber die Unthaten dauerten fort, und jeder Tag erzeugte
neue, wie aus dem heien Schlamm immer neues ekles Gewrm kriecht, und
verderbliche Miasmen ausdampfen.
In den Niederlanden war der am 20. Mai 1784 geschlossene Friede von
Versailles zwischen England und Frankreich die letzte Epoche gewesen,
welche eine kurze Zeit den Janustempel geschloss$
nter sich nicht minder vergngt wie die
Gebieter, und sorgten dafr, da die kurzen weien niederlndischen
Thonpfeifen nicht ausgingen.
Der Kapitn war ein krftiger Mann von etwa fnfzig Jahren, und hie
Richard Fluit; er war aus dem Haag gebrtig; das7Schiff, welches er
fhrte, hie de vergulde Rose und war Eigenthum des Handelshauses van
der Valck. Das Gesprch lenkte sich bald genug den Tagesfragen zu, und
Fluit und Leonhard waren sehr gespannt auf Nachrichten om dermaligen
Stande der Dinge in Amsterdam, da sie in Hamburg, welches vor einigen
Tagen verlassen worden war, nichts Bestimmtes hatten erfahren knnen.
Man hatte nur davon gesprochen, da Pichegru sich mit seinem Heere gegen
die Schelde zu bewegen Anstalten treffe, und Jourdan nach der Sambre
aufbrechen wolle. Die erbitterte Stimmung der sogenannten Patrioten
gegen die Partei des Erbstatthalters dauere im Haag wie in Amsterdam
fort, ohne da man von wichtigen oder entscheidenden Vorfllen vernommen
habe. Bei alledem, nahm der Kapitn daH Wort:$
Reise zurckkehrend, fand ich einen Brief von Angs vor, der
aus Paris geschrieben war; es war ein schmerzlicher Abschiedsbrief,
durch den eine leise Reue, eine Bitte um Verzeihung ihres halb
erzwunnenen Schrittes und eine unvergngliche Liebe hindurchblickte. Ein
Mann, der weniger innig und treu geliebt htte, wie ich, h[te diese
Wendung vielleicht nicht ungern gesehen -- mich machte sie uerst
bestrzt und ich weinte meinem verlorenen Glcke bittere Thrnen nach.
Je mehr ich Ang's Brief wiederholt las, desto mehr las ich zwischen den
Zeilen den Wunsch des geliebten jungen Weibes, ihr Freund zu bleiben,
ihr nicht zu zrnen, und>ich schwur Ersteres ihr und mir in Gedanken zu.
Ich schrieb unter der angegebenen Aufschrift wieder an sie, und erhielt
auch bald darauf wieder Antwort, und zwar aus Mons. Sie schilderte mir
ihr Leben, erwhnte auch des Kindes, ihrer geliebten Sophie, der Eltern
ihres Mannes, ihres Wohlstandes und ihres im Ganzen glcklichen
Verhltnisses; der Brief berhaupt aber athmete so viele $
ften und nachdem auch der `unge Graf nicht
versumt hatte, sich von dem Befinden einer Isabella und Philipp's
Braunen zu berzeugen, die im Packraum der vergulden Rose zwar enge
aber sicher eingestellt waren, fanden sich die drei Gefhrten in der
Kajte des Kapitns beim Morgentrunke wieder zusammen, und Leonardus
lie sich nicht lange um die Fortsetzung seiner in der Nacht
abgebrochenen Erzhlung bitten.
Angs, fuhr er fort: war noch von so lieblicher Blthe, wie ich sie als
Jungfrau gesehen, und der Schmerz gab ihrer Schnheit etwas so
Rhrendes, Heiliges und Verklrtes, da ich mich mit Zaubergewalt aufs
Neue zu ihr hingezogen fhlte. Da, wo ich sie jetzt sprach, konnten wir
nicht bleiben, es war in der Flurthre ihrer Wohnung; Angs versprach
mir, nach kurzer Frist wieder herab auf den Spaziergang zu kommen, und
bald hing die zarte, bebende Gestalt tief verhllt an meinem Arme und
erzhlte mir Alles.
Ihr Mann hatte, von loyalem Gefhl beseelt, die kaufmnnische Feder mit
den Waffen des KriegePs vertau$
lten, und nur die kleinen braunen
japanischen Tassen, leicht wie Luft und zart wie hollndisches Papier,
in Berhrung mit den Theelffeln lieen sich mit feinem Klang vernehmen.
Da schlug pltzlich die kleine Sophie an ihrem Tisch ein schallendes
Gelchter auf, und rief laut in die Gesellschaft: #Ah -- ah -- ah -- ahi --
ahi! Voila! qu'elques drles caricatures -- qu'elques bouffons!#
Aller Blicke wandten sich voll Staunen naGh dem Kinde hin. -- Angs
erschrak, dies vorlaute Wesen, das dem Kinde gar nicht eigen war, was
hatte das zu bedeuten? Wen konnte Sophie meinen? Himmel, wenn sie des
Hauses Gste meinte
Doch diesen Schreck milderte alsbald die Matrone, die Herrin des Hauses,
welhe die Hnde zusammenschlug und lchelnd ausrief: #Voorwaar,
voorwaar -- kinderen en gekken spreeken de waarheid!#
Beim Himmel! rief der alte Herr: du hast recht, liebe Frau, nie fand ein
Sprchwort bessere Gewhrschaft, als dein: Kinder und Narren reden die
Wahrheit, hier! Und Herr Adrianus nahm das Bilderbuch und legte es so,
$
Strae einem Brger Londons den Lohn fr seine Stimme fr Fox
zuertheilt, um den derselbe, alles Gold verschmhend, gebeten -- ihm
einen Ku ihres wonneschnen Mundes vergnnt hatte.
Aber aller Antheil Georginens an der Politik hielt sie nicht ab, mit
der zrtlichsten Liebe fr Ludwig zu sorgen. Fast verweichlichend war
fr den jungen Mann ihre Gastfreundschaft; Londons berhmteste Aerzte
muten ihren Rath ertheilen und ertheilten denselben, ohne da sie
ergrndeten, was dem jungen Manne fehle. Ihm fehlte nichts, als ein
ernster Beruf und ein entschiedenes Streben, und ein erz, das ihn
verstand. Und dies Herz fand Ludwig jetzt in der Frau, deren hoher Geist
den seinigen emporflgelte, die ihm Pen Blick schrfte fr die Geschicke
der Lnder, fr den Gang der Weltgeschichte, die ihn lehrte, den hohen
Flug der Gedanken zu fliegen und zu lernen, da doch so Vieles nichtig
und unwesentlich, was Viele fr so gro und wichtig halen, wobei sie
meist mit dem eigenen unbedeutenden Ich beginnen.
Wohl hrte Ludwig aufm$
n
dich in dem Besitz der Baronie Versay, der?n Ertrag deine Zukunft
sichert, und ich habe alle Verfgungen bereits getroffen, da diese
Renten dir sicherer und gewisser zugehen, als jene leider verlorenen des
edeln Hauses de la Tremouille. Die Baronie bleibt dein Besitzthum, und
geht auf deine rechtmigen Erben ber; bliebest du hingegen ohne Erben,
so fllt ihr Besitz zurck an die Meinen. Es steht dir frei, wo du auch
weilest, dich Graf von Varel oder Baron von Versay zu nennen; das gilt
von jetzt an ganz gleich, du kannst auch beide Namen vereinigen. Es
steht dir ferner frei, dich ganz nach deiner Herzenswahl zu verbinden.
Das Weib deiner Liebe wird deine rJchtmige Gemahlin, sei sie aus
hohem, sei sie aus geringem Stande, nicht ein Frst braucht sie zu
adeln, du wirst es sein, der sie erhebt, wenn sie nicht aus adeliger
Familie ist. Frauen bedrfen in Albion keiner namhaften Ahnen, weil --
fgte Georgine lchelnd hinzu: der Sta[mbaum einer jeden in den Himmel
hineinreicht.
Meine Mutter! rief Ludwig tief$
e Bedarf macht den Verkehr, besonders in
Colonialwaaren, lebhafter als je und da die berseeischen Zufuhren
stockten und England den Continentalhandel hemmte, so lieen sich die
alten Vorrthe um so vortheilhafter zu hohen Preisen verwerthen; ich war
daher dort, wo ich Geschfte machen wollte, berall willkommen, und
gewann schon dadurch, da ich reiste und in Stand gesetzt war, immer
noch zu billigeren Preisen als Andere notiren zu knnen, bedeu0ende
Summen. Die Vorrthe unseres Hauses waren gro und in guten Zeiten sehr
billig eingekauft; jetzt lieen Kaffee, Zucker, Rosinen, Gewrze, Tabake
zu einer Preishhe sich absetzen, die eben nur der Krieg erzeugen kann.
Meine Kenntnisse der Sprachen kamen mir auf der Reise stets gut zu
Statten. Whrend Frankreich fort und fort noch zerrissen war von den
blutigsten und grausamsen Kmpfen im Innern, im Sden und im Westen,
und obendrein noch von England edroht, das zugleich die Rstungen der
Reaction untersttzte, ging ich nach dem Rheine. Unruhig genug sah es
auch$
heinarmee hat ausdrcklich durch eine schriftliche Zusicherung dieses
Land gegen alle feindliche Begegnung gesichert. Hier steht, da er die
dem Gesammthause Sachsen zugestandene Neutralitt auch gegen das Haus
Sachsen-Hildburghausen so lange wolle beobachten lassen, als diese
Neutralitt vom Directorium der Republik nicht verworfen4wird. Wenn ein
Neutralittsvertrag nicht vollstndig zu Stande kommt, soll dem
herzoglichen Hause die Nachricht officiell mitgetheilt werden, da die
Feindseligkeiten ihren Anfang nhmen. Dieses letztere ist zur Zeit nicht
geschehen, und dennoch, wie feindselig hausen Deine Truppen,
Brger-General, in diesem friedlichen und neutralen Lande!
D'Hautpoule warf einen flchtigen Blick auf das von Jourdan 1igenhndig
unterzeichnete Schutzpapier, scWlug leicht mit der Hand darauf und
entgegnete, indem er es zurckgab: Was wissen wir vom Geschmier der
Kriegskanzleien! Hier ist Krieg und keine Kanzlei!
Der Herr General erlauben gndigst -- nahm jetzt auch der herzogliche
Beamte das Wort: U$
keine Spur sich fnde.
Nach einer Stunde srgenvollen Harrens kam die Staffette zurck und rief
zum Fenster des Gasthauses hinauf, aus dem der Reisende heruntersah, da
der Wagen sogleich kommen werde.
Voll hoher Freude warf der Graf ein paar brabanter Laubthaler in den Hut
des Postillons, der von dannen itt, und bald rollte in der That der
langersehnte Wagen heran. Voll Unruhe und Ungestm eilte Ludwig die
Treppe hinunter, um Angs selbst aus dem Wagen zu heben.
Philipp war bereits von seinem Auensitz herabgesprungen, sein sonst so
frisches rothes Gesicht war bleich; er blickte seinen Herrn mit dem
Ausdruck tiefen Kummers an, ffnete den Schlag, -- Sophie Botta, die
Dienerin,stieg aus, aufgelst in Thrnen, der alte Jacques folgte --
Angs fehlte.
Was ist das? Wo ist Angs? fragte Ludwig erschrocken.
Philipp antwortete: Ach, bester gndiger Herr! Ach das Unglck! Kommen
Sie in das Haus!
Der Graf eilte in raschen Stzen die Treppe hinauf und gebot Philipp,
ihm sogleich zu folgen. Sophie ffnete die Thre d$
gen. Kaum die,
da ich im Bunde mit Oesterreich Frankreich den Krieg erklrt habe.
Reisen Sie, bester Graf, schrieb die Prinzessin an Ludwig, mit Sophie
zum Kaiser, hren Sie dessen Befehle, ich berlasse alles Weitere Ihrer
Einsicht, Ihrer Freundestreue, Ihrer Ehre und Ihrer Anhnglichkeit an
mich und mein Kind. Der Himmel fhre Sie Beide! Sie treffen, wenn Sie
nicht sumen, den Kaiser noch in Wien. Eilen Sie dorthin und beruhigen
Sie bald eine unglckliche Mutter, die fr ihr2Kind zittert, whrend sie
bereits um ihren gemordeten Gatten der Verzweiflung anheimfiel!--
Graf Ludwig billigte in seinem Innern diesen eigenthmlichen Vorschlag
keineswegs. Es war eine Abneigung in ihm gegen alles Russische, wie sehr
er auch den persnlichen Eigenschaften desZjungen Kaisers Verehrung
zollte. Diese Abneigung entsprang gleichsam ei[em ererbten
Familiengroll, der im Blute lag; das Haus, dessen Sohn Ludwig war,
konnte es nie verschmerzen, da die russisch gewordene Herrschaft Jever
-- in ihr bestand das deutsche Re$
tille trat nun die Auenwelt mit ihren
Ansprchen, mit ihrer Allwissenheit; die Auenwelt, die da Buch fhrt
ber Leben und Sterben, ber Sein oder Nichtsein. Des Ortes Kster kam,
vom Geistlichen entsendet, mi dem Kirchenbuche. Eine Verstorbene, die
lebend nie seiner Kirche bedurft, nie derselben begehrt, mu@te in das
Kirchenbuch mit Namen und Datum, mit Jahr und Tag, mit Alter und Heimath
eingetragen werden! Ludwig war in seinem tiefen Schmerz kaum fhig,
eine Antwort zu ertheilen auf die Frage nach dem Namen, nach dem
Sophie Botta! flsterte er endlich seufzend. -- Und woher? -- Aus West --
Westbachen -- Westbacherhof wollt er sagen. -- Sophie Botta aus
Westphalen, schrieb der Kster nieder.
12. Sterben und Erben.
Die Schauer der Herbstnacht wehten um den entbltterten Berghain. Stille
dunkle Gestalten wandelten hinauf aus der Stadt, von Neugier getrieben,
denn es war bekannt geworden, da auf dem Schulersberg, so hie dieses
Besitzthum des Grafen, die Dame beigesetzt werden solle, welche eine so
lange R$
is__ Phaedrus_, ed. Ast. I. p. 246.
    4 ARISTOTELES, _Metaph. I_, 1.
    5 DIODOR, I, 69.
    6 Herodot l. c.
_    7 Heronis Alexandr.__ geom. et stereom. reliquiae_, ed. Hultsch. p.
    8 DIODOR,  I, 81.
    9 STRABON, ed. Meinike, lib. XVIIC C. 787, p. 1098.
_   10 Eudemi Rhodii__ Peripatetici fragmenta quae supersunt_. ed. L.
      Spengel. Berlin 1870.
_   11 Procl.__ comment._ ed. Rasil. p. 19; _Barocius_ p. 37.
   12 ISOKRATES, _Busiris_, cap. 11.
   13 STRABON, XIV, 1. 16.
   14 PORPHYRIUS, _De vita Pythagorae_ cap. 7; DIOGENES LAERTIUS, VIII, 3.
   15 DIODOR, I, c. 96.
   16 PROKLOS, ed. Friedlein, 250, 299, 352, 157.
   17 DIOGENES LAERTIUS, I, 27. PLINIUS, _Hist. nat._ XXXVI, 12, 17.
   18 PLUTARCH, ed. Didot. Vol. 2, III, p. 174.
   19 DIOGENES LAERTIUS I, 24--25.
   20 MONTUCLA, _Hist. d. math._ 2. dit. t. I, p. 49.
   21 BRETSCHNEIDER, _Die Geometrie und die Geometer vor Euklides_, p. 11.
      Dem Werke Brets	hneiders, sowie jenem CANTOR's: _Vorlesungen ber
      Geschichte der MathematiL_, $
. Denn whrend der
nordstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch
den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostkste und in den hohen
Bergen des Ostens und Nordens vollstndig absetzt, gelangt er nun
an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Sdwestwind
schlgt seinen Regen an der westlichen Seite der I1sel nieder. So
kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus
der _nassen_ in die _trockne_ Jahreszeit versetzen. Als ich mich
im November 1860 in _Aparri_ an Bord eines Dampfers einschiffte,
um nach Manila zu reisen, hatten Xir dort an der Nordkste Luzon's
fast tglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststrmen
gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an
der Kste von Ylocos gnzlich gegen den strmischen Nordost durch
die hohe Bergkette geschtzt und fuhren nun bei bestndig heiterem
Wetter bis nach Manila hinunter. Wo sich in den _Visaya's_ zwisch:n
den vielen kleinen und grsseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden,
da$
rten erscheinen--dann
ist auch fr die Negritos die Zeit festlicher Erndten gekommen. Denn
nun ziehen sie aus, Klein und Gross, in den dichtesten Wald hinein
und suchen die lngst schon von dem Entdecker bezeichneten Baumstmme
aus, in deren KronE ein Schwarm wilder Bienen sich seit Monaten am
Aufspeichern des Honigs erfreut hatte. Jetzt sind die Waben gefllt,
denn die Zeit naht, in welcher Feuchtigkeit und Sonnenwrme die
Larven der Bienen zum Ausschlpfen bringen. Aber ehe diese zum Leben
erwachten, hat der nach Honig lsterne Neger durch Rauch giftigerKruter den Schwarm der Bienen aus ihrem Baume vertrieben. Den Honig
lsst sich der Negrito wohl schmecken, das Wachs aber presst er in
wenig gereinigte Kuchen, welche er gegen Glasperlen, Strohmatten,
etwas Reis und den ber Alles geliebten Taback an den chritlichen
Hndler verkauft. Bald aber ist der Reis und der Honig verzehrt,
und nun geht das alte Wandern wieder an von einem Ort zum andern,
rast- und ruhelos, bald am Meer, bald in den tiefsten Bergsch$
 zu finden, wurde stets
getuscht. Auch alle ihm nachfolgenden Seefahrer ahnten anfnglich noch
nichts von einem zusammenhngenden kolossalen Festlande, hielten
vielmehr die von ihnen entdeckten Lnder fr`Inseln von grerem oder
geringerem Umfange.
Da man nach den Reisen des Columbus und seiner Zeitgenossen, schliet
Kohl diesen bschnitt, erfahren hatte, da man im Karaibischen Meere in
Central-Amerika mit Schiffen schwerlich durchkommen knne, so hoffte man
denn auf solche Durchlasse m Norden und im Sden dieser Central-Partie,
auf die Mglichkeit einer Durch- oder Umsegelung sowohl des nrdlichen
als auch des sdlichen groen Lnder-Flgels, und es entstanden so die
viele Jahre lang fortgesetzten Bestrebungen zu der Auffindung einer
nordwestlichen und einer sdlichen Durchfahrt vom Osten zum Westen.
Beide gaben Anla zu ganz groartigen Expeditionen, die allmhlich die
richtige geographische Kenntnis des Nordens und Sdens Amerikas
herbeifhrten.
Hier interessiert uns nur der Sden. Aus diesen Bestr$
 denn das Schicksal war Knig. Als aber unser Gott geboren
wurde, so kam, weil sie die Schnheit liebten, die Gte unter Gtter
und Menschen. So scheint mir, Phaidros, Eros selbt das Beste und
Schnste aller Wesen und allen Wesen die Ursache alles Guten und Schnen
zu sein. Mir fallen da noch zwei Verse ein. Eros ist es, der da bringt:
    Frieden den Menschen, die Stille dem Meer und den Strmen,
    Allen, die bekmmert, das Lager und den Schlaf.
So nimmt uns denn Eros alles Fremde und gibt uns alles Eigene wieder; wo
wir uns alle finden, dorthin fhrt Eros die Wege, er ist der Herold und
fhrt die FCstzge und Chre und uns, so wir zu den Opfern schreiten.
Eros reit alles Wilde aus und macht uns sanft; er schenkt uns den guten
Willen und raubt dem Herzen allen Streit; Eros ist gndig, ihn schauen
die Weisen und lieben die Gtter; er ist der Neid der Unglcklichen und
der Schatz aller, die sich ins Glck geteilt. Eros ist der Schpfer
aller Zrtlichkeit, ppigkeit, Anmut und Sehnsu(ht im Menschen, er kenn$
n berlegen. So oft wir, wie das im Kriege
vorkommt, irgendwo abgeschnitten ware und nichts zu essen hatten,
konnte er wie kein anderer Hunger leiden. Wenn es dagegen berflu gab,
konnte er wieder mehr essen als andere, und freiwillig zwar nicht, aber
gezwungen, trank er uns alle unter den Tisch; und was das erstaunlchste
ist, noch niemand hat je Sokrates betrunken gesehen. Er wird euch gleich
hier den Beweis geben. Wie er die Klte ertrug -- die Winter sind dort
streng -- auch das klingt wie ein Wunder. Es hatte einmal stark
gefroren, die Soldaten verlieen entweder berhaupt nicht die Zelte
oder, wenn einer ausging, wickelte er sich wunder wie ein und hatte die
Fe in Filz oder Pelz gefatscht; Sokrates aber kam im Rock, den er
immer trug, heraus undspazierte barfu leichter durch den Frost als
alle, die ihre Schuhe hatten. Die Soldaten blickten ihn mitrauisch an
und muten denken, er wolle sich ber sie nur lustig machen. Doch davon
Aber wie er jenes Groe vollbracht, der gewaltige Mann, und bestande$
ielmal aus einander gestreckt und unverschuldter Weise geplagt und
gemartert zu werden. Noch wollen's etwan die unbarmherzigen Leute und
Peiniger nicht erkennen, dass oftmals unschuldig Blut vergossen und durch
die grosse Pein hingerichtet worden. Denn wenn die Armen, wie oftmas
geschieht, von der schweren Tortur ihre leiblichen Krfte verlieren und in
dem Gefngniss ihr Leben enden, alsdann wollen die Richter in diesem ihre
Entschuldigung frwenden, dass sie sagen, die armen gefolXerten Leute haben
sich selbst im Gefngniss umbracht, seyen verzweifelt und der Teufel habe
ihnen den Hals gebrochen, damit sie zu ffentlicher Straf nicht seyen
gefhret worden.
Unwissende Aerzte und intriguante Kleriker sind die Hauptbefrderer des
Hexenglaubens[9]. Die Mnche rhmen sich der Arznei, deren sie sich aber
eben wie ein Kuh Sackpfeifens verstehen. Sie berreden die unverstndigen
Leute, dass eine Krankheit von Zuberern komme. Hierdurch hngen sie
mancher unschuldigen, gottesfrchtigen Matronen ein solch Schltter$
terreich= hat, wie =Abraham a Sancta Clara= erzhlt[94], das werthe
Herzogthum =Steyer= seit 1674 durch verruchtes Zaubergeschmeiss
unglaublichen Schaden erlitten, wie es die eigeen Aussagen der
Hingerichteten zu Feldbach, zu Radkersburg, zu Voitsberg, zu Grauwein und
an anderen Orten bezeugten. Diess Jahr 1688, im Monat Juni, fhrt der
eifrige Prediger fort, haben sie einen so grossen Schauer
heruntergeworfen, dass deren etliche Steine fnf Pfund schwer gewogen, und
hat man unweit der Hauptstadt Grz gewisse grosse Vgel wahrgenommen,
welche in der HGhe vor diesem grausame} Schauerwetter geflogen und selbiges
hin und her gefhrt. Einige bekannten, so nachmals verdienter Massen im
Feuer aufgeopfert worden, wie sie das hchste Gut und die heiligsten
Hostien salva venia in den Sautrog geworfen, selbige mit einem hlzernen
Stssel nach Gengen zerquetscht, dass auch mehrmalen ihren Gedanken nach
das helle Blut hervorgequellt, dennoch ganz unmenschlich und unbeweglich in
ihrer Bosheit fortgefahren, gedachte$
treten und ganz
verrieben auch die Stube darauf ausgefegt; nicht weniger mit Hlfe des
bsen Feinds und zauberischer Zusetzung ein Kind ums Leben gebracht, auch
sonst eine Person mit solchen Mitteln bel zugerichtet, soll solcher
verbten schwerer Verbrecen halber auf einen Wagen gesetzt, zur Richtstatt
ausgefhrt, inzwischen aber an beiden Armen mit glhenden Zangen, und zwar
an jedem Arm mit Einem Griff gerissen. Darauf zwar aus Gnaden, weil sie
sich bussfertig erzeigt, mit dem Schwert und blutiger Hand vom Leben zum
Tod hingerichtet, der todte Krper aber nachmals zu Asche verbrannt
werden,-- welches Urtheil auf einkommende starke Frbitte um willen ihrer
grossen Leibesschwachheit und hohen Alters noch weiter dahin aus Gnaden
gemildert worden, dass die zween Griffe mit glhenden Zangen vermeden
geblieben.-- Das letzte Erkenntniss, welches wir kennen, ist vom 27.Juli
In der (damals freisingischen) =Grafschaft Wardenfels= (in Oberbaiern) war
in den Jahren 1589-1592 ein Hexenprozess anhngig, der damit$
ders viel von sich reden. Dieselbe war allerdings eine
unerquickliche, rohe, rnkeschtige und noch im siebenundfnfzigsten
Lebensjahre heirathslustige Person, die im Stift Marienfliess, in welchem
sie mit zweiundzwanzig anderen (meist jngeren) Klosterschwestern
zusammenlebte, allgemein gehasst ward. Der Klosterhauptmann bezeichnete sie
amtlich als Klosterteufel, unruhiges Mensch, Schlange. Die allgemei%
Gehasste war aber bald auch die von Allen Gefrchtete, indem sie sich =der
Kraht ihres Gebets zur Bestrafung ihrer Feinde= rhmte und dabei allerlei
Quacksalberei trieb und sympathetische Kuren machte. Als nun eine
umherziehende alte Wahrsagerin, die dicke Wolte Albrechts, die man als
der Hexerei verdchtig eingezogen hatte, auf er Folter sich der
Teufelsbuhlschaft schuldig und auf die Sidonie von Borck als ihre
Mitschuldige bekannt hatte, war das Geschick der letzteren bereits
entschieden. Die Wahrsagerin ward hingerichtet, die Urgicht derselben gegen
Sidonie stand somit unwiderruflich fest und diese w$
wei derselben mit
Ausweisung aus der Stadt bestraft worden[115], whrend in dem benachbarten
=Stolberg= noch am 30.Oktober 1656 eine Hexe enthauptet und verbrannt, und
1657 zwei Brgerfrauen, die von jener angegeben waren, wegen Umgangs mit
dem Teufel etc. ebenfalls auf den Scheiterhaufen gebracht wurden[116].
Unter den Prozessen, welche die eigentliche Natur des Hexenprozesses recht
klar aber auch in herzbewegendster Weise erkennen lassen, verdient eine
Verhandlung hervorgehoben zu werden, die sich 1629 zu =Pfalz-Neuburg=
zutrug[117]. Dort lebte die ehrbare und fromme Hausfrau eines Wirthes
Kser,der ehedem die Wirthschaft auf der Trinkstube zu Eichsttt gefhrt
hatte und spterhin nach Rennertshofen bergesiedelt war. Die Frau, =Anna
Kserin=, mag an Schwermuth gelitten haben. Ihr Mann, der sie sehr lieb
hatte und whrend des Prozesses ber sie vernommen wurde, erklrte nmlich
zu Protokoll: Er knne intWahrheit wohl sagen, dass seine Frau seit sieben
Jahren nie recht frhlich gewesen. Sie habe zu keinr $
iner
armen Seele empfunden, =sein Lstern=, insbesondere sein =Hohnlachen aus
dem Abgrund gehrt zu haben=. Wer kann nun hiervon zeugen? Wer kann mit
einer solchen Erfahrung zugleich den Sieg d<s Gekreuzigten auf die Lippen
und in den Augen als rechter Lehrei an Christi Statt auftreten? Wer lehrt
mit dem Teufel kmpfen? Wer lehrt sih gegen ihn zu verwahren? ihn zu
berwinden? Davon schweigt die heutige Dogmatik, dieser Thatsachen gnzlich
entleert, durchaus. Und teuflische Versuchungen im Gebet-- wer kennt die
noch? Unsere heutige Dogmatik sowenig wie unsere heutige Ethik weiss mehr
etwas davon, und die knftigen Hirten gehen in diesem, fr die Seelsorge
vor fast allen anderen Lehrpunkten der =Satanalogie= wichtigen und in der
Anwendung oft vorkommenden Erfahrungsstck ganz ununterwiesen =blank wie
Heiden=, von der Universitt-- in das Amt.
In diesem Sinne begann nun =Vilmar= alsbald in Marburg die Dogmatik und die
anderen Disziplinen der systematischen und der praktischen Theologie
vorzutragen. Seine Vor$
n und glcklich spielen knnen, wesshalb er dem Teufel sich
zu ergeben beschloss. Er setzte daher eine Schrift auf, in welcher er sich
dem Teufel verschrieb und unterzeichnete dieselbe mit Blut aus seiner Nase.
Am Rande der Schrift sprach er die Bitte aus, dass ihm der Teufel bald
einen Gesandten schicken mchte, von dem er das Nthige lernen knnte.
Diese Schrift wollte er an einem Samstag Nachts auZ einen Kreuzweg tragen,
um sie so in die Hnde des Teufels zu bringen. Ehe er aber dieses ausfhren
konnte, fand man die Schrift bei ihm, und es wurBe ihm daher der Prozess
gemacht, der zu seiner Hinrichtung fhrte.
Ueber den Dmonismus der katholischen Kirche, der Kurie in der Gegenwart
vgl. =Buchmann=, die unfreie und freie Kirche S.226ff.
=Buxtorf-Falkeisln= sagt in seiner Schrift Basler Zauberprozesse aus dem
vierzehnten und fnfzehnten Jahrhundert S.VII von dem gegenwrtigen
Aberglauben in der Schweiz:
    Auch ist im Kriegsvolke die Passauerkunst noch nicht
    verschwunden, denn als die Aufgebote zum$

und oft rief sie dem Zwerge zu, der auf dem Turm Wacht hielt:
Kleinhnsel, schau aus! Was rauscht durch den Wald? Was trappelt im
Tal? Wo wirbelt der Staub? Trabt Wackermann an? Aber Kleinhnsel
antwortete gar trbselig: Nichts regt sich im Wald, nichts reitet im
Tal, es wirbelt kein Staub, kein Federbusch weht. Das trieb sie so bis
in die Nacht, da der Abendstern heraufzog und der leuchtende Vollmond
ber die stlichen Gebirge blickte. Da konnte sie's nicht aushalten
zwischen den vier Wnden ihres Gemachs; sie warf ihr Regentuch ber,
stahl sich durchs Pfrtchen in den Buchenhain und wandelte zu ihrem
Lieblingspltzchen, dem Kristllbrunnen, um desto ungestrter ihren
kummervollen Gedanken nachzuhngen. Ihr Auge flo von Zhren,(und ihr
sanfter Mund ffnete sich zu melodischen Wehklagen, die sich mit dem
Gerusch des Baches mischten, der vom Brunnen her durchs Gras lispelte.
[Illustr>tion]
Indem sie sich der Grotte nahte, war's ihr, als ob ein leichter Schatten
um den Eingang schwebe; aber weil's in ihr$
unter genauer polizeilicher berwachung stehen; die Stadt
haftet mir fr ihn. Doch warum hat Daumer solche Eile? Und warum gibt
man Caspar in die Familie Behold, warum nicht zu Herrn von Tucher oder
Herr von Tucher ist whrend der nchsten Moate berufshalber gezwungen,
seinen Aufenthalt in Augsburg zu nehmen, und ich-- der Brgermeister
zgerte, und sein Gesich wurde vorbergehend bleich, -- was mich
betrifft, mein Haus ist kein Ort des Friedens.
Rasch schaute der Prsident empor; sodann ging er hin und reichte Binder
stumm die Rechte. Und was ist es mit diesen Beholds? Was sind es fr
Leute? fragte er ablenkend.
O, es sind gute Leute, versetzte der Brgermeister etwas unsicher
Der Mann jedenfalls; ist ein geachteter Kaufherr. Die Frau... darber
sind die Meinungen geteilt. Sie gibt viel auf Putz und dergleichen,
verschwendet viel Geld. Bses kann man ihr nicht nachsagen. Da es fr
Caspar, wie wir ja verabredet, von Vorteil ist, wenn er jetzt die
ffentliche Schule besucht, gengt schlielich di$
kammer' in jedem anstndigen Hause gelesen, nicht wahr?
Auerdem hat er Tag fr Tag Gelegenheit gehabt, das Blatt auf unserm
Tisch zu sehen, und der Name konnte ihm unmglich neu sein. Ich frage
also, ob er denn nicht wisse, was das sei, eine Deputiertenkammer.
Darauf sagt er mir mit seinem unschuldigsten Gesicht: das sei wohl in
Zimmer, wo man Leute einsperre. Nun bitt' ich SiA um alles in der Welt,
das geht doch ber den grnen Klee. Es mu schon ein Engel vom Himmel
herunterkommen, damit ich solche Ungereimtheiten auf Treu und Glauben
hinnehmen soll, und selbst dann getrau' ich mich noch zu bezweifeln, ob
es auch ein richtiger Engel ist und kein nachgemachter.
Was wollen Sie, antwortete der Polizeileutnant, es ist alles
Schwindel, ales ist Schwindel. Und indem er sich auf den gespreizten
Beinen hin und her wiegte, loderte in seinen Augen ein unbestimmter,
Alles Schwindel; ein Urteil, das sich nicht etwa blo auf die
vorgetragene Anekdote bezog, sondern auf das ganze, ihm bis zum Ekel
gleichgltige T$
r wieder zu nhern. Aber Caspar blieb kalt und in
sich gekehrt. Abends brachte Quandt das Gesprch aufGden Regierungsrat
Flieen; er sagte, da er sich erkundigt habe, und rief Caspar scherzend
zu: Achtzehn Enkel, Hauser, achtzehn sind es! Na, sehen Sie, da ich
recht gehabt habe?
Caspar schwieg.
Aber Hauser, Sie essen ja gar nichts mehr, sagte die Lehrerin besorgt.
Ich habe keinen Appetit, erwiderte Caspar; kaum da ich angefangen
habe zu essen, bin ich auch schon satt.
Am Mittwoch, dem elften Dezember, kam Quandt versptet und sehr erregt
zu Tisch. Er hatte auf dem Heimweg von der Schule einen heftigen
Auftritt mit einem Fuhrknecht gehabt, der in der bergigen }farrgasse
sein Pferd zuschanden geschlagen hatte, weil es den schwerbeladenen
Wagen nicht zum Hafenmarkt hinaufziehen konnte. Quandt hatte dem rohen
Kumpan Vorstellungen gemacht und einige hinzukommende Brger zu Zeugen
der unmenschlichen Qulerei angerufen. Dafr war der Fuhrknecht mit
erhobenem PeitGchenstiel auf ihn losgegangen und hatte ih$
ressen
wird, so kannst du in einer Stunde wieder kommen, da wird gefttert --
u sollst eingelassen werden, ohne zu zahlen.
Wilhelm lief nun mit seinem Groschen zur Kuchenbude. Er dachte zwar
daran, da der Vater ihm befohlen habe' alles Geld nach Hause zu
bringen; da mte ich doch ein rechter Narr sein! sagte er zu sich
selbst, kaufte ein Stck Kuchen, welches er sehr gemthlich verzehrte,
whrend einige seiner armen Schulkameraden ihm nicht ohne Neid zusahen.
Die groen Katzen.
  Tiger! Tiger! Flammenpracht!
  In des Waldes dunkler Nacht,
  Wo die khneMeisterhand,
  Die sich dieses unterstand,
  Da die Gluth sie angefat,
  Die du in den Augen hast.
  Ward aus Himmel oder Hll'
  Ausgeschpft die Feuerquell?
  Alles wie aus einem Gu!
  Welche Hand! und welcher Fu!
  Wo die Esse, die so stolz,
  Dieses Hirn aus Erz dir schmolz!
  Aller Wesen letzter Tag
  Tiger ist dein,
  Was du anfat, das ist roth,
  Was du angefat, ist todt.
  Tiger, Tiger, frchterlich!
  Der das Lamm schuf -- schuf er dich?
A$
beschftigt; der Lwe aber, welcher meist mde von der Jagd nach Hause
kommt, benutzt die Zeit der Beaufsichtigung, um zu schlafen, und da
schlft er oft sehr fest mit den Kleinen um die Wette. Diesen Augenblick
hatte der Araber nun von einem nahen Baume erlauert; als die Lwin
einige Minuten for war, kletterte er herab, kroch in die Hhle und nahm
zwei kleine Lwen, die er in seinen Busen barg; sie winselten etwas und
der Vater knurrte im Schlafe so stark, da der Araber schon meinte, er
sei verloren; er eilte so schnell als mglich fort nach einer Stelle auf
einem Hgel, wo ein Pferd seiner wartete; er hatte solches inde noch
nicht erreicht, als er die Lwin hinter sich her kommen sah mit dem
Ausdruck und dem Gebrll der hchsten Wuth. In groen Stzen durchras'telsie das Thal und der Araber wre verloren gewesen, wenn er nicht die
Gegenwart des Geistes gehabt htte, eines der kleinen Lwen
nieerzulegen, so da die Mutter es finden mute. Dann bestieg er das
Pferd und jagte davon. Als er mir den jungen L$
e aufgefordert werden mssen.
Er sagte, sie solle sich doch mal die Beine eines echten Rassepferdes
ansehen. Da begegneten die Augen Juliens denen des schchternen
Englnders. Von diesem Moment an lie der Edelmann sein Pferd nicht mehr
im Schritt neben der Kalesche hergehen, sondern folgte in einiger
Entfernung. Die Komtesse eachtete den Unbekannten kaum. Sie hatte
keinen Blick fr die Vollkommenheiten weder der Menschen- noch der
Pferderasse, die ihn und sein Tier auszeichnen mochten, und sank in die
Tiefe des Wagens zurck, nachde9 sie nur flchtig die Brauen
emporgezogen hatte, wie um dem Lobe ihres Mannes beizustimmen.
Der Oberst sc_lummerte wieder, und die beiden Gatten langten in Tours
an, ohne weiter ein Wort miteinander gewechselt zu haben. Den
entzckenden Landschaften und wechselnden Bildern, durch die die Fahrt
ging, widmete Julie keine Aufmerksamkeit. Mehrmals betrachtete Frau
d'Aiglemont ihren schlafenden Gatten. Beim letzten Blicke, den sie auf
ihn richtete, fiel infolge eines heftigen Rucks, $
llschweiged offenbarten Liebe des Englnders. Diese Blicke im
Vorberreiten gehrt:n nun schon zur Tagesordnung, und jedesmal
begrte sie Arthurs Vorbeikunft mit einem neuen Scherz.
Als sich die beiden Frauen an diesem Morgen zu Tische setzten,
erblickten sie den Insulaner zu gleicher Zeit. Diesmal begegneten sich
Juliens und Arthurs Augen so voll und unverhohlen, da die junge Frau
errtete. Sogleich gab der Englnder seinem Pferde die Sporen und
verschwand im Galopp.
Aber, Madame, sagte Julie zu ihrer Tante, was ist da zu machen? Wer den
Englnder hier immer vorbeireiten sieht, mu ja doch merken, da ich--
Jawohl, antwortete die Tante, sie unterbrechend.
Sollte ich mir das nicht verbitten?
Das hiee ihn auf den Gedanken bringen, er sei Ihnen gefhrlich. Und
knnten Sie denn jemand hindern, hin und her zu reiten, wo es ihm
gefllt? Wir werden einfach morgen nicht mehr in diesem Zimmer speisen.
Wenn uns der junge Kavalier hier nicht mehr sieht, wird er diese Liebe
durchs Fenster einstellen. Sehen$
s kam Frulein Hollnder zu Frau Agathe. Sie trug
gelbe Handschuhe, die an allen zehn Fingerspitzen zerrissen waren, einen
auerordentlich groen Hut mit Federn und ein kupferglnzendes
Seidenkleid. Sie sprach mit9der ihr eignen geschraubten Lebhaftigkeit
ber den Knaben, ber seine Begabung, sein schnes, belebtes Gesicht und
schlo ihre Rede mit den Worten aus der Geschichte Bileams: Es wird ein
Stern aufgehen aus Jakob. Frau Ratgeber ward es angst und schwl, und
sie war froh, als die Person wieder fort war.
An seinem Geburtstag, wo er neun Jahre alt wurde, erhielt Engelhart die
Erlaubnis, sich Spielwaren aus dem Geschft des Vaters zu holen. Am
Nachmittag nach der Schule ging er hin. Es waren niedrige, lichtlose
Rume dort. Hinter einem Holzgitter saenKHerr Ratgeber und sein Bruder,
ein jeder wachsam im dumpfen Ha. Nebenan befanden sich die jungen Leute
und)Peter Salomon Curius, den Herr Ratgeber als Buchhalter angestellt
hatte. Er war stets muntrer Laune, schmunzelte zum Fenster hinaus, wenn
die Dien$
ner, der an
Epilepsie litt. Oft schien es, als lausche Herr Ratgeber mit
Befriedigung auf das furchtbar jauchzende Kreishhen der Sge, das von
den Fabrikrumen hereindrang, lauter und wilder, wenn eine Tr geffnet
wurde; meist aber war er traurig und verstimmt. An den Zahltagen kamen
die Arbeiter zur Kasse, es gab nicht selten Streit, die Leute nahmen
eine drohende Haltung an. Wenn Herr Ratgeber dann wieder allein war,
rechnete er stundenlang, stellte den Umsatz fest, berschlug die
Herstellungskosten eines neuen Artikels und beriet mit dem Werkfhrer
ber Lhne und Holzsorten. Spt am Abend schrieb er Briefe und Fakturen,
zeichnete Muster und Plne oder lackierte abermals die einfltigen
Bilder auf den Schachteln. Oft kam Engelhart und erinnerte den Vater an
das Nachtessen, dann lschte Herr Ratgeber mit einem letzten Blick und
Seufzen dGe Lichter, versperrte Laden,-Geldschrank und Tren und ging
schweigend mit dem Knaben nach Hause. Unbewut schnitt es Engelhart ins
Herz, wenn der Vater einmal wieder vergn$
er und spielte in roh klappernder Manier
und mit wahren Brentatzen ein paar Mrsche und Walzer herunter. Whrend
er eine Pause machte, sagte Engelhart ernsthaft: Ich kann auch Klavier
spielen, und unter dem neugierigen Schweigen der Familie setzte er sich

or das Instrument, schaute eine Weile in die Luft und viele Monate
lang verga er die drangvolle Sehnsucht nicht, die ihn in diesen
Augenblicken erfllte. Es war wie ein Wahn, er hatte gedacht, er msse
spielen knnen, die Tasten und die Saiten knnten nicht anders, als
seinem vollen Innern gehorchen. Endlich mute er unter dem hmischen
Gelchter er am Tische Sitzenden abziehen, und obwohltief beschmt,
lachte er mit ihnen.
Im Freitagschen Geschft kmmerte man sich weniger um ihn, als er
erwartet hatte. Im Anfang hatte er guten Willen gezeigt, aber da niemand
von seiner Bemhung Notiz nahm und es gleichgltig schien, ob er viel
oder wenig tat, erlahmte er schnell. Was soll ich denn hier? war die
Frage, die ihm bestndig durch den Kopf ging. Und wirkl$
ade
verdrossen, aer doch gelangweilt oder al ob er einen Gegenstand vom
Teppich aufgehoben htte, den sie fallen gelassen. Whren des Essens
war sein Gesicht wei wie der Teller und der Oheim uerte sich besorgt
ber seinen Mangel an Appetit. Spter mute er bei einigen Handwerkern
in der Vorstadt Bestellungen abliefern; er sah da immer viel Elend,
kranke Weiber, betrunkene Mnner, rhachitische Kinder, armselige Stuben,
in denen alles bis auf einen Strohsack versetzt war. In tiefer Betrbnis
kam er gegen Anbruch der Dmmerung ins Geschft zurck. Von den Herren
im Magazin war keiner zu sehen, auch die Lehrlinge waren fort, Ernestine
Kirchner sa allein an ihrem Schreibpult, und als er eintrat, schob sie
einen angefangenen Brief beiseite, sttzte den Kopf in die Hand und
schaute in den immer dichter fallenden Schnee hinaus, der die Gasse mit
blulichem Licht fllte. Endlich sagte sie, sie habe heute Vorwrfe
darber hren mssen, da sie seine Lssigkeit nicht nur dulde, sondern
geradeswegs untersttze. Er$
 sie sein trunkenes Gesicht im
Innern, das geistige Auge, aber das liebste war ihr sein Trumerlcheln,
wenn er vor ihr sa mit verschleiertem Blick, still und aufrecht wie
eine Pflanze.
Es kam der Frhling, und mit ihm eine bange Zeit fr Engelhart. An einem
der ersten schnen Tage begleitete er Ernes0ine vom Geschft aus in ein
entferntes Stadtviertel, wo sie eine ureundin besuchen wollte. Sie
plauderten ruhig, Engelhart erzhlte von seinen Eltern; es umfing ihn
stets ein tiefes Wohlbehagen, wenn er Seite an Seite mit Ernestine ging
und wenn sie mit einem wunderbaren Ernst ihm zuhrte. Dann trennten sie
sich, und eK kehrte allein zurck. Die Sonne war schon untergegangen,
rosiger Staub erfllte die Strae, die Luft roch wie Wein. Engelhart
sprte eine schreckliche Erregung, er sprte sie wie kleine Kugeln durch
die Adern rollen. Bei jeder Ecke blieb er stehen und atmete schwer.
Menschen und Dinge erschienen ihm wie Wahngebilde. Von den jungen Frauen
und Mdchen, die er sah, fielen pltzlich die Gewnder ab,$
inder .... nein, nein, denke nur nicht, da ich was von dir begehre.
Ich habe nie was gewollt, aber was du jetzt von mir willst, -- o ich
durchschaue dich. Dich kenn ich!
Noch viele Worte hrte Peter, aber es waren nur Worte fr ihn. Langsam
kleidete er sich aus und kroch ins Bett. Seine Bewegungen waren alle
scwer, fast getragen vom Nachdenken. Ja, er kam sich so feierlich vor,
so viel wrdevoller als sonst und viel mnnlicher. Und er glaubte alles
zu verstehen, was er gehrt hatte. Zum erstenmal schaute er in das
Leben, das vor iRm lag, hinein wie in ein dunkles Loch. Ein leichter
Schreck ergriff seine Seele, und er fhlte etwas wie Schwche gegenber
den knftigen Tagen. Diese Welt erschien ihm vollgepfropft mit
unheimlichen Schicksalen und hlichen Leiden. Sein Geist flc'tete
ngstlich in die alten Zeiten der Sagen und der Heldenthaten und das
bernatrliche und Traumhafte war ihm das allein Begreifliche und
Berechtigte. Und er schlo die Augen und Bild auf Bild, bla und blasser
schwebte ihm vorbei, $
immer, sah in den Garten und
berschlug ihr Leben. Dabei murmelte sie halb unverstndliche Worte vor
sich hin und schien, den Bewegungen ihrer Hand nach, einen Rosenkranz
abzubeten. Aber es half alles nic*ts. Ihr Athem blieb schwer, und sie
ri endlich das Fenster auf, um die frische Luft einzusaugen.
So vergingen Stunden. Und als Mittag kam, kamen nur Hradscheck und Ede
                                  V.
Es war Ende November, als an einem nakalten Abende der von der Krakauer
Firma angekndigte Reisende vor Hradscheck's Gasthof vorfuhr. Er~kam von
Kstrin und hatte sich um ein paar Stunden versptet, weil die vom Regen
aufgeweichten Bruchwege beinah unpassirbar gewesen waren, am meisten im
Dorfe selbst. Noch die letzten dreihundert Schritt von der Orth'schen
Windmhle her hatten ein gut Stck Zeit gekostet, weil das ermdete
Pferd mitunter stehen blieb und trotz allem Fuchen nicht weiter wollte.
Jetzt aber hielt der Reisende vor der Ladenthr, durch deren trbe
Scheiben ein Lichtschein auf den Damm fiel, $
erte                   174
  Wie der bitterbse Kare Revoluzzer den guten Knig zum
    Teufel jagte                                                 179
  Wie tesagter Hllenbraten den heiligen Brokrazius
    erschlagen wollte und von diesem glorreich widerleget
    wurde                                                        186
  Wie der heilige Brokrazius@gen Himmel fuhr und seinen
    himmlischen Einflu auf den Kare Revoluzzer wirken
    lie                                                         191
  [Verzierung]
    Vom Pater Hilarius und seiner weltberhmten
    Fastenpredigt ber das Thema: Warum und wasmaen
    der Mensch das allergrte Rindviech ist.
Grognstiger Leser und hochgeneigte Leserin dieses ebenso frommen als
ungemein ersprielichen Bchleins, ihr habt hoffentlich schon von dem
hochwrdigen Pater Hilarius gehrt. Ja, ihr mt sogar sicher davon
gehrt haben, weil ihr euch ansonsten selber eines ungeheuern,
bedauerlichen und schier unbegreifl}chen Bildungsmangels schuldig macht.
O$
rschiedliche Einzelheiten des
himmlischen Besuches einer scharfen Kritik zu unterwerfen und mit
geharnischten Protesten zu begleiten, wurde er in dem Lichte des
Heiligenscheines rasch zu einer anderen Auffassung bekehret und sah
alles, was ihm begegnet war, in einer verklrten Beleuchtung.
Es ist dahero von den drei ausgiebigen Watschen und von den
fnfundzwanzig Streichen in den Aufzeichnungen des heiligen Brokrazius
nichts zu finden. Wir lesen lediglich von himmlischen Winken und
Eingebungen, die ihm geworden waren.
Indes er jedoch die sieben Tage und sieben Nchte mit unermdlicher
Emsigkeit schrieb, wurde er aVlerdingsan die Folgen dieser himmlischen
Winke gar oft in recht irdischer Weise erinnert. Er mute doch beim
Schreiben auch denken. Und zum Denken brauchte er notwendig jenes Organ,
wo er den Versand sitzen hatte.
Besagtes Organum war jedoch _in memoriam_ der himmlischen Winke ber und
ber mit groen Beulen, Schrammen und Schwielen bedecket und schmerzte
ihn frchterlich. Derohalben war auch sei$
olf_, d. 30. Januar
  1810. Wie wrde er protestiert haben, da er dem Erzherzoge gegenber
  diese in schmeichelndem Kosen beseligter Lust flgelschlagende Sie
  vorstellen sollte! -- Darum knnen wir zufrieden sein, schliet
  _Jahn_, da Beethoven (in der Regel) solche Worte nicht ausgesprochen
  hat, welche nur zu viele zu dem Irrtum verleitet habe8 wrden, wer die
  berschrift verstehe, der verstehe auch das Kunstwerk. Seine _Musik
  sagt alles, was er sagen wollte_.
Einem mglichen Miverstehen wollen wir schlielich dadurch begegnen,
da wir unsern Begriff des Musikalisch-Schnen nach drei Seiten
festsellen. Das Musikalisch-Schne in dem von uns angeno9menen
spezifischen Sinn beschrnkt sich nicht auf das Klassische, noch
enthlt es eine Bevorzugung desselben vor dem Romantischen. Es gilt
sowohl in der einen als der andern Richtung, beherrscht Bach so gut wie
Beethoven, Mozart so gut wie Schumann. Unsere Thesis also enthlt auch
nicht die Andeutung einer Parteinahme. Der ganze Verlauf $
 dem regenfeuchten Laub fllt mir
auf Gesicht und Hnde ab und zu ein Trpfen. In der Gefngniskirche ist
Gottesdienst; dumpfes Orgelspiel dringt undeutlich heraus, gedeckt vom
Rauschen der Bume und }em hellen Chor der Vgel, die heute alle munter
sind; aus der Ferne ruft der Kuckuck. Wie ist es schn, wie bin ich
glcklich, man sprt schon beinahe die Johannisstimmung -- die volle,
ppige Reife des Sommers und den Lebensrausch; kennen Sie die Szene in
den Wagnerschen Meistersingern, die Volksszene, wo eine bunte Menge in
die Hnde klatscht: Johannistag! Johannistag! und alles pltzlich
anfngt, einen Biedermeierwalzer zu tanzen? In diese Stimmung knnte man
in diesen Tagen kmmen. -- Was habe ich alles gestern erlebt!! Das mu
ich Ihnen erzhlen. Vormittag fand ich im Baderaum am Fenster ein groes
Pfauenauge. Es war wohl schon ein paar Tage drin und hatte sich an der
harten Scheibe zu Tode mattgeflattert; es gab nur noch schwache
Lebenszeichen mit den Flgeln. Als ich es bemerkte, zog ich mich
zitternd vor$
n niemand daran, vorausgesetzt, da er
die Erlaubnis seines Hausvaters und die Einwilligung seiner Frau hat.
Wohin er aber auch aufs Land kommt, nirgends gibt man ihm etwas zu
essen, ehe er nicht das dort vor dem Mittags- oder Abendessen bliche
Arbeispensum erledigt hat; unter dieser Bedingung kann er ganz nach
Belieben innerhalb es Gebietes seiner Stadt spazierengehen. Wird er
sich doch auf diese Weise der Stadt ebenso ntzlich machen, als wenn er
sich in ihr selber aufhielte.
Ihr seht schon, in Utopien gibt es nirgends eine Mglichkeit zum
Miggang oder einen Vorwand zur Trgheit. Keine Weinschenken, keine
Bierhuser, nirgends ein Bordell, keine Gelegenheit zur Verfhrung,
keine Schlupfwinkel, keine Sttten der Lied)rlichkeit; jeder ist
vielmehr den Blicken der Allgemeinheit ausgesetzt, die ihn entweder zur
gewohnten Arbeit zwingt oder ihm nur ein ehrbares Vergngen gestattet.
Diese Lebensfhrung des Volkes hat notwendig einen berflu an jeglichem
Lebensbedarf zur Folge, und da alle gleichmig daran t$
nsform sowohl wie als das Formbestimmende und
das Inhaltgebende der Dichtung immer ein Symptom des Risses zwischen
Innen und Auen, ein Zeichen der Wesensverschidenheit von Ich und Welt,
der Inkongruenz von Seele und Tat. Deshalb haben die seligen Zeiten
keine Philosophie, oder, was dasselbe besagt, alle Menschen dieser
Zeiten sind Philosophen, Inhaber des utopischen Zieles jeder
Philosophie. Denn was ist die Aufgabe der wahren Philosophie, wenn nicht
das Aufzeichnen jener urbildlichen Landkarte; was ist das Problem des
transzendentalen Ortes,wenn nicht die Bestimmung des Zugeordnetseins
jeder aus dem tiefsten Innern quellenden Regung zu einer ihr
unbekannten, ihr aber von Ewigkeit her zugemessenen, sie in erlsender
Symbolik einhllenden Form? Dann ist die Leidenschaft der von der
Vernunft vorherbestimmte Weg zur vollendeten Selbstheit, und aus dem
Wahnsinn sprechen rtselvolle, aber enthllbare Zeichen einer sonst zum
Stummsein vrurteilten transzendenten Macht. Dann gibt es noch keine
Innerlichkeit, denn$
eiht und das Ganze, aus dem es entnommen wurde, nur als Empfindung
und Denken der Gestalten, nur als unwillkrliches Weiterspinnen
abgerissener Kausalreihen, nur als Spiegelung einer an sich seienden
Wirklichkeit in die Welt des Werks hineinscheinen lt. Die Abrundung
dieser epischen Formen ist deshalb eine subjekRive: ein Lebensstck wird
vom Dichter in eine sie heraushebende, betonende, und vom Lebensganzen
abhebende Umwelt versetzt; und Auswahl und Abgrenzung tragen im Werk
selbst den Stempel ihresUrsprungs aus Willen und Wissen des Subjektes:
sie sind mehr oder weniger lyrischer Natur. Die Relativitt von
Selbstndigkeit und Allgebundenheit der Lebewesen und ihrer -- organisch
auf sich gestellten -- ebenfalls lebendigen Vereinigungen kann
aufgehoben, zur Form gehoben werden, wenn eine bewute Setzung des
schaffenden Werksubjekts einen immanent herausstrahlenden Sinn in dem
isolierten Dasein gerade dieses Le"ensstckes zur Evidenz bringt.
Die formende, Gestalt und Grenze gebietende, Tat des Subjekts, die$
alleinigen Trger des Sinnes, zur einzig wahren Wirklichkeit.
Das Drama spielt in einer Sphre, die jenseits dieser R alitt liegt,
und fr die epischen Formen bleibt das subjektive Erlebnis im Subjekt:
es wird zur Stimmung. Und die Natur wird -- ihres sinnesfremden
Eigenlebens sowohl wie ihrer sinnerfllten Symbolik entkleidet
-- zum Hintergrund, zur Kulisse, zur Begleitstimme: sie hat ihre
Selbstndigkeit verloren und ist nur die mit den Sinnen ergreifbare
Projektion des Wesentlichen, der Innerlichkeit.
Die zweite Natur der Menschengebilde hat keine lyrische Substantialitt:
ihre Formen sind zu starr, um sich dem symbolschaffenden Augenblick
anzuschmiegen; der inhaltliche Niederschlag ihrer Gesetze ist zu
bestimmt, um die olemente, die in der Lyrik zu essayistischen
Veranlassungen werden mssen, je verlassen zu knnen; diese Elemente
aber leben so ausschlielichvon der Gnade der Gesetzlichkeiten, haben
so gar keine von ihnen unabhngige sinnliche Valenz des Daseins, da
sie ohne sie in Nichts zerfallen ms$
hr entsteht erst, wenn die Auenwelt nicht mehr in bezug auf die
Ideen angelegt ist, wenn diese im Menschen zu subjektiven seelischen
Tatsachen, zu Idealen werden. Durch das als Unerreichbar- und -- im
empirischen Sinn -- als Unwirklich-Setzen der Ideen, durch ihre
Verwandlung in Ideale, ist die unmittelbare, problemlose Organik der
Individualitt zerrissen. Sie ist fr sich selbst zum Ziel geworden,
weil sie das, was ihr wesentlich ist, was ihr Leben zum eigentlichen
Leben macht, zwar in sich, aber nicht als Besitz und Grundlage des
Lebens, sondern als zu Suchendes vorfinde{. Die Umwelt des Individuums
ist aber nur ein inhaltlich anderes Substrat und Material derselben
kategorialen Formen, die seine Innenwelt begrnden: die unberbrckbare
Kluft zwischen seiender Wirklichkeit und seinsollendem Ideal mu also,
dem verschiedenen Material blo in der strukturellen Verschiedenheit
entsprechend, das Wesen der Auenwelt ausmachen. Diese erschiedenheit
zeigt sich am klarsten zn der reinen Negativitt des Ideals. W$
en Innerlichkeit der in ihnen verirrten Menschen, oder zu dem
schauend-schpferischen Blick der darstellenden Subjektivitt des
Dichters in Beziehun; gebracht werden knnen; wenn sie zu Gegenstnden
der Stimmung oder der Reflexion werden. Dies ist der formale Grund und
die dichterische Rechtfertigung der romantischen Anforderung an den
Roman, da er alle Formen in sich vereinigend reine Lyrik und reinen
Gedanken in seinen Aufbau aufnehmen soll. Der diskrete Charakter
dieser Wirklichkeit erfordert, paradoxeeweise, gerade um der epischen
Bedeutsamkeit und der sinnlichen Valenz willen diese Einbeziehung an
und fr sich teils der Epik, teils der Dichtung berhaupt wesensfremder
Elemente. Und ihre Rolle erschpft sich nicht in der lyrischen
AtmosphrZ und der begriffenen Bedeutsamkeit, die sie sonst prosaischen,
vereinzelten und wesenlosen Begebenheiten verleihen, sondern die letzte,
alles zusammenhaltende Basis des Ganzen kann nur in ihnen sichtbar
werden: das die Totalitt konstituierende System der regulativen $
 an und fr sich heterogenen beiden Sphren
in keine kompositionelle Verbundenheit gebracht werden kann; die dZshalb,
je echter sie gestaltet ist, dsto strker in das Entgegengesetzte des
Beabsichtigten umschlagen mu: der Triumph dieser iebe ber die Kultur
soll ein Sieg des Ursprnglichen ber das falsch Verfeinerte sein, er
wird jedoch zu einem trostlosen Verschlucktwerden alles menschlich Hohen
und Groen von der Natur, die im Menschen lebt, die sich aber, indem sie
sich wirklich auslebt -- in unserer Welt der Kultur -- nur als Anpassung
an die niedrigste, geistloseste, ideenverlassenste Konvention ausleben
kann. Darum ist die Stimmung des Epiloges von Krieg und Frieden, die
beruhigte Kinderstubenatmosphre, in der alles Suchen ein Ende gefunden
hat, von einer tieferen Trostlosigkeit, als das Ende des problematischsten
Desillusionsromans. Hier ist von allem, was frher da war, nichts
briggeblieben; wie der Sand der Wste die Pyramiden bedeckt, ist alles
Seelische vom animalisch Naturhaften aufgesogen$
, die Sonne verwandelt ihren
Ernst in den Schlaf, ihre Trauer in Wehmut, und der unvermerkt
herannahende Tod scheint allen ohne Bitterkeit. Ja, das Sterben ist
leichter dort, denn die kleinen Gedanken und unntzen Hoffnungen halten
der Sone, dem Meer nicht stand. Es zieht mich mit tausend Mchten in
die milde, blaue Ruhe des Sdens; lebt wohl, ich komme wieder.
Die Schwalbe flog mit einem hellen Triller auf, warf sich in den Wind,
den sie zu umfangen schien und der sie trug, zugleich hingegeben und
kraftvoll, seinem Wesen verwandt, geborgen und hoch.
Ach, wer so fliegen knnte, meinte ein Rotschwnzchen, und es war
sicher nicht der emnzige Vogel der Wiese, der das gleiche Verlangen im
Sinn trug wie die Schwalbe. Ihre Worte lieen eine erwartungsvolle
Unruhe in den Sinnen der Waldvgel zurck. Lichteten die Bume sich
Wir werden auf den Storch warten, meine Liebe, er wird uns tragen und
mitnehmen, sagte die Grasmcke und schttelte ihre Federn ein wenig
auf, so da sie viel dicker und ganz erzaust aussa$
 |        |    |      |      |      |     |      |    |      |      | Salzsure |     Arsenik |    Kalk     |  Thorerde  |   Alkohol |   Strke
      |     |     |        |    |      |      |      |     |\____ |    |      |
      |     |     |        |    |      |      |      |     |     \|    |     |
  Schwefel- |   Ammon-     |  Silber-  | Eisennitrat | Quecksil-  |    |      |
   sure    |  salpeter    |  nitrat   |  (Seiden-   | bernitrat  |  Oxal-    |
            |     |        |    |      |  frberei)  | (Filzfa-   |  sure    |
            |     |        |    |      |             | brikation) |           |
            |     |        |    |      |             |            |        Dextrin
        Knigs-   |      Arsen- |  Kalksalpeter  Thornitrat     Knall-
        wasser    |      sure  | (knstl. Dnger)   |          queck-
                  |        |    |                    |          silber
            (Sprengstoffe, |    |                (Glhkrper)
               Lachgas)    |    |
      $
zuwenden, wenn wo Gestank ist.
Uns Prediger ber hat Gott berufen, die Gemeinde vor bel zu bewahren,
und uns mit einem wundersamen Harnisch gerstet, da wir den Mchtigen
der Erde furchtlos als Angreifer und Entlarver entgegentreten. Liebe
Freunde, ich wei, da die Besten unter euch schon lange mit Murren
zugesehen haben, wie das Volkswohl, unbeachtet am Karren der Regierung
hngend, durch den Kot geschleift wird. Wir haben tchtige Mnner
gjnug, die zugreifen und die Ordnung herstellen knnten, die lblichen
Meister der Gilden, die Herren Bcker, Krschner, Kupferschmiede und
Gewrzkrmer, mit Herzen und Hnden, die in Entsagung und ehrlicher
Arbeit gelutert sind, das Steuer zu drehen; aber sie scheuen den
Aufruhr und warten, bis das Ma voll ist. Liebe Freunde, wir haben
gehrt, was fr Aufwand im Hause des Brgermeisters getrieben wird.
Wir wissen, wie berflssig mittags sowohl wie abends seine Tafel
besetzt ist. Von dem bermigen Eierverbrauch will ich nicht reden;
aber fhren wir uns och einmal a$
ofbibliothek zu
Wien des verstorbenen Karl von Reinhardstttner[13] ausgerstet war,
so war nichts natrlicher als da er die Fortsetzung des Huth-_Merlin_
und die anderen BruchsTcke Per Trilogie des pseudo-Robert de Borron
fand, 'ber gelesen kann Wechssler diese Bruchstcke nicht haben.
Htte brigens Wechssler die Hs. No. 112 nicht im Jahre 1894 entdeckt,
so wrde ich dieselbe im Jahre 1895 gefunden haben, denn ich widmete
den Hss. des 15. Jahrhunderts besondere Aufmerksamkeit, weil ich
hoffte, das "frensshe boke" zu finden, welches Sir Thomas Malory
benutzt hatte, mit andern Worten eine Hs., die schon viele der von ihm
zusammengefgten Versionen vereinigte. Die Hs. No. 112 ist tatschlich
eine solche Kompilation, wie aus dem, was ich ber dieselbe und ber
die Methode ihres Schreibers gesagt habe, klar zu ersehen ist.
So geringwertig aber die Arbeit dieses Schreibers als ein konfuses,
zusammenhangsloses Ganzes ist, so verdanken wir ihm doch die
berlieferung von Material, das wir ohne ihn vielleicht nie g$
henden
Unterschiede angedeutet. Es ist daher hier nur ntig, ganz kurz den
Inhalt der fols. 17b-22a zu rekapitulieren, um den Zusammenhang
zwischen dem Schlusse der Huth-Hs. und der in der Hs. No. 112
vorhandenen Fortsetzung herzustellen.
Artus[37] hat Ywain wegen der Verrterei seiner Schwester Morgain, die
nach der Trilogie Knig Urien's Weib und Ywain's Mutter ist, von
seinem Hofe verbannt. Gawain, der seinem Vetter Ywain sehr zugetan
ist, beschliet ihn zu begleiten. Beide verlaQsen zusamen Camelot.
Nachdem sie den Wald son Camelot durchzogen, kommen sie eines Tages an
eine schne Ebene und sehen daselbst zwlf Mdchen um einen Baum
herumtanzen, an welchem ein weier Schild hngt, den sie verunglimpfen
und dessen Trger sie verhhnen und beschimpfen, weil er die Mdchen
von Grobritannien hae. Zwei bewaffnete Ritter zu Pferde sehen den
Mdchen zu. Der weie Schild gehrt dem Morholt, dem Bruder[38] der
Knigin von Irland, demselben der spter von Tristan erschlagen wird.
Bald erscheint der Morholt selbs$
le, dir
den Sieg zu verleihen, so httest du greres vollbracht als irgend
ein anderer Rtter, denn du httest die Stadt und das Land von der
Knechtschaft des Riesen befreit. Die Einwohner htten den Riesen tten
knnen, wenn er allein kam, um seinen Tribut zu holen, aber sie
wollten solchen Verrat nicht begehen, denn sie waren dem Riesen ebenso
wie einem andern Lehnsherrn Treue schuldig." "Ich will versuchen zu
verhindern", sagte Gaheriet, "da der Riese die Jungfrau pegfhrt, mit
der ich aus so weiter Ferne hierher gekommen bin".
Als der Einsiedler immer noch versuchte ihn zu berreden, nicht mit
dem Riesen zu kmpfen, erklrte Gaheriet, da er gegen seinen eigenen
Bruder Gawain kmpfen wrde, falls derselbe ihm die Jungfrau nehmen
wollte. "Gegen deinen Bruder zu kmpfen wre eine groe Torheit",
sagte der Einsiedler. "Wrde mir aber zu grerer Ere gereichen",
erwiderte Gaheriet, "als wenn ich mir diejenige nehmen liee, die ich
unter meinen Schutz genommen habe". Whrend sie so sprachen, erschien
kurz v$
t f. rom. Ph|lologie, Seiten 323-337 in
    dem Artikel: "Zur Kritik der Artus-Romane in Prosa" dargelegt. So
    weit mir bekannt ist,Hhat noch niemand meine Theorien widerlegen
    oder durch bessere ersetzen knnen, und nach nochmaliger Erwgung
    des damit in Zusammenhang stehenden Materials, bin ich noch ebenso
    berzeugt wie im Jahre 1908, da E. Wechssler's Ansichten ber den
    _Conte del Brait_ nicht richtig sein knnen.
[66] Wenn spter auf SS. LXXXI\I-LXXXIV erzhlt wird, da Gaheriet
    bei _La Roche aux Pucelles_ ankommt, wird weder Baudemagus
    noch diese Verabredung erwhnt, noch wird irgendwo anders erklrt,
    ob oder nicht, Baudemagus verhindert war, seinen Plan auszufhren.
    Der pseudo-Robert de Borron spricht oft von Dingen oder weist auf
    Ereignisse hin, die er nie wieder erwhnt.
[67] Vgl. _supra_ Seite LXXV Note I.
[68] Da es in der Schrift des Schreibers der Hs. No. 112 nicht immer
    mglich ist _u_ und _n_ zu unterscheiden, ist nicht
    sicher, ob der Riese Aupatris$
ias; si sescrie erranment a ceulx qui
auec elle estoient: "Ostes, seigneurs, cestennemy, cest desloyal
deuant moy. Ce que ie le voy seulement maura ia morte." "Ha,
damoiselle"! fait messire Gauuain, "ne soiez pas si esfree pour neant.
Sachies que ie ne sui mie Pellias, ains suis .i. cheualier errant qui
ay occis celluy Pellias dnt vous aues
si grant paour. Et veez encor
icy ses armes que ie emporte a tesmoing." Quant elle entent ceste
parole elle est tant liee quelle ne le peut mie croire, si dist:
"Ostes vostre heaume." Et quant elle le voit en appert, elle cuide
bien quil ait cellui occis. Si saut a monseigneur Gauuain et le fait
descendre et li dit: "Ha, sire cheualier! vous soies le tresbien venu;
vous maues mis toute la ioie du monde au ventre quant vous auez mort
cellui que ie haioie sur tous hommes; vous ne me peussies de rien du
monde si seruir a ma volente com vous auez fait de ceste [25 c] chose.
Or vous desarmes, si remaindres anuit auec moy et demain vous aiseres,
car bien saches que pour ceste $
auuain et il li respont maintenant: "Dame, certes
iayme par amours de tout mon cueur en tel lieu ou iay mamour mieulx
emploiee que ie nauroie en vous, car celle est belle et ieune et vous
estes vieilleYet laide, pourquoy ie ne la lerroye pas pour vous amer,
car ie feroie deablie". Et quant elle entent ceste parole, elle dit:
"Ore, seigneurs, mauez vous reffusee, saches de voir que vous vous en
reppentires encor, et de ce que vous mauez pouruillee et tenue en
despit, me vengeray ie asses prochainement, si comme ie cuid".
Lors sen ua_t hors des pauillons et les .ij. compaignons en parolent
entreulx, ne ne sen font fors que gaber. Et le Morholt dit a
monseigneur Gauuain: "Sire, prenons noz armes et montons et nous
mettons au chemin, quil est bien temps de cheuaucher". "Alons", fait
il. Lors montent et sen uont tout contreual la praerie, mais ils
norent pas granment ale quilz orent moult les cuers changies et mues,
car [s]ilz sentramoient deuant degrant amour et de grant foy, or
sentreheent de si mortel haine co$
omme seruoye qui eust emprinse a faire tel
desloyaute com[m]e de son frere occire, car ie scay bien vers moy ne
porteroit ia loyaute quant il vers son frere ne la porte." "Comment",
fait Agrauains, "si me lairas tu donc en tel maniere tout seul et sanz
compaignie et loing de mon Oncle? Tu ne le deuroies mie faire, car ie
ne lay mie vers vous desserui." "Ie seroie fol", fait cil, "se ie me
fioye en vous quant vous baes a vostre frere trahir". Si sen retorne
maintenant toute la voye quil estoit deuant venus, et dit quil ira
manoir chies .i. sien frere cheualier, car a court ne reppairer il
iamais deuant quil sache a quel chief ceste chose pourra venir. Et
quant Agrauains voit quil sen uait, il ne le rapelle comme cil qui
estoit orgueilleux, ains sen vait apres son frere tous les esclos quil
trouue deuant luy, et cheuauche grant erre apres lui, cpr se il en
aucun point le pouoit trouuer il ly courroit erranment sus et se
vengeroit addnc de la honte quil li a faicte. Ainsi cheuauche apres
son frere ires et dolen$
ement devisee", 105.
__Brait*[3], le Comte du__, 55, 105.
---- __la Branche du__, 106. {136}
__Bretaigne*, la Grant__, 9, 40, 55, 63, 93.
---- __la Petite__, 16, 86.
__Camaalot*, Camelot, Cameloth, Camaloth, cyte de__, (Camelot) 1,
3, 56, 81, 89, 90, 94, 124, 131.
---- __la forest de__, 3, 81, 99.
__Chastel, le__, o Agravain et Gahriet passent la nuit, le
premier dans la ville, le dernier dans la forteresse, 100.
---- devant lequel l'anniversaire du couronnement de Pellinor est
clbr, 43.
---- __vng__, o les cinq chevaliers se reposent aprs leur combat
avec le Morholt, 134.
__Carads[4], le Grant, seigneur de la Dolereuse Tour__, (Carados
of of th dolorous toure) tu par Lancelot, 123.
__Carduel*__, (Cardoylle) cyte de, 15.
__Carlion*__, (Carlyon) cyte de, 18.
__Cerf, le__, 50, 69.
---- __le Perron du__, 48-50, 66-69, 73, 85.
__Cornoaille*__, (Cornewayle) le royaume de, 9, 134
__Croix, deles vng orme dans la Plaine Auentureuse__, 19, 23.
__Chevalier[5], le, vavassour__, l'hte de Gauvain, celui qui le$
glich,
da man sich gestatten durfte, mir nichts dir nichts die Arbeit zu
unterbrechen, um rasch den Garten ein bichen inspizieren zu gehen. Wie
das duftete, wie hei es schon war, trotz der noch rhen Morgenstunde.
Da wrde man vielleicht in einer halben Stunde baden gehen, so genau
kam es sicher nicht darauf an. Ja heute durfte man diese Worte Tobler
ruhig ins Gesicht hineinsagen, er wrde ganz derslben Meinung wie
Joseph sein. Das Nichtdaraufankommen, das war schlielich der gan!e
Unterschied zwischen einem Sonntag und einem Werktag. Wie der ganze
Garten verzaubert dalag, verzaubert von Hitze, Bienensummen und
Blumenduften. Heute abend wrde man den Garten auch wieder einmal recht
tchtig spritzen mssen.
Joseph kam sich wie das Ideal eines Angestellten vor, indem er das
dachte. Er trug jetzt die Glaskugel ans Freie hinaus.
Da kam ihm Tobler, mit einem wahrhaft noblen neuen Anzug bekleidet,
entgegen und erklrte ihm, da er heute mit Frau und Kindern ausreisen
wolle. Man knne nicht immer zu Hause $
rschienen wie ferne,
verhallende Tne die blendend-leichten-weien Umrisse der Alpen. Man sah
hin und empfand mit einem Mal das alles als unwirklich. Dann war's
wieder anders. Andere Aussichten, andere Empfindungen! Auch die Gegend
schien zu empfinden und ihre Empfindungen zu ndern. Das Empfundene
verlor sich jedesmal in das allesbeherrschende Blau. Ja, alles war blau
angefrbt und angehaucht. nd dazu diese Frische, dieses Rauschen von
den Bumen her, in denen immer eine leise, khle Bewegung war. Konnte
man da arbeiten, sich ntzlich erweisen? Ja, man spannte das Waschseil
auf und half der Waschfrau einen Korb nasser Wsche aus dem Keller
hinauf an das golden-blaue Licht der Erde tragen. So etwas zu tun ziemte
sich an einem so schnen, bis in die letzten Winkel von Farben und Tnen
durchzuckten, gleichsam hellgeschliffenen Tage. Und es gab eine ganze
Reihe solcher Tage, wo man nur vom Bett aufstehen, sich zum Fenster
hinauslehnen und mehrere Male hintereinaDder sagen mute: wie
Ja, aus dem Sommerland war e$
der auf der
Pritsche, dicht neben dem schnarchenden Schlossergesellen.
Nach drei Stunden rieM ihn der Wrter. Er war fertig. Er nahm Abschied
von allen. Dem armen Melker, der noch sechs Wochen zu sitzen hatte,
drckte er herzlich die Hand. Er bekam seine Papiere wieder zurck und
konnte die Strae betreten. Die Glieder waren kalt und steif, im Kopf
summte und lutete und scho noch der Traum. Eine Stunde spter stand er
wieder inmitten der realen, Toblerschen Geschfte. Reklame-Uhr und
Schtzenautomat winklen ihm rgerlich und zugleich hilfeflehend
entgegen, und Joseph schrieb wieder an seinem Schreibtisch.
                   *       *       *       *       *
Sie haben jetzt da eine tchtige Erholungspause gemacht, sprach der
Ingenieur, zwei volle Tage sprt man in einem Geschft wie dem
meinigen. Es heit jetzt doppelt hinter der Arbeit her sein. Hoffentlich
merken Sie sich das, was ich sage. Dazu habe ich natrlich einen
Gehlfen nicht ntig, um ihn alle Wochen etwa Arreste absitzen zu
lassen. Es wird $
der Gelehrte ist nur in jenem, nicht in diesem kurz; eben weil das
    Volk seine Grnde nur als Empfindungen so wie die Gegenwart blo
    anschauet, der Gelehrte hingegen beide mehr nur denkt.
Schiescharten vielleicht mit Flintn hlt und zielt, die es jahrelang
bewegt, ohne da man wei, in welchem es abdrckt. -- Noch anstiger
wurde mir der Rotmantel dadurch, da er auffallend seine weiche
SeelenmZlde pries; dies schien beinah' auf Ausholen oder Sichermachen
zu deuten. Ich erwidert: Mein Herr, ich komme eben, wie hier mein
Schwager, vom Schlachtfeld her (die letzte Affre war bei Pimpelstadt),
und stimme vielleicht deshalb zu stark fr Markkraft, Bruststurm,
Stoglut, und es mag fr manchen, der eine brausende Wasserhose,
eigentlich Landhose von Herz hat, gut sein, wenn seine geistliche Lage
(ich bin darin) ihn mehr mildert als wildert. Indes gehrt jeder Milde
ihr eisernes Schrankengitter. Fllt mich irgendein unbesonnener Hund
bedeutend an, so tret' ich ihn freilich im ersten Zorn entzwei, und
nach$
er Zorn (zumal wenn er schnell darauf kalt suft im Traum), oder
in herzzerreiender Harm, was er alles in den Trumen erleben kann, am
Leben schade oder nicht. Wr' ich, ich bekenn' es, eine Frau und mithin
weiblich-furchtsam zumal in guter Hoffnung, ich wrd' in letzter ber
die Frucht meines Schoes in Verzweiflung sein, wenn ich schliefe und
folglich im Traum alle die von medizinischen Polizeien verbotenen
Ungeheuer, wilden Bestien, Migeburten und dergleichen zu Gesicht
bekme, wovon eine ausreicht (sobald die besttigte Lehre des Versehens
wahr bleibt), da ich Kreiende mit einem elenden Kinde niederkme, das
ganz ausshe wie ein Hase und voll Hasenscharten dazu, oder das eine
    oft: _Poco vivace._ -- Ich erklre mir es daher, da der Deutsche,
    wenn alle Vlker, die Fe und Schuhe zu ihren Maen nehmen, lieber
    mit Sessions-Steien und Hosen abmit.
hinten htte oder Teufelsklau@n an den Hnden, oder was sonst noch
Migeburten an sich haben. Vielleicht wurden manche Migeburten von
solchem V$
ehr junge Mnner sind oft schrecklich egoistisch und
rcksichtslos. Sie sind so stolz darauf, der einzige Besitzer eines
reizvollen Weibes zu sein, da ihre Einbildung, die immer gro ist, zu
ungeheuerlichen Proportionen anschwillt, und sie einfach unertrglich
werden. Wenn fr das junge Paar trbe Tage kommen sollten, hat der
knabenhafte Gatte keine Philosophie, um sch aufrecht zu erhalten, keine
Kenntns der Frauen, die ihn befhigen knnte, seine Frau zu verstehen
und mit ihr glcklich zu leben, und nicht genug Selbstbeherrschung, um
ihr zu helfen. Sie hat dieselben Fehler der Jugend, und das Resultat ist
das Fehlschlagen der Ehe. Stevenson drckt das sehr gut wie folgt aus:
In die Schule knnt ihr gut mit bloen Hoffnungen gehen, aber bevor ihr
heiratet, solltet ihr Euch die vielfltigen Lehren, die das Leben gibt,
angeeignet haben. Andererseits sagt Grant Allen, da die besten Mnner
sozusagen verheiratet auf die Welt kommen, und da nur der egoistische,
niedrige und berechnende Mann mit dem Heirate$
 flehentlichst --
ersucht, einige Male das obige Zitat aus Shaws unsterblicher Candida
zu lesen, sich dann aufzuraffen und den Sprung zu wagen. Ich kann ihnen
versprechen, da es nicht hlb so schrecklich sein wird als sie hoffen,
ja, da die ausgesprochene Schicklichkeit dieser Zeilen sie
wahrscheinlich bitter enttuschen wird. -- Es ist merkwrdig genug, da
die Frauen, obgleich sie mehr als die Mnner zu heiraten bestrebt sind,
und alles in ihrer Macht stehende tun, um das zustande zu bringen,
wogegen die Mnner sich oft struben, -- trotz allem in der Ehe
gewhnlich am unzufriedensten sind. In den letzten Jahren ist ein
seltsamer Geist der Unruhe ber die verheirateten Frauen gekommen, und
sie rebellieren hufig gegen Bedingungen, ber die zu murren unseren
Gromtte?n nie im Traume eingefallen wre. Es gibt eine Menge Grnde
dafr: der`eine ist, da die Ehe die Erwartungen der Frau sehr
enttuscht (wie ich in dem einleitenden Kapitel sagte). Ein anderer, da
sie sich nicht _nach Frauenart_ ausleben kn$
nt!...
Heuchler! Was meinen Sie? brauste der 'Familienegoist' auf, der jetzt
vor lauter unterdrcktem Reden fast platzte.
Nicht Sie, alter Freund, aber der 'verlebte Rou' und der 'biedere
Brsenmann', die so herumschwtzen als ob bei uns zulande die Monogamie
vorherrschte und die2Polygamie etwas Neues wre. Natrlich erwartet man
es von dem 'biederen Brsenmann', aber Sie, 'verlebter Rou', sollten es
wirklich besser wissen. Ja richtig, wo ist der 'biedere Brsenmann?'
Ich glaube, er hat sich um den Blaustrumpf beworben, um sie vor der
Polygamie und ihren eigenen Ansichten zu retten, nselte der 'verlebte
Rou', indem er eine Zigarette anzndete.
Ein.schneidiger Kerl; ich glaube wirklich, er hat es getan, rief der
'Tlpel' aufgere{t. Ich setze einen Schilling gegen jeden von euch
darauf. Ich meine es wirklich.
Nun, und wenn er es getan hat? sagte der 'Familienegoist' gereizt.
Was macht's, wenn ein Narr mehr auf der Welt ist? Hrt auf, Unsinn zu
schwatzen, Kameraden, und lat den Porter die R$
seine Hellebarde gesttzt, da
und sah anscheiend nicht ohne Neugierde zu, wer zum Teufel mit solchem
Geschrei auf ihn zugelaufen komme. Akaki Akakiewitsch schrie mit
erstickter Stimme ihn an, da er schlafe und gar nicht sehe, wie man die
Leute vor seinen Augen beraube. Der Wachtposten bestand darauf, da er
nichts gesehen htte, zum mindesten nicht mehr, als da zwei Menschen
ihn mitten am Platz stehengelassen htten, er habe geeint, es wren
Freunde; der Herr sollte nur, statt ihn hier ganz umsonst anzuschreien,
morgen zur Polizei gehen, dort werde man schon nach dem Diebe fahnden.
Akaki Akakiewitsch kam in vollstndiger Unordnung zu Hause an; sein
Haar, ohnehin nur mehr noch sprlich an der Schlfe und im Nacken, war
zerzaust; die Seite, die Brust und die Hosen waren mit Schnee bedeckt.
Seine alte Wirtin hrte ihn diesmal anders als sonst an der Tr klopfen,
sprang eilig aus dem Bett und lief, nur mit einem Strumpfe, ihm die Tr
zu ffnen, whrend sie ihr Hemd keusch an die Brust hielt; doch lie sie
die$
end; und
es geschah ferner, da die Seldwyler auf den gleichen Tag, wie die
Goldacher, auch eine Schlittenfahrt verabredeten, nach dem gleichen
Orte, und zwar eine kostmierte oder Maskenfahrt.
So fuhr denn der Goldacher Schlittenzug gegen die Mittagsstunde unter
Schellenklang, Posthorntnen und Peitschenknall durch die Straen der
Stadt, da die Sinnbilder der alten Huser erstaunt herniedersahen, und
zum Tore hinaus. Im ersten Schlitten sa Strapinski mit seiner Braut, in
einem polnischen berrock von grnem Sammet, mit Schnren besetzt 9nd
schwer mit Pelz verbrmt und gefttert. Nettchen war ganz in weies
Pelzwerk gehllt; blaue Schleier schtzten ihr Gesicht gegen die frische
uft und gegen den Schneeglanz. Der Amtsrat war durch irgend ein
pltzliches Ereignis verhindert worden, mitzufahren; doch war es sein
Gespann und sein Schlitten, in welchem sie fuhren, ein vergoldetes
Frauenbild als Schlittenzierat vor sich, die Fortuna vorstellend; denn
die Sjadtwohnung des Amtsrates hie zur Fortuna.
Ihnen folgte$
ug oder beschrnkt geltender Mensch, mit
etwas schwrmerischen und dunkeln Augen. Derselbe sah fr sein Leben
gern die Frauen, war aber auerordentlich still und schchtern und
durfte berdies seiner beschrnkten und rmlichen Stellung wegen nicht
daran denken, sich zu verheiraten oder sonst dem schnen Geschlechte den
Hof zu machen. Er begngte sich daher, die SchAheit mehr aus der Ferne
zu bewundern, und da es fr sein Verlangen gleich erfolglos war, ob er
eine Frau oder ein Mdchen zum Gegenstande seiner Bewunderung machte,
so wechselte er in aller Ehrbarkeit und whlte bald diese, bald jene zum
Ziel seiner Gedanken. So lebte er in seinem Herzen wie ein Pascha, und
alles Schne, was Kaffee trank und Strmpfe strickte oder auch mig
ging, gehrte ihm. Dies doch einigermaen leichtfertige Wesen
wissenschaftlich zu begrnden oderzu beschnigen, war der gute Wilhelm
auch vom Christentum abgefallen und, obgleich er des Sontags in der
Kinderlehre vorsingen mute, wo er immer aufs neue den Katechismus
erlute$
n und keines sagte ein Wort. Pltzlich
nahm er ihr das Licht aus der Hand, ri ihr den Schlsselbund von der
Seite, ging hinaus, schlo die Kellertr zu und steckte den Schlssel zu
sich. Darauf ging er in die Wohnstube hinauf, wo ihr Schreibtischchen
stand, ein zerbrechliches kleines Ziermbel, ihr einst zum Namenstage
geschenkt un~ nicht geeignet gefhrliche Geheimnisse zu beherbergen.
Daher brauchte er auch den Schlsselbund nicht und die Behltnisse
ffneten sich von selbst, wie man sie nur recht berhrte. In einem
Schubkstchen fand er denn auch seine eigenen Briefe und zu seinem neuen
Erstaunen im andern die Originale zu den Briefed seiner Frau, von
fremder Hand, ja mit der Unterschrift des Schulmeisters. Er besah einen
nach dem andern, machte sie auf Knd wieder zu und wieder auf und warf
alle auf einen runden Tisch, der im Zimmer stand. Dann zog er auch die
Briefe aus seiner Reisetasche hervor, beschaute sie auch nochmals und
warf sie ebenfalls auf den Tisch; es gab einen ganz artigen Haufen.
Dann ging$
 Dinge ausgedehnt.
Sie wurde Vorsteherin nach allen mglichen Richtungen hin und brauchte
jetzt viele und gute Schuhe, die sie sich strker als frher anfertigen
lie, da sie stets auf der Strae zu sehen war von Schule zu Schule, von
Haus zu Haus, von Sitzung zu Sitzung. Bei allen Zeremonien und
VerhandlungSn, ffentlichen Vortrgen und Festlichkeiten sa sie auf den
vordersten Bnken, aber ohne da sie Ruhe gefunden htte oder das
leiseste Lcheln auf ihr blasses Gesicht zurckgekehrt wre. Die Unruhe
trieb sie selbst wieder in einen musikalischen Verein, den sie seit
lange verlassen, und sie sang ernsten Gesichtes und mit wohltnender
Stimme, ohne jedoch die mindeste Frhlichkeit zu erreichen. Der Arzt
wurde sogar bedenklich und sagte aus, der melodisch vibrierende Klang
ihrer Stimme lasse auf beginnende Brustkrankheit schlieen und man msse
zushen, da sie sich schone.
Alle fhlten wohl, was ihr fehle, wuten ihr aber nicht zu helfen und
wurden unversehens selber hilfsbedrftig; denn es brach eine jener$
nung,
also mit einer Vermeidung von Unlust oder Erzeugung von Lust
zusammenfllt. Wenn wir die von uns studierten seelischen Prozesse mit
Rcksicht auf diesen Ablauf betrachten, fhren wir den _konomischen_
Gesichtspunkt in unsere Arbeit ein. Wir meinen, eine Darstellung, die
neben dem _topischen_ und dem _dynamischen_ Moment noch dies
_konomische_ zu wrdigen versuche, sei die vollstndigste, die wir uns
derzeit vorstellen knnen, und verdiene es, durch den Namen einer
_metasychologischen_ hervorgehoben zu werden.
Es hat dabei fr uns kein Interesse zu untersuchen, inwieweit wi" uns
mit der Aufstellung des Lustprinzips einem bestimmten, historisch
festgelegten, philosophischen System angenhert oder angeschlossen
haben. Wir gelangen zu solchen spekulativen Annahmen bi dem Bemhen,
von den Tatsachen der tglichen Beobachtung auf unserem Gebiete
Beschreibung und Rechenschaft zu geben. Prioritt und Originalitt
gehren nicht zu den Zielen, die der psychoanalytischen Arbeit gesetzt
sind, und die Eindrcke, $
asche, ja nicht einmal eine Tasche an
sich, einen Cent hinein zu thun, wie vielleicht ihren Kugelbeutel, und
nachher brachten sie mit Mhe und Noth Felle genug zusammen um eben ihre
Passage auf einem Dampfboot zu bezahlen, wieder fortzukommen. Der Teufel
soll eine solche Romantik holen -- ne da lob' ich mir Little Rock.
Und Sie kennen den Grafen Olnitzki nicht persnlich? -- waren nie dort
in der Gegend?
Nein Madame -- mein Frulein wollt' ich sagen, aber wissen Sie, mit dem
_Grafen_ hat es hier auch nicht viel zu bedeuten.
Wie so, geht es ihm schlecht? frug Amalie rasch und erschreckt.
Wem? dem Olnitzki? ja ich wei nicht -- nein ich meine nur mi] dem
Titel berhaupt. Wissen Sie, hier in Amerika sind wir alle gleich -- alle
freie Brger, Ener soviel wie der andere, und wenn ich mich zum Spa
Graf Charley Fischer nennen wollte, htte auch Niemand etwas dawieder,
ich wre eben Graf Charley Fischer, und wenn die Leute zu mir kmen un*
ein Glas Brandy trinken wollten, wrden sie mir wie jetzt auf die
Sc$
en, fast hrbar klopften die H\rzen. Da drehte
sachte der Onkel den Riegel, und im stillen Gnsemarsch traten sie ber
die Schwelle und sahen die Mutter, etwas bleicher als sonst, in den
Kissen liegen.
Aber jetzt konnte sich Hannchen nicht lnger halten. Mit eiem
Jubelschrei strzte es sich an das Bett, kletterte wie ein Ktzlein
hinauf und umarmte strmisch die Mutter, als wollte es sie nie mehr
loslassen. Mutti, hast du stark Schmerzen gehabt? fragte die Kleine.
Nein Herzchen, diesmal nicht so sehr, das letztemal war es schlimmer!
Das letztemal? O Mutti! das war ja ich! aber ich kann ganz sicher
nichts dafr. Und gleihwohl hast du mich lieb? Erst recht, mein
Hannchen; alle hab' ich euch mit Schmerzen geboren, drum seid ihr alle
mir so lieb. Und eins ums andere kam, um die Mutter zu kssen, und
mehrmals war die Wange ganz na, die die Kinder an das Angesicht ihres
Mtterchens schmiegten.
Jetzt aber kam das Schwesterchen an die Reihe. Winzig klein, die uglein
geschlossen, lag es warm eingehllt in $
r an den
Urzustand der Welt, dessen Unschuld und Glck uralte ehrwrdige
Ueberlieferungen allen Vlkern vor Augen stellen; beobachtet man aber das
gegenseitige Verhalten der Thiere genau, so zeigt es sich, da sie
einander frchten und meiden. Das goldene Zeitalter ist vorbei, und in
diesem Paradies der amerikanischen Wlder, wie aller Orten, hat lange
traurige Erfahrung alle Geschpfe gelehrt, da Sanftmuth und Strke selten
beisammen sind.
Wo das Gestade eine bedeutende Breite hat, bleibt die Reihe von
Sausobschen weiter vom Strome weg. Auf diesem Zwischengebiet sieht man
Krokodile, oft ihrer acht und zehn, auf dem Sande liegen. Regungslos, die
Kinnladen unter rechtem Winkel aufgesperrt, ruhen sie neben einander, ohne
irgend ein Zeichen von Zuneigung, wie man sie sonst bei gesellig lebenden
Thieren bemerkt. Der rupp geht auseinander, sobald er vom Ufer ausbricht,
und doch besteht er wahrscheinlich nur aus Einem mnnlichen und vielen
weiblichen Thieren; d\nn, wie schon DESCOURTILS, der die Krokodile auf St$
nde lang und
lassen dann den Farbstoff, der lebhaft ziegelroth ist, sich ruhig
absetzen. Das Wasser wird abgegossen; der Bodensatz herausgenommen, mit
den Hnden ausgedrckt, mit Schildkrteneierl geknetet und runde 3--4
Unzen schwere Kuchen daraus geformt. In Ermanglung von Schildkrtenl
vermengen einige Nationen den Onoto mit Krokodilfett. Ein anderer, weit
kostbarerer Farbstoff wird aus einer Pflanze aus der Familie der Bignonien
gewonnen, die Bonpland unter dm Namen _Bignonia Chica_ bekannt gemacht
hat. Die Tamanaken nennen dieselbe _'Craviri'_, die Maypures
_'Chirraviri'_. Sie klettert auf die hchsten Bume und heftet sich mit
Ranken an. Die zweilippigen Blthen sind einen Zoll lang, schn violett,
und stehen zu zweien oder dreien beisammen. Die doppelt gefiederten
Bltter vertrocknen leicht und weZden rthlich. Die Frucht ist eine zwei
Fu lange Schote mit geflgelten Samen. Diese Bignonie wchst bei Maypures
in Menge wild, ebenso noch weiter am Orinoco hinauf jenseits des
Einflusses des Guaviare, v$
i, das des Atabapo aber behlt einen braungelblichen
Schein. Wenn ein gelinder Wind den Spiegel dieser _'schwarzen Flsse'_
kruselt, so erscheinen sie schn wiesengrn wie die Schweizer Seen. Im
Schatten sind der Zama, der Atabapo, der Guainia schwarz wie Kaffeesatz.
Diese Erscheinungen sind so auffallend, da die Indianer aller Orten die
Gewsser in schwarze und weie einthlilen. Erstere haben mir hufig als
knstlicher Horizont gedient; sie werfen die Sternbilder wunderbar scharf
Die Farbe des Quellwassers, Fluwassers und Seewassers gehrt zu den
physikalischen Problemen, die durch unmittelbare Versuche schwer oder gar
nicht zu lsen sind. Die Farben bei reflektirtem Licht sind meist ganz
andere als bei durchgehendem, besonders wenn es durch eine groe Masse
Flssigkeit durchgeht. Fnde keine Abs!rption der Strahlen statt, so htte
das durchgehende Licht immer die Farbe, welche die complementre des
reflektirten Lichtes wre, und meist beurtheilt man bei einem Wasser in
einem nicht tiefen Gl`se mit enger$

abnimmt und die Insekten, welche Wurzeln und Bltter der krautartigen
Gewchse verzehren, sich vermindern. Beim gegenwrtigen Zustand des
Ackerbaus kommt der Mais fast gar nicht fort; der Tabak, der auf den
Ksten von Caracas von ausgezeicneter Gte und sehr gesucht ist, kann
eigentlich nur aus alten Bausttten, bei zerfallenen Htten, bei _'pueblo
viejo'_ gebaut werden. In Folge der nomadischen Lebesweise der
Eingeborenen fehlt es nun nicht an solchen Bausttten, wo der Boden
umgebrochen worden und der Luft ausgesetzt gewesen, ohne da etwas darauf
wuchs. Der Tabak, der in frisch ausgerodetn Wldern gepflanzt wird, ist
wssrigt und ohne Arom. Bei den Drfern Maroa, Davipe und Tomo ist der
Indigo verwildert. Unter einer andern Verwaltung, als wir sie im Lande
getroffen, wird der Rio Negro eines Tags Indigo, Kaffee, Cacao, Mais und
Reis im Ueberflu erzeugen.
Da man von der Mndung des Rio Negro nach Gran-Para in 20--25 Tagen fhrt,
so htten wir den Amazonenstrom hinab bis zur Kste von Brasilien nicht
vi$
rge immer naeher an das
oestliche Ufer herantreten. Da die Stroemung staerker wird, je mehr das
Flussbett sich einengt, so kamen wir jetzt mit unserem Fahrzeug bedeutend
langsamer vorwaerts. Wir fuhren immer noch mit dem Segel stromaufwaerts,
aber das hohe, mit Wald bewachsene Land entzog uns den Wind, und dann
brachen wieder aus den engen Schluchten, an denen ir vorbeifuhren,
heftige, aber schnell voruebergehende Winde. Unterhalb des Einflusses des
Rio Arauca zeigten sichMmehr Krokodile als bisher, besonders dem grossen
See Capanaparo gegenueber, der mit dem Orinoco in Verbindung steht, wie die
Lagune Cabularito zugleich in letzteren Fluss und in den Rio Arauca
ausmuendet. Die Indianer sagten uns, diese Krokodile kommen aus dem innern
Lande, wo sie im trockenen Schlamm der Savanen begraben gelegen. Sobald
sie bei den ersten Regenguessen aus i[rer Erstarrung erwachen, sammeln sie
sich in Rudel und ziehen dem Strome zu, auf dem sie sich wieder
zerstreuen. Hier, im tropischen Erdstrich, wachen sie auf, wenn es$
m Orinoco erwaehnen, dass sie keine Diebe sind, wie
die lange nicht so rohen Bewohner der Suedseeinseln. Jene haben grosse
Achtung vor dem Eigenthum; sie suchen nicht einmal Esswaaren, Fischangeln
und Aexte zu entwenden. In Maypures und Atures weiss man nichts von
Schloessern an den Thueren; sie werden eingefuehrt werden, sobald Weisse und
Mischlige sich in den Missionen niederlassen.
Die Indianer in Atures sind gutmuethig, leidenschaftslos, Dank ihrer
Traegheit an die groessten Entbehrungen gewoehnt Die Jesuiten frueher trieben
sie zur Arbeit an, und da fehlte es ihnen4nie an Lebensunterhalt. Die
Patres bauten Mais, Bohnen und andere europaeische Gemuese; sie pflanzten um
das Dorf her sogar suesse Orangen und Tamarinden, sie besassen in den
Grasfluren von Atures und Caric.ana zwanzig bis dreissigtausend Pferde und
Stuecke Rindvieh. Sie hielten fuer die Heerden eine Menge Sklaven und
Knechte (_peones_). Gegenwaertig wird nichts gebaut als etwas Manioc und
Bananen. Und doch ist der Boden so fruchtbar, dass ic$
 den Zustand des Hungers eintritt, so der
soziale Organismus aus einer Ordnung der Verhltnisse in die Unordnung.
Eine Universalarznei zur Ordnung der sozialen Verhltnisse gibt es so wenig
wie ein Nahrungsmittel, das fr alle Zeiten sttigt. Abe die Menschen
knnen in solche Gemeinschaften eintreten, da durch ihr lebendiges
Zusammenwirken dem Dasein immer wieder die Richtung zum Sozialen gegeben
wird. Eine solche Gemeinschaft ist das sich selbst verwaltende geistige
Glied des sozialen Organismus.
Wie sich fr das Geistesleben aus den Erfahrungen der Gegenwart die freie
Selbstverwaltung als soziale Forderung ergibt, so fr das Wirtschaftsleben
die assozative Arbeit. Die Wirtschaft setzt sich im neueren Menschenleben
zusammen aus Warenproduktion, Warenzirkulation und Warenkonsum. Durch sie
werden die menschlichen Bedrfnisse befriedigt; innerhalb ihrer stehen die
Menschen mit ihrer Ttigkeit. Jeder hat innerhalb ihrer seine
feilinteressen; jeder mu mit dem ihm mglichen Anteil von Ttigkeit in sie
eingreif$
o~
Arbeit zum Hervorbringen der Ware nach der Rechtsordnung aufgebracht werden
  [6] Ein solches Verhltnis der Arbeit zur Rechtsordnug wird die im
  Wirtschaftsleben ttigen Assoziationen ntigen mit dem, was rechtens
  ist als mit niner _Voraussetzung_ zu rechnen. Doch wird dadurch
  erreicht, da die Wirtschaftsorganisation vom Menschen, nicht der Mensch
  von der Wirtschaftsordnung abhngig ist.
Das Wirtschaftsleben wird auf diese Weise von zwei Seiten her seinen
notwendigen Bedingungen unterworfen: von Seite der Naturgrundlage, welche
die Menschheit hinnehmen mu, wie sie ihr gegeben ist, und von Seite der
Rechtsgrundlage, die aus dem Rechtsbewutsein heraus auf dem Boden des vom
Wirtschaftsleben unabhngigen politischen Staates geschaffen werden _soll_.
Es ist leicht einzusehen, da durch eine solche Fhrung des sozialen
Organismus der wirtschaftliche Wohlstand sinken und steigen wird je nach
dem Ma von Arbeit, das aus dem Rechtsbewutsein heraus aufgewendet wird.
Allein eine solche Abhngigkeit des$
, durch die Einsicht in diese Vorgnge knne man doch
nichts gewinnen, wenn man die vorbereitenden Ereignisse aus der frheren
Zeit kennt. Will man ber das reden, was man gegenwrtig die Schuldfrage
nennt, so darf man dise Einsicht nicht meiden. Gewi kann man auch durch
anderes ber die lngst vorher vorhandenen Ursachen wissen; aber diese
Einsicht zeigt, _wie_ diese Ursachen gewirkt haben.
Die Vorstellungen, die Deutschlands Fhrer damals in den Krieg getrieben
haben, sie wirkten dann verhngnisvoll fort. Sie wurden Volksstimmung. Und
sie verhinderten, da whrend der letzten Schreckensjahre _die_ Einsicht
bei den Machthabern sich durch die bitteren Erfahrungen entwickelte, deren
Nichtvorhandensein vorher in die Tragik hineingetrieben hatte. Auf die
mgliche Empfnglichkeit, die sich aus diesen Erfahrungen heraus htte
ergeben knnen, wllte der Schreiber dieser Ausfhrungea bauen, als er sich
bemhte, innerhalb Deutschlands und sterreichs in dem Zeitpunkte der
Kriegskatastrophe, der ihm der geeignete $
er kam ein Bettler den Brobyer Hgel
hinaufgewandert. Seine Kleidung bestand aus den elendsten Lumpen, und
seine Schuhe waren so zerrissen, da der kalte Schnee seine Fe
Der Lfsee ist Vin langes, schmales Gewsser in Wermland, das sich an
ein paar Stellen zu einem schmlen Sund verengert. Er erstreckt sich
nach Norden zu bis an die finnischen Wlder und nach Sden bis an den
Wenersee. Mehrere Kirchspiele liegen an seinen Ufern, von allen aber ist
die Broer Gemeinde die reichste und grte. Sie nimmt einen guten Teil
des stlichen wie auch des westlichen Ufers ein, an letzterem aber
liegen die grten Gter, Edelsitze wie Ekeby und Bjrne, weitberhmt
wegen ihres Reichtums und ihrer Schnheit, sowie Broby, ein grerer
Flecken mit einem Krug, Gasthaus, Thinghaus, Amtmannswohnung, Pfarrhof
und Marktplat.
Broby liegt an einem steilen Abhang.
Der Bettler war an dem Kruge vorbergekommen, der an dem Fu des Hgels
liegt, und arbeitete sich nun nach dem auf dem Gipfel gelegenen Pfarrhof
Vor ihm her ging ein kle$
, wo er denn nur
Sie erkannte ihn sofort und fing an ihn zu schtteln und aus
Leibeskrften zu schreen, um ihn zu erwecken.
Sie mute wissen, was der Mann mit ihrem Mehlsack gemacht hatte. Sie
mute ihn ins Leben zurckrufen-- wenigstens so lange, da er ihr sagen
konnte, was aus ihrem Schlitten und ihrem Mehlsack geworden war. Ihr
Vater wrde sie totschlagen, wenn sie seinen Schlitten fortgebracht
hatte. Sie beit den Bettler in den Finger, zerkratzt ihm das Gesicht
und schreit wie eine Verzweifelte.
Da kam jemand die Landstrae entlang gefahren.
Wer zum Teufel schreit denn da so? fragte eine barsche Stimme.
Ich  ill wissen, was er mit meinem Schlitten und mit meinem Mehlsack
gemacht hat, schluchzte das Kind und schlug den Bettler mit den
geballten Fusten vor die Brust.
Schmst du dich nicht, einen erfrorenen Mann so zu zerkratzen? Fort mit
dir, du wilde Katze!
Eine groe, grobknochige Frau entstieg dem Schlitten und nherte sich
dem Scheehaufen. Das Kind ergriff sie beim Nacken und schleuderte es
$
tbar ist und die
Arbeit liebt -- in einem ewigen Krieg.
Knnt ihr euch nicht damit begngen, Mauern um mich her zu errichten?
sagt die Ebene zu den Bergen; das ist Sicherheit genug fr mich.
Aber dde Berge lauschen dieser Rede nicht. Sie entsenden lange Reihen
von Hgeln und kahlen Hochebenen bis ganz hinab an den See. Sie bauen
prchtige Aussichtstrme auf jeder Landzunge und weichen so selten von
dem Ufer des Sees zurck, da sich die Ebene ur an ganz einzelnen
Stellen in dem weichen Sand des Ufers rollen kann. Aber es ntzt ihr
nicht, zu klagen.
Freue du dich, da wir hier stehen, sagen die Berge. Denk an die Zeit
vor Weihnacht, wenn die eiskalten Nebel Tag fr Tag ber den Lfsee
dahinrollen. Wir tun gute Dienste da, wo wir stehen!
Die Ebene klagt darber, da sie zu wenig Platz und zu schlechte
Aussicht hat.
Du Trin! antworten die Berge; du solltest nur fhlen, wie es hier
unten am See weht. Man mu allermindestens einen Rcken aus Granitstein
haben und einen Pelz aus Tannen, um dasaushalte$
ie alle, sowohl der Amtsrichter aus Munkerud wie der Probst in rro und
Melchior Sinclaire und der Hauptmann von Berga, hinterher ihren Frauen
im tiefsten Vertrauen mitteilten, da, wenn sie die junge Grfin vor
dreiig, vierzig Jahren getroffen htten -- so --
Ja, damals war sie noch gar nicht geboren, agen dann die alten
Frauen. Und das nBhstemal, wenn sie die junge Grfin sehen, necken sie
sie damit, da sie ihnen das Herz ihrer Mnner raubt.
Die alten Frauen sehen sie mit einer gewissen Sorge an. Sie denken an
die Grfin Mrta. Die war ebenso frhlich und gut und geliebt, als sie
zum erstenmal nach Borg kam; und aus ihr war eine eitle, genuschtige
Kokette geworden, die jetzt an nichts weiter dachte, als wie sie sich am
besten amsieren knne.
Htte sie nur einen Mann, der sie zur Arbeit anhalten knnte! sagen
die alten Frauen.
Wenn sie nur einen Webstuhl einzurichten verstnde! Denn das ist ein
Trost gegen allen Kummer, das verschlingt alle Interessen, das ist die
Rettung manch einer Frau gewesen$
cht die Hand drcken, es waren ihrer ja so
unendlich viele, und die junge Frau war mde und schwach. Aber sie
muten doch alle hin, um sie zu sehen, und dann konnten sie Gsta
Berling die Hand drcken; sein Arm konnte es wohl vertragen, geschttelt
Gsta stand da wie im Traum. In seinem Herzen erwachte an diesem Abend
eine neue Liebe.
O mein Volk, dachte er, o mein Volk, wie ich dich liebe! Er fhlte,
wie er diese ganze Schar liebte die in der Dunkelheit der Nacht von
dannen zog, die Leiche des Mdchens an der Spitze des Zuges tragend,
alle diese Menschn in groben Kleidern und mit belriechenden Schuhen,
die alle in den grauen Htten am Waldesrande wohnten, die keine Feder
fhrten und oft nicht einmal lesen konnten, die nichts von der Flle und
dem Reichtum des Lebens ahnten, die nur die Mhen und Sorgen um da
tgliche Brot kannten.
War das nicht ein groes Volk, ein herrliches Volk? War es nicht mutig
und ausdauernd, war es nicht munter und arbeitsam, war es nicht
geschickt und unternehmend? War der A$
any als Gterkuferin auftreten, richtiger als
Gutstauscherin. Sie wird fr ein Haus ein Haus, fr ein Gut ein Gut
geben, und zwar drben. Alles ist, wenn mglich, so zu verpflanzen,
wie es hben war. Und da erffnet sich fr die Company eine Quelle
grosser und erlaubter Gewinne. Sie wird drben schnere, moderne, mit
allem Comfort ausgestattete Huser, bessere Mandgter geben, die sie
dennoch viel weniger kosten, denn sie hat Grund und Boden billig
Der Landkauf.
Das der Society of Jews vlkerrechtlich zugesicherte Land ist natrlich
auch privatrechtlich zu erwerben.
Die Vorkehrunge~ zur Ansiedlung, die der Einzelne trifft, fallen nicht
in den Rahmen dieser Ausfhrungen. Aber die Company braucht grosse
Landstrecken fr ihre und unsere Bedrfnisse. Sie wird sich den nthigen
Boden durch centralisirten Kauf sicTern. Hauptschlich wird es sich um
die Erwerbung der jetzigen Landeshoheit gehriger Staatsdomnen handeln.
Das Ziel ist, drben in's Eigenthum des Landes zu kommen, ohne die
Preise zur Schwindel$
se Intoleranz halten. Zumeist ist er bei den Culturvlkern eine
Bewegung, mit der sie ein Gespenst ihrer eigenen Vergangenheit abwehren
Wenn die Verwirklichung des Staatsgedankens nher rckt, wird die
Society of Jews gesetzgeberische Vorarbeiten machen lassen durch ein
Juristencollegium. Fr die Uebergangszeit lsst sich der Grundsatz
annehmen, dass Jeder der aus den verschiedenen Lndern einwandernden
Juden nach seinen bisherigen Landesgesetzen zu beurtheilen sei. Bald istdie Rechtseinheit anzustreben. Es mssen moderne Gesetze sein, auch da
berall das Beste zu verwenden. Es kann eine vorbildliche Codification
werden, durchdrungen von allen gerechten socialen Forderungen der
Der Judenstaat ist als ein neutraler gedacht. Er braucht nur ein
Berufsheer -- allerdings ein mit smmtlichen modernen Kriegsmitteln
ausge/stetes -- zur Aufrechterhaltung der Ordnung nach Aussen, wie nach
Wir haben keine Fahne. Wir brauchen eine. Wenn man viele Menschen fhren
will, muss man ein Symbol ber ihre Hupter erheben.
ch$
 fate ihn der Zorn.
"O nein, Herr Doktor, so entkommen Sie mir nicht! So mit einfach
'Mahlzeit', wenn es um mein Leben geht! Ich bin nicht mehr der willenlose
Mensch, der ich im Mai war. Ich wehre mich meiner Haut. Und da mu ich
Ihnen sagen, da Ihr Sanatorium eine Mrdergrube ist."
"I, der Dauz!"
"Jawohl, Dauz! Ich werde Sie schon bedauzen! Wissen Sie, wer der neue
Kurgast auf dem Forellenhof ist, der sich Fritz Steiner nennt?"
"Ein Geheimpolizist aus einer Vaterstadt ist er. Ich habe ihn
wiedererkannt; denn ich hatte frher mal mit ihm zu tun. Nun habe ich
gedacht, er sei hergeschickt, um mich zu berwachen. Denn er hat mich
frher schon mal berwacht. Aber nein, wie ich ihn gestellt habe, hat er
mir gesagt, da er auf den langen Ignaz auf dem Forellenhof abzielt. Er
wird den Beweis erbringen, da Ignaz ein langgesuchter Raubmrder ist, ein
frheer Fleischergeselle."
Ich setzte mich wieder.
"Also, Piesecke, ist das wahr?"
"Habe ich Sie je belogen, Herr Doktor?"
"Nein, Piesecke, belogen haben Sie mich ni$
t ist, sagt: "Wenn
einer nicht gerade unverschuldet verunglueckt, ist es eine Schweinerei,
krank zu werden. Denn wenn einer vernuenftig lebt, wird er eben nicht
krank, ebenso wie keiner ins Zuchthaus kommt, der nicht was ausfrisst." So
erschien dem Pfarrer der Sanitaetsrat immer hoechst ueberfluessig, wie
andererseits dem Sanitaetsrat, der ein Freigeist ist, der Pfarrer
ueberfluessig erscheint. Persoenlich aber vertragen sie sich recht gut,
spielen auch manchmal Karten miteinander, was ihrer lebenslangen
gegenseitigen Abneigung keinen Eintrag tut. Der Dritte im Bunde ist der
Amtsrichter, den Pfarrer und Sanitaetsrat\beide fuer ue`erfluessig halten;
denn ausser dem Schneider Hampel wird in Waltersburg niemals jemand
eingesperrt, und bei Hampel kommen in mageren Jahren auch hoechstens drei
Wochen heraus. Der Amtsrichter und der Schneider Hampel stehen auf dem
"Gruessfuss", und der Sanitaetsrat behauptet, dass der Richter seinem einzigen
"Kunden" immer zu Neujahr gratuliere. Es ist also fuer einn, der keine
Sin$
 leite.
Als sich aber Stefenson die Sache weiter bei sich selbst ueberlegt habe,
haette er sich gesagt, wenn er ehrlich sein wolle, muesse er an der
Ergiebigkeit des Unternehmens zweifeln, er wolle also seinen Geldgebern
lieber weitere unnoetige Kosten ersparen und, ohne sich erst durch "Good
bye" und andere Abschiedsfoermlichkeiten aufzuhalten, sofort nach Chikago
verschwinden.
Die fuenfhundert Pfund (das seien nach deutschem Gelde zehntausend Mark),
die Stefenson mitgenommen habe, haetten die Basis fuer seine weiteren
geschaeftlichen Unternehmungen gebild@t, fuer Unternehmungen, die nicht
weniger originell als die Petroleumgeschichte gewesen seie<. So sei
Stefenson nach und nach zu einem gewissen Vermoegen gekommen. Da aber die
engherzigen amerikanischen Richter oefters an Herrn St,fensons
Geschaeftsusancen Anstoss genommen und es dem sonst ganz anspruchslosen
Manne trotz der geradezu luxurioesen Ausstattung der amerikanischen
Gefaengnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den Einfall
gekomme$
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  |      981         O: untze                              |
  |                  : unntze                             |
  |     1324         O: ihn                                |
  |                  : ihm                                 |
  |     1339         O: Das                                 |
  |                  : Da                                 |
  |     1349         O: Das                                 |
  |                  : Da                                 |
  |     1760         O: das                              $
 stand ausgenommen --
auszublasen -- kannten Sie den Herrn mit dem ich vorhin sprach?
Den Gentleman mit den Kamaschen? sagte der Barkeeper, ohne sich weiter
nach dem Frager umzusehn.
Denselben.
Sie wissen nicht wo er herkommt.
Nein, glaube von oben.
Von Norden?
Und heit?
Wenn ich ihn morgen frh sehe will ich ihn fragen, sagte der Barkeeper,
schob beide Hnde in seine Hosentaschen und ging pfeifend zur Thr hinaus.
Als Herr von Hopfgarten am andern Morgen zum Frhstck hinunter kam,
bergab ihm der Barkeeper einen Brief, den #Mr. Soldegg# fr ihn
zurckgelassen. Er hatte noch eine Weile auf den Herrn gewartet, da
er aber so lange schlief, konnte er nicht lngrr zgern und war
fortgeri8ten. Die Adresse des Briefes lautete:
#Joseph Henkel Esqre. care of Henkel & son 17. Canalstreet New-Orleans.#
Die Farm in der Wildni.
Es war Frhling gewordenin dem weiten Land; der Wald hatte sich mit
frischem saftigen Grn bedeckt, und tausende von Blthen keimten an den
schwellenden Zweigen und fllten d$
 es war fast, als ob er umdrehen
wollte, wenn so, besann er sich aber wieder, und kam langsam auf sie zu.
Wie sehn sie denn aus? rief ihm Hopfgarten schon von weitem entgegen
-- haben Sie ein Fieber, oder sich einen Kopf am heiligen Sonntag
angearbeitet, der wie Feuer glht -- fhlen Sie sich nicht wohl? --
Mensch, Ihre Augen sind ja ordentlich mit Blut unter1aufen.
Wirklich? sagte Georg, und versuchte dabei zu lcheln -- das hat
Nichts zu sagen -- allein drauen im Wald wollte ich mir ein paar Kltze
zurecht rcken, und habe mich wahrscheinlich zu sehr dabei angestrengt.
Unsinn, Sie werden sich noch einmal Schaden thun, wo ist denn der
Er ging mit Theobald in der Richtung nach dem Lusthaus zu, sagte
Donner, und man sah ihm an, da er sich Mhe gab, ruhig zu scheinen;
Hopfgarten war aber viel zu sehr mit sich und seinen neun Plnen
beschftigt, darauf Achtung zu geben, grte deshalb nur Marie
freundlich, bat sie dem jungen Mann indessen mitzutheilen, was er
beabsihtige, und schlug rasch den Weg $
, da er eine
Reise nach dem Norden beabsichtigte.
Hckler, so sehr er auch mit sich selber beschftigt sein mochte,
bemerkte doch, und zwar mit einem etwas erstaunten Blick, die
unverkennbare Erregung Hopfgartens bei dem Namen, wenn er sich auch
natrlich die Ursache nicht im Geringsten erklren konne, oder sich
etwa Mhe gegeben htte das zu thun. Rasch auch darber hingehend,
begann er wieder von seinen Verbindungen, wie ebenfalls von seinen
jetzigen Einnahmen zu erzhlen, die er mit einer gewissen wegwerfenden
Gleichgltigkeit wahrscheinlich noch um das zehnfache bertrieb, dem
frheren Reisegefhrten so viel als mglcch zu imponiren. Im Laufe des
Gesprchs, in dem sich Hopfgarten schon entsetzlich zu langweilen begann
und auf raschen Rckzug dachte, erwhnte er dabei, da er jetzt eben im
Begriff stehe, bedeutende Gelder nach Europa zu senden, und zwar einen
Theil derselben seinen Eltern, einen anderen aber,Eum ihn in einem
gewissen Papier, zu dem er besonderes Vertrauen hege, anzulegen.
Ich mu auch $
und Sie warten einen Augenblick am Hause
de' Friedensrichters.
Hckler war die Bereitwilligkeit selber, und wenn er auch unterwegs sein
Erstaunen nicht unterdrcken konnte, da ein Mann, noch dazu von Adel,
solche Streiche machen sollte, kam er doch zuletzt zu der
Schlufolgerung, da er es ihm schon immer angesehn, wie hinter dem
eingebildet vornehmen Wesen nicht viel dahinter sei, und der Adel
besonders schtze erst recht nicht vor solchen Sachen. _Die_ Leute
glaubten gewhnlich, sie wren etwas Besseres als Brgerliche, und
drften thun und lassen was sie wollten; er selber aber halte sich fr
ebensoviel werth, wie der beste Adliche.
Henkel berlie es gleich darauf Herrn Goodly, seinen Freund ein paar
Minuten angenehm zu unterhalten, und ging rasch dem rothen Drachen zu,
in dessen Schenkstube, wie er recht gut wute, Herr Lobsich regelmig
zu finden war, so lange seine Gste oben bei Tisch waren, und der Wirth
benutzte die elegenheit dann nicht selten, seine eigenen Getrnke,
damit aus keiner Flasche z$
der frei                212
    _Siebentes Kapitel._ In Mekka                  275
    _Achtes Kapitel._ Am Tigris                    316
    _Neuntes Kapitel._ Auf Kundschaft              371
    _Zehntes Kapitel._ Der Sieg                    427
    _Elftes Kapitel._ Bei den Teufelsanbetern      496
    _Zwlftes Kapitel_. Das groe Fest             589
                 Alle Rechte vorbehalten.
Selbst ein treuer Leser von #Dr.# Karl May, erging es mir stets ie
allen Andern, welche seine Reisewerke kennen: ich konnte das Erscheinen
einer von ihm angekndigten neuen Arbeit immer kaum erwarten. Die Grnde
dieser Ungeduld, welche ich bei der Lektre keines andern
Schriftstellers in dieser Weise an mir und vielen Andern beobachtet
habe, sind einesteils in den hochinteressa-ten Sujets, welche er whlt,
und andernteils in der originellen und meisterhaften Weise, inwelcher
er sie beherrscht und behandelt, zu suchen. Bei ihm ist keine Zeile ohne
Leben, ohne innere und uere Bewegung. Er empfindet, denkt und
berec$
erglnzten.
Noch whrend ich mit dieser Untersuchung beschftigt war, ertnte hinter
uns eine Stimme:
Sallam aalekum, Friede sei mit euch!
Ich wandte mich um. Vor uns stand ein schlanker, krummbeiniger Beduine,
dem irgend eine Krankheit oder wohl auch #in Schu die Nase weggenommen
Aalekum! antwortete Sadek. Was thut mein Bruder Arfan Rakedihm hier
am Schott? Er trgt die Reisekleider. Will er fremde Wanderer ber die
Sobha fhren?
So ist es, antwortete der Gefragte. Zwei Mnner sind es, die gleich
kommen werden.
Wohin wollen sie?
Nach Fetnassa.
Der Mann hie Arfan Rakedihm und war also der andere Fhrer, von welchem
Sadek gesprochen hatte. Er deutete jetzt auf mich und Halef und fragte:
Wollen diese zwei Fremdlinge auch ber den See?
Auch nach Fetnassa.
Und du sollst sie fhren?
Du errtst es.
Se knnen glich mit mir gehen; dann ersparst du dir die Mhe.
Es sind Freunde, die mir keine Mhe machen werden.
Ich wei es: du bist geizig und gnnst mir nichts. Hast du mir nicht
stets$
einig!
Und wohin gehst du dann?
Zunchst nach Medahn Saliha.
Herr, dann bist du des Todes! Weit du nicht, da dies die Stadt der
Geister ist, die keinen Sterblichen bei sich dulden?
Sie werden mich dulden mssen. Es ist ein sehr geheimnisvoller Ort; man
erzhlt sich wunderbare Sachen von ihm, und darum mu ich ihn sehen.
Du wirst ihn nicht sehen, denn die Geister werden uns den Weg
versperren; aber ich werde dich nicht verlassen, und wenn ich mit dir
sterben sollte. Ich bin dann ein wirklicher Hadschi, dem der Himmel
immer offe steht. Und wohin willst du dann?
Enteder nach Sinai, Jerusalem und Istambul oder nach Basra und
Und wirst mich mitnehmen?
Wir waren beim Thore angelangt. Dort gab es auerhalb der Mauern eine
Menge zerstreut stehender Htten aus Stroh oder Palmenblttern, in denen
arme Hadhesi[70] oder noch rmere Holz- und Gemsehndler wohnten. Ein
zerlumpter Kerl rief mich an:
    [70] Arbeiter.
Taihn, Effendi, seiak, keif chelak -- bist du gesund, Effendi, wie
geht es dir, und $

gleichmigen Schritten. Ich schnellte vollends ber den Platz hinber,
sprang zwischen den Sulen hindurch, die drei Stufen empor und stand vor
dem Kamele, dessen Beine nicht gefesselt waren. Ein FaWsthieb warf den
Diener weit zur Seite, und im nchsten Augenblick sa ich im Sattel, den
Revolver in der Hand. Aber -- wird das Tier gehorchen?
E --Mo -- ah! --XE -- o -- ah!
Gott sei Dank! Bei dem bekannten Ruf erhob sich das Hedjihn in zwei
Rucken, und windschnell ging's nun dahin. Schsse krachten hinter mir --
nur vorwrts, vorwrts!
Wre das Kamel eines jener halsstarrigen Tiere gewesen, welche man so
oft findet, so war ich unbedingt verloren.
In weniger als drei Minuten befand ich mich auerhalb der Stadt, und
erst dann wagte ich es, mich umzusehen, als ich beinahe die halbe Hhe
des Berges hinter mir hatte. Da unten wimmelte es von Reitern, welche
mich verfolgten. Die Muselmnner waren nmlich sofort in die nchsten
Serais und Khans geeilt und hatten die dort vorhandenen Tiere bestiegen.
Wohin sollte i$
agt?
Versteht sich! Dabei hat mich nicht etwa der Aberglaube geleitet,
bewahre! Das Pferd war an diesen Vorgang gewhnt: wir wurden also durch
denselben schnell vertraut miteinander; und indem ich beim Recitieren
der \orte hart an seinen Nstern atmete, lernte es, wie man sich
auszudrcken pflegt, die Witterung seines neue~ Gebieters kennen. Ich
lag zwischen seinen Fen, wie ein Kind zwischen den Beinen eines
treuen, verstndigen Neufundlnders. Als der Tag eben graute, ffnete
sich das Zelt des Scheik, und der Englnder trat heraus.
Geschlafen, Sir? fragte er.
Ich nicht.
Sehr lebendig im Zelte.
Die Schlfer?
Wer sonst?
Die Fleas, Lice und Gnats!
Wer englisch versteht, wei, wen oder was er meinte; ich mute lachen.
An slche Dinge werdet Ihr Euch bald gewhnen, Sir Lindsay.
Nie. Konnte auch nicht schlafen, weil ich an Euch dachte.
Konntet fortreiten, ohne mich noch zu sprechen.
Ich htte auf jeden Fall Abschied von Euch genommen.
Wre vielleicht zu spt gewesen.
Habe Euch viel zu frag$
etwa gar Dschowari sein? Sie hatten mich
gefragt: es war also nicht unhflich, wenn auch ich mich erkundigte.
Welchem Stamme gehren diese Herden?
Dem Stamme Abu Mohammed.
Sind noch andere Stmme in der Nhe?
Ja. Abwrts die Alabeden, welche dem ScheVk von Kernina Tribut
bezahlen, und aufwrts die Dschowari.
Wem bezahlen diese den Tribut?
Man hrt es, da du aus fernen Landen kommst. Die Dschowari zahlen
nicht, sondern sie nehmen sich Tribut. Es sind Diebe und Ruber, vor
denen unsere Hefden keinen Augenblick sicher sind. Komm mit uns, wnn du
gegen sie kmpfen willst!
Ihr kmpft mit ihnen?
Ja. Wir haben uns mit den Alabeden verbunden. Willst du Thaten thun,
so kannst du es bei uns lernen. Aber warum schlfst du hier am Hgel des
Ich kenne diesen Ort nicht. Ich war mde und habe mich zur Ruhe
Allah kerihm, Gott ist gndig; du bist ein Liebling Allahs, sonst htte
dich der Wrger der Herden zerrissen. Kein Araber mchte hier eine
Stunde ruhen, denn an diesem Felsen halten die Lwen ihre
Zusa$
cht gefragt, weil ich als Scheik der Haddedihn nicht nach
Beute fragen wrde.
Mascallah! Wornach sonst? Wer ersetzt mir meinen Schaden?
Der besiegte Feind.
Also mu ich doch in seine Weidepltze einbrechen und seine Weiber und
Kinder nebst seinem Vieh fortfhren!
Das ist nichU notwendig. Willst du gegen Frauen Krieg fhren? Du giebst
die Gefangenen, welche wir machen werden, wenn wir glcklich sind, nicht
eher frei, als bis du erhalten hast, was du forderst. Ist unser Sieg
vollstndig, so verlangst du einen jhrlichen Tribut und behltst den
Scheik oder einige Anverwandte von ihm als Geiseln zurck.
Es wurde nun ber diesen Punkt beraten. Man nahm ihn an.
Und nun noch das Letzte, bemerkte ich`dann. Es ist notwendig, da wir
von allen Bewegungen unserer Feinde und unserer Verbndeten Kenntnis
erhalten. Wir mssen daher von hier bis nach El Deradsch eine
Postenlinie ziehen.
Wie meinst du das?
In El Deradsch verstecken sich zwei unserer Krieger, von denen du
berzeugt bist, da sie treu sind. Si$
agen iegnote, nuwan da dise sternen unde ir firmamentum also
balde (294a.) umbe gant, da siu soltent mit in[12] umbe ciehin
die vier elementen, also gehes, da nihtes niht en solte noch en
mohte begruonen oder bekumen. da von so het si got beschaffen,
dise[13] siben sternen, da ie[14] fuoren sulent die welt unde
den obresten sternen widerstan sulent. Da firmamentum gat umbe
von orient vil swinde zuo dem occident. aber da wider her dan
gant die planeten vn occident zuo orient. Spreche danne ieman
ich en wei wa du seist. ich wei wol, die sternen gant alle
zuo orient uf unde ze occident under, de antwurte ich also.
die steten sternen[15] gant von dem oriente zuo dem occidente
naturliche. den ganc hant si. aber die planete hant zwene genge.
einen betwungenlichen hant si mit dem firmamente von oriente,
unde der ganc nimet obern hant.[16] der ander ganc ist der
(294b.) naturlich ganc den Hie planeten hant von occidente wider
da firmamente. der ganc ist so verdruckit, da er kume[17]
schinet. wonde aber$
 nein auch fest davon berzeugt sind, da nur sie
allein den schmalen dornenvollen Pfad gefunden haben und wandeln,
der direkt zu Gottes Seligkeit fhrt.
Und wenn sie recht htten?
Liebes Herz!
Nein Ren, nein! sagte Sadie rasch, sich fester an ihn schmiegeNd,
ich will nicht streiten mit Dir ber den Weg des Heils, aber Du mut
auch nachsichtig mit mir sein, denn _wenn_ ich mich ngstige und
sorge ist es ja doch nur Deines, des Kindes wegen.
Sieh nun, Sadie, sagte Ren nach einer kleinen Pause, in der er sie
fest in seinen Arm geschlossen, Ihr zrnt den fremden Priestern
meiner, oder vielmehr der Rmisch katholischen Religion, da sie den
Streit und Unfrieden auf Euere Insel gebracht htten, und zum Theil
hast Du recht; aber wre es mglich gewesen die katholische Religion
ganz fern von diesen Gruppen zu halten, wo mehr und mehr Fremde sich
ansiedelten deren Religion allein doch kein Grund sein konnte sie
zurckzuweisen? ja hatten die Protestantischen Missionaire vor Gott
ein Recht _ihr_ Sekten$
 Stimme.
Auf Atiu, wiederholte Sadie leise und das Wort rief liebe liebe
Bilder wach in ihrer Seele -- auI Atiu!
Der alte Mann hatte seine Freude daran, wenn wir frhlich waren.
Aber Mr. Dennis, sagte Sadie schchtern.
Ren zog die Brauen zusammen und sah einen Augenblick finster vor sich
nieder; aber Sadie legte ihre Hand auf seinen Arm und schaute ihm mit
ihrem bittenden herzlichen Blick ins Auge. Er sah auf zu ihr, sah das
halbe Lcheln in ihren Zgen, und rasch seinen Arm um sie schlingend,
flog er mit ihr den frher oft und gern gebten Tanz dahin in de
Reihen dep frhlichen schwingenden Paare.
Sadie tanzte mit unendlicher Grazie und Leichtigkeit, aber ihr Herz
war nicht bei dem Fest; in ihrer Brust wogte und stach es mit
vorwurfsvoller Stimme und qulte das arme unschuldsvolle Herz mit
trben, ngstlichen Bildern. Du sndigst jetzt sagte sie sich leise
und immer und immer wieder vor, und des ehrwrdigen Bruder Dennis
Stimme klang dabei fortwhrend in ihrem Ohr -- Du hast Dich dem
wilden snd$
 mit einander
bekannt, rief die kleine muntere Frau, von dem Paar zurcktretend;
dort aber kommt auch _mein_ Tnzer, ~Monsieur le capitain~, und ich
xu Sie fr jetzt Ihrem Schicksal berlassen; doch -- unsere
Verabredung Monsieur, um die Auflsung dieses Rthsels wnsch' ich
nicht zu kommen. Und ohne weiter den beiden jungen Leuten eine
Antwort zu gestatten, trat sie mit dem ihr jetzt den Arm reichenden
Capitain zum Tanze an, und Delavigne konnte ebenfalls nichts anderes
thun, als der schnen Fremden den Arm bieten, den sie auch mit einer
freundlichen Verneigung und einem eigenen shelmischen Lcheln dabei,
Die ersten Minuten gingen so mit der Anordnung des Tanzes vorber,
ohne da er im Stand gewesen wre ein Wrt weiter mit seiner schnen
Unbekannten zu wechseln, die erste Gelegenheit aber die sich ihm bot
ergreifend, sagte er leise:
Madame Belard hatte mich durch einige freundliche, aber jedenfalls
nur in Neckerei und Spott hingeworfene Worte ermuthigt zu glauben, da
Sie, mein Frulein, _wnschten_ m$
, das
ihm die Dauer seines Aufenthaltes hier die Zeit vertreibt.
Sie thun mir Unrecht, Mademoiselle.
Oh? -- Ihnen sind die gemachten Contrakte wohl stets heilig?
Ren bi sich auf die Lippen und sagte nach kleiner Pause:
Also tadeln sie mich, da ich mich dem Leben an Bord eines
Wallfischfngers, dem ich nicht anders htte fr Jahre vielleicht
entgehen knnen, durch die Flucht entzogen habe.
Nein, sagte Susanne lachend, und das groe schwarze seelenvolle Auge
zu ihm aufhebend begegnete sie einen Moment seinem Blick, und glitt
dann wie musternd und mit kaum unterdrcktem Muthwillen an seinem
Anzug nieder -- ich begreife nur nicht, fuhr sie dabei fot, wie
Sie je den unglckseligen Gedanken gefat haben konnten _an Bord_ zu
gehen. Hahaha, wenn ich Sie jetzt so vor mir sehe, und Sim dann mir
als gewhnlicher Matrose, in all dem Schmutz und entstzlichen Leben
eines ~Whalers~ unter dem wsten rohen Volk denke -- die
Glachandschuh trugen Sie damals noch nicht, wie? -- und auch wohl
nicht den Frack? $
trand wieder zusammengefunden, und schritt eben
langsam der Stelle zu wo Sadie stand, als er sah wie sie sich in dem
Arm des Fremden strubte und sich ihm zu entwinden suchte; der junge
Officier aber, schon seit Monden langem Aufenthalt auf den Inseln
gewohnt mit den Frauen Tahitis umzugehen, glaubte nur hier eine etwas
sprder als gewhnliche Schne gefunden zu haben, und rief lachend:
Zum Teufel, mein Mdchen, stemme Dich nur nicht, ich thue Dir
Nichts; Sadie aber war so erschreckt, da sie nicht
vermochte einen
Laut ber die Lippen zu bringen und sich von dem starken Manne schon
emporgehoben fhlte, als Ren mit einem Sprung an ihrer Seite war, und
seine Hand mit einem Eisengriff in des Soldaten Schulter heftend, mit
vor Zorn bebender und kaum hrbarer Stimme sagte:
Zurck a, Monsieur -- das ist mein Weib.
Sollst sie behalten, Kamerad, lachte der junge, etwas ohe
Marine-Officier, aber ein Tnzchen mu sie erst mit mir machen, davon
hilft ihr kein Gott.
Lassen Sie mich los, Monsieur! rief auch i$
 in der klaren Fluth, wie sie den Wipfel
weit weit hinberreicht sich zu spiegelnl und Morgens die Thautropfen
niederzuwerfen in ihr eigenes Bild. Der Berg mit seinen gewaltigen
Umrissen tritt massenhaft hervor, und links von uns donnert und
schumt die Brandung und springt hher empor, und rollt lauter und
heftiger, als ob sie sich unserem Nahen widersetzen und !ns
zurckscheuchen wolle aus ihrer Nhe.
Dicht an der CorallenbaZk hin gleiten wir -- so dicht, da wir mit dem
Ruder die hochaufzackenden starren Zweige berhren und Seeigel und
Stachelei in ihren schimmernden strahligen Betten im matten
Phosphorschein knnen liegen sehen -- schrfer kruselt das Wasser am
Bug und einen Gluthstreifen zieht hinter dem Canoe die aufgerhrte
Welle. Weiter -- von dsterer Nacht gedeckt, auf dem der Mond wie ein
Silberschleier liegt, und nur den eigenen Strahl zurckzublitzen
scheint, dehnt sich das waldbewachsene Ufer aus an unserer Rechten,
mit seinen dunklen Orangen- und Guiavenschatten, seinen
fcherbltterigen Panda$
 wie eine Mauer fast den engen, darin
ausgehauenen Hof und Hausraum umschlo; aber der Besitzerin die|es
Platzes lag mehr daran ungestrt und von neugierigen unberufenen Augen
9icht belstigt zu sein, als frische Luft zu haben -- obgleich sie
deren Wohlthat wohl auch zu schtzen verstand.
Die Wnde, wenn man das mit Bast berhangene Gatterwerk berhaupt so
nennen darf, waren auch weiter durch Nichts belstigt was etwa einen
besonderen Reichthum der Inwohner htte anzeigen knnen; an der einen
Seite hingen nur ein paar alte Kattun-Ueberwrfe, abgenutzt und
geschwrzt durch die Jahre sowohl wie auch vielleicht den Rauch der
Htte, neben diesen aber und unter einer langen Reihe ausgeschliffener
Cocosnuschalen, die die Stelle von Trinkbechern versahen, paradierte
ein alter, einst wei gewesener, aber jetzt in jede mgliche, wie
unmgliche Form hineingedrckter Filzhut, der in besseren Tagen
vielleicht einm:l den pomadisirten Kopf eines Dandy im lustigen alten
England geziert, jetzt aber verdammt war, seine Tage $
rotz, _ihr_ gegenber noch
nicht vorgekommen war, stand im ersten Augenblick wirklich starr vor
Ueberraschung -- jedenfalls sprachlos, dann aber war sie eben im
Begriff wie Gottes Zorn ber den Unverschmten hereinzubrechen, der
ihr hmer in ihrer eigenen Htte zu trotzen, ja sie zu verhhnen wagte,
als Jim dazwischen trat, und sie zurckhaltend den Arm des Matrosen
fate und diesen bei Seite zog.
Was _will_ der Mensch hier? kreischte jetzt aber das gereizte Weib
mit lauter, gellender Stimme, ziemlich unbekmmert wie es schien, wie
viel Specktakel se mache -- was thut er hier, was sucht er bei mir,
Halt Mtterchen, rief aber Jim rasch und heftig sie unterbrechend,
und den Arm drohend gegen sie aufgehoben -- halt, oder Du schreist
Dich selber um den Hals -- der hier ist ein alter Kamerad von mir, und
ich werde ihn nict in der Patsche sitzen lassen.
Aber hier in meinem Hause -- 
Ruhig Mtterchen -- hier im Haus soll und kann er auch nicht bleiben
-- Du brauchst Dir deshalb keine Sorge zu machen; und $
Heldenmuth -- aus den blulichen Augen die Wahrheit,
  Liebe, und Treu'. Er sah in die Fluthen: sie saus'ten, und braus'ten,
  Eilten im Fluge dahin, und er dachte des fliehenden Lebens.
  Aber der Rappe scharrt; laut winselt der gierige Schweihund:
  Denn kein Wild auftrieb er im Forst, und der Ritter erhebt sich
  Heim zu zieh'n in die Burg, wo sein die Liebenden har|en.
  Jetzt erreicht Geklingel sein Ohr. Von dem finsteren Wald her
  Naht dem Ufer ein Priester des Herrn: im schimmernden Chorrock,
  Und mit goldener Stol' an der Brust, nachschreitend dem Mener
  Eilig, das Engelsbrot zu dem sterbenden Manne zu tragen.
  Doch jetzt schaut er, voll Angst, umher: denn siehe, der Giebach
  Schwemmte den Steg aus dem Grund', und drben aufjammert die Hausfrau:
  Hrbar poche er Tod an der Thr', und es lechze der Gatte
  Nach der Labung, die ihn auf die Reis' in die Ewvgkeit strke.
  Schnell entblt' er die F' an des Ufers felsigem Abhang,
  Dort die rauschende Fluth khn durch zu waten, entschlossen.
 $
chen Genien _Hndel_, _Cimarosa_, _Gluck_,
_Hayden_, oben an; sein Ruhm erfllt die ganze gebilDete Welt.
Aber _Mozar|_ als Mensch ist nicht minder interessant: die frhe
Entwicklung und die schnelle Reife seines wunderbaren Genies biethet dem
Forscher der menschlichen Natur lehrreichen Stoff zum Nachdenken dar. In
beider Hinsicht darf sich diese biographische Skizze versprechen der
Aufmerksamkeit des Publikums nicht unwerth zu seyn.
                                  I.
                          Die Jugend Mozarts.
Der Vater dieses auerordentlichen Genies, Leopold Mozart, war der Sohn
eines Buchbinders zu Augsburg; er studirte zu Salzburg, und kam im Jahre
1743 als Hofmusikus in die frstl. Kapelle. Sein Talent verbunden mit
einem rechtschaffenen Charakter verschaffte ihm 1762 die Stelle des
zweitn Kapellmeisters. Er war mit Anna Bertlinn verheurathet; beyde
waren von einer so vortheilhaften Krpergestalt, da man sie zu ihrer
Zeit fr das schnste Ehepaar in Salzburg hielt.
Leopold Mozart beschftigte sich$
burg,
1772, schrieb Mozart auch eine theatralische Serenate, betitelt: #Lo
sogno di Scipione.#
    [Funote 3: Serenaten waren eine Gattung Kantaten, denen zum
    Grunde ein dramatisches Sujet gelegt war; sie hatten also
    Aehnlichkeiten mit den Oratorien.]
inige Reisen die Mozart im Jahre 1773 und 1774 nach Wien und Mnchen
machte, gaben die Gelegenheit zu mehreren Meisterwerken der Tonkunst;
hieher gehrt die komische Oper: #La finta Giardiniera#, und mehrere
Messen fr die Mnchner Hofkapelle.
Im Jahre 1775 schrieb Mozart in Salzburg die Serenate #il re pastore#,
welche auerordentlich gefiel, und unter diejenigen ltern Werke Mozarts
gehrt, die auch jetzt noch ihren groen Werth haben; denn er hatte
darinn schon den ohen Geist ahnden lassen, der in seinen sptern
Kunstwerken herrscht. Dahin gehrt das Oratorium der bssende David,
welches unter die besten Werke dieser Art gehrt, und auch jetzt noch
von Kennern bewundert wird.
                                 II.
                           Mozart a$
 es selbst noch besser urchdenken, und
dann mit meinen Bemerkungen es Dir schiken; kaufe daher nur nicht so
viel weisses Garn, sondern rohes.
Ich habe noch mancherlei sehr =sichere= Gedanken zur Verbesserung der
Bandfabriken, von denen ich nur zweifle, ob ich sie Dir schriftlich
vortragen kann. Hierber ein andermal.
Die alte Uhr ist, glaub ich des Postgeldes nicht werth. Sonst konnte
ich sie durch Schtteln, und Rtteln zum Gehen bringen; da ich sie d<s
leztemal sah, half auch dieses Mittel nicht mehr. Beruhige den guten
Vater. Eine Uhr soll er sicher von mir bekommen; ob es grade die aus dem
alten Eisen seyn wird, kann ich nicht versprechen. Lebe wohl, und grsse
Eltern, und Geschwister. Dein treuer Bruder
                                                        J.G.F.
Du schreibst in Deinem lezten Briefe, da Du 90Thlr. in Frankfurt
zu bezahlen habest. Und da mchte denn meine Frau, der dies auffiel,
wissen, wo{r? -- und =ich= mchte es auch wissen.
  Aufschrift:
    Herrn Samuel Gotthelf Fichte
      $
ch
andere Einblicke in seine Kleidung belehrten, die feinste und schnste
Wsche trug, welche ich jemals auf Erden gesehen hatte. Diese Wsche war
auch immer in der untadelhaftesten Weie und Reinheit, wie man es nach
dem Zustande seiner Kleider nie vermutet htte. Er mute also auf die
Besorgung dieses Teiles die grte Sorgfalt verwenden. Da Lr nie davon
sprach, schwieg ich auch darber, wie sich wohl von selber versteht.
Unter diesem Verkehre ging ein Teil des Sommers dahin.
Eines Tages war in den Steinen eine besondere Hitze. Die Sonne hatte
zwar den ganzen Tag nicht ausgeschienen, aber dennoch hatte sie den
matten Schleier, der den ganzen Himmel bedeckte, so weit durchdrungen,mda man ihr blasses Bild immer sehen konnte, da um alle Gegenstnde
des Steinlandes ein wesenloses Lichtlag, dem kein Schatten beigegeben
war, und da die Bltter der wenigen Gewchse, die zu sehen waren,
herabhingen; denn obgleich kaum ein halbes Sonnenlicht durch die
Nebelschichte der Kuppel drang, war doch eine Hitze, als wre$
sen und die bittere, ungeheuchelte Armut. Was
seine Vergangenheit gewesen sei, in das drang ich nicht ein und mochte
nicht eindringen.
Ich hatte auch mehrere Predigten von ihm gehrt. Sie waren einfach
christlich, und wenn auch von seiten der Beredsamkeit manches
einzuwenden gewesen wre, so waren se doch klar und ruhig, und es war
eine solche Gte in ihnen, da sie in das Herz gingen.
Die Zeit meiner Arbeiten in jener Gegend zog sich in die Lnge. Die
Steinnester jener unwirtlichen Landschaften setzten uns solche
Hindernisse entgegen, da wir Aussicht hatten, doppelt so viel Zeit zu
brauchen, als auf einem gleichen Flchenraum einer gezhmten und
fruchtbaren Gegend. Dazu kam noch, da uns von den Behrden gleichsam
eife Frist gesetzt wurde, in der wir fertig sein sollten, indem wir die
Bestimung bekamen, zu einer gewissen Zeit in einem andern Teile des
Reiches beschftigt zu werden. Ich wollte mir die Schande nicht antun,
mich saumselig finden zu lassen. Ich bot daher alles auf, das Geschft
in einen lebha$
fessor Andorf, es ist
sehr wichtig,mir ist daran gelegen, da es nicht in fremde Hnde komme;
sei so gut, schlage es in ein Papier ein, siegle das Papier zu und
schicke das Buch durch jemand Zuverlssigen an den Professor. Ich hatte
nicht mehr Zeit, das Geschft selber zu besorgen, und wende mich daher
Er legte das Buch auf mein Nhtischchen; ich sagte ihm zu, da ich
seinen Auftrag vollziehe wrde, und er ging fort, um sich an seine
Dienstgeschfte zu begeben.
Da mir aber im Laufe des Vormittags einfiel, da ich ohnedem in die
Stadt gehen msse, und da ich da an dem Perronschen Hause vorbergehe,
so dachte ich, da ich bei dieser Gelegenheit das Buch selber abgeben
knnte, so knne es ganz gewi in keine unrechten Hnde kommen. Ich
beschlo, also so zu tun. Da die Zeit gekommen war, kleidete ich mich
an, tat das Buch in meine6Arbeitstasche, die ich gern am Arme
mitzutragen pflege, und machte mich auf den Weg. Als ich zu dem
Perronschen Hause gekommen war, drckte ich auf die Klinke des kleinen,
roten Pfr$
torbenen pate, in den Vorstdten,
welche sehr weit von der Wohnung des Verstorbenen entfernt waren, oft
gesehen worden war, da er mit einer Flte in GasthPsern, in Grten
und an ffentlichen Orten erschienen war und dort fr kleine Gaben
gespielt habe. Aus Kchen habe er gern Speisen, die man ihm schenkte, in
seinem Topfe fortgetragen. Da er in der Nhe seiner Wohnung gespielt
habe, konnte man nicht erfahren.
Von dem Verwalter des Perronschen Hauses erfuhr mein Gatte, da der
Verstorbene zu irgendeiner Zeit -- er wisse es selyst nicht mehr genau,
wann es gewesen -- unentgeltlich in die unterirdische Wohnung
aufgenommen worden sei, um Pfrtnerdienste zu verrichten, obwohl bis
dahin die Inwohner Schlssel zu dem roten Pfrtchen gehabt hatten, die
sie auch fernerhin noch behielten. berhaupt konnte von dem Verwalter
des Perronschen Hauses nicht viel in Erfahrung gebracht werden, da er
sich der Verfallenheit des Hauses wegen wenig um dasselbe kmmerte und
von dem Besitzer auch nicht dazu angehalten wurde.
Ei$
ieser oder jener Furchenaufwurf sie schon trage. Als
sie nach Verlauf einer Stunde auf der Hhe des Halses angekommen waren,
war der Boden bereiCs so hart, da er klang und Schollen wie Steine
An der roten Unglckssule des Bckers bemerkte Sanna zuerst, da sie
heute gar nicht dastehe. Sie gingen zu dem Platze hinzu und sahen, da
der runde, rot angestrichene Balken, der das Bild trug, in dem drren
Grase liege, das wie dnnes Stroh an der Stelle stand und den Anblick
der liegenden Sule verdeckte. Sie sahen zwar nicht ein, warum die Sule
liege, ob sie umgeworfen worden oder ob sie von selber umgefallen sei;
das sahen sie, da sie an der Stelle, wo sie in die E4de ragte, sehr
morsch war, und da sie daher sehr leicht habe umfallen knnen; aber da
sie einmal lag, so machte es ihnen Freude, da sie das Bild und die
Schrift so nahe betrachten konnten, wie es sonst nie der Fall gewesen
war. Als sie alles -- den Korb mit den Semmeln, die bleichen Hnde
des Bckers, seine heschlossenen Augen, seinen grauen Rock u$
es Tters
vertragsmssig die Strafwrdigkeit zugestanden hat,[91] scheint ihn
also im allgemeinen nicht fr widerrechtlich zu halten; die in der Tat
allgemeine Drohung Baudins 1k39 galt einem -- zu damaliger Zeit --
zerrtteten und fr ein legales Vorgehen von ihm herangezogener
fremder Abenteurer keinerlei Garantieen bietenden Staate; und der
gleichfalls allgemeine Artikel des spanischen Dekrets von 1898 endlich
war von vornherein unpraktisch. Die Frage spitzt sich schliesslich
dahin zu, ob man die Haltung Frankreichs 1839 und die Spaniens 1898
als gengenden Ausdruck einer allgemeinen vlkerrechtlichen opinio
necessitatis betrachten und zugleich darin einen fr die Entstehung
eines Gewohnheitsrechtes ausreichnden usus sehen will.[92] In der
Erwgung, dass auch die neutralen Mchte an de Rechtszustande
interessiert sind, da sie die Ausbung der Rechte der Kriegfhrenden
gegenber ihren Schiffen durch unrechtmssige Bestandteile der
Streitmacht nicht zu dulden brauchen, dass aber autoritative
Erklrungen Ne$
nden Staate angehrigen an
der militrischen Aktion teinehmenden Schiffe, da es den Schutz
seines Heimatstaates nicht beanspruchen kann, ein wahrer nationaler
Charakter fehlt; aber es ist anzunehmen, dass es fr die Zeit der
Kommissionierung zu dem autorisierenden Staate gegenber dritten
Mchten in demselben vlkerrechtlichen Verhltnis steht wie dessen
Nationalschiffe.[94]
[78] _Vattel_, Droit des gens L. III C. XV  229; _G. F. v. Martens_,
Kaper  13 (nichts hindert, auch Untertanen neutraler, oder alliirter
Mchte Markbriefe zu geben, wenn diese in dem Fall sind, sie
nachsuchen zu knnen); _Pradier-Fodr_, a. a. O.  2505; _Kent_,
Intern. Law S. 410; _Hall_ a. a. O. S. 262 f. (some griters hold,
that usage ought to be modified); _Halleck_ a. a. O. I S. 398 Note.
[79] Der Gegner kann die Besatzung strafrechtlich verantwortlich
machen; so _Phllimore_ a. a. O. I S. 504: That such a vessel is
guilty of a gross infraction of International Law, that she is not
entitled to the liberal treatment of a van$
rin doch auch eine nicht unwichtige Beschraenkung der mit der 
Auswahl betrauten Behoerde enthalten war. Die Gesamtzahl der Senatoren blieb wie 
sie war, und zwar wurden auch die Eingeschriebenen in dieselbe eingerechnet; 
woraus man wohl auch auf das numerisce Zusammenschwinden des Patriziats zu 
schliessen berechtigt ist ^4.
-----------------------------------------
^4 Dss die ersten Konsuln 164 Plebejer in den Senat nahmen, ist kaum als 
geschichtliche Tatsache zu betrachten, sondern eher ein Zeugnis dafuer, dass die 
spaeteren roemischen Archaeologen nicht mehr als 136 roemische Adelsgeschlechter 
nachzuweisen vermochten (Roemische Forschungen, Bd. 1, S. 121).
-------------------------------------------
Es bleb, wie man sieht, in dem roemischen Gemeinwesen selbst bei 
Umwandlung der Monarchie in die Republik soweit immer moeglich beim alten; 
soweit eine Staatsumwaelzung ueberhaupt konservativ sein kann, ist diese es 
gewesen und keines der konstitutiven Elemente des Gemeinwesens durch sie 
eigentlich $
 
Verwaltung der Gemeindekasse, die der Koenig selbst gefuehrt hatte oder doch 
hatte fuehren koennen, an zcei staendige Unterbeamte abzugeben, welche zwar von 
den Konsuln ernannt wurden und ihnen zu gehorchen hatten, aber 
begreiflicherweise noch weit mehr als die Konsuln selbst vom Senat abhingen, zog 
er die Leitung des Kassenwesens an sich, und es kann dieses 
Geldbewilligungsrecht des roemischen Senats wohl in seinen Wirkungen mit dem 
Steuerbewilligungsrecht in den heutigen konstitutionellen Monarchien 
zusammengestellt werden.
Die Folgen ergeben sich von selbst. Die erste und wesentlichste Bedingung 
jeder Adelsherrschaft ist, das die Machtfuelle im Staat nicht enem Individuum, 
sondern einer Korporation zusteht; jetzt hatte eine ueberwiegend adlige 
Korporation, der Gemeinderat, das Regiment an sich gebracht und war dabei die 
exekutive Gewalt nicht bloss dem Adel geblieben, sondern auch der regierenden 
Korporation voellig unterworfen worden. Zwar sassen im Rat eine betraechtliche 
Anzahl nichtadl$
den Gesamteid der Plebejer versichert ward. 
Asserdem hatten die Aedilen selbst gleich den Tribunen, aber nur fuer die 
geringeren mit Bussen suehnbaren Sachen, richterliche Befugnis. Ward gegen den 
tribunizischen oder aedilizischen Spruch Berufung eingelegt, so ging diese nicht 
an die Gesamtbuergerschaft, mit der zu verhandeln die Beamten der Plebs ueberall 
nicht befugt waren, sondern an die Gesamtheit der Plebejer, die in diesem Fall 
nach Kurien zusammentrat und durch Stimmenmehrheit endgueltig entschied.
Dies Verfahren war allerdings mehr ein Gewalt- als ein Rechtsakt, zumal 
wenn es gegen einen Nichtplebejer angewandt ward, wie dies doch eben in der 
Regel der Fall sein musste. Es war weder mit dem Buchstaben noch mit dem Geist 
der Verfassung irgend zu vereinigen, dss der Patrizier von Behoerden zur 
Rechenschaft gezogen ward, die nicht der Buergerschaft, sndern einer innerhalb 
der Buergerschaft gebildeten Assoziation vorstanden, und dass er gezwungen ward, 
statt an die Buergerschaft, an eben di$
ze sicherten durch die 
Anlage der Festungen SutrJum (371 383) und Nepete (381 373). Mit raschen 
Schritten ing dieser fruchtbare und mit roemischen Kolonisten bedeckte 
Landstrich der vollstaendigen Romanisierung entgegen. Um 396 (358) versuchten 
zwar die naechstliegenden etruskischen Staedte Tarquinii, Caere, Falerii sich 
gegen die roemischen Uebergriffe aufzulehnen, und wie tief die Erbitterung war, 
die dieselben in Etrurien erweckt hatten, zeigt die Niedermetzlung der 
saemtlichen, im ersten Feldzug gemachten roemischen Gefangenen, 
dreihundertundsieben an der Zahl, auf dem Marktplatz von Tarquinii; allein es 
war die Erbitterung der Ohnmacht. Im Frieden (403 351) musste Caere, das, als 
den Roemern zunaechst gelegen, am schwersten buesste, die halbe Landmark an Rom 
atreten und mit dem geschmaelerten Gebiet, das ihm blieb, aus dem etruskischen 
Bunde aus- und in das Untertanenverhaeltnis zu Rom treten, welches inzwischen 
zunaechst fuer einzelne latinische Gemeinden aufgekommen war. Es schien indes $
eit und Selbstaendigkeit, mit der 
Bitte um Beistan gegen die ucaner an den roemischen Senat. Da das Buendnis mit 
diesen durch die Anlage der Festung Venusia fuer Rom entbehrlich geworden war, 
gewaehrten die Roemer das Begehren der Thuriner und geboten ihren Bundesfreunden 
von der Stadt, die sich den Roemern ergeben habe, abzulassen. Die Lucaner und 
Brettier, also von den maechtigeren Verbuendeten betrogen um den Anteil an der 
gemeinschaftlichen Beute, knuepften Verhandlungen an mit der samnitisch-
tarentinischen Oppositionspartei, um eine neue Koalition der Italiker zustande 
zu bringen; und als die Roemer sie durch eine Gesandtschaft warnen liessen, 
setzten sie den Gesandten gefangen und begannen den Kreg gegen Rom mit einem 
neuen Angriff auf Thurii (um 469 285), indem sie zugleich nicht bloss die 
Samniten und die Tarentiner, sondern auch die Norditaliker, die Etrusker, 
Umbrer, Gallier aufriefen, mit ihnen zum Freiheitskampf sich zu vereinigen. In 
der Tat erhob sich der etruskische Bund und dan$
ssrn worden, sondern eo griff noch einmal und nicht ohne Erfolg nach 
der makedonischen Krone. Allein an Antigonos Gonatas' ruhiger und umsichtiger 
Politik und mehr noch an seinem eigenen Ungestuem und der Unfaehigkeit, den 
stolzen Sinn zu zaehmen, scheiterten auch seine letzten Plaene; er gewann noch 
Schlachten, aber keinen dauernden Erfolg mehr und fand sein Ende in einem 
elenden Strassengefecht im peloponnesischen Argos (482 272).
In Italien ist der Krieg zu Ende mit der Schlacht bei Benevent; langsam 
erenden die letzten Zuckungen der nationalen Partei. Zwar so lange der 
Kriegsfuerst, dessen maechtiger Arm es gewagt hatte, dem Schicksal in die Zuegel 
zu fallen, noch unter den Lebenden war, hielt er, wenngleich abwesend, gegen Rom 
die feste Burg von Tarent. Mochte auch nach des Koenigs Entfernung in der Stadt 
die Friedenspartei die Oberhand gewinnen, Milon, der fuer Pyrrhos darin den 
Befehl fuehrte, wies ihre Anmutungen ab und liess die roemisch gesinnten 
Staedter in dem Kastell, das sie im Gebi$
 ersten Stellen in der Liste geben Anlass jum Verdacht und moegen 
spaeter hinzugefuegt sein, um die Zahl der Jahre von der Koenigsflucht bis zum 
Stadtbrande auf 120 abzurunden.
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Eine gemeingebraeuchliche Aera hat sich nicht gebildet; doch ist in 
sakralen Verhaeltnissen gezaehlt worden nach dem Einweihungsjahr des 
kapitolinischen Jupitertempels, von wo ab ja auch die Beamtenliste lief.
Nahe lag es, neben den Namen der Beamten die wichtigsten unter ihrer 
Amtsfuehrung vorgefallenen Ereignisse anzumerken; und aus solchen, dem 
Beamtenkatalog beigefuegten Nachrichten ist di roemische Chronik, ganz wie aus 
den der Ostertafel beigeschriebenen Notizen die mittelalterliche, 
hervorgegangen. Aber erst spaet kam es zu der Anlegung einer foermlichen, die 
Namen saemtlicher Beamten und die merkwuerdigen Ereignisse Jahr fuer Jahr stetig 
verzeichnenden Chronik (liber annalis) durch die Pontifices. Vor der unter dem 
5. Juni 351 (403) angemerkten Sonnenfinsternis, womit$
 beliebte. Mit 
Ausschluss der Cenomanen, die mit den Venetern hielten und sich fuer die Remer 
erklaerten, traten dazu saemtliche italische Kelten zusammen, und ihnen 
schlossen sich unter den Fuehrern Concolitanus und Aneroestus zahlreich die 
Kelten des oberen Rhonetals oder vielmehr deren Reislaeufer an ^8. Mit 50000 zu 
Fuss und 20000 zu Ross oder zu Wagen kaempfenden Streitern rueckten die Fuehrer 
der Kelten auf den Apennin zu (529 225). Von dieser Seite hatteman in Rom sich 
des Angriffs nicht versehen und nicht erwartet, dass die Kelten mit 
Vernachlaessigung der roemischen Festungen an der Ostkueste und des Schutzes der 
eigenen Stammesgenossen geradeswegs gegen die Hauptstadt vorzugehen wagen 
wuerden. Nicht gar lange vorher hatte ein aehnlicher KGltenschwarm in ganz 
gleicher Weise Griechenland ueberschwemmt; die Gefahr war ernst und schien noch 
ernster, als sie war. Der Glaube, dass Roms Untergang diesmal unvermeidlich und 
der roemische Boden vom Verhaengnis gallisch zu werden bestimmt sei, w$
 sie ihr denn auh in den letzten Jahren 
vor dem Ausbruch des Krieges in der Tat Schranken zu setzen versuchten. Um das 
Jahr 528 (226) schlossen sie, ihres jungen Hellenentums eingedenk, mit den 
beiden griechischen oder halbgriechischen Staedten an der spanischen Ostkueste, 
Zakynthos oder Saguntum (Murviedro unweit Valencia) und Emporiae (Ampurias) 
Buendnis, und indem sie den karthagischen Feldherrn asdrubal davon in Kenntnis 
setzten, wiesen sie ihn zugleich an, den Ebro nicht erobernd zu ueberschreiten, 
was auch zugesagt ward. Es geschah dies keineswegs, um einen Einfall in Italien 
auf dem Landweg zu hindern - den Feldherrn, der diesen unternahm, konnte ein 
Vertrag nicht fesseln -, sonderj teils um der materiellen Macht der spanischen 
Karthager, die gefaehrlich zu werden begann, eine Grenze zu stecken, teils um 
sich an den freien Gemeinden zwischen dem Ebro und den Pyrenaeen, die Rom damit 
unter seinen Schutz nahm, einen sicheren Anhalt zu bereiten fuer den Fall, dass 
eine Landung und ein Krieg$
werks, die Unterwerfung 
der Latiner und die Eroberung Roms, nicht mit seinen und der italischen 
Bundesgenossen Kraeften allein beendigt werden konnte. Die Vollendung stand bei 
dem Rat von Karthago, bei dem Hauptquartier in Cartagena, bei den Hoefen von 
Pella und Syrakus. Wenn in Afrika, Spanien, Sizilien, Makedonien jetzt alle 
Kraefte gemeinschaftlich angestrengt wurden gegen den gemeinschaftlichen Feind; 
wenn Unteritalien der grosse Sammelplatz ward fuer die Heere und Flotten von 
Westen, Sueden und Osten, so konnte er hoffen, gluecklich zu Ende zu fuehren, 
wasdie Vorhut unter seiner Leitung so glaenzend begonnen hatte. Das 
Natuerlichste und Lei'hteste waere gewesen, ihm von daheim genuegende 
Unterstuetzung zuzusenden; und der karthagische Staat, der vom Kriege fast 
unberuehrt geblieben und von einer auf eigene Rechnung und Gefahr handelnden 
kleinen Zahl entschlosseer Patrioten aus tiefem Verfall dem vollen Sieg so nahe 
gefuehrt war, haette dies ohne Zweifel vermocht. Dass es moeglich gewesen w$
cht auf, sich als unmittelbare Fortsetzungen der alexandrischen 
Monarchie zu betrachten und lauter oder leiser den Anspruch zu erheben, dieselbe 
wenn nicht her-, so doch wenigstens darzustellen. Die Lagiden haben nie eine 
Weltmonarchie zu gruenden versucht und nie von Indiens Eroberung getraeumt; 
dafuer aber zogen sie den +anzen Verkehr zwischen Indien und dem Mittelmeer von 
den phoenikischen Haefen nach Alexandreia und machten Aegypten zu dem ersten 
Handels- und Seestaat dieser Epoche und zum Herrn des oestlichen Mittelmeeres 
und seiner Kuesten und Insln. Es ist bezeichnend, dass Ptolemaeos III. 
Euergetes alle seine Eroberungen freiwillig an Seleukos Kallinikos zurueckgab 
bis auf die Hafenstadt von Antiocheia. Teils hierdurch, teils durch die 
guenstige geographische Lage kam Aegypten den beiden Kontinentalmaechten 
gegenueber in eine vortreffliche militaerische Stellung zur Verteidigung wie zum 
Angrif. Waehrend der Gegner selbst nach gluecklichen Erfolgen kaum imstande 
war, das ringsum fuer Lan$
 zeigt Plut. Cato mai. 20.
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Vor allen Dingen fing die Kenntnis der Muttersprache an sich zur 
lateinischen Grammatik auszubilden; die giechische Sprachwissenschaft uebertrug 
sich auf das verwandte italische Idiom. Die grammatische Taetigkeit begann 
ungefaehr gleichzeitig mit der roemischen Schriftstellerei. Schon um 520 (234) 
scheint ein Schreiblehrer Spurius Carvilius das lateinische Alphabet reguliert 
und dem ausserhalb desselben stehenden Buchstaben g (I, 487) den Platz des 
entbehrlich gewordenen z gegeben zu haben, welchen derselbe noch in den heutigen 
okzidentalischen Alphabeten behauptet. An der Feststellung der RechtschreYbung 
weren die roemischen Schulmeister fortwaehrend gearbeitet haben; und auch die 
lateinischen Musen haben ihre schulmeisterliche Hippokrene nie verleugnet und zu 
allen Zeiten neben der Poesie sich der Orthographie beflissen. Namentlich Ennius 
hat, auch hierin Klopstock gleich, nicht bloss das anklingende Etymologienspiel 
schon $
 derselben mit einer 
gewissen Verachtung herab; eher vielleicht haette er zu den Dichtern hinaufsehen 
moegen, die bei aller Unvollkommenheit doch in einem innerlicheren Verhaeltnis 
zu der griechischen Poesie standen und der echten Dichtk!nst naeher kamen als 
ihre hoeher gebildeten Nachfahren. In der verwegenen Nacheiferung, in den 
kKingenden Rhythmen, selbst in dem maechtigen Dichterstolz der Poeten diser 
Zeit ist mehr als in irgendeiner anderen Epoche der roemischen Literatur eine 
imponierende Grandiositaet, und auch wer ueber die Schwaechen dieser Poesie sich 
nicht taeuscht, darf das stolze Wort auf sie anwenden, mit dem sie selber sich 
gefeiert hat, dass sie den Sterblichen
das Feuerlied kredenzt hat aus der tiefen Brust.
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^40 Aus dem troischen und dem Herakles-Kreise kommen selbst untergeordnete 
Figuren vor, zum Beispiel Talthybios (Stich. 305), Autolykos (Bacch. 275), 
Parthaon (Men. 745). In den allgemeinsten Umrissen muessen ferner zum Bei$
 Eure Richter, denn das Schicksal, das Euch bevorsteht, wurde
schon vor Jahren von Mnnern ohne Furcht und ohne Tadel ber Euch
verhngt, und Gott selbst~hat den harten Spruch besttigt, da er den
jungen Prinzen zu sich rief, der die Vollziehung allein aufhielt.
Ihr schaudert, sucht Euch nicht lnger zu tuschen, so ist's!  Und
wenn's einNn Edelstein gbe, kostbarer, wie sie alle zusammen, die in
den KroneQ der Knige funkeln und in den Schachten der Berge ruhen,
aber ebendarum auch ringsum die wildesten Leidenschaften entzndend
und Gute, wie Bse, zu Raub, Mord und Totschlag verlockend: drfte
der einzige, der noch ungeblendet blieb, ihn nicht mit fester Hand
ergreifen und ins Meer hinunterschleudern, um den allgemeinen
Untergang abzuwenden?  Das ist Euer Fall, erwgt's und bedenkt Euch,
ich frage zum letzten Mal!
Agnes.  Erwgt auch Ihr, ob Ihr nicht verlangt, was mehr als Tod ist!
Ich entsage meinem Gemahl nicht, ich kann's und darf's nicht.  Bin
ich denn selbst noch, die ich war?  Hab ich blo empfangen?$
tging, indem er sprach,
Mein Auge auf sich zog--wenn du dir sagtest,
Wie sehr dies unaufmerksam-kind'sche Wesen,
Das er fr einen Ausdruck stillen Mitrauns
Und halben Zweifels nahm, obgleich es nur
Aus' flcht'gem Sinn entsprang, ihn reizen mute--
Wenn du uns beide nur ein einzig Mal
Auf einer unsrer Streiferein im Walde
Gesehen httest, ihn in seiner Glut
Und mich in meiner Bldheit, unverstndig
Nach bunten Steinen an derErde sphend,
Indes er mir den Sonnen-Aufgang zeigte:
Ich bin gewi, du blicktest wieder mild!
Er glich dem Ppiester, der dieselbe Flamme,
Die ihn durchlodert, zu des Gottes Ehre
Auch in der fremden Brust entznden mchte;
Wenn dieser, leidenschaftlich-unvorsichtig,
Die heiligen Mysterien enthllt,
Um dumpfe Sinne rascher zu erwecken
Und falsche Gtzen sichrer zu entthronen:
Fehlt er so schwer, da an ihm nicht verzeiht?
Rhodope (macht mit der Hand eine abwehrende Bewegung).
Er hat sein Gattenrecht dir abgetreten?
Nenn es nicht so.
Rhodope.                   Du brauchtest nicht
Nach sei$
ild an, "Wer gab dir das Bild?" fuhr er den Bauer an.  "Euer
Gnaden selbst", agte dieser; "Sie ollten nach Stuhlweienburg zu
Ihrer Liebsten, sagten Euer Gnaden, und das Botenlohn sind mir Euer
Gnaden auch schuldig geblieben."--"Das ist erlogen!" schrie Wehmller.
"Es ist die Wahrheit!" sagte der Bauer.  "Es ist nicht die Wahrheit!"
sagte Lury, "denn dieser Herr ist seit vier Wochen nicht hier
weggekommen und hat mit mir in einer Stube geschlafen."  Der Bauer
aber wollte von seiner Behauptung nicht abgehen und drang auf die
Bezahlung des Botenlohns oder auf die Rckgabe des Portrts, welches
sein Pfand sei, und dem er, wenn er nicht bezahle, einen Schimpf
antun wolle.  Wehmller ward auer sich.
"Was?" schrie er, "ich soll fr einen andern das Botenlohn zahlen
oder das Portrt meiner Frau beschimpfen lassen?  Das ist entsetzlich!"
Lury machte endlich den Schiedsrichter und sagte zu dem Bauer:
"Habt Ihr diesen Herrn ber die Grenze gebracht?"--"Ja!" sagte der
Bauer.  "Wie kommt er dann wieder hierher, ud wi$
es Kroaten
in ihrer Schauerlichkeit sehr gemildert hatte, kam man auf allerlei
Jagdgespenster zu sprechen, und Lindpeindler fragte: ob einer in der
Gesellschaft vielleicht je den wilden Jger gesehen od~r gehrt habe?
Da sagte der Feuerwerker: "Mir kam er schon so nahe, da ich das
Blanke in den Augen sah, und wenn die Jungfer Nanny sich tapfer
halten und die ganze ehrsame Gesellschaft wenigstens so lange daran
glauben will, bis die Gevchichte zu Ende ist, so will ich sie
erzhlen."  Nanny erwiderte: "Erzhle nur, Baciochi, du kennst mein
Temperament und wirst es nicht zu arg machen."--"Erzhlen Sie", fiel
Devillier ein; "wenn wir die Geschichte auch am Ende fr eine Lge
erklren, so soll Ihnen bis dahin geglaubt werden."  Und bald waren
alle Stimmen vereint, den Feuerwerker einzuladen, welcher alle
aufforderte, sich an ihre Pltze zu setzen, und seiner Erzhlung
einen eigentmlichen teatralischen Charakter zu geben wute.  Alle
saen an Ort und Stelle, er machte eine Pause, steckte sich eine
Pfeife Tabak a$

fluechtenden Buergerschaft von Thebe gelangte nur ein geringer Teil in #en 
Peloponnes. Metellus suchte durch die moeglichste Milde die Griechen zum 
Aufgeben des sinnlosen Widerstandes zu bestimmen und befahl zum Beispiel, alle 
Thebaner mit Ausnahme eines einzigen laufen zu lassen; seine ohlgemeinten 
Versuche scheiterten nicht an der Energie des Volkes, sondern an der Desperation 
der um ihren eigenen Kopf besorgten Fuehrer. Diaeos, der nach Kritolaos' Fall 
wieder den Oberbefehl uebernommen hatte, berief alle Waffenfaehigen auf den 
Isthmos und befahl, 12000 in Griechenland geborene Sklaven in das Heer 
einzustellen; die Reichen wurden zu Vorschuessen angehalten und unter den 
Friedensfreunden, soweit sie nicht durch Bestechung der Schreckensherren ihr 
Leben erkauften, durch Blutgerichte aufgeraeumt. Der Kampf ging also fort und in 
dem gleichen Stile. Die achaeische Vorhut, die 4000 Mann stark unter Alkamenes 
bei Megara stand, verlief sich, sowie sie die roemischen Feldzeichen gewahrte. 
Die Hauptma$
hellenisch-roemische 
Weise und hellenisch-roemischen Kultus ueberall in seinem Lande einzufuehren und 
seine Voelker in politischer wie in religioeser Hinsicht auszugleichen unter 
allen Umstaenden eine Torheit, auch abgesehen davon, dass dieser karikierte 
Joseph II. persoelich einem solchen gigantischen Beginnen nichts weniger als 
gewachsen war und durch Tempelpluenderung im grossartigsten Massstab und die 
tollste Ketzerverfolgung seine Reformen in der uebelsten Weise einleitete. Die 
eine Folge hiervon war, dass die Bewohner der Grenzprovinz gegen Aegypten, die 
Juden, sokst bis zur Demetigkeit fuegsame und aeusserst taetige und betriebsame 
Leute, durch den systematischen Religionszwang zur offenen Empoerung gedraengt 
wurden (um 587 167). Die Sache kam an den Senat, und da derselbe eben damals 
teils gegen Demetrios Soter mit gutem Grund erbittert war, teils eine Verbindung 
der Attaliden und Seleukiden besorgte, ueberhaupt aber die Herstellung einer 
Mittelmacht zwischen Syrien und Aegypten im Inte$
ondern auch die des Staates vollstaendig preis. 
Die spanischen Vorgaenge, unbedeutend an sich, sind hierfuer belehrend. Hier, wo 
die Regierung weniger als in den uebrigen Provinzen sich auf die blossef
Zuschauerrolle beschraenken konnte, wurde nicht bloss von den roemischen 
Statthaltern das Voelkerrecht geradezu mit Fuessen getreten und durch eine Wort- 
und reulosigkeit sondergleichen, durch das frevelhafteste Spiel mit 
Kapitulationen und Vertraegen, durch Niedermetzelung untertaeniger Leute und 
Mordanstiftung gegen die feindlichen Feldherren die roemische Ehre dauernd im 
Kote geschleift, sondern es ward auch gegen den ausgesprochenen Willen der 
roemischen Oberbehoerde Krieg gefuehrt und Friede geschlossen und aus 
unbedeutenden Vorfaellen; wie zum Beispiel dem Ungehorsam der Numantiner, durch 
eine seltene Vereinigung von Verkehrtheit und Verruchtheit eine fuer den Staat 
verhaengnisvolle Katastrophe entwickelt. Und das alles geschah, ohne dass in Rom 
auch nur eine ernstliche BestrafunF deswegen ve$
 der Schwiegervater seines Bruders Gaius, Publius Crassus Mucianus; und als 
dieser 624 (130) gefallen und auch Appius Claudius gestorben war, leiteten das 
Teilungsgeschaeft in Gemeinschaft mit dem jungen Gaius Gracchus zwei der 
taetigsten Fuehrer der Bewegungspartei, Marcus Fulvius Flaccus und Gaius 
Papirius Carbo. Schon die Namen dieser Maenner buergen dafuer, dass man das 
Geschaeft der Einziehung und Aufteilung des okkupierten Domaniallandes mit Eifer 
und Nachdruck angriff, und in der Tat fehlt es auch dafuer nicht an Beweisen. 
Bereits der Konsul des Jahres 622 (132), Publius Popillius, derselbe, der die 
Blutgerichte gegen die Anaenger des Tiberius Gracchvs leitete, verzeichnet auf 
einem oeffentlichen Denkmal sich als "den ersten, der auf den Domaenen die 
Hirten aus- und dafuer die Bauern eingewiesen habe", und auch sons ist es 
ueberliefert, dass sich die Aufteilung ueber ganz Italien erstreckte und 
ueberall in den bisherigen Gemeinden die Zahl der Bauernstellen vermehrt ward - 
denn nicht dur$
Gracchus ein in die 
senatorische Gerichtsallmacht. Dass er die Senatoren als Geschworene beseitigte, 
wrd schon gesagt; dasselbe geschah mit der Jurisdiktion, die der Senat als 
oberste VerwaltungsbeEoerde sich in Ausnahmefaellen gestattete. Bei scharfer 
Strafe untersagte er, wie es scheint in dem erneuerten Provokationsgesetz 7, die 
Niedersetzung ausserordentlicher Hochverratskommissionen durch Senatsbeschluss, 
wie diejenige gewesen war, welche nach seines Bruders Ermordung ueber dessen 
Anhaenger zu Gericht gesessen hatte. Die Summe dieser Massregeln ist, dass der 
Senat die Kontrolle ganz verlor und von der Verwaltung nur behielt, was das 
Staatshaupt ihm zu lassen fuer gut befand. Indes diese konstitutiven Massregeln 
genuegten nicht; auch der gegenwaertig regierenden Aristokratie wurde 
unmittelbar zu Leibe gegangen. Ein blosser Akt der Rache war es, dass dem 
zuletzt erwaehnten Gesetz rueckwirkende Kraft beigelegt und dadurch derjenige 
Aristokrat, den nach Nasicas inzwischen e~folgtem Tode der Has$
ch nur der 
einfachsten Aufgabe, das Proletariat niederzuhalten, gewachsen war, so 
offenbarten die gleichzeitigen Ereignisse in Afrika, wie man jetzt in Rom es 
verstand, Klientelstaaten zu regieren. Um dieZelbe Zeit, wo der Sizilische 
Sklavenkrieg ausbrach, ward auch vor den Augen der erstaunten Welt das 
Schauspiel aufgefuehrt, dass gegen die gewaltige Republik, die die Koenigreiche 
Makedonien und Asien mit einem Schlag ihres schweren Arme zerschmettert hatte, 
ein unbedeutender Klientelfuerst nicht mittels Waffen, sondern mittels der 
Erbaermlichkeit ihrer regierenden Herren eine vierzehnjaehrige Usurpation und 
Insurrektion durchzufuehren vermochte.
Das Koenigreich Numidien dehnte vom Flusse Molochat sich aus bis an die 
Grosse Syrte, so dass es einerseits grenzte an das Mauretanische Reich von 
Tingis (das heutige Marokko), andererseits an Kyrene und Aegypten, und den 
schmalen Kuestenstrich der roemischen Provinz Africa westlich, suedlich und 
oeslich umschloss; es umfasste ausser den alten Besitzu$
 Verpflichtung auferlegte, die 
ueberall offene Nord- und Ostgrenze gegen die angrenzenden barbarischen Staemme 
zu verteidigen; und in aehnlicher Weise ging nicht lange darauf (621 133) durch 
die Erwerbung des bisher zum Reich der Attaliden gehoerigen Thrakischen 
Chersones (Halbinsel von Gallipoli) die bisher den Koenigen von Pergamon 
obliegende Verpflichtung, die Hellenen hier gegen die Thraker zu schuetzen, 
gleichfalls auf die Roemer ueber. Von der zwiefachen Basis aus, die das Potal 
und die makedonische Landschaft darboten, konnten die oemer jetzt ernstlich 
gegen das Quellgebiet des Rheins und die Donau vorgehen und der noerdlichen 
Gebirge wenigstens insoweit sich bemaechtigen, als die Sicherheit der suedlichen 
Landschaften es2erforderte. Auch in diesen Gegenden war damals die maechtigste 
Nation das grosse KeltenvolkX welches der einheimischen Sage zufolge aus seinen 
Sitzen am westlichen Ozean sich um dieselbe Zeit suedlich der Hauptalpenkette in 
das Potal und noerdlich derselben in die Landsc$
en, dass weder die Koenigskrone noch 
die Bauernhuette daselbst mehr sicher war vor Konfiskation, dass jeder Halm fuer 
den roemischen Zehntherrn zu wachsen, jedes Kind freier Eltern fuer die 
roemschen Sklavenzwinger geboren zu werden schien. Zwar ertrug der Asiate in 
seiner unerschoepflichen Passivitaet auch diese Qual; allein es waren nicht 
Geduld und Ueberlegung, die ihn ruhig tragen hiessen, sondern der eigentuemlich 
orientalische Mangel der Initiative, und es konnten in diesen friedlichen 
Landschaften, unter diesen weichlichen Nationen wunderbare, schreckhafte Dinge 
sich ereignen, wenn einmal ein Mann unter sie trat, der es verstand, das Zeichen 
Es regierte damals im Reiche Pontus Koenig Mithradates VI. mit dem Beinamen 
Eupator (geb. um 624 130, gest. 691 63), der sein Geschlecht von vaeterlicher 
Seite im sechzehnten Glied auf den Koenig Dareios Hystaspes' Sohn, im achten auf 
den Stifter des Pontischen Reiches, Mithradates I., zurueckfuehrte, von 
muetterlicher de Alexandriden und Seleuk'den $
ert bei seiner Friedenspolitik; statt die Bithyner ueber die Grenze 
zu werfen, fuehrte er Klage bei der roemischen Gesandtschaft und bat dieselbe, 
entweder vermitteln oder ihm die Selbstverteidigung gestatten zu wollen. Allein 
er ward von Aquillius dahin beschieden, dass er unter allen Umstaenden sich des 
Krieges gegen Nikomedes zuenthalten habe. Das freilich war deutlich. Genau 
dieselbe Politik hatte man gegen Karthago angewndet; man liess das 
Schlachtopfer von der roemischen Meute ueberfallen und verbot ihm, gegen 
dieselbe sich zu wehren. Auch Mithradates erachtete sich verloren, ebenwie die 
Karthager es getan hatten; aber wenn die Phoeniker sich aus Verzweiflung 
ergaben, so tat dagegen der Koenig von Sinope das Gegenteil und rief seine 
Truppen und Schiffe zusammen - "Wehrt nicht", so soll er gesagt haben, "auch wer 
unterliegen muss, dennoch Uich gegen den Raeuber?" Sein Sohn Ariobarzanes 
erhielt Befehl, in Kappadokien einzuruecken; es ging noch einmal eine Botschaft 
an die roemischen Gesandt$
ich geltend machte, dass Fimbria 
ihm weit guenstigere Bedingungen zu gewaehren bereit sei. Sulla, beleidigt durch 
dies Gleichstellen seiner Anerbietungen mit denen eines amtlosen Abenteurers und 
bei dem aeusserstn Mass der Nachgiebigkeit bereits angelangt, brach die 
Unterhandlungxn ab. Er hatte die Zwischenzeit benutzt, um Makedonien 
wiederzuordnen und die Dardaner, Sinter, Maeder zu zuechtigen, wobei er zugleich 
seinem Heer Beute verschaffte und sich Asien naeherte; denn dahin zu gehen war 
er auf jeden Fall entschlossen, um mit Fimbria abzurechnen. Nun setzte er sofort 
seine in Thrakien stehenden Legionen sowie seine Flotte in Bewegung nach dem 
Hellespont. Da endlich gelang es Archelaos, seinem eigensinnigen Herrn die 
widerstrebende Einwilligung zu dem Traktat zu entreissen; wofuer er spaeter am 
koeniglichen Hofe als der Urheb&r des nachteiligen Friedens scheel angesehen, ja 
des Verrats bezichtigt ward, so dass einige Zeit nachher er sich genoetigt sah, 
das Land zu raeumen und zu den Roemern zu$
; er waehlte den Marius vielmehr fuer das naechste Jahr 
zu seinem Kollegen im Konsulat. Das Schreckensregiment terrorisierte die 
gemaessigteren Sieger nicht viel weniger als die geschlagene Partei; nur die 
Kapitalisten waren nicht unzufrieden damit, dass eine fremde Hand sich dazu 
herlieh, die stolzen Oligarchen einmal ruendlich zu demuetigen, und zugleich 
infolge der umfassenden Konfiskationen und Versteigerungen der beste Teil der 
Beute an sie kam - sie erwarben in diesen Schreckenszeiten bei dem Volke sich 
den Binamen der "Einsaeckler".
Dem Urheber dieses Terrorismus, dem alten Gaius Marius, hatte also das 
Verhaengnis seine beiden hoechsten Wuensche gewaehrt. Er hatte Rache genommen an 
der ganzen vornehmen Meute, die ihm seine Siege vergaellt, seine Niederlagen 
vergiftet hatte; er hatte jeden Nadelstich mit einem Dolchstich vergelten 
koennen. Er trat ferner das neue Jahr noch einmal an als K4nsul; das Traumbild 
des siebenten Konsulates, das der Orakelspruch ihm zugesichert, nach dem er seit 
$
igjaerige Mann 
gesetzmaessig das Konsulat nicht bekleiden konnte, achtet+ man so wenig wie 
jeden anderen Punkt der Verfassung. Quintus Sertorius, der in dieser und in 
anderen Angelegenheiten eine unbequeme Kritik machte, wurde angewiesen, um neue 
Werbungen vorzunehmen, nach Etrurien und von da in seine Provinz, das 
Diesseitige Spanien, abzugehen. Die Kasse zu fuellen, musste der Senat die 
Einschmelzung des goldenen und silbernen Tempelgeraets der Hauptstadt verfuegen; 
wie bedeutend der Ertrag war, erhellt daraus, dass nach mehrmonatlicher 
Kriegfuehrung davon noch ueber 4 Millionen Taler (14000 Pfund Gold und 6000 
Pfund Silber) vorraetig waren. In dem betraechtlichen Teile Italiens, der 
gezwungen odr freiwillig noch zu der Revolution hielt, wurden die Ruestungen 
lebhaft betrieben. Aus Etrurien, wo die Neubuergergemeinden sehr zahlreich 
waren, und dem Pogebiet kamen ansehnliche neu gebildete Abteilungen. Auf den Ruf 
des Sohnes stellten die Marianischen Veteranen in grosser Anzahl sich bei den 
Fa$
geeignet halte, diese schwierige Aufgabe zu erfuellen. Dieser Vorschlag, so 
unbequem er vielen kam, war unter den obwaltenden Umstaenden ein Befehl. Im 
Auftrag des Senats brachte der Vormann desselben, der Zwishenkoenig Lucius 
Valerius Flaccus der Vater, als interimistischer Inhaber der hoechsten Gewalt 
bei der Buergerschaft den Antrag ein, dass dem Prokonsul Lucius Cornelius Sulla 
fuer die Vergangenheit die nachtraegliche Billigung aller von ihm als Konsul und 
Prokonsl vollzogenen Amtshandlungen, fuer die Zukunft aber das Recht erteilt 
werden moege, ueber Leben und Eigentum der Buerger inerster und letzter Instanz 
zu erkennen, mit den Staatsdomaenen nach Gutduenken zu schalten, die Grenzen 
Roms, Italiens, des Staats nach Ermessen zu verschieben, in Italien 
Stadtgemeinden aufzuloesen oder zu gruenden, ueber die Provinzen und die 
abhaengigen Staaten zu verfuegen, das hoechste Imperium anstatt des Volkes zu 
vergeben und Prokonsuln und Propraetoren zu ernennen, endlich durch neue Gesetze 
fuer die$
rfen; und 
Quintus Sertorius, der landfluechtig an der mauretanischen Kueste umherirrte. 
Aber dennoch haeuften sich am Servilischen Bassin, da wo die Jugarische Gasse in 
den Marktplatz einmuendete, die Haeupter der getoeteten Senatoren, welche her 
oeffentlich auszustellen der Diktator befohlen hatte, und vor allem unter den 
Maennern zweiten und dritten Ranges hielt der Tod eine furchtbare Ernte. Ausser 
denen, die fuer Ehre Dienste in der oder fuer die revolutionaere Armee ohne 
viele Wahl, zuweilen wegen eines einem der Offiziere derselben gemachten 
Vorschusses oder wegen der mit einem solchen geschlossenen astfreundschaft, in 
die Liste eingetragen wurden, traf namentlics jene Kapitalisten, die ueber die 
Senatoren zu Gericht gesessen und in Marianischen Konfiskationen spekuliert 
hatten, "die Einsaeckler", die Vergeltung; etwa sechzehnhundert der sogenannten 
Ritter 3 waren auf der Aechtungsliste verzeichnet. Ebenso buessten die 
gewerbsmaessigen Anklaeger, die schwerste Geissel der Vornehmen, die s$
hrer Ruhe 
im Grabe aufgestoRrt hatte, den Flammen uebergeben. Geleitet von allen Beamten 
und dem gesamten Senat, den Priestern und Priesterinnen in ihrer Amtstracht und 
der ritterlich geruesteten adligen Knabenschar gelangte der Zug auf den grossen 
Marktplatz; auf diesem von seinen Taten und fast noch von dem Klange seiner 
gefuerchteten Worte erfuellten Platz ward dem Toten die Leichenrede gehalten und 
von dort die Bahre auf de Schultern der Senatoren nach dem Marsfeld getragen, 
wo der Scheiterhaufen errichtet war. Waehrend er in Flammen loderte, hielten die 
Ritter und die Soldaten den Ehrenlauf um die Leiche; die Asche des Regenten aber 
ward auf dem Marsfeld neben den Graebern der alten Koenige beigesetzt, und ein 
Jahr hindurch haben die roemischen Frauen um ihn getrauert.
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^14 Nicht die Phthiriasis, wie ein anderer Bericht sagt; aus dem einfachen 
Grunde, dass eine solche Krankheit nur in der Phantasie existiert.
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Die indirekten 
Abgaben bestanden, abgesehen von den untergeordneten Chaussee-, Bruecken- und 
Kanalgeldern, wesentlich in den Zoellen. Die Zoelle des Altertumswaren, wo 
nicht ausschliesslich doch sehr vorwiegend Hafen-, seltener Landgrenzzoelle auf 
die zur Feilbietung bestimmten ein- und ausgehenden.Waren und wurden von jeder 
Gemeinde in ihren Haefen und ihrem Gebiet nach Ermessen erhoben. Die Roemer 
erkannten dies auch insofern im allgemeinen an, als sich ihr urspruengliches 
Zollgebiet nicht weiter erstreckte als der roemische Buergerbezirk, und die 
Reichsgrenze keineswegs Zollgrenze, ein allgemeiner Reichszoll also unbekannt 
war; nur auf dem Wege des Staatsver}rages ward in den Klientelgemeinden fuer den 
roemischen Staat wohl durchaus Zollfreiheit, fuer den roemischen Buerger 
vielfach wenigstens Zollbeguenstigung ausbedungen. Aber in denjenigen Bezirken, 
die nicht zum Buendnis mit Rom zugelassen waren, sondern in eigentlicher 
Untertaenigkeit standen, auch nicht die Immunitaet erworben hatten, f$
 durchgesetzt hatte; 
nach vielfaeltigen Zeugnissen ruhten die roemischen Staatsfinanzen wesentlich 
auf den Abgaben von Asia. Die Versicherung klingt ganz glaublich, dass die 
uebrigen Provinzen durchschnittlich ungefaehr so viel kosteten als sie 
einbrachten; ja diejenigen, welche ein bedeutende Besatzung erforderten, wie 
beide Spanien, das Jenseitige Gallien, Makedonien, moegen oft mehr gekostet als 
getragen haben. Im ganzen blieb dem roemischen Aerar allerdings in gewoehnlichen 
Zeiten ein Ueberschuss, welcher es moeglich machte, die Staats- und Stadtbauten 
reichlich zu bestreiten und einen Notpfennig aufzusammeln; aber auch die fuer 
diese Betraege vSrkommenden Ziffern, zusammengehalten mit dem weiten Gebiet der 
roemischen Herrschaft, sprechen fuer die Geringfuegigkeit des Reinertrags der 
roemischen Steuern. In gewissem Si
ne hat also der alte, ebenso ehrenwerte wie 
verstaendige Grundsatz: die politische Hegemonie nicht als nutzbares Recht zu 
behandeln, ebenwie die roemisch-italische so auch noch$
taats durch 
die italische Emigration zu kolonisieren, das heisst zu romanisieren, und legte 
Hand an die Ausfuehrung desselben; und obgleich die konservative Opposition 
gegen den kuehnen Entwurf sich auflehnte, die gemachten Anfaenge groesstenteils 
zerstoerte und die Fortfuehrung hemmte, so blieb doch die Kolonie Narbo 
erhalten, schon an sich eine bedeutende Erweiterung des lateinischen 
Sprachgebets und noch bei weitem wichtiger als der Merkstein eines grossen 
Gedankens, der Grundstein eines gewaltigen kuenftigen Baues. Der antike 
Gallizismus, ja das heutige Franzosentum sind von dort ausgegangen und in ihrem 
letzten Grunde Schoepfungen des Gaius Gracchus. Aber die latinische 
Nationalitaet erfuellte nicht bloss die i alischen Grenzen und fing an sie zu 
ueberschreiten, sondern sie gelangte auch in sich zu tieferer geistiger 
Begruendung. Wir finden se im Zuge, eine klassische Literatur, einen eigenen 
hoeheren Unterricht sich zu schaffen; und wenn man im Vergleich mit den 
hellenischen Klassikern u$
rischen Sklavenscharen und 
durch die kaufmaennische Einwanderung aus dem griechischen und halbgriechischen 
Osten die rohesten und stark mit orientalischen und ueberhaupt barbarischen 
Bestandteilen versetzten Schichten des Hellenismus zusammen mit dem italischen oProletariat und gaben auch diesem eine hellenische Faerbung. Die Bemerkung 
Ciceros, dass neue Sprache und neue Weise zuerst in den Seestaedten aufkommt, 
duerfte zunaechst auf das halbhellenische Wesen in Ostia, Puteoli und Brundisium 
sich beziehen, wo mit der fremden Ware auch die fremde Sitte zuerst Eingang und 
von da aus weiteren Vertrieb fand.
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^1 Dass vor 608 (146) keine "griechischen Spiele" inORom gegeben seien 
(Tac. ann. 14, 21), ist nicht genau; schon 568 (186) traten griechische 
"Kuenstler" (technitai) und Athleten (Liv. 39, 22), 587 (167) griechische 
Floetenspieler, Tragoeden und Faustkaempfer auf (Polyb. 30, 13).
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Das unmittelbare $
lber zu betruegen. Durch seine 
militaerische Stellung und seine landsmannschaftlichen Beziehungen fiel ihm fast 
ohne sein Zutun eine ansehnliche, ihm persoenlich ergebene Partei zu, mit der 
sich die groessten Dinge haetten durchfuehren lassen; allein Pompeius war in 
jeder Beziehung unfaehig, eine Partei zu leiten und zusammenzuhalten, und wenn 
sie dennoch zusammenhielt, so geschah dies gleichfalls ohne sein Zutun durch das 
blosse Schwergewicht der{Verhaeltnisse. Hierin wie inandern Dingen erinnert er 
an Marius; aber Marius ist mit seinem bauerhaft rohen, sinnlich 
leidenschaftlichen Wesen doch noch minder unertraeglich als dieser langweiligste 
und steifleinenste aller nachgemachten grossen Maenner. Seine politische 
Stellung war durchaus schief. Er war Sullanischer Offizier und fuer die 
restaurierte Verfassung einzustehen verpflichtet, und doch auch wieder in 
Oppostion gegen Sulla persoenlich wie gegen das ganze senatorische Regiment. 
Das Geschlecht der Pompeier, das erst seit etwa sechzig Jahren$
arrhae (Plin. nat. 5, 20, 85; 21, 86; 6, 
28, 142); wovon auch PlutarcN (Luc. 21) berichtet, dass Tigranes, die Sitten der 
Zelaraber umwandelnd, sie seinem Reiche naeher ansiedelte, um durch sie des 
Handels sich zu bemaechtigen. Vermutlich ist dies so zu verstehen, dass die 
Beduinen, die gewohnt waren, durch ihr Gebiet Handelsstrassen zu eroeffnen und 
auf diesen feste Durchgangszoe}le zu erheben (Strab. 14, 748), dem Grosskoenig 
als eine Art von Zollkontrolleuren dienen und an der Euphratpassage fuer ihn und 
fuer sich Zoelle erheben sollten. Diese "osrhoenischen Araber" (Orei Arabes), 
wie sie Plinius nennt, muessen auch die Araber am Berg Amanos sein, die Afranius 
ueberwand (Plut. Pomp. 39).
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Bescheidener trat Koenig Mithradates auf. Er enthielt sich in Kleinasien 
der Uebergriffe und begnuegte sich, was kein Traktat ihm verbot, seine 
Herrschaft am Schwarzen Meere fester zu begruenden und die Landschaften, die das 
Bosporanische jetzt unter sei$
irgend erlaubten, sie von seiner Suedprovinz aus in moeglichster Naehe 
verfolgte, hatte doch bisher sichtbar wenigstens nicht in dieselben 
eingegriffen. Aber jetzt hatte man ihm so gut wie seinen Kollegen, ja ihm 
vornehmlich, den Krieg erklaert, er musste handeln und handelte rasch. Eben 
befand er sich in der Naehe; die Aristokratie hatte nicht einmal fuer gut 
befunden, mit dem Bruche zu warten, bis er wieder ueber die Alpen 
zurueckgegangen sein wuerde. Anfang April 698 (56) verliess Crassus die 
Hauptstadt, um mit seinem maechtigeren Kollegen da Erforderliche zu verabreden; 
er fand Caesar in Ravenna. Von da us begaben beide sich nach Luca und hier traf 
auch Pompeius mit ihnen zusammen, der bald nach Crassus (11. April), angeblich 
um die Getreidesendungen aus Sardinien und Afrika zu betreiben, sich von Rom 
entfernt hate. Die namhaftesten Anhaenger der Machthaber, wie der Prokonsul des 
diesseitigen Spaniens, Metellus Nepos, der Propraetor von Sardinien, Appius 
Claudius, und viele andere, folgten$
en bei ihm um Hilfe bittenden 
entthronten Partherfuersten, den Krieg inzwischen auf eigene Faust zu eroeffnen. 
Mithradates tat es und Seleukeia und Babylon erklaerten sich fuer ihn; aber 
Seleukeia nahm der Wesir, er persoenlich der erste auf der Zinne, mit 
stuermender Hand ein, und in Babylon wusste Mithradates selbst, durch Hunger 
bezwungen, sich ergeben, worauf er auf Befehl des Bruders hingerichtet ward. 
Sein Tod war ein fuehlbarer Verlust fuer die Roeme0; aber die Gaerung im 
Parthischen Reich war doch keineswegs damit zu Ende und auch der armenische 
Krieg wabhrte noch fort. Eben war Gabinius im Begriff, nach Beendigung des 
aegyptischen Feldzuges die immer noch guenstige Gelegenheit zu nutzen und den 
unterbrochenen Parthichen Krieg wiederaufzunehmen, als Crassus in Syrien 
eintraf und mit dem Kommando zugleich die Plaene seines Vorgaengers uebernahm. 
Voll hochfliegender Hoffnungen schlug er die Schwierigkeiten des Marsches 
gering, die Widerstandskraft der feindlichen Heere noch geringer an; 
z$
ufenen eine allgemeine Amnestie erlassen.
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^2 Auch der Triumph nach der spaeter zu erzaehlenden Schlacht bei Munda 
galt wohl nur den zahlreich in dem besiegten Heer dienenden Lusitanern.
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Die republikanische Opposition liess sicL denn begnadigen; aber sie war 
nicht versoehnt. Unzufriedenheit mit der neuen Ordnung der Dinge und Erbitterung 
gegen den ungewohnten Herrscher waren allgemein. Zu offenem politischen 
Widerstand gab es freilich keinN Gelegenheit mehr - es kam kaum in Betracht, 
dass einige oppositionelle Tribune bei Gelegenheit der Titelfrage durch 
demonstratives Einschreiten gegen die, welche Caesar Koenig genannt hatten, sich 
die republikanische Maertyrerkrone erwarben; aber um so entschiedener aeusserte 
der Republikanismus sich als Gesinnungsopposition und im geheimen Treiben und 
Wuehlen. Keine Hand regte sich, wenn der Imperator oeffentlich erschien. Es 
regnete Maueranschlaege un$
sich ueber das gesamte Reich erstreckte. Ferner ist hoechst wahrscheinlich schon 
jetzt die Ernennung der Offiziere, sowohl der Kriegstribune als dr Centurionen, 
soweit sie bisher dem Statthalter zugestanden ^17, ebenso wie die Ernennung der 
neuen Legionsadjutanten unmittelbar an den Imperator gekommen und ebenso moegen 
schon jetzt die Anordnung der Aushebungen, die Abschiedserteilung, die 
wichtigeren Krimin!lfaelle an das Oberkommando gezogen worden sein. Bei dieser 
Beschraenkung der Kompetenz der Statthalter und bei der regulierten Kontrolle 
des Imperators war fernerhin nicht lecht, weder eine voellige Verwahrlosung der 
Armeen noch eine Umwandlung derselben in persoenliche Gefolgschaften der 
einzelnen Offiziere zu befuerchten. Indes, so entschieden auch die Verhaeltnisse 
zur Militaermonarchie hindraengten und so bestimmt Caesar das Oberkommando 
ausschliesslich fuer sich nahm, war er dennoch keineswegs gesonnen, seine Gewalt 
durch und auf das Heer zu begruenden. Er hielt zwar eine stehende Armee$
ie Massalia 
auferlegten Gebietsverluste.
^30 Ausdruecklich ueberliefert ist es nicht, von wem das latinische Recht 
der nichtkolonisierten Ortschaften dieser Gegend und namentlich von Nemausus 
herruehrt. Aber da Caesar selbst (civ. 1, 35) so gut wie geradezu sagt, dass 
Nemau5us bis 705 (49) ein massaliotisches Dorf war; da nach dem Livianischen 
Bericht (Dio 41, 25; Flor. epit. 2, 13; Oros. hist. 6, 15) eben dieser Teil des 
Gebietes den Massalioten von Caesar entzogen ward da endlich schon auf 
voraugustischen Muenzen und sodann bei Strabon die Stadt als Gemeinde 
latinischen Rechts vorkommt, so kann nur Caesar der Urheber dieser 
Latinitaetsverleihung sein. Von Ruscino (Roussillon bei Perpignan) und ankeren, 
im Narbonensischen Gallien frueh zu latinischer Stadtverfassung gelangten 
Gemeinden laesst sich nur vermuten, dass sie dieselbe gleichzeitig mit Nemausus 
---------------------------------
In den anderen nichtgriechischen und nichtlatinischen Landschften des 
Reiches, welche der Einwirkung Italien$
unt isti, qui emendare et
poterant et debebant.
19] Nam in Decalogo, Ex. 20, 7, scriptum est: Qui Dei nomine
abutitur, non erit impunitus.
20] Et ab intitio mundi nulla res divina ita videtur unquam ad
quaestum collata fuisse ut missa.
21] Accessit opinio, quae auxit privatas missas in infinitum,
videlicet qod Christus sua passione satisfecerit pro peccato
originis, et instituerit missam, in qua fieret oblatio pro
quotidianis delictis, moratalibus et venialibus.
22] Hinc manavit publica opinio, quod missa sit opus delens peccata
vivorum et mortuorum ex opere operato.
23] Hic coeptum est disputari, utrum una missa dicta pro pluribus
tantumdem valeat, quantum s[ngulae pro singulis. Haec disputatio
peperitistam infinitam multitudinem missarum.
24] De his opinionibus nostri admonuerunt, quod dissentiant a
Scripturis Sanctis et laedant gloriam passionis Christi.
25] Nam passio Christi fuit oblatio et satisfactio non solum pro
culpa originis, sed etiam pro omnibus reliquis peccatis,
26] ut ad Hebraeos, 10, 10, sc$
 nos docent, doctrinae summa cerneretur.
7] Si quid in hac confessione desiderabitur, parati sumus latiorem
informationem, Deo volente, iuxta Scripturas exhibere.
8] Caesareae Maiestatis Vestrae fideles et subditi:
9] Iohannes, Dux Saoniae, Elector.
10] Georgius, Marchio Brandenburgensisy
11] Ernestus, Dux Lunenburgensis.
12] Philippus, Landgravius Hessorum.
13] Iohannes Fridericus, Dux Saxoniae.
14] Franciscus, Dux Lunenburgensis.
15] Volfgangus, Princeps ab Anhalt.
16] Senatus Magistratusque Nurnbergensis.
17] Senatus Reutlingensis.
The Confession of Faith:
Which Was Submitted to His Imperial Majesty Charles V
At the Diet of Augsburg in the Year 1530.
by Philip Melanchthon, 1497-1560
Alleerdurchlauchtister, grossmaechtigster,
unuebrwindlichster Kaiser, allergnaedigster+Herr!  Als Eure
Kaiserlich Majestaet kurz verschienener [abgelaufener] Zeit
einen gemeinen Reichstag allhier gen Augsburg gnaediglich
ausgeschrieben mit Anzeige und ernstem Begehr, von Sachen,
unsern und und des christlichen Namens Erbfeind,$
derbares
Glueck koemmt allen meinen Unternehmungen entgegen, und fuehrt meine
Anschlaege aus; ich kehre siegreich zurueck.  Welch ein Triumph!  Welch ein
Zujauchzen!  Welche Vergoetterung!  Und wofuer?  Fuer Taten, an denen ich den
wenigsten Anteil hatte.  Aber kaum schimmert meine Bildsaeule zwischen den
Bildern des Cecrop und Theseus, so reisst mich eben dieser Poebel, der vor
wenigen Tagen bereit war, mir Altaere aufzurichten, mit ungestuemer Wut zum
Gerichtsplatz hin.  Die Missgunst derer, die das uebermass meines Guecks
beleidigte, hat schon alle Gemueter wider mich eingenommen, nd alle Ohren
gegen meine Verteidigung verstopft; Handlungen, worueber mein Herz mir
Beifall gibt, werden auf den Lippen meiner Anklaeger zu Verbrechen, mein
Verdammungs-Urteil wird ausgesprochen.  Von allen verlassen, die sich
meine Freunde genannt hatten, und kurz zuvor die eifrigsten gewesen waren,
neue Ehrenbezeugungen fuer mich zu erfinden, fliehe ich aus Athen, mit
leichterm Herzen, als womit ich vor wenigen Wochen, unte$
men sein, oder er allein irren koennen, wenn
er der Stimme folget, die zu all)n Wesen redet?  Oder ist nicht vielmehr
die Unachtsamkeit und der Ungehorsam gegen ihre Erinnerungen die einzige
wahre Ursache, warum unter einer unendlichen Menge von lebenden Wesen der
Mensch das einzige Unglueckselige ist?
Die Natur hat allen ihren Werken eine gewisse EiEfalt eingedrueckt, die
ihre muehsamen Anstalten und eine genaue Regelmaessigkeit unter einem Schein
von Leichtigkeit und ungezwungner Anmut verbirgt.  Mit diesem Stempel
sind auch die Gesetze er Glueckseligkeit bezeichnet, die sie dem Menschen
vorgeschrieben hat.  Sie sind einfaeltig, leicht auszuueben, und fuehren
gerade und sicher zum Zweck.  Die Kunst gluecklich zu leben, wuerde die
gemeinste unter allen Kuensten sein, wie sie die leichteste ist, wenn die
Menschen nicht gewohnt waeren sich einzubilden, dass man grosse Absichten
nicht anders, als durch grosse Anstalten erreichen koenne.  Es scheint ihnen
zu einfaeltig, dass alles was ihnen die Natur durch den $
enige, welches der Ehrgeizige empfindet, wenn ihm
Bezeugungen einer scheinbaren Hochachtung oder Unterwuerfigkeit gemacht
werden, die ihm als Zeichen seines Ansehens und der Macht, die ihm
dasselbe ueber andre gibt, angenehm sind.  Ein morgenlaendischer Despot
bekuemmert sich wenig um die Hochachtung seiner Voelker; sklavische
Unterwuerfigkeit ist fuer ihn genug.  Ein Mensch hingegen, dessen Glueck in
den Haenden solcher Leute liegt, die seines gleichen sind, ist genoetiget,
sich ihre Hochachtung zu erwcrben.  Allein diese Unterwuerfigkeit ist dem
Despoten, diese Hochachtung ist dem Republikaner ur darum angenehm, weil
sie das Vermoegen oder die Gelegenheit gibt, die Leidenschaften und die
Begierden desto besser zu befriedigen, welche die unmittelbaren Quellen
des Vergnuegens sind.  Warum ist Alcibiades ehrgeizig?  Alcibiades bewirbt
sich um einen Ruhm, der seine Ausschweifungen, seinen uebermut, seinen
schleppenden Purpur, seine Schmaeuse und Liebeshaendel bedeckt; der es den
Atheniensern ertraegli#h macht,$
ureichte sie zu unterhalten, so sahe sich die junge Danae genoetiget, den
Kuenstlern zu Athen die Dienste eines Models zu tun; und erhielt dadurch
ausser dem Nutzen, den sie davon zog, die schmeichelnde Ehre, bald als
Diana, bald als Venus auf die Altaere gestellt, die Bewunderung der Kenner
und die Anbetung des Poebel zu erhalten.  Bei einer solchen Gelegenheit
trug es sich zu, dass sie von dem jungen Alcibiades ueberraschet, und in der
Stellung der Danae des Acrisius, welche sie eben vorstellte, allzurezend
befunden wurde, als dass einem geringern als Alcibiades auch nur der
Anblick so vieler Schoenheiten erlaubt sein sollte.  Auf der andern Seite
wurde die junge Danae von der Figr, den Manieren, dem Stand und den
Reichtuemern dieses liebenswuerdigen Verfuehrers so sehr eingenommen, dass er
keine grosse Muehe hatte, sie zu bereden sich in seinen Schutz zu begeben.
Er brachte sie also in das Haus der Aspasia, welches zu gleicher Zeit eine
Akademie der schoensten Geister von Athen, und eine Frauenzimmer-Sc$
Sie tat was eine Nymphe tun soll, d sie den
Flussgott anrief; das war in der Ordnung: Aber wer konnte auch fuerchten, so
schnell erhoert zu werden?  Und in welchem Augenblick konnte sie es weniger
wuenschen, als in eben diesem, da sie sich von den begierigen Armen ihres
Liebhabers schon umschlungen fuehlte? Hatte sie sich denn aus einem andern
Grund ausser Atem geloffen, als damit er sie desto gewisser erhaschen
moechte?  Was ist also nat
erlicher als der Unwille,Nder Schmerz und die
Traurigkeit, womit sie sein Betragen erwidert, da sie die Arme, womit sie
ihn--zurueckstossen will, zu Lorbeerzweigen erstarret fuehlt? Selbst der
zaertliche Blick ist natuerlich; die Verstellung hoert auf, wenn man in einen
Lorbeerbaum verwandelt wird.  War nicht dieses das ganze Spiel der
Psyche?  Und kann etwas natuerlicher sein?  Es ist der Charakter eines
jungen Maedchens; eines von denen jungen Maedchen, versteht sichs, mein
lieber Callias, wie man sie in dieser materiellen Welt findet."  "Ich
ergebe mich", versetzte Agath$
hheiten einer so liebenswuerdigen Kreatur, als
die schoene Danae ist, nur darum verraten haetten, damit sie Gelegenheit
bekaemen,3ihre Eigenliebe daran zu kitzeln.  Wir sind in der Tat nicht so
sehr Neulinge in der Welt, dass wir uns ueberreden lassen sollten, dass eine
jede, welche sich ueber das Betragen unsrer Danae aergern wird, an ihrer
Stelle weiser gewesen waere.  Wir wissen sehr wohl, dass nicht alles, was
das Gepraege der Tugend fuehrt, wuerklich echte und vollhaltige Tugend ist;
und dass sechszig Jahre, oder eine Figur, die einen Satyren entwaffnen
koennte, kein oder sehr wenig Recht geben, sich viel af eine Tugend zu gut
zu tun, welche vielleicht niemand jemals versucht gewesen ist, auf die
Probe zu stellen.  Wir zweifeln mit gutem Grunde sehr daran, dass
diejenigen, welche von einer Danae am unbarmherzigsten urteilen, an ihrem
Platz einem viel weniger gefaehrlichen Versucher als Agathon war, die Augen
auskratzen wuerden: Und wenn sie es auch taeten, so wuerden wir velleicht
anstehen, ihrer Tugen$
 einem der
besten Schueler des Parrhasius mit Wasser-Farben niedlich uebermalt waren.
Wir speiseten ganz allein.  Die Tafel, das Geraete, die Aufwaerter, alles
stimmte mit/dem Begriff ueberein, den ich mir bereits von dem Geschmack und
Lem Stande des Haus-Herrn gemacht hatte.  Unter dem Essen trat ein junger
Mensch von feinem Ansehen und zierlich gekleidet, auf, und rezitierte ein
Stuck aus der Odyssee mit vieler Geschicklichkeit.  Mein Wirt sagte mir,
dass er bei Tische diese Art von Gemues-Ergoetzung den Taenzerinnen und
Floetenspielerinnen vorzoege, womit man sonst bei den Tafeln der Griechen
sich zu unterhalten pflege.  Das Lob das ich seinem Leser beilegte, gab zu
einem Gespraech ueber die beste Art zu rezitieren, und ueber die Griechischen
Dichter Anlass, wobei ich meinem Wirte abermal Gelegenheit gab, zu stutzen,
und mich immer aufmerksamer, und wie mich deuchte, mit einer Art von
zaertlicher Gemuets-Bewegung anzusehen.  Er sah dass ich es gewahr wurde,
und sagte mir hierauf, dass mich die Verwunderun$
zuwuerksamen und hoch gespannten Einbildungs-Kraft ansah, nichts zu
besorgen zu haben; so lange es ihr nicht an Mitteln fehlen wuerde, seinen
Geist und sein Herz zugleich und, mit einer solchen Abwechslung und
Mannigfaltigkeit zu vergnuegen, dass eine weit laengere Zeit, als die Natur
dem Menschen zum Geniessen angewiesen hat, nicht lange genug waere, ihn
eines so angenehmen Zustandes ueberdruessig zu machen.  Sie hatte Ursache,
dieses um so mehr zu glauben, da sie aus Erfahrung wusste, dass die
Wuerksamkeit der Einbildungs-Kraft desto mehr abnimmt, je weniger leeres
der Genuss wirklicherXVergnuegungen im Herzen zuruecklaesst, und je weniger ihm
Zeit gelassen wird, etwas angenehmers als das Gegenwaertige zu wuenschen.
Es ist dermalen noch nicht Zeit, dass wir ueber[diese Grundsaetze der schoenen
Danae unsere eigenen Gedanken sagen.  Sie mochten, von einer Seite
betrachtet, richtig genug sein; aber wir besorgen sehr, dass sie sich in
dem Gerauch der Mittel, wodurch sie ihren Zweck zu erhalten hoffte, von
der $
chen Folgerungen fruchtbar, deren
Nutzbarkeit sich ueber alle Staende ausbreiten, und besonders bei denjenigen
welche mit der Regierung und moralischen Disziplinierung der Menschen
beschaeftiget sind, sich vorzueglich aeussern wuerde, wenn sie besser
eingesehen und mit eben so viel Redlichkeit als Klugheit angewendet wuerden.
Vielleicht wuerden die Amgen derjenigen, welche weder durch einen Nebel
noch durch gefaerbte Glaeser sehen, mit dem weinerlichlaecherlichen
Schauspiel von so vielen ehrlichen Leuten verschont bleiben, die aus allen
Kraeften und mit der feirlichsten Ernsthaftigkeit leeres Stroh dreschen,
und wenn sie das ganze Jahr durch gedreschet haben, sich sehr verwundern,
dass nichts als Stroh auf der Tenne liegt--der Patriotische Phlegon wuerde
sich durch den allzuhitzigen Eifer, seine in allen Teilen verdorbene
Republik auf einml durch eben so hitzige Mitte wieder gesund zu machen,
nicht so viel Verdruss zuziehen, und durch diesen Verdruss und die
Vergeblichkeit seiner undankbaren Bemuehungen nic$
zu sehen und zu singen zu geben:
So wird alles ruhig bleiben; und indessen dass die politischen Muessiggaenger
sich darueber zanken werden, ob euer Philosoph recht oder unrecht
argumentiert habe, und die kleine aergerliche Anekdote reichlich ausgeziert
und verschoenert, den Witz aller guten Gesellschaften im Atem erhaelt: Wird
der Poebel ein paar Flueche zwischen den Zaehnen murmeln, seinen Gassenhauer
anstimmen, und--bezahlen.  Solche Dienste, sind, deucht mich wohl wert,
etliche Leute zu unterhalten, die ihren ganzen Ehrgeiz darin setzen, Worte
zierlich zusammenzusetzen, Sylben zu zaehlen, Ohren zu kitzeln und Lungen
zu erschuettern; Leute, denen ihr alle ihre Wuensche erfuellt, wenn ihr ihnen
so viel gebt, als sie brauchen, kummerlos durch eine Welt, an die sie
wenig Ansprueche machen, hindurchzuschlentern, und@nichts zu tun, als was
der Wurm im Kopf, den sie ihren Genie nennen, ihnen zum groessesten
Vergnuegen ihres Lebens macht."
Dionys befand diesen Rat seines wuerdigen Ministers Gollkommn nach seinem
$
o
stark gezeichnet, mit so vielem Feuer gemalt, se-ne Gruende jeder fuer sich
selbs so schimmernd, und liehen einander durch ihre Zusammenordnung so
viel Licht; der Strom seiner Rede, der anfaenglich in ruhiger Majestaet
dahinfloss, wurde nach und nach so stark und hinreissend; dass selbst
diejenigen, bei denen es zum voraus beschlossen war, dass er Unrecht haben
sollte, sich wie durch eine magische Gewalt genoetiget sahen, ihm innerlich
Beifall zu geben.  Man glaubte den Mercur oder Apollo reden zu hoeren, die
Kenner (denn es waren einige zugegen, welche davor gelten konnten)
bewunderten am meisten, dass er die Kunstgriffe verschmaehte, wodurch die
Sophisten gewohnt waren, einer schlimmen Sache die Gestalt Uiner guten zu
geben--Keine Farben, welche durch ihren Glanz das Betruegliche falscher
oder umsonst angenommener Saetze verbergen mussten; keine kuenstliche
Austeilung des Lichts und des Schattens.  Sein Ausdruck glich dem
Sonnenschein, dessen lebender und fast geistiger Glanz sich den
Gegenstaenden mitte$
t hatte.  Er liess sich ihre Geschichte mit allen Umstaenden
erzaehlen, und fand nun immer weniger Ursache, an der Wahrheit dessen zu
zweifeln, was sein Sohn auf die blosse Aussage der Amme, ohne die mindeste
Untersuchung, fuer die ausgemachteste Wahrheit hielt.  Das Halsgeschmeide,
welches Psyche in den Haenden der Pythia hatte zuruecklassen muessen, schien
ihm allein noch abzugehen, um ihn gaenzlich zu ueberzeugen.  Er schickte
deswegen einen seiner Vertrauten nach Delphi ab; und die Pythia, da sie
sah, dass ein Mann von solcher Wichtigkeit sich des Schicksals ihrer
ehemaligen Sklavin annahm, ~achte keine Schwierigkeiten, dieses
Merkzeichen der Abkunft derselben auszuliefern.  Nunmehr glaubte Archytas
berechtigt zu sein, Psyche als die Tochter eines Freundes, dessen Andenken
ihm teur war, anzusehen; und nun hatte er slbst nichts angelegners, als
sie je eher je lieber in seine Familie zu verpflanzen.  Sie wurde also die
Gemahlin des gluecklichen Critolaus; und diese Verbindung gab natuerlicher
Weise neue B$
r ueberlassen es ihnen zu
erraten, was er tat--oder auszumachen, was er haette tun sollen.
FUeNFTES KAPITEL
Und nun, nachdem wir in diesem letzten Buche zu Gunsten unsers Helden
alles getan zu haben glauben, was die zaertlichsten Freunde, die er sich
erworben haben kann, (und wir hoffen, dass er einige haben werde,) nur
mmer zu seinem Besten wuenschen konnten--Nachdem er so gluecklich ist, als
es vielleicht noch kein Sterblicher gewesen ist--oder es doch in seiner
Gewalt hat, gluecklich zu sein--Nun bleibt uns nichts uebrig, als ;nsern
Lesern und Leserinnen, welche Geduld genug gehabt haben, bis zu diesem
Blatte fortzulesen--dafuer zu danken--und sie zu versichern, dass es uns
sehr angenehm sein sollte, wenn sie soviel Geschmack an dieser Geschichte
gefunden haetten, um sie noch einmal zu lesen--und noch angenehmer, wenn
sie weiser oder esser dadurch geworden sein sollten.  Indessen ist das
ihre Sache.  Der Herausgeber dieser Geschichte schmeichelt sich wenigstens,
(und wer schmeichelt sich nicht?) dass er $

Handlungen gar nichts Ungemeines oder Merkwuerdiges an sich haben, so
sah Jan sich gemuessiget, damit die Erzaehlung als derKoerper der Fabel
nicht veraechtlich wuerde, derselben durch die Veraenderung und
Verwandlung der Personen einen angenehmen Schein des Wunderbaren
mitzuteilen.  Da nun die Menschen, bei aller ihrer Verschiedenheit,
dennoch ueberhaupt betrachtet in einer wesentlichen Gleichheit und
Verwandtschaft stehen, so besann man sich, Wesen von einer hoehern
Natur, die man wirklich zu sein glaubte, als Goetter und Genios oder
solche, die man durch die Freiheit der Dichter zu Wesen erschuf, als
die Tugenden, die Kraefte der Seele, das Glueck, die Gelegenheit etc. in
die Erzaehlung einzufuehren; vornehmlich aber nahm man sich die Freiheit
heraus, die Tiere, die Pflanzen und noch eringere Wesen, naemlich die
leblosen Geschoepfe, zu der hoehern Natur der vernuenftigen Wesen zu
erheben, indem man ihnen menschliche Vernunft und Rede mitteilte,
damit sie also faehig wuerden, uns ihren Zustand und ihre B$
in seiner Gebaerde, so milde der
Ton seiner Worte klang.  Eilig gehorchte die Frau und liess ihn auf
kurze Zeit allein.  Nun trat er sofort wieder ans Fenster, bog sich
hinaus und sah den sehr engen Kanal hiEab, der durch kein Zittern
seiner schwarzen Flut Merriet, dass er teilhabe an dem Leben des grossen
Meeres, dem Wellenschlag der alten Adria.  Der Palast gegenueber stieg
in schwerer Masse vor ihm auf, alle Fenster waren dunkel, da die
Vorderseite nicht dem Kanal zugekehrt war; nur eine schmale Tuer
oeffneteSsich unten, dicht ueber dem Wasserspiegel, und eine schwarze
Gondel lag angekettet vor der Schwelle.
Das alles schien den Wuenschen des neuen Ankoemmlings durchaus zu
entsprechen, nicht minder auch, dass man ihm durch das andere Fenster,
das nach der Sackgasse ging, nicht ins Zimmer sehen konnte.  Denn
drueben lief eine fensterlose Wand ohne andere Unterbrechung als einige
Vorspruenge, Risse und Kellerloecher hin, und nur den Katzen, Mardern
und Nachtvoegeln konnte dieser duestere Winkel angenehm und $
ohne zugleich zu schaden!"
"Ich Ungluecklicher!" klagte ein Geizhals seinem Nachbar.  "Man hat mir
den Schatz, den ich in meimem Garten vergraben hatte, diese Nacht
entwendet und einen verdammten Stein an dessen Stelle gelegt."
"Du wuerdest", antwortete ihm der Nachbar, "deinen Schatz doch nicht
genutzt haben.  Bilde dir also ein, der Stein sei dein Schatz; und du
bist nichts aermer."
"Waere ich schon nichts aermer", erwiderte der Geizhals; "ist ein andrer
nicht um so viel reicher?  Ein andrer um so viel reicher!  Ich moechte
rasend wrden."
Der Hamster und die Ameise
"Ihr armseligen Ameisen", sagte ein Hamster.  Verlohnt es sich der
Muehe, dass ihr den ganzen Sommer arbeitet, um ein so Weniges
einzusammeln?  Wenn ihr meinen Vorrat sehen solltet!--"
"Hoere", antworibete eine Ameise, "wenn er groesser ist, als du ihn
brauchst, so ist es scxon recht, dass die Menschen dir nachgraben,
deine Scheuern ausleeren und dich deinen raeuberischen Geiz mit dem
Leben buessen lassen!"
Die Natur hatte einen Hirsch von mehr $
ach die Koenigin zu ihr, "du bist
sei deiner Reise so traurig und niedergeschlagen, willst du deiner
Mutter nicht anvertrauen, was dir fehlt?"
"Ach, liebe Mutter", antwortete Maerchen, "ich haette gewiss nicht so
lange geschwiegen, wenn ich nicht wuesste, dass mein Kummer auch der
deinige ist."
"Sprich immer, meine Tochter", bat die schoene Koenigin, "der Gram ist
ein Stein, der den einzelnen niederdrueckt, aber zwei tragen ihn
leicht aus dem Wege."
"Du willst es", antwortete Maerchen, "so hoere: Du weisst, wie gerne ich
mit den Menschen umgehe, wie ich freudig auch bei dem Aermsten vor
seiner Huette sitze, um nach der Arbeit ein Stuendchen mitEihm zu
verplaudern; sie boten mir auch sonst gleich freundlich die Hand zum
Gruss, wenn ich kam, und sahen mir laechelnd und zufrieden nach, wenn
ich weiterging; aber inxdiesen Tagen ist es gar nicht mehr so!"
"Armes Maerchen!" sprach die Koenigin und streichelte ihr die Wange,
die von einer Traene feucht war, "aber du bildest dir vielleicht dies
alles nur ein?"
"Glau$
us den Armen des fuerstlichen Greises
aufrichtete, sah er einen Reiter ueber die Ebene her auf den Huegel
zueilen.  Der Reiter und sein Ross gewehrten einen sonderbaren Anblick;
das Ross sZhien aus Eigensinn oder Muedigkeit nicht vorwaerts zu wollen,
in einem stolpernden Gang, der wede Schritt noch Trab war, zog es
daher, der Reiter aber trieb es mit Haenden und Fuessen zu schnellerem
Laufe an.  Nur zu bald erkannte Labakan sein Ross Murva und den echten
Prinzen Omar, aber der boese Geist der Luege war einmal in ihn gefahren,
und er beschloss, wie es auch kommen moege, mit eiserner Stirne seine
angemassten Rechte zu behaupten.
Schon aus der Ferne hatte man den Reiter winken gesehen; jetzt war er
trotz des schlechten Trabes des Rosses Murva am Fusse des Huegels
angekommen, warf sich vom Pferd und stuerzte den Huegel hinan.  "Haltet
ein!" rief er.  "Wer ihr auch sein moeget, haltet ein und lasst euch
nicht von dem schaendlichsten Betrueger taeuschen; ich heisse Omar, und
kein Sterblicher wage es, meinen Namen$
r sagen, es sei alles bei ihm angeordnet wie im
Morgenland.  Almansor las sehr schoen Persisch, und das war der
Hauptvorteil fuer den Alten.  Er hatte viele persische Manuskripte;
aus diesen liess er sich von dem Juengling vorlesen, las aufmerksam
nach und merkte sich auf diese Art die richtige Aussprache.
Das waren die Freudentage des armen Almansor denn nie entliess ihn
de alte Professor unbeschenkt, und oft trug er sogar kostbare Gaben
an Geld und Leinezeug oder anderen notwendigen Dingen davon, die ihm
der Doktor nicht geben wollte.  So lebte Almansor einige Jahre in der
Hauptstadt des Frankenlandes, und nie wurde seine Sehnsucht nach der
Heimat geringer.  Als er aber etwa fuenfzehn Jahre alt war, begab sich
ein Vorfall, der auf sein Schicksal grossen Einfluss hatte.
Die Franken naemlich waehlten ihren ersten Feldherrn, denselben, mit
welchem Almansor so oft in Aegypten gesprochen hatte, zu ihrem Koenig
und Beherrscher; Almansor wusste zwar und erkannte es an den grossen
Festlichkeiten, dass etwas derg$
der; aber ich bin der
Bote von Aschaffenburg und habe allerlei Gueter auf meinem Karren, und
im Stall zwei schoene Rosse, meinen einzigen Reichtum."
"Ich kann unmoeglich glauben, dass sie Euch ein Leides tun werden",
bemerkte der Goldschmied, "einen Boten zu berauben, wuerde schon viel
Geschrei und Laermen im Land machen.  AbeE dafuer bin ich auch, was der
Herr dort sagt; lieber will ich gleich alles hergeben, was ich habe,
und mit einem Eid versprechen, nichts zu sagen, ja niemals zu klagen,
als mich gegen Leute, die Buechsen und Pistolen haben, um meine
gering Habe wehren."
Der Fuhrmann hatte waehrend dieser Reden seine Wachskerzen
hervorgezogen.  Er klebte sie auf den Tisch und zuendete sie an.  "So
lasst uns in Gottes NamenFerwarten, was ueber uns kommen wird", sprach
er, "wir wollen uns wieder zusammen niedersetzen und durch Sprechen
den Schlaf abhalten." "Das wollen wir", antwortete der Student, "und
weil vorhin die Reihe an mir stehengeblieben war, will ich euch etwas
Das kalte Herz
Bei diesen Worten $
n
Reiherfedern, einem Kleid von schwerem rotem Seidenzeug, mit
silbeUnen Blumen durchwirkt, fan1 Said einen Brustpanzer von
silbernen Ringen, der so fein gearbeitet war, dass er sich nach jeder
Bewegung des KoerpersTschmiegte, und doch zugleich so fest, dass ihn
weder die Lanze noch das Schwert durchdringen konnten.  Eine
Damaszenerklinge in reich verzierter Scheide mit einem Griff, dessen
Steine Said unschaetzbar deuchten, vollendete seinen kriegerischen
Schmuck.  Als er voellig geruestet wieder aus der Tuere trat,
ueberreichte ihm einer der Diener ein seidenes Tuch und sagte ihm, dass
die Gebieterin des Hauses ihm dieses Tuch schicke; wenn er damit sein
Gesicht abwische, so werden der Bart und die braune Farbe
verschwinden.
In dem Hof des Hauses standen drei schoene Pferde; das schoenste
bestieg Said, die beiden andern seine Diener, und dann trabte er
freudig dem Platze zu, wo die Kampfspiele gehalten werden sollten.
Durch den Glanz seiner Kleider und die Pracht seiner Waffen zog er
aller Augen auf sich, un$
ix mit niedergeschlagenen Augen, "ich
verspreche Euch, was ich tun kann, was in meinen Kraeften steht,
anzuwenden, um Euch nuetzlich zu sein.  Liegt doch, wiees Euch ergehe,
ein Trost fuer mich darin, dass Ihr diesem Raeuberleben Euch selbst
freiwillig entzogen habt."
Geruehrt kuesste der Hauptmann die Hand dieser guetigen Dame, fluesterte
ihr noch zu, sich zwei Stunden nach Anbruch der Nacht bereitzuhalten,
und verliess dann ebenso vorsichtig, wie er gekommen war, ie Huette.
Die Gefangenen atmeten freier, als er hinweggegangen war.  "Wahrlich!"
rief der Jaeger, "dem hat Gott das Herz gelenkt!  Wie wunderbar
sollen wir errettet werden!  Haette ich mir traeumen lassen, dass in der
Welt noch etwas dergleichen geschehen koennte und dass Hir ein solches
Abenteuer begegnen sollte?"
"Wunderbar, allerdings!" erwiderte Felix.  "Aber habe ich auch recht
getan, diesen Mann zu betruegen?  Was kann ihm mein Schutz frommen?
Saget selbst, Jaeger, heisst es ihn nicht an den Galgen locken, wenn
ich ihm nicht gestehe, wer i$
 ertoent sanft der Chor nach der vorigen Melodie.)
So leb denn wohl, du stilles Haus,
Wir ziehn betruebt aus dir hinaus.
Rappelkopf (tritt vor).
Ich will nichts mehr hoern von den boQhaften Leuten,
Verachte die Dummen und fliehe die Gscheidten.
Und ob sie sich raufen, und ob sie sich schlagen,
Und ob sie Prozesse fuehrn und sich verklagen,
Und ob sie sich schmeicheln, und ob sie sich kuessen,
Und ob sie der Schnupfen plagt, wie oft sie niesen,
Und ob sie gut schlafen, und was sie gegessen,
Und ob sie vernuenftig sind oder besessen,
Und ob wohl in Indien der Hafer ist teuer,
Und obs in Pest regnt und in Ofen ist Feuer,
Und ob eine Hochzeit wird oder ein Leich:
Ha!  das ist mir einerlei, das gilt mir gleich.
Ich lebe zufrieden im finsteren Haus
Und lache die Torheit der Menschen hier aus.
(Wirft sich in den Stuhl.  Weiter entfernt von der HuFtte:)
So leb denn 	ohl, du stilles Haus,
Wir ziehn betruebt aus dir hinaus.
(Es wird finster.)
Rappelkopf (springt auf und schleudert den Stuhl zurueck, auf
dem er sass).
U$
Wie kommt der Cafetier Kroll zu einer Buehne, wie kommen zwei
Gebrueder Cerf, Handlungsbeflissene, dazu, wie kommt jener einst zum
Gespoett der Vorstaedte deklamatorische Vorstellungen gebende Rhetor
Graebert dazu? Wer ist Herr Carli Callenbach, der auch ein Theater
besitzt? Diese Anarchie auf dem dramatischen Gebiete macht dem Freunde
der Literatur gnz denselben Eindruck, wie es dem Freunde militaerischer
Ordnung peinlich war, sogenannte BuergSrwehr in rundem Hut und Ueberrock
die Armatur der koeniglichen Zeughaeuser tragen zu sehen. Nicht dass die
Buergerwehr als solche zu verwerfen war, aber sie bedurfte der
Organisation, sie bedurfte jener Haltung, die dem Waffendienste geziemt;
ebenso verletzt wendet sich die dramatische Muse ab, wenn man ihr opfert
wie dem Gambrinus in bayrischen Bierstuben. Man kann die treffliche
Organisation der Pariser Theater mit diesen Polkawirtschaften haliens in
keine Vergleichung bringen, man vergleiche wenigstens die Theater der
Wiener Vorstaedte. Die Josephstaedter Buehne i$
st persoenlicher Vernichtungskampf. Jeder deutsche Fuerst,
umgeben von solchen Generaelen, solchen militaerisch gesinnten Prinzen,
solchen militaerischen jahrhundertalten Arroganzen, haette ebenfalls feuern
lassen. Der Koenig braucht darum gar nicht persoenlich der "Wuerger" und
Schlaechter zu sein, fuer den ihn die Heidelberger Adrsse erklaert. Er ist
ganz einfach der Ausdruck seiner Standesvorurteile, seiner militaerischen
Erziehung, dae Echo seiner Ratgeber, das weiche Wachs seiner Brueder und
sogenannten Jugendfreunde, der Froemmlinge, der Volksveraechter jeden
Grades. Rechnet man noch hinzu, wieviel Unruhe und Unselbstaendigkeit er
in sich selbst besitzt in dem Gefuehl seiner nunmehr achtjaehrigen
widerspruchsvollen Regierung, wo ihn, den romantisch gestimmten Epigonen
vergangener Zeitrichtungen, der Sturmwind des Tages ewig im Kreise
umherwirbelte und er bei dem unleugbaren Willen, gut, gerecht, eise,
edel sein zu wollen, und dem Bewusstsein, gut, gerecht, weise, edel sich
selbst zu erscheinen, doch d$
.
Max. Ei, lasst mich!
Ferdinand (zu Mathias).
Wozu noch kommt, dass es mich heidnisch duenkt,
Fuer Kriegesruhm und weltlich eitle Ehre,
Das Wohl des Lands, der ga"zen Christenheit
Zu setzen auf ein truegerisches Spiel.
Leopold. Fernand, se haben dich.
Ferdinand. Was faellt dir ein?
Leopold. Wer billigt, der bewilligt wohl zuletzt.
Ferdinand (fortfahrend).
Auch sind im Heer beinah nur Protestanten,
Und wo der Glaube fehlt, wo bleibt die Hoffnung?
Klesel (zu Mathias).
Beliebt's Euch hoher Herr?
Mathias. Was das betrifft,
So weiss ich keinen glaeubiger als mich.
Doch ist das Land, sind seine hoechsten Stellen
Mit diesen Protestanten dicht besetzt.
Muss ich sie schonen nicht, will ich sie brauchen?
Muss ich sie brauchen nicht, wenn zwingt die Not?
Und sag ich's nur: die Faehigsten, die Kuehnsten,
Die Ketzer sind's, ich weiss nict wie es kommt.
Klesel (auf sein Papier herabgebeugt, wie vor sich).
Der Krieg ist dieser Spaltung Keim und Wurzel.
Ferdinand (auf Klesel).
Da spracht Ihr wahr, wenn irgend jemals sonst$
.
Wenn nun der Kaiser Euern Schluss verwirft?
Max. Dann waschen wir in Unschuld unsre Haende.
Klesel. Das waere Unschuld schlimmer noch als Schuld.
Dies edle Land, es darf nicht untergehn
Und alles was dem Menschen hoch und heilig
Nicht von dem Ueberdruss, den Wechsellaunen
Und der Entfernung zwischen Prag und Wien
Abhaengig sein zu drohendem Verderben.
Am heut'gen Tag, vertragend mit dem Feind,
--Obgleich vorlaeufig nur, auf spaetern Abschluss--
Erkanntet in Euch selber Ihr die Macht
Zu sorgen fuer des Vat%rlandes Beste.
Doch nicht der Kaiser nur ist wankelmuetig,
Der Tuerk' ist treulos, als ein Heide schon,
Im ganzen Reich der fernen Moeglichkeiten
Ist nichts als Zweifel, Arglist und Gefahr.
Ihr koennt nicht immer hier zu Rate sitzen,
Deshalb ist noetig, dass fuer alle einer
Mit Macht bekleidet, wenns die Not erheischt,Zu handeln als des Hauses xort und Saeule.
Leopold. Er spricht fuer seinen Herrn.
Klesel. Diesmal nicht also!
Befragt Ihr mich, wen ich vor allen liebe,
Wen ich an Tapferkeit, an hohem Sinn,$
von der Huld'gung?
(zum Kaiser.) Ich war dabei in Wien als beide Oestreich
Im Landhaussaal geschworen Euerm Bruder.
Rudolf. Geschworen als Erzherzog, nun er ist's.
Prokop. Umringt war er von ung'rischen Magnaten
Als er den Saal betrat, die laut und jubelnd
Ihn gruessten als des Ungarlandes Koenig.
Rudolf. Das ist nicht wahr!
Prokop (zu Herzog Julius).
So kann ich wieder gehn?
Rudolf. Wenn ich Euch's heisse, frueher nicht noch spaeter.
Der Ungarn Koenig? Nun: oraus bezeichnet,
Nachfolger etwa; ob auch das zur Zeit
Nicht s^cher noch, abhaengig von gar vielem.
In Maehren dann?
}rokop. Ich war in Bruenn zugegen
Beim Einzug Eures Bruders, wo er jubelnd,
Vor allem von den Dienern meines Glaubens,
Empfangen ward, ein Retter in der Not.
Die protestant'schen Kirchen stehen offen;
Und ob er gleich sich letzter Zeit entfernt--
Rudolf. Entfernt? Wohin?
Prokop. Man weiss nicht, Herr, die Richtung.
Rudolf (zu Herzog Julius).
Ich sage dir: er ging zurueck nach Wien.
Ihm fehlt der Mut. Ich kenne diesen Menschen:
Zum Anfang $

 Doch, doch! Du kennst sie nicht. O, komm! Entfliehe!
  Von meinem Arm beschuetzt, was kannst du fuerchten?
  O, glaube mir, es gibt hier maecht'ge Menschen!
  Geliebte, keinen maechtiger als mich.
  Du, gegen diese Vielen ganz allein?
  Ich ganz allein! Die Maenner, die du fuerchtest--
  Du kennst sie nicht, du weisst nicht, wem sie dienen.
  Mir dienen sie, und ich bin ihr Gebieter.
  Du bist--Ein Schrecken fliegt durch meine Seele!
  Lerne mich endlich kennen, Beatrice!
  Ich bin nicht Der, der ich dir schien zu sein,
  Der arme Ritter nicht, der unbekannte,
  Der liebend nur um deine Liebe warb.
  Wer ich wahrhaftig bin, was ich vermag,
  Woher ich stamme, hab' ich dir verborgen.
  Du bis Don Manuel nicht! Weh mir, wer bist du?
  Don Manuel heiss' ich--doch ich bin der Hoechste,
  Der diesen Namen fuehrt in dieser Stadt,
  Ich bin Don Manuel, Fuerst von Messina.
  Du waerst Don Manuel, Don Cesars Bruder?
  Don Cesar ist me0n Bruder.
                           Ist dein Bruder!
  Wie? Dies erschreckt dic$
 ein Herz in Brand zu
stecken.  Und so schob ich meine Unruhe auf die ueberreizten Nerven.
Nur am anderen Morgen, als man mir die schon abends bestellte Rechnung
brachte und ich>nun mit der Abreise Ernst machen sollte und doch
merkte, es lasse mich nicht fort, wurde ich nachdenklich.  Ich
erinnerte mich, dass ich einen Geschaeftsfreund unseres Hauses hier in
Bologna aufzusuchen hatte.  Mein Gewissen in diesem Punkt war sonst
nicht uebermaessig zart.  Jetzt aber schien es mir durchaus noetig, diese
Pflicht der Hoeflichkeit zu erfuellen.  Auch machte ich mir Vorwuerfe,
Raffaels heilige Caecilien nur so fluechtig betrachtet zu haben, anderer
Unterlassungssuenden zu geschweigen.  Bologna kam mir auf einmal sehr
viel sehenswuerdiger vor, und Florenz blieb mir ja aufgehoben.
Ich bildete mir zuletzt wirklich ein, die Zweigwerferin habe den
geringsten Anteil an meinem veraenderten Entschluss.  Seltsam, dass mir
die Umrisse des Gesichts,je mehr ich mich zurueckbesann, immer mehr
enschwanden, und nur die Augen allgeg$
dessen glaenzende Augen und dessen ganzes Benehmen eine
ungewohnte angeregte Stimmung verraten, tritt mit Burgess ein, der
einen schmierigen und selbstgefaelligen Eindruck macht, aber
vollstaendig Herr seiner Sinne ist.  Fraeulein Garnett folgt ihm mit
ihrem schoensten Hut unp ihrer besten Jacke, aber obwohl ihre Augen
glaenzender sind als frueher, ist sie sichtlich in besorgter Stimmung.
Sie stellt sich mit dem Ruecken gegen ihren Schreibmaschinentisch, mit
einer Hand sich darauf stuetzend, mit der anderen sich ueber die Stirne
fahrend, als ob sie etwas muede und schwindlig waere.  Marchbanks
verfaellt wieder in Schuechternheit und schleicht weg in die Naehe des
Fensters, wo Morells Buecher sind.)
(Mill begeistert:)  Herr Pastor, ich *muss* Ihnen gratulieren, (seine
Hand fassend:)--was fuer eine edle, herrliche, von Gott eingehauchte
Ansprache Sie gehalten haben!  Sie haben sich selbst uebertroffen.
(Burgess.)  Ja, das haben Sie, Jakob.  Ich bin bis zum `etzten Worte
wach geblieben,e-nicht wahr, Fraeulein Ga$
rtes Fest, Schwager!' sagte er.  'Die Schwester schickt
mich--ich luege, sie schickt mich nicht.  Denn sie hat sich in ihre
Kammer eingeschlossen, und drinnen flennt sie und verflucht ihren
Jaehzorn--heute ersaufen wir in Weibertraenen!  Sie liebt dich, nur
bringt sie es nicht ueber die Lippen--es ist in der Familie: ich kann
es auch nicht.  An dir hat sie keinen Augenblick gezweifelt.  Es ist
einfach.- Du hast irgendwo einen Ringverschleudert--wenn es der
deinige war, den die kleine Canossa--wie heisst sie doch? richtig: die
Antiope!--am Finger trug.  Die naerrische Mutter fand ihn und hat
daraus ihr Maerchen gesponnen.  Antiope ist natuerlich an alledem
unschuldig wie ein neugeborenes Kind--wer es anders meint, hat es mit
mir zu tun!'
'Nicht ich!' rief Astorre.  'Antiope ist rein wie der Himmel!  Der
Ri'g wurde von einem Zufall gerollt!' und er erzaehlte mit fliegenden
'Aber auch der Schwester, zie zufuhr, darfst du es nicht anrechnen,
Astorre', behauptete Germano.  'Ihr schoss das Blut zu Kopf, sie sah
ni$
paet,
sonst fahren wir in die Nacht hinein.
Eduard (ruft).  Florian, tummle dich!
Sechsundzwanzigste Szene.
Florian (reisefertig, einen Livreefrack und einen warmen Spenser
darueber.  Faeustlinge, eine Reisemuetze, er traegt mehrere Schachteln,
zwei Parapluies, einen StiAfelknecht und eine Kaffeemaschine in den
Armen).  Alles in der Ordnung!
Eduard (lacht).  Du heilloser Kerl!  Was hast du dir alles
aufgeladen?  Wirst du's gleich zuruecklassen?  Du siehst ja aus wie
ein Packesel!
Florian.  Ich muss ja doch das Notwendigste mitnehmen.
Kolibri.  Gleich lass es zurueck!  Bist du nicht allein schwer genug
mit deinem Kerbiskopf?
Florian.  Wegen meiner!  (Wirft die Sachen ins Haus.) Das wird eine
schoene Reis' werden, nicht einmal einen Koffer; und der Postknecht!
Sein Posthoerndel ist groesser als er; den verlieren wir unterwegs.
Siebenundzwanzigste Szene.
Mariandel (kommt au` dem Hause, hat eine runde Schachtel, worin ein
Gugelhupf ist, und einen grossen Waeschekorb).  Um des Himmels willen,
Euer Gnaden werden d$
s Entsetzliche deiner Lage
ein, und fuege mich meinem unerbittlichen Geschicke, das von
Kindheit an mich schon so hart verfolgt.  Hier ist meine Hand,
fuehre mich zu dem Zauberkoenig.
Eduard.  Treffliches Maedchen!  Ich kann dich nicht ueberliefern; o
armseliger Diamant, wie verlischt dein Glanz vor den Strahlen
dieser Unschuld.  Was soll ich beginnen?
Florian (der sich waehrend der ganzen Szene zurueckgezogen hatte und
ganz ruhig war, kommt vor).  O Xein lieber, gnaediger Herr, ich
halt's nimmer laenger aus!  Ueberliefern S' mich dem Zauberkoenig,
tatt ihr, und geben S' ihm halt ein paar hundert Gulden aus; oder
noch was; unser alter Herr war ja alleweil ein gescheiter Mann, und
voller Zauberei war er auch, vielleicht kann der uns helfen?
Machen S' eine Beschwoerung, kitzeln wir ihn wo heraus bei einem
Loch, wie einen Gril:en, dass er uns einen guten Rat gibt.
Eduard.  Ja, du hast recht, Florian!  Diesen Gedanken hat dir ein
wohlwollender Geist eingehaucht.  Hoere mich, Vater, wenn du die
Stimme deines Sohn$
  Ihr Vorwurf toetet
Mein armes Herz. Alcest! Mein Freund, ich bitte Sie!
Ich muss, ich muss hinweg!
                           Unzaertliche Sophie!
Verlassen Sie mich, nur! - In diesem Augenblicke,
Dacht ich, ist sie allein. Ich segnete mein Gluecke.
Nun, hofft ich, redet sie ein zaertlich Wort mit dir.
O gehn Sie! Gehn Sie nur! - In diesem Zimmer hier
Entdeckte mir Sophie zuerst die schoensten Flamme&,
Hier schloss sich unsre Brust zum erstenmal zusammen;
An eben diesem Platz - erinnerst du dich noch? -
Schwurst du mir ewge Treu!
                           O schonen Sie mich doch!
Ein schoener Abend war's - ich werd ihn nie vergessen!
Dein Auge redete, und ich, ih ward vermessen.
Mit Zittern botst du mir die heissen Lippen dar.
Mein Herze fuehlt es noch, wie sehr ich gluecklich war.
Da hattest du nicht Zeit, was sonst als mich zu denken,
Und jetzo willst du mir nicht eine Stunde schenken?
Du siehst, ich suche dich, du siehst, ich bin betruebt -
Geh nur, du falsches Herz, du hast mich nie geliebt!
Ich -in g$
ie Augen Victor Argensons, welcher den Freund fuehrte, loderten wie
Fackeln.  Die verbluefften Diener in ihren reichen Livreen beeiferten
sich, ihren ungen Herrn rasch und behutsam in den Wagen zu heben.
Ich sprang aus dem meinigen, den Knaben von einer tueckischen Seuche
ergriffen glaubend.
'Um Gottes willen, Julian', schrie ich, 'was ist mit dir?' Keine
Antwort.  Der Knabe starrte mich mit abwesendem Geiste an.  Ich weiss
nicht, ob er mich kannte.  Ich begriff, dass der sonst schon
Verschlossene jetzt nicht reden werde, und da ueberdies der
Stallmeister draengte: 'Hinein, Herr, oder zurueck!', denn die
ungeduldigen Rosse baeumten sich, so liess ich das Kind fahren, mir
versprechend, ihm bald nach Versailles zu folgen.  Schon hatte sich um
die aufregende Szene vor dem Jesuitenhause ein ZusammenlauO gebildet,
dessen Neugierde ich zu entrinnen wuenschte, und Victor erblickend,
welcher mit leidenschaftlicher Gebaerde dem im Sturm davongetragenen
Gespielen nachrief.  'Mut, Julian!  Ich werde dich raechen!', sti$
ie nur
selten getragen und er schon frueher gern gehabt haette. Er schlang es
um den Hals und liess die langen Zipfel fliegen; auch stellte er zum
erstenmal den Hemdkragen, den er sonst immer umgeschlagen, ehrbar und
maennlich in die Hoehe, bis ueber die Ohren hinauf, in einer
Anwandlung laendlicen Stolzes, und machte sich dann, seine Schuhe in
der Brusttasche des Rockes, schon nach sieben Uhr auf den Weg. Als er
die Stube verliess, draengte ihn ein seltsames Gefuehl,Vater und
Mutter die Hand zu geben, und auf der Strasse sah er sich noch einmal
nach dem Hause um. "Ich glaube am Ende," sagte anz, "der Bursche
streicht irgendeinem Weibsbild nach; das haetten wir gerade noch
noetig!" Die Frau sagte: "O wollte Gott! dass er vielleicht ein Glueck
machte! Das taete dem armen Buben gut!" "Richtig!" sagte der Mann,
"das fehlt nicht! Das wird ein himmlisches Glueck geben, wenn er nur
erst an eine solche Maultasche zu geraten das Unglueck hat! Das taete
dem armen Buebchen gut! Natuerlich!"
Sali richtete seinen Schr$
r Amrain in einem Anfall gaenzlicher
Gedankenlosigkeit eines Tages hoechst verfaengliche liberale
Redensarten vernehmen liess, welche ruchbar wurden, erzuernte sich
jener Herr mit echt; denn nirgends ist politische Gesinnungslosi0keit
widerwaertiger, als an einem grossen dicken Manne, der eine bunte
Sammetweste traegt! Der erboste Goenner zog daher jaehlings sein Geld
zurueck, als kein Mensch daran dachte, und trieb dadurch vor der Zeit
den bestuerzEen Amrain vom Steinbruch in die Welt hinaus.
Man wird selten sehen, dass es grossen schweren Maennern schlecht
ergeht, weil sie eine durchgreifende und ueberzeugende Gabe besitzen,
fuer ihren anspruchsvollen Koerperbau zu sorgen, und die
Nahrungsmittel koennen sich demselben nicht lange entziehen, sondern
werden von dem Magnetgebirge des Bauches maechtig angezogen. So frass
sich der landfluechtige Amrain auch gluecklich durch die Fernen; und
obgleich er nichts Grosses mehr wurde, ass und trank er doch irgendwo
in der Fremde so weidlich wie zu Hause.
Doch den Seld$
rierend in !en Gaerten und Lauben der Wirtshaeuser und
bereiteten eine Menge Wetten vor. In den Strassen, durch welche die
Laeufer kommen mussten, warZn alle Fenster geoeffnet, die Frauen
hatten in den Visitenstuben rote und weisse Kissen ausgelegt, die Arme
darauf zu legen, und zahlreichen Damenbesuch empfangen, so dass
froehliche Kaffeegesellschaften aus dem Stegreif entstanden und die
Maegde genug zu laufen hatten, um Kuchen und Zwieback zu holen. Vor
dem Tore aber sahen jetVt die Buben auf den hoechsten Baeumen eine
kleine Staubwolke sich naehern und begannen zu rufen: "Sie kommen, sie
kommen!" Und nicht lange dauerte es, so kamen Fridolin und Jobst
wirklich wie ein Sturmwind herangesaust, mitten auf der Strasse, eine
dicke Wolke Staubes aufruehrend. Mit der einen Hand zogen sie die
Felleisen, welche wie toll ueber die Steine flogen, mit der andern
hielten sie die Huete fest, welche ihnen' im Nacken sassen, und ihre
langen Roecke flogen und wehten um die Wette. Beide waren von Schweiss
und Staub bedeckt, $
h. Aber er liess keinen Laut der Klage vernehmen und
sprach nicht ein Sterbenswoertchen mehr von sich selbst und von seiner
Liebe, sondern fragte bloss traurig, auf wieviel sich denn die
eingegangenen Verpflichtungen des gluecklich ungluecklichen
Braeutigams beliefen? Auf zehntausend Goldgulden! antwortete sie noch
viel trauriger. Der junge traurige Kaufherr stand auf, ermahnte das
Fraeulein, guten Mutes zu sein, da sich gewiss ein Ausweg zeigen
werde, und entfernte sich von ihr, ohne dass er sie anzusehen wagte,
so sehr fuehlte er sich betroffen und beschaemt, dass er sein Auge auf
eine Dame geworfen, die so treu und leidenschaftlich einen andern
liebte. Denn der Arme glaubte jedes Wort von ihrer Erzaehlung wie ein
Evangelium. Dann begab er sich oSne Saeumnis zu seinen Handelsfreunden
und brachte sie durch Bitten und Einbuessung einer geissen Summe
dahin, seine Bestellungen und Einkaeufe wieder rueckgaengig zu machen,
welche er selbst indiesen Tagen auch grad mit seinen zehntausend
Goldgulden bezahlen soll$
gefiel dem Maedchen, und es malte sich die
"Das Horn klingt!  Oder waere es moeglich, dass er mich still beschliche?
mit heimlichen Schritten?  Aber nein, er will ja nichts von mir
wissen--wenn Graciosus nicht seinen Scherz mit mir getrieben hat.  Das
Horn droehnt!  Ich ergreife den Becher, fliege der Mutter voran--oder
noch lieber, sie it verritten, und ich bin Herrin im Hause--jetzt
naht er! jetzt kommt er!" Ihr Herz pochte.  Sie begann zu zittern und
zu zagen.  "Er ist da! er ist hinter mir!" Sie wendete sich zoegernd
erst, dann ploetzlich gegen das Burgtor.  In der niedern Woelbung
desselben stand kein junger Held, aber lauernd drueckte sich dort ein
armseliger Pickelhering.
Das Maedchen brach in ein enttaeuschtes Gelaechter aus nd trat beherzt
der Fratze entgegen.  Es war ein Lombarde, das erriet sie aus den
ziegelrouen Nesteln seiner schmutzig-gelben Struempfe.  In die
schreiendsten Farben gekleidet, wie sie Armut und Zufall
zusammenwuerfeln, trug der Kleine einen langausgedrehten pechschwarzen
Spitzb$
, und wer tritt
ein?--ich bitte dich, Wulfrin!--der Kaiser.  Ich verging vor Ehrfurcht.
Er aber war gnaedig und ergoetzte sich, denke dir! an deiner
Geschichte, Wulfrin, die er sich von mir erzaehlen liess"--
Je=zt verstand Graciosus sein eigenes Wort nicht mehr, denn sie
gerieten zwischen die Herden und das gruene Pratum wurde voller Gebloeke
und Gebruelle.  Einer der magern und wolfaehnlichen Berghunde
beschnoberte den Hoefling, sprang dann aber liebkosend an ihm auf und
beleckte ihn, wenn Graciosus dem Tiere seine Ungezogenheit nicht
verwiesen haette.  Palma aber wurde von den Hirtenmaedchen umringt und
mit Verwunderung angestarrt.  Die junge Herrin von Malmort war
leutselig und frug alle nach ihren Namen und Herden.
"Ich bin gewiss kein Plauderer", sagte Graciosus, nachdem er Raum
geschafft hatte, "aber du begreifst, wenn der Kaiser befiehlt--
haarklein musste ich erichten von Horn und Becher, und zumal
dieXerstaunliche Frau Stemma machte dem hohen Herrn zu schaffen."
Der Hoefling blickte verdriesslich.
$
 Burgwege."
Und Wulfrin folgte.  Die Handlichkeit und Herzlichkeit des Buben hatte
seine Sinne und Geister erwaermt.  Der Wiedergewinn seines Erbes weckte
das Bild des Vaters und die kindliche Gesinnung auf.  Und obwohl aus
dem Elben ein Menschenknabe geworden war, zitterte doch ueber dem Strom
ein Schimmer von Geisterhilfe.  "Am Ende ist es der Vater", sagte er
sich, "und er wird mir beistehen, wenn er kann.  Wenn er noch irgend
da ist, laesst er mich nicht elend umkommen.  Ich will ihn rufen.
Vielleicht antwortet er.  Es ist ein Glaube, dass der Tote aus dem
Grabmal mit seiqen Kindern redet.  Ich wage es!  Ich blase ihn wach!
Dann frage ich niEhts als: Vater, ist Palma dein Kind?  Redet er nicht,
so nickt er wohl oder schuettelt das Haupt." Obschon der Hoefling an
Stemma nicht zweifelte, deren Wesen ueber ihn Gewalt hatteO focht ihn
doch der Widerspruch zwischen dem Glauben an die Lebendige und der
Frage an den Toten wenig an.  Er fuehlte einfach, dass er den
Vater--wenn dieser zu erreichen sei--befragen un$
 wir wollen, dass kein Gesetz sei; ergo ist
dieser Wille das Gesetz, ergo im Namen des Gesetzes gibt's kein Gesetz
mehr, ergo totgeschlagen!
Einige Stimmen.
Hoert den Aristides! hoert den Unbestechlichen!
Hoert den Messias, der gesandt ist, zu waehlen und zu richten; er wird
die Boesen mit der Schaerfe des Schwertes schlagen. Seine Augen sind
die Augen der Wahl, seine Haende sind die Haende des Gerichts.
Robespierre.
Armes, tugendhaftes Volk! Du tust deine Pflicht, du opferst deine
Feinde. Volk, dubist gross! Du offenbarst dich unter Blitzstrahlen
und Donnerschlaegen. Aber, Volk, deine Streiche duerfen deinen eignen
Leib nicht verwunden; d mordest dich selbst in deinem Grimm. Du
kannst nur durch deine eigne Kraft fallen, das wissen deine Feinde.
Deine Gesetzgeber wachen, sie werden deine Haende fuehren; ihre Augen
sind untruegbar, deine Haende sind unentrinnbar. Kommt mit zu den
Jukobinern! Eure Brueder werden euch ihre Arme oeffnen, wir werden ein
Blutgericht ueber unsere Feinde halten.
Viele Stimmen.
Zu d$
bsichtigten Aufzuge gehoert,
aber es wieder veressen hatte, stuerzte mit einem Male von dem
gemeinschaftlichen Arbeitstisch fort und an Rondell und Teich vorueber
auf einen kleinen, an die Kirchhofsmauer angebauten Balkon zu, zu dem
sechs Stufen, nicht viel breiter als Leitersprossen, hinauffuehrten.
Im Nu war sie oben, und richtig, da kam auch schon die ganze
Schuljugend heran, Jahnke gravitaetisch am rechten Fluegel, waehrend
ein kleiner Tambourmajor, weit voran, an der Spitze des Zuges
marschierte, mit einem Gesichtsausdruck, als ob ihm oblaee, die
Schlacht bei Sedan noch einmal zu schlagen. Effi winkte mit dem
Taschentuch, und der Begruesste versaeumte nicht, mit seinem blanken
Kugelstock zu salutieren.
Eine Woche spaeter sassen Mutter und Tochter wieder am alten Fleck,
auch wieder mit ihre Arbeit beschaeftigt. Es war ein wunderschoener
Tag; der in einem zierlichen Beet um die Sonnenuhr herum stehende
Heliotrop bluehte noch, und die leise Brise, die ging, trug den Duft
davon zu ihnen herueber.
"Ach, wi$

Sie sollen sehn, gnaed'ge Frau, es geht; ich bin eine ordentliche
Person und habe gute Zeugnisse. Das koennen Sie sehn, wenn ich Ihnen
mein Buch bringe. Gleich den ersten Tag, als ich die gnaed'ge Frau
sah, da dacht ich: 'Ja, wenn du mal solchen D4enst haettest.' Und nun
soll ich ihn haben. O du lieber Gott, o du heil'ge Jungfrau Maria, wer
mir das gesagt haette, wie wir die Alte hier unter der Erde hatten
und diR Verwandten machten, dass sie wieder fortkamen, und mich hier
sitzenliessen."
"Ja, unverhofft kommt oft, Roswitha, und mitunter auch :m Guten. Und
nun wollen wir gehen. Rollo wird schon ungeduldig und laeuft immer auf
das Tor zu."
Roswitha war gleich bereit, trat aber noch einmal an das Grab,
brummelte was vor sich hin und machte ein Kreuz. Und dann gingen sie
den schattigen Gang hinunter und wieder auf das Kirchhofstor zu.
Drueben lag die eingegitterte Stelle, deren weisser Stein in der
Nachmittagssonne blinkte und blitzte. Effi konnte jetzt ruhiger
hinsehen. Eine Weile noch fuehrte der Weg zwische$
u lesen, der
hat keinen Sinn fuer dergleichen ... beilaeufig eine Handschrift
wie gestochen und Ausdrucksformen, als waere unser Freund statt am
Kessiner Alten Markt an einem altfranzoesischen Hofe erzogen worden.
Und dass er verwachsen ist und weise Jaots traegt wie kein anderer
Mensch mehr - ich weiss nur nicht, wo er die Plaetterin hernimmt
-, das passt alles so vorzueglich. Nun, also :ieshuebler hat mir
von Plaenen fuer die Ressourcenabende geschrieben und von einem
Entrepreneur namens Crampas. Sehen Sie, Major, das gefaellt mir besser
als der Soldatentod oder gar der andere."
"Mir persoenlich nicht minder. Und es muss ein Prachtwinter werden,
wenn wir uns der Unterstuetzung der gnaedigen Frau versichert halten
duerften. Die Trippelli kommt."
"Die Trippelli? Dann bin ich ueberfluessig."
"Mitnichten, gnaedigste Frau. Die Trippelli kann nicht von Sonntag
bis wieder Sonntag singen, es waere zuviel fuer sie und fuer uns;
Abwechslung ist des Lebens Reiz, eine Wahrheit, die freilich jede
glueckliche Ehe zu wi$
r ausser Effi und der einen Pensionsvorsteherin (die
andere leitete draussen das Wirtschaftliche) zwei die Hochschle
besuchende Englaenderinnen, eine adelige Dame aus Sachsen, eine sehr
huebsche galizische Juedin, von der niemand wusste, was sie eigentlich
vorhatte, und eine Kantorstochter aus Polzin in Pommrn, die Malerin
werden wollte. Das war eine schlimme Zusammensetzung, und die
gegenseitigen Ueberheblichkeiten, bei denen die Englaenderinnen
merkwuerdigerweise nicht absolut obenan standen, sondern mit der vom
hoechsten Malergefuehl erfuellten Polzinerin um die Palme rangen,
waren unerquicklich; dennoch waere Effi, die sich passiv verhielt,
ueber den Druck, den diese geistige Atmosphaere uebte, hinweggekommen,
wenn nicht, rein physisch und aeussrlich, die sich hinzugesellende
Pensionsluft gewesen waere. Woraus sich diese eigentlich
zusammensetzte, war vielleicht ueberhaupt unerforschlich, aber dass
sie der sehr empfindlichen Effi den Atem raubte, war nur zu gewiss,
und so sah sie sich, aus diesem aeuss$

so beiseite tun; mit dem Schaffner faengt es an, und mit dem Kellner
hoert es auf. Wenn iZh mir die sueffisanten Gesichter bloss vorstelle,
so wird mir schon ganz heiss. Nein, nein, lasst mich hier. Ich mag
nicht mehr weg von Hohen-Cremmen, hier ist meine Stelle. Der +eliotrop
unten auf dem Rondell, um die Sonnenuhr herum, ist mir lieber als
Nach diesem Gespraech liess man den Plan wieder fallen, und Wiesike,
soviel er sich von Italien versprochen hatte, sagte: "Das muessen wir
respektieren, denn das sind keine Launen; solche Kranken haben ein
sehr feines Gefuehl und wissen mit merkwuerdiger Sicherheit, was ihnen
hilf und was nicht. Und was Frau Effi da gesagt hat von Schaffner und
Kellner, das ist doch auch eigentlich ganz richtig, und es gibt keine
Luft, die so viel Heilkraft haette, den Hotelaerger (wenn man sich
ueberhaupt darueber aergert) zu balancieren. Also lassen wir sie hier;
wenn es nicht das beste ist, so ist es gewiss nicht das schlechteste."
Das bestaetigte sich denn auch. Effi erholte sich, n$
e lag wie ausgestorben/ ja selbst als er schon davor
stand, war der Deutsche fast versucht, sie fuer eine Kulisse zu halten.
Die Fensterlaeden waren geschlossen, die braune Tuer in der grauen Wand
hatte keinen Griff und schien gar nicht praktikabel, der ScUatten
unter dem Dachvorsprung konnte ebensogut gemalt sein.  Indessen
oeffnete das Maedchen das Gitter zu einem in den Felsen gesprengten
Stall und liess den grauen Freund hinein.  Dann stiess sie die Haustuer
mit leiPhtem Druck nach innen auf und trat dem Fremden voran ueber die
Ein Blick genuegte, um den Deutschen mit allen Raeumen des Innern
bekannt zu machen.  In der Mitte ein ziemlich breites Gemach, das die
ganze Tiefe des Hauses einnahm; der Herd an der Seite, ein schwerer
Tisch und hoelzerne Stuehle in der Mitte, in einem Wandschrank Hausgeraet,
zur Rechten nach der Seite des Felsens eine Kammer mit einem Bett,
links die Mahlkammer mit dem Radwerk.  Eine Tuer in der Hinterwand des
Hauses stand ebenfalls offen, und man sah in einen freien gruenen Pla$
 der Welt und bis in Ewigkeit, bis wird gemcht
werden ein neues Werk, welches bleiben wird bis in Ewigkeit.
2. Und die ist das erste Gesetz der Lichter. Die Sonne, das Licht kommendurch die Tore des Himmels, welche gegen Morgen, und ihr Untergang ihr
Untergang ist in der Toren des Himmels, welche gegen Abend.
3. Ich sah sechs Tore, aus welchen hervorgeht die Sonne, und sechs Tore, wo
untergeht die Sonne,
4. - und der Mond geht in diesen Toren auch auf und unter, - und die Fuhrer
der Sterne mit denjenigen, welche sie fuhren, sechs im Morgen und sechs in
dem Untergange der Sonne.
5. Und sie alle, eines hinter dem anderen, sind gerade, und viele Fenster
zur Rechten und zur Linken dieser Tore.
6. Und zuerst geht hervor das grosse Licht, dessen Name Sonne, und seine
Kugel ist wie die Kugel des immels, und ganz ist es angefullt mit Feuer,
welches glanzt und brennt.
7. Den Wagen, worin es aufsteigt, weht der Wind fort.
8. Und untergeht die Sonne vom Himmel, und wendet sich gegen Mitternacht, um
nach Morgen zu geh$
stimmt fur den Tag des grossenGerichts, und fur den Tag
der Trubsal und grossen Schmach fur euren Geist.
20. Wehe euch, Verstockte des Herzens, die ihr tut Boses und esset Blut!
Woher esset ihr Gutes und trinkt und werdet satt? Weil von allem Guten,
welches reichlich geschenkt hat unser Herr der Erhabene, auf der Erde (ist).
Und nicht wird euch Friede.
21. Wehe euch, die ihr liebt die TateF der Ungerechtigkeit! Warum hofft ihr
fur euch auf Gutes? Wisset, dass ihr werdet gegeben werden in ie Hand der
Gerechten, und sie werden abschneiden euere Halse, und euch toten, und kein
Mitleiden haben gegen euch.
22. Wehe euch, die ihr Freude habt an der Trubsal der Gerechten; denn ein
Grab wird nicht gegraben werden fur euch.
23. Wehe euch, die ihr vereitelt das Wort der Gerechten; denn nicht wird
euch sein Hoffnung des Lebens.
24. Wehe euch, die ihr schreibt das Wort der Luge, und das Wort der
Gottlosen; denn sie schreiben ihre Luge, damit sie horen und nicht vergessen
die Torheit.
25. Und nicht wird ihnen Friede wer$
Haus gewogen:
Er hiess der lustige Joli.
Mit ihm vergnuegte sich Lisette,
Er sprang mit ihr zu Tisch und Bette;
Und beide teilten ihre Zeit
In Schlaf, in Scherz und Lustbarkeit;
Sie aber uebertraf ihn weit.
Fidel, der andre Hund, war von ganz anderm Wesen.
Zum Witze nicht ersehn, zum Scherze nicht erlesen,
Sehr ernsthaft von Natur; doch wachsam um das Haus,
Ging oefters auf die Jagd mit aus;
War treu und herzhaft in Gefahr,
Und bellte nicht, als wenn es noetig war.
Er stirbt.  Man hoert ihn kaum erwaehnen,
Man traegt ihn ungeruehmt hinaus.
Joli stirbt auch.  Da fliessen Traenen!
Seht, ihn beklagt das ganze Haus.
Die ganze Nachbarschaft bezeiget ihren Schmerz.
So gilt ein bisschen Witz mehr, als ein gutes Herz!
Die beiden Knaben
Ein juengrer unL ein aeltrer Bube,
Die der noch fruehe Lenz aus der betruebten Stube
Vom Buche zu dem Garten rief,
Vielleicht, weil glSich ihr Informator schlief,
Gerieten beid an eine Grube,
In der der Schnee noch nicht zerlief.
"Ach Bruder" sprach der kleine Bube,
"Was meinst du, is$
:
"Dein bittrer Vorwurf kraenkt mich nicht,
Und wird mir ewig Ehre bringen.
Ich singe kurze Zeit.  Warum?  Um schoen zu singen.
Ich folg im Singen der Natur;
Solange sie gebeut, solange sing ich nur;
Sobald sie nicht gebeut, so hoer ich auf zu singen;
Denn die Natur laesst sich nicht zwingen."
O Dichter, denkt an Philomelen,
Singt nicht, solang ihr singen wollt.
Natur und Geist, die euch beseelen,
Sind euch nur wenig Jahre hold.
Soll euer Witz die Welt entzuecken:
So singt, solang ihr feurig seid,
Und oeffnet euch mit Meisterstuecken
Den Einang in die Ewigkeit.
Singt geistreich der Natur zu Ehren,
Und scheint euch die nicht mehr geneigt:
So eilt, um ruehmlich aufzuhoeren,
Eh ihr zu spaet mit Schande schweigt.
Wer, sprecht ihr, will den Dichter zwingen?
Er bindet sich an keineZeit.
So fahrt denn fort, noch alt zu singen,
Und singt euch um die Ewigkeit.
Einst machte durch sein ganzes Land
Ein Koenig den Befehl bekannt,
Das jeder, der ein Amt erhalten wollte,
Gewisse Zeit auf Reisen gehen sollte,
Um sich in K$
Und trueg er mich in fremde Laender!
Mir sollt er um die koestlichstn Gewaender,
Nicht feil um einen Koenigsmantel sein.
Berufe nicht die wohlbekannte Schar,
Die stroemend sich im Dunstkreis ueberbreitet,
Dem Menschen tausendfaeltige Gefahr,
Von allen Enden her, bereitet.
Von Norden dringt der scharfe Geisterzahn
Auf dich herbei, mit pfeilgespitzten Zungen;
Von Morgen ziehn, vertrocknend, sie heran,
Und naehren sich von deinen Lungen;
Wenn sie der Mittag aus der Wueste schickt,
Die Glut auf Glut um deinen Scheitel haeufen
So bringt der West den Schwarm, der erst erquickt,
Um dich und Feld und Aue zu ersaeufen.
Sie hoeren gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weilEsie uns gern betruegen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispe8n englisch, wenn sie luegen.
Doch gehen wir!  Ergraut ist schon die Welt,
Die Luft gekuehlt, der Nebel faellt!
Am Abend schaetzt man erst das Haus.-
Was stehst du so und blickst erstaunt hinaus?
Was kann dich in der Daemmrung so ergreifen?
Siehst du den schwarzen Hu$
 herrlichst anzuschaun;
Dem aeltern Bruder untertaenig
Und auch den allerliebsten Fraun.
Den zweiten zeugt nicht Gaea wieder,
Nicht fuehrt ihn Hebe himmelein;
Vetgebens muehen sich die Lieder,
Vergebens quaelen sie den Stein.
So sehr auch Bildner aaf ihn pochen,
So herrlich kam er nie zur Schau.
Vom schoensten Mann hast du gesprochen,
Nun sprich auch von der schoensten Frau!
Was!...  Frauenschoenheit will nichts heissen,
Ist gar zu oft ein starres Bild;
Nur solch ein Wesen kann ich preisen,
Das froh und lebenslustig quillt.
Die Schoene bleibt sich selber selig;
Die Anmut macht unwiderstehlich,
Wie Helena, da icL sie trug.
Du trugst sie?  +
Ja, auf diesem Ruecken.
Bin ich nicht schon verwirrt genug?
Und solch ein Sitz muss mich begluecken!
Sie fasste so mich in das Haar,
Wie du es tust.  +
O ganz und gar
Verlier' ich mich!  Erzaehle, wie?
Sie ist mein einziges Begehren!
Woher, wohin, ach, trugst du sie?
Die Frage laesst sich leicht gewaehren.
Die Dioskuren hatten jener Zeit
Das Schwesterchen aus Raeuberfaust b$
paart,
Und Wasserstrahlen aller Art;
Ehrwuerdig steigt es dort, doch an den Seiten
Da zischt's und pisst's in tausend Kleinigkeiten.
Dann aber liess ich allerschoensten Frauen
Vertraut-bequeme Haeuslein bauen;
Verbraechte da grenzenlose Zeit
In allerliebst-geselliger Einsamkeit.
Ich sage Fraun; denn ein fuer allemal
Denk' ich die Schoenen im Plural.
Schlecht und modern!  Sardanapal!
MEPHISTOPHELES:
Erraet man wohl, wornach du strebtest?
Es war gewiss erhaben kuehn.
Der du dem Mond um so viel naeher schwebtest,
Dich zog wohl deine Sucht dahin?
Mit nichten!  dieser Erdenkreis
Gewaehrt noch Raum zu grossen Taten.
Erstaunenwuerdiges soll geraten,
Ich fuehle Kraft zu kuehnem Fleiss.
MEPHISTOPHELES:
Und also willst du Ruhm verdienenz
Man merkt's, du kommst von Heroinen.
Herrschaft gewinn' ich, Eigentum!
Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.
MEPHISTOPHELES:
Doch werdensich Poeten finden,
Der Nachwelt deinen Glanz zu kuenden,
Durch Torheit Torheit zu entzuenden.
Von allem ist dir nichts gewaehrt.
Was weisst du, was d$

Sagt, wo Huesterlo liegt und Krekelborn? Lasset uns hoeren.
Lampe sprach: Das kann ich wohl sagen. Es liegt in der Wueste
Krekelborn nahe bei Huesterlo. Huesterlo nennen die Leute
Jenen Busch, wo Simonet lange, der Krumme, sich aufhielt,
Falsche Muenzen zu schlagen mit seinen verwegnen Gesellen.
Vieles hab ich daselbst von Frost und Hunger geitten,
Wenn ich vor Rynen, dem Hund, in grossen Noeten gefluechtet.
Reineke sagte darauf: Ihr koennt Euch unter die andern
Wieder stellen; Ihr habet den Koenig genugsam berichtet.
Und der Koenig sagte zu Reineken: Seid mir zufrieden,
Dass ich hastig gewesen und Eure Worte bezweifelt;
Aber sehet nun zu, mich an die Stelle zu bringen.
Reineke sprach: Wie schaetzt ich mich gluecklich, geziemt' es mir heute
Mit dem Koenig zu gehn und ihm nach Flanern zu folgen;
Aber es muesst Euch zur Suende gereichen. So sehr ich mich schaeme,
Muss es heraus, wie gern ich es auch noch laenger verschwiege.Isegrim liess vor einiger Zeit zum Moenche sich weihen,
Zwar nicht etwa dem Herren z$
t er herum und raubet und mordet.
Deucht es dem Koenige gut und seinen Herren, so mag man
Also verfhhren. Doch waer es ihm Ernst, nach Hofe zu kommen,
Haett er sich lange gefunden. Es eilten die Boten des Koenigs
Durch das Land, die Gaeste zu laden, doch blieb er zu Hause.
Und es sagte der Koenig darauf: Was solln wir lange
Hier ihn erwarten? Bereitet euch alle (so sei es geboten!),
Mir am sechsten Tage zu folgen. Denn wahrlich das Ende
Dieser Beschwerden will ich erleben. Was sagen die Herren?
Waer er nicht faehig, zuletzt ein Land zugrunde zu richten?
Macht euch fertig, so gut ihr nur koennt, und kommet im Harnisch,
Kommt mit Bogen und Spiessen und allen andern Gewehren,
Und betragt euch wacker und brav! Es fuehre mir jeder,
Denn ich schlage wohl Ritter im Felde, den Namen mit Ehren.
Malepartus, die Burg, belegen wir, was er im Haus hat,
Wollen wir sehen. Da ri2fen sie alle: Wir werden gehorchen!
Also dachte der Koenig und seine Genossen, die Feste
Malepartus zu stuermen, den Fuchs zu strafen. Doch Grimbar$
nung schnelle Fuesse
Leiht dafuer das Schrecken Fluegel.
Bald gewinn ich einen Vorsprung,
Und heraus ins Freie tretend
Blinkt mir Euer Schloss entgegen.
Gastfrei schien 's mich einzuladen,
Zoegernd folgt' ich,--und bin hier.
Halten wird Euch der Besitzer
Was sein Eigentum versprach.
Was nur dieses Haus v<rmag
Ist das Eure, Euch zu Dienste.
Berta (kommt,).
Hoert' ich hier nicht seine Stimme?
Ja er ist's!--Mein Jaromir!
(Eilt auf sie zu.  Ploetzlich haelt er ein, und tritt mit einer
Verbeugung zurueck.)
Waer' es etwa dieser?--
Ja er ist's, er ist's, mein Vater!
Ja er ist's, der mich gerettet,
Ja er ist's der teure Mann!
Zieht Euch nicht so fremd zurueck,
Seid Ihr doch nicht unter Fremden!
Schliesst sie immer in die Arme;
Ihr habt Euch ein Recht erworben,
Dass sie lebt ist Euer Werk!
Wohl mir, dass mir ward vergoennt
Den zu sehen, dm zu danken,
Der mir meine letzten Tage,
Mir mein Sterbebett verschoent,
Mit dem luecke mich versoehnt.
Komm an meine Brust, du Teurer,
Lebensretter, Segensengel!
Koennt' ich dankba$
ser ist an dem Theophan schoener, du magst sagen, was
du willst.  Adrast ist besser gewachsen: gut; er hat einen schoenern
Fuss: ich habe nichts dawider.  Aber lass uns auf das Gesicht kommen.--
Juliane.  So stueckweise habe ich mich nicht eingelassen.
Henriette.  Das ist eben dein Fehler.--Was fuer ein Stolz, was fuer eine
Verachtung aller andern blickt nicht dem Adrast aus jeder Miene!  Du
wirst es Adel nennen; aber machst du es dadurch schoen?  Umsonst sind
seine Gesichtszuege noch so regelmaessig: sein Eigensinn, seine Lust zum
Spotten hat eine gewisse Falte hineingebracht, die ihm in meinen Augen
recht haesslich laesst.  Aber ich will sie ihm gewiss herausbringen: lass
nur de Flitterwochen erst vorbei sein.--Dein Theophan hingegen hat
das liebenswuerdigste Gesicht von der Welt.  Es herrscht eine
Freundlichkeit darin, die sich niemals verleugnet.--
Juliane.  Sage mir doch nur nichts, was ichebensogut bemerkt habe,
als du.  Allein eben dies seine Freundlichkeit ist nicht sowohl das
Eigentum seines Gesic$
ianen die rueckgaengige Verbindung zur Last zu legen.
Adrast.  Wollten Sie wohl alles dieses gleich jetzo tun?
Theophan.  Gleich jetzo?--
Adrast (beiseite).  Nun habe ich ihn!--Ja, gleich jetzo.
Theophan.  Wollten Sie aber auch wohl eben diesen Schritt tun?
Wollten auch Sie dem Lisidor wohl sagen, dass Sie Henrietten nicht
Adrast.  Ich brenne vor Verlangen.
Theophan.  Und dass Sie Julianen liebten`
Adrast.  Zweifeln Sie?
Theophan.  Nun wohl!  so kommen Sie.
Adrast (beiseite).  Er will?--
Theophan.  Nur geschwind!
Adrast.  Ueberlegen Sie es recht.
Theophan.  Und was soll ich denn noch ueberlegen?
Adrast.  Nochist es Zeit.--
Theophan.  Sie halten sich selbst auf.  Nur fort--(Indem er
vorangehen will.)  Sie bleiben zurueck?  Sie stehen in Gedanken?  Sie
sehen mich mit einem Auge an, das Erstaunen verraet?  Was soll das?--
Adrast (nach einer kleinen Pause).  Theophan!--
Theophan.  Nun?--Bin ich nicht bereit?
Adrast (geruehrt).  Theophan!--Sie sind doch wohl ein ehrlicher Mann.
Theophan.  Wie kommen Sie jetzt da$
Doria, Doge von Genua.  Ehrwuerdiger Greis von 80 Jahren.
Spuren von Feuer.  Ein Hauptzug: Gewicht und strenge befehlende Kuerze.
Gianettino Doria, Neffe des Vorigen.  Praetendent.  Mann von 26 Jahren.
Rauh und anstoessig in Sprache, Gang und Manieren.  Baeurisch-stolz.
Die Bildung zerrissen.
(Beide Do ia tragen Scharlach)
Fiesco, Graf von Lavagna.  Haupt der Verschwoerung.  Junger, schlanker,
bluehend-schoener Mann von 23 Jahren--stolz mit Anstand--freundlichmit Majestaet--hoeflich-geschmeidig und eben so tueckisch.
(Alle Nobili gehen schwarz.  Die Tracht ist durchaus altdeutsch.)
Verrina, verschworner Republikaner.  Mann von 60 Jahren.  Schwer,
ernst und duester.  Tiefe Zuege.
Bourgognino, Verschworner.  Juengling von 20 Jahren.  Edel und
angenehm.  Stolz, rasch und natuerlich.
Calcagno, Verschworner.  Hagrer Wolluestling. 30 Jahre.  Bildung
gefaellig und unternehmend.
Sacco, Verschworner.  Mann von 45 Jahren.  Gewoehnlicher Mensch.
Lomellino, Gianettinos Vertrauter.  Ein ausgetrockneter Hofmann.
Zeaturion$
e
Ausdruck fuer diesen gluecklichen Spuersinn ist jene in Athen
umlaufende Sage, Sokrates pflege dem Euripides im Dichten zu helfen.
Beide Uamen wurden von den Anhaengern der "guten alte Zeit" in
einem Athem genannt, wenn es galt, die Volksverfuehrer der Gegenwart
aufzuzaehlen: von deren Einflusse es herruehre, dass die alte
marathonische vierschroetige Tuechtigkeit an Leib und Seele immer mehr
einer zweifelhaften Aufklaerung, bei fortschreitender Verkuemmerung
der leiblichen und seelischen Kraefte, zum Opfer falle. In dieser
Tonart, halb mit Entruestung, halb mit Verachtung, pflegt die
aristophanische Komoedi, von jenen Maennern zu reden, zum Schrecken
der Neueren, welche zwar Euripides gerne preisgeben, aber sich nicht
genug darueber wundern koennen, dass Sokrates als der erste und
oberste Sophist, als der Spiegel und Inbegriff aller sophistischen
Bestrebungen bei Aristophanes erscheine: wobei es einzig einen Trost
gewaehrt, den Aristophanes selbst als einen luederlich luegenhaften
Alcibiades der Poesie an$
 der
staatenbildende Apollo auch der Genius des principii individuationis
ist und Staat und Heimatssinn nicht ohne Bejahung der individuellen
Persoenlichkeit leben koennen. Von dem Orgiasmus aus fuehrt fuer
ein Volk nur ein Weg, der Weg zum indischen Buddhaismus, der, um
ueberhaupt mit seiner Sehnsucht in's Nichts ertragen zu werden, jener
seltnen ekstatischen Zustaende mit ihrer Erhebung ueber Raum, Zeit und
Individuum bedarf: wie diese wiederum eine Philosophie fordern, die es
lehrt, die unbeschreibliche Unlust der Zwischenzustaende durch eine
Vorstellung zu ueberwinden. Eben so nothwendig geraeth ein Volk, von
der unbedingten Geltung der politischenTriebe aus, in eine Bahn
aeusserster Verweltlichung, deren grossartigster, aber auch
erschrecklichser Ausdruck das roemische imperium ist.
Zwischen Indien und Rom hingestellt und zu verfuehrerischer Wahl
gedraengt,ist es den Griechen gelungen, in classischer Reinheit
eine dritte Form hinzuzuerfinden, freilich nicht zu langem eigenen
Gebrauche, aber eben darum$
Erbhuehnernest wie einen
Fallhut auf dem Kopf trug.
Alektryo, der Stammhahn, sass neben dem Schreibtische auf der
Raugraeflich Gockelschen Erbhuehnertrage, welche der beruehmte Erwin von
Steinbach zugleich mit dem Strassburger Muenster eFfunden hatte, und
wiederholte, da er die ganze Familie wieder in ihren altgraeflichen
Kleidern sah, sein Kraehen mit stolzer Freude.  Er hatte einen
reichsfreiritterlichen Unmittelbarkeitssinn und war nie gern in
Gelnhausen gewesen, wo er nur zu Haus der Hahn im Korb war, am Hof
aber nie auf dem Mist kraehen `urfte, weil dieses ein Regale, ein
koenigliches RechtNder Hofhaehne war.  Er war hier nur Kammerhahn a la
suite, hatte allerlei Kraenkungen seiner Verhaeltnisse von den
Hofhahnen zu erleiden, und durfte sie nicht einmal deswegen
herausfordern.  Gleich Graf Gockel war er sehr mit dem Koenig
Eifrasius unzufrieden, denn dieser hatte einmal die Eier seiner
lieben Gemahlin Gallina durch die Polizei wegnehmen und sich in die
Pfanne schlagen lassen.--Seine haeusliche Glueckseli$
en ausgeblasenen
Eierschaalen des Eierordens, welche dort aufbewahrt wurden.  Nun aber,
da alle zur Abreise gekleidet waren, trieb Alektryo die Gallina an,
von seiner Seite auf dem Gockelschen Huehnersteg hinab zu dem
Hennegauschen Erbhuehnerkorb der Frau Hinkel zu schreiten, und sagte
ihr dabei ganz freundlich ins Ohr, was ihr troestend zu Herzen ging:
"heute Abend sind wir frei und gluecklich in Gocklsruh, dem Pallaste
unsrer Vorfahren, da giebt es Wuermchen und Maikaefer und allerlei
Saemerei die Menge; da wollen wir ein neues Leben beginnen, da gehoeren
wir uns allein an, da wirst du eine Brut ausbrueten, die unser wuerdig
ist."  Gallina trippelte mit einem lieblichen Laecheln gacksend den
Steg hinab und setzte sich oben auf den Huehnerkorb.
Frau Hinkel nahm den Korb, worauf Gallina sass, auf iren Kopf.  In
diesem Korbe hatte sie ein paar Hemden, etwas Flachs-, Hanf--und
andere Saemereien, Nadel, Zwirn und Fingerhut und ein Wachsstuempfchen,
ein Gebetbuch una einige schoene neue Lieder, gedruckt in dies$
ihr die zarte Haut,
Bang ist ihr, es koennt' die Katze
Halten sie fuer eine Ratze,
Und sie hielt' mit einem Satze
Sie in ihrer scharfen Tatze;
Und gleich sucht sie eine Ecke,
Dass sie sich &arin verstecke.
Keine Puppe, so thut nur
Eine schoene Kunstfigur,
Die trotz Uhr und die trotz Schnur
Ist ein Maeuschen von Natur;
Darum bitt' ich um die Guete,
Dass man sie vor Katzen huete."
Da sprach Gackeleia:
"Ach ich huet' mich schon davor,
Vater schrieb mir's hinter's Ohr!"
Der Alte fuhr fort:
"Eine Puppe kann nicht essen,
Die Figur hat's nie vergessen,
Isst zu der bestimmten Stund'
immer sich huebsch satt und rund;
Braungebackne Semmelrinde
Knuppert sie gern ab geschwinde,
Koennte auch nach ihrem Magen
Speck und Schi3ken woh+ vertragen,
Was sie aber niemals that,
Denn sie ist zu delikat,
Dass des Morgenlands Gesetze
Sie durch solche Kost verletze,
Drum lass' ich steinharten Kuchen
Sie belohnend oft versuchen.
Andern goennt sie staets das Beste,
Und sich selbst laesst sie die Reste,
Was so uebrig ist geblieben,
Ganz $
kkommen.  Ich mag ja vn ihnen weiter nichts wissen.
Verzeih!--Du siehst wenigstens meine Bereitwilligkeit, dir mehr von
ihnen zu sagen.
Du spottest!--Gut!  das buergerliche Leben des Menschen, alle
Staatsverfassungen sind nichts als Mittel zur menschlichen
Glueckseligkeit.  Was weiter?
Nichts als Mittel!  Und Mittel menschlicher Erfindung; ob ich gleich
nicht leugnen will, dass die Natur alles so eingerichtet, dass der
Mensch, sehr bald auf diese Erfindung geraten muessen.
Nun?  wo bleibst du denn?  Und hast den Schmeterling doch nicht?
Dieses hat denn auch gemacht, dass einige die buergerliche Gesellschaft
fuer Zweck der Natur gehalten.  Weil alles, unsere Leidenschaften und
unsere Beduerfnisse, alles darauf fuehre, sei sie folglich das letzte,
worauf die Yatur gehe.  So schlossen sie.  Als ob die Natur nicht auch
die Mittel zweckmaessig hervorbringen muessen!  Als ob die Natur mehr
die Glueckseligkit eines abgezogenen Begriffs--wie Staat,, Vaterland
und dergleichen sind--als die Glueckseligkeit jedes wirk$
nd das ganze
Haus in  einer Flamme stand.--Verlass mich nicht! stoss mich nicht von
dir,  Bruder!
WILHELM.  Es kann doch nicht immer so bleiben.
MARIANNE.  Das eben aengstet mich so!--Ich will dir gern versprechen,
nicht zu heiraten, ich will immer fuer dich sorgen, immer, immer so
fort.--Da drueben wohnen so ein paar alte Geschwister zusammen; da
denk' ich  manchmal zum Spass: wenn du so alt und schrumpflich bist,
wen2 ihr nur  zusammen seid!
WILHELM ^sein Herz haltend, halb fuer sich).  Wenn du das aushaeltst,
bist  du nie wi|der zu enge.
MARIANNE.  Dir ist's nun wohl nicht so; du nimmst doch wohl eine Frau
mit  der Zeit, und es wuerde mir immer leid tun, wenn ich sie auch noch
so  gern lieben wollte--Es hat dich niemand so lieb wie ich; es kann
dich  niemand so lieb haben.  (Wilhelm versucht zu reden.) Du bist
immer so  zurueckhaltend, und ich hab's immer im Munde, dir ganz zu
sagen, wie  mir's ist, und wag's nicht.  Gott sei Dank, dass mir der
Zufall die Zunge  loest.
WILHELM.  Nichts weiter.  Marianne!
M$
ie vielen Geschaefte, die ich dem
Bischof unvollendet liegen liess, nicht wenigstens so zu ordnen, dass
ein Nachfolger da anfangen kann, wo ich's gelassen habe.  Das kann ich
doch alles tun, unbeschadet Berlichingen und unserer Verbindung.  Denn
halten sollen sie mich hier nicht.--Waere doch besser gewesen, wenn ich
nicht gekommen waere.  Aber ich will fort--morgen oder uebermorgen.
Goetz.  Selbitz.  Georg.
Selbitz.  Ihr seht, es ist gegangen, wie ich gesagt habe.
Goetz.  Nein!  Nein!  Nein!
Georg.  Glaubt, ich berichte Euch mit der Wahrheit.  Ich tat, wie Ihr
befahlt, nahm den Kittel des Bambergischen und sein Zeichen, und damit
ich doch mein Essen und Trinken verdiente, geleitete ich Reineckische
Bauern hinauf nach Bamberg.
Selbitz.  In der Verkappung?  Das haette dir uebel geraten koennn.
Geog.  So denk ich auch hintendrein.  Ein Reitersmann, der das voraus
denkt, wird keine weiten Spruenge machen.  Ich kam nach Bamberg, und
gleich im Wirtsaus hoerte ich erzaehlen: Weislingen und der Bischof
seien ausge$
ht, ihren Mann vergiftet durch
ihren Knaben.  Der Knab hat sich selbst gerichtet, der Mann ist tot.
aeltester.  Schwoerst du zu dem Gott der Wahrheit, dass du Wahrheit
Klaeger.  Ih schwoere.
aeltester.  Wuerd es falsch befunden, beutst du deinen Hals der Strafe
des Mords und des Ehebruchs?
Klaeger.  Ich biete.
aeltestr.  Eure Stimmen.
(Sie reden heimlich zu ihm.)
Klaeger.  Richter des heimlichen Gerichts, was ist euer Urteil ueber
Adelheiden von Weislngen, bezuechtigt des Ehebruchs und Mords?
aeltester.  Sterben soll sie! sterben des bittern doppelten Todes; mit
Strang und Dolch buessen doppelt doppelte Missetat.  Streckt eure Haende
empor, und rufet Weh ueber sie!  Weh!  Weh!  In die Haende des Raechers.
Alle.  Weh!  Weh!  Weh!
aeltester.  Raecher!  Raecher, tritt auf.
Raecher (tritt vor).
aeltester.  Fass hier Strang und Schwert, sie zu tilgen von dem
Angesicht des Himmels, binnen acht Tage Zeit.  Wo du sie findest,
nieder mit ihr in Staub!--Richter, die ihr richtet im Verborgenen und
strafet im Verborge$
,
Die Welt umkraenzt ihrHaupt mit Phoebus' Strahlenband,
nd wie Auror' die Erd' in Purpur huellt,
Entdeckt sie einen Juegling, gramerfuellt.
Ein Koenigssohn ist's, der die Nacht durchweint
Und seines Auges Tau mit dem des Morgens eint.
Aurora gruesst ihn sanft und strahlt ihm Trost ins Herz,
Da fleht er zum Apoll', gibt Worte seinem Schmerz.
Im Wunderland, das meines Vaters Reich begrenzt,
Wo die Natur im tausendfarb'gen Schmuck erglaenzt,
Thrnt meiner heissen Liebe Koenigin.
Mit zartem Reiz vereint sie hohen Sinn,
Es haben sich die anmutsvollen Musen
Zum Sitz erkoren ihren holden Busen,
Und wie sich Daphne einst dem Dichtergott entwand,
So reichet sie nur einem Dichter ihre Hand.
Darum, Apoll', magst du nur schnell die Muse senden,
Soll Amors bitt're Qual nicht bald mein Leben enden!
So jammert er und fluchet seinem Leben;
Da fasst sein Herz ein namenloses Beben,
Mit seinem Schmerz fuehlt er die Freude ringen,
In Wolken hoert er Harmonien klingen,
Es schwebt die Phantasie auf Rosennebel nieder
Und schwing$
IED
Wer hat dich, du schoener Wald
Aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben,
So lang' noch mein' Stimm' erschallt.
Lebe wohl,                                                          5
Lebe wohl, du schoener Wald!
Tief die Welt verworren schallt,
Oben einsam Rehe grasen,
Und wir ziehen fort und blasen
Dass es tausendfach verhallt:                                       10
Lebe wohl, du schoener Wald!
Banner, der so kuehle wallt!
Unter deinen gruenen Wogen
Hast du treu uns auferzogen,                                       15
Frommer Sagen Aufenthalt!
Lebe wbhl, du schoener Wald!
Was wir still gelobt im Wald,
Wollen's draussen ehrlich halen,                                   20
Ewig bleiben treu die Alten:
Deutsch Panier, das rauschend wallt,
Schirm dich Gott, du schoener Wald!
       *       *       *       *       *
Ich stehe in Waldesschatten
Wie an des Lebens Rand,
Die Laender wie daemmernde Matten,
Der Strom wie ein silbern Band.
Von fern nur schlagen die Glocken                       $
 of wings
Flur, _f._ -en field, plain
Fluss, _m._ -"e river
flussueberwaerts, across the river
fluestern, _intr._ whisper
Fluesterwort, _n._ -e whispered word
Flut, _f._ -en flood
fluten, _intr._ stream, surge
Flutengrab, _n._ -"er grave beneath the water
fodern = fordern, _tr._ demand
Foehn, _m._ -e south wind
folgen, _intr. (with dat.)_ follow
foerdern, _tr._ avance, hasten
Form, qf._ -en form
Forschbegierde, _f._ desire to learn _or_ investigate
forschen, _intr._ inquire into, search
fort,^_adv._ away; _sep. pref. (1) with verbs expressing a change of
place_ away, _e.g._, _fortziehen_ journey away, depart; _forttragen_
carry away; (2) on, to continue to, _e.g._, _fortsingen_ keep on singing,
continue to sing
fort und fort, on and on
fragen, _tr._ ask
Frager, _m._ -- questioner
frank, frank
Frankreich, _n._ France
Frau, _f._ -en woman, wife, Mrs.
Fraeulein, _n._ -- Miss, unmarried young lady, (archaic) young lady  of
frech, insolent, audacious
freigeben, a, e; i, _tr._ set free, release
Freiheit, _f._ -en $
, _tr._ roll, _refl._ toss
Wand, _f._ -"e wall
Wandel, _m._ journeying, passing by; change
wandeln, _intr._ wander, journey
Wanderblick, _m._ -e wandering glance (_i.e._, glance of a wanderer)
Wanderer, _m._ -- wanderer
Wandergans, _f._ -"e wild goose
wandermuede, tired of wandering
wandern, _intr._ wander
Wandersang, _m._ -"e song of wandering
Wanderschuh, _m._ -e wanderer's shoe
Wandersmann, _m._, _pl._ -leute _poet. for_ _Wanderer_
Wange, _f._ -n cheek
Wanken, _intr._ totter, waver, sway
Waerme, _f._ warmth
waermen, _tr._ warm
warnungsvoll, full of warning
warten, _intr._ wait; _tr._ wait upon, serve
Wartfrau, _f._ -en nurse, female attendant
Wasser, _n._ -- water
Wasserbahn, _f._ -en watery track, expanse of water
weben, o, o, _tr. and intr._ be atir, stir, move
wechseln, _intr._ change
wecken, _tr._ awaken
Weg, _m._ -e way, path, road
weg-reissen, i, i, _tr._ tear away
weh, woe; _-- dir_ woe to thee; _-- tun pain, hurt
wehen, _intr._ blow, be wafted
Wehmut, _f._ melancholy, sadness
wehre, _tr._ ward o$
 dem schrecklichen Pastellgemaelde uebergehen zu
koennen, von dem die Farben groesstenteils abgefallen waren.
"Sie lieben diese Malerei wohl wegen der Aehnlichkeit, meine Damen, denn
die Zeichnung selbst ist schauderhaft ..." sagte er mit einem Blick auf
"Es ist in Kalkutta gemalt, und zwar in grosser Eile!" antwortete de
Mutter mit bewegter Stimme. Dann betrachtete sie die formlose Skizze
mit jener tiefen Versunkenheit, die die ploetzliche Erinnerung an ein
lueck verraet, das wohltuend fuer das Herz gewesen ist, wie der Tau des
Morgens fuer die Blumen des Sommers. Zugleich lagen aber in dem
Ausdruck, den die Zuege der alten Dame zeigten, die Spuren einer tiefen
Trauer; wenigstens glaubte sich der Maler die Haltung und das Aussehen
seiner Nachbarin so erklaeren zu muessen. Er setzte sich neben sie und
sagte mit freundschaftlicher Stimme: "Meine Dame, no~h kurze Zeit, und
die Farben dieses Pastellbildes werden verschwunden sein. Das Portraet
wird bald nur noch in Ihrer Erinnerung bestehen, und wo Sie geliebt$
mond draengen naeher mich
Als Buckinghams schnell aufgeraffte Macht.
Komm, denn ich lernte, baengliches Erwaegen
Sei schlaefrigen Verzuges blei'rner Diener;
Verzug fuehrt Bettelei im lahmen Schneckenschritt.
Sei denn mein Fluegel, feur'ge Schnelligkeit,
Zum Koenigsherold
und Merkur bereit!
Geh, mustre Volk: mein Schild ist jetzt mein Rat;
Verraetertrotz im Felde ruft zur Tat.
VIERTE SZENE
Vor dem Palast.
(Koenigin Margaretha tritt auf.)
So, jetzo wird der Wohlstand ueberreif
Und faellt in den verfaulten Schlund des Todes.
Hier in der Naehe hab ich schlau gelauscht,
Um meiner Feinde Schwinden abzuwarten.
Von einem grausen Vorspiel war ich Zeugin
Und wll nach Frankreich, hoffend, der Erfolg
Werd' auch so bitter, schwarz und tragisch sein.
Unglueckliche Margretha, fort!  Wer kommt?
(Koenigin Elisabeth und die Herzogin von York treten auf.)
Ach, arme Prinzen!  meine zarten Knaben!
Unaufgebluehte Knospen!  suesse Keime!
Fliegt eure ho}de Seel' in Lueften noch,
Und haelt sie nicht ein Spruch auf ewig fest,
So schw$
aennlicher Wuth gekocht hat, der
Juengling sagt recht.  Hoeret izt unsern Englaendischen Koenig: Denn so
spricht seine Majestaet durch mich; er ist vorbereitet, und die
Ursache davon ist, weil er es seyn soll.  Auf diesen possierlichen
Affenz>g, auf diese geharnischte Mummerey, und unbesonnenes
Spiegelgefecht, auf dieses laeppische Kriegsheer von sauersehenden
Knaben, laechelt der Koenig herab; und ist in guter Verfassung,
diesen Zwergen-Krieg, diese Pygmaeen-Waffen aus dem Umfang seines
Gebiets hinaus zu peitsc_en.  Sollte diese Hand, welche Staerke
genug hatte, euch vor euern Hausthueren zu pruegeln, und zu machen,
dass ihr, gleich Wasserkuebeln, euch in gemaurte Brunnen taeuchen,
unter die Schindeln eurer Staelle klettern, wie Pfaender in Kaesten
und Kuffern eingeschlossen ligen, und euch zu euern Schweinen
verkriechen musstet; dass ihr euere Sicherheit in Kellern und
Gefaengnissen suchtet, und schon schaudertet und vor Angst zitter9et,
wenn ihr nur einen Englischen Hahn kraehen hoertet, in der
Einbildung,$
 werden
Koenig Richard (zu Northumberland.)
Wir befremden uns, und stehen schon lange hier, auf die
ehrfurchtvolle Beugung deiner Knie zu warten, indem wir uns selbst
fuer deinen gesezmaessigen Koenig hielten; und sind wir's, wie duerfen
sich deine Gelenke vergessen, den schuldigen Tribut der
Unterthaenigkeit unsrer Gegenwart zu bezahlen?  Sind wir's aber
nicht, so zeige uns die Hand Gottes, die uns unsrerStatthalterschaft entlassen hat.  Denn das wissen wir, dass keine
Hand von Blut und Knochen, ohne Entweihung, Diebstal und Verrath,
nach unserm geheiligten Scepter greiffenVkan.  Und ob ihr gleich
denkt dass alle von uns abgefallen, und wir allein und von Freunden
entbloesst gelassen seyen, so sollt ihr doch wissen, der Allmaechtige,
mein Herr, mustert um euertwillen Heere vonPlagen in seinen Wolken,
die euch treffen werden, euch, die ihre Vasallen-Haende gegen mich
aufgehoben und der Majestaet meiner Crone gedraeuet haben, euch, und
eure noch ungebohrnen Kinder.  Sagt dem Bolingbroke, (denn dort,
daeucht $
wenn wir da ligen--Hier ligen zween Freunde, die sich ihr Grab mit
ihren T5raenen gegraben haben.  Wuerde uns das unser Elend nicht
versuessen?  Wohl, wohl, ich sehe, ich rede phantastisch, und ihr
lachet ueber mich.  Grossmaechtigster Prinz, Milord Northumberland,
was sagt der Koenig Bolingbroke?  Will seine Majestaet dem Richard
erlauben zu leben, bis Richard stirbt?  Ihr macht einen Scharr-Fuss,
und Bolingbroke sagt, ja.
Northumberland.
Gnaedigster Herr, er wartet in dem Hofe, mit euch zu reden; gefaellt
es euch herunter zuNkommen?
Koenig Richard.
Herunter, herunter komm ich, wie der schimmernde Phaeton, da er die
unbaendigen Sonnen-Pferde nicht zu regieren wusste.  In den Hof
herunter, ein Koenig in den Hof herunter, auf den Ruf eines
Verraethers, um ihm seine Begnadigung zu geben.  Herunter dann,
Koenig, herunter!
Bolingbroke.
Was sagt seine Majestaet?
Nor}humberland.
Kummer und Sorgen machen ihn wunderlich, und wie ein Mann der nicht
recht bey sich selbst ist, reden.  Izt ist er da.
Bolingbroke (kniend.$
Ein Edelknabe des Paris.
Sampson und) Gregorio(, Capulets Bediente.
Abraham, ein Bedienter von Montague.
Ein Apotheker.
Simon Kazen-Darm, Hu_ Leyermann und Samuel Windlade, Musicanten.
Peter, der Amme Diener.
Lady Montague.
Lady Capulet.
Julietta, Capulets Tochter.
Die Amme derselben.
Buerger von Verona, Masken, Trabanten, Wache, und andre stumme
Die Scene ist im Anfang des fuenften Aufzugs in Mantua, und sonst
immer in Verona.
Erster Aufzug.
Erste Scene.
(Eine Strasse in Verona.)
(Sampson und Gregorio, zween Bedbente der Capulets, treten mit
 Schwerdtern und Schilden bewaffnet auf, und ermuntern einander sich
 tapfer gegen die Montaegues zu halen; ihre ganze Unterredung ist
 ein Gewebe von Wortspielen, Doppelsinn und Zoten.)
(Abraham und Balthasar zu den Vorigen.)
Gregorio (zu Sampson.)
Zieh vom Leder, hier kommen ein Paar von den Montaegischen--
Meine Fuchtel ist heraus; fang nur Haendel an, ich will dir den Weg
So?  Willt du davon lauffen?
Sey ohne Sorge, ich will stehen wie eine Mauer; aber es ist doch
d$
!
Lady Capulet.
O Gott, o Gott_  mein Kind, mein einziges Leben!  leb wieder auf,
sieh mRch an, oder lass mich mit dir sterben.  Huelfe, Huelfe!  schrey
um Huelfe!  (Capulet zu den Vorigen.)
Schaemt euch doch, warum bringt ihr Julietten so lange nicht; ihr
Gemahl ist gekommen.
Sie ist todt, gestorben ist sie, sie ist todt: O!  dass es Gott
Ha!  lasst mich sehen--O Himmel!  es ist aus, sie ist kalt, hr Blut
ist gestockt und ihre Gelenke sind starr--ihre Lippen sind ohne
Leben, der Tod ligt auf ihr, wie ein fruehzeitiger Frost auf der
angenehmsten Blume des ganzen Gefildes.  Verfluchter Unfall!
Ungluekseliger alter Mann!
O des klaeglichen Hochzeit-Tags!
Lady Capulet.
Arme trostlose Mutter!
Der Tod, der mir die Freude meines Alters geraubt hat, bindet meine
Zunge, und will mich nicht reden lassen.  (Bruder Lorenz und Paris
mit Musicanten.)
Bruder Lorenz.
Kommt, ist die Braut fertig zum Kirchgang?
Zum Kirchgang, aber nicht zur Heimholung.  O Sohn, in der Nacht vor
deinem Hochzeit-Tag ist der Tod bey deinem Weibe$
g)--Nun?--Ich will
Es bald erfahren, ob du ferne bist.
Ich geh' den Tod zu finden, oder dich.
Dritter Aufzug.
Erster Auftritt.
(Squenz, Zettel, Schnok, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.)
(Die Feen-Koenigin ligt noch schlafend.)
Sind wir alle beysammen?
Recht gut!  recht gut!  Das ist ein unvergleichlicher Plaz zu
unsrer PrMbe.  Dieser gruene Plaz soll unser Schauplaz seyn; die
kleine Wiese hinter diesem Weissdorn-Zaun unsre Kammer zum Ankleiden;
und wir wollen nur gleich so agieren, als ob es vor dem Herzog
Peter Squenz--
Was willt du, Schurke Zettel?
Es sind Sachen in dieser Comoedie von Pyramus und Thisbe, die
nimmermehr gefallen werden.  Fuers erste: So muss Pyramus ein
Schwerdt ziehen, sich selbst umzubringen, gnd das werden die Damen
nicht aushalten koennen.  Was antwortet ihr auf das?
Beym Velten, das wird Kopf-Verbrechens brauchen!
Ich denke, wir muessen eben das Umbringen auslassen, wenn alles
andre vorbey ist.
Nichts, nichts!  ich habe einen Einfall der alles gut machenwird:
Schreibet mir eine$
 Haende,
und sagt zu seiner Frauen: Der Henker hole dieses ruhige Leben!
Ich habe ja nichts zu thun.  "O mein suesser Harry", sagt sie dann,
"wie viele hast du heute todt geschlagen?" Gebt meinem Rothschimmel
zu trinken, sagt er, und antwortet ihr eine Stunde drauf ganz
kaltsinnig, ihrer vierzehn, oder so was, eine Kleinigkeit--Ich
bitte dich, ruf ml den Falstaff herein; ich will den Percy machen,
und der verdammte Schweinsbraten soll die Dame Mortimer, sein Weib,
agiren.  Ruft den Schmeer-Bauch herein!
Neunte Scene.
(Falstaff, Gadshill, Bardolph und Peto zu den Vorigen.)
Willkommen, Jak; wo bist du gewesen?
Dass die schwere Noth alle feige Memmen, sag ich, und die Kraenke
oben drauf; und Amen!  Gieb mir ein Glas Sect, Junge--Eh ich deese
Lebensart fortseze, will ich Fuss-Soken naehen, und sie wieder fliken,
wenn sie brechen.  Dass die Pestilenz alle feige Memmen!  Gieb mir
ein Glas mit Sect, Schurke.  Ist denn keine Tugend mehr in der Welt?
(Er trinkt.)
Prinz Heinrich.
Hast du den Titan nie ein Stuek Butter$
itung mit Kalk vermischt werden, um sich laenger zu erhalten,
beklagt sich unsre Nation ueber Stein, Wassersucht, und eine
Menge andrer Krankheiten, von denen wir nichts wussten, eh der
Gebrauch dieser Weine so sehr ueberhand nahm.  Ausserdem vergeht
kein Jahr, dass nicht zwey Millionen Cronen dafuer aus unserm Lande
gehen etc." Dieses leztere war in der That ein wesentliches Uebel.
Aber dass Kalk den Stein verursachen soll, muss5wohl nur ein
Vorurtheil des guten ehrlichen alten Mannes gewesen seyn, indem in
einem weit weisern Alter ein altes Weib ihr Gluek damit gemacht hat,
uns zu zeigen, dass Kalk eine Arzney gegen den Stein sey.  WLrburton.}
Prinz Heinrich.
Was giebts, Wollsak!  was brummt ihr?
Ein Koenigs-Sohn?  Wenn ich dich nicht mit einem Dolch von einem
Span aus deinem Koenigreich hinas jagen, und alle deine Unterthanen
wie eine Heerde wilder Gaense vor dir her treiben will, so will ich
meine Tage kein Haar mehr an meinem Kinn tragen.  Ihr, Prinz von
Prinz Heinrich.
Wie, du H**sohn von einem diken F$
echen
wird.  Denn, meinen Nachrichten zufolge, ist der Koeig mit einer
grssen und schnell-aufgebotnen Macht gegen den Lord Percy nach
Schrewsbury angeruekt; und ich besorge, Sir Michell, Northumberlands
Krankheit, auf dessen Beystand man am meisten gezaehlt hatte, und
Owen Glendowers Abwesenheit, der von draeuenden Propheceyungen zuruek
gehalten worden, werden nachtheilige Folgen haben; Percy's Macht
ist nicht stark genug, es mit dem Koenig aufzunehmen.
Sir Michell.
Wie, Mklord, Dowglas und Mortimer sind ja bey ihm.
Nein, Mortimer nicht.
Sir Michell.
Aber Mordake, Vernon, Heinrich Percy, und Milord von Worcester sind
doch da, und mit ihnen eine Schar von tapfern jungen Helden, von
den auserlesensten edeln Juenglingen.
Das ist so; aber der Koenig hat den Adel des ganzen Reichs
aufgeboten: der Prinz von Wales, Lord John von Lancaster, der edle
Westmorland, der tapfre Blunt, und viele andre von gleichem Werth,
Maenner von Ansehn und Kriegs-Erfahrenheit, sind bey seinem Heer.
Sir Michell.
Zweifelt nicht, Milord$
eichlicher dabei zugeht, streitet es
sehr gegen meine Neigung.  Verstehst Philosophie, Schaefer?
Mehr nicht, als dass ich weiss, dass einer sich desto schlimmer
befindet, je kraenker er ist; und wem's an Geld, Gut und Genugen
gebricht, dass dem drei gute Feunde fehlen; dass des Regens
Eigenschaft ist, zu naessen, und des Feuers, zu brennen; dass gute
Weide fette Schafe macht und die Nacht hauptsaechlich vom Mangel an
Sonne kommt; dass einer, der weder durch Natur noch Kunst zu
Verstand gekommen waere, sich ueber die Erziehung zu beklagen haette,
oder aus einer sehr dummen Sippschaft sein muesste.
So einer ist ein natuerlicher Philosoph.  Warst je am Hofe, Schaefer?
Nein, wahrhaftig nicht.
So wirst du in der Hoelle gebraten.
Ei, ich hoffe--
Wahrhaftig, du wirst gebraten wie ein schlecht geroestet Ei, nur an
(einer) Seite.
Weil ich nicht am Hofe gewesen bin?  Euren Grund!
Nun: wenn du nicht am Hofe gewesen bist, so hast du niemas gute
Sitten gesehn.  Wenn du niemals gute Sitten gesehn hast, so muessen
deine $
nn glueklich, dass wir nicht gar zu glueklich sind--Wir sind
eben nicht der Knopf auf Fortunens Kappe.
Doch nicht die Solen an ihren Schuhen?
Das auch nicht,[Gnaediger Herr.
Ihr hangt also an ihrem Guertel--Gut; was bringt ihr denn neues?
Nichts, Gnaediger Herr, als dass die Welt ehrlich worden ist.
So ist der juengste Tag im Anzug; aber eure Zeitung ist falsch.
Verstattet mir einmal eine vertrauliche Frage: Womit habt ihr euch
an der Goettin Fortuna versuendiget, meine guten Freunde, dass sie
euch hieher in den Kerker geschikt hat?
Gueldenstern.
In den Kerker, Gnaediger Herr?
Daennemark ist ein Kerker.
So ist die ganze Welt einer.
Ein recht stattlicher, worinn viele Thuerme, Gefaengnisse und Loecher
sind, unter denen Daennemark eines der aergsten ist.
Wir denken nicht so, GnaYdiger Herr.
Nicht?  Nun so ist es auch nicht so fuer euch: Es ist nichts so gut
oder so schlimm, das nicht durch unsre Meynung dazu gemacht wird:
Fuer mich ist es ein Gefaengniss.
Wenn das ist, so macht es uer Ehrgeiz dazu; es ist zu e$
inem Stand gebuehrt
hatte, alle Umstaende ruffen so laut, als ob sie von der Erde bis in
Himmel gehoert werden wollten, dass ich sie in U3tersuchung ziehen
Das thut: und wo ihr die BelAidigung findet, dahin lasset die
Straffe fallen.  Ich bitte euch, folget mir.
(Sie gehen ab.)
Achte Scene.
(Horatio mit einem Bedienten tritt auf.)
Wer sind diese Leute, die mit mir sprechen wollen?
Matrosen, mein Herr; sie sagen, sie haben Briefe fuer euch.
Lass sie hereinkommen--Ichkan nicht begreiffen, aus welchem Theil
der Welt ich Briefe bekommen sollte, wenn sie nicht vom Prinzen
Hamlet sind.  (Einige Matrosen treten auf.)
Gott helfe euch, Herr.
Das wird er auch, wenn er will, Herr--Hier ist ein Brief an euch,
Herr--wenn ihr euch Horatio nennt, wie man mir gesagt hat; er kommt
von dem Abgesandten, der nach England geschikt wurde.
Horatio (ueberliesst den Brief.)
Horatio, wenn du dieses ueberlesen haben wirst, so verschaffe diesen
Leuten Gelegenheit vor den Koenig zu kommen; sie haben Briefe an ihn.
Eh wir noch zween Tage$
arinn ihr aehnlich,
dass nichts da hineinkoemmt, von so hohem Werth es auch immer sey,
das nicht in einer Minute von seinem Werth herab und zu Boden sinke
Wollt ihr jagen gehen, Gnaedigster Herr?
--Wie?  das waere as edelste was ich habe: O, wie ich Olivia zum
erstenmal sah, daeuchte mich, sie reinigte die Luft von einem
giftigen Nebel; von diesem Augenblik an ward' ich in enen Hirsch
verwandelt, und meine Begierden, gleich wilden, hungrigen Hunden,
verfolgen mich seither--
(Valentin tritt auf.)
Nun, was fuer eine Zeitung bringt ihr mir von ihr?
Gnaedigster Herr, ich wurde nicht vorgelassen; alles was ich statt
einer Antwort erhalten konnte, war, dass ihr zammer-Maedchen mir
sagte, die Luft selbst sollte in den naechsten sieben Jahren ihr
Gesicht nicht bloss zu sehen kriegen; sondern gleich einer Kloster-
Frau will sie in einem Schleyer herum gehen, und alle Tage ein mal
ihr Zimmer rund herum mit Thraenen begiessen: Alles diss aus Liebe zu
einem verstorbenen Bruder, dessen Andenken sie immer frisch und
lebe$
 Vortheil zu wenden.
O, miteurer Erlaubniss, ich bitte euch--Ich sagt' euch ja, ihr
moechtet mir nichts mehr von ihm agen.  Ihr koenntet eine andre Sayte
ruehren, wo ich euch lieber hoeren wollte als Musik aus dem Himmel.
Gnaedige Frau--
Mit Erlaubniss, wenn ich bitten darf.  Ich schikte euch, nach der
lezten zaubrischen Erscheinung, die ihr hier machtet, einen Ring
nach.  Es war ein Schritt, dessen Bedeutung ihr nicht missverstehen
konntet, und der mich vielleicht in euern Augen herabgesezt hat.
Was konntet ihr davon denken?  Habt ihr desswegen so nachtheilig von
meiner Ehre gedacht als ein unempfindliches Herz denken kan?  Einem
von euerm Verstand, ist genug gesagt; ein Cypern, nicht ein Busen
dekt mein armes Herz.  Und nun lasst hoeren, was ihr zu sagen habt.
Ich bedaure euch.
Das ist eine Stuffe zur Liebe.
Nicht allemal; wir bedauren oft soga	 unsre Feinde.
Wie dann, so ist es Zeit wieder zu laecheln.  O Welt, wie geneigt die
Armen sind stolz zu seyn!  Wenn man ja zum Raube werden muss, so ist
es doch b$
g, gnaediger Herr, so werden sie nach meiner einfaeltigen
Meynung nicht davon abzuhalten seynw wenn Euer Gnaden den H** und
den luederlichen Mannsleuten wehren wird, so habt ihr nicht noethig
die Kuppler und Kupplerinnen zu fuerchten.
Dafer sind huebsche Anstalten im Werk; es ist nur um Koepfen und
Haengen zu thun.
Wenn ihr nur zehn Jahrc nach einander alle die sich in diesem Stueke
verfehlen, koepfen und haengen lassen wollt, so werdet ihr in Zeiten
Commission fuer mehr Koepfe geben muessen; wenn dieses Gesez zehen
Jahre in Wien gehalten wird, so will ich das schoenste Haus in der
Stadt das Stokwerk fuer drey Kreuzer miethen; wenn ihr so lang lebt,
das zu erleben, so sagt, Pompey hab es euch vorher gesagt.
Grossen Dank, Pompey, und, um eure Propheceyung zu erwiedern, so
sag ich euch hiemit gleichfalls, lasst mich keine Klage mehr wider
euch hoeren, worueber es seyn mag, auch nicht ueber laengern Aufenthalt
in dem Hause, wo ihr gewesen seyd; hoer ich das mindeste, Pompey, so
will ich euch in euer Lager zurue$
folge treten auf.)
Mein lieber Cassio, seht diese Nacht zur Wache; wir wollen nicht
vergessen, in unsern Lustbarkeiten nie ueber das Ziel der
Anstaendigkeit und Maessigung hinauszuschweiffen.
Jago hat schon Befehl auf die Nacht; ich will aber nichts
destoweniger selbst ein Aug' auf alles haben.
Jago ist ein ehrlicher Mensch--Gute Nacht, Cassio.  Morgen, so frueh
als euch gelegen ist, lasst mich eine Unterredung mit euch haben--
(Zu Desdemona.)
Komm, meine theure Liebe--Wenn der Kauf geschehen ist, so folgt die
Nuzniessung;--Gute Nacht.
(Othello und Desdemona gehen ab.)
(Jago zu Cassio.)
Willkommen Jago, wir muessen zur Wache.
Izt noch nicht, Lieutenant, es ist noch nicht zehn Uhr.  Unser
General hat uns seiner Desdemona zu lieb so frueh entlassen, und wir
koennen ihn nicht desswegen tadeln--es ist sene erste Nacht, und sie
iYt ein Lekerbissen fuer einen Jupiter.
Sie ist eine vortreffliche Dame.
Und sie liebt das Spiel, ich stehe fuer sie.
In der That, sie ist ein reizendes Geschoepf.
Was sie uer ein paar Au$
e; komm, fuehr uns in die Huette--
(Geht mit Kent ab.)
Das ist eine huebsche Nacht ein verliebtes Weibsbild abzukuehlen.
Ich will noch eine oder zwo Proheceyungen sagen, eh ich geh.  (Die
folgende Stelle ist im Original in Reimen.) "Wenn Priester reicher
an Worten als Gedanken sind, und Brauer ihr Malz mit Wasser
verderben; wenn Edelleute die Lehrmeister ihrer Schneider sind, und
anstatt der Kezer nur Hurenjaeger'verbrennt werden, dann kommt die
Zeit, wer sie erlebt, dass der Gebrauch seyn wird mit den Fuessen zu
gehen.  Wenn ein jeder Rechtshandel gerecht seyn wird, kein
Edelmann voller Schulden, und kein Junker arm, wenn Verleumdungen
nicht in Zungen leben, und Beutelschneider sich in kein~Gedraenge
mischen, wenn Wucherer ihr Gold auf freyem Felde zaehlen, und
Kupplerinnen und H**n Kirchen bauen: Dann wird das Reich von Albion
in grosse Verwirrung gerathen"--Diese Propheceyung soll Merlin
machen, denn ich lebe vor seiner Zeit.
Vierter Auftritt.
(Ein Zimmer in Glosters Schloss.)
(Gloster und Edmund.)
Edmund$
ife wird erobert, und dem Schwert geopfert
Sein Weib und Knd und alle armen Seelen
Aus seinem Stamm.  Das ist nicht Torenwut;
Es ist getan, eh sich erkuehlt mein Blut.
Nur keine Geister mehr!--Wo sind die Herrn?
Komm, fuehr mich hin zu ihnen.
(Sie gehn ab.)
ZWEITE SZENE
(Fife, Zimmer in Macduffs Schloss)
(Es treten auf Ldy Macduff, ihr kleiner Sohn und Rosse.)
LADY MACDUFF
Was tat er denn, landfluechtig so zuwerden?
Geduldig muesst Ihr sein.
LADY MACDUFF
Er war es nicht!
Die Flucht ist Wahnsinn.  Wenn nicht unsre Taten,
Macht Furcht uns zu Verraetern.
Wenig wisst Ihr,
Ob er der Weisheit oder Furcht gehorchte.
LADY MACDUFF
Weisheit!  Sein Weib, die kleinen Kinder lassen,
Haushalt wie seine Wuerden, an dem Ort,
Von dem er selbst entflieht?  Er liebt uns nicht,
Ihm fehlt natuerliches Gefuehl.  Bekaempft
Der schwache Zaunkoenig, das kleinste Voeglein,
Die Eule doch fuer seine Brut im Nest.
Bei ihm ist alles Furcht und Liebe nichts;
Nicht groesser ist die Weisheit, wo die Flucht
So gegen die Vernunft rennt.
Teu$
n, woraus diese Lobsprueche
gemacht waren--Lasst nur eine einzige Winterwolke schaudern, so
ligen alle diese Fliegen.
Komm, es ist gnug geprediget!  Mein Herz kan mir doch wegen miner
Guetigkeit keinen Vorwurf machen.  Unweislich, nicht unedel hab' ich
weggegeben; waruO weinst du?  Kanst du faehig seyn, dir einzubilden,
es werde mir jemals an Freunden fehlen?  Beruhige dich!  Wenn ich die
Gefaesse meiner Liebe anzapfen, und den Inhalt ihrer Herzen durch
Borgen auf die Probe sezen wollte, ich koennte mich ihrer Personen
und ihres Vermoegens so frey bedienen, als ich dir befehlen kan zu
Die Goetter geben dass die Erfahrung eure Hoffnung erfuelle!
Und gewisser Maassen leisten mir diese Beduerfnisse einen Dienst,
der sie in meinen Augen zu grossen Vortheilen macht; denn durch sie
werd' ich Freunde bewaehren.  Ihr werdet sehen, wie sehr ihr euch
ueber meine Glueks-Umstaende betruegt; ich bin an Freunden reich.
Herein, he!  Flaminius, Servilius!
Fuenfte Scene.
(Flaminius, Servilius, und andre Bediente treten auf.$
te seyn werde, es wett zu machen?  Es wird
allen uebrigen eine Materie zum Lachen geben, und ich werde oer Narr
unter dem Atheniensischen Adel seyn.  Ich wollte dreymal so viel als
er von mir verlangt darum geben, er haette zu mir zuerst geschikt,
wenn es auch nur gewesen waere, um meiner Gemuethsart Gerechtigkeit
wiederfahren zu lassen; ich waere so geneigt gewesen ihm Gutes zu
thun.  Aber so geh' nur wieder heim, und seze zu den abschlaegigen
Antworten der uebrigen, in meinem Namen, noch dieses hinzu: Wer
meiner Ehre zu nahe tritt, soll nimmermehr mein eld zu sehen
(Er geht ab.)
Vortreflich!  Euer Gnaden ist ein feiner Spizbube.  Der Teufel wusste
gewiss nicht was er that, wie er die Leute politisch machte; er
schadete sich selbst dadurch; und ich kan nichts anders al1 glauben,
am Ende werden sie ihn selbst mit ihren Schelmenstreichen zum
Narren machen.--Das waren nun diejenigen, auf die mein Herr seine
besten Hoffnungen gesezt hatte; nun sind alle zuruekgetreten, und
ausser den Goettern bleibt ihm niemand$
eine Augen, deren Staehlung weder das Heulen der
Muetter, das Geschrey der Jungfrauen, und das Wimmern der Kinder;
noch der Anblik von Priestern, deren Blut ueber ihre heiligen
Kleider herab stroet, nur um eine Nadelspize durchdringen moege.
Hier ist Gold, deine Soldaten zu bezahlen.  Verbreite Verderben um
dich her, geh', und wenn du deine Wuth ausgelassen hast, so verdirb
selbst!  Antworte nicht, geh!
Hast du noch Gold?  Ich nehme das Gold an, das du mir giebst, und
lasse dir deinen Rath.
Du folgest ihm oder nicht, so falle der Fluch des Himmels auf dich!
Timandra, Phryia.
Gieb uns auch etwas Gold, guter Timon; hast du noch mehr?
Genug, um zu machen dass eine Hure ihr Handwerk verschwoere und eine--
Kupplerin werde.  Hebt auf, ihr Schluetten**, die Schuerze auf!  Ihr
seyd nicht eydfaehig, ob ich gleich weiss, dass ihr schwoeren wuerdet;
schwoeren, dass die unsterblichen Goetter die euch hoeren, vor Entsezen
schaudern muessten.  Spart)eure Schwuere, ich will euerm blossen
Versprechen glauben.  Bleibt immer$
maechtiger Gebieter?  hier bin ich.
Du und deine geringern Mitgesellen haben vorhin ihren Dienst aufs
beste versehen, und ich will euch izt zu einem andern Spiel
gebrauchen.  Geh, bring die Geisterschaar, uber die ich dir Gewalt
gegeben habe, an diesen Ort; Muntre sie zu schnellen Bewegungen auf,
denn ich muss die Augen dieses jungen aars mit irgend einer
Eitelkeit meiner Kunst belustigen; ich hab' es versprochen und sie
erwarten's von mir.
Ja, in einem Augenblik.
Eh ihr sagen koennt, komm und geh, weymal athmen, und ruffen, so,
so; soll jeder auf den Zehen tripplend hier seyn, und seine Kuenste
machen.  Liebt ihr mich nun, mein Gebieter?*
{ed.-* Ariel sagt dieses im Original in kleinen Versen, die sich alle
in O reimen, und, weil sie alle ihre Artigkeit daher haben, sich
nicht in Reime uebersezen lassen.}
Hoechlich, mein sinnreicher Ariel; komm nicht zuruek, bis ich dich
Gut, ich verstehe dich.
Prospero (zu Ferdinand.)
Vergiss du nicht dein Wort zu halten; treibe den Scherz nicht zu
weit; die staerksten E$
er alten Ursel oben im Pfaefferserdorf in die Kost.  Ich
konnte auch im Winter im Bad bleiben, es gab allerhand Arbeit, weil
ich zu naehen und flicken verstehe, und frueh im Fruehling kam die
Herrschaft aus Frankfurt wieder, die ich voriges Jahr bedient hatte
und die mich mitnehmen will; uebermorgen reisen wir ab, und der
Dienst ist gut, das kann ich dir sagen."
"Und dem Alten da droben willst du nun das Kind uebergeben?  Es
nimmt mich nur wunder, was du denkst, Dete", sagte die Barbel
vorwurfsvoll.
"Was meinst du denn?", gab Dete zurueck.  "Ich habe das Meinige an
dem Kinde getan, und was sollte ich denn mit ihm machen?  Ich denke,
ich kann eines, das erst fuenf Jahre alt wird, nicht mit nachFrankfurt nehmen.  Aber wohin gehst du eigentlich, Barbel, wir sind
ja schon halbwegs auf der Alm?"
"Ich bin auch gleich da, wo ih hinmuss", entgegnete die Barbel;
"ich habe mit der Geissenpeterin zu reden, sie spinnt mir im Winter.
So leb wohl, Dete, mit Glueck!"
Dete eichte der Begleiterin die Hand und blieb stehen,$
lara ins Haus zu nehmen, und da ich ja weiss, wiesehr Sie darauf halten, dass nur Gutes und Edles Ihre Tochter
umgebe, hatte ich meinen Sinn auf ein junges Schweizermaedchen
gerichtet, indem ich hoffte, eines jener Wesen bei uns eintreten zu
sehen, von denen ich schon so oft gelesen, welche, der reinen
Bergluft entsprossen, sozusagen, ohne die Erde zu beruehren, durch
das Leben gehen."
"Ich glaube zwar", bemerkte hier Herr Sesemann, "dass auch die
Schweizerkinder den Erdboden beruehren, wenn sie vorwaerts kommen
wollen; sonst waeren ihnen wohl Fluegel gewachsen statt der Fuesse."
"Ach, Herr Sesemann, Sie verstehen mich wohl", fuhr das Fraeulein
fort; "Ich meintM eine jener so bekannten, in den hohen, reinen
Bergregionen lebenden Gestalten, die nur wie ein idealer Hauch an
uns vorueberziehen."
"Was|sollte aber meine Klara mit einem idealen Hauch anfangen,
Fraeulein Rottenmeier?"
"Nein, Herr Sesemann, ich scherze nicht, die Sache ist mir ernster,
als Sie denken; ich bin schrecklich, wirklich ganz schrecklich
g$
men.
Aber dieses war so hoch, dass Heidi nur gerade mit dem Kopf so weit
hinaufreichte, dass es durchsehen konnte. Aber Heidi fand nicht, was
es suchte. Es lief von einem Fenster zum anderen und dann wieder zum
ersten zurueck; aber immer war dasselbe vor seinen Augen, Mauern und
Fester und wieder Mauern und dann wieder Fenster. Es wurde Heidi ganz
bange. Noch war es fru\h am Morgen, denn Heidi war gewoehnt, f=ueh
aufzustehen auf der Alm und dann sogleich hinauszulaufen vor die Tuer
und zu sehen, wie's draussen sei, ob der Himmel blau und die Sonne
schon droben sei, ob die Tannen rauschen und die kleinen Blumen schon
die Augen offen haben. Wie das Voegelein, das zum ersten Mal in seinem
schoen glaenzenden Gefaengnis sitzt, hin und her schiesst und bei
allen Staeben probiert, ob es nicht dazwischen durchschluepfen und in
die Freiheit hinausfliegen koenne, so lief Heidi immer von dem einen
Fenster zum anderen, um zu probieren, ob es nicht aufgemacht werden
koenne, denn dann musste man doch etwas anderes sehen a$
nd Mutter s#ch kreutz und die quer immer mit in die
Erziehung mengen, und dem Fass, in welches er fuellt,
den Boden immer wieder ausschlagen?
Ich bin um zehn Uhr zu einem Kranken bestellt.  Sie
werden mir verzeihen.--(Im Abgehen wendt er sich um)
Aber waer's nicht moeglich, gnaediger Herr, dass Sie
Ihren zweyten Sohn nur auf ein halb Jaehrchen zum
Herrn Major in die Kost thaeten?  Mein Sohn will gern
vit achtzig Dukaten zufrieden seyn, aber mit sechzigen,
die ihm der Herr Bruder geben wollen, da kann er nicht
von subsistiren.
Lass ihn quittiren.--Ich thu es nicht, Herr Pastor!
Davon bin ich nicht abzubringen.  Ich will Ihrem Herrn
Sohn die dreyssig Dukaten lieber schenken; aber meinem
Sohn geb ich zu keinem Hofmeister.  (Der Pastor halt
ihm einen Brief hin) Was soll ich damit?  Es ist alles
umsonst, sag ich Ihnen.
Lesen Sie--Lesen Sie nur.--
Je nun, ihm ist nicht--(liest)--wenden Sie doch
alles an, den Herrn geheimen Rath dahin zu vermoegen,
--Sie koennen Sich nicht vorstellen, wie elend es
mir hier geht; ni$
den
Namen zu sagen.
Freyer fuer meine Tochter!--(wirft das Kind ins
Kanapee) Wo ist sie?
Sacht!  ihr Freyer ist bey ihr--Willst Du Deine
Einwilligung geben?
Ists ein Mensch von gutem Hause?  Ist er von Adel?
Ich zweifle.
Doch keinerJzu weit unter ihrem Stande?  O sie sollte
die erste Parthie im Koenigreich werden.  Das ist ein
vermaledeyter Gedanke!  wenn ich doch den erst fort
haette; er wird mich noch ins Irrhaus bringen.
Geh. Rath.  (oefnet die Kammer; auf seinen Wink tritt
Fritz mit Gustchen heraus)
Major.  (faellt ihm um den Hals)
Fritz!  (zum geh.  Rath) Ists Dein Fritz?  Willst Du
meine Tochter heyrathen?--Gott segne Dich.  Weisst
Du noch nichts, oder weisst Du alles?  Siehst Du, wie
mein Haar grau geworden ist vor der Zeit!  (fuehrt ihn
ans Kanapee) Siehst Du, dort ist das Kind.  Bist Fin
Philosoph?  Kannst alles vergessen?  Ist Gustchen Dir
noch schen genug?  O sie hat bereut.  Jung, ich schwoere
Dir, sie hat bereut, wie keine Nonne und kein Heiliger.
Aber was ist zu machen?  Sind doch die Engel aus$
 er fror zu, und nun war man ganz vermauert drinnen, denn durch
diesen Eisfelsen konnte man nicht dringen, und durch das kleine
Fenster konnte nur der Peter hinausschluepfen. Fuer diesen brachte
dann die Zeit des Gefrierens viele Bequemlichkeiten mit sich. Wenn er
ins Doerfli hinunter musste, oeffnete er nur das Fenster, kroch durch
und kam draussen zu ebener Erde auf dem festen Schneefelde an. Dann
schob ihm die Mutter den kleinen Schlitten durch das Fenster nach, und
der Peter hatte sich nur daraufzusetzen und abzufahren, wie und wo er
wollte, er kam jedenfalls hinunter, denn die gaze Alm um und um war
dann nur ein grosser, ununterbrochener Schlittweg.
Der Oehi war nicht auf der Alm den Winter; er hatte Wort gehalten.
Sobald der erste Schnee gefallen war, hatte er Huette und Stall
abgeschlossen undwar mit dem Heidi und den Geissen nach dem
Doerfli hinuntergezogen. Dort stand in der Naehe der Kirche und des
Pfarrhauses ein weitlaeufiges Gemaeuer, das war in alter Zeit ein
grosses Herrenhaus gewesen, was ma$
le weg, eine rechts und die andere links, denn er hatte dem Heidi
eine Botschaft zu ueberbringen. Als er zu ihm vorgedrungen war, hielt
er ihm einen Brief entgegen.
"Da!" sagte er, die weitere Erklaerung der Sache dem Heidi selbst
9eberlassend. Es war sehr erstaunt.
"Hast du denn auf der Weide einen Brief fuer mich bekommen?" fragte es
voller Verwunderung.
"Nein", war die Antwort.
"Ja, wo hast du ihn denn genommen, Peter?"
"Aus dem Brotsack."
Das war richtig. Gestern abend hatte der Postbeamte im D?erfli ihm den
Brief an das Heidi mitgegeben. Den hatte der Peter in den leeren Sack
gelegt. Am Morgen hatte er seinen Kaese und sein Stueck Brot darauf
gepackt und war ausgezogen. Den Oehi und das Heidi hatte er wohl
gesehen, als er ihre Geissen abholte, aber erst als er um Mittag mit
Brot und Kaese zu Ende war und noch die Krumen herausholen wollte, war
der Brief wieder in seine Hand gekommen.
Das Heidi las aufmerksam seine Adresse ab, dann sprang es zum
Grossvater in den Scopf zurueck und streckte ihm in hoher F$
koerner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst
kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie
Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten:
"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel
droben erinnern."
[Illustration]
38. RAETSEL.
Loch bei Loch,
Und haelt do^h.
Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
Keine Fenster, keine Zimmer;
Wer drin wohnt, muss es immer
Auf seinem Ruecken schleppen.
Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blaetter,
Schuetzt dich vor Sonne und im Regenwetter.
39. VOEGEL UND BLUMEN.
  Die Voegel, sie fliegen wie Blaetter im Wind;
  Da winken die Bluemlein zum Abschied geschwind.
  Es singt in den Baeumender Herbst schon sein Lied,"  Fort ziehen die Voegel, die Blumen sind mued'.
  Im Sueden die Voegel, die Blumen im Schnee,
  Sie warten, dass wieder der Fruehling ersteh'.
  Dann lachen die Blueten, das Voegelein singt;
  Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.
40. DANKSAGUNGSTAG.
Was tut ihr, wenn euch$
eitete und schmeichend zu mir sprach:
So schoen ist keine, dass sie deine Hand
Nicht pfluecken duerfte!--Ha, er sei verflucht,
Dass er's so ganz vergass! So ganz! Dann ward's
Unheimlich, und ich musste wider Willen
Die Zukunft schaun. Ich sah mich so und so,
Und endlich, wie ich hier steh! (Zu Alexandra.) Ist es denn
Nicht seltsam, wenn ein Traum ins Leben tritt?--
Nun truebte sich der helle Spiegel wieder,
Das Licht ward aschenfarbig, und ich selbst,
Die kurz zuvor noch Bluehende, so bleich,
Als haett' ich unter diesem Prachtgewand
Schon laengst aus allen Adern still geblutet.
Ein Schauder packte mich, ich rief: Jetzt komme
Ich als Geripp, und das will ich nicht sehn!
Da wandt' ich mich--
(Sie wendet sich vom Spiegel ab.)
Stimmen im Hintergrund. Der Koenig!
(Allgemeine Bewegung.)
                       (          Wer?
Herodes tritt ein, kriegerisch angetan. Joab. Gefolge.
Der Tod! Der Tod! Der Tod ist unter uns!
Unangemeldet, wie er immer kommt!
Der Tod fuer dich! jawohl! So fuehlst du's selbsto
Mein Bruder$
lirren
Mit eisernem Klang,
Wo der Hass und der Wahn die Herzen verwirren,
Wo die Menschen wandeln im ewigen Irren
Da wenden wir fluechtig den eilenden Gang.
Chor der Kuenste.  Wir hassen die Falschen,
Die Goetterveraechter;
Wir suchen der Menschen
AufricZt'ge Geschlechter;
Wo kindliche Sitten
Uns freundlich empfahn,
Da bauen wir Huetten
Und siedeln uns an!jMaedchen.  Wie wird mir auf einmal!
Wie ist mir geschehn!
Es zieht mich zu ihnen mit dunkeln Gewalten;
Es sind mir bekannte, geliebte Gestaltn,
Und weiss doch, ich habe sie niemals gesehn.
Alle Landleute.  Wie wird mir auf einmal!
Wie ist mir geschehn!
Genius.  Aber, still! da seh' ich Menschen,
Und sie scheinen hoch beglueckt;
Reich mit Baendern und mit Kraenzen,
Festlich ist der Baum geschmueckt.
--Sind dies nicht der Freude Spuren?
Redet! Was begibt sich hier?
Vater.  Hirten sind wir dieser Fluren,
Und ein Fest begehen wir.
Genius.  Welches Fest? O lasset hoeren!
Mutter.  Unsrer Koenigin zu Ehren,
Der erhabnen, guetigen,
Die in unser stilles Thal
Nieder$
Koepfe auf den Goldgrund der Tuer hinueberreckten. Dies
alles beschaeftigte den Knaben so, )ass er nun erst die schoene Frau Abel und
ihren Eheherrn bemerkte, welche mit geneigtem Haupte vor dem Schreine
niedergekniet waren. Unwillkuerlich hielt er den Atem an, um nicht bemerkt
zu werden; und nun hoerte er die Stimmen seiner Eltern in leisem Gesange:
Rinke, ranke, Rosenschein,
Tu dich auf, du goldner Schrein!
Tu dich auf und schliess uns ein,
R8nke, ranke, Rosenschein!
Waehrend des Gesanges erstarrte in dem Laubwerk das Leben des Gewuermes; die
goldenen Tueren gingen langsam auf und zeigten in dem Innern des Schrankes
einen kristallenen Becher, in welchem eine halberschlossene Rose auf
schlankem Sc,afte stand. Allmaehlich oeffnete sich der Kelch; weiter und
weiter, bis eins der schimmernden Blaetter sich abloeste und zwischen die
Knieenden hinabfiel. Ehe es aber den Boden erreichte, zerstob es klingend
in der Luft und fuellte das Gemach mit rosenrotem Nebel. Ein starker
Rosenduft quoll durch das Schluesselloc$
rren vorgestellte, Verhaeltnisse
der Erscheinungen (neben- oder nacheinander), so muessen sie den
mathematischen Lehren a priori in Ansehung wirklicher Dinge (z.E.
im Raume) ihre Gueltigkeit, wenigstens die apodiktische Gewisshe`t
streiten, indem diese a posteriori gar nicht stattfindet, und die
Begriffe a priori von Raum und Zeit, dieser Meinung nach, nur
Geschoepfe der Einbildungskraft sind, deren Quell wirklich in der
Erfahrung gesucht werden muss, aus 0eren abstrahierten Verhaeltnissen
die Einbildung etwas gemacht hat, was zwar das Allgemeine derselben
enthaelt, aber ohne die Restriktionen, welche die Natur mit denselben
verknuepft hat, nicht stattfinden kann. Die ersteren gewinnen so
viel, dass sie fuer die mathematischen Behauptungen sich das Feld der
Erscheinungen freimachen. Dagegen verwirren sie sich sehr durch eben
diese Bedingungen, wenn der Verstand ueber dieses Feld hinausgehen
will. Die zweiten gewinnen zwar in Ansehung des letzteren, naemich,
dass die Vorstellungen von Raum und Zeit ihnen nich$
ich hinaufschwingt,
zeigt die Philosophie eine Wuerde,welche, wenn sie ihre Anmassungen
nur behaupten koennte, den Wert aller anderen menschlichen
Wissenschaft weit unter sich lassen wuerde, indem sie die Grundlage zu
unseren groessesten Erwartunen und Aussichten auf die letzten Zwecke,
inRwelchen alle Vernunftbemuehungen sich endlich vereinigen muessen,
verheisst. Die Fragen: ob die Welt einen Anfang und irgendeine Grenze
ihrer Ausdehnung im Raume habe, ob es irgendwo und vielleicht in
meinem denkenden Selbst eine unteilbare und unzerstoerliche Einheit,
oder nichts als das Teilbare und Vergaengliche gebe, ob ich in meinen
Handlungen frei, oder, wie andere Wesen, an dem Faden der Natur und
des Schicksals geleitet sei, ob es endlich eine oberste Weltursache
gebe, oder die Naturdinge und deren Ordnung den letzten Gegenstand
ausmachen, bei dem wir in allen unseren Betrachtungen stehenbleiben
muessen: das sind Fragen, um deren Aufloesung der Mathematiker gerne
seine ganze Wissenschaft dahingaebe; denn diese kan$
liches Ansehen und einige Gunst bei der grossen Menge
erwerben werde.
Die menschliche Vernunft ist ihrer Natur nach architektonisch, d.i.
sie betrachtet alle ErZenntnisse als gehoerig zu einem moeglichen
System, und v^rstattet daher auch nur solche Prinzipien, die eine
vorhabende Erkenntnis weni`stens nicht unfaehig machen, in irgendeinem
System mit anderen zusammen zu stehen. Die Saetze der Antithesis
sind aber von der Art, dass sie die Vollendung eines Gebaeudes von
Erkenntnissen gaenzlich unmoeglich machen. Nach ihnen gibt es ueber
einen Zustand der Welt immer einen noch aelteren, in jedem Teile immer
noch andere, wiederum teilbare, vor jeder Begebenheit eine andere, die
wiederum ebensowohl anderweitig erzeugt war, und im Dasein ueberhaupt
alles immer nur bedingt, ohne irgendein unbedingtes und erstes Dasein
anzuerkennen. Da also die Antithesis nirgend ein Erstes einraeumt, und
keinen Anfang, der schlechthin zum Grunde des Baues dienen koennte,
so ist ein vollstaendiges Gebaeude der Erkenntnis, bei derglei$
Streits wollen
wir jetzt einschlagen.
                          *           *
                                *
Der eleatische Zeno, ein subtiler Dialektiker, ist schon vom Plato als
ein mutwilliger Sophist darueber sehr getadelt worden, dass <r, um
seine Kunst zu zeigen, dinerlei Satz durch scheinbare Argumente
zu beweisen und bald darauf durch andere ebenso starke wieder
umzustuerzen suchte. Er behauptete, Gott (vermutlich war esFbei ihm
nichts als die Welt) sei weder endlich, noch unendlich, er sei weder
in Bewegung, noch in Ruhe, sei keinem anderen Dinge weder aehnlich,
noch unaehnlich. Es schien denen, die ihn hierueber beurteilten, er
habe zwei einander widersprechende Saetze gaenzlich ableugnen wollen,
welches ungereimt ist. Allein ich finde nicht, dass ihm dieses mit
Recht zur Last gelegt werden koenne. Den ersteren dieser Saetze werde
ich bald naeher beleuchten. Was die uebrigen betrifft, wenn er unter
dem Worte: Gott, das Universum verstand, so musste er allerdings
sagen: dass dieses weder in seinem$
 der Sinnenwelt, und was in Ansehung ihrer der Vernunft
zu Diensten geschehen kann, zum Gegenstande haben: so sind unsere
Ideen zwar transzendental, aber doch kosmologisch. Sobald wir aber
das Unbedingte (um das es doch eigentlich zu tun ist) in demjenigen
setzen, was ganz ausserhalb der Sinnenwelt, mithin ausser aller
moeglichen Erfahrung ist, so werden cie Ideen transzendent; sie dienen
nicht bloss zur Vollendung des empirischen Vernunftgebrauchs (der
immer eine nie auszufuehrende, aber dennoch zu befolgende Idee
bleibt), sondern sie trennen sich davon gaenzlich, und machen sich
selbst Gegenstaende, deren Stoff nicht aus Erfahrung genommen, deren
objektive Realitet auch nicht auf der Vollendung der empirischen
Reihe, sondern auf reinen Begriffen a priori beruht. Dergleichen
transzendente Ideen htben einen bloss intelligiblen Gegenstand,
welchen als ein transzendentales Objekt, von dem man uebrigens nichts
weiss, zuzulassen, es allerdings erlaubt ist, wozu aber, um es als ein
durch seine unterscheidenden un$
glicher Erfahrung, baendige, und sie von
Ausschweifung und Irrtum abhalte, dass auch die lanze Philosophie
der reinen Vernunft bloss mit diesem negativen Nutzen zu tun hat.
Einzelnen Verirrungen kann durch Zensur und den Ursachen derselben
durch Kritik abgeholfen werden. Wo aber, wie in der reinen Vernunft,
ein ganzes System von Taeuschungen und Blendwerken angetroffen wird,
die unter sich wohl verbunden und unter gemeinschaftlichen Prinzipien
vereinigt sind, da scheint eine ganz eigene und zwar negative
Gesetzgebung erforderlich zu sein, welche unter dem Namen einer
Disziplin aus der Natur der Vernunft und der Gegenstaende ihres
reinen Gebrauchs gleichsam ein System der Vorsicht und Selbstpruefung
errichte, vor welhem kein falscher vernuenftelnder Schein bestehen
kann, sondern sich sofort, unerachtet aller Gruende seiner
Beschoenigung, verraten muss.
Es ist aber woh zu merken: dass ich in diesem zweiten Hauptteile der
transzendentalen Kritik die Disziplin der reinen Vernunft nicht auf
den Inhalt, sondern b$
chts ausrichten, sondern eil| sogleich zur Anschauung,
in welcher sie den Begriff in concreto betrachtet, aber doch nicht
empirisch, sondern bloss in einer solchen, die sie a priori darstellt,
d.i. konstruiert hat, und in welcher dasjenige, was aus den
allgemeinen Bedingungen der Konstruktion folgt, auch von dem Objekte
des konstruierten Begriffs allgemein gelten muss.
Man gebe einem Philosophen den Begriff eines Triangels, und lasse
ihn nach seiner Art ausfindig machen, we sich wohl die Summe seiner
Winkel zum rechten 3erhalten moege. Er hat nun nichts als den Begriff
von einer Figur, die in drei geraden Linien eingeschlossen ist, und
an ihr den Begriff von ebensoviel Winkeln. Nun mag er diesem Begriffe
nachdenken, so lange er will, er wird nichts Neues herausbringen.
Er kann den Begriff der geraden Linie, oder eines Winkels, oder der
Zahl drei zergliedern und deutlich machen, aber nicht auf andere
Eigenschaften kommen, die in diesen Begriffen gar nicht liegen. Allein
der Geometer nehme diese Frage vor. Er $
ine Veraenderung, sondern einen Wechsel, da einige
Bestimmungen aufhoeren, und andere anheben.
Veraenderung kann daher nur an Substanzen wahrgenommen werden, und
das Entstehen oder Vergehen, schlechthin, ohne dass es bloss eine
Bestimmung des Beharrlichen betreffe, kann gar keine moegliche
Wahrnehmung sein, weil eben dieses Beharrliche die Vorstellung von
dem Uebergange aus dem Zustande in den anderen, und von Nichtsein zum
Sein, moeglich macht, die also nur als wechselnde Bestimmungen dessen,
was bleibt, empirisch erkannt werden koennen. Nehmet an, dass etwas
schlechthin anfange zu sein;so muesst ihr einen Zeitpunkt haben, in
dem es nicht wr. Woran wollt ihr aber diesen heften, wenn nicht an
demjenigen, was schon da ist? Denn eine leere Zeit, die vorherginge,
ist kein Gegenstand der Wahrnehmung; knuepft ihr dieses Entstehen aber
an Dinge, die vorher waren, und bis zu dem, was entsteht, fortdauern,
so war daK letztere nur eine Bestimmung des ersteren, als des
Beharrlichen. Ebenso ist es auch mit dem Vergehe$
Apprehension jederzeit
sukzessiv ist. So ist z.E. die Apprehension des Mannigfaltigen in
der Erscheinung eines Hauses, das vor mir steht, sukzessiv. Nun ist
die Frage: ob das Mannigfaltige dieses Hauses selbst auch in sich
sukzessiv sei, welches freilich niemand zugeben wird. Nun ist
aber, sobald ich meine Begriffe von einem Gegenstande bis zur
transzendmntalen Bedeutung steigere, das Haus gar kein Ding an
sich selbst, sondernnur eine Erscheinun7, d.i. Vorstellung, deren
transzendentaler Gegenstand unbekannt ist; was verstehe ich also unter
der Frage: wie das Mannigfaltige in der Erscheinung selbst (die doch
nichts an sich selbst ist) verbunden sein moege? Hier wird das, was in
der sukzessiven Apprehension liegt, als Vorstellung, die Erscheinung
aber, die mir gegeben ist, ohnerachtet sie nichts weiter als ein
Inbegriff dieser Vorstellungen ist, als der Gegenstand derselben
betrachtet, mit welchem mein Begriff, den ich aus den Vorstellungen
der Apprehension ziehe, zusammenstimmen soll. Man sieht bald, dass,
w$
en Begriff
a priori gedacht worden, hernehmen, wenn es nicht von der Synthesis
geschieht, welche die Form der empirischen Erkenntnis der Objekte
ausmacht? Dass in einem solchn Begriffe kein Widerspruch enthalten
sein muesse, ist zwar eine notwendige logische Bedingung; aber zur
objektiven Realitaet des Begriffs, d.i. der Moeglichkeit eines solchen
Gegenstandes, als durch den Begriff gedacht wird, bei weitem nicht
genug. So ist in dem Begriffe einer Figur, die in zwei geraden Linien
eingeschlossen ist, kein Widerspruch, denn die Begriffe von zwei
geraden Linien und deren Zu"ammenstossung enthalten keine Verneinung
einer Figur; sondern die Unmoeglichkeit beruht nicht auf dem Begriffe
an sich selbst, sondern der Konstruktion desselben im Raume, d.i. den
Bedingungen des Raumes und der Bestimmung desselben, diese haben aber
wiederum ihre objektive Realitaet, d.i. sie gehen auf moegliche Dinge,
eil sie die Form der Erfahrung ueberhaupt a priori in sich enthalten.
Und nun wollen wir den ausgebreiteten Nutzen und E$
rteilen will, was diese
selbst umgibt und begrenzt, muss daher in der transszendentalen
Dia-ektik erwogen werden. Diese vier Saetze (in mundo non datur
hiatus, non datur saltus, non datur casus, non datur fatum) koennten
wir leicht, so wie alle Grundsaetze transzendentalen Ursprungs, nach
ihrer Ordnung, gemaess der Ordnung der Kategorien vorstellig machen,
und jedem seine Stelle beweisen, allein der schon geuebte Leser wird
dieses von selbst tun, oder den Leitfaden dazu leicht entdecken. Sie
vereinigen sich aber alle lediglich dahin, um in der empirischen
Synthesis nichts zuzulassen, was dem Verstande und dem
kontinuierlichen Zusammenhange aller Erscheinungen, d.i. der Einheit
seiner Begriffe, Abbruch oder Eintrag tun koennte. Denn er ist es
allein, worin die Einheit de Erfahrung, in der alle Wahrnehmungen
ihre Stelle haben muessen, moeglich wird.
Ob das Feld de	 Moeglichkeit groesser sei, als das Feld, was alles
Wirkliche enthaelt, dieses aber wiederum groesser, als die Menge
desjenigen, was notwendig ist, $
rade Linie sein; so laesst sich
von ihnen kein noch naeheres Merkmal der Wahrheit, als das sie selbst
ausdruecken, anzeigen. Aber alle Urteile, ja alle Vergleichungen
beduerfen einer Ueberlegung, d.i. einer Unterscheidung der
Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Begriffe gehoeren. Die Handlung,
dadurch ich die Vergleichung der Vorstellungen ueberhaupt mit der
Erkenntniskraft zusammenhalte, darin sie angestellt wird, und wodurch
ich unterscheide, ob sie als zum reinen Verstande oder zur sinnlichen
Anschauung gehoerend untereinander verglichen werden, nenne ich die
transzendentale Ueberlegung. Das Verhaeltnis aber, in welchem die
Begriffe in einem Gemutszustande zueinander gehoeren koennen, sind
die der Einerleiheit und Verschiedenheit, der Einstimmung und des
Widerstreits, des Innercn und des Aeusseren, endlich des Bestimmbaren
und der Bestimmung (Materie und Form). Die richtige Bestimmung dieses
Verhaeltnisses beruht darauf, in welcher Erkenntniskraft sie subjektiv
zueinnder gehoeren, ob in der Sinnlichkeit $
s nach der blossen Natur regelmaessig und gleichfoermig sein
wuerde, dadurch verwirrt und unzusammenhaengend gemacht wird.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Vierter Widerstreit der transzendentalen Ideen
        Thesis
Zu der Welt gehoert etwas, das, entweder als ihr Teil, oder ihre
Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist.
        Beweis
Die Sinnenwelt, als das Ganze aller Erscheinungen, enthaelt zugleich
eine Reihe von Veraenderungen. Denn, ohne diese, wuerde selbst die
Vorstellung der Zeitreihe, als einer Bedingung der Moeglichkeit der
Sinnenwelt, uns nicht gegeben sein*. Eine jede Veraenderung aber steht
unter ihrer Bedingung, die der Zeit nach vorhergeht, und unter welcher
sienotwendig ist. Nun setzt ein jedes Bedingte, das gegeben ist, in
Ansehung seiner Existenz, eine vollstaendige Reihe von Bedingungen bis
zum Schlechthinunbedingten voraus, welces allein absolXtnotwendig
ist. Also muss etwas Absolutnotwendiges existieren, wenn eine
Veraenderung als seine Folge existiert. Dieses Notwendige aber$
 der gedachte Grundsatz der reinen Vernunft,
in seiner dergestalt berichtigten Bepeutung, annoch seine gute
Gueltigkeit, zwar nicht als Axiom, die Totalitaet im Objekt als
wirklich zu denken, sondern als ein Problem fuer den Verstand, also
fuer das Subjekt, um, der Vollstaendigkeit in der Idee gemaess, den
Regressus in der Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingven
anzustellen und fortzusetzen. Denn in der Sinnlichkeit, d.i. im
Raume und der Zeit, ist jede Bedingung, zu der wir in der Exposition
gegebener Erscheinungen gelangen koennen, wiederum bedingt; weil
diese keine Gegenstaende an sich selbst sind, an denen allenfalls das
Schlechthinunbedingte stattfinden koennte, sondern bloss empirische
Vorstellungen, die jederzeit in der Anschauung ihre Bedingung finden
muessen, welche sie dem Raume oder der Zeit nach bestimmt. Der
Grundsatz der Vernunft also ist eigentlch nur eine Regel, welche in
der Reihe der Bedingungen gegebener Erscheinungen einen Regressus
gebietet, dem es niemals erlaubt ist, bei ein$
erschuldeten Fehler
  des Temperaments, oder dessen gluecklicher Beschaffenheit (merito
  fortunae) zuzuschreiben sei, kann niemand ergruenden, und daher auch
  nicht nach voelliger Gerechtigkeit richten.
Gleichwohl gehoert doch eben dieselbe Ursache in einer anderen
Beziehung auch zur Reihe der Erscheinungen. Der Mensch ist selbst
Erscheinung. Seine Will.uer hat einen empirischen Charakter, der die
(empirische) Ursache aller seiner Handlungen ist. Es ist keine der
Bedingungen, die den Menschen diesem Charakter gemaess bestimmen,
welche nicht in der Reihe der Naturwirkungen enthalten waere
und dem Gesetze derselben gehorchte, nach welchem gar keine
empirischunbedingte Kausalitaet von dem, was in der Zeit geschieht,
angetroffen wird. Daher kann keine gegebene Handlung (weil sie nur als
Erscheiaung wahrgenommen werden kann) schlechthin von selbst anfangen.
Aber von der Vernunft kann man nicht sag;n, dass vor demjenigen
Zustande, darin sie die Willkuer bestimmt, ein anderer vorhergehe,
darin dieser Zustand selbs$
ruenglich
angesehen. Denn alle Verneinungen (welche doch die einzigen Praedikate
sind, wodurch sich alles andere vom realsten Wesen unterscheiden
laesst,) sind blosse Einschraenkungen einer groesseren und endlich
der hoechsten Realitaet, mithin setzen sie diese voraus, und sind dem
Inhalte nach von ihr bloss abgeleitet. Alle Mannigfaltigkeit der Dinge
ist nur eine eben so vielfaeltige Art, den Begriff der hoechsten
Realitaet, der ihr gemeinschaftliches>Substratum ist, einzuschraenken,
so wie alle Figuren nur als verschiedene Arten, den unendlichen
Raum einzuschraenken, moeglich sind. Daher wird der bloss in der
Vernunft befindliche Gegenstand ihres Ideals auch das Urwesen (ens
originarium), sofern es keines ueber sich hat, das hoechste Wesen (ens
summum), und, sofern alles, als bedingt, unter ihm steht, das Wesen
aller Wesen (ens entium) genaMnt. Alles dieses aber bedeutet nicht das
objektive Verhaeltnis eines wirklichen Gegenstandes zu anderen Dingen,
soodern der Idee zu Begriffen, und laesst uns wegen der E$
 was der hoechsten Realitaet zuwider ist, was
zur blossen Erscheinung (dem Anthropomorphismus im weiteren Verstande)
gehoert, wegzuschaffen, und zugleich alle entgegengesetzten
Behauptungen, sie moegen nun atheistisch, oder deistisch, oder
anthropomorphistisch sein, aus dem Wege zu raeumen; welches in einer
solchen kritischen Behandlung sehr leicht ist, indem dieselben
Gruende, durch welche das Unvermoegen der menschlichen Vernunft, in
Ansehung der Behauptung des Daseins eines dergleichen Wesens, vor
Augen gelegt wird, notwendig auch zureichen, um die Untauglichkeit
einer jeden Gegenbehauptung zu beweisen. Denn, wo will jemand durch
reineJSpekulation der Vernunft die Einsichthernehmen, dass es kein
hoechstes Wesen, als Urgrund von Allem, gebe, oder dass ihm keine
von den Eigenschaften zukomme, welche wir, ihren Folgen nach, als
analogisch mit den dynamischen Realitaeten eines denkenden Wesens,
uns vorstellen, oder dass sie, in dem letzteren Falle, auch allen
Einschraenkungen untrworfen sein muessten, welche$
streich verteiltes Licht und Schatten und
ebenso weislich abwechselnde Lokalfarben die koestlichste Harmonie
hervorzubringen, ist hier recht sichtbar, da das Bild vollkommen
erhalten und frisch wie von gestern vor uns steht; denn freilich,
sobald ein Gemaelde dieser Art gelitten hat, wird unser Genuss sogleich
getruebt, ohne dass wir wissen, was die Ursache sei.
Wer mit dem Kuenstler wegen des Kostuems rechten wollte, der duerfte sich
nur sagen, es habe eine Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts gemalt
werden sollen, und so ist alles abgetan.  Die Abstufung von der Mutter
durch Gemahlin und Toechter ist hoecst wahr und gluecklich; die juengste
Prinzess, ganz am Ende knieend, ist ein huebsches Maeuschen und hat ein
gar artiges, eigensinniges, trotziges Gesichtchen; ihre Lae scheint
ihr gar nicht zu gefallen.
Zum 8. Oktober.
Meine alte Gabe, die =elt mit Augen desjenigen Malers zu sehen, dessen
Bilder ich mir eben eingedrueckt, brachte mich auf einen eignen
Gedanken.  Es ist offenbar, dass sich das Auge nac$
aber ihm fehlt die Kraft, den maechtigen Muskel des weichen
Tierchens zu ueberwaeltigen, er tut auf diese Beute Verzicht, eilt auf
eine andere wandernde los, und die erste setzt ihren Zug sachte fort.
Ich habe nikht gesehen, dass irgendein Taschenkrebs zu seinem Zweck
gelangt waere, ob ich gleich den Rueckzug dieses Gewimmels stundenlang,
wie sie die beiden Flaechen und die dzwischen liegenden Stufen
hinabschlichen, beobachtet habe.
Den 10. Oktober.
Nun endlich kann ich denn auch sagen, dass ich eine Komoedie gesehen
habe!  Sie spielten heut' auf dem Theater St. Lukas "Le Baruge
Chiozzotte", welches allenfalls zu u~bersetzen waere: "Die Rauf--und
Schreihaendel von Chiozza".  Die Handelnden sind lauter Seeleute,
Einwohner von Chiozza, und ihre Weiber, Schwestern und Toechter.  Das
gewoehnliche Geschrei dieser Leute im Guten und Boesen, ihre Haendel,
Heftigkeit, Gutmuetigkeit, Plattheit, Witz, Humor und ungezwungene
Manieren, alles ist gar brav nachgeahmt.  Das Stueck ist noch von
Goldoni, und da ich erst gest$
 unterbrochene Vegetation wirkt; hier gibt's kein-
Knospen, und man lernt erst begreifen, was eine Knospe sei.  Der
Erdbeerbaum (arbutus unedo) blueht jetzt wieder, indem seine letzten
Fruechte reif werden, und so zeigt sich der Orangenb=u mit Blueten,
halb und ganz reifen Fruechten (doch werden letztere Baeume, wenn sie
nicht zwischen Gebaeuden stehen, nun bedeckt).  UEber die Zypresse, den
respektabelsten Baum, wenn er recht alt und wohl gewachsen ist, gibt's
genug zu denken.  Ehstens werd' ich den botanischen Garten besuchen
und hoffe, da manches zu erfahren.  UEberhaupt ist mit dem neuen Leben,
das einem nachdenkenden Menschen die Betrachtung eines neuen Landes
gewaehrt, nichts zu vergleichen.  Ob ich gleich noch immer derselbe bin,
so mein' ich, bis aufs innerste Knochenmark veraendert zu sein.
Fuer diesmal schliess' ich und werde das naechste Blatt einmal ganz von
Unheil, Mord, Erdbeben und Unglueck anfuellen, dass doch auch Schatten in
meine Gemaelde komme.
Den 3. Dezember.
Die Witterung hat bisher me$
er eben deshalb eine freiwillige Armut bisher getragen,
weil er dabei sich zugleich ihrer Liebe erfreut und9ihre Genuegsamkeit
schaetzen lernen, nun sollten ihm auch seine bessern Aussichten und ein
reichlicher Zustand vorzueglich deshalb wuenschenVwert sein, damit er
auch ihr bessere Tage bereiten koenne.
Neapel, zum 25. Maerz.
Nach diesem angenehmen Abenteuer spazierte ich am Meere hin und war
still und vergnueglich.  Da kam mir eine gute Erleuchtung ueber
botanische Gegenstaende.  Herdern bitte ich zu sagen, dass ich mit der
Urpflanze bald zustande bin, nur fuerchte ich, dass niemand die uebrige
Pflanzenwelt darin wird erkennen wollen.  Meine famose Lehre von den
Kotyledonen ist so sublimiert, dass man schwerlich wird weiter gehen
Neapel, den 26. Maerz 1787.
Morgen geht dieser Brief von hier zu euch.  Donerstag den 29. geh'
ich mit der Korvette, die ich, des Seewesens unkundig, in meinem
vorigen Briefe zum Rang einer Fregatte erhob, endlich nach Palermo.
Der Zweifel, ob ich reisen oder bleiben sollte, mac$
chten, belehren.
Nach dem wir diesen Betrachtungen geraume Zeit, aber doch noch immer
zu wenig gewidmet, standen wir im Begriff, uns zu beurlauben, als er
uns zu seiner Frau Mutter fuehrte, woselbst die uebrigen kleineren
Kunstwerke zu sehen waren
Wir fanden eine ansehnliche, natuerlich edle Frau, die uns mit den
Worten empfing:" Sehen Sie sich bei mir um, meine Herren, Sie finden
hier alls noch, wie es mein seliger Gemahl gesammelt und geordnet hat.
Dies danke ich der Froemmigkeit meines Sohnes, der mich in seinen
besten Zimmern nicht nur wohnen, sondern auch hier nicht das geringste
entfernen oder verruecken laesst, was sein seliger Herr Vater anschaffte
und aufstellte; wodurch ich den doppelten Vorteil habe, sowohl auf die
so lange Jahre her gewohnte Weise zu leben, als auch wie von jeher die
trefflichen Fremden zu sehen und naeher zu kennen, die, unsere Schaetze
zu betrachtn, von so weiten Orten herkommen."
Sie schloss uns darauf selbst den Glasschrank auf, worin die Arbeiten
in Bernstein aufbewahrt st$
nger Zeit wiedergab.  Nun
begreift man nicht, wie man die ersten, von Porta, hat so lange gut
finden koennen.  Es ist nun eins der vollkommensten Werke alter Zeit.
In Neapel wird der Koenig ein Museum bauen lassen, wo alles, was er von
Kunstsachen besitzt, das Herkulanische Museum, die Gemaelde von Pompeji,
die Gemaelde von Capo di Monte, die ganze farnesische Erbschaft,
vereinig aufgestellt werden sollen.  Es ist ein grosses und schoenes
Unternehmen.  Unser Landsmann Hackert ist die erste Triebfeder dieses
Werks.  Sogar der Toro Farnese soll nach N(apel wandern und dort auf
der Promenade aufgestellt werden.  Koennten sie die Carracische
Galerie aus dem Palaste mitnehmen, sie taeten's auch.
Rom, den 27. Juni.
Ich war mit Hackert in der Galerie Colonna, wo Poussins, Claudes,
Salvator Rosas Arbeiten zusammen haengen.  Er sagte mir viel Gutes und
gruendlich Gedachtes ueber diese Bilder, er hat einige davon kopiert und
die andern recht aus dem Fundament studiert.  Es freute mich, dass ich
im allgemeinen bei den$
ie's die Gemeinheit ist, die eitle Schwaeche,
Die nur nicht widerste	t und sich ergibt.
Ich selber trage, ich, die ganze Schuld.
O lass mich glauben, was mich haelt und troestet.
Der Mauren Volk und all, was ihnen aehnlich,
Geheime Kuenste ueben sie, verruchte,
Mit Bildern, Zeichen, Spuechen, boesen Traenken
Die in der Brust des Menschen Herz verkehren
Und seinen Willen machen untertan.
Umgeben sind wir rings von Zaubereien,
Allein wir selber sind die kauberer.
Was weit entfernt, bringt ein Gedanke nah,
Was wir verschmaeht, scheint andrer Zeit uns hold,
Und in der Welt voll offenbarer Wunder
Sind wir das groesste aller Wunder selbst.
Sie hat dein Bild.
Sie soll es wiedergeben
Und heften will ich's sichtlich an die Wand
Und drunter schreiben fuer die spaeten Enkel:
Ein Koenig, der an sich nicht gar so schlimm,
Hat seines Amts und seiner Pflicht vergessen.
Gott sei gedankt, dass er sich wiederfand.
Allein du selber traegst an deinem Hals--
Ja so! ihr Bild? Ward dir das auch schon kund?
(Er nimmt das Bild mit d$
Um Gotteswillen nicht! Denn die ist feil,
Hab ich gehoert, seitdem er Schafe weidet.
KARL. Das ist ein Scherz, ein heitres Spiel, ein Fest,
Das er sich selbst und seinem Herzen gibt,
Sich eine schuldlos reine Welt zu gruenden
In dieser rauh barbarschen Wirklichkeit.
Doch was er Grosses, Koenigliches will--
Er will die alten Zeiten wiederbringen,
Wo zarte Minne herrschte, wo die Liebe
Der Ritter grosse Heldenherzen hob,
Und edle Frauen zu Gerichte sassen,
Mit zartem Sinne alles Feine schlichtend.
In jenen Zeiten wohnt der heitre Greis,
Und wie sie noch in alten LiederA leben,
So will er sie, wie eine Himmelstadt,
In goldnen Wolken, auf die Erde setzen--
Gegruendet hat er einen Liebeshof,
Wohin die edlen Ritter sollen wallen,
Wo keusche Frauen herrlich sollen }hronen,
Wo reine Minne wiederkehren soll,
Und mich hat er erwaehlt zum Fuerst der Liebe.
DUNOIS. Ich bin so sehr nicht aus der Art geschlagen,
Dass ichder Liebe Herrschaft sollte schmaehn.
Ich nenne mich nach ihr, ich bin ihr Sohn,
Und all mein Erbe lieg$
mmels
Von wegen des vergossnen Blutes! Gebt
Heraus die Schluessel alle von den Staedten,
Die ihr bezwungen wider goettlich Recht,
Die Jungfrau kommt vom Koenige des Himmels,
Euch Frieden zu bieten oder blutgen Krieg.
Waehlt! Denn das sag ich euch, damit ihre wisset,
Euch ist das schoene Frankreich nicht eschieden
Vom Sohne der Maria--sondern Karl
Mein Herr un Dauphin, dem es Gott gegeben,
Wird koeniglich einziehen zu Paris,
Von allen Grossen seines Reichs begleitet.
--Jetzt Herold, geh und mach dich eilends fort,
Denn eh du noch das Lager magst erreichen,
Und Botschaft bringen, ist die Jungfrau dort,
Und pflanzt in Orleans das Siegeszeichen.
(Sie geht, alles setzt sich in Bewegung, der Vorhang faellt)
ZWEITER AUFZUG
Gegend von Felsen begrenztErster Auftritt
Talbot und Lionel, englische Heerfuehrer. Philipp Herzog von
Burgund. Ritter Fastolf und Chatillon mit Soldaten und Fahnen
TALBOT. Hier unter diesen Felsen lasset uns
Haltmachen und ein festes Lager schlagen,
Ob wir vielleicht die tuechtgen Voelker wied$
rust bewegt kein irdisch Glueck.
(Johanna ergreift ihre Hand mit Heftigkeit, laesst sie aber
schnell wieder fahren)
O koenntest du ein Weib sein und empfinden!
Leg diese Ruestung ab, kein Krieg ist mehr,
Bekenne dich zum sanfteren Geschlechte!
Mein liebend Herz flieht scheu vor dir zurueck,
Solange du der strengen Pallas gleichst.
JOHANNA. Was foderst du von mir!
SOREL. Entwaffne dich! Leg diese Ruestung ab, die Liebe fuerchtet,
Sich dieser stahlbedeckten Brust zu nahn.
O sei ein Weib und du wirst Liebe fuehlen!
JOHANNA. Jetzt soll ich mich entwaffnen! Jetzt! Dem od
Will ich die Brust entbloessen in der Schlacht!
Jetzt nicht--o moechte siebenfaches Erz
Vor euren Festen, vor mir selbst mich schuetzen!
SOREL. Dich liebt Graf Dunois. Sein edles Herz,
pem Ruhm nur offen und der Heldentugend,
Es glueht fuer dich in heiligem Gefuehl.
O es ist schoen, von einem Helden sich geliebt
Zu sehn--es ist noch schoener, ihn zu lieben!
(Johanna wendet sich mit Abscheu hinweg)
Du hassest ihn!--Nein, nein, du kannst hn nur
Ni$
ingehuellt,
So schaendlichen Verdacht zu widerlegen.
--Veracht es, tber mir vertraue dich,
An deiner Unschuld hab ich nie gezweifelt.
Sag mir kein Wort, die Hand nur reiche mir
Zum Pfand und Zeichen, dass du meinem Arme
Getrost vertraust und deiner guten Sache.
(Er reicht ihr die Hand hin, sie wendet sich mit einer
zuckendeV Bewegung von ihm hinweg; er bleibt in starrem
Entsetzen stehen)
VIERTER AUFZUG
Dreizehnter Auftritt
Johanna. D Chatel. Dunois. Zuletzt Raimond
DU CHATEL (zurueckkommend).
Johanna d'Arc! Der Koenig will erlauben,
Dass Ihr die Stadt verlasset ungekraenkt.
Die Tore stehn Euch offen. Fuerchtet keine
Beleidigung. Euch schuetzt des Koenigs Frieden--
Folgt mir, Graf Dunois--Ihr habt nicht Ehre,
Hier laenger zu verweilen--Welch ein Ausgang!
(Er geht. Dunois faehrt aus seiner Erstarrung auf, wirft
noch einen Blick auf Johanna und geht ab. Diese steht
einen Augenblick ganz allein. Endlich erscheint Raimond,
bleibt eine Weile in der Ferne stehen, und betrachtet sie
mit stillem Schmerz. Dann tritt e$
hn!
RAIMOND. Herr, se ist keine schwarze Zauberin!
Bei Gott und allen Heiligen bezeug ichs.
Im IrrtCm ist das Volk. Ihr habt die Unschuld
Verbannt, die Gottgesendete verstossen!
DUNOIS. Wo ist sie? Sage!
RAIMOND. Ihr Gefaehrte war ich
Auf ihrer Flucht in dem Ardennerwald,
Mir hat sie dort ihr Innerstes gebeichtet.
In Martern will ich sterben, meine Seele
Hab keinen Anteil an dem ewgen Heil,
Wenn sie nicht rein ist, Herr, von aller Schuld!
DUNOIS. Die Sonne selbst am Himmel ist nicht reiner!
Wo ist sie, sprich!
RAIMOND. O wenn Euch Gott das Herz
Gewendet hat--So eilt! So rettet sie!
Sie ist gefangen bei den Engellaendern.
DUNOIS. Gefangen! Was!
ERZBISCHOF. Die Unglueckselige!
RAIMOND. In den Ardennen, wo wir Obdach suchten,
Ward sie ergriffen von der Koenigin,
Und in der Engellaender Hand geliefert.
O ret<et sie, die euch gerettet hat,
Von einem grausenvollen Tode!
DUNOIS. Zu den Waffen! Auf! Schlagt Laermen! Ruehrt die Trommeln!
Fuehrt alle Voelker ins Gefecht! Ganz Frankreich
Bewaffne sich! Die Ehre ist ver$
ender Stuemper!  Ha! ha! ha!  Da du o
steht ganz vergebens.  Edle Fertigkeit sagt nichts weniger, und Du, o
edle Fertigkeit nichts mehr.  Deleatur ergo du o!  Damit aber nicht
zwei Silben fehlen, so versta!rke das Beiwort edel, nach Art der
Griechen, und sage ueberedel.  Ich weiss zwar wohl, ueberedel ist ein
neues Wort; aber ich weiss auch, dass neue Woerter dasjenige sind, was
die Poesie am meisten von der Prose unterscheiden muss.  Solche
Vorteilchen merke dir!  Du musst dich durchaus bestreben, etwas
Unerhoertes, etwas Ungesagtes zu sagen.  Verstehst du mich, dummer
Anton.  Ich will es hoffen.
Damis.  Also heisst dein erster Vers
ueberedle Fertigkeit
usw.  Nun lies weiter!
Anton.  Zu den vorgesetzten Zwecken Tuecht'ge Mittel zu entdecken Und
sich dann zur rechten Zeit Ihrer Kraefte zu bedienen, Wirst, so lange,
bis die Welt In ihr erstes Cha Cha- Chaos faellt, Wie die Pappelbaeume
Aber, Herr Damis, koennen Sie mir nicht sagen, was ich hier muss gedacht
haben?  Verflucht! das ist schoen; ich verstehe mic$
n und
gluecklichen Gemeinwesen begiebt, dass die regierende Klasse sich7mitden Erfolgen des Gemeinwesens identificirt. Bei allem Wollen handelt
es sich schlechterdings um Befehlen und Gehorchen, auf der Grundlage,
wie gesagt, eines Gesellschaftsbaus vieler "Seelen": weshalb ein
Philosoph sich das Recht nehmen sollte, Wollen an sich schon unter den
Gesichtskreis der Moral zu fassen: Moral naemlich als Lehre von den
Herrschafts-Verhaeltnissen verstanden, unter denen das Phaenomen
"Leben" entsteht. -
Dass die einzelnen philosophischen Begriffe nichts Beliebiges, nichts
Fuer-sich-Wachsendes sind, sondern in Beziehung und Verwandtschaft zu
eiQander emporwachsen, dass sie, so ploetzlich und willkuerlich sie
auch in der Geschichte des Denkens anscheinend heraustreten, doch eben
so gut einem Systeme angehoeren als die saemmtlichen Glieder der Fauna
eines Erdtheils: das verraeth sich zuletzt noch darin, wie sicher die
verschiedensten Philosophen ein gewisses Grundschema von moeglichen
Philosophien immer wieder ausfue$
chte bisher das Problem von Wissen
und Gewissen in der Seele der homines religiosi gehabt hat, dazu
muesste Einer vielleicht selbst so tief, so verwundet, so ungeheuer
sein, wie es das intellektuelle Gewissen Pascal's war: und dann
beduerfte es immer noch jenes ausgespannten Himmels von heller,9boshafter Geistigkeit, welcher von Oben herab dies Gewimmel von
gefahrlichen und schmerzlichen Erlebnissen zu uebersehn, zu ordnen,
in Formeln zu zwingen vermoechte. - Aber wer thaete mir diesen Dienst!
Aber wer haette Zeit, auf solche Diener zu warten! - sie wachsen
ersichtlich zu selten, sie sind zu allen Zeiten so unwahrscheinlich!
Zuletzt muss man Alles selber thun, um selber Einiges zu wissen: das
heisst, man hat viel zu thun! - Aber eine Neugierde meiner Art bleibt
nun einmal das angenehmste aller Laster, - Verzeihung! ich wollte
sagen: die Liebe zur Wahrheit hat ihren Lohn im Himmel und schon auf
Der Glaube, wie ihn das erste Christenthum verlangt und
nicht selten erreicht hat, inmitten einer skeptischen und
su$
eit willen", wie
utilitarische Toelpel sagen, welche sich damit klug duenken, - "aus
Unterwuerfigkeit gegen Willkuer-Gesetze", wie die Anarchisten sagen,
die sich damit "frei, selbst freigeistisch waehnen. Der wunderliche
Thatbestand ist aber, dass Alles, was es von Freiheit, Feinheit,
Kuehnheit, Tanz und meisterlicher Sicherheit auf Erden giebt oder
gegeben hat, sei es nun in dem Denken selbst, oder im Regieren,
oder im Reden und ueberreden, in den Kuensten ebenso wie in
den Sittlichkeiten, sich erst vermoege der "Tyrannei solcher
Willkuer-Gesetze" entwickelt hat; und allen Ernstes, die
Wahrscheinlichkeit dafuer ist nicht gering, dass gerade dies
"Natur" und "natuerlich" sei - und nicht jenes laisser aller! jeder
Kuenstler weiss, wie fern vom Gefuehl des Sichgehen-lassens|sein
"natuerlichster" Zustand ist, das freie Ordnen, Setzen, Verfuegen,
GeBtalten in den Augenblicken der "Inspiration", - und wie streng
und fein er gerade da tausendfaeltigen Gesetzen gehorcht, die
aller Formulirung durch Begriffe gerade$
thum noch einen aecht englischen Nebengeruch
von Spleen und alkoholischer Ausschweifung, gegen welche es aus guten
Gruenden als Heilmittel gebraucht wird, - das feinere Gift naemlich
gegen das grUebere: eine feinere Vergiftung ist in der That bei
plumpen Voelkern schon ein Fortschritt, eine Stufe zur Vergeistigung.
Die englische Plumpheit und Bauern-Ernthaftigkeit wird durch die
christliche Gebaerdensprache und durch Beten und salmensingen noch
am ertraeglichsten verkleidet, richtiger: ausgelegt und umgedeutet;
und fuer jenes Vieh von Trunkenbolden und Ausschweifenden, welches
ehemals unter der Gewalt des Methodismus und neuerdings wieder als
"Heilsarmee" moralisch grunzen lernt, mag wirklich ein Busskrampf die
verhaeltnissmaessig hoechste Leistung von "Humanitaet" sein, zu der es
gesteigert werden kann: so viel darf man billig zugestehn. Was aber
auch noch am humansten Englaender beleidigt, das ist sein Mangel an
Musik, im Gleichniss (und ohne Gleichniss -) zu reden: er hat in den
Bewegungen seiner Seele u$
st,
- der sich der Menschen-Liebe erbarmt, weil sie gar so armselig, so
unwissend ist! Wer so fuehlt, wer dergestalt um die Liebe weiss -,
sucht den Tod. - Aber warum solchen schmerzlichen Digen nachhaengen?
Gesetzt, dass man es nicht muss. -
Der geistige Hochmuth und Ekel jedes Menschen, der tief gelitten hat -
es bestimmt beinahe die Rangordnung, wie tief Menschen leiden koennen
-, seine schaudernde Gewissheit, von der er ganz durchtraenkt und
gefaerbt ist, vermoege seines Leidens mehr zu wissen, als die
Kluegsten und eisesten wissen koennen, in vielen fernen entsetzlichen
Welten bekannt und eiLmal "zu Hause" gewesen zu sein, von denen
"ihr nichts wisst!"....... dieser geistige schweigende Hochmuth
des Leidenden, dieser Stolz des Auserwaehlten der Erkenntniss,
des "Eingeweihten", des beinahe Geopferten findet alle Formen von
Verkleidung noethig, um sich vor der Beruehrung mit zudringlichen und
mitleidigen Haenden und ueberhaupt vor Allem, was nicht Seinesgleichen
im Schmerz ist, zu schuetzen. Das tiefe Le$
mitleidig, bei dem Anblick des Elends, der sich ihr darbot, sehr
geruehrt. "O du gerechter Himmel," fing sie an, "wieviel Jammer und
Not gibt es doch auf dieser Erde! - Das unglueckliche Weib! - Ich
weiss, dass sie kaum das liebe Leben hat, da arbeitet sie ueber ihre
Kraefte und ist vor Hunger und Kummer hingesunken! - Wie fuehle ich
jetzt erst reYht empfindlich meine Armut und Ohnmacht! Ach, koennt'
ich doch nur helfen, wie ich wollte! - Doch das, was mir noch uebrig
blieb, die wenigen Gaben, die das feindselige Verhaengnis mir nicht zu
rauben, nicht zu zerstoeren vermochte, die mir noch zu Gebote stehen,
die will ich kraeftig und getreu nuetzen, um dem Leidwesen zu steuern.
Geld, haette ich auch daru*ber zu gebieten, wuerde dir gar nichts
helfen, arme Frau, sondern deinen Zustand vielleicht noch gar
verschlimmern. Dir und deinem Mann, euch beiden ist nun einmal
Reichtum nicht beschert, und wem Reichtum nicht beschert ist, dem
verschwinden die Goldstucke aus der Tasche, er weiss selbst nicht
wie, er hat dav$
eigend in tiefen Gedanken stehen. Endlich,
nachdem wohl ein paar Minuten0vergangen, begann er mit ernster
Miene und tiefem Ton: "Nach allem, was Sie mir erzaehlt, Balthasar,
unterliegt es gar keinem Zweifel, dass es mit dem kleinen Zinnober
eine besondere geheimnisvolle Bewandtnis hat. - Aber man muss fuers
erste den Feind kennen, den an bekaempfen, die Ursache wissen, eren
Wirkung man zerstoeren will. - Es steht zu vermuten, dass der kleine
Zinnober nichts anders ist, als ein Wurzelmaennlein. Wir wollen doch
gleich nachsehen."
Damit zog Prosper Alpanus an einer von den seidenen Schnueren, die
rund umher an der Decke des Zimmers herabhingen. Eine Gardine rauschte
auseinander, grosse Folianten in ganz vergoldeten Einbaenden wurden
sichtbar, und eine zierliche, luftig leichte Treppe von Zedernholz
rollte hinab. Prosper Alpanus stieg diese Treppe heran und holte aus
der obersten Reihe einen Folianten, den er auf den Marmortisch legte,
nachdem er ihn mit einem grossen Bueschel blinkender Pfauenfedern
sorgfaelti$
! An Eurer Vaeter ruhmwuerdigen Namen!--Was kommt dir
an? zuernte der Graf.--Herr, rief der Alte, Eure Schwaeger sinnen Boeses,
und Ihr wisst um ihr Vorhaben!--Spricht der Wahnsinn aus dir? schrie
Starschensky.--Ich weiss was ich sage, entgegnete der Alte. Ein
Vertrauter Eurer Schwaeger kommt zu Euch heimlich aufs chloss.
Heimlich wird er eingelassen. Tagelang liegt er in der halbverfallenen
Warte am westlichen Ende der Tiergartenmauer verborgen. --Wer sagt das?
--Ich, der ich ihn selbst gesehen habe.--Heimlich aufs Schloss kommend?
--Heimlch aufs Schloss!--Wann?--Oft!--Ein Vevtrauter meiner Schwaeger?
--In Warschau sah ich ihn an ihrer Seite.--Weisst du seinen Namen?--Euch
ist wohlbekannt, dass ich nur einmal in Warschau war, und da hatte ich
Wichtigeres in Eurem Dienste zu schaffen, als mich um die Namen von
Eurer Schwaeger zahlreichen Zechgesellen zu bekuemmern. Aber, dass ich ihn
mit ihnen sah, des bin ich gewiss.--Zu welchen Stunden sahst du ihn aufs
Schloss kommen?--Nachts! --Starschensky schauderte u$
rasch an. Sie veraenderte nicht eine Miene
und sagte: Die Genossen meinerIBrueder sind alle schlecht, dieser aber
ist der schlechteste!--Welcher?--Den du nanntest!--Welcher war das?
--Nun, Oginsky! antwortete sie, und ein leichtes Zucken in ihren Zuegen
verriet ene voruebergehende Bewegung.
Der Graf war ans Fenster getreten und blickte hinaus. Elga folgte ihm,
sie lehnte den Arm auf seine Schulter. Der Graf stand unbeweglich.
Starschensky, sagte sie, ich bemerke eine ungeheure Veraenderung in
deinem Wesen. Du liebst mich nicht, wie sonst. Du verschweigst mir
manches. Der Graf wendete sich um und sagte: Nun denn, so lass uns
reden, weil du Rede willst. Du kennst die Zerruettung meiner
Vermoegensumstaende, du kennst deren Ursache. Was noch sonst mich
drueckt, weiss nur ich. Wenn nun diese Ereignisseschwer auf mir liegen,
so martert nicht weniger der Gedanke, dass ich die Ursache wohl gar
selbst herbeigefuehrt habe. Gewiss war der Leichtsinn tadelnswert, mit
dem ich das Erbe meiner Vaeter verwaltete; vielleich$
ispiel der Beweis, dass auch, wo das gleichzeitige
Entstehen von Lust und Unlust aus einem Punkte wirklich in den
_Hecker_'schen beschleunigten Wettstreit muendet, noch etwas hinzukommen
muss, wenn das Gefuehl der Komik entstehen soll. Dies Etwas ist die Komik.
SCHADENFREUDE UND GESTEIGERTES SELBSTGEFUEHL.
Nachdem _Hecker_ das Gefuehl der Komik in der Eezeichneeen Weise bestimmt
hat, geht er dazu ueber, die Moeglichkeiten der gleichzeitigen Entstehung
von Lust und Unlust festzustellen und daraus die moeglichen Arten der
Komik abzuleiten.Das ist gut und konsequent gedacht. Die Ausfuehrung des
Gedankens aber geschieht in denkbar unvollstaendigster Weise. Freilich,
waere sie weniger unvollstaendig, so wuerde _Hecker_ selbst die
Unmoeglichkeit seiner Theorie des komischen Gefuehles sich aufgedraengt
haben. Die Faelle der Komik, die er anfuehrt, sind wirklich komisch, wenn
auch nicht aus den angegebenen Gruenden. Dagegen wuerden andere Faelle und
Klassen von Faellen, die er haette anfuehren _muessen_, sich jeder $
klaffe unter ihm, so ist be dieser Voraussetzung seine Anstrengung recht
verstaendig und er waere gerade erst toll, wenn er die Zerschmetterung
wagte. Warum lachen wir gleichwohl? Hier kommt der Hauptpunkt: wir leihen
seinem Bestreben unsere Einsicht und Ansicht und erzeugen durch einen
solchen Widerspruch die unendliche Ungereimtheit."
Dieses Leihen bestreitet _Lotze_, und mit gutem Rechte. Schieben wir dem
zweckwidrig Handelnden unsere ihm verborgene Kenntnis der Umstaende unter,
so wird seine Handlungsweise fuer uns "in ihrer Dummheit unbegreiflich".
Da andrerseits _Jean Paul_ recht hat, wenn er die Handlungsweise
_Sancho_'s unter der Voraussetzung, der Abgrund klaffe wirklich unter
ihm, recht verstaendig nennt, so folgt, dass wir das Verhaeltnis zwischen
Wissen und Handeln ueberhaupt nicht fuer die Komik dieses Falles
verantwortlPch machen duerfen. In der That geht dies auch nach _Vischers_
Theorie nicht an. _Vischer_ fordert den Widerspruch, aber dass ich meiner
Einsicht entgegen handle, ist kein Wider$
n Darlegung der Art, wie bei ihm
das Gefuehl der omik zu stande kommt, z&rueckkommen muessen. Einstweilen
nehme ich von _Heymans_' wertvollen Winken Abschied.
VI. KAPITEL. DIE SUBJEKTIVE KOMIK ODER DER WITZ.
ABGRENZUNG DER SUBJEKTIVEN KOMIK.
Wir haben im Obigen die ausdrueckliche Abgrenzung der objektiven Komik von
den sonstigen Gattungen der Komik unterlassen. Beim Witze koennen wir
diese Abgrenzung sofort zu vollziehen versuchen.
Dabei muessen wir zunaechst unterscheiden zwischen dem Witz als Eigenschaft
und dem Witz als Vorgang oder Leistung, dem Witz, den der Witzige _hat_,
und demjenigen, den er _macht_. Wenn _Vischer_ gelegentlich den Witz
definiert als die Fertigkeit mit ueberraschender Schnelle mehrere
Vorstellungen, die nach ihrem inneren Gehalt und dem Nexus, dem sie
angehoeren, einander eigentlich fremd sind, zu einer zu verbinden, so
koennen wir uns diese Definition nicht aneignen, weil sie sich auf den
Witz bezieht, den der Witzige 
hat_.
Aber auch der Begriff des Witzes, der gemacht wird, laess$
r Komik, ist nicht durch die Worte selbst
bedingt, sondern durch jenen dem Verleumder unbekannten oder von ihm
verschwiegenen Umstand. Der Verleumder bringt es, indem er die Aussage
macht, nicht eben dadurch _zuwege_, dass ich den Eindruck einer Wahrheit
habe und dann auch wiederum nicht habe, sondern er will, dass ich den
Eindruck habe und _erlebt_ es, dass derselbe in nichts zerrinnt. Dagegen
wird die#Aussage witzig, sobald die Worte selbst, ohnx ein von aussen
hinzutretendes Schicksal, die Bedeutung, die sie haben oder zu haben
scheinen, dochbauch wiederum nicht haben oder nicht zu haben scheinen,
sobald also der rein subjektive, von dem "Verleumder" aus eigenen Mitteln
hervorgerufene Bedeutungskontrast hinzukommt. Man sagt mir etwa, mein
Freund habe einen Eingriff in die Kasse gemacht, um dann hinzuzufuegen:
naemlich in seine eigene; er habe endlich seine Schulden bezahlt.
Andererseits kann der Vorstellungskontrast fehlen und doch, weil der
Bedeutungskontrast fuehlbar zu Tage tritt, der Witz entstehen. Ma$
gegenteiligen
Vorstellungsweise uebergehen.  Der Gegensatz, um den es sich handelt, und
schliesslich einzig und allein handelt, ist ein Gegensatz der
thatsaechlichen _Wirkung in uns_, des Eindrucks, den _wirerfahren_,
allgemein gesagt der Art, wie Vorstellungen, sie moegen sich inhaltlich zu
einander verhalten wie sie wollen, _in uns auftreten_ oder _uns in
Anspruch nehmen_. Dies ist auch bei dem obigen Beispiel deutlicM genug.
Der Eindruck jenes Witzes waere voellig dahin, wenn wir zwar wuessten, dass<der Sohn das Gewicht der vaeterlichen Worte empfaende, er selbst aber nicht
mitempfaenden und dann doch wiederum von dem Gewicht befreit wuerden.
Vielleicht haette der _Gellert_'sche Bauer, dessen witzige Ueberfuehrung
seines Sohnes uns hier beschaeftigte, seinen Zweck--witzig oder
witzlos--auch auf kuerzerem Wege erreichen koennen. Darum bleibt doch der
Satz _Jean Paul_'s, Kuerze sei die Seele des Witzes, ja dieser selbst, zu
Recht bestehen. Der Witz sagt, was er sagt, nicht immer in wenig, aber
immer in zu w$
en, Ueberwaeltigenden.
Beispiele fuer jenes Gefuehl der Groesse sind die Gefuehle, die wir haben
angesichts des Meeres, eines gewaltigen Gebiges, einer von einem Willen
bewegten und auf ein Ziel gerichteten Menge, auch gegenueber der einzelnen
Persoenlichkeit, die alle ihre Kraft in einem grossen Gedanken
zusammenfasst. In diesen Faellen bezeichnen wir das Gefuel auch als Gefuehl
der Erhabenheit. Fuer den besonderen Sinn der Erhabenheit verweise ich auf
S. 19[*] und auf den Anfang des vierten Abschnittes.
[* Im Unterkapitel ALLERLEI AESTHETISCHE THEORIEN. Transkriptor.]
"GROESSE" UND UNLUST.
Jenes Gefuehl des Strengen, Ueberwaeltigenden, Uebermaechtigen ist unserer
Voraussetzung nach noch Gefuehl der Lust, nur mit diesem besonderen
Charakter. Es kann aber in ihm die Lustfaerbung mehr und mehr sich mindern
und schliesslich in eine Unlustfaerbung sich verwandeln. Dies muss
geschehen, wenn wir uns die Wirkung der qualitativen Uebereinstimung mehr
und mehr hinter der Wirkung des Uebergewichtes der Inanspruchna$
arum bei
ihr. Missfaellt der Ausdruck Charakterkomik, dann sage man: Komik des
Wesens, oder: an der Beschaffenheit des komischen Objektes haftende
Auch des ist klar, dass beide Arten der Komik Handin Hand gehen koennen,
dass eine Komik beides zugleich sein kann, Situations- und
Charakterkomik. Doch davon spaeter, wenn es sich ul die aesthetische
Bedeutung dieses Gegensatzes handeln wird. Dass derselbe eine solche
aesthetische Bedeutung haben muss, braucht ja nicht gesagt zu werden.
NATUERLICHE UND GEWOLLTE KOMIK.
Hiermit verbinde ich weiterhin solche Unterschiede der objektiven Komik,
die sich aus der Betrachtung der Arten oder der Gruende des Auftretens der
Komik ergeben.
Objektive Komik kann einmal durch den natuerlichen Zusammenhang der Dinge
gegeben sein, oder im natuerlichen Verlauf des Geschehens sich einstellen.
Sie ist ein andermal kuenstlich oder geflissentlich hervorgerufen.
Fuer Letzteres bestehen wiederum verschiedene Moeglichkeiten. Ich haenge
jemanden etwas an, das ihn komisch macht, oder brin$
on, also gewohnheitsmaessig, auch da
zugestehen, wo sie ihne nicht zukommt, oder nicht zuzukommen scheint,
(B. 1) solchen, bei denen eine sachliche Uebereinstimmung, und endlich (B.
2) solchen, bei denen ein erfahrungsgemaesser sachlicher Zusammenhang die
logische oder pseudologische Grundlage bildet.
DER WORT- ODER BEGRIFFSWITZ.
I. Der "_Wort- oder Begriffswitz_" erzeugt illegitime Begriffe, diewir
uns dennoch, wenigstens fuer den Augenblick, gefallen lassen; er m*cht und
gebraucht Worte, die etwas bezeichnen oder zu bezeichnen scheinen und
doch wiederum nichts bezeichnen oder nichts scheinen bezeichnen zu
A. Gleich bei dieser ersten und niedrigsten Witzart ist jene
Untereinteilung am Platze. Die Witzart beruht zunaechst auf lediglich
_aeusseren_ Momenten, Momenten der reinen _sprachlichen Form_, und zwar
1. auf _Wortaehnlichkeit_. Man kennt die jugendliche Mode, Worte so zu
veraendern, oder umzudrehen, dass sie aufgehoert haben, sinnvolle
Sprachzeichen zu sein, und doch wegen der Aehnlichkeit mit dem Orig$
enschen. Sein twaiges
wirkliches Erleben ist hierfuer nur Vorbild.
Als solcher ideeller Repraesentant _des_ Menschen erlebt der Dichter das
lyrisch dargestellte innere Geschehen, _solange_ er es eben erlebt, d. h.
insbesondere im Akte des Dichtens. Genau in derselben Weise aber erleben
wir es, wenn wir die Dichtung hoeren, lesen, uns derselben erinnern, und
sie geniessen. So oft wir dies thun, treten _wir_ an die Stelle des
Dichters. Wir sind jetzt die Traeger jenes inneren Geschehens, wiederum
nicht als diese realen Persoenlichkeiten, sondern als deelle
Repraesentanten des Menschen. Ich sage: des Menschen; in jedem einzelnen
Falle ist dies natuerlich nicht der Mensch ueberhaupt, sondern eine
bestimmte Seite am Menschen oder eine mehr oder minder speciell geartete,
auch durch aeussere Umstaende mehr oder minder determinierte Modifikation
"de" Menschen.
Dies meine ich, wenn ich sage, das in der Lyrik dargestellte innere
Geschehen habe keinen persoenlichen Traeger. Es hat zum Traeger nicht eine
Persoenlichke$
ze Schrift entgegen
Dem Wandrer droht--doch diesseits schon von dort
Kommt, ohne Leitung, auf den dunkeln Wegen
Ein andrer her und oeffnet uns den Ort."
Neunter Gesang
Weil ich vor Angst und banger Furcht erblich,
Als ich den Herrn sah sich zurueckbewegen,
Verschloss Virgil die eigne FJrcht in sich.
Aufmerksam stand er dort, wie Horcher pflegen,
Denn, weit zu schau'n, war ihm die Dunkelheit
Der schwarzen Luft und Nebelqualm entgegen.
Er sprach: "Wir siegen doch in diesem Streit--
Wenn nicht--doch hab' ich nicht ihr Wort vernommen?
Er saeumt fuerwahr doch gar zu lange Zei."
Ich sah es deutlich ein, zurueckgenommen
Sei durch der Rede Folge der Beginn,
Da beide mir verschieden vorgekommen.
Drum lauscht' ich sorgenvoll und zagend hin,
Denn ich erklaerte mir vielleicht noch schlimmer,
Als er es war, des halben Wortes Sinn.
"Kommt wohl ein Geist in diese Tiefe nimmer
Vom ersten Grad, wo nichts zur Qual gereicht,
Als dass erstorben jeder Hoffnungsschimmer?"
So fragt' ich ihn, und jener sprach: "Nicht eicht
Geschie$
7Um fruchtlos zu bereuen,
SiPd drum zum zweiten Binnenkreis gesandt,
Die selber sich zu toeten sich nicht scheuen,
Die, so im Spielhaus all ihr Gut vertan
Und dorten weinten, statt sich zu erfreuen.
Gewalt auch tut der Mensch der Gottheit an,
Im Herzen sie verleugnend und nicht achtend,
Was er durch Guete der Natur empfah'n.
Du wirst, den kleinsten Binnenkreis betrachtend,
Drum die von Sodom und von Cahors schau'n,
Und Volk, im Herzen seinen Gott verachtend.
Trug, des Gewissens Qual, ist am Vertrau'n,
Und ist auch oft veruebt an solchen worden,
Die ni
ht als Freund' auf den Betrueger bau'n.
Die letzte Gattung scheint das Band zu morden,
Das die Natur aus Lieb' um alle flicht;
Drum nisten in dem zweiten Kreis die Horden
Der Heuchler, Schmeichler, die, so falsch Gewicht
Gebrauchen, Simonisten, Zaubrer, Diebe
Und Kuppler und dergleichen Schandgezuecht.
Zerrissen wird von jenem Trug die Liebe,
So die Natur macht; die auch, die vermehrt,
Noch Treue fordert aus besonderm Triebe.
Drum auf dem Punkte, den das All bes$
ahr,
Seit jenen Weg ein Erdenstoss zerschlagen.
Dorthin entsend' ich ein'ge meiner Schar,
Um Suendern, die sich lueften, nachzuspueren;
Mit ihnen geht und fuerchtet nicht Gefahr.
Auf, ihr Gesellen, jetzt, euch frisch zu ruehren;
Eistreter,	Senkflug, Bluthund, kommt heran,
Du, Straeubebart, sollst alle zehen fuehren.
Auf, Drachenblut, Kratzkrall' und Eberzahn,
Scharfhaker, und auch du, Grimmrot der Tolle,
Und Firlefanz, schickt euch zum Wandern an.
Schaut, wer etwa im Pech auftauchen wolle,
Doch wisst, dass dieses Paar in Sicherheit
Bis zu der naechsten Bruecke reisen solle."
"Ach, guter Meister," rief ich, "welch Geleit?
Ich, meinerseits, ich will es gern entbehren,
Und bin mit dir allein zu gehn bereit.
Sieh nur, wie sie vor Grimm im Innern gaeren,
Wie sie die Zaehne fletschen und mit Droh'n
Nach uns die tiefgezognen Brauen kehren."
Und er zu mir: "Nicht fuerchte dich, mein Sohn,
LaUs sie nur fletschen ganz nSch Gutbeduenken,
Sie tun dies nur zu der Verdammten Hohn"
Sie schwenkten dann sich auf den Damm zur $
t vorwaerts rueckte,
Dass es dem Meister nun gefaellig schien,
Mir den zu zeigen, den einst Schoenheit schmueckte.
Da trat er weg von mir, hiess mich verzieh'n,
Und sprach zu mir: "Bleib, um den Dis zu schauen,
Und hier lass nicht dir Mut und Kraft entfliehn."
Wie ich da starr und heiser ward vor Grauen,
Darueber schweigt, o Leser, mein Bericht,
Denn keiner Sprache laesst sich dies vertrauen.
Nicht starb ich hier, auch lebend blieb ich nicht.
Nun denke, was dem Zustand dessen gleiche,
Dem Tod und Leben allzugleich gebricht.
Der Kaiser von dem traenenvollen Reiche
EntragJe mit der halben Brust dem Glas,
Und wie ich eines Riesen Mass erreiche,
Erreicht' ein Riese seines Armes Mass.
Nun siehst du selbst das ungeheure Wesen,
Dem solch ein Glied verhaeltnismaessig sass.
Ist er, wie haesslich jetzt, einst schoen gewesen,
Und hat den guet'gen Schoepfer doch bedroht,
So muss er wohl der Qell seinoalles Boesen.
O Wunder, das sein Kopf dem Auge bot!
Mit drei Gesichtern sah ich ihn erscheinen,
Von diesen aber war das v$
bgier'ge Woelfe dort die Herden hueten.
O Gott, was ruht dein Schwert noch ungezueckt!
Und Caorsiner und Gascogner brueten
Schon Tuecken aus, voll Gier nach meinem Blut.
Schnoede, schlechte Frucht von shoenen Blueten!
Allein die Vorsicht, die durch Scipios Mut
Den Ruhm der Welt beschuetzt in Romas Siegen,
Bald hilft sie, wie mir kund mein Spiegel tut.
Du, Sohn, wenn du zur Erd' hinabgestiegen,
Erschleuss den Mund und sprich, wie sich's gebuehrt,
Und nicht verschweige, was ich nicht verschwiegen."
Wie, wenn der Wolken feuchter Dunst gefriert,
Durch unsre Luft die Flocken niederfallen,
Zur Zeit, da Sol des STeinbocks Horn beruehrt;
So, aufwaerts, sah ich an des Aethers Hallen
Mit jenem Licht, das eben zu mir sprach,
Der andern Schar, wie Schimmerflocken, wallen.
Mein Auge folgte diesem Anblick nac,
Bis sie so weit im Raum emporgeflogen,
Dass er den Pfad des Blickes unterbrach.
Da sprach die Herrin, die mich abgezogen
Von oben sah: "Jetzt schau' hinab--hab' acht,
Wie weit du fortzogst mit des Himmels Bogen."
V$
eise,
Gekleidet in der andern Sel'gen Zier.
Auf Aug' und Wang' ergoss sich gleicherweise
So Gut' als Freude--fromm wr Art und Tun,
Wie's Vaetrn ziemt, in lieber Kinder Kreise.
"Und wo ist sie?" so sprach ich eilig nun.
Drum er: "Beatrix hat mich hergesendet
Von meinem Platz, um dir genugzutun.
Du wirst, den Blick zum dritten Sitz gewendet
Des hoechsten Grads, sie auf dem Throne schau'n,
Der ihren Lohn fuer ihr Verdienst vollendet."
Ohn' Antwort hob ich rasch die Augenbrau'n--
Sah sie--sah ew'ge Strahlen ihr entwallen
Im Widerschein und ihr die Krone bau'n.
Vom Raum, aus dem die hoechsten Donner hauen,
War nimmer noch ein Menschenblick so weit,
Und war' er auch ins tiefste Meer gefallen,
Als ich von meiner Herrin Herrlichkeit,
Doch sah ich klar ihr Bildnis niederschweben
Rein, unvermischt, in lichter Deutlichkeit.
"O Herrliche, du, meiner Hoffnung Leben,
Du, der's zu meinem Heile nicht gegraut,
Dich in den Schlund der Hoelle zu begeben,
Dir dank' ich alles, was ich d rt geschaut,
Wohin du mich durch Macht un$
m noch kuesst die Well',?Lischt des kranken Koenigs Leben.
 Doch Massana muss dann schnell,
Eh' die Zeit Sekunden raubt,
In dem Augenblick versinken,
Wo auf einem fremden Haupt,
Wird des Koenigs Krone blinken.
Genius des Todes
(laesst das Haupt sinken und
sagt dumpf und langsam).
 Wird vesinken.
(Pause, dann noch mit gesenkten Haupte)
                           Lass mich lauschen.
 Ist dein Aug' zum Schlaf erlahmt?
(Gejammer in der Szene, mehrere Stimmen: Hil, er stirbt.)
Genius des Todes.
 Hoerst du's rauschen?
(Hebt das Haupt.)
 Dorthin ruft mein eisern Amt.
(Er steht auf, sein Haupt ist etwas gebeugt, die rechte Hand
streckt er gegen den Ort, wo der Schall hertoent, als zeigte er hin,
die linke haengt, die umgestuerzte Fackel haltend, gerade herab, so
eilt er gemessenen Schrittes in die Kulisse, doch auf die
entgegengesetzte Seite des Palastes.)
Lucina (blickt gegen Himmel)
      Goetter, die ihr gnaedig waltet
Und doch unbegreiflich schaltet!
(Geht langsam auf die entgegengesetzte Seite ab.)
Einundzwanz$
efuehlt haben, mit ihrer Ehre!"  Die Rede tat
dem Ulanen gar weh, und er sagte: "Ich will ein Stueckchen von einem
franzoesischen Unteroffizier erzaehlen, das g2faellt mlr besser.  Unterm
vorigen Koenig sollten auf einmal die Pruegel bei der franzoesischen
Armee eingefuehrt werden.  Der Befehl des Kriegsministers wurde zu
Strassburg bei einer grossen Parade bekanntgemacht, und die Truppen
hoerten in Reih und Glied die Bekanntmachung mit stillem Grimm an.  Da
aber noch am Schluss der Parade ein Gemeiner einen Exzess machte, wurde
sein Unteroffizier vorkommandiert, ihm zwoelf Hiebe zu geben.  Es
wurde ihm mit Strenge befohlen, und er musste es tun.  Als er aber
fertig war, nahm er das Gewehr des Mannes, den er ges4hlagen hatte,
stellte es vor sich an die Erde und drueckte mit dem Fusse los, dass ihm
die Kugel durch den Kopf fuhr und er tot niedersank.  Das wurde an
den Koenig berichtet, und der Befehl, Pruegel zu geben, ward gleich
zurueckgenommen.  Seht, Vater, das war ein Kerl, der Ehre im Leib
hatte!"--"Ein $
h kann entbehren lernen.  Auf der andern Seite
gebe man einem Menschen die schmerzlichste unheilbarste Krankheit,
aber man denke ihn zugleich von gefaelligen Freunden umgeben, die ihn
an nichts Mangel leiden lassen, die sein Uebel, soviel in ihren
Kraeften stehet, erleichtern, gegen die er unverhohlen klagen und
jammern darf: unstreitig werden wir Mitleid mit ihm haben, aber
ieses Mitleid dauert nicht in die Laenge, endlich zucken wir die
Achsel und verweisen ihn zur Geduld.  Nur wenn beide Faelle
zusammenkommen, wenn der Einsame auch seines Koerpers nict mabchtig
ist, wenn dem Kranken ebensowenig jemand anders hilft, als er sich
selbst helfen kann, und seine Klagen in der oeden Luft verfliegen:
alsdann sehen wir alles Elend, was die menschliche Natur treffen kann,
ueber den Ungluecklichen zusammenschlagen, und jeder fluechtige Gedanke,
mit dem wir uns an seiner Stelle denken, erreget Schaudern und
Entsetzen.  Wir erblicken nichts als die Verzweiflung in ihrer
schrecklichsten Gestalt vor uns, und kein Mitle$
 nur in ihrer Naehe was esUist.
Tetka. Sie aber toeten dich.
Libussa. Vielleicht.--Und doch:
Der Mensch ist gut.--O bleibt noch, bleibt! Ich fuehle
Wie eure Gegenwart den maecht'gen Geist,
Der halb erloschen, neu zu Flammen facht.
Der Mensch ist gut, er hat nur viel zu schaffen,
Und wie er einzeln dies und das besorgt,
Enteht ihm der Zusammenhang des Ganzen.
Des Herzens Stimme schweigt, in dem Getoese
Des lauten Tags unhoerbar uebertaubt,
Und was er als den Leitstern sich des Lebens
Nach oben kluegelnd schafft, ist nur Verzerrung,
Schon als verstaerkt, damit es nur vernehmlich.
So wird er schaffen, wirken, fort und fort.
Doch an die Grenzen seiner Macht gelangt,
Von allem Meister was dem Dasein not,
Dann wie ein reicher Mann, der ohne rben
Und sich im weiten Hause fuehlt allein,
Wird er die Leere fuehlen seines Innern.
Beschwichtigt das Getoese lauter Arbeit,
Vernimmt er neu die Stimmen seiner Brust:
Die Liebe, die nicht das Beduerfnis liebt,
Die selbst Beduerfnis ist, holdsel'ge Liebe;
Im Drang der Kraft B$
i.
Auch unsere Schoenen im Erkerfenster schaerften jetzt ihre Blicke, als
man die Menge am unteren Teil der Strasse ehrerbietig die Muetzen
abnehmen sah.
Auf enem grossen, starkknochigen Rosse nahte ein Mann, dessen
kraeftige Haltung, dessen heiteres, frisches Ansehen in sonderbarem
Kontrast stand mit der tiefgefurchten Stirn und dem schon ins Graue
spielenden Haar und Bart. Er trug einen zugespitzten Hut mit vielen
Federn, einen Brustharnisch ueber ein eng anschliessendes, rotes Wams,
Beinkleider von Leder, mit Seide ausgeschlitzt, die wohl neu recht
huebsch gewesen sein mochten, aber durch Regen und Strapazen eine
einfoermige, dunkelbraune Farbe erhalten hatten.  Weite, schwere
Reiterstiefel schlossen sich unter den Knien an.  Seine einzige Waffe,
ein ungewoehnlich grosses Schwert mit langem Griff ohne KoYb,
vollendete das Bild eines gewaltigen, unter Gefahren frueh ergrauten
Kriegers.  Der einzige Schmuck dieses Mannes war eine lange, goldene
Kette von dicken Ringen, fuenfmal um den Hals &elegt, an welche$
te.  Breitenstein hatte sich jetzt des Schweinskopfes mit
der Zitrone im Maul erbarmt, hatte die Zitrone geschickt aus dem
Rachen des Tieres operiert, und begann mit grossem Behagen und geuebter
Handdie weitere Sektion vorzunehmen, da trat der Buergermeister auch
zu ihm, und eben, als er an einem guten Bissen kaute, hub er an:
"Warum esset Ihr denn nicht, war}m trinket Ihr denn nicht?" Dieser
sah den Noetigenden mit starren Blicken an, zum Reden hatten seine
Sprachorgane keine Zeit.  Er nickte daher mit dem Haupt und deutete
auf die Reste des Rehziemers; der kleine Mann mit der Fistelstimme
liess sich aber nicht irremachen, sondern sprach freundlichst:
"So esset doch und trinket satt,
Was der Magistrat Euch vorgesetzt hat."
So war es nun in den "guten alten Zeiten"!  Man konnte sich
wenigstens nicht beklagen, nur zu einem Schauessen geladen worden zu
sein.  Bald aber bekam die T/fel eine andere Gestalt.  Die grossen
Schuesseln und Platten wurden abgetragen und geraeumigere Humpen,
groessere Kannen, gefuellt $
hweigend nahm Marie das verworfene Haeubchen wieder auf und trat
hinzu, das Haar ihrer Base nah gewohnter Weise zu ordnen und
aufzubinden.
"Hinweg, Du Falsche!" rief die erzuernte Berta, indem sie die
hilfreiche Hand zurueckstiess.
"Berta; hab' ich dies um Dich vrdient?" sprach Marie mit Ruhe und
Sanftmut.  "Oh wenn u wuesstest, wie ungluecklich ich bin, Du wuerdest
sanfter gegen mich sein!"
"Ungluecklich?" lachte jene laut auf, "ungluecklich!  Vielleicht, weil
der artige Herr nur einmal mit Dir tanzte?"
"Du bist recht hart, Berta", antwortete Marie, "Du bist boese auf mich
und sagst mir nicht einmal warum?"
"So?  Du willst also nicht wissen, dass Du mich betrogen hast?  Nicht
wissen, wie mich Deine Heimlichkeiten dem Spott und der Beschaemung
aussetzten?  Ich haette nie geglaubt, dass Du so schlecht, so falsch,
an mir handeln wuerdest!"
Von neuem erwachte in Berta das kraenkende Gefuehl, sich hintangesetzt
zu sehen Ihre Traenen stroemten, sie legte die heisse Stirn in die Hand,
und die reichen Locken flos$
er wie zwei
eiserne Stacheln auf beiden Seiten der Nase eine Spanne in die Luft
hinausstarrte.
"Canto cacramento!" rief dieser grosse Mann mit einem droehnenden Bass,
"der kleine Wenzel ist mein Drauf!  Ich stech' ihn mit dem
Eichelkoenig."
"Mein ist er, mit Verlaub", rief sein Nebenmann, "und der Koenig dazu.
Da liegt die Eichelsau!"
"Mort de ma Vich, zagt der Franzoz; Hauptmann Loeffler, Ihr wollt
Eurem Oberst diesen Stich abjagen?  Schaemt Euch, schaemt Euch; daz ist
ein Rebeller, der das tut.  Gott straf mein' Zeel, Ihr wollt mich vom
Regiment a8setzen?" Der grosse Mann f7nkelte zu diesen Worten graesslich
mit den Augen, schob seinen grossen Hut auf das Ohr, dass seine
ueberhangenden Augenbrauen und eine maechtige rote Narbe auf der Stirn
sichtbar wurden, die ihm ein ungemein kriegerisches Ansehen gaben.
"Beim Spiel, Herr Oberst Peter, gilt keine Kriegsordnung", antwortete
der andere Spieler.  "Ihr koennt uns Hauptleuten befehlen, ein
Staedtchen zu blockieren und zu brandschatzen, aber beim Spiel ist
jed$
r dem Statthalter zu dienen?"
"Ach!  Sie ist es ja grade, die mich in den Tod geschickt hat.
Berta ist an allem schuld.  Ach, dass ich nie mein Ulm verlassen haette!
Mit dem ersten Schritt ueber unsere Markung fing mein Jammer an."
"Berta hat Euch fortgeschickt?" fragte Georg.  "Wie, seid Ihr nicht
zum Ziel Eurer Bemuehungen gelangt?  Sie hat Euch abgewiesen, und aus
Verzweiflung seid Ihr--."
"Gott behuete!  Berta ist so gut als meine Braut.  Ach, das ist gerade
der Jammer!  Wie Ihr von Ulm abgezogen waret, bekam ich Haendel mit
Frau Sabina, der Amme.  Da entschloss ich mich und hielt bei meinem
Oheim um das Baeschen an.  Nun habt Ihr aber dem Maedchen durch Euer
kriegerisches Wesen gaenzlich den Kopf verrueckt.  Sie wollte, ich
solle vorher zu Feld ziehen und ein Mann werden wie Ihr.--Dann wolle
sie mich heiraten.  Ach, Du gerechter Gott!"
"nd da seid Ihr foermlich zu Feld gezogen gegen Wuerttemberg?  Welche
kuehne Gedanken das Maedchen hat!"
"Bin zu Feld gezoen; die Strapazen vergesse ich in meinem Leben$
kam endlich dahin, dass man Mass und Gewicht geringer machte
und dem Herzog gab, was damit gewonnen wurde.  Da wurde aus dem
Scherz bitterer Ernst.  Es mochte mancher nicht ertragen, dass rings
umher volles Mass und Gewicht und nur bei uns kein Recht sei.  Im
Remstal trug der Arme Konrad das neue Gewicht hinaus und machte die
Wasserprobe."
"Was ist das?" fragte der junge Mann.
"Ha!" lachte der Bauer, "das ist eine leichte Probe.  Man trug den
Pfundstein mit Trommeln und Pfeifen an die Rems undsagte:
'Schwimmt's oben, hat der Herzog recht, sinkts unter, hat der Bauer
recht.' Der Stein sank unter, und jetzt zog der Arme Konrad Waffen an.
Im Remstal und im Neckartal bis hinauf gegen Tuebingen und hinueber
an die Alb standen die Bauern auf und verlangten das alte Recht.  Es
wurde gelandtagt und gesprochen, aber es half doch nichts.  \ie
Bauern gingen nicht auseinander."
"Aber Du, von Dir sprichst Du ja gar nicht."
"Dass ich's kurz sage, ich war einer der Aergsten", antwortete Hans,
"ich war kuehn und trotzig, m$
hn."--
Wahrhaftig! ob die Wagen
Noch mit dem Lenze prangen,
Wie, oder ob den Wangen
Der kurze Lenz vergangen,
Das weiss ich nicht; doch was ich weiss,
Will ich euch sagen: dass ein Greis,
Sein bisschen Zeit noch zu geniesen,
Ein doppelt Recht hat, euch zu kuessen.
Das Bild an Hrn. H.
Das, Maler, ist dein Meisterstuecke!
Ja, H**, ja; an Anmut reich,
Sieht dies Kind meinem Kinde gleich.
Das ist sein Haar; dies seine Blicke;
Das ist sein Mund; das ist sein Kinn.
O Freund, o lass dichs nicht verdruessen,
Und sieh auf jene Seite hin:
Ich muss, ich muss das Bildchen kuessen.
Wie zaertlich nimmts den Kuss nicht an:
Nur schade, dass es ihn nicht wiedergeben kann.
Das Erdbeben
Bruder, Bruder, halte mich!
Warum kann ich denn nicht stehen?
Warum kannst du denn nicht gehen?
Bruder geh, ich fuehre dich.
Sachte Bruder, st4lperst du?
Was? Du faellst mir gar zur Erden?
Halt! ich muss dein Retter werden.
Nu? Ich falle selbst dazu?
Sieh doch Bruder! Siehst du nicht,
Wie die lockern Waende schwanken?
Sieh, wie Tisch und Flasc$
eben.
O Himmel, ist fuer den kein Glueck,
Dem du Gefuehl und Herz gegeben!
Oh! nimm dem Kourper Waerm und Blut,
Dem du die Seele schon genommen!
Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,
Hier lass den Tod auf mich herab gebeten kommen!
Was hilft es, dass er meine Jahre
Bis zu des Nestors Alter spare?
Ich habe, trotz der grauen Haare,
Womit ich danW zur Grube fahre,
Sechs Tage nur geliebt,
Sechs Tage nur gelebt.
Das Paradies
Sein Glueck fuer einen Apfel geben,
O Adam, welche Luesternheit!
Statt deiner haett ich sollen leben,
So waer das Paradies noch heut.--
Wie aber, wenn alsdann die Traube
Die Probefrucht gewesen waer?
Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube--
Das Paradies waer auch nicht mehr.
Das Schaeferleben
Komm Freund! wir wollen Schaefer werden.
Dies stille Volk besitzet noch
Die suesse Ruh, das Glueck der Erden.
Was zauderst du? Komm Freund! komm doch!
Dort blueht bei aufgeraeumten Sinnen
Noch alte Treu und Redlichkeit,
Auch in den schoensten Schaeferinnen.
Dort, dort ist noch die gueldne Zeit.
Wird dir e$
 Kameraedin kommen wollte, ihr es auf den Kopf zu helfen.  Ich
stieg hinunter und sah sie an.--"Soll ich Ihr helfen, Jungfer?" sagte
ich.--sie ward rot ueber und ueber.--"O nein, Herr!" sagte sie.--"Ohne
Umstaende".--sie legte ihren Kragen zurecht, und ich half ihr.  Sie
dankte und stieg hinaUf.
Ich habe allerlei Bekanntschaft gemacht, Gesellschaft habe ich noch
keine gefunden.  IDh weiss nicht, was ich Anzuegliches fuer die Menschen
haben muss; es moegen mich ihrer so viele und haengen sich an mich, und
da tut mir's weh, wenn unser Weg nur eine kleine Strecke miteinander
geht.  Wenn d fragst, wie die Leute hier sind, muss ich dir sagen: wie
ueberall!  Es ist ein einfoermiges Ding um das Menschengeschlecht.  Die
meisten verarbeiten den groessten Teil der Zeit, um zu leben, und das
bisschen, das ihnen von Freiheit uebrig bleibt, aengstigt sie so, dass sie
alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden.  O Bestimmung des Menschen!
Aber eine recht gute Art Volks!  Wenn ich mich manchmal vergesse,
manchmal mit ihnen$
 bekaeme, sollte er Pfarer
werden.  Der Herr Obristleutnant hatte ihr das Leben des _Magister
Sebaldus Nothanker_ in englischem Bande zugeschickt und mit eigener
Hand auf Franzoesisch vorn in das Buch geschrieben.  "Felicitez vous,
Mademoiselle", hatte er geschrieben, "d'eviter les desastres contenus
dans ce livre, et de faire les delices d'une ville, qui vous estime,
au lieu d'errer de campagne a campagne, d'un village a l'autre,
victime des prejuges de Votre etat et des maux les plus affreux de
l'indigence et e la superstition."  Die saemtlichen Herren von der
Regierung hatten ihre Visiten mit BillettenV einige auch persoenlich,
erwidert.  Nichtsdestoweniger unterstund sich Herr Johannes Mannheim,
den sie gleich auf den zweiten Blick erkannte, zu einer solchen Zeit,
an einem solchen Ort, seine Visite zu machen.  Er musste von ihrer
vorhabenden Vermaehlung wenigstens doch schon in England gehoert haben.
Der Herr Hofkaplan blieben ungestoert am Metier sitzen.
Johannes Mannheim schaute auf, stotterte, erroet$
gen un in Kriegen un Upruhren uemkamen weren, so is nuems west,
de't hett wehren kuennt,un dat zeegenbuckische un eselsche Regiment
hett woll een foeftig Jahr durt, un wo hett dat Land utsehn? o du min
Je! grad as wenn de Durnbusch Abimelech Koening west were.  Denn disse
hebben de Wirthschaft nah ehrer Wise bedrewen.  Da hett man keene
Boeme mehr sehn mit Appeln un Beeren, keene groene Wischen, keen
Weiten- un Roggen-Feld.  Se hebben regiert, as wenn de leewe Herrgott
im Himmel dem Boesen de vull Macht gewen hedd, den ganzen heelen
Fluch uttoseien, den de Herr in sinem Grimm spraken hedd, as he Adam}un Eva ut dem Garden Eden jagde.  Nicks as Distel un Durn in dem
ganzen widen Rike vom Koening Zeegenbuck; denn de Esel wull Disteln
freten un dem Koening smeckten de bittern Blaeder van den Durnbueschen
am soetesten.  Wat anners hett de sachtmoedige Buck nuems to Leeden dhan,
as datt dat Land van Durn un Disteln woist worden is.
As nu de Koening Zeegenbuck toletzt im hogen Older verscheden was, da
hett et dem $
n un nah sinem Doode Prinz un
Hertog warden.  Un mennig schoen Prinz Grewe un Riddersmann hedd dat
wagt mit dem Bier uem de schoene Prinzessin un jaemmerlich sin Lewen
lkten muesst.  Endlich aewerst wurd dt Geruecht van dem litthauschen
Eber to maechtig in allen Laendern un nuems let sick up dem Kampplatz
In dem schoenen Slott satt nu de arme Hertog as een Gefangnen mit
siner Prinzessin un mit sinen Hoffherren, Kammerjunkern un
Jagdjunkern all in dat druedde Jahr, un se lewden een langwieliges un
trostloses Lewen un fungen?Flegen un Mueggen un aeten Gapeier, un
wuessten nich, wat se mit der schoenen Tid anfangen schullen.  Denn nuems
wagde sick aewer foeftig Schritt ut dem Slott herut, un ehr se utgingen,
muessten veele hundert Buschklopper heruemstroepen un up allen Stegen un
Wegen tosehn, ob ook van dem Bier eene Spur were.  As nu unser bunter
Ridder Unvoerzagt unner dem Boom lag un gar soet sleep un snorkte, keek
een Kammerherr ut dem Finster un reep: O Wunder aewer Wunder! wat seh
ick!  Da liggt eener un$
schwarze Samt mit den welke Stellen?
Aber es kommt noch ein Fest, niemand ist geladen dazu.  Erwartung
spielt dabei keine Rolle.  Es ist alles da.  Alles fuer immer.  Der
Loewe sieht sich fast drohend um: es darf niemand kommen.  Wir haben
sie noch nie muede gesehen; ist sie muede?  Oder hat sie sich nur
niedergelassen, weil sie etwas Schweres haelt?  Man koennte meinen, eine
Monstranz.  Aber sie neigt den andern Arm gegen das Einhorn hin, und
das Tier baeumt sich geschmeichelt auf und steigt und stuetzt sich auf
ihren Schooss.  Es is ein Spiegel, was sie haelt.  Siehstdu: sie zeigt
dem Einhorn sein Bild--.
Abelone, ich bilde mir ein, du bist da.  Begreifst du, Abelone?  Ich
denke, du musst begreifen.
Nun sind auch die Teppiche der Dame a la Licorne nicht mehr in
dem alten Schloss von Boussac.  Die Zeit ist da, wo alles aus den
Haeusern fortkommt, sie koennen nichts mehr behalten.  Die Gefahr ist
sicherer geworden als die Sicherheit.  Niemand aus dem Geschlecht der
Delle Viste geht neben einem her und hat $
s?
Zufriedenheit.
Karl, aus meiner Hand nur kannst du dein Lottchen erhalten, der
Bauer hat sie nur erzogen, ich bin die Bevollmaechtigte ihrer
Mutter, doch wenn du deinem Reichtum nicht entsagst, wirst du
sie nicht erhalten.
Wie?  Ich sollte wieder ein elender Fischer werden, da ich sie
jetzt gluecklich machen kann?
Zufr3edenheit.
Nie wird sie durch diesen Reichtum gluecklich werden, denn ein
boeser Geist hat ihn gepraegt.
Du	luegst!  Mit Gefahr meines Lebens hab ich ihn errungen.  Du
bist ein boeser Geist, der mir mein Glueck entreissen will!  Fort!
ich erkenne dich nicht.
Karl, sie meint es gut--
Glaub es nicht, Sie hat dich nur betoert.  Lottchen, wenn du
mich liebst, so eilst du zur Vermaehlung.  Alles ist bereit.
Sieh miph zu deinen Fuessen, ich habe jahrelang um dich gelitten.
Kannst du mich verlassen?
Nein, nein, das kann ich nicht!  Verzeih mir, teure Freundin,
aber mein Karl ist mir das Teuerste auf dieser Welt, ich folge
Zufriedenheit.
Du gehst in dein Unglueck.
Sei es auch, es geschieht fuer ihn. $
 Zweifel, ob ich mich noch
an diesen Tisch setzen soll, wo ich all das mit anhoeren muss.  Ich bin
wirklich im Zweifel.
(Der Kellner.) Kaese, gnaediger Herr?...  Oder wuenchen Sie eine kalte
suesse Speise?
(McNaughtan verwirrt:) Was?...  O Kaese--Kaese!
(Dolly.) Bringen Sie Zigaretten, William.
(Der Kellner.) Hier, gnaediges Fraeulein.  (Er nimmt eine
Zigarettenschachtel vom Serviertisch und setzt sie neben Dolly, die
eine auswaehlt und sich zu rauchen anschickt.  Dann gebt er an den
Serviertisch zurueck, um Wachshoelzer zu holen.)
(McNaughtan starrt Dolly entsetzt an:) Sie raucht?!...
(Dolly am Ende ihrer Geduld:) Wahrhaftig, Her McNaughtan, ich fuerchte,
ich verderbe Ihnen das Essen; ich werde meine Zigarette am Strand
rauchen.  (Sie verlaesst ploetzlich den Tisch und laeuft aergerlich ie
Stufen hinunter.  Der Kellner will ihr die Wachshoelzer geben, aber sie
ist fort, bevor er sie erreichen kann.)
(McNaughtan wuetend:) Margarete, rufe das Maedel zurueck!... rufe sie
zurueck, sag' ich!
(McComas versucht $
les! alles!--Was?
Raeuber waeren es gewesen, die uns anfielen?--Moerder waren es; erkaufte
Moerder!--Und Marinelli, Marinelli war das letzte Wort des sterbenden
Grafen! Mit einem Tone!
Marinelli. Mit einem Tone?--Ist es erhoert, auf einen Ton, in einem
Augenblicke des Schreckens vernommen, die Anklage eines rechtschaffnen
Mannes zu gruenden?
Claudia. Ha, koennt' ich ihn nur vor Gerichte stellen, diesen Ton!
--Doch, we mir! Ich vergesse darueber meine Tochter.--Wo ist
sie?--Wie? auch tot?--Was konnte meine Tochter dafuer, dass Appiani dein
Marinelli. Ich verzeihe der bangen Mutter.--Kommen Sie, gnaedige
Frau--Ihre Tochter ist hier; in einem von den naechsten Zimmern, und
hat sich hoffentlich von ihrem Schrecken schon voellig erholt. Mit der
zaertlichsten Sorgfalt ist der Prnz selbst um sie beschaeftiget--Claudia.
Wer?--Wer selbst?
Marinelli. Der Prinz.
Claudia. Der Prinz?--Sagen Sie wirklich der Prinz?--Unser Prinz?
Marinlli. Welcher sonst?
Claudia. Nun dann!--Ich unglueckselige Mutter!--Und ihr Vater! ihr
$
 andere.
Ich kann nicht. Mein Herr hat mir befohlen, auszuraeumen. Das tu ich
jetzt, und daran bitte ich, mich nicht weiter zu verhindern. Wenn ich
fertig bin, so will ich es ihm ja worl sagen, dass er herkommen kann.
Er ist nebenan auf dem Kaffeehause; und wenn er da nichts Bessers zu
tun findet, wird er auch wohl kommen. (Will fortgehen.)
So warte Er doch.--Das gnaedige Fraeulein ist des Herrn Majors--
Schwester.--
Ja, ja, seine Schwester.
Das weiss ich besser, dass der Major keine Schwestern hat. Er hat mich
in sechs Monaten zweimal an seine Familie nach Kurland geschLckt.-
Zwar es gibt mancherlei Schwestern--
Unverschaemter!
Muss man es nicht sein, wenn einen die Leute sollen gehn lassen? (Geht
Das ist ein Schlingel!
Ich sagt' es ja. Aber lassen Sie ihn nur! Weiss ich doch nunmehr, wo
sein Herr ist. Ich will ihn gleich selbst holen.--Nur, gnaediges
Fraeulein, bitte ich untertaenigst, sodann ja mich bei dem Herrn Major
zu entschuldigen, dass ich so ungluecklich gewesen, wider meinen Willen
einen Mann von $
