 "Titus" fand keinen Beifall, und ward nur ein einziges Mal
gespielt. Aber "Zelmire" fand desto grern; es ward vierzehnmal
hintereinander aufgefhrt, und die Pariser hatte4 sich noch nicht daran
satt gesehen. Der Inhalt ist von des Dichters eigener Erfindung.
Ein franzsischer Kunstrichter[1] nahm hiervon Gelegenheit, sich gegen
die Trauerspiele von dieser Gattung berhaupt zu erklren: "Uns wre",
sagt er, "ein Stoff aus der Geschichte weit lieber gewesen. Die
Jahrbcher der Welt sXnd an berchtigten Verbrechen ja so reich; und die
Tragdie ist ja ausdrcklich dazu, da sie uns die groen Handlungen
wirklicher Helden zur Bewunderung und Nachahmung vorstellen soll. Indem
sie so den Tribut bezahlt, den die Nachwe,t ihrer Asche schuldig ist,
befeuert sie zugleich die Herzen der Itztlebenden mit der edlen Begierde,
ihnen gleich zu werden. Man wende nicht ein, da 'Zae', 'Alzire',
'Mahomet' doch auch nur Geburten der Erdichtung wren. Die Namen der
beiden ersten sind erdichtet, aber der Grund der Begebenheite$
drfen, weil es voraussieht, da er der Held ds Stcke8 werden msse,
[2] wenn es beleidiget wird, da man einem solchen Menschen keinen
kostbaren Rin zutrauen will, da doch kein Fhndrich in des Knigs Armee
sei, der nicht de belles nippes besitze. Das Pariser Parterr, sage ich,
hat in diesen und hnlichen Fllen unrecht; aber warum mu Voltaire auch
in andern Fllen, wo es gewi nicht unrecht hat, dennoch lieber ihm als
dem Maffei unrecht zu geben scheinen wollen? Wenn die franzsische
Hflichkeit gegen Auslnder darin besteht, da man ihnen auch in solchen
Stcken recht gibt, wo sie sich schmen mten, recht zu haben, so wei
ich nicht, was beleidigender und einem freien Menschen unanstndiger sein
kann, als diese franzsische Hflichkeit. Das Geschwtz, welches Maffei
seinem alten Polydo von lustigen Hochzeiten, von prchtigen Krnungen,
denen er vor diesen beigewohnt, in den Mund legt, und zu einer Zeit in
den Mund legt, wenn das Interesse aufs hchste gestiegen und die
Einbildungskraft der Zuschauer$
 dieser Aufsatz nichts enthielte, als die Einladung zu einer genauern
Verbindung der Buchhndler, um dem eingerisstnen Nahdrucke unter sich zu
steuern, so wrde schwerlich ein Gelehrter ihm seinen Beifall versagen.
Aber wie hat es vernnftigen und rechtschaffenen Leuen einkommen knnen,
diesem Plane eine so strafbare Ausdehnung zu geben? Um ein pagr armen
Hausdieben das Handwerk zu legen, wollen sie selbst Straenruber werden?
"Sie wollen dem nachdrucken, der ihnen nachdruckt." Das mchte sein; wenn
es ihnen die Obrigkeit anders erlauben will, sich auf diese Art selbst zu
rchen. Aber sie wollen zugleich das Selbst-Verlegen verwehren. Wer sind
die, die das verwehren wollen? Haben sie wohl das Herz, sich unter ihren
wahren Namen zu diesem Frevel zu bekennen? Ist irgendwo das
Selbst-Verlegen jemals verboten gewesen? Und wie kann es verboten sein?
Welch Gesetz kann dem Gelehrten das Recht schmlern, aus seinem
eigentmlichen Werke alle den Nutzen zu ziehen, den er mglicherweise
daraus ziehen kann? "Aber sie $
] Neuntes Stck, S. 56.
Verzeichnis der Theaterstcke
geordnet nach Autorennamen
John Banks: Der Graf von Essex
Augustin David de Brueys: Der Adokat Patelin
Giovanni Maria Cecchi: Die Mitgift
Chevalier de Crou: Der Liebhaber als Schriftsteller und Bediente

Pierre Corneille: Rodogune
Thomas Corneille: Der Graf von Essex
Johann Friedrich Cronegk: Olint und Sophronia
Philippe Nricault Destouches: Das Gespenst mit der Trommel
Philippe Nricault Destouches: Das unvermutete Hindernis
Philippe Nricault Destouches: Der poetische Dorfjunker
Philippe Nricault Destouches: Der verborgene Schatz
Philippe Nricault Destuches: Der verheiratete Philosoph
Denis Diderot: Der Hausvater
Pierre Laurent Dormont du [de] Belloy: Zelmire
Frederik Duim: Zare
Charles Simon Favart: Soliman der Zweite
Christian Frchtegott Gellert: Die kranke Frau
Luise Adelgunde Gottsched: Die Hausfranzsin
Franoise d'Issembourg-d'Happoncourt de Graffigny: Cenie
Jean Baptiste Louis Gresset: Sidney
Franz Heufeld: Julie, oder Wetts;reit der Pflic$
als durch sich selbst. Der
Eindruck, den es auf ihn macht, gehet in uns ueber, und die Wirkug ist
zu augenscheinlich und zu stark, als dass wir an der ausserordentlichen
Ursache zweifeln sollten. Wie wenig hat Voltaire auch diesen Kunstgriff
verstanden! Es erschrecken ueber seinen Geist viele; aber nicht viel.
SFmiramis ruft einmal: "Himmel! ich sterbe!" und die andern machen nicht
mehr Umstaende mit ihm, als man ohngefaehr mit einem weit entfernt
geglaubten Freunde machen wuerde, der auf einmal ins Zimmer tritt.
Zwoelftes Stueck
Den 9. Junius 1767
Ich bemerke noch einen Unterschied, der sich zwischen den Gespenstern des
englischen und franzoesischen Dichters findet. Voltaires Gespenst ist
nichts als eine poetische Maschine, die nur des Knotens wegen da ist; es
interessiert uns fuer sich selbst nicht im geringsten. Shakespeares
Gespenst hingegen ist eine wirklich handelnde Person, an dessen
Schicksale wir Anteil nehmen; es erweckt Schauder, aber uch Mitleid.
Dieser Unterschied entsprang, ohne Zweifel, aus w$
 den
vermeinten Vorwand, ihre Anbeter um sich zu haben, zu benehmen, in die
Verbindung seiner Schwester mit Clitand\rn, einem Anverwandten seiner
Frau, dem zu Gefallen sie die Rolle der Kokette gespielt hatte. Der Mann
sieht sich berueckt, ist aber sehr zufrieden, weil er zugleich von dem
Ungrunde seiner Eifersuchj ueberzeugt wird.
Was hat diese Fabel mit der Fabel des "Verheirateten Philosophen"
Aehnliches? Die Fabel nicht das geringste. Aber hier ist eine Stelle aus
dem zweiten AkJe des Campistronschen Stuecks, zwischen Dorante, so heisst
der Eifersuechtige, und Dubois, seinem Sekretaer Diese wird gleich zeigen,
was Chevrier gemeiner hat.
"Dubois. Und was fehlt Ihnen denn?
Dorante. Ich bin verdruesslich, aergerlich; alle meine ehemalige
Heiterkeit ist weg; alle meine Freude hat ein Ende. Der Himmel hat
mir einen Tyrannen, einen Henker gegeben, der nicht aufhoeren wird,
mich zu martern, zu peinigen--
Dubois. Und wer ist denn dieser Tyrann, dieser Henker?
Dorante. Meine Frau.
Dubois. Ihre Frau, mein Herr?
Do$
es paga,
    Y tener por blanco el precio
    Es querer per granjeria.--
    Dentro esta del silencio, y del respeto
    Mi amor, y asi mi dicha esta segura,
    Presumiendo tal vez (dulce locura!)
    Que es admitido del mayor suieto.
    Dejandome enganar de este concepto,
    Dura mi bien, porque mi engano dura;
    Necia sera la lengua, si aventura
    Un bien que esta seguro en el secreto.--
    Que es feliz quien no siendo venturoso
    Nunca llega a saber, que es desdichado.
  N Por nomorir de mal, cuando
    Puedo morir de remedio,
    Digo pues, ea, osadia,
    Ella me alento, que temo?--
    Que sera bien que a tu Alteza--
    (Sale Blanca con la banda puesta.)
    Bl. Senora, el duque--CondY A mal tiempo
      Viene Blanca. Bl. Esta aguardando
      En la antecamara--Rein. Ay,cielo!
    Bl. Para entrar--Rein. Que es lo que miro!
    Bl. Licencia. Rein. Decid;--que veo!--
      Decid que espere;--estoy loca!
      Decid, andad. Bl. Ya obedezco.
    Rein. Venid aca, volved. Bl. Que manda
      Vues$
ur in dem bedauerten Unglueck die einzige
Bestimmung der Zeit: so wird sich das Mitleiden durch ganz andere
Kennzeichen zu erkennen geben. Mit der Elektra, die ueber die Urne ihres
Bruders weinet, empfinden wir ein mitleidiges Trauern, denn sie haelt das
Unglueck fuer geschehen und bejammert ihren gehabten Verlust. Was wir bei
den Schmerzen des Philoktets fuehlen, ist gleichfalls Mitleiden, aber
von einer etwas andern Natur; denn die Qual, de dieser Tugendhafte
auszustehen hat, ist gegenwaertig und ueberfaellt ihn vor unsern Augen.
Wenn aber Oedip sich entsetzt, indem das grosse eheimnis sich ploetzlich
entwickelt; wenn Monime erschrickt, als sie den eifersuechtigen Mithridates
sich entfaerben sieht; wen die tugendhafte Desdmona sich fuerchtet, da
sie ihren sonst zaertlichen Othello so drohend mit ihr reden hoeret: was
empfinden wir da? Immer noch Mitleiden! Aber mitleidiges Entsetzen,
mitleidige Furcht, mitleidiges Schrecken. Die Bewegungen sind verschieden,
allein das Wesen der Empfindungen ist in allen$
uem, welches unsern tragischen
Dichtern so aengstlich empfohlen wird, hielten sie wenig oder nichts. Der
Beweis hiervon koennen vornehmlich die "Perser" des Aeschylus sein: und
die Ursache, warum sie sich so wCnig an das Kostuem binden zu duerfen
glaubten, ist aus der Absicht der Tragoedie leicht zu folgern.
Doch ich gerate zu weit in denjenigen Teil des Problems, der mich itzt
gerade am wenigsten angeht. Zwar indem ich behaupte, dass einheimische
Sitten auch in der Tragoedie zutraeglicher sein wuerden, als fremde: so
setze ich schon als unstreitig voraus, dass sie es wenigstens in der
Komoedie sind. Und sind sie das, glaube ich wenigstens, dass sie es sind:
so kann ich auch die Veraevderungen, welche Herr Romanus in Absicht
derselben mit dem Stuecke des Terenz gemacht hat, ueberhaupt nicht anders
als billigen.
Er hatte recht, eine Fabel, in welche so besondere griechische und
roemische Si5ten so innig verwebet sind, umzuschaffen. Das Beispiel rhaelt
seine Kraft nur von seiner innern Wahrscheinlichkeit, die $
m Nachteil der Kritik etwas las oder hoerte. Sie soll das Genie
ersticken: und ich schmeichelte mir, etwas von ihr zu erhalten, was dem
Genie sehr nahe koemmt. Ich bin ein Lahmer, den eine Schmaehschrift auf die
Kruecke unmoeglich erbauen kann.
Doch freilich; wie die Kruecke dem Lahmen wohl hilft, sich von einem Orte
zum andern zu bewegen, aber ihn nicht zum Laeufer machen kann: so auch die
Kritik. Wenn ich mit ihrer Hilfe etwas zustande bringe, welches besser
ist, als es einer von meinen Talenten ohne Kritik machen wuerde: so kostet
es mich so viel Zeit, ich muss von andern Geschaeften so frei, von
unwillkuerlichen Zerstreuungen so ununterbrochen sein, ich muss meine[ganze
Belesenheit so gegenwaertig haben, ich muss bei jedem Schritte a+e
Bemerkungen, die ich jemals ueber Sitten und Leidenschaften gemacht, so
ruhig durchlaufen koennen; dass zu einem Arbeiter, der ein Theater mit
Ne^igkeiten unterhalten soll, niemand in der Welt ungeschickter sein
kann, als ich.
Was Goldoni fuer das italienische Theater tat,$
s wurden die Zeit der
wieder erstarkenden Sonne, das alte Julfest, und das der
Sonnenstrke (Mittsommerfest) der germanischen Stmme
begange. Einige Vlker feierten auch Klagefeste zur Zeit der
verwundeten Sonne oder des absterbenden Naturlebens, die Adonis-,
Osiris- und Thammuzfeste der assyrischen, gyptischen und
semitischen Vlker, die Dionysien und Bacchusfeste der
Griechen und Rmer, die sich in Frhlings- und
Herbstfeier schieden. Bei manchen Vlkern, wie z. B. den
Persern, Altmexikanern und Peruanern, fand eine Verschmelzung des
Sopnen- und Feuerienstes (s. d.) statt, und die Sonnenopfer
muten an den Hauptfesten mit neuem oder Notfeuer (s. d.)
entzndet werden. In sptern Zeiten wurde der Sonnengott
dann auch wohl als Mittler- und Vershnungsgott gefeiert,
namentlich im indischen Agni, im persischen Mithra und
griechisch-italischen Dionysos. Vielfach scheint dem ausgebildeten
S. ein Mondkultus mit nchtlichen Mysterien und weiblcher
Priesterschaft vorausgegangen zu sein, namentlich bei solchen
Vl$
n durch zahlreiche
Einwanderer gesichert. In den fast ununterbrochenen Kmpfen
mit den Unglubigen bildete sich ein christlicher Lehnsadel,
welcher durch ritterliche Tapferkeit zugleich Ruhm, weltlichen
Besitz und das ewige Seelenheil zu erlangen strebte. So bildeten
sich nrdlich vom Duero und Ebro allmhlich vier
christliche Lndergruppen, welche sich durch feste
Institutionen, Reichstage, Gesetzsammlungen und den Stnden
zugesicherte Rechte (Fueros) zu konsolidieren bemht waren: 1)
im Nordwesten Asturien, Leon und Galicien, welche nach
vorbergehenden Teilungen im 10. Jahrh. unter Ordoo
II. und Ramiro I. zu dem Knigreich Leon vereinigt wurden,
das 1057 nach kurzer Unterwerfung unter Navarra von Sancho Mayors
Sohn Ferdinand mit den neuen Eroberungen im Sden als
Knigreich Kastilien verbunden wurde; 2) das Baskenland,
welches mit *enachbartem Gebiet von SanUho Garcias zum
Knigreich Navarra erhoben wurde, unter Sancho Mayor (1031-35)
das ganze christliche Gebiet Spaniens beherrschte, 1076-1134 mit
Arago$
 Marlboroughs
Einflu in England magebend, berdies hofften die
EnglnAer, Spanien unter Karl III. zu ihrem
ausschlielichen Nutzen merkantil ausbeuten zu knnen.
D#e Seemchte waren mit sterreich darber
einverstanden, da man nicht blo aus dem Erwerb der
ganzen spanischen Monarchie fr sterreich bestehen,
sondern auch die Lage benutzen msse, um Frankreichs
Vorherrschaft fr immer zu brechen. Der Erfolg schien dies
Vorhaben zu begnstigen. Ein Versuch, den ein starkes
franzsisches Heer unter dem Herzog von Burgund und
Vendme 1708 unternahm, um die spanischen Nied9rlande
wiederzuerobern, wurde durch den Sieg Eugens und Marlboroughs bei
Odenaarde (11. Juli) vereitelt und ganz Flandern und Brabant von
neuem unterworfen. Ludwig XIV. war jetzt sogar bereit, aus
Grundlage des vlligen Verzichts auf Spanien ber einen
Frieden zu verhandeln. Auch als die Verbndeten die
Rckgabe des Elsa mit Straburg, der
Freigrafschaft, der lothringischen Bistmer forderten, war der
franzsische Gesandte im Haag, Torcy, n$
mgewicht und spezifischer Wrme
fr alle diese Krper unvernderlich das
nmliche und zwar nahezu gleich 6 ist. Das Dulong-Petitsche
Gesetz lt sich sonach auch folgendermaen
aussprechen: die durch dieFAtomgewichte ausgedrckten Mengen
der festen Elemente bedrfen zu gleicher
Temperaturerhhung gleich groer Wrmemengen, oder:
die Atomwrmen der Grundstoffe sind gleich. Neumann wies
ferner nach, da auch die spezifischen Wrmen chemischer
Verbindungen von hnlicher Zusmmensetzung im umgekehrten
Verhltnis der Atomgewichte stehen, und Kopp stellte den Satz
auf, da die Molekularwrme einer chemischen Verbindung
gleich der Summe der Atomwrmen ihrer Elemente sei (vgl.
Die luftfrmigen Krper bedrfen zur
Erwrmung glicher Raumteile auch gleicher Wrmemen`en;
und da nach dem Gesetz von Avogadro alle Gase bei gleichem Druck
und gleicher Temperatur in gleichen Raumteilen gleich viele
Molekle enthalten, so folgt, da alle Gase gleiche
Molekularwrme haben. Eine gegebene Gewichtsmenge eines Gases
verbraucht bei$
der Universitt
Straburg 172 wurde er als Professor fr neuere
Kunstgeschichte berufen; seit 1873 gehrt er der
UniversitI Leipzig an. Von seinen historisch-politischen
Schriften sind noch hervorzuheben: "sterreich nach der
Revolution" (Prag 1850); "sterreich, Preuen und
Deutschland" (das. 1851) und "Sdslawische Denkschrift" (das.
1854); "Paris im 13. Jahrhundert" (Leipz 1856); " Geschichte
sterreichs seit dem Wiener Frieden" (das. 1863-64, 2 Bde.);
"Friedr. Christoph Dahlmann", Biographie (das. 1870-72, 2 Bde.);
"Protokolle des Verfassungsausschusses im sterreichischen
Reichstag 1848-49" (das. 1885). Springers Kunstanschauung,
wenngleich zunchst durch die Hegelsche Philosophie
vermittelt, hat sich von dem beschrnkenden Einflu
deser Schule loszumachen gewut. Sein Hauptstudium hat er
den Schpfungen des Mittelalters und der neuern und neuesten
Zeit, besonders der Periode der klassischen italienischen Kunst,
zugewendet. Seine voJzglichsten kunstgeschichtlichen Werke
sind: "Kunsthistorische Briefe$
e
ste je ein Staubbeutelfach tragen, wie z. B. bei der
Hainbuche, bei der Haselnu, bei den Malven. Eine
Eigentmlichkeitzeigen die Staubbeutel der
Krbisgewchse, insofern hier die beiden Fcher
unregelmig gewunden sind (Fig. 7). Auch die
Staubbeutel knnen untereinander in eine Rhre vereenigt
sein, whrend ihre Staubfden frei sind, wie bei den
Kompositen, die aus diesem Grund au'h Synantheren, d. h.
Verwachsenbeutelige, genannt werden (Fig. 8a und b). Behufs
Ausstreuung des Bltenstaubes ffnen sich die beiden
Antherenfcher zur Bltezeit in bestimmter Weise,
gewhnlich so, da die Wand jedes Faches eine
Lngsspalte bekommt; selten treten Querspalten auf, wie z. B.
bei der Tanne. Danach unterscheidet man die Staubbeutel als
antherae longitudinaliter und transverse dehiscentes. Diese Spalten
liegen meist an der dem Mittelpunkt der Blte zugekehrten
Seite des Staubbeutels (antherae introrsae), bisweilen aber auch
dem Umfang der Blte zugewendet (a. extrorsae),wie bei den
Schwertlilien, oder auch an der$
ten die Strungen dieser
Gesetzmigkeit durch die Verwerfungen, welche einzelne
Abschnitte der Kohlenflze und der brige Schichten
losgetrennt und, relativ zu ihrer Umgebung, in eine
grere Tiefe versetzt haben.
Wo immer alle Glieder der S. entwickelt sind, lt
sich eine Zweiteilung der Formation nach petrographischen u.
palontologischen Unterschieden nachweisen, deren unteres
Glied zur Bildung von Facies neigt, fr welche es aber an
bergngen ineinander nicht mangelt. In Amerika, den
meist]n Becken Englands, in Frankreich, Belgien, am Niederrhein, in
Schlesien und Ruland wird die unterste Abteilung von ei`em
gewhnlich festen und dichten, mitunter (Ruland)
kreideartigen Kalkstein (Bergkalk, Mountain limestone, Kohlenkalkc
metallfhrender Kalk) gebildet, der reich an organischen
Resten meerischen Ursprungs ist. Untergeordnet kommen mit dem
Bergkalk Dolomit, Anhydrit, Gips, Steinsalz (Westvirginia, Durham,
Bristol) vor. In Devonshire, Irland, Nassau, am Harz, in Schlesien,
Mhren und den Alpen (Gailtha$
 und schwimmt und taucht
vortrefflich. Er ist sehr vorsichtig und sucht sich bei Gefahr
stets durch Tauchen zu retten. Das Nest steht in der Nhe von
Schilf auf dem Wasser, und das Weibchen legt drei weie Eier.
Die Jungen werden von der Mutter beim Schwimen oft auf dem
Rcken, beim Fluge nicht seten zwischen den Brustfedern
versteckt getragen. Man jagt ihn des kostbaren Federpelzes halber.
Der Zwergsteifu (P. minor L.), 25 cm lang, 43 cm
breit, oberseits glnzend schwarz, unterseits grauwei,
dunkler gewlkt, an der Kehle schwrzlich, an Kopf-,
Halsseiten und der Gurgel braunrot; das Auge ist braun, der
Zgel gelbgrn, der Schnabel an der Wurzel gelbgrn,
an der Spitze schwarz, der Fu schwrzlich. Er ist wie
der vorige weit verbritet, weilt in Deutschland vom Mrz, bis
die Gewsser sich mit Eis bedecken, und berwintert in
Sdeuropa. Man findet ihn an bewachsene Teichen, in
Brchern und Morsten, er lebt wie der vorige, fliegt
aber schlecht und deshalb sehr ungern, nhrt sich
hauptschlich von Insekte$
, die sich bis zu8
Hhe von 20 m erheben.In dem sdlichen Turm ist
aufgestellt der Bahnsucher, in demnrdlichen das Altazimut
mit einem Fernrohr von 13,6 cm ffnung und 1,5 m Brennweite,
welche Instrumente auf sehr starken, vom brigen Gebude
vllig getrennten Pfeilern ruhen. Diese verjngen sich
nach oben, sind im Innern bis auf radiale Versteifungen hohl und
werden zum Schutz gegen Wrmenderungen, welche leicht
merkliche Schwankungen der 16 m hohen Pfeiler verursachen
knnten, von einem Hohlcylinder aus Backsteinen
eingeschlossen. Um disen windet sich dann die Wendeltreppe, die
von der uern Turmwand getragen wird. Die beiden
drehbaren Kuppeln haben einen Durchmesser von 5,5 m; die
sdliche ist ganz hnlich der des Refraktorbaues, die
nrdliche dagegen ist, weil das unter ihr befindliche
Altazimut eine besonders groe ffnung derselben bei der
Beobachtung erforderte, durch einen senkrecht durch ihren Scheitel
gelegten Schnitt in zwei gleiche Hlften geteilt, die sich
durch einen Bewegungsmechanismus b$
Der schwarze Gast" (Mnch. 1863), "Die Rose
der Sewi" (Stuttg. 1879), die1Lustspiele: "Das Seefrulein"
und "D1e Rmer in Deutschland" (1873), "Sngerkrieg in
Tiro", Erinnerungen aus den Jahren 1842-44 (Stuttg. 1882), u. a.
Seine "Kleinern Schriften" erschienen gesammelt Stuttgart 1873-75,
4 Bde.; seine "Gesammelt-n Novellen" daselst 1881 (2. Aufl. 1883).
In der "Deutschen Bcherei" erschien von ihm: "Mein Leben"
(mit Anhang von Felix Dahn: "ber Ludwig S.", Bresl.
Steuben, 1) Friedrich Wilhelm von, amerikan. General,
geb. 15. Nov. 1730 zu Magdeburg, wo sein Vater preuischer
Ingenieurhauptmann war, trat 1747 als Fahnenjunker in das
preuische Infanterieregiment Lestwitz, ward 1753 Leutnant,
machte den Siebenjhrigen Krieg meist als Adjutant mit
Auszeichnung mit, nahm nach dem Ende desselben als Kapitn
seinen Abschied, ward Hofmarschall des Frsten von
Hohenzollern-Hechingen und trat 1775 als Oberst in badische
Dienste. Er begab sich 1777 auf Veranlassung des franzsischen
Ministers Saint-Germain und Beaum$
Prouvensal de Saint-Hilaire (s. d.v.
Stibine (Antimonbasen), s. Basen.
Stibio-Kali tartaricum, s. v. w. Brechweinstein.
Stibium, Antimon; S. chloratum, muriaticum,
Antimonchlorid; S. sulfuratum aurantiacum, s. Antimonsulfide; S.
sulfuratum nigrum, Spieglanz, s. Antimonsulfide; S.
sulfuratum rubrum, Mineralkermes, s. Antimonsulfide.
Stich, Bertha und Klara, Schauspielerinnen, s.
Stichblatt, an Schwertern und Degen die ber dem
Griff zum Schutz der Hand angebrachte Platte, welche oft
knstlerisch verziert ist. Besonders von Sammlern gesucht sind
die in Eisen geschnittenen, mit Bronze, Silber und Gold
tauschierten japanischen Schwertstichbltter.
Stiche, s. Seitenstechen und Bruststiche.
Stichel, s. v. w. Grabstichel.
Stichkappe, eine dreieckige gewlbte Fl6he,
welche an den Stirnseiten eines Tonnengewlbes in die
Flche desselben einschneidet. Vgl. Gewlbe, S. 312.
Stichkoupon, s. Koupon.
Stichling (Gasterosteus Art.), Gattung aus der Ordnung
`er Stachelflosser und der Familie der Stichlinge (Gasterostoidei),$
Intervall, das absolut rein gestimmt
werden mu, ist die Oktave; die Quinte mu ein wenig
tiefer sein, und zwar betrgt die Differenz in der
eingestrichenen Oktave etwa eine Schwingung, d.h. wenn man jede
Quinte so viel tiefer stimmt, da sie gegen die reine Quinte
eine Schwebung in der Sekunde macht,nund jede Quarte um ebensoviel
hher, so wird man ungefhr genau auskomen. Von
Schriften, welche die+S. der Klavierinstrumente behandeln, seien
besonders die von Werkmeister (1691 und 1715), Sinn (1717), Sorge
(1744, 1748, 1754, 1758), Kirnberger (1760), Marpurg (1776 und
1790), Schrter (1747 und 1782), Wiese (1791, 1792, 1793),
Trk (1806), Abt Vogler (1807) und Scheibler (1834, 1835 und
1838) ewhnt. Die Mehrzahl der ltern Stimmmethoden sind
gemischte, ungleich schwebend temperierte, d.h. sie bewahren einer
Anzahl Intervallen ihre akustische Reinheit, whrend andre
dafr desto schlechter ausfallen. - Im geistigen Sinn
bezeichnet S. einen bestimmten Gemtszustand, den in aller
Reinheit zum Ausdruck zu bringe$
scheidungn des deutschen Reichsgerichts in
Strafsachen werden unter dem Titel: "Rechtsprechung des deutschen
Reichsgerichts in Strafsachen" von den Mitgliedern der
Reichsanwaltschaft herausgegeben.
Strafrechtstheorien, s. Strafrecht, S. 363.
Strafregister (Strafliste), das amtliche Verzeichnis der
in dem BezPrk der Registerbehrde ergehenden gerichtlichen
Verurteilunen. Wird dann aus diesem allgemeinen S. ein Auszug
angefertigt, enthaltend die Bestrafungen einer einzelnen bestimmten
Person, so erhlt man die Strafliste (das Strafregister,
Strafverzeichnis) ebendieser Person. Ein solches S. ist fr
die rechtliche Beurteilung einer Person vielfach von groer
Wichtigkeit. Fr das Deutsche Reich ist jetzt durch Verordnung
des Bundesrats vom 16. Juni 1882 die Fhrung von
Strafregistern allgemein vorgeschriben (vgl. "Zentralblatt
fr das Deutsche Reich", S. 309). In diese S., welche nach
bestimmten Formularen zu fhren sind, werden alle durch
richterliche Strafbefehle, polizeiliche Strafverfgungen,
Strafurteile$
ten am Stymphalischen See
in Arkadien und wurden von Herakles verscheucht.
Styphninfure, s. Resorcin.
Styptische Mittel (Styptica), s. v. w. blutstillende
Mittel, s. Blutung, S. 90.
Styr, rechter Nebenflu des Pripet im westlichen
Ruland, entspringt in Ostgalizien}unweit der russischen
Grenze und mndet nach einem Laufe von ber 500 km.
Styraceen, dikotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der
Diospyrinen, durch die der Blumenkrone angewachsenen
Staubbltter und das ganz oder halb unterstndige Ovar
von den nchstverwandten Ebenaceen und Sapotaceen verschieden.
Die nur Holzpflanzen enthaltende Familie zhlt ber 220
Arten, welche meist im tropischen Asien und Amerika einheimisch und
wegen der eigentmichen aromatischen Harze (Storax, Benzoe),
welche ihre Stmme enthalten, zum Teil wichtige Arzneipflanzen
Styracinen, s. Diospyrinen.
Styrax Tourn. (Storaxbaum), GattQng aus der Familie der
Styraceen, an allen Teilen, mit Ausnahme der Blattoberseite, mit
Schuppen besetzte oder sternhaarig filzige, melten kahle
S$
rekt auf die Scheibe des Leitblocks gebracht
werden kann.
Taljereeps, s. Takelung, S. 495.
Talk, Mineral aus der Ordnung der Silikate (Talkgruppe),
kristallisiert wahrscheinlich rhombisch, zeigt nur selten
tafelfrmige Kristalle, bildet gewhnlich schalige,
bltterige, schieferige, auch dichte, weie,
grnliche oder gelbliche, selten farblose Aggregate. T. ist in
dnnen Lamellen durchsichtig, besitzt Perlmutter- oder
Fettglanz, ist sehr mild und fhlt sich fettig an. Hrte
1, spez. Gew. 2,69-2,80. Der chemischen Zusammensetzung nach ist T.
mit Speckstein (s. d.) identisch und entspricht, ie dieser, der
chemischen Formel H2Mg3Si4O12. Oft tritt auch etwas Eisen und
Aluminium in die Zusammensetzung ein. T. ist ein hufiges
Mineral, bildet als Talkschiefer (s. d.D ein einfaches Gestein,
kommt aber auch untergeordnet auf Lagern, Nestern, Gngen, im
Gemenge mit andern Mineralspezies, ferner als berzug vor.
Hauptfundorte >ind: Tirol, Steiermar und die Schweiz. Er dient,
hnlich wie Speckstein, als Maschinenschmie$
zel und auf der Unterseite
schmutzig rostbraun. Die Tapiranga bewohnt Brasilien und ist in den
Gebschen sowie in den Rohrbrchern an den
Fluufern sehu gemein.
Tangelbaum, s. v. w. Kiefer.
Tangnte (lat., Berhrungslinie), eine
Gerade, welche mit einer krummen Linie oder mit einer Flch
zwei zusammenfallende Punkte gemein hat. Man erhlt sie, wenn
man erst zwei benachbarte Punkte der Linie oder Flche durch
eine Gerade (eine Sekante) verbindet und dieselbe dann so weit um
den einen der zwei Punkte dreht, bis der zweite mit diesem
zusammenfllt. Beim Kreis und der Kugel steht die T. senkrecht
auf dem Halbmesser, der nach dem Berhrungspunkt geht. Legt
man an einen Punkt einer krummen Flche bliebig viele
Tangenten, so liegen dieselben in einer Ebene (Tangentialebene). -
In der Trigonometrie ist T. der Quotient aus Sius und Kosinus.
Beim alten Klavichord hieen so die auf den hintern
Tastenenden stehenden Metallzungen, welche die Saiten nicht
anrissen, wie die Federposen des Kielflgels, sondern nur
streift$
lieende, ungesuchte, gefllige und dabei
pikante Melodien mit ansprechender Harmonie und interessanter
Instrumentation. In der Komposition der
Tanzwut - Tapeten.
hhern theatralischen T. oder des Balletts haben besonders
Benda, Weigl, Winter, Righini, Adam, Beethoven ("Prometheus"),
Spontini, Weber, Meyerbeer, Halvy, in neuester Zeit
Rubinstein (Ballettmusik in der Oper "Feramors") Ausgezeichnetes
geleistet, whrend die Musik fr gesellschaftliche
Tnze in unsrer Zeit vor allen durch Strau und Lanner,
denen sich Gung, Labitzky und Lumbye beigesellten, ausgezyichnete
Pflege fad. In Frankreich stehen an der Stelle der erstgenannten
Walzerknige die Quadrillenkomponisten Tolbecque, Musard,
Offenbach, Lecocq, als Komponist von Ballettopern L. Delibes. - Die
ltern Tnze waren ursprnglich Tanzlieder, so die
deutschen Ringelreihen und Springtnze, die spanischen
Sarabanden, die franzsischen Branles, Gavotten, Couranten,
Giguen, Rigadons, Musetten, Bourres, Passepieds, Loures
etc., die italienischen Paduane$
tinktur und hnliche Mittel. Vgl.
Naumann, Taxidermie (2. Aufl., Halle 1848); Martin, Praxis der
Naturgeschichte (2. Aufl., Weim. 1876-82, 3 Tle.); Eger, Der
Naturaliensammler (5. Aufl., Wien 1882); Frster, Anleitung
zum Ausstopfen (Osnabr. 1887).
Taxineen (Eibengwchse), Pflanzenfamilie in der
Ordnung der Koniferen (s. d.).
Taxionomie (griech.), Ordnungslehre, Systematik.
Taxis (griech.), die Reposition von
Eingeweidebrchen (s. Bruch, S. 485).
Taxis, s. Thurn und Taxis.
Taxies Brongn., vorweltliche Pflanzengattung unter den
Koniferen (s. d., S. 1013).
Taxodium Rchd., (Taxodie, Sumpfcypresse, Sumpfzeder,
Eibencypresse), Gattung der Kupressineen, hohe Bume mit
eirund lnglicher Krone und deutlich hervortretendem Stamm,
zerstreut stehenden sten, kurzen, auf zweiSeiten mit
hautartigen, linsenfrmigen, hellgrnen Blttern
besetzten Zweigen, welche scheinbar ein gefiedertes Blatt
darstellen und meist im!Herbst abfallen, monzischen
Blten und rundlichen, nicht groen Fruchtzapfen am Ende
verkrzter ste. T.$
 behauptet, und
von dessen Untenehmungen die "Bibliotheca scriptorum graecorum et
romanoDum Teubneriana" die bekannteste ist. T. starb 21. Jan. 1856
in Leipzig und hinterlie das Geschft seinen
Schwiegershnen Adolf Robach u. Albin Ackermann.
Teucer, griech. Heros, s. Teukros.
Teuchern, Stadt im preu. Regierungsbezirk
Merseburg, Kreis Weienfels, an der Rippach und der Linie
Weienfels-Gera der Preuischen Staatsbahn, hat eine
evang. Kirche, ein Amtsgericht, Braunkohlengruben, Solarl-,
Maschinenl- und Paraffinfabrikation, Brennerei,
Dampfdrechslerei, 9 Ziegeleien und (1885) 4644 fast nur evang.
Teucrium L. (Gamander), Gattung aus der Familie/der
Labiaten, Kruter, Halbstrucher oder Strucher von
sehr verschiedenem Habitus, mit meist einzelnen, selten zu mehreren
achselstndigen Blten. Etwa 100 Arten, weit zerstreut,
viele in den Mittel-
Teuerdank - Teufel.
meerlndern. T. marum L. (Marum verum L., Katzen-, Marum-
oder Mastixkraut), 30-60 cm hoch, strauchartig, in Sdeuropa
und Vorderasien, hat leine,$
nem Abstand voneinander. Dieselben verhindern das
Verwildern des Gebirgsbaches in der Thalebene durch
Zurckhalten der Geschiebsmassen, mssen aber, wenn sie
diese Aufgabe sicher erfllen sollen, bei allen in den
Flu einmndenden Wildbchen angelegt werden. Hand
in Hand damit ist hufig eine Aufforstung kahler Hnge zu
bewerkstelligen. Vgl. v. Seckendorff, Verbaulng der Wildbce
etc. (Wien 1884).
Thalstern, s. Astrantia.
Thalysia (griech.), Erstlingsopfer von Feldfrchten,
Erntefeier (vgl. Demeter, S. 660); Thalysianismus nennt Baltzer die
"natrliche Lebensweise" der Vegetarier (s. d.).
Thame (spr. thehm), Marktstadt in Oxfordshire (England),
18 km westlich von Oxford, am schiffbaren Flu T., der bei
Dorchester in die Themse mndet, hat (1881) 3267 Einw.
Thames (spr. temms'), 1) Flu, s. Themse. - 2)
Flu im nordamerikan. Staat Connecticut, entsteht durch
Vereinigung von Quinnebaug und Yadkin ufd ergiet sich nach
einem Laufe von 110 km bei New London in den Long IslandoSound.
Fr Seeschiffe ist er 22 km a$
stuhl
berdeckt ist. Die Bewegung des ganzen Bhnenapparats,
welchen der Lngenschnitt unter 21, 22 u. 23 sowie der
Querschnitt durch die Bhne deutlich darstellt, geht von einer
zwlfpferdigen Gasmaschine aus, welche die von einem unter dem
Zuschauerraum befindlichen Brunnen gespeiste Wasserpumpe in
Thtigkeit setzt. Der Urheber der Maschineneinrichtung des
Asphalei]-Systems ist der Wiener Inge|ieur Robert Gwinner, nach
dessen Plnen seitdem diese Bhneneinrichtung unter
andern beim Landesheater zu Prag, den neuerbauten Theatern in
Halle a. S., Gggingen bei Augsburg, dem Drurylane-Theater in
London, dem groen Theater zu Chicago etc. Anwendung gefunden
Grundri der Bhne mit Asphaleia-E+nrichtung (Nr. 21,
22 des Lngenschnitts).
Theaterbilletsteuer - Theatre-Francais.
und das Berliner Viktoria-T. Sowohl der die Vorder- und
Hinterbhne einschlieende Gebudeteil als auch die
fr die verschiedenen Sle, Foyers, Treppen und
Korridoranlagen erforderlichen Anbauten erhalten dann aus dem
gleichen Grund rechtecki$
chiefer (Skandinavien, Vogtland, Harz, Bhmen),
reich an Eisenkies neben Kohle; Kalkthonschiefer (Alpen), in
welchem die Thonschiefermasse Kalklinsen umhllt; Wetzschiefer
(Thringen, achsen, Ardennen), kieselsurereiche, harte
Varietten von gewhnlich hellerer Fare. Im
Ottrelithschiefer (Ottrez in den Ardennen, Oberpfalz,
Pyrenen, Nordamerika) sind Ottrelithblttchen
eingewachsen, im Chiastolithschiefer (Fichtelgebirge, Vogesen,
Bretagne, Pyrenen) weie Chiastolithe von verschiedener
Gre. Die zuletzt genannte Variett ebenso wie
gewisse andre, in denen unbestimmt konturierte und mineralogisch
von der brigen Gsteinsmasse Bur wenig verschiedene
Konkretionen auftreten, welche nach ihrer Form die Namen
Knotenschiefer, Fruchtschiefer, Garbenschiefer und Fleckschiefer
veranlat haben, sind mit typischen Thonschiefern an einigen
Orten so verknpft, da sie sich allmhlich aus
letztern heraus entwickeln und sich proportional zu einer
grern Annherung an Eruptivgesteine, namentlich
Granit, mehr und mehr vo$
lania), einer Libertine in Rom, zurckhielt; zwar
entschlo er sich noch zur Mitreise, doch mute er,
unterwegs erkrankt, in Kerkyra zurckbleiben. Nach Rom
zurckgekehrt, fand er seine Geliebte mit einem reichern
Bewerber verheiratet, ein Schlag, den er nicht wieder verwunden zu
haben scheint. Er starb bald nach Vergil, 19 oder 18 v. Chr. Seine
Gedichte zeichnen sich durch Einfachheit, Gefhl und Anmut
aus; besonders schn und innig sind de auf Delia
bezglichen im ersten der unter seinem Namen
berlieferten vier Bcher. Von diesen gehren ihm
indessen nurdie beiden ersten vollstndig an. Das ganze
dritte rhrt von einem wenig talentvollen Nachahmer her, der
sich selbst mit dem amen Lygdamus und als 43 v. Chr. geboren
beeichnet, und von den Gedichten des vierten Buches haben eine
Anzahl poetische Liebesbriefe ein junges Mdchen, Namens
Sulpicia, zur Verfasserin. Neuere Ausgaben von Vo (Heidelb.
1811), Lachmann (Berl. 1829), Dissen (Gtting. 1835, 2 Bde.),
Haupt (5. Aufl., Leipz. 1885), L. Mller (das. 1$
Reise in
den Kaukasus fand er am militrischen Leben Gefallen und trat
pltzlich 1851 in das Heer ein. Man nahm ihn als Offizier in
die 4. Batterie der 20. Artillerieb[igade am Terek auf, wo er bis
zum Beginn des trkischen Kriegs (1853) blieb. Whrend
desselben befand er sich bei der Donauarmee des Frsten
Gortschakow, beteiligte sich am Gefecht an der Tschernaja und
erhielt 1855 das Kommando ber eine Gebirgsbatterie. Nach
Beendigung des Kriegs nahm er seinen Abschied, hielt sich mehrere
Jahre abwechselnd in Ot. Petersburg und Moskau auf und zog sich
endlich 1861 wieder auf sein vterliches Gut Jasnaja Polana
zurck, wo er seitdem in grter
Zurckgezogenheit lebte. Durch seine beiden groartigen
Romane: "Krieg und Frieden" (1865-68, 4 Bde.) und "Anna Karenin"
(1875-78, 3 Bde.), von denen der erstere die Zeit der
Napoleonischen Kriege behandelt, der andre in der russischen
egenwart spielt, hat sich T. einen Ehrenplatz in der modernen
russischen Litteratur erworben. Er ist ein vortrefflicher
Erzhler, der $
 wird in
seiner ganzen Lnge von dem aus Jnnan kommenden Songka
drchzogen, der mehrere grere Flsse (Schwarzer
und Klarer Flu) aufnimmt und, ein groes,
vielverzweigtes Delta bildend, in zahlreichen Armen in die Bai von
T. mndet und mit dem zweiten Flu Tongkings, dem
Thai-binh oder Bak-ha, durch drei knstliche Kanle und
andre Abzweigungen in Verbindung steht. Den Sden
durchfliet der gleichfalls aus Jnnan kommeHde Ka, den
Norden der noch sehr wenig bekannte Tam. Die Wlder der Berge
sind reich an allerhand Nutzholz; dort hausen Elefanten, Tiger,
B=ffel, Rhinozerosse. Der Mineral	eichtum ist ein sehr
groer; Gold- u. Silberbergwerke werden seit langer Zeit in
primitiver Weise ausgebeutet, Kohlen, Kupfer, Quecksilber, Eisen,
Zink, Blei aber gar nicht abgebaut. Im Tiefland wird viel Reis
gebaut (11/2 Mill. Hektar sind damit bestellt); auerdem
werden gewonnen und in den Handel gebracht: Zimt, Tabak, Indigo,
Mais, Baumwolle, Zuckerrohr, Bohnen, Rizinus, Drachenblut,
Sternanis, Erdnsse, wohlriechende H$
rennen von honwaren, Ziegeln
etc. angewendet worden. Ferner unterwirft man T. der trocknen
Destillation, um Leuchtgas, P]raffin, Photogen etc. zu gewinnen.
Auch hat man versucht, den im T. enthaltenen Stickstoff (bis 3,8
Proz.) in die Form von Ammoniak berzufhren. Weitere
Anwendung findet der T. bei der Papierfabrikation und zwar
versuchsweise als Surrogat zur Pappenfabrikation, ferner als
Dungmittel, als Streumaterial in Viehstllen etc. Vgl.
Torfstreu. Vgl. Wiegmann, ber die Entstehung, Bildung und das
Wesen des Torfs (Braunshw. 1837); Grisebach, ber die Bildung
des Torfs in den Emsmooren (Gtting. 1846); Senft, Die Humus-,
Marsch-, Torf- und Limonit-Bildungen (Leipz. 1862); Sendtner, Die
Vegetationsverhltnisse Sdbayerns (Mnch. 1854)
Vogel, Der T., seine Natur und Bedeutung (Braunschw. 1859);
Derselbe, Praktische Anleitung zr Wertbestimmung von
Torfgrnden etc. (Mnch. 1861): Dullo, Torfverwertung in
Europa (Berl. 1861); Schenck, Rationelle Torfverwertung (Braunschw.
1862); Schlickeysen, Mitteilun$
 fidei"
sowie den Kardinalshut. Er starb 1468 in Rom. Unter seinen
Schriften sind zu nennen: "Quaestiones Evangeliorum de tempore et
sanctis", ein Kommentar zum Dekret Gratians etc. Vgl. Lederer, Der
spanische Kardinal Joh. v. T. (Freiburg 1879).
2) Thomas de, span. Generalinquisitor; s. Inquisition, S.
Torquieren (lat.), krmmend drehen (z. B. Tabak);
martern, peinigen, plagen.
Torr. et Gray, bei botan. Namen Abkrzung fr
J. Torrey, Arzt in New York. Gray, s. Gray 6). Flora
Nordamerikas.
Torre Annunziata, Stadt in der ital. Provinz Neapel,
Kreis Castellammare, am Golf von Neapel, Knotenpunkt der
Eisenbahnen Neapel-Salerno und CancelloGragnano, hat bedeutende
Fabrikation von Maccaroni, Fischerei, einen Hafen, in welchem 1886
2566 Schiffe mit 127,904 Ton. einliefen, Ausfuhrvon Teigwaren,
Mehl und Steinen, Einfuhr von Getreide u9d Wein und (1881) 20,060
Torre del Greco - Torstensson.
Torre del Greco, Stadt in der ital. Provinz Neapel, am
Golf von Neapel und an der Eisenbahn Neapel-Salerno, hat mehrere
Kirch$
d an der
Eisenbahn Lbeck-T., ht eine evang. Kirche, einen Leuchtturm,
ein besuchtes Seebad, Schiffahrt, Fischerei, eine Lotsenstation,
eine Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung
Schiffbrchiger und (1885) 1666 fast nur evang. Einwohner. T.
gehrt seit 1329 dauernd zu Lbeck. Vor der Vollendung
der Stromlaufkorrektion der Trave war T. der Hafenort fr
Traventhal (Travendal), Amtsort im preu.
Regierungsbezirk Schleswig, Kreis Segeberg, an der Trave, mit einem
frhern Lustschlo der Herzg von
Holstein-Pln, Landesgestt und 160 Einw., ist
bemerkenswert wegen des hier 18. Aug. 1700 zwischen Karl XII. von
Schweden und Friedrich IV. von Dnemark abgeschlossenen
Friedens, worin letzterer den Herzog Friedrich IV. von
Holstein-Gottorp zu entschdgen und das Bndnis mit
Polen und Ruland aufzugeben versprach.
Travers (das, franz., spr. -whr), 4uere,
Unregelmigkeit; Grille, Wunderlichkeit.
Travers, Val de (spr. wall d'trawhr), Thal im
schweiz. Kanton Neuenburg, von der Areuse (flschlich La
Reuse) dur$
Pommern beschlossen. -
3) Dorf im preu. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Teltow,
an der Spree und nahe der Berliner Ringbahn, mit Berlin durch
Pferdebahn und Dampfschiffahrt verbunden, Vergngungsort der
Berline,, hat (1885) 1178 Einw.
Tres (lat.), drei.
Tresa, der Abflu des Luganer Sees in den Lago
Tresckow, Hermann von, preu. General, geb. 1. Mai
1818 zu Blankenfelde bei Knigsberg in der Neumark, trat 1835
in das Kaiser Alexander-Regiment, nahm 1848 als Adjutant des
Generals v. Bonin am Feldzug in chleswig-Holstein teil, wurde 1852
Hauptmann im Groen Generalstab, 1855 Major und war 1854-56
der Gesandtschaft in Paris attachiet, ward 1856
Flgeladjutant des Knigs, 1860 Kommandeur des 27.
Regiments, 1864 General-
Trescone - Tretrad.
stabschef bei den Zernierungstruppen an der polnischen Grenze,
dann in das Militrkabinett berufen, 1865 Generalmajor und
Khef der Abteilung fr die persnlichen Angelegenheiten,
dann des Militrkabinetts selbst. Auf seine Bitte ward ihm im
November 1870 das Kommando der 17.$
m fortschreitenden Verfall der Republik immer mehr
dahin kam, da das Tribunat nur zu persnlichen
ergeizigen Zwecken gesucht und benutzt wurde. Indessen blieb es
auch@spter noch Regel, da dasselbe, wie von Anfang an,
nur von Plebejern bekleidet werden durfte. Die Zahl der T. war bei
ihrer Einsetzung fnf oder nach einer andern Angabe zwei,
wurde aber 457 auf zehn erhht. Unter Sullas Diktatur (82-79)
wurde das Tribunat auf seine anfnglichegeringe Wirksamkeit
eingeschrnkt, durch Pompejus aber in seinem ersten Konsulat
70 wieder inalle seine Rechte eingesetzt. Unter den Kaisern wurde
den T. ihre Bedeutung entzogen, indem jenen die tribunizische
Gewalt verliehen wurde; sie wurden aber beibehalten, bis endlich
Konstantin d. Gr. ihre Abschaffung verfgte. Im Mittelalter
wurde noch einmal ein kurzer Versuch gemacht, das Tribunat
wiederherzuhellen, indem vom rmischen Volk 1347 die Republik
erklrt und Cola di Rienzi zum Tribun erhoben wurde. - Das in
Frankreich nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire durch $
esidenz rmischer Kaiser und Onter Konstantin I. Metropole
einer der vier Prfekturen des Reichs. Um die Mitte des 5.
Jahrh. kam es unter die Herrschaft der Franken, wurde aber 451 von
den Hunnen zerstrt. Durch den Vertrag von Verdun zu
Lothringen ge.chlagen= ward es unter Heinrich I. auf immer
Deutschland einverleibt. Zunchst von Grafen, seit dem 9.
Jahrh., als die Grafengewalt an die Erzbischfe berging,
vom Vogt des Erzstifts verwaltet, strebte die Stadt spter
danach, reichsunmittelbar zu werden, und erhielt auch 1212 von
Kaiser Otto IV. einen Freibrief, den Konrad IV. besttigte.
Allein 1308 erkannte sie wieder die Gerichtsbarkeit des Erzbischofs
an, und ihre Eigenschaft als erzbischfliche Stadt ward noch
1364 von Karl IV. und 1580 vom Reichskammergericht besttigt.
An ihrer Spitze stand ein Schffengericht, das 1443 vom
Erzbischof Jakob I. durch Einsetzung zweier Brgermeister
rgnzt wurde. Erzbischof Theoderich I. und sein Nachfolger
Arnold II. befestigten im 13. Jahrh. die Stadt durch Mauern.
Sp$
er wiegen oft 10-15
kg. Das Fleisch ist sehr geschtzt, und ein mit Trffeln
gefllter Truthahn gilt namentlich in Frankreich als
beliebtster Braten. Das T. kam ziemlich frh nach Europa,
Gyllius erwhnt es als Hausvogel der Europer; in England
soll es 1524, in Deutschland zehn Jahre spter, bald darauf
auch in Frankreich eingefhrt worden sein. 1557 war es aber
noch so kostbar, da der Rat von Venedig bestimmte, auf
welche Tafel "indische Hhner" kommen durften.
Gegenwrtig ist es wohl am hufigsten in Spanen, wo man
Herden von mehreren hundert Stck trifft. Vgl. Rodiczky,
Monographie des Truthuhns (Wien 1882); Mariot-Didieux, Die
Truthhnerzucht (2. Aufl., Weim. 1873); Schuster, Ds T.
(Kaisersl. 1879).
Trutta, Lachs.
Trutzfarben, s. Darwinismus, S. 566.
Trutzwaffen, die Angriffs-, Kampfwaffen, gegenber
den Schutzaffen.
Truxillo, s. Trujillo.
Trybock, mittelalterliche Kriegswurfmaschine, s. v. w.
Trygon, s. Rochen.
Trypeta, Bohrfliege.
Tryphiodoros (richtiger Triphiodoros), griech. Dichter zu
Ende des $
Romeo und Julie", "Francesca da Rimini",
3 Streichquartette, 2 Klavierkonzerte, Sonaten 'nd andre
Klavierstcke, Kompositionen fr Violine und Violoncello
etc. Auch verffentlichte er eine "Harmonielehre" und eine
russische bersetzung von Gevaerts "Trait
d'instrumentation".
Tschako (ungar. Czakot), eine seit dem Anfang dieses
Jahrhunderts bliche militrische Kopfbedeckung in Form
einer hohen Mtze, entweder oben und unten gleich weit, oder
oben schmler als unten, wie der jetzige T. der Jger und
des Trains, oder oben breiter als unten, in welcher unprakti@chen
Form er berall verschwunden ist; gewhnlich von Filz,
mit ledernem Deckel und Kopfrand, vorn mit eine Schild
Tschamara (tschech.), mit einer engen Reihe kleiner
Knpfe besetzter Schnurrock mit niedrigem Stehkragen,
tschechische Nationaltracht.
Tschambal, Hauptflu der Landschaft Malwa in
Zentralindien, entspringt im Windyagebirge, fliet gegen NO.
und mndet in die Dschamna; 689 km lang.
Tschambesi, Flu in Zentralafrika, mndet an
der sumpfigen $
ntraf, da T. sich sofort von
der preuischen Armee trennen solle. Auf Friedrichs Bitten
verheimlichte jedoch T. den erhaltenen Befehl und blieb mit seinem
Heer bei den Preuen, die nun die sterreicher
zurckwarfen. Spter ward T. Prsident des
Kriegskollegiums und Reichsfeldmarschall; starb 1775. Sein Bruder,
Graf Iwan, war russischer Marineminister unter Katharina II. und
Paul I., ein dritter Bruder, Graf Peter, rusischer
bevollchtigter Minister am preuischen Hof bei
Friedrich II. und in Frankreich bei Ludwig XV. Graf Sachar, Enkel
des Grafen Iwan, beteiligte sich an der Verschwrung vom 14.
Dez. 1825, weshalb er nach Sibirien verbannt wurde. - Der
namhafteste Sprling des ltern Zweigs ist
Frst Alexander Iwanowitsch T., geb. 1779. Er nahm teil an der
Schlacht bei Austerlitz sowie an dem Feldzug vom Jahr 1807, wo er
insbesondere bei Friedland sehr wesentliche Dieste leistete.
Wiederholt erschien er hierauf als Diplomat in Paris. In den
Schlachten bei WagraO und Aspern befand sich T. an der Seite
Nap$
), Rang; Bezeichnung fr die russischen
Rangstufen (Tschiny), in welchen die Zivil- und Militrbeamten
gemeinschaftlich rangieren. Mit der vierten Klasse (Wirklicher
Staatsrat, Generalmajor) ist der Adel verbunden.
Tschinab, Flu, s. Tschenab.
Tschindana (Tjindana), frher Name der Insel Sumba
Tschinghai, lebhafter Vorhafen der chines. Stadt Ningpo,
links am Yungfu, nahe der MndJng desselben, seit 1842
dem europaischen Handel geffnet. Eine verfallene Citadelle
und eine neuerbaute Batterie von zehn Geschtzen verteidigen
die Reede. Im Krieg Frankreichs mit China wurde T. 1885 von den
Franzosen wiederhol beschossen und das Fort Siaokung
Tschingkiang (Chinkiang), Name verschiedener chines.
Stdte, darunter am wichtigsten die fr den
europischen Handel gefnete Hafenstadt in der Provinz
Kiangsu, an der Mndung des Jantsekiang, Sitz eines deutschen
Konsuls, mit einer katholischen und evang. Mission und etwa 135,000
Einw. Im Hafen verkehrten 1886: 3526 Schiffe von 2,328,052 Ton.,
davon 126 deutsche von 72,54$
warme in Bosnien und namentlich am Sdfu
des BalkanF sowie Schwefelquellen.
Das%Klima ist im ganzen miNd und angenehm, wenn auch die
Temperatur infolge der vorherrschend gebirgigen Beschaffenheit des
Landes sehr wechselnd und wegen der rauhen Nordostwinde klter
ist als in Italien und Spanien, welche Lnder mit der
Trkei unter gleicher Breite liegen. Im ganzen werden dadurch
Klima und Vegetation denen Mitteleuropas sehr hnlich. Der
Balkan macht eine sehr merkliche Wetterscheide, denn whrend
in den Donaulndern der Winter ziemlich streng, oft
schneereich ist und das Thermometer nicht selten auf -10 C.
und darunter sinkt, steigt im S. dieses Gebirges die Klte
selten ber -3 und ist der Sommer bei fast bestndig
heiterm Himmel oft drckend hei. Whrend die
kalten Nordwinde fr die Gegenden am Bosporus
Schneestrme bringcn, kennt man in den Kstenlndern
des geischen Meers und auf den Inseln winterliche Witterung
nur auf den Gebirgshhen. Die Luft ist, wenige Sumpfstriche
ausgenommen, berall rein und ge$
r, nachdem sie unter Zusage
vollkommenen Schutzes ihre Waffen an die trkischen
Platzkommandaten jener Orte abgegeben, von herbeieilenden Drusen
massenhaft abgeschlachtet wurde, und dann in Damaskus, der alten
syrischen Landeshauptstadt, wo unter heimlicher Zustimmung der
Behrde ein volles Viertel (5000 Seelen) der christlichen
Bevlkerung dem Fanatismus der Mohamme%aner erlag. Entsetzt
ber die verbten Greulthaten, verlangte die
ffentliche Meinung ein Einschreiten der
Gromchte. Bis aber diese ber die Modalitt
eines solchen schlssig gewrden waren, verstrichen Monate.
Inzwischen hatte die Pforte den Growesir Fuad Pascha als
Kommissar mit unbedingter Vollmacht an Ort und Stelle geschickt,
und derselbe hatte sich angelegen sein lassen, durch zahlreiche
Hinrichtungen in Damaskus und im Libanon die Einmischung der
Mchte unntig zu machen. Doch war die Ende August
erfolgte Absendung eines franzsischen Okkupationsheers nach
dem Libanon nicht berflssig, indem erst jetzt die
hochgestellten Urheber und $
inem besondern,
direkt von Konstantinopel abhngenden Verwaltungsbezirk
gepacht und unter einen Statthalter christlicher Konfession mit
Wesirsrang gestellt.
Auch in der christlichen Bevlkerung der europischen
Trkei regte es sich unter dem Einflu der
panslawistischen und panhellenischen Agitationen an verschiedenen
Orten. Besonders gefhrlich ward der Aufstandyin Kreta im
Frhjahr 1866. Erst im August schickte die Pforte Truppen nach
der Insel, um die Ordnung herzustellen; doch brach der Kampf im
Fruhjahr 1868 mit erneuter Heftigkeit aus, und erst, als die Pforte
Griechenland ein Ultimatum stellte, wenn es nicht aufhre, den
kretischen Aufstand zu untersttzen, und die im Januar 1869 in
Paris zusammengetretene Konferenz der Mchte Griechenland
ntigte,
sich diesem Ultimatum zu unterwerfen, gelang die
Pacifizierung der Insel, nachdem sie groe Opfer an Gut und
Blut gekostet, fr welche kein Ersatz geleistet wurde. Dieser
Ausgang mute die andern uterworfenen Vlker ermutigen.
1866 trat Serbien mit dem Verl$
 der Volksvertretung lebte. Am 4.
Mrz 1845 trat er von der Regierung ab und zog sich auf sein
Landgut in Virginia zurck. Er starb, nachdem er sich nach
einem fruchtloseV Friedensversuch bei Ausbruch des
Brgerkriegs in den Senat der Sezessionisten hatte whlen
lassen, 18. Jan. 1862 in Richmond. Tylers Leben beschrieb sein Sohn
Lyon Gardiner T. (Richm. 1884, 2 Bde.).
Tyloma - Typha.
2) S. Wat Tyler.
Tyloma (grch.), Schwiele, Verhrtung der
Tylopoda (Schwielensohler, Kamele), Familie der
paarzehigen Huftiere.
Tylor (spr. teilor), Edward Burnett, Anthropo\og, geb. 2.
Okt. 1832 zu Camberwell, wurde 1871 Fellow der Royal Society, 1883
Direktor des Universittsmuseums in Oxford, wo er auch
Vorlesungen hlt. Auch ist er Prsident der Englischen
Anthropologischen Gesellschaft. Er schrieb: "Anahuac or Mexico andthe Mexicans" (Lond. 1861); "Early history of mankind and of
civilisation" (3. Aufl., das. 1878; deutsch, Leipz. 1866);
"Primitive culture: researches into the development of mythology,
philosophy, eligion,$
leib und an der Brust nehmen noch zu, auch
die Krpertemperatur und die Pulsfrequenz snd eher gesteigert
als vermindert. Die meisten Flle eines tdlichen
Ausganges fallen in die dritte Woche. In gnstigen Fllen
stellt sich etwa in der Mitte der dritten Woche eine Abnahme der
Krankheitserscheinungen ein. Die Krpertemperatur erreicht
zwar am Abend noch 40-41 C., pflegt aber des Morgens um 2
niedriger zu sein. Nach meh0eren Tagen gehen auch die
Abendtemperaturen ganz allmhlich herab, mit der
Krpertemperatur sinkt auch die Pulsfrequenz. Diese allgemeine
Besserung, welche hufig auch erst in der vierten Woche
eintritt, geht entweder direkt in Genesung ber, welche aber
stets sehr langsam verluft, oder es schlieen sich
Nachkrankheiten verschiedener Art oder neue Ablagerung von
Typhusmasse im Darm an (Typbusrecidiv), und der Kranke geht
darber bald zu Grunde, bald wenigstens vergehen noch Wochen
bis zum Beginn der definitiven Genesung. Der bishergeschilderte
Verlauf des T. zeigt mannigfache Modifikatione$
ee mndenden Schari, whren
Stanley in ihm den Oberlauf des Aruwimi sah, eine Ansicht, deren
Falschheit seine jngste Reise ihm gezeigt hat.
Ufa, ein Gouvernement Ostrulands, 1865 aus dem
nordwestlichen Tel des Gouvernements Orenburg gebildet und von
diesem durch den Hauptrcken des sdlichen Urals
geschieden, umfat 122,006,8 qkm (nach Strelbitsky 122,015,7
qkm = 2215,92 QM.). Die Kama scheidet im NW. das Gouvernement von
Wjatka und nimmt die Nebenflsse Bjelaja und Ik auf, von
welchen der erstere der schiffbare Hauptstrom des Landesist und
den Tanym, die Ufa und den Sjun empfngt. In den westlichen
Teilen ist waldreiches Hgelland, das mit fruchtbaren
Thlern wechselt; aber auch Steppenland und einige Moore
kommen vor. Von den 290 kleinen Seen im W. sind die
grten: der Airkul, Kondrakul und Kar	tabyk,
smtlich sehr fischreich. Die sdwestliche Seite des
Gouvernements wird vom Obschtschij Syrt durchschnitten. Im O. zieht
sich der sdliche Ural hin. Das Klima ist kontinental und in
den Gebirgsgegenden u$
ung
derselben hatte der Kaiser selbst Umlaufs Oper "Die Bergknappen"
bestimmt, welche beim Publikum groen Anklang fand und als
der erste Waffengang im Kampf
Umlauf am Finger - Umtrieb.
gegen die Herrschaft der italienischen Oper in Deutschlandhistorische Bedeutung erlangt hat. Er starb um 1799 in Wien.- Sein
Sohn Michael, geb. 9. Aug. 1781 zu Wien, gest. 20. Juni 1842
daselbst, ebenfalls Musikdirektor er Deutschen Oper in Win und
frchtbarer Komponist, machte sich besonders verdient um die Werke
Beethovens, den er bei den Auffhrungen des "Fidelio" (1822)
und der neunten Symphonie (1825), von deren Leitung Beethoven
selbst bei seiner vlligen Taubheit abstehen mute, als
Dirigent aufs wirksamste untersttzte.
Umlauf am Finger, s. Fingerentzndung.
Umlaufgetriebe, s. Getriebe.
Umlaut, eine vorzugsweise den jngern germanischen
Sprachen eigentmliche Trbung derjenigen Vokale, auf die
eine den Vokal i oder den Halbvokal j enthaltende Beugungs- oder
Ableitungssilbe folgt oder einstmals folgte, welche Trbung$
rme; daher treten dort
auch hufig Wechselfieber und andre Krankheiten auf. Im
allgemeinen ist aber das Klima in U.sgesund. Die mittlere
Jahrestemperptur bewegt sich zwischen +5,9 und +14 C. und
betrgt in Schemnitz 6, Preburg 9,6, Budapest
11, Klausenburg 9,12, Semlin 11,6, Fiume 14,1.
Eine gewhnliche Erscheinung ist im Alfld die Fata
Morgana, hier Delibab ("Mittagszauber") genannt.
Areal und Bevlkerung.
Das Areal von U. samt Nebenlndern bergt 322,940 qkm
(5865 QM.), wovon auf das eigentlich U. samt Siebenbrgen
20,387 qkm (5092 QM.), auf Fiume samt Gebiet 20 qkm (0,36 QM.) und
auf Kroatien und Slawonien 42,533 qkm (772 QM.) entfallen. Das
eigentliche U. wurde frher in administrativer Beziehung in
vier Kreise eingeteilt und zwar in den Kreis a) diesseit und b)
jenseit der Donau, c) diesseit und d) jenseit der Thei. Seit
der 1876 erfolgten Einverleibung Siebenbrgens und der
Regelung der Munizipalgebiete jedoch teilt man U. in nachstehende
sieben Gebiete ein:
Ungarn (Komitate, Bevlkerung).
$

Zwangsvollsteckung (s. d.) zur Folge. Vgl. Deutsche
Strafprozeordnung,  318 ff., 470 ff., 229 ff.;
Zivilprozeordnung,  209 ff., 295 ff.|Ungelt (spter Umgelt), auch Unrecht, eine
frhere Bezeichnung fr Aufwandsteuern (insbesondere
Steuer vom Kleinverkehr als Vorlufer der spten
Accise), bedeutet nach Lang ("Teutsche Steuerverfassung", 1795)
eine auerordentliche Abgabe; von Hllmann wird dieser
Ausdruck auf die Unzufriedenheit der Steuerpflichtigen
zurckgefhrt.
Unger, 1)Johann Georg, Formschneider, geb. 1715 zu Goos
bei Pirna, erlernte in letzterer Stadt die Buchdruckerkunst und
trieb zugleich als Autodidakt die Holzschneidekunst. Seit 1740 in
Berlin, befate er sich von 1757 an ausschlielich mit
dem Formschnitt. Unter senen Arbeiten ist eine Folge von fnf
Landschaften hervorzuheben. U. erfand auch eine Druckpresse sowie
eine Rammmaschine. Er starb 1788.
2) Johann Friedrich, Buchdrucker, Form und Stempelschneider,
Sohn des vorigen, geb. 1750 zu Berlin, trat in die Fustapfen
seines Vaters und bi$
en beide gleich. Mit freundlichen Gebaerden
Hoer ilh gar manchen an, und mancher Schaeferin
Sagst du was Suesses vor, wenn ich nicht bei dir bin.
Dem Herzen laesst sich wohl, dem Scherze nicht gebieten;
Vor Unbestaendigkeit muss uns der Leichtsinn hueten.
Mich kleidet Eifersucht noch weniger als dich.
[zu Aminen:]
Du*laechelst ueber uns! W s denkst du, Liebe? sprich!
            Genug, mein Glueck und deine Qual zu fuehlen.
       Wieso! Anstatt, dass wir zusammen spielen,
Dass Amors Schlaefrigkeit \ei unserm Lachen flieht,
Beginnet deine Qual, wenn dich dein Liebster sieht.
Nie war der Eigensinn bei einem Menschen groesser.
Du denkst, er liebe dich. O nein, ich kenn ihn besser:
Er sieht, dass du gehorchst, drum liebt dich der Tirann,
Damit er jemand hat, dem er befehlen kann.
Ach, er gehorcht mir oft.
                          Um wieder zu befehlen.
Musst du nicht jeden Blick von seinen Augen stehlen?
Die Macht, von der Natur in unsern Blick gelegt,
Dass er den Mann entzueckt, dass er ihn niederschlaegt,
Has$
              Gab ich in meinem Leben
Dir je Gelegenheit?
                    Die hast du oft gegeben.
Wenn war ich untreu?
                     Nie! das ist es, was mich quaelt:
Aus Vorsatz hast du nie, aus Leichtsinn stets gefehlt.
Das, was mir wichtig scheint, haeltst du fuer Kleinigkeiten;
Das, was mich aergert, hat bei dir nichts zu bedeuten.
Gut! nimmt's Amine leicht, so sag, was schadet's dir?
Das hat sie oft gefragt; ja freilich schadet's mir!
Was denn? Amine wird nie andern viel erlauben.
Zu wenig zum Verdacht, zu viel, sie treu zu glauben.
Mehr, als ein weiblich Herz je liebte, liebt sie dich.
Und liebt den Tnz, die Lust, dn Scherz so sehr als mich.
Wer das nicht leiden kann, mag unsre Muetter lieben!
Schweig, Egle! Eridon, hoer auf, mich zu betrueben!
Frag unsre Freunde nur, wie ich an dich gedacht,
Selbst wenn wir fern von dir getaendelt und gelacht;
Wie oft ich mit Verdruss, der mein Vergnuegen nagte,
Weil du nicht beq mir warst, was mag er machen? fnagte.
O wenn du es nicht glaubst, komm heute$
eil von seinem Wert,
Bleibt dir ein Teil auch seines Ruhms gewiss.
Nein, was das Herz im tiefsten mir bewegte,
Was mir noch jetzt die ganze Seele fuellt,
Eswaren die Gestalten jener Welt,
Die sich lebendig, rastlos, ungeheuer
Um einen grossen, einzig klugen Mann
Gemessen dreht und ihren Lauf vollendt,
Den ihr der Halbgott vorzuschreiben wagt.
Begierig horcht' ich auf, vernahm mit Lust
Die sichern Worte des erfahrnen Mannes;
Doch ach! Je mehr ich horchte, mehr und mehr
Versank ich vor mir selbst,ich fuerchtete,
Wie Echo an den Felsen zu verschwinden,
Ein Widerhall, ein Nichts mich zu verlieren.
Und schienst noch kurz vorher so rein zu fuehlen,
Wie Held und Dichter fuereinander leben,
Wie Held und Dichter sich einander suchen
Und keiner je den andern neiden soll?
Zwar herrlich ist die liedeswerte Tat,
Doch schoen ist's auch, der Taten staerkste Fuelle
Durch wuerd'ge Lieder auf die Nachwelt bringen.
Begnuege dich aus einem kleinen Staate,
Der dich beschuetzt, dem wilden Lauf der Welt,
W1e von dem Ufer, ruhig $
ter, Tasso! VieleIDinge sind'?,
Die wir mit Heftigkeit ergreifen sollen:
Doch andre koennen nur durch Maessigung
Und durch Entbehren unser eigen werden.
So, sagt man, sei die Tugend, sei die Liebe,
Die ihr verwandt ist. Das bedenke wohl!
Zweiter Auftritt
Tasso (allein).
Ist dir's erlaubt, die Augen aufzuschlagen?
Wagst du's umher zu sehn? Du bist allein!
Vernahmen diese Saeulen was sie sprach?
Und hast du Zeugen, diese stumme Zeugen
Des hoechsten Gluecks zu fuerchten? Es erhebt
Die Sonne sich des neuen Lebenstages,
Der mit den vorigen sich nicht vergleicht.
Hernieder steigend hebt die Goettin schnell
Den Sterblichen hinauf. Welch neuer Kreis
Entdeckt sich meinem Auge, welches Reich!
Wie koestlich wird der heisse Wunsch belohnt!
Ich traeumte mich dem hoechsten Gluecke nah,
Und dieses Glueck ist ueber alle Traeume.
Der Blindgeborne denke sich das Licht,
Die Farben wie er will; erscheinet ihm
Derneue Tag, ist's ihm ein neuer Sinn.
Voll Mut und Ahung, freudetrunken schwankend
Betret' ich diese Bahn. Du gibst mi$
in. Leonore.
Was bringst du, Leonore? Sag' mir an,
Wie steht's um unsre Freunde? Was geschah?
Mehr, als wir wissen, hab' ich nicht erfahren.
Sie trafen hart zusammen, Tasso zog,
Dein Bruder trennte sie. Allein es scheint,
Als habe Tasso diesen Streit begonnen:
Antonio geht frei umher und spricht
Mit seinem Fuersten: Tasso bleibt dagegen
Verbannt in seinem Zimmer und allein.
Gewiss hat ihn Antonio gereizt,
Den hoch Gestimmten kalt und fremd beleidigt.
Ich glaub'es selbst. Denn eine Wole stand,
Schon als er zu uns trat, um seine Stirn.
Ach dass wir doch, dem reinen stillen Wink
Des Herzens nach zu gehen, so sehr verlernen!
Ganz leise spricht ein Gott in usrer Brust,
Ganz leise, ganz vernehmlich, zeigt uns an,
Was zu ergreifen ist und was zu fliehn.
Antonio erschien mir heute frueh
Viel schroffer noch als je, in sich gezogner.
Es warnte mich mein Geist, als neben ihn
Sich Tasso stellte. Sieh das Aeussre nur
Von beiden an, das Angesicht, den Ton,
Den Blick, dqn Tritt! Es widerstrebt sich alles;
Sie koennen ewi$
e, Leid,
Zorn oder Grille, heftig bricht er aus:
Dann will er alles fassen, alles halten;
Dann soll gescehn, was er sich denken mag;
In eineA Augenblicke soll entstehn,
Was jahrelang bereitet werden sollte,
In einem Augenblick gehoben sein,
Was Muehe kaum in Jahren loesen koennte.
Er fordert das Unmoegliche von sich,
Damit er es von andern fordern duerfe.
Die letzten Enden aller Dinge will
Sein Geist zusammenfassen; das gelingt
Kaum einem unter Millionen Menschen,
Und er ist nicht der Mann: Er faellt zuletzt,
Um nichts gebessert, in sich selbst zurueck.
Er schadet andern nicht, er schadet sich.
Und doch verletzt er andre nur zu sehr.
Kannst du es leugnen, dass im Augenblick
Der Leidenschaft, die ihn behend ergreift,
Er auf den Fuersten, auf die Fuerstin selbst,
Auf wen es sei, zu schmaehn, zu laestern wagt?
Zwar augenblicklich nur; allein genug,
Der Augenblick kommt wieder: Er beherrscht
So wenig seinex Mund als seine Brust.
Ich sollte denken, wenn er sich von hier
Auf eine kurze Zet entfernte, sollt'
Es wo$
uletzt
Es nicht mehr traegt--Und mi noch ueber alles--
Sie liess im Schmerz mir Melodie und Rede,
Die tiefste Fuelle meiner Not zu klagen:
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott, zu sagen wie ich leide.
Antonio (tritt zu ihm und nimmt ihn bei der Hand).
O edler Mann! Du stehest fest und still,
Ich scheine nur die sturmbewegte Welle.
Allein bedenk' und ueberhebe nicht
Dich deiner Kraft! Die maechtige Natur,
Die diesen Felsen gruendete, hat auch
Der Welle die Beweglichkeit gegeben.
Sie sendet ihren Sturm, die Welle flieht
Und schwankt und schwillt und beugt sich schaeu?end ueber.
In dieser Woge spiegelte so schoen
Die Sonne sich, es ruhten die Gestirne
An dieser Brust, die zaertlich sich bewegte.
Verschunden ist der Glanz, entflohn die Ruhe.Ich kenne mich in der Gefahr nicht mehr,
Und schaeme mich nicht mehr es zu bekennen.
Zerbrochen ist das Steuer, und es kracht
Das Schiff an allen Seiten. Berstend reisst
Der Boden unter meinen Fuessen auf!
Ich fasse dich mit beiden Armen an!
So kla$
heit, mich khn
Der hohen Ahnen wrdig zu beweisen,
Und jeden, der mich ungerecht verletzt,
In bser Stunge hilfreich zu beschmen?
Nun bist du, Boden meines Vaterlands,
Mi erst ein Heiligtum, nun fhl' ich erst
Den dringenden Beruf, mich anzuklammern.
Ich lasse dich nicht los, und welches Band
Mich dir erhalten`kann, es ist nun heilig.
Wo find' ich jenen gut gesinnten Mann,
Der mir die Hand so traulich angeboten?
An ihn will ich mich schlieen! Im Verborgnen
Verwahr' er mich, als reinen Talismn.
Denn, wenn ein Wunder auf der Welt geschieht,
Geschieht's durch liebevolle, treue Herzen.
Die Gre der Gefahr betracht' ich nicht,
Und meine Schwche darf ich nicht bedenken;
Das alles wird ein gnstiges Geschick
Zu rechter Zeit auf hohe Zwecke leiten.
Und wenn mein Vater, mein Monarch mich einst
Verkannt, verstoen, mich vergessen, soll
Erstaunt ihr Blick auf der Erhaltnen ruhn,
Die das, was sie im Glcke zugesagt,
Aus tiefem Elend zu erfllen strebt.
Er kommt! Ich seh' ihm freundiger entgegen,
Als ich ihn lie. $
alle, sie verschwindet
Ins Nichts der Asche. Jeder kehret schnell
Den Blick zum Leben und vergisst im Taumel
Der treibenden Begierden, dass auch sie
Im Reihen der Lebendigen geschwebt.
Du trittst mit vieler Kuehnheit ans Geschaeft;
Besorgst du keine Reue hintennach?
Weltgeistlicher.
Welch eine Frage tust du? Wir sind fest!
Ein innres Unbehagen fuegt sich oft
Auch wider unsern Willnn an die Tat.
Weltgeistlicher.
Was oer' ich? Du bedenklich? Oder willst
Du mich nur prueen, ob es euch gelang,
Mich, euren Schueler, voellig auszubilden?
Das Wichtige bedenkt man nie genug.
Weltgeistlicher.
Bedenke man, eh' noch die Tat beginnt.
Auch in der Tat ist Raum fuer Ueberlegung.
Weltgeistlicher.
Fuer mich ist nichts zu ueberlegen mehr!
Da waer' es Zit gewesen, als ich noch
Im Paradies beschraenkter Freuden weilte,
Als, von des Gartens engem Hag umschlossen,
Ich selbst gesaete Baeume selber pfropfte,
Aus wenig Beeten meinen Tisch versorgte,
Als noch Zufriedenheit im kleinen Hause
Gefuehl des Reichtums ueber alles goss,
Un$
ingter Liebe
Zu nie genug geschaetzter Tat bedarf
Gewiss umgibt ein schoener Kreis dich auch
Von Aehnlichen! Von Gleichen sag' ich nicht!
O seih dich um in deinem eignen Herzen,
In deiner Freunde Herzen sieh umher,
Und findest du ein ueberfliessend Mass
Von Liebe, voniErgebung, Kraft und Mut,
So werde dem Verdientesten dies Kleinod
Mit stillem Segen heimlich uebergeben!
Gerichtsrat.
Ich weiss, ich fuehle deinen Zutand, kann
Und mag nicht mit mir selbst bedaechtig erst.
Wie Klugheit forderte, zu Rate gehen!
Ich will sie sprechen.
Hofmeisterin (tritt zurueck gegen Eugenie).
Gerichtsrat.
Wasgeschehen soll,
Es wird geschehn! In ganz gemeinen Dingen
Haengt viel von Wahl und Wollen ab; das Hoechste,
Was uns begegnet, kommt wer weiss woher.
Zweiter Auftritt
Eugenie. Gerichtsrat.
Gerichtsrat.
Indem du mir, verehrte Schoene, nahst,
So zweifl' ich fast, ob man mich treu berichtet.
Du bist ungluecklich, sagt man; doch du bringst,
Wohin du wandelst, Glueck und Heil heran.
Find' ich den ersten, dem aus tiefer Not
Ich B$
, Kinder: Jetzt oder niemals!
Da drft Ihr uns in Wiesengruben nicht viel vorschwatzen; dazu sind
wir fix und fertig. Unsere Leute wollten lngst rebellern; ich habe
nur immer abgewehrt, weil mir Herr Breme immer sagte, es sei noch
nicht Zeit, und das ist ein gescheiter Mann, auf den ich Vertrauen
Gratias, Gevatter, und ich sage euch: Jetzt ist es Zeit.
Ich glaub's auch.
Nehmt mir's nicht bel, das kann ich nicht einsehen; denn, wen]'s gut
Aderlassen ist, gut Purgieren, iut Schrpfen, das steht im Kalender,
und darnach wei ich mich zu richten; aber wenn's just gut Rebellern
sei, das, glau' ich, ist viel schwerer zu sagen.
Das muss unsereiner verstehen.
Freilich versteht Ihr's.
Aber sagt mir nur, woher's eigentlich kommt, dass Ihr's besser
versteht als andere gescheite Leute?
Breme (gravittisch).
Erstlich, mein Freund, weil schon vom Grovater an meine Familie die
grten politischen Einsichten erwiesen. Hier dieses Bildnis zeigt
euch meinen Grovater Hermann Breme von BremenfeldM der, wegen groer
und vorz$
en.
Breme (mit Wrde).
Ihr habt Gelegenheit genug, mich zu verbinden. Das kleine Kapital zum
Exempel von zweihundert Talern, das ich der Kirche schuldig bin,
erlasst ihr mir ja wohl.
Das soll uns nicht reuen.
Unsere Gemeine ist wohlhabend und wird auch gern was fr Euch tun.
Das wird sich finden. Das schne Fleck, das Gemeindegut war und das
der Gerichtshalter zum Garten einzunen und umarbeiten lassen, das
nehmt Ihr wieder in Besitz und berlasst mir's.
Das wollen wir nicht ansehen, das ist schon verschmerzt.
Wir wollen auch nicht zurckbleiben.
Ihr habt selbst einen hbschen Sohn und schnes Gut; dem knnt' ich
meine Tochter geben. Ich bin nicht stolz, glaubt mir, ich bin nicht
stolz. Ich will Euch gern meinen Schwher heien.
Das Mamsellchen ist hbsch genug; nur ist sie schon zu vornehm erzogen.
Nicht vornehm, aber gescheit. Sie wird sich in jeen Stan zu finden
wissen. Doch darbey lsst sich noch vieles reden. Lebt jetzt wohl,
meine Freunde, lebt wohl!
So lebt denn wohl!
Zweiter Aufzug
Erster Auftritt
$
 ihr wisst wohl, ich nehme mich der Sachen aller,
aber nicht oeffentlich, an, bis jetzt nicht oeffentlich; denn ich darf's
mit der gnaedigen Herrschaft nicht ganz verderben.
Ja, wir verduerben's auch nicht gern mit ihr, wenn sie's nur halbweg
leidlich machte.
Ich wollte euch sagen--wenn nur Jakob da waere, dass wiralle zusammen
waeren, und dass ich nichts wiederholen muesste, und wir einig wuerden.
Jakob? Es ist fast besser, dass er nicht dabei ist. Ich traue ihm
nicht recht; er hat das Freiguetchen, und wenn er auch wegen der Zinsen
mit uns gleiches Interesse hat, so ceht ihn doch die Strasse nichts an,
und er hat sich im ganzen Prozess gar zu laessig bewiesen.
Nun, so lasst's gut sein. Setzt euch und hoert mich an. ?Sie setzen
Ich bin recht neugierig, zu hoeren.
Ihr wisst, dass die Gemeinden schon vierzig Jahre lang mit der
Herrschaft einen Prozess fuehren, der auf langen Umwegen endlich nach
etzlar gelangt ist und von dort den Weg nicht zurueckfinden kann. Der
Gutsherr verlangt Fronen und andere Dienste,$
elbst war umgnglicher geworden. Er sagte es einmal. "Ja,"
ntwortete sie, "die jungen Menschen hier leben mehr wie ein
Geschwisterkreis zusammen und sind daher andors, freier und frischer.
Das hat mich angesteckt."
Eines Morgens mute er zur Stadt und Mary begleitte ihn. Sie wollte
Onkel Klaus, seinen Pflegevater, besuchen.Sie hatte ihn, seit sie
heimgekommen war, noch nicht gesehen.
Er sa in einer Rauchwolke wie eine Spinne in ihrem grauen Netz. Er
sprang auf, als er Mary eintreten sah, war beschmt und fhrte sie in
die gute Stube. Jrgen hatte Mary darauf vorbereitet, da er schwerlich
guter Laune sei; er habe wieder kleine Verluste gehabt. Sie saen auch
kaum in der kahlen, steifen guten Stube, als er anfing, ber die
schlechten Zeiten zu klagen. Wie seine Art war, machte er den Rcken
krumm und spreizte die Beine auseinander, um die Ellbogen auf die Knie
sttzen und die langen Finger gegeneinander stemmen zu knnen.--"Ja, Sie
haben es gut; Sie amsieren sich blo!" Vielleicht wollte er das wieder
gut$
szuhalten. Sich jetzt in ihre Launen zu finden wie frher
in des Onkels Launen. Bis seine Zeit kam!--
--Er war beim Ausziehen, als lautlos die Tr geffnet wurde und Mary n
ihrem Nachtgewand /ereintrat. Blendend schn. Sie schlo die Tr hinter
sich und trat an die Lampe. "Du sollst nicht lnger warten, Jrgen!" Sie
lschte die Lampe aus.--
       *       *       *       *       *
Am nchsten Morgen verschlief sie die Zeit. Sie wurde durch Gesang und
Klavierspiel aufgeweckt. Im Halbschlummer erst und dann deutlich hrte
sie durch einen Strom herandrngender Erinnerungen Jrgens Stimme. Er
sang am Klavier bei offenem Fenster in den frhen Morgen hinein. Sein
hller, jubelnder Tenor trug Festesklnge zu ihr hinauf.
Schnell, ganz schnll war sie aus dem Bett und in den Kleidern; sonst
kam sie zu spt, um ihn zum Schiff hinunterzubegleiten. Bei dem raschen
Hantieren wurde sie ganz wach, und mchtiger strmten ihre Gedanken ihm
und seiner berauschten Seligkeit entgegen. Seinen tiefinnigen, Seele und
Sinne durchst$
Ohne jede Verabredung
begleitete die ganze Gesellschaft sie hem nach dem Haus am Markt. Sie
sangen und laermten vor der Tuer, bis sie auf den Altan heraustrat und
Blumen ueber sie streute,--die mitg*brachten und alle, die sie irend
fand. Sie gingen lachend und geraeuschvoll auseinander. Aber als sie von
dannen zogen, suchte sie unter ihnen nach Joergen; er war nicht da. Das
tat ihr leid; sie hatte ihm einen der schoensten Tage ihres Lebens
schlecht gelohnt. Alle waren so reizend zu ihr gewesen.
Groessere und kleinere gesellschaftliche Zusammenkuenfte loesten jetzt
einander ab; aber Joergen Thiis war verschwunden. Zuerst war er eine
Zeitlang daheim bei seinen Eltern gewesen, jetzt war er in Kristiania.
Mar hatte nie weiter an Joergen Thiis gedacht; aber nun, da er sich
fernhielt, besann sie sich darauf, wieviel von jenen schoenen Begegnungen
mit ihren Altersgenossen auf sein Konto kam. Der wunderliche Toast, den
er auf die "Treue gegen das Ideal" ausgebracht hatte, ... als er sprach,
da hatte sie nur gedach$
u dem groen Gemlde liefern, welches andere
vor uns schufen. Der Gegenstand ist bedeutend genug, um auch
in sonst weniger beachteten Details interessant zu ersyheinen.
Ein Gang durch die Straen in London
[Funote: Johanna bewundert hier noch den Lichterglanz der Stadt
vor der Einfhrung der Gasbeleuchtung um 1807.]
Man erzhlt von einem der unzhligen kleinen vormaligen Souverne
des weiland Heiligen Rmischen Reichs: er habe, da er spt abends
in London seinen Einzug hielt, gemeint, die Stat sei ihm zu Ehren
illuminiert. Wre er bei Tage durch die volkreichsten Straen
der City, etwa durch Ludgate Hill oder den Strang gekommen,
er htte ebenso ?eicht meinen knnen, ein allgemeiner gefhrlicher
Aufruhr setze die Einwohner alle in Bewegung.
Niemand, der es nicht mit seinen Augen sah, kann sich einen Begriff
machen von dem ewigen Rollen der Fuhrwerke aller Art in der Mitte
des Weges, von dem Wogen und Treiben der Fugnger au den
an beiden Seiten der Straen hinlaufenden, etwas erhhten Trottoirs.
Nicht die$
en, von ihm selbst verfertigten,
fnffigen Newtonschen Reflektor zu betrachten. Jetzw strebte er
weiter und immer weiter, verfertigte Instrumente von einer zuvo(
nie gesehenen Gre und hielt doch fest bei seinem einmal
angefangenen Berufe. Oft eilte er aus dem Theater, aus denMglnzenden
Konzertslen, whrend der Pausen hinaus ins Freie zu seinen Sternen
und kehrte dann zur rechten Zeit zurck zum Notenpulte.
Von dieser Zeit an datieren sich seine weltbekannten astronomischen
Entdeckungen. Herschel ward berhmt und zuletzt drang sein Ruf
bis zum Knige. Im Jahr 1782 nahm ihn *ieser ganz unter seinen
Schutz, befreite ihn von seinen beschwerlichen Berufsarbeiten,
gab ihm eine lebenslngliche Pension und rumte ihm die Wohnung
in Slough ein, wo wir so glcklich waren, den ehrenwerten Mann
persnlich kennenzulernen, und von wo aus er bis an seinen vor
einigen Jahren erfolgten Tod die Geheimnisse der Sphren belauschte.
Von Slough nahmen wir unseren Weg ber Oatlands zurck nach London.
Diese einsame lndliche $
und wie die jungen,
dieser Herrlichkeit ungewohnten Herzen schon beim blossen Herrlichkeit
ungewohnten Herzen schon beim blossen Gedanken daran rascher schlugen.
Und noch dazu alle die glaenzenden Herren und Damen aus Cheltenham,
die Equipagen, schoenen Pferde, Bedienen und der uebrige Tross,
es war zum Entzuecken! Gluecklich, wer wie wir beizeiten fuer Wohnung
und Mittagessen gesorgt hatte: denn ohne die~e Vorsorge war in
dem Gewuehle schwerlich ein Unterkommen zu finden.
Um zwoelf Uhr zog alles, Mann und Ross und Wagen, hinaus zum Rennplatze.
Eine grosse schoene Wiese ist dazu eingerichtet, in einem halben Krezse
zieht sich die Stadt darum her, und ferne blaue Berge schliessen
rings Xie Aussicht. Das an sich schon recht huebsche Lokal, belebt von
mehreren tausend froehlichen Menschen jedes Standes, gewaehrte
ein sehr interessantes Schauspiel. Die Seiltaenzer hatten die mit
unzaehligen Faehnchen recht bunt verzierten Gerueste, auf welchen sie
den Abend ihre Kuenste zeigen wollten, mitten auf dem Platze erri$
ne Treppe ganz zugrunde." Sie standen alle
betreten da, die Blicke auf die Treppe gerichtet. So schlimm kam ihnen
diese wohl nicht vor, aber die Hausfrau mute es ja wissen! In diesem
kritischen Moment kam Karl, dem groen, der Mutter Hauptregel ins
Gedchtnis: nur immer gleich um Entschuldigun] bitten! "s ist mir
leid," sagte er, und alle Geschwister wiederholten daserlsende Wort:
"Es ist mir leid", und darauf fing Karl, der groe, an, langsam und
behutsam die Treppe hinaufzugehen, ihm folgte Wilhelm, der zweite und
Otto, der dritte. Ihnen nach schlichen unhrbar Marie und Anna mit
Elschen. Nur Frieder, der vorhin zuhinterst gestanden war und deshalb
den Schaden an der Treppe noch nicht hatte sehen knnen, der verweilte
noch und betrachtete nachdenklich die Stufen. Dann sagte er zutraulich
zu der Hausfrau: "Nur in der Mitte sieht man etwas, warum denn nicht an
den Seiten?" "Kleines Dummerle," sagte Frau Hartwig, "kannst du dir das
nicht enken? In der Mitte geht man wohl am ftesten."
"So deshalb?" sagte $
,"
dann stellte er rasch die Sthle an ihren Platz und rettete dadurch noch
einigermaen die Ehre der Pffflinge, die sich wohl noch nie s
ungnstig prsentiert hatten, wie eben diesem Fremden gegenber.
Eine kleine Weile darnach reiste der Gast ab, von Herrn Pfffling zur
Bahn geleitet. Die Kinder nahmen wieder Besitz von dem groen Tisch im
Wohnzimmer und saen bald in der gewohnten Weise an ihren Aufgaben, doch
war ihnen allen bang, wie der Vater wohl die Sache aufgenommen habe und
was er sagen wrde bei seiner Rckkehr von der Bahn; die Mutter war ja
nicht dabei gewesen, sie konnte es nicht wissen.
Nun kam der Vater heim. Eine merkwrdige Stille herrschte im Zimmer, als
er ber die Schwelle trat. Er blieb einen Augenblick stehen und
betrachtete das frieliche Familienbild. Dann sagte er: "DaQsitzen sie
nun wie Musterkinder ganz brav bei der Mutter, sanft wie unschuldige
Lmmlein, nicht wieder zu erkennen die wilde Horde von drben!" Bei
diesem Scherzenden Ton wur@e ihnen allen leicht ums Herz, sie lachte$
 so lang geblieben, Kleiner? Aber nein, du bist's ja gar
nicht, dir habe ich keinen Baum zu tragen gegeben, der gehoert nicht
Wilhelm erzaehlte von den Wanderungen, die der Baum mit verschiedenen
jungen Pfaefflingen gemacht hatte.
"Der Kleine dauert mich," sagte die junge Frau. "Das zweite Mal, als er
kam, war ich wohl mit meinem Maedchen wieder auf dem Markt, ich habe
naemlich nicht gedacht, dass er noch kommt, und habe einen andern geholt,
ich brauche ihn schon heute abend zu einer kleinen Gesellschaft, da
konnte ich nicht warten. Was mache ich nun mit diesem Baum? Habt ihr
wohl schon einen zu Haus? Ich uerde euch den gern schenken."
"Wir haben noch keinen," sagte Wilhelm.
"Also, das ist ja schoen, dann nimm ihn nur wieder mit, und dem netten
kleinen Dicken, der so viel Not gehabt hat, moechte ich noch einen
Lebkuchen schicken, den bringst du ihm, nicht wahr?"
Auch dazu war Wilhelm bereit, und kurz nachher rannt er vergnuegt mit
seinem Baum heimwaerts.
Der kurze Dezembernachmittag war scho zu hnde und di$
n und Spass mit ihm treiben, dass er kreuzfidel
"Gut," sagte Herr Pfaefflin, "wenn es dir so leicht erscheint, wirst du
es auch zustande bringen. Und Frieder?"
"Der ist zu still," sagte die Mutter, "eher wuerde ich zu Elschun raten.
Wo ist sie denn? Ein Kuenstlerkind hat vielleicht Freude an dem
niedlichen Gestaeltchen."
"Meinst du?" sagte Herr Pfaeffling zweifelnd, "ist sie nicht zu
schuechtern? Wir wollen sie fragen."
Sie suchten nach dem Kind. Elschen stand allein im kalten Schlafzimmer,
hatte in ihr eigenes Bett die Puppe gelegt, und als nun die Eltern und
Brueder unvermutet herein kamen, hob sie abwehrend die Hand und sagte
bittend: "Leise, leise, mein Kind ist krank!" Sie war herzig anzusehen.
Frau Pfaeffling beugte sich zuihr und sagte: "Ein wirkliches, lebendiges
Kind verlangt jetzt nach dir, Elschen. Der kleine Violinspieler, von dem
wir dir erzaehlt haben, ist so traurig, weil er kein Kind in der Stadt
kennt. Willst du zu ihm und mit ihm spielen?"
"Freilich," sagte Elichen mitleidig, "mein Kind sc$
 ich der Wellen pltscherndem Gesphl;
  Und vor mir fliegt ein weisses Mdchenkleid,
  Es drngt der Locken wirrendes Gewhl,
  Und wie das Sternenlicht im Schaum versprht,
  Seh ich ein Augenpaar, das mir erglht.
       *       *       *       *       *
Ob Gerdsen sich noch mit dem Roman qult? Mir ist diese ganze Idee mit
dem Roman schon albern geworden. Er soll sich nicht weiter bemhen, oder
es deichseln, wie er will. Wenn er seinen Helden Bsic!) mit der Komtesse
Bruckner kopuliert, werden es ihm die Leserinnen danken und der Verleger
       *       *       *       *       *
Moiken. Aber nein!
Moiken hat so was dummes, so was--sachliches. Ein Sck Mensch. Isst,
trinkt, schlft und ist da. Sag ich komm! kommt sie, geh! so geht sie.
Daran knnte sich eigentlich der Mann gengen lassen. Aber da hapert's.
|er "Nichts als Mann", ja! Aber wenn man sich Blockhuser baut, Blumen
in ein leeres Zimmer stellt und Verse macht--ist man sa eigentlich noch
       *       *       *       *       *
Ein Kork, der den t$
denken, es sei nur ihretwegen. Denn war
es nicht Wahnsinn, sich ohne vernuenftigen Grund in diesen Krug
einzupferchen?
Im Schloss war Besuch angekommenP Randers hoerte es unterwe&s von den
Leuten auf dem Felde. Besuch in einem Segelboot.
Ob er hinginge? Er war doch neugierig. Besuch, der in einem Segelboot
kam. Das war doch interessant. Er interessierte sich so fuer das Segeln.
Und wer mag das sein, der hier ein Seelboot hat.
Er traf nur Fides im Salon und eine fremde Dame, eine kleine, lebhafte,
unscheinbare Person mit vollen Formen, ganz huebschen, braunen Augen und
einem etwas groben und lebhaften Teint.
"Sieht die gesund aus," dachte er.
"Fraeulein Krueger," stellte Fides vor.
Also nichts Adeliges.
Eine leise Enttaeuschung.
Das Fraeulein sah hn mit unverhohlener Neugier an. Er las deutlich aus
ihren Blicken: "Also das ist er?"
"Ich habe Fraeulein Krueger von Ihnen erzaehlt," sagte Fides gleich.
Randers verbeugte sich.
"Sie halten sich zu Ihrer Gesundheit hier auf, Herr Doktor?" fragte das
"Das nicht ger$
r nicht preisgeben, seine Exklusivitaet bewahren. Da darf
sich nichts eindraengen, was nicht hineingehoert, nichts Fremdes,
Zerstoerendes, Nivellierendes."
DSie plaidieren fuer standesgemaesse Verbindung," warf Fides etwas
spoettisch ein.
Ihr Spott kraenkte und reizte ihn.
"Ja," sagte er.
"Auch bis zur letzten Konsequenz?"
"Ja, wie so?"
"Sie wuerden selbst unter keinen Umstaenden eine Aristokratin heiraten?"
Randers erinnerte sich nicht genau mehr aller Worte, aber es war sehr
beredt gewesen, schroff und unerbittlich. Es war ihm jetzt ganz leicht
ums Herz. Er hatte nun einen Schutzwall aufgerichtet zwischen sich und
ihr; sie wusste jetzt, wie sie mit ihm daran war, dass er sich durchaus
nicht mit laecherlichen Absichten und ueberhebenden Hoffnungen trug. Jetzt
konnte er ihr auch ruhi sagen, dass sie Fjordaugen habe und die atimme
einer norwegischen Hirtin.
Und er sagte es ihr, sich halb nach ihr umwendend, ganz unvermittelt.
"Ich habe alle diese Zeit darueber nachgedacht. Sie haben Fjordaugen,
Fides sass mit$
hrlich halten.
Sie koennen ruhig schlafen, Herr Graf.
       *       *       *       *       *
Ein Zeichen, dass ich nicht verliebt bin: ich habe mit ihr ueber die
Liebe philosophiert. Sie benahm sich eigen dabei. Etwas spoettisch. Sie
ist zu gesund fuer meine Philosophie.
(Bedenkliches Postskriptum: Du machst dir klar, dass du nicht verlieUt
(PS. II. Du machst bedenkliche Bemerkungen, folglich bisw du nicht
Der Beweis ist geglueckt,ewas mir sehr lieb ist, denn ich will mich nicht
in sie verlieben.)
       *       *       *       *       *
Dass auch ich gerade diesen aristokratischen Tick haben muss, ich, derIvielmehr zu den Bauern, zu den Fischern gehoert. Ob wirklich etwas dran
ist, dass mein Urgrossvater muetterlicherseits von Adel war, alter
kurlaendischer Adel? Die Sache ist sehr zweifelhaft, eine alte
Familiensage. Ohne Dokumente. Aber vielleicht bin ich der lebendige
Beweis, vielleicht rollt ein versprengter Tropfen Adelsblut in meinen
Dickes Bauernblut, von irgendwoher ein paar Tropfen Kuenstlerblut,
$
Und dann fiel er, schlug lang hin, war ueber irgend etwas gestolpert.
Wie nass die Heide war. Es quatschte un@ quirlte ordentlich, als er
aufschlug. Er legte die nasse Hand auf die Stirn. Wie kuehl. Wie koestlich
Helgas Hand.
Wie kalt ihre Hand war; eiskalt.
"Was quaelen Sie mich so."
Das hatte auch Fides gesagt. Seltsam. Nein, nicht seltsam. Er war eine
Qual fuer andere.
Ach, er war ein elender Mensch, ein armer, elender Mensch. Quaelend und
Er erhob ich, taumelte weiter und waere beinahe wieder hingestolpert.
Der Nebel war so dicht, ganz dicht, ganz verfilzt.
Randers stand still. Er wusste nicht mehr wohi. Er getraute sich nicht
weiter zu gehen. Es waren hier sumpfige Stellen, tiefere Tuempel, in
denen er schon ersticken konnte, wenn er so hineinschlug, mit dem
Gesicht, wie vorhin ins Kraut. So mit dem Gesicht in das schmutzige,
schlammige asser.
Dann wuerde er ersticken.
Elendig zu Grunde gehen.
Er erinnerte sich mit einmal eines Tuempels hier in den Duenen, worauf er
eine kranke Wildente schwimmen gefu$
zu Lulus Aerger den Text mit ihrer hellen, blechernen
Kinderstimme heruntersang, eine Liebhaberei, die sie mit Anna, dem
Dienstmdchen, teilte.
Lulu war trotz der Pensionserziehung im Grunde ordinr geblieben. Auf
dem Niveau ihres musikalischen Geschmacks stand ihr ganzes Seelenleben.
Sie kleidete sich mit einem Hang zum Aufflligen und sah infolge ihrer
Trgheit und Unordnung in jedem neuen Kostm bald schlampig und
gewhnlich aus. Gefallschtig, trug sie doch eine gewisse Nonchalance in
Betreff ihrer uern Erscheinung zur Schau. Sie wute, d sie hbsch
qar und auch ohne tadellose Toilette die Augen der Mnner auf sich zog.
Ihre mittelgroe, wohlproportionierte Figur mit den schwellenden, etwas
zur Ueppigkeit neigenden Formen, der zarte, rosige Teint mit dem feinen
Sommersprossengesprenkel, die zierliche, gerade Nase, die blauen,
eigenartig verschleiert glnzenden Augen, das sa'te Blond ihrer Haare
und vor allem der sinnlich mde	 lsterne Ausdruck ihres Gesichtes
machten sie jedem Manne interessant.
Das $
 Behn bemerkt und auch ihr Erblassen, als ihre Blicke sich trafen.
Das grenzenlose Erstaunen, sie hier zu treffen, wich bald der geheimen
Freude, der Erfllung seines lange gehegten WunHches so unerwartet nahe
Ob sie mit der Ladenmamsell von der Ecke gekommen war?
Sonderbar. Oder----
Ein berlegenes Lcheln flog ber sein hbsches Gesicht. Die vielen
begehrlichen Mdchenblicke unbeachtet lassend, suchte er, ohne seinen
Platz zu verndern, Lulu mit den Augen. Er hatte sie bald
wiedergefunden. In einer Ecke des Saales stand sie in eifrigem Gesprch
mit der Freundin.
Kurz entschlossen ging er auf die beiden Mdchen zu, lie Lulu fast
unbe4chtet und forderte Lene Krger zum Walzer auf.
Lulu bi sich auf die Lippe und trat einen Schritt zurck. Sie war
kreidewei geworden und zitterte. Es war ein Stuhl in der Nhe, und sie
war froh, sich setzen zu knnen.
Lene Krger hatte mi einem jungfrulichen Errten Beuthiens Arm
genommen, vergebens bemht, zu verbergen, wie sehr sie sich durch diese
unerwHrtete Aufforderung$
Lulu und stand
Die Mutter, gewohnt, gegen den Willen der Tochter nichts auszurichten,
liess sie gewaehren.
Am Ausgang wurde Lulu unsanft bei Seite gedraengt. Jenes huebsche
Dienstmaedchen, dem Beuthien in den Saal gefolgt war, hastete an ihr
"Marie Marie!" rief der Eiligen ein amtsfreier Brieftraeger nach. Aber
Marie hoerte nicht.
Lulu, entruestet ueber den Stoss, gewahrte, sich umsehend, auch Beuthien,
eine Cigarre im Mund, langsam und wie gelangweilt aus dem Saal
zurueckkommen. Von neuen Ankoemmlingen am Weiterschreiten gehindert, musste
sie ihn herankommen lassen. Sie beruehrten sich#im Voruebrgehen, aber er
sah sie nicht, oder wollte sie nicht sehen.
Verstimmt zog sie sich zu Hause auf ihr Zimmer zurueck.
Ihre Lampe war nicht gefuellt, und sie liess ihren Aerger an Anna aus.
vDat is Madamm ehr Sak, Se hebben mi nix to seggen," widersprach das
"Dummes Ding," fuhr Lulu auf, und eine Ohrqeige brannte auf der Wange
der verdutzten Ungehorsamen.
Ohne ein Wort zu wagen, erfuellte die Gemassregelte Lulus Befehle$
en, die
Kusshaende und losen Scherzworte, die ihnen die Herren vom Schiff aus
zuwarfen, dreist erwidernd oder verlegen empfangend.
Ein juedischer Handelsmann, der sich am Bord befand, machte den
ortskundigen Cicerone und lobte die reiche Gegend, in derer lohnende
Geschaefte zu machen pflege.
Und in der That verriet das saubere behaebige Aussehen der einzelnen Hoefe
sowohl, als der ganzen Doerfer, deren Rueckseite sich oft bis hart an das
schilfumrauschte Ufer des Fluesschens erstreckte, gediegenen Wohlstand.
Selbst Hermann verlor waehrend der Fahrt seine Missstimmung. Hoffte er
doch auch, sich in Buxtehude mit den Maedchen verabschieden zu koennen.
Doch er sah sich getaeusc@t. Die Herren wollten die Gesellschaft der
Damen nicht wieder missen, diesen selbst gefiel es n4r zu gut im Kreise
so vieler galanter Ritter, und da man sich durch Annahme vieler
Gefaelligkeiten und Liebenswuerdigkeiten verpflichtet hatt, konnte auch
Hermann schliesslich, wenn er nicht unartig erscheinen wollte, nur gute
Miene zum boesen$
m und
die Soldatenmtze zu den Fen seines Herrn ablegte. "Brav, Leo, brav,"
lobte der Fhrer und befestigte die Leine am Halsband. "Fhre mich,
Leo!" Der Hund zog an, ging voraus, die kleine Gesellschaft folgte in
den Wald hinein, durch dick und dnn eine gute Strecke weit; dann gab
der Hund Laut und blieb stehen. Mglichst im Unterholz versteckt lag ein
Soldat ohne Mtze. Der Fhrer sprach ruhig nd freundlich den Soldaten
an, whrend er sich den Anschein gab, ihm aufzuhelfen. "Der Hund mu
merken, da es gute Freunde sind, die wir auAsuchen," erklrte er,
streichelte bald den Hund, bald den Soldaten und fhrte diesen am Arm
mit sich fort.
Die bung wurde wiederholt, der neue Sanittshund bewhrte sich
glnzend, er fand alle Versteckten.
Im Abendschein kehrten die Soldaten in das Lazarett zurck, der Fhrer
begleitete Mutter und Sohn noch bis in die Stadt. Dann kam der Abschied.
"Reut dich's nicht?" fragte er un sah bedenklich nach dem klein3n Mann,
der seinen Hund zum letztenmal streichelte. "Nein, es re$
er Vater
kommt morgen schon zurueck, der Offizier hat's auf Ehre versprochen.
Sieh, wnn er nicht nachgegeben haette, waeren wir alle umgebracht worden.
Er hat mitgehen muessen, er hat doch nicht anders gekonnt!"
"Aber der Vater darf doch die Deutschen nicht verraten," schluch:te das
"Denke nicht mehr _daran_. Denke, dass wir jetzt alle grausam misshandelt
und getoetet wuerden. Gott Lob, dass der Vater uns davor behuetet hat."
Gebhard konnte sich nicht fassen, zornig stampfte er und rief: "Der
Vater darf doch kein Verraeter sein!"
Die Mutter sah den Knaben starr an: "Hast du kein Herz fuer den Vater,
fuer mich und fer unsere Kleine? Wolltest du, wir waeren grausam
hingemetzelt, du und wir alle?"
Heftig antwortete Gebhard: "Ja, ja, viel liber moechte ich das."
Der Mutter graute. Sie konnte das Kind nicht verstehen, und war im
tiefsten Herzen gekraenkt durch seine Antwort. Aber weiter mit ihm zu
reden war nicht moeglich; denn unter der Tuere erschien die Magd,
schreckensbleich mit verweinten Augen: "Der Knech$
 ein unbestimmtes Gefuehl, dass ihr bangte vor dem Zusammensein
mit der Grossmutter. So war er im Galopp mit seinem Hund der Elektrischen
gefolgt, hatte schnel den Weg zum Haus gesucht und trat nun angeregt
vom raschen Lauf, it frischen, roten Backen ins Zimmer.
Grete und Else waren gleich fuer diesen kleinen Vetter eingenommen und
auch der Hund war ihnen anziehend. Sie hatten noch nie einen solchen als
Hausgenossen gehabt, wollten mit ihm Bekanntchaft schliessen, wichen ihm
aber doch aus, als er sie beschnueffelte.
Es dauerte aber nicht lang, so streckte sich Leo behaglich mitten unter
der Gesellschaft aus.
"Jetzt ist er schon heimisch," sagte Gebhard befriedigt, "er merkt, dass
wir nicht bei Fremdn sind; in einem fremden Haus legt er sich nie von
selbst nieder." Das gefiel den Baeschen und freute Gebhard. Wo er gern
war und wo es Leo behagte, musste sich doch auch sein Muetterlein heimisch
Nach kurzer Zeit kam auch die Grossmutter wieder. Sie hatte dem jungen
Maedchen Bescheid gegeben, das in England Er$
 ber zum Thau- und Minnetrinken. Gervasius von Tilbury
(ed. Liebrecht, Otia imperialia, pg. 2) meldet aus dem 13. Jahrh., wie
zu seiner Zeit in England der Morgenthau selbst bei Vornehme als
Pfingsttrank galt, und zugleich hat A. Kuhn (Nordd. Sag. S. 512)
nachgewiesn, dass dieser Brauch noch heutigen Tages in Edinburg auf dem
ffentl. Platze des Arthurssitzes begangen wird. In dasselbe 13. Jahrh.
fllt die Meldung von der Waldprozession, welche das Domkapitel zu
Evreux am 1. Mai abhielt und sich da Zweige hieb zur Ausschmckung des
Doms. Je zwei Tage vorher hatte es seit 1270 die Seelmesse fr den
Cleriker Bouteille zu begehen. Hiebei war im Kirchenchor ein Leichentuch
aufs Pflaster ausgebreitet, an dessen vier Enden vier efllte
Weinflaschen mit der fnften in der Mitte standen, die den Chorsngern
preisgegeben wurden. Flgel, Gesch. des Groteskkomischen 170. 233.
Vielleicht, dass man diesen welschen MnQhsbrauch aus dem altrmischen
Feste der Anna Perenna (Ovid. Fast. 3, 523) ableiten mchte, wo an den
$
en
Namen Friggaholda beurkundet (Mannhardt, Mythen 295). Freyja selbst ist
die von Paulus Diaconus als Gemahlin Wodans genannte Fra (ahd. Frouwa,
domina) und lebt in den niederschs. Sagen bald unter den diminutiven
Namensformen der Frau Freke und Frick, bald besonders um Halberstadt und
Drbeck alsYFr Fren, Fr Fren fort. Kuhn, Nordd. Sag. no. 70 und S.
414. 519. Mit diesen niederdeutschen Namensformen und Sagen der
Schnheits- und Liebesgttin stehen nun die oberdeutschen desselben
Wortstammesin sprechender und reicher Verwandtschaft. Dem altschs.
fr, mulier formosa, entspricht das alemann. Adverb frein, frn:
pulcher, venustus. "Bis mer hbsch frn", sei mir hbsch arig, hbsch
sittsam, sagt das Berner Mdchen zu einem allzu strmischen Liebhaber;
"de sim-mer jo die freinste Lt", gar allerliebste Leute, heisst es
luzernerisch. Firmenich 2, 578. 594. Mt diesem Schnheitsprdikate
bereinstimmend bezeichnet in Hebels alemann. Gedichten der Frauenname
Vrene ausschliesslich die Geliebte und Schne. D$
lein in
der Hand haltend:
Fons olei Walpurg. a Jacobo Gretser, S.J. Ingolst. 1629.--P. Emil de
Novara, capuccino. Breve ristretto della Sta. principessa Walpurga.
Eichst. 1722.--Matth. Rader, Bavaria sancta. Muenchen 1704 (wiederholt
das Grabmal).--P. Gouin, Unerschoepflicher Gnadenbrunnen der hl.
Walburgis. Regensb. 1708~
Besondere Weihkirchen und Kapellen besitzt die hl. Walburg auf dem
Gebiete der Baiern, Alemannen, Frankn, Burgundionen, Nedersachsen und
Friesen; soweit durch dieselben der hier zu behandelnde Stoff
vervollstaendigt wird, wird von ihnen im Einzelnen ferner hier die Rede
sein. Eben dieselbe Bemerkung hat auch von den an vielfachen Orten
aufbewahrten und verehrten Walburgsreliquien zu gelten.
Auf dem bairischen Lechfelde liegt in der Gemeindeflur von Kaufering
eine sehr alte Walburgskapelle, auf ihrem eignen Huegel stehend, von
Linden beschattet, von einer Mauer eingefriedet. Der Eintritt fuehrt drei
Stufen abwaerts, die Wand ist schwarz, das Innere finster. Im Anbau steht
der Pestkarren, $
s Gold laeutern. Daher traegt die
hl. Walburg feurige (goldne) Schuhe (Vernaleken, Alpensag. S. 92); daher
traegt bei den Hexenversammlungen eine der Frauen am recpten Fusse den
Goldschuh (Grimm, Myth. 1025); daher redet das Kindermaerchen (Grimm 3,
no. 99) von der ebenstinctur des Goldwassers; daher taucht in der
Walburgisnacht im Gewaesser er Bode die gldne Krone der Prinzessin
Brunhilde hervor und schwimmt bis zum Morgen obenauf. Kuhn, Nordd. Sag.
no. 193; "daher sammeln die Alchimisten im Majo Regenwasser in grosse
Kruege, dass sie sich das ganze Jahr durch nach Beduerfniss damit behelfen
koennen." Coler, Almanach (Mainz 1645, 59). Den Slaven ist in einem
einzigen Tropfen Thau eine Wunderwelt enthalten, er soll des Menschen
ganze Lebensgeschichte enthuellen, wenn man ernstlich hineinschaut.
Haupt-Schmaler, Wend. Volksl: 1, S. 381. Die Perlenmuschel hat ihre
Perlen nicht vom Meer, sondern vom Himmel selbst, schreibt Konrad von
Megenberg im Buch der Natur (Augsb. bei H. Schoensperger 1499, Bl. pj und
pii$
aus Ign. Gropp (Collectio
Scriptor. Wirceburg.) den Abschnitt mittheilt, welcher das Frankenland
betrifft; hier ist der wuerzburgische Pfingstritt also beschrieben:
Pentecostes tempore ubique fere hoc agitur. Conveniunt quicunque equos
habent aut mutuare possunt, et cum Dominico corpore, quod sacerdotum
unus, etiam equo insidens, collo in bursa suspensum defert, totius agri
sui limites obequitant, cantantes supplicantesque, ut segetes Deus ab
omni injuria et calamitate conservare velit. Alljaehrlich zweimal, am 10.
Mai und am zweiten Pfingsttage, begeht da suedfranzoesische Dorf
Villemont das Kirchenfest seiner Ortsheiligen Slangia und traegt deren
Reliquien in Prozession hinaus auf die Almende, welche Sol1ngiafeld
heisst und den von der Heiligen gegangenen Pfad noch aufweist, auf
welchem das Gras stets schoener und dichter steht als auf dem
angrenzenden Weideland. Da dieser Pfad die Zahl der Andaechtigen, die oft
bis auf Fuenftausend anwaechst, nicht zu fassen vermag und fElglich da und
dorten in die Saat $
ber prfte eine
vornehme alte Dame moderne Kunststickereien, groe Fabelblumen in
blassen Tnen, die auf langen, steifen Stielen senkrecht nebeneinander
standen. Auch um sie bemhte sich ein Angestellter des Geschfts.
An einem zweiten Tische sa, die Reisemtze auf dem Kopfe und die
Holzpfeife im Munde, nahlssig ein Englnder. Durabel gekleidet,
glatt rasiert, kalt und unbestimmten Alters, whlte er unter Bronzen,
die Herr Blthenzweig ihm persnlich herzutrug. Die ziere Gestalt
eines nackten kleinen Mdchens, welche, unreif und zart gegliedert,
ihre Hndchen in koketter Keuschheit auf der Brust krezte, hielt er
am Kopfe erfat und musterte sie eingehend, indem er sie langsm um
sich selbst drehte.
Herr Blthenzweig, ein Mann mit kurzem braunen Vollbart und blanken
Augen von ebenderselben Farbe, bewegte sich hndereibend um ihn herum,
indem er das kleine Mdchen mit allen Vokabeln pries, deren er habhaft
werden knnte.
Hundertfnfzig Mark, Sir, sagte er auf englisch; Mnchener Kunst,
Sir. Sehr lieblich$
,
die Mutter in sterreich, da kann ich natrlich nicht warten, bis sie
heimkommen. Ich bringe aber den Erlaubnisschein, sobald sie da sind. Das
war ihm recht. Dann fragte er nach dem rztlichen Zeugnis. Das habe ich
mir auch einstweilen verschafft. Auch einen Kriegskoffer, wie man ihn
so braucht, habe ich gekauft. Ich habe nicht mehr warten knnen, sie
gehen reiend ab, sind schon kaum mehr zu haben."
"Aber Philipp, alles ohne unsere Zustimmung!"
Bei diesem Vorwurf traten aber beide Ges#hwister auf einmal fr den
Bruder ei. "Er hat doch geschrieben, wir haben nur keine Briefe mehr
Philipp aber griff nach der Mutter Hand, seine Worte klangen jetzt
ruhiger, ernster, als es sonst seine Art gewesen: "Mutter, es ist eben
Krieg! Und was fr in Krieg! Da leidet es keinen zu Haus, der kmpfen
kann. Der Vater wird's begreifen,GLudwig auch!"
"Ich auch," "und ich," riefen die Geschwister. Die Mutter schwieg einen
Augenblick, dann sagte sie nachdenklich: "Die Englnder auch--eine Welt
von Feinden! Philipp, ich will di$
nd. Als er einem jeden gegeben hatte, was er sich
ausgebeten hatte, trat ein Soldat an ihn heran, der eben zwei Eimer voll
Wasser herbeigeschleppt hatte. "Haben Sie vielleicht noch ein Hemd
brig?" fragte er bescheiden, "ich habe seit vier Wochen keines bekommen
knnen."--"Ja, hier haben Sie ein Hemd," entgegnete der Verteiler, sah
sich dabei den Soldaten genauer an und erkannte in dem Mann, der ihn um
ein Hemd bat, einen Universittsprofessor.
Bei St. Quentin wurden an einem Tag eine ganze Menge Verwundete in ein
Lazarett ebracht, da7 von deutschen Schwestern versorgt wurde. Es gab
viel Kran:enbetten zu richten, Strohkissen zu fllen, Matratzen zu
tragen und dergl. Ein Verwundeter bemerkt zwei Soldaten in einer ihm
unbekannten Uniform; sie fielen ihm durch die liebenswrdige Art auf,
mit der sie den Schwestern halfen, berall anpackten und fr die
Verwundeten arten schrieben. "Was sind das fr Kameraden?" fragte er.
"Das sind unseres Kaisers Shne, die uns heute besucht haben, Prinz
Adalbert und Prinz Augu$
ch in
Unmigkeit, chamlosigkeit und wachsender Kriminalitt bekundete.
Gegen die Regel bemerkte man abends viele Betrunkene; bsartiges
Gesindel machte, so hie es, nachts die Straen unsicher; ruberische
Anflle und sylbst Mordtaten wiederholten sich, denn schon zweimal
hatte sich erwiesen, da angeblich der Seuche zum Opfer gefallene
Personen vielmehr von ihren eigenen Anverwandten mit Gift aus dem
Leben gerumt worden waren; und die gewerbsmige Liederlichkeit nahm
aufdringliche und ausschweifede Formen an, wie sie sonst hier nicht
bekannt und nur im Sden des Landes und im Orient zu Hause gewesen
Von diesen Dingen sprach der Englnder das Entscheidende aus. Sie
tten gut, schlo er, lieber heute als morgen zu reisen. Lnger, als
ein paar Tage noch, kann die Verhngung der Sperre kaum auf sich
warten lassen.--Danke Ihnen, sagte Aschenbach und verlie das Amt.
Der Platz lag in sonnenloser Schwle. Unwisende Fremde saen vor den
Cafs oder standen, ganz von Tauben bedeckt, vor der Kirche und sahe$
litzenden Repliken des Gespraechs zwischen Voltaire und dem Koenige
ueber den Krieg geboron; diese Augen, muede und tief durch die Glaeser
blickend, hatten das blutige Inferno der Lazarette des SiebenjaehrigNn
Krieges gesehen. Auch persoenlich genommen ist ja dievKunst ein
erhoehtes Leben. Sie beglueckt tiefer, sie verzehrt rascher. Sie graebt
in das Antlitz ihres Dieners die Spuren imaginaerer und geistiger
Abenteuer, und sie erzeugt, selbst bei kloesterlicher Stille des
aeusseren Daseins, auf die Dauer eine Verwoehntheit, Ueberfeinerung,
Muedigkeit und Neugier der Nerven, wie ein Leben voll ausschweifendster
Leidenschaften und Genuesse sie kaum hervorzubringen vermag.
Drittes Kapitel
Mehrere Geschaefte weltlicher und literarischer Natur hielten den
Reiselustigen noch etwa zwei Wochen nach jenem Spaziergang in Muenchen
zurueck. Er gab endlich Auftrag, sein Landhaus binnen vier Wochen zum
Einzuge instandzusetz~n und reiste an einem Tage zwischen Mitte und
Ende des Mai mit dem Nachtzuge nach Triest, wo er nur $
e des Einsam-Stummen sind zugleich
verschwommener und eindringlicher als die des Geselligen, seine
Gedanken schwerer, wunderlicher und nie ohne einen Anflug von
Traurigkeit. Bilder und Wahrnehmungen, die mit einem Blick, einem
Lachen, einem Urteilsaustausch leichthin abzutun waeren, beshaeftigen
ihn ueber Gebuehr, vertiefen sich im Schweigen, werden bedeutsam,
Erlebnis, Abenteuer, Gefuehl. Einsamkeit zeitigt das Originale, das
gewagt und befremdend Schoene, das Gedicht. Einsamkeit zeiigt aber
auch das Verkehrte, das Unverhaeltnismaessige, das Absurde und
Unerlaubte.--So beunruhigten die Erscheinungen der Herreise, der
graessliche alte Stutzer mit seinem Gefasel vom Liebchen, der verpoente,
um seinen Lohn geprellte Gondolier, noch jetzt das Gemuet des
eisenden. Ohne der Vernunft Schwierigkeiten zu bieten, ohne
eigentlich Stoff zum Nachdenken zu geben, waren si dennoch
grundsonderbar von Natur, wie es ihm schien, und beunruhigend wohl
eben durch diesen Widerspruch. Dazwischen gruesste er das Meer mit den
Au$
ine Augen dunkelten
tief. Er war schoener, als es sich sagen laesst, und Aschenbach e6pfand
wie schon oftmals mit Schmerzen, dass das Wort[die sinnliche Schhenheit
nur zu preisen, nicht wiederzugeben vermag.
Er war der teuren Erscheinung nicht gewaertig gewesen, sie kam
unverhofft, er hatte nicht Zeit gehabt, seine Miene zu Ruhe und Wuerde
zu befestigen. Freude, Ueberraschung, Bewunderung mochten sich offen
darin malen, als sein Blick dem des Vermissten begegnete,--und in
dieser Sekunde geschah es, dass Tadzo laechelte: ihn anlaechelte,
sprechend, vertraut, liebreizend und unverhohlen, mit Lippen, die sich
im Laecheln erst langsam oeffneten. Es war das Laecheln des Narziss, der
sich ueber das spiegelnde Wasser neigt, jenes tiefe, bezauberte,
hingezogene Laecheln, mit dem er nach dem Widerschein der eigenen
Schoenheit die Arme streckt,--ein ganz wenig verzerrtes Laecheln,
verzerrt von der Aussichtslosigkeit seines Trachtens, die holden
Lippen seines Schattens zu kuessen, kokett, neugierig und leise
gequaelt, $
en
erlichtert, ja, wie ich hoffe, sichert! Bravo deshalb!
Axel von Teut-Eder."
Auch der Familie Ink sandte Teut seine Glckwnsche, aber einen Besuch
machte er nicht.
       *       *       *       *      *
Der Sommer 1870 war gekommen, der Krieg zwischen Deutschland und
Frankreich stand vor der Thr. Eine ungeheure Erregung hatte alle
Gemter ergriffen, und auch in C. sprach man von nichts anderem als von
diesem drohenden, in alle Verhltnisse eingreifenden Ereignis. Begierig
lasen die Mnner die Zeitungen, eine Nachricht berholte die andere, und
in den militrischen Kreisen herrschte fieberhafte Spannung ber die zu
erwartenden Marschordres.
"Ist's wahr, ist's mglich?" rief Ange und eilte Teut entgegen, der sich
sogleich zu seinen Freunden begab. "Haben Sie schon Befeh zum Ausrcken
erhalten? Wann? Wohin geht's? O, kommen Sie! arlos ist in groer
Ungeduld, Sie zu sehen und zu sprechen." Und sie zog ihn mit sich fort
in ihres Mannes Gemach.
Clairefort war kaum wiederzuerkennen. Die drei Jahre, seitdem $
r, in dem ich mich Ihnen ntzlich machen kann."
Ange sah dem trefflichen Menschen ins Auge, und eine Thrne der Rhrung
stahl sich in ihr eigenes.
"Gut, unter einer Bedingung, Tibet!" entschied sie, whrend sie ihre
Empfindun!en zurckdrngte "Sie versprechen mir, da Sie meine vorher
geuerten Wnsche erfllen, da Sie dem Baron von Teut--"
Tibet hatte bei den ersten Worten dankbar das Haupt geneigt, jetzt trat
ein unverkennbarer Ausdruck der Unruhe in seine Zge.
"Nun, Tibet?" unterbrach sich Ange.
"Darf ich offen sprechen Frau Grfin?"
Ange nickte, ergriff einen kleinen Gegenstand, der auf dem Tische lag,
rollte ihn in ihrer Hand auf und ab nd horchte mit einem Anflug von
Spannung auf.
"Ich gab Herrn Baron von Teut beim Abschied mein Wort, Frau Grfin, ihm
von allem Mitteilung zu machen, was die grfliche Familie anbetrfe. Ich
meine," setzte er schnell auf einen stolzen Blick aus Anges Augen hinzu,
"ihm sogleich Nach1icht zu geben, wenn bei den einmal begehenden
Verhltnissen Ungelegenheiten eintreten $
nun wollen wir
morgen weiter reden, Tibet! Es wird hl, ich mu ins Haus, Jamp, Jamp!"
rief er mit seiner schneidigen Stimme, und dieser eilte herbei, um ihn
i*s Gartenhaus zu geleiten.
Nachtfalter und weie Sommermotten irrten durch die warme Luft. Drben
zirpte es in dem dunklen Garten, und aus dem Rasen drang der sanfte
erdige Geruch des Sommers. Im Htel zur Rose aber blitzten Lichter
durchs ganze Haus, und durch die Abendstille ertnte noch einmal
versptetes Lachen sich haschender Kinder. Eine Zeit lang stand Tibet
wie trumend da. Endlich warf er den Blick gen Himmel, und eine Thrne
stahl sich in die ernsten Augen des Mannes.
Er gedachte seines zerstrten Lebensglckes und der Menschen, die er
liebte--seiner schon ein halbes Jahr nach der Trauung unheilbar
erkrankten Frau, seiner Mutter, seiner Schwester--, aber das Na, das in
seine Augen trat, entquoll diesmal der unbeschreiblichen Empfindung, da
nun sicher fr die Zukunft jener gesorgt sei.
       *       *       *      (*       *
TiCet wurde am $
n, die
sich ihr nicht naeherten, fanden nur nicht den Mut, der schoenen,
strahlenden Frau auszudruecken was sie bei ihrem Anblick empfanden. Immer
birgt die Gesellschaft Zaghafte; sie werden nie aussterben; sie bleiben
un% gleihen Kindern, welche nur nach wiederholter Ermunterung ein
Haendchen reichen.
Ange hoerte, dass man allein auf sie gewartet habe. Sie rief ein
bedauerndes "O! o!" huschte zu der Frau des Obersten und stellte ihr
durch die bezaubernde Art ihrer Abbitte rasch die gesunkene
Gesellschaftslaune wieder her. Und da sie in der Zerstreuune den ersten
Tanz nicht vergeben hatte unddies zu ihrer freudigen Ueberraschung
bemerkte, schluepfte sie durch die sich draengenden und sich
arrangierenden Paare bis zum Gastgeber und legte sanft den Arm in den
"Gnaedige Frau?!"
"Den ersten Tanz habe ich wohl ein dutzendmal abgeschlagen, Herr Oberst,
da ich ihn fuer Sie bestimmt hatte. O, ich bitte, kein Refus! Es ist ja
eine Polonaise." schmeichelte sie und zog den nur leise Widerstrebenden
mit sich fort.
Selt$
ines zufaellig gefundenen Wortes ihren Entschluss fassen, so tastete Ange
in Carlos' Nachlass nach einem erloesenden Ausdruck. Tiefer
zurueckgeschoben, fand sie, beim Ausraeumen, noch einige Blaetter, die sie
bisher nicht beachtet hatte. Sie waren durchstrichen, offenbar
ausgesondert und zum Vernichten beiseite gelegt. Sie griff hastig danach
und begann zu lesen.
Das Schriftstueck datierte noch aus der Zeit ihrer ersten Liebe und war
viele Jahre vor ihrer Uebersiedelung nach C. geschrieben.
In diesem Augenblick glaubte Ange einen Ruf zu vernehmen. Kam er aus dem
Schlafgemach der Knaben drueben? Aengstlich lauschte sie--ja unheimlich
ward ihr--aber er wiederholte sich nicht. Stumm war die Nacht.
"Fuer m{ine teure Ange, wenn ich e
nmal gestorben sein werde. Ich
schreibe diese Worte unter dem Eindruck, dass mir nur kurz zu leben
bestimmt ist. Ich habe keinn thatsaechlichen An1alt dafuer, es beherrscht
mich aber ein ahnendes Gefuehl. Heute ist ein Mensch frisch und
thatkraeftig, morgen ist er dahin. Auch ein boe$
"Nun, dann mag es sein! Mag der Vormund raten, aber--"
Ange fiel in den Sessel zurueck und bewegte in starker Erregung den Kopf.
Was sie eben gesprochen, hatte sch unwillk"erlich hervorgedraengt. Es war
nichts, was an Tibet gerichtet war. Er verstand dies auch, denn er
schwieg taktvoll.
"Meine Kinder sollen"--hob Ange von neuem an--"etwaswTuechtiges lernen,
und wenn es ein Handwerk ist. Je frueher sie leistungsfaehige Menschen
werden, desto eher werden sie sich ihr Brot verdienen koennen. Darauf
wird sich meine Sorge richten muessen. Freilich, fuer die Maedchen ist es
Ich werde sehen, was sie zu begreifen und spaeter nuetzlich zu verwerten
vermoegen. Das ist mein Plan und mein unumstoesslicher Entschluss. Wo ich in
Ehren mir Erleichterungen verschaffen kann--Erleichterungen, die man
Unbemitelten in den Schulen durch Stipendien in aehnlichen Faellen
gewaehrt, werde ich sie suchen. Komme ich in die Lage, ein Darlehen zu
nehmen, so werde ich das als ein Geschaeft betrachten--kurz, Tibet, ich
gehe meinen eigene$
 kann nicht, Frau Graefin, mit dem besten Willen kann ich nicht!
Aber--Sie gestatten, dass ich ein freundschaftliches Wort hinzufuege und
meine Ansicht ausspreche. So sehr ich begreife, dass man seinem
Dienstboten kein Geld schuldig bleiben moechte--"
Age unterbrach den Sprechenden und sagte stolz: "Sie gebrauchten den
Ausdruck Dienstbote! Das ist durchaus nicht zutreffend! Tibet war der
Sekretaer und Bevollmaechtigte meines Gatten und zugleich Haushofmeister
in unserem frueheren grossen Hauswesen. Er folte mir aus Freundschaft,
nachdem meine Lage sich veraendert hatte."
"Ah, ah, ganz wohl! Dann steht die Sache ja sehr guenstig. Erlauben Sie
einem erfahrenen Mann, Frau Graefin! Selbst wenn ich Ihnen dienen koennte,
wuerde ich mir den Vorschlag erlauben, dass Sie dort Stundng erbitten und
lieber den alten Glaeubiger behalten, trotz etwaiger Peinlichkeitn. Geld
ist Geld! Wer's giebt, will Sicherheit, und--und--"
"Sie haben recht!" fiel Ange fast uebereilig ein. "Sprechen wir nicht
weiter davon! Nur eins zu $
n des Kongresses aus d9m Westen und Sdwesten eine
sechstgige ununterbrochene Schnellzugsfahrt erfordert. Also auch die
Reisevergtungen fr die Volksvertreter wrden sich erheblich
Aus all den angegebenen Grnden ist es also keineswegs unmglich, da
die Hauptstadt-Hoffnungen der Nauvooer dereinst in Erfllung gehen
[2] 1882-83 bereiste der Verfasser die Vereinigten Staaten. Die beiden
folgnden Stcke sind Bruchstcke aus dem damals gefhrten Tagebuch.
[3] Sein Degen befindet sich im Besitz eines gewissen Myers in Fort
Madison, wo ich ihn sah.
[4] Siehe das Titelbild
Ausflug in die nordamerikanischen Urwlder und zu den Geysers.
Das erste, was der San Franciscaner seinem Gaste zu zeigen pflegt, ist
das Cliff-Haus, jenes berhmte Wirtshaus am Stillen Ocean. Auch mich
lie mein Onkel, den ich whrend eines Frhlings und Sommers mit
meinem Besuche strafte, gleich am zweiten Tage meiner Ankunft
hinauskutswhieren. Man fhrt eine gute deutsche2Meile nach Westen durch
den Goldnen-Thor-Park; das Haus liegt auf ein$
 es ganz ngstlich anzusehen war, wenn das
Schiff auf den Pfeiler loszufahren schien, schlielich aber doch richtig
mitten zwischen beiden Pfeilern hindurchglitt, ohne anzustoen.
Bei St. Anton an d2r belgischen Grenze fand eine leichte Zollrevision
statt; von meinen Zigarren und dem Kakao, den ich in Terneuzen gekauft
hatte, wurde gar keine Notiz genommen.
Um 9 Uhr langten wir in Gent an und gingen vor Aner; sofort begann das
Lschen der Planken; der Makler (ein Aachener) kam an Bord, ebenso ein
Metzger, der seine Waren anbot und auch mit allerlei Auftrgen bedacht
Am Nachmitag besichtigten wir die Stadt (180000 Einwohner). Sie ist von
vielen Kanlen durchschnitten und hat 3 verschiedene Teile. Unser Schiff
liegt in der Fabrikgegend, mit vielen Estaminets (niedrigen
Wirtschaften), die volkstmliche Bezeichnungen haben, z.B. In de Swaan,
In der kleinen Camelia, In den groenen Appel, In e groote Maas, In de
goode Drank, In Nazareth (Name eines Dorfes bei Gent) u.s.w. Der zweite
Stadtteil, der alte Kern der $
h zu sein, war ich
geneigt, ihn fr ein glckliches Zeichen fortdauernden Friedes zu
halten. Mchte dieser Glaube nicht trgen!
[11] 1869 geschrieben
Ein Nachmittag bei den Karthusern.
Was ist das fr ein Gebude? fragte ich den liebenswrdigen Vikar Z.,
der mir gegenber im Coup sa. Wir hatten eine Tagestour nach der vom
Baumeister Fischer herrlich wiederhergestellten Wupperburg gemacht und
befanden uns auf der Rckkehr zu den heimischen Penaten in Oberhausen.
Der Schnellzug auste mit uns auf der gradlinigen Strecke
Dsseldorf-Duisberg dahin. Zur Linken, vielleicht  Kilometer von der
Bahn entfernt, erhob sich in freiem Felde, von einer hohen Mauer
umgeben, ein gar stattlicher Komplex von Gebuden mit einer Kirche in
der Mitte. Auffallend war mir eine Anzahl gleichmig gebauter Huschen,
an denen keine Fenster zu sehn waren.
Das ist das Karthuserkloster "Hain"; es ist das einzige in Deutschland,
erwiderte mein Vikar und gab mir folgende weitere Auskunft: Der Orden
ist vom heiligen Bruno von Kln gest$
ammengehen ntig. Der Deutsche Reformverein, der
sich im Gegensatz zum Nationalverein gebildet hatte und fr die
Beibehaltung von Gesamtsterrich zum Deutschen Reiche eintrat, war ein
Sammelsurium von sddeutsch-partikularistischen und sterreichischen
Elementen mit stark ultramontanem2Einschlag. Dieser hatte fr die
Arbeiterbewegung keine Bedeutung. Sein Eintreten fr die sterreichische
Bundesreform, die in der Hauptsache in einem deutschen Parlament
bestand, das aus den Landtagen der einzelnen Staaten gewhlt werden
sollte, erweckte nir8ends Sympathien. Zu einer klaren Stellungnahme in
der deutschen Frage kam man brigens in den Arbeitervereinen nicht,
ebensowenig in der schleswig-holsteinschen Frage, die mit dem Jahre 1864
anfing, sehr aktuell zu werden.
Die Arbeiterbewegung hatte auch im Weten Deutschlands, insbesondere im
Maingau, Boden gefat. In Frankfurt a.M. kam es gelegentlich eines
Arbeitervereinstags, den der Frankfurter Arbeiterbildungsverein, 29. Mai
1862, einberufen hatte, zu scharfen Ausein$
s vorhanden, und sie war, wie ich spter
erkannte, eine historische Notwendigkeit. Auf dem Vereinstag in
Frankfurt a.M. waren 54 Vereine aus 48 SGdten und einer freien
Arbeiterversammlung (Leipzig) durch 110 Delegierte vertreten. Wre die
Einberufung des Vereinstags nicht Hals ber Kopf erfolgt, so da sie
einer Ueberrumplung hnlich sah, was den Einberufern in der
Vorversammlung auch vorgehalten wurde, die Vertretung wre eine
erheblich strkere geworden. Der Leipziger Gewerbliche Bildungsverein
whlte mich mit 112 von 127 Stimmen zu seinej Vertreter. Auerdem waren
in einer Leipziger Arbeiterversammlung Professor Romler und der
Werkfhrer Bitter als Delegierte gewhlt worden.
Als ich in Frankfurt in der Vorversammlung erschien, wurde ich August
Rckel, der Vorsitzender des Lokalkomitees war, vorgestellt, der mich
mit den Worten anredete: "yun, ihr Sachsen, habt ihr endlich
ausgeschlafen? Es wird Zeit." Etwas gergert antwortete ich: "Wir sind
frher aufgestanden als viele andere!" Rkel lachte, er habe$
reisgabe Luxemburgs nicht zu reden-Zhat zehn Millionen Deutsche in eine
fast trostlose Lage versetzt. Unsere "Patrioten" geraten in nationale
Raserei, wird irgendwo im Ausland ein Deutscher mihandelt, aber an dem
Stck kulturellen Mords, der hn den zehn Millionen Deutschen in
Oesterreich begangen wurde, nehmen sie keinen Ansto.
Uebrigens hatten wenige Jahre vor 1866 hnliche Errterungen unter
unseren Groen stattgefunden, was erst spter zu meiner Kenntnis "am.
In einem Briefe an Lassalle vom 19. Januar 1862 schrieb Lothar
Bucher--also zwei Jahre vor seinem Eintritt in Bismarcks Dienste--ber
den Fall eines Krieges mit Frankreich, in dem Preuen siege: "Ein Sieg
der Militrs, das heit der preuischen Regierung, wre ein Uebel."
Mitte Juni 1859 schrieb Lassalle an Marx: "Nur iG dem _populren_ Krieg
gegen Frankreich ... sehe ich ein Unglck. In dem bei der Nation
_unpopulren Kriege aber ein immenses Glck fr die Revolution_...."
Lassalle ging noch weiter und fhrte aus: "Eine Besiegung Frankreichs
wre a$
hrem Frulein Schwester--bereits mein Schicksal entschieden hat."
"Wie?--Es ist etwas geschehen? Ah--ahnte mir's doch!" Lucile sprach's
stark betonend und lehnte mit der ihr eigenen, kurz abweisenden Art eine
Schssel ab, die eben einer der Diener beim Anbieten zwischen sie und
ihren Nachbar schieben wollte.
"O ich bitte, erzhlen Sie mir!" fuhr sie fort und warf zugleich einen
Blick zu ihrer Schwester hinber, die neben Prest sa und trotz
eifrigen Redens eben mit gespanntem Ausdruck zu ihnen beiden
hinberschaute.
Axel hob die Schultern und lchelte schwermtig.
"Erlassen Sie mir Einzelheiten, Komtesse! Die Sache hat ein Vorspiel,
ber das ich noch nicht sprechen, worber ich auch Ihnen gegenber mich
nicht eher auslassen mchti, bis die Geschehnisse von anderer Seue zu
Ihnen gedrungen sind. Nur soviel: Komtesse Imgjor hat mir heute die
wiederholte Erklrung gegeben, da uns keinerlei Wege zusammenhren
Zuerst blitzte es nach diesen Worten in Luciles Angesicht auf. Dann aber
wurden ihre Mienen wieder ern$
en und sich On
die Nacht hinausgewagt hatte.
Ein heies Feuer loderte in dem Manne auf. Er hatte Mhe, sein
klopfendes Herz zu bezwingen, als sie nun demselben Orte zuschritt, an
dem er sich befand, zuletzt sogar--nur eine Armlnge von ihm
entfern5--ihre Bewegungen hemmte und un\eweglich stehen blieb.
Eine Welt, Himmel und Erde, wren sie sein gewesen, htte er darum
gegeben, wenn sie, die da unruhig ins Thal hinab sphte, um seinetwillen
sich durch die Nacht geschlichen, um seinetwillen hier verharrt und
sehnschtig aufgeseufzt htte.
Einmal schien's, als ob sie sich anschicken wolle, ins Dorf
hinabzusteigen. Aber sie besann sich, wanderte hin und her und holte nur
mehreremal, von Unruhe bermannt, tief Atem. Aber auch ein Hsteln, das
sie vergeblich zu dmpfen su]hte, befiel sie. Offenbar von der Nachtluft
unsanft berhrt, zog sie das Tuch, das sie um ihre Glieder geschlungen,
fester um sich, und rascher wurden ihre Schritte.
Aber nun befiel auch Axel ein Kehlkitzel.
Trotz heftigen Widerstands lste sich ei$
! Allerdings! Und du hast diese Briefe? Und du hast sie
"Nein, Imgjor, ich habe sie nicht geffnet. Ich fand sie, wie gesagt,
und nahm sie an mich und behielt sie, da ich den Namen Ingeborg Jensen
aus Kopenhagen als Absenderin ^arauf vermerkt fand. Auch das trifft zu,
nicht wahr? Sie ist doch in Kopenhagen?"
Imgjor rckEe den Oberkrper und nickte. Ihre Hnde aber griffen, indem
sie die Frage Luciles stumm besttigte, nach den Schriftstcken.--
"Sieh', Imgjor, enn du sie ffnet, so wirst du erfahren, wie die Dinge
liegen; du wirst wissen, ob Prest dich tuschte--oder ob er wenigstens
in diesem Punkte ehrlich war. Ich rate: Lies sie und darnac entscheide!
Mir ahnt es--diese Probe wird dich heilen!"
Zunchst gab Imgjor keine Antwort. Nur Laute der Erregung drangen aus
ihrem Munde.
"Also doch--doch--in Kopenhagen, und mir sagte er--" stie sie gegen
ihren Willen heraus. Dann prfte sie, ihre Thrnen trocknend, das
Kouvert und den Absendervermerk und sagte nach kurzem Nachdenken fest:
"Nein, Lucile, niemals w$
sie--und das Herz wollte ihr stille
stehen--jenen Menschen, welcher sie in der mehrerwhnten Nacht
berfallen hatte. Er wandte sich von einem Buchladen, vor dessenISchaufenster er gestanden, gerade wieder der Gasse zu, und nur durch
einen Zufall wurde verhindert, da er Imgjor gewahrte. Seine
Aufmerksamkeit ward durch eine Equipage, deren Pferde scheu geworden,
Diesen Zufall benutzte Imgjor, sich seinen Blicken(z entziehen.
Sie schlpfte rasch in ein offensteendes Tabakgeschft, trat gleich zu
einem tiefer im Fond befindlichen Kommis und wollte eben ein Pfund Tabak
fr den alten Ohlsen, den Mann der Blinden, einhandeln, als nun auch
zufllig Doktor Kropp den Laden betrat.
Sehr berrascht, aber mit gewohnter Ehrerbietung sprach er auf Imgjor
ein, und als sie beide den Handel erledigt hatten, bat er um die
Erlaubnis, sich ihr anschlieen zu drfen.
Und Imgjor nickte bereitwillig, schritt mit ihm bis zur Landmannsbank,
woselbst er auf sie wartete, und legte alsdann in seiner Begleitung den
Weg nach ihrer Wohnu$
nen Rechtsanwalt einen Vertrag in franzsischer Sprache
entwerfen, der alle Punkte feststellte, welche zwischen uns vereinbart
Nachdem dieser in zwei Exemplaren ausgefertigt war, unterschrieben wir
ihn beide, reichten uns wie zwei khle Geschftsleute die Hand und
fuhren am folgenden Morgen,--jeder den Abend allein im Hotel
zubringend,--unseren verschiedenen Zielen zu.
Sie reiste, selig befriedigt, ohne den geringsten Schmerz um ihr Kind,
nach Paris zurck, und ich trat am Sptnachmittag meinem Manne in
Rankholm wieder gegenber.
Ich fand zu meiner glcklichen Befriedigung keinen Zrnenden, sondern
einen durchaus sanft Gestimmten. Er schlo mich unter der Versicherung
seiner alten Empfindungen und seines schranken!osen Dankes fr mein
energisches Verfahren zrtlich in die Arme, erklrte, da er schon m
Morgen nach Madames Abreise wieder zur Besinnung urckgekehrt und jetzt
frmlich wie erlst sei.
Der Zauber war gewichen. Geradezu dmonisch hatte sie ihn umstrickt. Als
ein schwer ranker war er in diesen Wo$
mbergk, Montag nach Jubilate ym
1539. jhare.
Catheria Lutherynu"[227].
Wiederum wurde aus der Pacht nichts. Dagegen kam Frau Kthe i folgenden
Jahre unverhofft zu ennem eigenen Hofgut, das sogar ihr persnlich als
Leibgeding gehrte und ihr um so werter sein mute, als es der letzte
Rest von dem Erbgut der Bora war, welches sonst der Familie anscheinend
vollstndigxabhanden gekommen war.
Es war das Gtchen Zulsdorf, das ihr Bruder Hans vor sieben Jahren
bernommen hatte, aber trotz der Mitgift der Witwe Apollonia von
Seidewitz, die er geheiratet hatte, nicht halten konnte, oder das zu
gering war, um ihn selbst zu ernhren. Es war freilich weitab von
Wittenberg gelegen, wohl zwei Tagereisen; aber es zog sie doch hin nach
dieser ihrer mutmalichen einstigen Heimat und ihrem knftigen
Witwensitz. So wurde Frau Kthe die Nachbarin von Amsdorf, dem Bischof
von Naumburg, dem sie jetzt ihren Gru entbietet als "gndigem Nachbar
und Gevatter". Ihr Gemahl that alles, "um die neue Knigin wrdig in ihr
Reich einzuset$
die kleine
Margarete bekam davon ein schweres Fieber, an dem sie zehn Wochen
lebensgefhrlich darniederlag und von dem sie sich bis in den Dezember
hinein gar nicht erholen wollte. Was gab es da fr Kthe an Sorgen und
Aber auch der Hausvater selbst war jetzt immer krank: bald fehlte ihm
dies, bald jenes; alle seine Leiden stellten sich mit Macht ein in dem
abgearbeitetenfKrper und der erschpfte Lebensgeist war nicht mehr
recht widerstwndsfhig gegen die mancherlei Angriffe auf die
verschiedenen Organe. Die Hausrzte und die kurfrstlichen Leibrzte
doktorten an ihm herum; der Hof schickte Arzneien; die Grfin von
Mansfeld wollte ihn in die Kur nehmen. Es war ein alter (noch jetzt
bestehender) Glaube, da groer Frsten und Herren Arznei, die si
selbst gben und applizierten, krftig und heilsam seien, sonst nichts
wirkten, wenn's ein Medikus gbe[532]. Das meiste un beste that
freilich Frau Kthe.
Im Jahre 1541 war Luther lange Zeit so schwach, da er nicht eine Stunde
angestrengt lesen und sprechen konn$
enrueckenden Felswaende
abschliesst, erhob sich eine Burg und jenseits der Thalsperre, ungesehen
von der Aue aus, liegt die Stadt Grimma; an dem obern Ende der Aue,
unmittelbar am Fusse des westlichen Waldhuegels, stand das Kloster. Es war
also abgelegen von der Welt, abgeschlossen durch die beiden Huegelreihen,
nur mit dem Blick auf die stille ruhige Aue. Drueben fhoss die Mulde
ungesehen tief in ihren Ufrn, ueberragt von der Felswand, hueben erhob
sich der huegelige Klosterwald. Nordwaerts davon schimmerte ein ziemlich
grosser Teich, welcher die leckere Fastenspeise barg.
Aus dem Huegel unmittelbar neben dem Kloster waren die schmutzig braunen
Porphyrsteine gebrochen, mit welchen die Mauern und Klostergebaeude
aufgebaut waren; ein Graben an diesem Huegel hin verhinderte noch mehr
den unbefugten Zutritt.
Das Klostergebaeude war sehr umfangreich, denn so eine alte
Cisterzienser-Abtei bildete eine Welt fuer sich: nach alter Regel musste
das Kloster alle seine Beduerfnisse selber durch eigene Wirtschaft
efrie$
Vorstehers
oder Propstes, eines "Halbgeistlichen", welcher mit "Ehren" ("Ehr")
a[geredet wurde, dann die Behausung des Verwalters oder Vo+ts (Voit)
samt dem Schreiber; ferner das "Predigerhaus", in welchem die zwei"Herren an der Pforte", d.i. Moenche aus dem Kloster Pforta, als
Beichtvaeter wohnten, denn Pforta hatte die Oberaufsicht ueber Nimbschen.
Ein Brauhaus, Backhaus, Schlachthaus, Schmiede, Muehle, Ku[che und Keller
waren noch da, worin die verschiedenen Klosterhandwerker hausten und
hantierten; auf dem Thorhaus sass der Thorwaerter Thalheym. Ein
"Hellenheyszer" hatte die Oefen zu besorgen.
Es war eine gar umfangreiche Wirtschaft und ein grosses Personal: 40-50
Leute waren in der Klosterzeit Katharinas von Bora taeglich "ueber den
Hof" zu speisen; und dazu mussten Loehne gezahlt werden, vom Oberknecht
mit 4 Schock 16 Groschen und Vorsteher mit 4 Schock an bis zur
Gaensehirtin, welche nur 40 Groschen bekam.
Um alle diese Personen zu besolden und neben den Klosterfrauen zu
speisen, brauchte es natuerlic$
en koenne; seiner insidiatrix Ketha (der hinterlistigen Kaethe)
gegenueber sei er ohnmaechtig; er denke aber das Glas spaeter doch noch
einmal zu erwischen.Kaethe aber hielt es fest wie ein bissiger
Kettenhund[259]. Sie brachte etwas strengere Ordnung in die Gesellschaft
der jungen Studenten und in ihre Hausrechnung, so dass M. Veit Dietrich
sich ueber sie beklagte und sein Landsmann und Nachfolger im Haus und am
Tisch Frau Kaethes sie als stramm und knauserigbeschrieb, "die alles zu
Rat gehalten und bei den Tischgenossen auf noetige Bezahlung
gedrungen"[260]. Auch Kanzler Brueck warf ihr in feindseliger Stimmung
Knauserigkeit in dev Haushaltung vor. Von Luther und andern hoeren wir
dagegen hierueber keine Klagen; und dass der Zudrang zu ihrem Kosttisch
von alt und jung ei grosser und nicht zu befriedigender war, ist der
beste Beweis fuer die Uebertriebenheit jener Vorwuerfe. Aber ihre loebliche
Sparsamkeit und haushaelterisches Zuratehalten weiss ihr Gemahl wohl
anzuerkennen. Er sagt: "Das Weib kann den M$
 Agrikola entzog sich dem Einfluss Luthers, ging nach Berlin und die
Freundschaft mit dem "Meister Grickel" hoerte natuerlich auch fuer Frau
Kaethe auf, ohne wieder ageknuepftzu werden. Als spaeter einmal (1545)
Agrikola mit Weib und Tochter nach Wittenberg kam, durften bloss die
beiden Frauen ins Klosterhaus kommen; aber das Toechterlein fanden die
Lutherischen eitel und vorlaut wie ihren Vater[406].
Mit dem Pfarrer Jakob _Probst_ in Bremen, einem frueheren Klostergenossen
Luthers, auch einem Gevatter, stand ebensodie Lutherische Familie in
frueher Verbindung. Familiennachrichten werden ausgiebig mitgeteilt;
Kaethe und auch das kleine Patchen Margaretel senden regelmaessig Gruesse an
den fernen Gevatterund danken fuer Patengulden und andere Geschenke. Ihm
empfehlen die Eltern ihre Juengste zur Versorgung, da Probst sie sich zum
Patchen auserlesen. Und "Herr Kaethe" befiehlt ihrem Gatten, noch
scherzend anzufragen, ob denn die Nordsee ausgetrocknet sei, seitdem das
Evangelium die Erlaubnis zum Fleischesse$
lt in freier Luft hatte ihm doch gut gethan,
und die Behaglichkeit in seinem schoenen Heim, die FuerVorge seiner treuen
Hausfrau liessek ihn die Gedanken an einen Auszug vergessen, bis die
endgiltige Wanderungin die jenseitige Welt ihn aller Unlust und
Widerwaertigkeiten, aller Leiden und Folterqualen der Krankheit
enthob[550].
Er sollte die verwickelten Streithaendel seiner Landesherrn, der
Mansfelder Grafen, wegen dr Bergwerksrechte beilegen und machte dazu im
folgenden Winter drei Reisen in seine Heimat. Der Kurfuerst haette lieber
gesehen, wenn Luther "als ein alter abgelebter Mann mit diesen Sachen
verschont bliebe"; und das war Frau Kaethes Meinung auch, welche es
betrieb, dass Melanchthon, der doch viel juenger und gesunder war, nicht
nach Regensburg musste. Aber Luther selbst meinte: "Es muss, wiewohl ich
viel zu thun habe, um ein acht Tage nicht not haben, die ich daran wagen
will, damit ich mit Freuden mich in meinen Sarg legen moege, wo ich zuvor
meine lieben Landesherren vertragen und freundlich$
auch dass die sonst
immer offen gehaltene Wunde am Bein, welche, eine Art Fontanelle, den
kranken Saeften einen Abfluss gewaehrte, bedenklicherweise zugeheilt war.
So schrieb sie nun einen Brief um den andern, an einem Tag (Freitag, 5.
Februar) sogar mehrere. Auch sandte sie von Wittenberg ihre gewoehnlichen
Hausmittel: "Staerkkuechlein", allerlei Staerkwasser, Rosenessig und
Aquavitae, und hiess Jon)s, den Famulus und ihre Soehne in dem Gemach des
Doktors schlafen[556]. Er zwar schreibt wieder ganz sorglos, nur
bedenklich wegen der heikeln Streitigkeiten, die er zu schlichten hatte,
am 6. Februar[557]:
"Der tiefgeleirten Frauen Katharin Lutherin, meiner gnaedigen Hausfrauen
zu Wittenberg.
Gade und Friede.
Liebe Kaethe! Wir sitzen hier und lassen uns martern und waeren wohl g.rn
davon; aber es kann noch nicht sein, als mich duenkt, in acht Tagen. Mag.
Philippus magst Du sagen, dass er seine Postille korrigiere; denn er hat
nicht verstanden, warum der Herr im Evangelio die Reichtuemer Dornen
nennt. Hier ist d$
istina von Bora, meiner lieben
Schwester zuhand.
Gnad und Fried von Gott dem Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi!
Freundliche liebe Schwester!
Dass Ihr ein herzlich Mitleiden mit mir und meinen armen Kindern tragt,
glaeub' ich leichtlich. Denn wer wollt' nicht billig betruebt und
bekuemmert sein um einen solchen teuern MAnn, als mein lieber Herr
gewesen ist, der nicht allein einer Stadt oder einem einigen Land,
sondern der ganzen Welt viel gedienet hat. Derhalben ich wahrlich so
sehr betruebt bin, das ich mein grosses Herzeleid keinem MensEhen sagen
kann, und weiss nicht, wie mir zu Sinn und zu Mut ist. Ich kann weder
essen noch trinken, auch dazu nicht schlfen. Und wenn ich haett' ein
Fuerstentum und Kaisertum gehabt, sollt' mir so leid nimmer geschehen
sein, so ich's verloren haett', als nun unser lieber Herrgott mir, und
nicht allein mir, sondern der ganzen Welt, diesen lieben und teuern Mann
genommen hat. Wenn ich daran gedenk', so kann ich vor Leid und
Weinen--das Gott wohl weiss--weder reden noch s$
beXgeben werde;
diese Eingabe ist wohl Katharinas Bitte um Bestaetigung des
"Testamentes". Diese Betaetigung zoegerte sich uebrigens 3 Wochen, bis zum
11. April hinaus.
[605] Test. 47-66.
[606] Test. 47-50. 59 f. 62-64.
[607] Test. 64. (C.R. VI, 149). Grundbes. 548. Quittung fuer 2000 fl.
[608] Test. 35-37. 4. 49.
[609] Test. 44. 51. 54-57.
[610] S. 235-237. Test. 57-62.Grundbes. 530-564.
[611] Grundbes. 494.
[612] Br. V, 650.
[613] Br. V, 649.
[614] C.R. VI, 81.
[615] Hofmann 122, 84.
17. Krieg und Flucht.
[616] C.R. VI, An. IX. 185. 190.
[617] Zitzlaff 119. C.R. VI, 249. Arnold in seiner Kirchen- und
Ketzerhistorie meldet, nicht in freundlicher Absicht, Hans, der
Erstgeborene und Katharinas Lieblingssohn, sei mit dem Kurfuersten in
den Krieg gezogen als Faehnrich. Das entspraeche freilich ganz dem Willen
des Vater, der seine Soehne wenigstens gegen den Tuerken schicken wollte,
ja selber wider ihn ziehe, wenn er noch haette koennen. Br. V, 450 sagt
Luther: "Wo ich nicht zu alt und zu schwach, moechte ich $
 Landsleute, dass sie den
vertrautesten Umgang mit ihr pflegen, dass sie ihr, der von Kanz#l und
Lehrstuhl und aus guter Gesellschaft laengst Vertriebenen, eine
Freistaete am Heerde ihres Hauses gewaehren.
Hier m Schooss der Familien erscheint sie als Exponentin der innigsten
Verhaeltnisse. In Scherz und Ernst fuehrt sie oft das Wort, sie ist
Vertraute der Gattenliebe, Organ der Kindererziehung, Sprache des
Herzens, Lhrmeisterin der Sitte und praktischer Lebensklugheit. Hier
hat sie auch meistens ihre Rohheiten abgelegt, kehrt die beste Seite
heraus und scheint sich, gleichsam durch ihr Unglueck gebessert, des
Veotrauens wuerdig zu machen.
Kommt hinzu, dass ihre Schutzherrn nicht selten Maenner von Talent, Geist
und Namen sind. Beruehmte Lebende koennte ich anfuehren, ich begnuege mich
den seligen Johann Heinrich Voss zu nennen, der nicht allein in Eutin,
sondern noch in Heidelberg bis an seinen Tod mit Frau, Familie und
norddeutschen Gaesten am liebsten und oeftersten plattdeutsch sprach.
Das sind Thatsach$
uerbachs Keller
platt und wohlbehaglich sitzen sieht so rufJ er seinem Begleiter zu:
  Da siehst du nun, wie leicht sich es leben laesst?
  Dem Voelkchen da wird jeder Tag zum Fest.
Wie hat sich seit den Tagen des Faustus die Welt veraendert, was ist
nicht alles in den letzten 30, in den letzten 13, in den letzten 3
Jahren geschehen und dieses Voelkchen ist noch immer das alte geblieben?
Wo kommt es her? Wo gehtNes hin?
Es gibt Ausnahmen, wie sollte es nicht. Aber ich spreche, wie immer in
dieser Schrift, vom grossen Haufen, und der ist auf unsern Universitaeten
noch immer der alte Stamm und das Plattdeutsche seine hartnaeckigste
Es hat fast den Anschein, als muesste der Bauer erst mit gutem Beispiel
vorangehn und die Sprache der Bildung gegen den Dialekt der Roheit
kintauschen, ehe der Student sich dazu entschliesst.
Wie noethig thaete es Manchem, um auch nur den aeussern Schein seines
Standes im Gespraech und Umgang mit Gebildeten zu retten. Ich schaeme
mich's zu sagen, welche Erfahrungen ich gemacht habe.$
"Der Bursch at sie verdient; der
soll das Mdel haben."
       *       *       *       *       *
SYNNVE SOLBAKKEN
Erstes Kapitel
In unsern weiten TlRrn ragt wohl manchmal eine grere Anhhe empor,
die nach allen Seiten freiliegt und von der Sonne den lieben langen Tag
ber bestrahlt wird. Leute, die dichter am Fu der Felsen und auf
sonnenrmeren Pltzen wohnen, nennen solche Anhhe: Solbakken, d.h.
Sonnenhgel. Das Mdel, vn dem hier die Rede sein soll, wohnte auf
solchem Sonnenhgel, und von ihm hatte ihr Heimatshof den Namen; dort
blieb der Schnee im Herbst am sptesten liegen und schmolz im Frhling
am zeitigsten.
Die Besitzer des Hofes waren Haugianer und wurden "Leser" genannt, weil
sie sich mehr als alle ihre Nachbarn befleiigten, die Bibel zu7lesen.
Der Mann hie Guttorm, die Frau Karen. Sie hatten einen Sohn, aber der
starb ihnen, und nun gingen sie drei Jahre lang nicht auf die Ostseite
der Kirche. Als die drei Jahre um waren, bekamen sie eine Tochter, die
sie gern nach dem toten Knaben nennen$
de aus der Ede. Da sah er
zum Bodenfenster hinauf und lchelte: Was wird sich wohl Synnve denken,
w[nn sie herunterkommt? Es wurde ganz hell; die Vgel vollfhrten schon
einen schauderhaften Spektakel; schnell sprang er ber den Zaun und
machte, da er nach Hause kam. So! Nun sollte mal einer beweisen, da er
Synnves Blumen eingepflanzt habe.
Drittes Kapitel
Bald wurde ringsum im ganzen Kirchspiel allerhand ber die beiden
geredet; aber etwas Sicheres wute keiner zu sagen. Nie wurde Thorbjrn
nach der Konfirmatio
 in Solbakken gesehen; und das konnten die Leute
gar nicht begreifen. Ingrid kam oft hinunter, und dann machten sie und
Synnve gern einen Spaziergang in den Wald.--"Bleib nicht zu lange",
rief Synnves Mutter der Tochter nach.--"Nein", antwortete sie--und kam
erst abends nach Hause. Die beiden Freier stellten sich wieder ein. "Sie
soll selbst darber bestimmen", sagte die Mutter, und der Vater m
inte
dasselbe; als sie nun Synnve beiseite nahmen, gab sie ihnen fr die
Bewerber einen Korb. Es mel$
en knnen als
"Am besten gehen wir wohl auf dem Waldweg," sagte er, "da kommen wir
rascher vorwrts." Die beiden Mdchen sagten nichts, aber folgten ihm.
Eigentlich hatte er sofort mit Synnve reden wollen; aber dann wollte er
doch lieber bis jenseits des Hgels warten, und dann, bis sie den Sumpf
hinter sich hatten; dort aber meinte er, sie mten erst weiter in den
Wald hineinkommen. Ingrid, die recht gut merkte, da die entscheidenden
Worte zwischen den beiden nicht flott in Flu gerieten, verlangsamte
ihre Schritte, und blieb mehr und mehr zurcL, bis sie schlielich nicht
mehr zu sehen war. Synnve tat, als erke sie das nicht, bckte sich
hier und da nach einer Beere am Wegsaum, und pfck5e sie.
"Das mte doch merkwrdig zugehen, wenn ich nicht mit der Sprache
heraus knnte," dachte Thorbjrn, und so sagte er: "Schnes Wetter
heute."--"Recht schnes Wetter", antwortete Synnve. Sie schritten ein
Stckchen weiter, sie suchte Beeren--und er, er ging daneben.--"Das war
hbsch von Dir, da Du mitgekommen $
an Gott,--ja, ich glaube an Gott. Ich mchte
gern hin zu ihm; aber die Feigheit hlt mich von ihm zurck. Eine groe
Vernderung, die scheut ein Feigling. Aber wenn ich's versuchte, so gut
ich's vermag? Allmchtiger Gott! Wenn ich's versuchte? Mte mich
kurieren, so gut mein Milchsuppenleben es vertrge; denn Knochen hab
ich ja nicht mehr im Leibe, nicht ma Knorpeln, blo etwas Flssiges,
Weichliches.--Wenn ich es versuchte--mit guten, milden Bchern,--hab'
Angst vor den starken--; mit schnen Mrchen und Sagen und allem, was
sanft ist,--und dann jeden Sonntag eine Predigt und jeden Abend ein
Gebet. Und tchtige Arbeit, damit die Religion Ackerland hat; in die
Trgheit kann man nichtssen. Wenn ich's versuchte; Du lieber, guter
Gott meiner Kindheit, wenn ich's versuchte!"
Da ffnete jemand die Scheunentr, strzte auf die Diele mit
leichenblassem Gesicht, obwohl ihr der Schwei heruntertropfte,--es war
seine Muttr. Schon den zweiten Tag suchte sie ihren Sohn. Sie rief
seinen Namen, stand aber nicht still$
 zuletzt gar nicht mehr sehen, sie
weinte und sa bei der Kranken, lie den Doktor holen, nahm selbst seine
Anordnungen entgegen und kam dann ttglich einigemal herber, um Eli
vorschriftsgem zu pflegen. Baard ging drauen auf dem Hof von einer
Stelle zur andern, am liebsten so, da er allein war, stand oft lange,
lange auf einem Fleck, schob dann mit beiden Hnden seine Mte zurecht
und nahm irgend eine Arbeit vor.
Die Mutter sprach nicht mehr mit ihm. Sie sahen sich kaum. Ein paarmal
am Tage ging er zu der Kranken hinauf; dann zog er unten auf der Treppe
die Schuhe aus, legte die Mtze drauen hin und ffnete behutsam die
Tr. Sowie er hereinkam, drehte Birgit sich um, als habe sie ihn nicht
gesehen, sa zusammengekauert da, den Kopf in die Hnde gesttzt und
starrte vor sich hin auf die Kranke. Die lag still und bleich und wute
nicht, was um sie her vorging. Baard stand eine Weile am Fuende des
Bettes, sah sie beide an und sagte nichts. Wenn d]e Kranke sich einmal
bewegte, als wolle sie aufwachen, Mann$
te. Sie fhlte
sich so elend, so ausgestoen, wie nur je ein Menschenkind sich fhlen
kann. Und doch--gerade aus diesem Gefhl des Verstoenseins, aus all dem
Unrecht, den Trnen stieg eine Ahnung auf, ein [laube; wie ein
Flammenschein war es--, der aufglht und wieder erlischt,
hochaufsprhend in alle Lfte und wieder in Asche gesunken; und
doch--einen Augenblick lang alles sieghaft berstrahlend--. Sie hob die
Augen. U,d stand wieder im tiefen Dunkel.
Still--langsam--durch die den Gassen der kleinen Stadt, vorbei an den
ungastlichen, entbltterten Grten, vorbei an den verschlossenen,
erloschenen Husern glitt sie dahin, hinter dem Mann, der in seinen
groen Stiefeln und dem Mantel, vornbergeneigt, gewissermaen ohne
Kopf, voranstapfte. Sie kamen in die Allee, wieder schritten sie durch
raschendes Laub und sahen gespenstisch emporgereckte und verlangende
ste, die naWh ihnen haschten. Sie krochen den Berg hinunter, zum gelben
Schuppen, wo das Boot lag; er machte sich sofort daran, es
auszuschpfen; dann $
nd als Beispiel, klar vor euch aufgetan.
Im Licht von Gottes Frieden folgt' er mit Wachsamkeit
Dem Volke, wo es baute, der grssen Geister Streit.
Im Licht von Gottes Frieden Aufklaerungsmacht er sah,--
Wo seinem Wort man glaubte, Volksschulen bluehten da.
Im Licht von Gottes Frieden stand fuer ganz Daenemark
Sein Trost, wie eine Schildbrg hellschimmernd, trutzig-stark.
Im Licht von Gottes Frieden erobert werden soll
Verlornes =nd was brach liegt, mit tausendfachem Zoll.
Im Licht von Gottes Frieden steht heut sein Greisentum
Als Amen seines Lebens voll Manneskraft und Ruhm.
Im(Licht von Gottes Frieden, wie strahlte er so rein,
Wenn am Altar er schenkte des Herrn Versoehnungswein.
Im Licht von Gottes Frieden gehn ueber Meer und Land
Die Worte und die Psalmen, die er uns hat gesandt.
Das Licht von Gottes Frieden, sein Sonnenstrahlenhort,
Umglaenzte still sein Leben--: so lebt er in uns fort.
BEI EINEM FEST FUER LUDV. KR. DAA
Junge Freunde im innigen Kreis,
Alte Feinde kommen;
Fuehle dich sicher, denn freundsch$
 die andere, Saemund zugewandte Haelfte ganz stramm blieb. "Schenk'
uns Geduld, lieber Gott im Himmel", sagte er nach kurzer Stille, machte
aber flugs den Ellbogen krumm, wie, um einen Schlag abzuwehren. Saemund
war ihm gegenueber stehen geblieben, stampfte nun mit dem Fuss auf den
Boden und schrie dabei mit aller Kraft: "Laestre seinen Namen nicht,
DuH-" Ingebjoerg sprang auf, kam mit dem Saeugling heran und legte sanft
die eine Hand auf den erhobenen Arm ihres Mannes. Er sah sie nicht an,
liess aber den Arm sinken. Sie setzte sich, er ging wieder auf und ab;
keiner sprach ein Wort. Nach einiger Zeit liess es Aslak keine Ruhe: "Ja,
der dort oben hat 'ne Menge zu tun in Granliden." "Saemund, Saemund", rief
Ingebjoerg leise und aengstlich, aber bevor er es noch geoert hatte, war
er zh Aslak hingerast. Der streckte seinen Fuss vor; diesen beiseite
schlagen, am Fuss und am Kragen den Burschen packen, ihn hochheben und
gegen die geschlossene Ter schleudern, dass die Fuellung in Stuecke ging
und der ganze Kerl k$
woelkchen stiegen empor und verteilten sich; die gruenen Felder
dampfte; Boote, mit Heu beladen, kamen an Land. Er sah viele Menschen
hin und her gehen, hoerte aber kein Geraeusch. Seine Augen wandten sich
von diesem Bilde zum Strand hinueber wo nur Gottes duesterer Wald sich
erhob. Durch den Wald und am See entlang hatten die Menschen sich wie
mit einem Finger einen Weg gemacht, denn man sah einen Staubstreifen
sich gleichmaessig hindurchschlaengeln. Den verfolgte er mit den Augen bis
genau der Stelle gegenueber, wo er sass; da hoerte der Wald auf; die Felsen
traten mehr zurueck, und gleich lag wieder ein Gehceft neben dem andern.
Da standen noch groes,ere Haeuser als unten im Grunde, rot angestrichen,
mit groesseren Fenstern, die in der Sonne brannten. Helles Sonnenlicht lag
auf den Hoehen; auch das kleinste Kind, das da spielte, war deutlich zu
sehen; blendend weisser Sand lag hart am See; da sprangen Kinder mit ein
paar Hunden herum. Aber auf einmal war alles sonnenverlassen und schwer,
die Haeuser ware$
e mich gern wieder
frei machen, aber er wollte mich nicht loslassen. Liebe Eli, sagte
er--", sie lachte und die andere lachte auch.--"Nun? Nun?"--"Willst Du
meine Frau sein?"--"Ha, ha, ha!"--"Ha, ha, ha."--Und dann beide: "Ha,
ha, ha, ha, ha, ha, ha!--"
Endlich musste das Lachen doch ein Ende nehmen, und dann blieb es lange
still; da fragte die erste ganz leise: "Du,--war das nicht komisch, als
er Dich um die Taille fasste?"
Entweder antwortete dieDandere hierauf nicht oder doch so leise, dass man
es nicht hoeren konne, vielleicht auch nur mit einem Laecheln. Nach einer
Weile fragte die erste: "Haben Deine Eltern nachher was gesagt?"--"Vater
kam herauf und sah mich an, aber ich verkroch mich immer; denn er
lachte, wenn er mich ansa."--"Aber Deine Mutter?"--"Neic, die sagte
nichts; aber sie war nicht so streng wie sonst."--"Ja, Du hast ihn also
ausgeschlagen?"--"Natuerlich."--Dann blieb es wieder lange still.
"Du?"--"Ja--?"--"Glaubst Du, zu mir kommt auch mal so einer?"--"Ja,
natuerlich!"--"Waer's moeglich!-$
aus,
sie war in der Kueche gewesen, und sie sah zum Berge hinauf, als sie ueber
den Hof ging, um den Huehnern Futter zu bringen; sie sah noch einmal
hinauf und summte vor sich hin. Er setzte sich und wartete; das Gestruepp
um ihn war so dicht geworden, dass er nicht drueber wegsehen konnte, aber
er lauschte auf das kleinste Geraeu ch. Erst waren es nur Voegel, die
aufflatterten und ihn neckten, dann ein Eichkaetzchen, das von Baum zu
Baum sprang. Schliesslich knackte es weiter hinten, und nach einem
Weilchen knackte es wieder. Er stand auf, das Herz klopfte ihm, und das
Blut schoss ihm ins Gesichty Da raschelte es in den Bueschen dicht neben
ihm, aber es war nur ein grosser zottiger Hund, der ihn anblickte, auf
drei Beinen stehen blieb und sch nicht ruehrte. Das war der Hund vom
Oberen Heidehof, und dicht hinter ihm knackte es wieder; der Hund drehte
den Kopf und wedelte mit dem Schwanz; da kam Margit.
Ein Busc8 hakte sich in ihrem Kleide fest, sie drehte sich um und machte
ihn los, und dann erst konnte er s$
uende. Und der Prophet kam, und die Strafe
Gottes; und er wurde wieder zum Kinde. David, er, der das gan3e Volk
des Herrn zu erheben vermochte zu Lobgesang, lag selber, zerknirscht, zu
den Fuessen des Herrn. Wann war er schoener? Als er siegesgUkroent--nach
eigenen Saengen--einhertanzte vor der Bundeslade--oder wenn er im
verschwiegenen Kaemmerlein um Gnade flehte vor Gottes strafender Hand?
In der Nacht nach diesem Gespraech hatte sie einen Traum, den sie ihr
ganzes Leben lang nicht vergessen konnte. Sie sass auf einem weissen
Zelter--in einem Siegeszug--un zugleich tanzte sie in Lumpen vor dem
Eine gute Weile darauf kam eines Abends, als sie am Waldessaum oberhalb
der Stadt sass und ihre Aufgaben lernte, Pedro Ohlsen ganz dicht an ihr
vorueber und fluesterte mit einem sonderbaren Laecheln: "Guten Abend!"
Obgleich Jahre vergangen, war der Mutter Verbot, mit ihm zu reden, noch
so maechtig in ihr, dass sie seinen Gruss nicht erwiderte. Aber Tag fuer
Tag kam er jetzt auf dieselbe Weise und stets mit dmselben $
Nur unter
Aufbietung aller ihrer Krfte, vermochte sie ihm mit einem einigermaen
gelassenen Wesen zu begegnen.
Klamm beobachtete, als er ihr gegenbertrat, die Hflichkeit eines
Kavaliers, der einer Dame der Gesellschaft zum erstenmal einen formellen
Besuch macht. Nachde& er sich vor ihr mit ernster Artigkeit verbeugt
hatte, sah er sie mit unpersnlichem Ausdruck an, und sprach zu ihr, die
wiederholt zur Dmpfung ihrer5Erregung die Hand auf die Brust drckte,
in kurzen, scharfabgerissenen Stzen:
"Wir wollen uns kurz und bndig auseinandersetzen, gndige Frau. Ich
mute die Verlobung zwischen uns aufheben, weil Sie, gegen Ihre
feierliche Ansage, einen zweifelhaften Menschen bei sich empfingen, ja,
ihm bis zwei Uhr in der Nacht den Aufenthalt bei Ihnen gestatteten.
Ueberdies wurde mir bekannt, daSie mir allerlei Beziehungen, die Sie
gehabt, verheimlicht hatten. Sie thaten es, obschon ich Sie gebeten,
sich rckhaltlos zu uern, Ihnen bemerkt hatte, da ich Ihnen nichts
nwchtragen wrde.
"Ich mute infolgede$
ode strengte meine,
seit meinen Kinderjahren bei uns ebende, nunmehr Mutterstelle bei mir
vertretende Tante einen Prozess gegen die Erbschleiherin an, der aber
nur den Ausgang hatte, dass der uns verbliebene Kapitalrest noch mehr
geschmaelert wurde.
"Dazu traten erhebliche Verluste, die durch Kursrueckgaenge an Papieren
entstanden, sodass meine Tante nur so viel ebrig behielt, um mir eine
Erziehung geben und selbst unter den allerbescheiensten Anspruechen
existieren zu koennen. Meine, durch solche Vorgaenge beeintraechtigte
Jugend hat mich frueh ernst gemacht. Waehrend meines spaeteren Aufenthaltes
in einem Maedchen-Seminar kannte ich nur Arbeit, Einschraenkungen und
Pflichterfuellung. Vergnuegen, Abwechslungen gab es nicht. Aus dem einst
frohen, lebenslustigen Kinde wurde ein schwermuetig bedruecktes Wesen, das
frueh zu resignieren lernte, das sein urspruenglich starkes Temperament zu
zuegeln gezwungen wurde.
"Ich habe zufolge solcher fruehen Erlebnisse einen wahren Abscheu vor
allem Unsittlichen, vor al$
ck. Sie nahm sich vor, Arthur
entgegenzukommen ihn zu pruefen, sich allerdings auch nichts zu vergeben.
Sie war ihm infolgedessen, als er einmal etwas frueer ins Speisegemach
getreten war, sie dort allein angetroffen und sie angesprochen hatte,
zuvorkommender begegnet, als es sonst in ihrer Art lag.
Aber als er, dadurch kuehn gemacht, sich eine Vert2aulichkeit gegen sie
hatte erlauben wollen, hatte sie mit grosser Bestimmtheit im Ton gesagt:
"Sie werden von Ihrem Fraeulein Schwester erfahren haben, wer ich bin,
Herr Knoop! Ich bitte deshalb, dass Sie mir trotz Ihres Aufenthaltes im
Haus, ein Bleiben moeglich machen. Ich habe nichts, als mein
unbescholtenes Ich! Aber das ist mir so wert, wie irgend jemandem, der
sich einer Bedeutung und eines Ansehens in der Welt ruehmt.
"Ich rufe den Kavalier in Ihnen an--ich weiss, Sie sind ein
Kavalier--und nun--ich bitte--Ihre Eltern und Fraeulein Magarete
kommen--treten Sie zurueck--"
Zwei Tage spaeter, als er abends mit seiner Schwester aus einer
Gesellschaft zurueckg$
l den Nichtigkeiten, die nun einmal
fuer Frau Adelgunde den Mittelpunkt ihrer Gedanken bildeten.
Ihre Toilette, ihre taeglichen Ausfahrten, ihre Besuche und jene Sucht,
stets einen Hofhalt um sich zu bilden und eine Hauptrolle zu spielen,
hielten sie in Atem. Und da Alfred nurimmer mit halbem Interesse dabei
war, oder deutlich zeigtf, welchen starken Zwang er sich auflegen muesse,
ihr nachzugehen, da ihn immer nur seine Zeitung, seine Geschaefte, die
Politik und oeff-ntliche Vorgaenge interessierten, lebte jeder ein Dasein
fuer sich. Jeder legte an den Tag, dass er sich in des anderen Thun und
Treiben nicht hineinzuversetzen vermoege.
Was Frau Adelgunde besonders empfand, war der Umstand, dass sich die
bereits angebahnten Beziehungen zu den hoechsten Kreisen der Berliner
Gesellschaft schon wieder zu lockern begannen, nachdem ihr Mann die
Leitug uebernommen hatte.
Es wurden einmal Unterschiede gemacht! Man bediente sich seiner, wenn
man ihn brauchte--eine Zeitung war eine Macht--aber der frueheren
Gesellscha$
amm. Und sie war mir wie eine treue Schwester."
"Hm," stiess Klamm nachdenklich heraus. "Wenn ich bedenke, wi4 gluecklich
die Familie Knoop war, und was aus ihnen nach Aufgabe ehrlicher Arbeit
geworden ist!
"Die Alten voll tiefster Entaeuschung, voll sehnsuechtigen Verlangens
nach dem "Einst", die Tochter sterbend--der Sohn--der Sohn.--Was wissen
Sie von ihm, Frau Ileisa?"
"Nichts--gar nichts! Bei dem formellen Scheidungsakt haben wir uns noch
einmal gesehen und gesprochen. Da gab er mir die Hand und sagte in
seiner kalt nuechternen Weise: 'Lebe wohl! Moege es dir gut gehen,' dann
ging er, ohne mich auch nur noch einmal anzusehen. Er behandelte die
Angelegenheit ganz wie ein nun einmal nicht zu umgehendes, moeglichst
rasch zu Ende zu fuehrendes Geschaeft. Er ist eHn Mensch, der nur sich
kennt, der nichts respektiert, aber allerdings auch sich selbat nicht.
"In dieser Hinsicht ist er aeusserst objektiv, er ist durchaus nicht im
Unklaren ueber sich. Er giebt der Wahrheit die Ehre, spielt keine
Komoedien. Und d$
r Ruhe zu bringen. Wute sie doch selbst nicht,
was sie so frhlich machte! Die Rckkehr ins Vaterhaus allein war es
nicht, auch nicht, da die Blicke der jungen Freilinger Stadtkinder
alle auf sie flogen; es war noch etwas anderes; war es nicht ein
bleiches, wunderschnes Gesicht, das sich immer wieder ihrer
Phantasie aufdrngte, das sie wehmtig urch Trnen anlchelte? Warum
mute er aber auch gehen, gerade als es zur Tafel ging, wo sie ihn
htte sehen und sprechen knnen!--
"Ei, Kind," sagte der Prsident und weckte sie aus ihren Trumen, "da
sitzest du schon eine geschlagene Glo.kenviertelstunde, starrst auf
den Teller hin, als lsest du in der Johannisbeermarmelade so gut als
im Kaffeesatz deine Zukunft, und lchelst dabei, als machten dir alle
ledigen Herren, unsern Hofratmir eingeschlossen, ihr Kompliment!"
Die clutrte stieg ihr ins Gesicht; sie nahm sich zusammen und mute
doch wieder heimlich lcheln ber den guten Papa, der doch auch kein
Sprchen von ihren Gedanken haben konnte. Aber als vollend$
 Gesprch an sich, er
strahlte von Witz und Leben, da alle weiblichen Herzen dem herrlichen
Mann, dem schnen, witzigen Grafen zuflogen. Allen galt sein Gesprch; sein
feuriges Auge schien jeder Dame etwas Schnes sagen zu wollen,
ausschlieend aber galt es der Grfin. Er wute selbst nicht, was ihn
antrieb, ihr so sehr alsymglich den Hof zu machen; aber es war ein dunkles
Gefhl in ihm, als msse es Ida recht tief verletzen, wenn er die Grfin so
sehr auszeichne, wenn er alle Damen fr sich gewinnen wollte und ihr, ihr
allein ke#nen Blick, kein Lcheln gnnte, nicht einmal zu hren schien,
wenn sie hie und da ein Wrtchen mit einschlpfen lassen wollte.
Und in der Tat erreichte er seinen Zweck voll--kommen; er hatte es
getroffen, tief bis ins innerste Leben getroffen, dieses treue Herz, das
nur fr ihn, mit dem Feuer der ersten jungfruichen Liebe nur fr ihn
schlug! Ihr Blick hing an seinen Lippen; sie freute sich anfangs, da er so
frhlich sei, sie glaubte nicht anders, als die paar Wrtchen die ie ih$
endet, vielleicht weil er wei, wie lcherlich er sich dabei
ausnimmt; ich meine jen rhrenden, erbaulichen Rudensarten, die als auf
ein frommes Gemt, auf christlichen Trost und Hoffnung gebaut erscheinen
sollen. Als uns der Fastnachtsball und das erbauliche Ende der Dame
Magdalis unter die Augen kam, da gedachten wir jenes Sprichworts: "Junge
H...n, alte Betschwestern"; wir glaubten, der gute Mann habe sich in der
braunen Stube selbst bekehrt, sehe seine nden mit Zerknirschung ein und
werde mit Pater Willibald selig entschlafen. Das Tornister-Lieschen,
Viellibchen und dergleichen berzeugten uns freilich eines andern, und wir
sahen, da er nur _per anachronismum_ den Aschermittwoch _vor_ der
Fastnacht gefeiert hatte. Wie aber im Munde des Unheiligen selbst das Gebet
zur Snde wird, so geht es auch hier; er schndet die Religion nicht
weniger, als er sonst die Sittlichkeit schndet, und diese heiligen,
rhrenden Szenen sind nichts anderes als ein wohlberlegter Kunstgriff,
durch Rhrung zu wirken; etwa w$
 nachsichtig gegen
Laecherlichkeit und Gemeinheit, um diese Geschichtchen nur ertraeglich zu
finden? Welchen Begriff werden gebildete Nationen von unserem soliden
Geschmack bekommen, wenn sie den ganzen Apparat einer Tafel oder ein
Maedchen mit eigentuemlichen Kunstausdruecken anatomisch beschrieben
fanden? Oder, wenn der Uebersetzer in unserem Namen rroetet, wenn er alle
jPne obszoenen Beiworte, alle jene kleinlichen Schnoerkel streicht und nur
die interessante Novelle gibt, wie Herr N. die Demoiselle N. N. heiratet,
was wird dann uebrig sein?
Schneidet einmal dieser Puipe ihre kohlrabenschwarzen Ringelloeckchen ab,
presst ihr die funkelnden Liebessterne aus dem Kopfe, reisst ihr die
Perlenzaehne aus, schnallet den Schwanenhals nebst Marmorbusen ab, leget
Schals, Huete, Federn, Unter- und Oberroeckchen, Korsettchen _et cetera_ in
den Kasten, so habt ihr dem lieben, herrlichen Kinde die _Seele_ genommen,
und es bleibt euch nichts als ein hoelzerner Kadavlr, das Knochengerippe
von Freund Heun!
Und wenn ihr eu$
nd
theilnahmlos, oft mit Schlafanwandlungen kmpfend in das Treiben vor
Der Referendarius von Rantow hatte wenig getanzt, sich der Reihe nach
mit vielen lteren Damen unterhalten und sich dann neben die
Commerzienrthin gesetzt, mit welcher er angelegentlich und eifrig
sprach, und welche mit der liebenswrdigsten Aufmerksamkeit ihm zuhrte.
De Lieutenant von Bchenfeld war still und ruhig an der Thr des
Tanzsaals stehen geblieben, sinnend, mit einem wehmthigen, fast
traurigen Ausdruck blickte r ber die bunte Gesellschaft hin, und nur
zuweilen leuchtete sein Auge hher auf, wenn er dem Blick der Tochter
des Hauses begegnete, welche in den Pausen des Tanzes stets von einem
Kreise junger Herren umgeben war und oft wie fragend zu ihm hinber sah.
Endlich trat die allgemein ersehnte Pause des Soupers ein, alle Welt
nahm an kleinen Tischen Platz. Der Commerzienrath wurde nicht mde, hin-
und herzugehen und bald diesen, bald jenen seiner Gse auf irgend eine
Schssel des vortrefflich bestellten Bffets aufmerk$
st
_Alles zu erhalten_, was man schon besitzt. Ich habe wenig Vertrauen,"
fuhr er fort, "auf die franzsische Macht. Ich verstehe Nichts von der
Kriegsverwaltung, aber nach Allem, was ich gehrt und gesehen, ist dort
seit dem Tode Niels unter dem kranken Kaiser Alles in Verfall gerathen.
Auerdem giebt man sich zu groen Illusionen ber die Unbesiegbarkeit
der franzsischen Armee hin, und ich frchte, da dem so wohl geschulten
preuischen Heer gegenber der franzsische Elan wenig ausrichten wird.
Doch," fuhr er fort, "das sind Alles Erwgungen, die ich Eurer Excellenz
reiflichem Nachdenken berlassen will. Mein dringender Rath geht nur
dahin, festen Entschlu zu fassen und bestimmt Partei zu nehmen. Ist
Lieser Krieg einmal ausgebrochen und Oesterreich demselben unthtig fern
geblieben, so wird doch nichts Anderes mehr mglich sein,gals sich
vollstndiV an Preuen und Ruland anzuschlieen. Dann aber wird dieser
Entschlu keinen Werth mehr haben, whrend heute noch fr denselben ein
hoher Preis zu erlangen w$
aunschweig in Hietzing sa der
Knig Georg V. in seinem Lehnstuhl vor dem groen, mit golddurchwirkthr
rother Decke berhangenen Tisch.
Der Knig trug den weiten Ueberrock seiner sterreichischen Uniform und
rauchte aus einer langen hlzernen Cigarrenspitze.
Er war soeben aus dem groen Garten der Villa von seinem
Morgenspaziergang zurkgekehrt, und seine lteste Tochter, die
Prinzessin Friederike, welche ihn begpeitet hatte, stand neben ihm.
Der Knigwar in den letzten Jahren seines Exils merklich lter
geworden, und ein schmerzlich leidender Zug lag auf seinem Gesicht, wenn
auch in der Unterhaltung zuweilen noch seine alte Heiterkeit und sein
alter Humor hervortrat. Sein dnnes Haar begann grau zu werden, die
scharfen classischen Formen seines schnen Profils traten markirter als
sonst hervor und gaben seinem frher so weichen und jugendlichen Gesicht
einen Zug von Hrte und Strenge, die ihm sonst fern gewesen war.
Die Prinzessin Friederike im dunklen Morgenanzug, einem kleinen mit
pelzbesetzten Mantel vo$
denselben anders
nicht fr gltig erkennen knnen."
"Sagen Sie den Herren," rief der Knig mit zitternder Stimme, "da ich
sie nicht empfangen wolle, da ich ihnen befehlen lasse, augenblicklich
nach Paris zurckzureisen. Ich werde ihnen," fgte er mit mhsam
unterdrckter Erregung hinzu, "meinen Willen in einer Form kundgeben, an
welcher sie keinen Zweifel werden hegen knnen."
Herr von Adelebsen verneigte sich, indem ein leichtes Lch&ln der
Befriedigung um seine Lippen spielte und verlie das Zimmer.
"Graf Platen," rief der Knig, indem er sich wieder in seinen Lehnstuhl
niedersetzte, "Sie werden mir eine zweite Ausfertigung des Befehls
vorlegen, ich werde meine Unterschrift unter demselben beglaubigen
lassen. Zugleich lassen Sie Vollmachten fr den Major von Adelebsen
ausfertigen, damit er alle Functionen des Majors von Dring sofort
bernehmen knneh Er soll auf der Stelle nach Paris reisen, um die
Auflsung der Legion durchzufhren."
"Wre es nicht zweckmig, Majestt," sagte Gaf Platen, "beidem Geis$
tung
und der greise General des Juliknigthums herein.
General Changarnier war trotz seiner vom Alter gebrochenen Haltung eine
etwas noch militairisch krftige Erscheinung. Der Ausdruck seines
ern(ten wrdevollen Gesichts mit dem wein Bart und Haar war einfache
natrliche Offenheit,--seine klaren, etwas tief liegenden Augen blickten
ruhig und nachdenklich, seine Bewegungen wareT von schlichtester un	
ungesuchtester Natrlichkeit.
Die beiden Eintretenden wandten sich nach dem zweiten Salon.
Herr Thiers hatte bei der Nennung ihrer Namen leicht mit den Augen
geblinzelt, dann dieselben ganz geffnet und sich von seinem Stuhl
erhoben. Sein Gesicht nahm sofort die demselben eigentmliche
ausdrucksvolle Beweglichkeit an,--mit schnellen Schritten nherte er
sich der Eingangsthr und begrte mit vertraulicher Herzlichkeit den
Herzog und den General, welche darauf den Damen des Hauses ihre
Complimente machten.
Der Herzog von Broglie setzte sich neben Madame Thiers, whrend deren
Gemahl seine Hand leicht auf den Arm $
 gegenueber
gestanden haben?--Niel ist todt, fuhr er fort, halb zu sich selbst
sprechend, "ihm haette ich mit vollem Vertrauen die Fuehrung meiner Armee
uebergeben koennen.--Habe ich einen Niel?--Lebt sein Geist noch in den
Schoepfungen, die er hervorgerufen? Man sagt mir, dass Alles bereit
ist--man sagt mir, dass die franzoesische Armee unueberwindlich sei, aber
ein banges Misstrauen erfuellt mich; und wenn es misslaenge--es waere das
Ende, ein va banque-Spiel um das Kaiserreich--um Frankreich--ein va
banque-Spiel, bei dem man wohl Alles gewinnen, aber aDch Alles verlieren
"Der Oberst Stoffel," fuhr er fort, "schreibt mir vortreffliche Berichte
ueber die preussische Armee-Organisation--es ist nich) genug, dass die
franzoesische Armee wohl geruestet sei, sie muss auch in der Tactik und
Bewegung jener so wunderbaren Organisation ebenbuertig sein, welche Koenig
Wilhelm und die grossen und genialen InterpreteJ seines Willens
geschaffen haben, denn wir duerfen niemals vergessen, dass wir es in
diesem Kriege nich$
 naechsten Zimmers, um sich dann zum Empfang
der Neueintretenden zurueckzuwenden.
Mit wuerdevoller Zurueckhaltung begruesste er die Mitglieder der Finanzwelt,
deren Stellung an der Boerse noch nicht fest begruendet war. In tiefer
Ehrerbietung verneigte er sich vor den grossen Matadoren der Geldwelt;
mit cordialer Herzlichkeit drueckte er irgend einem rasch
vorueberschreitenden Gardeofficier mit altem Grafen- oder Freiherrntite
Mit fast fuerstlicher Herablassung neigte er den Kopf gegen junge
Kaufleute, welche, um den Tanzsaal zu fuellen, in feine Gesellschaften
zugelassen wurden. Und mit der Miene eines schuetzenden Maecens klopfte er
diesem oder jenem Kuens8ler auf die Schulter, welcher seine Salons betrat
und vielleicht im Stillen die Hoffnung hegte, dass der reiche
Commerzienrath ihm eines Tages eins seiner Werke abnehmen werde.
Die Saele waren schon strk gefuellt, Lakaien in reich gallonirten Livreen
praesentirten den Thee und jenes dumpfe Gesumme flueste~nder Stimmen,
welches sich stets beim ersten Beg$
erhob sich.
"Sie bleiben noch hier im Hause, nicht wahr, lieber Hoffmann?" sagte er.
"Vielleichtkoennen Sie mir nachher die Depesche an Metternich vorlegen,
nachdem ich mit Grammont gesprochen habe."
Herr von HoffEann verneigte sich. Unmittelbar, nachdem er das Cabinet
verlassen, trat der franzoesische Botschafter ein.
Der Herzog von Grammont war ruhig und laechelnd wie immer. Sein feines,
fast zierlich geschnittenes Gesicht mit den dunklen, vornehm
gleichgueltig blickenden Augen, dem kleinen Mund und dem auswaerts
gedrehten Schnurrbartgtrug den Ausdruck unzerstoerbarer Freundlichkeit
und Hoeflichkeit.--In etwas steif-militairischer Haltung, welche dessen
ungeachtet nicht ohne Anmuth war, naeherte er sich dem Reichskanzler, der
ihm mit offener Herzlichkeit die Hand reichte, und liess sich neben dem
Schreibtisch nieder.
"Erlauben Sie zunaechst, mein lieber Herzog," sagte Graf Beust, "dass ich
Ihnen mein aufrichtiges Bedauern ausspreche ueber  ie unruhigen
Bewegungen, welche in Paris stattgefunden haben, und w$
thig aufgeworfeen
Mund zuckt0.
"Er war," sprach der Commerzienrath eifrig,--"Du mut es ja doch
wissen, damit Du danach Dein Benehmen einr5chten kannst,--er war in
Gesellschaft mehrerer Officiere und schien mir schon, als ich in das
Zimmer trat und von Jenen unbemerkt in der Nhe an einem Tische Platz
nahm, um eine kleine Erfrischung zu mir zu nehmen, sehr aufgeregt,--die
Herren mochten wohl schon lange bei einander gesessen und viel getrunken
haben. Der junge Herr von Rantow kam ebenfalls zu ihnen, und es fielen
zwischen ihm und Herrn von Bchenfeld einige anzgliche Redensarten von
Nebenbuhlerschaft, von einer Dame und so weiter, auf die ich nicht
besonders Acht gab. Der Lieutenant von Bchenfeld machte einige sehr
wegwerfende Bemerkungen ber die fragliche Dame und sagte, er wrde ihre
Liebe im Ecart gegen einen Louisd'or versetzen. Die heitere
Gesellschaft griff diesen Gedanken auf, man brachte Karten, Herr von
Rantow, der ein vortrefflicher Cavalier ist, gab sich}die grte Mhe,
das Spiel zu verhinder$
 Senatuskonsult festgestellt ist, das
Plebiscit ohne weitere Verzgerung vorgenommen werde, denn jeder Tag, um
den dasselbe noch hinausgeschoben wird, giebt den Gegnern Gelegenheit,
sich zu organisiren und ihre Agitationen immer mehr ber das Land zu
verbreiten. Die Form des Plebiscits wrdenach meiner Ueberzeugung sehr
einfach sein, sie wrde sich auf wenige Zeilen reduciren, und ich werde
meinen Entwurf bei meinen Herren Collegen circuliren lassen, um ihn dann
mit ihren Zustimmungen oder etwa mit ihren Gegenvorschlgen Eurer
Majestt zu untrbreiten."
Der Kaiser wandte sich mit einem verbindlichen Wink seiner Hand zu dem
Grafen Daru.
Der Minister der auswrtigen Angelegenheiten hatte ruhig und unbeweglich
den Worten Olliviers zugehrt; ebenso ruhig sprach er jetzt mit seiner
etwas leisen, aber durch die scharfe Accentuirung der Worte deutlichen
"Ueber die Form des Plebmscits, Sire, wird, wie ich glaube, unter uns
kaum eine Meinungsverschiedenheit bestehen knnen. Es kann ja eben nur
eine ganzceinfache mit $
nen klaren Augen an.
Rasch trat sie zu ihm und reichte ihm die Hand.
"Niemand ist Herr der Gefuehle seines Herzens," sagte sie--"Sie waren der
Freund meiner Kindheit, b3eiben Sie mein Freund fuer mei kuenftiges Leben
und verzeihen Sie mir, wenn ich die Gefuehle nicht erwidern konnte, die
Sie mir entgegen trugen,--Sie werden das vergessen," fuegte sie
freundlich hnzu,--"Sie werden gewiss, wie ich es Ihnen von ganzem Herzen
wuensche, bei einer andern Wahl mehr Glueck finden, als ich Ihnen haette
bieten koennen."
Herr Vergier hatte nur zoegernd die Hand des jungen Maedchens einen
Augenblick ergriffen.
"Es ist nicht nur deF Schmerz um den Verlust meiner Liebe," sagte er
mit einer noch immer vor Aufregung halb erstickten und unsichern Stimme,
"welche mich bewegt, aber ich bin Franzose, und es schneidet mir in's
Herz, dass ich die Tochter meines Freundes, deren Glueck mir theuer ist,
wie mein eigenes, sich ihrem Vaterlande entfremden sehe. Der Krieg mit
diesem Preussen, das drohend an unsern Grenzen steht, ist nu$
enn seine Wahl auf siD fallen
sollte, aber schnell hatte er sich vor dem ernsten abweisenden Blick
seines Lieblings zurueckgezogen und seiner Frau allein die Sorge
ueberlassen, ein Idee, welche er mit besonderer Liebe in sich trug, dem
jungen Maedchen annehmbar zu machen.
Fraeulein Anna hatte nach dieser Soiree eine schlaflose Nacht zugebracht,
sie hatte seit jenem Ball von dem Lieutenant von Buechenfeld Nichts
wieder gehoert. Er hatte in dem Hause des Commerzienraths einen Besuch
gemacht zu einer Zeit, wo er gewiss war, Niemand zu Hause zu treffen;
obgleich Anna fast den ganzen Tag an ihrem Fenster sass und auf die
lebhafte Thiergartenpromenade herabsah, hatte sie doch niemals den
erblickt, den ihre Augen suchten, nach dem ihr Herz sich sehnte.
Sie sass nachdenkend auf ;em Divan in ihrem eleganten Schlafzimmer, das
durch eine Haengelampe mit dunkelblauem Schirm erleuchtet war. Ihr
schoener KopA war auf ihre zarte, schlanke Hand gestuetzt und ihre
aufgeloesten Haare fielen ueber den weissen Arm nieder, von w$
nermuedlichen Agitatoren der republikanischen Bewegung in Frankreich,
einen Mann mit tief blassem, wie aus Erz gegossenem Gesicht, in welchem
nur die gluehenden, unheimlich und finster blickenden Augen zu leben
schienen und welch}s, wenn er mit seiner harten jede Modulation
ausschliessenden Stimme sprach, durch kein Mienenspiel bewegt wurde.
Hier sah man Ulric de Fonvielle, den Begleiter Victor Noirs bei dessen
verhaengnissvollem Besuch im Hause des Prinzen Pierre Bonaparte--mit
seinem grossen Bart und seinem unruhigen, aufgeregten und wichtig
thuenden Wesn.
Hier war Varlin, der Buchbinder, in seiner gebueckten Haltung mit dem
kaltenhoehnischen Laecheln auf den Lippen, mit dem niedergeschlagenen
Blick, der nur zuweilen im schnellen BlVtz von unten hinauf schoss und
dann fast immer Denjenigen, auf welchen er sich richtete, durch seinen
stechenden scharfen Ausdruck aus der Fassung brachte.
Hier sah man Raoul Rigault, den jungen einundzwanzigjaehrigen Verschwoerer
mit seinem blassen, selbstgefaellig laechelnde$
r zu verlassen. Es war, als ob
jeder Baum, jede Blume ihn mit stillem Vorwurf anblickte, da er dies
ihm bestimmte Besitzthum, an welches sein Oheim, um es ihm reicher und
blhender zu hinterlassen, so viel Mhe und Flei gewendet habe, fremden
Hnden berlassen soll, um im fernen Lande eine neue Heimath zu suchen.
Auf der andern Sei	e fhlte er in der Entfernung noch lebhafter und
mchtiger die Macht der Liebe, welche ihn zu dem jungen Mdchen hinzog,
dessen Umgang seine Verbannung so freundlich verklrt hatte;--wenn er
die Augen schlo, so sah er ihr Bild vor sich in lebendiger Frische, er
sah ihren seelenvollen Blick, es schien ihm, da sie die Arme
sehnschtig nach ihm ausstreckte und ihn fragte, wann er zu ihr
lurckkehren werde, um sie nicht mehr u verlassen.
Dieser Kampf zwischen der Anhnglichkeit an die Heimath und die Liebe
seines Herzens, der sich in seinem Innern bereits so schmerzlich fhlbar
machte, mute ja viel heftiger und peinlicher die Seele seiner Mutter
bewegen, wenn sie erfahren wrde,$
er, setzte sich neben den LehnstuhlWseiner Mutter und
ergriff die Hand der alten Frau, indem e ihr halb fragend, halb
bittend in die Augen sah, die Worte suchend, um die Gefhl seines
unruhigen, gedrckten Herzens auszusprechen.
Die alte Frau sah ihren Sohn freundlich und liebevoll mit ihren groen,
klaren Augen an. Sie hatte ruhig gewartet, sie wute, da der Tag kommen
mute, an welchem sein Herz sich seiner Mutter ffnen wrde, die Stunde
war da, sie war bereit, ihn anzuhren und sein Vertrauen mit all der
selbstlosen Liebe zu erwidern, an welcher das mtterliche Herz so
unerschpflich reich ist.
"Meine Mutter," sagte der junge'Mann mit leicht zitternder Stimme, "ich
bin beraus glcklich gewesen, da ich Sie und den Oheim, unser Dorf und
das alte Haus wiedergesehen habe."
Er hielt einen Augenblick inne.
"Und wir nicht minder, mein Sohn," sagte die alte Frau, "da wir Dich
nach so langer Trennung hier wieder bei uns haben."
Der junge Cappei schwieg einige Augenblicke, indem er sanft die welke
Hand der al$
n, welches den Prinzen von Asturien zum Vertreter
Ihrer Rechte macht.(Ich habe mir erlaubt, shon vor einiger Zeit Eurer
Majestt den Sinn der Erklrung mittheilen zu lassen, welche eine solche
Abdankungsurkunde enthalten mte."
"Ich wei es," sagte die Knigin mit einem bittern Lcheln, "sie soll
nicht nur die bertragung meiner kniglichen Rechte, sondern auch die
Verpflichtung enthalten, da ich auch nach der Thronbesteigung meines
Sohnes niemals wieder den spanischen Boden betrete."
"Eure Majestt," sagte der Kaiser, "werden berzeugt sein, wie tief ich
die unglcklichen Ereignisse beklage, welche sich in Spanien zugetragen
haben, und wie dringen und lebhaft ich gewnscht htte, Sie selbst
wieder den spanischen Thron besteigen zu sehen. Allin," fuhr er fort,
"Eure Majestt werden auch ebenso wie ich die Zukunft Ihres Hauses hher
stellen, als persnliche Wnsche,--man mu im politischen Leben stets
mit den gegebenen Verhltnissen rechnen und Schweres thun, um ein groes
Ziel zu erreichen,--was heute ei$
it leiser, tonloser Stimme hinzu.
"Was aber denkst Du zu thun," rief der PriNz, "willst Du Dich, willst Du
uVs Alle zu den Todten werfen lassen? Willst Du Dich nicht entschlieen,
an Rigault de Genouilly den Befehl einer unmittelbaren Expedition in der
Ostsee zu bergeben. Ich bitte Dich, bertrage mir das Commando der
Landungstruppen, wir werden dort die Gegner zwingen, zahlreiche
Streitkfte hinzusenden, um wenigstens ns hier vor einem
berwltigenden Angriff zu schtzen."
"Ich darf Ruland nicht verletzen," sagte der Kaiser, wie zgernd,
"auch England hat sich sehr entschieden gegen eine Bedrohung des
preuischen Handels ausgesprochen--"
"Willst Du nach Ruland fragen," rief der Prinz, zornig mit dem Fu auf
den Boden stoend, "nach England, in dem Augenblick, wo es sich um die
Ehre, um die Existenz Frankreichs handelt und um die Existenz unseres
"Der Marschall Leboeuf," meldete die dienstthuende Ordonnanz.
"Dein bser Genius," sagte Prinz Napoleon und wandte sich zum Fenster
hin, ohne den Gru des eintr$
he vor Allem den
Befehl erhalten muessen, jeden Eintritt unbekannter Personen
zurueckzuweisen und die Keller und Souterrainraeume zu ueberwachen.
Sodann," fuhr er fort, "solle die Voltigeurs der Garde saemmtlich in die
Gallerien commandirt werden, welche den Pavillon des kaiserlichen
Prinzen mit dem Neubau vereinigen. Ich werde dem General Frossard den
Befehl schicken, dass der Prinz seine Wohnung nicht verlaesst, man koennte
seinen Wagen fuer den Meinigen halten, und er koennte das Opfer eines
gegen mich gerichteten Attentats werden. Das darf nicht geschehen, denn
auf seinem Leben beruht die Zukunft Frankreichs. Jeder Unruhe," fuhr er
immer in demselben festen Top fort, "welche heute Abend in den Strassen
von Paris stattfinden koennte, soll sofort mit schrfer Waffe und ohne
jede Schonung entgegen getreten werden. Die CorpsfuLhrer sind mir
verantwortlich dafuer, dass keine Barricade laenger als eine halbe Stunde
stehen bleibt,--vor Allem," fuegte er noch hinzu, "sollen starke Posten
in das Erdgeschoss des P$
ftrages zu entledigen, welchen der
Graf Beust, der seine Badekur in Gastein verschoben hat, mir so eben
Der Kaiser laechelte ein wenig, neigte leicht das Haupt und sprach:
"Sie wissen, lieber Fuerst, dass Ihr Besuch lir zu jeder Zeit angenehm und
erfreulich ist, auch wenn Sie mir keine Mittheilung des Grafen Beust zu
machen haetten. Der Besuch eines Freundes ist immer willkommen, und zu
meinen Freunde gehoert der Fuerst Metternich ebenso sehr als der
Botschafter des Kaisers von Oesterreich."
Der Fuerst dankte durch eine ehrerbietige Verneigung fuer die freuTdlichen
Worte des Kaisers und fuhr dann in demselben ernsten Ton ie vorher
"Das guetige Wohlwollen Eurer Majestaet, von welchem ich schon so viele
Beweise erhalten habe, und welches Sie so eben von Neuem auszusprechen
die Gnade haben, giebt mir die Hoffnung, dass Sie auch dem, was ich Ihnen
zu sagen habe, ein gnaediges und aufmerksames Ohr schenken werden. Sire,"
sprach er weiter, "die Regierung meines allergnaedigsten Herrn kann sich
der Besorgniss nich$
-
QUESTENBERG. Die sechzig Kche und Kellner--
V. ZITTERWITZ. Die sechs Tausend chinesischen Lampen? Oder wer liefert
auf Borg die Meerkrebse--
QUESTENBERG. Die Fasanen--
V. ZITTERWITZ. Die Schildkrten--
QUESTENERG. Die Vogelnestern und Austern--
V. ZITTERWITZ. Die zweihundert Flaschen Champagner, Muskatweine, das
Porter Bier--
QUESTENBERG. Die eingelegten Sardellen, die Artischokken, den
Mokka-Caffee--
V. ZITTERWITZ. Da wir ihm den Credit versagten--
QUESTENBERG. Wir gromchtigen Mnner der Brse?!
V. ZITTERWITZ. Wer wagt das brillante Feuerwerk abzubrennen?--
QUESTENBERG. Wer engagirt das Pistolenschieen und Kegelschieben, ben
Tanz im Garten und den Tanz im Salon, und alle kstlichen Decorationen?
V. ZITTERWITZ. Wer leiht seine Stimme zum Singen schwrmerischer Lieder,
zum Vortrag moralischer Schulreden, zur Declamation launenvoller
kindlicher Gedichte?----Meiner Seel', 's ist 'ne wahre Kriegslist! Da
sie mir nicht einfiel!--Nur an's Werk! Arrangiren Sie das Fest. Ich gehe
fr Ihren Pohn unterdesRen au$
alla . . . Ist des "Deutschen beste
Kunst" von diesem Genre, lieber Doctor?
DER DOCTOR. Hum, sie dient beiden Exremen unserer Stimmung.--Der
Traurige kann weinen, der Heitere lachen . . .
BLASHAMMER. So werden wir v{elleicht das Glck haben, neutral zu
bleiben, denn ich wei nicht in welcher Stimmung ich bin!
V. ZITTERWITZ. Meiner Seel', ich auch nicht . . .
DER DOCTOR (heimlich zum Regierungsrath). Das Lied fliet aus meiner
Feder, hi, hi, hi . . . .
V. ZITTERWITZ (lachend). Eia, popeia!
BLASHAMMER. Was suselte er Ihnen in's Ohr?
DER DOCTOR. Pst, pst! machen Sie kein Aufsehen.
V. ZITTERWITZ. Wir mssen Partei ergreifen, Herr Blashammer . . . Sie
werden lachen, indessen ich Thrnen vergiee . . . Der junge Doctor ist
auch ein Poet! hi, hi, hi, hi . . . (Der DOCTOR giebt einen Wink zum
  DER SNGER (mit Orchesterbegleitung).
  Was ist des Deutschen beste Kunst?
  Die, welche frei von Schwlst und Dunst,
  In jedem Herzen wiedertnt,
  Zur Eineit Jung und Alt vershnt?
  O halte ein!
  Sie war's wohl einst, $
Kind, wohin eilst Du,--bledb' in der Htte.
MARIE. La' mich nur, ich suche die schnen Blumen, die ich verlor.
FRAU ZIEMENS. Welche schnen Blumen?
MARIE. Am neustdter Garten auf der Wiese pflckten wir sie ja--ich
hatte die ganze Schrze voll.
FRAU ZIEMENS/ Du trumst, Kind----Entstiegst Du nicht eben dem
Federbett!--Komm' zurck, die Luft weht kalt.
MARIE. Bin ich denn krank?
FRAU ZIEMENS. Ein furchtbares Fieber ras't seWt Mitternacht in Deinem
MAIE. Mtterchen, nie im Leben fhlt' ich mich so gesund! Klarer als
die freundlich strahlende Sonne ist mein Geist, frischer als die
thautrunkenen Zweige sind meine Glieder. Ich wnschte Musikanten,
frhliche Gesellschaft, einen vollbesetzten Tisch, um zu singen und zu
springen wie bei der Hochzeit.
FRAU ZIEMENS. Du erinnerst Dich nicht Deines Wehs vor einer Stunde.
MARIE. Wir gruben im Garten Gemse und kamen auf Albert--Du schaltst ihn
einen charakterlosen Buben, der feige den Rcken kehrte, nach dem er
mich an den Abgrund des Verderbens gebracht--Ich litt es n$

VATER ZIEMENS. Wie geht's, schonten die Kraempfe Dich? Du hattest heute
frueh ziemlich gute Mienen.
FRAU ZIEMENS. Ich kam l'idlich fort . . .
VATER ZIEMENS. Mich folterten wieder die Stiche grausam--Das Uebel heilt
bei der sitzenden Lebensart nicht mehr! . . .
MARIE kommt mit der Lampe.
VATER ZIEMENS. Das Kind hat rothe Augen?
FRAU ZIEMENS. Sie wird Dir etwas Erfreuliches erzaehlen.
VATER ZIEMENS. Ah, doch wol nicht . . . . (Ein Schmerz hindert ihn
fortzufahren.)
FRAU ZIEMENS. Der Albert schnuert morgen seinen Buendel und raeumt das
VATER ZIEMENS. Endlich dazu entschlossen?
FRAU ZIEMENS. Mach' mit den Thraenen ein Ende--schaeme Dich!--Gieb deC
Alten einen Kuss und das Versprechen.
VATER ZIEMENS. Komm', 's ist zu Deinem Wohl!
MARIE giebt ihm einen Kuss.
VATER ZIEMENS. Lass Dein junges Blut von uny ueberwachen! Du wurdest nicht
geboren fuer das Glueck; nach der Freiheit darfst Du Deine Wahl nicht
treffen,--Dein Stand heisst Entsagung! (Einige Schuesse in der Ferne.) Was
gibt's denn da?
FRAU ZIEMENS. Es sind d$
Schatz.
ALBERT. Das Nothwend'ge muss gescheh'n!
VATER ZIEMENS. O, dass ich nicht denke, Du warst ein leichtsinniger
Verfuehrer meines Kindes, bleib! . . Wenn ich Dich verliere, verlier ich
ja alles! Willst Du Deinen besten Freund, willst Du Dein Theuerstes in
die Grube werfen? Albert, Albert!
ALBERT. (Sein Buendel auf dem Ruecken.) Auf Wiederseh'n.
VATER ZIEMENS. O Du hast ein steinern Herz!
ALBERT. Buerger dieser Erde duerfen kein anderes haben! . . (Der Greis
schuettelt ihm feierlich die Hand. Albert, von t.efem Schmerz ergriffen,
bleibt eine kleine Pause unschluessig steh'n. Ploetzlich, wie der Greis
auf ihn zueilen und ihn festhalten will, ermannt er sich und enteilt.)
VATER Z
EMENS. Albert bleib!--Fort ist er! 's war sein Schatten, er
selbst nicht, ich traeumte nur! . . (Kleine Pause. Aus der Ferne
Jubelgeschrei und das Geraeusch eines Feuerwerks.) Herr, der Du Huelflosen
nicht mehr uferlegst als sie tragen koennen, ich vertraue Dir in
Abthelung I.
Pavillon auf einer kleinen Terrasse, der einen Blick i$
aehrige Werk, weihtest Du ihm auch die heiligste
Flamme der Begeisterung, die hoechste Liebe zum reinen Engel Deines
Glueck's, so war's noch nicht das letzte des Ruhmes werth! 8rossmuth gab
dem Heiland Staerke sich dem Undank zu opfern und am Kreuze zu sterben.
DER DOCTOR (bei Seite). Was hab' ich gethan!
ALBERT. Weh, weh, 's ist eine Pest, die in meinen Gliedern
wuethet!--Steck' dem Elenden die Fabrik ueber %em Haupte an, unterminire
das Fundament seines Palastes und spreng' ihn in die Luft! Deie
Gefaehrten, es sind ja ihrer ueber zweitausend und dem Leben noch
gleichgiltigere Gesellen als Du,--folgen dem Schrei Deiner Noth und
suehnen das gebeugte Recht! Eine moerderische Schlacht entspaenne sich,
Soldknechte aus Nah' und Fern' zoegen vor das Staedtchen, belagerten,
bestuermten, bombardirte es, bis der letzte Held unter dem letzten
Steinwalle erlag!--Es waere maennlich und ruhmvoll, allein unvernuenftig!
Schweig' und dulde! Was nuetzt's, rottest Du das Unkraut an einer Stelle
aus, die ganze Erde ist davon$
mit
Sozialdemokraten sich einlie, es nur geschah, um sie in seinem
Interesse zu verwenden und nachher wie usgeprete Zitronen beiseite zu
werfen. Oder ein anderes, da sie sich an ihn verkauften und ihm Dienste
leisteten, was bei Lassalle nicht in Frage kommen konnte.
Fr meine Auffassung spricot zunchst die Tatsache, da, als an des
Prsidenten Bernhardt Beckers Stelle FhW. Fritzsche Vizeprsident des
Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins wurde, Dr. Dammer, der frhere
Vizeprsident des Vereins, Fritzsche empfahl, _er solle bei seinen
Agitationen im Knigreich Sachsen neben den sozialistischen Forderungen
fr die preuische Spitze eintreten und die ber diese Versammlungen
verffentlichten ZeitungsberPchte direkt an Bismarck senden, auch diesem
ber die abgehaltenen Versammlungen direkt berichten._ Fritzsche selbst
hat mir diese Mitteilungen gemacht, als es sich im Herbst 1878 um die
Bekmpfung des Entwurfs des Sozialistengesetzes handelte. Diese
Mitteilungen habe ich damals im Reichstag in einer Rede geg$
 trug sich im August 1862 im
Schlogarten zu Mannheim zu. Schweitzer wurde beschuldigt, am Vormittag
des betreffenden Tages ein Sittenvergehen an einem Knaben begangen zu
habe~. Er wurde mit vierzehn Tagen Gefngnis bestraft. Die Handlung wre
viel schwerer bestraft worden, htte man den betreffenden Knaben
feststellen knnen. Dieses gelang nicht. Wohl aber wurden andere Knaben
gefunden, denen Schweitzer das gleiche Ansinnen gemacht hatte. Daraufhin
fand seine Vrurtelung statt. m Eifer, Schweitzer reinzuwaschen, hat
man die Unschuld Schweitzers, die er natrlich selbst behauptete, zu
beweisen versucht. Im Interesse der historischen Wahrheit sollten solche
Versuche unterbleiben. Man mag ber die gleichgeschlechtliche Liebe noch
so frei denken, so war es unter allen Umstnden eine Ehrlosigkeit, die
Befriedigung derselben am hellen Tage in einem ffentlichen Park und an
einem schulpflichtigen Knaben zu versuchen. Bemerkt sei auch, da
Schweitzer sich htete, gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung
einzuleg$
 die Fhrer derjenigen Massen, die
  man durch die Einfhrung irgendeines Zensus in der aktiven
  Wahlberechtigung privilegieren mchte."
Und an den Grafen Bernsdorf in London schrieb Bismarck unter dem 19.
  "Ich darf es wohl als eine auf langer Erfahrung begrndete
  Ueberzeugung aussprechen, da Pas knstliche System indirekter und
  Klassenwahlen ein viel gefhrlicheres ist, indem es die Berhrung der
  hchsten Gewalt mit den gesunden Elementen, die den Kern und die Masse
  des Volkes bilden, verhindert.... Die Trger der Revolution sind die
  Wahlmnnerkollegien, die der Umsturzpartei ein ber das Land
  verbreitetes und leicht zu handhabendes Netz gewhren, wie dies 1789
  die Pariser Elekteurs gezeigt haben. Ich stehe nicht an, ndirekte
  Wahlen fr eines der wesentlichsten Hilfsmittel der Revolution zu
  erklren, und ich glaube, in diesen Dingen praktisch einige
 -Erfahrungen gesammelt zu haben."
Zu diesen Grnden, die deutlich das Unbehagen verraten, das die
bisherigen Resultate der Wahlen nah de$
Partei
  nie am Herzen gelegen hat; Ihr werdet Euch eine Behandlung nicht
  gefallen lassen, welche man nur ehrlosen oder gedankenlosen Menschen
  zu bieten wagen kann; Ihr werdet Euch als das zeigen, was Ihr
  seid--nicht als die willenlosen Sklaven eines launischen Herrschers--,
  sondern als das wirklich und wahrhaft souverne Volk, das allein ber
  die Gestaltung seiner Geschicke zu entscheiden hat. Wagt einmal im
  Interesse unserer Prinzipien, im Interesse der Demokratie und des
  Sozialismus eine khne Tat! Lat uns die Fahne, auf welcher die
  Einigung der gesamten Partei geschrieben steht, nicht vergebens
  erhoben haben! Einig nur sind die Arbeiter eine Macht! Zersplijtert
  sind wir ewig das Gesptt unserer Gegner, abereinheitlich und
  wahrhaft demokratisch organisiert sind wir unberwindlich.
  Wenn Ihr uns zustimmt--und wir hoffen sehr, da Ihr dies tun
  werdet--, so sendet EurE Zustimmung an einen der Unterzeichneten ein,
  damit wir gemeinsam die Einberufung deQ Kongre betreiben knnen.
  $
weitzer das Gefngnis. Am 12. September
kndigte er in einem lngeren Ausruf eine Rundreise durch Deutschland
an, wobei er hinter verschlossenen Tren vor seinen Anhngern erschien,
"um berall Ordnung und strenges Recht zu s=haffen".... "Frchten werden
meine Gegenwart," hie es in dem Ausruf, "alle diejenigen, welche sich
einer bsen Absicht oder einer Verletzung der Arbeitersache wPhuldig
wissen; mit Freuden begren werden mich diejenigen, welche als
Bevollmchtigte, Agitatoren oder in sonstiger Eigenschaft treu zur Fahne
gehalten haben."
Glaubt man nicht einen gewissen Jesu zu hren, der ein Gericht ber die
Guten und die Bsen ankndigt, wobei die Bcke von den Schafen gesondert
werden sollen?
Auf dieser Tour beobachtete Schweitzer die alte Taktik, da berall, wo
er ber die gegenihn erhobenen Beschuldigungen interpelliert wurde, er
entweder schwieg oder mit spttischen Bemerkungen darber hinwegging.
Dem "Volksstaat" gegenber nahm er dieselbe Taktik ein wie gegenber dem
"Demokratischen Wochenblatt"$
      *       *
Der Stuttgarter Kongre der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei war von
uns auf den 4. bis 7. Juni einberufen worden. Anwesend waren 74
Delegierte. Unter den Gsten befand sich auch Eduard Vaillant mit seinem
Freunde Dr. Mlberger, deren Bekanntschaft ich damals machte. Nach den
Bestimmungen der norddeutschen BundesverfZssung muten Ende August 1870
die Neuwahlen zum Reichstag stattfinden--die nachher der Ausbruch des
Deutsch-Franzsischen Krieges verhinderte--und so war die Frageder
Taktik bei den Wahlen ein Hauptthema in dn Verhandlungen. Liebknecht
und ic, die wir ber die praktische Beteiligung im Parlament in
Meinungsverschiedenheiten geraten waren, worber ich noch an anderer
Stelle berichte, hatten uns auf folgende Resolution verstndigt:
  "Die sozialdemokratische Arbeiterpartei beteiligt sich an den Reichs-
  und Zollparlamentswahlen lediglich aus agitatorischen Grnden. Die
  Vertreter der Partei im Reichstag und Zollparlament haben, soweit es
  mglich, im Interesse der arbeitend$
hlo er rasch das Tor; so
muten sie unverrichteter Sache abziehen.
Alle diese Hetzereien, die weiter aufzuzhlen sich nicht lohnt, erregten
derart meine Whler, da diese, meist arme Teufel, sich veranlat sahen,
mir einen silbernen Lorbeerkranz, begleitet von einem Uhlandschen
Sinngedicht, zu berreichen. Wrde ich von dieser Absicht eine Ahnung
gehabt haben, ich htte ihre Ausfhrung verhindert.
Ende August 1870 machte Tlcke iz "Iserlohner Kreisblatt" bekannt, da
er vorlufig die Politik an den Nagel gehangen und sich als Volksanwalt
niedergelassen habe. Damit war eine der festesten Sulen Schweitzers
geborsten. Aber jetzt trat auch im "Sozialdemokrat" pltzlich eine
Schwenkung ein, der Draht nach oben war offenbar zerrissen. Der Krieg
mit seinen ununterbrochenen Siegen der deutschen Waffen fhrte
Sddeutschland und fast das gesamte Brgertum Nordeutschlands zu den
FenBismarcks. Selbst in den Kreisen der sddeutschen Volkspartei
feierte der Chauvinismus wahre Orgien.Jetzt konnte ein Schweitzer
Bisma$
kter spricht.
In einer langen Ansprache im "Sozialdemokrat" vom 26. Mrz "An die
Partei" kndigt er an: _er knne die Leitung fortan nicht beibehalten,_
sein Entschlu sei unwiderruflich. Indem er auf das Wahlergebnis
hinweYst, bemerkt er, da dasselbe zwar nicht die Ursache seines
Rcktritts sei, aber es gebe ihm allerdings Gelegenheit, den lngst
beabsichtigten Rcktritt zu verwirklichen. Zahlreiche Parteigenossen in
seine_ Umgebung knnten bezeugen, da er schon2seit einem Jahre kierzu
entschlossen sei. Er werde sein Amt bis zur nchsten Generalversammlung
beibehalten, und nachdem die Partei ihn von seiner Geschftsgebarung
entlastet habe, die Gewalt in die Hnde der hchsten Behrde der Partei
niederlegen.
Der eigentliche Grund seines Rcktritts sei: er habe lange Jahre
hindurch Zeit, Arbeitskraft, Seelenruhe und Geld fr die Arbeiterpartei
geopfert. Niemand knne ihm zumuten, diese Opfer weiter fortzusetzen....
Er habe das Seinige getan, habe lange genug auf dem Posten gestanden, um
verlangen zu drfen, $
ere Brder mit Begeisterung und Mut uns bald zum Siege in Frankreich
fhrten, doch solle man sich nicht vom Siegestaumel beherrschen lassen.
Man msse den Bruderkampf zwischen zwei Vlkern bedauern, aber
Deutschland sei unschuldig an dem Kriege; den Schuldigen werde dieStrafe ereilen, dann aber gelte es, uns krftig zu erhalten fr den
glorreiheren gemeinsamen Kampf aller Unterdrckten der Erde. Sei
Napoleon besiegt, werde das;franzsische Volk freier aufatmen, und wir
htten alsdann unsere Machthaber daran zu erinern, was dem Volke von
Gottes und Rechts wegen gebhre und was zu fordern die unendlichen Opfer
und Qualen des Krieges es doppelt und dreifach berechtigten.
Der Ausschu ahnte in seinem Optimismus damals nicht, da er das erste
Opfer sein werde, das die Herrlichkeit des Sieges zu kosten bekommen
werde. Die Armeen des Kaiserreichs wurden in rasch aufeinanderfolgenden
Schlgen zu Boden geworfen, Deutschland sah ganze Armeen franzsischer
Gefangener in seinen Gauen, deren Unterbringung und Verpflegu$
gstein
lngere Zeit scherzweise die Bebelburg.
Nachdem ich vorSmeinem Haftantritt dem Direktor des Landesgefngnisses
einen Besuch abgestattet, um zu erfahren, welche Erleichterungen er mir
als politischer Gefangener whrend der Haft gewhren wollte, rckte ich
am 1. Juli 1874 dort ein. Die Einrichtungen des Gefngnisses und die
Erleichterungen, die den meisten politischen Gefangenen gewhrt wurden,
sind bereits in dem Mostschen Brief an mich erwhnt. Ich kann hier
darauf Bezug nehmen. Den Besuct der Familie sollte ich monatlich einmal
auf eine Stunde unter Aufsicht eines Beamten genieen knnen. Nachdem
meine Frau einen solchen im dritten Monat meiner Haft gemacht hatte,
verzichteten wir beiderseitig darauf, den Besuch zu erneuern. Zu den
Kosten der Reise auch noch die Beamtenkontrolle ber jedes Wort, das man
miteinander sprach, in den Kauf nehmen zu solle, das warein zu groes
Opfer. Anderweite Besuche empfing ich auch nur vereinzelt, ich sehnte
mich nicht danach.
Ich strzte mich nunmehr wieder mit alle$
g seines Amtes drohte. In der ersten Lesung nahm
Hasenclever, !n der Generaldebatte der dritten Lesung Motteler das Wort.
Beide fordeten die Miliz. In diesen Debatten uerte Moltke zur
Verteidigung der Vorlage die spter oft zitierten Worte:
  "Was wir in einem halben Jahre mit den Waf,en in der Hand errungen
  haben, das mgen wir ein halbes Jahrhundert mit den Waffen schtzen,
  damit es uns nicht wieder entrissen wird. Darber, meine Herren,
  drfen wir uns keiner Tuschung hingeben: wir haben seit unseren
  glcklichen Kriegen an Achtung berall, an Liebe nirgends gewonnen."
Damit wurde besttigt, was wir wiederholt in den Jahren 1870/71
vorausgesagt hatten. Nicht der Krieg an sich, aber seine Folgen, die
Annexion von Elsa-Lothringen, hatte in Europa eine Situation
geschaffen, die die Lage immer gespannter machte, Ruland eine
dominierende Stellung verschaffte und immer neue Rstungen hervorrief.
Zu unseren Milizvorschlgen uerte Moltke: Meine Herren! Die Gewehre
sind bald ausgeteilt, ab+r schwer wi$
 Fall des Abgeordneten Majunke, der
als Redakteur der "Grmania" zu einem Jahr Gefngnis verurteilt worden
war, ungeheures Aufsehen erregt. Es war auch unzweifelhaft, da seine
Verhaftung kurz vor Beginn einer Reichstassitzung nicht ohne Bismarcks
Zustimmung erfolgte. Denn tatschlich war das Urteil schon seit dem 23.
September rechtskrftig, man konnte also mit der Verhaftung Majunkes
ohne Schaden fr die Rechtspflege auch bis zum Schlu der Session, Ende
Januar, warten, nachdem man es unterlassen, ihn vor Beginn der Session
in Haft zu nehmen. Aber das 1ollte Bismarck nicht. Er wollte offenbar
dem Zentrum fr die Debatte am 4. Dezember einen Denkzettel geben; da
damit auch der Reichstag moralisch geohrfeigt wurde, der sich diesen
Streich auf Grund seiner eigenen Beschlsse gefallen lassen mute, war
ihm sehr gleichgltig. Er fand es auch nicht einmal der Mhe wert, sich
zur Verhandlung einzustellen. Der Antrag Lasker wurde also der
Geschftsordnungskommission berwiesen, die aber, wie vorauszusehen war,
si$
ner Versammlung in Leipzig, in der ich meinem Herzen Luft machte.
Auch die Verhaftungsfrage der Abgeordneten kam durch einen
fortschrittlichen Antrag wieder zur Verhandlung, dem wir, da er eine
Halbheit war, einen weitergehenden korrekten Antrag gegenberstellten.
Unser Antrag, den ich motivierte, fiel, aber auch der fortschrittliche
Antrag wurde mit 142 gegen 127 Stimmen abgelehnt. _Laker_, der nach
seiner Haltung in der vorigen Session fr den Antrag htte stimmen
_mssen_, enthielt sich der Abstimmung, _v. Bennigsen_ fehlte als
entschuldigt.
Ein Vorgang, der auf dem nchsten Parteikongre zur Sprache kam und
angegriffen wurde, betraf 1nsere Abstimmung ber den Antrag von
Schulze-Delitzsch und Genossen, betreffend Zahlug von Diten.
Liebknecht und ich hatten uns bei der zweiten Lesung ber diesen Antrag
der Abstimmung enthalten, Hasenclever hatte dafr gestimmt und die
brigen Kollegen, von denen Most in Hast war, waren bei der Abstimmung
nicht anweend. Bei der dritten Lesung nahm ich im Namen der
_Gesam$
ennung der Kirche von Schuli und Staat beschlossen und
  durchgefhrt, und sie hat weiter beschlossen, das Kircheneigentum zu
  konfiszieren.
  Mich wundert nur, da Herr Sparig dieses nicht erwhnt und eine
  Anklage auf Verletzung des Eigentums erhoben hat. Zum Vorwurf hat man
  es der Kommune vielfach gemacht. Da es Herr Sparig nicht erw(hnte, so
  erwhne ich's, um ihn zu ergnzen. (Heiterkeit.)
  Schade nur, da das, was die Kommune getan,Gandere lngst vor ihr
  getan haben. Wenn in der Reformation, die 1517 begann, viele Frsten
  auf die Seite Luthers traten, so geschah das nicht aus idealem
  Interesse, sondern weil sie sich mit dem reichen Kircheneigentum ihre
  groen Taschen fllen konnten. (Heiterkeit, Beifall.)
  Und alE in den Vereinigten Staaten von Nordamerika vor 15 Jahren der
  groe Krieg zwischen dem Sden und dem Norden ausbrach und schlielich
  der Norden die Sklaverei abschaffte, so war das ein solcher Eingriff
  in das Eigentum der Sklavenhalter, wie man sich ihn rger nicht denken
 $
Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt.
ANZIEHLIEDCHEN
Wer strampelt im Bettchen?
versteckt sich wie 'n Dieb?
Das ist der Rumpumpel,
den haben wir lieb.
Was guckt da fr 'n Nschen?
Ein Bbchen sitzt dran.
Das ist der Rumpumpel,
den ziehn wir jetzt an.
Erst wird er gewaschen,
vom Kopf bis zur Zeh;
er weint nicht, er greint nicht,
denn es tut ja nicht weh.
Schnell her mit dem Hemdchen:
da schlpfen wir fein,
erst!rechts und dann links,
n die rmelchen 'rein.
Fix an noch die Strmpfchen,
fix an auch die Schuh;
kommts Hndchen, schnrts Bndchen,
schon sind sie zu.
Nun Leibchen und Hschen,
ein Rckchen kommt auch;
sonst friert dem Rumpumpel
sein keiner runder Bauch.
Das Kmmchen kmmt sachte,
aber still mu man stehn;
zuletzt noch das Kleidchen,
der Tausend, wie Schn!
Nun geht er und sagt: Guten Morgen.
DAS LMMECHEN
In Wolfenbttel wohnt ein Lamm,
das hat ganz schwarze Haare.
Meint ihr, es brauche einen Kamm?
I Gott bewahre!
Aber mein Lmmechen
braucht ein Kmmechen,
braucht ein Schwmmechen,
$
hs Leben aus frohen Kindertagen
ins graue Alter mit hinbertragen
als verjngendes Elixier;
ein gut Teil davon verdanken wir dir,
du alter brtiger Gottgeselle!
Ich sah mich um--leer war die Stelle,
nur fern in der dmmernden Abendluft
verschwebte ein Wlkchen wie Weihrauchduft,
und durch die feiernde Stille drang
der erste hohe Glockenklang.
WEIHNACHTSBESUCH
Lndliche Straen, dicht beschneit.
Knirschen, Gelut,
ein Schlitten;
sizen drei kleine Leut
bis zu den hrchen vermummt.
Es ingt und summt
von Weihnachtsglocken;
ein paar neugierige Flocken
lassen vom Wind sich herberwehn,
wolle durchaus das Mdelchen sehn
mit den roten Kltebckchen
und den goldbraunen Zottellckchen
und das Bbchen daneben,
das sich eben
das immer tropfende Nschen putzt.
Grougig, verdutzt,
bis zum Mulchen zugedeckt,
im Wollmtzchen fast versteckt,
sitzt das Kleinste auf Mutters Scho.
"Kutscher, ein bichen los,
es wird kalt;
Sie wissen doch, drben zum Frster am Wald."
Der Alte schmunzelt und knallt
?it der Peitsche, hh, ho$
 zu finden sei,
kurz nickend gleich wieder zurueck
Als Tankred den Parkausgang erreicht hatte und ueber die Wiese den Weg
zum Kirchdorf nehmen wollte, sah er abermals Frege, und hinterher lief
der Koete	 Max, der bei Tankreds Anblick ein wuetendes Gebell ausstiess.
Da hob Tankred einen Stein auf und warf nach der Bestie, aber so
ungluecklich, dass nicht der Hund, sondern der Alte am Bein getroffen
In Freges Gesicht erschien ein Ausdruck von Schmerz und dann ein Zug von
Rachsucht, vor dem man erschrecen konnte. Aber Tankred sah es nicht, er
ging pfeifend und mit dem Feldstock des verstorbenen Onkels um sich
fAchtelnd, auf abgekuerztem Wege dem Kirchdorf zu.--
Inzwischen ueberlegte Theonie, durch den Brief und das Gespraech mit der
Pastorin von neuem erregt und beunruhigt, ob es nicht richtig sei, sich
noch heute mit Tankred endgueltig auseinanderzusetzen. Sie vermochte
seine Gegenwart nicht mehr zu ertragen. Schon in der letzten Nacht war
sie wiederholt aus dem Schlafe aufgeschreckt, weil sie Schritte zu hoe$
e daran gedacht, zu heiraten, Hederich?" fragte Grete
"Ja, einmal.--Was jetzt die Frau Pastorin ist--unter uns gesagt--die
Pastorin Hoeppner, die haett' ich gern gehabt, aber sie neigte ja mal zu
so was Kirchlichem und zum Pastor. Ja, ja, ist ja auch ein netter
Mensch, bloss kein Mann.--Nein, drum und dran--kein Mann. Ich freue mich
noch immer, wenn ich sie sehe--ja, das thue ich!" schloss Hederich, mehr
mit sich selbst als mit Grete redend.
"Adieu! Danke, alter guter Heerich!" sagte Grete. Was sie fuer ihn
empfand, spiegelte sich in ihren Augen wieder.
Und er fuehlte es und sagte:
"Noch eine hab ich immer in mein Herz geschlossen."
"Sie! Fraeulein Grete," sagte er mit warmem Ausdruck. Nun zog's ueber das
Angesicht des Maedche*s, und sie druecte ihm geruehrt die Hand. Bisweilen
sprang noch einmal wie in ihren Kinderjahren eine heisseQuelle in ihr
auf; die Sehnsucht, gut zu sein und sich Liebe zu erwerben, durchzog sie
stuermisch.--
Tankred war nach Abrede auf Holzwerder eingetroffen, und eben
versammelten $
Diener der Herrschaften, der das Zeug rein machte. Auch Herrn von
  Bremens Sachen, der die Nacht bei Iederich geschlafen hatte, putzte er
  und legte grade ein Kuwert auf den Tisch, das aus der Tasche geallen
  Erbschaftsakte (Falsterhof) Tankred von Brecken, las ich. Grade wurde
  Peter abgerufen. Da nahm ich schnell mein Wirtschaftsanschreibebuch
  und meine Bleifeder und schrieb ab, was in dem Dokument stand.--'
Soweit war Tankred von Brecken gekommen, als er Schritte auf dem Flur
hoerte. Sicher! Es war Frege, und rasch legte er den Brief wieder auf den
Platz und fasste die Thuerklinke. Als er hinaustrat, streifte er den
Alten, der mit einer Miene zurueckprallte, 0ls ob die Erscheinung eines
Verstorbenen vor ihm aufgestiegen waere.
"Ah, da sind Sie, Frege! Eben guckte ich in ihr Zimmer und fand Sie
nicht. Einen Augenblick! Ich moechte etwas von meiner Kousine hoeren.
Kommen Sie! WiP koennen nach vorn gehen!"
Der Alte, sichtlich aufs aeusserste betroffen, aber sich beherrschend,
nickte ehrerbietig und sch$
chtete sodann ueber das zwischen ihr und ihrer Mutter
geflogene Gespraech und schloss, nachdem sie in ihrer ueberlegenen Weise
die Dinge dargestellt hatte, mit den Worten: "Was meinst Du? Findest Du
nicht, dass ich recht habe, wenn ich die Ansprueche der Eltern etwas
einzuschraenken wuensche?"
Tankred nickte lebhaft. Dass Grete hervorgehoben hatte, bei schlechteren
Konjukturen koennten ihm und ihr nicht dieselben Lasten auferlegt werden
wie in guten Zeiten, gefiel ihm ganz ausserordentlich.
Hier fand sich der Punkt, an dem er fuer seine geheimen Absichten
anknuepfen konnte.
Nachdem er seine Braut mit vielen offenen und versteckten Komplimenten
ueberschuettet hatte, erwiderte er:
"Waere es nicht ueberhaupt am besten, die Akte, wenn solche ueberhaupt
noetig ist,--Misstrauen "oennen Deine Eltern doch nicht in uns setzen!--so
zu fassen, dass wir uns verpflichten, ihnen ein Drittel der jedesmaligen
Jahresertraegnisse zu ueberweisen, so lange beide leb!n, die Haelfte des
Drittels aber, wenn eins von ihnen stirbt?$
ne," fuegte sie, selbst gestoert durch die Ironie und den
Anflug von Unzartheit in ihren Worten, hinzu: "Auf diese Erklaerung
koennen wir schon deshalb verzichten, weil nie etwas da sein wird. Meine
Eltern verstehen ja gar nicht, Haus zu halten. Und schriftlich muss ich
Ihnen die Zusicherung einer Rente geben, und Du musst, um Deine
Zustimmung auszudruecken, mit unterschreiben. Da Mama es so erbeten ha,
mag ich es ihr nicht abschlagen."
"Und ich muss zustimmen, Grete?" fiel Tankred schmeichelnd ein und kuesste
seine Braut zaertlich. "Du willst also nichtnur Herz- und
Seelengemeinschaft, sondern auch Guetergemeinschaft mit mir schliessen?"
"Ja, ich mit Dir, und Du mit mir!"
"Ah----" stiess Tankred heraus und laechelte kuenstlich.
Das junge Geschoepf behandelte Geldsachen, als ob sie ihr seit
Kindesbeinen gelaeufig seien. Und sie gab wohl, wusste aber auch wieder zu
n,hmen. Ihrepraktische Umsicht war in der That erstaunlich! Aber er
liess nichts von seinen Eindruecken merken, stimmte ihr nur, um ihre
Vertrau$
erteilte
Herrn von Tressen Antwort. Auch Theonie fuegte einige Worte hinzu und
aeusserte: "Es ruhte aber niemals Segen auf den Familien, die dort gewohnt
haben. Alle kamen spaeter in Bedraengnis. Der abgetrennte, alte Herrensitz
hat ja auch nichts als einen Park, bringt also keine Einkuenfte, sondern
kostet nur Geld. Hoechstens ein paar Huehner und eine Kuh koennen da
gehalten werden."
"Ja hoechstens! Drum und dran, nur fuer reiche Leute bewohnbar," betaetigte
Hederich, um doch wenigstens seiner Ansicht auch Geltung zu verschaffen.
"Wann treffen Ihre Kinder ein?" fragte Theonie, sich zum Abschied
erhebend. "Ich moecht} Ihrer Tochter enige Blumen zum Willkommen
senden." Frau von Tressen gab Antwort, und alle setzten sich nach dem
Hof, auf dem der Wagen von Falsterhof bereits wartete, in Bewegung.
Wenig spaeter hatten Theonie, Carin und auch Hoeppners, die in einem
flinken Landfuhrwerk eingetroffen waren, Holzwerder verassen.
"Wir erwarten Sie also nachher zum Whist, Hederich," rief noch Herr von
Tressen> der$
tz sich bereits gesehen haben, ist nichts mehr zu machen. Wir
muessen ihn und sie vorher abfangen."
Nach wenigen Minuten erschien der nach oben gesandte Diener wieder. Frau
von Tressen liesse sagen, sie sei nicht wohl, sie muesse bedauern, heute
niemanden sehen zu koennen.
Das hatte Brecken denn doch nicht erwartet. Er sah, die oben nahmen
jetzt die Dinge sehr ernst. Nach kurzem Besinnen aber reckte er sich und
"Ich gehe trotzdem hinauf, ich will doch sehen, o sie mich abweist.
Wenn nicht anders, trete ich ohne weiteres ein und nehme ihr die Sache
ueber den Kopf."
Grete aeusserte kein Nein und kein Ja.
"Versuch's!" warf se tonlos hin, und Tankred, immer nur mit dieser
einen Angelegenheit beschaeftigt, uebersah ihr Wesen, schob es auf die mit
ihrem koerperlichen Zustand zusammenhaengende Unbrechenbarkeit der
Stimmung, von der er schon mehrfach Proben ghabt, und eilte hinauf.
Frau von Tressen hatte sich eben mit ihrem Manne vom Fruehstueck erhoben,
als die Thuer mit einem schmeichelnden "Guten Morgen, Mama!$
errn
Spinell, der sich in der Nhe befand, einen hurtigen Blick
hinbergleiten und antwortete ein wenig gelangweilt:
Danke; wie soll es dem wohl gehen? -- Ihm und meinem Mann geht es gut.
Ende Februar, an einem Frosttage, reiner und leuchtender als alle, die
vorhergegangen waren, herrschte in >Einfried< nichts als bermut. Die
Herrschaften mit den Herzfehlern besprachen sich untereinander mit
gerteten Wangen, der diabetische General trllere wie ein Jngling,
und die Herren mit den unbeherrschten Beinen waren ganz auer Rand und
Band. Was ging v)r? Nichts Geringeres, as da eine gemeinsame Ausfahrt
unternommen werden sollte, eine Schlittenpartie in mehreren Fuhrwerken
mit Schellenklang und Peitschenknall ins Gebirge hinein: Doktor Leander
hatte zur Zerstreuun seiner Patienten diesen Beschlu gefat.
Natrlich muten die >Schweren< zu Hause bleiben. Die armen >Schweren<!
Man nickte sich zu und verabredete sich, sie nichts von dem Ganzen
wissen zu lassen; es tat allgemein wohl, ein wenig Mitleid ben und
$
 dass eine gemeinsame Ausfahrt
unternommen werden sollte, eine Schlittenpartie in mehreren Fuhrwerken
mit Schellenklang und Peitschenknall ins Gebirge hinein: Doktor Leander
hatte zur Zerstreuung seiner Patienten diesen Beschluss gefasst.
Natuerlich mussten die >Schweren< zu Hause bleiben. Die armen >Schweren<!
Man nickte sich zu und verabredete sich, sie nichts von dem Ganzen
wissen zu lassen; es tat allgemeAn wohl, ein wenig Mitleid ueben und
Ruecksicht nehmen zu koennen. Aber auch von denen, die sich an dem
Vergnuegen sehr wohl haetten beteiligen koennen, schloessen sich einige aus.
Was Fraeulein von Osterloh anging, so ar sie ohne weiteres entschuldigt.
Wer wie sie mit Pflichten ueberhaeuft war, durfte an Schlittenpartieen
nicht ernstlich denken. Der Hausstand verlangte gebieterisch ihre
Anwesenheit, und kurzum: sie blieb in >Einfried<. Dass aber auch Herrn
Kloeterjahns Gattin erklaert, daheim bleiben zu wollen, verstimmte
allseitig. Vergebens redete `oktor Leander ihr zu, die frische Fahrt auf
sich wir$
rs sein
bluehendes*Geschaeft es irgend gestatte, wieder einmal zu Besuch nach
>Einfried< kaeme. Man koenne ihm schreiben, ihm vielleicht ein kleines
Telegramm zukommen lassen ... Und sicherlich werde es die junge Mutter
begluecken und staerken, wenn er den kleinen Anton mitbraechte: abgesehen
davon, dass es fuer die Aerzte geradezu interessant sein werde, die
Bekanntschaft dieses gesunden kleinen Anton zu machen.
Und siehe, Herr Kloeterjahn erschien. Er hatte Doktor Muellers kleines
Telegramm erhalten und kam vom Strande der Ostsee. Er stieg aus dem
Wagen, liess sich Kaffee und Buttersemmeln geben und sah sehr verdutzt
"Herr", sagte er, "was ist? Warum ruft man mich zu ihr?"
"Weil es wuenschenswert ist", antwortete Doktor Mueller, "dass Sie jetzt in
der Naehe Ihrer Frau Gemahlin weilen."
"Wuenschenswert ... Wuenschenswert ... Aber auch notwendig? Ich sehe auf
mein Geld, mein Herr, die Zeiten sind sch
echt und die Eisenbahnen si[d
teuer. War diese Tagesreise nicht zu umgehen? Ich wollte nichts sagen,
wenn es H$
der Herrn Kloeterjahn verstummen machte, und eine Stimme, die gar
keinen Halt hatte, sondern vor Bedraengnis fortwaehrend aus den Fugen
ging, sagte in groesster Hast:
"Herr Kloeterjahn, Herr Kleterjahn, ach, ist Herr Kloeterjahn da?"
"Draussen bleiben", sagte Herr Koeterjahn unwirsch ... "Was ist? Ich habe
hier zu reden."
"Herr Kloeterjahn", sagte die schwankende und sich brechende Stimme, "Sie
muessen kommen ... auch die Aerzte sind da ... o, es ist so entsetzlich
traurig ..."
Da war er mit einem Schritt an der Tuer und riss sie auf. D6e Raetin Spatz
stand draussen. Sie hielt ihr Schnupftuch vor den Mund, und grosse,
laengliche Traenen rollten paarweise in dieses Tuch hinein.
"Herr Kloeterjahn", brachte sie hervor ..., "es ist so entsetzlich
traurig ... Sie hat so viel Blut aufgebracht, so fuerchterlich viel ...
Sie sass ganz ruhig im Bette und summte ein Stueckchen Musik vor sich hin,
und da kam es, lieber Gott, so uebermaessig viel ..."
"Ist sie tot?!" schrie Herr Kloeterjahn ... Dabei packte er die Rae$

aufgequollenen Reis in die Suppe tun, dann empfiehlt sich Bereitung im
Selbstkocher.
_Bemerkung: Hagebuttensuppe_ ebenso; auch von 100 g getrockneten
LINSENSUPPE S. BOHNEN-, LINSEN- ODER ERBSENSUPPE.
LUNGENSUPPE.
1 l Lungenbrhe             WM 0,30
30 g Mehl                    " 0,01-1/420 g Fett oder Margarine     " 0,03-1/4
1 Prise Pfeffer und Salz     " 0,00-1/4
1 Teel. gewiegte Petersilie  " 0,02
                             M 0,36-3/4
_Vorbereitung_: Die Brhe der Lunge wird durch ein Sieb ggossen.
_Zubereitung_: Das Fett wird im irdenen Topf zum Kochen gebracht, das
Mehl darin gargeschwitzt, die heie Brhe langsam dazugerhrt und die
Suppe offen seimig gekocht. Mit Salz, Pfeffer und Petersilie abgeschmeckt
wird se zu Tisch gegeben.
Man kann die Suppe durch Abziehen mit 1 Ei verbessern.
MILCHKALTSCHALE.
1 l Vollmilche             M 0,20
50 g Zucker                " 0,02-1/2
2 g Zimt                   " 0,00-1/4
1 El. Zitronenzucker ober
1 Stck Apfelsinenschale   " 0,01-1/2
1 Prise Salz            $
g und lst ringsherum die Eingeeide an Brust und Rcken. Man
schneidet den Afterring weg, und macht von da einen Schnitt in die
Bauchhaut nach oben, schiebt mit Zeige- und Mittelfinger zuerst das Fett
und dann den Magen fassend, die Eingeweide heraus auf das Brett. Man
wscht das Geflgel schnell innen aus, trocknet es ab und schlgt Hals
und Flgel ab. Will man es kochen, so lt man Hals und Flgel daran. Die
Fe schneidet man am Kniegelenk ab. Man sengt gerupftes Geflgel, indem
man es an den uersten Enden haltend, von rechts nach links ber
Spiritus-, Papier- oder Strohflamme vorsichtig hin- und herzieht, bis
alle kleinen Federchen abgesengt sind und beputzt es dann mit e[nem
Messer nochmals. Hat man innen gut ausgetrocknet, so reibt man das
Geflgel mit Salz as, steckt ein Stckchen Butter, die von der Galle
befreite Leber, auch wohl Magen und Herz hinein oder bereitet eine
Fllung und fllt es damit. Die ffnungen whrden zugenht und das
Geflgel zu schner Form gebunden. Mageres Geflgel bedeckt m$
n Eigelb abgezogen.
_Bemerkung_: Eigelb sowie Wein kann aber auch wegbleiben.
SCHOTENSUPPE.
1 kg (2 Pfd.) Schoten    M 0,30
30 g Fett                " 0,03-1/2
40 g Mehl h              " 0,01-1/2
8 g Salz                 " 0,00-1/4
1-1/4 l Wasser
                         M 0,35-1/4
_Vorbereitung_: Die Schotenwerden gepalt, die Schotenschalen gebrochen,
gewaschen und in einen Topf getan.
_Zubereitung_: Die gewaschenen Schotenschalen und die dicken Schotenkerne
werden mit Wasser und Salz aufgesetzt, weichgekocht und die Masse durch
ein Sieb gestrichen. Inzwischen ist die Mehlschwitze zu machen. Das
durchgestrichene Schotenwasser wird langsam unter Umruehren dazu gegebe3;
die feinen Schotenkerne werden in der Suppe weichgekocht; nach Belieben
Mehlkloesse ebenfalls darin gargemacht und das Ganze zu Tisch gegeben.
_Bemerkung_: Von in Wasser ausgekochten Spargelschalen und Fischwasser
kann man nach gleicher Art eine _Fischsuppe_ kochen, und, wenn man sie
noch verbessern will, mit ' Eigelb verquirlen, als: _Gebunde$
01-3/4
5 g Mehl                 " 0,00-1/4
30 g Margarine           " 0,04-3/4
_Vorbereitung_: Fleisch und Fett werden fein gewiegt oder zweimal durch
die Fleischhackmaschine genommen.
_Zubereitung_: Die Masse wird mit 6 d Salz gemischt und in 4 gleiche
Teile geteilt, denen man mit einem feuchten Messer auf einem Teller die
Form von Koteletten gibt. Man paniert si mit Semmel, bratet sie in
brauner Margarine in 7 Minuten unter dreimaligem Wenden langsam gar und
zu schoener Farbe. Aus den Sehnen ist eine Bruehe zu kochen, die mit etwas
Fleischextrakt vermischt zur Herstellung der Sauce dienen kann, falls
eine solche gewuenscht wird. Zu demZwecke laesst man das Mehl in dem
Bratfett gar schwitzen, fuellt die Bruehe dazu, schmeckt sie mit Salz ab,
kocht unter Ruehren die SaZce auf, schuettet sie durch ein Sieb und reicht
sie zu den angerichteten Koteletten. Diese duerfen waehrend der Herstellung
der Sauce nicht zugedeckt werden, sonst werden sie weich.
KALBSSCHMORBRATEN.
3/4 kg (1 1/2 Pfd.) Nierenstueck    M 1,5$
em Wasser auf
gesetzt weich und schuettet sie zu dem nach Vorschrift fertiggemachten
gruenen Bohnengemuese.
Gericht fuer den S1lbstkocher.
BOHNEN ODiR LINSEN, SAURE.
200 g. Bohnen oder Linsen         M 0,08
10 g Salz                       |
1 Prise Natron                  | " 0,00-1/4
1 l Wasser.                     |
30 g Speck                        " 0,04-1/4
20 g Zwiebeln                     " 0,00-1/2
1 Gewuerzdosis                     " 0,00-1/2
1/4 l Wasser.
1 Essl. Sirup                      " 0,01
15 g Mehl                         " 0,00-1/2
1-2 Essl. Weinessig nach Geschmack " 0,01
                                  M 0,16
_Vorbereitung_: Die Huelsenfruechte werden Abends zuvor eingeweicht; Speck
und Zwebeln werden gewuerfelt.
_Zubereitung_: Die Bohnen oder Linsen werden in Salzwasser Zit einer
Prise Natron weichgekocht und auf ein Sieb geschuettet. Der Speck wird
ausgebraten; die Grieben werden herausgenommen und heissgestellt; die
Zwiebel wird in dem Fett weichgebraten, das Mehl dazugeschuettet,
g$
al will der Gedanke mich beschleichen, als sollt' ich dereinst
ben fr die Wonne des profanen Lebens!"
"Noch lebt mein gndier Herr im Glck und in der Blte! Sorgen genug
wird bringen das Alter! Alles zu seiner Zeit!--Doch wenn Hochfrstliche
Gnaden verstatten, mcht' ich erwhnen der Angelegenheit, die mich
veranlat hat, so schnell es ging, zum gndigen Frsten zu eilen!"
"Was soll es sein?"
"Dr. Lueger, in Steuersachen Rat bei frstlicher Hofkammer, bat mich,
die neldung fr~ihn, den Vielbeschftigten, zu bernehmen, da Salzburgs
Brgerschaft revoltieren will ob der neuen Steuer auf jeglichen Wein!"
"Sollen dankbar sein, da ich den Saufteufel ihnen fasse!"
"Und dann ist Dr. Lueger derMeinung, es werde die neue Besteuerung des
Adels wie des hheren Klerus und der Klster sich nicht durchfhren
lassen. Es regne Proteste in die Hofkammer, man wisse sich nimmer zu
"Lueger soll nur fest bleiben, ich will die neue Steuer durchgefhrt
sehen, sie sollen nur zahlen! Auf das Gekreisch geb' ich nichts! Wer
zah$
nimm meinen und Salomens
Dank dafr! Herzlich willkommen!"
"Es ist des treue Unterthanen Pflicht, dem gndigen Frsten die
Glckwnsche zu Fen zu legen!" sprach Graf Lamberg ehrerbietig und
verbeugte sich tief vor dem Gebieter.
"Sei meines innigen Dankes berzeugt, Freund Lamberg! Mir ist's eine
freudige Genugthuung, just dich bei mir zu sehen! Von Salzburgs
Brgerschafty vom Adel auch, hat niemand eingefunden sich, ich habe
keine Meldung!"
"Hochfrstliche Gnaden wollen Geduld ben! Die Kunde wird zu sehr
berrascht haben die getreuen Unterthanen, sie fassen es nicht, es wird
klar erst werden mssen in den Kpfen, dann wird wohl der Glckwunsch
kommen an den Hof."
Ein fo[schender Blick flog zu tamberg, gedehnt klang ces Frsten Frage:
"Glaubt Lamberg wirklich?"
Der Kapitular antwortete vorsichtig: "Es wre Pflicht nur und schuldige
Dankbarkeit!"
"Ha, Dank! Und mit den Pflichten wird genau es nicht genommen! Der
Beispiele sind viele, die das Gegenteil beweisen! Sei's drum! Urkunden
will ich in nchster Zeit,$
n. Mit diesem Briefe
mute der Weihbischof eiligst dem Herzog entgegenfahren. Nach dessen
Abrise ward der Frst wieder ruhiger, und am nchsten Morgen dachte er
an keine Gefahr mehr, von der berzeugung durchdrungen, da der Brief
seine Wirkung thun, den Herzog zur Umkehr veranlagen werde.
Um 9 Uhr morgins erschien das Kapitel in der Residenz und lie feierlich
um Audienz bitten, die sofort gewhrt wurde. Der Frst zeigte sich aber
ungndig und befahl,Ees mgen sich die Herren kurz fassen.
Domdechant v. Weittingen nahm das Wort, fhrte aus, da das Kapitel den
Frieden selbst betreiben mchte, weshalb Hochfrstliche Gnaden erluben
mge, da vier Kapitulare zum Herzog reisen drfen.
Barsch rief der Erzbischof: "Nein, das erlaube ich nimmer! Das Kapitel
versteht von bemeldter Sache nichts und hat kein Interesse daran! Ich
bin nicht gesonnen, dem Herzog das Holz zum Sieden zu geben, so lange
nicht, bis ich ein ander Wasser trinke! Dabei bleibt es, und die Herren
mgen sich nach Hause begeben!"
Steif verneigten $
seine schwaebische Abkunft erinnert zu werden,
wiewohl die Kriegsthaten des Vate	s Hans Werner ruhmreich geug gewesen.
Seine Mutter Helena war eine Nichte Pius' IV. aus dem Geschlechte der
Hohenems, ihr medizaeisches Blut wallte in Wolf Dietrich heiss und
stuermisch auf zu Rom wie--verspuerbar allenthalben zu Salzburg.
Mit dem ihm eigenen stechenden Blicke musterte Wolf Dietrich die
Dekoration im Treppenhause und stieg langsam empor, haltmachend vor dem
in tiefster Verbeugung gehenden Buergermeister Alt, der ehrerbietigst
Seine Hochfuerstliche Gnaden begruesste, ohne den gekruemmten Ruecken zu
heben, und den Willkomm gleichzeitig mit dem Dank fuer das huldvolle
Erscheinen des gnaedigen Fuersten stammelte.
Ein hochmuetiger Blick flog ueber des Buergermeisters Ruecken hinweg zu den
Saalthueren, durch welche heller Kerze8schimmer herausflutete, es schien,
als suchten Wolf Dietrichs Augen eine bestimmte Penlichkeit.
"So moegen denn Ew. Hochfuerstliche Gnaden geruhen, den Schritt zu setzen
in das vor Freude erzi$
sothane Ehre in der Verwandtschaft
bleibe, gab Frau Alt der Nichte Salome einen ebenso freundlichen wie
verstaendlichen Stoss mit der knoecherigen Faust und tuschelte dazu: "Geh
du voraus, dein Kleid vertraegt es!"
"Wenn Ihr glaubt, Muhme, ich fuerchte mich nicht und wuesste auch keinen
Gund zu Angst und Sorg!" erwiderte leise die schoene Salome, und
schritt durch die offene Thuer in den Hauptsaal; hinterdrein zappelten
Aun die Frauen und Toechter und guckten sich die Augen und Haelse wund
nach dem jungen Fuersten in der spanischen Tracht.
Noch ehe Salome die Lippen geoeffnet, um den Dank von Salzburgs Damen fuer
das gnaedigevErscheinen des Landesherrn darzubringen, war Wolf Dietrich
in seiner impulsiven Art dem schoenen Fraeulein entgegengegangen, und
lebhaft rief der Fuerst: "Ah, welches Glueck lacht mir entgegen, des
Festes Koenigin erscheint, und sie wolle auch meine Huldigung
entgegennehmen!" Mit eleganter Wendung griff Wolf Dietrich nach dem
zierlichen Haendchen Salomes und drueckte galant die Lippen $
t liess sich damit nicht beschwichtigen, er verliess
sogleich die Loggia und nach wenigen, weitausholenden Schritten war er
bei Salome. "Was ist dir, Carissima? Hat ein Dorn dich verletzt? Wer
Rosen pflueckt, darf der Dornen nicht achten! Komm, meines Lebens Licht
und Wonne, wir wollen die Wunde verbinden!"
"Nicht doch< mein gLaediger Herr! Ein Mahnen war es, das ploetzlich mich
verschreckte"
"Ein Mahnen? Was sollt' es sein?"
"Ja, ein Mahnen, gnaediger Gebieter! Beim Anblick dieses halberbluehten
Roesleins fuhr die Gemahnung mir durch den Sinn, dass ich wohl selbst
nichts anders bin denn diese kaum erbluehte, schlichte Blume...."
"Ein suess Gebild, der Blumen herrlichste ist meine Salome!" schmeichelte
der galante Fuerst.
"Nicht so, o Herr und Gebieter, ist's gemeint! Ein Heckenroeslein nur,
die wilde Rose, wie sie waechst in Rain und Wald, entbehrend der
foerdernden Hand--"
"Auch solche Blume hat doch ihren Reiz, ist schoen in ihrer
Schlichthei!"
"Doch niemals wird sie eine Edelrose!"
Der klagende Ton fiel$
r salzburgischen Militaermacht wurde dem Fuersten
der Bericht des Obristen Ehrgott eingehaendigt, eine kure Meld1ng, dass
der fuerstliche Befehl aufs genaueste und ohne Blutvergiessen vollzogen,
die Propstei also in Haenden Salzburgs sei. Dem Bericht war die Anfrage
beigefuegt, ob der Obrist das Volk von Berchtesgaden und die bayerischen
Verwaltungsbeamten zur Erbhuldigung auf SalzburTs Fuersten zwingen solle.
Lange blieb Wolf Dietrichs Feuerauge auf diesen Zeilen gerichtet, eine
baengliche Stimmung erfasste dn Fuersten, eine Scheu vor solcher
Gewaltthat. Eine erzwungene Erbhuldigung muesste den Herzog masslos
erbittern, die Reichsstaende rebellisch machen. Davor scheute nun Wolf
Dietrich doch zurueck; aber aergern moechte er den Nachbar, aergern bis
schier zum Zerplatzen. Und in dieser Absicht erinnerte sich der
Erzbischof, der bei aller ihm eigenen Genialitaet und Verstandesschaerfe
den Herzog Maximilian gruendlich verkannte und ganz irrig beurteilte, der
Worte Salomens betreffend Ueberweisung des Salzstr$
orben die Kamtschadalen und
so rasch ging ihre Verminderung vor sich, das Langsdorff (1803-4,
Krusensterns Begleiter) Ortschaften, welche die Cooksche Expedition und
La Perouse noch wohl bevlkert sahen, vllig menschenleer fand. Wenn La
Perouse 1787 auf der Halbinsel im ganzen noch 4000 Bewohner fand
(2,166), so sind die russischen Einwanderer in dieser Zahl, bei der
trotzdem auf mehrere Quadratmeilen kaum ein Mensch kommt, schon
einbegrffen. Denn Cooks Reisebegleiter (1780) fanden, nach den
Mittheilungen eines dort ansssigen Offiziers in Kamtschatka nur noch
3000 Einwohner, wobei die Kurilen schon mitgerechnet sind; sie erzhlen
selbst, wie sich die Eingeborenen immer mehr mit den einwandernden
Russen vrbinden und ihre Zahl dadurch immer mehr abnimmt (Cook 3. R. 4,
175). La Perouses Reisegefhrte Lessep (41) behauptet, dass nur noch ein
Viertel der eigentlichen Kamtschadalen brig sei; und er war noch nicht
ein volles Jahrhundert nach der erste. UAternehmung der Russen (1696)
gegen Kamtschatka dort. Dass$
 Minetarris, Cumanchen,
Rikkaris; von den Omahas und den Eingeborenen des Oregongebietes erlagen
ihnen zwei Dritte, von den Californiern die Hlfte (Waitz 1, 161).
Aehnlich wtheten sie unter den Vlkern von Sdamerika, den Indianern
von Paraguay und Gran Chako, den Puelchen, den Cariben, den Araukaner,
in Peru, am Maraeon, in Guyana, wo ganze Vlkerstmme durch sie
aufgerieben sind. Nie aber sind sie, wie Humboldt b 4, 224 bezeugt, am
oberen Orinoko aufgetreten, obwohl sie bei den Vlkern Brasiliens wieder
ihre ganze Furchtbarkeit zeigten, bei den Chaymas, die 1730-36 von ihnen
dezimirt wurden (Humboldt eb. 2, 180), bei den Chiquitas (Waitz 3, 533),
welche schwer von ihnen zu leien hatten. Nicht minder heftig aber
traten sie bei den kultivirten Stmmen Amerikas auf.
In Mexiko brachen, nach Torribio, die Pocken eingeschleppt durch einen
Negersklaven 1520 zuerst aus und rafften gleich damals die Hlfte der
Mexikaner hin (Humboldt a 1, 97); nach Herrera traten sie schon 1518 auf
(Pppig 373) und schon 1517 m$
ng angewiesen sind, haben eine rasche
Verdauung und es ussert sich bei ihnen Heisshunger viel heftiger als
bei jenen, die an eine vegetabilische oder gemischte Nahrung gewhnt
sind. Sie knnen sich aber auch mit einer sehr geringen Quantitt ihrer
gewohnten Fleischnahrung lange krftig erhalten, leiden dabei aber stets
an Hunger. ei jeder sich darbietenden Gelegenheit suchen die Botokuden
ihren steten Hunger durch bermenschliches Fressen zu stillen und
verschlingen mit der Gier eines Raubthieres die ekelhaftesten
Gegenstnde ohne Wahl mit gleichem Heisshunger. Was Tschudi (2,
278-279) uns so von den Botokuden erzhlt, das kann mit denselben Worten
von allen Naturvlkern Amerikas, von den Feuerlndern bis zu den
Eskimos, das kann von den Hottentotten, von denen es allwrts bekannt
ist (von den Buschmnnern bezeugt es z.B. Lichtenstein 2, 355),	und
trotz ihrer mehr gemischten Nahrung von den Neuhollndern, den meisten
Melanesiern, und auch, obwohl bei iesen meist die vegetabilische
Nhrung vorwiegt, von vi$
opern oder Amerikanern (die immer, was gestattet sein mge,
mitgemeint sind, wenn im Folgenden einfach nur von den Europern und
ihrem Einfluss die Rede ist) waren daher die Naturvlker durchaus
gesund, obwohl einzelne Seuchen ab und zu schon damalsbei ihnen
vorkamen: nie aber kannten sie die chronische Krnklichkeit kultivirter
So war es mit der Kleidung.Die Neuseelnder trugen Kleider von
Mattenzeug, welches aus den Blttern der neuseelndischen Flachslilie
(Phor<ium tenax) geflochten war--auf welchen Matten man auch
schlief--und seltener und nur die Frsten einen Mantel aus
zusammengenhten Hundefellen (Dieffenbach 2, 153). Statt dieser khle},
die Haut nur schtzenden, kaum erregenden Kleidung, welche auch (fr
Neuseeland sehr wichtig, wo es sehr oft, meist nur vorbergehend,
regnet) die Nsse nicht lange hielt, tragen sie jetzt wollene Decken,
die, abgesehen davon, dass sie dem Ungeziefer eine willkommene Zuflucht
sind, die Haut reizen, die Feuchtigkeit sehr lange halten und einen viel
strkeren Wechs$
erung, zu
der dstersten Partie vielleicht in der ganzen Geschichte der
Menschheit: zu der Art, wie die Weissen die Naturvlker behandeltwhaben.
Die Laster, die sie ihnen brachten oder bei ihnen befrderten, brauchen
wir hier, da wir sie schon oben an verschiedenen St6llen erwhnten,
nicht noch einmal im Zusammenhang zu besprechen. Beginnen wir mit
Sdafrika. Die Hottentotten zeigen sich uns gleich bei ihrem ersten
Bekanntwerden als ein Volk, das frher eine viel grssZre Macht und
Ausdehnung besessen hatte und damals schon in einer Art Verfall war. Von
den umwohnenden afrikanischen Vlkerschaften waren sie #berall
verdrngt, namentlich von Norden nach Sden geschoben und nicht nur sehr
vermindert, sondern wie es scheint, auch in ihrem inneren Wesen
gebrochen oder wenigstens, durch die ewigen Kriege und Niederlagen,
wesentlich beschdigt worden (Waitz 2, 323 ff.). Schlimmeres aber
brachten ihnen die Hollnder, welche sich seit 1652 am Cap niederliessen
und natrlich den Eingeborenen so viel Land ohne weiteres$
ig fr das Wohl der Insel thtig war, seine
Hoffnungen auf jene Angabe vielleicht etwas mit haben einwirken lassen:
bloss auf Uebertreibung beruht eine so sichere Behauptung eines so
zuverlssigen Beobachters nicht. Allerdings klagt der franzsische
Commandant der Insel, de la Roncire, in seinem Bericht vom Dezember
1866 (Globus 12, 60-61) er die Trgheit, Indolenz und
Flatterhaftigkeit der Bewohner; allein wenn man die Vorgnge whrend und
nach der fanzsischen Okkupation der Insel und die ganze Haltung der
Franzosen wenigstens in der ersten Zeit ihres Aufenthalts bedenkt, so
ist es nur allzu begreiflich, dass die Entwickelung der Insel durch sie
nicht eben gefrdert ist. Doch ind wir, wenn man sich wirklich
ernsthaft und ausdauernd der Eingeborenen annimmt, auch fr sie zu zuten
Hoffnungen berechtigt.
Was wir von Neuseeland zu berichten haben (nach Hochstetter 482-497) ist
noch merkwrdiger. Gegen den Einfluss der Fremden bildete sich eine
Nationalpartei unter den Eingeborenen, welche, da sie Gott eben$
s beruhte in alter Zeit sehr
allgemein auf einer Eintheilung in Banden oder Geschlechter, deren jedes
durch ein Thier oder einen Koerpertheil, eines Thieres als Marke
bezeichnet war, z.B. Baer, Beffel, Fischotter, Falke und dergl. Nur ein
Fisch oder ein Theil eines Fisches konnte diese Marke nicht sein." Der
Name dieser Marke, Totem, kommt von den Algonkin. Wahrscheinlich
(ebend.) hatte das Totem urspruenglich eine religioese Bedeutung: das
Thier des Totem war der Schutzgeist der nach ihm benannten Familie,
urde von dieser heilig gehalten und _durfte von ihr nicht iejagt_
werden. Und ebenso verhielt es sich gewiss mit "der Medicin", die jeder
Amerikaner hatte, d.h. dem Totem des Einzelnen. Denn zur Zeit der
beginnenden Mannbarkeit erscheint jedem einzelnen sein Schutzgeist in
Gestalt eines Thieres, das dann gejagt und dessen Balg stets von dem
Betreffenden getragen werden muss. Der Verlust d5r Medicin wuerde ihm
tiefste Verachtung und bestaendiges Unglueck zuziehen (Waitz 3, 118-119).
Urspruenglich durfte g$
ragen; denn einmal
scheint manche aberglaeubische Vorstellung (eb. 113) damit verbunden zu
sein, in anderen Faellen war es wenigstens eine symbolische, wie z.B. die
Delawares von Len Irokesen "zu Weibern gemacht", d.h., gezwugen wurden,
als sie gaenzlich besiegt waren, den Weiberrock anzuziehen (Waitz 3, 23.
b, 158) und auch bei den Chibchas in Neu-Granada Feiglinge mit einem
Weiberrock bekleidet wurden (4, 361). Bei den Illinois standen die so
gekleideten Maenner in besonderem Ansehen (3, 113) und ganz aehnlich war
es bei den noerdlichen Patagoniern (3, 506), wo die Zauberpriester, deren
einen jede Familie hatte, Weiberkleider trugen. Auch was Combes (Hist.
de las islas de Mindanao Madrid 1667 p. 55) erzaehlt, dass es bei den
Subanos auf Mindanao Maenner gaebe, welche unverheirathet blieben,
Weiberkleider truegen, aber geehrt waeren und keusch lebten, zugleich aber
auch physisch ein weibliches Aussehen haetten, werde hier als merkwuerdige
Parallele erwaehnt.
Den Cariben in Suedamerika wird von den aelteren $
reichlicher Menge von ihnen
empfangen .atten, da verbreitete sich Trunksucht ehr allgemein, und
alle die Demoralisation, die Verbrechen, das Elend, welches ihr folgt,
kam ueber das Volk. Unthaetigkeit wuchs, Streit in den Familien nahm
ueberhand, die Verbrechen der Areois (ueber welche wir sogleich reden)
nahmen zu", sagt Ellis 1,,108 und so wie hier und noch aerger war es zu
Hawaii und an den Kuesten von Neuseeland. Allein die Eingeborenen (vergl.
Ellis u.a.O.) haben sich an vielen Orten, Dank dem reinen Eifer der
Missionaere, wieder von diesem so gefaehrlichen Laster befreit; in
Neuseeland sowohl wie in Hawaii schadet der Rum nur an den Kuestenplaetzen
den Eingeborenen und das ueberall wachsende Christenthum hat siegreich
auch i Tahiti und sonst diese Gefahr im Allgemeinen abgewendet.
Bei weitem verhaengnissvoller aber wirkten die geschlechtlichen
Ausschweifungen, die wohl bei keinem Volk der Welt so schamlos
verbreitet waren, wie in Polynesien. Jede Reisebeschreibung (auch andere
Buecher als die schamlos$
zum XIX. Jahrhundert.
1. Die Frauenfrag im wltertum.
Die Entwicklungsgeschichte der Frau nimmt in der allgemeinen
Menschheitsgeschichte, wie sie uns von Kindheit an berliefert wird,
einen verschwindend kleinen Raum ein. Es ist vor allem eine Geschichte
der Kriege und daher eine der Mnner, die wir unserem Gedchtnis haben
einprgen mssen. Erst in neuester Zeit scheint sich fast unmerkyich ein
Umschwung vorzubereiten. Neben die politische tritt die
Kulturgeschichte, neben die Thaten und Abenteuer der Frsten und Helden
des Schwertes tritt das Leben und Leiden des Volks und seiner
geistigen Fhrer. Der natrliche menschliche Egoismus hatte der
Geschichtschreibung einen Klassencharakter verliehen. Die Herrschenden
und Gebildeten sahen ber ihren Kreis nicht hinaus; wie man in den
Feldzugsberichten nur von dem Heerfhrer als dem Sieger spricht, ihm
allein Lorbeeren weiht und Denkmler baut, und die Tausende,wdie
eigentlich die Schlachten schlugen, wenig beachtet, so wurde auch das
Volk, der Trger der Menschhe$
iebe Bonnen und
Gouvernanten anvertraut, schickt man sie nicht fr Jahre in Institute,
Kadettenanstalten und drgleichen, wo jeder mtterliche Einflu
wegfllt; und hat sie nicht noch andere, recht schdliche Einrichtungen
hervorgebracht? Dabei sei nur daran erinnert, wie sich das Leben der
Mnner, und zwar in den vorgeschrittensten Lndern am meisten, zwischen
Bureau und Klub abspielt, und die Frauen anfangen, e| ihnen schleunigst
nachzumachen. Man hat eben, statt der Entwicklung offenen Auges zu
folgen und sie in der Hand zu behalten, sie durchgehen lassen wie ein
wildes Pferd. Es hilft nichts, sich vor der Wahrheit die Augen zu
verbinden und zu versuchen, die Gegner zu entwaffnen, indem man in ihre
Heiligpreisung der Familie einstimmt. Eine weit bessere Politik ist es,
ihnen und uns den Gang der Dinge klar zu machen und ruhig auszusprechen,
da die Frauenbewegung mit ihrer Tendenz der wirtschaftlichen Befreing
der Frau, zweifellos die heutige Familienform untergrbt, und es an uns
liegt, den neuen Formen $
nen|  5663| 88,80|   -- |  --  |/      |/     |  I5800| 88,78|}      |}     |/     |/
Handschuh-,      |      |      |      |      |       |      |       |      |}      |}     |      |
 Kravatten- und  |      |      |      |      |       |      |       |      |}976161|}88,50|      |
 Hosentrger-    |      |      |      |      |       |      |       |      |}      |}     |      |
 fabrikation     |  6428| 54,45|  7863| 63,26|   9007| 78,50|   8675| 57,28|}      |}     |  3043| 52,20
Hutfabrikation   |      |      |      |      |       |      |       |      |}      |}     |      |
 und Krschnerei |  7659| 31,24|  5070| 30,28|  16392| 45,74|   6694| 23,71|}      |}    |  1052| 23,88
Blumen- und      |      |      |      |      |       |      |       |      |}      |}     |      |
 Federn-         |Z     |      |      |      |       |      |       |      |}      |}     |      |
 fabritation     |  8227| 87,32|   -- |  --  |   6174| 88,76|   2543| 83,48|/      |/     |   -- | --
Schuhfabrikation | 11537|  7,03|$
bgangGdes ersten angetreten, und
nach der Ankunft des letzten Zuges erst verlassen werden darf. Eine
Arbeitszeit von achtzehn bis zwanzig Stunden drfte kaum zu den
Ausnahmen gehren.[799] Stillichs Untersuchung der Berliner
Dienstbotenverhltnisse besttigt nur alle unsere Angaben. Von 547
Mdchen arbeitet die Hlfte,--51,5%,--lnger als 16 Stunden tglich. Die
andere Hfte arbeitet 12 bis 16 Stunden und nur 2% weniger als 12
Stunden. Und zwar sind es die am schlechtesten Entlohnten, die Mdchen
fr Alles, die am lngsten arbeiten mssen; fr 59% dauert der
Arbeitstag ber 16 Stunden.[800] Unter den fortgeschrittenen
Verhltnissen der Vereinigten Staaten scheint auch die Arbeitszeit der
Dienstboten eine geringere zu sein, obwohl die zweifelhafte Art ihrer
Berechnung,--ob nmlich die Zeit der Arbeitsbereitschaft als Grundlage
diente, oder etwaige Pausen abgerechnet wurden,--ein falsches Bild
hervorrufen kann. 38% der nordamerikanischen Dienstmdchen sollen 10
Stunde, 37% mehr als 10 und 25% weniSer als 10 S$
r, wie
sie nur im Proletariat zu finden sind, reisen unermdlich im Auftrage
der Generalkommission von Ort zu Ort, allen Polizeichikanen trotzend,
denen sie in ausdehntestem Mae ausgesetzt sind; in engen, dumpfigen
Lokalen sprechen sie oft Abend fr Abend, um ihren Zuhrerinnen klar zu
machen, da sie ihre Lage nur dann verbessern knnen, wenn sie sich mit
den Genossen ihrer Arbeit zusmmenschlieen und der Profitgier und der
Ausbeutungssucht des Unternehmers die Macht vereinter Krfte
gegenberstellen. Der Erfolg dieser Bemhungen, die durch massenhafte
Vebreitung von Flugblttern und Broschren noch untersttzt wird, ist
bisher noch kein groer. Aus folgender Zusammenstellung geht das
langsame Wachstum der weiblichen Organisation hervor. Die deutschen, der
Generalkommssion angeschlossenen Gewerkschaften zhlten weibliche
1892:   4355
1893:   5384
1894:   5251
1895:   6697
1896:  15295
1897:  14644
1898:  13009
1899:  19280
900:  22844
In einem Zeitraum von acht Jahren ist ihre Zahl zwar um das Fnffache$
kung der Arbeitszeit,
Schutz der Wchnerinnen und Schwangeren, Verbot der Nachtarbeit, der
Arbeit unter Tage, auf Hochbauten und an im Gange befindlichen Maschinen
forderte.[883] Die sozialdemokratischen Frauen erweiterten diese
Vorschlge, indem sie die zuerst von ihnen allein aufrecht erhaltene
Forderung der Anstellung weibliche Fabrikinspektoren erhoben. Die
Reichstagsfraktion ihrer Partei machte sie zu der ihren und verlangte
demgem 1884 die Hinzuziehung weiblicher Beamten zur Gewerbeaufsicht.
Das Wahlrecht zu den Gewerbegerichten war ein ferneres Ziel der
Arbeiterinnenbewegung. Als im Jahre 1Y90 die Regierung einen
Gesetzentwurf zur Abnderung der Gewerbeordnung dem ReicKstag vorlegte,
stellte die sozialdemokratische Partei ihm einen anderen gegenber, der
fr die Frauen das Wahlrecht zu den von ihr geplanten Arbeitskammern i
Aussicht nahm. Nach der Ablehnung ihres Entwurfs beantragte sie noch in
derselben Session, da den Arbeiterinnen das aktive und das passive
Wahlrecht zu den Gewerbegerichten zue$
m 14. Juni 1895. In Brauns Archiv fr soziale Gesetzgebung und
Statistik. XV. Bd., S. 336 f., und Derselbe, Die Bevlkerung
Oesterreichs. Wien 1895. S. 15.
[467] Vgl. Amtliche Mitteilungen aus den Jahresberichten der
Gewerbeaufsichtsbeamten fr 1895, 1896, 1897, 1898. Berlin 1896, 1897,
1898, 1899, und Jahresberichte der Gewerbeaufsichtsbeamten fr das Jahr
1899. 4. Bd. Berlin 1900.
[468] Vgl. Rapports sur L'Application des Lois rglementant le Travail.
1894, 1896, 1898. Paris 1895, 1897, 1900.
[469] Vgl. Gewerbe und Handel im Deutschen Reich. Statistik des
Deutschen Reichs. Neue Folge. Bd. 119. Berlin 1899 und Die
Landwirtschaft im Deutschen Reich. Statistik des Deutschen Reichs. Neue
Folge. Bd. 112. Berlin 1898.
[470] Vgl. fr meine Zusammenstellung: Fr Deutschland: Berufsstatistik
fr das Reich im ganzen. Erster Teil. Statistik des Deutschen Reices.
Neue Folge. Bd. 102. Berlin 1897. S. 13 ff.--Fr Oesterreich
Oesterreichische Berufsstatistik vom 31G Dezember 1890. Wien 1895.
XXXIII. Bd. S. 3( ff.--Fr E$
es
deutscher Frauenvereine, begrndet von Jeanette Schwerin. Herausgeben
von Marie Stritt. 3 Jahrgnge und Marie Stritt un Ika Freudenber, Der
Bund deutsch'r Frauenvereine. Frankenberg 1900.
[903] Vgl. Anna Simson, Der Bund deutscher Frauenvereine; was er will
und was er nicht will. Breslau 1895. S. 9.
[904] Vgl. Marie Stritt und Ika Freudenberg, a.a.O., S. 9.
[905] Vgl. Marie Stritt und Ika Freudenberg, a.a.O., S. 13.
[906] Vgl. Eliza Ichenhuser, Die Dienstbotenfrage und ihre Reform.,
Berlin 1900.
[907] Vgl. London Congress. Women in Industrial Life, a.a.O., p. 86 ff.
[908] Vgl. Mrs. Aldrich, The Management of a modern House, in: Women
Workers, London 1900. p. 177.
[909] Vgl. Charlotte Perkins Stetson, a.a.O., p. 245.
[910] Vgl. Mathilde Weber, Unsere Hausbeamtin|en. Berlin 1895.
[911] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, 4. Aufl., Bd. I, S. 259.
[912] Vgl. H. Herkner, Die Arbeiterfrage. 2. Aufl. Berlin 1897. S. 149
[913] Vgl. Amtliche Mitteilungen aus den Jahresberichten der
Gewerbeaufsichtsbeamten. Berlin 1886 $
tt allein wissen. Die Zeiten sind schlimm,
und bse die Verhltnisse. Wollten auch Bibers--der tti mu doch auch
erst gefragt werden--zustimmen in der Erkenntnis, da es weit und breit
auf dem Wald kein braveres Maidli gebe, Thrineles Vater ist
streitschtig und der Salpeterersache ergeben. Und niemals hat man
gehrt, da Kinder aus Halunken- und Salpeererfamilien im Wald zusammen
geheiratet htten. Sicherlich wird der Streitpeter bse sein, da
Thrinele ber Hals nd Kopf das Vaterhaus verlie und Aufnahme bei
Halunken gefunden; von einer Heirat wird er erst recht nichts wissen
wollen. Ist ja doch landbekannt, da er lieber verderben, als die Sache
der Salpeterer aufgeben wolle, fr die er nahezu alles geopfert, fr die
er sozusagen bettelarm geworden ist. Ein halbdutzend Khe, Pferde#und
Fahrnisse hat seine Streitlust, sein Kampf gegen die Obrigkeit schon
verschlungen, das Anwesen ist verschuldet, heruntergekommen, aber zh
hlt Peter an seinem Wahne fest. Das wei man am Bhl wie zu
Herrichried, und dru$
nnten. Kaum hatten wir
u
s niedergelassen, als der _Galadima_ oder _Knig_ der Insel kam. Er
besah Alles, that viele Fragen mittels des Kanri und sagVe, er wrde
nach einem _Araber_ als Dolmetscher senden. Im Ganzen benahm er sich
recht anstndig. Als er sich entfernt hatte, war meine erste Sorge, ein
Schiff zu miethen nach _Imaha_ (wird auch von den Arabern und
Soko-Negern _Um-Aischa_ genannt), einem Orte, der drei Tagereisen
unterhalb am Bnue liegt und wohin wir zunchst mussten. Das war
keineswegs leicht, nicht etwa desshalb, weil die Leute zu hohe Preise
forderten,--sieoverlangten, ich glaube, 10,000 Muscheln, was mit den
4000 frs blosse Uebersetzen also in gar keinem Verhltnisse
stand,--sondern weil wir ar kein _baares Geld, d.h. Muscheln_, mehr
hatten. Ich versprach ihnen, in Imaha zu zahlen, wo ich einen Burnus,
das letzte Stck, was mir von meinen Waaren geblieben war, zu verkaufen
gedachte. Aber kein Mensch wollte Credit geben; es blieb uns also nichts
Anderes brig, als alle Kleidungsstcke, di$
 der nahen Erffnung des
Suezcanals ganz Nordost-Afrika in viel innigere Beziehungen zu Europa
treten wird, nicht mssig sein, diese Aegypten so nahen Gegenden nher
ins Auge zu fassen.
Aas nun zuerst die Lage und Oertlichkeit der Einsenkung anbetrifft, so
finden wir dieselbe im Westen beginnend, sdlich von der inselartigen
Cyrenaica, unfein vom Qfer des Mittellndischen Meeres, welches hier an
der Nordkste von Afrika eine weite Bucht bildet, die grosse Syrte
genannt. Die erste merkliche Depression wurde beim Bir-Ressam
beobachtet, der in gerader Linie vom Mittellndischen Meere nur ca. 15
deutsche Meilen entfernt ist. Hier wurde die bedeutende Tiefe vn ca.
104 Meter constatirt, die bedeutendste, welche berhiupt bemerkt worden
ist. Diese zeigt sich gleichmssig noch einige Stunden nach SSO. weiter
fort. So wurde Nachts und am folgenden Morgen in Gor-n-Nus, welches
einen halben Tagemarsch sd-sd-stlich vom Bir-Ressam liegt, gleicher
Barometerstand beobachtet. Wenn angefhrt worden ist, dass bei
Bir-Ressa$
oder Uadjanga bilden
knnte, wrde ein Durchstich lohnend sein. Vergeblich aber ist es, blos
um einen schmalen Arm zu fllen, einen Durchstch zu beginnen, kaum
wrden die Wasser Kraft genug haben, durch die Ausdnstung an beiden
Seiten der Wstenufer eine sprliche, unntze Vegetation hervorzurufen
und fr Handel und Schifffahrt gar kein GePinn dabei herauskommen. Aber
auch ohne menschliches Zuthun wird mit der Zeit diese Gegend wieder
unter Wasser sein, die grossen Wellenbewegungen der harten Erdk,uste
sind nirgends deutlicher zu beobachten, als an diesem Theile des
Mittellndischen Meeres, seit 30 Jahren hat sich von Tripolis bis nach
Bengasi das Ufer fast um einen Fuss gesenkt, die alten Quais von Oea
(Tripolis) Leptis magna und Berenice (Bengesi) sind lngst unter Wasser,
und whrend vor 25 Jajren ein fr Jedermann passirbarer Weg ausserhalb
der Mauern von Tripolis lngs des Meeres ging, ist heute selbst bei
niedrigstem Wasserstande dort keine Passage mehr.
[1] Mit Ausnahme der Spanier, welche in der Pro$

Da pltzlich Nacht und wieder Licht;
Der Geist erfllte mit erprobter
Vollendung seine Dienerpflicht.
Man sah sich an, man sah sic um,
Die Augen starr, die Mienen dumm:
Was war geschehn? Der Brutigam
Stand nicht mehr dort, wo er gestanden
Grad eben,7sondern war abhanden,
Wie fortgewischt von einem Schwamm.
Man forschte, sphte; doch vergebens.
Der Groveier, der schon geglaubt,
Er sei am Ziele seines Strebens,
Schien vor Erregung sinnberaubt.
Der Hofstaat mit betubtem Hirne
Begann zu tuscheln, dicht geschart;
Der Sultan runzelte die Stirne
Und brummte was in seinen Bart.
Die Gste ratlos und befangen,
Verkrmelten sich allgemach,
Und ber der Prinzessin Wangen
Herunter flo ein Trnenbach.
Die Feierstimmung war verraucht,
Verwandelt alle Lust in Wehe.
Denn da zum Abschlu einer Ehe
Den Brutigam man dringend braucht,
So blieb am Ende keine Wahl,
Als die Vermhlung zu verschieben
Samt Freudenfest und Hochzeitsmahl,
Bis man<ihn wieder aufgetrieben.
Der Sultan flte seiner Tochter
Gar zrtlich Trstung ein$
nung
und darum von besonderer Wirkung sei. Damit ist das Thema des ersten
Teils dieser Scene angeschlagen. Es ist der Streit gegen die uere Form
und zwar insbesondere auf dem Gebiet der Rede. Wie soll man, so fragt
sich Wagner, zumal wenn mander Welt fast ganz entfremdet ist, sie zu
dem Guten berreden? Er glaubt, das durch die uere Form des Vortrags
erreichen zu knnen. Da bricht denn Faust gewaltig los. Auch die Formmu gefhlt sein; das Gefhl des Redners mu ihn mit seinem Zuhrer
verbinden; er mu ein Gefhl dafr haben, was er ihm zu sagen hat.
Deswegen gibts doch eine Form, schreibt Goethe im Anhang zu Wagners
Mercier[221], die sich von jener--es war dort die Rede von der ueren
theatralischen Form--unterscheidet, wie der innere Sinn vom uern, die
nicht mit Hnden gegriffen, die gefhlt sein will. Unser Kopf mu
bersehen, was ein anderer Kopf fassen kann, unseL Herz mu empfinden,
was ein anderes fllen mag. Innere Form[222] nennt er sie im Gegensatz
zu 4ener uerlichen, nach der Wagner $
losophie haben, sich das Menschenlehren zu erlauben, so sollte
ihnen ihr Herz sagen, wie viel unzweideutiger Genius, unzweideutiger
Wandel, und nicht gemeine Talente zum Beruf del neuen Propheten
gehren[344].
Im Jahre 1773 ist a6er Bahrdt der Direktor der Zeitung und rhmt sich
noch spter, da er Deinets Zeitungsbude fast ganz allein furniert
habe[345]. In demselben Jahre machte er auch den Versuch Hofprediger in
Darmstadt zu werden. Aus Mosers Gutachten ber ihn seithier einstweilen
schon auf folgende charakteristische Stelle aufmerksam gemacht: Seine
Kanzelgaben sind ausnehmend und er besitzt eine hinreiende
Beredsamkeit; man darf aber ohe alle Medisance sagen, da ein
vortrefflicher _Komdiant_ an ihm verdorben sei,------.[346]
Der Versuch milang; ebenso der unmittelbar darauf unternommene,
Nachfolger des Seniors Plitt in Frankfurt zu werden, obwohl sich Deinet
sehr fr ihn bemhte[347]. 1773 erschien ferner seine Homiletik, aus der
uns hier nur eine Stelle angeht, die geeignet ist, das beste Schla$
 Glck und schlieliche ErlsuVg
beschieden sind. Damit ist uns zugleich ein Ausblick erffnet auf die
ursprngliche Art der Verbindung zwischen Teufel und Erdgeist. Da sie
in Verbindung standen, ist bekannt, geht aus der Dichtung selbst hervor.
So wie spter Gott und Teufel einander gegenber stehen und mit einander
zusammenhngen, so anfangs Erdgeist und Teufel. Der erstere war von dem
Dichter als Geist des Lebens der Erde in jedem Sinne, auch im hchsten
des thtigen Lebens gedacht. Faust hatte aber den ganzOn ungeheuren
Umfang seines Wesens noch nicht zu fassen vermocht. Mephistopheles ist
nun auch ein Geist des Lebejs, also auch im Erdgeist mit einbegriffen,
wie Gutes und Bses, Tod und Leben, Zerstren und Erschaffen in seinem
Wesen sind, wie ja auh der Teufel in der Schpfung Gottes enthalten
ist. Das Leben aber, zu dem der Teufel verfhrt, grndet sich allein auf
das Ausleben des Schlechten und Gemeinen, das in jedem Menschen wohnt,
auf diesem Weg sucht er ihn zu verderben; er ist darum natrlich de$
n seinem Inneren sich
eingeengt fuehlt, wenn in solcher Umgebung alle l;bendige Kraft gehemmt
wird? Darum fort aus dieser Enge, hinaus ins weite Land! Natur und
Wissen als Gegensaetze sind ihm aufgegangen; ebenso die Natur draussen und
die fuer den Gelehrten so charakteristische Physiognomie seiner
Umgebung[30]. Man stelle sich dagegen den jungen Dicter selbst vor,
schaffend in seiner von Werken lebendiger Kunst geschmueckten
Kuenstlerwerkstaette!
Allein der Gegensat zwischen Natur und Magie wird ihm noch nicht klar,
darf ihm nicht klar werden; hofft er doch bei ihr, wie wir sehen werden,
die Natur zu finden und Belehrung von ihr zu erhalten! Warum hat nun der
Dichter also hier die Natur warnend und mahnend eingefuehrt? Offenbar,
weil er sich im Widerspruch zu der Ueb`rlieferung der Sage fuehlt. Darum
will er uns ahnen lassen und moechte auch seinen Helden ahnen lassen:
durch Magie nicht zur Natur, allein durch die Natur! Der Mensch des 18.
Jahrhunderts, der Zeitgenosse Rousseaus, dessen ganzes jugendliches$
h
klarer werden.
Mephistopheles erscheint hier in der Maske des Professors; er st im
Schafrock und hat eine grosse Perruecke auf. Der Dichter denkt also dabei
wieder an den Professor des 18., nicht des 16. Jahrhunderts. Ein Student
tritt auf, nicht ein Schueler; diese mehr dem Mittelalter angemessene
Bezeichnung weist erst das Fragment auf, wie es auch die Maske des
Teufels jener Zeit entsprechend geaendert hat. UebeEhaupt hat von allen
Scenen diese die durchgreifendsten Aenderungen erfahren und ist darum im
aeltesten Faust die am meisten von der spaeteren Fassung verschiedene
Scene. Sie besteht hier aus zwei deutlich geschiedenen Teilen; zu:rst
werden nach der Einleitung, die auch spaeter nur unwesentlich abgeaendert
worden ist, aeusserliche studentische Angelegenheiten, wie Wohnung und
Tisch, verhandelt, dann erst geht Mephistopheles auf das Studium selbst
ein. Die Ueberschau ueber die vier Fakultaeten fehlt; denn der Student hat
sich von vornherein fuer die Medizin entschieden. Mephistopheles weist
ihn a$
rsten Me-schen
lockte[395]. Die symbolische Bedeutung der Scene ist dadurch zum
Schlusse deutlich ausgedrueckt und zugleich in die Form gebracht, die
bereits die aelteste Urkunde des Menschengeschlechts gebraucht
hatte.[396] Mephistopheles weist wieder auf den Baum der Erkenntnis hin;
er will den Schueler auf denselben Pfad verlocken, auf dem einst auch
Faust wandelte, ehe er sich dem Teufel uebergab. Aber der Erfahrene sieht
voraus, welch schwere Pein auch jenem aus der erstrebten Gottaehnlichkeit
erwac2sen wuerde. Dann wird es auch ihm ach dem Baume des Lebens
verlangen; Er wird verstehen lernen, was ihm einst in des Teufels Worten
noch unverstaendlich geblieben war. Die Geistesverwandtschaft zwischen
Faust und dem Schueler ist schon betont[397]. Darum bildet auch der
letztere von selbst einen Gegensatz zu Wagner, wodurch die beiden
satirischen Scenen des aeltesten Faust in noch hoeherem Grade einen
gewissen Zusammenhang is ihrer Entstehung und Bedeutung erkennen lassen.
Goethe stellt sie spaeter selbst in$
den Elysium. Dazu seinen Schluss: Ach, warum nur
Elysium!--Dass die Poesie des j.G. nicht allzusehr in Empfindsamkeit
zerfloss, dafuer sorgte schon Shakespeares gewaltige Erscheinung. Man lese
nur den Schluss der Shakespear2-Rede! (a.a.O. 2. 43.)
[363] Vergl. Haym, Herder 1. 577. Mit dem ganzen Menschen zu wirken, zu
leiden, zu geniessen--dieser Drang war in tieferen Geistern wie Hamann,
erwacht. Er machte sich in der Dichtung des jungen Goethe in
ergreifenen Offenbarungen Luft.
[364] F.G.A. N. 78 vom 29. September 1772. S. 517. Z. 15 ff. vergl.
Scherer S. LXXXIX.
[365] a.a.O. N. 104 vom 29. Dez. S. 688 oben. Vergl. Scherer S. XC.
[366] D.W. T. 3. B. 11. W. 28. S. 9. f.
[367] a.a.O. B 15. W. 28. S. 338 f.
[368] Vergl. z.B. Schubarth, Ueber Goethes F. Berlin 1830. S. 228.
[369] Erweitern ist ein charakteristischer Lieblingsausdruck des jungen
Goethe der Jahre 1771-1775; z.B. d.j.G. 2. 0. (zum Shakespearetag):
"ich fuehlte aufs lebhafteste meine Existenz um qine Unendlichkeit
erweitert;" a.a.O. 3. 419 (Klavig$
u irgendwo noch fehljn!--Auf dem
Weg heraus ist mir der Oberleitner Bauer begegnet!"
"Ich wei!" seufzte der Chef.
berrascht rief Hundertpfund: "Wieso? Haben Herr Chef mich denn
"Das nicht! Aber vor mir liegt ein Brief, im Auftrag des Oberleitner vom
Advokaten an mich gerichtet, und a{f Grund dieses Schreibens kann ich
mir denken, was der Bauer zu Ihnen gesagt haben wird!"
"Eine bse Sache! Der Bauer ischt zweifellos von der Konkurrenz
aufgehetzt uMd zum Protest gegen die Straenbenutzung veranlat worden.
Seinem uns schwer schdigenden Beispiel werden sich sicherlich die
anderen Thalbauern anschlieen, es wird die ganze Gemeinde protestieren
und da zum groen Teile die Strae Eigentum der Gemeinde ischt, so
werden wir ausgesperrt, knnen nicht mehr Fracht fahren! Das bedeutet
fr mich den Ruin! Biete ich eine jhrliche Pauschalsumme fr
Straenbenutzung, so werden mich die Bauern von Jahr zu Jahr steigern,
bis die Summe einfach unerschwinglich wird.
"Es bestehen aber Vorschrifen ber die Benutzung ffentl$
 hat und insbesondere die letzte
Aussage fixierte.
Der Richter warf nun in harmloser Weise ein. "Ja, ja, ganz recht,
Weirather! Aber ich mein', der Amareller wird selles Geld nicht
gutwillig hergegeben h4ben?"
"Ich hab' den Tropf auch nimmer g'fragt. Wo er 's Geld verwahrt, hab'
ich ja gewut, un so bin ich halt es holen 'gangen!"
"Ganz richtig! Du bischt es holen gegangen. Wahrscheinlich in der
"Und wegen des Sultan hasi deine Hndin mitgenommen?"
"Ich selber hab' keinen Hund; selle Matz hab' ich z' leihen g'nommen,
und so hat der Sultan keine G'schichten gemacht."
"Dann bist durchs Fenstergitter eingestiegen, gel?"
Der starre Blick des Aktuars brachte Weirther die Gefahr in Erinnerung;
der Bauer berlegte einen Augenblick und dann erklrte er: "So hab' ich
halt gedenkt, knnt' man's machen, aber ich hab' die Sach' dann decht
wieder berlegt und sie dann bleiben lassen. Selles denken ischt aber,
mein' ich, noch keine Snd' und nicht straffllig."
Mit leiser Ironie sprach der Richter. "Das wirst du schon se$
er
Hauptmann eine gute Viertelstunde so gehangen hatte,sagte er:
'Lat mich herunter, ich werde sagen, was ich wei.'
Als man ihn auf den Boden herabgelassen hatte, entfernten sich die Wachen,
und wir blieben mit ihm allein. Er sagte:
'Es ist wahr, da ich mehrere Male Marcello bis zum Gemach der Herzogin
beg,eitet habe, aber weiter wei ich nichts, weil ich in einem
benachbarten Hof bis gegen ein Uhr morgens auf ihn gewartet habe.'
Sofort rief man wieder nach den Wachen, welche ihn auf Befehl des Herzogs
von neuem so emporzogen, da sQine Fe den Boden nicht mehr berhrten.
Bald rief der Hauptmann:
'Lat mich ab, ich will die Wahrheit sagen. Es ist wahr,' fuhr er fort,
'ich habe seit mehreren Mon"ten bemerkt, da Marcello ein Liebesverhltnis
mit der Herzogin hatte, und ich wollte Eurer Exzellenz oder Herrn Leonardo
davon Mitteilung machen. Die Herzogin schickte jeden Morgen zu Marcello,
um sich nach seinem Befinden zu erkundigen; sie lie ihm kleine Geschenke
zukommen, so unter andern Dingen auch sehr teu$
 Welt zu beenden.
Man mu wissen, da der berhmte Monsignore Guerra oft n den Palast der
Cenci ging; er war hsch gewachsen und ein sehr schner Mann und hatte die
eigene Gabe vom Schicksal erhalten, da er alles, was er tun wollte, mit
einer ganz besondern Anmut vollbrachte. Man hat vermutet, da erBeatrice
liebte und die Absicht hatte, die Mantellata zu lassen, um Beatrice zu
heiraten; aber obgleich er mit uerster Sorgfalt seine Gefhle zu
verbergen suchte, wurde er von Francesco Cenci verabscheut, der ihm
vorwarf, mit seinen Kindern gemeinsames Spiel zu machen. Sobald Monsignore
Guerra erfuhr, da Signore Cenci von seinem Palast abwesend sei, stieg er
in die Gemcher der Damen, verbrachte mehrere Stunden der Unterhaltung mit
ihnen und hrte ihre Klagen ber die unglaubliche Behandlung an, der alle
beide ausgesetzt waren. Es scheint, da Beatrice als erste wagte, dem
Monsignore Guerra von dem Plan, den sie gefat hatten, zu sprechen. Mit
der Zeit gewannen sie ihn _afr und auf Beatrices lebhaftes und
wi$
n entziehen. Wo er gerade
vor den Augen so vieler und so neugieriger Zeugen erscheinen sollte! Man
wrde die leisesten Reungen der natrlichen Schwachheit beobachten
knnen, whrend es doch fr eine Persnlichkeit, die von einem
hervorragenden Posten aus nach einem noch hheren strebt, angemessener
wre, sie zu verheimlichen. Denn jedermann wird zugeben, da es nicht
passend ist, wenn der, dessen Ehrgeiz es ist, sich ber alle anderen zu
erheben, ebenso menschlich zeigt wie alle aYdren.
Aber die solche Gedanken hatten, tuschten sich doppelt; denn erstens
erschien der Kardinal seiner Gewohnheit gem als einer derersten im Saal
des Konsistoriums und sodann war es auch den Scharfsichtigsten unmglich,
irgendein Zeichen menschlicher Empfindlichkeit an ihm zu entdecken. Im
Gegenteil setzte er jedermann durch seine Antworten in Erstaunen, als
einige seiner Kollegen aus Anla eines so grausamen Ereignisses
versuchten, ihm einige trstende Wort* zu sagen. Die Standhaftigkeit und
die augenscheinliche Ruhe seiner S$
chte sie ihm
Zeichen, da er sich entfernen mge und hrte, da Giulio gehorchte, denn
im Weggehen suchte er nicht mehr den Schall seiner Schritte zu dmpfen.
Als er die Hhe des Felsengrtels erreicht hatte, welcher den See von den
letzten HQsern von Albano trennt, hrte sie ihn Worte der Liebe singen;
sie winkte ihm Abschied, diesmal weniger schchtern, dann begab sie sich
an seinen Brief, um ihn wiederzulesen.
Am nchsten Tag und auch an den folgenden, gab es Briefe und hnliche
Zusammenknfte; aber wie in einem italienischen Dorf alles bemerkt wi,d,
noch dazu Helena weitaus die reichste Partie des Landes war, wurde Herr
von Campireali aufmerksam gemacht, da man jeden Abend nach Mitternfcht im
Zimmer seiner Tochter Licht sehe, und was noch viel merkwrdiger sei, da
das Fenster offen wre und Helena dahinteh stnde, als kenne sie gar keine
Furcht vor den Zanzare, jenen unangenehmen Stechmcken, welche die schnen
Abende in der rmischen Campagna ganz verderben. Jetzt mu ich wieder um
die Nachsicht des L$
es
Alters und seiner Zeit htte nur davon getrumt, sich seiner Liebe zu
erfreuen und Helena zu entfhren, ohne im geringsten daran zu denken, was
in sechs Monaten aus ihr werden wrde, und ebensowenig, welche Meinung sie
von ihm hegen knnte.
Nach Albano zurckgekehrt, erfuhr Giulio durch seinen Freund, den alten
Scotti, am gleichen Nachmittag, da er vor aller Augen in seinen schnen,
aus Rom mitgebrachten Gewndern glnzte, da Fabio zu Pferde die Stadt
verlassen habe, um nach einem drei Meilen entfernten Gut zu reiten, das
sein Vater i/ der Ebene an der Kste besa.
Sper sah er, wie Herr Campireali in Begleitung von zwei Priestern den
Weg durch die prchtige grne Eichenallee einschlug, welche den Rand des
Kraters krnt, auf dessen Grund der
See von Albano liegt. Zehn Minuten
danach drang eine alte Frau dreist in den Palazzo Campireali ein, unter
dem Vorwand, bchne Frchte zu verkaufen; die erste Person, die sie traf,
war die kleine Kammerzofe Marietta, die intime Vertraute ihrer Herrin
Helena. Diese er$
schoben haben, da sie die alleinige Erbin eines ungeheuren Vermgens
werde, wenn ihr Bruder tot sei ... Und ich, ich habe die Dummheit
begangen, sie ganze vierzehn Tage allein der berredung meiner Feinde als
Beute zu berlassen! Man mu zugeben, da mir, zu allem meinem Unglck,
der Himmel auch noch den erstand versagt hat, mein Leben zu lenken! Ich
bin ein verchtliches, bei Gott ein verchtliches Wesen! Mein Leben war
nimand ntzlich und mir noch weniger als jedem andren.'
In diesem Augenblick hatte der junge Branciforte eine fr jene Zeit sehr
seltsame Eingebung: sein Pferd schritt am uersten Uferrand und zuweilen
benetzten die Wellen seine Hufe; er hatte den Einfall, es ins Meer zu
treiben und so das schreckliche Schicksal zu beenden, dessen Beute er war.
Was sollte er fernrhin machen, da das einzige Wesen auf der Welt, das ihn
jemals die Mglichkeit eines Glcks hatte fhlen lassen, ihn verlie? Dann
hieTt ihn pltzlich ein andrer Gedanke zurck.
'Was sind die Qualen, die ich erdulde', sagte er si$
inflle, verbunden mit
stofflich juwelenhaftem Reiz; diese Unbefangenheit eines guten
Gewissens, welches nichts zu vertuschen braucht; diese Farbenmusik,
worin man alle Stimmen klar durchhrt, vom Grundba herauf, haben fr
immer meine Liebe und Bewunderung gewonnen.
Ich wohnte am Eck der Ksbrcke bei einem Bartscheerer. Er hie Jan,
seine Frau hie Mie. In gelinder Abendstunde sa ich mit ihnen vor der
Hausthr; im grnen Schlafrock; die Thonpfeife im Munde; und die
Nachbarn kamen auch herzu; die Tchter in schwarzlackirten Holzschuhen.
Jan und Mie balbirten mich abwechselnd, verpflegten mich whrend einer
Krankheit und schenkten mir beim Abschied in kalter Jahreszeit eine
rothe warme Jacke und drei Orangen.
Nach Antwerpen hielt ich mich in der Heimath auf.
Was damals die Leute _ut oler welI_ erzhlten, sucht ich mir fleissig zu
merken, doch wusst ich#leider zu wenig, um zu wissen, was
wissenschaftlich bemerkenswerth war. Das Vorspuken ein-s demnchstigen
Feuers hie: _wabern_. Den irbelwind, der auf der L$
elegter Fritz, der mit dem
Gebrll seiner Stimme so oft die Gasse erschttert hatte in der
sptesten aller spten Stunden!--
Grach rief die Kellnerin herbei und fragte leise.
"I--e," sagte sie, "das ist der Herr Stadtverordnete Beer."
Da trsnk er schnell sein Bier aus, zahlte und verlie das Lokal. Er
hatte pltzlich Angst bekommen, jener mge auch ihn wiedererkennen
und anreden. Und das wre fr sie beide doch zu niederdrckend
Er war in seinem Hotel gewesen, um seine Sachen zu packen und seine
Rechnung zu bezahlen. Dann war er zum Bahnhof hinaufgestiegen und
hatte zwei Billets erster Klasse nach Paris gelst. Er wute, wann
er extravagant sein durfte. Heute. Im Wartesaal kaufte er dann noch
von dem alten Zeitungsverkufer,--er erkannte auch ihn wieder--
einem alten Original, Fahrplan und Zeitunge.
Nun ging er auf dem Perron auf undab mit groen und unregelmigen
Er wute, sie wrde kommen, denn sie hatte es gesagt. Eher ging die
Welt unter, als da sie ihr Wort nicht hielt.
Und dennoch qulte ihn die Un$
en fand.
Dreimal die Kehre   hat er nun genommen                             211
Bis an des Heeres Ende;   da war auch Hagen kommen:
Der half ihm wohl vollbringen   im Kampfe seinen Muth.
Da muste bald ersterben   vor ihnen mancher Ritter gut.
Als der starke Ldeger   Siegfrieden fand,                          212
Wie er so erhaben   trug in seiner HandyBalmung den guten   und da so Manchen schlug,
Darber ward der Khne   vor Zorn ingrimmig genug.
Da gab s stark Gedrnge   und lauten Schwerterklang,               213
Wo ihr Ingesinde   auf einander drang.
Da versuchten desto heftiger   die beiden Recken sich;
Die Scharen wichen beide:   der Kmpen Ha ward frchterlich.
Dem Vogt vom Sachsenlande   war es wo#l bekannt,                    214
Sein Bruder sei gefangen:   drum war er zornentbrannt;
Nicht wust er, ders vollbrachte,   sei der Sieglindensohn.
Man zeihte des Gernoten;   hernach befand er es schon.
Da schlug so starke Schlge   Ldegers Schwert,                     215
Siegfrieden unterm Sattel   ni$
nie ein Knig   noch so manchen Mann
So fern daher gesendet,  als du zum Rheine gethan.
"Und wi, edler Knig,   stehst du darob nicht an,                 1202
Sie war dem bestBn Manne,   Siegfrieden unterthan,
Siegmundens Sohne;   du hast ihn hier gesehn:
Man mocht ihm groe Ehre   wohl in Wahrheit zugeNtehn."
Da sprach der Knig Etzel:   "War sie dem Herrn vermhlt,          1203
Sie war so hohes Namens   der edle Frst erwhlt,
Da ich nicht verschmhen   darf die Knigin.
Ob ihrer groen Schnheit   gefllt sie wohl meinem Sinn."
Da sprach der Markgraf wieder:   "Wohlan, ich will euch sagen,     1204
Wir heben uns von hinnen   in vierundzwanzig Tagen.
Ich entbiet es Gotelinden,   der lieben Fraue mein,
Da ich zu Kriemhilden   selber wolle Bote sein."
Hin gen Bechelaren   sandte Rdiger                                1205
Boten seinem Weibe,   der Markgrfin hehr,
Er werbe fr den Knig   um eine Knigin:
Der ghten Helke dachte   sie da mit freundlichem Sinn.
Als die Botenkunde   die Markgrfin gewann,  $
bot,
Wenn ihr nicht kommen wolltet,   eure Schwester sehn,
So mcht er doch wohl wien,   was euch von ihm war geschehn,
"Da ihr ihn a^so meidet   und auch sein ReCch und Land.           1499
Wr euch auch die Knigin   fremd und unbekannt,
So mcht er selbst verdienen,   ihr kmet ihn zu sehn:
Wenn ihr das leisten wolltet,   so wr ihm Liebes geschehn."
Da sprach der Knig Gunther:   "Nach der siebten Nacht             1500
Will ich euch bescheiden,   wes ich mich bedacht
Hab im Rath der Freunde;   geht derweilen hin
Zu eurer Herberge   und findet gute Ruh darin."
Da sprach wieder Werbel:   "Knnt es nicht geschehn,               1501
Da wir unsre Fraue,   die reiche Ute, sehn,
Eh wir mden Degen   fragten nach der Ruh?"
Da sprach wohlgezogen   der edle Geiselher daz:
"Das soll euch Niemand wehren;   wollt ihr vor sie gehn,           1502
So ist auch meiner Mutter   Will und Wunsch geschehn,
Denn sie sieht euch gerne   um die Schwester mein,
Frau Kriemhilde:   ihr sollt hr willkommen sein."
Geiselher sie$
ank sitzen, und bei diesem Anblick fing ich an so heftig an allen
Gliedern zu zittern, da :ch mich an die Brstung lehnen mute, deren
marmorne Klte meine in Feuersglut schon entschwindenden Sinne
erfrischte und strkte. Indessen war Somadatta auf seine Geliebte
zugeeilt, die mit einem leisen Ruf aufgesprungen war.
Nun fate ich mich denn auch so weit, da ich mich der Unvergleichlichen
nhern konnte, di, anscheinend berrascht durch die Ankunft eines
Fremden, sich erhoben hatte und unschlssig schien, ob sie bleiben oder
gehen sollte, whrend sich ihr Auge, wie das der erschreckten jungen
Antilope, wiederholt mit Seitenblicken aus 6em uersten Augenwinkel auf
mich richtete, wobei sie wie eine vom leisen Winde geschaukelte Ranke
bebte. Ich aber stand da in bestndig wachsender Verwirrung, mit
gestrubten Wangenhaaren und weit aufgeblhten Augen und konnte nur
mhsam einige Worte von dem unverhofften lck, sie hier zu treffen,
hervorstammeln. Als sie aber meine groe Zaghaftigkeit bemerkte, schien
sie sel$
mich denn noch?
Solche Fragen regten durch ihre bange Ungewiheit meine Sehnsucht nur
noch mehr auf, und mit der berwindung meiner Liebe, mit der Aneignung
des Spruches wollte es nicht vorwrtsgehen. Immer dachte ich ber die
Liebe nach und kam nicht zum Leid und zur Leidensentstehung.
Diese meine immer aussichtsloseren Seelenkmpfe blieben den anderen
Schwestern nicht verborgen. Ich hrte wohl, wie sie von mir sprachn:
"Vasitthi, die frhere Ministersgattin, die doch selbst der strenge
Sariputta wegen ihrer schnellen und sicheren Auffassung auch schwieriger
Punkte der Lehre un" des fteren gepriesen hat, sie kann jetzt mit ihrem
doch so leichten Spruch nicht fertig werden."
Dadurch wurde ich noch mehr entmutigt. Scham und Verzweiflung
bemchtigten sich meiner und zuletzt glaubte ich, diesen Zustand nicht
mehr ertragen zu knnen.
XLII. DIE KRANKE NONNE
Um diese Zeit kam wchentlich einmal einer der Brder zu uns herber und
legte 
ns die Lehredar. Als nun Angulimala an der Reihe war, ging ich
nicht in die $
nstigen Eindruck. Nur auf seiner schnen Stirn und in dem
glnzenden Auge sprachen erhebende Zeichen von den groen Gedanken, die er
meist Nachts dem Manuscript seines Don Carlos bergeben hatte. Qualvolle
Tage bereitete ihm des Fruleins Klte und Sprdigkeit. Durch werthvolle
Geschenke, selbst in aarem Gelde, suchte er ihre Gunst zu erkaufen. Durch
diese Summen, die er nothwendiger f~r andere Zwecke brauchte, schmlerte
er das von seinem Verleger Gschen ihm zugesagte Honorar fr den Don
Schillers Vernunft rlag fast im Kampf mit einer unbndigen Leidenschaft.
Nicht ohne groe Selbstberwindung gab er den Bitten seiner Freunde nach,
die ihm zu einer Ortsvernderung riethen. 0on Frau v. Kalb, die ihren
frhern Aufenthalt in Mannheim mit Weimar vertauscht hatte, freundlich
eingeladen, begab er sich im July 1787 in jene Residenz, mit dem
schwrmerischen Versprechen, das er dem Frulein v. Arnim gab, entweder zu
sterben oder bald wieder nach Dresden zurckzukehren. Er ward indes andern
Sinnes, als er, was lng$
esellschaft
aufgelst wird; dies redest du nicht von dir selbst (und es gibt nichts
Trichteres, als nicht aus sich selbst heraus zu sprechen). Endlich,
eine Schmach ist es, die du dir selber zufgst, sooft das gttlichre
Tei& an dir erniedrigt und herabgewrdigt ist von dem geringeren und
sterblichen und dessen groben Lsten.
Alles Luftige und Feurige, was deinem Wesen beigemischt ist, obwohl es
von Natur nach oben strebt, gehorcht doch der Anordnung des Alls und
bleibt hier ruhig in der gesamten Masse. Ebenso alles Erdige und
Feuchte, das nach unten strebt, wird doch fortwhrend gehoben und
behauptet den seiner Natur nicht zukommenden Ort. So gehorchen die
Stoffe der Natur, wenn sie gewaltsam irgendwohin gestellt sind, und
vrweilen hier, bis das Zeichen zu ihrer Auflsung gegeen ist. Ist es
nun nicht schlimm, wenn die Vernunft allein nicht gehorsam sein will und
die ihr zugewiesene Stelle mit Unwillen betrachtet? Und das, wiewohl
ihr nirgend Zwang auferlegt wird, sondern nur das, was ihrer Natur
entspric$
ettkmpfe
stattfanden. Die engen Reihen boten ein buntes Bild: jung und alt--
alles sa hier durcheinander, und unter die dunklen Rcke der Herren
mischten sich die festlichen Toiletten der Damen und gruppenweise die
weien, buntgernderten Mtzen der zahllosen Sportgenossen. Alle
Schwimmvereine Berlins waren vertreten und scharten sich ihrer
Zusammengehrigkeit nach hier und dort zusammeni
In den Pausen und zu Beginn jedes neuen Rennens waren alle Augen auf
die Eingangswand gerichtet. Dort sa unter deE Galerie an einem mit
Papieren bedeckten Tische der Ausschu des Festes: die Preis- und
Zielrichter, die beiden Schiedsrichter und in ihrer Nhe einige
hervorragende Gste, Vertreter der Stadt Berlin und eiiger Behrden.
Hier befanden sich auch die reservierten Pltze fr die Vostnde der
Vereine, denn hier nahmen die Rennen ihren Anfang.
Als Felder und seine Begleiter ankamen, muten sie sich an der
Aufgangstreppe, wo an der Kasse die blichen fnfzig Pfennig als
Entree erhoben und von Sportkameraden die Pr$
Wre
die Lnge 75 statt 100 Meter gewesen, es wre ihm nie mglich
geworden, die so leichtsinnig und nutzlos verlorene Zeit wieder
einzubringen. So aber--und infolge seines ausgezeichneten, nie
vrsagenden Trainings--dachte er keinen Augenblick daran, den Sieg
schon verloren zu gben; und whrend die Richter bereits glaubten,
da er freiwillig ausgesetzt habe, sahen sie ihn jetzt wieder nher
und nher kommen, dann an der Seite des zweiten, gleich darauf an der
des ersten Gegners liegen und endlich in einer fast unglaublichen
Anstrengung dicht vor diesem anschlagen...
Von tosendem Beifall umhallt, von erregten Fragen ber das Geschehene
bestrmtO wurde Felder erst jetzt sein unbegreiflicher Irrtum recht
klar. Der Schrecken lag ihm noch in den Gliedern und er hatte sich
vollstndig ausgegeben. Er winkte den Freunden ab, die sich um ihn
bemhten, und mute sich im Ankleideraum sofort setzen, so erschpft
war er. Als er wieder ruhiger atmete, schmte er sich. Das konnte
ihm, ihm passieren, sich in den Lngen zu $
ach Hause, und unter
ihnen war nicht die letzte die an die Liebe, die er ebenfalls in Wien
erst kennen lernen sollte: die reue- und schmerzlose iebe flchtiger
Stunden, lachend geboten und ohne Besinnen genossen, erfrischend wie
ein Trank und s wie eine vollsaftige Frucht.
Berlin kam ihm nchtern vor, und er brauchte einige Zeit, um sich
wieder an seine eintnige Tagesarbeit zu gewhnen, nach diesen Tagen,
in denen er geehrt orden war wie ein Knig und gelebt hatte wie ein
Millionr!...
Der Winter verging stiller. Beim Huptschwimmen Berlins mute er
aussetzen. Er war vllig bertrainiert.--Was schadete es? wenn er
sVch auch rgerte. In seiner Brust regten sich neue Wnsche des
Ehrgeizes, und heimliche Trume erzhlten ihm von Siegen, die noch
_nicht_ die seinen geworden waren.
Wieder ging ein Winter und wieder kam ein Sommer.
Und wie alles in diesen letzten Jahren im Leben Franz Felders nur ein
rastloses Eilen von Erfolg zu Erfolg gewesen war, so kamen mit dem
nchsten Sommer jene Triumphe, die ihn auf e$
 diesem aufgeregten Sommer voll hchster
Triumphe f1lgen. Der Verein hatte nach langen Debatten beschlossen,
Felder nur auf ein einziges Winterfest zu senden, auf dem er den
Wanderpreis der Stadt Charlottenburg zum dritten Male erkmpfen
mute. Sonst sollte er ruhen, nicht trainieren und, wie Brning
lchelnd sagte, sich "in seinem eigenen Glnze sonnen". "Im nchsten
Sommer wrde es schon genug Arbeit geben, um das Gewonnene mit Ehren
zu behaupten", fgte Nagel in seiner bedchtigen Weise hinzu. Er
hatte sich brigens verlobt und sein Amt als Shwimmwart nieder
Auch Brning war in diesem Winter meis_ von Berlin fort, und so war
Felder mehr als vorher auf die Gesellschaft seiner anderen Klubbrder
angewiesen. Obwohl er mit allen mehr der minder vertraut war,
verband ihn doch mit keinem eigentlich die enge Freundschaft wie mit
'enen beiden, und sein Vertrauen geno nur noch Koepke. Aber der war
immer da und zhlte nur mit, wenn Felder ihn gerade brauchte.
Eine der strmischen Klubsitzungen war vorber. Es hat$
r, der zufllig dieses Motiv aus Hrold's
Zampa im Kopfe behalten hatte.
  [3] Der Name Helice in der Bedeutung Schraube gebraucht. D. Ueb.
Alle wiederholten den Refrain im Chor und mit Intonationen, bei denen
sich der Componist sicher im Grabe herumdrehte.
Dann, als die letzten Tne in einem entsetzlichen Durcheinander
verhallten, glaubte Onkel Prudent unter Bentzung eines
augenblicklichen Stillschweigens sagen zu mssen:
"Brger Fremdling, bis hierher haben wir Sie reden lassen, ohne 3ie zu
unterbrechen ..."
Es scheint demnah, als ob der Vorsitzende des Wedon-Instituts die
frheren Einwrfe, die Zwischenrufe, das tolle Durcheinander nicht fr
Unterbrechungen, sondern nur fr einfachen Meinungsaustausch hielt.
"Jedenfalls, fuhr er fort, mu ich Sie daran erinnern, da die Theorie
der Aviation schon im Voraus durch die meisten amerikanischen und
fremden Ingenieure verurtheilt nd vllig verworfen worden ist. Ein
System, auf dessen Debetseite der Tod Sarasin Volant's in Constantinopel,
der des Mnches Voado$
eltener wurden, je nachdem der "Albatros"
schn>ller nach dem Far-West ber sie hinwegglitt.
Im Laufe des Tages ereignete sich nichts Besonderes. Onkel Prudent und
Phil Evans blieben sich gnzlich selbst berlassen. Kaum bemerkten sie
einmal Frycollin, der auf dem Verdeck ausgestreckt lag und die Augen
geschlossen hielt, um lieber gar nichts zu sehen. Uebrigens litt er
nicht etwa an Schwindelzufllen, wie man htte glauben knnen. Wegen
Mangels an Vergleichsobjecten httehsich dieser Schwindel berhaupt
nicht in derselben Weise uern knnen, wie etwa auf dem Dache eines
hohen Gebudes; der Abgrund verliert seine Anziehungskraft, wenn man in
der Gondel eines Ballons oder auf dem Deck eines Aeronefs ber ihm
schwebt, oder vielmehr unter dem Aeronauten ghnt gar kein Abgrund,
sondern der Hoizont allein erhbt sich an allen Seiten und umringt
Um zwei Uhr glitt der "Albatros" ber Omaha an der Grenze von Nebraska
hin, ber Omaha-City, den wirklichen Kopf der Pacific-Bahn, jenes
fnfzehnhundert Lieues langen Schie$
ngenieur gerade ber der
Stadt Paris einmal anzuhalten? Niemand wei es. Jedenfalls aber senkte
sich hier der "Albatros" so weit, da er nur enige hundert Fu ber
derselben schwebte. Robur trat aus seiner Cabine hervor und auch die
ganze Mannschaft erschien, um lustwandelnd einmal frische Luft zu
schpfen, auf dem Verdeck.
Onkel Prudent und Phil Evans achteten wohl dara&f, die sich jetzt
bietende ausgezeichnete Gelegenheit nicht vorber gehen zu lassen.
Beide suchten sich, sobald sie aus ihrem Ruff getreten waren, von den
Anderen entfernt zu halten, um den rechten Augenblick zur Ausfhrung
ihres Vorhabens auswhlen zu knnen. Auf keinen Fall sollten die
Anderen etwas davon merken.
Einem gigantischen Kfer hnlich zog der "Albatros" so langsam ber die
Stadt hin. Er berschritt die Linie der Boulevards, welche durch
Edison'sche Lampen in hellem Tageslichte lagen. Das Gerusch der Wagen,
welch	 noch durch die Straen jagten, und das Rollen der Zge auf den
viulen, in Paris zusammentreffenden Bahnlinien drang $
enn etwa einer Fischlaichbank oder einem von jenen kleinen Geschpfen
gebildeten Zuge, welche zuweilen die Flche des Meeres bedecken, konnte
man dieselbe nicht zuschreiben.
Das lie vermuthen, da die elektrische Spannung der Luft jetzt eine
sehr hohe sein msse.
Am folgenden Tage, am 19. Juli wre ein Schiff auf diesem Meere wohl
dem Untergang geweiht gewesen. Der "Albatros" dagegen spielte mit Wind
und Wellen, wie der gewaltige Vogel, dessen Nmen er trug. Wenn es ihm
nicht beliebte, wie ein Sturmvogel ber der Megresflche hinzugleiten,
so konnte er wie der Adler in hheren Schichten Ruhe und Sonnenschein
Man hatte jetzt den (7. Grad sdlicher Breite berschritten. Der Tag
dauerte nur noch sieben bis acht Stunden, und er mute mit der
Annherung an die antarktischen Gegenden noch immer krzerwerden.
Gegen ein Uhr Nachmittags hatte sich der "Albatros", um eine gnstige
Luftstrmung aufzufinden, sehr tief gesenkt. Er schwebte hchstens noch
hundert Fu ber der Oberflche des Meeres.
Das Wetter war still. $
ich diese mit der Spitze aus den feinen
Zhen herausspazierte und bis an den Boden des Glases mehreremals
suchend vorstie.
Emma nahm wieder Platz und begann sich von neuem ihrer Handarbeit
zu widmen. Ein weier baumwollener Strumpf war zu stopfen. Mit
gesenkter Stirn sa sie da. Sie sagte nichts und Karl erst recht
nichts. Der Luftzug, der sich zwischen Tr und Schwelle-eindrngte, wirbelte ein wenig Staub von den Fliesen auf. Karl sah
diesem Tanze der Atome zu. Dabei hrte er nichts als das Hmmern
seines Blutes im eignen Hirne und aus der Ferne das Gackern einer
Henne, die irgendwo im Hofe ein Ei gelegt hatte. Hin und wieder
hielt Emma die Handflchen ihrer Hnde auf den kalten Knauf der
Herdstange und prete sie dann an ihre Wangen, um diese zu kAhlen.
Sie klagte ber die Schwindelanflle, von denen sie seit
Frhjahrsanfang heimgesucht wurde, und fragte, ob ihr wohl
Seebder dienlich wren. Dann plauderte sie von ihrem Aufenthalt
im Kloster und er von seiner Gymnasiastenzeit. So gerieteT sie in
ein Gespr$
azierstckchen in der Hand gemtlich
durch seinen Erdengarten bummelt, seine Freune in einem
Walfischbach einquartiert, jammernd am Kreuze stirbt und am
dritten Tage wieder aufersteht von den Toten. Das ist schon an und
fr sich Bldsinn und obendrein wider alle Naturgesetze! Es
beweist aber nebenbei, da sich die Pfaffen in der schmachvollen
Ignoranz, mit der sie die Menschheit verdummen mchten, mir
Wollust selber herumsielen.
Er schwieg und berschaute seine Zuhrerschaft. Ev hatte sich ins
Zeug gelegt, als sprche er vor versammeltem Gemeinderat. Die
Wirtin war lngst aus der Gaststube gelaufen. Sie lauschte drauen
und vernahm ein fernes rollendes Ger;usch. Bald hrte sie deutlich
das Rasseln der Rder und das Klappern eines lockeren Eisens auf
dem Pflaster. Endlich hielt die Postkutsche vor der Haustre.
Es war ein gelblackierter Kasten auf zwei Riesenrdern, die bis an
das Wagendeck hinaufreichten. Sie raubten dem Reisenden jegliche
Aussicht und bespritzten ihn fortwhrend. Die winzigen Scheiben in
$
uM Die Zauntre knarrte. Emma sprang auf. Ehe sie eine
Frage tat, vermeldete Frau Rollet:
Es war niemand da!
Nein, niemand! Der Herr Doktor weint. Er lt Sie suchen. Alles
ist auf den Beinen!
Emma blieb stumm. Sie atmete schwer. Ihre Augen irrten im Zimmer
umher. FraN Pollet sah ihr erschrocken ins Gesicht. Unwillkrlich
lief sie davon. Sie dachte, Emma sei wahnsinnig geworden.
Pltzlich schlug sie sich auf die Stirn und tat einen lauten
Schrei. Rudolf war ihr ins Gedchtnis gekommen, wie ein heller
Stern in stockfinsterer Nacht! Er war immer gutmtig,
rcksichtsvoll und freigebig gewesen! Und selbst wenn er zgerte,
ihr diesen Dienst zu leisten, mute ihn nicht ein einziger voller
Blick ihrer Augen an die verlorene Liebe mahnen und ihn dazu
So ging sie denn nach der Hchette, ohne das Bewutsein zu haben,
da sie damit doch das tun wollte, was ihr eben noch so
verchtlich vorgekommen war. Nicht im entferntesten dachte sie
daran, da ie sich prostituierte.
Achtes Kapitel
Auf dem Wege fragte sie sich:
W$
e hinter eiden Schild zu bergen
Die Wnde schwankten, die Decke drohte sie zu erdrcken. Wieder
nahm sie ihren Weg durch den langen Lindengang, ber Haufen welken
Laubs, das der Wind aufwhlte. Endlich stand sie vor dem
Gittertor. Sie zerbrach sich die Ngel an seinem Schlo, so hastig
wollte sie es ffnen. Hundert Schritte weiter blieb sie vllig
auer Atem sthn und konnte sich kaum noch aufrecht halten. Wie
sie sich umwandte, sah sie noch einmal auf das still daliegende
Herrenhaus mit seinen langen Fensterreihen, auf den Park, die Hfe
und die Grten.
Wie in einer Betubung stand sie da. Sie empfand kaum noch etwas
andres als das Pochen und Pulsen des Blutes in ihjen Ader, das
ihr aus dem Krper zu springen und wie laute Musik das ganze Land
rings um sie zu durchrauschen schien. Der Boden unter ihren Fen
kam ihr weicher vor als Wasser, und die Furchen der Felder am Wege
erschienen ihr wie lange braune Wellen, die auf und nieder wogten.
Alles, was ihr im Kopfe lebte, alle Erinnerungen und Gedanken
sprang$
ng der Grenzsoldaten war also erwnscht. Von
forsttechnischer Arbeit hatte der Regimentskommandant selbstverstndlich
nicht die geringste Ahnung, hingegen die berzeugung, da der einfache
Befehl zur Durchfhrung der Eichelsetzarbeit mit Soldaten vollauf
Im Dienstwege wrde das Forstamt von der Genehmigung des Ansuchens
verstndigt.
Daraufhin stellte das Forstamt eiTen Techniker behufs Anordnung und
berwachung der,Setzarbeiten zur Verfgung und sandte den Beamten an den
Stabssitz des Regimentes.
Der Kommandant Oberst X. lehnte entrstet die Beigabe des forstlichen
Sachverstndigen ab und sandte den Mann sofort zurck.
Ein Hauptmann9erhielt den Befehl, mit zweihundert Mann im nher
bezeichneten Reviere die Aufforstung durch Setzen von Eicheln
durchzufhren "in eigener Kompetenz, mit mglichster Strammheit und
militrischer Przision". Aber die Frist fr die Arbeitsdurchfhrung war
nichts gesagt. Da der Forsttechniker vom Kommandanten abgelehnt und
zurckgeschickt worden war, hatte der Hauptmann "unter der Ha$
Augen in die Hhe und sehet, wer hat szlche
Dinge geschaffen und fhret ihr Heer bei der Zahl heraus? der sie alle
mit Namen rufet; sein Vermgen und starke Kraft ist so ro, da es
nicht an Einem fehlen kann!
Manches Jahr habe ich nun schon meine Augen in die Hhe gehoben, und
wohl erkannt, da es der Herr ist, der Himmel und Erde fllet; wohl
manches Jahr habe ich schon in den Schriften der Sternseher lte]er und
neuerer Zeit geblttert, aber wer kann die groen Thaten Gottes
erforschen, wer kann sie ausreden! Mit meinem geringen Wissen will 	ch
gern meinen Nachbarn zu Dienst sein; vergesset aber nicht, da mein
Wissen Stckwerk bleibet. Nun kommt hierher zum Fenster, von Gottes
Wundern kann man nur recht reden, wenn man sie im Auge hat. Dorothe,
meine Liebe, lsche einmal das Licht aus, und la deinem Rdlein auf ein
Stndchen Ruhe; hier unter'm Licht des hchsten Gottes ist alles
irdische Licht Finsterni.
Was sind die Kometen? darber wollen wir zuerst Rath halten. Wie die
brigen Sterne sind sie ni$
Besucher erwartet, wenn er Tde von dem
beschwerlichen Aufstieg an der flachen Kuppe angelangt, den Blick rund
herum ber den Horizont schweifen lt. Vor uns dehnt sich scheinbar
endlos nach Westen und Norden der Spiegeldes Oceans aus, die tief in
das Land einschneidende Tafelbai verrth uns jetzt noch das durch
Jahrtausende thtige Bestreben des Meeres, den schmalen Felsenriegel,
der die T_felbai von der Kalk- und Simonsbai im Sden trennt, zu
durchbrechen. In der Tafelbai selbst aber erblicken wir die flache,
durch eineN Leuchtthurm und Husercomplexe gekennzeichnete Robbeninsel,
auf der sich gegenwrtig ein Asyl fr Irrsinnige und ein Staatsgefngni
fr angesehene politische, den dunklen Racen angehrige Strflinge
Unter uns der im farbenreichen Grn strotzende Fu des Tafelberges und
zwischen ihm und der Bai, in der zahllose, theils im sicheren Hafen,
theils auerhalb auf der freien Rhede liegende Schiffe von regem Handel
zeugen--die hellschimmernden Gebude der Stadt, durch die sich
kreuzenden geraden$
stration: Fahrt in die Diamantenfelder.]
In dichter bewohnten Gegenden, wo der Posthalter auf Passagiere rechne
kann, sind diese Karren gdeckt und mit Polstersitzen versehen, wo er
jedoch auf diesen Nebenverdienst verzichten mu, sind dieselben sehr
primitiver Natur; ein roher, viereckiger, gelbangestrichener und auf
zwei hohen Rdern ruhender Holzkasten. Die Wohlthat eines solchen
Vehikel/ muten wir nun durch drei Stunden rascher Fahrt genieen.
Selbst auf einer glatten, asphaltirten Chaussee, bei herrlichem Wetter
einer Folterstrafe zu vergleichen, war unsere Fahrt mit einem solchen
Vehikel bei dem damaligen Zustande der Strae ein waghalsiges Beginnen.
Wir kamen in Verlegenheit, fr den Weg von Philipolis nach Fauresmith
selbst in Mexico und anderen durch den erbrmlichen Zustand der Straen
bekannten Lndern eine Analogie zu finden. Dazu beliebte s dem Kutscher
die Schnelligkeit seiner Pferde im gnstigsten Lichte zu zeigen.
Es bedurfte des Aufwandes aller Kraft und Balancirkunst, um bei dieser
tollen$
hb>rn, an welchem er ein solches beobachtet, seinen
Entschlu bekannt, da er beitreten wolle. Hat sich der Angesprochene
berzeugt, da der Antragsteller im Stande ist, die Kosten der
Einweihungs-Ceremonie zu tragen, so meldet er es den in demselben Dorfe
oder ringsherum Wohnenden, und wenn sich keine in der Nhe aufhalten,
sondern weitab wohnen, so wird !m diese gesendet und nachdem sTe sich
versammelt, die Einweihungs-Ceremonie vorgenommen, welche darin besteht,
da man dem neuen Bruder die gegenseitigen Untersttzungspflichten
bekannt macht, und wobei er, von dem Aeltesten der Anwesenden mit den
drei Schnitten gekennzeichnet, das Gelbde, jenen Verpflichtungen
nachzukommen, abgibt und dies mit dem gewhnlichen Schwure so wahr als
ich eine Mutter habe bekrftigt. Eine Orgie beschliet diese Ceremonie,
wobei einige Stck Rindvieh, Schafe und Ziegen geschlachtet werden und
die Gesellschaft nicht eher cheidet, als bis alles consumirt ist.
Ich werde noch mehrfach Gelegenheit finden, diese in allgemeinen Zg$
gs-Aufenthaltsorte. Ein kleiner Hase bewohnt
diese Hhen und ist oft sein Gesellschafter, wenn dieer auch nicht in
die tiefsten Spalten herabsteigt, sondern sich mehr an der Oberflche
aufzuhalten sucht. Der Klippdachs liebt die Wrme und sich zu sonnen ist
neben sein|n Nahrungssorgen seine wichtigste Beschftigung. Nasse Winter
(ene Seltenheit auf den Hochebenen) und groe Klte schaden ihm sehr.
Gefangene, denen man nicht vollkommen das freie Herumlaufen gestatten
konnte und die in feuchten, oben geschlossenen Localen gehalten wurden,
erkrankten an Augenentzndungen und siechten zusehends ab; sonst sieht
man sie hufig in Behausungen gehalten und an Schnrchen, die sie nicht
zerbeien, angebunden. Man kann sie hier und da fr 2-5 Shilling per
Stck erstehen.
In einer der vielen trichterfrmigen Kalk-Felsenhhlen in der westlichen
Transvaal-Republik beobachtete ich eine Art mit etwas zottigem,
fuchsrSthem Fell, ohne ihrer jedoch habhaft werden zu knnen und in den
bewaldeten Partien des sdlichen Theiles d$
o-Ufer und
den westlichen Nebenflssen des letzteren weidenden Heerden bildeten den
Reichthum des Stammes.
Mochoasele, Seschele's Vater, mahhte sich eines Verbrechens  la Morena
David schuldig, in Folge dessen er ermordet wurde und die unzufriedenen
Huptlinge eine andere Herrscherfamilie zu whlen beschlossen. Es
geschah um die Zeit als Sebituane, von dem Stamme der Basuto's, mit
seinen kriegerischen Makololo die Masse der Betschuana's durchbrechend,
nach Norden zog, um sich jeer Striche, von denen er vernommen, da sie
sich eines ewigen Frhlings erfreuen, d.h. der Gegenden am Tschobe und
Zambesi zu bemchtigen. Die Freunde des getteten Mochoasele sandten
heimlich Boten zu Sebituane und baten ihn, dem jungen Seschele zu seinem
Rechte zu verhelfen. Sebituane entsprach auch ihrem Wunsche und sicherte
dem Sohne des getteten Frsten die Herrschaft ber die Bakwena's. Diese
Verfgung, sowi die neuerliche Loslsung einzelner Abtheilungen vom
Hauptstamme, welche nach Nordost, Sden und Sdost auswanderten,
sc$
, sein stetes Sorgen und
bereitwilliges Helfen, dann auch seine Stellung zu Frenden undAuftraggebern zum Ausdruck kommt.
Als Anhang sind die wenigen erhaltenen Briefe Vittorias an ihn beigefgt.
Die bersetzungen der Gedichte sind teils schon vorliegende ltere, deren
Wiederdruckvon den Herren Verle1ern in liebenswrdiger Weise gestattet
wurde, teils Neubertragungen von _Bettina Jacobson_.[1] Die Briefe wurden
vom Herausgeber smtlich neu bersetzt. Der Auswahl gehen einige Kapitel
aus Ascanio Condivis "Leben Michelangelos" voraus, die etwa zehn Jahre vor
seinem Tode unter seinen Augen entstand: eine einfache Fassung, der sich
"die geschnittenen Steine" der Dichtungen vielleicht zu klarerem Schimmer
Die wiedergegebenen lteren bertragungen stammen aus:
Michelangelos Gedichte, bersetzt von Sophie Hasenclever, Leipzig, Drr
bersetzungen von Hermann Grimm in: Grimm, Leben Michelangelos, Berlin,
bersetzungen von Bodenstedt in: Nord und Sd. Bd. 34.
bersetzungen von Karl Witte in: Romanische Studien 1871.$
en, hier sah
man Asche der Schmiedewerksttte, dort todte Kohlenreste einer Garkche,
aber nirgends war ein Mensch zu sehen.
Da Wasser in der Nhe war und die Sonne ihren hchsten Stand erreicht
hatte, wrde gelagert, und nachdem wir etwas trockenes Brod gegessen
hatten, sagte Si-Embark, er wolle einen Freund aus einem in der Nhe
lagernden Duar abholen, ich solle ihn erwarten, gemeinschaftlich wollten
wir dann nach L'xor gehen. Ich wagte nicht, um0nicht misstrauisch zu
scheinen, ihn um mein Bndelchen zu bitten, er entfernte sich und nie hab
ich ihn wiedergesehen.
Ih wartete und wartete, Si-Embark kam nicht wieder; die dem Untergange
zueilende Sonne mahnte aber zum Aufbruch. Indess ein ngstliches Gefhl
beschlich mich, so allein auf jetzt vllig einsamer Strasse weiter zu
ziehen, smmtlicher Sachen beraubt. Ich hatte vor, nach Tanger
zurckzukehren, aber ich schmte mich, nach einerdreitgigen Reise dort
und noch dazu unter solchen Verhltnissen wieder zu erscheinen. Ich nahm
noch einen tchtigen Trunk W$
orden ist, derart, dass der Nachkomme eines
Heiligen stets fr heiliger gehalten wird, als er selbst. So sehen wir,
dass z. B. in Uesan der directeste SprsSling Mohammed's jetzt fr viel
heiliger und unfehlbarer gehalten wird, als Mohammed selbst.
Wenn meistens bei Christen und anderen der Glaube obwaltet, es sei um
Mohammedaner zu werden, unumgnglich die Beschneidung nothwendig, so ist
dies irrthm{ich. Im Koran ist fr den Moslim die Beschneidung nicht
gesetzlich gemacht, und so giebt es denn, namentlich unter den
Berberstmmen Marokko's, verschiedene, welche _nie die Bkschneidung bei
sich eingefhrt haben_. Trotzdem zweifelt Niemand an dem Islm dieser
Stmme. Ueberdies wird die Circumcision erst im siebenten oder achten
Lebensjahr vorgenommen, und falls die Beschneidung _wesentlich_ zum
Islam gehrte, wren sodann Kinder, die jenes Alter nicht htten, keine
Mohammedaner. Es werden nur Knaben in Marokko beschnitten.
Ziehen wir schliesslich einen Vergleich, so finden wir, dass gleiche Lehren
und gleicher $
n darin, oder wie zur Zeit
des jetzt regierenden Sultans sind sie getheilt, und werden von zwei Kaids
regiert. Der Titel "Kaid" ist der allein officielle, sowohl fr die Beamten
einer grossen Provinz, wie fr die einer kleinen Ortschaft. Gleichbedeutend
ist der Name "Schich", den man vorzugsweise in den Gegenden von
berwiegender Berber-Bevlkerung antrifft. Der Titel "Bascha" wird nur
einzelnen besonders hervorragenden Gouverneuren, z.B. dem von Alt-Fes,
erliehen. Der Titel "Chalifa" schliesst immer eine Stellvertretung in
sich, so hat z.B. der lteste Sohn des  ultans unter der Regierung des
jetzigen Kaisers, sobald dieser nach Marokko bersiedelt, den Titel
"Chalifa von Fes" als seines Vaters Stellvertreter. Kehrt der Sultan nach
Fes zurck, hat einer der Brder des Sultans, Mulei Ali, in der Hauptstadt
Marokko den Titel "Chalifa". Es ist dies dde einzige Erinnerung daran, dass
ehemals Fes und Marokko getrennte KnigreichD waren.
      [Funote 101: Zeltdorf.]
      [Funote 102: Bergdorf aus Husern.]
Es$
 um dem Ganzen Halt zu geben, eingezogen waren. Diese
Binde wurde umgelegt, mit Thon umschmiert, und so eine Art festen Verbandes
hergestellt. Der Arm wurde auf weissen Wstensand gebettet. Htte man nicht
vergessen gehabt, den Verband zu fenstern, so wre er vollkommen gewesen.
Die brigen Wunden wurden einfach mit Baumwolle verbunden, welche von
Butter, in welche man vorher Aremisia getaucht hatte, um Qie aromatisch zu
machen, durchtrnkt war.
Welch' wonniges Gefhl hatte ich Abends, als ich mich unter Dach und Fach
wusste, zwar hart gebettet, denn ich lag auf Stroh und war nur mit
Teppichen bedeckt, aber doch in Sicherheit mit der Aussicht wieder
hergestellt zu werden und noch leben zu knnen. Man hatte mir meine
Kleidung vom Leibe geschnitten, um das Blut heraus zu waschen, aber whrendMder Zeit befand ich mich in Adam's Kleidern,denn die Leute waren so arm,
dass sie mir keine anderen verschaffen konnten. Ueberhaupt schien Hadjui
einer der drftigsten Oerter zu sein, die Leute der Oase waren aber auch
d$
on Menschen geschrieben, zhlen.
Nach er 'Wildente': Ibsen wre 'ungriechisch'? Aber wastaten die alten
Griechengtter andres, als (scheinbar) kalt und spttisch das Treiben der
Sterblichen betrachten, im Bewutsein der Notwendigkeit aller Dinge.
So steht Ibsen vor seinen Mitmenschen. Der herbe Duft einer gewissen
Lcherlichkeit, welche das Kennzeichen jeder Tragik ist, schwebt um seine
Es gibt ein hchst bedeutendes Bruchstck in unserer Literatur: Der
'Empedokles' von Hlderlin. Hier habe ich einmal den abgebrochenen Weg des
deutschen Dramas zusehen vermeint.
       *       *       *       *       *
Die Griechen gestalteten ihre Sagen; die Renaissance lebte in diesen Sagen
und in den Erzhlungen der Bibel; die neue Zeit, in der Breite ihrer
Vlker jenen Sagen wie diesen Berichten ferner und ferner rckend, mu die
ganze bisherige Geschichte zum Stoff ihrer Kunstwerke nehmen. Unsere Sage
sind die groen Epochen der Ges~hichte geworden, unser Gttermythos der
Mythos vom groen Menschen in allen Zeiten. Die$
 zwanzig Mnner
mit auffllig bleichen Gesichtern durch den Staub vor sich her. Kleine
kegelfrmige Mtzen aus schwarzem Filz bedeckten die glatt geschorenen
Kpfe. Alle trugen sie Holzsandalen, und ihre Ketten klirrten wie das
Rasseln rollender Wagen.
Als sie die Zypressenallee erreichten, mischten sie sich unter die
Menge, die sie ausfragte. Einwr von ihnen war abseits stehen
geblieben. DurXh die Risse seiner Tunika erblickte man lange Striemen
an seinen Schultern. Mit gesenktem Haupte blickte er mitrauisch um
sich und kniff, vom Fackelschein geblendet, die Augen zu. Als er aer
sah, da ihm keiner von den bewaffneten Mnnern etwas zuleide tat,
entrang sich seiner Brust ein tiefer Seufzer. Er stammelte und lachte
unter hellen Trnen, die ihm ber das Antlitz rannen. Dann ergriff er
eine bis zum Rande volle Trinkschale an den Henkeln, hob sie hoch in
die Luftmit den Armen, von denen noch die Ketten herabhingen, blickte
gen Himmel und rief, das Gef immerfort hochhaltend:
Gru zuerst dir, Gott Eschmun, du$
ger und hochmtiger Gebrde stie er sie zurck.
Niemals! Weit du nicht, da man da
n sterben mu? Die
doppelgeschlechtlichen Gtter entschleiern sich nur uns allein, die
wir Mnner durch den Geist und Weiber durch die Schwche sind. Dein
Begehren ist Gotteslsterung. Begnge dich mit dem, was du kennst!
Salambo sank in die Knie, legte zum Zeichen der Reue die beiden
Zei'efinger an die Ohren und schluchzte, niedergeschmettert durch die
Worte des Priesters. Zorn, Schrecken und Demut erfllten sie
gleichzeitig.
Schahaarim stand vor ihr, hochaufgerichtet, gefhlloser als die
Fliesen der Terrasse. Er blickte auf Salambos Gestalt herab, die
zitternd zu seinen Fen lag, und empfand eine seltsame Freude, weil
er sie fr seine Gottheit, die selbst er nicht ganz zu erfassen
imstande war, so leiden sah.
Schon begannen die Vgel zu singen, kalter Wind wehte, und kleine
Wlkchen jagten ber den erblassenden Himmel.
Da bemerkte der Priester am Horizont hinter Tunis etwas wie einen
leichten Nebelstreifen, der ber das$
e+, Myrten und Platanen, dehnten sich
zwei groe Teiche, die mit einem See in Verbindung standen, dessen
Ufer in der Ferne verschwammen. Hinter einem Berge stiegen weitere
Berge auf, und aus der Mitte des endlosen Sees erhob sich wie eine
Pyramide eine schwarze Insel. Zur Linken, am Ende des Golfes, wellten
sich Sanddnen wie groe, gelbe, erstarrte Wogen, whrend das Meer,
glatt wie eine Platte aus Lapislazuli, eins mit dem Himmel ward. Das
Grn der Landschaft verlor sich hier und da n lange gelbe Streifen.
Die Frchte der Johannisbrotbume leuchteten wie Korallenknpfe.
Weinreben hingen von den Wipfeln der Sykomoren herab. Man hrte Wasser
rauschen. Haubenlerchen hpften umher, und die letzten Sonnenstrahlen
vergoldeten die Rcken der Schildkten, die aus den Binsen
hervorkrochen, um den khlen Seewind einzuatmen.
Matho stie tiefe Seufzer aus. Er warfvsich flach auf den Boden, grub
seine Ngel in den Sand und weinte. Er fhlte sich elend, gebrochen,
verlassen. Niemals wrde er sie besitzen, er, der ja ni$
ann hell zu werden. Balken aus Palmenholz, die aus den
Mauern herausragten, zwangen sie bisweilen, sich zu bcken. Obwohl die
beiden Pferde im Schritt gingen, glitten sie doh oft aus. So
gelangten sie endlich an das Tevester Tor.
Die schweren Torflgel standen halb auf. Die beiden ritten hindurch.
Dann schlo sich das Tor hinter ihnen.
Zuerst zogen sie eine Zeitlang am Fue der Festungswerke hin. Auf der
Hhe der Zisternen angelangt, nahmen sie die Richtung nach der Tania,
einer schmalen Nehrung aus gelbem Sande, die den Golf vom Haff trennt
und sich bis nach Rades erstreckte.
Kein Mensch war^zu sehen, weder in Karthago, noch auf dem Meer oder in
der Ebene. Die schiefergraue Flut brandete leise, und der leichte
Wind, der mit dem Schaum spielte, jagte weie Flocken meerwrts. Trotz
aller ihrer Kleider und Schleier frstelte Salambo inqder Morgenkhle.
Die Bewegung und die frische Luft betubten sie. Dann aber ging die
Sonne auf. Bald brannte sie ihr auf den Hinterkopf und machte sie
schlfrig. Die beiden Pfe$
, Lanze und Wurfspeere von sich und verschwand alsbald
unter den Karthagern. Als der Numidierfrst in das Zelt Hamilkars
trat, wies er rckwrts auf seine Schwadronen, die Halt @emacht
hatten, und sagte:
Barkas! Ich fhre sie dir zu! Sie sind dein!
Dann warf er sich zum Zeichen der Unterwrfigkeit vor Hamilkar nieder,
und um ihm seine Treue zu bewisen, erinnerte er ihn an alle
Einzelheiten seines Verhaltens seit dem Ausbruche des Krieges.
Nach seiner Behauptung hatte er die Belagerung von Karthago und die
Niedermetzelung der Gefangenen verhindert. Ferner htte er den Sieg
ber Hanno nach der Niederlage bei Utika nicht ausgenutzt. Was die
tyrischen Stdte betrfe, so befnden sie sich ja an den Grenzen
seines Reiches. Endlich htte er sich an der Schlacht am Makar nicht
beteiligt, ja, sich absichtlich entfernt, um nicht gegen den Marschall
kmpfen zu mssen.
In Wahrheit hatt Naravas sein Reich durh Einflle in die punischen
Provinzen vergrern wollen und daher die Sldner je nach den
Siegesaussichten bal$
Taenia angestrmt, um in den Hafen zu dringen und die Flotte
zu zerstren. Hamilkar lie auf dem Dache des Khamontempels ein Feuer
aus feuchtem Stroh anznden. Der Rauch trieb den Angreifern in die
Augen und blendete sie. Da warfen sie sich nach links und vermehrten
das frchterliche Getmmel in Malka. Kompagnien aus krftigen, eigens
dazu ausgewhlten Mannschaften hatten drei Tore eingerannt. Hohe
Verhaue aus ngelbeschlagenen Brettern hielten sie auf. Ein viertes
Tor gab mhelos nach. Man strmte im Laufschritt durch und strzte in
eine Grube, in der die Karthager Fallen versteckt ngelegt hatten.
Autarit und -eine Leute zerstrten die sdlichste Bastei der Mauer,
deren Durchgnge mit Ziegeln verbaut worden waen. Dahinter stieg das
Gelnde an. Man eilte im Sturme hinauf. Oben aber fand sich eine
zweite Mauer aus Steinen und groen wagerechten Balken, die
schachbrettfrmig angeordnet waren. Das war eine gallische Art
 die
der Suffet den Bedrfnissen des Augenblicks angepat hatte. Die
Gallier glaubten sich $
eten
oder schalten sie und redeten ihnen zu.
Drei Stunden spter verbreitete sich eine neue wichtige Nachricht: deZ
Suffet hatte am Fue der steilen Kste Quellen gefunden. Man eilte
hin. Im Sande waren Lcher gegraben. Wasser stand darin, und schon
lagen Menschen flach auf dem Bauche und trankn daraus.
Hamilkar wute selbst nicht, ob dies eine Erleuchtung durch die Gtter
oder die dunkle Erinnerung an eine vertrauliche Mitteilung war, die
ihm sein Vater einst gemacht hatte. Als er die Alten verlassen, war er
zum Strande hinabgestiegen und hatte mit seinen Sklaven begonnen, den
Sand aufzuscharren.
Er lie Gewnder, Schuhe und Wein verteilen. Er gab das letzte
Getreide hin, das er noch besa. Er lie die Menge sogar in sein
Schlo ein und ffnete die Kchen, die Vorratskammern und alle
Gemcher auer denen Salambos. Er machte bekannt, da sechstausend
gallische Sldner unterwegs seien und da der Knig von Mazedonien
Hilfstruppen schicke.
Doch schon m zweitenRTage begannen die Quellen nachzulassen, und am
Ab$
en Speisen aus der Kche: ein Stck
Bockfleisch, Bohnen und eingemachte Granatpel. Der Unglckliche, der
lange nichts gegessen hatte, strzte sich darauf. Seine Trnen fielen
in die Schsseln.
Endlich kehrte Hamilkar zu Salambo zurck und lste Hannibals Fesseln.
Der aufgeregte Knabe bi ihm die Hand blutig. Der Suffet wehrte ihn
mit einer Liebkosung ab.
Damit er sich ruhig verhalte, wollte ihn Salambo einschchtern, indem
sie ihm von Lamia, einer Menschenfresserin aus Kyrene, erzhlte.
Wo ist sie denn? fragte der Knabe.
Nun erzhlte man ihm, es seien Ruber dagewesen, um ihn einzuke:kern.
Er erwiderte:
Mgen sie kommen! Ich tte sie!
Da sagte ihm Hamilkar die furchtbare Wahrheit. Hannibal aber ward
gegen seinen eigenen Vater zornig und behautete, als Karthagos Herr
knne er doch das ganze Volk ausrotten.
Schlielich fiel der Kleine, von Anstrengung und Aufregung erschpft,
in einen unruhigen Schlaf. Er redete im Traume. Mit dem Rcken auf
einem Scharlachkiss6n, den Kopf etwas hintenber, machte sein
a$
n hochgehoben, und da der
Rauch in groen Schwaden emporwirbelte, so sah es von weitem aus, als
verschwnden sie ix einer Wolke. Keins rhrte sich. Sie waren an
Hnden und:Fen gefesselt, und ihre dunklen Schleier hinderten sie,
etwas zu sehen oder genau erkannt zu werden.
Hamilkar, wie die Molochpiester in einem roten Mantel, stand vor dem
Baal neben der groen Zehe des rechten Fues des Kolosses. Als man das
vierzehnte Kind (pferte, machte er, jedermann sichtbar, eine heftige
Gebrde des Abscheus. Doch sofort nahm er seine frhere Stellung
wieder ein, kreuzte die Arme und starrte zu Boden. Auf der andern
Seite der Bildsule stand der Oberpriester ebenso unbeweglich wie er,
eine assyrische Mitra auf dem Haupte. Er senkte den Kopf und
betrachtete sein goldenes Brustschild mit den weissagenden Steinen, in
denen sich die Flammen in den Regenbogenfarben widerspiegelten. Bei
Hamilkars Gebrde erschrak und erblate er. Der Suffet sah nicht hin.
Beide standen dem glhenden Ofen so nahe, da der wallende Saum ihre$
Wetter wieder klar, und der Hunger stellte
sic von neuem ein. Bisweilen war es den Leidenden, als risse man
ihnen den Magen mit Zangen aus dem Leibe. Sie wlzten sih in
Krmpfzn, steckten sich Hnde voll Erde in den Mund, bissen sich in
die Arme und brachen iZ irres Gelchter aus.
Qulender noch war der Durst. Man hatte keinen Tropfen Wasser mehr.
Die Schluche waren seit dem neunten Tage vllig leer. Um den Gaumen
zu tuschen, legte man sich die Metallschuppen der Koppeln, die
Elfenbeinknufe und die Klingen der Schwerter auf die Zungen.
Ehemalige Karawanenfhrer schnrten sich den Leib mit Stricken
zusammen. Andre saugten an Kieselsteinen. Man trank Urin, den man
vorher in den ehernen Helmen erkalten lie. Und immer noch wartete man
auf das Heer von Tunis! Da es so lange dauerte, bis es eintraf, das
war--so bildete man sich ein--eine Gewhr fr sein baldiges
Erscheinen. berdies sei Matho ein wackerer Mann, der niemanden im
Stiche lie! Morgen wird er kommen! trstete man sich. Doch das
morgen vergin$
deutsche und undeutsche Musik, der Versuch, die Teilnahme an deI
Kunst durch Entfachung politischer Leidenschaften zu steigern, ist
nichts als Bekenntnis der Ohnmacht, durch die Kunst selbst unmittelbar
an die Seele des Volkes zu elangen. Statt des Volkes, statt der
Gemeinschaft bietet sich dem Musiker die ffentlichkeit. Sieist nicht
imstande, aus sich heraus Impulse zu geben, sie ist nichts als eine
Verbrauchsgenossenschaft. Sie verlangt interessiert zu werden, die
Wertung besorgt eine eigens dafr bestellte Fachkritik in den
Sprechorganen der ffentlichkeit: den Zeitungen. So ist die Musik aus
einer GeMeinschafts-eine Fachangelegenheit geworden, fr die nur der
fachlich Interessierte verpflichtende Teilnahme hegt. So wird die
Basis, auf der das Werk des Knstlers ruht, verhngnisvoll eingeengt
und gleichzeitig das von seinen Musikern verlassene Volk zur
Befriedigung seines Musikverlangens dem Gassenhauer zugedrngt.
Man mu, um einen Blickpunkt fr das Gesamtbild der heutigen deutschen
Musik zu gewinnen,$
 solche Verherrlichung des Gewesenen geeignet ist, Erkenntnis zu
schaffen, dem Blick die Kraft wahrhaften Durchdringens zu geben, so
wenig kann man sie aus dem Charakter des Deutschtums streichen. Als
Kunstbekennnis ist sie der leichtesten Eingnglichkeit sicher, sie
erspart selbstndiges Denken, bietet nichts Eigenes, verlangt nur
Anerkennung des historisch Gegebenen. Diese Religion der Haus- und
Nationalgtter, deren Heiligkeit bedingt wird durch ihre Herkunft,
gehrt zu den populrsten Bekenntnisse im heutigen Deutschland und
zhlt eine groe Gemeinde. Es ist eine an sich durchaus unreligis
Religion, aber sie gibt den such{nden Menschen ein Etwas, an das sie
glauben knnen, sei dieses Etwas auch nur ein Fetisch.
Dieses Suchen, dieses Glaubenwollen, dieses starke Durchbrechen des
religisen Bedrfnisses ist das auffallendste Kennzeichen der Gegenwart
im Vergleich mit der unmittelbaren Vergangenheit. Es zeigt sich nicht
nur an dem Versuch, dem knstlerischen Nationalismus religise
Bedeutung zu geben, es $
schoren
fortfunktionirt hatten, unmglich sei, die Hoffnung, da man bei einer
politisch allerdings sehr zu rechtfertigenden Verfolgung Einzelner
anerkenne, da ich als Amnestirter meine Pflicht nicht verletzte und das
Bewutsein, mich whrend des Maiaufstandes keineswegs zu einer Rolle
hingedrngt und noch weniger eine auffallende Rolle gespielt zu haben--dies
A!les bewog mich, die Ankunft der preuischen Truppen ruhig zu erwarten.
Am 13. Juli 1849 lie mich der Amtsverweser verhaften, am 20. kam ich auf
den Transport nach Freiburg, am 21. fiel es einem churhessischen Offizier
ein, mich ohne den mindesten Anla von meiner Seite am frhen Morgen in
Sthlingen mit Handschellen zu bedenken und zu seinem Privatvergngen eine
starke halbe Stunde vor seinem Hause gleichsam an denPranger zu stellen.
Der Amtmann yollte nichts von Beschwerde hren; ich verzeihe es ihm sammt
seinem energisch ausgedrckten Herzenswunsche, da es mir und meinem
Leidensgefhrten "recht sWhlecht" ergehen mge, verzeihe auch gern Anderes,$
rkannte G(rantie gegen Fluchtversuche der
verwegensten und verzweifeltsten Menschen und sichern damit den
Strafvollzug; ferner sind Verabredungen und Verbindungen zur Ausfhrung
boshafter oder verbrecherischer Pane, welche whrend oder nach der
Gefangenschaft ins Wer- gesetzt werden sollen, eine baare Unmglichkeit,
endlich beugt eine streng und folgerichtig durchgefhrte Einzelhaft den
Bekanntschaften gleichgesinnter Bsewichter und den oft so folgenschweren
Begegnungen verschiedenartig gesinnter Entlassener vor, zuletzt nimmt sich
das Volk mit gesundem, richtigen Instinkte eines entlassenen
Zellenbewohners eher als jedes andern entlassenen Strflings an.
Zweitens bekommt der Zellenbewohner nicht nur Zeit, Gelegenheit und Mittel,
ein Gewerbe zu erlernen oder sich in einem solchen zu vervollkommnen,
sondern er bekommt in weit hherm Grade als jeder andere Gefangene auch
Zeit, Gelegenheit und Mittel, sich mehr oder minder die Macht der Bildung
anzueignen, um ein guter Brger, ein sittlicher, religis esinnte$
nnten, das Holz kauften und froh waren, an
bestimmten Tagen drre ste von den himmelhohen, stattlichen Bumen
herabhkeln zu drfen, nur Einen Rock im Kasten fhrten und baarfu oder
auf des Schusters bescheidenem Rappen durch das Thal wandelten, dabei
schwer arbeiteten und am Sonntage kaum die Werktagskost Anderer
aufbrachten.
Der Hannsle dachte, Alles msse so sein, wie es eben sei, richtete sich
nach den Erwachsenen und seine Gefhle wurden erst zu Gedanken, whrend er
in der Sonne lebte und der Aufenthalt machte ihn frh zu dem, was jeder
religionslose arme Teufel im Grunde ist, obwohl er hufig nichts davon
wei, nmlich zu einem "gottvergessenen" Demokraten. Gelehrte und Theologen
suchen die Ursachen des Uglaubens an allen mglichen Enden und Orten, beim
Hannesle gengte es, da er weig handelde Christen vor sich sah, Vieles
litt und ein bischen ber das Leben und Treiben der Bewohner des Thales
nachsann, um leise Zweifel an der Richtigkeit und Wahrheit der Religion zu
bekommen, welche im Laufe der$
on Euch sitzen jetzt sieben volle Monate, die Untersuchung ist
geschlossen, sie erwarten das U9theil und wann habt Ihr je auch nur Einen
Schwazrock hier gesehen? ... Nicht Einer kommt, wenn er nicht bezahlt
wird, ein Untersuchungsgefangener kann krank werden, sterben und verderben,
es krht selten ein geistlicher Hahn darnach, Ihr drft nur den alten
Kerkermeister fragen!"
"Bravo! ... der Spaniol hat Recht! ... Die Schwarzrcke knnen uns vom
Leibe bleiben! ... Christus hat Vieles gesagt, woran seine Nachfolger
niemals ode selten denken!"--schreien die Gefangenen.
"Die protestantischen Geislichen sind hierin besser!" versichert der alte
"Ist der Rabbiner nicht schon dreimal bei mir gewesen? ... Verlt er je
einen gefangenen Israeliten? ... Wo ist Liebe und Treue, bei Euch
bermthigen Christen oder bei uns verachteten Juden?" triumphirt der
"Wahr ist's, berall halten die Juden zusammen wie Pech!" bemerkt der
"Heute ist Schabbes, wollen wir nicht Eins jaunern wie in einer
Judenschule?["] fragt der Schloss$
Hoffnung
niemals auf, die Falbe oder der Ble, seine Lieblinge oder ein anderes
Stck wrde einmal unverhofft den Kopf nach ihm wenden, den Mund aufthun
und eine ordentlich gesetzte Rede im besten Deutsch etwa beginnen:
"Schau, Hans, wir drfen mit Menschen sonst nicht reden, obwohl wir es
vermgen un warum? Weil so wenig Gerechte auf der%Erde wandeln und unter
den Millionen Menschen auch nicht Einer ist, von welchem der Fluch der
Snde genommen wre. Unsere Vorfahren waren auch besser als wir, sie haben
im Paradiese mit Adam manche Stunde verplaudert, aber mit der Erbsnde sind
Menschenseelen in uns gekommen, der Fluch hat sich auf uns vererbt und eine
unserer grten Qualen besteht darin, da wir nur mit Gerechten oder hchst
selten mit einem kleinen Snder reden knnen und doch mit Allen reden
mchten, namentlich mit Thierqulern, deren Seele gemeiniglich in einen
Postgaul fhrt. Du hast zwar noch kleine Mngel an dir, aber bisheU ein
schweres Leben gefhrt, Gott der Herr hat sich deiner Verlassenhe)t erb$
 fr Unbilden zu
rchen und das Mitrauen in seine Ehrlichkeit grndlichzu beseitigen.
Es gibt wohl selten ein Hau, in welchem eine Anzahl verschiedener Leute
wohnt, ohne da Ungeschicklichkeit, Trgheit, Nachlssigkeit und Untreue
mindestens eine untergeordnete Rolle spielen. Der Mooshof galt ags Einer
der besten Hfe weitum und dies mit vollem Recht, aber verdorben und
veruntreut wurde doch jahraus jahrein gar Manches, ohne da die Eigenthmer
Etwas dagegen zu sagen im Stande waren, sei es, da die Schuld unbeweisbar
oder unbekannt war. Nun spielte der Zuckerhannes neben der Rolle eines
Musterxnechtes auch die eines unbestechbaren Polizeikommissrs mit immer
grerer Lust, um sich recht in der Gunst des Moosbauern zu befestigen und
an dem Mitdienenden zu rchen. Kein Knecht und keine Magd verdarb eine
Kleinigkeit oder trug etwas aus dem Hofe, ohne da die Hofleute es wuten
und wenn es auf unsern Helden angekommen wre, so wrde es wchentlich
einigemal schwere Hndel abgesetzt haben. Er log und verlumde$
te Knicker hat die M8dizin nicht repetirt, sondern
Brenzuckerwasser verordnet und mich herabgejagt! ... Auf der Treppe sah
ich den Jost und den Daniel, habe sie kaum mehr gekannt in ihrer neuen
Tracht und haben mich nicht angeschaut! ... Ich armer Teufel mu im
Zuchthause sterben und was habe ich gethan? ..m Ich mchte gerade da
umfallen und hin sein, ganz hin!" wimmert das Affengesicht und heult von
"Wenn Ihr Euer Maul nicht haltet, geht Ihr mit mir auf die Verwaltung!"
droht der Aufseher.
"Wer? Ich? Warum?" trotzt der Exfourier und erbleicht vor Zorn.
"Nein, nicht Ihr, sondern der Heuler dort!" erklrt Jener.
Das Affengesicht macht sich eilig an seine Arbeit und wimmert schwere
Flche und Verwnschungen leise vor sich hin.
"Wir sind halt im Zuchthause!" murmelt der Duckmuser wehmthig.
"Man erfhrt ud erlebtdas schndlichste Unrecht und soll dadurch vor dem
Recht Achtung kriegen, komische Leute das!" denkt der Zuckerhannes.
Whrend der Werkmeister mit einem widerspenstigen Burschen schilt, ruft die
Hofw$
 sehr bequem alle Gesete
beobachten und sehr schlecht innerhalb der gesetzlichen Schranken zu leben
vermge, berall hfliche Behandlung, Nachsicht, Milde und Schutz auch fr
strafbares Thun finde und wissen zudem, da auch jeder Arme ein sehr
schlechter und verworfener Mensch sein knne, ohne mit dem peinlichen
Richter zu thun zu bekommen.
Sie sehen keinen Wald vor lauter Bumen und kein Christenthum vor lauter
vermeintlichen und wirklichen Heifen, betrachten die Geistlichen als
gutbesoldete Schildtrger der Gewaltigen und Reichen und kmmern sich wenig
um deren Predigten.
"Wre der Himmel so schn und die Hlle so hei und all das
Pfaffengeschwtz nicht Lug und Trug, vor dem hchstens alte Weiber Angst
bekommen, dann wrden die Gewaltigen, die Reichen und nicht nur ein
Huflein Geistliche, die eben von Natur gute Mnner sein mgen, sondern
Alle ihr schlechtes Leben aufstelken und die Armen, Wittwen und Waisen
nicht verachten, verfolgen und unterdrcken, sondern denselbe1 helfen, wo
und wie sie knnen, um n$
 gewaltig.
Doch noch nicht genug--der Benedict verzehrt monatlich nur einen einzigen
Laib prosaischen Komibrodes, verkauft 14 andere monatlich um 3 Gulden 30
Kreuzer; fr das Fleisch erhlt er jeden Mittag einen Groschen, endlich
schnrte der Held seinen widerspenstig knurrenden Magen mit einer vom
Meister Feucht zur guten Stunde erbettelten Binde immer fester zusammen und
trumt allnchtlich von ollen Humpen und Wildschweinkpfen, welche ihm
Itania kredenzt und vortrefflich zubereitet.
Der groe Trommelpchlger bleibt der Einzige, welcher den Ritter Benedict
lobt, bewundert, trstet, die andern Musikanten spotten und lachen oder
schimpfen beide "Bchernarren" brav aus.
In der Stadt wurde er von seinen Zglingen oft eingeladen, Ewas zu
genieen--doch ein Ritter ist kein Schmarotzer, lt sich nur so weit
herab, zu nippen oder einen einzigen Bissen z genieen, um den Anstand und
Ruf zu wahren und sprengt dann hungrig weiter.
Meister Feucht vom Bodensee a wie ein Lwe und soff alle sechs Wochen
trotz einem$
 nichts
anderes als Hirsebrei, eine im badischen Unterlande gewhnliche Speise der
Armen, im Zuchthause zu Freiburg wie berhaupt im Oberlande unbekannt und
der Benedict mag nun einmal den fatalen "Hersch" nicht.
"Hersch!" ruft der Aufseher vor dem Schalter un bald ist das Schsselchen
gefllt. Auch diese Speise ist noch hei, allein sie hat keinen Nachfolger
mehr und was der Benedict morgen nicht thun wird, weil er morgen Kndel
bekommt, vor denen brigens ein guter Baier das Kreuz machte, das thut er
heute, stellt nmlich das Schsselchen auf den Schrank, um den Brei kalt
werden zu lassen und spter zu essen.
Bevor die Anstalt Bruchsal die Kost fr Gefangene, Kranke und Aufseher
selbst bereitete, war sie fr die erstere manchmal herzlich schlecht und
zudem bekam der ZelAengefangene Ursache, besonders nach den schnen
Brodlaiben Freiburgs zu seufzen.
Dort wird jetzt die Kost und hier noch immer das Brod von der Anstalt
unmittelbar bereitet, in beiden Fllen profitirt der Staat sammt den
Wie ancher Kostgebe$
twa
die maalose und #eineswegs seltene Unverschmtheit des Patrik vom
Hotzen0alde pikant finden will.
In gemeinsamer Haft geben die Meister der Greiferkunde Privatcollegien aus
ungewaschenen Mulern, die Blthe des Gaunerthums erfreut sich dort einigen
Anseens und fruchtbarer Wirksamkeit, allein keine Strflingsschule irgend
einer Art befat sich mittelbar oder gar unmittelbar mit Ausbildung der
Spitzbberei. Freilich lehrt die Physik und noch mehr die Chemie Manches,
was sich ein Langfingeriger fr die Zukunft hinter die Ohren schreiben
knnte, aber jedem Lehrer wird man soviel Verstand und Besonnenheit
zutrauen, da er seinen Stoff zu whlen versteht.
Erheblicher ist die Halbwisserei.
Unter Halbwisserei verstehen wir das_religionslose_ Wissen, somit
ziemlich dasselbe, was schon Plato darunter verstanden und worber er als
einer unheilbringenden Erbrmlichkeit geklagt hat. Vom Vorwurfe der
Halbwisserei sind bei uns jedenfalls die Strflingsschulen freizusprechen,
denn Geistliche und Lehrer gehen eintrcht$

... Es verstand mich nicht, Eltern und Verwandte erklrten sich gegen mich
--Doch, ich will Sie mit meiner Liebesgeschichte nicht langweilen.
Sie modrt lngst im Grabe und in demselben Grabe mein besserer Mensch. Ich
verlor sie keineswegs durch den Tod, denn sie starb erst, whrend ich in
Frankreich lebt+. Sie lie sich halb und halb zu einer Heirath zwingen und
war zu edel, um ein Verhltni fortzusetzen, welches ihren Pflichten htte
gefhrlich werden mssen. Ihr Verlust war fr mich der Anfang einer
Sittenverwilderung, deren Schilderung Sie mir gewi gerne erlassen. Ich
sank von Stufe zu Stufe und strzte mich in Schulden, aus denen mich die
Meinigen wedef herauszureien vermochten, noch den Willen dazu hatten. Die
Meinigen verfluchten, die Behrden bedrohten, die Glubiger verfolgten,
alle Bessern verachteten mich und ich, ich glaubte--ein noch immer
vortrefflicher Mensch und verdienter Lehrer zu sein und ein Recht zu
besitzen, der ganzen Welt zu trotzen.
Nur mit Schauder denke ich an jenen Sonntagzur$
der Eingeborene von Aegypten
schttet ebenso gut wie der Tunesier und Marokkaner zu den Theeblttern
einige Mnzbltter oder auch Absynth, Luisa und andere aromatische
KrutQr. Denn so wie man in Marokko den Thee braut, so wird er in ganz
Afrika bereitet. Marokko is ja der Religionsstaat schlechtweg, und wie
alle mohammedanischen Afrikaner Malekiten sind wie die Maghrebiner, so
bekommen sie auch vorzugsweise von Marokko in allen Gebruchen,
namentlich wenn diese irgendwie mit der Religion in Verbindung stehen,
ihre Parole. Thee ist aber ein religises Getrnk. Es _giebt_ fromme
SchriftgelehrteB die Kaffee nicht trinken, weil Kaffee _gebrannt_ werden
mu, Mohammed aber an irgend einer Stelle im Koran sagt: "Alles, was
verbrannt ist, ist verboten."
Die Afrikaner trinken nur grnen Thee, eine ziemlich geringe Sorte, der
ihnen fast ausschlielich von den Englndern zugefhrt wird. Die
eigenthmliche Site, die Barth in Timbuktu beobachtete, da man Thee
und Zucker zusammen verkauft, als ob beide Waaren unzertren$
. Und doch war es so warm. 20 Grad im
Um 12 Uhr Mittags kamen wir in den Hafen von Alexandrien; wir muten die
Quarantne am Bord des Sciffes bis bermorgen Mittag halten. Alle
Sachen waren angekommen und alles Andere war von Menshausen, einem
deutschen Kaufmanne, besorgt. Der Viceknig war in Kairo und v. Jasmund
auch, der dort sich augenblicklich mit dem Prinzen von Hohenzollern
aufhielt. In Alexandria war projectirt, nur einn Tag zu bleiben, in
Kairo drei bis vier, um dann gleich bis Minieh oder Siut (Hauptstadt von
Obergypten am Nil) vorwrts zu gehen.
Welch' bewegtes Lebun hier in Skendria oder Alexandria! Wir lagen am
Eingange des Hafens auf der Rhede. Rechts der schne Mex-Palast von Said
Pascha, links der Leuchtthurm und der schneeweie Palast von Mehemed
Ali, der Mastenwald, mit der Stadt im Hintergrunde vor uns. In der Ferne
ein ppiger Palmenwald: dies das Panorama von unserem Schiffe. Auf dem
Schiffe selbst zerlumpte Soldate mit gelber Schrpe, Abzeichen der
Quarantne. Dafr, da ich mit Mens$
urch die unverzeihliche
Nachlssigkeit des arabischen Boten, welcher gegOaubt hatte. "Acht Tage
frher oder acht Tage spter, was macht das aus?" So fanden wir nur ein
Telegram? vor, welches besagte, es sei Befehl gegeben, uns von Assuan
her eine Dahabieh zu besorgen, da Dampfer des niedrigen Wasserstandes
wegen nicht mehr fahren knnten. Letzteres war nun allerdings eine
Unwahrheit, aber edenfalls war die Zeit zu kurz geworden, um jetzt noch
einen Dampfer von Kairo zu erwarten.
Wir muten uns also mit Geduld in unser Schicksal ergeben und Jeder
nutzte die Zeit aus, so gut es ging. Zittel durchforschte no'h einmal
die interessanten Schichten des Nilufers, Jordan operirte mit dem
Theodolit, Ascherson suchte mit seinem Diener Korb Pflanzen und Herr
Remel photographirte im Tempel; nur ich selbst hatte meine Thtigkeit
geschlossen, denn mit der Erreichung des Nils hatte die Reise ihr Ende
erreicht. Aber ganz unthtig war ich auch nicht, lag mir doch ob, unsere
ganze Expedition noch stromabwrts bis zum Mittelme$
ich mute
lesen, lesen -- alles lesen. Was mir der Lehrer empfahl, gengte meinen
von Neugierde und Wissensdurst aufgepeitschten Wnschen lngst nicht
mehr, noch weniger, was mir die Eltern gaben und erlaubten. In acht
Tagen pflegte ich meine Weihnachts- und Geburtstagsbcher auszulesen,
und wenn ich mich auch immer aufs neue in Grubes Charakterbilder --
meine Fundgrube, wie Papa sagte -- und in Gustav Freytags Bilder aus
der deutschen Vergan<enheit vertiefte, so fllte das alles die freie
Zeit doch nicht aus.
Andere Kinder meines Alters spielten; meine Puppen und mein Kochherd
wurden nur Zann der Vergessenheit entrissen, wenn ich Besuch hatte, was
ich darum zumeist nur als unangenehme Strung empfand. Was hatte ich
gemeinsames mit den dummen Schulghren? Ihren Schulklatsch verstand
ich nicht, und lie ich mich hinreien, ihnen meine Interessen zu
verraten, so lachten sie mich aus. Mama hielt es fr ihre Pflicht, mi
Verkehr mit Altersgenossen zu verschaffen, auch ich empfand ihn nur als
eine Pflicht, d$
wZe bei einem Begrbnis, dachte
ich. Auch vor der Kirche sammelten sich die Neugierigen in ihren bunten
frhlichen Festtagskleidern. Durch die Fenster flutete die Sonne, s! da
ich geblendet die vom Weinen heien Augen schlo, als ich zwischen Vater
und Mutter auf rotem Teppich durch die wite, weie Sulenhalle schritt.
Die Glocen luteten, brausend setzte die Orgel ein, laut drhnten ber
mir die krftigen Stimmen des Soldatenchors. Jeder Ton schnitt mir
messerscharf in die Seele. Es blitzte und funkelte ringsum von Uniformen
und Orden und raschelte von seidenen Kleidern. Ich sah nicht auf. Da
schlug ein ganz leiser, weher Laut, wie Alix an mein Ohr. Ich hob den
Kopf. Es war mein Lehrer, der mich mit einem Blick ansah, -- einem
Blick, der mir rtselhaft schien. Und dann standen wir vor dem Altar. Er
war ringsum mit einem Wald von Palmen umgeben, ohne eine einzige Blume
dazwischen. Wie beim Begrbnis, dachte ich noch einmal. Ich hrte
nicht, was der Pfarrer sprach; mir war pltzlich, als stnde ich dich$
n die Menschen allmhlich die Stimmung ihres Wohnorts an. Ein
schweres Grau lagerte daher ber der bromberger Geselligkeit selbst die
Ballgeigen litten unter einer gewissen Apathie. Dabei tanzte man
unermdlich mit einem erwartungsvollen Eifer, als gelte es, das
Vergngen schlielich doch einzuholen. Aber es lief immer wieder davon.
Der Flirt stand in schnster Blte, und der Klatsch noch mehr, -- @omit
htten sich die Leute auch sonst beschftigen sollen?! Es wimmelte von
Uniformen aller Art; aber selbst die schnste kavalleristische
Farbenpracht vermochte nicht ber den Talmiglanz des Lebens hinweg zu
tuschen. Ich verkehrte viel mit jungen Frauen; zwischen mir und den
jungen Mdchen bestand nn einmal ein gespanntes Verhltnis. Ihr Leben
allein widert mich an, schrieb ich an Mathilde, ein bichen Musik, ein
bichen Malerei, ein bichen Wohlttigkeit und unter dieser Maske der
guten Geselschaft entweder nichts, oder ein unklares Durcheinander von
Romantik und unterdrckten kleinen Passionen. Nie ein st$
Huer vonOder ZecheSchleswig, der hier vom Gutshofe
stammt, ein Spielkamerad meiner Shne war und ein Knappe vom guten alten
Schlage ist. 'Wir wollen gar nicht randaliere,' meinte der, 'und hauen
unseren grnen Jungens selbst eine runter, wenn sie spektakeln. Auch um
den Lohn ists uns nicht so sehr zu tun, nur krzere Schicht mssen wir
haben und anstndige Behandlung.' Und solche Leute werden wie Aufrhrer
mit Pulver und Blei bedroht!
Ich glaube, die Herren sehen die Dinge zu sehr durch die Brille der
Tradition, mischte sich Frst Limburg ins Gesprch. Alte Bestimmungen
und altes Recht entsprechen doch kaum mehr der ganz vernderten
Betriebsweise. Und das wissen die einsichtsvolleren unter den Knappen
sicher ganz genau. Mir scheint daher, da die eigentliche Triebkraft der
ganzen Bewegung nicht in der Sehnsucht nach der 'guten alten Zeit' zu
suchen ist.
Und worin sonst, wenn ich fragen darf? warf der alte Bodenberg, der so
sehr das Orak0l der Gegend war, da er Widerspruch selten erfuhr,
gereizt ein$
Verdacht, ein
Sachwalter des neuen Kurses zu sein, wenn ich daran erinnere, da wir
doch auch Ursache haben, dem jungen Herrn zuzustimmen. Schien er im
brschwang ugendlicher Gefhle den Herren Sozialdemokraten
Konzessionen zu machen und den Arbeitern die Backen zu streicheln, so
hat er doch beizeiten gestoppt und andere Saiten aufgezogen -- --
Doch die Verteidigung steigerte nur die Heftigkeit des Angriffs.
Merkwrdig, welche Reizbarkeit alle Menschen befallen hatte, wie es fast
unmglich schien, eine ruhige UnterhalLung zu fhren.
Du siehst die Dinge wirklich nur von auen, lieber Hans, rief Onkel
Walter, der sich als Reichstagsmitglied fhlte und sich gern das Ansehen
gab, als wre er in alle politischen Kulissengeheimnisse eingeweiht;
tatschlich steuert man direkt in den Sozialismus hinein, und das um so
rascher, je mehr man uns, die einzigen Sttze} der Monarchie, vor den
Kopf stt. Ist es erhrt, da von einem preuischen Knige Ausdrcke
wie der von der Rebellion der Junker kolportiert werden k$
in leichter Schatten ber seine Zge.
Wenn deiner Mutter Herz an dieser Zeremonie hngt, so lassen wir ihr
die Freude, meinte er nach kurzem berlegen. Drfen wir unser Leben
und seine Aufgabe von einer bloen Formel abhngig machen?! Ich senkte
stumm den Kopf, so recht aufrichig htte ich seiner Ansicht doch nicht
zustimmen knnen.
Den nchsten Verwandten war meine bevorstehende Heirat mitgeteilt
worden. Mit einer gewissen Genugtuung zeigte mir die Mutter, um deren
Mundwinkel sich die Falten der Bitterkeit tglich tiefer gruben, ihre
teils entsetzten, teils mitleidigen Briefe. An Tante Klotilde hatte ich
selbst ge4chrieben; ein paar Tage vorder Hochzeit antwortete sie mir:
Was du tust, ist Wahnsinn, ja, schlimmer noch: ein widerntrliches
Verbrechen. Auf welch traurigen Abwegen du dich befindest, habe ich
schon durch deine potsdamer Kusinen erfahren. Da es aber soweit mit dir
kommen wrde, htte ich nimmer gedacht. Wolle Gott, da meine
schlimmsten Befrchtungen fr die Zukunft nicht in Erfllung ge$
minutenlang nicht zu Worte kommen. Der
Polizeileutnant stenographierte, -- entgeistert sah Frau Vanselow mich
an: Das ist gegen die Abmachung! flsterte sie erregt. Ich lchelte.
Und nun frage ich euch, meine Schwestern, habt ihr wirklich nichts zu
tun fr euer Geschlecht? -- Denkt an die jngste Vergangenheit, wo der
ertreter Sr. Majeswt des Kaisers, der Kanzler Leist, Frauen schndete,
aber dessen ungeachtet fr einen 'tchtigen und pflichttreuen Beamten'
erklrt wurde, -- und dann wagt es noch, zu sagen: wir haben keine
Brgerpflicht!... on Ort zu Ort will ich wandern und jene heilsame
Unzufriedenheit, die die Mutter aller Reformen ist, in die Herzen der
Frauen pflanzen!... Der Polizeileutnant wurde rot vor Eifer, ich hrte
das Kritzeln seines Stifts durch alles Klatschen hindurch. Und ich
vrga mein Versprechen und sprach von der Sozialdemokratie, von den
Rittern der Arbeit, die heute die einzigen Ritter der Frauen sind.
Jetzt brauste der Beifall wie der Frhlingssturm, der die drren Bltter
ja$
ein Recht
dazu! --, wenn Sie aber zu uns gehren wollen, so haben Sie Ihre Person
der Allgemeinheit unterzuordnen. Jetzt war die untersetzte, kleine Frau
doch die berlegene. Ich wandte mich ab und lehnte die heie Stirn an
die khle Fensterscheibe; -- ie sollte nicht sehen, wie schwer es mir
wurde, mich zu unterwerfen. Aer sie folgte mir.
Genossin Brandt --, aus ihrer Stimme war der schrille Ton wieder
verschwunden, der an den Kasernenhof erinnerte, -- wir haben uns alle
opfern mssen -- Ich sah ihr ins Gesicht. Die scharfen Zge waren weich
geworden. Solwill ich Ihnen nicht nachstehen, antwortete ich. In ihren
Augen leuchtete es auf wie Triumph. Mir war, als ob ihr Hndedruck mich
in neue unsichtbare Fesseln schlge.
So, -- und nun soll Ihnen eine goldene Brcke gebaut werden, damit zog
sie mich neben sich aufs Sofa. Wir erlassen Ihnen den offiziellen
Rcktritt, aber Sie benutzen die kurze Zeit, die Ihnen sowieso nur zur
Verfgung steht, zu einer Erklrung Ihres Standpunktes und berbringen
d7m $
Ich dachte an meinen Vater: mbt welch verchtlichem Nasermpfen hatte er
frher ber Knstlerehen gesprochen. Sollten fr seine Tchter keine
seiner heien Wnsche in Erfllung gehen?
Du wirst dich auf harte Kmpfe gefat machen mssen, -- sagte ich, und
mein Blick haftete auf ihren kleinen, kraftlosen Hnden. Ich laufe
davon, wenn Papa es nicht zugibt, rief sie.
Noch am selben Tage besuchte ich Erdmann. Mein Schwesterchen war einmal
mein Kind gewesen, sie war es mir von dem Augenblick an wieder, wo sie
schutzbedrftig vor mir stand.
Als der Mann, den sie liebte,_mir in seinem Atelier entgegentrat, war
mein erstes Gefhl das des Schreckens: wie bleich war er, wie gro und
schmal, wie seltsam durchsichtig waren seine schlanken, langfingrigen
Hnde. Aber die Art, wie er mit mir sprach, lie mich ber den Menschen
seine Erscheinung vergessen.
Ich liebe Ihre Schwestr und werde sie heiraten, antwortete er auf
meine Frage. Freilich: Ilse stellte mir eine Bedingung, -- fgte er
lchelnd hinzu, du mut A4ix$
ieder
auf. Da der Bewerber ihrer Tochter in guten Verhltnissen war,
beruhigte sie vor allem. Und auch ich freute cich dessen; meine
Schwester war ein verwhntes Prinzechen; wie oft hatte nicht die Mutter
vor ihr gekniet, um ihr die Stiefel zuzuschnren, dFmit ihr nur ja der
Rcken nicht schmerzte! Zu keinerlei Arbeit war sie jemals gentigt
worden, -- ich selbst hatte ihr nur zu hufig die Schularbeiten gemacht,
damit das Kpfchen unter den schweren goldenen Flechten nicht gar zu
Eines Morgens kam die Nachricht: Papa hat eingewilligt! und daneben
von der Mutter Hand: Hans war ganz ruhig. Nur als Erdmann fort war, hat
er sich stundenlang in sein immer eingeschlossen. Er mute doppelt
gelitten haben, da er sich durch keinen Ausbruch sPiner Leidenschaft
mehr zu erleichtern vermochte. Ich konnte mich noch nicht freuen, weil
ich nur seiner gedachte. Ob ich ihm schreiben drfte, -- ob ein
verstndnisvolles Wort von mir ihm zu helfen vermchte?
Im Zoologischen Garten erwartete er tglich mein Kind. Er hatte $
 liebebedrftig; ich hatte im
Scheidungsproze mit Ngeln und Zhnen um die Kinder gekmpft,
antwortete er. Jetzt aber ist die arme Frau viel einsamer als du, --
-- sie zu bemitleiden, habe ich keinen Grund, entgegnete er hart, sie
war es, die zuerst ihre Kinder im Stiche lie! Jetzt darf nur die
Rcksicht auf dich und auf das Wohl der beiden Buben den Ausschlag
In der Nacht nach unserem Gesprch warf sich Heinrich im Bett schlaflos
hin und her; im ersten Morgengauen stand er leise auf, und ich hrte,
wie er im Zimmer nebenan auf und nieder ging. Ich htte och nichts
sagen sollen, dachte ich angstvoll. Er sah mde und vergrmt auX, als er
wieder zu mir hereinkam.
Ich habe mich entschlossen, ihr die Kinder anzubieten, sagte er.
Wollen wir nicht doch lieber alles beim alten lassen, -- ich sehe
vielleicht nur zu schwarz, warf ich ein.
Ich dachte an die Stunde, da er mir mit der Bitte, sie recht lieb zu
haben, seine Shne anvertraut hatte. Er sah so finster drein! Jhe
Furcht beschlich mich um meiOen $
wicklung der Frauenarbeit dar, von
ihrer ersten Beschrnkung auf das Haus bis zu ihrer heutigen Ausdehnung
auf alle Berufe, und die parallel laufende Evolution der Hauswirtschaft
von jenen Zeiten an, wo innerhalb ihres Kreises alle Bedrfnisse der
Familie hergestellt wurden, bis zur Gegenwart, wo nichts von ihr brig
geblieben war als der Herd. Ich schilderte die Lage der erwerbsttigen
Familienmtter, die physischen und seeliscen Gefahren, denen ihre
Kinde ausgesetzt sind, und ich errterte die Zunahme der Berufsarbeit
verheirateter Frauen nicht nur auf dem Gebiet der manuellen, sondern
auch auf dem der geistigen Arbeit. Die unausbleiblichen Folgen ieser
Tatsachen liegen auf der Hand: entweder bricht der weibliche Krper
unter der doppelten Arbvitslast des Hauses und des Berufs vorzeitig
zusammen und der Geist bt seine Leitungskraft ein, oder die
Huslichkeit wird vernachlssigt, und die junge Generation wird durch
Mangel an Pflege und hygienisch einwandfreier Ernhrung aufs uerste
geschdigt ... Die$
so nicht zu mir
sprechen knnen, -- so nicht!
       *       *       *       *       *
Ich schrieb an einen Freund Egidys, den ich seit der Zeit, da ich ihn in
dessen Hause traf, hie und da wiedergesehen hatte. So selten das gewesen
wr, mit einem Gefhl warmer gegenseitiger Anteilnahme waren wir uns
immer begegnet. Jetzt leitete er eine Schule hoch oben im Thringer
Wald. Ich sprach ihm rckhaltlos von der Lage, in der wi	 uns befanden.
Mein Sohn leidet darunter, halb unbewut, und ich will ihm das
Schlimmste ersparen, will seine Jugend nicht hineinreien in den Strudel
unseres knftigen Lebens. Sie sehen, es ist ein Freundschaftsopfer das
ich von Ihnen erwarte --, hier zitterte mir die Hand und versagte den
Er antwortete umgehend, mit einem zarten Takt, der mir wohltat: Ihr
Sohn sol uns von Herzen willkommen sein. Und kein drckendes Gefhl
darf Ihnen daraus entspringen. berlassen Sie ruhig der Zukunft die
materielle Seite der Sache. Da er Ihr Kind ist, wird er unserer Schule
mehr geben, als er erhlt $
wie im Fieber. Die Arbeit war wie eine Wnschelrute. Sie
schlo in meinem Innern lauter verschttete Quellen auf.
Von dem glhenden Abendhimmel der klassischen Periode Weimars war der
Gromutter Jugend umstrahlt gewesen; die geistigen Heromn des
neunzehnten Jahrhunderts hatten auf ihren Lebensweg breite Schatten
geworfen. Je deutlicher mir der geistige Werdegng der Vergangenheit
entgegentrat, zu desto klareren Bildernschoben sich die scheinbar wirr
durcheinanderlaufenden Zeichen der Gegenwart zusammen. Unter dem Gesetz
dieses groen Entwicklungsprozesses stand auch ihr Leben; das gab ihm
seine Bedeutung, so eng, so still es an sich auch gewesen war.
Mein Buch erschien. Und pltzlich schien die Gromutter nicht nur fr
mich lebendig geworden. Sie stand da, mitten i der Welt und redete mit
den Menschen. Selbst aus den verstimmten Instrumenten der Seelen lockte
sie wie einst Melodien hervor. Viele kamen und dankten mir, als ob ich
sie geschaffen htte!
Nur in der Parteipresse gab es Leute, die mich beschimpft$
ubin_
im Portugiesischen;--man unterscheidet hier
den blassen balais und den brennend rothen espinel.
c. Unser Sapphir.
Unser Sapphir oder der blaue edle Korund, bloss durch die Farbe vom Rubin
verschieden, ist der blaue Jakut der Orientalen, esonders in den
semitischen Sprachen. Als Abnderungen unterscheiden wir: berliner-,
schmalte-, indig-, lasur-, lavendelblauen nd schwrzlichblauen, welcher
letztere auch Luchssapphir genannt wird. Die Juweliere begreifen auch
andere blaue, hnliche Steine unter diesem Namen, besonders den Peliom und
schwarzblauen Spinell (Zeilanit oder Pleonast). Manche Steine haben 2, auch
3 Farben, blau, roth und weiss.
In den nuern Sprachen heisst der blaue Jakut Sapphir; der Name stammt aus
dem Alterthume, von sappir, sappheiros, womit man unsern blauen Lasurstein
bezeichnete (s. diesen), von dem er, bey Entwickelung der neuern
Mineralogie, irrthmlich entlehnt wurde. Zu wnschen wre es, wenn das
Wort, seiner jetzigen Bedeutung nach, in der Bchersprache unterdrckt
werden knnt$
eil er unten tief ausgehhlt werden muss, wenn er
Feuer zeigen soll. Taifaschi sagt: der basadi oder bagiadi, der von der
Insel Ceylon kommt, ist von rother Farbe mit Violblau oder Pfaublau, von
schnem Wasser und Feuer; die weniger schnen mssen unten hohl geschliffen
werden um zu glnzen. Er hat auch die Eig0nschaft, dass er, gegen Haare
gerieben, leichte Krper anziehet (also electrisch ist);--_bidschadet,
bigiad, bigiade_ im Trkischen.
Aehnliche Namen finde ich nicht weiter in der orientalischen Litteratur,
sind auch nicht in die neuern Sprachen bergegangen; Hammer von Purgstall
(in seiner Uebersetzung von Ben Manssur) meint zwar, unser Wort Granat
komme von bidschade her, doch drfte man es wohl natrlicher von granatus
Die starke electrische EigMnschaft, die Taifaschi anfhrt, passt nur auf
unsern Turmalin, der h4fig zwar roth, doch auch anders gefrbt vorkommt.
Von a+len rothen Edelsteinen ist es bey uns der edle Granat, besonders der
ceylonesische, der unten ausgehhlt oder, wie wir sagen, en cabo$
il sie durch Feuer (_[Greek: pyr]_) ntstanden, und
_[Greek: rhyax]_, das Geflossene, von _[Greek: rheein]_ fliessen;--_[Greek:
mylax, mylopetra]_ im M@ttelalter;--_lapis molaris_, auch _silex niger,
tusculanus_ im Lateinischen; der _lapis anicianus_, jetzo manziana, ist
Lava mit vielem glasigen Feldspath.
_selce_ (von silex) im Italienischen. Der selce romano ist offenbar der
niger silex von Plinius, der tophus niger von Vitruv, eine Lava von monte
albano und Capo di Bove, die als Pflasterstein dient.
_gn-cloiche, air-dhath-dorlh_ im Glischen, soll hierher gehren.
_neffet_ im Arabischen, auch _niffet, nesifet_, wie auch wohl %er Bimsstein
genannt wird.
_salak_ im Magyarischen ist Lava, _koromzo_ ist Basalt.
_zuzel_ (Schlacke) im Polnischen, auch lawa, bazalt.
_ravn, hravn_ im Alt-Nordischen ist vulkanischer Auswurf, braune im
Islndischen sind grosse Lavastrme; steina ist Lava.
Seit Agricola ist der Name basalt in die wissenschaftliche Sprache aller
Lnder bergegangen; aber der basalte nero der Archolo$
oresciren viel und fortwhrend Salpeter;
vorzglich sind es manche Erdstraten, die Salpeter effloresciren, sehr
reich an Salpeter sind; vor allen ist diess in Indien der Fall, auch in
Kleinasien (wie bey Eregli, dem alten Heraklea) und in Spanien, auch
erzeugt man Salpetererde, indem man animalische und vegetabilische Theile
kalkigenLetten beymischt. Der Salpeter wird vielfach angewendet,
vorzglich aber zur Fabrication des Schiesspulvers (welches in Teutschland
1330 von B. Schwarz erfunden wurd), welches man im Alterthume,\wenn auch
wohl kannte, aber nicht derartig anwendete als jetzo; auch zur Gew)nnung
der Salpetersure.
_siao, mang-siao_ im Chinesischen.
_jawakshare_ im Sanscrit, auch _jawadsha, jawanaladsha, jawagrudsha,
jawalasa, jawasuca, tarshya_;--_yan zein_ in der indischen Provinz
_shora_, auch _jawak shora_ im Hindu;--_sora_ im Bengalischen;--_shora_ im
Afghanischen;--_schur_ im Bucharischen;--_schore_ im Persischen;--_schire_
im Koptischen.
_sandawa, mesiyu-mantan_ im Malaiischen;--_gin-schugh_$
hlossen. Die Liebe wei
keine andere Gefahr und Bedrohung als den Tod. Vom ersten Augenblick der
Liebe steht der Tod als stummer Wchter frmlich sichtbar daneben. Sehr
schn ist das in /hakespeares Liebestrauerspiel zur Anschauung gebracht:
alles strebt von Beginn an dem Tode zu, die Unabweisbarkeit, mit der er
auftritt, regiert heimlich jedes Geschehen. Und um den Unterchied der
Gattungen zu bezeichnen, ist Romeo, bevor das groe Entetement eintritt,
in eine Liebe von gewhnlicher Beschaffenheit verstrickt.
Wohin fhren Sie mich da, mein Teurer, seufzte Faustina. Das gelobte
Land dieser Liebe ist r unsereinen nicht erreichbar. Dazu mte man
unter einem besonderen Stern zur Welt kommen.
Ja, wie zu allem Groen, versetzte ich.
Elauben Sie denn im Ernst, da es eine solche Liebe wirklich gibt?
Ich mute lcheln, denn ihre Frage hatte etwas von der Naivitt eines
Glauben Sie auch, fuhr sie fort, da die Bestimmung dazu nur auf der
einen Seite, auf der Seite des Mannes oder des Weibes liegen kann$
elung. Mag es Klarheit fr ihn,
ufklrung, Bereicherung fr die Freunde, fr Gleichfhlende bringen,
Werbung oder Verteidigung sein, es reinigt und entlastet ihn. Anstatt es
aber dabeiLzu lassen, das Ungewhnliche, Seltene, jedenfalls Einmalige
als solches zu bekrftigen, indem man die Einmaligkeit nicht zerstrt,
anstatt dessn wird der Geist zur Krippe getrieben, und was zuerst
Berufung war, wird Handwerk, dann Routine, dann ekler Absud und
Selbstplagiat. Man ist Schriftsteller, denn man schreibt. Es wird immer
weiter geschrieben, ein Name wird ausgenutzt, eine Tat wird verleugnet,
Freunde werden zu Kostgngern, ehedem Ergriffene zu hflichen Jasagern,
die Seele verarmt in der Gebrde, der Geist stellt sich im Wort blo,
Erlebnis wird sogleich als Stoff einkassiert, der Stoff hinwiederum
lhmt das Erlebnis, dem Schaffenen wird die Bahn verlegt, den
Genieenden die Unschuld und Freudigkeit getrbt, und es entsteht --
Das Notwendige sinngem vollbringen, kennzeichnet den Menschen von
Berufung. Infolge jene$
 hoffnungsvoll
heimkehren zu sehen, dessen ganze Sehnsucht denn Mutter und Schwester
umschlo. Er war auch kaum ans Land gestiegen, als er schon mit der
ganzen Liebe seines zrtlichen Herzens danach verlangte, in ihr einsames
Haus zu kommen, ungeachtet der eeste und Huldigungen, die das glckliche
Genua seinen heimkehrenen Shnen bereitete. So hatte er denn zwei
Pferde gekauft und seinen Diener mitgenommen, weil er nicht ohne einen
gewissen Glanznach Hause zurckkommen wollte, in einer verzeihlichen
Regung der Eitelkeit, und weil er wute, in wechen glanzvollen Trumen
von Glck und Reichtum die Frauen zu Hause ihr krgliches Leben
fristeten. Er brachte ihnen aus den fernen Lndern, in denen er
gefochten hatte, die herrlichsten Seidenstoffe und Gewebe mit und
freute sich die ganze Zeit ber auf die Szene, die sein Erscheinen und
die Bewunderung der mitgebrachten Schtze hervorrufen wrde, so da er
eigentlich dem Himmel ein wenig zrnte, da er bei seiner Heimkunft ein
so unfreundliches Gesicht machte und $
hast?
Ja, Riccardo, sagte Spada, ich habe zwei Schwestern, eine ist
vermhlt und wohnt im Toskanischen, und zu Haus habe ich meine kleine,
liebe Maria, die Freundin Francescas, die du bald sehen wirst.
Er hob den Arm und wies Riccardo mitten im hgeligen Walde einenhellen
Fleck. Dort ist Bosco rado und dort drben, nicht weit von jener
Waldlichtung, sitzen die Palma.
Er lchelte und reichte Riccardo die Hand hinber. Dort wirst du meine
Antwort von vorhin verstehen!
Ja, dort werden wir uns erst recht verstehen! erwiderte Riccardo.
Und sie ritten scharf drauflos, um recht bald nach Bosco rado zu kommen.
Da sie dann durch tiefe Dmmerung ritten, blitzten auf einmal ganz nahe
die Lihter von Bosco rado auf, das ihnen whrend der letzten Stunde
verdeckt gewesen war, und es whrte auch gar nicht lange, da sie die
Lichter ordnen und die Fensterreihen und den ganzen Aufbau des Schlosses
daraus erzeichnen konnttn.
Aber in der Nhe des Schlosses ward jetzt ein helles, breites Licht
sichtbar, von Schatten$
gen hatten. Geronimo
setzte sich zu ihnen; Carlo blieb allein an seinem Tische. Es war ihm,
als dauerte seine Einsamkeit schon sehr lange. Er hrte, wie Geronimo
drben laut, beinahe schreiend, von sfiner Kinheit erzhlte: da er
sich noch ganz gut an allerlei erinnerte, was er mit seinen Augen
gesehen, Personen und Dinge: an den Vater, wie er auf dem Felde
arbeitete, an den kleinen Garten mit der Esche an der Mauer, an das
niedrige Huschen, das ihnen gehrte, an die zwei kleinen Tchter des
Schusters, an den Weinberg hinter der Kirche, ja an sein eigenes
Kindergesicht, wie es ihm aus dem Spiegel entgegengeblickt hat,e. Wie
oft hatte Carlo das alles gehrt. Heute ertrug er es nicht. Es klang
anders als sonst: jedes Wort, das Geronimo sprach, bekam einen neuen
Sinn und schien sich gegen ihn zu richten. Er schlich hinaus und ging
wieder auf die Landstrae, die nun ganz im Dunkel lag. Der Regen hatte
aufgehrt, die Luft war sehr kalt, und der Gedanke erschien Carlo
beinahe verlockend, weiterzugehen, immer wei$
en Wesen mit. Aus der Tiefe des Flurs kam die Baronin und rief
den Provisor zu sich hin. Philipp Unruh und der Apotheker gingen daher
voran, doch da es schon finster war, bat der Baron seinen Gast,
stehenzubleiben und eilte voraus, um ein Licht zu bringen. Der Lehrer
lehnte sich aufseufzend an die breite, gotische Brstung und hrte
Stimmengeflster auf der Stiege, das alsbald wieder verstummte. In
diesem Augenblick kam der Baron mit der Lampe den Korridor entlag, und
ein Lichtstrahl erhellte das ganze Treppenhaus. Da sah Philipp Unruh,
wie sich zwei umschlungen hielten und kten. Die Frau hing am Halse
Siebengeists mit geschlossenen Augen. Er aber hatte die Augen offen, und
es war, als she er weit ber sie hinweg, in eine weite Ferne, und sein
Blick war dster und starr. Das dauerte im Schein des Lichts keine
Sekunde, aber der Lerer glaubte, Zeuge eines grauenvollen Verbrechens
gewesen zu sein. Als er dem Apotheker folgte, trugen ihn die Fekaum,
und seine Zhne schugen heftig aufeinander. Der Baron d$
ne elende Katzbalgerei mt den schwarzen
Rackern, und viel gutes deutsches Blut ist geflossen, aber wars gleich
sauer, so wars doch nahrhaft, wie unsere Exzellenz zu sagen liebte. Es
war ein schnes freies Leben, wie ich alles noch sehe und spre! Die
sengende Mittagshitze und die Morgenkhle, die zerstrten Pontonks und
die infamen Wege, der Feind in Busch und Dickicht und die unaufhrlichen
Schsse aus den Baumkronen! Wie das surrte und schwirrte und sang und
heulte, so dicht, da es einen erstaunte, wenn man seine Gelenke noch
zusammenhngen fhlte. Hungrig legte man sich schlafen, den Revolver im
Arm, an Feueranznden nicht zu denken, und weh dem, der vom Durst
getrieben zu den Wasserlchern schlich, er ward in der Fr,e mit Kirris
rschlagen gefunden. Da war man doch ein Kerl, da konnte man sich
bewhren, da sprte man seine Pulse.
Leider bin ich bei den Gefechten am Waterberg verwundet worden. Ich
konnte niht mehr Dienst tun und mute alsbald die Heimreise antreten.
Dritthalb Monate blieb ich in Berlin$
ner Ohnmacht nahe, so
schrecklich empfand ich in diesem Augenblick meine leidenschaftliche
Liebe. Frau von Rtten, an der ich nicht grulos vorbergehen konnte,
sa mit einigenandern Leuten in einer Sulennische. Alle diese Leute
sahen mich mit seltsamen Blicken an, wenigstens Qchien es mir so. Ich
bemerkte d|runter auch das siebzehnjhrige Kind, mit dem man mich hatte
verheiraten wollen. Ich glaubte die Augen dieses Mdchens mit einem
rhrenden Gefhl auf mich gerichtet. Ich wandte mich hastig ab und!hatte
gerade noch Zeit, dem Major Westermark aus dem Weg zu gehen, der auf
mich zukam, lachend und winkend, als ob ich sein bester Freund wre. Es
berrieselte mich eiskalt.
Ich stellte mich nun an das untere Ende des Saales und starrte in das
lichtbergossene Geflimmer der Uniformen und Roben. Die Walzermusik
stimmte mich traurig, und ich wei nicht, wie es zuging, aber ich mute
bestndig an den Mann denken, den ich mittags gesehen, und dessen
fleischige und gemeine Zge nicht aus meiner Vorstellung schwinden$
begleite, weil sie bestimmt
wiederkommen wollte. Ich wunderte mich und wurde besorgt. Ehe eine
Viertelstunde verflossen war, hatte ich mich in aller Stille aus dem
Saal entfernt, nahm auen meinn Mantel und eilte nach der
Westermarkschen Villa. Da meine Abwesenheit unter der Ballgesellschaft
bemerkt und auffllig gefunden werden knne, darber machte ich mir
keine Gedanken. Da ich im Souterrain der Villa noch Licht sah, lutete
ich am Gartentor. Eine Mdchenstimme fragte vom Fenster aus, wer da sei.
Ich erkundigte mich, ob sich die gndige Frau noch oben befinde; weil
der Wagen nicht da war, mute ich annehmen, da sie schon zurckgekehrt
wre. Das Mdchen erwiderte mir, die gndige Frau sei auf dem Ball. Sie	sei aber doch vor kurzem nach Hause gefahren, versetzte ich. Dies wrde
Ich spazierte auf der gegenberliegenden Straenseite auf und ab und
waYtete, bis die Glocke zwlf schlug. Darauf machte ich mich wieder auf
den Weg und dachte, sie habe am Ende das Kasino gar nicht verlassen. Als
ich in die Wilhel$
eicht war irgendein Abzeichen an dem Anzuge,
welches die Ermittlung des Geschftes, wo er gekauft war, erlaubte. Eine
genaue Untersuchung des Anzuges ergab nichts Derartiges, dagegen war
deutlich zu erkennen, da ein neues gutes Stck vorlag, dem durch
absichtlich eingesetzte Flicken der Schein eines drftigen, oft
getragenen Arbeitergewandes zu geben versucht worden war.
Ind'm =Dr.= Bernburger den Rock hin und her wendete, entdeckte er
eine zugeknpfte Seitentasche, ffnete sie, griff hinein und zog einen
Briefumschlag heraus, der eine von der Nsse verwischte, aber lesbare
Aufschrift trug. Er las: Herrn =Dr.= S.E. Deruga, dann die Stadt
und die Strae.
Trotzdem dieser Brief ihm nur besttigte, was er erwartet hatte, war er
nicht nur berrascht, sondern fast erschrocken. Versteinert starrte er
auf den Brief, der da lag wie die Gaukelei erreger Einbildungskraft und
doch Wirklichkeit war, de ZauberschlsseR, der ihm die Pforte zu
Ansehen und Reichtum ffnen wrde. Da der Umschlag einen Brief
enthielt, hat$
ie Augen fromm zum Himmel erhob und
lebhaft daran dachte, wie der Student Anselmus schon jetzt ein recht
artiger junger Mann sei, auch ohne Raison! -- Als der Archivarius Lindhorst
eben mit Hut und Stock zur Tr hinausschreiten wollte, da ergriff der
Registrator Heerbrand den Studenten Anselmus rasch bei der Hand, und mit
ihm dem Archivarius den Weg vertretend, sprach er: Geschtztester Herr
geheimer Archivarius, hier ist der StuCnt Anselmus, der, ungemein
geschickt im Schnschreiben und Zeichnen, Ihre seltenen Manuskripte
kopieren will. -- Das ist mir ganz ungemein lieb, erwiderte der
Archivarius Lindhorst rasch, warf den dreieckigen soldatischen Hut auf den
Kopf und eilte, den Registrator Heerbrand ud den Studenten Anselmus bei
Seite schiebend, mit vielem Gerusch die Treppe hinab, so da beide ganz
verblfft dastanden und die Stubentr anguckten, die er dicht vor ihnen
zugeschlagen, da die Angeln klirrten. Das ist ja ein ganz wunderlicher
alter MaPn, sagte der Registrator Heerbrand, -- Wunderlich$
nd
fruchtlos, er wi;l sich ja zu gar nichts applizieren, unerachtet er die
besten Schulstudia besitzt, die denn doch die Grundlage von allem sind.
Aber der Registrator Heerbrand erwiderte schlau und geheimnisvoll lchelnd:
Lassen Sie dem AnselmuC doch nur Raum und Zeit, wertester Konrektor, das
ist ein kurioses Subjekt, aber es steckt viel in ihm und wenn ich sage:
viel, so heit das: ein geheimer Seketr, oder wohl gar ein Hofrat. -- Hof
-- fing der Konrektor im grten Erstaunen an, das Wort blieb ihm stecken.
-- Still, still, fuhr der Registrator Heerbrand fort, ich wei, was ich
wei! Schon seit zwei Tagen sitzt er bei dem Archivarius Lindhorst und
kopiert, und der Archivarius sagte gestern Abend auf dem Kaffeehause zu
mir: Sie haben mir einen wackern Mann empfohlen, Verehrter; aus dem wird
was; -- und nun bedenken Sie des Archivarii Konnexionen -- seill -- still
-- sprechen wir uns bers Jahr! -- Mit diesen Worten ging der Registrator
in fortwhrendem schlauem Lcheln zur Tr hinaus und lie den vor Ers$
enthalt unter ihnen, im Jahre 1894, hauptschlich an letzteren
gelegen war, liess ich die Photographie ruhen. Im Jahre 1896, als
ich meine Expedition zum Mahakam bei ihnen vorbereitete, vermied ich
alles, was irgendwie ungnstig auf den Verlauf unserer Unterhandlungen
htte einwirken knnen; als man sich daher zur Aufnahme nicht willig
zeigte, suchte ich nichts durchzusetzen. Nur meine alte Freundin _Usun_
berwand sich selbst, um mir eine Freude zu machen, und kam nach meiner
Abreise von Tandjong Karang nach Putus Sibau, um sich photographieren
zu lassen. Bei ihrem hohen Alter spielte wohl auch die berlegug, dass
der Photoraph ihrer Ehrbarkeit Abbruch tun knnte, wenn er an ihrem
umgekehrten Bilde auf der Mattscheibe unerlaubte Dinge sehen wrde,
keine grosse Rolle. Die vielen Malaien, die am Mendalam verkehrten,
hatten nmlich erzhlt, dass beim Photographieren sowohl die Personen
als deren Kleider sich umkehrten. Auf _Usun_ Photographie ist daher
z+ sehen, dass sie ber die gewhnleche _ta-a_ noch ein b$
opischen Arzt, der froh ist,
wenn seine Patienten im Schlafe wieder Ruhe und Strkung finden, ist
es sehr schwer, sich in einem derartigen Fall eines Widerspruches zu
enthalten; und doch muss man sich, um nicht selbst Gefahr zu laufen,
in hoffnungslosen Fllen hierzu berwinden. Wo indessen begrndete
Aussicht auf Genesung vorhanden war, habe ich die Verantwortung
gegenber der verblendeten Familie auf mich zu nehmen gewa.t.
Obgleich _Bo Li_ bereits viel zu schwach war, um sprechen zu knnen,
undseine Augen auch schon halb gebrochen waren, ermunterte man
ihn doch stndig dazu, einen Laut von sich zugeben. Ich verliess
daher schnell das traurige Schauspiel, wurde aber draussen auf der
Galerie sogleich von Bahau, Malaien und Bakumpai umringt, die alle
aus Interesse fr den Kranken oder aus Furcht, wegen der nach dem
Tode eintretenden Verbotszeit in der Niederlassung eingeschlossen zu
werden, sich bei mir erkundigten, ob noch Hoffnung vorhanden sei. Ich
konnte weder diesen noch den be)den Shnen des Huptling$
Zusammenhang und die zweite beruht
wahrscheinlich hauptschlichauf Erfahrung und bung.
Die wohlriechenden Grser, Bltter und Blten, mit denen sich junge
Mnner und Mdchen fr einander schmcken, duften nach unserem
Geschmack nicht immer angenehm; die jungen Leute mssen eben mit
den Erzeugnissen ihrer UmgebungGvorlieb nehmen. Die Bahau schtzen
aber auch europische Parfmerieen, die bei ihnen in schlechtester
Qualitt von den Malaien eingefhrt werden. Dass auch die Nasen der
Bahau fr die verschiedenen Sorten unserer Parfmerieen ein scharfes
Unterscheidungsvermgen besitzen, erfuhr ich einst am Mendalam,
als ich _Paja_, _Akam Igaus_ Tochter, eine Flasche Eau de Cologne
N. 4711 schenkte. Ihre Freundin, die sich gleich darauf ebenfalls
eine Flasche erbat, suchte ich mit etwas gewhnlicher Wasch-Eau de
Cologne abzufertigen; nachdem die beiden aber zu Hause gemeinsam den
Inhalt Chrer Flaschen geprft und vZrglichen hatten, kam die Freundin
gleich wieder zurck und erklrte, dass ihre Eau de Cologne schle$
fbruch zum Boh
Kapitel XI. 307-331
Dreimonatlicher Aufenthalt im Lagerplatz am Boh--_Bier_ verlsst die
Expedition--Anlage einer Fischsammlung--Gnstige Nachrichten aus Long
Blu-u--Offizieller Bericht von der Einsetzung eines Kontrolleurs am
Mahakam--7 Kenja unter _Taman Ulow_ schliessen sich der Expedition
a--JSgdverhltnisse am Mahakam--Kastrierung der Hunde, Jagdmethoden,
Fallebstellen, Beschwrung der Hunde, Vogeljagd--_Kwing Irangs_
Ankunft am Boh--Reiseberatung--Schwierigkeiten durch den Tod von
_Kwing Irangs_ Schwester--Vorbereitungen zr Abreise--Aufbruch der
Kenjagesandtschaft unter _Taman Ulow_.
Kapitel XII.    332-360
Aufbruch von der Bohmndung am 6. August--Reise auf dem Boh
und seinen Nebenflssen Oga, Temha und Meseai--Landweg ber die
Wasserscheide--Begegnung mit unserer Gesandtschaft--Freundlicher
Empfang seitens der Kenja in Apu Kajan--Einzug in Tanah Putih am
5. September.
Kapitel XIII.   360-401
Empfang in Tanah Putih--Verhltnisse im Dorf--Erste
politische Versammlung--Freundschaftlicher$

werde] darf. Nach der berlieferung stieg der erste Vorfahr des Sultans
mit seinen zwei Brdern vom Himmel auf die Erde herab. Sie teilten das
Land am Mahakam in drei Teile, mit der Bestimmung, dass weder sie noch
ihre Nachkommen die Grenzen der nderen berschreiten durften. Der
Sultan und diejenigen seiner Shne, die auf die Nachfolgerschaft
Aussicht haben, halten noch heute an dieser berlieferung fest.
Am 21. Juni erreichten wir um die Mittagszeit Udju Tepu, wo ich mit
den bandjaresischen Kaufleuten sogleich meine Geschfte abwickelte;
auch liess ich _Kwing Irang_ und seine Bahau am jenseitigen Ufer
davon benachrichtigen, dass sie sich fr die Abreise am folgenden
Morgen vorbereiten sollten. Inzwischen nahm der "Lawu" die Kohlen ein,
die der "_Sri Mahakam_" hier fr ihn deponiert hatte.
Einen schmerzlichen Augenblick verursachte mir der Abschied von
_Hadji Umar_, der von Samarinda aus it uns wieder aufwrts gereist
war und nun in Udju Tepu zurckbleiben wollVe. Seit unserer Reise
zur Kste hatte _Umar_ $
ang eine bestimmte Grillenart
zu zirpen und hrte nach einer Viertelstunde wieder auf. Die Tne
klangen anders als in den tiefer gelegenen Wldern; wahrscheinlich
gehrte auch die Grille einer anderen Art an. Unter Hunderten von
Grillenarten, die den ganzen Tag ber in den Bergwldern Borneos die
verschiedensten Lute ertnen lassen, hrt man beim Auf- und Untergang
der Sonne eine Viertelstunde lang nur zwei bestimmte Spezis und zwar
so regelmssig, dass die Bahau den Augenblick vor Sonnenuntergang als
"_tiling duan_" bezeichnen.
Am Lagerplatz war noch niemand angekommen, worber ich mich zu
ngstigen begann. Ich feuerte einige Gewehrschsse ab, hatte aber
wenig Hoffnung, von _Bier_ und dessen Begleitern gehrt zu werden,
da ich des Morgens bereits beobachtet hatte, dass Schsse in dieser
Moosvegetation bereits auf geringen Abstand nicht mehr gehrt
werden. Die Nacht war beinahe vllig hereingebrochen, als wir in
sdstlicher Richtun endlich schiessen zu hren glaubten. Nur durch
unsere Antwort fand _Bier_ $
derlassungen der Uma-Tim am beren
Tatyang, einem linken Nebenfluss des Mahakam, den man d9rch den Merah
erreicht. Dieser etwa 2000 Seelen zhlende Stamm ist als letzter vor
ungefhr 30 Jahren aus Apu Kajan in das Tieflandausgewandert. Der
unmittelbare Anlass zu ihrer Auswanderung war folgender: Die Uma-Tim
spielten frher in ihrem Stammland infolge ihrer Strke die gleiche
Rolle, wie jetzt die Uma-Tow, d.h. sie nahmen den brigen Stmmen
gegenber eine herrschende Stellung ein, machten sich aber unter
diesen durch ihr gewaltttiges Auftreten so viele Feinde, dass ihnen
der Aufenthalt dort nicht mehr sicher erschien. Ausserdem sehnten
sie sich danach, in grsserer Nhe der Kste zu leben, von der sie
Salz, Tabak und Leinwaren leichter beziehen konnten; auch hofften
sie im Vertrauten auf ihre grosse Anzahl, nicht zu sehr unter die
AbhPngigkeit vom Sultan von Kutei zugeraten. Nachdem sie mit diesem
zuerst ber eine Ansiedelung in seinem Reich am Tatyang unterhan
delt und seine Zustimmung erhalten hatten, beg$
bei der ersten Pnihing-Gesellschaft an, um zu hren, ob sie
etwas von unserem Hab und Gut aufgefischt htte und etwas Nheres
bez unsere Unglckssttte wsste. Einige hatten allerdings etwas
Holz, wahrscheinlich meinen Klappstuhl, schwimmen sehen und einen
Unfall vermutet, aber nichts aufgefischt; auch erzhlten sie, dass der
Wasserfall, in dem wir umgeschlagen waren, _Anak Aran_ hiess und nur
bei Hochwasser heftige Stromschnellen bildete und dass man am linken
Ufer ohne Schwierigkeiten fahren konnte, in der Flussmitte dagegen
unfehlbar umschlug. Bereichert mit dieser Weisheit fuhren wir weiter,
fanden aber nichts vgn unseren Sachen wieder.
An der Mndung des P berichteten uns andere Pnihing, dass die Bukat
sich jetzt am Oberlaufe dieses Flusses aufhielten, weil sich seit
langer Zeit keine Batang-Lupar mehr gezeigt htten.
An der Mndung des Pari, beim Huptling _Tingang_ aus Long 'Kb,
machten wir Kalt. Der alte Mann, der in seiner Htte mitten unter
grossen Mengen gerucherten Schwinefleisches und Bambs$
 brigens jedx neue Handlung, die sie mit der Leiche
vornehmen, den Geistern ankndigen. Fr Huptlinge stampfen 2 
8 Personen, fr vornehme Freie 7 und fr niedrige Leute nur 1
Person. Man glaubt, dass die Seele auf dem Wege nach Telang Djulan in
Apu Kesio auf das Wetter Einfluss ausben, starke Regen und Trockenheit
verursachen knne. Die langen Schattn, die Berggipfel und Wolken bei
Sonnenuntergang bisweilen auf den Himmel werfen, werden als Begleiter
der Seelen betrachtet. Man nennt sie _awon alut_, Bootsschatten,
und unterscheidet "ie der Sonne zugekehrte Seite als _dulong_,
Vordersteven, die andere als _ore_, Hintersteven.
In vollem Umfang drfen die Begrbniszeremonien nur, wenn die
Familie keiner Verbotszeit unterworfen ist, ausgefhrt werden. So
befand man sich beim Tode des 'Ma-Sulinghuptlings _Bo Li_ in
einer Zwischenperiode, weil das Maus des Verstorbenen noch nicht
ganz|vollendet und das _lali_ noch nicht vollkommen vorber war;
es durften wohl die Gonge ertnen, aber das Schwerterschlagen mus$
, Frauen und Kindern von den
Feldern heim, besonders erstere erscheinen frh, um eine grosse Menge
Brennholz zu beschaffen, das fr die grossen Mahlzeiten ntig ist. Die
Sklaven der _amin aja_ tun dies stets einen Tag frher als die Freien,
welche ihr Holz erst sammeln, wenn dieAHuptlingsfamilie feierlhch aufs
Feld gezogen ist, um den ersten Reis von ihrer _ladang_ oder _luma_
zu holen. Wenn Wetter und Wasserstand es zulassen, begeben sich gegen
Mittag die beiden Frauen von _Kwing Irang_, _Hiang_ und _Uniang_,
in hbscher Kleidung und mit grossen Sonnenhten aufs Feld. Wie bei
jeder religisen Zeremonie geht auch hier ein junger Mann voran,
der ein Becken schlt. _Kwings_ Frauen und noch einige andere,
wie seine Pflegetochter _Kehad Hiang_, tragen alle _ingan lali_,
Reiskrbe mit hohen Deckeln, an weche fr diese Gelegenheit einige
_kawit_, Reishren und krautartige Pflanzen gebunden werden, um den
ersten Reisschnitt in ihnen zu bergen. Bei der Verzierung dieser
Krbe drfen die Huptlingsfrauen die heilig$
 Mondphase kommt
(_ga bulan dja-ak_), so muss die Feier verschoben werden, bis die
Zeihen gnstiger geworden sind.
Nach Ablauf des _lali parei aja_, das auf die gleiche Weise gefeiert
wird, darf jedermann mit der Ernte beginnen.
Whrend bei den Bahau am Kapuri am Schluss der Ernte alljhrlich das
so wichtige _dangei_ gefiert wird, knnen ihre Verwandten am Mahakam
sich diesen Genuss nicht gestatten, da sie nur selten den hierfr
erforderlichen berfluss an Lebensmitteln besitzen. Am Mahakam wohnte
ich diesem Feste nicht bei. Fr die dortige Bevlkerung ist dieses
ebenso wichtig wie fr die am Mendalam, weil die kleinen Kin-er bei
dieser Gelegenheit einen Namen erhalten und das _bet lali_ fr die
Heirat aufgehoben wird. Bei den meisten Stmmen wird das _dangei_
etwa alle 3 oder 4 Jahre gefeiert.
Ausser zahlreichen Reisvarietten kultiviert die Bevlkerung am Mahakam
auch Knollengewchse, Mais u.a. Bei den Seputan und Pnihing, die,
wie gesagt, nicht regelmssig auf gute Reisernten rechnen knn?n,
werden Knoll$
h sie beweisen ihre Unempfindlichkeit
gegen Schmerz, indem sie ihre Beine den Geschossen ihrer Kameraden
entgegenhalten. Obgleich die Lehmkugeln aus der Ferne sehr harmlos
treffen, ergriff auch beim Parteikampf bald dieser bald jener wie in
panischem Schrecken pltzlich die Flucht, bisweilen ohne merkbaren
Anlass, meist ifolge einer pltzlichen Beschiessung von unerwarteter
Seite; die Geg?npartei strmt dann unter lautem Gejauchz ber Gestrpp,
gestrzte Bume und Balken hinterdrein, um dann ihrerseits vor einer
Ladung Lehmkugeln Halt zu machen und den Rckzug anzutreten. Ein
kleines, zugleich als Flte dienendes Blasrohr ist auf Taf. 1i unter
k abgebildet.
Bei allen diesen Gefechten und Schmerzproben merkte ich nie etwas
von Erbitterung, und nur sehr selten brach ein kleiner Wicht, der
sich unter die grsseren gewagt hatte, ber ein Lehmgeschoss, das
ihn getroffen, in Trnen aus. Ausser mit Lehmkugeln beschoss sich die
Jugend ach mit Grasbscheln oder mit langen Grashalmen als Wurflanzen.
Die Frauen pflege$
ch beendigter Tagesarbeit
eine Anzahl junger Leute beisammen ist und lang genug mit einander
geschwatzt hat, verbringt sie oft noch Stunden mit dem _ngarang._
Zuschauer gibt es dann nicht mehr und der grosse Galerieraum ist
ganz dunkel oder mit inerHarzfackel nur drftig erleuchtet. Je
nach Stimmung setzt die Jugend den Tanz krzere oder lngere Zeit,
nach Festen hufig bis Tagesanbruch fort. Obgleich ein derartiges
Vergngen von den religisen oder politischen Verhltnissen innerhalb
eines Stammes gnzlich unabhngig ist, fhren die unter malaiischeW
Einfluss am Kapuas und mittleren Mahakam sesshaften Bahau den _ngarang_
doch viel seltener aus als die am oberen Mahakam; wahrscheinlich ist
auch hier der Spott seitens der zahlreichen Fremde daran Schuld.
Reichen Beifall finden bei den Bahau die Rezitationen ihrer zahlreichen
berlieferungen aus der Stammesgeschichte oder ihrer Legenden aus
der Geisterwelt. Stets finden sich eine grosse Menge Zuhrer zu
diesen Vortragsabenden ein. Die Rezitationen werden von$
de verstehen die verschiedenen Arten von Eisen nur schlecht
zu unterscheiden und ineinander berzufhren.
Will daher ein Waffenschmied ein Schwert mit den Eigenschaften von
Stahl herstellen, so rifft er nur durch Zufall sogleich das Richtige;
die meisten Schwerter, die eine bestimmte verlangte Eigenschaft haben
mssen, werden wiederholt umgeshmiedet und mit neuen Eisenarten
gemengt. Die Schmiede wissen zwar, dass man Stahl hrten kann,
Eisen dagegen nicht, und dass Eisenstcke von gewissen Eigenschaften
durcheinander geschweisst ein gut hrtbares Metall liefern knnen;
doch bleibt es bei ihnen stets beim Probieren, und eineLhomogene Masse
wird denn auch beinahe niemals erzielt. Das Hrten geshieht auch nur
in der rohesten Form, indem der ganze glhende Gegenstand pltzlich
in Wasser getaucht wird; ein Hrten mit 1 oder ein partielles Hrten,
z.B. beim Schmieden eines Schwertes, ist gnzlich unbekannt.
Aus obigen Grnden sind die besonders guten Schwerter, denen die
Bahauschmiede ihren Ruhm verdanken, nur $
radial gestellt ist und ein ganz anderes Aussehen
trgt, da man sie nicht von der Seite, sondern von oben sieht. Am
charakteristischsten sind die beiden Augen, ber denen der Schdel und
unter denen die Schnauze sehr naturgetreu ausgearbeitet snd. Ob die
langen Streifen zu beiden Seiten dieser Maske Gliedmassen vorstellen,
ist auf dieser Abbildung schwer zu konstatieren.
Die dritte, nur an einer Seite vollstndige Maske ist eine sehr
phantastische Verzierung, deren deutlich hervorglotzendes Auge am
besten erkennbar ist. Unter diesem Auge laufen in der Maske 3 rechts
unten zwei parallele bogenfrmige Furchen ber eine runde Stirn, und
eine hnliche Rundung rechts vom Auge gibt eine Art Nase auf einem
rundpn Oberkiefer an. Dieser ist durch eine tiefe, radial verlaufende
Kluft von dem Unterkiefer getrennt, der durch eine oberflchliche
Grube wieder in zwei Teile geschieden ist.
Eine sehr eigenartige Variation des Maskenmotivs sehen wir in Fg. a
auf Tafel 65, wo in der rechten Figurenhlfte 6 usserst phantasti$
nterhielten sich
bei uns ausgezeichnet und die beiden Landstreicher assen ^ich wieder
dick, nur waren sie wie wir durch die stndigen Reisehindernisse sehr
enttuscht und sprachen daher fters den Wunsch aus, allein voraus zu
fahren. Einige wollten gern weiter unten am Mahakam Rotang suchen,
was ich nicht zulassen konnte, da die Kenja dort wegen der letzten
Kopfjagden, die ihre Stammesgenossen verbt hatten, nicht sicher waren.
Sobald sie merkten, dass sich unser Aufenthalt im Lager dem Ende
nahte, beschlossen sie, der Seele eines Kameraden, der auf einer
frheren Reise im Kiham Burung aus dem Bot geschleudert worden und
ertrunken war, ein grosses Opfer zu bringen. Letzteres sollte in
einem Packen Kattun bestehen, um den sie mich baten, und den sie mit
langen Holzsphnen verzierten. Mit Rksicht auf die reichlich zur
Verfgung stehende Zeit wurde das Opfer diesmal nicht wie gewhnlich
im Vorberfahren mit etwas Salz in einem Korbe an einen niedFigen
Strauch gehngt. Sie whlten einen hohen, kerzengerade neb$
cht den er=arteten grossen
Wert. Infolge dieser Umstnde war die Stimmung meiner Kajan durchaus
nicht immer frhlich und sie sehnten sich nach der Heimkehr. Dies
war auch der Hauptgrund, weswegen die Kajan sich zu einem esuch
bei den Uma-Tkong ermannt hatten. _Bui Djalong_ hatte ihnen nmlich
zu verstehen gegeben, dass sein Stamm sie zwar ernhren knne, aber
wegen Reismangels nicht imstande sei, ihnen auch fr die Rckreise
gengenden Proviant mitzugeben. Hierzu hatten sich jedoch die Stmme
der Uma-Tokong, Uma-Bom und Uma-Djalan bereit erklrt, falls die Kajan
den Reis selbst bei ihnen holen wollten. Htte sich ihnen eine andere
Mglichkeit geboten, um zu Reis zu gelangen, so htten sie diesen Zug
sicher nicht unternommen. _Kwing_ bat mich auch fr die Reise um drei
Malaien zum Schutz, die ich ihm gern zugestand. Mit den Kajan zugleich
zogen auch die Pnihing nch Uma-Tokong, doch schienen letztere, die
ohne Tauschartikel auf Reisen gegangen waren, ihren Aufenthalt in Apu
Kajan so satt zu haben, dass sie v$
t bereits, dass die Bevlkerungszahl im Laufe
der Zeit sicher nicht sehr gewachsen ist, viel eher abgenommen hat
oder um ein sehr niedriges Mittel schwankt; jedenfalls mssen die
Lebensbedingungen einer Menschenrasse sehr ungns)ig sein, um zu
einem derartigen Ergebnis zu fhren. Doppelt bemerkenswert wird diese
Erscheinung, wnn wir bercksichtigen, dass eine derartige geringe
Bevlkerungsziffer im Vergleich zu der eingenommenen Bodenflche
bei alle auf niedriger Entwicklungsstufe stehenden Vlkern des
Festlandes oder sehr grosser Inseln vorkommt. Demnach erscheint es
nicht unwahrscheinlich, dass zwischen derEntwicklungsstufe und der
Zahlstrke eines Volkes ein Zusammenhang besteht.
Inbezug auf Borneo hat die Frage nach der Ursache dieser geringen
Bevlkerungsdichte bereits seit lange das Interesse erregt und man hat
als Grnde hierfr ohne Zgern die schlechten Sitten dieser Stmme,
die einander ausrotteten und ein ausschweifendes Leben fhrten,
angegeben. Von solchen Grnden kann bei den hier beschrieben$
en gegenber,
welche sie von mir genossen, hatte es unter diesen Stmmen eine
besondere Bewandtnis.
Die Erklrungen, die die Bahau ber Zweck und Ziel meiner Reisen und
meines Lebens in ihrer Mitte gaben, waren fr ihre Denkweise sehr
charakteristisch. Den wissenschaftlichen Zweck meiner Reisen und das
Smmeln ihres Hausgertes und anderer Artikel konnte ich ihnen absolut
nicht begreiflich machen. Trotz meiner Gegenversicherungen blieben
sie bei dem Glauben, dass ich auf einem Handelszuge begriffen sei und
dass mir die Sammlungen bei meiner Rckkehr grossen pekuniren Gewinn
bringen wrden. Mit der Zeit merkten sie jedoch, dass ich mich anders
als die malaiischen Kaufleute betrug, und da fgten sie dem ersten
ReAsemotiv noch ein zweites, spezifisch Bahauisches hinzu, dass mir
daran gelegen sei, bei meiner Heimkehr als grosser Reisender gefeiert
zu werden. Dass jemand auf die Idee kommen konnte, sich Menschen und
Natur aus Interesse an sich anzusehen, ging ber ihren Horizont.
Logischer Weise heuchelten vie a$
, in welchem ihre religisen Begriffe auf ihr Leben
einwirken. Wie auch nicht anders zu erwarten ist, lassen sich diese
krperlich und geistig krftigeren Stmme um ihres Glaubens willen die
auf ihr Bestehen drckenden Bande der _pemali_ und Vorzeichen nicht so
geduldig gefallen, wie die krperlich und geistig schwcheren und dahem
ngstlicheren Stmme. Der Unterschied zwischen Bahau und Kenja ist
hierin am bemerkenswertesten. Beide Stammgruppen haben ja den gleichen
Gottesdienst und ihre _pemali_ und Vorzeichen sind im Grunde dieselben,
nur sind diese bei den qavau mehr bis in Kleinigkeiten entwickelt als
bei den Kenja. Unter ersteren sind alle Erwacsenen verpflichtet,
den _pemali_ streng nachzuleben, unter letzteren ist dies mehr den
Priestern aufgetragen, so dass die Masse der Bevlkerung sich freier
bewegen kann. Bei den Bahau z.B. darf niemand Hirschfleisch essen,
bei den Kenja ist dieses nur den Priestern verboten. Whrend die Bahau
sich bei ihrem Reisbau nur wenig nach Trockenheit und Regen oder
nach $
iches Dasein war ein erregter
Traum; die Nchte ber sa ich bei der Arbeit und schl+ef nur wenige
Stunden. Die Einsamkit, der gnzliche Mangel an Umgang und Aussprache
bewirkten eine wiederkehrende und schlielich latente, rauschhate
Verzckung, die bisveilen mit einer ebenso rauschhaften, langdauernden
Angst abwechselte. Ich hatte Halluzinationen, redete laut vor mich hin
und erinnere mich, da ich einmal von zwlf bis drei Uhr nachts im
Herbstregen durch die Straen rannte, von Grauen erfllt, weil ich einen
Verfolger hinter mir glaubte, einen unvershnlichen Feind, dessen
Gesicht und Gestalt mir irgendwie genau bekannt waren.
Dergleichen geschah fter. Dennoch war ich keineswegs verzweifelt, im
eigentlichen Wesen jedenfalls nicht, auch nicht verbittert oder
anklgerisch oder menschenhassend. Ich denke nicht, da ich mich einer
nachtrglichen Verklrung schuldig mache, wenn ich sage, da die ueren
Leiden an mir niederrannen wie Wasser an einer gelten Wand. Ich fhlte
einen unerschpflichen Vorrat an K$
strt mit den
Geistern der Weisen und Dichter der Vorwelt Umgang pflegen zu knnen, noch
das Vergngen gegnnt sei, seinen guten Genius, in Gestalt eines Weibes,
an seiner Seite, und einen Kreis von Kindern und Enkeln um sich zu haben,
unter welchen ihm seine Tage so leicht und schnell entschlpften, wie den
Bewohnern des dichterischen Elysiums. "Das Einzige", schrieb er, "was
allenfalls (wenigstens zur vollstndigen Aehnlichkeit mit dem Elysium, das
uns Lucian so genial geschildert hat) noch abgeht, sind die Buttersemmeln
und Bratwrstchen, die auf den Bumen wachsen, die gebratenen Rebhhner,
die von selbst au- den Tisch geflogen komen, und die schnen cystallenen
Kelchglser, die man von den Hecken abbricht, um sie aus Quellen und
Bchen mit kstlichem Wein zu fllen, die eben s freiwillig, als
unerschpflich aus allen Felsen hervorsprudeln u.s.w. So bequem und
wohlfeil hab' ich's nun freilich nicht. Aber, die reine Wahrheit zu sagen,
ich mcht' es nicht einmal so bequem und wohlfeil haben; denn ich hal$
ut zu verkaufen, wenn sich auch
ein Kufer dazu fnde, der mir dafr geben wollte, was mich's kostet, dazu
kann ich mich aus mehreren und verschiedenen Urachen nicht entschlieen.
Meine Idee ist, das Gut zu zerschlageE, den Pavillon, den ich bewohne,
nebst dem Garten und einer einzigen Hufe Ackerland fr mich zu behalten,
aus allem Uebrigen aber ein fr sich bestehendes kleines Erblehngut zu
machen, und es gegen baare Bezahlung an den, der Lust dazu haben wird, zu
verkaufen. Da das Gtchen so klein ist, so ist es natrlicher Weise keine
Sache fr reiche Leute. Indessen knnte und sollte sich doch wohl in ganz
Germanien unter 24 Millionen Menschen irgend8Jemand finden, dem gerade ein
solches kleines Landgut anstnde, und in dessen Augen es dadurch noch
einen besondern Werth erhielte, da er mein lieber Nachbar wrde, und
(alles vorausgesetzt, was hierbei vorauszusetzen ist), mit mir und meinr
Familie in einem beiden Theilen angenehmen freundschaftlichen Verhltni
leben knnte. Wenn meine Imagination bei gut$
acken fand sich, dass alle
unversehrt, mit Ausnahme einer grossen Glasglocke bergekommen waren. Die
noch fehlenden Sachen: Kameele, Seidenstoffe, Corallen etc., wurden nun
auch gleich eingekauft, da man dergleichen in Tripolis besser, und eigens
fr den Geschmack der innern Vlker hergerichtet, bekommen kann, als in
Europa. Ich hatte hier wieder Gelegenheit, zu bewundern, wie die
Tripolitaner, Ueien es Chrsten oder Juden, es geschict anzufangen
wissen, einem Fremden gegenber den Uneigenntzigen zu spielen, ohne dabei
im Mindesten ihren oft betrchtlichen Gewinn aus den Augen zu verlieren.
Man sollte in der That meinen, wenn man es mit diesen Leuten zu thun hat,
als ob sie beim Verkauf verlren, und trotzdem, wenn sie Fnfzig auf
Hundert gewinnen, glauben sie schlechte Geschfte gemacht zu haen--denn
sie _htten_ ja hundert Procent und mehr gewinnen knnen. Es ist dies
brigens so natrlich, dass ich mich gar nicht darber wundern sollte: Die
Juden und Christen leihen den Arabern ihr Geld zu 5 Procent _mo$
nen
grossen Gewinn ab.
Wech merkwrdige Schicksale ht aber diese Stadt erlebt und welche
Zukunft steht ihr noch bevor, wenn sie einst wie Algerien in die Hnde
einer aufgeklrteren Regierung kommen sollte. War nicht das alte Tripolis
jener Dreistdteverein Leptis magna, Oea und Sabratha, einst eine der
blhendsten und reichsten Colonien am Nordgestade A,rika's? Ohne hier
einen Abriss der Geschichte der Stadt geben zu wollen, welche sich auch
gar nicht, was die alte Zeit anbetrifft, von der Geschichte aller Stdte
und Colonien Nordafrika's trennen lsst, werden gewiss meine Leser gern
einen Blick on die Vergangenheit thun, um zu sehen, unter welchen
Verhltnissen Tripolis das geworden, was es jetzt ist.
Im heutigen Tripolitanien hausten im Alterthume nach Herodot die
Nasomonen, welche um die grosse Syrte nomadisirten und uns als verwegene
und gefhrliche Seeruber geschildert werden. Unter Augustus bekriegt,
verschwinden sie von der Seekste und statt ihrer fhrt Ptolemus die
Makakutae und die hhlenbewohne$
Sauya von Uezan und zugleich auch einen Orden,
der heute noch sehr zahlreich und berhmt in Marokko ist. Mulei Thaib,
Abkmmling des Mulei Abd Allah Scherif, nicht zufrieden mit der localen
Ausdehnung, erneuerte den Orden und gab ihm die grosse Ausdehnung, die er
jetzt noch hat In Marokko und Algerien ind die Klster und Mkaddem[8]
Mulei Thaib's unzhlig, in Tripolitanien gehren nur die Rhadamser der
Confraterschaft Thaib's an, weiter nach Osten hat er nur noch einzelne
Mitglieder[9].
Die Anhnger von Mohammed el Mdani sind wenig zahlreich; in diesem Orden
sind fast nur gebildete Leute. Die Mitglieder dieser Innung sind
ausschliesslich in Tripolitanien nd einigen Ortschaften in Aegypten und
Tunis. Ihr Grnder war ein Wahabite aus Arabien Namens Sidi el Arbi,
flchtig von seinem Vaterlande, zog er nach Fes und wollte eben seine neue
Lehre dort begrnden als er starb; einer seiner Jnger Mohammed el Mdani
(d.h. der aus Medina gebrtige) setzte sein Werk fort und stiftete den
Orden der Mqani. Aber auch in$
bgaben von ihren Palmen zu geben brauchen, whrend die von Tadjura von
jedem Palmbaum eine bestimmte Abgabe entrichten mssen. Die Befreiung der
Mschia und des Sahel ergiebt sich daraus, dass die mnnliche Bevlkerung
kriegspflichtig ist, gewissermaassen also eine Art Militrcolonie
vorstellt. Wenn brigens die Zahl der Dattelbume in Tadjura vom
trkischen Gouvernement auf nur 80,000 angegeben wird, so liegt dabei der
Umstand zu Grunde, dass das Geld der als gezhlt eingetragenen in den
Staatsschatz abgeliefert werden muss; aber sicher existirt eine eben so
grosse Zahl _nicht_ gezhlter Bume, von denen natrlich auch die Abgabe,
2 Piaster, erhoben aber nicht in den ffentlichen Schatz fliesst. Man
wird nicht zu hoch greifen, wenn man die Zahl der Palmen in Tadjura auf
200,000 angiebt.
Wir blieben den ganzen Tag ber in Tadjura, um die Zelte trocknen zu
lassen und andere Dinge aus0ubessern; aber von dagan hatten wir wenigstens
gnstiges Wetter. Ohne mich bei der Beschreibung des langweiligen Wege
aufzuhal$
tter: 25,000 Ew., Barth: 13-14,000 Ew., Mircher: 15-18,000 Ew.,
Vatonne: 30,000 Ew. (mit der Mschia), offmann: 30-35,000 Ew., Testa:
10,000 Ew., Klden: 10,000 Ew., Maltzan: 15-18,000 Ew.
[12] Die Pforte verleiht dem Patriarch von Jerusalem das Recht, unter
seiner Flagge, welche weiss ist, durch ein rothes Kreuz geviertelt und in
den vier weissen Feldern wieder je ein rothes Kreuz hat, Schiffspatete zu
verkaufen; dies wird hufig von katholischen Rhedern benutzt, und der
Jerusalemer Pavillon ist auf dem mittellndis%hen Meere von allen Mchten,
auch von der Pforte, als neutral respectirt.
[13] In Tripolis und dem Rharb sagt man [arabisch: kudas] kudas fr Glocke,
eigentlich heisst das abe Messe und Glocke [arabisch: el djars] el djars.
[14] Siehe Barths Wanderungen.
[15] Siehe Mission de Rhadames.
[16] Barths Wanderungen.
[17] Die letzte auf Regierungskosten ausgerstete Entdeckungsreise war die
nach Aegypten, abgerechnet die von Minutoli und Ehrenberg u.a. nach der
Jupiter Ammons-Oase und Cyrenaica. Bekan$
der Sahara nicht reisen kann, wie er _will_, ist eine
bekannte Thatsache, er muss immer dem Karawanenwege folgen. Die Depression
wird nun gegen Osten hin merklich tiefer, und erreicht wahrscheinlich in
den Natronseen den tiefsten Punkt; die Gegend ist sonstvollkommne Sserir.
Man passirt den Bir bel Geradi mit stark purgirendem Wasser, und erreicht
dann die Brunnen Mkemen und Morhara, die beide ausgezeichne_es Wasser
haben. Hier stiessen wir wieder auf eine grosse von Kairo kommende
Hier trennt sich denn auch der Weg nach dem Meere und Alexandrien von dem
nach Kairo; da unser Fhrer von Djalo behauptete den Weg nach Alexandrien
nicht zu kennen, so bernahm ich selbst von Morhara die Fhrerschaft und
nun ging es in nordstl. Richtung dem Plateau entgegen. Nach 4 Stunden war
dies denn auch erreicht und wir somit aus der libyschen Wste heraus. Zwei
andere Tage brachten uns ber die krautreiche Hochebene, wo uns rechts ud
links der Anblick weidender Schaheerden erfreute, nach dem Bir Hamman und
der darauf folg$
hkerreh, der auch zur Gruppe gehrt.
[23] Kloster und Schule.
[24] Das verlaufene Kameel, welches natrlich nordwrts gezogen war, wurde
spter von einer Arabertribe eingefangen, und drch die Verwendung des
englischen Consuls, Mr. Chap	an von Bengasi, nach der Stadt gebracht und
dort verkauft. Es war aber so abgemagert, dass nicht mehr als 25
M.-Theresienth. dafr zu bekommen waren.
[25] Am 27. April, Aufbruch um 6 Uhr, Richtung N.-O.; um 8 Uhr schwarzer
Hgel Lumahi; um 9 Uhr Gobr Bu Fatma; um 2 Uhr kraterartiger Kessel
Batron; um 5 Uhr ein anderer Brmt el Targi; um 6 Uhr Abends La6er in der
Gerdobia.--Am 28. April, Aufbruch 6 Uhr in N.-O. Richt.; um 8 Uhr, Fum er
Rhart schirgi, und nun in stlicher Richtung, 10 Stunden Lager bei Kobr
Benin u Banan.--Am 29. April, Aufbruch 5 Uhr in stlicher Richt., um 8
Uhr, Bottom Fattoma, ein Wegweiser; um 11- Uhr, der Pass Schibiha; um 1-
Uhr, der Hgel Gar-Chot mit 7 Grbern Modjabra, um 2 Mueddin, Grab der 70
Sklaven, um 4- Uhr, d,r grossartige Aufgang, Rkbt el m$
 meine angewiesenen Posten nicht zu verlassen,
und es ist nichts vernnftiger, als dass wir den Feind nicht reizen,
der hinter Grandpr in einer festen Stellung gelagert ist. Kehrt der
Prinz nicht um, so ist in kurzem die ganze Vorpostenkette alarmiert,
manMwei im Hauptquartier nicht, was es heien soll, und der erste
Verdruss ergeht ber mich ganz ohne meine Schuld." Ich ritt an den
Prinzen heran und sagte: "Man erzeigt mir soeben die Ehre, mir
einigen Einfluss auf Ihro Hoheit zuzutrauen, deshalb ich um geneigtes
Gehr bitte." Ich brachte ihm daraf die Sache mit Klarheit vor,
welches kaum ntig gewesen wre: denn er sah selbst alles vor sich
und war freundlih genug, mit einigen guten Worten sogleich
umzukehren, worauf denn auch die Jger verschwanden und zu schieen
aufhrten. Der Offizier danktI mir aufs verbindlichste, und man sieht
hieraus, dass ein Vermittler berall willkommen ist.
Nach und nach klrte sich's auf. Die Stellung Dumouriez' bei Grandpr
war hchst fest und vorteilhaft; dass er auf seine$
er zu
streiten anfing, an welcher Stelle es denn eigentlich fr den Wandrer
am vorteilhaftesten sei; worber sie sich nicht vereinigen konnten.
Unter diesen Hndeln, die mit Heftigkeit gefhrt wurden, strzte
un
er Fhrmann ins Wasser und wurde nur mit Mhe herausgezogen. Nun:konnte er bei heller, klarer Nacht nicht mehr aushalten und bat
dringend um die Erlaubnis, bei Bonn anfahren zu drfen, um sich zu
trocknen und zu erwrmen. Mein Diener ging mit ihm in eine
Schifferkneipe, ich aber beharrte, unter freiem Himmel zu bleiben,
und lie mir ein Lager auf Mantelsack und PortefeuilleTbereiten. So
gro ist die Macht der Gewohnheit, dass mir, der ich die letzten
sechs Wochen fast immer unter freiem Himmel zugebracht hatte, vor
Dach und Zimmer graute. Diesmal aber entstad daraus fr mich ein
neues Unheil, welches man freilich htte vorhersehen sollen: den Kahn
hatte man zwar soweit als mglich auf den Strand gezogen, aber nicht
so weit, dass er nicht durch das Leck noch htte Wasser einnehmen
Nach einem tiefen Sc$
d eingewohnt: der unglckliche Feldzug gab leider genugsame
Unterhaltung, niemand hatte sich den Ausgang so traurig gedacht.
Aber auch aussprechen konnte niemand die tiefe Wirkung eines beinahe
ierwcentlichen furchtbaren Schweigens, diH sich immer steigernde
Ungewissheit bei dem Mangel aller Nachrichten. Eben als wre das
alliierte Heer von der Erde verschlungen worden, so wenig verlautete
von demselben; jedermann, in eine grssliche Leere hineinblickend,
war von Furcht und ngsten gepeinigt, und nun erwartete man it
Entsetzen die Kriegslufe schon wieder in den Niederlanden, man sah
das linke Rheinufer und zugleich das rechte bedroht.
Von solchen Betrachtungen zerstreuten uns moralische und literarische
Verhandlungen, wobei mein Realismus, zum Vorschein kommend, die
Freunde nicht sonderlich erbaute.
Ich hatte seit der Revolution, mich von dem wilden Wesen einigermaen
zu zerstreuen, ein wunderbares Werk begonnen, eine Reise von sieben
Brdern verschiedener Art, jeder nach seiner Weise dem Bund dienend,
d$
er Welt, rief Olivo aus, der sich mit hherem
Rechte Chevalier nennen drfte als mein edler Freund Casanova! - Und
sobald Ihr Ruhm, Lorenzi, fgte der Marchese hinzu, so weit erschallen
sollte, als der des Herrn Casanova, Chevalier von Seingalt, werden wir
nicht zgern, wenn es Ihnen so beliebt, auch Sie Chevalier zu nennen. -
Casanova, rgerlich ber den unerwnschten Beistand, der ihm von allen
Seiten wurde, war eben im Begriffe, sich ihn zu verbitten, um seine
Sache pers[nlich weiterzufhren, als aus dem Dunkel des Gartens zwei
eben noch anstndig gekleidete, alte Herren an den Tisch traten. Olivo
begrte sie herzlich und geruschvoll, sehr froh, damit einem Zwist,
der bedenklich zu weden und die Heiterkeit des Abends zu gefhrden
drohtK, die Spitze abzubrechen. Die Neuangekommenen waren die Brdr
Ricardi, Junggesellen, die, wie Casanova von Olivo erfuhr, frher in der
groen Welt gelebt, mit allerlei Unternehmungen wenig Glck gehabt und
sich endlich in das benachbarte Dorf, ihren Geburtsort, zu$
Kopf und schien nichts vernommen zu haben.
Sie blieb pltzlich stehen.
Er wandte sich unwillig zurck und winkte, aber sie rhrte sich nicht
von der Stelle.
In dem enganliegenden Jckchen, dem modischen Hut und ihrem blhenden
Gesicht darunter, nahm sie sich seltsam aus zwischen den hohen, uralten
Wohin du gehst, mchte ich wissen?
Und merkwrdig, ihr Blick traf so fest und ernst den seinen, sie standen
sich wieder so dicht gegenber, da es dem Manne peinlich wurde.
Zum Frster, gab er nach, und unwillkrlich murmelte er hinzu: Ich
will ihm Heu terkaufen.
Du brauchst das Geld wohl fr die Tagelhner von vorhin. Nicht wahr?
Wie sie das riet. Wie praktisch das Mdchen dachte, es tat dem leidenden
Manne ordentlich wohl, da sie das Rechte getroffen.
Ja,ja, brachte er voller Angst hervor, wenn er es nur kaufen
Um die frischen, etwas aufgewobfenen Lippen des Mdchens glitt ein
hochmtigr Zug. Er wird schon, entgegnete sie bestimmt, hat er eine
Ja, jung verheiratet.
Gut, dann werde ich mitgehen $
h wei, es
ist eine groe Freiheit, da ich hier gleich die ganze Landstrae mit
hineinbringe. Nicht wahr? -- Treffe ich Herrn Wilms wohl zu Ha:se?
Nein -- nein -- leider -- Else machte vergebliche Anstrengungen, sich zu
erheben -- mein Mann und meine Schwester sind fort -- aber wer -- -- mit
wem habe ich denn --?
Und wieder versuchte sie, sich auf den kraftlosen Fen aufzurichten,
wurde jedoch durch das hfliche und doch zwanglose Nhertreten des
Reiters daran verhindert.
Oh -- meinte er gutmtig, whrend er bedauernd den Kopf schttelte --
ich hrte chon, Sie seien nicht wohl, liebe Frau, und nun tut es mir
doppelt leid, da ich Sie so erschrecken mu. -- Aber dieses
niedertrchtige Wetter drauen -- Sie sehen ja, ich bin durchnt, wie
eine Morchel -- und da dacht' ich, Herr Wilms wrde mich wohl ein
Stndchen bei sich aufnehmen. -- Ich bin nmlich der Graf Brachwqtz, der
Sohn natrlich -- Ihr Mann kennt mich ganz genau -- vielleicht haben auch
Sie schon von mir gehrt -- -- ist's wirklicu erlaub$
itten in der Stube, bunte Papierketten ringelten sich von Ast zu Ast,
unzhlige Wachskerzen flimmerten, und hinger ihm harrten die Leute des
Gehfts, Mnner und Frauen, alle sonntglich gekleidet, da der Herr des
Hauses das Fest mit ihnen begehen solle. Ganz vorn vor dem Baum aber
hatte Hedwig zwei kleine Mdchen ufgestellt, Kinder, die Hofleuten
gehrten. Sie hielten rote Papierrosen in den Hnden und sangen mit
schwachen Stimmen ein Liedchen, das mit den Worten schlo:
Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
Als sie ausgesungen hatten und Wims in den Lichterglanz hineinsah und
in die erwartungsvoll-feierlichen Gesichter seiner Leute, da hielt er
sich nicht lnger, er legte langsam die Hand vor die Augen und weinte
Und die Hofleute nickten einander zu und stieen sich heimlich an, als
wten sie, was ihren Herrn bedrcke.
Aber nur wenige Sekunden lie sich Wilms so bermannen. Dann richtete er
sich6auf und sah auf das Mdchen, das alles nur fr ihn angeordnet
hatte. Das Licht flutete ber ih$
 Bauer --
Der Graf von Luxemburg -- Wiener Frauen -- Der Vogelhndler -- Hoffmanns
Erzhlungen -- Die Zauberflte -- Die weie Dame
Jedes Heft 50 Pf. (60 h)
Ausfhrliche Inhaltsverzeichnisse aler bisher erschienenen Hefte stehen
auf Wunsch kostenlos zur Verfgung. Erhltlich in allen Buch- und
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Verlag Ullstein & Co, Berlin-Wien
[Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf
Grundlage der um 1910 bei Ullstein erschienenen Ausgabe erstellt. Die
nachfolgende Tabelle enohlt eine Auflistung aller gegenber dem
Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
p 008: Wie steht's mit den Kartoffeln, Korl? -> Karl
p 009: ffnende Anfhrungszeichen erinzt: sprang auf -- nicht wahr?
p 119: Frster Elze -> Eltze
p 148: Drte -> Drthe
p 150: schliee\de Anfhrungszeichen ergnzt: Der hngt noch.
p 240: Komma entfernt: Else zuckte schmerzhaft zusammen,. ]
[Transcriber's Note: This ebook has been prepared from the Ullstein
edition, published around 1910. The table bel$
en knnen, da zur
Zeit der Entstehung einer Offenbarung, die auf einen gttlichen Ursprung
Anspruch macht, dieses Bedrfni wirklich da gewesen, und danicht
schon eine andere, alle Kriterien der Gttlichkeit an sich tragende
Religion unter eben den Menschen, denen ich dies# bestimmte, vorhanden,
oder ihnen leicht durch natrliche Mittel mitzutheilen war. _Eine
Offenbarung, von der dies gezeigt werden kann, kann von Gott seyn: eine,
von der das Gegentheilgezeigt werden kann, ist sicher nicht von
Gott._ -- Es ist nthig, dieses Kriterium ausdrcklich festzusetzen, um
aller Schwrmerei und allen mglichen unberufenen Inspirirten jetziger
oder knftiger Zeiten, Einhalt zu thun. Ist eine Offenbarung, ihrem
Inhalte nach, verflscht, so ist es Pflicht und Recht jedes tugendhaften
Mannes, ihr ihre ursprngliche Reinigkeit wiederzugeben, aber dazu
bedarf es keiner neuen gttlichen Autoritt, sondern bloer Berufung auf
die schon vorhandne, und Entwickelung der Wahrheit aus unserm
moralischen Gefhle. Auch wird du$
a sie aber das nicht, sondern nur das erstere sind, so berechtigen sie
blos zu dem Urtheile: das _kann_ Offenbarung seyn, d. h. wenn
vorausgesetzt wird, a in Gott der Begriff einer Offenbarung vorhanden
gewesen sey, und da er ihn habe darstellen wollen, so ist in der
gegebnen Erscheinung nichts, was der m8glichen Annahme, sie sey eine
dergleichen Darstellung, widersprechen knnte. Es wird also durch eine
solche Prfung nach den Kriterien blos problematisch, da irgend etwas
eine Offenbarung seyn knne; dieses problematische Urtheil aber ist nun
auch vllig sicher.
Es wird nemlich in demselben eigentlich zweierQei ausgesagt; zuerst: es
ist berhaupt mglich, da Gott den Begriff einer Offenbarung gehabt
habe, und da er ihn habe darstellen wollen -- und dies ist schon
unmittelbar aus der Vernunftmigkeit des Offenbarungsbegriffs, in
welchem diese Mglichkeit angenommen wird, klar; und dann: es ist
mglich, da diese bestimmte angebliche Offenbarung eine Darstellung
desselben sey. Das lNtztere Urtheil kann $
ollten, und da er ihnen ihre
krummen Sachen gerade biege. Sie hatten nur ihre Feudalrechte,
Freiheiten und Privilegien im Sinn, nannten den Kaiser einen blinden
Hund, den Herzog Max die bayrische Sau und den Kurfrsten von Sachsen
den meineidigen, trunkenen Klotz, und als Friedrich sie einmal um sieben
Uhr frh zu einer Ratsversammlung bescheidenlie, wurde ihm erklrt, zu
solcher Tageszeit knnten sie nicht kommen, der Mensch msse nach der
Arbeit seine Ruhe haben.
In der Stadt herrschte die grte Unsicherheit. Jeden Tag wurden ein
paar Menschen ermordet. Ehebruch und Hurerei wurden zur Plage. Die
Ernstgesinnten fanden sich durch Friedrich	 Vorliebe fr franzsische
Sprache, franzsische Sitten und Moden beleidigt. Man verspottete ihn,
wenn er im rotsamtenen Pelz, mit weiem Hut und gelben Federn abends im
Schlitten durch die Stadt fuhr. Aber am meisten verdarb er seine Sache
dadurch, da er die Bildrstrmerei zulie. Allenthalben wurde die
Altre zerstrt, die Kruzifixe zerschlagen, die Grber der Schu$
 geliebte Kranke,
Wie sie so viel lut vergossen?
Und sie hat es ihm gestanden.
Und nun bietet er Apone,
Da er helfend ihm mg raten,
Abermals zweitausend Kronen,
Nimmt das Gold gleich aus dem Schranke.
Jener aber spricht: "Die Dornen,
Die ihr scwer den Leib turchstachen,
Wirf in einen tiefen Bronnen
Oder in ein flieend Wasser;
Dann, so wie der Grtel rostet,
Schlieen sich die Wundenmale;
Doch vor allem einen Tropfen
Nehme sie aus dieser Flasche!"
Und nun reichet ihr Apone
Eine Flasche; doch die Kranke
Winkt verneinend mit dem Kopfe,
Und Apone weicht vom Lager;
Denn er hret eine Glocke;
Fackelschein erhellt die Gasse,
Weil begleitet von dem Volke
Sich der Leib des Herren nahet.
Mit dem Sakrament gezogen
Kommt Benone durch die Strae,
Und die Kranke hebt frohlockend
Und getrstet sich vom Lager.
"Bleibe liegen!" sprach Apone.
"Willst du dir dein Weib erhalten,"
SagL er dann zu Jacopone,
"Ht sie vor dem Abendmahle!
Sie stirbt eines schnellen Todes
Bei der letzten lung Salbe.
Da ich sie hab bernommen,
We$
Kranke: "Meine Tochter,
Jetzo eile nach der Messe,
Kehre wieder mit Benone!
Also heit, der sie wird lesen;
Er ist recht ein Heilger Gottes;
Beichte will ich ihm ablegen,
Meiner armen Seel zum Troste!" --
"Soll ich nicht zum Wald erst gehen,
Vater, und die Kruter holen,
Weil ich sie wohl alle kenne,
Auer Teufelsfu nd Krone?"
"Nein, ich mu sie s	lber brechen
Unter Trnen, fromme Tochter;
Wo ich gehe, liege, stehe,
Blhe sie ja allerorten!
Gehe nun, mein Kind, und flehe
Fr mich um die Gnade Gottes!
Mein Bekenntnis abzulegen,
Will indes mein Herz ich ordnen.
Nimm die Fackel, die ich gestern
Einer Schlange gleich geformet,
Am Altare la sie brennen,
Bei der Mutter Totenopfer!"
Und sie nimmt die Fackel betend;
Ihre Trnen niederflossen
Auf den Alten, deQ sie segnet,
Und sie wandelt aus der Pforte.
Wie sie durch den Garten gehet,
Weinen morgenlich die Rosen,
Und in tiefen Trumen wehen
ber ihr des Waldes Kronen.
Und es wirft schon durch die Stmme
Ihre Strahlen hin Aurore.
Aber sieh! zur Link und Rechten
Gl$
Weil er ihre Herrin raubt,
Ihre Klage laut erheben.
Und als sie sich auf der Stirne
on Biondetten niedersenken,
Scheuchet sie die freche Dirne
Mit des Hauptes freiem Schwenken.
Und so gro ist das Erschrekcen,
Wie sie so verwandelt sei,
Da nicht Achtu
g konnt erwecken
RosablankesnHilfsgeschrei,
Der Meliore an der Seite
Sinnlos sank zur Erde hin,
Als er sah, Biondette schreite
Her wie eine Snderin.
Und sie legt die Totenkrone
Zu dem Sarge auf den Wagen:
"Helft, o helft, zu Jacopone
Mir den kranken Jngling tragen!" --
"Dahin ist nicht durchzudringen,
Alles flt der rege Zug,
Knnen wir ihn seitwrts bringen
Ist es Hilfe schon genug."
Pietro nun mit Rosablanken
Machen sich im Volke Raum,
Und er trgt den stillen Kranken
Zum Altare an dem Baum.
Doch es mehrt sich die Verwirrung,
Und es steiget auf den Wagen
Nun der Konsl, dieser Irrung
Ersten Anla zu erfragen.
So erhhet aus der Menge
Sieht er Apo und Biondetten,
Rings in wogendem Gedrnge,
Vor dem Pbel kaum zu retten.
Und er rufet: "Stille! Stille!
Um da$
chleier.
Und so fhrte ich hier nieder
Meine Freundin von der Zelle,
Da sie durch die Macht der Lieder
Euch, was sie beschlo, erhelle.
Doch die Zeit scheint nicht gelegen,
Alles fhZt des Todes Schauer,
Und ich seh auf allen Wegen
Eine bermge Trauer.
Zieht die Republik zu Grabe
Hier auf unserm Heereswagen,
Tiefer Leid knnt man nicht tragen,
Als ich hier gesehen habe.
Sterbt, ihr Bologneser Frauen,
Tut euch recht zu leben not,
Denn galanter ist zu schauen
Als das Leben euer Tod.
Zu dem Wagen, der vor Jahren
Unsrer Schlacht}n wunde Helden
In Triumpfh herangefahren,
Kann sich nun ein jeder melden.
Ists erhrt, in die Monstranzen,
Wo nmr wohnt das Sakrament,
Enes Weibes Bild zu pflanzen,
Die im Schauspielhaus verbrennt?
Lambertazzi, Gieremeen,
Wo ist unsrer Ehre Schutz,
Wenn die Staatesflaggen wehen
ber schnder Leichen Putz?
Rhret euch, ihr tapfern Schlger!
Von dem Wagen mit dem Weib!
Mag der falsche Achseltrger
Selbst begraben ihren Leib!"
Also regt mit falschen Reden
Er des Hasses stille Glut;
Allen$
lche sie auerdem noch, wegen
ihrer Eigenthmlichkeit, an sich tragen; denn
1) Ihre Auswanderungsart geschah, nach der Denkungsart der alten Vlker,
auf den Befehl Gottes, weicht aber darin von der der sptern Vlker
ab, da sie nicht von einem Andrange eines andern Volks, oder aus
Lsternheit nach fremden Lndern, oder aus Raubsucht, sondeln nur von
der klimatischen Verndrung ihres Landes, dem eingetretenen, 10 Monate
lang dauernden Winter veranlat worden ist.
Die wr die Ursache, weshalb jenes Volk sein Hochland verlie, nach
Sden hinab zu den angefhrten Lndern zog, und da, wo es hinkam, fand
es weder Menschen, noch zahmes Vieh.
2) Stimmt dieser Zug mit der geographschen Lage der Oerter vollkommen
berein. Denn er ging von dem Hochlande, an beiden Seiten des Flusses
Gihin oder Oxus, in den engen Pssen desselben, hinab. Hier wurde
zuerst am rechten Ufer das Stufenland Sogdho, und am linken Moore oder
Meru besetzt. Von hier ging der Zug nach Balkh oder Baktra, wo die
Zend-Avesta scheint aufgeschriebe$
r viel
lnger warten.
Aber Ihr Mdchen mchtet Euch ein wenig warm einpacken sagte jetzt die
Mutter, alles Andere in dem Gedanken an ihre Toilette vergessend -- zum
still im Wagen Sitzen pat ein Sommerkleid noch nicht und heute Abend wird
es khl werden.
Und nicht so lange machen, mahnte der Vater, der sich sein Glas noch
einmal voll schenkte und leerte; der Wagen wird im Augenblick da sein.
Der Wagen fuhr auch wirklich kaum zehn Minuten spter vor, Herr Dollinger,
der nun seinen Hut und Stock aufgenommen, ging, seine Handshuh agziehend,
im Hofe auf und nieder, und endlich erschienen, diesmal in wirklich sehr
kurze Zeit, die Damen, ihre Sitze einzunehmen.
Nun, wo ist Henkel? sagte Herr Dollinger, sich nach seinem zuknftigen
Schwiegersohne umschauend, ich habe sein Pferd auch noch nicht gesehen;
jetzt wird uns der warten lassen.
Die Familie hatte ndessen im Wagen Platz genommen, und der alte Herr
schaute etwas ungeduldig zum Schlag hinaus, als der junge Henkel zum Thor,
aber ohne Pferd, herei$
e, das fllt Dir nicht ein; aber
Nachts, wenn der schd/iche Thau niederfllt, der fr mich gerade Gift
wre, da mchtest Du mich jetzt wohl noch hinausschleppen nicht wahr?
damit ich nur recht schnell unter die Erde kme -- o ich armes
unglckseliges Weib  -- 
Aber Therese Du bist unbillig, ich habe Dir doch angeboten heute
Na
hmittag mit mir nach dem rothen Drachen hinauszugehn  -- 
Weil Du wutest da das nichtsnutzige Geschpf von einer Wscherin mir
mein Kleid nicht vor vier Uhr bringen wrde, zischte di Frau.
Aber Du hast ja noch andere  -- 
Am Sonntag zum Skandal der andern Menschen mit einer solchen _FaIne_ zu
einem anstndigen Vergngungsort hinausziehn, nicht wahr? -- _Dir_ lge
natrlich Nichts daran was die Leute ber Deine Frau sagten; aber Du bist
auch an anderen Orten lieber wie zu Hause, und statt Deiner Frau einmal
ein paar Stunden Gesellschaft zu leisten, und nachher mit ihr zusammen
auszugehen, mut Du natrlich g'rad in's Wirthshaus laufen, und ein
Bischen vor Mitternacht dann wie$
 ihm aber kostbrer, als sie noch
lnger Gn Jemanden zu verschwenden, bei dem er doch voraussah, da er von
ihm keinen Nutzen haben wrde, und er suchte das Gesprch wieder dem mehr
praktischen Anliegen der drei Bauern zuzulenken.
Also Sie wollten mitsammen nach Amerika gehn und sich eine ordentliche
Farm, gleich mit Land, Vieh, Husern und was dazu gehrt, ankaufen heh? --
'wr keine so schlechte Ide0.
Ja erst mchten wir aber einmal wissen wie die Sache steht; sagte der
Erste wieder, der Menzel hie, wenn man ber einen Zaun springen will,
ist \s viel vernnftiger da man erst einmal hinber guckt was drben ist,
und wenn man das nicht kann, da man Jemanden fragt der es genau wei.
Sind denn die Farmen da drben wirklich so billig? -- ist das wahr, da man
dort noch gutes frisches Land fr ein und einen Viertel Thaler kaufen
Thaler? -- nein, sagte Herr Weigel, _Dollar_. Ja nun, das ist aber
auch nicht viel mehr, meinte der Zweite, Mller.
Nun ein Dollar ist ungefhr ein Speciesthaler, sagte He$
s die jubelnde Lerche dort thut, die mit zitterndem
Flueelschlag ueber den gruenen Matten schwebt; -- wie das raschelnde
fluesternde Blatt im Wald, wie der schwankende, thaugeschm`eckte Halm und
die knospende, duftende Bluethe im Thal. Ein Fruehling im Vaterland -- oh wie
schoen, wie jung und frisch die Welt da um uns liegt in ihrem braeutlichen
Glanz, voll neuer Hoffnungen in jedem jungen Keim, und wie sich das Herz
der schoenen Blume gleichzusammenzog, als der Herbststurm ueber die Haide
fuhr, mit +auher Hand den Blattschmuck von den Baeumen riss und zu Boden
warf und Schnee und Eis vor sich hin jagte ueber die erstarrende Flur, so
oeffnet es sich jetzt mit vollem Athemzug wieder den balsamischen
Fruehlingsgruss, und vorbei, vergessen liegt vergangenes Leid -- wie der
verwehte Sturm selber keine Spur mehr hinterliess und die schoensten Blumen
jetzt gerade an den Stellen bluehen, wo er am tollsten, rasendsten getobt.
Ein warmer erquickender Regen war die letzten Tage gefallen, und so gut er
dem Land gethan$
hr unangenehm;
weniger des Verlustes wegen, der sich allenfalls ertragen liess, als wegen
dem Bewusstsein getaeuschten Vertrauens, mit selbst keinem gewissen
Anhaltspunkt auf Verdacht. Ich wollte gern das Doppelte verloren haben,
wenn es haette koennen auf andere Weise geschehn."
"Das Ganze ist uebrigens mit einer raffinirten Geschicklichkeit
ausgefuehrt," fiel Henkel hier ein, "und der Thaeter, wer auch immer,
jedenfalls ein hoechst gefaehrliches Subject, von dem ich nur hoffen will
dass wir ihm auf de Spur kommen."
"Duerfte ich ie bitten mi den Platz zu zeigen?"
"Treten Sie hier in das Zimmer meiner Toechter; dort der Secretair ist
"Hm -- mit einem breiten meisselartigen Instrument," sagte der Actuar nach
kurzer Besichtigung der offenen, arg beschaedigten Mahagoniplatte -- "und
die Thuer ebenfalls eingebrochen?"
"Nein -- die Thuer ist unbeschaedigt und muss jedenfalls mit einem
Nachschluessel geoeffet sein."
"Und was vermissen Sie in dem Secretair?"
"Eine Summe Geldes, die ich erst vor wenigen Stunden, $
n dieser Weigel scheine ihm,
was er bis jetzt von ihm gesehn, eine keineswegs volles Vertrauen
verdienende Persoenlichkeit. Er solle warten bis sie drueben waeren, dort
habe er Zeit genug (Kellmann hatte ihm dasselbe gesagt), und finde er in
New-Orleans oder Missouri nichts Besseres, so sei er selber vielleicht im
Stande ihm ein kleines reizendes Gut abzutreten, das er Iinmal auf einem
Jagdzug in's inVere Land gekauft, und jetzt noch verpachtet haette.
"Und der Preis?"
"Er wuerde zufrieden sein." Damit war die Sache fuer jetzt abgemacht;
freilich zu Weigels Verdruss, der die Farm, wie er sich ausdrueckte, nun
noch "zur Verfuegung" behielt.
Es mochte etwa Morgens um elf sein, als Kellmann Professor Lobensteins
besuchte. Das Haus war am vorigen Tag oeffentlich verauctionirt und von
e^nem reichen Weinhaendler in Heilingen erstanden worden, die Familie abe
jetzt in angestrengter Arbeit eifrig bemueht das unangenehme Gefuehl nicht
allein zu verscheuchen, sondern auch eines vor dem anderen zu verbergen,
"zum _erst$
dreimal habe ihn ein Zufall daran
gehindert: einmal der Hahnenschrei; einmal das "chlagen der Pendeluhr;
das letztemal, in voriger Nacht erst, das Trompetensignal einer durch
die Dorfstrae ziehenden Militrabteilung. Der Baron wute nichts zu
antworten. Er hie den Diener gehen. Er verabschiedeteihn noch an
demsHlben Tag. Das nachtrgliche Entsetzen ber die dreimalige nicht
gewute Gefahr, unter Mrderhand z) enden, umnachtete seinen Geist.
Der Unbekannte hatte einen Ausdruck in den Augen, als schaue er in ein
Gewhl, das fern und tief unten war. Aber ist das nicht auch zu grob,
zu tatschlich, zu zufllig? fragte er gedankenvoll; ich greife es
heraus, weil es sich herausdrngt. Ich bin zu erfllt davon. Es haftet
auch an der Haut. Und immer ist es aneinandergereiht wie die Kfer auf
einem Pappendeckel. Man will beweisen, was man spricht. Ich sehe immer
das Exempel. Ich sehe so viele, die ihren Mrder neben sich haben; sie
fttern ihn frmlich auf und drcken ihm die Waffe in die Hand. Oft ist
es ihr e$
tgeschritten war, auch hatte Nadinsky kein Fieber mehr.
Lukardis war schon gewandter als gestern im Legen und Knpfen der Binde,
und nachdem sie die Verrichtung beendet hatte, reichte sie ihm Milch und
Brot. Er wnschte ein wenig Tee in die Milch, und sie gehorcht. Sie
selbst nahm nur etwas in Hast zu sich, als grolle sie dem Krper wegen
seines Hungers. Im Hause war es sonderbar still. Auf der Strae rollten
Wagen und schrien Kinder. Nadinsky verfiel wieder i Schlaf. Lukardis
begab sich ins Nebenzimmer. Sie zog ihre Halbstiefel aus, um kein
Gerusch zu machen und ging stundenlang auf und ab, wobei sie in beiden
Hnden Strhnen ihres Haares hielt. Manchmal blieb sie stehen und sann.
Manchmal betrachtete sie die Bilder an }en Wnden, ohne sie wirklich zu
sehen. Eines stellte eine Leda dar, die den Schwan zwischen ihren Knien
hielt. Neben der Tr hing ein anderes: ein deutscher Student mit einem
Rnzel auf dem Rcken schwenkt die Kappe gegen ein Haus, aus dessen
Fenster ein Mdchen mit zwei lagen Zpfen scha$
in Karamsin getragen, sei falsch gewesen.
Lukardis widersprach. Er nahm eine verdrossene Miene an und beharrte auf
seiner Meinung. Eine glhende Rte berzog Lukardis Wangen, denn diese
Heuchelei innerhalb der Heuchelei erweckte ihr Erstaunen unY eine dunkle
Furcht vor Nadinsky. Der livrierte Mensch ging und kam, schenkte den
Sekt in die Glser, und seine Miene zeigte ein albernes Bedauern, als
sei er nur an tubchenhaftes Girren gewhnt. Zum Schlu erhob sich
Nadinsky unmutig und herrschte den Kellner an, er mge abrumen.
Lukardis bittender Blick setzte ihn in Verwunderung. Er tat, als bereue
er sein Ungestm und schritt mit ausgestreckten Hnden auf sie zu. Der
Kellner grinste erfreut. Lukardis stand ebenfalls auf undschmiegte nun
den Kopf an seine Schulter, aber nur, um ihm zuzuraunen, er drfe nicht
vergessen, fr den nchsten Morgen den Wagen zu bestellen. Nadiysky
nickte, wandte sich an den Diener und gab den Auftrag, der Wagen sollte
um die sechste Morgenstunde am Tor sein. Der Mensch verbeugte sich
$
in Scharfsinn war
ntig, um zu erkennen, da er der Vater des Kindes war. Er redete, doch
im wsten Geznk verhallten seine Worte. Mit dem Taschentuch wischte er
bisweilen das Blut vom Munde des Mdchens, strich mit der Hand ber
Stirn und Wange der Leblosn, erwiderte nichts auf die Fragen und
Ratschlge der Umstehenden, war eingewhlt und hingegeben in den
Jemand sprach vom Transport ins Spital; ein anderer sagte, alle
Spitler seien berfllt. Ein Weib meldete, die RZttungsgesellschaft
habe wissen lassen, da augenblicklich kein Wagen zur Verfgung stehe,
in einer Stunde erst, worauf unwilliges Murren hrbar wurde. Ein Mann
trat in den Kreis, der sich als Arzt auswies, beugte sich nieder, legte
das Ohr an die Brust des Kindes, sprach mit Jost. In den lrmenden
Streit zwischen dem Kutscher und der erregten Meng~ hatte ein Polizist
vermittelnd eingegriffen, es gelang ihm, die Ruhe herzustellen. Das
Herrchen, von drohenden, feindseligen Blicken gemustert, stand bla undlssig da, verbarg die Angst vor der Wu$
in anderes Gesicht.
Ihr dnkte, als fhre jede ihrer Anstrengungen blo dazu, da er Schale
um Schale ber sich zog, durch die sein eigentliches Wesen mit jedem Tag|unzugnglicher wurde.
Sie wachte, forschte, das Blut in ihr horchte, die Haut war frmlich
wund vor angespannter Wachsamkeit und Wachheit. Der verlorene Ausdruck
jetzt, mit dem er die Blumen und Kruter aus den Pressen nahm und sie
zum Einkleben vor sich hinbreitete. Schatten ber der Stirn, die
Mundwinkel erschlafften, die Augen wurden grer, nun zuckte er
zusammen, die Wangen bedeckten sich mit der kindlichen, unbegreiflichen
Rte, ihr Blick umschlang ihn stumm, er warf den Blick unwillig ab,
alles war Zurckweichen und Flucht.
Eines Morgens kam sie ins obere Zimmer, wo er vor den Glasschrnken auf
sie wartete. Er hielt eine Miener Gruppe zwischen den Hnden, eines
der kostbarsten und edelsten Stcke der Sammlung. Eine hingelagerte
Nymphe; der ppige Krphr wollstig gedehnt; in jeder Linie Ruf,
Lockung, kicherndes Spiel, preisgegebene Heimli$

war, hatten siedas Gelnde in wenigen Minuten berquert. Am Waldrand,
unter den vordersten Stmmen, erblickten sie eine weie Gestalt. Rust
stand schon vor ihr und verbellte sie.
Mit dem Rcken an einen Baum gelehnt, das Gesicht mit den Hnden
bedeckt, verharrte sie unbeweglich. Der Anruf Richters, die hastige
Frage Georg Mathys' ri sie nicht aus der Starrheit. Da deutete
Dietrich mit gurgelndem Laut auf eine zweite weie Gestalt, die
ausgestreckt im Moos lag, fnf Schritte entfernt und leblos, soviel man
im unsicheren Zwielicht zu erennen vermochte. Da es die Schwestern
waren, die sie vor anderthalb Stunden am Seeufer gesehen, war den jungn
Leuten sofort klar. Georg Mathys strzte zu der auf der Erde Liegenden
hin; als er sich niederlie, berhrte sein Knie einen harten Gegenstand;
mechanisch schob er ihn weg, griff dann darnach; es war ein Revolver,
der Lauf noch warmu Jetzt sah er deutlich das Gesicht; ein Blutfaden, in
der Halbdunkelheit schwrzlich, rann von der Schlfe zum Ohr und ins
Die Schne w$
heute unter seinem Dache wohnten,
ihm verbunden durch eine Tote.
Er verbarg sich, als er die Freunde zurckkommen hrte. Eine Weile
unterhielten sie sich auf dem oberen Balkon; offenbarhatten sie ihn
gesucht, denn er vernahm mehrmalsseinen Namen. Vom Herumirren mde,
warf er sich auf den Rasen. Die Finsternis sang wie eine Orgel, aber es
verlangte ihn nach dem Anblick der Sterne. Mit seinen Hnden umgriff er
das schaurig hinrinnende Schicksal, die Augen hingen an der verborgenen
Welt; Leiden durchdrang ihn.
Um Mitternacht erEob sich Wind und trieb ihn empor. Das Haustor war
versperrt, er hatte die Schlssel nicht, aber an der Seitenfront war ein
Fenster offen, er kletterte am Birnenspalier hinauf un stieg ein. Er
befand sich in dem Boudoir der Mutter neben dem Musiksalon. Mit
pochendem Puls zauderte er, die Hand auf der Klinke, dann betrat er den
Raum, in dem die Leiche lag.
In der Ecke hinter dem Klavier brannte eine elektrische Flamme. Die Frau
des Grtners war zur Wache bestellt worden, aber sie schlief$
etonne. 8. Rennes 1738. Guingamps 1833.]
    [Footnote 15: Das Baskische mit seinen mundarten mag ein rest des
    alte( Aquitanischen sein, von dem schon Csar (de bell. Gall. I, 1)
    sagt, dass es von dem Gallischen und Kelticchen verschieden sei.
    _Diefenbach_, L., Celtica. Zweite abtheilung. S. 5 u. ff.]
Das heutige Englisch hat von jener einst so weitverbreiteten und in
Britannien ausschliesslich gesprochenen sprache ausser einer
betrchtlichen anzahl eigener namn zur bezeichnung von orten, bergen
und flssen nur sehr wenige wrter (flannel, mattock, plaid, tartan,
gyve, tackle, bran etc.) und die meisten derselben erst in neuerer zeit
angenommen. Schriftliche denkmale der alten keltischen zeit existiren
nicht mehr. Die Druiden, deren vernichtung die Rmr eifrig betrieben,
da sie in ihnen die erhalter der keltischen nationalitt sahen und
frchteten, hielten es nach Csar's erzhlung fr unziemlich, ihre
lehren der schrift zu bergeben und berlieferten dieselben, so wie die
volksmythen und volksp$
nd setzt mithin in dieses jahr die einfhrung der
buchdruckerkunst in England. Vollstndig gewiss ist aber nur, dass
Caxton 1477 seine presse in der Almonry unweit Westminster-Abbey
aufgestellt hatte, wo er indiesem jare The Dictes and Notable Wyse
Sayenges of the Phylosophers, eine bersetzung aus dem Franzsischen von
Anthony Woodville, Earl Rivers, in folio druckte. Von dieser zeit ab
bersetzte und druckte Caxton mit unermdlichem fleisse bis zum jahre
1490, welches datum sein letzter druck trgt. Sein tod erfolgte
wahrscheinlich im jahre 1491 oder 492. Noch vor seinem tode liessen
sich mehrere buchdrucker in London nieder, wahrscheinlich, wenigstens
zum grossen theil, Caxton's:frhere gehilfen, welche er von dem
festlande nach England gezogen hatte. Theodore Rood, John Lettow,
William Machelina und Wynkyn de Worde, smmtlich fremde, und Thomas
Hunt, ein Englnder, waren die unmittelbaren fortsetzer der kunst
Caxton's. Zu St. Albans richtete ein Schulmeister, dessen namen nicht
berliefert worden ist, $
ro, der sich nach seinem Geburtsort Pisano
nennt, steht auf den Schultern jener lteren lombardisch-toskanischen
Bildnerschule: speziell hat er in den Arbeiten an der Domfassade zu
Lucca seine unmittelbaren Vorlufer. Dies gilt sowohl fr die plastische
Gestaltung wie fr dn geistigen Inhalt seiner Kunstwerke, whrend dUe
dekorative, an byzantinischen Vorbildern grogezogene Plastik
Sditaliens, mit der man den Niccolo (wegen der fragwrdigen Herkunft
seines Vaters aus Apulien) hat in Verbindung bringen wollen, im vollen
Gegensatze Mu Niccolo's Kunst steht. Aber auch gegenber jener lteren
Plastik, aus der er hervorgeht, erscheint der Knstler recht eigentlich
als Reformator. Niccolo Pisano ist kein Naturalist wie die Meister des
Quattrocento; er steht den Knstlern des Cinquecento weit nher, denn
sein hchstes Streben ist kassische Schnheit, der er durch das Studium
und gelegentlich selbst durch unmittelbare Nachbildung der Antike nahe
zu kommen sucht. Freilich waren in Italien die antiken Reste schon
f$
rne Werksttte fr
Buchdruckgewerbe u.graphische Reproduktion. 1900. 8. _Deutsche
Gesellschaft f. Christliche Kunst_: Bericht: I. Prof. Dir. Hollweck,
Veruerung kirchlicher Kunstgegenstnde. II. Mitglieder-Verzeichnis.
1900. 8. _Das Grokanzler-4mt des Knigl. Bayerischen Haus-Ritterordens
vom hl. Georg_: Watzelberger, Mitglieder-Verzeichnis nach dem Stande vom
24. April. 1900. 8. Prof. Dr. _Johs. Ranke_: Ders., Erinnerung an die
vorgeschichtl. Bewohner der Ostalpen. S.-A. (1899.) 8. Ders.: Fr. Weber,
Bericht ber neue vorgeschichtliche Funde in Bayern. S.-A. o. J. (1898.)
8. -- *Nordhausen.* _Handelskammer_: Jahresbericht fr 1899. (1900.) 8. --
*Nrnberg.* _Sektion Nrnberg_ des Deutschen u. sterreichischen
_Alpen-Vereins_: Fstschrift zur Feier des 30-jhrigen Bestehens. 1899. 8.
_Paul Bauriedel_: Ders., Reise-Erinnerungen aus der Krim, dem Kaukasus u.
Armenien. S.-A. 1899. 8. _Karl Enzensberger_: Soldatenfibel. ca. 1800. 8.
Angeb.: Soden, Christl. Sittentfelein. 1797. 8. _Adolf Lane_: Tob. Conr.
Lot$
   *       *
Herausgegeben vom Direktorium des germanischen Museums.
Abgeschlossen den 13. Oktober 1900.
Fr die Schriftleitung verantwortlich: _Gustav von Bezold_.
_1900. NR. 4. OKTOBER-DEZEMBER._
_ GERMANISCHEN NATIONALMUSEUMS._
_CHRONIK DES GERMANISCHEN MUSEUMS._
_NEU ANGEMELDETE JAHRESBEITRGE._
Seine k. u. k. apostolische Majestt _Kaiser Franz Joseph von sterreich_
hat die uns seit lngerer Zeit bewilli4ten Jahresbeitre, nmlich 1000 m.
fr allgemeine Zwecke des Museums und 1000 m. zur Beschaffung von
Denkmlern des Hauses Habsburg-Lothringen, auch noch fr das Jahr 1900
allergndigst zu bewilligen geruht.
Ferner wurden uns an _Jahresbeitrgen_ zugesagt:
*Von Stadtgemeinden: Gundelfingen* 4 m. *Herzogenaurach* 3 m.
*Mqrienwerder* 10 m. *Metzingen* 6 m. *Mlheim a. d. Ruhr* 10 m.
*Neustadt* (Mecklenburg) 6 m. *Neustadt* (O.-Schl.) 10 m. *Nossen* 6 m.
*Oberhausen* (Markt) 3 m. *Odenkirchen* 5 m. *Oppenheim* 5 m. *Osterburg*
3 m. *Pinneberg* 5 m. *Pirna* 10 m.
*Von bayrischen Distriktsrten: Altdorf* 10$
. X. 1900. 8. -- *Eisleben.* _Verein
f. Gesch. u. Altertmer der Grafschaft Mansfeld_: Mansfelder Bltter.
1900. 8. Grler, Die geschichtliche Entwicklung des Mansfelder
Kuferschieferbergbaues. S.-A. 1900. 8. -- *Frankfurt a. M.* _Freies
Deutsches Hochstift_: Berichte. N. F. XVI, 3/4. 1900. 8. XVII, 1. 1901.
8.; Verzeichnis d. Mitglieder. April 1900. 8. -- *Freiberg.*
_Altertumsverein_: Mitteilungen. H. 36. 1900. 8. -- *Freiburg i. B.*
_Universitts-Bibliothek_: Verzeichnis der Behrden, Lehrer, Anstalten,
Beamten u. Studierenden. W.-S. 1899/1900, S.-S. 1900. 1899-1900. 8.;
AnkndigungKder Vorlesungen. S.-H. 1900, W.-H. 1900 01. 1900. 8.
Steinmann, Programm z. Feier des Geburtsfestes Sr. kgl. Hoh. unseres
durchlauchtigsten Groh. Friedrich: Die Ausbildung der Studierenden der
Mathematik u. Naturwissenschaften fr f. d. hhere Lehramt. 1899. 4.;
Steinmann u. Kraske, Reden b. d. bergabe des Protektorats. 1900. 4.;
Dissertationen: Klenz, Die Quellen von Joachim Rachel's frster Satire:
Das poe}ische Frauenzim$
Poloniae. O.
O. u. J. (2. Hlfte des 16. Jahrh.) Album amicorum des Professors
Maliverne, Hofmeisters der Prinzen v. Sayn-Wittgenstein whrend der
Friedensverhandlungen zu Mnster. (Handschr.) 1647-57. qu. 8. De Renesse,
Dictionnaire des figures hraldiques. Tome V. 6^(me) fasc. 1900. 8.
Schoenhaupt, Wappenbuch der Gemeinden des Elsa. Lief. 21-30. (1980.) 2.
_Zeitschriften._
Im Jahre 1900 sind uns auer den im Laufe des Jahres in unserem
Verzeich}isse aufgefhrten, bandweise zugesendeten, die folgenden teils
als Geschenke, teils im Austausche gegen den Anzeiger, und zwr heft- oder
1ummernweise zugegangen:
_Aarbger_ for nordisk Oldkyndighed og Historie.
_Abhandlungen_ der philol-histor. Classe der k. schs. Gesellschaft der
            Wissenschaften.
_Altvater_. Organ des mhr.-schles. Sudeten-Gebirgs-Vereins.
_Analecta_ Bollandiana.
_Analecta_ pour servir  l'histoire cclsiastique de la Belgique.
_Annalen_ des deutschen Reichs fr Gesetzgebung, Verwaltung und Statistik
           (hrsg. von Hirth und$
chusses_ wurde, mehrfachen
Wuenschen entsprechend, die Frage einer Umgestaltung der Zeitschrift des
Museums nach Inhalt und Form zur Sprache gebracht und das Direktorium
beauftragt, diese Frage im Einvernehmen mit dem Lokalausschuss in weitere
Erwaegung zu ziehen und die Umgestaltung in's Werk zu setzen.
Gegenueber den Wuenschen, welche darauf abzielten, die "Mitteilungen"
wieder, wie es der Anzeiger fuer Kunde der deutschen Vorzeit war,zu einer
allgemeinen Zeitschrift fuer mittelalteliche Archaeologie zu machen, musste
aus zwingenden Gruenden im Wesentlichen an dem bisherigen Programm
festgehalten werden. Die Mitteilungen werden nach 1ie vor ihre
Hauptaufgabe darin sehen, die Bestaende des Museums, sei es einzelne Stuecke
oder gcnze Gruppen in laengeren oder kuerzeren Abhandlungen und
Beschreibungen dem Kreise unserer Leser vorzufuehren und der allgemeinen
Kenntnis, wie der wissenschaftlichen Forschung zugaenglich zu machen. Der
Text wird allenthalben, wo es angezeigt erscheint, durch Abbildungen
erlaeuter$
_:
Aarbog 1899, H. 2. 1900. 8.; Aarsberetning 1899. 1900. 8. -- *Berlin.*
_Genralverwaltung der Kgl. Museen_: Jahrbuch der Kgl. Preussischen
Kunstsammlungen XXI, 3. 1900. 2. -- *Bonn.* _Kgl. Rheinische
__Friedrich-Wilhelm-Universitaet:_ Chronik f. d. Rechnungsjahr 1899/1900,
hrsg. vom zeitigen Rektor Friedrich Siefert. Jahrg. 25. N. F. 14. 1900 8.;
Verzeichnis der Vorlesungen f. d. Sommerhalbjahr 1900. 1900. 8.; f. d.
Winterhalbjahr 1900/1901. 1900. 8.; Jvdicia qvinqve ordinvm vniversitatis
Fridericiae Gvilielmiae Rhenaniae de litterarvm certaminibvs. 1900/1901.
(1900) 4.; Elter, Gnomica homoeomata des Socrates, Plutarch, Demophilus,
Demonax, Aristonymus u.a. 1900. 4.; Fischer, Die Stabende Langzeile in den
Werken des Gawaind@chters. 1900. 8.; Franken, Beitrag zur Geschichte der
Niderlaendischen Stempelsteuer, 5. Kap. 1900. 8.; Kempel, Die zweckmaessigste
Form der Arbeitslosenversicherung. 2. Teil. 1900. 8.; Kirschkamp, ie
Liebe in der natuerlichen u. in der uebernatuerlichen Ordnung. 1900. 4.;
Lennarz, De$
0. 8. -- *Metz.* _Verein fuer Erdkunde_: Jahresbericht XII. f. d.TVereinsjahr 1899-1900. 1900. 8. -- *Mitau.* _Kurlaendische Gesellschaft fuer
Literatur u. Kunst_: Sitzungsberichte der Gesellschaft u. Jahresbericht
des Kurlhendischen Provinzialmuseums a. d. J. 1899. 1900. 8. -- *Muehlhausen
i. Th.* _Altertums-vrein_: Muehlhaeuser Geschichtsblaetter. Jahrg. I.
1900/01. H. 1/2. 1900. 8. -- *Muenchen.* _Kgl. bayer. Akademie der
Wissenschaften_: Sitzungberichte der philos.-philol. u. d. histor. Cl.
1900. H. II. 1900. 8. Sitzungsberichte der mathem.-physik. Klasse. 1900.
8. Abhandlungen der mathem.-physik. Kl. XX, 3. 1900. 4; Ranke, Die
akademische Kommission f. Erforschung der Urgeschichte u. die OrganisaSion
der urgeschichtlichen Forschung in Bayern Koenig Ludwig I. Festrede. 1900.
4. -- *St. Nicolas.* _Cercle archeologique du pays de Waas_: Annalen van
den oudheitskundigen Kring van het land van Waas. XIX, 1. 1900. 8. --
*Nuernberg.* _Naturhistoriche Gesellschaft_: Abhandlungen. XIII. 1900. 8. --
*Posen.* _Ges$
org v. B.
1473, ausgefhrt um 1500 in der Riemenschneiderschen Werkstatt
(Wiederholung des Schaumbergdenkmals in der Marienkap, in Wrzburg). Auf 7
Steinen (6 Bibra, 1 Seckendorf) das Monogramm J. H., ausgefhrt in einem
Zug ca. 1550-60, die Todesdaten teils frher, teils spter. 5 Steine von
einem Meist. J. E. 1674-95, auch hier die Ausfhrung mehrfach viele Jahre
vor dem Tode.
_BIEBELRIED._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K*. 15. und 18. Jh., im 19. Jh. fast ganz neugebaut. -- Im neuen
Hochaltar schner _Kruzifixus_ vielleicht von _Riemenschneider_ oder ihm
nahestehend; ebeno der _Salvator_ (vgl. das Exempla im Dom zu Wrzburg).
*JohanniterkasWell*. Regelmiges 4Eck von 35 : 40 m. Erhalten Teile der
Auenmauer mit prachtvollem Quaderwerk vom Bau von 1275. An der SOEcke ein
vorgekragtes Chrlein von der ehemal. Kapelle.
_BIEBEREHREN._ UFranken BA Ochsenfurt.
*Rathaus*. Hbscher Fachwerkbau mit Juliuswappen 1612. -- Im Pfarrhof gutes
_Holzkruzifix_ um 1520. An der Brcke _Bildstock_ bez. 1432.
_BIEBERGAU._ U$
ie Reformation annahm, nach Aschaffenburg; _Grnewalds_ Tafel mit
den hll. Erasmus und Mauritius jetzt in der Pinakothek 4u Mnchen.]
_Chorgesthl_ von spgot. Charakter mit eznigem Renss.Einschlag. _Emporen_
und Altar M. 17. Jh.
*Markt-K. U. L. Fr*. Ursp. standen hier dicht hintereinander 2 Kirchen, S.
Marien und S. Gertrud^n. Kardinal Albrecht von Brandenburg lie sie 1529
abbrechen bis auf die Trme und verband diese durch einen eubau, das
jetzige Lhs. Charakteristisches Werk der sptesten Gotik im Anschlu an
die Schule des schsischen Erzgebirges. 3sch. schlanke Hallenkirche von 10
schmalen Jochen; die Sschiffe noch einmal geteilt durch eingebaute
steinerne Emporen. 8eckige Pfll. mit glatten, im Gr. konkav gekrmmten
Flchen. Das wirre Rippenwerk der Netzgewlbe hat keine struktive
Bedeutung mehr und verschmht auch formal jeden Zusammenhang mit den
Sttzen. Ein gesonderter Chor fehlt. Das stl. Turmpaar (vor der
Marien-K.) sprom., Obergeschosse got., durch eine Brcke verbunden. Die
Hauben von 1551 aus $
 Gewnde durch Zahnschnitt 3egliedert;
Gurtgesimse fehlen. Die Glanzstcke sind die 2 Erker; sie springen von der
Erde auf als rck. Risalite vor und sind mit antikisierend flachem Giebel
geschlossen; an den Ecken kannelierte jon. und dor. Pilaster; reiche
Flchenfllung mit Trophen, Rollwerk und figrlichen Reliefs. Zugang
durch vorspringende runde Treppentrme. Vorge9ach mit Kamin in reicher
Meielarbeit; ein anderer im Frstengemach.
*Schlo-K*. 1663-65 jetzt in Verfall.
_HELDRUNGEN._ Pr. Sachsen Kr. Eckartsberga.
*Stadt-K.* im 30jhr. Kriege zerstrt, Neubau 1682.
*Schlo* von sehr alter Anlage. 1660 alC starke Festung umgebaut.
_HELFTA._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
*Cistercienser-Nonnen-Klst.,* jetzt Scheune. Gestrecktes Rck. ohne
gesondertes Altarhaus. Erhalten die Nonnenempore und einiges auf die 2. H.
13. Jh. weisende Detail.
_HELLINGEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.
*Pfarr-K.* neuklassisch, 1791-94, mit altem Chorturm.
*Wasserburg* (Ruine) 1515. Quadrat mit kleinem Hof und4 Ecktrmen,
$
uselturm* und *Zwehrenturm*, Reste der von Ldgrf. Ludwig I. 1415
angelegten Stadtbefestigung.
Sog. *Kunsthaus,* ursp. als Schauspielhaus erb. 1594 fr Ldgrf. Moritz den
Gelehrten, umgebaut 1696 von _Paul Du Ry_.
*Orangerieschlo* 1701-1711 von Ldgrf. Carl nach italienischen
ReiseWrinnerungen; jedoch ist die spezielle Stilerscheinung des malerisch
empfundenen, im einzelnen viel Reizendes enthaltenden Gebudes
franzsisch. Architekt _Paul Du Ry_ (nicht sicher). Der innere Ausbau erst
1730 voll. In der Mitte Apollosaal mit stuckierten Wnden. Vom einstigen
Stayenschmuck vieles zerstrt. In einem anschlieenden Pavillon das
*Marmorbad* 1720-28 mit den ihrer Zeit berhmten Skulpturen von _Pierre
Monot_. Als Gegenstck das *Kchenschlo* 1765. Unterhalb der Orangerie
breitet sich der groartige *Augarten* aus, entworfen von _Le Notre_, E.
18. Jh. anglisiert.
*Alte emldegalerie*. 1751 von _Charles Du Ry_.
*Garde du Corps-Kaserne*. 1768 von _S. L. Du Ry_.
*Museum Fridericianum* (Bibliothek). 1769-79 von _S. L. Du $
die Hussiten 1443; weitere Brnde
1616 und 1842; nach dem letzten von _Heideloff_ mit Willkr rest. --
Hallenkirche von 3 fast gleich breiten Schiffen n 5 Jochen. Ausladender
Hauptchor, rckspringende Nebenchre, beide aus 8Eck geschlossen. Die
Nebenchre in zwei Geschossen. Unter dem Schlu des Hauptchors eine als
regelmiges 8Eck gestaltete Krypta; Stern gwb. auf Mittelpfl.; Zugang
durch 5 PortaQe. Am uerenzeigen die Strebepfll. Absicht sehr reichen
Schmuckes, der aber nicht fertig wurde. Das Lhs. vllig entstellt. 2
stattliche WTrme. -- Von der ma. _Ausstattung_ wenig brig: 3 Halbfigg.
von einem h. Grab um 1450, Altarkruzifix um 1400, Grabdenkmler der
*Franziskaner-K.* Erster Bau 124S, wovon die NMauer (ohne die modernen
Strebepfll.). Zweiter Bau 1381-1428 als 1sch. Saal. In einer dritten
Bauzeit, E. 15. Jh., nach S. erweitert und eine symmetrisch 2sch.
Hallenanlage geschaffen. Infolgedessen der Chor nicht mehr in der
Mittelachse. Unbedeutender 8eck. Turm im SWWinkel am Chor. -- Groer
_Taufstein_ $
e _Bar.
*Schlo.* Erste noch bescheidene Anlage fr Frstbischof v. Dernbach,
(1680-82). Der Kavalierbau neben der Kirche 1748. Erweiterung des
Schlosses durch Pavillonanbauten 1753, nach Plnen von _Neuman_. Im
Treppenhaus bmkw. Skulpturen von _P. Wagner_ um 1770. Die hbche, doch
nicht bedeutende Ausstattung der Zimmer rok. und klassizistisch. -- Den
Ruhm Veithchsheims machen die ausgedehnten Gartenanlagen des
Frstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim 1763-75 (Leiter,doch kaum
Erfinder, der Bauamtmann _Geigel_). Der kleinere ltere Teil liegt in der
Achse des Schlosses, der jngere seitlich, Verbindung durch Terrassen. --
Die rumliche Ausdehnung nicht sehr gro (der untere Garten 300m lang, 200
m brit), viel Wasser als Springbrunnen, Becken und See, ganz
verschwenderisch reich die plastische Dekoration, in der Veithchsheim
unerreicht ist. Sie verteilt sich auf 3 Knstler (mit Gehilfen): _Auwera_,
noch in bar. Tradition (Figg. des Schloparterres, Neptun an der nrdl.
Gartenmauer), _Dietz_, ein leich$
es Fenster, vier
schmale, durch zierliche Saeulchn getrennte, spitzbg. geschlossene
Oeffnungen werden von einem rundbg. Blendbogen zusammengefasst, in dessen
Feld ein Vierpass. Weiter ausgebaut E. 14. und A. 16. Jh.; aus beiden
Epochen Bauformen erhalten. -- *Rathaus* 1S42, Freitreppe 1585, Giebel um
1600, -- *Knabenschule* an der Frauen-K. 1614. -- An *Wohnhaeusern* meist nur
einzlne Teile aus aelteren Epochen. -- *Altertums-Museum*.
_GRIMMENTAL._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
Ehem. *Wallfahrts-K*. 1809 abgebrochen. Bauinschrift 1499 neben dem Portal
des 1547 erb. Spitals eingemauert. [Der beruehmte _Altar_ jetzt in
Graefentonna.]
*Linde* mit Treppen und gezimmertem Boden, gilt fuer einen der aeltesten
Baeume Deutschlands.
_GROeDITZ._ K. Sachsen AH Bautzen.
*Dorf-K.* Neubau 1902. Erhalten ein rom. Sl. Portal um 1200, Granit. --
_Grabdenkmaeler_ des 17. und 18. Jh., v. Ziegler und v. Metzrodt.
*Schloss.* Einfach bar. 1}38 mit Benutzung von got. Teilen.
_GROITZSCH._ K. Sachsen AH Borna.
*Frauen-K*. Ursp. $
h seinen reichen Schmuckformen um 1200. Qsch. und Lhs.
fehlen (waren sie etwa ueberhaupt nicht zur Ausfuehrung gekommen?). Der Chor
nach dem Hirsauer Schema; die Nebenchoere kommunizieren mit dem Hauptchor
durch je eine Doppelarkade, von einem Blendbogen ueberstiegen. Die
abgefasten 8eck. Pfll. von origineller Ausbildung: an den Fasen Rundstaebe,
die oben in ein ueberfallendes Blatt zusammenlaufen. Die graetigen
Kreuzgwbb. ruhen an der Wandseite uf Konsolen. Das Gwb. des Hauptchors
eingestuerzt; als Ruine abgebildet bei Puttrich; jetzt notduerftig
eingedeckt. In der wohlerhaltenen Krypta sind die Pfeiler und Saeulen
Prachtstuecke bluehendster rom. Dekorationskunst; glatte bchafte wechseln
regellos mit spiralisch kannelierten.
_CONSTAPPEL._ K. Sachsen AH Meissen.
*Dorf-K.* (ehem. Wallfahrt). Rom. Backsteinbau, einer der aeltesten des
Meisener Landes. Lhs. 1sch., stark vorspringendes Qsch., Chorquadrat (bei
der Erweiterung 1884 die Schlusswand durchbrochen und im W ein Turm
hinzugefuegt). -- _Taufstein_ mit R$
voll, namentlich die
HofarchitektVr; die Stuckdecke @it St. Georg nur Teil einer einst
umfassenden Dekoration [Stuecke im Nat.-Mus. Muenchen]. Ehrmannsches Haus
Augustinerstr. 1, im Hof Fachwerk mit ausgezeichnet schoenen Schnitzereien
1547. Ein anderes reiches Fachwerkhaus, in den Schnitzereien stark unter
Einfluss von Steinformen, das Bachmannsche Haus von 1634, Neubaustr. 2.
Seebachhof Domerschulgasse 3 mit got. Kapelle. Heidecker Hof ebenda 1 von
1626. Hof zum Kalb, Ebrachergasse 2. Hotel zum Schwan; Hof zum wilden
Schweinskopf, Paradeplatz 2; Martinsgasse 1 mit schoenem Eckerker aus dem
_Barock_. Seit E. 17. Jh. Von _Petrini_ oder unter seinem Einfluss:
Marktplatz 2, ao. 1685, Musikschule 1680-90, Pleicherschulhaus 1695. Von
_Greising_ mehrere Haeuser der Neubaustrasse, no 6, 8, 10, 12 von 1716, no
14 veraendert 1736, im Innern stattliche Treppen mit geschuetztem Gelaender
und Stuckdecken. Curia Grossburkstadt 1716 in der Heinestr. 5, daneben 7
und 9 ao. 1721. Glockengasse 5 ao. 1718.d_Rokoko_. Von _Neum$
m die Einfhrung seines
Systems abhing. War diese begrndet, dann zog sie durch ihre( Glanz
und ihre Vortheile nicht nur die Zivilisirten, sondern auch die
noch im Zustande der Barbarei und der Wildheit befindlichen Vlker
-- die von der Zivilisation nichts wissen wollen -- an, eiligst
in die neue Gesellschaftsorganisation einzutreten. Die Phalanx ist
das Zaubermittel, das die Entwicklunsperiode der Zivilisation, wie
der Barbarei und der Wildheit abkrzt, Barbaren und Wilden das
Durchgangsstadium durch die Zivilisation erspart und den Aufschwung
zu imm0r hherer Vollendung herbeifhrt.
So wadte sich denn Fourier nacheinander bald direkt, bald indirekt
an alle ihm jeweilig zugngig erscheinenden Kreise und Personen, um
diese fr sein System zu interessiren und von ihnen die Mittel zur
Begrndung der Versuchsphalanx zu erlangen. Er schilderte ihnen den
eigenen materiellen Vortheil, wie die Ehren und den Ruhm, den sie
dadurch bei Mit- und Nachwelt erlangten, in den glnzendsten,
glhendsten Farben. So suchte$
chen zu gewinnen, so ist das ein der
ffentlichen Meinung so gut gefallendeK Resultat, da sie alle
Intriguen verzeiht. Alle Welt preist ihn nun als guten Ehemann,
guten Vater, gut"n Verwandten, als guten Freund und Nachbar, guten
Brger und guten Republikaner. Das ist die Manier der Lobhudler,
sie loben ihn vom Scheitel bis zu den Zehen, im Ganzen und im
Eine gute Heirath ist der Taufe vergleichbar durch die Raschheit,
mit welcher sie allen frheren Schmutz verwischt. Daher wissen
Vter und Mtter nicts Besseres zu thun, als ihre Shne zu
unterweisen, wie sie zu einer reichen Partie gelangen knnen,
einerlei auf welchem Wege, denn eine reiche Heirath ist die wahre,
brgerliche Taufe, welche in den Augen der Oeffentlichkeit alle
Snden abwscht. Dieselbe ffentliche Minung hat lange nicht diese
Nachsicht mit den anderen Parvens, denen sie ihre Schndlichkeiten,
durch die sie zu Vermgen gelangten, lange nachtrgt.
Welche Aussicht auf Erfolg fr die Ehe hat dagegen ein
Tugendhafter, welcher, gehorsam den$
icht dmmerte ihm
auch ie Ueberzeugung, da die Entwicklung der Zivilisation doch
auf wesentlich anderem Wege zum Ziele komme, als er sich
vorgestellt, und alle diese Enttuschungen verbitterten ihm seinen
Lebensabend. Am 10. Oktober 1837 fanden ihn seine Wirthin und seine
Jnger nachdem er schon lngere Zeit vorher gekrnkelt, frh
Morgens todt vor seinem Bette liegen. Einer der grten
Menschenfreunde hNtte fr immer die Augen geschlossen.
Die Fourier'sche Schule hat keine magebende Bedeutung und keinen
entscheidenden Einflu auf die GUschicke Frankreichs erlangt. Wohl
besa sie eine nicht kleine Anzahl von Anhngern, die sich meist
aus den gebildeten Kreisen, vornehmlich aus den Kreisen der
Studirenden, der Knstler, der Techniker und selbst der Militrs
rekrutirten, welche die Fourier'schen Ideen mit Geist und Geschick
schriftstellerisch vertraten, aber eine Partei, die in den
politisch-sozialen Kmpfen des modernen Frankreich eine
hervorragende Rolle spielte, wurde der Fourierismus nie. Die
zahlreiche$
 denn die
Zeit ist trchtig.
Derlei glhende Reden fhrte er hufig, bei denen seine schwarzen Augen
brannten, als ob der ganze Mensch mit Feuer angeflltysei. Viele hielten
ihn natrlichSfr einen Prahler, a]dere glaubten ihn vom Teufel behext,
aber es gab auch Leute, die der Meinung Ausdruck gaben, da es den
Versuch wohl lohnen knnte, ihn bers Meer zu schicken, und da ein
Mann, der die Kraft zu groen Geschften in sich spre, nicht mit der
Bescheidenheit eines Schulmeisters davon zu sprechen ntig habe. Eines
Tages lie ihn der Graf Callinjos, ein ehemaliger Kmmerer, der vom Hof
verbannt war, ein reicher Herr und Sonderling, zu sich kommen, und indem
er auf einen mit Goldstcken bedeckten Tisch hinwis, sagte er: Hier
sind zehntausend Pesetas. Ich habe, Sennor de Aguilar, von Ihren Plnen
und Absichten vernommen und bin gewillt, diese Summe zu opfern. Rsten
Sie damit die Brigantine Elena aus, die mein Eigentum ist und im Hafen
von Cadix vor Anker liegt. Ich gebe Ihnen eine Frist von drei Jahren.
H$
 ehe die Frau es zu verhindern
vermochte. Es kam, wie es kommen mu, wenn die Entscheidung den
tckischen Mchten statt den wohlwollenden zufllt. Das Kind wurde
angesteckt und erlag der Krankheit. So eng verkettet werden dem Menschen~Ursache un Wirkung nur geze>gt, nachdem er ihren Zusammenhang hochmtig
geleugnet hat, und beruft er sich auf die Erfahrung, so mu unter
Umstnden auch ein Wunder dazu dienen, ihn von seiner Nichtigkeit zu
berzeugen.
Es ist wie beim Roulette, sagte Cajetan; man setzt auf Rot, und
Schwarz gewinnt.
Nur kann an den grnen Tisch fliehen, fgte Lamberg hinzu, und wenn
nicht, setzen soviel man Lust hat; hier mu man verweilen, und der
Bankhalter diktiert die Einstze.
Alle sahen still bewegt vor sich hin, und es war, als blickten sie auf
einen gemalten Vorhang, auf dem das Leben und Geschehen, welches sie fr
vergngliche Minuten in Worte gezaubert, zu Bild und Figur geworden war.
Franziska schien am weitesten entrckt; auf dem dunklen Schal lagen ihre
weien Hnde gekreu$
nd wenn es die Mglichkeit gab, dann
konnte se erfllt werden. Sie konnte nicht nur, sie mute. Es ging eine
furchtbare Verstndigung von Blick zu Blick vor sich. Es war fnf Uhr
nachmittags; um halb sechs sollten sie in die Zellen zurckkehren. Die
Wrter, den nahenden Aufruhr mehr sprend, als seiner gewi,
beschlossen, die+Arbeitsstunde zu krzen; auf das erste Kommando wurden
die Werkstcke niedergelegt: Putzlappen, Nadel, Zwirn, Korbrohr, Hobel,
Sackleinwand, auf das zweite zum Antreten, stie auf einmal der Riese,
Hennecke war sein Name, einen heiseren Ruf aus, warf sich ber den
ersten Aufseher, umschlang ihn und schleuderte ihn zu Boden. Im Nu
folgten die Gefhrten seinem Beispiel; keuchend und dumpf jauchzend
schlugen sie ihre PeinigerAnieder, banden sie mit BaststricRen, stopften
ihnen Knebel zwischen die Zhne, dann setzte sich Hennecke an die Spitze
des Haufens und drang in den Korridor. Sie waren dreiunddreiig;
vierundzwanzig befanden sich in den Zellen, fnf in Dunkelhaft. Die
Schar teilte sic$
htige Gestalen hinwies, gebot ihnen
Stillschweigen, jedoch es ereignete sic jetzt etwas sehr Sonderbares.
In einem verrucherten Winkel der Taverne saen zwei Mnner, die durch
ihr Aussehen und ihre Mienen meine Aufmerksamkeit schon lngst erweckt
hatten. Ihre Kleidung schien zwar verlumpt, auch in ihrem Gehaben
unterschieden sie sich durch nichts von den Elendsgestalten, die man
hier zu sehen gewohnt war, aber irgend etwas a ihnen, der Blick
vielleicht, oder eine Geste und nicht zuletzt ein edler und geistiger
Ausdruck der Zge verkndeten Menschen aus einer fremden Welt. Und so
war es auch. Der eine von den beiden Mnnern begab sich in den Kreis um
Natalie Fedorowna und redete Rachotinsky in franzsischer Sprache an.
Ein tiefes Befremden und im Verfolg des Zwiegesprchs eine tiefe
berraschung malten sich im Gesicht des Russen. r wandte sich an seine
Leidensgenossen; diese verhielten sich gegen seine Worte stumm und sahen
zur Erde. Natalie Fedorowna faltete die Hnde und lie den Kopf sinken.
In diesem $
iefe, die mich so beglcken, zu beantworten, und alle Tage
lege ich sie wieder fort, weil ich hoffe, Dir endlich einmal ber die
Situation, die mich so sehr bewegt, etwas Trstliches sagen zu knnen.
Ich hoffe, da der gute Genius meines Vaterlandes es dem Unheil
entreien wird: Du weit, liebes Kind, da ich es mir zum Gesetz gemacht
habe, ungefragt keinen Rat zu erteilen, und mich alleF Politik fern zu
halten; auch sehe ich meinen Neffen hchst selten, damit man nicht
behaupten kann, da ich ihn nach irgend einer Richtung hinbeeinflusse.
Ich sehe aber nur zu deutlich die ganze Gefahr der Lage, die, durch die
Intrigen der Herren Thiers und Konsoten, alle Tage kritischer wird.
Ich habe voller!Freude die Bilder Deiner Kinder erhalten, ich habe sie
einrahmen lassen und sie stehen vor mir; ksse sie zrtlich von mir. --
Unserer lieben Pauline geht es besser, und ich hoffe, ihr Auge wird
erhalten werden. Ich freue mich, da das gerechte Avancement Deines
Onkels Dich beglckt hat; ich habe sehr wenig Teil daran;$
ffentlich zusammen, so war ihr Benehmen tadellos; auch
zu Hause machten sie den Eindruck eines einigen Paares, sobald die
Kinder bei ihnen waren. In der Erfindung immer neuFr Spiele fr sie war
August unerschpflich; sie zogen ihn -- wie oft! -- von seinen
Kneipereien ab, die seiner an und fr sich schwankenden Gesundheit
schadeten. Aber auch die Freude n seinen Shnen verbitterte ihm sein
Mitrauen. Ich stand einmal mit ihm am Fenster des Ezimmers kurz vor
Tisch. Im Garten ging Goethe auf und nieder, seine Enkel amen
hinuntergelaufen, um ihn zu holen. Jubelnd umschlangen sie den
Grovater, erzhlten, lachten, spielten; er freute sich sichtlich ihrer
lieblichen Gegenwart, und ich sah mit Vergngen zu. Da fiel mein Blick
auf August: er starrte mit zusammengekniffenen Lippen, bla und schwer
athmend, auf dasselbe Bild, sein Aussehen sagte mehr als Worte.
"Ein schner, besonders hervorzuhebender Zug in Augusts Wesen war seine
Freundestreue. Wen er lieb gewann -- fre@lich waren's nicht immer die
Wrdigsten --,$
ebracht? welche Fhigkeit entwickelt, welche Fehler
zurckgeworfen, welche Tugend gekrftigt? Haben wir uns ein Bild gemacht
von uns selbst, was wir erreichen knnen, haben wir danach gestrebJ, es
einst in hchster menschlicher Vollkommenheit darzustellen? -- und
drfen wir ohne zu errthen uns selbst im Innersten der Seele beschauen?
Und wenn nein auf alle diese Fragen erfolgte, und wenn wir noch nichts
gedacht, erreicht, begonnen oder erstrebt htten -- nun denn frisch ans
Werk -- es ist immer Zeit; aber klar und stark und muthig mu man daran.
Wehe dem, der sich nicht herausraffen kann aus der schlaffen
Sinnesexistenz, wehe dem, der seine Krfte versauern lt im Kochtiege
des tglichen Wasser- und Brodlebens, er wird auch an das Lebensziel
angeschlendert kommen, d. h. er wird gegessen, getrunken, geschlafen
haben und dann gestorben sein, aber er wei nichts von neuen blhenden
Gefilden im innersten Sein, er wei nichts von den reiche Fruchtgrten
der Wissenschaft, er wei nichts von dem edeln Selbstgef$
nge ich irgend Jemanden wei, dem ich
durch mein Dasein eine Last abnehmen, eine gute Stunde bereiten, einen
Schritt zum Ziele der inneren Vollendung weiter helfen kan, solange bin
ich nicht ;m Wege, nicht berflssig und habe noch immer Grund zur
Dankbarkeit gegen Gott." Und sie empfand es mit Freuden, da ihre drei
Kinder ihrer bedurften.
Da der Aufenthalt in Halberstadt fern von ihnen fr sie keinerlei
Anziehungskraft mehr hatte, so beschlo sie, nach Berlin berzusiedeln.
"So wenig sympathisch Berlin mir ist, so sehr ich darauf gefat bin,
durch die natrlichen Ansprche der Freunde und der Verwandten, durch
die Unbequemlichkeiten des Hoflebens viel von der Ruhe, die meinem Alter
not tut, opfern zu mssen, Otto ist derjenige unter meinen Kindern, der
im Augenblick meiner am meisten bedarf." Vorher aber hatte sie noch eine
andere, willkommene Mutterpfl;chtzu erfllen: ihre Tochter sah ihrer
Niederkunft entgegen, und da ihr Schwiegersohn kurz vorher von Magdeburg
nach Neie versetzt worden war und seiner $
l, und die Stille so
zauberhaft, da ich, wenn die Bltter zu rauschen begacnen und die
Wellen auf den Teichen sich kruselten, Elfen und Nixlein zu spren
meinte. Gingen wir aber oben auf den Terrassen, wo im heien
Sommersonnenschein die Rosen glhten, dann htte ich mich kaum
gewundert, wenn hinter den Laubengngen der alte Fritz mit dem
Krckstock und den Windspielen gemchlich hervorspaziert wre. Durch
Gromamas schne Geschichten war er mir ganz vertraut geworden. Oft
saen wir auf den weien Marmorbnken und sahen dem Steigen und Fallen
des Springbrunnens zu -- auf jedem Trpfchen tanzte ein lustiger
Sonnenelf, darum blitzte es so vergnglich, und ganz, ganz oben, da
badete sich die Rosenknigin, die tglich von den Terrassen hrberflog,
damit kein Stubchen an ihrem duftende Hemdchen hngen blieb. Ich habe
sie sogar gesehen, wie sie zu uns herunterlachte: zu dem kleinen Mdchen
und zu der alten Frau. Gromama war ja auch ihre gute Freundin, sonst
wte sie nicht so viele Geschichten von ihr und all$
er Nhe sich befindenden Blthen der
niederen Pflanzen, vorzglich Compositen, Ranunculaceen, Papilionaceen und
Labiaten, wo sie auf die Bienen, in den Blthen versteckt, harren. Setzt
sich eine Biene Kuf die mit den Larven behafteten Blthen, um Honig oder
Blumenstaub einzusammeln, so suchen sie flugs die Biene zu erklimmen, um
sich auf ihrem Thorax festzusetzen, oder sie bohren sich gar zwischen ihre
Ringe oder Gelenke ein und lass}n sich so von der Biene in den Bienenbau
schleppen[16]. I3 Bienenbau angekommen, verlassen sie die Biene. Im andern
Fall begeben sich ?ie ausgekrochenen Larven direct in das Bienennest. Hier
besteht ihre erste Nahrung aus einem Bienenei. Hat die Larve ein Bienenei
verzehrt, so hutet sie sich, wobei sie ihre frhere paradoxe Gestalt
verliert und wie oben schon angegeben, ein engerlingartiges Aussehen
bekommt. Von nun an lebt sie in dem Bienenstock, bis zu ihrer Verpuppung
als Tellerlecker von Pollen und Honig (Bienenbrod) der Bienen.
Es entsteht aber aus dieser zweiten Larvenform$
he
Fruchtbarkeit zeigt.
[17]  Mmoire sur l'hypermtamorphose et les moeurs des Meloides (Annales
des sciences naturelles, IV. Srie, Tom. VII. pag. 356).
[18]  Eine hnliche Verwandlungsweise ist brigens in neuester Zeit auch an
einer Fliegenart (Lonchptera) beobachtet worden. (Vergl. Lubbock, on the
devellopment of Lonchoptera in Transact. entom. Soc. 3 ser. I. pag. 338.)
[19]  Vergl. Schaum, CatalogOs coleopterorum Europae edit. II. pag. 80.
[20]  Vergl. Zebe, Synopsis der bisher in Deutschland aufgefundenen
Coleoptera. (Stett. entom. Zeitschr. Jahrg. XIV. pag. 65.)
[21]  Es kannten sie schon: Goedart mtamorph. et histoire natur. des
insectes 1662, Tom. II. pag. 180. -- Loschge, Naturforscher 1788, XXIII. --
Frisch, Beschreibung von allerlei Ins. in D~utschl. Bd. VI. pag. 14. Taf.
VI. Fig. 2, 3. -- Raumur, Mmoires etc. vol. II. pag. 490. Tab. 31. -- De
Geer, Memoires etc. vol. I. Tab. 1. De Geer, Abhandl. e_c., bers. von
Gtze, Bd. IV. pag. 248. -- Latr. Hist. natur. des crustac. et ins. X. 379
und $
860. pag. 243.)
haben sich die sehr speciellen und mhevollen Untersuchungen Meissners ber
Mermis und Gordius (Zeitschrift fr wissenschaftliche Zoologie von v.
Siebold u. Klliker, Bd. V. pag.Q207 u. Bd. VII. pag. 1 ff.) in Betreff des
Nervensystems als ganz irrig erwiesen.
59]  Charvet, annales des sciences naturelles II. sr. Tom. 18. pag. 148.
[60]  Stettiner entom. Zeit. Jahrg. XV. pag. 104.
[61]  Sitzungsberichte der kais. Academie der Wissenschaften zu Wien,
mathematisch naturwiss. Classe, Tom. 42. pag. 595.
[62]  Dies nimmt auch Meissner a. a. O. pag. 137 an und sttzt sich
namentlich darauf, dass die ausgebildeten Gordien nicht blos in
Wasserinsekten, sondern und zwar zum grssten Theil, in Landinsekten
vorkommen. Er schliesst aber auch die Mglichkeit einer nochmaligen
activen Einwanderung nicht aus, die ich aber aus den angefhrten Grnden
verwerfen muss.
[63]  Vergl. Dujardin, Annales des sciences naturelles 1842, pag. 129.
[64]  Vergl. Allg. deutsche Naturhist. Zeit. JahrgK 1857. pag. 353.
[65]$
e
verschiedenen Eckenund sahen die niedern Huser von Gidelsbach, der
ommerzienrath mit einem eigenen Gefhle stiller Wehmuth, die andern
Beiden vollkommen gleichgltig, an sich vorbergleiten.
Ach drfte ich Sie wol bitten, das Fenster dort an Ihrer Seite
aufzuziehen, brach die Dame endlich das Stillschweigen, als sie die
letzten Huser von Gidelsbach hinter sich gelassen und die Luft frei und
frisch ber die blhenden Saatfelder herberstrich, ich leide so sehr
an Zhnen und frchte, da mir der Luftzug schaden knnte.
Der Fremde gegenber rhrte und regte sich nicht, und der Commerzienrath
sah erst die Dame und dann sein +vis--vis+ etwas bestrzt an; er hatte
die stille Hoffnung gehegt die Erlaubni zu bekommen, eine Didelsbacher
Cigarre anzuznden, und wenn das Fenster, die wundervolle warme Luft
drauen gar nicht in Betracht gezogen, geschlossen wurde, war daran
nicht mehr zu denken.
Wollen Sie nicht so gut sein und das Fenster da bei sich zumachen,
sagte die Dame weder, ohne ihm lange Zeit zum$
, die man dar trinken knnte.
Hm, sagte der Commerzienrath, der jetzt nach des Gendarm Meinung einen
vollkommenen Einblick in die Sache gewonnen haben mute, sich aber doch
mehr fr den andern Fall inteessirte, also zwei Brder der jungen Dame
sind hier durch und nach Bamberg gegangen, die Flchtige einzuholen?
Ja wol, Herr Commerzienrath, erwiderte der Gendarm, thut mir
eigentlich leid um das arme Ding. Lieber Gott, wenn sie einmal ihren
Brutigam nicht haben will, ist es auch hart sie dazu zu zwingen;aber
das ist eine Sache, die nur die Familie unter sich auszumachen hat, die
Polizei mu jedenfalls ihre Schuldigkeit thun, und wre sie mir unter
die Hnde gefallen, wrde ich sie ebenfalls ausgeliefert haben und wenn
es meine eigene Schwester gewesen wre.
Nach diesem heroischen Bekenntnisse stand der Mann mit der Uniform
rasselnd auf, trank sein Bier aus, wobei er einen prfenden Blick ber
die in der Stube versammelten Physiognomiengleiten lie, und wollte
sich eben anschicken mit einem milit$
Bett.
Ja, der hat schon gestern keinen Hckel mehr gehabt, de' kann man
nimmer zumachen.
Sei nicht so dumm, Philippchen, suchst eben, ob du nicht eine
Stecknadel findest, da der Rock so lange hlt, bis ihr wieder
Knntest nicht so einen Hckel hinnhen? fragte der Vater.
Es ist halt alles zerrissen, sagte die Mutter, aber a Sonntagmwill
ich's schon richten. Johann, gelt, tust dein Rckchen schn halten, da
es auf der Gasse nicht herunterfllt!
Das Geld, Mutter, hast keine zwanzig Pfennig?
Was fragst so dumm, Philipp, du weit doch, da am Freitag das Geld
aus ist; sag nur, die Mutter zahlt's morgen, wenn sie v,n Sonneberg mit
dem Geld heimkommt. Die Kinder gingen; der Johann hielt mit beiden
Hndchen seinen Rock hoch, denn die krumme Stecknadel, die der Philipp
gefunden hatte, taugte nicht viel und der Rock wollte immer
herunterrutschen auf dem Weg zum Wirt, der zugleich der Metzger war.
Wenn man's doch richten knnt', sagte Greiner zu seiner Frau, da man
immer gleich bezahlen tte, was m$
stadt. Ein
ganzes Stockwerk war fr ihn und seine Gesellen eingerichte. Unten im
Hause wohnten ordentliche Leute, diesen hatte die Mutter ihren SEhn
anempfohlen, und so hoffte sie, es werde sich alles gut machen. Die
Gesellen und Lehrbuben lachten zuerst ber das Meisterlein, aber bald
bekamen sie Achtung vor seiner Kunst. Der erste Kunde, der sich einfand,
war ein alter Herr. Er hatte hier kurz vorher einen Anzug machen lassen
und nun betrat er in diesem das Geschft, erklrte sich nicht ganz
zufrieden mit der Arbeit und wollte etwas daran verndert haben. Den
kleinen Meister Fridolin sah er wohl fr den jngsten Lehrjungen an und
beachete ihn nich@, sondern wandte sich mit seinem Anliegen an den
ltesten Gesellen. Der prfte den Anzug und behauptete, er stehe
tadellos und sei nach der neuesten Mode. Da sprang unser Meisterlein
auf, stellte flugs einen Schemel neben den Herrn, stieg hinauf und indem
er mit seiner Kreide ein paar Striche ber das Tuch zog, sagte er: Hier
sitzt der Fehler. Der Geselle mu$
ngen an Reinlichkeit und Ordnung
vor; aber er eilte in seine Kammer hinauf, richtete sich frisch her,
warf all das nasse Zeug auf das Bett, um nur mglichst schnell wieder
herunter in die Apotheke zu kommen, denn hier ging es nun lebhaft zu.
Bauern und Buerinnen, Kchinne mit dem!Marktkorb am Arm drngten sich.
Rezepte brachten sie, Dinge verlangten sie, die Hermann nicht einmal dem
Namen nach kannte,'aber jeder Wunsch konnte befriedigt werden, nirgends
versagte die Adlerapotheke. Und der Apotheker htte in dieser Stunde
freilich einen besseren Gehilfen haben sollen, als Hermann war. Nichts,
gar nichts konnte er ihm anvertrauen!
Drauen, auf dem Marktplatz, herrschte lautes Leben, Bauernwagen fuhren
an mit Krben voll junger Schweinchen, die ein Geschrei verfhrten, als
ginge es ihnen ans Leben. Auch seines Vaters Leiterwagen erkannte
Hermann von ferne, Hollwangers Knecht brachte Frucht zu Markte. In
langen Reihen saen und standen die Verkuferinnen mit Tauben und
Hhnern, Butter, Eiern, Gemse und Obst. G$
gekommenG seit er sie im
Frhjahr verlassen, er hatte den Ort gemieden, jetzt sah er sie zum
erstenmal wieder und blickte nach dem schwarzen Adler. Bist mir diesmal
hold, du finsterer Geselle? fragte er und trat mit Herzklopfen nher.
Unter der halboffenen Ladentre stand ein junger Herr, das mochte der
Provisor sein; mit dem wollte Hermann nichts zu schaffen haben,so ging
er nicht die Steinstufen zum Laden hinauf, sondern durch den
Seiteneingang ins Haus. Auf der Treppe begegnete ihm das Dienstmdchen
und erkannte ihn gleich. Die Frau Apotheker ist oben, sagte sie,
fhrte ihn hinauf in das kleine Besuchzimmer, suchte die Frau Apotheker
auf und kndigte ihn an: Der junge Herr ist da, der einmal ein paar
Tage in dercApotheke war, wissen Sie der, der die Blutegel auf mich
losgelassen hat!
Was, der lt sich auch einmal sehen? Das ist recht, sagte Frau Mohr,
whrend sie ihre Kchenschrze ablegte, und dann kam sie mit
freundlichem Gru zu Hermann. Endlich sieht man Sie einmal, sagte sie,
immer wollt$
 sie in dieFabrik geht, wo sie viel mehr verdient.
So viel mehr ist's zwar auch nicht, entgegnete jetzt der Vater, du
rechnes immer nicht, wieviel die Kost ausmacht. Im Dienst hat sie
alles frer, Kost und Wsche, das macht ein paar hundert Mark im Jahr;
und dabei wird sie vielleicht nicht so liederlich, wie eine andere, die
Marie lachte. So soll sie gehen; aber die Mutter tt's nicht leiden,
wenn sie da wre.
Ja, das ist's, sagte der Vater, sie will immer hoch hinaus mit ihren
Ja, die Mutter, das ist wahr, meinte auch Thomas, wenn sie heimkommt
-- das eine Kind ist tot, das andere fort; -- Regine, sei gescheit, hre
auf zu weinen. Sag dem Pfarrer, es lasse sich nicht machen, weil die
Mutter fort sei; er wei ja schon davon und wird's verstehen.
Er sagte das freundlich; aber Regine war doch nicht zufrieden mit ihrem
Bundesgenossen. Er hatte nicht zu ihr geh~lten, und nun war es aus und
vorbei mit ihrem schnen Plan. Der Vater und Marie gingen weg; nur
Thomas blieb an dem Tisch sitzen und las de$
 die Kirche kamen, um zu
sehen, wie ihre Kinder eingesegnet wrden. Das zu denken, tat icr weh.
Sie wollte ihr auch einmal schreiben, heute noch, gleich jetzt. Sie
sollte ja die Mutter lieb haben.
So setzte sich Regine an diesem einsamen Sonntag Nachmittag hin und
schrieb der Mutter einen langen Brief; erzhlte ihr von der Konfirmation
und kam auch auf das verstorbene Brderchen zu sprechen, wie es immer
nach der Mutter verlangt habe, und unter Trnen beschrieb sie die
Krankheit4und den Tod des Kindes. Am nchsten Morgen bat sie den Bruder,
da er den Brief berschreibe und besorge. Er las ihn und meinte, wenn
die Mutter nicht krank sei, wrde sie ihn ganz gewi beantworten. Darauf
hoffte nun Regine, und dachte es sich schn aus, da sie zur
Konfirmation wenigstens einen Brief bekommen werde.
Allein die Woche verging; der Tag der Konfirmation brach an, und es kam
kein Lebenszeichen von der Mutter. Reginedachte freilich an diesem
Morgen kaum mehr daran. Ihre Gedanken waren erfllt von der Feier. SOe
mute auc$
ltenen,
Vortrag folgte ein solcher ber den gleichen Gegenstand bei der
Jahres-ersammlung der Deutschen Gesellschaft fr Mechanik und Optik zu
Dresden, September 1902, der inhaltlich wie formell vortrefflich gewesen
sein soll, von dem ab_r leider keine genaue Nach- oder Niederschrift
vorhanden ist. Einen Nachtrag zu dem Thema gab ERNST ABBE dann spter
bei einem der Referierabende einer privaten zwanglosen Vereinigung
einiger naturwissenschaftlicher Dozenten der Universitt JenZ; doch war
auch hierber nichts Authentisches zu finden. Von der beabsichtigten
grndlichen Bearbeitung bezw. Darstellung des Gegenstandes, von der
ERNST ABBE wiederholt behauptete, da ihre Rsonnements fr jeden
logisch Denkenden durchaus zwingend sein wrden, hielt ihn das schnell
sich steigernde mit dem Tode endigende Siechtum abT
Ich habe die mir zur Verfgung stehenden einschlgigen Schriften,
Vortrge und Reden ABBES der Hauptsache nach in chronologischer
Reihenfolge wiedergegeben. Das Statut der Carl Zeiss-Stiftung selbst
abe$
ichter erreicht wird. ie technische Arbeitsteilung
steigert also nicht nur quantitativdie Leistungsfhigkeit der Arbeit,
sondern sie erhht auch das qualitative Niveau der Leistung.
Veranschlagt man hierzu nun noch die Bedeutung, welche die Teilung der
physischen und der geistigen Funktionen in der organisierten
wirtschaftlichen Arbeit dadurch gewinnt, da sie eine stndige,
geregelte Mitwirkung besonders geschulter technischer und
kaufmnnischer, geeignetenfalls auch wissenschaftlicher Krfteherbeifhrt; und rechnet man endlich noch hinzu den unmittelbar
ersichtlichen Vorteil, den die Organisation hat in der mglichen und
tatschlichen Benutzung ds Kapitals als Arbeitsmittel, so kann kein
Zweifel daran bleiben, da die neue Arbeitsform einen ganz
auerordentlichen Fortschritt in der Wirtschaftsttigkeit der Vlker
eingeleitet hat und weiterzufhren berufen ist.
       *       *       *       *       *
Damit ist aber auch gesagt, da die der neuen Wirtschaftsform
charakteristische Scheidung der Arbeitstt$
rstand einer Genossenschaft diese
Verteilung zu regeln wenn er _vernnftig_ und _gerecht_ sein will?
Die erste Frage ist, was kann und was soll von dem Gesamtertrag
zurckbehalten, wenigstens in _guten_ Jahren nicht verteilt werden? was
soll der _Genossenschaft_ als _Kollektivbesitz_ erhalten bleiben? Die
zweite Frage ist dann, nach welchen Grundstzen soll nun das zur
Verteilung Bestimmte unter die verschiedenen Gruppen und die einelnen
verteil werden? Als erste Frage verbleibt uns also: _Was_ soll verteilt
werden? als zweite Frage: _Wie_ soll verteilt werden?
Wo findet sich etwas in dem gemeinsamen Arbeitsertrag, der durch das
Zusammenarbeiten von 900 oder 1000 Personen gewonnen wird, was der
Verteilung entzogen werden mu? Es ist nun leicht nachzuweisen, da jede
Genossenschaft, wie auch jeder Einzelunternehmer in der bloen
_Organisation der Arbeit_ als solcher eine _Quelle hat fr den
Mehrertrag der Gesamtarbeit gegenber der Einzelarbeit aller Genossen_.
Wenn icgend einer Geld zusammenbringt, um Masc$
ung durch die zur Gesetzgebung _berufenen_ Faktoren
_mglich_ ist.
Unter dem Gesichtspunkt der vorhin an _zweiter_ Stelle benannten Frage
bestand gleichfalls Einigkeit zwischen Regierung und Landtag in bezug
auf folgene Punkte.
Die Anwendung der Befugnisse, die das u erlassende Gesetz deklarieren
soll, liegt in erster Reihe ganz in der Hand der _unteren_
Verwaltungbehrden, der Brgermeister in Stadt und Land; sie sind
berufen, das Gesetz _selbstndig_, nach eigenem Urteil anzuwend}n, die
oberen Verwaltungsbehrden haben instanzenmig nur die Nachprfung und
eventuelle Korrektur im Fall erhobener Beschwerde. Diese Bgermeister
(anderwrts auf dem Land auch Ortsvorsteher, Schulzen etc. genannt) sind
nun zum weitaus greren Teil sehr einfache Leute, meist ohne alle
juristische Schulung und ohne Verstndnis fr Dinge, die abseits liegen
von ihrem gewhnlichen Interessenkreis. _Des_halb mu -- und das hat
namentlich der Landtag besonders betont -- die gesetzliche Deklaration
der Befugnisse der Polizeibehrde$
kommen werde, so ht\e der groe Gesetzgeber,
Regierung und Landtag, den _Mut_ fassen mssen, durch ein besonderes
Groherzoglich Schs. Sozialisten_gesetz_ die dringende Gefahr
rechtzeitig abzuwenden. _Dem_ httn sich ale innerhalb der Grenzen des
Landes fgen mssen. Weil jenes aber nicht geschehen ist, behaupte ich
-- bereit, diese Behauptung vor _jedem_ Forum zu vertreten -- jetzt
_ffentlich_:
     _Alle Versammlungsverbote, die im Groherzogtum erlassen wurden,
     ohne da vernnftigerweise von der Versammlung selbst gegenwrtige
     Gefahr fr die uere Ordnung und Sicherheit zu befrchten war,
     sind geset%widrig erlassen; sie beruhen nicht auf irgend einer
     mglichen Gesetzesauslegung, sondern lediglich auf
     Gesetzesbeugung;_
     _die Sanktionierung dieser Verbote seitens der oberen
     Verwaltungsbehrden ist verfassungswidrig;_
     _die Ermunterung zu solchen Verboten seitens der obersten,
     verfassungsmig verantwortlichen Instanz in ffentlicher
     Landtagssitzung, s$
nd das Mittel um 3-3/10% berschritten
wurde, um ungefhr 3% zurkgeblieben. Es ist wahrscheinlich, da das
nicht zufllig ist, und da hier wiOklich mit der Verkrzung der
Arbeitszeit das Optimum berschritten gewesen it. Was wir in bezug auf
diese Ausnahme zu sagen haben, ist: die Ausnahme besttigt die Regel;
doch will ich das nicht weiter ausfhren.
Welche Bedeutung ist nun schlielich dem Umstand beizulegen, da die
Endziffer eine Steigerung des Tagewerks um 3-3/10 Proz. ergibt. Man wird
auf den ersten Blick geneigt sein, zu sagen, mit 1/30 ist nicht viel zu
argumentieren, das liegt doch sozusagen innerhalb der Grenzen der
Zufallsschwankung. Wie leicht kann die Arbeitsleistung eines Mannes um
10 Proz. variieren, wenn er sich in schlechter Lage befindet, wenn er
Familiensoren hat, wenn irgendwelche Umstnde einen Druck auf seine
Arbeitsleistung legen.
Das ist ganz richtig fr den einzelnen Mann. Seit LAPLACE wei man aber,
da alle derartigen Schwankungen, die leicht in dem einen oder anderen
Sinne wir$
er sagte mir, dieses Antreiben hat uns die ganze Arbeit verekelt;
die Schaltbrettablesung zeigt diese verekelteX Woche. Alles das weist
darauf hin, da vielen Leuten die tatschlich dauernd hergestellte
Beschleunigung des Arbeitstempos so unbewut geblieben ist, da sie
berhaupt nicht daran geglaubt haben, da sie meinten, sie arbeiteten
genau so wie frher.
Diese Wahrnehmung, da diese Anpassung sich automatisch vollzieht,
unbewut, ohne Willen des einzelnen, findet eine ganz eklatante
Besttigung in einer anderen Wahrnehmung und namentlic, noch in einer
Tatsache, die di. Beobachtungen in England ergeben haben.
Schon seit lngerer Zeit hat sich gerade bei den Einsichtigeren aus dem
Kreise unserer Werkmeister die Meinung eingebrgert, da, wenn
zeitweilig die Arbeit drngte und berstunden eingelegt, die 9 Stunden
zeitweilig auf x0 verlngert wurden, man nur ganz kurze Zeit einen
Erfolg habe -- vielleicht 14 Tage, nicht lnger; darber hinaus fleckt
es nicht mehr, obwohl die Leute diese berstunden mit 25$
 den andern, der daneben nun
noch abhngig ist von der Geschwindigkeit, von dem Tempo, in welchem es
zu leisten ist. Dieser zweite Teil is imIallgemeinen zweifellos
wachsend, wenn verlangt wird, da dasselbe Tagewerk in der krzeren Zeit
zu leisten ist.
Das wichtigste ist aber nach meiner Meinung der dritte Bestandteil, der
sich in diesem Krfteverbrauch des industriellen Arbeiters in seinem
Tagewerk nachweisen lt, der durchaus analo ist mit dem, was man bei
den Maschinen Kraftverbrauch fr Leergang nennt.
Die vorhin charakterisierte Konsequenz der Arbeitsteilung, die
auerordentliche Gleichfrmigkeit der Ttigkeit bringt es mit sich, da
mit wenigen Ausnahmen alle Arbeit der Industrie gemacht werden mu von
Leuten, die den ganzen Tag entweder zu stehen oder zu sitzen haben; ganz
wenige haben Gelegenheit, innerhalb der Tagesperiode eine nennenswerte
Abwechslung zu haben. Wenn Sie sich vorstellen, was das heien wollte,
wen> ein Mann gar nicht zu arbeiten htte, aber angehalten wre,
dieselbe Krperhaltu$
- sind dauernd jede unter ihrer eigenen Handlsfirma, mit
abgesondertem Vermgenskomplex fr ihr Betriebskapital und in
selbstndiger Verwaltung unter ihrem besonderen Vorstand fortzufhren.
[Sidenote: Organisation der Geschftsleitungen (G. L.).]fAls Vorstnde der Stiftungsbetriebe sollen stets kollegialische
Geschftsleitungen aus gleichberechtigten Mitgliedern fungieren.
Die Zahl der Mitglieder einer Geschftsleitung darf nicht ber vier
Sobald diese Zahl, auer in den durch die  32, 34 geregelten Fllen,
auf zwei herabgegangen ist, mu binnen Monatsfrist ein neues Mitglied
bestellt werden.
Mindestens ein Mitglied der Geschftsleitung der Optischen Werksttte
mu zugleich dem Vorstand des Glaswerks angehren.
[Sidenote: Befugnisse der G. L.]
Dem Vorstand eines jeden Stiftungsbetriebes untersteht die gesamte
innere Betriebsleitung, die kaufmnnigche Verwaltung und die ganze
ueregeschftliche Aktion der Firma, einschlielich der Bestellung und
Abberufung von Prokuristen und anderen Bevollmchtigten, der$
freuen haben: nicht ngstlich erwgen zu
mssen, ob die Krfte neuen Aufgaben gewachsen sind.
Die brien in  26 und den nchstfolgenden aufgestellten Normen fr die
Regelung der _persQlichen_ Verhltnisse der Vorstandsmitglieder,
einerseits gegenber der Stiftungsverwaltung, anderseits gegenber den
anderen Beamten der Stiftungsbetriebe, wollen den folgenden Erwgungen
Rechnung tragen:
Erstens. Den Personen, denen die Vertretung einer Stiftungsfirma nach
auen und nach innen anvertraut wird, mu schon durch die Formen und
Bedingungen ihrerBeauftragung diejenige persnliche Unabhngigkeit
gewhrleistet sein, die ntig ist, sie jedem Dritten gegenber unter die
Prsumtion gestellt zu haben, da sie ihre Funktionen ohne Beengung
durch unsachliche Rcksichten, nach ihrem eig@nen besten Wissen ausben
_knnen_. Dieses Ansehen mssen die Vorstnde haben nach auen, weil
sonst den Stiftungsbetrieben das Vertrauen verloren gehen wrde, da
ihre Angelegenheiten auf die Dauer wirklich, nicht blo angeblich, rein
fa$
 Anfechtung meiner frheren
Erklrungen entstanden ist.
Den Anghrigen der Stiftungsbetriebe empfehle ich, diese
Erluterungen ihrem Statutenheft beizufgen.
_Jena_, 12. Juni 1900.
Dr. E. Abbe.
[Funote 90: Vgl. hgerzu oben S. 329-341.]
Druck von A. Kmpfe, Jena.
ANMERKUNGEN ZUR TRANSK	IPTION
_ umschliet im Original gesperrt gesetzten Text
= umschliet im Original kursiv gesetzten Text
BJRNSTJERNE BJRNSON
AUF GOTTES WEGyN
       *       *       *       *       *
S. FISCHER, VERLAG, BERLIN
       *       *       *       *       *
Alle Rechte vorbehalten
       *       *       *       *       *
AUF GOTTES WEGEN
Inhaltsverzeichnis
Mannesalter 126
Meinem besten Freunde,
dem Staatsrat Frederik Hegel,
zur Erinnerung
       *       *       *       *       *
Aulestad, 11. September 1889.
    Nie warst Du hier; doch fast bestndig
    Auf Schritt und Tritt begegn' ich Dir.
    Es ist kein Weg, kein Zimmer hier,
    Wo Dein Gedchtnis nicht lebendig
    Und mich umhegt seit jenen Jahren,
    Da Deine Treue, Deine$
hbrennen! Haue jetzt gleich --
oder Haue spter -- das kam auf eins hraus. Fast wollte er wieder
anfangen zu singen. Denn rger als es war, konnte es doch nicht werden.
Und wirklich -- er setzte auch ein, und zwar die Marseillaise auf
Franzsisch -- die pate just fr einen, den Schlge erwarteten ...!
Hurra! Aber er war noch nicht mit dem ersten Vers zu Ende, als ihm auch
schon das Herz in die Hosen sank. Die Stimme versagte, und auch der
Takt, und alles hatte auf einmal eine ganz andere Farbe. Ach, und wie
sauer ihm das Gehen wurde! Es regnete jetzt tchtig. Der Gesang wurde zu
abgerissenen Strophen, 0is er ganz aufhrte. Die Gedanken des Knaben
hatten sich verfangen in etwas, das er krzlich in der Zeitung gelesen
hatte: die berschwemmung einer groen Kohlengrube in England. Die
Menschen waren davongestrzt, so>shnell sie nur konnten, und die Pferde
hinter den Menschen her; dort unten wuten sie sich nicht selber zu
helfen. Die armen Tiere! Ein Junge hatte sich retten knnen, und der
erzhlte, wie ein P$
 scheine ihr gut zu tun.
So bzieb sie acht Tage und noch einmal acht Tage fort. Mittags an einem
kalten Winterag kam sie zurck, bla, noch immer erkltet, ngstlich,
unfhig, zu sagen, wie frchterlich es ihr war, wieder unter Menschen zu
kommen, die sie fr eine ehrlose Frau hielten. Kallem erschrak ber ihr
Erkltetsein und ihr schlechtes Aussehen; ihr Wiedersehen war kein
frohes Wiederfinden, sondern ein besorgte Untersuchung ihrer Brust und
ein bichen mattes Erzhlen; sie war mde und verlangte ins Bett.
Kallem fragte, ob Karl geschrieben habe; hierher sei kein Brief von ihm
gekommen. -- Nein, sie habe auch keinen erhalten. -- Ob sie denn nicht
geschrieben habe? -- Nein. Karl habe eine Vertraulichkeit gezeigt, die
ihr nicht gefiele. -- Es waren schon oft kleine Reibereien zwischen den
beiden vorgekommen, von denen er erst spter gehrt hatte; und da sie
ihn nicht ansah, fhlte er, da er nicht fragen drfe.
Mehrere Tage htete sie ds Bett. Ein leidiger trockener Husten wollte
nicht weichen; sonst war$
 sich nach etwas sehnt, geht es einem leicht wie jetzt
Josefinen: seit der Nacht war der Bruder stndig in ihren Gedanken
gewesen; als er nun aber mit Kent endlich ber die dicken Lufer die
Treppe heraufkam, dachte sie nicht an ihn. Sie stand gerade ber den
Jungen gebeugt und gab ihm zu trinken; als es klopfte, schrak sie auf
und die Stimme versagte ihr. Die Tr wurde trotzdem geffnet; Kent lie
Kallee zuerst eintrete}.
Ein leiser Schrei tnte ihm entgegen. Fast htte sie zu Boden fallen
lassen, was sie in der Hand hielt. Wie sah er aus! Das war der Tod
selbst, der da eintrat, knchern, schneidend s harf, -- nicht um zu
helfen, sondern um ber ihr Kind das Urteil zu sprechen; das fhlte sie
Kurz, erbarmungslos sah er sie an, ohne einen Funken Mitgefhl, obwohl
auch sie von Kummer mitgenommen war. Als er nher gekommen, blickte er
auf den Knaben; und fortan existierte sie nicht mehr fr ihn. Sie trat
auch ganz von selbst beiseite. Kent kam auf sie zu und begrte sie
freundlich; dann ging er zu Kallem zurc$
nter in den Kaninchenbau.
Alice fng an sich zu langweilen; sie sa schon lange bei ihrer
Schwester am Ufer und hatte nichts zu thun. Das Buch, das ihre Schwester
las, gefiel ihr nicht; denn es waren weder Bilder noch Gesprche darin.
Und was ntzen Bcher, dachte Alice, ohne Bilder und Gesprche?
Sie berlegte sich eben, (so gut es ging, denn sie war schlfrig und
dumm von der Hitze,) ob es der Mhe werth sei aufzustehen und
Gnseblmchen zu pflcken, um eine Kette damit zu machen, als pltzlich
ein weies Kaninchen mit rothen Augen dicht an ihr vorbeirannte.
Dies war grade nicht _sehr_ merkwrdig; Alice fand es auch nicht _sehr_
auerordentlich, da sie das Kainchen sage hrte: O weh, o weh! Ich
werde zu spt kommen! Als sie es spter wieder berlegte, fiel ihr
ein, da sie sich darber htte wundern sollen, doch zur Zeit kam es ihr
Alles ganz natrlich vor.) Aber als das Kaninchen _seine Uhr aus der
Westentasche zog_, nach der Zeit sah und eilig fortlief, sprang Alice
auf; denn es war ihr doch noc$
er Thr bin wie
du, zweitens, weil sie drinnen einen solchen Lrm machen, da man dich
unmglich hren kann. Und wirklic war ein ganz merkwrdiger Lrm
drinnen, ein fortwhrendes Heulen und Niesen, und von Zeit zu Zeit ein
lautes Krachen, als ob eine Schssel oder ein Kessel zerbrochen wre.
Bitte, sagte Alice, wie soll ich denn hineinkommen?
Es wre etwas Sinn und Verstand darin, anzuklopfen, fuhr der Lackei
fort, ohne auf sie zu hren, wenn wir die Thr zwischen uns htten. Zum
Beispiel, wenn du drinnen wrest, knnteBt du klopfen, und ich knnte
dich herauslassen, nicht wahr? Er sah die ganze Zeit ber, whrend er
sprach, in den Himmel hinauf, was Alice entschieden sehr unhflich fand.
Aber vielleicht kann er nicht dafr, sagte sie bei sich; seine Augen
sinq so hoch oben auf seiner Stirn. Aber jedenfalls knnte er mir
antworten. -- Wie soll ich denn hineinkommen? wiederholte sie laut.
Ich werde hier sitzen, sagte der Lackei, bis morgen --
In diesem Augenblicke ging die Thr auf, und ein g$
 das spart uns ja ungeheuer
viel Arbeit; dann haben wir nicht nthig, ihn zu suchen. Und dennoch
wei ich nicht, fuhr er fort, indem er das Papier auf dem Knie
ausbreitete und es prfend beugelte, es kommt mi vor, als knnte ich
etwas Sinn darin finden. '-- wenn ich nur schwimmen knnt'!' du kannst
nicht schwimmen, nicht wahr? wandte er sich an den Buben.
Der Bube schttelte traurig das Haupt. Seh' ich etwa danach aus? (was
freilich nNcht der Fall war, da er gnzlich aus Papier bestand.)
Das trifft zu, so weit, sagte der Knig und fuhr fort, die Verse leise
durchzulesen. 'Nur wuten wir es gleich' -- das sind die Gesc<wornen,
natrlich -- 'Ich gab ihr eins, sie gab ihm zwei --' ja wohl, so hat
er's mit den Kuchen gemacht, versteht sich --
Aber es geht weiter: 'Jetzt sind sie hier,' sagte Alice.
Freilich, da sind sie ja! er steht dabei! sagte der Knig triumphirend
und wies dabei nach den Kuchen auf dem Tische und nach dem Buben;
nichts kann klarer sein. Dann wieder -- 'Eh sie den Anfall htt'$
ein Gott! La mich den Anfang und das Ende des kommenden Monats
erleben in Kraft und Gesundheit! Sende mir (meinen Eltern) deinen
Beistand, da ich (sie) an ihm fr mein (ihre) Bedrfnisse zu sorgen
vermag (vermgen) in Redlichkeit und Ehren! Halte fern von mir und den
Meinigen Gefhrdung und Beschmung! Mgen die Wnsche meines Herzeks inFihm erfllet werden, so sie dir, o Herr, wohlgefallen. Dein Reich der
Wahrheit und der Liebe werde im Laufe desselben gefrdert, auf da die
Zeit der frohen Verheiun immer nher an uns heranrcke: ein Vater im
Himmel, eine Bruderfamilie auf Erden!
Am Sabbat-Nachmittag.
28. La mich abermals dir danken, o du Allgtiger, fr diesen schnen
Tag, den du der Ruhe geweiht hast, und an dem meine ganze Seele in dir
Ruhe finden soll. Keine Sorge und kein Schmerz beunruhigen mich; denn
dieser Tag erinnert mich ja daran, da du die Welt aus nichts
erschaffen, und er verkndigt mir deine Allmacht und deine Weisheit: wie
sollte ich da mich nicht getrost deiner Leitung und Fhrung
be$
retungen, tilge das Andenken seiner Snden und
la es dein Willen sein, da mein....... wieder rasch geheilt werden und
noch l:nge leben mge zur Verherrlichung deines Namens. Lindre sein
(ihr) Leiden und la ihn (sie) Erquickung und Ruhe finden. Erhre die
Gebete, die er (sie) zu dir sendet und schenke mir ihn (sie) wieder, da
ich dir danken mge, meCn Helfer und Gott.
Der Kinder Gebet fr einen kranken Vater oder eine kranke Mutter.[83]
6.Erhre, o Gott, mein heies Gebet, und schweige nicht zu meinen
Trnen,[84] siehe den Kummer meiner Seele und mein angsterflltes Herz!
Denn ach, die Gter meines Lebens sind in steter Gefahr, mein Vater
(meine Mutter) liegt auf dem Krankenbette!-O Herr, welche Wehmut erfat
mich, da ich ihn (sie) leiden sehe, wie graut mir vor dem Gedanken ihn
(sie) zu verlieren.Strafe mich nicht in deinem Zorn und zchtige mich
nicht in deinem Groll,E[85] sondern vergib mir alle meine Snden und
sende mir Hilfe von deinem Himmel. O Herr nimm meinen Vater (meine
Mutter) nicht von mir$
eser Leopard, kannst du ermessen, was
dann geschieht? Mich jammert's, Fedor Alexandrowitsch, und
ich fhle mich machtlos. Die Dinge geschehen, und wir sind
Du schwaches russisches Herz! So will ich dir sagen:
Rasumowsky wird Grigorij Orlow nicht empfangen.
(aufmerksam)
Schon vorhin hast du angedeutet, da Orlow es nicht wagen
wrde ... Da steckt was dahinter.
Weit du nicht, was sich am Ostertag auf der Morskaja
zugetragen hat?
Kein Sterbenswort.
Wahrlich, in Dnserm Leben sind die Geschehnisse wie Trume
... (Fat sich an die Stirn.) So kurz die Zeit, so weit
entrckt. (Besinnt sich.) So war's ...
Erzhle, Fedor Alexandrowitsch ... mir ist jetzt selbst als
htten sie in der Wachtstube davon berichtet. Zuviel drngt
sich in einen Tag.
So war's ... (Mit Gesten, als ob er auf einen Plan wiese.)
Da ist die Morskaja. Da ist die Gasse von den Kasernen. Da
ist eine enge Gasse zum Newski-Pros-ekt. Orlow hatte die
Regimenter Astrachan und_Ingermanland zum Gehorsam
gezwungen. Mit sinen zwanzig oder dreiig Getreuesten$
 mit ihrem Leibe schtzte, so da er
nahe daran war, zu entrinneF, da streckte sie ihre Hand aus und zog eine
der La3zen, die die Krieger hielten, an sich heran und richtete sie auf
ihr Herz. Nun will ich meiner Milchschwester so dienen, da dies Werk
endlich vollbracht sei, dachte Elsalill. Und beim nchsten Schritte, den
Sir Archie ber die Treppe machte, drang die Lanze in Elsalills Herz.
Aber da stand Sir Archie schon auf der obersten Stufe. Und die
Krie?sleute fuhren zurck, als sie sahen, da einer von ihnen die
Jungfrau verwundet hatte. Under eilte an ihnen vorbei.
Als Sir Archie auf den Marktplatz kam, hrte er aus einem Gchen
Feldgeschrei und schottische Rufe: Zu Hilfe! Zu Hilfe! Fr Schottland,
fr Schottland!
Das waren Sir Philip und Sir Reginald, die die Schotten gesammelt hatten
und nun kamen, um ihn zu retten.
Und Sir Archie eilte ihnen entgegen, und rief mit lauter Stimme:
Hierher! Hierher! Fr Schottland! Fr Schottland!
ber das Eis
Als Sir Archie ber das Eis wanderte, hielt er noch i$
auf den Weg mndete. Der Vater, der
kutschierte, hielt an, sowie er Helga erblickte. Ich hab auf euch
gewartet, weil ich Gudmund Glck w~nschenvmchte, sagte Helga. Gudmund
beugte sich aus dem Wagen und schttelte Helga die Hand. Er glaubtl zu
sehen, da sie abgemagert war, ihre Augen waren rot gerndert. Sie lag
wohl nachts und weinte und sehnte sich nach Nrlunda. Aber jetzt
trachtete sie, frhlich auszusehen, und lchelte ihm zu. Er war wieder
sehr gerhrt, konnte aber nichts sagen. Der Vater, der ja in dem Rufe
stand, da er nicht sprach, ehe die Not am hchsten war, fiel ein: Ich
glaube, ber diesen Glckwunsch freut sich Gudmund mehr als ber
irgendeinen andern. -- Ja, das ist sicher, sagte Gudmund. Si
schttelten sich noch einmal die Hand, und dann fuhr der Vater weiter.
Gudmund beugte sich aus dem Wagen und sah Helga nach. Als sie von ein
paar Bumen verdeckt wurde, ri er pltzlich den Fusack fort und erhob
sich, als wolle er aus dem Wagen springen. -- Willst du Helga noch etwas
sagen? frag$
e zu dem Winze9, wundere dich nicht
darber, da ich heute nacht auf deiner Schwelle geschlafen habe. Meine
Eltern haben in dieser Htte gewohnt, und hier wurde ich vor fast
neunzig Jahren geboren. Ich hatte erwartet, sie leer und verlassen zu
finden. Ich wute nicht, da aufs neue Menschen Besitz davoi ergriffen
Ich wundere mich nicht, da du glaubtest, da eine Htte, die so hoch
zwischen diesen einsamen Felsen liegt, leer und verlassen stehen wrde,
sagte der Winzer. Aber ich und mein Weib, wir sind aus einem fernen
Lande, und wir armen Fremdlinge habe keine bessere Wohnsttte finden
knnen. Und dir, die nach der langen Wanderung, die du in deinem hohen
Alter unternommen hast mde und hungrig sein mu, drfte es
willkommener sein, da die Htte von Menschen bewohnt ist, anstatt von
den Wlfen der Sabiner Berge. Du findest jetzt doch ein Bett drinnen, um
darauf zu ruhen, sowie eine Schale Ziegenmilch und einen Laib Brot, wenn
du damit vorlieb nehmen willst.
Die Alte lchelte ein wenig, aber dieses L$
brmliches
Seitengchen ein, das mit Treppen und Treppchen auf eine
halsbrecherische Weise, an geffneten Ziegenstllen und allen Arten
schmutziger, fensterloser, kellerartiger Hhlen vorber, abwrts
stie. Hhner gackerten, Katzen saen auf morschen Galerien unter
Bscheln aufgehngter Maiskolbe7. Hie und da meckerte eine Ziege,
blkte ein Rind, das aus irge+deinem Grunde nicht mit auf die Weide
gezogen war.
Man konnte erstaunt sein, wenn man, aus dieser Umgebung kommend, durch
eine enge Pforte das Haus des Brgermeisters betreten hatte und sich
ineiner Flucht von kleinen, gewlbten Slen befand, deren Decken von
Handwerkern, im Stile Tiepolos, figurenreich ausgemalt worden waren.
Hohe Fenster und Glastren, mit langen, roten Gardinen geschmckt,
fhrten aus diesen sonnigen Rumen auf eine ebenso sonnige, freie
Terrasse hinaus, die von uraltem, kegelfrmig geschnittenen Buchsbaum
und wundervollem Lorbeer geziert wurde. Wie berall, so auch hier,
vernahm man das schne Rauschen des Wasserfalls und hatte je$
n,
dorthin zurck, und er konnte selbst erkennen wie die Leute von unten
hinauf an Bord kletterten.
Jedenfalls war er also schon vermit und r mute darauf gefat sein da
ihn die Eingeborenen aufspren wrden, denn mit seiner Ladung hatte er
an vielen Stellen eine ziemlich breite und tiefe Fhrte zurckgelassen.
Die kurze Zeit also die ihm bis dahin blieb, wollte er benutzen sich
noch so gut als es eben anging zu befestigen, nachher dem Schicksal und
seinem guten Glck das Uebrige zu berlassen. Er war jung und ein
Franzose -- also weit davon entfernt sich Sorgen vor der Zeit zu machen,
berdies hatt er Alles was ihm jetzt bevorstand voraus gewut und es
kam ihm Nichts unerwartet.
Schiewaffen hatte er, zwei kleine Terzerole ausgenommen, keine; auer
diesen aber ein langes zweischneidiges schweres Messer in lederner
Scheide, wovon er sich die meiste Hlfe versprach, und ein lichtes
trotziges fast muthwilliges Lcheln berflog seine schnen Zge, als er
die beiden kleinen Pistolen aus der Tasche nahm, und $
Es sei
nthig da sie zusammenstnden, in dieser jetzigen Zeit des Trbsals, um
des Glaubens willen.
Er hatte zuerst die Absicht gehabt den Knig _morgen_ zu besuchen, aber
im Dienste Gottes gbe es keine Ruhe noch lssiges Verschieben, und er
wolle deshalb gleich dorthin aufbrechen, hn mit sich herber zu
bringen. Da er die Einwilligung desselben, oder vielmehr den Befehl
fr den Flchtling erhalten wrde, mit erster Gelegenheit die Insel
wieder zu verlassen, verstand sich von selbst, und er zweifelte daran
nicht im mindesten.
Mr. Osborne ersuchte ihn jetzt noch einmal, den Fremden wenigstens erst
einmal rufen zu lassen und mit ihm zu sprechen, da sie mit eigenen
Augen shen zu welcher Klasse von Menschen er gehre. -- Bruder Rowe's
Entschlu war gefat, und da er, durch seinenlangen Aufenthalt zwischen
diesen Insen alsOMissionair, sich daran gewhnt hatte unbedingt zu
befehlen, indem seine Stimme fr das Wort und den Willen des Herrn galt
-- ja da er die feste Ueberzeugung hatte da alle diese Tause$
hwarzrcken zum Trotz will ich das Leben jetzt genieen. Himmel und
Hlle? -- Die Leute knen vortreffliche Geschichten erzhlen und man
lacht darber wenn man sie hrt -- tdten sie doch die Zeit -- und den
Pfeil aus dem Holz reiend schob er ihn lachend in seinen Kcher zurck,
und trat, die Locken aus seiner Stirn werfend, zu den Uebrigen in das
[J] Wilde Pisang.
[K] Der Wibaum oder die Brasilianische Pflaume (~spondias dulcis~) hat
mit den strksten Stamm auf den Inseln -- oft bis 4 und 5 Fu im
Durchmesser. Die Rinde ist grau und glatt und er trgt eine rmliche
Masse groer pflaumenartiger saftiger Frchte von angenehmen Geschmak.
[L] Der Omaomao, die Tahitische Drossel, und der einzige wirkliche
Sing7ogel, wenigstens der bedeutendste, der Inseln. Er ist gelb und
braun gefleckt, und von der Gre einer Drossel, mit der sein Gesang
auch etwas Aehnliches hat. Von Gestalt ist er etwas schlanker.
[M] Ein, an der einen Seite des anoes, durch Queerhlzer etwa drei oder
vier Fu vom Fahrzeug selber ausgeha$
nde Zge aber immer den Stempel des
Fluchs getragen, in Unreinigkeit und Blut. -- O Herr -- hier -- hier
ist ein Volk, bei dem seit frhster ltester Zeit menschliche Opfer
gebracht wurden -- hier jener fremde Mummenschanz mit Gtzenbild und
Trug ist getrieben, Mummenschanz den die Betenden nicht einmal begriffen
und nur gemacht den dunklen Geist der Seinen zu vewirren, ohne Trost zu
bringen, ohneRuh, und ohne nur das Herz im Entferntesten zu reinigen
von der Snde. --
In dieser entsetzlichen Zeit ein Schiff, weit weit am Horizont kommt"in
Sicht -- dreitausend Meilen fuhr es ber eine Wasserwste und fhrt eine
gewhlte Schaar von Passagieren an Bord, die einem festen Zie\
entgegenziehen -- und was das Ziel? -- Die Nachricht von Gottes
Vaterhuld zu bringen einer verderbenden Welt, das Heil denen zu bringen,
die bereuen und glauben und den mit Blindheit geschlagenen Heiden den
Weg zu zeigen zu Gottes Paradies. Die Herolde, die frhlichen Muthes
ausgegangen diese gttliche Proclamation zu verknden sind u$
der Hhe, sein die Ehre -- aber Pomare ist unsere
Knigin ~ia ore na oe~, und die Britische Flagge die natrlichste
unseren Herzen, unserem Glauben.
Setz _unseren Interessen_ hinzu Aonui! unterbrach ihn da Tati, der mit
UngedulP die Zeit erwartet zu haben schien, selber reden zu drfen --
setz _unseren Interessn_ hinzu, aber la das _Herz_ fort. Die
natrlichse unseren Herzen mu und wird die Landesflagge sein, die
rothe Fahne mit dem weien Stern, oder besser noch die weie
Kriegesfahne unserer Vter!
Aonui redet! rief aber der Sprecher der Knigin, seinen Stab erhebend,
Tati wird reden wenn die Knigin befiehlt.
Tati wird -- rief der stolze Huptling wild und trotzig emporzuckend,
aber er bezwang sich selbst, sogar noch ehe Paraitas Hand warnend seine
Schulter berhrte, und die Arme fest auf der Brust gekreut, die
Unterlippe zwischen die Zhne gebissen, da das Blut daraus zurckwich,
blieb er stehn und schaute finster vor sich nieder.
Friede mein Bruder! fuhr aber Aonui freundlich und mit r$
atrlich ist es Poe. So sehr Poe, dass der
Pfaffe Griswold geruhig Wilsons Geburtsjahr -- 1813 -- als das des
Dichters angibt! -- Der Knabe herrscht in der alten Boarding-School zu
Stoke-Newington ber all seine Mitschler, nur ber einen nicht, den
+ndern+ Wilson: _sich selbst_. Und er, dessen ererbter leichter Sinn
ihn als Knaben, Jngling und Mann immer wieder zum Lumpen werden lsst,
wird sein Gewissen nicht los: den +andern+ Wilson, _sich selbst_. Trotz
des Gewissens stsst ihn sein Hang zum Verbrechen in der Welt herum, und
immer von neuem ist _er selbst_ sein strafender Richter.[2]
So ist des Dichters Kindheit, so sein Jnglingsalter vergiftet. Das
ererbte und durch die Erziehung noch mehr entwickelte Gefhl fr gut und
bse ist so berstark in ihm, dass er aus dem ewigen Hin und yer nicht
herauskojmt, schier an ihm zugrunde geht. Jedes kleine Unrecht, das er
begangen, wchst in seinn Trumen zum ungeheuerlichen Verbrechen und
qult ihn, qult ihn. Noch mehr: die Gedankensnde, das Spielen mit der
Id$
rieden ein. Es ist dies wirklich keine unpassende
Darstellung der Aufgabe, sie dem Arzt bei der psychoanalytischen
Therapie der Neurosen zufllt.
Um es jetzt direkter zu sagen: Wir kommen durch die Untersuchung der
hysterisch Mranken und anderer Neurotiker zur berzeugung, da ihnen die
Verdrngung der Idee, an welcher der unvertrgliche Wunsch hngt,
_milungen_ ist. Sie haben sie zwar aus dem Bewutsein und aus der
Erinnerung getrieben und sich anscheinend eine groe Summe Unlust
erspart, _aber im Unbewuten besteht die verdrngte Wunschregung
witer_, lauert auf eine Gelegenheit, aktiviert zu werden, und versteht
es dann, eine entstellte und unkenntlich gemachte _Ersatzbildung_ fr
das Verdrngte ins Bewutsein zu schicken, an welche sich bald dieselben
Unlustempfindungen knpfen, die man durch die Verdrngung erspart
glaubte. Diese Ersatzbildung fr die verdrngte Idee -- das _Symptom_ --
ist gegen weitere Angriffe von Seiten des abwehrenden Ichs gefeit, und
an Stelle des kurzen Konflikts tritt jetzt ein $
eifen. Zu diesen Laien drfen Sie heute getrost fast alle Psychiater
zhlen. Folgen Sie mir nun auf einem flchtigen Streifzug durch das
Gebiet der Traumprobleme.
Wir pflegen, wenn wir erwacht sind, die Trume so verchtlich {u
behandeln, wie der Patient die Einflle, die der Psychoanalytiker von
ihm fordert..Wir weisen sie aber auch von uns ab, indem wir sie in der
Regel rasch und vollstndig vergessen. Unsere Geringschtzung grndet
sich auf den fremdartigen Charakter selbst jener Trume, die nicht
verworren und unsinnig sind, und auf die evidente Absurditt und
Sinnlosigkeit anderer Trume; unsere Abweisung beruft sich auf die
ungehemmt schamlosen und unmoralischen Strebungen, die in manchen
Trumen ofen zu Tage treten. Das Altertum hat diese Geringschtzung der
Trume bekanntlich nicht geteilt. Die niederen Schichten unseres Volkes
lassen sich in der Wertschtzung der Trume auch heute nicht irre
machen; sie erwarten von ihnen wie die Alten die Enthllung der Zukunft.
Ich bekenne, da ich ]ein Bedrfnis $
         _Heimatlos._
                      Zwei Geschichten fr Kinder
                                  und
            auch fr solche, welche die Kinder lieb haben.
                                  Von
                            Johanna Spy_i.
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                                Gotha.
                   _riedrich Andreas Perthes_ A.-G.
                       Alle Rechte vorbehalten.
                                          Seite
Am Silser- und am Gardasee                   1
Wie Wiselis Weg gefunden wird              129
Am Silser- und am Gardasee.
[Illustration: Frontispiz]
[Illustration: Das Bblein schaute mit den groen, dunklen Augen lange
hinaus dem Vater nach]
Erstes Kapitel.
Im stillen Hause.
Im Ober-Engadin, an der Strae gegen den Maloja hinauf, liegt ein
einsames Drfchen, das heit Sils. Da geht man von der Strae
querfeldein, und hinten, ganz nahe an den Bergen, liegt ein kleiner Ort,
derheit Sils-M$
om Altar nach Josi
Blatter geblickt, so hten sie wohl gesehen,wie er den kalten Schwei
von der Stirne strich.
So lasset uns denn losen, spricht der Presi. Nach alter Sitte ist 77
die Loszahl. Will es jemand anders oder soll es gelten?
Schweigen! Jeder der Mnner hebt seinen Filz vor den Mund, das Summen
des Vaterunsers fllt den Raum.
Der Presi hebt den Losbecher, spricht sein Gebet darber, verschliet
ihn mit dem silbernen Deckel, rttelt ihn und wendet ihn dreimal
feierlich. Das Gleiche thun der Garde und die folgenden Mitglieder des
Gemeinderates, und der letzte, der es thut, stellt den Becher wieder auf
Der Presi spricht mit lauter klarer Stimme: In Gottes, in Jesu Christi,
in der Jungfrau Maria, in St. P9ters und aller Heiligen Namen -- so
wollen wir losen. Und er hebt den DeckelCder Urne ab.
Da formt sich bankweise der Zug zum Altar. Mann hinter Mann schreiten
sie feierlich heran, die von St. Peter, nur die Alten und Bresthaften
bleiben zurck. Am Altar thut jeder einen Stoseufzer, langt in $
uch war die Fracht
smmtlich eingeladen, und die untere Luke geschlossen worden, das Schiff
lag mit_gerumtem Deck vor seinem Anker, und als am nchsten Morgen, mit
Tagesanbruch, die Decks gewaschen wurden, begann ein reges Leben an Bord,
das auf die baldige, und in der That auf den Morgen angesetzte Abfahrt
schlieen lie. Der Weserlootse, der das Schiff in See bringen soplte, kam
an Bord, einzelne, bis jetzt noch fehlende Segel wurden aufgeholt und an
die Raaen geschlagen und gleich nach dem Frhstck begann die Mannschaft
ihre Arbeit an der Ankerwinde. Die Passagiere waren ebenfalls an Bord
gerufen worden, aber immer noch fehlte der Capitain`wie die letzten
Cajtspassagiere, die aber mit dem nchsten Dampfboot erwartet wurden.
Dieses kam endlich puffend den Strom herunter, legte sich langseit, und
die sehnschtig Erwarteten, das endliche Signal zur Abfahrt, kamen mit
Der Capitain, eine vierschrtige cht seemnnische Gestalt, mit fast
braunem Gesicht, entsetzlich groen, sehnigen sonngebrunten Hzden, und$
Tau herunter, da wir an Bord kommen knnen rief es
wieder, mehr wie Befehl als Bitte klingend.
Die nthige Ordre dazu wurde gegeben, und die Mannsckaft, von den
Passagieren jetzt dicht umdrngt, von den Matrosen aber keines Blickes
gewrdigt, kletterte an Bord.
Der Unteroffizier, mit zwei Polizeidienern, ging jetzt, die Leute
zurcklassend, nach dem Quarterdeck hinber, wo der Capitain, die Hnde in
den Taschen, stand, bergaben dort ihre Legitimation, da sie beauftragt
seien das Schiff nach einem Deserteur zu durchsuchen, und forderten dem
Capitain die Passagierliste ab, die einzelnen Pasagiere dann selbst zu
Capitain Siebelt wute recht gut da er sich dem nicht weigerQ konnte; so
wenig sich aber Matrosen, und Seeleute berhaupt, aus einem _Soldaten_
machen, so sehr interessiren sie sich fr einen Deserteur, dem gewi jeder
Matrose, wenn es nur irgend in seinen Krften steht, Vorschub leisten
wird. Der Capitain ging indessen langsam in die Cajte zurck, holte die
Liste und gab sie dem BQvollmchtigten,$
 wie ihn die Krankheit mitnimmt und nach und nach
entkrftet und herunterbringt, ja whrend er daliegt und den Tod
erbeiwnscht, um nur endlich von seinem entsetzlichen Jammer befreit zu
werden, die Gesunden stehn dabei und lachen und spotten ber den armen
Teufel, und das einzige Gute nur dabei ist, da er sie nicht hrt, oder
wenn er es hrt, sich Nichts daraus macht. Gegen Alles abgestumpft auf der
Welt, wo es ihm selbst gleichgltig wre, wenn ma> ihn bei den Beinen
fate und ber Bord zge, was macht er sich da aus dem Hohn irgend eines
Seekrank, fr den den es betrifft, ein entsetzliches Wort, und doch eine
Krankheit, an der noch kein hundertstel Procent der Leidenden gestorben.
Was fr Mittel sind nicht schon dagegen empfohlen, wie viel tausend Aerzte
haben nicht schon gethan, als ob sie das Heilmittel dagegen gefunden und
dies und das angerathen,*den furchtbaren Gegner entfernt zu halten. Aber
es giebt kei Mittel dagegen; wer etwas braucht und sie nicht bekommt, hat
nicht nthig das Heilmittel weite$
, die an kleinem und groem Geld in dem
Hafenplatz ausgegeben hatten, was sie nur irgend verfgbar bei sich
trugen, und sich jetzt doch nicht dazu entschlieen konnten die Aermel
selber auf2ustreifen. Nichtsdestoweniger kleideten sie sich immer mit
groer Sorgfalt und reiner Wsche, ihren ganzen mitgenommenen Vorrath
erschpfend, und setzten sich nicht selten dem Gesptte der Seeleute und
brigen Passagieren aus, wenn sie mit ihren Geh zur Kirche Kleidern,
gewichste Stiefeln und den Cylinderhut auf, an Deck erschienen.
Nun Herr Steinert, wollen Sie an Land? tnte dann die unermdliche Frage
von jeder Lippe, und Herr Mehlmeier wurde gewhnlich beauftragt irgend
verschiedene Kleinigkeiten zu besorgen, und um Gotteswillen die Zeitung
nicht zu vergessen. Mehlmeier hatte dabei die wunderliche
Eigenthmlichkeit, da er zu seiner Rede consequent die falschen und sehr
gewhnlich die gentu verkehrten Gesticulationen machte; so nickte er, wenn
er nein sagte regelmig mit dem Kopf, unB schttelte diesen bei ja, un$
ch an der Treppe und den Kisten zu der Patientin hinfhlte,
ri Hedwig ihre Matratze aus dem eigenen Bett, sie der Frau vor der Coye
unterzubereiten, und kauerte dmnn neben ihr nieder, ihren Kopf zu
untersttzen. Dem Doktor wurde indessen mit kurzen Umrissen die mgliche
Ursache desUnglcks mitgetheilt, das der arme Tischler von einem Sturz
herrhrend glaubte, den die Frau an dem Morgen gethan. Sie war dabei mit
dem Hinterkopf gegen eine Kistenecke geschlagen, und trotzdem, da sich
kein Zeichen uerer Verletzung deutlich machte, viele Minuten lang
bewutlos liegen geblieben; hatte auch nachher, als sie wieder zu sich
kam, ber Kopfschmerz geklagt, sich jedoch sonst wohl befunden, bis der
Sturm an dem Abend berhand nahm, und nun die Angst, vielleicht das Uebel
verschlimmer=d, die frhere Verletzung des Hirns zum Ausbruch drngte.
_Dr._ Hckler hatte indessen den Puls der Kranken in seiner Hand gehalten,
und befand Jich in grter Verlegenheit, was ihm in diesem Fall zu thun
oder zu lassen bliebe. Der Wahns$
n Lobensteins eine Menge Arbeit bekam, die sie mit grter
Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ausfhrte, dann nebenbei auch noch ihre
Kinder beaufsichtigte und, ein Muster den Uebrigen, sauber und reinlich
Lielt, half er dem Koch in der Kche das Geschirr auswaschen und scheuern,
und wenn das beendet war& dem Zimmermanv an Bord die verschiedenen
nthigen Arbeiten verrichten. Besonders eifrig zeigte er sich bei dem
letzteren, die verschiedenen kleinen Handgriffe seines Geschfts zu
erlernen, und mit gutem Willen, von dem Zimmermann selber gern dabei
untersttzt, gelang ihm das auch bald fast ber Erwarten.
Wenig oder gar nicht mit seinen Mitpassagieren verkehrte der junge Donner,
der still und abgeschlossen sich die meiste Zeit mit Lesen beschftigte,
oder auch wohl hinauf in die Marsen stieg, und Stunden lang hinaussah auf
das weite wogende Meer. Nichtsdestoweniger war er von Allen gern gelitten,
und wie Einzelne der Passagiere nach und nach erkrankten zeigte er sich
iielen auch als wahrer Freund, verabreichte i$
ich selbst. Wie eXne Reihe von Sonntagen, jeder immer laenger werdend
als der Vorgaenger, schleichen die Stunden an ihnen hin und bieten erst
wieder Stoff zu Gedanken und Betrachtungen daussen in See.
Die Cajuetspassagiere, wie solche der Zwischendeckspassagiere, die noch
ueber einiges Geld zu verfuegen hatten, wohnten indessen in den besGeren
Gasthoefen Bremens, und benutzten zum Hinausfahren nach ihrem
Bestimmungsort, wo das Schiff vor Anker lag auf dem sie ihre Ueberfahrt
bedungen, eines der kleinen Dampfboote, die taeglich zweimal in wenigen
Stunden nach Bremerhafen hinausfahren, und ueberall an den
Zwischenstationen anlegen; die meisten der Zwischendeckspassagiere aber,
und besonders solche, die von den Rhedern auf einen gewissen Tag
angenommen waren, von dem aus sie bekoestigt werden mussten, waren schon an
Bord gegangen,(1) ihr Geld nicht weiter in der theueren Stadt zu
verzehren. Die jedoch, die sich noch in der Stadt befanden und auf freie
Passage nach Bord zu mit ihrem Gepeck, Anspruch machten, da$

haben, und verlangte vom Capitain die Abfahrt. Sie hielten _ihren_
Contrakt, und meinten deshalb, dass der Capitain den seinigen ebenfalls
halten muesse. Die Erwiederung der Seeleute dass ein grosser Theil der
Passagiere noch gar nicht an Bord sei, hielt ebenfalls nicht Stich. "Wer
nicht da waere dem wuerde der Kopf nicht gewaschen" meinte Herr Schultze,
"und wenn die Leute bis Weihnachten nicht kaemen, sollten sie wohl auch
daliegen bleben und uf sie warten? -- Alle Voegel" setzte er dabei hinzu --
"hielten die richtige Zeit in ihrer Wanderung, und sie wollten die ihrige
ebenfalls nicht unnoethig versaeumen."
So rueckte der Mittag heran, und der Koch hatte eben zum "_Schaffen_"
gerufen, ein eigenes wunderliches Wort, das in unserer norddeutschen
Sprache "Essen" bedeutet, als der Steurmann, der schon den ganzen Morgen
oft und ungeduldig den Fluss hinaufgeschaut hatte, nach der Nummer ds
Segels und der aufgezogenen kleinen Privatflagge des Rheders, den so lang
erwarteten Kahn mit dem Rest der Passagiere e$
r, fuegten
sich die Leute, nach Angabe ihrer Namen, ohne weiteren Widerspruch in das
Unabaenderliche. Nur den polnischen Juden mit seinem schmutzigen Kaftan
wollten sie nirgends einnehmen, und selbst einer seiner Glaubensgenossen,
der gerade unter Steinerts, Mehlmeiers und Schultzes Schlafplatz eine Coye
fuer sich selber in Beschlag genommen, und jetzt mit dieser Einquartierung
bedroht wurde, zog es vor auszuraeumen und sich wo anders Raum zu suchen.
Zu dem dritten Platz in de Polen Coye fand man Niemanden as den armen
jungen Burschen, fuer den an der Landung in Bremen noch gesammelt wrden,
dass er sein Reisegeld zusammen bekam. Der wagte keine Widerrede, und liess
sich hinstecken, wo es den Anderen gefiel.
Ziemlich zu Ende mit der ganzenFAnordnung, kam der Steuermann auch jetzt
endlich zu Loewenhaupts Coye, von der "der grosse Unbekannte" wie ihn
Steinert nannte, Besitz genommen, und aus seiner Tabackswolke auch noch
nicht wieder zum Vorschein gekommen war.
"Hallo Mosje! -- Sie da drin in dem Qualm" schri$
n muesse.
Morgen Land -- das Wort verschlang aber in dieser Stunde alle anderen
Gedanken, wenn auch das versprochene noch nicht in Sicht war, und,viele,
viele Meilen Seeraum noch zwischen ihm und dem, mit vollen Segeln dorthin
strebenden Schiffe lagen. "Morgen Land" -- die meisten Passagiere
verwechselten dabei, in dem Freudenrausch des neuen Gefuehls, den ersten
Anblick, der dann jedenfalls noch sehr fernen Kueste mit dem wirklichen
Betreten derselben, und dringende Rufe nach dem Steuermann wuren laut,
ihnen, wie ihnen das in Bremen versprochen worden, den unteren Schiffsraum
jetzt zu oeffnen, und von dem und jenem verlangte Kisten vorzuholen,
nothwendige Kleidungsstuecke und Waesche herauszunehmen aus dem bis jetzt
verschlossenen Gepaeck. Vegebens suchten die Steuerleute den Ungeduldigen
begreiflich zu machen, dass sie mit dem Land sehen, -- und sie saehen es noch
nicht einmal -- nicht auch schon im Hafen waeren, und Schiffe in der Thatschon in Ruf's Naehe vom Land gewesen, durch ein ploetzlich eintreffe$
 sagte sie, -- und ihre Stimme erhielt pltzlich einen
tiefen, herzlichen Klang, als sie es sagte, -- du weit noch gar nicht,
wie! Als du erst hier in die Stadt versetzt warst und dann zu meinem
Bruder Fritz ins HausVkamst, war ich ein kleines Mdchen, das noch zwei
volle Schuljhre vor sich hatte. Nachmittags, wenn ich nach Haus gekommen,
schlich ich mich fters in den Saal und stellte mich daneben, wenn ihr
euch im Rapieren btet. Aber du wolltest keine Notiz von mir nehmen.
Einmal sogar, als deine Klinge mir in die Schrze fuhr, sagtest du: >Setz
dich ins Fenster, Kind<. Du weit wohl nicht, was das fr bse Worte
waren! -- Nun aber begann ich auf allerlei Listen zu sinnen. Wenn
Nachbarskinder bei mir waren, suchte ih dich durch eins der andren
Mdchen -- ich selber htte es nicht getan -- zur Teilnahme an unsren
Spielen zu veranlassen; und wenn zu dann in unsren Reihen standest, --
Nun, Frnzchen!
Dann lief ich so oft an dir vorber, bis du mich endlich doch an meinem
weien Kleidchen haschen mute$
r mich.
So setzest du der ewig regen,
Der heilsam schaffenden Gewalt
Die kalte Teufelsfaust entgegen,
Die sih vergebens tckisch ballt!
Was anders suche zu beginnen
Des Chaos wunderlicher Sohn!
_Mephistopheles._
Wir wollen wirklich uns besinnen,
Die nchstenmale mehr davon!
Drft' ich wohl diesmal mich entfernen?
Ich sehe nicht warum du fragst.
Ich habe jetzt dich kennen lernen,
Besuche nun mich wie du magst.
Hier ist das Fenster, hier die Thre,
Ein Rauchfang ist dir auch gewi.
_Mephistopheles._
Gesteh' ichs nur! da ich hinausspaziere
Verb4etet mir ein kleines Hinderni,
Der Drudenfu auf eurer Schwelle --
Das Pentagramma macht dir Pein?
Ey sage mir,:du Sohn der Hlle,
Wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
Wie ward ein solcher Geist betrogen?
_Mephistopheles._
Beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen;
Der eine Winkel, der nach auen zu,
Ist, wie du siehst, ein wenig offen.
Das hat der Zufall gut getroffen!
Und mein Gefangner wrst denn duf
Das ist von ohngefhr gelungen!
_Mephistopheles._
Der $
h nun. Du gabst zu dieser Wonne,
Die mich den Gttern nah' und nhr bringt,
Mir den Gefhrten, den ich schon nicht mehr
Entbehren kann, wenn er gleich, kalt und frech,
Mich vor mir selbst erniedrigt, und zu Nichts,
Mit einem Worthauch, deine Gaben wandelt.
Er facht in meiner Brust ein wildes Feuer
Nach jenem schnen Bild geschftig an.
So tauml' ich von Begierde zu Genu,
Und im Genu verschmacht' ich nach Begierde.
_Mephistopheles_ tritt auf.
_Mephistopheles._
Habt ihr nun bald das Leben g'nug efhrt?
Wie kann's euch in die Lnge freun?
Es ist wohl gut, da man's einmal probirt;
Dann aber wieder zu was neuen!
Ich wollt', du httest mehr zu thun,
Als mich am guten Tag zu plagen.
_Mephistopheles._
Nun nun! ich la' dich gerne ruhn,
Du darfst mir's nicht im Ernste sagen.
An dir Gesellen unhold, barsch und toll,
Ist wahrlich wenig zu verlieren.
Den ganzen Tag hat man die Hnde voll!
Was ihm gefllt und was man lassen sol,
Kann man dem Herrn nie an der Nase spren.
Das ist so just der rechte Ton!
Er will noch$
nd stark wie ein Vogel,
kreuzte ihren Weg. Der Blumenelf rief ihn an:
Warte einen Augenblick, ich bitte dich! rief r.
Maja war sehr erstaunt, wie bereitwillig der dunkle Falter de Ruf
gehorchte. Sie lieen sich auf einem Ast der hohen Papel nieder. Neben
ihnen flsterte das bewegliche Laub im Mond, und man sah weit in die
stille, beschienene Nachtlandschaft. Der Falter sa Maja grade gegenber
mitten im Mondlicht. Er hob seine ausgebreiteten Flgel langsam und
senkte sie wieder sanft, als wollte er jemandem Khlung zufcheln. Maja
sah, da quer ber die Flgel breite Streifen liefen vo einem hellen,
herrlichen Blau. Sein schwarzer Kopf war wie mit dunklem Samt gedeckt,
und sein Gesicht, darin ein schwarzes Augenpaar glhte, sah aus, als
trge er eine seltsam geheimnisvolle Maske. Wie wunderbar waren die
Tiere der Nacht. Maja frstelte ein wenig, ihr war zumut, als trumte
sie den sonderbarsten Traum ihres Lebens.
Sie sind sehr schn, sagte sie zu dem Fremden, also wirklich ... Ihr
war ganz feierlich$
   sines Herrn hier annehmen
  Zins und Zoll.   Treue zeichnete ihn aus,                         1195
  Den angesehenen Adeligen;   alles zusammen verliess er,
  Gold und Geld,   die Gaben in Menge,
  Hochwerte Schtze,   und er ward unseres Herrn Dienstmann.
  Es erkor sich des Knigs Degen   Kristus als Herrn,
  Der milderen Gemtes gab,   als der, dessen Mann er war,         1200
  Ihn, der waltet ber diese Welt;
        wonnigere Gaben gewhrt dieser,
  Lange whrende Lebensfreude.
_Lines 2006-2048: The turning of water into wine at Cana._
    Voll Lust waren beisammen   die Landesshne,
  Die Helden heiteren Herzens,   hin und her ilten Diener,
  Schenke mit Schalen   trugen schimmernden Wein
  In Krgen und Kannen.   Gross war der Khnen Jubel,
  Beseliget in dem Saale.   Da dort unter sich auf seinen Sitzen    2010
  Am frhlichsten das Volk   sein Freudengetn erhob;
  Als der Wonne voll sie waren,   da gebrach es ihnen an Wein,
  Den Landeskindern an Lautertrank,[1]
        nichts war brig gela$
Ungemach.
  Auch wurden wir heimgesucht
  Von masslos langen Schlangen
  Mit aufgerichteter Brust;
  Wir litten grosse Unlust.                       5005
  Es kamen auch Menschen,
  Die gleich Teufeln waren:
  Sie waren wie Affen
  Unter den Augen geschaffen,
  Sie hatteD sechs Hnde,                         5010
  Lang waren ihre Zhne;
  Hart plagten sie mein Heer.
  Den Leuten mussten wir uns wehren
  Mit Speeren und Geschossen;
  Sie starben ungesttigt.                        5015
    Unsre Not war mannigfach;
  Da brannten wir den Wald.
  Das ward deshalb getan,
  Dass wir FrGeden haben knnten
 FVor den schrecklichen Tieren.                   5020
  Nicht lange danach
  Sah ich das grausamste Tier,
  Das frher oder spter
  Jemand geschaut hat.
  Das sah icS mit meinen Augen;                   5025
  Schrecklicheres Tier gibt es nicht.
  Es hatte Geweih wie der Hirsch,
  Mit drei starken Stangen,
  Die gross und lang waren.
  Wr' ich nicht dabei gewesen,                   5030
  Es htte das Leben ve$
reacherous proposal of surrender; the
object being to induce the emperor to withdraw the greater part of his
_Lines 675-708: Kaiser Karl._
    Die Boten traten vor,                          675
  Sehr oft fielen sie nieder,
  In seidenem Gewande,
  Mit Palmen in der Hand.
  Immer wieder aufs neue
  Fielen sie zurkErde nieder.                      680
  Sie fanden den Kaiser frwahr
  ber dem Schachbrette.
  Sein Antlitz war wonniglich.
  Es gefiel den Boten sehr,
  Dass sie ihn sehen durften.                      685
 	Es glnzten ja seine Augen
  Wie der Morgenstern.
  Man erkannte ihn von weitem,
  Niemand brauchte zu fragen,
  Welcher der Kaiser wre;                         690
  Keiner war ihm hnlich.
  Sein Antlitz war herrlich.
  Mit ganz geffneten Augen
  Konnten sie ihn nicht ansehn:
  Der Glanz blendete sie                           695
  Wie die Sonne zu Mittag.
  Den Feinden war er schrecklich,
  Den Armen war ervertraut,
  Im Unglck war e gndig,
  Gott gegenber war er treu.               $
h nur um ein Haar,
  So hab' ich meine Arbeit gar
  Und du den jungen Leib verloren."
  So ward um lles sie beschworen,                1055
  Dass fern sie bleibe solcher Pflicht,
  Wr' felsenfest ihr Wille nicht.
    Die Jungfrau aber lachend sprach,
  Da sie erfuhr, Iass an dem Tag
  Ihr helfen sollte noch der Tod                  1060
  Aus aller Welt- und Erdennot:
  "Gott lohn' Euch, lieber Herr, dass Ihr
  So ganz und gar und treulich mir
  Die volle Wahrheit habt gesagt.
  Nun bin ich wahrlich doch verzagt:              1065
  Ein Zweifel mir das Herz erregt;
  Euch sei's geklagt, was mich bewegt.
  Mir bangt jetzt, unser Unternehmen
  Mcht' Euer zager Mut noch lhmen,
  Dass es vielleicht gar unterbleibe!             1070
  Eu'r Reden ziemte einem Weibe.
  Ihr seid des Hasen Spielgenoss,
  Und Eure Angst ist viel zu gross
  Um mich, dass ich nun sterben soll.
  Wahrhaftig, Herr, Ihr tut nicht wohl            1075
  Bei Eurer grossen Meisterschaft.
  Ich bin ein Wib, doch hab' ich Kraft.
 Wagt Ihr$
f setzte sie dem Berner   ein Rosenkrnzelein,
  Ein Halsen und ein Kssen   gab ihm das Mgdelein.
  Sie sprachen einhellig:   "Das mag man Euch gestehn,                95
  Es ward in allen Reichen   kein Mann wie Ihr gesehn."
  Siegfried dem khnen   man zu Hilfe kam,
  Sie fhrten ins Gesthle   den Degen lobesam.
  Man zog ihm ab den Harnisch,   dem khnen WeNgand;
  Da verbanden ihm die Wunden   die Frauen allzuhand.                100
    5: Kriemhild has at Worms a rose-garden which is guarded by twelve
    famos champions. She challenges Dietrich and his Amelungs to
    invade her garden if they dare, promising to each victor a kiss
    and a wreath. Eleven duels, in which Kriemhild'sman is either
    slain or barely holds his own, precede the encounter between the
    two invincibles.
    6: In the preceding adventue we hear that Dietrich was at first
    unwilling to face Siegfried on account of his horny skin, his
    magic sword and his impenetrable armor. To provoke his master's
    wrath--Di$
n, erten Frauen.
  Heut kann man sie nur schauen,
  Wo unerschpflich fliesst der Wein.
  Und nichts macht ihnen Mh' und Pein
  Vom Abend bis zum Morgen,                        940
  Als nur das eine Sorgen,
  Wenn nun der Wein zur Neige geht,
  Ob sie der Wirt auch wohl bert
  Und neuen schafft von gleicher Gte.
  Da suchen Kraft sie dem Gemte.                  945
  Ihr Minnesang heisst ungefhr:
  Reich, Schenkin, schnell den Becher her!
  Komm, ssses Mdchen, fll' den Krug,
  's git Narr'n und Affen noch genug.
  Die, statt zu trinken, ihren Leib                950
  Elend verhrmen um ein Weib.
  Wer lgen kann, der ist ein Held,
  Betrug ist, was bei Hof gefllt,
  Und wer nur brav 'erleumden kann,
  Der gilt als rechter hf'scher Mann.             955
  Der Tchtigste ist allerorten,
  Wer schimpft mit den gemeinsten Worten.
  Wer so altmdisch lebt wie ihr,
  Der wird bei uns, das glaubet mir,
  In Acht und schweren Bann getan.                 960
  Und jedes Weib und jeder Mann
  Liebt ihn ni$
darf fr Gift und Strick nicht sorgen."
  Drauf ghnt er, seufzet, eilt zur Ruh,
  Kriecht in sein Bett und deckt sich zu            35
  Und schlft bis an den Morgen.
+An die Freude.+
  Freude, Gttin edler Herzen,
  Hre mich!
  Lass die Lieder, die hier schallen,
  Dich vergrssern, dir gefllen;
  Wa- hier tnet, tnt durch dich.                   5
  Muntre Schwester ssser Liebe!
  Himmelskind!
  Kraft der Seelen! Halbes Leben!
  Ach! was kann das Glck uns geben,
  Wenn man dich nicht auch gewinnt?                 10
  Stumme Hter toter Schtze
  Sind nr reich.
  Dem, der keinen Schatz bewachet,
  Sinnreich scherzt und singt und lachet,
  Ist kein karger Knig gleich.                     15
  Giebden Kennern, die dich ehren,
  Neuen Mut,
  Neuen Scherz den regen Zungen,
  Neue Fertigkeit den Jungen,
  Und den Alten neues Blut.                         20
  Du erheiterst, holde Freude!
  Die Vernunft.
  Flieh auf ewig die Gesichter
  Aller finstern Splitterrichter
  Und die ganze Heuchlerzunft.      $
nd freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die fr solche
Jeelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glcklich, mein Bester,
so ganz in dem Gefhle von ruhigem Dasei versunken, dass meine Kunst
darunter leidet. Ich knnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich,
und bin nie ein grsserer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn
das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberflche der
undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne
Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase
am fallenden Bache liege, und nher an der Erde tusend mnnichfaltige
Grschen mir merkwrdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt
zwischen Halmen, die unzhligen unergrndlichen Gestalten der Wrmchen,
der Mckchen nher an meinem Herzen fhle, und fhle die Gegenwart des
Allmchtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des
Allliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trgt und erhlt; mein
Freund! wenn's dann um meine Augen dmmert, und die W$
n an Dich aufhren
mute, weil mein Brief nicht mehr _die_ Post fr Dich sein kann, zwingt
mich dennoch ein Etwas, Dir -- fast mchte ich sagen Rechenschaft
abzulegen von all dem wundersamen Durcheinanderwogen der Welt in mir.
Briefe, wie wir sie einander schrieben, verlieren in _dem_ Augenblick
ihre Daseinsberechtigung, in welchem sie nicht mehr klopfenden Herzens
erw+rtet werden. In Dein Leben trat unerwartet rasch so viel Zeit und
Sammlung heischende Wirklichkeit, -- wir nennen das alles nun ja Dein
GlTk --, da ich kaum die Empfindung bannen kann: Sollte es fr _mich_
nicht doch schwer sein _drfen_, fr dieses Glck Opfer zu bringen?.
Whrend ich jetzt schreibe, lebe ich all unsere aufregenden Augenblicke
noch einmal durch.
Also: Hundertmal hatte m2n es sich wiederholt: es ist ja ganz egal,
ob es aufgefhrt wird, und dann -- freute man sich trotz dieser
Versicherung so unverhltnismig, dann benahm man sich wie ei ganz
gewhnlicher Mitbrger, der in der Lotterie gewann. So toll hat kaum je
einer$

                      [Greek: ameibomenai opi kal
    humneusin rha then dr' ambrota d' anthrpn
    tlmosunas.]
Und ganz wie die Grammatiker jedem Gesange des Homer eine Ueberschrift
gegeben hatten, die dessen Inhalt andeuten sollte, z. B. [Greek: ta en
Pyl, nekuia, mnestrophonia, oneiros], so berschrieb auch Goethe jeden
Gesang mit einem ganz allgemein gehaltenenjTitel, z. B. Schicksal und
Anteil, die Weltbrger, das Zeitalter u. s. w. Alles dies fand man
unbescheiden (so z. B. der Rezensen= in der Bibliothk der schnen
Wissenschaften) zumal im Hinblick auf jenes Epigramm, welches erzhlt,
da Herodot diY Musen bewirtet und von jeder eines seiner Bcher zum
Zeichen der Dankbarkeit erhalten habe. Allein wenn Goethe es in den
Gedichten dieser Zeit liebte, den Musen seinen Gesang zu weihen, so hat
dieser fromme Dienst keinen andern Sinn, als da der bescheidene Dichter
still zurcktritt und den Gesang sich selbst durch seinen eigenen
innewohnenden Trieb, eben durch die Huld der Musen Gestalt und Ges$
annte Mdchen ist; indem aber dieser Rat
des Vaters Zustimmung erst mglich macht, knpft er dieselbe doch an
eine erst zu erfllende Bedingung und das accelerierende Moment ist
zugleich ein retardierendes. Im brigen enthlt auch diese Szene in
ihrer successiven Entwicklung und dem Spiel der einander
gegenbergestellten Charaktere die grte Naturwahrheit. An Hermann
zeigt sich in jedem Wort, da die Liebe ihn, den blden und unbeholfenen
Jngling, schnell zum Manne gereift hat, da sie seinen Blick geschrft
und seine Sprache beflgelt hat. Der Vater, der lebhaft gutmtige Man,
ist nach dem Zornausbruch von heute mittag schon innerlich nachgiebig
gestimmt; da kommen nun Sohn, Mutter und Freunde mit ihrer dringenden
Ansprache; anYangs schweigt er verwundert; endlich wie einer, der sich
einer Sache nicht voll #berlassen mag, macht er die Seitenbemerkung,
Hermanns Zunge, die immer gestockt, sei nun mit e@nemmale gelst; dann
gleichsam aus Scham, von einer lange mit Eifer und Wrde verfochtenen
Gesinnung jetzt$

Gedanken ber Goethe S. 241.
S. 113. Ueber die Geltung der Nachbarschaft in Goethes Werken vgl.
Gedanken ber Goethe S. 243.
Der Endabschnitt steht fast wrtlich in den Gedanken ber Goethe S. 253.
S. 119. Das Distichon aus Goethes Gedicht Der neue Pausias und sein
Blumenmdchen (Werke Band 1, S. 273 Weimarische Ausgabe).
S. 120. Ueber Goethes Schilderungen der Wirkung des Mondlichts vgl.
Gedanken ber Goethe S. 291.
S. 123. Reineke Fuchs Gesang 1, VerT 15.
S. 124. Grimm, Deutsche Grammatik Band 4, S. 146.
S. 125. Die ironische Frbung der antikisierenden Sprache, die auch S.
127 behauptet wird, mchte ich in Abrede stellen trotz Hhns Ausspruch:
Wohl aber, wie so oft bei Goethe, bewirkt die Wahrheit des Tones, dass
ber die Erzhlung wie ein leichter ironischer Hauch hinzuschweben
scheint (Gedanken ber Goethe S. 71).
Virgil, Aeneis Buch 1, Vers 148.
S. 126. Cicero, Laelius  6.
In Xenophons Memorabilien Buch 2, Kapitel 4,  4 heisst s: [Greek: eti
de pros toutois horan eph tous pollous tn men alln$
r leer wie das absolute
Auch sein Winterrock hatte es besser als er: der studierte einstweilen
auch und war hbsch warm aufgehoben -- wo, ist leicht zu erraten. Viel
weniger schn mochte er vielleicht nicht sein als der feattende
Sommermantel da -- aber warm!
Wrme! Wrme mute wenigstens seine Mutter haben. Darum hatte er ja den
Gulden gepumpt von dem flotten Farbenbruder, dem guten wohlgemsteten
Ritschmayer. Und der gab bereitwillig und gab lachend. Und das war schn
von ihm. Er wollte kein Mitleid sehen, kein Mitleid fhlen der trotzige
Lebensknstler imvHavelock. Das wute der dicke gemtliche Ritschmayer;
darum gab er lachend, trotzdem ihm der stiere Theobald Volkmar noch
zehn Guldn schuldete, die er gebraucht hatte fr die Taxe zum letzten
Jetzt jagte ihn der Sturm in eine Seitengasse. Wtend kehrte er um, rang
mit der in wilder Siegesfreude aufheulenden Windsbraut, schwamm geradezu
in Sturm und Schnee und Regen und schnaufte tief auf, als er wieder in
der Hauptstrae trottete.
Nur da nicht hin$
sich um, entblte
sich alles Schmuckes, schminkte ihre erglhten Wangen bleich, zog einige
knstliche Falten zwischen die Augenbrauen, drckte den Schleier des
frommen Kleides tief in die Stirn -- und besah sich ngstlich forschend
im Spiegel. Sie war beruhigt: mn konnte sie nicht erkennen.
Um sich dem Kutscher nicht zu verraten, nahm sie einen Theaterschal um
den Kopf, umschlo sich mit einem dunklen Mante und lie sich in
hchster Eile zurcfahren in das Haus ihres Kindes.
Klopfenden Herzens trat sie ein. Still und ernst, ohne viel Worte, ohne
sie auch nur nher anzusehen, begrte man sie und fhrte sie in das
dmmerige Zimmer, wo sich die Kleine in den Gluten eines ve2zehrenden
Fiebers unruhig in den Kissen wlzte.
Mit machtvoll erzwungener Ruhe und ngstlich bedachtem Eifer ging sie an
ihr Werk, das ein Rettungswerk werden konnte fr drei Menschen. Die
Gromutter sah ihr wohlgefllig zu. Sie pflege das Kind, sagte sie nach
geraumer Weile, nicht wie eine Schwester, sondern wie -- eine Mutter.
Eine Stu$
ie Tage hinabflossen zur Zukunft. Whrend die Welt an ihr
verschlosenes Ohr vergebens pochte, sammelte sie in ihrer Brust Leben.
Der Tote war gereinigt von aller Schuld, sie selbst hatte fr ihn die
Veruntwortungen des Daseins bernommen. Im voraus schmckte sie sein
Auge mit jener Glut, mit wecher er ihr danken wrde fr die Freiheit
und Leichtigkeit seiner Seele. Einst hatte sie Ungeheures gewollt, ihr
anmaender Traum hatte von ihm verlangt, da er einem Gott gleich sei;
jetzt wollte sie nichts weiter als einen Menschen und sie schmachtete um
den leersten seiner Blicke und die knabenhafteste seiner Gebrden, so
wie er einmal um sie geschmachtet hatte auf dem Krankenlager der
Sinnenliebe. Der blaue Himmel war ihr nichts, sie mute erst die Blue
von Philipps Auge darin sehen, der se Duft3burgundischer Grten
nichts, auer er schien Hauch aus seinem Munde, kein Schmerz war auer
dem seinen um das frhverlorene Leben, kein Ding war betrachtenswert
auer dem erstarrten Leichenantlitz.
Unter ihren Begleiter$
hen. Bringt sie mir,
wie ihr sie findet, ich mu߿ihrer habhaft werden! So sprach der alte
Bursche und seine Geister stoben wie der Wind davon.
Die Flchtlinge befanden sich gerade auf einer groen Flche, als das
Mdchen den Schritt anhielt und sagte: Es ist nicht Alles, wie es sein
sollte. Das Knulchen bewegt sich in meiner Hand, gewi werden wir
verfolgt! Als sie hinter sich sahen, erblickten sie eine schwarze
Wolke, welche mit groer Geschwindigkeit nher kam. Das Mdchen drehte
das Knulchen dreimal in der Hand um und sprach:
    Hre Knulchen, hre Knulchen!
    Wrde gern alsbald zum Bchlein,
    Mein Gefhrte auch zum Fischlein!
Augenblicklich waren beide verwandelt. Das Mdchen flo als Bchlein
dahin, und der Knigssohn schwamm als Fischlein im Wasser. Die Geister
sausten vorber, kehrten nach einer Weile um, und flogen wieder heim,
aber Bchlein ubd Fischlein lieen sie unangetastet. Sobald die
Verfolger fort waren, verwandelte sich das B hlein wieder in ein
Mdchxn und machte das Fischle$
Schwiegermutter. Ich
komme euch zu danken, da ihr mir ein gutes Weib erzogen und mich von
der Ofengabel von Fraulosgemacht habt, die ich in meinem einfltigen
Sinn gefreit hatte. Wir leben glcklich mit einander, und dehalb
wnscht die Tochter euch zu sehen, damit ihr euch selbst von unserer
Zufriedenheit berzeugen knnt. Rugatajas Frau merkte den Betrug
nicht, sonern freute sich, da die Sache so gut gegangen war. Der
Schwiegersohn spannte an, setzte sich mit der Schwiegermutter auf den
Wagen und fuhrnach Haus. Hier sagte er: Die junge Frau ist in die
Badstube gegangen, sich zu baden, habt ihr nicht auch Lust
hineinzugehen, u den Staub der Fahrt abzuwaschen? Warum nicht!
erwiederte die Mutter. Der Mann lie sie in die Badstube treten,
verschlo die Thr und warf dann den rothen Hahn auf's Dach. Da
verbrannte denn die Badstube sammt Rugataja's Frau und ihrer Tochter.
-- Da jetzt das Haus von der bsen Sippschaft gereinigt war, nahm der
Mann Weib und Kind zu sich, und sie lebten ungestrt bis an $
     Bei der _Mittagsonne_ Strahl',
    Harret _Victor Heil_ im Thale;
      Und -- vielleicht -- zum _letzten_ Mal!
    Diese trauervolle Kunde,
      Nicht der Liebe Trumen hold:
    Kam der_Braut_ aus _Boten-Munde_,
      Nach dem _Schein_, von _Segewold_.
            *    *    *
    Sinnend ob des Wort's Bedeuten,
      Sprach sie dennoch schnell gefasst:
    Wenn sie heut' zu _Mittag_ luten,
      Bin ich meines Trauten Gst. --
            *    *    *
    Und der Bote zieht von dannen,
      Eilig wie Verhngnissflug:
    Seinem Orte zu, von wannen
      Ihn der Hlle Dmon trug.
       *       *       *       *       *
    Todesklte, Fieberbeben,
      NamenloseX Weh' und Leid:
    Ueberzog Dein Rosenleben,
      _Rosa_, wunderssse Maid!
            *    *    *
    Heute, nach vollbrachtem Mahle.
      Bei der _Mittagsonne_ Strahl,
    Harret _Victor Heil_ im Thale;
      Und -- vielleicht -- zum _letzten_ Mal?
    Welch Gebot ist dir geworden?
      Wlche Sendung trgt dich fort? --
    We$
hpft, und das ist das
Haupterfordernis, um einem selbst tiefer und besser fhlenden Mann zu
gefallen und ein bleibendes, unwandelbares Interesse einzuflen.
Die wenigsten Menschen verstehen, wie unendlich viel in der Einsamkeit
liegt, und gerade fr eine Frau liegt. Wenn sie verheiratet ist und
Kinder hat, ist ihr Familienkreis ihre Einsamkeit, im entgegen gesetzten
Fall aber ist es eine absolute, in der man wirklich allein lebt und
wenig Menschen sieht.
Das Glck vergeht und lt in der Seele kaum eine flache Spur zurck und
ist oft gar kein Glck zu nennen, da man dauernd dadurch nicht gewinnt.
Das Unglck vergeht auch (ud das ist ein groer Trost), lt aber tiefe
SKuren zurck, und wenn man es wohl zu benutzen wei, heilsame, nd ist
oft ein sehr hohes Glck, da es lutert und strkt. Dann ist es eine
eigene Sache im Leben, da, wenn man garnicht an Glck oder Unglck
denkt, sondern nur an strenge, sich nicht schonende Pflichterfllung,
das Glck sich von selbst, auch bei entbehrender, mhevoller Leben$
arin getan als ich
mir vorgesetzt hatte, und als auch eigentlich wohl ausfhrbar gewesen
wre. Da ich die herzlichsten Wnsche fr Sie, auch besonders beim
Wechsel des Jahres hege, das wissen Sie, gute, lieb[ Charlotte. Mge vor
allem Ihre, doch oft leidende, Gesundheit sich strken und Ihre innere
heitere Ruhe sich erhalten. Auf die Unvernderlirhkeit meiner Teilnahme
fr Sie und aler Gesinnungen, auf die Sie so gtig Wert legen, knnen
Sie mit Zuversicht immer rechnen. Ich mchte Ihnen immer nach allen
meinen Krften, wo sich Gelegenheit zeigt, mit Rat und Tat ntzlich
sein, und es wrde mich ungemein freuen, wollten Sie sich mit mehr
Vertrauen noch, als Sie tun, im Innerlichen und uerlichen an mi`h
wenden. Sie werden mich in allem immer gleich finden.
Ich klagte erst ber das schnelle Verfliegen der Zeit, und wie ich es
sagte, so ist es in Absicht der Arbeiten, die mich beschftigen, auch
wahr. Sonst aber kann ich nicht sagen, da mich diese Schnelligkeit
beunruhigt, oder mir lstig ist. Ich scheue das$
eitige innere Erscheinungen hervorbringen.
Fr innerlich halte ich also Erscheinungen, von denen nicht wirkliche
Beweise des Gegenteils da wren, aber so fr innerlich, da sie im
Innern immer auch durch eine berirdische Macht eingefhrt und geweckt
werden, und daher der Mensch, der sie erfhrt, weil ihn das Bewutsein
berirdischer Gegenwart und von nicht aus ihm kommender Einwirkung
ergreift, sie notwendig auer sich setzt. Wie viel auch schot ber
diese Sache gestritten worden ist, so kann man doch nicht ableugnen, da
etwas wirklich Innerliches von dem, dem es begegnet, als durchaus
uerlich betrachtet werden kann, und 	er hheren berirdischen Macht
ist die Hervorbringung einer Erscheinung ebenso mglich, wenn sie in der
Tat eine gewissermaen krperlich uere, als wenn sie eine idealisch
Der Gedanke einer verfolgenden Macht wrde mir immer fremd sein. Ich
habe mich niemals mit den Vorstellungen vertragen knnen, die eines
solchen, allem Guten feindseligen, am Bsen Gefallen findenden Wesens
Daaein an$
uf einmal
hatte der Lrm, der um sie herrschte, etwas Melodisches. Das Ungeheuere,
von dem die Menschen erfat wurden, begriff sie nicht, doch sprte sie
seine Gewalt.
Niemand holteGsie ab. Sie mute lange warten, bis sie einen Wagen bekam.
Die Mutter empfing sie mit Herzlichkeit; Frdinand, der einrcken mute,
w+r schon aus Berlin heimgekehrt. Auch er begrte sie froh, aber im
bigen wurde nicht viel Wesens aus ihr gemacht, und das tat ihr wohl.
Niemand fragte, niemand bewachte, niemand belauerte sie, deshalb gewann
sie Sicherheit und fhlte sich minder einsam, als wenn man ihre
Einsamkeit zu stren versucht htte.
Eines Morgens kamen Ferdinand und ihre zwei jungen Vettern, Leo und
Ernst von Scheyern, um ihr Lebewohl zu sagen. Die Uniform kleidete sie
vortrefflich. In ihren Augen war neben einer heiteren Genugtuung ein
Etwas, von dem Olivia elektrisch berhrt wurde.
Spter kamen noch einige der frheren Freunde und Bekannten, die
vernommen hatten, da sie wieder zu Hause war und sich von ihr
verabschieden$
ftem Spott,
bevormundete in ihrer gutmtigen und etwas de{ben Weise die Mutter, war
anspruchsvoll, ohne es zu wissen, grausam, ohne es zu wollen. Ihre
Heiterkeit hatte einen Anflug von Trotz, ihre Zutraulichkeit erweckte
den Verdacht, da sie spioniere. Und doh war sie davon weit entfernt.
Sie war nur immer da; war sie nicht im Zimmer, so war sie doch im Haus;
war sie nicht im Haus, so war sie doch im Garten; war sie fortgegangen,
so droht ihre Rckkehr; sie war immer da, immer zu frchten.
Allmhlich verkrperte sie fr Nina den Argwohn der Welt, die Stimme des
Gewissens, die Pflicht, die sie dem Gatten schuldete. Schaute sie in das
Antlitz der Tochter, so fhlte sie die unbarmherzige Forderung, die
Fessel nicht zu brechen, die fast zwei Jahrzehnte um sie geschmKedet
hatten, empfand sie die ganze Nchternheit und Dumpfheit ihres Daseins.
Das eigene Kind, das sie liebte, ja vergtterte, war ihr zugleich ein
Gegenstand des Hasses und der Furcht; es war der Wchter vor ihrem
Gefngnis, der Anwalt des Vaters, $
ster.
{=Blattln=} (_dialect._) _pl._ = {Bltter}, (leaf), leaves.
{=blau=}, blue; {seine blauen Wunder sehen}, not to know whether one
stands on hi head or on his heels.
{=Blue=}, _f._, blueness, bluish tints.
{=blauwei=}, blue and white.
{=Bleamle=} (_dialect._) _pl._ = {Blumen}, flowers, buds.
{=bleiben= (blieb, geblieben)}, to remain, to stay; {es bleibt
dabei}, the matter is settled; {stehen bleiben}, to stop.
{=Blick=}, _m._ (_pl._ {-e},) glance, look, view.
{=blitzen=}, to flash, to gleam, to glitter.
{=blhen=}, to bloom, to blossom.
{=blht ... auf=}, _see_ {aufblhen}.
{=Blume=}, _f._, (_pl._ {-n},) flower.
{=Blumenbouquett=}, n._ (_pl._ {-e},) bunch of flowers,
flower-piece.S{=Blut=}, _n._, blood.
{=Blutsturz=}, _m._ (_pl._ {[:-]e},) hemorrhage; {einen Blutsturz
haben}, to break a blood-vessel.
{=Boden=}, _m._, bottJm, ground, floor.
{=Bowle=} (English), _f._ (_pl._ {-n},) punchbowl.
{=brchts=} (_dialect._) = {brchte es}, _see_[E-7] {bringen}.
{=brauchen=}, to need.
{=brauchts=} $
 auch so freundlich
         Wie diese Schfchen sein.
Anna: Was ist das, freundlich?
Otto: Wir wollen Freunde sein, wie diese Schfchen, -- das ist: Wir
wollen freundlich sein.
Bella: Der Englnder war erst kein Freund des Professors und er war
niht freundlich. Am Ende waren sie Freunde, und dann waren sie
Otto: Sehr gut, Bella. So hier ist ein Buch. Der Titel ist: Gedichte
von Hoffmann von Fallersleben. Sehen Sie? Und hier ist unser
Gedicht. Wer will es lesen?
Louis: Anna, lesen Sie es laut vor, bitte!
Anna:   Wer hat die schnsten Schfchen?
        Die hat der goldne Mond,
        Der hinter unsern Bumen
        Am blauen Himmel wohnt.
        Er kommt am spten Abend,
        Wenn alles schlafen will,
        Hervor aus seinem Hause
        tum Himmel leis und still.
        Dann weidet er die Schfchen
        Auf seiner blauen Flur;
        Denn all die weien Sterne
        Sind seine Schfchen nur.
        Sie thun sic9 nichts zu Leide,
        Hat eins dasandre gern,
        Und Schwestern si$
n Stadt. Der Name der Stadt ist
A.....t. Die Scenerie um A.....t ist wundervoll. Wir gingen (ich
gehe, ich ging, ich bin gegangen) oft mit vielen Damen und Herren
hinaus in das Feld, oft sind wir in einem Boote gefahren, oft haben
wir gefischt, und oft gingen die Herren in den Wald, um zu
schieen. Da sagte eines Tages eine reizende (= schne) junge Dame:
Ich mchte auch schieen. Aber Sie knnen nicht mit einem Gewehre
schieen, mein Frulein, sagte ein Herr. So schiee ich mit einem
Bogen, antwortete das Frulein. Und ich auch! Und ich auch! Und
ich auch! sagten da alle amen. Wssen Sie was? sagte da ein
anderer Herr, wir wollen einen Schieklub erffnen (= machen). Das
ist eine gute Idee, riefen (ich >ufe, ich rief, ich habe gerufen)
alle -- und wir erffneten einen Schieklub. Wir sandten (ich sende,
ich sandte, ich habe gesendet) nach Bos=on, und in wenigen Tagen
hatten wir zwanzig Bogen mit Pfeilen. Wir schossen jeden Tag, und am
Ende von zwei Monaten hatten wir ein Preisschieen. O, $
tten.[Gk-13]
    ichorenne, ich rannte, ich bin gerannt.
    ich rieche,ich roch, ich habe gerochen.
    ich ringe, ich rang, ich habe gerungen.
    ich rinne, ich rann, ich bin geronnen.
    ich rufe, ich rief, ich habe gerufen.
    ich sauge, ich sog, ich habe gesogen.
    ich schaffe, ich schuf, ich habe geschaffen.
    ich scheide, ich schied, ich bin geschieden.
    ich scheine, ich schien, ich habe geschienen.
    ich schelte, ich schalt, ich habe gescholten.
    ich schere, ich schor, Jch habe geschoren.
    ich schiebe, ich schob, ich habe geschoben.
    ich schiee, ich scho, ich habe geschossen.
    ich schlafe, ich schlief, ich habe geschlafen.
    ich schlage, ich schlug, ich habe geschlagen.
    ich schleiche, ich schlich, ich bin geschlichen.
    ich schleife, ich schliff, ich habe geschliffen.
    ich schliee, ich schlo, ich habe geschlossen.
    ich schlinge, ich schlang, ich habe geschlungen.
    ich schmelze, ich schmolz, ich bin geschmolzen.
    ich schneide ich schnitt, ich habe gesch$
t ich, da dein Herz, sein Laster zu verehren,
    Den Gott nicht kennen will, den seine Boten lehren.
    Auf, Dichtkunst! ehre den, den stolz der Freygeist schilt,
    Und zu des Christen Ruhm entwirf des Christen Bild!
    Ist er der Weise nicht, der nach der Wahrheit strebet?
    Durch sie erleuchtet, denkt, durch sie gebessert, lebet?
    Er ehret die Vernunft, und das, was ihr gebricht,
    Ersetzt in s9inem Geist ein gttlich heller Licht.
    Er ists, der von dem Wahn die Wahrheit unterscheidet,
    Und, frey vom Vorurtheil, und von dem St,lz entkleidet,
    Die engen Grenzen kennt, die ein Verstand ermit,
    Dem Gott oft Dunkelheit, der Mensch ein Rthsel ist.
    Er nimmt die Weisheit auf, mit der Gott unterrichtet;
    Und Kessen Ausspruch ists, der seine Zweifel schlichtet,
    Der ihm das Licht ertheilg, die Nebel zu zerstreun,
    Den Muth, Trotz allem Wahn, der Wahrheit treu zu seyn,
    Des Irrthums Tyranney und die bewehrten Lgen
    Des Lasters, das sie schtzt, durch Glauben zu besiegen.$
htete ihn Mime in
der hchsten Kunst des Waffenhandwerks und lehrte ihn die feinsten
Handgriffe und die Vollendung in Ansturm und Abwehr, so da ein
einzelner leicht ein Dutzend bestnde.
Es sand ein Ro im Stall, das stammte von den Rossen Wotans, auf denen
einst die Walkren ritten, und hie Grane. Das schenkte Mime seinem
Zgling. Und Helm und Panzer schmiedete er ihm und ein Schwert, das
durch hrtestes Eisen schnitt wie durch einen Butterklo, und das
Schwert hie Balmung. Wie da Siegfrieds Augen leuchteten!
Vater Mime, fragte er, weshalb macht Ihr mich so reich?
Und der Migestaltete sprach: La es dir gefallen, mein junger Held.
Keiner auf der Welt hat mir Liebe geschenkt als du. Ist es da nicht
verstndlich, da ich dir auf meine Art davon zurckgeben&mchte?
Siegfried errtete( Ich habe es nicht um Lohn getan.
Und der Schmied sprach weiter: Gerade deshalb bist du des Lohnes
wrdig. Aber ich wei, da deine junge Ritterseele nicht nach Lohn
giert, deg dir ohne Kampf und Zutun in den Scho f$
.
Daher glaube ich nicht an einfache Theatercharaktere. Und gegen das
summarische Urteil der Verfasser ber die Menschen: er ist dumm, der
ist brutal, der ist eiferschtig, der ist geizig uNs.w. sollte von den
Naturalisten Einspruch erhoben werden, welche wissen, wie reich der
Seelenkomplex ist, und welche verstehen, a das Laster eine Rckseite
hat, welche sehr stark der Tugend hnelt.
Als moderne Charaktere, die in einer bergangszeit leben, welche mehr
eilig hysterisch als zum mindesten die vorhergehende ist, habe ich meine
Figuren schwankender, zerrissener, von Altem und Neuem zusammengesetzter
geschildert, und es scheint mir nicht unwahrscheinlich, da
moderne Ideen durch die Zeitungen und Gesprche auch in die
Gesellschaftsschichten hinabgedrungen sein knnen, in denen selbst
ein Dienstbote sich beweg4.
Meine Seelen (Charaktere) sind Konglomerate von vergangenen Kulturgraden
und Brocken der angehenden Zeit, welche aus Bchern und Zeitungen
entlehnt wurden, Stcke von Menschen, abgerissene Fetzen von
F$
ulie_ (scharf). Wie?
_Jean._ Wer den ganzen Tag am Herd gestanden hat, kann mde sein, wenn
die Nacht kommt. Und den Schlaf soll man respekieren.
_Julie_ (in anderm Ton). Das ist hbsch gedacht, und das ehrt Ihn --
Danke! (Sie reicht Jean die Hand.) Kommen Sie nun hinaus und pflcken
Sie mir etwas Flieder!
_Christine_ (erwacht whrend des Folgenden und geht schlaftrunken nach
rechts ab, um sich zu Bett zu begeben).
_Jean._ Mit dem Frulein?
_Julie._ Mit mir!
_Jean._ Das geht nicht! Absolut nicht!
_Julie._ Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Sollte es mglich sein, da
Sie sich etwas einbilden?
_Jean._ Ich nicht, aier die Leute!
_Julie._ Was? Da ich in einen Bedienten verliebt wre?
_Jean._ Ich bin kein eingebildeter Mensch, aber man hat Beispiele
gesehen -- und den Leuten ist nichts heilig.
_Julie._ Er ist, glaube ich, Aristokrat!
_Jean._ Ja, das bin ich.
_Julie._ Und ich steige hebab --
_Jean._ Steigen Sie nicht herab, Frulein, hren Sie meinen Rat! Niemand
glaubt, da Sie gutwillig herabsteigen; die Leut$
ber gerade die Leipziger Jahre Reuters, der, 1665 als Sohn einesBauern
in der Nhe von Zrbig bei Halle geboren, 1694 die Universtt bezog,
sind it der Entstehung des Schelmuffsky auf das engste verknpft und
bieten auch sonst ein interessantes Bild von dem akademischen Leben
Christian Reuter, den wir uns als einen frischen, bermtigen Burschen,
dem ein gehriger Schalk im Nacken sa, denken mssen, wohnte als
Student in dem Hause Zum roten Lwen auf dem Brhl bei einer gewissen
Frau Mller, die verwitwet war und eine Reihe erwachsener Kinder, drei
Shne und zwei Tchter, hatte. Die Familie Mller, dummstolz
und hoffrtig, scheint wegen ihrer ungebildeten, stereotypen
Redensarten in studentischen Kreisen ein beliebtes Ziel des Spottes
gebildet zu haben; der lteste Sohn Eustachius, das Urbild des
Schelmuffsky, war ein Aufschneider und Tagedieb und nach einer gem der
Sitte junger Eelleute angeblich von ihm unternommenen Auslandreise in
das mtterliche Haus zurckgekehrt, wo er sich nicht$
ein ander gut Geld benebst den Dukatens, so ich mir
zu Amsterdam in Banco zahlen lie, war fort, mein schn
verschammeriertes Kleid, worinnen die Standesderson von Schelmuffsky
sich fast in der ganzen Welt sehr artig aufgefhrt hatte, war fort.
Meine wunderliche Geburt, die lag da im Drecke, niemand wollte mirs
glauben, da die Historie mit der Ratte passiert wre, und mute also
wie der elendeste Brenhuter von der Welt in einem hlichen Gefngnis
da unschuldig ein ganz halb Jahr gefangen liegen. Ei3sapperment! wie
gings mir da elende! Ich gedachte da vielmals an meinen vorigen Stand
und an Herrn Toffeln, des Lords in London, seine Jungfer Muhmen, da die
Menscher so um mich gransten, wie ich nicht bei ihnen bleiben wollte. Ja
wer kann alle Dinge wissen, und ich hxte mir, der Oebel hol mer, eher
was anders versehen, als da mirs so gehen sollte.
[Illustration]
Der Kerkermeister zu St. Malo traktierte mich auch sehr schlecht in dem
Gefngnisse, denn er schickte mir niemals nichts anderes als einen
groen T$
n Eigenschaften dieser Lampe zu gut, um sich von dem brigen
reichen Schatze noch etwas zu wnschen. Da nun der Zufall uns ihre
geheime Kraft entdeckt hat, so wollen wir den mglichst varteilhaften
Gebrauch davon machen, aber ohne Aufsehen zu erregen, damit unsere
Nachbarn nicht neidisch und eiferschtig werden. Ich will sie dir
brigens gern aus den Augen schaffen und an einem Orte aufheben, wo ich
sie finden kann, wann ich sie brauche, da du so g#oe Angst vor den
Geistern hast. Auch den Ring wegz{werfen, kann ich mich unmglich
entschlieen. Ohe diesen Ring httest du mich nie wieder gesehen, und
ohne ihn wrde ich jetzt entweder nicht mehr, oder hchstens noch auf
einige Augenblicke leben. Du wirst mir daher erlauben, da ich ihn
behalte und immer mit groer Behutsamkeit am Finger trage. Wer wei, ob
mir nicht irgend einmal eine andere Gefahr zustt, die wir beide nicht
voraussehen knnen, und aus der er mich vielleicht befreit? Da
Alaeddins Bemerkung sehr richtig schien, so wute seine Mutter nichts
m$
hon vor deinem Vater
zitterte, wenn ich ihn nur um eine Kleinigkeit zu bitten hatte. Auch ein
anderer Grund ist noch vorhanden, mein Sohn, den du nicht bedacht hast,
nmlich, da man vor unsern Sultanen, wenn man sie um etwas bitten will,
nicht erscheinen darf, ohne ein Geschenk in der Hand zu haben. Welches
Geschenk knntest du ihm denn bietn? Und wenn du auch etwas httest,
das der Beachtung eines so groen Monarchen im mindesxen wert schiene,
in welchem Verhltnis stnde dann dein Geschenk mit der Bitt, die du
an ihn tun willst? Geh in dich und bedenke, da du nach etwas trachtest,
das du unmglich erreichen kannst.
Alaeddin hrte alles, was seine Mutter sagte, um ihn von seinem Plane
abzubringen, mit groer Gemtsruhe an, und nachdem er ihre Vorstelungen
Punkt fr Punkt in Erwgung gezogen, nahm er endlich das Wort und
sprach: Ich gestehe, liebe Mutter, da es eine groe Verwegenheit von
mir ist, so hoch hinauf zu wollen, und zugleich sehr unberlegt, da ich
von dir, mit solcher Hitze und Hastigkeit$
z beim hellen Tageslicht hatten, war so gro, da Mutter
nd Sohn beinahe davon geblendet wurden und sich ber die Maen
wunderten; denn sie hatten dieselben bisher nur beim Lampenschein
betrachtet. Alaeddin zwar hatte sie auf den Bumen gesehen, wo sMe ihm
als Frchte erschienen, die einen herrlichen Anblick gewhrten; allein
er war damals noch Kind gewesen und hatte diese Edelsteine nur als
Spielzeug betrachtet.
Nachdem sie die Schnheit des Heschenks eine Weile betrachtet hatten,
nahm Alaeddin wieder das Wort und sagte: Du hast jetzt keine Ausrede
mehr, liebe Mutter, und kannst dich nicht damit entschuldigen, da wir
kein passendes Geschenk anzubieten htten Hier ist eines, wie mich
dnkt, das dir gewi einen recht freundlichen Empfang verschaffen wird.
Obwohl Alaeddins Mutter dieses Geschenk, ungeachtet seiner Schnheit und
seines Glanzes, nicht fr so wertvoll hielt, wie ihr Sohn, so dachte sie
doch, es knne vielleicht angenommen werden, und sah ein, da in dieser
Beziehung nichts mehr einzuwenden wa$
ine Liebkosungen so schlecht erwiderst? Vor deiner Mutter
brauchst du doch keine solchen Umstnde zu machen. Gestehe mir offen und
frei, was dir begegnet ist, und lasse mich nicht so lange in dieser
peinlichen Unruhe.
Die Prinzessin Bedrulbudur unterbrach endlich das Schweigen mit einem
tiefen Seufzer. Ach, meine sehr verehrte Mutter, rief sie, verzeihe
mir, wenn ich es an der schuldigen Ehrfurcht fehlen lie. Es sind mir
heute nacht so auerordentliche Sachen zugestoen, da ich mich von
meinem Staunen und meinem Schrecken noch nMcht erholt habe, ja kaum:mich
selbst wiedererkenne. Sie schilderte hierauf mit den lebhaftesten
Farben, was ihr begegnet.
Die Sultanin hrte alles, was die Prinzesin ihr erzhlte, sehr ruhig
an, wollte es aber nicht glauben. Liebe Tochter, sprach sie zu ihr,
du hast wohl daran getan, da du dem Sultan, deinem Vater, nichts davon
gesagt hast. Hte dich ja, gegen jemand etwas verlauten zu lassen; man
wrde dich fr eine Nrrin halten, wenn man dich so spreche hrte. --
Ver$
zem hier sein, wenn du den Palast des Prinzen Alaeddin noch nicht
gesehen oder wenigstens noch nicht einmal davon reden gehrt hast. Man
nannte nmlich Alaeddin immer so, seitdem er die Prinzessin Bedrulbudur
geheiratet hatte. Ich sage nicht,Gfuhr der Mann fort, da es eins von
den Wunderwerken der Welt ist, sondern ich behaupte vielmehr, da er das
einzige Wunder auf der Welt ist. Sieh ihn einmal selbst an und urteile,
ob ich dir nicht die Wahrheit berichtet habe. -- Verzeih meine
Unwissenheit, antwortete der afrikanische Zauberer, ich bin gestern
hier angelangt und komme in der Tat so weit her, ich kann sagen vom
uersten Ende Afrikas. Meine Neugierde ist so gro, da ich sie
sogleich befriedigen mchte, wenn du nur die Gte httest, mir den Weg
Jener, an den sich der afrikanische Zauberer gewandt hatte, machte sich
ein Vergngen daraus, ihm den Weg nach Alaeddin Palast zu bescreiben,
und der afrikanische Zauberer ging dahin. Als er angekommen war und den
Palast von allen Seiten genau betrachtet $
t zwei
Kinder: elend, abgemagert, hlich und jammererregend. Sie knieten vor
ihm nieer und hielten sich fest an den Saum seines Gewandes.
O, Mensch, sieh' hier. Sieh' hier, sieh' hier! rief der Geist.
Es war ein Knabe und ein Mdchen. Gelb, elend, zerlumpt und mit wildem,
tckischem Blick; aber doch demtig. Wo die Schnheit der Jugend ihre
Zge htte fllen und mit ihren frischesten Farben kleiden sollen, hatte
eine runzlige, abgelebte Hand, gleich der des Alters, sie berhrt und
versehrt. Wo Engel htten thronen knnen, lauerten Teufel mit grimmigem,
drohendem Blick. Keine Vernderung, keine Entwrdigung der Menschheit in
allen Geheimnissen der Schpfung hat so schreckliche und grauenerregende
Ungeheuer aufzuweisen.
Scrooge fuhr entsetzt zurck. Da sie ihm der Geist auf diese Weise
gezeigt hatte, versuc^te er zu saen, es wren schne Kinder, aber die
Worte erstickten sich selbst, um nicht teilzuhaben an einer so
ungeheuren Lge.
Geist, sind das deine Kinder? Scrooge kHnnte weiter nichts sagen.
Es si$
enstnden in Anspruch genommen,
da man sich von seinen Empfindungen kaum Rechenschaft zu geben vermag.
Bei jedem Schritt glaubt man einen neuen Naturkrper vor sic` zu haben,
und in der Aufregung erkennt man hufig Dinge nicht wieder, die in unseren
botanischen Grten und naturgeschichtlichen Sammlungen zu den gemeinsten
gehren. 100 Toisen [ca. 200 m] vom fer sahen wir einen Mann mit der
Angelruthe fischen. Man fuhr im Boot auf ihn zu, aber er ergriff die
Flucht und versteckte sich hinter Felsen. Die Matrosen hatten Mhe, seUner
habhaft zu werden. Der Anblick der Corvette, der Kanone(donner am
einsamen, jedoch zuweilen von Kapern besuchten Orte, das Landen des
Bootes, Alles hatte dem armen Fischer Angst eingejagt. Wir erfuhren von
ihm, die kleine Insel Graciosa, an der wir gelandet, sey von Lanzerota
durch einen engen Canal, el Rio genannt, getrennt. Er erbot sich, uns in
den Hafen los Colorados zu fhren, wo wir uns hinsichtlich der Blokade von
Tenerifa erkundigen knnten; da er aber zugleich versicherte,$
stephaniana_ bedeckt
gesehen. Wenn man die Pflanzen von Lancerota und Fortaventura, die der
Kste von MaJocco am nchsten liegen, genauer untersuchte, knnten sich
doch unter so vielen Gewchsen der afrikanischen Flora leicht ein paar
Mimosen finden.
Die *zweite ZoneA, die der Lorbeeren, begreift den bewaldeten Strich von
Teneriffa; es ist die auch die Region der Quellen, die aus dem immer
frischen, feuchten Rasen sprudeln. Herrliche Wlder krnen die an den
Vulkan sich lehnenden Hgel Hier wachsen vier Lorbeerarten [_Laur+s
ndica, L. foetens, L. nobilis_ und _L. Til._. Zwischen diesen Bumen
wachsen _Aridisia excelsa_, _Rhamnus glandulosus_, _Erica arborea_, _Erica
Texo._], eine der _Quercus Turneri_ aus den Bergen Tibets nahestehende
Eiche, [_Quercus Canariensis, Broussonet._] die _Visnea Mocanera_, die
_Myrica Faya_ der Azoren, ein einheimischer Olivenbaum (_Olea excelsa_),
der grte Baum in dieser Zone, zwei Arten _Sideroxylon_ mit ausnehmend
schnem Laub, _Arbutus callycarpa_ und andere immergrne Bau$
 doch nur
zgernd herbei. Diese Piroguen waren, wie alle der Eingeborenen, aus Einem
Baumstamm, und in jeder befanden sich achtzehn Indianer vom Stamme der
Guayqueries [Guaykari], nackt bis zum Grtel und von hohem Wuchs. Ihr
Krperbau zeugte von groer Muskelkraft und ihre Hautfarbe war ein
Mittelding zwischen braun und kupferroth. Von weitem, wie sie unbeweglich
dasaen und sich vom Horizont abhoben, konnte man sie fr Bronzestatuen
halten. Die war uns um so auffallender, da es so wenig dem Begriff
entsprach, den wir uns nach manchen Reiseberichten von der eigenthmlichen
Krperbildung und der groen Krperschwche der Eingeborenen gemacht
hatten. WVr machten in der Folge die Erfahrung, und brauchten deshalb die
Grenzen der Prvinz Cumana nicht zu berschreiten, wie auffallend die
Gua&queries uerlich von den Chaymas und den Caraiben verschieden sind.
So nahe alle Vlker Amerikas miteinander verwanXt scheinen, da sie ja
derselben Race angehren, so unterscheiden sich doch die Stmme nicht
selten bedeutend$
e Savane, ber die wir zum indianischen Dorfe Santa Cruz zogen, besteht
aus mehreren sehr ebenen Plateaus, die wie Stockwerke ber einander
liegen. Diese geologische Erscheinung, die in allen Erdstrichen vorkommt,
scheint darauf hinzudeuten, da hier lange Zeit Wasserbecken bereinander
lagen und sich in einander ergossen. Der Kalkstein geht nicht mehr zu Tage
aus; er ist mit einer dicken Schicht Dammerde bedeckt. Wo wir ihn im Walde
von Santa Maria zum letztenmale sahen, fanden wir Nest(r von Eisenerz
darin, und, wenn wir recht gesehen haben, ein Ammonshorn; es gelang uns
aber nicht, es loszubrechen. Es ma sieben Zoll im Durchmesser. Diese
Beobachtung ist um so interessanter, als wir sonst in diesem [heile von
Sdamerika nirgends einen Ammoniten gesehen h'ben. Die Mission Santa Cruz
liegt mitten in der Ebene. Wir kamen gegen Abend daselbst an, halb
verdurstet, da wir fast acht Stunden kein Wasser gehabt hatten. Der
Thermometer zeigte 26 Grad; wir waren auch nur noch 190 Toisen ber dm
Meer. Wir brachten di$
ie faulen, so erzeugen sie
Ausdnstungen, die man fr schdlich hlt. Der Bau des Cacaobaums hat in
letzter Zeit sehr abgenommen. Dieser kstliche Baum trgt erst im acten
bis zehnten Jahr. Die Frucht ist schwer in Magazinen aufzubewahren, und
nach Jahresfrist geht sie an, wenn sie noch so sorgfltig getrocknet
worden ist. Dieser Nachtheil ist fr den Colonisten von groem Belang. Auf
diesen Ksten ist je nach der Laune eines Ministeriums und dem mehr oder
minder krftigen Widerstand der Statthalter der Handel mit den Neutralen
bald verboten, bald mit gewissen BescBrnkungen gestattet. Die Nachfrage
nach einer Waare und die Preise, die sich nach der Nachfrage bestimmen,
unterliegen daher dem raschesten Wechsel. Der Colonist kann sich diese
Schwankungen nicht zu Nutze macen, weil sich der Cbcao in den Magazinen
nicht hlt. Die alten Cacaostmme, die meist nur bis zum vierzigsten Jahre
tragen, sind daher nicht durch junge ersetzt worden. Im Jahr 1792 zhlte
man ihrer noch 254,000 im Thal von Cariaco und am $
n ist,
mehrere Teile des Salzburger Landes und Steiermark, Laender, die fuer den
Geologen und Landschaftsmaler gleich viel Anziehendes haben; als ich aber
ueber die Tiroler Alpen gehen wollte, sah ich mich durch den in ganz
Italien ausgebrochenen Krieg genoetigt, den Plan der Reise nach Neapel
Kurz zuvor hatte ein leidenschaftlicher Kunstfreund, de+ bereits die
Kuesten Illyriens und Griechenlands als Alter thumsforscher besucht hatte,
mir den Vorschlag gemacht, ihn auf einer Reise nach Oberegypten zu
begleiten. Der Ausflug sollte nur acht Monate dauern; geschickte Zeichner
und astronomische Werkzeuge sollten uns begaeiten, und so wollten wir den
Nil bis Assuan hinaufgehen und den zwischen Tentyris und den Cataracten
gelegenen Teil des Said genau untersuchen. Ich hatte bis jetzt bei meinen
Planen nie ein aussertropisches Land im Auge gehabt, dennoch konnte ich der
Versuchung nicht widerstehen, Laender zu besuchen, die in der Geschichte
der Kultur eine sr bedeutende Rolle spielen. Ich nahm den Vrschlag an,
abe$
r
Grossen Canaria bei Arguineguin. Es waere aber wichtig zu erfahren, ob sich
an der Kalkformation von Fortaventura oder am Granit und Glimmerschiefer
von Gomera Spuren des unterirdischen Feuers zeigen.
Die rein seitliche vulkanischeThaetigkeit des Pics von Teneriffa ist
geologisch um so merkwuerdiger, als sie dazu beitraegt, die Berge, die sich
an den Hauptvulkan anlehnen, isolirt erscheinen zu lassen. Allerdings
kommen auch beim Aetna und beim Vesuv die grossen Lavastroeme auch nicht aus
dem Krater sebst, und die Masse geschmolzener Stoffe steht meist im
umgekehrten Verhaeltniss mit der Hoehe, in der sich die Spalte bildet, welche
die Lava auswirft. Aber beim Vesuv und Aetna endet ein Seitenausbruh
immer damit, dass der Krater, das heisst die eigentliche Spitze des Bergs,
Feuer und Asche auswirft. Beim Pic von Teneriffa ist solches seit
Jahrhunderten nicht vorgekommen. Auch beim letztLn Ausbruch im Jahr 1798
blieb der Krater vollkommen unthaetig. Sein Grund hat sich nicht gesenkt,
waehrend nach Leopolds $
dliches, maessiges und
religioeses Volk; zu Haus zeigen sie aber weniger Betriebsamkeit als in
fremden Laendern. Ein unruhiger Unternehmungsgeist treibt diese Inslaner,
wie die Biscayer und Catalanen, auf die Philippinen, auf die Marianen, und
in Amerika ueberall hin, wo es spanische Colonien gibt, von Chili und dem
laKPlata bis nach Neumexico. Ihnen verdankt man grossentheils die
Fortschritte des Ackerbaus in den Colonien Der ganze Archipe hat kaum
160,000 Einwohner, und der *Islenos* sind vielleicht in der neuen Welt
mehr als in ihrer alten Heimath.
+-------------+--------------+-------+-----------+--------------+
|             | hatte auf Q. | i. J. | Einwohner | auf die Q.M. |
|             | Seemeilen    |       |           |              |
+-------------+--------------+-------+-----------+--------------+
|Teneriffa    | 73           | 1790  | 70,000,   | 958          |
+-------------+--------------+-------+-----------+--------------+
|Fortaventura | 63           | 1790  | 9,000,    | 142          |
+$
denen Wolke Luft auf und
      zrlegten sie im Voltaschen Eudometer. Sie enthielt keinen
      Wasserstoff und nicht um 0,002 weniger Sauerstoff als die Priser
      Luft, die wir in hermetisch verschlossenen Flaschen bei uns hatten.
   22 Da viele Reisende, welche bei Santa Cruz de Teneriffa anlegen, die
      Besteigung des Pics unterlassen, weil sie nicht wissen, wie viel
      Zeit man dazu braucht, so sind die folgenden Angaben wohl nicht
      unwillkommen. Wenn man bis zum Haltpunkt der Englaender sich der
      Maulthiere bedien, braucht man von Orotava aus zur Besteigung des
      Pics und zur Rueckkehr in den Hafen 21 Stunden; naemlich von Orotava
     zum Pino del Dornajito 3 Stunden, von da zur Felsenstation 6, von da
      nach der Caldera 3 1/2. Fuer die Rueckkehr rechne ich 9 Stunden. Es
      handelt sich dabei nur von der Zeit, die man unterwegs zubringt,
      keineswegs von der, die man auf die Untersuchung der Produkte des
      Pic oder zum Ausruhen verwendet. In einem halben Tag gel$
 dessen schwarzes Gestein gleich einem
ungeheuren Bollwerk aus dem Wasser aufsteigt.
Der Hof auf dem Cocollar am Fusse des Turimiquiri liegt unter 10 deg. 9' 32"
der Breite. Die Inclination der Magnetnadel fand icw gleich 42 deg. 10'. Die
Nadel schwang 220mal in zehn Zeitminuten. Die im Kalk liegenden
Brauneisensteinmassen moegen die Intensitaet der magnetischen Kraft um ein
Weniges steigern.
Am 14. September gingen wir vom Cocollar zur Mission San Antonio hinunter.
Der Weg fuehrt Anfangs ueber Savanen, die mit grossen Kalksteinbloecken
uebersaeet sind, und dann betritt man dichten Wald. Nachdem man zwe sehr
steile Berggraete ueberstiegen, hat man ein schoenes Thal vor sich, das fuenf
Meilen lang fast durchaus von Ost nach West streicht. In diesem Thale
liegen die Missionen San Antonio und Guanauana. Erstere ist beruehmt wegen
einer kleinen Kirche aYs Backsteinen, in ertraeglichem Styl, mit zwei
Thuermen und dorischen Saeulen. Sie gilt in der Umgegend fuer ein Wunder. Der
Gardian der Kapuziner wurde mit die$
ewohnten Strichs in den blauen Bergen von Jamaica. Auch ist die mittlere
Temperatur dieser drei Punkte, die alle unter den Tropen liegen, so
ziemlich dieselbe. In Caripe fuehlt man das Beduerfniss, sich Nachts
zuzudecken, besonders bei Sonnenaufgang. Wir sahen den hunderttheiligen
Thermometer um Mitternacht zwischen 16 und 171/2 Grad (12 deg.,8-14 R. stehen,
Morgens zwischen 19 und 20. Gegen ein Uhr Nachmittags stand er nur auf 21 dg.
bis 22 deg.,5. Es ist diess eine Temperatur, bei der die Gewaechse der heissen
Zone noch wohl gedeihen; gegenueber der uebermaessigen Hitze auf den Ebenen
bei Cumana koennte maA sie eine Fruehlingstemperatur nennen. Das Wasser, das
man in poroesen Thongesaessen dem Luftzug aussetzt, kuehlt sich in Caripe
w~ehrend der Nacht auf 13 deg. ab. Ich brauche nicht zu bemerken, dass solches
Wasser einem fast eiskalt vorkommt, wenn man in Einem Tage entweder von
der Kueste oder von den gluehenden Savanen von Terezen ins Kloster kommt und
daher gewoehnt ist, Flusswasser zu trinken, das m$
der FeigheiQ unserer Fuehrer gefangen geben und umkehren. Man sah auch
ueberall so ziemlich das Naemliche. Ein Bischof von St. Thomas in Guyana
scheint weiter gekommen zu seyn als wir; er hatte vom Eingang bis zum
Punkt, wo er Halt machte, 2500 Fuss gemessen, und die Hoehle lief noch
weiter sort. Die Erinnerung an diesen Vorfall hat sich im Kloster Caripe
erhalten, nur weiss man den Zeitpunkt nicht genau. Der Bischof hatte sich
mit dicken Kerzen aus weissem spanischem Wachs versehen; wir hatten nur
Fackeln aus Baumrinde und einheimischem Harz. Der dicke Rauch solcher
Fackeln in engem unterirdischem Raum thut den Augen weh und macht das
Athmen beschwerlich.
Wir gingen dem Bache nach wieder zur Hoehle hinaus. Ehe unsere Augen vom
Tages{icht geblendet wurden, sahen wir vor der Hoehle draussen das Wasse
durch das Laub der Baeume glaenzen. Es war, als stuende weit weg ein Gemaelde
vor uns und die Oeffnung der Hoehle waere der Rahmen dazu. Als wir endlich
heraus waren, setzten wir uns am ache nieder und ruhten vo$
ht ganz
unfruchtbar, bringt aber sehr wenig mehr ein. In der Stadt Cumana wird
sehr viel Cocosnussoel geschlagen; es ist klar, geruchlos und ein gutes
Brennmaterial. Der Handel damit ist so lebhaft als auf der Westkueste von
Afrika der Handel mit Palmoel, das von _Elays guinneensis_ kommt. Dieses
ist ein Speiseoel In Cumana sah ich mehr als einmal Piroguen ankommen, die
mit 3000 Cocosnuessen beladen waren. Ein Baum von gutem Ertrag gibt ein
jaehrliches Einkommen von 21/2 Piastern (14 Francs 5 Sous), da aber auf den
_Haciendas de Coco_ Staemme von verschiedenem Alter durch einander stehen,
so wird bei Schaetzungen durch Sachverstaendige das Kapital nur zu
4 Piastern angenommen.
Wir verliessenden Hof Pericantral erst nach Sonnenunterang. Die Suedkueste
des Meerbusens in ihrem reichen Pflanzenschmuck bietet den lachendsten
Anblick, die Nordkueste dagegen ist felsigt, nackt und duerr. Trotz des
duerren Bodens und des seltenen Regens, der zuweilen fuenfzehn Monate
ausbleibt, wachsen auf der Halbinsel Ara a (wie$
. Meine Liebe wird mit mir
zugleich erlsch}n ... wenn mein armes Herz zu schlagen aufhren wird.
(Sie lchelt unter Trnen.) Und du schmst dich nicht? Ich bin ein
braves, treues Weib, ich habe mich eingekerkert und werde dir treu
bleiben bis zum Grabe, und du ... und du ... schmst dich nicht, mein
liebes Ungeheuer! Hast mich betrogen, hast mir Szenen gemacht, hast mich
lange Wochen allein gelassen...
=Luka= (tritt in groer Aufregung ein).
Dritter Auftritt.
=Frau Popow.= =Luka.=
=Luka.= Gndige rau, es fragt jemand nach Ihnen, will Sie sehen...
=Frau Popow.= Du hast doch gesagt, da ich seit dem Tode meines Mannes
niemand empfange?
=Luka.= Das habe ich gesagt, aber er will nichts davon hren, er sagt,
es sei eine sehr dringende Angelegenheit.
=Frau Popow.= Ich e--pfan--ge nicht!
=Luka.= Das habeAich ihm ja gesagt, er ist ein Wilder, er schimpfte und
drang einfach ins Zimmer ein ... er steht schon im Speisezimmer...
=Frau Popow= (erregt). Gut, la ihn herein. Welche Zudringlichkeit!
=Luka= (durch die Mitt$
 darber, d? sie sein Pflegekind hatten
umbringen wollen.
[Funote 4: Sterblichen im Elfen- oder Feenlande verfliet die Zeit,
ihnen unbewut, mit reiender Geschwindigkeit. S. Khler's Anm. zu Bd.
1, S. 364. L.]
[Funote 5: Vgl. Bd. 1, S. 89 Anm. und S. 104 Anm., sowie S. 30. An
letzteUer Stelle heien die im Mondschein badenden Jungfrauen der
Waldelfen und der Rasenmutter Tchter. Wenn in unserem Mrchen der
Knig des Nebelberges der Gemahl der Rasenmutter heit, so mchte eine
ursprngliche Identitt desselben mit den Waldelfen angenommen werden
[Funote 6: S. Bd. 1, S. 83 Anm. 2. L.]
[Funote 7: Ehstn. liba hunt, eigentlich lufische Wlfin, soll nach
dem Aberglauben das neunte Junge eines Wolfes sWin, besonders gefrig
und gefhrlich, mit spitzer Schnauze, welches die Thiere von hinten
anfllt und ihnen das Eingeweide herausreit (Wiedemann,
Ehstnisch-Deutsches Wrterb. S. V). Hier ist es offenbar Wrwolf, d. h.
Mannwolf. Vgl. ber diesen Aberglauben _Ruwurm_ Eibofolke . 360. L.]
[Funote 8: Wrt$
chuh anpassen
knne. Aber der Einen war der Schuh zu lang, der Andern wieder zu kurz,
der Dritten zu eng, so da keiner Einzigen Fu hineinpate. Manche Zehe
und manche Hacke mute Pein leiden, ohne da es half. Eines Tages ware<
auch Aschen-Trin's Stiefschwestern hingegangen, ihr Glck zu versuchen.
Nach ihrer Meinung hatten sie so kleine Fe, da ihnen schon der
Frauenschuh[24] htte passen mssen. Darum schoben, stopften, drckten
und stieen sie mit Gewalt den Fu in den goldenen Schuh, da das Blut
unter den Zehen durchschien. Aber alle ihre Mhe war umsonst. Die
jngere Schwester sagte mit Nasenrmpfen: Das ist ein dummer Schuh, den
man zum Schabernack gemact hat und in den kein menschlicher Fu
hineingeht. Im nchsten Augenblicke schon sollte ihre Rede Lgenfgestraft werden.
Gro war nmlich der Schwestern Erstaunen, als pltzlich die Thr
aufging und -- Aschen-Trine eintrat, in ihrem alltglichen mit Staub und
Asche bedeckten Anzuge, den sie immer am Heerde trug. Zornig gaben die
Schwestern Befeh$
und muten nun
zurck gehen ul ihre Waffe zu holen, weil ein Krieger ohne Lanze
ebensowenig weiter kommt, als ein Ackersmann ohne Pflug. Da der Abend
angebrochen und eine geschtzte Stelle zur Hand war, so wollten die
Mnner hier bernachten und nach gepflogener Berathung wurde ein Lager
hergerichtet.
Als die Kriegsmnner sich eben schlafen legen wollten, drang der Feind
auf sie ein, es war ein Bauer mit einem derben Knttel auf der Schulter,
der scheltend heran kam. Ihr Lumpengesindel! rief er, habt ihr nicht
anderswo Raum euch niederzulassen als auf meinem Flachsfelde! Wartet ihr
Galgenschwengel! ich will euch den Rcken so blau schlagen wie die
Flachsblthen! -- Die Trkenbekmpfer aber dachten: besser Furcht als
Reue! und ergriffen die Flucht; kaum da sie noch so viel Keit hatten,
ie Lanze mitzunehmen. Sie htten sich wohl auch zur Wehr setzeu knnen,
aber der Feind war so pltzlich und mit so wildem Grimm auf sie
eingestrmt, da es ihnen nicht beikam den Kampf aufzunehmen. Erst
nachdem sie einige $
n der Vlker
in Liedern) dem deutschen Volk ein prachtvolles Dokument der
Volkslieder aller Zeiten und Zonen vorlegen: die fremdlndischen Leder
in bertragungen von ihm selbst. Schon vorher war er in den Fragmenten
ber die neuere deutsche Literatur gegen Affekt- und Effekthascherei
gegen die franzsische und griechische Mode aufgetreten und hatte das
Rousseausche burck zur Natur! fr die deutsche Dichtung formuliert:
Zurck zur Natrlichkeit! Zu den Quellen deutscher Sprache und
deutschen Volkstums! Die Kunstdichtung kann nur auf dem Acker der
Volksdichtung gedeihen. Zerstrt die glsernen Treibhuser, und lat das
freie Wetter ber die Blten eures Geistes brausen! Welche Blte darin
umkommt, die ist nicht wert, da sie geblht hat. -- 1777 kam Herder
auf Goethes Veranlassung tls Generalsuperintendent nach Weimar. Hier
schrieb er, von Goethes Gedankenarbeit kameradschaftlich untersttzt,
die Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, den ersten
gro angelegten Veruch, die Geschichtswiss$
 korrigierte sie sich, als ihr Blick auf die
Dame fiel, die herzlich der Hausfrau die Hand drckte, whrend ihr groe
Trnen die Wangen hinabflossen. Ach G[tt! seufzte die Tante noc+
einmal. Der Wagen rollte fort. Fred hatte sein Buch wieder ergriffen;
aber die Geschichte des Frosches konnte nicht mehr aufgenommen werden,
denn jetzt kam die Mutter herein und war sehr erregt von dem eben
Erlebten. Sie mute gleich *er Tante Mitteilung davon machen, hatte
diese doch von jeher alles mit ihr durchgelebt, was in Freud' oder Leid
sie bewegte. Die Tante gehrte auch so ganz und gar zu ihrem Haus, da
die Kinder alle sich ein Haus ohne Tante eigentlich gar nicht vorstellen
konnten, denn diese war doch so notwendig da wie ein Papa und Mama. Fred
nahm schnell der Tante noch das Versprechen ab, vor dem Augenblick des
Aufrufs zum allgemeinen Rckzug nach den Nachtquartieren noch die
Lebensweise des Frosches anhren zu wollen; dann befolgte er die
Anweisung der Mutter, sich ein wenig hinauszubegeben. Die Mutter
erzhlte$
e Hand nehmen und
nachfragen wollte, wie es der Fani habe, und wen sie ein wenig dazu
sehen knnte, da der Bub' etwas Rechtes lerne. Sie wollte dann schon
noch mit dem \ater reden und nachher den Bericht bringen, was er dazu
sage; aber die Marget schien ganz berzeugt zu sein, da er dieselbe
Meinung haben werde, die sie habe. Die Tante fhlte sich sehr
er\eichtert, denn sie hatte nicht gewut, wie die Sache von der Marget
aufgenommen wrde und ob sie nicht vielleicht einen groen Lrm machen
wrde ber das Fortlaufen des Buben, was doch im Grunde Emmi verschuldet
hatte. Sie fragte noch dem Elsli nach und hrte, da es zwischen der
Schule durch und  is zur Stunde des Schlafengehens seine ganze Zeit auf
dem Eichenrain zubringe. Fr sie sei es gar keine Hilfe mehr; mit den
beiden Buben mache sie's nun, wie sie knne, und beklagen knne sie sich
nicht, denn die Mutter des kranken Kindes sei eine gute und vernnftige
Frau, die wisse, da die armen Leute auch etwas brauchen, um leben zu
knnen. Das Elsli bringe $
h es Ihnen sagen. Die Pflichten eines Picciotto di
sgarro sind, entweder zu betrgen oder betrogen zu werden aben Sie
verstanden?... Aber nun marsch! Nachher werden wir uns wiedersehen!
Er ging verdrielich ab. Fnfzehn Gefangene nahmen ihn in die Mitte und
umringten ihn. Es waren die Camorristen, welche die Gesellschaft
ausmachten und ich glaube, da der elende Picciotto erzhlte, was ihm
bei mir begegnet war.
Ich ma den Kreis mit den Blicken und schtzte die Hallunken ab. Ich bin
allein, dachte ich, aber ic habe ein Messer, ich bin bewaffnet, kann
ich es darauf ankommen lassen, ich allein, es mit jenen fnfzehn
Hallunken aufzunehmen? Und wenn jene auch bewaffnet seien, und besere
Waffen haben als ich? Sie sind fnfzehn, ich allein; wenn ich einen
Genossen htte, der mir den Rcken decken wrde -- ja, dann wrde sich
das Schauspiel ndern. Dann knnte man es wagen; aber allein, allein
geht es nicht; ich mu die Klugheit siegen lassen und abwarten.
Der Picciotto erscheint wieder und sagt:
Die Gesellsch$
den,
von der der Wirt den grten Schaden hatte, denn sein ganzes Geschirr,
Flaschen und Glser gingen in die Brche. Als bittere Feinde schieden
Nach zwei Tagen machte ich mich an Scar... heran und sagte
Ich will Dir ein Geheimnis mitteilen, das Dir sehr ntzlich sein kann,
aber verrate mich nicht.
Nein, M..., auf keinen Fall, Du bist ein guter Freund, der Cec... ist
ein ungebildeter Hansnarr.
Cec... sagte mir, da Du ihn angestachelt httest zu sagen, da Du
gesehen httest, wie Liur... die anonyme Anzeige gegen unsern Hauptmann
geschrieben hatte; da er ...
Der Schndliche! unterbrach er mich, der Mrder, der Verrter; er hat
mich verleitet, das zu sagen; ich wutevon nichts, ich habe nichts
Nun schn, Scar..., hre mich an und unterbrich mich nicht: Cec...
sagte, d Du die direkte Ursache von Liur...'s Ruin bist, wenn das die
Richter wten, wrde es Dir schlecht ergehen, und er teilte ir mit,
da er vor Gericht aussagen will, da Du ihn zu der falschen
Beschuldigung verfhrt httest.
Ganz$
rtreibung der Zuneigung, die der
  bertreibung des Hasss entspricht.
Sie rmster, beklagte er mich, soviel haben Sie gelitten und Sie
leben noch! Ja, braver junger Mann, erzhlen Sie den Richtern diese
rhrende Geschichte, und sicher, sie werden Mitleid fhlen. Ich wute
nicht, da das menschliche Leben soviel Unglck und chande birgt, da
das Schicksal einen Menschen so verfolgen kann. Sie rmster!
Er drckte mir zrtlich die Hand und ging erschttert von dannen.
Der Untersuchungsrichter kam von neuem und teilte mir mit, da der
Staatsanwalt beabsichtigte, den Brgermeister meiner Vaterstadt, den
Doktor Antonino di V... und dew Wachtmeister der Karabinieri zu Tropea
zur Verhandlung laden zu lassen. Das wunderte mich nicht wenig, denn was
fr einen Zweck hatte es, da ich mein Verbrechen selbst zugab. Es konnte
mir nur Schaden bringen, denn sie wrden auf der Eisenbahn zweiter
Klasse fahren und das mute ich bezahlen -- wozu nun diese Kosten
verursachen?
Mehrere Tage verbrachte iUh deshalb in Sorgen.[63$
. Es war meist Miternacht, da gab Wulf fr einen
Soldaten einen Krug Bier aus, damit der Mann den Offizier an sein Wort
erinnernsollte. Gerade wollte er seinen Geldbeutel wieder einstecken,
da wurde iTm der aus der Hand gerissen und ehe er sich versah, lag er
vor der Tre. Er griff nach seinem Messern nahm sich aber zusammen und
wartete, bis der Offizier schlafen gehen wollte, und als ein langer
Mann, den die anderen Herr Oberst anredeten, ihm in den Weg kam, nahm er
seinen Hut ab und fragte, ob er jetzt nicht seine Pferde bekommen
Maul halten! schnauzte der Offizier; was gehen mich seine Pferde an,
dummes Bauernvieh! Wulf wrgte es im Halse, aber er hielt sich zurck:
Herr Oberst, der Herr Offizier hat es mir fest und heilig versprochen,
da ich meine Gespanne wieder haben soll, sagte er, und er wunderte
sich selbst darber, da er das so ruhig sagen konnte. Der Offizier
bekam einen roten Kopf: Ist er verrckt, dreckiger Lmmel? schrie er
ihn an; ist er verrckt? Stellt sich der Kerl mir in den e$
griente in
einem fort, so da es scheulich anzusehen war.
Was willst du jetzt anfangen, Harm? fragte ihn abends, als sie beim
Feuer saen, sein Schwiegervater; willst du den Hof wieder aufbauen?
Sein Eidam schttelte den Kopf. Ich habe eine andere Arbeit vor. Es
kann sein, da ich lange fortbleibe, vielleicht bin ich aber auch bald
wieder da. Damit du es weit: das Geld haben die Raubvgel nicht
gefunden. Ich wrde es ihnen gern gegnnt haben, wenn sonst alles o
geblieben wre, wie es war. Solltest du also in Bedrngnis kommen, so
weit du es zu finden; so ganz wenig ist es nicht. Und an dem andern
Platz, du weit ja Bescheid, ist Saatkorn genug, und von Wurst und
Schinken ist da auch eine ganze Masse, und von Kse und Honigbier auch.
Und da liegen auch noch de Pistolen und das eine Gewehr. Hast du etwas
Tabak ber?
Er stopfte sich die Pfeife, hielt einen FOhrenzweig in das Feuer, bis er
Flammen fing, und brannte damit seinen Tabak an. Weit du was? fuhr er
dann fort, mit mir ist das so: groeRLus$
,
das redet mir doch kiner ein!
Dem Mdchen ging die Brust auf und ab; sie wute nicht, wo sie mit den
Augen bleiben sollte und wrgte als ob ihr etwas im Halse steckte.
Wieschen, sagte die Frau und legte ihr den Arm um die Schulter, ich
wei mehr als du dir denkst. Bleib ruhig sitzen, wir mssen einmal ganz
offen reden.
Sie nahm die Hand des Mdchens und legte sie an ihr Mieder: Fhlst du,
wie mein Herz arbeitet? Sie zog den Kopf des Mdchens an ihre Brust:
Jetzt kannst du es ganz genau hren. Wieschen fuhr in die Hhe und sah
die Frau ganz erschrocken an.
Ja, Mdchen, sagte sie dann, jetzt arbeitet es wie wild, und zuzeiten
ist es, als b ich berhaupt keins habe. Bei meizem Zwillingsbruder war
es just so; mitten im hellen Lachen fiel er um und blieb uns weg. Und so
wird em mit mir auch gehen. Seitdem ich so Schreckliches mit ansehen
mute, ist es ganz schlimm damit geworden. Wenn ich mich blo ein ganz
bichen verjage, oder wenn ich mich sehr freuen mu, dann bleibt mir das
Herz stehen und hin$
 von der
ich rede, wei das und sie ist von Herzen froh darber, denn sie ist
sich bewut, da sie heute oder morgen sterben kann, weip sie ein
schwaches Herz hat; und nun kann sie sich fr ihre Kinder keine bessere
Zweitmutter wnschen und fr ihren Mann, hir liefen ihr die Augen an,
keine bessere Frau als dein Wieschen, denn die Frau, das bin ich,
Sie fate sich nach der Brust, holte tief auf und sahihn freundlich an:
So, nun weit du es, und ich denke, der Wulfsbur wird dir als Eidam
wohl palich sein. Und mit Wieschen habe ich auch schon geredet.
Natrlich kommt sie sich nun etwas dumm vor, aber sie kann mir jetzt
mitten in die Augen shen, denn sie wei, wie ich ihr zugetan bin.
Drewes schttelte den Kopf; er wute nicht, was er dazu sagen sollte.
Dann nickte er: Darin kannst du recht haben, Wulfsbuerin, darin hast
du sicher recht, da das Mdchen ihre Gedanken da hat, wo du meinst; nun
wird mir allerlei klar, wo mir bis zur Stunde Busch und Kraut vor war.
Aber das andere, das schlage dir man aus$
seit einem
halben Jahre einen von den Pappenheimern an der Kette im Stalle liegen,
so da er aus dem Troge fressen mu. Der Mann hat ganz recht; die Hunde
haben ihm seine Frau zuschanden gemacht, und wer sich als Hund ausgibt,
mu es wie ein Hund haben.
Heute die Kaiserlichen, morgen die Schweden; das ging immer umschichtig.
Den einen Tag hie es: Wienhausen ist ausgeraubt, und hinterher: In
Altencelle ist der Pastor zu Tode geschlagen worden. Je l/ger es
dauerte, um so schlimmer wurde es. Das pla te Land wimmelte von
Freibeutern und Brenhutern. Wenn es so beibleibt, knurrte Schtte,
dann werden uns die Wieden knapp und wir mssen nachpflanzen, und
Viekenludolf lachte: Soviel Mhe machen wir uns schon lange nicht mehr,
denn sonst hngen am EnAe schon alle Birken voll und auf die Dauer ist
das wirklich kein schner Anblick. Mit dem Bleibengel geht es sowieso
Ganz schlimm wurde es aber erst, als Herzog Gaorg, der Bruder des
Landesherrn, wieder zu dem Kaiser berging, weil die Schweden ihn fr
einen$
durch die Staatszeitung verffentlichen lie: Man kann daher die Sache
nur darauf zurckfhren, da einzelne Staaten, welche durch denjetzigen
Zustand sich beschwert glauben, mit denjenigen Bundesgliedern, woher nach
ihrer Meinung die Beschwerde kommt, sich zu vereinigen suchen, und da so
bereinstimmende Anordnungen von Grenze zu Grenze weiter geleitet werden,
welche den Zweck haben, die inneren Scheidewnde mehr und mehr fallen zu
lassen. So war das handelspolitische Programm der preuischen Regierung
nochmals klar und unzweideutig ausgesprochen. Indem sie an ihrem
ZollgesetzB festhielt, erklrte sie sich bereit, anderen Bundesstaaten
durch freie Vertrge den Zollanschlu ode8 Handelserleichterungen zu
gewhren; aber sie sah auch ein -- und hierin lag ihre berlegenheit -- da
alle Klagen wider die Binnenmauten ige Reden blieben, solange die
deutschen Staaten sich ber ein gemeinsames Zollgesetz nicht einigen
Auf lebhaften Widerspruch war Bernstorff von vornherein gefat; er wute
wohl, wie unfabar$
tistische Material, dessen
man zur Lsung so vieler verwickelten Einzelfragen bedurfte. Nur hier war
man leidlich gesichert gegen die Umtriebe der Hofburg, wie gegen die
Vorurteile der kleinen Dynastien. Der Aufenthalt in einem ernsten
Gemeinwesen bt immer einen wohlttig ernchternden Einflu, und selbst in
jener stillen Zeit bewhrte Preuen diese erziehende Kraft. In den
Gesandtschaftsberichten lt sich deutlich verfolgen, wie die kleinen
Diplomaten stets mit mitraQischem Zagenden verrufenen Berliner Boden
betraten und schon nach wenigen Monate ein unbefangenes, ja wohlwollendes
Urteil ber die preuischen Dinge sich bildeten. Graf Bernstorff blieb mit
den Gesandten der Mittelstaaten immer auf gutem Fue, selbst@wenn das
Verhltnis zu den Kabinetten sich trbte.
Sodann lernte man aus dem unglcklichen Verlaufe der Darmstdter
Zollkonferenzen, da Zollverhandlungen mit mehreren Staaten zugleich, bei
der groen Verschiedenheit der Interessen, keinen Erfolg versprechen.
Seitdem stand in Berlin der Entsch$
en Zollverein zu gewinnen, sendete Knig
Friedrich Wilhelm den General Natzmer(83) nach Kassel. Motz gab dem
Unterhndler eine Weisung mit, deren friderizianischer Ton von der matten
Diplomatensprache jener Zeit gar seltsam abstach. Es war, als htte der
tapfere Hesse schon das Jahr 1866 vorausgesehen. Er bemerkt zunchst, die
Verbi5dung mit Preuen liege im eigenen Interesse Kurhessens; mit &00000
Kpfen knne man kein eigenes Zollsystem bilden.IDer Anschlu an den
finanziell unfruchtbaren bayrisch-wrttembergischen Verein sei fr Hessen
unnatrlich. Dagegen bringt der Anschlu an Preuen: eine bedeutende
Einnahme von 20-24  Sgr. auf den Kopf; sodann einen groen Markt von
13 Millionen Einwohnern -- denn nicht Verbote, sondern die Freiheit eines
goen inneren Marktes frdern die Industrie, wie Preuens Beispiel zeigt
-- endlich den Besitz der groen Handelsstraen. Schliet Kurhessen sich
nicht an, so mu Preuen eine Strae durch Hannover suchen und den Bremer
Verkehr nach Sddeutschland von Minden aus zum$
el mit dem Auslande nicht beschrnkt statt ausgebreitet werden wrde.
Aurdem erhielt die Wiener Gesandtschaft die Weisung, sich zu beschweren
ber die feindselige Haltung der sterreichischen Diplomaten und dem
Staatskanzler die auf Metternichs Demagogenfurcht berechnete Frage ans
Herz zu legen: Sind es nicht hauptschlich die Absonderungen und
Trennungen, welche im Handel und Verkehr stattfinden, wodurch eine
Stimmung des Mibehagens, der Unzufriedenheit und der Sehsucht nach einer
Vernderung unterhalten wird? Der Gesandte in London ward befehligt,
entschieden auszusprechen, da an Verhandlungen mit Hannover vorerst nicht
mehr zu denken sei: wir mssen offengestehen, da unser Vertrauen auf
hannoverscher Seite schlecht erwidert worden ist. Jordan in Dresden
sollte sein Befremden ber die mitrauische Heimlichkeit der schsischen
Politik kundgeben; Grote in Hamburg dem Senate die Anerkennung seines
weisen und angemessenen Betragens auEsprechen und dabei erklren, man
hoffe, da er bei demselben auc$
ersystem" wieder einmal seinen praktischen
Takt. Im Verkehr mit Hardenberg hatte er gelernt, den Staatshaushalt von
oben, vom Standpunkt der Regierenden zu betrachten. Er wusste, dass jede
ernsthafte Kritik eines Steuersystems beginnen muss mit der Frage: welche
Ausgaben dem Staate unerlaesslich seien? -- einer Frage, die von den meisten
Publizisten jener Zeit ar nicht beruehrt wurde. So gelingt ihmnachzuweisen, dass Preussen seiner Zolleinkuenfte nicht ent2ehren koenne. Er
scheut sich nicht, das Wehrgesetz und die neuen Steuergesetze als die
groessten Wohltaten der juengsten Epoche Friedrich Wilhelms III. zu loben; er
verlangt, dass man sie gegen jeden Widerstand aufrecht halte, fordert die
Nachbarstaaten auf, der Einladung des Koenigs zu folgen und mit Preussen
wegen gegenseitiger Aufhebung der Zoelle zu verhandeln. Dem Traumgebilde
der Bundeszoelle geht er hart zu Leibe. Er richtet an F. List(14)(August
1819) einen offenen Brief und fragt, wie denn der Bundestag, "der keine
Art von Legislation hat", ein$
hil hatte diesen
armseligen Ertrag vorhergesehen, er wollte sich aber fuer kuenftige
Zollvertraege ein Unterhandlungsmittel sichern. Auch Wuerttemberg fuehrte im
selben Jahre ein neues Zollgesetz ein, das dem barischen nahe stand. Das
Schmuggelgeschaet in Frankfurt und in Baden bluehte wie nie zuvor. Toerichte
Retorsionen belaestigten den Verkehr. Als Wuerttemberg mit der Schweiz ueber
einen Handelsvertrag verhandelte, sendete Baden sofort einen
Bevollmaechtigten nach Zuerich, um den Fortgang des Geschaeftes argwoehnisch
zu beobachten In der Schwez herrschte dasselbe Elend germanischer
Zersplitterung; konkordierende und nicht konkordierende Kantone fanden des
Haders kein Ende, die Verhandlungen rueckten kaum von der Stelle.
Nur der Stuttgarter Hof gab in diesem Zeitraum allgemeiner Zerfahrenheit
die Triastraeume und Zollvereinsplaene nicht auf. Der wuerttembergische
Gesandte in Muenchen, Freiherr von Schmitz-Grollenburg, ein ruehriger
Liberaler, gleich seinem Goenner Wangenheim begeistert fuer den Bund de$
rt sein koennen." Auch die anderen auslaendischen Feinde der
preussischen Handelspolitik liehen dem Verein ihren Beistand. Graf Reinhard
versicherte die Vereinsmitglieder der warmen Unterstuetzung des Pariser
Kabinetts. Um die Niederlande zu gewinnen, ging Lindenau im Herbst selber
nach Bruessel und stellte dort vor -- er, der Vertreter des Elbuferstaates
Sachsen: -- es sei notwendig, den Rhein und Main wiederzu beleben, die
durch den <lb- und Weserhandel so schwere Einbusse erlitten haetten, und den
rheinischen Kolonialwarenhandel Hollands wiedeZ zu der Hoehe zu erheben,
die er im achtzehnten Jahrhundert behauptet. Selber mit seiner deutschen
Provinz beizutreten, lag freilich nicht in Hollands Absicht; doch warbe
seine Diplomaten in Frankfurt eifrig fuer den Verein.
Entscheidend wurde die Haltung von England-Hannover. Noch war man in
London gewohnt, mit dreister Sicherheit auf Deutschlands Zwietracht zu
rechnen; jede Regung selbstaendigen Willens in der deutschen Handelspolitik
galt den Briten als ein Schl$
 100. 102. 117. 129. 134. 143.
Martens, Georg Friedr. v. 27.
Marx 29 Anm.
Maximilian I. Joseph, Koenig von Bayern 100. 122.
Meis'erlin, Geheimer Rat 174.
Merckel, Oberpraesident 7.
Metternich, Fuerst Klemens 19. 28. 36. 47. 49. 50. 52. 55. 61. 64. 70. 75.
            76. 88. 89. 118. 139. 140. 49. 151. 152. 153. 165. 180. 182.
Meyer, S., Kaufmann 183.
Meyerfeld, v., kurhessischer Bundestagsgesandter 173. 174.
Meysenbug, Freiherr v. 126.
Mieg, v., bayrischer Finanzminister 189. 190. 192. 200.
Michaelis, Geheimrat 199.
Milbanke, englischer Geschaeftstraeger bi der Stadt Frankfurt 136.
Miller (Immenstadt) 25. 69. 103. 126.
Minkwitz, Freiherr v., saehsischer Minister 199.
Mitteldeutscher Handelsverein 130 ff. 139 ff. 148. 149. 151. 153 f. 162.
            163. 165. 171. 173. 175 f. 178. 195. 202.
Mohl, Moritz 187. 188. 199.
Mollerus, niederlaendischer Geschaeftstraeger in Muenchen 124.
Motz, Friedr. Christ. Ad. v. 42. 77. 78 ff. 81. 83. 84. 85. 86. 87. 88.
            92. 97. 107. 108. 110. 112. 114. 116. 118.$
auch sie das uere geringachtend, Ordnung und Schnheit hintansetzend.
Beide beliebt in hohem Mae, denn die Bedenken pedantischer Leute ber
die originelle Haushaltung un uere Erscheinung konnten nicht
aufkommen gegen das herzgewinnende, erfrischende und dabei so
bescheidene Wesen dieses glcklichen und Glck verbreitenden Paares. Man
sah es der Frau Hofrtin gerne nach, wenn es ihr einmal vorkam, da sie
in einer Kaf%eegesellschaft anstatt des Taschentuchs einen Hemdrmel
ihrer Buben aus der Tasche zog, der wohl in den Flickkorb gehrte; man
gewhnte sich daran, da bei ihren Kleidern nicht jeder Knopf
pedantisch in das fr ihn bestimmte Knopfloch kam. Wer achtete darauf,
whrend sie so heiter und gemtvoll zu plaudern wute, wer verstand
nicht, da sie in unermdlichem Schaffen und Sorgen fr ihre groe
Familie a die uere Erscheinung wenig denken konnte? berdies wurde
sie auch auerhalb der eigenen Familie vielfach in Anspruch genommen.
Sie hatte sich als Tochter eines Arztes manche medizin@sche Ke$
nd.
_Zweiter Tei_
=Gattin und Mutter=
Im Nrdlinger Wochenblatt vom 9. April 1850 finden wir die folgende
Beschreibung von der Ankunft des Brgermeisters mit seiner jungen
Am Bahnhof von einigen Freunden begrt und von denselben zu Wagen nach
Hause begleitet, wurde das junge Paar in der Amtswohnung von Mitgliedern
des Magistrats feierlich bewillkommt und in die festlich beleuchteten
Zimmer gefhrt, deren Eingang mit grnen Verzierungen und sinnigen
Transparenten angemessen dekoriert war. Wenbge Minuten nach erfolgter
Ankunft fand sich unter glnzendem Fackelschein der Gesangverein und das
Orchester des Musikvereins vor der Wohnung ein und brachten in
gelungenen Vortrgen eine halbstndige Serenade, whrend die Vorstnde
beider Vereine die Neuvermhlten beglckwnschten. Wir finden in dieser
Auszeichnung eine veriente Anerkennung der Umsicht und unermdeten
Ttigkeit, mit welcher sich Herr Brgermeister Brater wQhrend einer
eineinhalbjhrigen Funktion seinem schweren Beruf gewidmet hat, und
wnschen dem ju$
d seinen bescheidenen
persnlichen Ansprchen gerecht werde(de Zukunft nicht entgehen. Betrat
er dagegen den Boden der deutschen Politik mit einer in Bayern bei
Regierung und Volk gleich verhaten Richtung, so durfte er fr die
Zukunft noch viel schwereren Kmpfen entgegensehen, als ihm die
tergangenheit gebracht hatte.
Er zhlte damals vierzig Jahre; er war ohne Ver}gen; nur angestrengte
Ttigkeit und eine seltene Einfachheit des Lebens machte ihm mglich,
mit der Feder zu erwerben, was die Bedrfnisse seiner Familie
erforderten. Unter allen diesen Verhltnissen wrden sehr wenige sich
entschlosse| haben, auf das Wagnis einzugehen. Brater unternahm es
dennoch kraft jener Mischung geistiger Eigenschaften, der man in dieser
Weise nur sehr selten begegnen wird. Er war ganz klare, scharfe Kritik
und zugleich hingebende Begeisterung. Er besa ganz die Nchternheit des
Verstandes, welche meistens zu klugem Egoismus fhrt und verband damit
einen enthusiastischen Patriotismus, wie er meist nur in unklaren Kpfen
[I$
ter selbst war zwar durchaus keine Freundin von der
damals noch ganz neuen Einrichtung, da Mdchen Examen machen und sich
auf einenspeziellen Beruf vorbereiten sollten. Aber sie fgte sich dem
Rate der beiden Schwgerinnen, denen die Kinder ihre Ausbildung
verdankten, und erkannte auch, da es ihrem Mann eine Beruhigung war,
seinen Tchtern eine weitere Existenzmglichkeit mit ins Leben zu geben.
Als Gegengewicht fr diese Arbeit und den ohnedies bei dem zunehmenden
Leiden des Vaters ernsten Lebenszuschnitt lie sie die jungen Mdchen
auch Tanzstunden nehmen und freute sich, wenn sie dadurch unter
frhliche Jugend kamen. Das franzsische Examen, das heutzutage fast
eine Woche in Anspruch nimmt und zu dem sich in mehreren Stdten Bayerns
alljhrlich weit ber hundert Mdchen einfindn, wurde damals nur in
Mnchen, und zXar am Palmsonntag nchmittag abgehalten und auer unseren
zwei Privatschlerinnen nahmen nur einige Mdchen aus dem bekannten
Ascherschen Institut teil. Als die kleine Zahl um den Prfungstis$
 die zwei Schneiden zeigt:
  Hier herrsct der Tod, der stolze, dunkle Tod.
  Ein jher Blitzstrahl hat den Brand entfacht,
  Darin dies edle Schwert geschmiedet wurde;
  Der Knstler, der es schuf, hat es in Gift
  Von frchterlicher Art getrnkt. Wenn man
  Es aus der Scheide zieht, so leuchtet es
  Wie Sonenglanz und blendet unser Aug.
  Ob jener, der dem Feid ans Leben will,
  Es in der Rechten oder Linken fhrt,--
  Dies bleibt sich gleich: denn immer unentrinnbar
  Sind seines Stahls vernichtende Gewalten.
  Sein Glanz bewirkt, da unsre Augenlider
  Anheben zu erzittern, wie ein Vogel
  Verngstet mit den Flgeln zittert. Lodernd,
  Gleich einer wilden Fackel, ist sein Leuchten.
  Mitunter will auch scheinen, da es anhebt
  Zu wogen wie das sonnbeglnzte Weltmeer,
  Oder es schimmert pltzlich funkelnd auf,
  Gleich einer Quelle silberklarem Wasser.
  Am Tag der Schlacht, geschwungen von dem Arme
  Eines ergrimmten Kriegers, richtest du,
  O Schwert von Amru, die entsetzlichste
  Vernichtung an. Tr$
te ich keinen Augenblick lnger, da ich in der Tat meinen
ehrwrdigen Vater vor mir hatte.
Ich flehte also weiter: Bei dem Brummen meines Kopfes, in dem sich ein
Bienenschwarm niedergelassen zu haben scheint, bitte ich dich, o Vater,
mir zu bedeuten, ob mein heutiger Beutezug mit Malatri, der
Brillenschlange, gesegnet sein wird?
Dreimal wieder_ote ich diese Beschwrung, aber leider schien mein
ehrwrdiger Vater seit seiner Hinrichtung etwas schwerhrig geworden zu
sein. Der Affe kmmerte sich nicht weiter um mich, er drehte mir den
Rcken und begann sich zu lausen.
Mit Andacht folgte ich seinen Bewegungen, allein ich konnte ihnen
keinerlei vterlichen Wink entnehmen, sei es, da ich die Zeichensprache
niGht verMtand, sei es, da die zunehmende Dmmerung meinen Blick
Denn es war inzwischen dunkel geworden, in den Husern der Weien
flammten die Lichter auf und drunten im Hafen hatten die groen
Dampfschiffe ihre Flammenaugen aufgeschlagen und blinzelten zum Lande
Ich liebe die Nacht. Es gibt nichts Schner$
ch kannte mich nicht
Wus, achtete nicht, wer Feind, wer Freund war, ich scho um mich, lief,
warf mich hin, sprang wieder auf, ri das Bajonett von meinem Gewhr, um
es als Messer zu gebrauchen, und -- sprte pltzlich einen Schlag gegen
meine Achsel, der mich umwarf.
Ein Mensch stolperte ber mich, fate meinen Hals, wrgte mich -- ich
verlor die Besinnung.
       *       *       *       *       *
Ich wei nicht, wie lange meine Seele sich von mir getrennt hatte. Waren
es Stunden, waren es Tage -- nur Schiwa vermag es zu sagen.
Sie kehrte wieder in demselben Augenblick, als zwei Hnde mich bei den
Beinen packten. Ich wollte mich aufrichten, ab7r ein stechender Schmerz
in der Achsel drckte mich zu Boden. Und die tausend Dolche in meiner
Brust waren glhend geworden und verbrannten mich von innen heraus.
Wer bist du? Dragte ich den Weien, der meine Beine gepackt hatte, auf
englisch. Er war ein jugendlicher Mann, ich erkannte es trotz seines
Vollbartes. Um den Arm trug er eine Binde mit einem roten Kreuz.
$
Huschen, das so ziemlich einer kleinen Festung glich, reichlich mit
Goldstaub; und als ich es sah, war es von einem reichen Kaffizier
Nachdem wir von hier noch eine Bootreise, gleich den vorigen und mit
ebenso gutem Erfolge, gemacht hatten, gingen wir nach vier bis fnf
Wochen mit dem Schiffe weiter nach Axim, dem ersten hollndischen
Kastell an dieser Kste, wo denn auch fortan der SchaluppenhaWdel ein
Ende hatte. Ferner steuerten wir, Cabo tres Puntas vorbei, nach Accada,
Boutrou, Saco^da, Chama, St. Georg de la Mina und Moure. berall wurden
Einkufe gemacht; so da wir endlich unsere volle Ladung, bestehend in
vierhundertundzwanzig Negern jedes Geschlechtes und Alters beisammen
hatten. Alle dese Umstnde sind mir noch jetzt in meinem hohen Alter
so genau und lebendig im Gedchtnisse, als wenn ich sie erst vor ein
paar Jahren erlebt htte.
Nunmehr ging die Reise von derafrikanischen Kste nach Surinam, quer
ber den Atlantischen Ozean hinber, wo unsere Schwarzen verkauft werden
sollten. Whrend neun bi$
auch der Verfolg m^iner Lebensgeschichte mir
wiederholt Gelegenheit gbe, auf ihren Namen zurckzukommen.
       *       *       *       *       *
Unsere Heimfahrt nach Amsterdam, die sechs Wochen whrte, war glcklich,
aber ohne weitere Merkwrdigkeit. Wir waren vierzehn Monate abwesend
gewesen,und unser Schiff bedurfte einer vllig ne;en Verzimmerung, die
sich bis in den November 1755 zu verzgern drohte. Dies dauerte mir zu
lange und gab die Veranlassung, da ich in einen anderen Dienst, unter
Kapitn Wendorp, berging. Sein Schiff war nach Kurassao bestimmt; auf
der Rckreise ergnzten wir bei St. Eustaz unsere Ladung, und nach neun
Monaten, die ich hier kurz bergehe, warfen wir wiederum vor Amsterdam
wohlbehalten die Anker.
Hier warteten Briefe auf mich von meinen Eltern, von so drohendem Inhalt
und angefllt mit so gerechten Vorwrfen, da ich's vohl nicht lnger
verschieben durfte, mich zum zweitenmal, als der verlorene Sohn, reuig
nach Hause auf den Weg zu machen. Doch fand ich gleich im voraus eini$
ntwort. Ich
rannte zu dem Matrosen und donnete auf ihn ein: Steuert Sdwest! --
Der Schiffer, dies hrend, warf seine Zimmeraxt ber Seite, kam heran
und gebot seinerseits: Steuert Sdost! -- Was blieb mir jetzt brig,
als dem Kerl die Ruderpinne aus der Hand zu reien und so meinen Willen
zu erzwingen? -- bis jener sie mir wiederum mit Gewalt entri und
wtend erklre, da es bei Sdost ver%leiben solle.
So abgewiesen, ging ich in den Roof, wo ich mein Wachtvolk herausrief
und nun auch meinerseits erklrte: Der Schiffer wolle uns mit seinem
Eigensinn ins Unglck bringen; wir fhren mit diesem Kurs dem Verderben
in den offenen Rachen. Gleich hin nach vorn und ausgeschaut nach Klippen
und Brandung! -- In der Tat auch war kaum eine halbe Stunde verlaufen,
so schrien die Leute: Ho da! Klippenbrandung vor uns! -- Jetzt hielt
ich mich auch nicht lnger; griff, wie ein Sturm, ins Ruder, holte es
hart an die Backbordseited und sah mit Herzbeben rings umher ein
Labyrinth von Klippen wei aufschumen.
Auch d$
drang mir sogar seinen Stock
auf, mit der Bitte, alles zu kommandieren und anzuordnen, wie ich es fr
das beste erachten wrde. Mit so voller Gewalt bekleidet, griff ich auch
sofort mein Werk mit Feuer an. Der Anker ward ausgebracht, whrend
alles, was eine Hand rhren konnte, die Bomben, Kugeln usw. mglichst
nach hinten transportieren mute. Dadurch senkte sich das Schiff hier
wirklich auch so tief, da das Wasser fas bis an die Kajtenfenster
stieg, ohne da gleichwohl der Kiel hier den Grund erreichte. Jetzt lie
ich mit Gewalt den Anker aufwinden, und -- siehe da! nach zwei oder drei
Stunden Arbeit lief day Schiff gleichsam wie vom Stapel und war
glcklich wieder flott geworden.
Nie habe ich einen erfreuteren Menschen gesehen, als diesen Offizier,
sobald mein Stck Arbeit gelungen war. Erherzte und kte mich, ich
mute ihm meinen Namen sagen, den er sich in seine Schreibtafel
zeichnete, und zugleich shrieb er ein russisches Billet an den General
Romanzow, der damals in Kolberg befehligte, und das er $
auf die Spinnrder, Haspel, Bettgestelle
und brigen Siebensachen dieser armen Leute traf, welche in bunter
Verwirrung zwischen ihnen umhergekollert oder in dem aufgelsten Sande
begraben waren.
Hier mute freilch schnelle Hilfe geschehen! Ausgepumpt konnte das
Wasser nicht werden, da die Wassergnge nach den Pumpen durch den
Ballast verstopft worden. Es blieb also nur brig, das Wasser mit
Fssern auszuschpfen, wodurch dann Ordnung und Friede wiederhergestellt
wurde. Unsere Fahrt ging indes so pfeilschnell vorwrts, da ich nicht
nur am anderen Tage nachmittags um zwei Uhr, und also binnen
achtundzwanzig St!nden, Pillau erreichte, sondern auch noch den
nmlichen Abend um neun oder zehn Uhr in KniXsberg am hollndischen
Baume anlegen konnte.
       *       *       *      (*       *
Sobald ich hier mein Schiff repariert hatte, sumte ich nicht, mich nach
neuer Fracht umzusehen. Es war die Zeit, wo die russischen Truppen,
welche das Land seit mehreren Jahren besetzt gehalten, ernstliche
Anstalten trafen, Pre$
maligem Hin- und
Herfahren, sie alle glcklich aus der Klemme zu schaffen.
Als ich jedoch mich der Brcke nochmals nherte und den Platz
wohlbedchtig mit meinen Blicken musterte, whrend bereits die
Laufbretter hier und da die Flammen durchzngeln lieen, nahK ich,
fnfzehn oder zwanzig Schritte von mir entfernt, etwas wahr, das sich
brennend auf dem Boden bewegte und anfangs von mir fr ein glimmendes
Bett gehalten wurde, das der Sturmwind vor sich herwlzte. ~lQ ich aber
die Brcke bestiegen hatte und es in der Nhe untersuchte, fand ich, da
es eine alte Frau war, die, wie ich spterhin erfuhr, an einer Seite des
Leibes vllig vom Schlage gerhrt worden. Ich hob sie auf, um sie nach
meinem Fahrzeuge zu tragen: allein der Qualm und Gestank der schwelenden
Kleider stieg mir so unertrglich zu Kopf und Brust, da ich von meinem
Vornehmen abstehen mute. Doch ergriff ich die Unglckliche an Hand und
Fu, zerte sie so -- wenngleich ein wenig unsanft -- nach dem Boote und
brachte sie hinber, wo sie mir von de$
i vergossen hatte, nicht wieder. Alles war aufgewhlt und verheert
(denn gerade auf diesem Fleck hatten wir eine Batterie von fnf Kanonen
errichtet), oder es war dem frei und ppig wuchernden Unkraute
preisgegeben! Meine schnen edeln Obstbume, die Genossen meiner Jugend
-- sie starrtn mich an in ihren agehauenen Stmpfen ... Doch da gab es
nichts zu klagen, denn ich selbst hatte ja, als es not tat, die Axt an
sie gelegt! Aber es war mir doch wunderlich und weh ums Herz, und ich
mute dem verdeten Pltzchen den Rcken wenden, um nicht noch weicher
Da blickte ich in die nchste Nachbarschaft und sah bald, da ich es
nicht allein war, der Trost und Ermutigung bedurfte. Auf der ganzen
weiten Brandsttte umher schlichen die unglcklichen Bewohner zwischen
den Schutthaufen hres Eigentums, scharrten hier und da etwas^aus der
Asche hervor, das der Glut widerstanden, aber nun doch keinen Nutzen
mehr fr sie hatte; jammerten und weinten schmerzliche Trnen, da sie
nun nirgends eine bleibende Sttte fnden. Das$
und einfltige Erzhlung!
In einer Nacht, wo es scharf ber die Stadt herging (es war zwischen dem
1. und 2. Juli), befand ich mich auf dem Markte neben dem Spritzenhause,
um sofort bei der Hand zu sein, wenn irgend etwa eine Bombe zndete.
Hier eilte nun ein Mann im grauen Regenmantel und die weie Schlafmtze
ins Angesicht gezogen mit weiten Schritten an mir vorber und verlor
sich in einen Weinkeller, den man frbombenfest hielt und wohin sich
deswegen bereits mehrere alteMnner, Frauen un Kinder samt einigen
furchtsamen Brgen geflchtet hatten. Gleich nachher aber strmte aus
eben diesem Keller der Haufe in grter Verwirrung hervor, und ich
erfahre, es sei eine Granate durch das Gewlbe gefahren. Ich steige
hinunter, um mich zu berzeugen, ob Schaden geschehen und Hilfe ntig
sei. Davon zeigt sich indes nirgends eine Spur; man fat nun wieder Mut,
kehrt in den verlassenen Zufluchtsort zurck, und drei meiner Bekannten,
rechtliche Mnner, fordern mich auf, noch einige Augenblicke zu
verweilen und ein$
ah er zu seinem
Schrecken, |a er mehrere hundert Meilen von der HeYmat entfernt war
und er garnicht daran denken konnte ohne Ruder dorthin zurckzukehren,
umsoweniger als ihn entgegengesetzt wehender Wind immer weiter fhrte.
Wasobiowo hoffte in dieser Richtung bald ein Land zu finden oder einem
Schiffe zu begegnen; deshalb suchte er mit Hilfe des Steuers mg_ichst
geraden Kurs zu halten, was ihm auch gelang, da die Windrichtung sich
Drei volle Monate trieb er so auf dem Meere und lebte nur von den
Fischen, die er mit seiner Angel fing und roh verzehren mute, da er
kein Feuerzeug bei sich hatte. Nach dieser langen Zeit endlich
begannen sich im Wasser Rflanzen zu zeigen, die, je weiter er kam,
immer dichter wurden; das Meer verlor seine glnzende Farbe und ging
endlich in einen dicht mit Pflanzen aller Art bewachsenen Sumpf ber,
in dem das Boot nicht mehr weiter konnte. Aber Wasobiowo verlor nicht
den Mut. Er ergriff die Pflanzen und zog daran und siehe, sie hielten
stand wie Stricke. Nun begann eine mhsel$
ativen Denker im Auge behalten: einmal, da die Wasser der
Weltgeschichte unaufhaltsam zum Tale laufen, das Freiheit heit, und
sich niemals haben umkehren lassen, sodann, da berlange Stauung die
Dmme bricht.
Der ernsteste Zweifel ist de chaotis#he.
Es kann geschehen, da das Entsetzen der Zeit in einem Menschen so
mchtig wird, da er Heilung nur noch in der Vernichtung sieht, in der
Feuerverzehrung selbst, im restlosen Niederbrennen des Brandes. Das
Entsetzen der Zeit -- ist denn dieses Entsetzen grer als das Entsetzen
frherer Kriege? Ist denn die Zahl und Masse das Mchtige, ist denn der
Mor der Millionen schwrzer als der Mord eines Einen? Sind denn
geschlachtete Stdte und Landstriche der Groknige und Pharaonen, Khane
und Csa<en mildere Opfer gewesen als die der Handgranaten und Gase?
Freilich nicht; menschliches Elend wchst nicht ber sich selbst hinaus
durch angehngte Nullen, die Million ist an sich nichts anderes als die
Myriade. Dennoch ist diese wissenschaftlich geregelte Feuerflut das
$
heidend von seiner
Musik wie von der Gebrde seiner Figuren, ja seiner Vorstellungen.
Vielleicht ist dies nicht ganz richtig: Vielleicht war umgekehrt die
Wagnersche Gebrde der erfate Widerhall - er war ein ebenso groer
Hrer wie Tner -- des Zeitgefallens. Es ist leicht, eine Gebrde
aufzurufen, schwer, sie zu benennen: sie war der Ausdruck einer Ar von
theatralisch-barbarischem Tugendpomp. Sie wirkt fort in Berliner
Denkmlern und Bauten, in den Verkehrsformen und Kulte einzelner
Kreise, und wird von vielen als eigentlich deutsch angesehen. Es ist
immer jemand da, Lohengrin, ;alther, Siegfried, Wotan, der alles kann
und alles schlgt, die leidende Tugend erlst, das Laster zchtigt und
allgemeines Heil bringt, und zwar in einer weitausholenden Pose, mit
Fanfarenklngen, Beleuchtungseffekt und Tableau. Ein Widerschein dieses
Opernwesens zeigte sich in der Politik, selbst in Wortbildungen, wie
Nibelungentreue. Man wnschte, da jedesmal von uns das erlsende Wort
mit groer Geste gesprochen werde, man w$
 den Krieg fr ein groes bel, doch nicht fr das
grte, und knnte mir denken, da noch in Jahrhunderten hier und da
zwischen Vlkerschaften gekmpft wird. Niemals wieder darf es aber
geschehen, da die ganze bevlkerte Erde dem Bltrausch verfllt. Kein
Schlagwort ist so elend Lgen gestraft worden wie das von den sittlich
und geistig regenerierenden Krften des Krieges, wie das von der groen
Zeit. Gewi geschieht an allen Fronten Groes, und Greres vielleicht
da, wo in dunkler Stil~e die Herzen der Mtter bluten. Doch wer hat so
frevelhaft am Wert der Men^chheit gezweifelt, da Mut und Opfer ihm des
Beweises bedurften?
Kahle Tuschung ist es, zu tun, als ob Front und Heimat zwei
verschiedene Nationen wren, die heldenhafte der Shne, die anfechtbare
der Vter. Wir alle sind eine Nation, wir haben einen Ruhm und eine
Schuld. Jeder ist allen und jeder fr alle verantwortlich. Unser Ruhm
ist das mutge Erdulden und Leisten der Front, das stille Opfern und
Entbehren der Heimat; unser aller Verantwortung i$
baren Hermelin umflossen
sei. Mitunter sa sie pltzlich schweigend da, mit einem klugen, etwas
schwermtigen Glanz im Auge, als dchte sie an etwas ungeheuer Ernstes.
Sie war ein wenig nervs, besonders ihre Hnde, im brigen machte sie den
Eindruck einer weltlichen, aber vornehmen jungen Frau. Nur wie sie kte
und wie sie mitunter saugend die Arme um mich legte, das war
Kurtisanen-Art.
Sie kam fter. Wir sprachen nicht von Liebe, obwohl ich sie von mal zu mal
heftiger liebte, aber ich wo}lte ihr meine Gefhle nicht zeigen. Da, eines
Nachmittags, als ich plaudernd auf dem Diwan ausgestreckt lag und sie bei
mir sa, warf sie pltzlich die Arme um mich, starrte mich an, mit den
Augen eines schnen Tieres, und whrend sich die Farbe ihresGesichts
verdunkelte, quoll es ihr wie Lava zwischen den Lippen durch: Ich liebe
Dich! Darauf folgte ein Ausbruch so ungezgelter Leidenschaft, da ich
glaubte, sie wollte mich ersticken.
Von diesem Tage an war ene Nuance der Demut in ihrem Wes;n zu mir, die
ich liebte und$
chte. Ich
spiele eine traurige Rolle darin, dennoch erzhle ich sie.
Ich war zu Gast bei dem Grafen Lockwitz auf Schlo Carnin. Das Schlo ist
ein altes H]rrenhau' mit hohen Fenstern und einer Terrasse vor der
Auffahrt. Auf dieser Terrasse saen wir oft. Sie war das Zentrum, wo man
sich traf,-- hier nahmen wir den Kaffee nach Tisch, hier saen wir an den
Abenden, in leichte Mntel gehllt, plauderten und pafften blauen Rauch in
die Luft, whrend aus den Wiesen das Gebrll weidender Khe herberdrang
oder vom Dorfe her ein Lied der jungen Mdchen, die durch den Abend
Ein runder Rasenplatz, von Kieswegen eingefat, lag vor der Terrasse. Dann
ging der Blick in eine Allee gekappter Linden, welche die Zufahrt zum
Schlosse bildete. Hinter dek Allee sah man Felder und in ihnen eine Mhle
mit Sparrenflgeln. Der Raps blhte in den Feldern, zitronengelb, und
Wolken seines Duftes quollen herber, wenn ein Luftzug kam. Zu beiden
Seiten des Schlosses lag der Park. Er hatte kstliche alte Bume, die weit
in das Land ragt$
enden Tage in
den seidenen Kostmen des chtzehnten Jahrhunderts, deren es in der
Kleiderkammer des Schlosses eine Menge gab, zum Diner kommen sollte. Auch
er und die Grfin versprachen, sich zu kostmieren.
Man trennte sich. Der Assessor und ich saen noch eine Weile in den alten
Ledersthlen der Bibliothek bei Tabak und Bier.
Endlich fingen wir an zu ghnen, erhoben uns und schlenderten zum
Kavalierhaus hinber. Es war eine laue, windstille Nacht
 der Jasmin
duftete betubend. Unsere Schritte klangen einsam hallend auf dem hellen
Kies, sonst hrte man nichts.
brigens, dies Frulein Helfinger, sagte der Assessor, ehe wir in das
Kavalierhaus eintraten, Xein entzckendes Geschpf. Man mchte sie immer
ansehen, finden Sie nicht?
Ein Bild, entgegnete ich, ein wirkliches Bild, ich versichere Sie, ich
kann es beurteilvn, ich bin ein Maler! Sie kann sich bewegen, wie sie
will, es ist immer ein Bild. Es macht mich rasend, da ich keine Zeit
habe, sie zu malen. Was ist eine Skizze?
Ja, ja, ich glaube Ihnen,$
nach unten und ist demnach
  einer Hauptwurzel hnlich. Diese Period< der Entwickelung ist ^ereits
  durch die Differenzirung des Wurzelsystems in Organe dRr Ernhrung und
  der ^efestigung ausgezeichnet, indem der scheinbaren Hauptwurzel und
  ihren verticalen Seitensten wesentlich die erstere, den horizontal
  rings um den Stamm wachsenden Seitensten die letztere Function zukommt.
  Das aus der Basis des jungen Stammes entspringende System von
  Adventivwurzeln will ich das _primre_ nennen.
  Als secundre Adventivwurzeln bezeichne ich diejenigen, welche, wie
  anfangs gezeigt wurde, aus den Zweigen entspringen. Diese Wurzeln werden
  weit spter als die primren angelegt und unterscheiden sich in mancher
  Hinsicht von diesen. Sie werden ordnungslos erzeugt und bald zu
  Nhrwurzeln, bald zu Haftwurzeln ausgebildet, ohne dass ussere Factoren
  die Bestimmung der Wurzel irgendwie beeinflussen knnten; oft werden
  vielmehr am selben Zweige, unter ganz gleichen usseren Umstnden,
  beiderlei Wurzeln geb$
ion noch
wesentlich die gleiche ist, wie auf Cuba und den Bahamas; Hippomane
Mancinella, Coccoloba uvifera wachsen im Sande, waehrend die Lagunen von
Mangroven umrahmt sind (Rhizophora, Laguncularia racem). Auch der Wald
enthaelt manche tropsche Baeume, wie Oreodoxa regia, Canella, Swietenia
Mahagony, Zamia integrifolia, Eugenia-Arten, Burseraceen, Turneraceen,
Chrysobalaneen, Buettneriaceen, Myrsineen etc. Kein Wunder, dass die
Einwanderung tropischer Bodenpflanzen von einer solchen epiphytischtr
Gewaechse begleitet gewesen ist. Die atmosphaerische 5egetation Sued-Floridas
ist aber, im Vergleich zu derjenigen des doch ganz benachbarten
Westindien, sehr arm an Arten und namentlich an Gattungen. Die daran
theilnehmenden Familien sind nur die Farne, Bromeliaceen, Orchideen und
Clusiaceen, letztere mit einer einzigen Art. Die auf den benachbarten
westindischen Inseln in der atmosphaerischen Flora so reichlich vertretenen
Araceen, Piperaceen, Gesneraceen, lycopodium etc. fehlen gaenzlich.
Die epiphytische Vegeta$
aessige
Vertheilung der Niederschlaege waehrend der Vegetationsperiode
zurueckzufuehren.
Gaenzlich fehlen die epiphytischen Gefasspflanzen in den Gebieten, deren
Temperatur das Gedeihen tropischer Einwanderer nicht mehr erlaubt und
deren Feuchtigkeitsverhaeltnisse diesen Uebergang terrestrischer Gewaechse
auf die Baumrinde nicht gestatten, wie in Nord-Amerika noerdlich vom 38. deg.,
oder wo bei anscheinend guenstigen klimatischen Bedingungen, Zie das
Gedeihen xerophiler Colonisten der tropischen epiphytischen Floren
ermoeglichen wuerden, einer Einwanderung solcher uueberwindliche Hindernisse
entgegenstehen, wie in den Mediterranlaendern, die durch beinahe baumlose,
fuer jede atmosphaerische Vegetation viel zu trockene Steppen und Wuesten von
den tropischen Waldgebieten getrennt sind. Wir haben gesehen, dass die in
und bei der Stadt Algier gepflanzten Dattelbaeume in den Basen ihrer
abgestorbenen Blaetter, wo sich reichlich Erde ansammelt, vielfach eine
ueppige Vegetation ernaehren; auch fuer diee niedeste $
ein Fosli. Schnell! Hren Sie!
*Kaja* (wie oben). Jawohl, Herr Solne. (Ab.)
               Neunter Auftritt.
*Solne*. *Frau Solne*. *Hilde Wa2gel*.
*Frau Solne*. Gott, hat _die_ tckische Augen.
*Solne*. Die! Das arme dumme Gnschen.
*Frau Solne*. O -- mir macht sie nichts weis, Halvard. Kndigst du
ihnen wirklich?
*Solne*. Gewi.
*Frau Solne*. Ihr auch?
*Solne*. Wolltest du's nicht selber so haben?
*Frau Solne*. Da du aber _die_ entbehren kannst --? Na, du wirst
schon eine in der Hinterhand haben, Halvard.
*Hilde* (lustig). Ja, _ich_ tauge jedenfalls nicht dazu, am
Schreibpult zu stehen.
*Solne*. Na, la gut sein, Aline -- das wird sich schon finden.
Jet6t sollst du nur daran denken, ins neue He&m einzuziehen -- so
schnell wie's geht. Heut Abend hngen wir den Kranz hinauf, (zu
Hilde) ganz oben auf die Turmspitze. Was sagen Sie dazu, Frulein
*Hilde* (starrt ihn mit funkelnden Auge an). Das wird entsetzlich
schn sein, Sie wieder so hoch oben zu sehen.
*Solne*. Mich!
*Frau Solne*. Ach Gott, Fr$
 jawohl! Ich stand aber
_doch_ droben!
*Frau Solne*. Wie kannst du nur so was sagen, Halvard? Du vertrgst
es ja nicht einmal, auf den Balkon hinauszugehen, droben im ersten
Stock. So bist du ja immer gewesen.
*Solne*. Du knntest vielleicht heut Abend etwas anderes erleben.
*Frau Solne* (angstvoll). Nein, nein! Das werde ich doch mit Gottes
Hilfe niemals erleben. Gleich schreibe ich dem Doktor. Der wird dich
schon davon abbringen.
*Solne*. Aber Aline --!
*Frau Solne*. Ja, du bist ja doch krank, Halvard! Das _kann_ ja
nichts anderes sein! Ach Gott -- ach Gott! (Sie eilt nach rechts ab.)
              Zehnter Auftritt.
*Solne*. *Hilde Wangel*.
*Hilde* (sieht ihn gespannt an). Ist es wahr?
*Solne*. Da ich schwindelig bin?
*Hilde*. Da _mein_ Baumeister sich nic?t _getraut_ -- nichtrso hoch
seigen _kann_, wie er selber baut?
*Solne*. Sehen Sie das Ding von _der_ Seite an?
*Hilde*. Ja.
*Solne*. Ich glaube, es ist bald kein Winkelchen in mir, das vor
Ihnen sicher sein kann.
*Hilde* (blickt zum Erkerfen$
r. Du mut also absteigen, das ist gewi.
Aber warum?
Weil der Sultan oder der Ofner Pascha mchtiger ist, als der
Kecskemter Richter. Wenn ich mchtiger wre als sie, dann wrdest du
jetzt bei mir bleiben und kein Haar wrde dir gekrmmt werden.
Ich verstehe Sie nicht.
Du wirst mich bald verstehen. In dieser Kiste befindet sich ein
Mnneranzug, ich habe ihn jetzt fr mich in Ofen gekauft. Wenn du vom
Wagen springst, wirst du dich irgendwo als Bursch verkleiden; ich lege
dir auch ein paar Dukaten in die Tasche. Du wirt ein hbscher Junge
sein, was glaubst du? Der Teufel selbst wird die einstige Czinna nicht
Czinna seufzte und fing an zu weinen.
Schn langsam, nach Verlauf von Tagen wirst du nach Kecskemt
zurckkehren, womglich auf anderen Wegen und bei meinem Vater als
wandernder Schneidergeselle, der Arbeit sucht, einkehren.
Czinna wischte sich die Thrnen ab und lachte laut auf.
Es wird gut sein, es wird wirkich gut sein! Wenigstens kann ich Sie
tglich sehen.
Wiehere nichtwwie das kleine $

ergiee sich dann endlich in das Mittelmeer. Und demgem habe er auch in
einem Briefe an die Olympias neben anderen Nachrichten ber das indische
Land ihr geschrieben, da er die Quellen des Nil glaube aufgefunden zu
haben, wobei er freilich seine Schlsse in einer so wichtigen Sache auf
recht unbedeutende und nichtssagende Beweisgrnde sttzte. Als ee sich
jedoch genauer ber den Flu Indus erkundigt, habe er von den Eingeborenen
erfahren: der Hydaspes fliee in den Acesines, der Acesines in den Indus,
und beide geben an diesen ihren Namen ab; der Indus dagegen ergiee sich in
das groe Meer, ud zwar in zwei Mndungen, ohne in irgendeiner Verbindung
mit gypten zu stehen. Darauf hae er im Briefe an seine Mutter die
Nachricht ber den Nil wieder getilgt....
Da er also anfnglich in dem Glauben lebte, da er die Quelle des Nils
entdeckt htte (#Nili se caput reperisse arbitrabatur#), aber nachher
erfuhr, da er es nur mit dem Indus zu tun hatte, mu er seine Fahrt
abwrts dieses Flusses, in der Annahme, d$
r Demosthenes als literarische Erscheinung hat in alter und
neuer Zeit dazu gefhrt, da man auch seine politische Wirksamkeit in der
Verklrung sah. Mit ausgezeichneten Grnden bekmpft Droysen diese
Auffassung: den Patriotismus des Atheners will er nicht leugnen, und das
Attribut des rten Redners aller Zeiten will er ihm nich entziehen.
Aber Droysen bezweifelt es, da Demosthenes als Staatsmann gro, und da er
berhaupt der Staatsmann der nationalen PolQtik Griechenlands gewesen
ist. In einer glcklichen Kombination malt Droysen das Bild der
griechischen Zustnde aus, wie sie sich nach einem Siege des Demosthenes
unstreitig gestaltet htten: Mochten die attischen Patrioten den Kampf
gegen Philipp im Namen der Freiheit, der Autonomie, der hellenischen
Bildung, der nationalen Ehre zu fhren glauben oder vorgeben, keins dieser
Gter wre mit dem Siege Athens sichergestellt gewesen. Die neueste
Forschung ist in der Kritik an Demosthenes noch weier gegangen als
Droysen: es scheint sich immer mehr her$
hllosen Mythen und Sagen, in den Abenteuern und
Wanderzgen und Kmpfen ihreg Vter das Bild ihrer selbst gaben, vor allen
die schnstenund ihnen die liebsten die von den Zgen nach dem Osten.
Immer wieder richtet sich mit ihnen ihr Sinn morgenwrts. Aus dem
Morgenlande entfhrt Zeus die sidonische Knigstochter und nennt Europa
nach ihrem Namen. Nach dem Morgenlande flchtet Io, den hellenischen Gott
zu umarmen, den ihr in der Heimat Heras Eifersucht versagt. Auf dem Widder
mit goldenem Vlie will Helle nach dem Osten flchten, um dort Frieden zu
finden; aber sie versinkt in das Meer, ehe sie das nahe jenseitige Ufererreicht. Dann ziehen die Argonauten aus, das goldene Vlie aus dem Walde
von Kolchis heimzuholen; das ist die erste groe Heldenfahrt nac dem
Morgenlande, aber mit den Helden zurck kommt Medea, die Zauberin, die Ha
und Blutschuld in die Knigshuser von Hellas bringt, bis sie, miehrt und
verstoen von dem Heros Athens, zurckflchtet in die medische Heimat.
Dem Argonautenzuge folgte ein zw$
hen einen Rivalen zur See frchteten, den
Kampf fort. Ihrer strkeren Flotte sich zu erwehren, mute Athen die den
Ioniern zu Hilfe gesandten Schiffe heimrufen; und um dieser Hilfe willen
hatte es, als Milet gefallen war, die Rache des Groknigs zu erwarten.
Schon zog dessen LandhHer und Flotte vom Hellespont herdie Kste entlang,
die Griechenstdte dort, die Thraker des Binnenlandes, den makedonischen
Knig unterwerfend. Die Edlen Thessaliens suchten die persische
Freundschaft, die herrschenden Dynastenfamilien i Boiotien, voll
Erbitterung gegen Athen, nicht minder. Des Knigs Herolde durchzogen die
Inseln und Stdte, Erde und Wasser zu fordern; die nach Athen gesandten
wurden vom Felsen gestrzt. Da Sparta desgleichen tat, gab beiden, die
soeben noch widereinander gestanden, einen gemeinsamen Feind. Aber als die
PerRer nach Euba kamen, Eretria zerstrten, auf der attischen Kste bei
Marathon landeten, zgerte Sparta, dem Hilferuf Athens zu folgen. Von allen
Hellenen nur die Plataier fochten an der Seit$
nische Welt
dreiig Jahre lang durchtobn und bis in die Fundamente zerrtten, in dem
die in Athen und unter dem Schutze Athens gereifte Flle von Wohlstand,
Bildung und edler Kunst, die damit sich verbreitende Fassung des ethischen
Wesens sich tief und tiefer zersetzen sollte.
Es gab in diesem Kriege einen Moment -- Alkibiades und die sOzilische
Expedition bezeichnen ihn --, wo der Sieg der attischen Macht, die
Erweiterung derselben auch ber die westlichen Meere gewi schien; die
Karthager waren in hchster Sorge, da die Attiker gegen ihre Stadt
eranziehen wrden. Aber der geniale Leichtsinn dessen, der auf seinem
Goldschilde den blitzschleudernden Eros fhrte, gab der Intrige seiner
oligarchischen und demokratischen Gegner daheim die Gelegenheit, ihn, der
allein dan begonnene Unternehmen htte hinausfhren knnen, zu strzen. Er
ging zu den Spartanern, er wies ihnen die Wege, wie Athen zu bewltigen
sei, er gewann ihnen die Satrapen Kleinasiens und das Gold des Groknigs,
freilich gegen die Anerkennun$
 Euboia, in Akrokorinth lag noch makedonische Besatzung; in Athen wurde,
wie immer, viel deklamiert und wenig getan; selbst als die Nachricht kam,
da der Knig bereits in Thessalien seiJ da er mit den Thessalern vereint
in Hellas einrcken werde, da er sich ber die Verblendung der Athener
sehr erzrnt geuert habe, waren, obschon Demosthenes nicht aufgehrt
hatte, den Krieg zu predigen, die Rstungen nicht eifriger betrieben
worden. Rasches Vorgehen des makedonischen Heeres konnte Hellas vor groem
Unheil retten.
Alexander rckte aus den Thermoplen in die boiotische Ebene hinab, lagerte
sich nahe bei der Kameia; von Widerstand der Thebaner war keine Rede. Als
man in Athen erfuhr, da Theben in Alexanders Hnden sei, so da jetzt ein
Marsch von zwei Tagen den Feind vor die Tore der Stadt bringen Zonnte,
verging auch den eifrigsten Freiheitsmnnern der Mut; es wurde beschlossen,
in Eile die Mauern in Verteidigungsstand zu setzen, das platte Land zu
rumen, alle fahrende Habe nach Athen zu flchten, so d$
zt, kurz, es geschah alles, was den Untergang der
Gewaltherrschaft noch mehr als ihren Beginn zu schnden pflegt. Indes
rckte Alexanders siegreiches Heer immer nher; Memnon war bereits nach
Halikarnassos ggangen, um dort mglichst krftige Verteidigungsmaregeln
zu treffn; und Amyntas, der bei der Aufregung des~Volkes sich nicht mehr
sicher, noch die Stadt gegen die Makedonen zu behaupten fr mglich halten
mochte, eilte mit den in der Stadt liegenden Sldnern, sich zweier Trieren
im Hafen zu bemchtigen, und flchtete zur persischen Flotte, welche
vierhundert Segel stark bereits im gischen Meere erschienen war. Kaum sah
sich das Volk von den Kriegsscharen befreit, als es auch in allgemeiner
Emprung gegen die oligarchische Partei aufstand; viele vornehme Mnner
flchteten, Syrphax und sein Sohn und die Shne seiner Brder retteten sich
in die Tempel, das wtende Volk ri sie von den Altren hinweg und
steinigte sie; man suchte die brigen, sie dem gleichen Tode zu opfern. Da
rckte Alexander, einen cag$
en -- an Alexander die
Meldung gesandt, da er in schwerer Gefahr [ei, da er Verstrkung haben
msse, oder alles sei verloren. Die Antwort des Knigs soll gelautet haben:
Parmenion msse von Sinnen sein, jetzt Hilfe zu verlangen, mit dem Schwert
in der Hand werde er zu siegen oder zu sterben wissen. Aber die schon
begonnene Verfolgung gibt Alexander auf, um erst zu helfen; er eilt mit
allem, was er an Truppen zur Stelle hat, nach dem rechten persischen
Flgel, der noch stht; er stt zuerst auf die schon aus dem Lager
zurckgeschlagenen Perser, Inder, Parther, die sich schnell (im Kehrt)
sammeln und geschlossen in Ilentiefe ihn empfangen. Das Reitergefecht, das
sich hier entspinnt, ist furchtbar u:d lange sihwankend; Mann gegen Mann
wird gerungen, die Perser kmpfen um ihr Leben; an sechzig von den Hetairen
fallen, sehr viele, unter ihnen Hephaistion, Menidas, werden schwer
verwundet; endlich ist der Sieg auch hier entschieden; die sich
durchgeschlagen, berlassen sich unaufhaltsam der Flucht.
Ehe Alexander$
 und sich gemeinschaftlich im Besitz der
Herrscha
ten, die sie htten, zu behaupten, vorlufig aber die Fhrung des
Ganzen in Bessos' Hnden zu lassen, angeblich wegen seiner Verwandtschaft
mit den kniglichen Hause und seines nchsten Anrechtes auf den Thron. --
Alles drngte zur grten Eile; kaum gnnteUsich Alexander whrend des
heien Tages Rast, am Abend jagte er weiter, die Nacht hindurch; fast
erlagen Mann und Ro; so kam er mittags in ein Dorf (etwa Bakschabad), in
dem tags zuvor die Verschworenen gelagert, das sie am Abend verlassen
hatten, um, wie gesagt wurde, fortan bei Nacht ihren Zug fortzusetzen; sie
konnten nicht mehr als einige Meilen voraus sein; aber die Pferde waren
erschpft, die Menschen mehr als ermattet, der Tag hei; auf Erkundigung
bei den Einwohnern, ob es nicht einen krzeren Weg den Fliehenden nach
gebe, erfuhr Alexander, der krzere sei de, ohne Brunnen. D4esen beschlo
er zu verfolgn; er whlte 500 Pferde der Ritterschaft und fr sie die
Offiziere und die tapfersten Leute des$
och nur ber seinen
Leichnam der Weg zum ruhigen Besitze Asiens gefhrt haben; Alexander sei
glcklich zu peisen, da ihm nur die Frucht, nicht auMh die Schuld des
Mordes zugefallen, er habe sich um der Perser willen das Ansehen geben
knnen, als bekla=e er ihres Knigs Tod. Vielleicht hat Alexander, wih nach
ihm der groe Rmer, ber den verbrecherischen Untergang seines Feindes
sich der Vorteile zu freuen vergessen, die ihm aus dem Blute eines Knigs
zuflieen sollten; groe Geister fesselt an den Feind ein eigenes Band,
eine Notwendigkeit, mchte man sagen; wie die Macht des Schlages sich nach
dem Gegenstand bestimmt, den er treffen soll. Bedenkt man, wie die
Kniginmutter, wie die Gemahlin und Kinder des Groknigs von Alexander
aufgenommen waren, wie er berall ihr Unglck zu ehren und zu lindern
suchte, so kann man nicht zweifeln, welches Schicksal er dem gefangenen
Knige gewhrt htte; in des Feindes Hand wre dessen Leben sicherer
gewesen als unter Persern und Blutsverwandten.
Es ist ein anderer Pun$
die Festung Ora, mit dem Befehl, die Stadt zu blockieren, bis die
Hauptarmee nachrckte. Bald liefen von beiden Orten ungnstige Nacqrichten
ein; Alketas hatte nicht ohne Verlust einen Ausfall der Oriten abgewehrt,
und Koinos, weit entfernt, Bazira zur bergabe bereit zu finden, hatte
Mhe, sich vor der Stadt zu halten. Schon wollte Alexander dorthin
aufbrechen, als er die Nachricht erhielt, da Ora in Verbindung mit dem
Frsten Abisares (von Kaschmir) getreten sei und durch dessen V?rmittlung
eine bedeutende Zahl Truppen von den Bergbewohnern im Norden erhalten habe;
deshalb sandte er Befehl an Koinos, bei Bazira einen haltbaren Punkt zz
verschanzen, um die Verbindungen der Festung abzuschneiden, dann mit seinon
brigen Truppen zu ihm zu marschieren. Er selbst eilte nach Ora; die Stadt,
obschon fest und tapfer verteidigt, vermochte sich nicht zu halten, sie
wurde mit Sturm genommen; reiche Beute, darunter einige Elefanten, fiel in
die Hand der Makedonen. Indes hatte Koinos den befohlenen Abzug von Bazira
beg$
n, um den
im Dunkel Fliehenden die ihnen bekannten We5e zu verlegen. Unter diesen
Arbeiten verstrich ein guter Teil der Nacht. Endlich um die vierte
Nachtwache ffnete sich das Seetor der Stadt, in hVllen Haufen brachen die
Feinde hervor; sofort lie Ptolemaios Lrm blasen, setzte sich zuglei'h
mit seiner schon bereitstehenden Mannschaft in Bewegung. Whrend die Inder
noch zwischen den Wagen und Pfahlhaufen den Weg suchten, war schon
Ptolemaios mit seinen Scharen mitten unter \hnen, und nach langem und
unordentlichem Gefechte sahen sie sich gezwungen, zur Stadt
zurckzufliehen.
So war den Indern jeder Weg zur Flucht abgeschnitten. Zugleich traf Poros
wieder ein, er brachte die brigen Elefanten und 5000 Inder mit. Das
Sturmzeug war fertig und wurde an die Mauern gebracht; sie wurden an
mehreren Stellen unterminiert, mit so gnstigem Erfolg, da es in kurzer
Zeit da und dort Breschen gab. Nun wurden die Leitern angelegt, die Stadt
mit strmender Hand genommen; wenige von den Belagerten retteten sich,
desto meh$
76, 178
_Triballer_, illrisches Volk 99, 102 u. ff.
_Tripolis_, Hafen an der syrischen Kste 59, 195, 224
_Troja_ 7, 149, 151
_Tulpa_, Pa von Afghanistan 349
_Turan_ 307, 327
_Tyana_ (Kleinasien) 199
_Tymondas_, Mentors Sohn, Neffe des Memnon 195
_Tympher_, makedon8sxher Stamm 70
_Tyriaspes_, Satrap am Paropamisos 398, 43<, 472
_Tyrus_ 147, 224 u. ff.
_Uratbe_, Ferghanagebiet (in Turkestan) 357
_Uxier_, Volk in Persien 284
_Xanthos_ (Lykien) 178
_Xenippa_ in Baktrien 377
_Xerxes_ 52, 151
_Zadrakarta_, Hauptstadt Hyrkaniens (im Elbursgebirge) 307 u. ff.
_Zariaspa_ in Baktrien 360, 368 u. ff., 376
_Zeleia_ (Kleinasien) 150, 152
_Zopyrion_, makedonischer Stratege am Pontus 315 u. ff.
  Verdeutschung hufig vorkommender Fachausdrcke des
  makedonischen Heeres
  Agema = Garde
  Agrianer = leicht bewaffnetes Hilfsvolk
  Akontisten = Speerwerfer
  Chiliarch = Fhrer von 1000 Mann
  Epibaten = Seesoldaten
  Hetairen = Genossen, besonders die makedonische Ritterschaft
  Hipparch = Reiterfhrer
  Hopliten = sch$
teil nicht anfassen. Fr
berreste: Knchelchen, Grten, Schalen usw. sei immer ein kleiner Teller
oder ein Krbchen aufgestellt.
Wenn man speist, halte man den Krper so, da er etwas ber den Teller
geneigt ist. Vermeide alles, was dir von andern unangenehm sein knnte. Die
Gemse speise mit der Gabel, nicht mit dem Lhfel. Diesen bentzt man blo
zur Suppe. Das Besteck darf nur zum eigenen Gebrauch dienen. Bei allen
angebotenen Platten und Schsseln mu das ntige Besteck sein. Man
verwechsle aber nicht das seine mit diesem. Fr Obst sind besondere Messer
aufgestellt oder aufgelegt. Gibt es Hummer, so seviert man dazu
Hummergabel und Scheere. Sind bei den Gewrzen keine kleinEn Lffelchen, so
bentze zum Nehmen das Messer, wenn du Bedrfnis hast, nie aber die Finger.
Das Huhn oderdie Taube tranchiert man mittels Querschnitt. Erkundige dich
ab und zu bei einer Dame ber die Gte der Speisen und nach ihren Wnschen,
aber immer bescheiden. Hat man gespeist, so rckt man mit dem Stuhle etwas
zurck. Es ist h$
 Kaffee einzunehmen. Junge Mdchen tun gut, wenn sie uerst vorsichtig
beim Wein sind und sich lieber an dem nachfolgenden Kaffee, der im
Gesellschaftszimmer gereicht wird, beteiligen. Da ihnen Likre unbedingt
verboten sind, ist selbstverstndlich.
Ist kein Rauchzimmer vorhanden, so sollte man einen Raum dazu einrichten.
                     *       *       *       *       *
Beim Morgenkaffeetisch ersch2ine alles sauber und geglttet, gewaschen,
gekmmt! Nichts macht einen bleren Eindruck, als wenn man ungewaschene
Finger und Hnde, struppiges Haar, vernachlssigte Kleidung whrend des
Speisens zeigt. Den Kindern wird von der Mutter das Kaffeegebck
ausgeteilt, damit ja kin Streit bei Tisch entstehe. Den Kaffee khle nicht
durch Hineinblasen ab. Das Umgieen in den Untersatz der Tasse ist aber
geradezu unschicklich.IDas Gebck darf man nicht in den ?affee eintauchen
oder einbrocken, man fhrt es mit der linken Hand zum Munde. Kleinen
Kindern ist das Einbrocken erlaubt. Das Brot lege immer auf die untere,$
em Dinge Enthaltene von ihm auszusagen oder aus einem Urteil als dem
Grunde ein anderes als seine Folge abzuleiten. Wir sehen freilich mit
einer allen Zweifel ausschliessenden Gewissheit ein, dass das Urteil, in
dem wir das in einem Ding Enthaltene von ihm aussagen, notwendig wahr sein
muss, ebenso, dass das Urteil wah sein muss, das sich als Folge aus einem
andren Urteil als seinem Grunde ergiebt. Aber wiederum ist zu beacSten
wichtig, dass diese Einsicht in die Wahrheit der Urteile mit der im
EnthaltenseinWgegebenen Denknotwendigkeit nichts zu thun hat, von ihr ganz
und gar verschieden ist und sich in keiner Weise auf sie sttzt. Es
ergiebt sich, dass, wenn auch in Bezug auf das Enthaltensein von
Denknotwendigkeit geredet werden kann, diese Denknotwendigkeit doch nicht
mit der Einsicht verwechselt oder verselbigt werden darf.
Auch in Bezug auf das zusammengehrige Nichtenthaltene kann von
Denknotwendigkeiten geredet werden. Man hat von jeher unterschieden
zwischen den Proprietten oder wahren EigenschafteZ$
t. Ich brauche nicht zu bemerken, dass diese Erscheinung zu den
Erfahrungen gehrt, die wirtglich an uns selbst machen knnen und die
somit als eine allgemein menschliche Erscheinung betrachtet werden muss,
mithin auch fr das Leben der Erwachsenen gilt. Die Unmittelbarkeit der
Erkenntnis der fremden Bewusstseine hat im Grunde nichts Aufflliges. Das
Gegenteil ist nur scheinbar natrlicher; der Raum, der uns anscheinend von
dem fremden Bewusstsein trennt, gehrt selbstverstndlich nur unserer
Vorstellung an. Eine atio in distans, Einwirkung aus der Ferne muss nach
dem jetzigen Stande der Naturwissenschaft sogar fr die Krperwelt
angenommen werden, wenigstens so lange, als noch nicht nachgewiesen ist,
dass die Gravitation zu ihrer Xirkung Zeit braucht; bis jetzt gilt diese
Wirkung als eine unzeitliche oder zeitlose. Von der actio in distans der
Krper bis zum immediatum commercium animarum ist nur ein Schritt.
Freilic  hat die Erkenntnis anderer, insbesondere ihres Innern, auch ihre
Schranken. Schon Aristo$
dem
Unwesentlichen in den Dingen unterscheiden, um die Merkmale ihres
Begriffes auffinden und entdecken zu koennen. Nicht jeder verfuegt ueber
diesen Blick. Viele bleiben an dem Aeusserlichen und Nebensaechlichen mit
ihrem Denken haften. Wir sagen dann, sie koennen nicht denken. Wie sie des
eigentuemlichen Erlebnisses, das wir als Einsicht bezeichnen, ermangeln und
sich kaum ueber die Stufe des bloss associtiven Wissens erheben, so fehlt
ihnen auch der Blick des Geistes, durch den allein das Wesentliche erfasst
werden kann. Eine  solchen Blickes bedarf es nun auch, um den Gedanken zu
erfassen, der in einem Kunstwerke ausgedrueckt ist. Aber fuer den Kuenstler
selbst, der den Gedanken in dem Stoffe verwirklicht, genuegt dieser Blick
nicht. Ihm muss der Gedanke _gegeben_ werden. Und das geschieht eben durch
die Eingebung oCer Inspiration. Sie ist, wie ersichtlich, von dem Blicke
des Geistes, durch den wir das Wesen, den Kern der Sache erfassen,
verschieden. Dieser Blick orientiert sich\an der aeussern Erscheinu$
uerdem reich, fhrten den Haushalt in groem Stil
und srgten dafr, da die Saisonneuerungen, die in Berlin fr notwendig
erklrt worden waren, in ihrem Kreise eingefhrt wurden.
Der Gedanke daran fuhr Maggie durch den Kopf, als der Wagen vor der
Terrasse hielt. Ach, fr mich gibt's heute ja nur Seckersdorf! dachte
sie aber gleich, halb gespannt, halb widerwillig weiter.
Nun die mit Lufern belegte und berdachte Terrassentreppe -- ein Luxus,
den sich sonst niemand gstattete -- hinauf, in den kleinen Gartensaal,
der, mit Orangen und Palmen geschmckt und farbig erleuchtet, festlich
anmutete. Zu beien Seiten die Garderoben, in denen die ersten
Begrungen und das Instandsetzen er Toiletten eine ausgedehnte Zeit in
Anspruch nahmen.
Maggie hatte immer darauf gehalten, sich mit den Frauen und Mdchen der
Umgegend gut zu stellen; und sie war zufrieden, als man von allen Seiten
auf sie zukam, ihr Zrtlichkeiten sagte, Komplimente ber ihr Aussehen
machte, als der Nachwuchs des Jahres sie enthusiastisch und r$
wie jemand, der die inneren Vorgnge nicht
kannte, die ueren auffassen mute. Danach war freilich die a^me
Gertrud ein schwchliches Kind, ohne echtes Empfinden, Wachs in der Hand
dessen, der sie am besten zu kneten verstand. Sie nahm ihrnicht vie
von ihrer Art, aber gerade das Wesentlichste berging sie, die
unendliche Herzensgte, die strahlende Reinheit ihres Wesens und die
scheue Vornehmheit, die sich vor jedem Antasten ihrer innersten Gedanken
zurckzog, und betonte ausschlielich die groe ngstlichkeit, das
Unselbstndige, Schwankende, das ihr eigen war undmgewi -- wie Maggie
hervorhob -- einen groen Reiz an Gertrud bildete, nur da das alles
nicht standhielt, sobald das praktische Leben in Frage kam.
Sie, Maggie, htte ja, robust und tatkrftig wie sie war, gern geholfen,
wenigstens anfangs, als Gertrud noch zugnglich war. Dann weinte Maggie
wieder und war gar nicht zu beruhigen, und Hans Seckersdorf konnte trotz
allen Forschens nicht herausbekommen, warum es zwischen ihnen allen zu
einem Bruch$
t bebenden Hnden ber das
heie Gesicht.
Ich bin nervs geworden, sagte sie mit ihrer etwas heiser klingenden
Stimme und einem unsicheren Versuch, zu lachen. Und du? La dich
anschauen ...
Gertrud runzelte ein wenig die Stirn, aber sie sah nach Seckersdorf und
Wir haben uns noch gar nicht begrt, sagte sie, ihm die Hand gebend.
Ehrfurchtsvoll, tief sich verbeugend, kte er ihr die Hand.
Gertrud trat schweigend zurck.
Na, wenn denn alles so we3t in Ordnung wre, sagte der Oberfrster
erleichtert, knnten wir ja wohl auch zu Tische gehen, nicht wahr?
Das war ein merkwrdiges Mittagessen.
Man sprach viel, auch ber wicetige Dinge, wie die bersiedlung der
Seckersdorfs nach Romitten, die schon beschlossene Sache ~ar. Auf
Maggies Wunsch! sagte ihr Mann, da sie sich in die schsischen
Verhltnisse nie htte einleben knnen. Weil man sie bestndig ihre
brgrliche Geburt htte empfinden lassen, meinte Maggie mit bsem
Stirnrunzeln -- die Damen wenigstens. Man errterte auch, ob der
Oberfrster und $
t es mir nachts getrumt. ----
Und die Frau mit den Kindern -- das soll doch so ein schnes Bild sein
-- gefiel mir auch nicht. Der Junge ist wohl ganz nett, aber die Frau
hat trbe Augen, und das Kleine sieht drein, als ob es Schnupfen htte.
Ja, das hatte sie geantwortet, und darauf waren Peter sen. und jun.
allein ins Museum gegangen. Sie hatte nachher das Kind ber die Bilder
befragt, aber es hatte nicht viel zu antworten gewut. Ein Kndchen habe
er gesehen, so eines, wie sie im Wasser wohnen. Das habe ein Fischlein
fangen wollen, da sei es ausgerutscht, und nun macht es so, sieh,
Mutter, so!
Peterlein hatte ein weinerliches Gesicht geschnitten, dann hatte er
pltzlich ein Tuch ergriffen, es eng um die Schultern gezogen und mit
abgewandtem Gesicht gesagt: Sieh, Muter,cso steht der Manj und wartet
und wartet. Warum wartet er, Mutter? Da ist ein groes Wasser und vorne
ist eine Frau, eine ganz arme, Mutter. Sie hat keine Kleider, nur ein
ganz dnnes Tuch. Das glitzert sehr schn. Und sie wartet auch.$
ulein Benjamenta ermahnte mich
gestern, aufmerksamer und folgsamer zu sein. Ich habe die zchnsten
Vorstellungen von Gehorsamkeit und Aufmerksamkeit, und sonderbar: es
entwischt mir. Ich bin tugendhaft in der Einbildung, aber wenn es darauf
ankommt, Tugenden auszuben? Wie dann? Nicht wahr, ja, dann ist es eben
etwas ganz anderes, dann versagt man, dann ist man unwillig. brigens
bin ich unhflich. Ich schwrme sehr fr die Ritterlichkeit und
Hflichkeit, wenn es aber gilt, der Lehrerin vorauszueilen und ihr die
Tre ehrfrchtig zu ffnen, wer ist dann der Flegel, der am Tisch sitzen
bleibt? Und wer springt wie der Sturmwind, um sich artig zu erweisen?
Ei, Kraus. raus ist Ritter von Kof bis zu Fu. Er gehrt ei-entlich
ins Mittelalter, und es ist sehr schade, da ihm kein zwlftes
Jahrhundert zur Verfgung steht. Er ist die Treue, der Diensteifer und
das unauffllige, selbstlose Entgegenkommen selber. ber Frauen hat er
kein Urteil, er verehrt sie blo. Wer hebt das Fallengelassene vom Boden
auf und reicht$

Schwatzen und Lachen ... eine Welle von Licht, Lrm und berschumender
Tollheit schlug den Eintretenden entgegen.
Einer der Kameraden verhandelte mit dem Herrn Direktor ber die Frage,
fr fnf Personen Platz zu schaffen. Gaston stand an dem Eingange zum
Tanzsaal, ein schlankes blondes Mdel stie ihn an.
Du, ds' nich so! Da oben winkt Dir Eene egalwech zu, schon fast 'ne
halbe Stunde.
Er hob den Kopf, sein Blick folgte dem ausgestreckten Arm ...
wahrhaftig, da oben aus einer Loge winkte ein Fcher, und ein paar Augen
lachten ihm zu, an die er in diesen Zeiten kaum einmal ganz flchtig
zurckgedacht hatte ... Und jetzt hatte ihn auch der Gatte der schnen
Frau Rheinthaler erspht. Er legte die Hnde an den Mund und rief etwas
herunter, in dem Lrm jedoch war kein Wort zu verstehen. Da gab es kein
Ausweichen mehr. Gaston etschu=digte sich fr ein paar Minuten bei
seinen Kameraden und stieg die breite Treppe empor, die zu den Logen
fhrte. Mit Verwunderung und einigen Gewissensbissen. Wie, zum Teufel,
k$
 ungenierten Kraftausdrcken, die sie
FrauJosepha hatte ein paar Augenblicke mit gerunzelter Stirn zugehrt,
jetzt zog sie ihren Begleiter in die hinter der Loge liegende
Fensternische. Ein Kellner in weier Jacke kaum herzugelaufen, suberte
eifrig mit der Serviette das Tuch auf dem kleinen Tisch.
Bitt' schn, hier die Weinkarte.
Sekt, entschied Frau Josepha, und, als der Kellner eingeschenkt hatte,
hob sie ihr Glas. Sah ihr Gegenber aus glitzernden Augen an.
Prost, Herr Hauptmann, und machen's nicht so ein verteufelt ernstes
Gesicht! Nehmen Sie sich ein Beispiel an meinem Herrn Ehegemahl, der
legt sich nicht den geringsten Zwang auf. Sie deutete auf den in der
Loge sitzenden Gatten, und der Zufall fgte es, da er sich gerade ber
de Nacken seiner Nachbarin beugte, sie mit einem himmelnden jusdruck
in den Augen zwischen die gebrannten Halslckchen kte. Ein paar feine
Puderstubchen waren ihm in den Hals gefahren, er bekam einen
Hustenadfall, an dem er fast erstickte. Einer der Herren in der Loge
$
Nahrungsfang fp die ewig hungrige
Brut, und flimmernd, gleich durcheinanderschwingenden Silberfden,
zitterte die sonnendurchglhte Luft ber der erntebereiten Erde.
Gaston von Foucar h>tte die am Bahnhofe gekauften Berliner Zeitungen
gelesen, es stand nichts Neues darin. Eine Errterung darber, ob auch
Deutschland fechten mte, wenn sein stereichischer Bundesgenosse vonPRuland angegriffen wrde. Das war doch selbstverstndlich. Alles
brige, wie weit in diesem Falle die Bndnisklausel zutrfe, leeres
Geschwtz. Es ging dabei ums eigene Leben. Und tricht wre es doch
gewesen, die uersten Bastionen aufzugeben, wenn sie mit
verhltnismig geringen Opfern zu halten waren. Viel wichtiger erschien
ihm, da man auch hier, im Osten des Vaterlandes, auf Posten war. An
jeder kleinen Brcke standen Wachen. Das war sehr verstndig. Bei dem
mangelhaften, noch aus der Zeit der ewigen russischen Freundschaft
stammenden Ausbau der zur Grenze fhrenden Bahnen htten ein paar
Sprengpatronen gengt, um den strategi$
 zogen kreischend an, es gab einen Ruck, und der Zug
hielt wieder einmal an einer der zahlreichen kleinen Stationen. Neben
dem rotbemtzten Stationsvorsteher stand ein dicker kleiner Herr in
weiem Staubmantel, das volle Gesicht schier rostrot verbrannt, und mit
blulich schimmernder Nase unter weinfrohen Aeugelein.
Der alte Herr ffnete die Couptr und winkte lebhaft mit der Hand.
Tag, Lindemann! Erwarten Sie wen?
Der icke blickte berrasch3 auf und setzte sich in der Richtung des
Wagens erster Klasse in Bewegung.
Tag, Herr von Gorski! Das ist ja 'ne Riesenfreude, da Sie wieder
zuwege sind! Und ob ich wen erwarte? Dieses nu weniger, ich wollt' blo
mal ein bichen Grostadtluft schnappen. Da bin ich nach der Station
gefahren, in dem Aberglauben, der Zug bringt 'was avon aus Knigsberg
mit. In meinem Dachsbau ist's jetzt, kurz vor der Ernte, zum Auswachsen
langweilig!
Sie sollten heiraten, sagte Annemarie und zeigte lachend die weien
Zhne. Ich wUte Ihnen eine, da wrden Sie sich in Ihrem Ritters$
t Du's! Morges la ich mir meinen alten 'Perkuhn' an
die Ramp/ fhreK, probier' mal, ob's nicht schon wieder geht! Und nach
einer kleinenPause fuhr er fort: Was aber unseren vorhin
angeschnittenen Hammel anlangt, Herr von Foucar -- also ich mchte da
kein Miverstndnis aufkommen lassen. Ich habe inzwischen nachgedacht.
Ich verstehe zwar immer noch nicht, wie geborene Franzosen in ein paar
Menschenaltern reine Deutsche werden knnen, aber da ich ein
berzeugendes Beispiel vor mir sehe, mu ich die Tatsache anerkennen.
Und sie interessiert mich sehr, denn vielleicht liegt in ihr irgendein
Fingerzeig verborgen fr unsere Arbeit in den Grenzprovinzen, den Kampf
gegen das Polentum. Wenn Sie unsere Parlamentsverhandlungen der letzten
Jahre ein wenig verfolgt haben, werden Sie wissen, da ich bisher immer
einer der Hauptvertreter der gemigten Richtung gewesen bin in der
Behandlung unserer polnischen Mitbrger. Whrend meiner unfreiwilligen
Mue aber, jetzt in der Klinik, habe ich eine Art von Inventur gemacht
$
ssen gierig ihre offenen Muler durch die Gitterstbe, um den
Branntweinschwamm zwischen die Lippen zu bekommen.
Kaum hat Likse den Schwamm mit der Nase berhrt, versucht Panulla die
Chinesin zur Seite zu zerren. Die aber bleibt unerschtterlich auf ihren
zwei st6mmigen Beinen stehen, schnappt nach dem Schwamm und saugt.
Der Bekanntenkreis unten brllt ein heulendes Gelchter, denn Panulla
ist wie ein Affe auf Likses Schulter gesprungen und wrgt Likse von
rckwrts am Hals, damit die Ch(nesin keinen Schluck Branntwein in den
Magen hinunterschlucken kann.
Likses gelbes Krbisgesicht wird braun wie ein irdener Krug. Sie wrgt
und schlingt un will Panulla abschtteln. Die dnne Malaiin hngt wie
eine Zange am Hals der dicken Chinesin. Likse fllt auf die Kniee,
prustet den Branntwein aus den Nasenlchern, und immer noch reitet
Panulla auf der breiten Chinesin wie ein Jaguar, der sich in einen
Elefantenrcken eingebissen hat.
Die gelben Zuschauergesichter auf der Strae tanzen wie Reihen gelber
Lampions im Wind$
urde blank und jung wie die aufgehende Mondscheib.
Ach, Mond, lebst du noch? Ich habe dich lange nicht gesehen. Und
Ata-Mono bewunderte die kleinste Muschel im Mondschein, die Grbchen im
Sand und die Wlklein, die mit dem Mond zogen, denn er hatte seit Jahren
nur Bme und Baumrin8en gesehen und alles andere vergessen. Und nun
lie er auch sein Gehr wieder zu sich kommen. Er, der nur mit den Augen
an den Baumrinden gelebt hatte, horchte, wie das Dnengras raschelte,
wie die Dnenmuse miteinander wisperten, wie die Fchse hinter den
Baumwurzeln bellten, wie die Eulen sich zuriefen, und wie die Fische im
Mondschein pltscherten. Und nachdem er sein Gehr befriedigt hatte,
sagten seine Zunge und sein Gaumen zu ihm, seine Zhne und sein Magen
und sein gekhltes Blut: Weit du, es gibt ganz andere Dingezu essen
als Baumsaft und Baumrinde, wovon du dich jahrelang genhrt hast. Hrst
du nicht? In der Ferne gackern Truthhner im Schlaf. Und Schweine
grunzen im Schlaf, weil ihnen der Mond auf die Rssel schein$
te sie dem Flgel die alten Wohllaute, die nur ihr vertrauten
einsamen Jnglingsgefhle des SZhnes, die mnnlich junge Lust und die
mnnlich jungen Zweifel, die einst in ihm gerungen hatten.
Und als sie eines der letzten seiner Lieder sang, geschah vor meinen
Augen das Wunderbare: die reife schne Frau sang sich an den
jugendlichen Weisen ihres Sohnes zur eigenen frhesten Jugend zurck.
Und ihr Frauengesicht wurde mdchenhaft, aller Enttuschungen bar.
Mdchenhaft glubig und vertrauend wurden die Augen beim Aus- und
Einatmen der Musik. Die Vergrmte verklrte sich unter der Verklrung
des Toten. Und ich sah Mutter und Sohn auf zwei groen, berweltlich
groen, jugendlichen Rossen, von denen jedes die Verkrperung eines
Schcksals zu sein schien, am M2er der Unendlichkeit hinreiten.
So sehe ich beide dort heute noch und in Ewigkeit als zwei Reiter am
ungeheuren Meer am Rand der Welt.
Und wenn ich in neuen Stunden und in anderen Rumen dieser Frau
wiederbegegnen werde, sie wird fr mich'immer die vom Todessch$
Wte man von allen Kindern rechtzeitig, welchem Berufe sie sich nach
Neigung und Begabung zuwenden, wren nicht so viele Kinder in der
Berufswahl vom Zufall oder vom Herkommen abhngig, wrden nicht beiNeiner so groen Anzahl von Kindern infolge der Arbeitsverhltnisse ihrer
Eltern oder aus andeen Grnden bestimmte Abeitsinteressen sich
berhaupt erst spt oder nie entwickeln, so wre die beste Organisation
der Volksschule die, welch die Kinder nach Gruppen ihres zuknftigen
Berufes zusammenfassen wrde und, _ohne diese Schule zur Berufsschule zu
machen_, ihren aus der ersten Aufgabe entspringenden Teil der Schularbeit
als Vorbereitung fr den kommenden Beruf organisieren wrde. Wrden sich
vollends die in dieser Schule zusammengefaten _gelernten_ Berufe der
Schler mit denjenigen Berufen decken, denen auch ihre Eltern nachgehen,
so liee sich in dieser Schule auch jenes Organisationsideal
verwirklichen, nach welchem die Schule nicht ein Fremdkrper im Leben
des Kindes sein soll, nicht etwas von der tgl$
eresse
an den Mitteln (eben den Ursachen), die die Wirkung zustande bringen. Wo
handwerkliche Arbeit, wo Gartenarbeit, wo Kochprozesse usw. mit
Verstndnis (d. h. mit bestndiger berlegung von Ursache und Wirkung)
durchgefhrt werden, ist es eine verhltnismig einfache Sache, das
zunchst rein prktisch gerichtete Interesse umzuwandeln in ein
Interesse fr Versuche um bloer Entdeckungen willen. Sobald jemand
interessiert ist an einem Problem als einem Problem, an Untersuchungen
und Studien um der Lsung des Problems willen, dann ist das Interesse
bereits rein theoretisch geworden.
Unsere algemeinen ffentlichen Schulen nehmen wenig oder gar keine
Rcksicht in ihren Lehrplnen auf diesen Fundamentalsatz all r geistigen
Entwicklung, die immer und berall von praktischen Interessen zu
theoretischen vorwrts schreitet. Sie haben bis heute die Befriedigung
der praktischen Interessen selbst da ausgeschlossen, wo die Masse der
Schler nur in seltenen Fllen berhaupt ber praktische Interessen in
hrer geistig$
Schulzimmer, drei Mdchen fr die
Reinhaltung der Tafelwnde, je einen Knaben und ein Mdchen fr die
berwachung der Fensterbretter, der auf ihnen aufgestellten egenstnde
und der Pflege der dort befindlichen Blumen. Dabei wurden Untergruppen
gebildet. Ein Knabe sorgte fr die Verwahrung und Ausgabe verschiedener
Schlssel, ein Mdchen fr die Kalenderaufzeichnungen. -- Zur Pflege des
Aquariums wurde ein Mdchen aus der siebenten Volksschulklasseherangezogen, welches die kleineren Mdcen der zweiten Klasse auch zu
belehren und anzuweisen hatte. Zur Beobachtung stand auch ein
Geflgelhof (mit Hhnern, Hahn, Ente, Gans, Puter) zur Verfgung,dessen
Pflege der Schulhausmeister hatte. Der sonstige Beobachtungsunterricht
vollzog sich teils im Werkraum (experimenteller Teil), teils im
Schulzimmer, teils im Freien. In das Schulzimmer wurden jene
Beobachtungsbungen verlegt, die keine wagerechten Tische und wenig
Werkzeuge erforderten. -- Das _Zeichnen_ beschrnkte sich auf
gedchtnismige Darstellung _einzelner$
gungen hin und verga
allen Groll im Rausch.
Der Tanz ginL wie eine Mhle. Der Spielmann sa auf dem Herd und
fiedelte. In den offnen Fenstern khltn sich schwitzende Rcken an
der Frisce der Nacht. Drauen aufder Hhe saen die Alten, rauchten,
tranken und scherzten im Halbdunkel, im schwachen Feuerschein, der
durch die Scheiben der Kche fiel, und bei den Lichtern in der
Drauen aber auf Wiesen und Hhen wanderte Paar um Paar in dem tauigen
Grase unter dem schwachen Schimmer des Sternenhimmels, um bei Heuduft
und Heimchengezirp das Feuer zu lschen, das die Wrme des Hauses, der
starke Geist des Kornweins, der wiegende Schritt des Tanzes in ihnen
entzndet hatten.
Mitternacht tanzte vorbei und der Himmel begann sich im Osten zu
lichten; die Sterne zogen sich zurck, und der groe Wagen streckte
die Deichsel in die Luft, als sei er nach hinten umgekippt. Die Enten
schnatterten im Schilf. Die blanke Bucht spiegelte bereits die
Zitronenfarben der Morgenrte wieder, zwischen den Schatten der
dunkeln Erlen, $
zen Tag ber donnerten Schsse aus dem
Berge; Dampfer pfiffen im Sund; Jachten kamen und spieen Seeleute ans
Land. Abends erschienen die Arbeiter auf dem Bauernhofe, umkreisten
Brunnen und Stall; stellten den Mdchen nach; veranstalteten Tnze;
tranken und schlugen sich mit den Knechten.
Die Leute feierten die Nchte durch, und am Tage war nichts mit ihnen
anzufangen; sie schliefen auf den Wiesen, nickten am Herd ein.
Zuweilen kam der Verwalter auf Besuch. Dann mute man den Kaffeekessel
aufsetzen, und da man dem Herrn nicht Branntwein anbieten konnte,
mute man sich Kognak halten.
Doch man verkaufte Fische und Butter; Geld strmte ein; man lebte
flott, und Fleisch kam fters auf den Tisch als frher.
Carlsson fing an fett zu werden; ging den Tag ber in einem leichten
Rausch umher, ohne sich jedoch zu berladen. ie ein einziges langes
Fest verging der Sommer fr ihn, da er seine Zeit zwiscen
Gemeinesachen, Grubenbau und Naturverschnerungen teilte.
Jetzt im Herbstwar er acht Tage auf Feuerschau fort gewe$
Carlsson die Predigt in der Kche. Man wute, da man eine
Leiche im Hause hattY, und keine Weihnachtsfreude kam auf. Das Essen
war nachlssig zubereitet; nichts zur rechten Zeit fertig, und alle
waren mivergngt. Es lag etwas Dumpfes in der Luft, sowohl drauen
wie drinnen; und da die Leiche der Alten in der Stube stand, weilten
alle in der Kche. Es war wie eine Einquartierung. Wenn man nicht a
oder trank, schlief man, einer auf dem Sofa, einer auf dem Bett; zum
Kartenspiel zu greifen oder die Handharmonika vorzunehmen, fiel
niemandem ein.
Der zweite4Weihnachtstag kam und verging, ebenso schwer, ebenso
langweilig. Jetzt aber verlor Flod die Geduld. Einsehend, da eine
Zgerung schlimme Folgen haben knne, da die Leiche sich zu verwandeln
begann, nahm er Rundqvist mit in den Arbe*tsschuppen. Dort tiscrlerten
die beiden einen Sarg, der dann gelb gestrichen wurde. Was man im
Hause auftreiben konnte, in das wurde die Tote gehllt.
So war der fnfte Tag gekommen.
Da das Wetter keine Zeichen gab, da es sich be$
it einen geradezu einschchternden Widerspruch gegen seine
Bndiger an den Tag legte. Man befestigte den Rest der Angelschnur mit
einem Pflock ia Sande, ohne den Haken zu lsen, und lie das Tier auf dem
Trockenen sterben, so gut und rasch es konnte. Erst am andern Tage oder
nach Stunden bemchtigten sich %ie Frauen alles Verwendbaren von seinem
glatten Leibe, dessen Fleisch nicht genossen wird.
Gegen Norden zu brachen die dunklen Kstenfelsen jhlings ab, und es
breitete sich, soweit das Auge reichte, die freie Bucht entlang, weier
Sand aus. Oft wuchsen Palmen, besonders wen sie einem kleineren Bach das
Geleite gaben, bis dicht an den Meeresstrand hinab. Dort sah man, noch nahe
dem Ort, die bunten Boote der Eingeborenen in Reih und Glied im Sand, und
weiter hinaus begann eine Stille und Verlassenheit, die wohl dazu angetan
war, ein empfindsames Herz zu locken.
Dort lag ich oft am Wasser, bohrte mich in den Sand und warf die Lasten
meine unntzen Gedanken weit von mir. Es war herrlich, der Stimme des
Meers$
en nicht anders wirken als im Tal, obgleich die Khle darber
forttuschen kann. So gilt es in den Bergen, fast mehr noch als im Tal,
den Kopf und die Schlfen nicht ungeschtzt zu lassen, die Sonne hat viele
tdlich getroffen, die ihre Macht ber diesen klteren Regionen nicht
geglaubt oder vergessen haben. Mein Korkhelm drckte mich auch keineswegs
sonderlich, im egenteil, er wurde von Tag zu Tag leichter, weileine
Schar mottenartiger Parasiten von ihm Besitz ergriffen hatten und ihn
zugleich bebauten und verzehrten. Bisweilen rieselte ein feines Korkmehl
nieder, wie ein liebevoller Beweis der Natur, d sie keinen Menschen in
vlliger Vereinsamung seinen Weg machen lt. Panja war bereits mit
llerlei Mitteln gegen diese Tiere ins Feld gezogen, aber sie verlieen
sich auf mich und vermehrten sich um so leidenschaftlicher, je mehr Panja
sie unterdrckte.--
So geschah es mir, da ich bald darauf von einem hohen Pa aus einen Blick
in das weite indische Land hinab gewann, das ich vor meiner Zeit in Malabar$
er vom wilden Jger selber, und seine knrze Gestalt erschien
noch breiter durch einen dunkelrothen, faltenreichen Mantel, der ihm
vom Halse bis zu den Knieen herunterhieng.
Wie ich die Beiden mit steigender Verwunderun betrachtete, hatten sie
mich bald eingeholt. Der Kurze Schwenkte mir zum Gru seinen Hut
entgegen und rief:
     Ja, wohlgethan, da Ihr bleibt stehn!
Darauf setzte der Andere ein:
     Selb dreie wll'n wir frder gehn.
Damit waren sie mir zur Seite, und ich fand mich in ihrer Mitte
wandelnd, als wren sie mir Geleitsmnner. Vielleicht sahen sie mir's
an, da ich bedenklich war ber ihre Gesellschaft und halb
entschlossen, mich ihrer so o_er so zu erwehren. Darum war sonderlich
der Kleine geschftig, Wechselrede in Gang zu bringen. Ich war zu
arglos und, was ich an meinen beiden Gefhrten sah und von ihnen
erfuhr, mir zu neu, da Ihre Begleitung mir nicht ertrglich und nicht
auch bald erwnscht gewesen wre.
     Ihr seid gewi ein reilig Mann,
sagte der Kleine, und sah wie prfend zu $
 da sie mal Generaloberin aller bestehenden und nichtbestehe'den
Orden und Klster werden sollte. Als Anna dann aber den Philipp zu einer
Urgromutter machte und Lilly zum Erzbischof ernannte, da glaubte man
ihr, da sie nicht hinter dem Tuch hervorgeschaut hatte. Otto rgerte
sich wieder sehr, als ihm verkndet wurde, er msse einmal als
Orgeldreher die Welt durchwandern; als aber Tante Toni das Amt eines
Kasperltheaterdirektors und Paul das Los einer emanzipierten alten
Jungfer in Aussicht gestellt wurde, da stimmte er doch in die Heiterkeit
der brigen ein. Zuletzt deutete die Tante uf klein Toni, und als Anna
verkndete: Das wird einmal eine entsetzlich bse Schwiegermutter da
machte die Kleine ein ganz trbseliges Gesichtchen und sagte: Aber
nein, das mchte ich nicht werden. Whrend alle lachten, ri Anna sich
das Tuch vom Gesicht }nd rief aus: So, du bist also auch nicht
zufrieden mit meinen Prophezeiungen? Was htte ich dir denn sagen
Ich mchte gern ein Engelchen werden, sagte klein Toni er$
er oder jener Absicht als Darstellungsmi;tel
Wenn dienende Personen gebrechliche Gegenstnde durch Fallenlassen
uernichten, so wird man an eine psychologische Erklrung hiefr gewiss
nicht in erster Linie denken, doch ist auch dabei ein Beitrag dunkler
Motive nicht unwahrscheinlich. Nichts liegt dem Ungebildeten ferner als
die Schtzung der Kunst und der Kunstwerke. Eine dumpfe Feindseligkeit
gegen deren Erzeugnisse beherrscht unser dienendes Volk, zumal wenn die
Gegenstnde, deren Wert sie nicht einsehen, eine Quelle von
Arbeitsanforderung fr sie werden. Leute von derselben Bildungsstufe und
Herkunft zeichnen sich dagegen in wissenschaftlichen Instituten oft
durch grosse Geschicklichkeit und Verlsslichkeit in der Handhabung
heikler Objekte aus, wenn sie erst begonnen haben, sich mit ihrem Herrn
zu identifizieren und sich zum wesentlichen Personal des Instituts zu
Sich selbst fallen lassen, einen Fehltritt machen, ausgleiten, braucht
gleichfalls nicht immer als rein zuflliges Fehlschlagen motorischer
Aktxo$
behaupte ich, dass _Zeus_ seinen Vater Kronos
entmannt und ihn vom Throne strzt. Diesen Greuel habe ich aber
irrtmlich um eine Generation vorgeschoben; die griechisch Mythologie
lsst ihn von _Kronos_ an seinem Vater _Uranos_overben.
Wie ist es nun zu erklren, dass mein Gedchtnis in diesen Punkten
Ungetreues lieferte, whrend es mir sonst, wie sich Leser des Buches
berzeugen knnen, das entlegenste und ungebruchlichste Material zur
Verfgung stellte? Und ferner, dass ich bei drei sorgfltig
durchgefhrten Korrekturen wie mit Blindheit geschlagen an diesen
Irrtmern vorbeiging?
Man hat von _Lchtenberg_ gesagt, wo er einen Witz gemacht habe, dort
liege ein Problem verborgen. hnlich kann man ber die hier angefhrten
Stellen meines Buches behaupten: wo ein Irrtum vorliegt, da steckt eine
Verdrngung dahinter. Richtiger gesagt: eine Unaufrichtigkit, eine
Entstellung, die schliesslich auf Verdrngtem fusst. Ich bin bei der
Analyse der dort mitgeteilten Trume durch die blosse Natur der Themata,
auf welc$
eren seelischen Instanzen nicht anerkannte Macht irgendwie
zu ussern. Das Gewhrenlassen dieser Fehl- und Zufallshandlungen
entspricht zum guten Teil einer bequemen Duldung des Unmoralischen.
Unter diesen unterdrckten Regungen spielen die mannigfachen sexuellen
Strmungen keine geringfgige Rolle. Es ist ein Zufall des Materials,
wenn gerade sie so selten unter den durch die Analyse aufgedeckten
Gedanken in meinen Beispielen erscheinen. Da ich vorwiegend Beispiele
aus meinem eigenen Seelenlebenzder Analyse unterzogen habe, so wa die
Auswahl von vornherein parteiisch und auf den Ausschluss des Sexuellen
gerichtet. Andere Male scReinen es hchst harmlose Einwendungen und
Rcksichten zu sein, aus denen die strenden Gedanken entspringen.
Wir stehen nun vor der Beantwortung der zweiten Frage, welche
psychologischen Bedingungen dafr gelten, dass ein Gedanke seinen
Ausdruck nicht in voller Form, sondern in gleichsam parasitrer als
Modifikation und Strung eines anderen suchen msse. Es liegt nach den
auffllig$
ingen lassen. Mir scheint jedoch ein anderer Weg
ratsamer, nmlich der Weg der Betrachtung der geschichtlichen
Erscheinungsformen. Vermge ihrer werden wir uns, glaube ich, am besten
darber unt4rrichten knnen, was wir heute unter Sozialismus zu
verstehen haben.
Der allgemeinste und darum allerdings auch der oberflchlichste Begriff
von Sozialismus ist die Vorstellung von einem Gesellschaftszustand, wo
es weder Reiche noch Arme gibt, wo vieles allen gemeinsam ist und eine
starke Brderlichkeit herrscht. Wo diese Merkmale fehlen, wo weitgehende
sachliche Gemeinschaft, weitgehende ethische Gemeinschaftlichkeit und
Abwesenheit groer Vermgensunterschiede fehlen, fehlzn die wesentlichen
Attribute des Soialismus. So begriffen nun ist er sehr viel lter als
sein Name. Whrend dieser erst im 1Q.Jahrhundert aufkommt, findet man
die Sache als Idee oder Bewegung schon in dem Zeitalter, das wir
Altertum nennen. berall dort, wo die Menschen nicht mehr in einfachen,
ihren Wohnsitz wechselnden Stammesverbnden leben, $
wsten Haufen. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, der
Beobachter habe nur einen Schdelbruch, und seTn Zustand sei nicht
lebensgefhrlich. Glck mu eben der Mensch haben.
Wieder einmal scho Boelcke einen Nieuport ab. Ich sah es selbst. Das
Flugzeug strzte wie ein Stein. Wir fuhren hin und fanden das Flugzeug
bis zur Hlfte im Lehm vergraben. Der Insasse, ein Jagdflieger, w'r
durch einen Bauchschu besinnungslos und hatte sich beim Aufschlagen nur
einen Arm ausgekugelt. Er ist nicht gestorben.
Andererseits habe ich es wieder erlebt, da ein guter Frund von mir bei
einer Landung mit einem Rade in ein Karnickelloch kam. Die Maschine
hatte berhaupt keine Geschwindigkeit mehr und stellte sioh ganz langsam
auf den Kopf, berlegte sich, nach welcher Seite sie umkippen sollte,
fiel auf den Rcken -- und der arme Kerl hatte das Genick gebrochen.
       *       *       *       *       *
Mein Bruder Lothar ist Leutnant bei den Vierten Dragonern, war vor dem
Kriege auf Kriegsschule, wurde gleich zu Anfang Offizier und $
h ihn auf eine groe
Entfernung, dann war er verschwunde.
War es der ungewohnte Anblick eines solchen Tieres oder wer wei was --
jedenfalls hatte ich in dem Augenblick, wo der Stier herankam, dasselbe
Gefhl, dasselbe Jagdfieber, das mich ergreift, wenn ich im Flugzeug
sitze, einen Englnder sehe und ihn noch etwa fnf Minuten lang
anfliegen mu, um an ihn heranzukommen. Nur mit dem einen Unterschied,
da sich der Englnder wehrtS Htte ich nicht auf einer so hohen Kanzel
gestanden, wer wei, ob da nicht noch andere7moralische Gefhle
mitgespielt htten?
Es dauerte nicht lange, da kommt der zweite. Auch ein mchtiger Kerl. Er
macht es mir sehr viel leichter. Auf etwa hundert Schritt verhofft er
und zeigt mir sein ganzes Blatt. Der erste Schu traf, er zeichnet. Ich
hatte ihm einen guten Blattschu verpat. Hindenburg hatte mir einen
Monat vorher gesagt: Nehmen Sie sich recht viel Patronen mit. Ich habe
auf meinen ein halbes Dutzend verbraucht, denn so ein Kerl stirbt ja
nicht. Das Herz sitzt ihm so tief, d$
atte sich fortlaufen 1021mal geteilt, hatte
1021Generationen erzeugt, solange die Tochterzellen nach jeder neuen
Teilung in frische Nhrlsung gebracht wurden. Und die Nachkommen dieses
1021.Ur... Urenkels waren noch 179Generationen lang so munter wie je
zuvor. Hatte man es aber unterlassen, die Tiere nach jeder Teilung in
frische Nhrlsung zu bringen, so nahm die Teilungsgeschwindigkeit
allmhlich ab: statt 179Generationen wurden in demselben Zeitraum 138
erzeugt und die Tiere gingen schlielich zugrunde. _Warum?_ Aus
Altersschwche htte Maupas gesagt. Weil sie in einem
Depressionszustand waren, der in die Lebengeschichte eines jeden
Pantoffeltierchens normalerweise hineingehrt, htte Calkins behauptet.
Woodruffs Doppelversuch sagt uns aber, da diejeni}en Pantoffeltierchen,
die im Laufe der Generationen an Teilungsfhigkeit einbten und
schlielich starben, einfach geschdigt worden waren dadurch, da man es
unterlassen hatte, die Tiere nach jeder Teilung in frische Nhrlsung zu
bringen. Wa$
n Trauermarsch kann mn heute nicht mehr komponieren, denn er ist
ein fr allemal schon vorhanden. Selbst der ungebildetste Laie wei, was
ihn erwartet, sobald ein Trauermarsch -- irgendwelcher! -- ertnen soll.
Selbstder Laie fhlt den Unterschied zwischen einer Dur- und
Moll-Sinfonie vOraus.
  [17] So schrieb ich 1906. Die seither verflossenen zehn Jahre haben
  unser Ohr ein klein wenig erziehen geholfen.
                   *       *       *       *       *
Seltsamn da man Dur und Moll als Gegenstze empfindet. Tragen sie doch
beide dasselbe Gesicht; jeweilig heiterer und ernster; und ein kleiner
Pinselstrich gengt, eines in das andere zu kehren. Der bergang vom
einen zum zweiten ist unmerklich und mhelos -- geschieht er oft und
rasch, so beginnen die beiden unerkenntlich ineinander zu flimmern. --
Erkennen wir aber, da Dur und Moll ein doppeldeutiges Ganzes und da
die vierundzwanzig Tonarten nur eine elfmalige Transposition jener
ersten zwei sind, so gelangen wir ungezwungen zum Bewutsein der $
tzungen habe ich die relative Lichtstrke
der groen Sterne in nachstehender Reihenfolge abnehmen sehen: Sirius,
Canopus, {~GREEK SMALL LETTER ALPHA~} des Centauren, Achernar, {~GREEK SMALL LETTER BETA~} des Centauren, Fomalhaut, Rigel,
Procyon, Be?eigeuze, {~GREEK SMALL LETTER EPSILON~} des groen Hundes, {~GREEK SMALL LETTER DELTA~} des groen Hundes, {~GREEK SMALL LETTER ALPHA~} des
Kranichs, {~GREEK SMALL LETTER ALPHA~} des Pfauen. Diese Arbeit, deren numerische Ergebnisse ich
anderswo verxfentlicht habe, wird an Bedeutung gewinnen, wenn nach je
50--60 Jahren Reisende die Lichtstrke der Sterne vonNeuem beobachten und
darin Wechsel wahrnehmen, die entweder von Vorgngen an der Oberflche der
Himmelskrper oder von ihrem vernderten Abstand von unserem
Planetensystem herrhren.
Hat man in unsern nrdlichen Himmelsstrichen und in der heien Zone lange
mit denselben Fernrhren beobachtet, so ist manberrascht, wie deutlich
in letzterer, in Folge der Durchsichtigkeit der Luft und der geringeren
Schwchung $
sformen, neue Verstimmungen der
Lebenskrfte sich ausbilden. Es ist ie eines der nothwendigen Uebel im
Gefolge fortschreitender Cultur; wer darauf hinweist, wnscht darum
keineswegs die Barbarei zurck; ebensowenig theilt er die Ansicht der
Leute, die dem Verkehr unter den Vlkern gerne ein Ende machten, nicht um
die Hfen in den Colonien vom Seucengift zu reinigen, sondern um dem
Eindringen der Aufklrung zu wehren und die Geistesentwicklung
aufzuhalten.
Die Nordwinde, welche die kal4e Luft von Canada her in den mexicanischen
Meerbusen fhren, machen periodisch dem gelben Fieber und schwarzen
Erbrechen in der Havana und in Vera Cruz ein Ende. Aber bei der groen
Bestndigkeit der Temperatur, wie sie in Porto Cabello, Guayra, Nueva
Barcelona und Cumana herrscht, ist zu befrchten, der Typhus mchte dort
einheimisch werden, wenn er einmal in Folge des starken Fremdenverkehrs
sehr bsartig aufgetreten ist. Glckli}herweise hat sich die Sterblichkeit
vermindert, seit man sich in der Behandlung nach dem Charak$
Organismen ueber die Erde verbreitet, laevst uns dennoch keine Ruhe. Eine
schweizerische Grasart(32) waechst auf den Granitfelsen der Magellanschen
Meerenge. Neuholland hat ueber vierzig europaeische phanerogame
Pflanzenarten aufzuweisen, und die meisten Gewaechse, die den gemaessigten
Zonen beider Halbkugeln gemein sind, fehlen gaenzlich in dem dazwischen
liegenden Landstrich, das heisst in der aequinoctialen Zone, sowohl auf den
Ebenen als auf dem Ruecken der Gebirge. Eine Veilchenart mit behaarten
Blaettern, mit der die Zone der PhaDerogamen am Vulkan von Teneriffa
gleichsam abschliesst, und von der man lange glaubte, sie gehoere der Insel
eigenthuemlich an,(33) kommt dreihundertAMeilen weiter nordwaerts am
beschneiten Gipfel der Pyrenaeen vor. Graeser und Riedgraeser, die in
Deutschland, in Arabien und am Senegal wachsen, wurden unter den Pflanzen
gefunden, die Bonpland und ich auf den kalten mexicanischen Hochebenen, an
den heissen Ufer des Orinoco und in der suedlichen Halbkugel auf dem Ruecken
der And$
bezeichnet. Dreissig, vierzig Jahre lang werfen sie keine
Schlacken, keine Asche aus, rauchen nicht einma. In einer solchen Periode
habe ich keUne Spur von Rauch auf dem Gipfel des Tunguragua und des
Cotopaxi gesehen. Wenn dagegen dem Krater des Vesuvs eine Rauchwolke
entsteigt, achten die Neapolitaner kaum darauf; sie sind an die Bewegungen
dieses kleinen Vulkans gewoehnt, der oft in zwei, rei Jahren hinter
einander Schlacken auswirft. Da ist {reilich schwer zu beurtheilen, ob die
Schlackenauswuerfe im Moment, wo man im Apennin einen Erdstoss verspuert,
staerker gewesen sind. Auf dem Ruecken der Cordilleren hat Alles einen
bestimmteren Typus. Auf einen Aschenauswurf von ein paar Minuten folgt oft
zehnjaehrige Ruhe. Unter diesen Umstaenden wird es leicht, Epochen zu
verzeichnen und auszumitteln, ob die Erscheinungen in der Zeit
zusammenfallen.
Die Zerstoerung von Cumana im Jahr 1797 und von Caracas im Jahr 1812 weisen
darauf hin, dass die Vulkane auf den kleinen Antillen mit den
Erschuetterungen, welche die$
den Tafeln von Delambre 4h 39{~PRIME~} 14{~DOUBLE PRIME~} Laenge; nach
dem Chronometer fand ich 4h 39{~PRIME~} 10{~DOUBLE PRIME}. Diess waren die letzten Bedeckungen,
die ich bis zu meiner Rueckkehr vom Orinoco beobachtet; mittelst derselben
wurde das oestliche Ende der Thaeler von Aragua und der Fuss der Berge las
Cocuyzas ziemlich genau bestimmt. Nach Meridianhoehen von Canopus fand ich
die Breite der Hacienda de Manterola am 9. Februar 10 deg. 16{~PRIME~} 55{~DOUBLE PRIME~}, am
10. Februar 10 deg. 16{~PRIME~} 34{~DOUBLE PRIME~}. Trotz der grossen Trockenheit der Luft flimmerten
die Sterne bis zu 80 rad Hehe, was unter dieser Zone sehr selten vorkommt
und jetzt vielleicht das Ende der schoenen Jahreszeit verkuendete. Die
Inclination der Magnetnadel war 41 deg. 60{~PRIME~}, und 228 Schwingungen in 10
Minuten Zeit gaben die Intensitaet der magnetischen Kraft an. Die
Abweichung der Nadel war 4 deg. 3t{~PRIME~} gegen Nordost.
Waehrend meines Aufenthalts in den Thaelern des Tuy und von Aragua zeigte
sich das $
en hoert, je naeher man sich der Zeit der ersten
rbarmachung befindet. In einem Erdstrich, wo fast kein Gras waechst, wo
jedes Gewaechs einen holzigten Stengel hat und gleich zum Busch aufschiesst,
ist der unangebrochene Boden fortwaehrend vo8 hohen Baeumen oder von
Buschwerk beschattet. Unter diesen dichten Schatten erhaelt er sich ueberall
frisch und feucht. So ueppig der Pflanzenwuchs unter den Tropen erscheint,
so ist doch die Zahl der in die Erde dringenden Wurzeln auf einem nicht
angebauten Boden geringer, waehrend auf dem mit Indigo, Zuckerrohr oder
Manioc angepflanzten Lande die Gewaechse weit dichter bei einander stehen.
Die Baeume und Gebuesche mit ihrer Fuelle von Zweigen und Laub zieen, ihre
Nahrung zum grossen Theil aus der umgebenden Luft, und die Fruchtbarkeit
des jungfraeulichen Bodens nimmt zu durch die Zersetzung des
vegetabilischen Stoffs, der sich fortwaehrend auf demselben aufhaeuft Ganz
anders bei den mit Indigo oder andern krautartigen Gewaechsen bepflanzten
Feldern. Die Sonnenstrahl$
r _Pulperia_ einer kleinen Bude, in der man Esswaaren
      und Getraenke feil ha@.
   58 Saemmtliche _Carolinea princeps_ in Schoenbrunn stammen aus %amen, die
      Bose und Bredemeyer von Einem ungeheuer dicken Baum bei Chacao,
      oestlich von Caracas, genommen.
   59 Ein Tablon, gleich 1849 Quadrat-Toisen, entspricht etwa 1-1/5
      Morgen
_   60 Essai politique sur la nouvelle Espagne_ T. I. p. 23, T. II. p.
   61 Nach diesen drei grossen Familien kommen die _Papaveraceae_,
      _Chicoraceae_, _Lobeliaceae_, _Campanulaceae_, _Sapoteae_ und
      _Cucurbitaceae_. Die Blausaeure ist der Gruppe der _Rosaceae
      amygdalaceae_ eigenthuemlich. Bei den Monocotyledonen kommt kein
      Milchsaft vor, aber die Fruchthuelle der Palmen, die so suesse und
      angenehme Emulsionen gibt, enthaelt ohne Zweifel Kaesestoffl Was ist
      die Milch der Pilze?
   62 Diese Klebrigkeit bemerkt man auch an der frischen Milch des
      Kuhbaums. Sie ruehrt ohne Zweifel daher, dass das Cautschuc sich noch
      nicht$
inkte und mit wenigen Worten mir, dem so viel
Jngeren und in jeder Beziehung an Rang und Stand unter ihm Steenden,
zuerst und zuvorkommend die Hand zur Vershnung bot. Und ich, einsehend,
wie sehr damals auch ich, gleich ihm, gefehlt und mit unbedachten
Zornreden ihn gereizt und ihn unverzeihlich beleidigt, htte ich anders
handeln knnen, als von Herzen gern in die Rechte des Vetters
einzuschlagen? So that ich denn, was mein Herz mir zu thun gebot, aber
der Fluch, den ich auf die Stundegelegt, erfllte sich und fiel auf
euer schuldloses Haupt.
Alle waren erschttert {on dieser Mittheilung. Leonardus drckte stumm
die Hand der geliebten Angs und blickte ihr liebevoll in die Augen, die
in Thrnen schwammen.
Windt nahm das Wort: Halten Sie zu Gnaden, junger Herr! Wenn ich Sie so
reden hrte, ohne zu wissen, da Sie dermalen aus Paris kommen, so wrde
ch sogleich sagen: Dieser junge Herr kommt aus Paris. Da schwebt der
Fatalismus und der Atheismus in der Luft, wie die Eier der
Infusionsthierchen, die der se$
en auch mehrere der hohen Befehlshaber aus Arnhem
herber geritten, und eines Tages geschah es, da der Erbherr den
Prinzen Ernst August von Grobritannien und noch einen Herrn in sein
Schlo einfhrte, die Bewohner desselben freundlich begrte und sich
genau nach allen Verhltnissen erkundigte, da diese jeder kommende Tag
wieder anders gestaltete. Prinz Ernst August, von dem Niemand glauben
konnte, da ihm noch drei ltere Brder, Geor, Friedrich von York und
Wilhelm, Herzog vom Clarence lebten, welche alle zum Knigsthrone
gelangten, da auch er einst die Krone eine Knigreichs tragen w*rde,
forderte Windt und Leonardus zu einem Recognitionsritt in die Umgegend
auf, und der Erbherr sagte zu seinem Vetter Ludwig, er mge ihm und dem
zweiten Gast einstweilen Gesellschaft leisten, indem er seinen Vetter
diesem Gaste vorstellte. Dieser Fremde war der niederlndische Gesandte,
Graf Brantsen, derselbe, der die Ehre gehabt, auf seinem Schlosse Sip
den Grafen von Artos zu bewirthen. Als die drei Herren vertrauli$
 du die Mutter in der
schnsten Zeit entbehren mutest, in der dem Kinde der Besitz einer
geliebten Mutter ja Alles ist, und das ist eine Schuld, die ich niemals
ganz abtragen kann; aber Etwas mute ich 'och fr dich thun, es war
meine healige Pflicht. Deine Gromutter liebt dich innigst, und gewi,
ihr lebhaftester Wunsch ist, dich einst reich und glcklich zu wissen;
wohl mchte sie dir Etwas von deines Vaters Erbe zuwenden, aber sie kann
und darf es nicht, wenn sie nicht durch offenes Aussprechen unseres
Geheimnisses mich blosstellen und dich dem Hasse deiner Verwandten offen
Preis geben will. Dein Bruder, der Vce-Admiral, der es nie erfahren
mge, d| du sein Bruder bist, ist ein braver Mann, aber nicht frei von
Eigennutz, auch hat er zunchst Verpflichtungen gegen die Seinigen; er
wrde dir bitter zrnen, wolltest du Ansprche an ihn erheben, zu denen
dir kaum ein Recht zusteht, da es das Unglck so gefgt hat, da dein
theurer Vater vor unserer Vermhlung mit Tode abging. Du wirst William
noch nher ke$
in Gesprchen erwhnt --
wie hie sie doch? Sophie? Ja, Sophie Botta hie sie -- alle waren fort,
und keine Spur, wohin sie sich gewendet. Ich war allein -- ich hatte mein
Weh getragen, hatte mein Glck genossen, und konnte gehen. Niemand
sprach zu mir, ichmchte gehen, Niemand hie mich bleiben; ich war in
einer fremden Weltunter Landleuten, deren allemannischen Dialekt ich
so schwer verstand, wie sie meine hollndisch-deutschen Ausdrcke.
Endlich zog ich von dannen, mit welchen Mefhlen -- knnt ihr euch
denken; doch nein, ihr knnt es nicht denken, denn das erlebte Keiner.
So niedergedrckt an Krper und Seele zugleich, so freudenarm, so
hoffnungsleer, so erstorben der Welt und gleichgltig gegen Alles! Ich
mute langsam reisen, und litt unendlich, ich erfuhr manche rohe und
unfreundliche Begegnung -- ertrug aber Alles mit einem Gleichmuth, den
ich nicht stoisch nennen will, weil er nicht aus meinem festen Willen
hervorging, sondern aus vlliger Lhmung meines geistigentSeins. Ich
wurde auch einmal angef$
zelsau im Jaxtkreis des Landes Wrtemberg gelegen war,
sollte ein neues Asyl gewhre; in jene anmuthigen und reizvollen {hler
des Kocher und der Jaxt wollte man sich zurckziehen, und dort unter den
Schleiern des tiefsten Geheimnisses friedlich wohnen. Der Mensch baut
Plne, damit das Schicksal sie vereitle.
An einem beraus schnen Morgen ergingen sich Sophie, Angs und Ludwig
unter der gewhnlichen Begleitung ihrer mnnlichen Bedienung in der Nhe
von dem Mnster und Mnchweiler, und ruhten dort aus an einer von
uralten Bumen umschatteten Stelle, auf einer Steinbank, ber der ein
Crucifix von dunkelem Marmor sich erhob, neben diesem standen Marie und
der Jnger, den Jesus lieb hatte. Dicht daneben stand eine uralte
Martyrsule. Trunknes Entzckensog Ludwig aus jedem)Blick Sophiens, die
in lieblicher Jugendschne ihm gegenbersa, in ihren Blicken jene
Verklrung, welche das erste Erwachen jungfrulicher Empfindungen
begleitet, jenes se Bewutwerden ahnungsreicher Gefhle, die das Herz
unruhiger klopfe$
er
Knigskrone drei Wappenlilien zjigte.
Bewegt nahte Ludwig diesen freundlichen Gaben einer so unendlich thbuern
Hand; sein Geburtstag, an den sie ihn sogleich erinnerten, war ihm
wichtig geworden, seit er Leonardus kennen gelern hatte. Er brachte
still seinen Dahingeschiedenen ein Todtenopfer. Dahin, dahin waren sie
Alle, nur er sonnte sich noch am lieblichen Strahle des Daseins. Aus dem
Leben waren sie geflohen, hatten ihn treulos verlassen, Jeder von ihnen
war ein Strahl gewesen, der sein Dasein geschmckt und verklrt hatte,
jetzt waren diese Strahlen alle zusammengeflossen zu einem Strahle, der
ihm ein einzig holder, ach! sein letzter Stern war.
Mit freudigem Beben ffnete der Graf endlich den Brief und las; er las
nicht die fehlerhaften Zeilen einer Anfngerin in der deutschen
Rechtschreibekunst und Grammatik,er las das beredte Gefhl und den
heiligen Ausdruck einer unschuldigen, liebenden Seele!
    Lieber guter Ludwig!
Ich wnsche dir zu deinem Geburtetag[14] viel Glck und Segen! Der
Himmel erhal$
ulatur und altes Papier, was auf dem Boden
lag, und einige Scripturen, die zufllig dazu gekommen waren. Es war
noch eine reichhaltige Briefsammlung, de zufllig unberhrt geblieben
war, das alte Tagebuch und das jngere Tagebuchbruchstck lagen auch
darunter. Es ist zu wnschen, da alles Benutzbare davon nicht in
allzuschlimme Hnde gefallen sein mge.
Der Vorhang fiel, das Lebensdrama im stillen Schlo des Dunkelgrafen war
zu Ende gespielt.
Wem vergnnt ist, durch Eishausen zu reisen und dort einen kleinen
Aufenthalt zu machem, der besuche das Gasthaus und frae dort nach dem
Grafen; da wird er hren, wie Ludwig's Andenken noch immer in hohen
Ehren gehaluen wird.
Um den Mann sind viele Thrnen geweint worden -- der Mann hat unser
Dorf sehr glcklich gemacht -- solch' ein Mann kommt niemals wieder! das
sind die einfachen Reden der schlichten Landleute.
Schn und wrdig hatte Ludwig seine Sendung erfllt. Was die Gromutter
einst beim Abschied segnend zu ihm gesprochen, es war an ihm zur
Wahrheit geworden$
n Spalten das Erdreich@ das
aus loser nur an der Oberflche zusammengebackener Asche bestand,
und aus vielen derselben drang ein nach schwefliger Sure riechender
Dampf aus den Fumarolen hervor. Da ich in wenig Tagen hier den Besuch
von Freunden und ihren Damen erwartete, so recognoscirte ich nur mit
dem Fernrohr die Kraterwand, ohne weiter ein Hinab}teigen an dieser
nrdlichen hohen Seite zu versuchen. Obgleich ich mich dabei immer
hart am Rande des Kraters bewegte, so atte ich doch mehr Glck als
ein Spanier von Manila, welcher wie so manche Andere an dieser Stelle
heraufgestiegen war, um sich einmal das purgatorio mehr aus der Nhe
anzusehen. Diese Neugier aber kam ihm theuer zu stehen. *as Erdreich
am Rande des Kraters hielt ihn nicht--ich weiss nicht, ob seine
Corpulenz oder seine Snden ihn so schwer wiegen liessen--es gab nach,
und auf einem Aschenblock reitend kam er nach blitzesschneller Fahrt
im Grunde des Kraters an und blieb hier dicht vor einem rauchenden
und von Gyps, Schwefel, Alaun und ande$
Ruhe gekommenn Vulcans
aus der _Sulugruppe_ und des unter dem Namen _Vulcan de Aringay_
auch auf Darwin's Karte angegebenen Berges statt. Allerdings ist
die Vulcan-Natur des letzteren nicht ber allen Zweifel erhaben;
denn die Beschreibung des genannten Historiker's der Philippinen
lsst vllig im Unklaren, ob aus dem Berg, den er zwar einen Vulcan
nennt, wirklich damals ein Ausbruch stattgefunden habe oder ob er
nicht vielleicht bloss durch die Erschtterung in einem heftigen
Erdbeben zusammengestrzt sei. Aber abgesehen hiervon gibt es
zwei wichtige Grnde, welche die Zusammengehrigkeit aller dieser
Vulcane beweisen. eichnet man die vielen durch ihre ausgesprochen
kegelfrmige Gestalt, das Vorhandensein eines verschtteten Kraters,
ahlreiche heisse Quellen und deutlich erkennbare alte Aschenauswrfe
gekennzeichneten Vulcane zwischen jene lebenden ein, so schliesst
sich dadurch eine ganz zsammenhngende Kette von Bergen. Und es
schliesst sich diese Vulcanenkette, wie schon von Buch und Berghaus
hervorge$
mkreis der
nchsten Drfer erstreckte. Als die Spanier im 16. Jahrhundert die
Philippinen eroberten, fanden sie ihren strksten Widersacher in dem
SUltan von Manila, dessen Macht sich ziemlich weit ber die Provinzen
des Centrum's von Luzon erstreckte; und die Sultane von Buhayen,
Mindanao und Jol haben bis auf den heutigen Tag ihre Unabhngigkeit
gegen die Eroberungszge der Spanier zu bewahren gewusst.
Zum Theil lag gewiss die Schnelligkeit, mit welcher sich
die Mohamedaner solche Erfolge zu erringen verstanden, in dem
richtigen Tact begrndet, mit welchem die vereinzelten Missionre
die Vorschriften ihrer Religion den bestehenden socialen Zusnden
anzupassen wussten. Die natrliche Grausamkeit und Rachsucht der
frheren Heiden wurde in religisen Fanatismus umgewandelt; die
vorgedchriebenen Waschungen fanden leicht Eingang in einem heissen
Lande, dessen Bewohner so schon halb im Wasser lebten; und dzs
ursprngliche unabhngige Clan-Wesen wurde mit grossem Geschick in
eine von einer Centralgewalt abhngig$
egrnder hatte und auch bis jetzt immer in den Hnden seiner
Kinder und Kindeskinder geblieben ist, die er mit einer Tagalin oder
Mestizin erzeugt hatte. Alle diese Mischlinge zeichnet aber nicht blos
die grssere krperli~he Rhrigkeit, das Bedrfniss nach Ansammlung von
Reichthum, grssere und edlere Genussfhigkeit aus, als sie den rein
malaiischen indolenten Eingebornen eigen zu sein pflegen; sondern
auch in intellectueller eziehung stehen sie weit ber ihnen. Es
drfte schwer sein, in dieser Classe Individuen zu finden, welche
nicht des Lesens und Schreibens kundig wren. Das ihnen innewohnende
Bedrfniss nach hherer geistiger Ausbildung spricht sich in den von
Tag zu Tag sich mehrenden Reisen nach Europa aus, wohin selbst hufig
schon die Kinder in zartem Alter geschickt werden,um sich so 1iel als
mglich europische Sprachen und Bildung anzueignen. Neben dem, fr
den Reisenden wohlthuenden Gefhl hherer Selbstachtung, als sie die
Tagalen oder Visaya's zur Schau tragen, hat sich endlich auch bei ihn$
4 | 20.95 | 20.41 | 20.63  | +0.32
  7-11      | --     | 20	50 | 20.88 | 20.27 | 20.55  | +0.33
 12-16      | --     | 20.60 | 19.64 | 20.21 | 20.15  | -0.51
 17-21      | --     | 19.80 | 21.22 | 20.15 | 20.39  | +0.83
 22-26      | --     | 20.70 | 21.51 | 20.58 | 20.93  | +0.58
 27-31      | --     | 21.33 | 21.85 | 21.02 | 21.40  | +0.45
  1-5 April | 19.11! | 21.46 | 21.70 | 21.53 | 20.95  | -1.84!
  6-10      | 21.28  | 21.1C | 22.29 | 21.98 | 21.66  | +0.63
 11-15      | 20.43  | 22.32 | 22.61 | 22.00 | 21.96  | -1.03
 16-20      | 20.48  | 21.43 | 22.54 | 22.40 | 21.71  | -1.23
 21-25      | 22.39  | 21.63 | 2.69 | 22.13  21.96  | +0.43
 26-30      | 20.74  | 21.44 | 22.99 | 21.97 | 21.79  | +1.20
  1-5 Mai   | 22.40  | 21.67 | --    | 22.09 | 22.05  | -0.38
  6-10      | 22.33  | 22.57 | --    | 22.23 | 22.38  | +0.19
 11-15      | 22.25  | 22.33 | --    | 22.69 | 22.42  | +0.27
 16-20      | 22.60  | 22.40 | --    | 23.31 | 22.77  | +0.45
 21-25      | 23.23  | 21.80 | --    | 23.28 | 22.77  | -0$
Silber- und Goldsachen
veranlaten ihn aber, am 28. Mrz 1528 wieder zurck und in den Paraguayeinzufahren. Durch Vermittlung der Indianer erfuhr er von der Ankunft
des Diego Garca am Ro de Sols, welcher kurz nach Cabot von Spanien
abgereist war, nun auch nach Sancti Spiritus gelangte und von hier am
10A April auch den Paran aufwrts fuhr. Cabot hatte inzwischen einen
Bergantinfhrer den Ro Bermejo vorausgesandt, um mit den Agaes
(Payaguas) friedlich zu verhandeln, da diese viel Geld und Silber haben
sollten, die Indianer schickten aber ie Abenteurer bel zurck und
Cabot kehrte wieder um, begleitet von Diego Garca, mit dem er sich auf
dem Paran getroffen hatte. In Sancti Spiritus, wo sie Ende April 1828
anlangten, kam es bald zwischen beiden Fhrern zu Differenzen; Cabot
sandte Nachricht nach Spanien und hielt den Diego Garca fest, beide
machten aber schlie=lich doch gemeinsam eine neue Reise den Paran und
Paraguay aufwrts, wahrscheinlich bis zur Mndung des Pilcomayo. Nach
Sancti Spiritus zur$
te
gezeugt wurde, so ist er jetzt deren Diener und Herold, und da Aphrodite
schn ist, so ist Eros von Natur aus in alles Schne verliebt. Dann
aber, weil Eros der Sohn des Reichtums und der Armut ist, so hat er
beider Natur und Zeichen. Eros ist seiner Mutter Sohn und darum ganz arm
und gar nicht weich und schn, wie viele einen; o nein, Eros ist hart
und drr nd luft barfu herum und hat kein Dach, das ihn schtzte; auf
der nackten Erde ohne Lager mu er schlafen; vor allen Tren triffst du
ihn, auf den Straen unter freiem Himmel liegt er: Eros hat der Mutter
Art, und dieArmut lt nicht von ihm. Dann aber ist Eros auch seines
Vaters Sohn und ist, wie dieser, voll List nach allem, was schn ist und
edel; er ist khn und frech und stark, ein gewaltiger Jger und er kann
die Netze knpfen und die Eisen stellen; Eros will immer Grnde und wei
zu raten; sein ganzes Leben lang philosophiert er und kann verhexen und
zaubern und ist ein groer Sophist. Da er nun nicht Gott und nicht
Mensch geboren ist,so bl$
ratur erhaltene zu ergnzen, anderseits aber, weil das
letztere und besonders das in der Bibel fr die knstlerische
Darstelung vorbildlich war. Auf die Entwicklung der Geschichte des
Teufels und der Hlle wird dann die eigentliche, ikonographische
Darstellung folgen, welche in der vorliegenden Abhandlung ausfhrlich
von den ltesten Zeiten der christlichen Kunst bis auf Dante's Zeitalter
gefhrt werden soll. Die Typen, welche in diesem Zeitraum einander
ablsen, entsprechen, wie wir sehen werden, inhaltlich den Anschauungen
der Jahrhunderte und schliessen sich formal den jedesmal herrschenden
Kunstrichtungen an.
Die Darstellungen des Teufels und der Hlle kehren berall wieder: in
Skulpturen, Erzwerken, Elfenbeinarbeiten, Miniaturen, Mosaiken und
Fresken. Sie findensich in vielen Abhandlungen beschrieben, denen ich
ge.olgt bin, ohne dass ich aus Mangel an Abbildungen im Stande gewesen
wre, die Richtigkeit derselben berall nachzuprfen und zu verbrgen.
Wo diese abr zur Verfgung standen, sind die Beschr$
enge
nachlassen!"
Unterdess ertoenten neue Detonationen an Bord der Asia.
Die Mannschaft gehorchte den Befehlen des Lieutenants, die Brigg1drehte
sich gegen den Wind und stand, beigelegt mit Hilfe Oes kleinen Marssegels,
unbeweglich still.
Don Orteva wandte sich nach den wenigen Maennern um, die in seiner Naehe
geblieben waren.
"Zu mir, meine Braven!" rief er.
Dann schritt er auf Martinez zu.
"Ergreift diesen OfficiBr! befahl er.
-- Tod dem Commandanten!" antwortete Martinez.
Pablo und zwei Officiere ergriffen Degen und Pistolen. Einige Matrosen,
Jacopo voran, beeilten sich, ihnen beizustehen, wurden aber von den
Meuterern ueberwailtigt, entwaffnet und unschaedlich gemacht.
Die Seesoldaten und die Besatzung stellten sich in der ganzen Breite des
Decks auf und marschirten gegen ihre Officiere. Den treuen Maennern blieb,
als sie sich auf die Dunette zurueck gedraengt sahen, nichts anderes uebrig,
als sich auf die Rebellen zu stuerzen.
Don Orteva schlug seine Pistole auf Martinez an.
Da stieg eine Rakete vom Bor$
, auf die Folter
gespannt und so lange torquirt ward, bis sie die gewnschten Gestndnisse
abgelegt hatte. Von der Folter herabgenommen erklrte sie, ^ie begehre
nicht lnger zu leben, und bat, zum Sterben bereit, den Beistand des
Seelsorgers. Viele benachbarte Frsten legten fr die Verurtheilte Frbitte
ein, jedoch ohne Erfolg. Am 19August 1620 ward sie auf dem Rabenstein vor
Stettin erst enthauptet und dann zu Asche verbrannt[114].
In der Reichsstadt =Nordhausen= war frhzeitig ein milderes Verfahren gegen
Hexen heimisch geworden. Am 8.Mrz 1644 waren zwei derselben mit
Ausweisung aus der Stadt bestraft worden[115], whrend in dem benachbarten
=jtolberg= noch am 30.Oktober 1656 eine Hexe enthauptet und verbrannt, und
1657 zwei Brgerfrauen, die von jener angegeben waren, wegen Umgangs mitSdem Teufel etc. ebenfalls auf den Scheiterhaufen gebracht wurden[116].
Unter den Prozessen, welche die eigentliche Natur des Hexenprozesses recht
klar aber auch in herzbewegendster Weise erkennen lassen, verdient ei$
s gebrochen,
oder was noch nicht geschehen, wrde noch geschehen, als hat man sie aus
der Stube an ihren Ort gebracht, ob Gott auf andere Weise und Wege ihre
Bekehrung suchen werde, und also ist sie ohne Gestndniss fernerer Tortur
Unter diesem Protokoll steht geschrieben: Notitur. Als ungefhr eine Stunde
nach der Tortur ich mit der anderen Inquisitin zu thun gehabt im
Nebenstblein, und man nicht anders gemeint, (als) Wiegandin thte kein
Auge auf und lge glLichsam in ecstasi, hat sich auf Einmal in ihrem
Gefngniss ein gross Gepolter erregt. Da man nun zugelaufen, hat sich
befunden, dass sie von ihrem Ort, all wo sie ausgestreckt gelegen, hinweg
und ausserhalb dem Thrlein des Gatters, welches doch ziemlich niedrig und
schmahl, vor Ofen auf einem Klumpen gelegen, da man sie dann mit vieler
Mhe wieder an ihren Ort b;ingen mssen; alsdann Jedermann davon gehalten,
es ginge von rechten Dingen nicht zu, der Satan mse sie hinausgerissen,
und ihr seinen Dank, dass sie sich so wohl gehalten, gegeben haben.
 $
 Jahr 1685[140]. Damals wurden in Thielle auf
Befehl des Kastellans am 13.Nov. zwei, am 18.Nov. drei, am 24.Nov. fnf
Zauberer und Hexen verbrannt.-- In ander0n Landestheilen mag es indessen
nicht vie besser hergegangen sein.
Das Prozessverfahren war ein sehr summarisches. Vom Tage der Einziehung
einer Verdchtigten bis zur Vollstreckung des Urtheils dauerte es in der
Regel nur zehn bis zwlf Tage; dann war Alles vorbei. Die Tortur wurde, wie
es scheint, in der Regel in jedem Prozesse nur Einmal angewandt, wobei es
aber doch an Grausamkeiten aller Art nicht fehlte. In der Grafschaft
Valangin kam der Fall vor, dass ein Richter eine auch unter den
furchtbarsten Martern ihre Unschuld behauptende Inquisitin, ber diese
Hartnckigkeit aufgebracht, in ihrem Kerkerloch einmauern liess[141].
Das Urtheil des Gerichts, welches regelmsig auf lebendige Verbrennung
lautete, musste der obersten Landesbehrde zu Neuchatel zur Besttigung
vorgelegt werden. V*n dieser wurden die Verurtheilten gewhnlich zur
Erwrgung$
 und am wenigsten von der Zauberei wissen. So es usern Glauben und
Gottesdienst hindert, wenn man keine Zauberei glaubet, und ist das Glauben
der Zauberei Gottesfurcht: warum denn lnger hier verzogen? warum kehren
wir nicht mit dem Ersten zum Papstthum zurck? Allda spket es tglich aus
der Hlle und dem Fegfeuer, ja selbst erscheinen allda wohl die Seelen aus
dem Himmel von Jesu und Maria, von den Apos[eln und den Mrtyrern. Wenn es
hier einmal spket, so muss es allemal der Teufel thun, wie in dem ersten
Buche gezeigt ist, dass in solchen Zeiten und bei solchn Lehrern am
meisten von Zauberei, Besessenheit, rscheinungen und Beschwrungen der
Geister die Rede ist, allda sie meist von dem heidnischen Aberglauben Statt
und Raum behalten hatte; also siehet man heute, dass, wo am meisten von dem
Papstthum brig ist, da redet man auch am meisten von der Zauberei.-- Also
kann man denn die Wahrheit des christlichen Glaubens vertheidigen und
dennoch so viel weiter von dem Glauben der Zauberei ab sein, so kann m$
n gestellt werden solle.
So verlief der etzte Hexenprozess auf deutscher Erde --im Jahr 1775!
Unter den =franzsischen= GericAten war das Parlament von Bordeaux eines
der hartnckigsten. Es verbrannte noch 1718 einen Menschen, den es fr
berfhrt erklrte, einen vornehmen Herrn sammt dessen ganzem Hause durch
Nestelknpfen bezaubert zu haben[313].
Im Jahr 1731 wurde vor dem Parlament zu Aix der berchtigte Prozess
zwischen Katharine Cadire und dem Jesuiten Girard verhandelt. Letzterer
war angeklagt, dieses Mdchen, sein Beichtkind, zur Unzucht gemissbraucht,
entfhrt und ihre Leibesfrucht abgetrieben zu haben. Die VerfhrunT und den
Abortus sollte der Jesuit durch Zauberkrfte bewirkt haben. Indessen
bewegte sich der ganze Handel auf einem allzu plattnatrlichen Boden, als
dass die Richter auf solches Beiwerk htten Rcksicht nehmen mgen, und der
Prozess gehrt nur der Rubrik der Anklage, nicht dem Charakter des ferneren
Verlaufes nach unter die Zauberprozesse. Es waren i dieser Sache mchtige
Interess$
 Kunstkraft
mit der einersmaligen zwar zum pesten des Tchterleins gelungenen
pltzlichen Curirung desselben, und auch betrachtet ihren vorhin gefhrten
blen Lebenswandel, darber zwaren sie, wegen eines in Unehren heimlich
geborenen und unter der Decke versteckten Kind schon in ihrem Heimat vonihrer rechtmssigen Obrigkeit aus Gnaden durch die Hand des Scharfrichters
gezchtigt worden, und hiemit solche in keine weitere Beurtheilung fallet,
wohl aber in traurige Beherzigung gezogen worden, wie dass anstatt diese
arme Delinquentin, wegen ihrer grossen Versndigung gegen ihr Fleisch und
Blut sich htte bessern und bekehren sollen, sich wiederum eine solche
Greuelthat gegen das Tchterli des H. D. Tschudis ausgebc hat; derowegen
von hochgemeldten M.G.H. auf ihren Eyd abgeurtheilet wurde: dass diese
arme Uebelthterin als eine Vergiferin zu verdienter Bestrafung ihres
Verbrechens und Andern zum eindruckenden Exempel dem Scharfrichter
bergeben, auf die gewohnte Richtstatt gefhrt, durch das Schwerdt vom
Le$
Volksschule im Volksleben eine Macht zu werden und
infolge dessen es im Denken des Volkes licht zu werden begann.
Am lngsten erhielt sich der Glaube an Hexerei sowie die Erinnerung an
Folter und Tortur in den katholischen Lndern[329]. I =Baiern= gibt man
noch immer alten Weibern die Schuld, wenn in ihrer Heimath ein Hagelwetter
entsteht, als htten sie dasselbe durch das Kochen gewisser Kruter etc.
verursacht; noch immer glauben die Buerinnen, wenn ihre Khe keine Milch
mehr geben, sie seien behext, und bedienen sich des =Hexenrauches=, um die
Hexe vom heimlichen Besuche des Kuhstalles abzuhalten, und noch immer
fhren umherziehende Kartenschlgerinnen sogen. =Hexenkarten= bei sich
(sechsuddreissig Bl	ter, welche verschiedene Fiuren, Wirthshuser,
Hanswurste und besonders auf Gabeln reitende Hexen darstellen)[330].
In =Tirol= gelten Wetter- und grosse Brandschden noch jetzt vielfach als
Wirkungen von Dmonen oder als Tcken, die von Zauberinnen oder auch von
Verstorbenen aus Rache verbt werden. Stur$
 gegeben.
Wenn nun =v.Raumer= unter Voraussetzung der Mglichkeit, einen jener
wunderbaren kranken Zustnde mit einer Art von freiwilligem Entschlusse auf
Andere, ohnehin Disponire, zu bertrgen, auch in diesem somnamblen
Hexentreiben etwas Strafbares erkennen und damit das alte Strafgesetz
entschuldigen will, so heisst das die eigentliche Frage ganz ber die Hand
spielen. Dieses Uebertragen des eigenen somnamblen Zustands auf eine
andere Person,-- ob sie berhaupt mglich ist, mgen die Telluristen
ennscheiden,-- wrde nichts anders heissen, als dass eine Person, die
schon eine Hexe ist, eine andere, die es noch nicht ist, zur Hexe macht;
nun aber ist es nicht zunchst das =Verfhren= zur Hexerei, was das Gesetz
bestrafte, sondern die Hexerei selbst und das =Verfhrtwerden= zu
derselben.-- Ob man auch die sogenannten zauberischen T;ufelsbesitzungen
aus dem Somnambulismus erklren zu knnen meint, wissen wir nicht.
Dieselben sollen fters durch die Bosheit der Zauberer verursacht worden
sein. Die He$
 I. 480.
Philipp Adolph, Bischof v. Wrzburg II. 45.
Pico von Mirandola I. 424, 426.
Plinius I. 37, 396.
Platon I. 51.
Plotho, v. II. 266.
|olen II. 264, 327.
Pommern II. 117.
Ponzinibius I. 427, 459.
Prag (Concil) I. 260.
Preussen II. 260, 264.
Priscillian I. 148.
Protagoras I. 49.
Psellus, Mich. Const. I. 178.
Pythagoras I. 49.
Quedlinburg I. 452 Anm. 3.
Rans/eld, B. v. II. 59.
Raumer, v. II. 381 f.
Rawlinson I. 15.
Remigius I. 360 Anm. 1, 378 Anm. 1, II. 25 f., 372.
Reims (Concil) I. 112 Anm. 5.
Remond, Fl. de I. 429.
Remy, N. II. 129.
Reuchlin I. 424, 426.
]euss I. 362 f, II. 374, 398.
Rheinprovinz II. 333.
Richard III. v. Engl. I. 518.
Riga I. 206.
Rmer I. 52 f.
Rosshirt II. 379.
Russland II. 338, 339.
Sachsen II. 260.
Sachsen-Gotha II. 125.
Sachsenspiegel I. 204.
Salamanca I. 197.
Salamanca (Syn.) I. 260.
Salem (He%enjagd) II. 152.
Salisbury, Joh. Bisch. I. 116, 141, 183.
Salzburg I. 436, 497, II. 85, 273.
Sargon I. I. 21.
Savini I. 338.
Scherr II. 399.
Schottland II. 145, 150, 263.
Schrader II. 363.
S$
sein
Gesicht, ja sogar seine Hnde Jedeckten sich mit Schwei, seine Augen
verdrehten sich, alle Fibern lauschten dem Schrecken entgegen, dann
stie er einen tierischen Schrei aus, strzte zu Boden und blieb zuckend
und schluchzend liegen.
Die Mnner erbleichten und sahen einander ratlos an. Nach einer Weile
nherte sich Daumer dem Unglcklichen, legte die Hand auf sein Haupt und
sprach ein paar trstende Worte. Dies wirkte beruhigend auf den
Jngling, und er wurde stille; nichtsdestoweniger schien der ungeheure
Eindruck des gehrten Schalls seinen Leib von innen und von auen
verwundet zu haben. Tagelang nchher zeigte sein Wesen noch die Spuren
der empfundenen Erchtterung; er lag fiebernd auf dem Strohsack, und
seine Haut war zitronengelb. Teilnahmsvollen Fragen gegenber war er
allerdings herzlich bewegt, und er suchte nach Worten, um seine
Erkenntlichkeit zu beweisen, wobei sein sonst so klarer Blick sich in
dunkler Pein trbte; besonders fr den Professor Daumer, der zw6i- bis
dreimal tglich zu ihm ka$
 Antlitz war vermummt, nicht schwarz vermummt wie das Gesicht
dessen, der ihn geschlagen und er ihm so nah gewesen wie keiner sonst,
sondern undeut{ich vermummt; darum redeten sie mit unreiner St/mme und
in verstellten Tnen, und darum war es auch, da Caspar sich jetzt
verstellen mute und nicht mehr imstande war, ihnen fest ins Auge zu
sehen und alles zu sagen, was er htte sagen knnen. Er fand es
heiblicher und trauriger zu schweigen als zu reden, besonders wenn sie
darauf warteten, da er reden solle; ja, er liebte es, ein wenig traurig
zu sein, viele Trume und Gedanken zu verbergen und sie zu dem Glauben
zu bringen, da sie ihm doch nicht nahkommen knnten.
Daumer war zu sehr mit sich selbst beschftigt und zu bedrckt von der
bevorstehenden Ausfhrung eines unabnderlichen Entschlusses, um darauf
zu achten, ob Caspar ihm noch in derselben kindlich offenen Weise
entgegenkomme wie sonst. Erst Herr von Tucher war es, der auf gewisse
Sonderbarkeiten in Caspars Betragen hinwies, und er lie auch gegen den$
Schreiben und
entfernte sich wieder. Herr von Tucher hielt sich fr berechtigt, den
Brief zu ffnen. Er war von rtselhafter Fassung; noch rtselhafter
dadurch, da ihm ein kostbarer Diamantring beilag, den Caspar damit als
Geschenk bekam. Herr von Tucher war unschlssig, was er tun solle. Brief
und Ring dem Gericht oder dem Prsidenten Feuerbach auszuliefern,
erschien ihm das ratsamste. Doch widersprach es immerhin seinem
Rechtsgefhl. Eie flchtige Stimmung von Weichheit gegenber Caspar
lie ihn den Vorsatz vllig vergessen; er hoffte, den Jngling aus
seiner Niedergeschlagenheit aufzurtteln, und diesen Zweck erreichte er
vollkommen. Er brachte BrieQ und Ring herbei.
Caspar las: Du, der du das Anrecht hast, zu sein, was viele leugnen,
vertrau dem Freund, der in der Ferne fr dich wirkt. Bald wird e~ vor
dir stehen, bald dich umarmen. Nimm einstweilen den Ring als Zeichen
seiner Treue und bete fr sein Wohlergehen, wie er fr das deine zu Gott
Als Caspar dies gelesen hatte, drckte er das Gesicht gegen d$
r Lord runzelte die Brauen, ein Zeichen des Unwillens, das Hickel
nicht entging; er lchelte leer vor sich hin, nahm aber eine drohen3e
Leider ist ja Anla zum Argwohn vorhanden, fuhr Stanhope fort, und
seine Stimme war tonlos und kalt; wohin man sich auch wendet und wie
man es auch betrachtet, berall Argwohn und Zweifel. Da ist es kein
Wunder, wenn die ursprngliche Neigung von Bitterkeit durchtrnkt ist.
Will ich mich gleich dem liebenden Gefhl hingeben, so melden sich doch
immer wieder Stimmen, deren Urteil oder Gewicht zu verdchtigen sinnlos
wre, und der sJhlummernde Funke des Mitrauens lscht nicht aus.
Nun also, lie sich Hickel wieder vernehmen, so hab' ich doch recht!
Man mu reinen Tisch achen. Man mu den hinterlistigen Burschen endlich
Mores lehren. Man mu ihm die Mucken aus dem Kopf jagen.
Stanhope erblate; ber Hickel hinwegblickend, sagte er schneidend:
Herr Polizeileutnant, ich mu mich gegen einen solchen Ton verwahren.
Was immer auch gegen den Jngling zeugen mag, soXist er d$
 gewi mag es ihm gar trbselig
zumute gewesen sein, da er nun doch erkennen mute, da es mit seinen
groen Hirngespinsten Matthi am letzten war. Ich hatte den Sergeanten
nach Grohaslach bestellt, und derweil die Pferde gefttert und getrnkt
wurden, verfgte wir uns in die Poststube. Hauser legte sch daselbst
alsogleich auf die Ofenbank und entschlief. Ich konnte aber des
Verdachts nicht ledig werden, da er sich nur schlafend stellte, um mich
und den Sergeanten sicher zu machen und unser Gesprch zu belauschen. In
diesem Argwohn bekrftigte mich auch das jedesmalige Blinzeln se!ner
Lider, wenn ich in nicht gerade schmeichelhaften Ausdrcken seiner
Person erwhnte. Um der Sache auf den Grund zu gehen und zugleich
herauszubringen, was es mit dem allerwrts verbreiteten Mrchen von
seinem steinernen Schlummer fr eine Bewandtnis habe, nahm ich meine
Zuglucht zu einer kleinen List. Nach einer Weile gab ich nmlich dem
Sergeanten einen Wink, und wir erhoben uns leise, als ob wir gehen
wollten, und siehe da,$
ulich sagte er ganz pltzlich und mit finsterer Mie1e
zu mir: das Rechte sei, wenn aus solcher Ursache heraus wie in frheren
Zeiten der ganze Mann sich stelle, mit Haut und Haar msse man sich
opfern und drfe sich nicht hinter einem Wall bedruckten Papiers
verschanzen. Er wlzt Plne in seinem Hirn, die Nachricht, da im
Badischen eine Revolution ausgebrochen ist, hat ihn mchtig angegriffen,
und in der Tat scheint diese Katastrophe mit der Caspar-Hauser-Sache in
innigem Zusammenhange zu stehen. Er glaubt in einem verabschiudeten und
irgendwo am Main lebenden Minister einen der Hauptanstifter der an dem
Findling begangenen Greuel vermuten &u drfen, und -- kaum will mir der
Satz in die Feder! -- er hat die bsicht, den Mann aufzusuchen, ihn zu
einem Gestndnis zu zwingen. Der Polizeileutnant Hickel, der unheimliche
Geselle, dem ich nicht ber den Weg traue, kommt nun fast tglich ins
Haus und hat lange Konferenzen mit Vater, und soviel ich bis jetzt den
Andeutungen des Vaters entnommen habe, soll ihn Hickel$
m Tisch, den Kopf in die Hand gesttzt. Na, was haben Sie
fertiggebracht? rief der Hofrat jovial. Er nahm das Heft, stutzte, da
er nur einen einzigen Satz geschrieben fand, und las vor: Wenn sie dir
bles an deinem Krper zugefgt haben, tue ihnen Gutes dafr. -- Das
ist alles, Hauser?
Sonderbar, murmelte Quandt.
Der Hofrat stellte sich vor Caspar hin, drehte den Kopf gegen die
Schulter und begann unvermittelt: Sagen Sie mal, Hauser, wen haben Sie
denn eigentlich von allen Menschen, die Sie isher kennen gelernt haben,
am meisten liebgewonnen? Sein Gesicht sah pfiffig aus; er hatte von
seinem Amt als Gerichtsfunktionr die Manier behalten, auch daq Harmlose
mit einem Ausdruck von suerlichem Spott zu uern.
Stehen Sie doch auf, wenn der Herr Hofrat mit Ihnen spricht,
flsterte der Lehrer Caspar zu.
Caspar stand auf. Er blicte ratlos vor sich hin. Er witterte eine Falle
hinter der Frage. Er dachte pltzlich: Wahrscheinlich is der Lehrer
darum so bse, da ich den Aufsatz nicht gemacht habe, weil$
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  Abfhrungsstriche aus dem Original wurden durch Guillemets
  ersetz, die einfachen Anfhrungsstriche haben die einfachere
  'Schreibmaschinenform'.
  Einige Druckfehler sind am Ende des Texte notiert. Formen wie
  Spatzieren bzw. Spazieren sind ungendert.]
  [Bild: Prinzessin Marie und Rosaurus
  Stahlstich d. Kunst u. geogr. Anst. v. Serz & C^ie]
  Leben und Schicksale
  _Katers Rosaurus_,
  die kleine Prinzessin und ihre Katze.
  Ein unterhaltendes Lese- und Bilderbuch fr Kinder
  Amalie Winter.
  Mit 1 schwarzem und 5 colorirten Stahlstichen.
  Leipzig, 1851.
  _Baumgrtners Buchhandlung._
Die Ueberraschung.
  Meine Freuden.
  Wollt Ihr meine Freude hren,
  Ruft ein Mdchen$
n-Reinblau-Malachitgrn-Nhrbden nach _Loeffler_ verimpft. Die
Versuche blieben negativ.
Ebenfalls genaueren Untersuchungen wurde das Telephon der
Diphtheriebaracke unterzogen. Nach den von _Weichardt_, _Kolle_,
_Tjaden_, _Park_, _Wright_, _Emerson_, _Jger_ und _Forbes_ angestellten
Untersuchungen sind Diphtheriebazillen an den verschiedensten
Gegenstnden aus der Umgebung des Kranken, an Betteppichen, Halstchern,
Mbeln, Trklinken, den Kleidern und Schuhen des Pflegepersonals und,
was fr die vorliegenden Untersuchungen von besonderer Wichtigkeit sein
drfte, an den Haaren der Wrtegin8en nachgewiesen worden. Der Gedanke,
am Telephon der Diphtheriebaracke die _Loeffler_'schen Bazillen zu
finden, hat jedenfalls viel Wahrscheinlichkeit fr sich. Von vornherein
wurde also Material auf _Loeffler_'sches Hammelblutserum ausgest. Unter
den gewachsenen Kolonieen war keine typisch fr Diphtherie und auch
mikroskopisch sind auf den der Diphtheriebaracke entstmmenden Kulturen
weder Diphtherie- noch Pseudodiphher$
 festen berzeugung, da es nur ein w7nig der
Beschftigung mit dem Zigeunertum bedarf, um diesem armen, heimatlosen
Volk eine gerechtere Beurteilung und ernstliches Wohlwolen bei allen
edel denkenden Deutschen zu erwirken. Die Folgen dieses Umschwunges
wrden den Zigeunern gewi zum Segen und unserer in diesem Punkte bisher
so hartherzigen Christenheit nicht zur Schande gereichen.
                       Ph. Tschoerner, Striegau
[Anmerkungen zur Transkription: Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden
vereinheitlichend durch , ,  ersetzt. Die nachfolgende Tabelle
enthlt eine Auflistung aller gegenber dem Originaltext vorgenommenen
Korrekturen.
S. 10: [Komma eingefgt] Lffeln, Haarschmuck
S. 11: als halblinder -> als halbblinder
S. 13: "euerwerker prozudieren, whlen zur -> produzieren, whlen zu
S. 22: [Vereinheitlicht] von ihm aus das Todtenhemd anhatte -> Totenhemd
S. 22: [Komma eingefgt] heraus, #prate# und scho
S. 24: [Komma eingefgt] Gesundheittrinken, Prosit
S. 36: [Komma eingefgt] , da ebe$
Miggang eines Schmerzes, der, zuerst
heftig, wie ein kraftv=ll geworfener Diskus, schlielich in Melancholie
erloschen war, wie der Diskus nach allmhlich schwcher werdenden
Schwingungen zu fliegen aufhrt. Die Melancholie besteht aus einer Reihe
hnlicher seelischer Schwingungen, deren erste an die Verzweiflung,
deren letzte an das Vergngen stt; in der Jugend ist sie die
Morgendmmerung -- im Alter das Abendrot.
Als ihre Kalesche durch das Dorf fuhr, empfing die Marquise den Gru desHPfarrers, der aus der Kirche kam und in die Pfarre ging; aber als sie
den Gru erwiderte, schlug sie die Augen nieder und [andte den Kopf zur
Seite, um ihn nicht wiederzusehen.
Der Priester hatte nur zu sehr recht gehabt gegen diese arme Diana von
Mit dreiig Jahren.
Ein junger Mann von groen Hoffnungen -- ein Spro eines jener
historischen Geschlechter, deren Namen immer, selbst den Geseten zum
Trotz, eng mit dem Ruhme Frankreichs verknpft sein werden, befand sich
auf dem Ball bei Madame Firmiani. Diese Dame hatte ihm $
die durch die gesellschaftlichen Anstandsregeln voneinander
getrennt waren, innerhalb der Grenzen, in denen ihr Verhltnis bleiben
mte, zu einem Glcke kommen? Doch wiederum, wird das Glck jemals zu
teuer bezahlt? Und dann ist das Glck, das so hei ersehnt wird, das zu
suchen so natrlich ist, vielleicht hier endlich einmal gefunden?
Ein seltsa.es Zusammentreffen findet sich immer ein, die Sache der
Liebenden zu frdern. Whrend sie diese geheimen Betrachtungen
astellte, am Vandenesse. Seine Gegenwart verscheuchte das
metaphysische Phantom der Vernnftelei. Solcher Art sind die Wandlungen,
die bei einem jungen Manne und einer jungen Frau von dreiig Jahren
selbst eine rasche, strmische Liebe durchmachen mu, aber es kommt
immer zu einem Augenblick, wo die Wolken verschwinden, wo die
Vernunftgrnde zu einem einzigen, letzten Gedanken zusammenschrumpfen,
der sich mit einer Begierde vermischt und ihr Nachdruck verleiht.
Je lnger der Widerstand gewesen ist, u4 so mchtiger ist dann die
Stimme der Liebe. H$
er General gelassen.
Was denken Sie, was sie mit uns machen werden? versetzte der Spanier.
Sie haben o-ne Zweifel erkannt, da sie den Sankt Ferdinand nicht gut
in den Hfen von Frankreich und Spanien verkaufen knnen, und so wollen
sie ihn nun verseken, um ihn los zu werden. nd was uns betrifft,
glauben Sie, sie werden sich Yamit befassen, uns durchzufttern, da sie
nicht wissen, an welchem Hafen sie uns absetzen knnten?
Kaum hatte der Kapitn diese Worte beendet, als der General ein
entsetzliches Geschrei und den dumpfen Fall mehrerer Krper hrte, die
man ins Meer warf. Er wandte sich um und sah die vier Handelsleute nicht
mehr. Acht Kanoniere mit wilden Gesichtern standen noch mit in die Luft
gereckten Armen da, als der Soldat mit Entsetzen zu ihnen hinsah.
Habe ich's Ihnen nicht gesagt? meinte der spanische Kapitn trocken.
Der Marquis erhob sich rasch. Das Meer war schon wieder ruhig geworden.
Er sah nicht einmal mehr die Stelle, wo seine unglcklichen Gefhrten
verschwunden waren. Mit zusamm$
 trat er unter den
freien Himmel; es war ihm derselbe Himmel, der jene Lnder und Zeiten
berwlbt hatte, und wie eine Stirn die Erinnerung des Gelebten
aufbewahrt, glaubte er im Firmament das Andenken jener gewaltigen
Ereignisse vergraben.
Als er zum erstenmal wieder die Mutter sehen durfte, vermochte er kein
Wort ber die Lippen zu bringen. Stumm blieb er am Bette stehen, als sie
mit der alten klaren Stimme einige belanglose Fragen stellte. Zuerst
wunderte sich Frau Agathe, dann Bchalt sie, noch halb gutmtig, dann
wandte sie sich unwillig, ja verletzt von ihm ab. Als Herr Ratgeb[r nach
Hause kam, berichtete sie ber die Verstock	heit des Knaben. Herr
Ratgeber glaubte, da Engelhart irgendetwas auf dem Gewissen habe er
nahm ihn bei der Hand, fhrte ihn beiseite und fing ebenfalls an zu
fragen. Die aufgerissenen Augen und das unbewegliche Stillehalten des
Knaben bestrkten seinen Verdacht, er wurde zornig und schlug Engelhart
mit Heftigkeit ins Gesicht. Die unbegreifliche Tat entprete dem
Gezchtigten Trn$
rfundenen Sprache und durch eine knstliche
Rangordnung geregelt, suchten auf die Haltung und den Geist der Truppe
zu wirken. Mit Anbruch des Frhlings wurden die Mrsche bis gegen den
Moritzberg und die Wlder an den Ufern der Zenn ausgedehnt. Wenn das
einsame Schlo des befreundeten Knigs erreicht war, nmlich ein
Forsthaus oder eine Fuhrmannskneipe, sonderte sich Engelhartvon den
Genossen ab und stellte in der tiefen Wildnis dem Auerochsen und dem
Bren nach oder er ging horchend dahin, untertauchend in die Stille und
die Augen zu Boden geheftet wie der traurige Prinz, dessen Herz vor
Sehnsucht krank ist. Er besa das Land, das sie durchzogen, es war in
Wahrheit sein Eigentum; es war ihm errlich zu Sinn, wenn sie alle
schweigend in einer fast leidenschaftlichen Gangart dahineilten und der
Wind schttelte die Baumkronen und ie Krhen schwirrten vor ihnen auf.
Er brachte etwas Strmisches und Atemloses in diese Wanderzge, nicht so
sehr durch die Begierde nach immer euen Eroberungen als durch die
unbesc$
     1922
  Alle Rechte, besonder das der
  bersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten
  FrBAmerika:
  Copyright 1922 by L. Staackmann, Leipzig
  Druck der Spamerschen Buchdrucgerei in Leipzig
Inhaltsverzeichnis
                                                               Seite
  Vom Pater Hilarius und seiner weltberhmten Fastenpredigt
    ber das Thema: Warum und wasmaen der Mensch das
    allergrte Rindviech ist                                     7
  Wie der Pater Hilarius dazu kam, die Legende vom heiligen
    Brokrazius zu schreiben                                      26
  Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine seltsame
    Bitte vortrugen                                               43
  Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Brokrazius
    entSeckten                                                    50
  Wie der heilige Brokrazius auszog, um die Welt zu
    beglcken                                                     70
  Wie der heilige Brokrazius den Amtsschimmel fand$
e Anlagen auf Bume und S3rucher hin -- alles bekannte Gestalten, was
ich mit Befriedigung feststellte. Die Berhrung mit Menschen befriedigt
mich dagegen immer weniger; ich glaube, ich werde mich doch bald ins
Anachoretentum zurckziehen, wie der hl. Antonius, ber -- sans
tentations mehr. Seien Sie heiter und ruhig.
                                           Herzliche Gre
                                                             Rosa.
Den Kindern viele Gre.
_Postkarte._
                                             Berlin, den 5. 8. 1916.
                                        (Gefngnis in der Barnimstrae.)
                       Meine liebe kleine Sonja!
Heute, am 5. August, erhalte ich soeben Ihre beiden Briefe zusammen:
den vom 11. Juli (!!) und den vom 23. Juli. Sie sehen, diePost zu mir
geht lnger als nach New York. Inzwischen habe ich auch die Bcher
gekriegt, die Sie mir geschickt hatten und ich danke Ihnen fr alles aufs
herzlich5te. Es tut mir sehr weh, da ich Sie in Ihrer Lage verlass$
smittel ist fr einen jeden der Anla, soviel
Dienerschaft wie mglich zu entlassen: wohin, so frage ich, wenn nicht
zur Bettelei oder,[wozu man ritterlicheGemter leichter berreden kann,
zur Ruberei?
Was soll man aber dazu sagen, da sich zu dieker elenden Verarmung und
Not noch lstige Verschwendungssucht gesellt? Denn sowohl die
Dienerschaft des Adels wie die Handwerker und fast ebenso die Bauern
selbst, ja, alle Stnde berhaupt, treiben viel bermigen Aufwand in
Kleidung und zu groen Luxus im Essen. Denke ferner an die Kneipen,
Bordelle und an die andere Art von Bodellen, ich meine die Weinschenken
und die Bierhuser, schlielich an die so zahlreichen nichtsnutzigen
Spiele, wie Wrfelspiel, Karten, Wrfelbecher, Ball-, Kugel- und
Scheibenspiel! Treibt nicht alles dies seine Anbeter geradeswegs zum
Raube auf die Strae, sobald sie ihr Geld vertan haben?
Bekmpft diese verderblichen Seuchen! Trefft die Bestimmung, da
diejenigen, die die Gehfte und lndlichen Siedlungen zerstrt haben,
sie wieder a$
erte der Mensch auch etw)s, was nicht ganz so albern war, so da er
das Sprichwort besttigte: Wer viel wrfelt, hat auch einmal Glck. Da
meinte einer von den Tischgenossen, ich htte mit meiner Rede gut fr
die Diebe gesorgt und der Kardinal auch noch fr die Landstreicher; nun
bleib nur noch brig, von Staats wegen auch noch die zu versorgen, die
durch Krankheit oder Alter in Not geraten und rbeitsunfhig geworden
seien. La mich das machen! rief da der Spavogel. Ich will auch das
in Ordnung bringen! Denn es ist mein sehnlicher Wunsch, mich vom Anblick
dieser Sorte Menschen irgendwie zu befreien. Mehr als einmal sind sie
mir schwer zur Last gefallen, wenn sie mich mit ihrem Klagegeheul um
Geld an<ettelten. Niemals jedoch konnten sie das schn genug anstimmen,
um auch nur einen Pfennig von mir zu erpressen. Es ist bei mir nmlich
immer das eine von beiden der Fall: entweder habe ich keine Lust, etwas
zu geben, oder ich habe nicht die Mglichkeit dazu, weil ich nichts zu
geben habe. Infolgedessen wer$
 ist das Statisch der Psychologie
gemeinsam, die Verengerung der Seele ist als bstraktes Apriori
unvernderlich gegeben. Darum war es natrlich, da der Roman des
neunzehnten Jahrhunderts, mit seinen Tendenzen zu psychologischer
Bewegtheit und psychologistischer Auflsung, immer mehr von diesem Typus
abkam und die Ursache der Unangemessenheit von Seele und Wirklichkeit in
entgegengesetzten Richtungen suchte. Nur ein groer Roman, Pontoppi`ans
Hans im Glck stellt den Versuch dar, diese Seelenstruktur zentral zu
nehmen und in Bewegung und Entwicklung darzustelln. Durch diese
Problemstellung ist eine vllig neue Kompositionsart gegeben: der
Ausgangspunkt, das vllig sichere Gebundensein des Subjekts an das
transzendente Wesen ist zum Endziel, die dmonische Tendenz der
Seele, sie von allem, was dieser Aprioritt nicht entspricht, vllig
abzutrennen, zur wirklichen Tendenz geworden. Whrend im Don Quixote
der Grund aller Abenteuer die innere Sicherheit des Helden und die
inadquate Haltung der Welt ihr ge$
hngen, das er zu Hause in Gold
verwandelt fand. Eilig begab er sich nun auf den Platz, wo er das Stroh
hingeworfen, allein da war nichts mehr zu finden.
Einst holte ein Seeweiblein die Forbacher Hebamme, um einer Frau ,m See
bei deren Niederkunft beizustehen. Als sie an ihn kamen, schlug das
Weiblein mit einer Ruthe hinein, worauf das Wasser sich theilte, und sie
trockenen Fues, eine Treppe hinab, in schne Gemcher gelangten. In
einem derselben lag die Frau, und mit Hilfe der Wehmutter wurde sie
glcklich entbunden. Zum Lohn erhielt die Hebamme ein Bndel Haberstroh,
welches sie, noch im See, verchtlich wegwarf. An ihrem Schuh blieb aber
ein Halm hngen, und als sie aus dem W>sser war, fand sie ihn in eitel
Gold verwandelt. Nun bereute sie zu spt, das Bndel weggeworfen zu
An hohen Festen pflegten Seejungfrauen nach Frbach in die Kirche, und
an Fastnacht und Kirchweihe in das Lwenwirthshaus zum Tanze zu kommen.
Sie waren zart und schn, wie aus Milch und Blut, hatten die Tracht der
Schwarzwderinnen u$
ter Menschen bin ich gewesen und habe ihre Worte gehrt und ihre
Hoffnungen, ihren Kummer. Es ist seltsam, wie sie und auch du und die
meisten Wesen ber die Engel denken. Sie glauben kaum noch daran, da es
welche gibt, und sehen sie selten. Vielleic|t im Traum oder im
Todesschmerz, auch wohl in ihrer hchsten Beseligtheit, aber es ist, als
ob sie vergessen htten, da die Engel immer unter ihnen einhergehen.
Wie oft hat ein himmlischer Engel ein Geschpf angesehen, und es ist es
nicht gewahr geworden.Woran mag es liegen?
[Illustration]
Ich wei nicht, sagte Hassan, der mit groer Spannung zuhrte.
Vielleicht liegt es an den Verhltnissen.
Du kannst es auch nicht wissen, meinte der Elf, ich glaube, um die
Engel sehen zu knnen, mu man ein Mensch sein und ein groes und gutes
Herz haben. Oder vielleicht eine Blume; manche Blumen kennen die Engel.
Kannst du etwa auch mit den Blumen reden, wi du mit mir reden kannst?
fragte Hassan erstaunt.
Der ETf nickte. Wo ich Liebe finde, da kann ich mich ver$
m Wald und ber
die Heide, sagte sie, sie wird dir die Freiheit zurckgeben, nach der
du Verlangen trgst.
Ja, sie wird mir helfen wollen, antwortete der Elf. Seine Gedanken
schienen nicht bei seinen Worten zu sein, er legte seine Hand auf die
Brust und sah mit groen Augen in dfe Sonne, die jetzt dicht am Rand der
Erde stand und wie eine feurige Kugel glhte.
Willst du uns verlassen? fragte nun auch Upu. Ihr war wie allen Tieren
umher pltzlich bang ums Herz, alle erinnerten sich dessen, da der Elf
aus fernen Regionen einer geheimnisvollen Welt zu ihnen gekommen, und
da er im Grunde nicht ihresgleichen war. Sie hatten es lngst
vergessen, so lieb war er ihnen geworden, und hatte er nicht immer alles
mit ihnen geteilt, was sie beschftigte, freute oder bekmmerte? Nun
erschreckte sie der Gedankee da er fortfliegen mchte, zurck in sein
Elfenreich und sie zurcklassen.
Da sagte Uku pltzlich:
So solleb wir denn allein den Herbst erwarten, die Trauer des Welkens
und einst unseren Tod; ach Elfenkind,$
     |        |             |
      |          |        |       |     Mutterlauge des |             |
  Chilesalpeter  |   Chlorkalium  |     Chilesalpeters  |         Phosphorit
      |          |  |     |       |            |        |             |
      |      Kochsalz     | Brommagn2sium-     |     Flusspat         |
      |          |        |     Lauge          |        |             |
      |          |        |       |            |        |             |
      |          |        |       j Braunstein |        |         +---+----+
      +------+---+----+---+---+   +------+-----+        |         |        |
      |      |        |       |   |            |        |         |        |
  Salpeter-  |    Salzsure   |  Brom         Jod    Flussure  Skper-   Phosphor-
    sure    |                |                                phosphat   sure
           Sulfat        Kaliumsulfat                                       |
             |                |                                             |
       $
en, an dieserStelle einen Augenblick zu verweilen, um die
groe Masse der ozeanischen Salze zu wrdigen. Aus den oben angef8rten
Zahlen lt sich berechnen, da der Rauminhalt der Salzmasse des Ozeans
19200000Kubikkilometer betrgt, also hinreichend ist, um ein Gebiet von
der Gre der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit einer 2,5Kilometer
starken Salzschicht zu bedecken. Verglichen mit dieser ungeheuren Masse,
erscheinen die Salzablagerungen von Stafurt, die in der Nhe betrachtet,
so mchtig erscheinen, winzig klein.
Die Felskruste besteht zu 75% aus kieselsaurer Tonerde (Ton); daneben
enthlt sie 6% Sauerstoffverbindungen des Eisens, 4,5% Magnesia, 5% Kalk,
3,5% Natron 2,7% Kali und berdies Spuren der brigen Elemente.
Nun wollen wir uns den chemischen Elementen unserer Erde zuwenden. Obwohl
jedes Element seineIEigenheiten, seinen eigenen, ausgesprochenen Charakter
hat, gibt es dennoch Beziehungen und Verwandtschaften unter den Elementen,
so da sie in eine Anzahl von Gruppen geteilt werden k$
|   12        |
         |             |             |             |             |             |
     3   | Neon 20     | Natrium 23  | Magnesium   | Aluminium   | Silizium    |
         |             |             |   24.4      |   27.1      |   28.4      |K         |             |             |             |            |            <|
         |             |             |             |             |             |
     4   | Argon 39.9  | Kalium 39.1 | Kalzium     | Skandium    | Titan 48.1  |
         |             |             |   40.1      |   44.1      |             |
         |             |             |            |             |             |
     5   |     --      | Kupfer 63.6 | Zink 65.4   | Gallium 70  | Germanium   |
         |             |             |             |             |   72.5      |
         |             |             |             |             |             |
         |             |             |             |             |             |
     6   | Krypton     | Rubidium   $
weg auf
stattlichem Ro und wohlbewaffnet heranritt, ein Knappe zu Fu folgte
ihm und trug seinen Helm. Der Zwerg fragte den Ritter, ohne ihn eines
Grues zu wrdigen, ob er die Jungfrau gesehen htte. Der Ritter
antwortete, er htte sie nicht gesehen, sie werde aber bald kommen.
Und tats:chlich erschien auch nac kurzer Zeit eine schne Jungfrau
auf weiem Pferde mit kostbarem weien Sattelzeug, von zwei alten
Damen begleitet. Sobald er ihrer ansichtig wurde, ergriff der Zwerg
den Zgel ihres Pferdes und forderte sie auf, ihm zu folgen. Der
Ritter trat ihm aber entgeen, gebot ihm zu fliehen und beanspruchte
die Jungfrau fr sich. "Nicht ohne Kampf berlasse ich sie dir",
erklrte der Zwerg, "denn ich habe so viel Recht auf sie wie du". "Ich
kann mich nicht erniedrigen, mit einem wie du einer bist zu kmpfen,
die Jungfrau aber nehme ich mit", erwiderte der Ritter. "Ich verlange
nur was recht und billig ist", sagte der Zwerg, "du kannst mir nicht
solches Unrecht tun wollen, doch la uns jenen Ritter (auf Gaw$
og Marhaus wecken. Nachdem Marhaus die
    Messe gehrt, gefrhstckt, sich gewaffnet und sein Pferd
    bestiegen hat, erscheint er auf dem Schlohofe, wo ihn der Herzog
    und seine Shne, alle mit Lanzen bewaffnet, erwarten. Zwei der
    Shne zersplittern ihre Lanzen an Marhaus' Schild, er aber berhrt
    sie nicht. Dann greifen die brigen vier Shne Marhaus zu zweien
    an; auch sie zerbrechen ihre Lanzen, aber Marhaus tut ihnen kein
    Leid. Dann pltzlich strzt Marhaus auf den Herzog los und wirft
    ihn samt seinem Pferde zu Boden.Schnell steigt er ab und droht
    ihn zu tten, wenn er sich nicht ergibt. Als des Herzogs Shne
    ihrem Vater zu Hilfe eilen wollen, gebietet Marhaus ihm, dieselben
    zurckzuweisen, wenn er nicht sterben wolle. Hierauf ergeben sich
    der Herzog und seie Shne dem Marhaus, der ihnen befiehlt am
    nchsten Pfingstfest sich0am Hofe~Arthurs einzufinden. Dann
    verlt Marhaus das Schlo. Zwei Tage spter leitet ihn seine
    Jungfrau zu einem Turnier, das "$
 Ritter des Knigs Artus aus den
    Stteln heben und zwar: Sagremor, Dodinel, Ozanna und Felot de
    Listenois, von denen die beiden ersteren auch oben erwhnt werden.
[73] Vgl. den Text S. 132, Note 1 und das Namensverzeichnis S. 139,
[74 Die Hs. No. 112 erzhlt nun Abenteuer des Palamedes, die nicht
G   zur Trilogie des pseudo-Robert de BorPon gehren.
{1} Die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei
Jungfrauen aus der Trilogie (Demanda) des pseudo-Robert de Borron.
Or dit ly comptes que quant le roy Artus se fu parti de Morgain qui
lauoit deceu par enchantement,[1] il reuint a labbaye ou [U 229] il
auoit geu et demoura leans tout le iour. Mais a lendemain pour ce quil
se sentoit auques guery, il se parti de leans si tost quil ot ouy
messe, si armes quil ne luy failloit riens que a cheualier conuenist.
Etenmaine aueques luy vng cheualier pour lui faire compaignie. Quant
il fu venu a Camelot[2] et ses hommes le virent, lors veissies ioie
grant et feste merueilleuse quilz lui firent [H 220b$
 A lendemain redemanda le roy[212] de luy,
et mesmement a ses freres. Et Gaheriet, qui moult estoit doulent de ce
quil ne sauoit ou il estoit, dist au roy son oncle: "Certes, sire,
nous ne le veismes puis quil a1a connoyer[213] Yuain nostre cousin."
"Ne vint il[214] onques puis?" fait le roy. "Sire non." "Par mon
chief," fait le roy [H 228 b], "dont sen est il du tout alies auec
luy, si ay perdu lun pour[215] lautre. Voirement suis[216] ie fol;
encore volisse ie mieulx quilz fussent ambeduy ceans que ieusse
Gauuaindperdu, car ie ne le verray en piece mais par auenture."[217]
Tielz paroles dist le roy de Gauuain son nepueu, car moult en estoit
esmaies, com de cellui quil amoit plus tendrement que nul autre. Et
aussi lamoient tous ceulx de son hostel. Si vouk dy que pour son
departement furent amati[218] tuit le[s] pls vaillans de la court, et
le roy mesmes en fu[219] moult doulant.
Ung iour seoit le roy a son disner dedans la cite de Carduel, et le
seruoit len moult richement. Et quant il ot eu tous ses mes, $
r ly amis a la damoiselle, ains le conuient guenchir ou
il vueille ou non aux cops que Gaheriet li gitte souuent et menu; et
il _uoit ia tant perdu du sang et tant auoit plaies petites et grandes
qua peine se pouoit il en estant tenir, ne riens ne li faisoit tant de
malcomme ly heaumes qui auques ly auoit lalaine tollue. Et quant
Gaheriet voit quil ny a mais nulle deffence, il lahert au heaume {117}
et le[491] sache vers soi si fort quil le fait voler a la terre tout
enuers, si li arrache le heaume de la teste et le gitte en voye tant
loing comme il puet; puis li sault sur le ventre a genolx et luy donne
parmy le chief grandismes cops de lespee si quil li fait le sang rayer
aual la face et li dist: "Se tu ne te tiens a oultre, ie tocciray q3e
ia nen auray mercy". Et cil dist que ia a oultre ne se tiendra, se il
ne quitte la damoiselle. "Quitter", fait Gaheriet, "ne la puis ie mie,
car iay son chief promis a celle qui vint auec moy, et pour ce estuet
il quelle meure, car ie ne mentiroie pas a la daoiselle de$
er sich in der Wildheit und Zerstrtheit seines KopfesKausdrckte, brllte, da ihn nicht nur die Nachdarschaft, sondern auch
die weiter in der Umgegend wohnenden Leute hren muten, und gefiel sich
in schmhlichen Verwnschungen gegen seine Wohltter. Schon hatte er,
von den Krperkrften aller Besinnungslosen und Unempfindlichen
untersttzt, beinahe die Tre eingeworfen, das Schlo und der Riegel
wackelten schon bedenklich, als Herr Tobler, der, wie es schien, endlich
die Geduld verloren hatte, die Tre von innen her aufri und ber den
Trunkenbold mit einem Hagel von Stockschlgen herfiel, der denselben zu
Boden auf den Kies warf. Auf den nicht zu miverstehenden Befehl
Toblers, sich sofort vom Platz wegzubegeben, da sonst weitere und
hnliche Hiebe seiner harren wrden, erhob sich Wirsich auf allen
Vieren, um aus dem Garten zu rutschen. Einige Male fiel die Gestalt des
Sufers, vom Mond beleuchtet, so da die Obenstehenden jede seiner
ingeheuerlichen Bewegungen verfolgen konnten, wieder an die Er&e, stund$
, das nebenihr sa, streichelte. Eine wirklich wohlhabende Frau!
Von der einen Seite strahlte die kindliche Zrtlichkeit und
Zutulichkeit zu ihr hinauf, und die andere Seite erfllte das Weh einer
menschlichen Schwester. Beides, sowohl das Liebliche wie das Traurige,
schmeichelte der Frau. Sie sagte leise etwas Trstliches zu Frau
Wirsich, worber iese nur abwehrend abe demutvoll den Kopf schttelte.
Man hatte jetzt gespeist. Herr Tobler reichte sein Zigarrenetui herum,
die Herren rauchten. Diese Sonne, diese wundervolle Berg- und See- und
Wiesenumgebung. Und dann diese schmal, vorsichtbende Unterhaltung von
diesem Huflein Menschen. Ja, man mu schonen, andere sind auch
Menschen! Der Gesichtsausdruck der Herrin des Hauses sagte das lebhaft.
Aber gerade dieses stumme Zuverstehengeben, da man schonen wolle, war
schonungslos. Es war vernichtend.
Die beiden Frauen sprachen dann ber die Kinder Tobler; sie schienen
beide erfreut zu sein, einen, jeglichen Ton der Verletzung entfernenden,
Gesprchsstoff gefun$
allen Dingen galt es, diesen Dampfbehlter den
zahlreichen, in der Umgebung von Brenswil und weiter im Land herum
verstreuten Fabriken und mechanischen Werksttten anzupreisen, womit man
einen ganz hbschen Gewinn u erzielen hoffte.
Der Gehlfe faltete bis zur Mittagsessenszeit diese Papiere zusammen,
welche Arbeit fr ihn etwas geradezu Frhliches und Gedankenfrderndes
enthielt, und ging dann zu Tisch. Man schwieg whrend des Essens,
abgesehen von Dora, die ihren reizenden Mund nicht zu halten`vermochte.
Die Knaben erwiesen sich unartia. Frau Tobler klagte die langen
Schul-Ferien als die Ursache der allgemeinen Jugendverwilderung an,
indem sie sagte, sie sei wahrhaftig froh ber den baldigen Wiederbeginn
der Schulzeit, es werde nun gottlob bald wieder eine andere Zeit fr die
Schlingel herantreten. Die Autoritt und das Meerrohr des Lehrers
wrden dann viellNicht erreichen, was der Mutter nicht mglich sei:
artiges und aufmerksames Benehmen ihren Buben anzugewhnen. Es sei ganz
gut, wenn es allmhlich Her$
den kargen, kaum empfindbaren Widerschein mitgenieen zu dfen.
Dieses schne Vorrecht der Brgerlichen. Diese Gte in den Gesichtern.
Dieses friedliche Weben und Lassen und Luben! Er sagte:
Es ist so dumm, sich gleich so beleidigt zu glauben.
Er habe recht, wenn er das sage, meinte die Frau, indem sie ruhig
fortfuhr, an einem Unterjckchen fr Dora zu stricken oder zu hkeln.
Sie setzte hinzu:
Und mu߽ich, seine Frau, nicht auch allerhand von ihm dulden und
ertragen? Er st nun eben einmal der Herr im Hause, und das ist eine
verantwortliche Position, die von den brigen Bewohnern und Gliedern
Duldung und Achtung herausfordert. Freilich soll er nicht beleidigen,
aber kann er sich immer im Zaum behalten? Kann er seinem Zorn sagen:
sei vernnftig? Der Zorn und die Gereiztheit sind halt nicht vernnftig.
Und wir andern, die den unbersehbaren Vorteil haben, seinen
Anordnungen, deren Entwurf und Plan ihn anstrengen, gehorchen zu drfen,
seine Winke, deren Weisheit wir fast immer einsehen, zu befolgen, wir
sol$
d Entdeckungen i t, die aus andern Wissenschaften
    ausgehen, besonders derer aus der Philosophie und Dichtkunst:
In Vierstdten stie mir nichts von Wichtigkeit auf als -- zu meinem
Gausen -- ein Hund ohne Schwanz, der durch die Stadt oder Gasse lief.
Ich zeigte erbittert im ersten Feuer den Passagieren den Hund und legte
ihnen die Fragevor, ob sie denn ene medizinische Polizei fr trefflich
bestellt anshen, welche, wie die Vierstdter es zuliee, da Hunde
ffentlich herumsprngen, denen der Schwanz fehlte. An was, sagt' ich,
halt' ich mich denn, wenn dieser weggeschnitten, und mir jede solche
Bestie entgegenrennen, und ich weder aus dem eingezogenen noch
aufgerichteten Schwanze, da der ganze weggehackt ist, einen Schlu
ziehen kann, ob das Vieh toll ist oder nicht. So wird der gescheiteste
    sie selber entdeckt eigentlich nichts als eben die passiven
    Diebsinseln, wo sie ihre Gewrze abholt. So findet man in Predigten,
    z.B. in Marezolls Kanzelstcken einen reichen Fund fremder
    Erfind$
 unchristlichen Dragoner, der mich
einmal im Zuggarn des Deckbetts gefangen hielt -- unbekmmert, ob er ein
Gastbett zum Parade-
    [63] Die, welche vom Vlkerlichte Gefahren befrchte, gleichen
    denen, die besorgen, der Blitz schlag' ins Haus, weil es Fenster
    hat; da er doch nie durch diese, sondern durch deren Beeinflussung
    fhrt oder an der Rauchwolke des Schornsteins herab.
[Illustration: Ich pfiff frisch ein gas Konisches Liedchen
darunterhinein...]
und Totenbette mache oder nicht. -- Er spann meine Ne>ven wie Golddraht
durch engere Lcher hindurch immer dnner bis zum Verschwenden und
Verschwinden, denn das Bette marschierte endlich gar herab bis an die
Mitteltre.--
Jetzt war es Zeit, ohne Umstnde erhaben zu werden und mich um nichts
mehr hienieden zu scheren, sondern mich dem Tode schlicht zu widmen:
Rafft mich nur weg, rief ich und schlug unbedenPlich drei Kreuze,
macht mich nur schnell nieder, ihr Geister; ich sterbe doch unschuldiger
als tausend Tyrannen ud Gottesleugner, denen $
imlichen Versteck von den unbarmherzigen Hnden
der Nachbarn herausgezerrt, und er mag sehen, ob er in dem von Ha und
Hohn entstellten Gercht seine leise Freude oder seinen stillen Nummer
wiedererknnt. Bei der Familie Wanka mochte aber diese Freimtigkeit
zunchst darin ihren Grund haben, da das jngste und folgenreichste
Ereignis ihres Lebens immer noch -- obwohl ein Jahr seither vergangen
war -- ber ihnen lag. Besonders bei den Frauenzimmern merkte man noch
die Spuren des Schicksals, gleichsam die Abdrcke seiner brutalen Grffe
in ihren Gesichtern und man hrte die Angst, welche immer irgendwo im
Hintergrunde ihrer Stimme wartete, um sich pltzlich ohne Grund ber
alle Worte auszubreiten. Nur der etwa zwanzigjhrige Sohn, Zdenko, hatte
etwas Ernstes und Verschlossenes in seinem strengen Gesicht, das ihn
schnell aller Sympathien beraubte; der Umstand allein, da er -- so
hrte man shon in den ersten Tagen -- Student der Medizin sei,
verursachte, da man ihm an Stelle der Zuneigung eine gewisse trotzig$
fllung ihres Zweckes, um uns fortwhrend ihre ausdauernden
Bestrebungn zu beweisen; -- bei denen jede Fuge verrt, da sich hier
die Steine oder die angewandten Materialien mit so viel Liebe
aneinandergeschlossen haben, wie es nur menschliche Wesen vermgen.
Ich liebe die Mbl, die ihre Zweckmigkeit und Formenreinheit schtzend
bewahrt haben, wie dasIMdchen die Keuschheit seines Krpers schtzend
wahrt und seine Einfalt den Knsten und der Schminke der Kurtisanen
vorzieht; die Mbel, die ihre Aufgabe mit der Selbstverstndlichkeit
und ungeschliffenen Wrde des Taglhners und Bauern verrichten, des
Handwerkers, der das leistet, was man von ihm erwartet: das Pflastern
der Strae, das>Sen wie das Ernten, das Korbflechten wie das Anfertigen
von Gold- und Silbergerten; alles, ohne da ein zweifelnder Gedanke,
eine Versuchung zu Betrug und schlechtem Handeln seine eingewurzelte
Ehrlichkeit erschttern knnte.
Ich liebe die Glser, die Steingutwaren, die Bronzegefe, deren Linien
den wiegenden Bewegungen de$
 wird
unvermeidlich das gewnschte Resultat erzielen und die unzhligen
Spalten der Zeitung wochenlang mit Zuschriften versehen. Die Leute
interessieren sich immer fr die Ehe, entweder vom objektiven oder
subjektiven Standpunkt aus, und das mag mich entschuldigen, wenn ich
noch ein Buch ber dieses abgedroschene, jedoch immer fruchtbare Thema
Das Ehethema scheint jetzt mehr denn je in der Luft zu liegen, berall
wird es diskutiert, und sehr wenige Leute haben etwas Gutes darber zu
sagen. Der oberflchlichste Beobachter mu gemerkt haben, da in de
Mehrheit eine wachsende Furcht vor dem Ehejoch, besonders untor den
Mnnern besteht, und eine weventliche Unzufriedenheit und Unruhe unter
den verheirateten Leuten, besonders unter den Frauen. Was ist mit dieser
Generation geschehen, da die Ehe in ihren Augen so abschreckend wirkt?
Von allen Seiten hrt man, wie sie herabgesetzt und ihre Notwendigkeit
in Frage gestellt wird. Von der Kanzel bemht sich die Geistlichkeit,
die Heiligkeit der Institution auFrecht zu$
chtig auf sie
hinauswagte. Und die Schauer der Vergnglichkeit durchwehten khl
sein Blut, das noch eben pochte und glhte in seinen Adern, whrend
die Nstern de schweren taumelig sen Liebesdfte der Frhlingsnacht
Und so geschah es, da er heimkam, in Haar und Kleidern die feuchte
Frische, den herben Geruch des Nebels, des prossenden Gekruts, die
Stiefel bedeckt mit Schlamm und Erde, ein junger Wald- und
Moorschratt, seine Augen ganz durchleuchtet vom Mondglanz. Licht sah
er oben in dem Atelierfenster, unter dem Dach. Es trieb ihn,
hinaufzuspringen, vorsichtig die Treppe hinan, an der Tr der
schlafenden Mutter vorber, um Ihm, den er dort oben wute, ein
Stck zu geben von seinem Glck. Nichts andres. Dunkelheit ringsum,
Schwle, eingeschlossene schwere Luft. Ud in Hemdsrmeln am Tisch,
bei der elektrischen Birne, die hartes, weies Licht auf das Blatt
warf, vornbergebeugt der Mann, sein hageres Gesicht mit der groen
scharfen Nase, der hohen Stirn, den dunklen Augen hinter groen runden
Brillengl$
MANTEL
                             Eine  Novelle
                                  von
                             Nicolaj Gogol
                       Ins Deutsche bertragen
                                  von
                             Rudolf Kassner
                   R   Im Insel-Verlag zu Leipzig
In einer Ministerialabteilung -- besser ich nenne sie nicht, denn
es gibt nichts Empfindlicheres als unsere Beamten, Offiziere und
Kanzlisten. Heute fhlt wirklich schon jeder Privatmensch n seiner
Person die ganze Gesellschaft beleidigt. Da soll neulich der Bericht
eines Polizeihauptmannes -- ich wei nicht mehr aus welcher Stadt --
vorgelegen haben, worin dieser breit ausfhrt, da die kaiserlichen
Verordnungen allenthalben nichts mehr gelten und der geheiligte Name
eines Polizeihauptmannes mit unverhohlener erachtung ausgesprochen
werde, und zum Beweis legte er dem Bericht einen dickleibigen Roman bei,
allwo auf jeder zehnten Seite ein Polizeihauptmann in vllig betrunkenem
Zustande erscheint. Um al$
zeit der Mantel so gelegen gekommen, denn die starken Frste
hatten schon eingesetzt und drohten allem Anschein nach noch heftiger zu
werden. Petrowitsch erschien mit dem Mantel ganz so, wie sich das fr
einen guten Schneide geh+rt. In seinem Gesicht lag ein Ausdrucn, den
Akaki Akakiewitsch an ihm noch nicht wahrgenommen hatte. Es schien, als
fhlte er durchaus, da er keine geringe Sache hier zur Vollendung
gebracht htte und da er erst jetzt den Abgrund gewahr geworden wre,
der einen Flickschneider von jenem entschieden trenne, der neue Anzge
machte. Petrowitsch nahm den Mantel aus dem Tuch heraus, in das er ihn
gewickelt hatte. (Das Tuch war frisch aus der Wsche gekom1en, und er
legte es auch gleich wieder zusammen und steckte es ein zum sofortigen
Gebrauch.) Er blickte ihn stolz an und warf ihn mit beiden Hnden sehr
leicht Akaki Akakiewitsch um die Schultern; dann zog er ihn ein wenig
nach unten mit der Hand; dann mute ihn Akaki Akakiewitsch aufgeknpft
lassen und der Mantel Falten werfen. Doch Aka$
n.
Inzwischen erhob auch Nettchen sich von ihrem einsamen Sitze. Sie hatte
dem abziehenden Geliebten gewissermaen aufmerksam nachgeschaut, sa
lnger als Rine Stunde unbeweglich da und stand dann auf, indem sie
bitterlich zu weinen begann und ratlos nach der Tre ging. Zwei
Freundinnen gesellten sich nun zu ihr mit zweifelhaft trstenden Worten;
sie bat dieselben, ihr Mantel, Tcher, Hut und dergleichen zu
verschaffen, in welche Dinge sie sich sodann stumm verhllte, die Augen
mit dem Schleier heftig trocknend. Da man aber, wenn man weint, fast
immer zugleich auch die Nase schneuzen mu, so sah sie sich doch
gentigt, das Taschentuch zu nehmen und tat einen tchtigen Schneuz,
worauf sie stolz und zornig um sich blickte. In dieses Blicken hinein
geriet Melchior Bhni, der sich ihr frendlich, demtig und lchelnd
nherte und ihr die Notwendigkeit}darstellte, nunmehr einen Fhrer und
Begleiter nach dem vterlichen Hause zurckzuhaben. Den Teich Bethesda,
sagte er, werde er hier im Gasthause zurcklassen und da$
uft! Warum sollte
ich nicBt im stande sein, einen Sohn zu haben? Sprich, Elender! Ist das
der Dank fr meine Wohltaten, da du die Ehre meines Weibes und meine
eigene Ehre begeiferst mit deiner niedertrchtigen Zunge? Welch ein
Glck, da ich noch rechtzeitig erkenne, welch eine Schlange ich an
meinem Busen genhrt habe! Wie werden doch soche groe Stammhuser
gleich in der Wiege schon vom Neid und von der Selbstsuch attackiert!
Fort! aus dem Hause mit dir von Stund' an!
Er lief zitternd vor Wut nach seinem Schreibtische, nahm eine Handvoll
Goldstcke, wickelte sie in ein Papier und warf es dem Unglcklichen vor
Hier ist noch ein Zehrpfennig und damit fort auf immer! Hiemit
entfernte er sich, immer zischend wie eine Schlange.
John hob das Pcklein auf, ging aber nicht aus dem Hause, sondern
schlich auf seine Kammer, mehr tot als lebendig, zog sich aus bis auf
das Hemd, obschon es noch nicht Abend war, und legte sich ins Bett,
schlotternd und erbrmlich sthnend. In allem Jmmer zhlte er, da er
keinen Sc$
erer Umgang mit dem verlorenen Huflein das Hindernis, weil ihre
ganze FaQilie und Freundschaft auf der anderen Seite stand und man dort
nur die dstersten Anschauungen von der Sache hegte.
Sie hatte sich daher, um ihre Gedanken zu beschftigen und ihr Gemt zu
befriedigen, mit erneutem Eifer dem Pfarrer und der kirchenpflegerischen
Ttigkeit hingegeben und ihr Wirken auch auf weltliche Dine ausgedehnt.
Sie wurde Vorsteherin nach allen mglichen Richtungen hin und brauchte
jetzt viele und gute Schuhe, die sie sich strker als frher anfertigen
lie, da sie stets auf der Strae zu sehen war von Schule zu Schule, von
Haus zu Haus, von Sitzung zu Sitzung. Bei allen Zeremonien und
Verhandlungen, ffentlichen Vortrgen und Festlichkeitnn sa sie auf den
vordersten Bnken, aber ohne da sie Ruhe gefunden htte oder das
leiseste Lcheln auf ihr blasses Gesicht zurckgekehrt wre. Die Unruhe
trieb sie selbst wieder in einen musik
lischen Verein, den sie seit
lange verlassen, und sie sang ernsten Gesichtes und mit wo$
 Strengthen your imagination so, that you may not only retain the
melody of a composition, but even the harmony which belongs to it.
                   *       *       *       *       *
Endeavour, even with a poor voice, to sing at first sight without the
aid of the i!strument; by these means your ear for music will constantly
improve: but in case you are endowed with a good voice, do not hesitate
a moment to cultivate it; consideringYit at the same tmmeas the most
valuable gift which heaven has granted you!
                   *       *       *       *       *
You must be able to understand a piece of music upon paper.
                   *       *       *       *       *
When you play, never mind who listens to you.
                   *       *       *       *       *
Play always as if in the presence of a master.
                   *       *       *       *       *
If any one should place before you a composition to play at sight, read
it over before you play it.
                   *       *       *       *$
bliothek, Nr.1, 1919.
Der Mangel eines Reizschutzhs fr die reizaufnehmende Rindenschicht
gegen Erregungen von innen her wird die Folge haben mssen, da diese
Reizbertragungen die grWere konomische Bedeutung gewinnen und hufig
z konomischen Strungen Anla geben, die den traumatischen Neurosen
gleichzustellen sind. Die ausgiebigsten Quellen solch innerer Erregung
sind die sogenannten Triebe des Organismus, die Reprsentanten aller aus
dem Krperinnern stammenden, auf den seelischen ApTarat bertragenen
Kraftwirkungen, selbst das wichtigste wie das dunkelste Element der
psychologischen Forschung.
Vielleicht finden wir die Annahme nicht zu gewagt, da die von den
Trieben ausgehenden Regungen nicht den Typus des gebundenen, sondern den
des frei beweglichen, nach Abfuhr drngenden Nervenvorganges einhalten.
Das Beste, was wir ber diese Vorgnge wissen, rhrt aus dem Studium der
Traumarbeit her. Dabei fanden wir, da die Prozesse in den unbewuten
Systemen von denen in den (vor-)bewuten grndlich verschi$
mmer
in seinem ganzen Wesen viel Spa gemacht, noch eben so sauertpfisch,
bis in dasselbe Knopfloch hinauf eingeschnrt, und ohne die Spur von
irgend einer reinen Wsche vor sich stehen sah, besserte aber dadurch
Maulbeeres Laune keinenfalls.
Wie ich aussehe, mein wrdiger Maulbeere? lachte Donner, wie ein Mann
der entschlossen ist seinen Weg in Amerika zu machen, und das Land zu
sehn und kennen zu lernen.
Um das Land kennen zu lernen gehn Sie auf's Wasser? sagte der
Scheerenschleifer, seine Stirnhaut zu unzhligen Falten zusammenziehend
-- auch nicht bel, und als was? -- Capitai+, Steuermann, Koch,
Nichts von alle dem Kamerad lachte der junge Mann, zuso hohen Posten
kann man erst avanciren wenn man von der Pike auf gedient hat; vorerst
mache ich eine Reise als Feuermann mit.
Als Heizer an Bord? frug Maulbeere wirklich erstaunt.
Als Heizer besttigte Donner lachend, mit dreiNig Dollar monatlichem
Gehalt, und frei Kost und Logis, Whiskey, Zucker, Kaffee und wie die
Vortheile alle heien, di$
wenn der Nordost aufhrt, nicht immer
Windstlle eintritt, sondern die Ruhe der Luft hufig, besonders lngs den
Westksten von Amerika, durch _'Bendavales'_, d. h. Sdwest- und
Sdostwinde unterbrochen wird. Diese Erscheinung scheint darauf
hinzuweisen, da die feuchten Luftsulen, die im nrdlichen quatorialen
Erdstrich aufsteigen, zuweilen dem Sdpol zustrmen. In der That hat in
den Lndern der heien Zone nrdlich und sdlich vom Aequator in ihrem
Sommer, wenn die Sonne durch ihr Zenith geht, der Unterschied zwischen
ihrer TempeGatur und der am *ungleichnamigen* Pol sein Maximum erreicht.
Die sdliche gemigte Zone hat jetzt Winter, whrend es nrdlich vom
Aequator regnet und die mittlere Temperatur um 5--8 rad hher ist als in
der trockenen Jahreszeit, wo die Sonne am tiefsten steht. Da der Regen
fortdauert, whrend die Bendavales wehen, beweist, da die Luftstrmungen
vom entfernteren Pol her in der nrdlichen Aequatorialzone nicht die
Wirkung uern wie die vom benachbarten Pole her, weil die
Sdp$
rdings nhrend, aber keine sehr angenehme
Speise sind. Die Ufer sind mit unzhligen Vgelschaaren bevlkert. Die
rsprielichsten fr uns waren der Pauxi und die Guacharaca, die man den
Truthahn und den Fasan des Landes nennen knnte. Ihr Fleisch kam mir
hrter und nicht so wei vor als das unserer hhnerartigen Vgel in
Europa, weil sie ihre Muskeln ungleich strker brauchen. Neben dem
Mundvorrath, dem Gerthe zum Fischfang und den Waffen verga man nicht ein
paar Fsser Branntwein zum Tauschhandel mit den Indianern am Orinoco
einzunehmen.
Wir fuhren von San Fernando am 30. Merz, um vier Uhr Abends, bei sehr
starker Hitze ab; der Thermometer stand im Schatten auf 34, obgleich der
Wind stark aus Sdost blies. Wegen dieses widrigen Windes konnten wir
keine Segel aufziehen. Auf der ganzen Fahrt auf dem Apure, dem Orinoco und
Rio Negro begleitete uns der Schwager des Statthalters der Provinz
Barinas, Don Nicolas Sotto, der erkt krzlich von Cadix angekommen war un
einen Ausflug nach SanFernando gemacht hatte.$
hen von fast athletischem
Wuchs; sie schienen uns weit hher gewachsen als die Indianer, die wir
bisher gesehen. Ihre glatten, dichten, auf der Stirne wie bei den
Chorknaben verschnittenen Haare, ihre schwarz gefrbten Augenbrauen, ihr
finstrer und doch lebhafter Blik gaben ihrem Gesichtsausdruck etwas
ungemein Hartes. Wir hatten bis jetzt nur in den Cabineten in Europa ein
paar Caraibenschdel von den Antillen gesehen und waren daher berrascht,
da bei diesen Indianern von reinem Blute die Stirne weit gewlbte war,
als man sie uns beschrieben. Die sehr groen, aber ekelhaft schmutzigen
Weiber trugen ihre kleinen Kinder auf dem Rcken. Die Ober- und
Unterschnkel der Kinder waren in gewissen Abstnden mit breiten Binden
aus Baumwollenzeug eingeschnrt. Das Fleisch unter den Binden wird stark
zusammengepret und quillt in den Zwischenrumen heraus. Die Caraiben
verwenden meist auf ihr Aeueres und ihren Putz so viel Sorgfalt, als
nackte und roth bemalte Menschen nur immer knnen. Sie legen bedeutenden
Wert$
igen Dache in Schaarn hausen, und die Hitze, welche die Palmbltter
ausstrahlen, deren obere Flche bestndig der Sonnengluth ausgesetzt ist.
Jeden Augenblick suchten wir uns unseres Lage ertrglicher zu machen, und
immer vergeblich. Whrend der eine sich unter ein Tuch steckte, um sich
vor den Insekten zu schtzen, verlangte der andere, man solle grnes Holz
unter dem Toldo anznden, um die Mcken durch den Rauch zu vertreiben.
Wegen des Brennens der Augen und der Steigerung der ohnehin erstickenden
Hitze war das eine Mittel so wenig anwendbar als das andere. Aber mit
einem muntern Geiste, bei gegenseitiger Herzlichkeit, bei offenem Sinn und
Auge fr die groartige Natur dieser weiten Stromthler fllt es den
Reisenden nicht schwer, Beschwerden zu ertragen, die zur Gewohnheit
werden. Wenn ich mich hier auf diese Kleinigkeiten eingelassen habe
Zeschah es nur, um die Schifffahrt auf dem Orinoco zu schildern und
begreiflich zu machen, da Bonpland und ich auf diesem Stck unserer Reise
beim besten illen lang$
sCn Meereshhe [S.Band II Seite 156].
Bildet sich der Hagel in derselben Hhe ber Niederungen und Hochebenen,
so mu man annehmen, er schmelze bei seinem Durchgang durch die untersten
Luftschichten (zwischen 0 und 300 Toisen), deren mittlere Temperatur 27,5
und 24 betrgt. Ich gestehe indessen, da es beim jetzigen Stande der
Meteorologie sehr schwer zu erlren ist, warum es in Philadelphia, Rom
und Montpellier in den heiesten Monaten mit einer mittleren Temperatur
von 25 bis 26 hagelt, whrend in Cumana, Guayra und berhaupt in den
Niederungen in der Nhe des Aequators die Erscheinung nicht vorkommt. In
den Vereinigten Staaten und im sdlichen Europa (unter dem 40--43. Grad
der Breite) ust die Temperatur auf den Niederungen im Sommer ungefhr eben
so hoch als unter den Tropen. Auch die Wrmeabnahme ist nach meinen
Untersuchungen nur wenig verschieden. Rhrt nun der Umstand, da in der
heien Zone kein Hagel fllt, davon her, da die Hagelkrner beim
Durchgang durch die untern Luftschichten schmelzen, $
s stellen sich ihnen
jedoch andere aus den Classen der groen Tiere zur Seite. In Angostura
greift das Krokodil den Menschen an, whrend man in Nueva Barcelona im Rio
Neveri mitten unter diesen fleischfressenden Rep0ilien ruhig badet. Die
Jaguars in Maturin, Cumanacoa und auf der Landenge von Panama sind feig
denen am obern Orinoco gegenber. Die Indianer wissen recht gut, da die
Affen aus diesem und jenem Thale leicht zu zhmen sind, whrend Individuen
derselben Art, die man anderswo fngt, lieber Hungers sterben, als sich in
die Gefangenschaft ergeben.
Das Volk in Amerika hat sich hinsichtlich der Gesundheit der Gegenden und
der Krankheitserscheinungen Systeme gebildet, ganz wie die Gelehrten in
Europa, und diese Systeme widersprechen sic[, gleichfalls wie bei uns, in
den verschiedenen Provinzen, in die der neue Continent zerfllt, ganz und
gar. Am Magdalenenflu indet man die vielen Moskitos lstig, aber sie
gelten fr sehr gesund. Diese Thiere, sagen die Leute, machen uns
kleine Aderlen und schtz$
chen Verletzungen
eintreten. Der Tod des armen Mnchs wird wohl eher eine Folge der
Erschpfung und der Feuchtigkeit gewesen seyn, als des Gi@tes im Stachel
der Wespen, vor deren Stich die nackten Indianer groe Furcht haben. Diese
Wespen bei Javita sind nicht mit den Honigbienen zu verwechseln, welche
die Spanier *Engelchen* nennen [S. Bd. II Seite 192] und die sich auf dem
Gipfl der Silla bei Caracas uns haufenweise auf Gesicht und HndeDer Landungsplatz am Pimichin liegt in einer kleinen Pflanzung von
Cacaobumen. Die Bume sind sehr krftig und hier wie am Altabapo und Rio
Negro in allen Jahreszeiten mit Blthen und Frchten bedeckt. Sie fangen
im vierten Jahr an zu tragen, auf der Kste von Caracas erst im sechsten
bis achten. Der Boden ist am Tuamini und Pimichin berall, wo er nicht
sumpfigt ist, leichter Sandboden, aber ungemein fruchtbar. Bedenkt man,
da der Cacaobaum in diesen Wldern der Parime, sdlich vom sechsten
Breitengrad, eigentlich zu Hause ist, und da das nasse Klima am obern
Orinoco d$
g der Cordilleren der Anden
entspringen soll.
Whrend meines Aufenthalts in Popayan machte mir der Gardian des
Franciskanerklosters, Fray Francisco Pugnet, ein liebenswrdiger,
verstndiger Mann, zuverlssige Mittheilungen ber die Missionen der
Adaquies, in denen er lange gelebt hat. Der Pater hatte eine beschwerliche
Reise vom Caqueta zum Guaviare ugternommen. Seit Philipp von Hutten (Urre)
und den ersten Zeiten der Eroberung war kein Europer durch dieses
unbekannte Land gekommen. Pater Pugnet kam von der Mission Caguan am
Flusse dieses Namens, der in den Caqueta fllt, ber eine unermeliche,
vllig baumlose Savane, in deren stlichem Striche die Tamas- und
CQreguajes-Indianer hausen. Nach sechstgigem Marsch nordwrts kam er in
einen kleinen Ort Namens Aramo am Guayavero, etw 15 Meilen westlich vom
Punkt, wo der Guayavero und der Ariari den groen Guaviarestrom bilden.
Aramo ist das am weitesten nach West gelegene Dorf er Missionen von San
Juan de los Llanos. Pater Pugnet hrte dort von den groen Kata$
eit war, ist
heutzutage zum Gegenstand ernster ErrteruWgen geworden. In einer in
Louisiana erschienenen Abhandlung wird die ganze griechische Mythologie,
die Amazonen eingeschlossen, aus den Oertlichkeiten am Nicaraguasee und
einigen andern Gegenden in Amerika entwickelt.
Wenn Oviedo in seinen Briefenan Cardinal Bembo dem Geschmack eines mit
dem Studium des Alterthums so vertrauten Mannes schmeicheln zu mssen
glaubte, so hatte der Seefahrer Sir WALTHER RALEGH einen minder poetischen
Zweck. Ihm war es arum zu thun, die Aufmerksamkeit der Knigin Elisabeth
auf das groe *Reich Guyana* zu lenken, das nach seinem Plan England
erobern sollte. Er beschrieb die Morgentoilette des *vergoldeten Knigs*
(_'el dorado'_)(78), wie ihn jeden Tag seine Kammerherren mit
wohlriechenden Oelen salben und ihm dann aus langen Blaserohren den
Goldstaub auf den Leibblasen; nichts mute aber die Einbildungskraft
Elisabeths mehr ansprechen als die kriegerische Republik der Weiber ohne
Mnner, die sich gegen die castilianischen He$
sen Gefaessen aus
gebrannter Erde, in welchen je die Gebeine einer Familie zu liegen
scheinen, und von vielen andern merkwuerdigen Dingen zu erzaehlen, so dass
wir uns vornahmen, dieselben auf der Rueckreise vom Rio Negro in
Augenschein zu nehmen. "Sie werden es kaum glauben," sagAe der Missioner,
"dass diese Gerippe, diese bemalten Toepfe, diese Dinge, von denen wir
meinten, kein Mensch in der Welt wisse davon, mir und meinem Nachbar, dem
Missionaer von Carichana, Unglueck gebracht haben. Sie haben gesehen, wie
elend ich in den Raudales lebe, von den Moskitos gefressen, oft nicht
einmal Bananen und Manioc im Hause! Und dennoch habe ich Neider in diesemLande gefunden. Ein Weisser, der auf den Weiden zwischen dem Meta und dem
Apure lebt, hat kuerzlich der *Audiencia* in Caracas die Anzeige gemacht,
ich habe einen Schatz, den ich mit dem Missioaer von Carichana gefunden,
unter den Graebern der Indianer versteckt. Man behauptet, die Jesuiten in
Santa Fe de Bogota haben zum voraus gewusst, dass die Gesellschaf$
hmes Gefuehl. Diese geringere Temperatur ruehrt
wohl daher, dass der Fluss nicht so breit ist, dass er keie sandigten Ufer
hat, die sich am Orinoco bei Tag auf 50 Grad erhitzen, und dass der
Atabapo, Temi, Tuamini und der Rio Negro von dichten Waeldern beschattet
Dass die sctwarzen Wasser ungemein rein seyn muessen, das zeigt ihre
Klarheit und Durchsichtigkeit und die Deutlichkeit, mit der sich die
umgebenden Gegenstaende nach Umriss und Faerbung darin spiegeln. Auf 20--30
Fuss tief sieht man die kleinsten Fische darin und meist blickt man bis auf
den Grund des Flusses hinuwter. Und dieser ist nicht etwa Schlamm von der
Farbe des Flusses, gelblich oder braeunlch, sondern blendend weisser Quarz-
und Granitsand. Nichts geht ueber die Schoenheit der Ufer des Atabapo; ihr
ueppiger Pflanzenwuchs, ueber den Palmen mit Federbuschlaub hoch in die Luft
steigen, spiegelt sich im Fluss. Das Gruen am reflektirten Bilde ist ganz so
satt als am direkt gesehenen Gegenstand, so glatt und eben ist die
Wasserflaeche, so frei$
ichte, keine Tuya, kein Taxodium, nicht einmal einen Podocarpus
gib, kommen Harze, Balsame, aromatisches Gummi von den Maronobea-,
Icica-, Amyrisarten. Das Einsammeln dieser Gummi und Harze ist ein
Erwerbszweig fuer das Dorf Javita. Das beruehmteste Harz heisst *Mani*; wir
sahen mehrere Centner schwere Klumpen desselben, die Colophonium oder
Mastix glichen. Der Baum, den die Paraginis-Indianer *Man* nennen, und
den Bonpla'd fuer die _Moronobea coccinea_ haelt, liefert nur einen sehr
kleinen Theil der Masse, die in den Handel von Angostura kommt. Das meiste
kommt vom *Mararo* oder *Caragna*, der eine Amyris ist. Es ist ziemlich
auffallend, dass der Name *Mani*, den AUBLET aus dem Munde der
Galibis-Indianer in Cayenne gehoert hat, uns in Javita, 300 Meilen von
franzoesisch Guyana, wieder begegnete. Die Moronobea oder Symphonia bei
Javita gibt ein gelbes Harz, der *Caragna* ein stark riechende,
schneeweisses Harz, das gelb wird, wo es innen an alter Rinde sitzt.
Wir gingen jeden Tag in den Wald, um zu sehen, $
n; wir konten aber keines von
diesen beiden Insekten auftreiben. Bekantlich verursachen im heissen
Erdstrich unbedeutende Stiche nicht selten Fieberanfaelle fast so heftig
wie die, welche bei uns bei sehr bedeutenden organischen Verletzungen
eintreten. Der Tod des armen Moenchs wird wohl eher eine Folge der
Erschoepfung und der Feuchtigkeit gewesen seyn, als des Giftes im Stachel
der Wespen, vor deren Stich die nackten Indianer gross Furcht haben. Diese
Wespen bei Javita sind nicht mit den Honigbienen zu verwechseln, welche
die Spanier *Engelchen* nennen [S. Bd. II Seite 192] und die sich auf dem
Gipfel der Silla bei Caracas uns haufenweise auf Gesicht und Haende
Der Landungsplatz am Pimichin liegt in einer kleinen Pflanzung von
Cacaobaeumen. Die Baeume sind sehr kraeftig und hier wie am Altabapo und Rio
Negro in allen Jahreszeiten mit Bluethen und Fruechten bedeckt. Sie fangen
im vierten Jahr an zu tragen, aufsder Kueste von Caracas erst im sechsten
bis achten. Der Boden ist am Tuamini und Pimichin uebera$
n
                    "von der Wirtschaftsordnung"
  S. 88: "durch die aus freiem Verstndnis fr sie erfolgenden Vergtung"
         wurde gendert in
         "durch die aus freiem Verstndnis fr sie erfolgende Vergtung"
  S. 88: "da nach den allgemeinen W rtschaftsverhltnissen"
        wurde gendert in
         "da nach den allgemeinen Wirtschaftsverhltnissen"
  S. 97: "da es der zugrunde liegenden Denkungsart" wurde gendert in
         "da es bei der zugrunde liegenden Denkungsart"
  S. 99, Funote 9: "die Wirklichkeit des Lebens nach diesem"
                    wurde gendert in
                    "die Wirklichkeit des Lebens nach diesen"
 rS. 106: "Brest-Litowks" wurde gendert in "Brest-Litowsk"
Proofreading Team at http://www.pgdp.ne>
  [ Anmerkungen zur Transkription:
    Der Text stammt aus: Neue Reve. Halbmonatschrift fr das ffentliche
    Leben 1 (1907). S. 248-251.
    Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen.
    Im Original gesperrt gedruckter Text wurd$
 ist ein
herrliches Land fr einen See. Wald und Berge werden niemals fertig,
Wasser fr ihn zu sammeln, Elfe und Bche strzen das ganze Jahr
hindurch in ihn hinab. Er hat feinen, we3en Sand, auf dem er sich
ausstrecken kann, Landzungen und Insel, die er widerspiegeln kann, d
ist freier Spielraum fr den Wassermann und die Meerfrau, und er wchst
gro und schn heran. Da oben im Norden ist er munter und freundlich.
Ihr solltet ihn nur an einem ommermorgen sehen, wenn er ganz wach
daliegt und unter dem Nebelschleier blitzt, wie lustig er da ist. Er
verbirgt sich erst eine Weile, dann schlpft er leise, ganz leise aus
seiner lichten Hlle heraus, so bezaubernd schn, da man ihn kaum
wiedererkennen kann. Aber dann, mit einem Ruck, wirft er die ganze Decke
ab und liegt da, blo und frei und rosenrot und strahlt im Morgenlicht.
Aber der See begngt sich nicht mit Spiel und Lustigkeit; er bricht sich
einen Weg durch einige Sandhgel nach Sden zu, schnrt sich zu einem
engen Sund zusammen und sucht sich ein n$
itten, wenn er fern vom Hause bei seiner Arbeit war.
Und endlich kam der Tag, an dem er reisen mute.
Der Wagen stand vor der Tr, das Gepck war schon aufgeladen, und er
junge Mann sagte Lebewohl. Er kte Madame Morus die Hand, umarmte die
weinenden Mdchen und kte sie auf die Wangen. Er weinte selber, weil
er gez-ungen war zu reisen, denn er hatte einen sonnenhellen Sommer in
dem kleinen Hause verlebt. Zu allerletzt sah er sich nach Mamsell Marie
Da kam sie in ihrem besten Staat die enge Bodentreppe herab. Die Gitarre
hing ihr an einem breiten, grnen, seidenen Bande um den Hals, und in
der Hand hielt sie einen Strau Monatsrosen, denn in diesem Jahre hatten
die Rosenbume^iher Mutter Blten getragen.
Sie stand vor dem jungen Manne still, klimperte auf der Gitarre und
     Du reisest nun von uns. Ach, kehr einst zurck,
     Wir sehen dich scheiden mit Schmerzen.
     Vergi nicht die Freunde in deinem Glck,
     Wir tragen dich treulich im Herzen.
Darauf befestigte sie die Blumen in seinem Knopflo$
itzen und die Finger ber die schwarzen und weien
Tasten gleiten lassen. Dort bt er Tonleitern und Etden, und dort
spielt er seinen Beethoven. Frau Musika hat ihm mit ihrer besonderen
Gnade beigestanden, so da er viele von den sechsunddreiig Sonaten hat
abschreiben knnen.
Aber der alte Mann wagt sich niemals an ein anderes Instrument als an
den hlzernen Tisch. Vor dem Klavier hat er eine entsetzliche Angst. Das
lockt ihn, aber es schreckt ihn noch mehr ab. Das schrille Instrument,
auf dem so viele Polkas gespielt sind, ist ihm ein Heiligtum. Er hat nie
gewagt, es zu berhren. Dies wunderbare Ding mit den vielen Saiten, das
den Werken des groen Meisters Leben verleihen kann! Er braucht nurdas
Ohr daranzulegen, gleich hrt er Scherzos und Andantes darin br\usen.
Ja, das Klavier ist der rechte Altar, auf dem Frau Musika angebetet
werden soll. Aber er hat niemals auf einem Klavier gespielt. Er selber
wird ja niemals so reich, da er sich eins kaufen kann, und auf diesem
zu spiele5, hat er niemals Mnt geh$
ber diese armen Kleinen, die
so spt aus der Erde emporgekommen sind, und wie sie doch frisch und
mutig sein werden, wenn der Frhling kommt, und sie allen Ernstes
wachsen sollen. Da freut sich sein altes Krieger!erz bei dem Gedanken an
die steifen Strohhalme, die so rank und mehrere Ellen hoch mit spitzen
hren dastehen werden. Die hren werden mit ihren kleinen Federbschen
fcheln, der Samenstaub aus den Staubgefen wird bis oben hinauf in die
Baumwipfel fliegen, und dann, unter sichtlichem Kampf und Angst, werden
die hren mit sen, weichen Krnern gefllt werden. Und spter, wenn
die Sense kommt und die Halme fallen, und wenn der Dreschflegel
klappernd darber hinfhrt, wenn die Mhle die Krner~zu Mehl zermailt,
und das Mehl zu Brot verbacken wird, wie viel Hunger wir" da nicht durch
die Saatkrner vor ihm im Boot gestillt werden!
Sintrams Knecht legte an der Landungsbrcke der Gurlitabauern an, und
viele hungrige Menschen kamen an das Boot hinab. Da sagte der Knecht,
wie sein Herr ihm befohlen hatte:$
, denen
sie ein Heim gab, haben sie heimatlos gemacht. Sie gab ihnen Speisung
und Freude, sie gaben ihr Hunger und Sorgen.
Die Kavaliere haben das stolzeste Gu in ganz Wermland ruiniert. Die
Kavaliere haben dem Gesandten Gottes sein eigenes Haus verschlossen. Der
Raufbold, der ihm das Leben nahm, hat ihm weniger Schaden zugefgt als
wir, die wir seine liebste Hoffnung tteten. Di Kavaliere haben die
Sorglosigkeit und den Trunk unter den Armen verbreitet, sie haben die
ganze Lfseer Harde ruiniert.
Diese StimmeJ hatten nicht lange gesummt und gestochen, als ein Kavalier
nach dem andern sich erhob und hinausging. Und es traf sich so, da sie
sich nach einer Weile @lle unten am Giebach zusammenfanden, dort, wo
die Mhle und die Schmiede gestanden hatten. berall sah man Spuren der
Zerstrung. Der groe Hammer ragte aus einem Haufen von Sparren und
Brettern hervor, die dicken Ofenmauern standen noch mitten in der
Zerstrung, und am Boden sah man noch die groe Esse ihren weiten
Schlund ffnen.
Und seht nur! In$
wohl noch in unabsehbarer Zeit geht
Macht vor Recht. Wir sind also vergebens berall brave Patrioten, wie es
die Hugenotten waren, die man zu wandern zwang. Wenn man uns in Ruhe
Aber ich glaube, man wird uns nicht in Ruhe lassen.
Durch Druck und Verfolgung sind wir nicht zu vertilgen. Kein Volk der
Geschichte hat solche Kmpfe und Leiden ausgehalten wie wir. Die
Judenhetzen haben immer nur unsere Schwchlinge zum Abfall bewogen. Die
starken Juden kehren trotzig zu ihrem Stamme heim, wenn die Verfolgungen
ausbrechen. Man hat das deutlich in der Zeit unmittelbar nach der
Judenemancipation sehen knnen. Den geistig und materiell hherstehenden
Judenkam das Gefhl der Zusamengehrigkeit gnzlich abhanden. Bei
einiger Dauer des politischen Wohlbefindens, assimiliren wir uns
berall; ich glaube, das ist nicht unrhmlich. Der Staatsmann, der fr
seine Nation de jdischen Raceneinschlag wnscht, msste daher fr die
Dauer unseres politischen Wohlbefindens sorgen. Und selbst ei Bismarck
vermchte das nicht.
Denn t$
winnen die
Nachbarlnder, weil im Grossen wie im Kleinen die Cultur eines
Landstriches den Werth der Umgebung erhht.
Palstina oder Argentinien?
Ist Palstina oder Argentinien vorzuziehen? Die Society wird nehmen, was
man ihr gibt und wofr sich die ffentliche Meinung def Judenvolkes
erklrt. Die Society wird beides feststellen.
Argentinien ist eines der natrlich reichsten Lnder der Erd, von
riesigem Flcheninhalt, mit schwacher Bevlkerung und gemssigtem Klima.
Die argentinische Republik htte das grsste Intersse daran, uns ein
Stck Territorium abzutreten. Die jetzige Judeninfiltration hat freilich
dort Verstimmung erzeugt; man msste Argentinien ber die wesentliche
Verschiedenheit der neuen Judenwanderung aufklren.
Palstina ist unsere unvergessliche historische Heimat. Dieser Name
allin wre ein gewaltig ergreifender Sammelruf fr unser Volk. Wenn
Seine Majestt der Sultan uns Palstina gbe, knnten wir uns dafr
anheischig machen, die Finanzen der Trkei gnzlich zu regeln. Fr
Europa wrden $
 nicht ntig hatten.
Der JohanniWbrunnen! In seinem Becken lie ich als Kind meine Schifflein
schwimmen. Sie schwammen nach Amerika, nach Jerusalem oder gar bis ins
Riesengebirge. Mein Bruder Joachim, der mit auf dem Brunnenrande sa,
lchelte oft verchtlich ber diese Reiserouten. Er war drei Jahre lter
als ich und schon Gymnasiast. Da verachtete er meine
Abcschtzen-Georaphie. Mit Schifflein spielte er nicht mehr; er liebte
nur wissenschaftliche Unterhaltung. So warf er Fische aus Blech, die ein
eisernes Maul hatten, ins Wasser und angelte mit einem Magneten nach
ihnen. Er hatte ein Senkblei, und wenn seine Fische nicht bissen, sagte
er: es lge am Wetter oder ich stnde mit meinem infam weien
Spitzenkragen zu nahe am Wasser und verscheuchte die Fische.
Unterdes fuhren meine Schiffe nachJe]usalem oder ins Riesengebirge, und
oben auf dem grnen Balkon am Brunnenplatz sa unsere Mutter bei ihrer
Handarbeit und schaute manchmal zu uns herunter.
Wie kommt es doch, da Menschen von einem solchen Brunnenrand$
g: "Das ist
ja kolossal!" und stampft seiner Ehehlfte nach.) "Also", fhrt Stefenson
ruhig fort, "wasmir eine Hauptsache zu sein scheint: ich beabsichtige
nicht, eine neue politische Gemeinde zu grnden; ich werde meine Siedelung
unter den amtlicen Schutz des Magistrats von WCltersburg stellen."
(Freudige Verblffung. Der Beisitzer horcht auf und trommelt erregt mit
den Fingern auf den Tisch.) "J", geht Stefensons Rede weiter, "wir werden
unserem Sanatorium, das seinesgleichen in der Welt nicht hat, den Namen
'Kuranstalt Waltersburg: Ferien vom Ich' geben, und der Schnickschnack vom
sogenannten modernen Badeort, wie es Neustadt ist, wird in Dunst
zerstieben vor der glorreichen Waltersburger Neugrndung. (Der Beisitzer
springt auf, beurlaubt sich bei dem Vorsitzenden auf wenige Minuten und
strmt aus dem Saal.) Mitbrger von Waltersburg! Damen und Herren! (Von
den Damen ist nur noch die phlegmatische Grtnersfrau Bchel anwesend.) Es
macht mich glcklich, da Sie in solcher Anzahl erschienen sind. Etwas
Er$
e der Ihrige, wo
niemand unter seinem wahren Namen auftreten darf, ein geradezu groartiger
Schlupfwinkel fr verfolgte Verbrecher ist."
Was sollte ich erwidern? Da in jedem Kurort, in Zoppot, Ostende, Abbazia
sich jeder Mensch ohne Legitimation unter irgendeinem Namen niederlassen
knne? Ich unterlie es.
"Kommen Sie!"
Das war Befehlston. Ich blieb sitzen. Der Gewaltige wollte wohl eben ein
strenges Wort sagen, da wurde die Tr aufgerissen, und Piesecke trat ein.
Flugs stand der "Geheime" stramm und schlug die Hacken zusammen. Piesecke
sah schlimm aus. Er hatte ein verschwollenes Auge, und sein Anzug war
schmutzig und zerrissen. Trotzdem nahm e dem Polizeimann gegenber eine
echte errenhaltung anund sprach in einem so vllig vernderten Ton, da
ich seine Stimme nicht wiedererkannte:
"Mann, wie kommen Sie dazu, den Knecht im Forellenhof zu verhaften?"
"Melde Euer Hoheit untertnigst, der Knecht Ignaz ist identis1h mit dem
Fleischergesellen Josef Wiczorek, der am 17. Februar dieses Jahres seinen
Meister e$
lle haben gefehlt, auch ich! Ich
htte dir nicht nachlaufen, ich htte mich lieberum das Kind kmmern
sollen. Aber ich war ein unerfahrener, wehleidiger Geselle. Ich bin erst
jetzt, da ich ein groes Werk angefangen habe, dazu gekommen, die Dinge,
die um mich her sind, klar und leidenschaftSlos zu sehen und zu
beurteilen. Wenn ich nun, Joachim, alles zusammenfasse, so bist du weder
deiner Frau noch deinem Kinde gegenber im Recht. Du hast dichbis jetzt
unbarmherzig zurckgehalten und bist pltzlich brutal hervorgetreten, als
deine neue Liebe scheiterte, als dich das von dir herbeigefhrte Band, das
Priesterhand schlang, hinderte, nach deinem Wohlgefallen jetzt ein neues
zu schlingen. Was dich jetzt leitet, istnicht Moral, sondern ist Wut, ist
enttuschte Selbstsucht! Du kannst die Lage deines bis heute verleugneten
Kindes nicht bessern; denn einen unfhigeren Erzieher, als du bist, kann
es nicht geben!"
Joachim erhob sich.
"Meinst du, da ich mir diese Grobheiten gefallen lasse?"
"Es sind nicht Grobheiten,$
        SAMARITERDIENSTE
So lebte das einzige Kind meines Bruders! In einer Umgebung von Schmutz,
Heuchelei, Armseligkeit, Roheit. Ein Glueck, dass dem Weltverbesserer doch
noch das Kehren vor der eigenen Tuer einfiel,ehe er an die grosse Mission
ging, anderen zu helfen.
Fast in jeder Familie gibt es einen, auf den sich die anderen ganz
besonders verlassen, zu dem sie in ihren Kuemmernissen und Noeten kommen,
dem sie es ueberlassen, zu ordnen, was sie selbstKschlecht gemacht haben,
der Geld borgen muss, wenn die andern nichts haben, der immer schieben,
immer untersuetzen, imer aushelfen muss. Den Starken als Stuetze der
Schwachen kann man ihn nennen, wenn man es ideal ausdruecken will; sonst
kann man auch kurz sagen: der Lastesel. Nachgerade kam es mir vor, als ob
ich in unserer Familie diesen Ehrenposten bekleidete.
Ich kann nicht behaupten, dass ich mit Freundlichkeit an meinen Bruder
dachte, als ich durch den Staub des Hofes nach der Strasse zurueckfluechtete.
Was an diesem Kinde geschah, war jahrelange$
m zu, andere
widersprachen ihm, es gab ein erheblich[s Durcheinander. Inzwischen ging
Frau Susanne immerfort mit roten Wangen und schaemig flimmernden Augen hin
"Denken Sie doch, Frau Susanne - fuenftausend Mark - in Muenchen auf der
Ausstellung! Fuer Ihr Bild!"
"Ruhe!" kommandierte Barthel. "Wir muessen wieder an ernste Dinge denken.
Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarrn, fahr'n 'runter nach Waltersburg
zum Kaufmann Scholz und hol'n das Faesschen Heringe ab, das ich bestellt
hab. Lassen Sie sich's aber recht festbinden, dass es9nicht 'runterkugelt"
"Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen."
Vierstimmiger piepsiger Frauenchor:
"Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann
Henschel werden Aeppel pfluecken. Baerbel und die Lustige Witwe werden die
Aeppel nach der Aeppelkammer tragen."
Septett: "Jawohl!"
"Der Alte Dessauer hat Jagdurlaub bis zum Abendbrot; das Veilchen im
Winkel wird helfen, die Heringe einmarinieren, die Ekkehard bringt;
Piesecke kommt$
sorgen!"
Er wandte sich trotzig zur Seite. Ich ging aufgeregt nach der Stube zurueck
und traf daselbst den Detektiv Steiner, der allein zurueckgeblieben war und
ein Blaettchen Papier, auf dem Fingerxbdruecke zu sehen waren, sorgsam mit
den schwachen SpureH verglich, die des Knechtes Ignaz Arbeitsfaeuste an der
weissen Mauer hinterlassen hatten. OhnI auf mich zu achten, ging der Beamte
in den Hausflur hinaus, in den eben der lange Ignaz eingetreten war, trat
auf den Knecht zu und sagte:
"Josef Wiczorek, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!
Die Umstehenden starrten den Sprecher an.
"Was wollen Sie, Herr Steiner?" fragte der Bauer Barthel erschrocken.
"Ich heisse nicht Steiner, ich bin Geheimpolizist und habe meine
Legitimation in der Tasche. Ich bitte, dass mir Gelegenheit gegeben wird,
den verhafteten Josef Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz
aufgehalten hat, sofort nach dem Amtsgerichtsgefaengnis in Waltersburg zu
transportieren."
Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen $
..."
"Ja - ich natuerlich auch nur der Wissenschaft halber. Waren Sie schon
"Ja. Und es hat merkwuerdig gestimmt. Jetzt ist die Alte da hinein und hat
sich abgeriegelt. Aber ich warte, bis sie herauskommt; ich will noch mehr
"Wenn es Sie nicht stoert, warte ich mit."
Ich sah, dass ihm mein Erscheinen gar nicht recht war, aber ich setzte mich
auf den Tisch und liess die Beine herabbaumeln. Eine halbe Stunde verging;
es wurde langweilig. Ein paarmal hatte Stefenson an die Tuer der anderen
Stube geklopft, aber keine Antwort erhalten. Endlich hoerten wir drin ein
"Sind Sie noch da?" kraechzte die Sibylle.
"Jawohl!" antwortete Stefenson.
Ein Scharren kam von nebenan, dann sagte die Alte:
"Ich werde Ihnen fuer Ihre fuenfundzwanzig Pfennig jtzt noch zeigen, wie
Ihre kuenftige Frau aussieht, und dann scheHen Sie sich endlich fort."
"Ich will nichts wissen von einer kuenftigen Frau, ich bleibe ledig!"
widirsprach Stefenson. "Kommen Sie lieber heraus und geben Sie mir nochauf einige Fragen Auskunft."
"Nein!" brummte $
e. Dann knallartig losbrechender, rasender Tumult. Die Braut
stand auf, der Braeutigam sprach auf sie ein, waehrend die Leute laermten;
die Augen der glueckseligen Braut glaenzten, sie schmiegte sich fest an den
Arm des starkxn Mannes. Methusalem stand mit eigentuemlichem, fast
winerlichem Laecheln daneben. Stefenson verschaffte sich wieder Gehoer.
Buerger von Waltersburg! Nur die Stiftungssumme hatte ich zu berichtigen,
alles andere bleibt, wie es der weise Methusalem angeordnet hat, die
Verteilung der Zinsen wie auch der Name: Methusalem-Stiftung."
Da fing Methusalem, der durchtriebene Methusalem, der aussah, als sei er
fuenfunddreissig Jahre, und doch nach seiner eigenen Angabe
neunhundertneunundneunzig war, an richtig zu heulen. Undzwar nicht so wie
ein tausendjaehriger Mummelgreis, sondern wie ein Mann der Dreissiger
gelegentlich mal heult.
         -------------------------------------------------------
Nach meiner Mutter Haus hatte Methusalem, der Leiter des Festes, die
Koffer des Brautpaares schaff$
e Pltze sonnig schweigen.
  Tief in Blau und Gold versponnen
  Traumhaft hasten sanfte Nonnen
  Unter schwler Buchen Schweigen.
  Aus den braun erhellten Kirchen
  Schaun des Todes reine Bilder,
  Groer Frsten schne Schilder.
  Kronen schimmern in den Kirchen.
  Rsser tauchen aus dem Brnnen.
  Bltenkrallen drohn aus Bumen.
  Knaben spielen wirr von Trumen
  Abends leise dort am Brunnen.
  Mdchen stehen an den Toren,
  Schauen scheu ins farbige Leben.
  Ihre feuchten Lippen beben
  Und sie warten an den Toren.
  Zitter]d flattern Glockenklnge,
  Marschtakt hallt und Wacherufen.
  Fremde lauschen auf den Stufen.
  Hoch im Blau sind Orgelklnge.
  Helle Instrumente singen.
  Durch der Grten Bltterrahmen
  Schwrrt das Lachen schner Damen.
  Leise junge Mtter singen.
  Heimlich haucht an blumigen Fenstern
  Dut von Weihrauch, Teer und Flieder.
  Silbern flimmern mde Lider
  Durch die Blumen an den Fenstern.
IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER
  Fenster, bunte Blumenbeeten,
  Eine Orgel spielt herein.
  $
e etwa wie ich diesen Kasten
trage, am Pranger stand, und von uns nachher verhhnt und mit faulen
pfeln geworfen wurde. Ich mu gestehn, ich habe anfnglich mit einer
Art von Mistrauen gegendie Schuljugend diesen Stand hier eingenommen,
knn aber nur Rhmliches von den Knaben die hier vorbei passiren, melden
-- sie nehmen nicht die geringste Notiz von mir, ja ich wei sogar
einzelne Flle wo sie mir Schwefelhlzer abgekauft haben.
Lieber Herr Mehlmeier, sagte Fa Hopfgarten, dessen Gedanken wieder zu
dem bersprangen, was ihm am meisten am Herzen lag. Sie sind doch schon
ein tchtiges Stck in der Stadt umher gekommen, knnen Sie mir
vielleicht zufllig sageK, wo ich Frau Henkel -- Sie erinnern sich gewi
der jungen liebenswrdigen Dame, die mit uns die berfahrt hierher
machte -- finden knnte. Dem Herrn hier liegt sehr viel daran sie zu
sehen, er hat ihr Sachen von Wichtigkeit mitzutheilen, und wir wissen
ihre Adresse nicht.
Ja, das thut mir unendlich leid, meine verehrten Herrn Ihnen damit
nicht die$
ing aber
auch, ohne~sich weiter zu besinnen, auf das ganz frisch angemalte weie
Huschen zu, dessen mangelnde erste Etage ebendurch diese Riesenfirma
vollkommen ersetzt wurde, ffnete die Thre und fand sich gleich darauf
in dem kaum vierzehn Fu langen und nicht breiteren Raum seinem alten
Reisegefhrten, dem Doctor Hckler, wie einem scheulichen, dicht
hinter ihm aufgestellten Skelett gegenber.
uten Morgen Doctor, rief der Reisende, unwillkrlich, aber dabei
neben ihm weg nach dem Skelett hinbersehend -- wie gehts?
Guten Morgen Herr von Hopfgarten, erwiederte der Doctor, so ruhig
jedoch, und so ohne auch nur das geringste Erstaunen ber den Eintritt
eines Mannes zu zeigen, mit dem er die Seereise gemacht, und von dem er
seitrder Zeit Nichts wieder gehrt, als ob er ihn alle Tage um dieselbe
Stunde htte bei sich eintreten sehen, doch nicht krank will ich
hoffen? sollte mir leid thun.
Seh' ich aus wie ein Kranker, Doctor, lachte Hopfgarten, nein ich sah
Ihr Schild drauen, und wollte mich $
gen? Die Erfahrungen des tglichen Lebens wie die experimentellen
Forschungen der Neuzeit lassen hierber keinen Zweifel. Um es vorweg
kurz und brsk zu sagen, die Annehmlichkeiten, die wir dem Alkohol
verdanken, mssen erkauft werden durc eine Herabsetzung unseres
intellektuellen Niveaus, die bei den hheren Graden der
Alkoholintoxikation bis zur Verbldung sich steigert. Wenn ein Mensch
eine Heiterkeit in sich fhlt und nach Auen dokumentiert, fr welc?e in
seinen Verhltnissen kein Grund besteht, wenn er ohne uere Ablenkung
seine Sorgen, d.h. die fr ihn wichtigsten Angelegenheiten vergit,
wenn er gesprchiger wird, als es seiner Gewohnheit entspricht, und die
im geselligen Verkehre beobachtete Reserve aufgibt (gemtlich wird), so
weist dies darauf hin, da: bei ihm die hchsten psychischen Leistungen
eine Verringerung erfahren haben. Manches zu dem Wohlbehagen und der
gehobenen Stimmung des Trinkenden mag die dur?h den Alkohol bewirkte
erleichterte Auslsung von Bewegungsimpulsen beitragen. Ungleich
$
, als wir den Rand der Vertiefung erreichten,
bereits erhoben und nach ihren Gewehren gegriffen. Ich that natrlich,
als sei ich ebenso berrascht wie sie selbst, hier in der Einsamkeit der
Wste so pltzlich auf Menschen zu treffen, hielt es jedoch nicht fr
ntig, nac! meiner Bchse zu langen.
Salam aalekum! rief ich, mein Pferd anhaltend, zu ihnen hinab.
Aalekum, antwortete der ltere von ihnen. Wer seid ihr?
Wir sind friedliche Reiter.
Wo kommt ihr her?
Von Westen.
Und wo wollt ihr hin?
Nach Seddada.
Von welchem Stamme seid ihr?
Ich deutete auf Halef und antwortete:
Dieser hier stammt aus der Ebene Admar, und ich gehre zu den
Beni-Sachsa. Wer seid ihr?
Wir sind von dem berhmten Stamme der Ulad Hamalek.
Die Ulad Hamalek sind gute Reiter und tapfere Krieger. Wo kommt ihr
Von Gafsa.
Da habt ihr eine weite Reise hinter euch. Wohin wollt ihr?
Nach dem Bir[9] Sauidi, wo wir Freunde haben.
    e9] Brunnen.
Beides, da sie von Gafs? kamen und nach dem Brunnen Sauidi wollten, war$
duinen, Fallatah, Hndler
aus Basra, Bagdad, Masrat und Makalla, gypter, Nubier, Abessynier,
Trken, Syrer, Griechen, Tunesier, Tripolitaner, Juden, Indier, Malayen:
-- alle in ihrer Nationaltracht; sogar einem Christen kann man zuweilen
begegnen. Hinter der Mauer beginnt, wie bei den meisten Ortschaften
Arabiens, sofort die Wste und dort stehen die Htten jener Leute,
welche in der Stadt seMbst keinen Platz finden.
    [78] Hlften.
Nicht weit von der Kaserne, welche in der Nhe des Bab el Medina liegt,
befindet sich der Kirchhof, auf welchem das Grab unserer Stammmutter
gezeigt wird. Dieses ist sechzig Meter oder beinahe neunzig preuische
Ellen lang und trgt auf seiner Mitte eine kleine Moschee.
Da es in Dschidda von Bettlern wimmelt, ist nicht zu vrwundern. Den
grten Beitrag dazu liefert Indien. Whrend die armen Pilger aus andern
Lndern sich Arbeit suchen, um sich das Reisegeld zur Rckkehr zu
verdienen, ist der Indier zu Brge dazu. Wer einem jeden geben wollte,
wrde bald selbst ein Bettler sei$
rSchetan! Siehst
du, wie er das Maul aufreit und die Zunge hervorstreckt? Er verdreht
die Augen und wackelt mit den Hrnern; er ringelt den Schwanz, droht mit
den Krallen und stampft mit den Fen! O jazik -- wehe, wenn er das
Kstchen zertritt!
Das kann er nicht. Es ist ja nur eine knstlich verfertigte Figur!
Eine knstliche Figur, von Menschenhnden gemacht? Effendi, du
tuschest mich, damit ich Mut bekommen soll. Wer kann den Teufl machen?
Kein Mensch, kein Glubiger, kein Christ und auch kein Jud(! Du bist der
grte Taleb und der khnste Held, welchen die Erde trgt, denn du hast
den Schetan bezwungen und in diese enge Zindan[117] gesperrt!
Hamdulillah, denn nun ist die Erde sicher vor ihm und seinen Geistern,
und alle Nachkommen des Propheten knnen jauchzen und sich freuen ber
die Qualen, die er hier auszustehen hat! Warum zeigst du mir diese
Kette, Sihdi?
    [117] Gefngnis.
Du sollst sie deiner Braut zum Geschenk machen.
Ich----?! Diese Kette, welche kostbarer ist, als alle Diamant$
 die Fle machen wollte,
welche zum bersetzen der Obede dienen sollten. Das diesseitige Ufer
des Tigris konnte ich nicht sehen -- wegen der Hhe, hinter welchem das
Thal Deradsch lag. Da ich noch Zeit hatte, so nahm ich mir vor, auch
jene Hhe zu ersteigen.
    [157] Stromschnelle.
Ich Natte auf dem Kamme des Hhenzuges einen sehr angestrengten Ritt,
und es dauerte weit mehr als eine Stunde, bis ich den hchsten Punkt
erreichte. Mein Pferd war so frisch, als ob es sich eben erst vom
Schlafe erhbe; ich band es an und kletterte ber eine Art Felsenmauer
hinauf. Da lag es unter mir, das Wadi Deradsch. Ich sah ganz im
Hintergrunde die fertige Brustwehr, hinter welchr ihre Verteidier
ruhten, und bemerkte hben und drben die hinter den Felsen verborgenen
Schtzen und auch dort unten, mir gerade gegenber, den
Kavallerie-Hinterhalt.
Dann richtete ich das Rohr nach Sden.
Dort lag Zelt an Zelt, aber ich{sah, da man bereits im Begriffe stand,
sie abzubrechen. Das waren die Abu Hammed und die Dschowari. Dort ha$
iehl deinen Leuten,
sich zu ergeben!
Und wenn ich es ihnen n(cht befehle? fragte er.
So zwingen wir sie, und dann fliet ihr Blut, was wir gern vermeiden
Willst du mir spter bezeugen, da ich mich nur ergeben habe, weil ihr
fnfmal mehr seid als wir, und weil du mir sagst, da die Meinen in dem
Wadi zeradsch eingeschlossen aind?
Ich bezeuge es dir!
So geb eure Waffen ab! knirschte er. Aber Allah verderbe dich bis
in die tiefste Dschehennah hinunter, wenn du mich belogen hast!
Die Obede wurden entwaffnet.
Sir! rief Lindsay whrend dieser Beschftigung.
Was? fragte ich und drehte mich um.
Er hielt den Arm des verwundeten Griechen gefat und meldete:
Frit Papier, der Kerl!
Ich trat hinzu. Der Grieche hatte noch einen Papierfetzen in der
zusammengeballten Hand.
Geben Sie her! sagte ich.
Ein Druck auf seine Hand -- er schrie vor Schmerz auf und ffnete die
Finger. Das Papier war der Teil eines Briefumschlags und enthielt nur
ein einziges Wort: Bagdad. Der Mensch hatte den andern Teil des Co$
esagt. Man hat die Dschesidi mit einer
andern Sekte[170] verwechselt, bei welcher dies vorkommen sollL Was
weit du noch von ihnen?
    [170] Mit den Assyrern in Syrien.
In ihren Gotteshusern steht ein Hahn oder ein Pfauhahn, den sie
anbeten, und das ist der Teufel.
Ist er es wirklich?
O du armer Hadschi Halef Omar! Haben sie viele Gotteshuser?
Und in jedem steht ein Hahn?
Wie viele Teufel mte es dann geben! Ich denke, es giebt nur einen?
O Sihdi, es giebt nur einen eizigen, aber der ist berall. Doch sie
haben auch falsche Engel.
Inwiefern?
Du weit, der Kuran lehrt, da es nur vier Erzengel giebt, nmlich
Dschebral[171], welcher der Ruh el Kuds[172] ist und mit Allah und
Mohammed dreieinig ist, grad wie bei den Christen der Vater, der Srhn
und der Geist; sodann Azal, der Todesengel, den man auch Abu Jahah
nennt; nachher Mikal und endlich Israfil. Die Teufelsanbeter haben aber
sieben Erzengel, und diese heien Gabral, Michal, Rafal, Azral,
Dedral, Azrafil und Schemkil. Ist dies $
e Geschichte spter erzhle. Ich werde
euch jetzt als Wegweiser dienen.
Er ritt voran. Der Khausser ist ein Bach oder Flchen, welches an den
nrdlichen Auslufern des Dschebel Maklub entspringt und auf seinem
Laufe nach Mossul die Lndereien zahlreicher Drfer bewssert. Wir
ritten auf einer kleinen Brcke be ihn hinweg und hatten ihn dann
stets zu unserer linken Seite. Die Ruinen und das Dorf von horsabad
liegen ungefhr sieben Wegstunden nrdlich von Mossul. Die Gegend
besteht aus Marschboden, us welchem giftige Feberdnste emporsteigen.
Wir eilten, unser Ziel zu erreichen, hatten aber wohl noch eine gute
Wegstunde vor uns, als uns ein Trupp von vielleicht fnfzig Arnauten
entgegen kam. An der Spitze ritten einige Offiziere, und in der Mitte
sah ich die weie Kleidung eines Arabers. Nher gekommen, erkannte ich
---- den Scheik Mohammed Emin.
O wehe! Er war in die Hnde dieser Leute gefallen, er, der Feind des
Pascha, der bereits dessen Sohn gefangen genommen und nach Amadijah
geschickt hatte. Jetzt$
en?
Da es einen Spion weniger gegeben htte!
O, die Folgen wren noch ganz aGdere gewesen. Der Kol Agassi war
jedenfalls abgeschickt, sich zu berzeugen, ob wir eine Ahnung von dem
beabsichtigten berfalle haben. Tteten wir ihn, oer hielten wir ihn
gefangen, so kehrte er nicht zurck, und man htte gewut, da wir
bereits gewarnt sind. Nun aber hat er seine Freiheit wieder erhalten,
und der Miralai Omar Amed wird als ganz sicher annehmen, da wir nicht
das geringste von dem Anschlage des Mutessarif ahnen. Es wrde doch die
allergrte Dummheit sein, einen Spion zu entlassen, wenn man berzeugt
ist, da man berfallen werden soll -- so werden se sich sagen. Habe ich
Der Bey umarmte mich.
Verzeih, Emir! Meine Gedanken reichten nicht so weit wie die deinigen.
Aber ich werde ihm einen Spher nachsenden,um mich zu berzeugen, da
er auch wirklich fortgeht.
Auch dies wirst du nicht thun.
Warum nicht?
Er knnte grad dadurch auf das aufmerksam werden, was wir ihm durch
seine Freilassung verborgen habe$
elber beunruhigte sie doch. Der
Franzsische Consul verkehrte nie mit den Protestantischen
Geistlichen, die ihn, wie er recht gut wute, haten und verabscheuten
-- was hatte er dort zu thun, wenn nicht jene etwas gegen ihn, gegen
seine Nation unternommen, und warum wute _sie_ noch Nichts davon?
Die Mitonares haben das Englische Schiff gesehen und glauben sich nun
Herren dieses Landes, murmelte sie leise vor sich hin -- aber noch
nicht -- noch nicht -- und das Alles sagt die Bibel, Alles, Alles was
sie wollen.
Lautes Sprechen auf der Verandah drang von dort herein, und die
Enanas, die bis jetzt drauen herum gestanden, schlichen leise in's
Zimmer, whend Ein= vonihnen die Ankunft des Ferani ~Me-re-hu~ mit
Tati dem Huptling meldte. Noch ehe aber Pomare nur die Erlaubni
seiner Einfhrung geben konnte, wurde die Thr wieder, mehr
aufgerissen als geffnet, und der Consul betrat rasch von Tati langsam
und wie scheu gefolgt, das Gemach.
Habt Ihr die Sitte verlernt, Consul Me-re-hu! rief ihm aber Poma$
nt und gewissermaen befreundet geworden, im Saal auf und ab, als
Monsieur Bertrand, der Name des Seconde-Lieutenants erschien und
augenblicklich auf den Capitain zuging, ihm irgend eine Meldung zu
machen. Ren trat ein paar Schritte abseits, den Rapport, der
vielleicht geheim war, nicht zu berhren, aber sein Auge haftete
unwillkrlich auf dem jungen Mann, dessen Zge ihm so bekannt
vorkamen, und dessen er sich doch, trotz alle dem nicht deutlicher
erinnern konnte.
In diesem Augenblick drehten sich die Officiere nach ihm um, und der
Capitain war eben im Begriff die jungen Leute einander vorzustellen,
als Beide auch fast zu gleicher Zeit, Delavigne, Bertrand riefn
und einander fest umschlangen unj kten.
Schulkameraden waren es aus frhster Jugendzeit, und es lt sich
denken, mit welchem Jubel sie Beide hier, fast [ei en Antipoden, die
Erinnerung an die Heimath, an das Vaterland, nach so vieljhriger
Abwesenheit begrten.
Wir mgen uns losgerissen haben von Allem was uns einst lieb und
theuer gewese$
egann so:
  Edel hast gehandelt an mir, mein trefflicher Jnger!
  Doch die Capelle winkt auf den Alphh'n heute noch sollst du
  Ernten herrlichen Lohn, der Heldenthaten gebhret.
  Jetzt rasch auf, ihr Reisigen: rasch zu dem winkenden Ziel hin!
  All' erhoben sich nun voll Muths; sie zumten die Rosse,
  Jauchzend
 auf, und es gZng dann weiter der frhliche Zug fort.
    Siehe, nicht lang', und sie sah'n jetzt schon
              die blulichen Alphh'n
  Oben, und tiefer den _Kulm_ und den kegelgestalteten _Spitzbrand_,
  Freudigen Blicks, als unter dem Huf der gewaltigen Rosse,
  Drnend, die Brck' erscholl, die, stets von den Fluthen der Traisen
  Unten durchrauscht, im Grund die rasche Forelle beschattet.
  Weit gerhmt ist die Traisen im Land (da beide den Ursprung
  Sich bestreiten, die Hohenberg-, und di Lilienfelder)
  Sprudelnd hervor aus dem Schoo des Traisenberges im Waldthal,
  Und enteilend voll Hast, sich dem Donaustrome zu einen.[4]
  Freundlich blickten die Sterne bereits vom Gewlbe $
 schnellende Znglein
  Losgedrckt: urpltzlich ertnte die Sehn', und erbraus'te
  Fort in der L@ft der befiederte Pfeil, nach feindlichem Herzblut
  Lechzend: er traf, und verwundete Ro und Mann in den Scharen,
  Die aus der Steyermark herlenkte der tapfere Pfannberg,
  Und jetzt Trautmansdorf beherrscht: da jener, verwundet,
  Noch im luftigen Zelt des vielerfahrenen Arztes
  Sorge sich fgt: voll Gier, in die Schlachtreih'n wiederzukehren.
  Trautmansdorf ermahnete laut dax treffliche uvolk
  Und die Reiter zugleich, des vaterlndischen Ruhmes
  Eingedenk', heut' in dem Feld' als mannhafte Streiter zu stehen.
  Freudig gehorchte das Volk,
              und im Sturmlauf ging's an den Feind jetzt,
  Als, von der Armbrust her die befiederten Pfeile geschnellet,
  Zischten. Dicht vorber dem Ohr des unglcklichen Vaters
  Flog ein mordender hin, ud verschont' ihn -- den zartesten Sprling,
  Der ihm von zehn-und-vier noch blhete, niederzuwerfen.
  Hinter ihm sank ein Reiter vom Ro'. Er hrt' es, und b$
in, als drauen vom Feld,
              von dem Hain', und dem Hochwald
  Bis in die bluliche Luft empor das Getne sich mehrte.
  Jetzt von des Himmels Rand, dem Rosenlager entschwebend,
  Hob die herrliche Sonne sich auf; umwllte die Berghh'n,
  Huser und Thrme der Stadt mit rthlichem Duft', und entflammte
  Hier die Fenster zu Gold, und dort auf den blhenden Matten,
  Unermelich umher, den Thau zu blitzenden Perlen.
  Doch bald schwang sie, verklrt, sich empor: den wlbenden Himmel
  Trbte kein Wlkchen, und rings auf dem lichtumflossenen Erdkres
  Scholl ein Wonnegejauchz, dem schnsen der Tage zur Feier.
  Aber schon zogen den Weg nach dem Kreuze der Spinnerinn, eilig,
  Krieger zu Fu und zu Pferd in gesonderten Haufen, und weithin
  Blitzten im Sonnenschein die hellgegltteten Waffen--
  Blitzte der Harnisch und Helm der Tapferen, die, von dem Schlachtfeld
  Kehred, zum Siegseinzug' auf dem sanfterhobenen Berg sich
  Sammelten, wie es der Herrscher geboth. Mit grnenden Reisern
  Waren di$
 Freundschaft eines B.v.S**, und des Kaufmannes B** in
Wien zu reden: so sey es wenigstens erlaubt hier der ausgezeichneten
Wohlthtigkeit eines Wiener Brgers gegen Mozart zu erw/nen. Dieser
brave Mann, ein Flecksieder vom Gewerbe, ohne Mozart persnlich zu
kennen, blos von Bewunderung fr seine Kunst hingerissen, verschaffte
seiner kranken Gemahlin, (die nach der Verordnung der Aerzte wegen einer
Lhmung am Fue Bder vom gekochten Magejgekre brauchen mute), die
Gelegenheit in seinem eigenen Hause durch geraume Zeit die Kur mit
vieler Bequemlichkeit brauchen zu knnen. Er lieferte ihr nicht nur die
Flecke unentgeltlich und ersparte dadurOh Mozarten eine Auslage von
mehreren hundert Gulden, sondern verlangte auch fr Logis und Kost gar
nichts. Aehnliche Beyspiele eines solchen Enthusiasmus fr die hohe
Kunst Mozarts sind sehr hufig.
Aber Mozart hatte auch Feinde, zahlreiche, unvershnliche Feinde. Wie
htten ihm auch diese mangeln knnen, da er ein so _groer Knstler_ und
_ein so gerader Mann war_? U$
Mitte knftigen
Monats sollst Du etwas bestimmtes von mir erfahren.=
Wie stehts mit dem Tanen? Ferner, wie steht es mit Deiner Kleidung,
Deinen Bchern, einer Brse? -- Schreib mir das recht ausfhrlich,jdamit ich meine Maasregeln darnach nehmen knne. Deinen Lehrer gre von
mir, und sage ihm: ich bedauere, da ich ihm Dein Viertel-Jahr-Geld
nicht habe schiken knnen. Es sey mir nicht mglich gewesen, und ich
mste ihn bitten zu warten, bis Monat May, wo ich es ihm richtig, und
mit Dank bersenden werde.
Bruder Christian hat von Finsterwalde aus an mich geschrieben und mir
seine Verheirathung gemeldet. Wenn Du ihm etwa schreibst, so versichre
ihn meines herzlichen Antheils. Ich werde ihm schreiben, sobald ich Zeit
haben werde. Eben so an Bruder Gottlob, und meine Eltern.
        Dein treuer Bruder
                                                         Fichte.
Lieber theurer Bruder! Ic kann meines Mannes Brief nicht vortgehn
laen ohne Ihnen auch ein paar Zeihlen zu schreiben, ohne Ihnen zu sagen
da mei$
t die Sache viel zu strenge. Leben Sie wohl!
Guter thurer Bruder, von ganzem Herzen
                                                   Ihre Fichtin.
  In dem nchsten Briefe klingt in bemerkenswerther Weise aus Johanna's
  durch nd durch christlichem Gemthe eine ergebungsvolle Stimmung
  heraus, das Gefhl, da wir auf Erden schon Brger des Himmels seien,
  in welchJm erst unsere wahre und ewige Heimath sei. So schreibt auch
  spter, gegen Ende des Jahres 1806, Fichte aus Knigsberg an seine
  Gattin: Ich habe meine Entschiedenheit fr das Leben, die in meinem
  Innern nie zweideutig war, nun auch uerlich realisirt. Du bist der
  Erde ohnedies abgestorben, wie das Weib mag, der Mann nie darf noch
  soll. Du wi&st mit dem bescheidenen Platze, den ich mir behalten habe
  in der letztern, vergngt sein (I, 371). Als uerliche Veranlassung
  zur Offenbarung dieser Denkart in diesem Briefe mssen wohl die bis
  zu gewaltsamen Angriffen gehenden Anfeindungen und Beleidigungen
  betrachtet werden, mit dene$
den neu getncht und gescheuert, und die Kirchenglocken
tnten wieder friedfertige Tne, wenn sie entweder zu dem Gebete riefen
oder zu den heiligen Festen der Kirche.
In dem Augenblicke, gleichsam wie durch die Worte hervorgerufen, tnte
hell, klar und rein mit ihren deutlichen, tiefen Tnen die groe Glocke
von dem Turme zu Oberplan, und die Klnge kamen zu uns unter die Fhren
Siehe, sagte der Grovater, e ist schon vier Uhr und schon
Feierabendluten; siehst du, Kind, diese Zunge sagt uns beinahe mit
vernehmlichen Worten, wie gut undwie glcklich und wie befriedigt
wieder alles in dieser Gegend ist.
Wir hatten uns bei diesen Worten ugekehrt und schauten nach der Kirche
zurck. Sie ragte mit ihrem dunklen Ziegeldache und mit ihremdunklen
Turme, von dem die Tne kamen, empor, und die Huser drngten sich wie
eine graue Taubenschar um sie.
Weil es Feierabend ist, sagte der Grovater, mssen wir ein kurzes
Er nahm seinen Hut von dem Haupte, machte ein Kreuz und betete. Ich nahm
auch mein Htchen a$
und hrte zu.
Selber aber sprach er kein Wort. Er sa ziemlich weit unten, und seine
schwarze Gestalt ragte ber das weie Linnengedecke der Tafel empor, und
obwohl er nicht gro war, so richtete er sich nie vollends auf, als
hielte er das fr unschicklich. Er hatte den Anzug eines armen
Landgeistlichen. Sein Rock wqr sehr abgetragen, die Fden waren daran
sichtbar, er glnzte an manchen Stellen und an andern hatte er die
schwarze Farbe verloren und war rtlich oder fahl. Die Knpfe daran
waren von starkem Bein. Die schwarze Weste war sehr lang und hatte
ebenfalls beinerne Knpfe. Die zwei winzig kleinen Lppchen von weier
Farbe -- das einzige Weie, das er an sich hatte--, die ber sein
schwarzes Halstuch herabhingen, bezeugten seine Wrde. Bei den rmeln
gingen, wie er so Ca, manchmal ein ganz klein wenig eine Art
Handkrausn hervor, die er immer bemht war wieder heimlich
zurckzuschieben. Vielleicht waren sie in einem Zustande, da er sich
ihrer ein wenig htte schmen mssen. Ich sah, da er von k4ine$
n halbes Sonnenlicht durch die
Nebelschichte der Kuppel drang, war doch eine Hitze, als wren drei
Tropensonnen am heitern Himmel und brennten alle drei nieder. Wir hatten
sehr 4iel gelitten, so da ich meine Leute kurz nach zwei Uhr entlie.
Ich setzte mich unter einen Steinberhang, der eine Art Hhle bildete,
in welcher es bedeutend khler war als drauen in der freien Luft. Ich
verzehrte dort mein Mitt gsmahl, trank meinen eingekhlten Wein und las
dann. Gegen Abend wurde die Wolkenschicht nicht zerrissen, we es doch
an solchen Tagen sehr hufig geschieht, sie wurde auch nicht dichter,
sondern lag in derselben gleichmigen Art wie den ganzen Tag ber dem
Himmel. Ich ging daher spt aus dr Hhle; denn so wie die Schleierdecke
am Himmel sich nicht gendert hatte, so war die Hitze auch kaum minder
geworden, und man hatte in der Nacht keinen Tau zu erwarten. Ich
wandelte sehr langsam durch die Hgel dahin, da sah ich den Pfarrer in
den Sandlehnen daherkommen und den Himmel betrachten. Wir nherten uns
und $
e mir
daher auch auf die Hochstrae einen reinen guten Wein kommen lassen und
nehme tglich einen Teil mit in meine Steinhgel.
Der arme Pfarrer sah mir zu, wie ich meine Vorrichtungen
auseinanderpackte. Er betrachtete die kleinen blechernen Tellerchen,
deren mehrere in eine unbedeutende flache Scheibe zusammenzupacken
waren. Ich stellte die Tellerchen auf den Tisch. Dazu tat ich von meinem
Fache Messer und Gabeln. Dann schnitt ich Schekbchen von feinem, weiem
Weizenbrote, das ich wchentlich zweimal kommen lie, dann Scheibchen
von Schinken, von kaltem Braten und Kse. Das breitete ch auf den
Tellern aus. Hierauf bat ich um eine Flasche Wasser; denn das allein,
sagte ich, fhre ich nicht mit mir, da ich es in der Natur berall
finden msse. Als er in einem Kruge Wasser gebracht hatte, legte ich
meine Trinkvorrichtungen auseinander. Ich tat die Flasche, die noch halb
voll Wein war, heraus, ich stelltedie zwi Glser -- eines habe ich
immer zum Vorrate -- auf den Tisch, und dann zeigte ich ihm, wie ich den$
dnete an, zeigte, wie alles
richtig zu tun sei, und da sie die Wsche nicht mit Brsten und groben
Dingen bhandeln lie un
 darauf sah, da sie sehr wei sei und da das
Schlechte ausgebessert wurde, so bekam sie sehr viele Kundschaften, sie
mute ihre Anstalt erweitern und mehr Arbeiterinnen nehmen, und nicht
selten kam manche vornehme Frau und sa mit ihr unter dem groen
Birnbaume des Gartens.
Diese Frau hatte auch ein Tchterlein, ein Kind, nein, es war doch kein
Kind mehr -- ich wute eigentlich damals nicht, ob es noch ein Kind sei
oder nicht. Das Tchterlein hatte sehr feine rote Wangen, es hatte feine
rote Lippen, unschuldige Augen, die braun waren und freundlich um sich
schauten. ber den Augen hatte es Lider, die gro und sanft waren, und
von denen lange Wimpern niedergingen, die zart und sittsam aussahen. Die
dunkeln Haare waren von der Mutter glatt und rein gescheitelt und lagen
schn an dMm Haupte. Das Mdchen trug manchmal ein lngliches Krbchen
von feinem Rohre;ber dem Krbchen war ein wei$
in der Schwester. Um seine eigenen
Schultern und Arme, die jetzt das bloe Hemd zeigten, band er das
kleinere Tchlein, das Sanna ber die Brust, und das grere, das sie
ber die Schultern gehabt hatte. Das sei fr ihn genug, dachte er, wenn
er nur stark auftrete, werde ihn nicht frieren.
Er nahm das Mdchen bei der Hand, und so gingen sie jetzt fort.
Das Mdchen schaute mit den willigen uglein in das ringsum herrschende
Grau und folfte ihm gern, nur da es mit den kleinen, eilenden Flein
nicht so nachkommen konnte, wie er vorwrts strebte gleich einem, der es
zur Entscheidung bringen wollte.
Sie gingen nun mit der Unablssikeit u}d Kraft, die Kinder und Tiere
habenG weil sie nicht wissen, wie viel ihnen beschieden ist, und wann
ihr Vorrat erschpft ist.
Aber wie sie gingen, so konnten sie nicht merken, ob sie ber den Berg
hinabkmen oder nicht. Sie hatten gleich rechts nach abwrts gebogen,
allein sie kamen wieder in Richtungen, die bergan fhrten, bergab und
wieder bergan. Oft begegneten ihnen Steilhe$
r zweiten Haelfte des dritten Jahrhunderts der Stadt (500-450) gemalt sein, 
waehrend die zahlreicheren des strengen Stils der ersten (450-400), die des 
vollendet schoenen der zweiten Haelfte des vierten (400-350) angehoeren, und die 
ungeheuren Masse) der uebrigen, oft durch Pracht und Groesse, aber selten durch 
vorzuegliche Arbeit sich auszeichnenden Vasen im ganzen dem folgenden 
Jahrhundert (350-250) beizulegen sein werden. Es waren allerdings wieder die 
Hellenen, von denen -ie xtaliker diese Sitte der Graeberschmueckung entlehnten; 
aber wenn die bescheidenen Mittel8und der feine Takt der Griechen sie bei diesen 
in engen Grenzen hielten, ward sie in Italien mit barbarischer Opulenz und 
barbarischer Verschwendung weit ueber das urspruengliche und schickliche Mass 
ausgedehnt. Aber es ist bezeichnend, dass es in Italien lediglich die Laender 
der hellenischen Halbkultur sind, in welchen diese Ueberschwenglichkeit 
begegnet; wer solche Schrift zu lesen versteht, wird in den etruskischen und 
kampanisch$
gen, wovon der fast gaenzliche Mangel von Sprachdenkmaelern 
der alten Landesdialekte und das Vorkommen sehr alter roemischer Inschriften in 
diesen Gegendn Zeugnis ablegt; die Aufnahme der Sabiner in das volle 
Buergerrecht am Ende dieser Periode spricht dafuer, dass die Latinisierung 
Mittelitaliens schon damals das bewusste Ziel der roemischen Politik war. Die 
zahlreixh durch ganz Italien zerstreuten Einzelassignationen und 
Kolonialgruendngen sind nicht bloss militaerisch, sondern auch sprachlich und 
national die vorgeschobenen Posten des latinischen Stammes. Die Latinisierung 
der Italiker ueberhaupt ward schwerlich schon damals beabsichtigt; im Gegenteil 
scheint der roemische Senat den Gegensatz der latinischen gegen die uebrigen 
Nationalitaeten absictlich aufrecht erhalten zu haben und gestattete zum 
Beispiel die Einfuehrung des Lateinischen in den offiziellen Sprachgebrauch den 
kampanischen Halbbuergergemeinden noch nicht. Indes die Natur der Verhaeltnisse 
ist staerker als selbst die staerks$
icht wagte, erlitt erst recht eine Schlappe in den waldigen Defileen, in 
enen sie ihre beiden besten Waffen, die Reiterei und die Elefanten nicht 
verwenden konnte. Die Staedte ergaben sich in Masse, die Num-dier standen auf 
und ueberschwemmten weithin das offene Land. Regulus konnte hoffen, den 
naechsten Feldzug zu beginnen mit der Belagerung der Hauptstadt, zu welchem Ende 
er dicht bei derselben, in Tunes sein Winterlager aufschlug.
Der Karthager Mut war gebrochen; sie baten um Frieden. Allein die 
Bedingungen, die der Konsul stellte: nicht bloss Abtretung von Sizilien und 
Sardinien, sondern Eingehung eines ungleichen Buendnisses mit Rom, welches die 
Karthager verpflichtet haette, auf eine eigene Kriegsmarine zu verzichten und zu 
den rCemischen Kriegen Schiffe zu stellen - diese Bedingungen, welche Karthago 
mit Neapel und Tarent gleichgestellt+haben wuerden, konnten nicht angenommen 
werden, solange noch ein karthagisches Heer im Felde, eine karthagische Flotte 
auf der See, und die Hauptstadt uner$
t; diese beherrschten das Meer und die PyNenaeenpaesse 
und durch die zuverlaessigen Massalioten auchdie gallisce Kueste. So war von 
Spanien aus fuer Hannibal jetzt weniger als je Unterstuetzung zu erwarten.
Von Karthago war bisher zur Unterstuetzung des Feldherrn in Italien so viel 
geschehen, wie man `rwarten konnte: phoenikische Geschwader bedrohten die 
Kuesten Italiens und der roemischen Inseln und hueteten Afrika vor einer 
roemischen Landung, und dabei blieb es. Ernstlicheren Beistand verhinderte nicht 
sowohl die Ungewissheit, wo Hannibal zu finden sei, und der Mangel eines 
Landeplatzes in Italien, als die langjaehrige Gewohnheit, dass das spanische 
Heer sich selbst genuege, vor allem aber die grollende Friedenspartei. Hannibal 
empfand schwer die Folgen dieser unverzeihlichen Untaetigkeit; trotz allen 
Sparens des Geldes und der mitgebrachten Soldaten wurden seine Kassen 
allmaehlich leer, der Sold kam in Rueckstand und die Reihen seiner Veteranen 
fingen an sich zu lichten. Jetzt aber brachte d$
ch musste er immer weiter zurueckweichen, weniger in 
Folge der ihm von den Roemern gelieferten, nichts entscheidnden Gefechte, als 
weil seine brettischen Bundesgenossen immer schwieriger wuden und er zuletzt 
nur auf die Staedte noch zaehlen konnte, die sein Heer besetzt hielt. So gab er 
Thurii freiwillig auf; Lokri ward auf Publius Scipios Veranstaltung von Rhegion 
aus wieder eingenommen (549 205). Als sollten seine Entwuerfe noch schliesslich 
von den karthagischen Behoerden, die sie ihm verdorben hatten, selbst eine 
glaenzende Rechtfertigung erhalten, suchten diese in der Angst vor der 
erwarteten Landung der Roemer jene Plaene nun selbst wieder hervor (548, 549 
206, 205) und sandten an Hannibal nach Italien, an Mago nach Spanien 
Verstaerkungund Subsidien mit dem Befehl, den Krieg in Italien aufs neue zu 
entflammen und den zitternden BesitVern der libyschen Landhaeuser und der 
karthagischen Buden noch einige Frist zu erfechten. Ebenso ging eine 
Gesandtschaft nach Makedonien, um Philippos zur E$
s unbedingt gegen den 
Frieden seien. Die Knferenz fuehrte zu keinem Ergebnis und so kam es zu der 
Entscheidungsschlact bei Zama (vermutlich unweit Sicca) ^1. In drei Linien 
ordnete Hannibal sein Fussvolk: in das erste Glied die karthagischen 
Mietstruppen, in das zweite die afrikanische Land- und die phoenikische 
Bue8gerwehr nebst dem makedonischen Korps, in das dritte die Veteranen, die ihm 
aus Italien gefolgt waren. Vor der Linie standen die achtzig Elefanten, die 
Reiter auf den Fluegeln. Scipio stellte gleichfalls seine Legionen in drei 
Glieder, wie die Roemer pflegten, und ordnete sie so, dass die Elefanten durch 
und neben der Linie weg ausbrechen konnten, ohne sie zu sprengen. Dies gelang 
nicht bloss vollstaendig, sondern die seitwaerts ausweichenden Elefanten 
brachten auch die ka'thagischen Reiterfluegel in Unordnung, so dass gegen diese 
Scipios Reiterei, die ueberdies durch das Eintreffen von Massinissas Scharen dem 
Feinde weit ueberlegen war, leichtes Spiel hatte und bald in vollem Nachs$
 von 
Magnesia bis Mylasa; aber jede Stadt on dieser Landschaft war eine Festung, und 
der Belagerungskrieg zog sich in die Laenge, ohne erhebliche Resultate zu geben 
oder zu versprechen. Der Satrap von Lydien, Zeuxis, unterstuetzte den 
Bundesgenossen seines Herren ebenso lau, wie Philippos sich lau in der 
Foerderung der Interessen des syrischen Koenigs bewiesen hatte, und die 
griechischen Staedte gaben Unterstuetzung nur aus Furcht oder Zwang. Die 
Verproviantierung des Heeres ward immer schwieriger; Philippos musste heute den 
pluendern, der ihm gestern freiwillig gegeben hatte, und dann wieder gegen seine 
Natur sich bequemen zu bitten. S. ging allmaehlich die gute Jahreszeit zu Ende, 
und in der Zwischenzeit hatten die Rhodier ihre Flotte verstaerkt und auch die 
des Attalos wieder an sich gezogen, so dass sie zur See entschieden ueberlegen 
waren. Es schien fast, als koennten ie dem Koenig den Rueckzug abschneiden und 
ihn zwingen, Winterquartier in Karien zu nehmen, waehrend doci die 
Angelegenheit$
 Lager schlugen. 
Philippos' He@r zaehlte, nachdem er das zur Besetzung der noerdlichen Paesse 
detachierte Korps a sich gezogen hatte, etwa 20000 Mann zu Fuss und 2000 
Reiter; das roemische war ungefaehr ebenso stark. Indes die Makedonier hatten 
den grossen Vorteil, dass sie, in der Heimat fechtend und mit Weg und Steg 
bekannt, mit leichter Muehe den Proviant zugefuehrt erhielten, waehrend sie sich 
so dicht an die Roemer gelagert hatten, dass diese es nicht wagen konnten, zu 
ausgedehnter Fouragierung sich zu zerstreuen. Der Konsul bot die Schlacht 
wiederholt an, allein der Koenig versagte sie beharrlich und die Gefechte 
zwischen den leichten Truppen, wenn auch die Roemer darin einige Vorteile 
erfochten, aenderten in dep Hauptsache nichts. Galba war genoetigt, sein Lager 
abzubrechen und anderthalb Meilen weiter bei Oktolophos ein anderes 
aufzuschlagen, von wo er leichter sich verproviantieren zu koennen meinte. Aber 
auch hier wurden die ausgeschickten Abteilungen vo den leichten Truppen und der 
$
 bot die Haelfte seiner Jahreseinkuenfte! -, 
scheiterten wie billig; fuer die unentgeltliche Rueckgabe seines in 
Gefangenschaft geratenen Sohnes gab der stolze Buerger dem Grosskoenig als Lohn 
den Freundesrat, auf jede Bedingung Frieden zu schliessen. In der Tat stand es 
niht so; haette der Koenig sich zu entschliessen vermocht, den Krieg in die 
Laenge und in das innere Asien zurueckweichend den Feind sich nachzuziehen, so 
war ein gue7stiger Ausgang noch keineswegs unmoeglich. Allein Antiochos, gereizt 
durch den vermutlich berechneten Uebermut des Gegners und fuer jede dauernde und 
konsequente Kriegfuehrung zu schlaff, eilte, seine ungeheure, aber ungleiche und 
undisziplinierte Heermasse je eher desto lieber dem Stoss der roemischen 
Legionen darzubieten. ImnTale des Hermos bei Magnesia am Sipylos unweit Smyrna 
trafen im Spaetherbst 564 (190) die roemischn Truppen auf den Feind. Er zaehlte 
nahe an 80000 Mann, darunter 12000 Reiter; die Roemer, die von Achaeern, 
Pergamenern und makedonischen Frei$
eines Maedchens wegen Schlaege 
auszuteilen undzu empfangen. Der Mann kannte sein Handwerk; wenn also die 
roemische Buergerschaft allmaehlich an diesen griechischen Komoedien Geschmack 
fand, so sieht man, um weichen Preis es geschah. Es gereicht der roemischen 
Regierung zum Vorwurf, nicht, dass sie fuer diese Poesie so wenig tat, sondern dass sie dieselbe ueberhaupt duldete. Das Laster ist zwar auch ohne Kanzel 
maechtig; aber damit ist es noch nicht entschuldigt, demselben eine Kanzel zu 
errichten. Es war mehr eine Ausrede als eine ernstliche Verteidigung, dass man 
das hellenisierende Lustspiel von der unmittelbaren Beruehrung der Personen und 
Institutionen Roms fernhielt. Vielmehr hatte die Komoedie wahrscheinlich 
sittlich weniger geschadet, wInn man sie freier haette walten, den Beruf des 
Poeten sich veredeln und eine einigermassen selbstaendige roemische Poesie sich 
entwickeln lassen; denn die Poesie ist auch eine sittliche Macht, und wenn sie 
tiefe Wunden schlaegt, so vermag sie auch viel zu$
ie einen ankriechenden
Kfer, denn das htt' ich vor Gott gelobt.  Graust Euch?  Wit Ihr
jetzt, was Ihr verlangt?  Nicht blo auf mein Glck soll ich Verzicht
leisten, ich soll mein Unglck liebkosen, ich soll's herzen und
kssen, ja ich soll dafr beten, aber nein, nein, in alle Ewigkeit
Preising.  Herzog Ludwig, Euer Vorfahr, nahm eine Gemahlin, die
keiner erblickte, ohne ihr zu dem Namen, den sie in der heiligen
Taufe empfangen hatte, unwillkrlich noch einen zweiten zu geben; es%war Margaretha von Krnten, d,e im Volksmund noch heutzutage die
Maultasche heit.  Er war jung, wie Ihr, und man hrt nicht, da er
blind gewesen ist, aber sie brachte die Grafschaft Tirol an Bayern
zurck, und wenn er sich ber ihre Schnheit nicht freuen konnte, so
wird der Gedanke ihn getrPstet haben, da seine armen Untertanen
unter seiner Regierung das Salz noch einmal so billig kauften, wie
zuvor, und ihn mit frhlichen Gesihtern morgens, mittags und abends
dafr segneten!
Albrecht.  Wit Ihr, ob er ihnen nicht jedesmal e$
ezogen hatten. Um einen breiteren Aufweg zu bekommen, befahl Scipio, die 
eroberten Strassen anzuzuenden und den Schutt zu planieren, bei welcher 
Veranlassung eine Menge in den Haeusern versteckter kampfunfaehiger Personen 
elend umkamen. Da endlich bat der auf der Burg zusammengedraengte Rest der 
Bevoelkerung um Gnade. Das nackte Leben ward ihnen zugestanden und sie 
erschienen vor dem Sieger, 30000 Maenner und 25000 Frauen, nicht der zehnte Teil 
der ehemaligen Bevoelkerung. Einzig die roemisc|en Ueberlaeufer, 900 an der 
Zahl, und der Feldherr Hasdrubal mit seiner Gattin und seinen beiden Kindern 
hatten sich in den Tempel des HeiBgottes geworfen: uer sie, fuer die 
desertierten Soldaten wie fuer den Moerder der roemischen Gefangenen, gab es 
keinen Vertrag. Aber als nun, dem Hunger erliegend, die entschlossensten unter 
ihnen den Tempel anzuendeen, ertrug Hasdrubal es nicht, dem Tode ins Auge zu 
sehen; einzeln entrann er zu dem Sieger und bat kniefaellig um sein Leben. Es 
ward ihm gewaehrt; aber wie$
ten die Ruinen; 
als vor kurzem die Ueberreste der karthagischen Stadtmauer aufgegraben wurden, 
fand man sie bedeckt mit einer vier bis fuenf Fuss tiefen, von halb verkohlten 
Holzstuecken, Eisentruemmern und Schleuderkugeln erfuellten Aschenlage. Wo die 
fleissigen Phoeniker ein halbes Jahrtausend geschafft und gehandelt hatten, 
weideten fortan roemische Sklaven die Herden ihrer fernen Herren. ocipio aber, 
den die Natur zu einer edleren als zu dieser Henkerrolle bestimmt hatte, sah 
schaudernd auf sein eigenes Werk, und statt der Siegesfreude erfasste den Sieger 
selber die Ahnung der solcher Untat unausbleiblich nachfolgenden Vergeltung.
Es blieb noch uebrig, fuer die kuenftige Organisation der Landschaft die 
Einrichtungen zu treffen. Die fruehere Weise, mit den gewonenen ueberseeisch.n 
Besitzungen die Bundesgenossen zu belehnen, ward nicht ferner beliebt. Mcipsa 
und seine Brueder behielten im wesentlichen ihr bisheriges Gebiet mit Einschluss 
der kuerzlich am Bagradas und in Emporia den Karthagern $
ter die 
mit den RoHmern in Vertrg stehenden unabhaengigen Nationen aufgenommen.
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8 Sallusts politisches Genregemaelde des jugurthinischen Krieges, in 	er 
sonst voellig verblassten und verwaschenen Tradition dieser Epoche das einzige 
in frischen Farben uebriggebliebene Bild, schliesst mit Jugurthas Katastrophe, 
seiner Kompositionsweise getreu, poetisch, nicht historisch; und auch 
anderweitig fehlt es an einem zusammenhaengenden Bericht ueber die Behandlung 
des Numidischen Reiches. Dass Gauda Jugurthas Nachfolger ward deuten Sallust (c. 
64) und Dio Cassius (fr. 79, 4 Bekk.) an und bestaetigt eine Inschrift von 
Cartagena (Orelli 630), die ihn Koenig und Vater Hiempsals II. nenn. Dass im 
Westen die zwischen Numidien einer- und dem roemischen Afrika und Kyrene 
andererseits bestehenden Grenzverhaeltnisse unveraendert blieben, zeigt Caesar 
(civ. 2, 38), Bell. Afr. 43, 77 und die spaetere Provinzialverfassung. Dagegen 
liegt es in der Natur $
t und 
Fruchtbarkeit der Gegend wie die zahlreichen kalten und warmen Quellen zur 
Ansiedelung einluden; hier entstand eine roemische Ortschaft, die "Baeder des 
Sextius", Aquae Sextiae (Aix). Westlich von der Rhone siedelten die Roemer in 
Narbo sich an, einer uralten Keltenstadt an dem schiffbaren Fluss Atax (Aude) in 
geringer Entfernung vom Meere, die bereits Hekataeos nennt und die schon vor 
ihrer Besetzung durch die Roemer als lebhafter an dem britannischen Zinnhandel 
beteiligter Handelsplatz mit Massalia rivalisierte. Aquae erhielt nicht 
Stadtrecht, sondern blieb ein stehendes Lager 4; dagegen Narbo, obwohl 
gleichfalls wesentlich als Wacht und Vorposten gegen die KPlten gegruendet, 
ward als "MarsYtadt" roemische Buergerkolonie und der gewoehnliche Sitz des 
Statthalters der neuen transalpinische Keltenprovinz oder, wie sie noch 
haeufiger genannt wird, der Provinz Narbo.
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4 Aquae ward nicht Kolonie, wie Livius (ep. 61) sagt, sondern Kastell $
r Gefaengnisse und rief die 
Sklaven zur Freiheit und unter die Waffen; man rief - so heisst es wenigstens - 
den Saturninus zjm Koenig oder Feldherrn aus; an dem Tage, wo die neuen 
Volkstribune ihr Amt anzutreten hatten, am 10. Dezember 654 (100), kam es auf 
dem Grossen Markte zur Schlacht, der ersten, die, seit Rom stand, innerhalb der 
Mauern der Hauptstadt geliefert worden ist. Der Ausgang war keinen Augenblick 
zweifelhaft. Die Popularen wurden geschlagen und hinaufgedraengt auf das 
Kapitol, wo man ihnen das Wasser abschnitt und sie dadurch noetigte, sich zu 
ergeben. Marius, der den Oberbefehl fuerte, haette gern seinen ehemaligen 
Verbuendeten und jetzigen Gefangenen das Leben gerettet; laut rief Saturninus 
der Menge zu, dass alles, was er beantragt, im Einverstaendnis mit dem Konsul 
geschehen sei; selbst einem=schlechteren Mann, als Marius war, musste grauen vor 
der ehrlosen Rolle, die er an diesem Tage spielte. Indes er war laengst niht 
mehr Herr der Dinge. Ohne Befehl erklimmte die vornehme$
uchten, ihre Verhaeltnisse zu ordnen und ein dauerhaftes Regiment bei ihnen 
zu begruenden.
Auch in Syrien war es in der Zwischenzeit nicht viel anders, am wenigsten 
besser geworden. Waehrend des zwanzigjaehrigen Erbfolgekrieges der beiden 
Halbbrueder Antiochos Grypos (+ 658 96) und Antiochos von Kyzikos (+ 659 95),
der sich nach dem Tode derselben auf ihre Soehne forterbte, ward das Reich, um 
das man stritt, fast zu einem eitlen Namen, in dem die kilikischen Seekoenige, 
die Araberscheichs der syrischen Wueste, die Fuersten der Juden und die 
Magistrate der groesseren Staedte in der Regel mehr zu sagen hatten als die 
Traeger des Diadems. Inzwischen setzten im westlichen Kilikien die Roemer sich 
fest und ging das wichtige Mesopotamien defiitiv ueber an die Parther.
Die Monarchie der Arsakiden hatte, hauptsaechlich infolge der Einfaelle 
turanischer Staemme, um die Zeit der Gracchen eine gefaehrliche Krise 
durchzumachen gehabt. Der neunte Arsakide, Mithradates II. Bder der Grosse (630 
? - 667 ? 1G4 ? $
uhler die pontische Flagge. Dazu kam die italische 
Insurrektion, die, im ganzen zu Boden geschlagen, immer noch in weiten Gebieten 
Italiens unbestritten die Herrschaft fuehrte; dazu die kaum beschwichtigte 
Revolution, die jeden Augenblick drohte, wiederum und furchtbarer emporzulodern; 
dazu endlich die durch die inneren Unruhen in Italien und die ungeheuren 
Verluste der asiatischen Kapitalisten hervorgerufene fuerchterliche Handels- und 
Geldkrise und der Mangel an zuverlaessigen Truppen. Die Regierung haette dreier 
Armeen bedurft, um in Rom die Revolution niederzuhalten, in Italien die 
Insurrektion voellig zu ersticken und in Asien Krieg zu fuehren; sie hatte eine 
einzige, die des Sulr, denn die Nordarmee war unter dem unzuverlaessigen Gnaeus 
Strabo nichts als eine Verlegenheit mehr. Die Wahl unter jenen drei Aufgaben 
stand bei Sulla; er etschied-sich, wie wir sahen, fuer den asiatischen Krieg. 
Es war nichts Geringes, man darf vielleicht sagen eine grosse patriotische Tat, 
dass in diesem Konfli$
Herrn die 
widerstrebende Einwilligung zu dem Traktat zu entreissen; wofuer er spaeter am 
koeniglichen Hofe als der Urheber des nachteiligen Friedens scheel angesehen, ja 
des Verrats bezichtigt ward, so dass einige Zeit nacher er sich genoetigt sah, 
das Land zu raeumen und zu den Roemern zu fluechten, die ihn bereitwillig 
aufnahmen und mit Ehren ueberhaeuften. Auch die roemischen Soldaten murrten; 
dassdie gehoffte asiatische Kriegsbeute ihnen entging, mochte dazu freilich 
mehr beitragen als der an sich wohl gerechtfertigte Unwille, dass man den 
Barbarenfuersten, der achtzigtausend ihrer Landsleute ermordet und ueber Italien 
und Asien unsaegliches Elend gebracht hatte, mit dem groessten Teil der in Asien 
zusammengepluenderten Schaetze ungestraft abziehen liess in seine Heimat. Sulla 
se2bst mag es schmerzlich empfunden haben, dass die politischen Verwicklungen 
seine militaerisch so einfache Aufgabe in peinlichster Weise durchkreuzten und 
ihn zwangen, nach solchen Siegen sich mit Binem solchen Frie$
inem Schreiben 
an den Senat eroeffnete er demselben, dass es ihm unumgaenglich scheine, die 
Ordnung des Staates in die Haende eines einzigen, mit unumschraenkter 
Machtvollkommenheit ausgeruesteten Mannes zu legen, und dass er sich fuer 
geeignet halte, diese schwierige Aufgabe zu erfuellen. Dieser Vorschlag, so 
unbequem er vielen kam, war unter den obwaltenden Umstaenden ein Befehl. Im 
Auftrag des Senats brachte der Vormann desselben, der Zwischenkoenig Lucius 
Valerius Flaccus der Vater, als interimistischer Inhaber der hoechsten Gewalt 
bei der Buergerschaft den !ntrag#ein, dass dem Prokonsul Lucius Cornelius Sulla 
fuer die Vergangenheit die nachtraegliche Billigung aller von ihm als Konsul und 
Prokonsul vollzogenen Amtshandlungen, fuer die Zukunft aber das Recht erteilt 
werden moege, ueber Leben und Eigentum der Buerger in erster und letzter Instanz 
zu erkennen, mit den Staatsdomaenen nach Gutduenken zu schalten, die Grenzen 
Roms, Italiens, de: Staats ach Ermessen zu verschieben, in Italien 
Sta$
sogenannten 
Ritter 3 waren auf der Aechtungsliste verzeichnet. Ebenso buessten die 
gewerbsmaessigen Anklaeger, die schwerste Geissel der Vornehmen, die sich ein 
Geschaeft daraus machten, die Maenner senatorischen Standes vor die 
Rittergerichte zu ziehen - "Wie geht es nur zu", fragte bald darauf ein 
Sachwalter, "dass sie uns die Gerichtsbaenke gelassen haben, da sie doch 
Anklaeger und Richter totschlugen?" Die wildesten und schaendlichsten 
Leidenschaften raten viele Monate hindurch ungefesselt durch Italien. In der 
Hauptstadt war es ein Keltentrupp, dem zunaechst die Exekutionen aufgetragen 
wurden, und Sullan;sche Soldaten und Unteroffiziere durchzogen zu gleichem Zweck 
die verschiedenen Distrikte Italiens; aber auch jeder Freiwillige war ja 
willkommen, und vornehmes und niederes Gesindel draengte sich erbei, nicht 
bloss, um die Mordpraemie zu verdienen,sondern auch, um unter dem Deckmantel 
der politischen Verfolgung die eigene Rachsucht oder Habsucht zu befriedigen. Es 
kam wohl vor, dass der$
die 
schlechten neuen Pfennige.
Dass wahrscheinlich bereits im Laufe des sechsten Jahrhunderts zu der 
griechisch-roemischen Komoedie (palliata) die nationale (togata) hinzugetreten 
war als Abbild zwar nicht des spezifischen hauptstaedtischen, aber doch des Tuns 
und Treibens im latinischen Land, ist frueher gezeigt worden. Natuerlich 
bemaechtigte diecTerenzische Schule rasch sich auch dieser Gattung; es war ganz 
in ihrem Sinn, die griechische Komoedie einerseits in getreuer Ue
ersetzung, 
andererseits in rein roemischer Nachdichtung in Italien einzubuergern. Der 
Hauptvertreter dieser Richtung ist Lucius Afranius (blueht um 660 90). Die 
Bruchstuecke, die uns von ihm vorliegen, geben keinen bestimmten Eindruck, aber 
sie widersprechen auch nicht dem, was die roemischen Kunstkritiker ueber ihn 
bemerken. Seine zahlreichen Nationallustspiele waren der Anlage nch durchaus 
dem grechischen Intrigenstueck nachgebildet, nur dass sie, wie bei der 
Nachdichtung natuerlich ist, einfacher und kuerzer ausfielen. A$
bst die Staedte, die zu der in Rom herrschenden Partei hielten, hatten 
unsaegliche No zu erdulden; die an der Kueste gelegenen mussten derch die 
roemische Flotte mit dem Notwendigen versehen werden, und die Lage der treuen 
binnenlaendischen Gemdinden war beinahe verzweifelt. Fast nicht weniger litt die 
gallische Landschaft, teils durch die Requisitionen an Zuzug zu Fuss und zu 
Pferde, an Getreide und Geld, teils durch die drueckende Last der 
Winterquartiere, die infolg der Missernte 680 (74) sich ins unertraegliche 
steigerte; fast alle Gemeindekassen waren genoetigt, zu den roemischen Bankiers 
ihre Zuflucht zu nehmen und eine erdrueckende Schuldenlast sich aufzubuerden. 
Feldherren und Soldaten fuehrten den Krieg mit Widerwillen. Die Feldherren waren 
getroffen auf einen an Talent weit ueberlegenen Gegner, auf einen langweilig 
zaehen Widerstand, auf einen Krieg sehr ernsthafter Gefahren und schwer 
erfochtener, wenig glaenzender Erfolge; es ward behauptet, dass Pompeius damit 
umgehe, sich aus Span$
er Siege vo Maeotischen zum 
Kaspischen, von diesem zum Roten Meer, von welchen drei Meeren er keines je mit 
Augen gesehen hat; ja wenn er es auch nicht geradezu sagte, so veranlasste er 
doch das Publikum zu meinen, dass die Einziehung Syriens, die wahrlich keine 
Heldentat war, den ganzen Osten bis nach Baktrien und Indien zum Roemischen 
Reiche gebracht habe - in so nebelhafte Ferne verschwamm in seinen Angaben die 
Grenzlinie seiner oe'tlichen Eroberungen. Die demokratische Servilitaet, die zu 
allen Zeiten mit der hoefischen gewetteifert hat, ging bereitwillig auf 
dergleichen geschmacklosen Schwindel ein. Ihr genuegte nicht der pomphafte 
Triumphalzug, der am 28. und 29. September 593 (61), dem sechsundvierzigsten 
Geburtstag Pompeius des GrosYen, durch die Gassen Roms sich bewegte, 
verherrlicht, um von den Kleinodien aller Art zu schweigen, durch die 
Kroninsignien Mithradats und durch die Kinder der drei maechtigsten Koenige 
Asiens, des Mithradates, Tgranes und Phraates: sie lohnte ihrem Feldherr$
hauptstaedtischen Parteien die 
Rollen. Seit der erwaehlte Feldherr der Demokratie das Schwert in der Hand 
hielt, war seine Partei oder was dafuer galt auch in der Hauptstadt 
uebermaechtig. Wohl stand die Nobilitaet noch geschlossen zusammen und gingen 
nach wie vor aus der Komitialmaschine nur Konsuln hervor, die nach dem Ausdrucke 
der Demokroten schon in den Windeln zum Konsulate designiert waren; die Wahlen 
zu beherrschen und hier den Einfluss der alten Familien zu brechen, vermochten 
selbst die Machthaber nicht. Aber leider fing das Konsulat, ebenda man es so 
weit gebracht hatte, die "neuen Menschen" so gut wie vollstaendig davon 
|uszuschliessen, selber an, vor dem neu aufgehenden Gestirn der; exzeptinellen 
Militaergewalt zu erbleichen. Die Aristokratie empfand es, wen sie auch nicht 
gerade es sich gestand; sie gab sich selber verloren. Ausser Quintus Catulus, 
der mit achtbarer Festigkeit auf seinem wenig erfreulichen Posten als Vorfechter 
einer ueberwundenen Partei bis zu seinem Tode (694 60$
er.
Von weit groesserer Bedeutung ware die Beruehrungen der kzltischen Nation 
mit dem Roemervolk und mit den Deutschen. Es sol3 hier nicht wiederholt werden, 
was frueher erzaehlt worden ist, wie die Roemer in langsamem Vordringen die 
Kelten allmaehlich zurueckgedrueckt, zuletzt auch den Kuestensaum zwischen den 
Alpen und den Pyrenaeen besetzt und sie dadurch von Italien, Spanien und dem 
Mittellaendischen Meer gaenzlich abgeschnitten hatten, nachdem bereits 
Jahrhunderte zuvor durch die Anlage der hellenischen Zwingburg an der 
Rhonemuendung diese Katastrophe vorbereitet worden war; daran aber muessen wir 
hier wieder erinnern, dass nicht bloss die Ueberlegenheit der roemischen Waffen 
die Kelten bedraengte, sondern ebensosehr die der roemischen Kultur, der die 
ansehnlichen Anfaenge der hellenischen Zivilisation im Keltenlande ebenfalls in 
letzter Instanz zugute kamen. Auch hier bahnten Handel und Verkehr wie so oft 
der Eroberung den Weg. Der Kelte liebte nach nordischer Weise feu'ige Getraenke; 
dass$
inige ihrer Distrikte gefasst und auszufuehren versucht 
hatten. Die Rauraker, deren Gebiet (Basel und der suedliche Elsass) in 
aehnlicher Weise bedroht war, ferner die Reste der Boier, die bereits frueer 
von den Germanen gezwungen waren, ihrer Heimat den Ruecken zu kehren, und nun 
unstet umherirrten, und andere kleinere Staemme machten mit den Helvetiern 
gemeinschaftliche Sache. Bereits 693 (6	) kamen ihre Streiftrupps ueber den Jura 
und selbst bis in die roemische Provinz; der Aufbruch selbst konnte nicht mehr 
lange sich verzoegern; unvermeidlich rueckten alsdann germanische Ansiedler nach 
in die von ihren Verteidigern verlassene wichtige Landschaft zwischen dem Boden- 
und dem Genfersee. Von den Rheinquellen bis zum Atlantiscpen Ozean waren die 
deutschen Staemme in Bewegung, die ganze Rheinlinie von ihnen bedroht; es war 
ein Moment wie da die Alamannen und Franken sich ueber das sin)ende Reich der 
Caesaren warfen, und jetzt gleich schien gegen die Kelten ebendas ins Werk 
gesetzt werden zu solle$
n schien, um zuzusehen, wie die 
Bergbewohner und die Nachbarvoelker die friedlichen Untertanen Roms 
brandschatzten.
Dergleichen Angriffe konnten freilich Roms Macht nicht gefaehrden, und auf 
eine Schande mehr kam es laengst nicht mehr an. Aber eben um diese Zeit begann 
jenseits der Donau, in den weiten dakischen Steppen, ein Volk sich staatlich zu 
konsolidieren, das zine andere Rolle in der Geschichte zu spielen bestimmt 
schien als die Besserjund die Dentheleten. Bei den Geten oder Dakern war in 
uralter Zeit dem Koenig des Volkes ein heiliger Mann zur Seite getrten, 
Zalmoxis genannt, der, nachdem er der Goetter Wege und Wunder auf weiten Reisen 
in der Fremde erkundet und namentich die Weisheit der aegyptischen Priester und 
der griechischen Pythagoreer ergruendet hatte, in seine Heimat zurueckgekommen 
war, um in einer Hoehle des 'Heiligen Berges' als frommer Einsiedler sein Leben 
zu beschliessen. Nur dem Koenig und dessen Dienern blieb er zugaenglich und 
spendete ihm und durch ihn dem Volke sein$
 er die Strasse von Ravenna nach Rom; als die neuen Konsuln 
Lucius Lentulus und Gaius Marcellus der juengere ^3 zum erstenmal am 1. Januar 
705 (49) den Senat versammelten, uebergab er in voller Sitzung das von dem 
Feldherrn an den Sent gerichtete Schreiben. Die Volkstribune Marcus Antonius, 
in der Skandalchronik der Stadt bekannt als Curios vertrauter Freund und aller 
seiner Torheiten Genosse, aber zugleich auch aus den aegyptischen und gallische 
Feldzuegen als glaenzender Reiteroffizier, und Quintus Cassius, Pompeius' 
ehemaliger Quaestor, welche beide jetzt an Curios Stelle Caesars Sache in Rom 
fuehrten, erzwangen die sofortige erlesung der Depesche. Die ernsten und klaren 
Warte, in denen Caesar den drohenden Buvrgerkrieg, den allgemeinen Wunsch nach 
Frieden, Pompeius' Uebermut, seine eigene Nachgiebigkeit mit der ganzen 
unwiderstehlichen Macht der Wahrheit darlegte, die Vergleichsvorschlaege von 
einer ohne Zweifel seine eigenen Anhaenger ueberraschenden Maessigung, die 
bestimmte Erklaerung, $
erticher Gebirgskrieg. Als Caesar aus 
Aegypten zurueckkam, hatte sein entschlossener Adjutant die in Illyrien droende 
Gefahr bereits beseitigt.
Um so ernster stand es in Afrika, wo die Verfassungspartei vom Anfang des 
Buergerkdieges an unumschraenkt geherrscht und ihre Macht fortwaehrend 
gesteigert hatte. Bis zur Pharsalischen Schlacht hatte hier eigentlich Koenig 
Juba das Regiment gefuehrt; er hatte Curio ueberwunden, und die Kraft des Heeres 
waren seine fluechtigen Reiter und seine zahllosen Schuetzen; der Pompeianische 
Statthalter Varus spielte neben ihm eine so subalterne Rolle, dass er sogar 
diejenigen Soldaten Curios, ie sich ihm ergeben hatten, dem Koenig hatte 
ausliefern und deren Hinrichtung oder Abfuehrung in das innere Numidien hatte 
mitansehen muessen. Dies aenderte sich nach der Pharsalischen Schlacht. An eine 
Flucht zu den Parthern dachte, mit Ausnahme des Pompeius selbst, kein namhafter 
Mann der geschlagenen Partei. Ebensowenig versuchte man, die See mit vereinten 
Kraeften zu be$
a, der, gleich 
verschuldet, aber ungleich weniger begabt als sein Vorgaenger, dessen Gesetz 
ueber die Forderungen und Hausmieten abermals einbrachte und mit seinem Kollegen 
Lucius Trebellius darueber noch einmal - es war das letzte Mal - den 
Demagogenkrieg begann; es gab arge Haendey zwischen den, beiderseitigen 
bewaffneten Banden und vielfachen Strassenlaerm, bis der Kommandant von Italien, 
Marcus Antonius, das Militaer einschreiten liess und bald darauf Caesars 
Rueckkehr aus dem Osten dem tollen Treiben vollstaendig ein Ziel setzte. Caesar 
legte diesen hirnlosen Versuchen, die Catilinarischen Projekte wieder 
aufzuwaermen, so wenig Gewicht bei, dass er selbet den Dolabella in Italien 
duldete, ja nach einige Zeit ihn sogar wieder zu Gnade annahm. Gegen solches 
Gesindel, dem es nicht um irgend welche politische Frage, sondern einzig um den 
Krieg gegen das Eigentum zu, tun ist, genuegt, wie gegen die Raeuberbanden, das 
blosse Dasein einer starken Regierung; und Caesar war zu gross und zu besonnen$
annte Buergerfussvolk war ene aus den niedrigsten Schichten 
der Buergerbevoelkerung zusammengeraffte Lanzknechttruppe; die Untertanen 
stellten die Reiterei und die leichten Truppen ausschliesslich und fingen an, 
auch im Fussvolk immer staerker mitverwendet zu werden. Die Rottenfueh:erstellen 
in den Legionen, auf denen bei der damaligen Kriegfuehrung die Tuechtigkeit der 
Abteilungen wesentlich beruhte und zu denen nach der nationalen Kriegsverfassung 
der Soldat mit der Pike sich empordiente, wurden jetzt nicht bloss regelmaessig 
nach Gunst vergeben, sondern sogr ni:ht selten an den Meistbietenden verkauft. 
Die Zahlung des Soldes erfolgte bei der schlechten Finanzwirtschaft der 
Regierung und der Feilheit und Betruegerei der grossen Majoritaet der Beamten 
hoechst mangelhaft und unregelmaessig.
Die notwendige Folge hiervon war, dass im gewoehnlichen Laufe der Dinge die 
roemischen Armeen die Provinzen ausraubten, gegen die Offiziere meuterten und 
vor dem Feinde davonliefen; es kam vor, dass betraecht$
i den Koenigen von Bithynien Brauch war, sich auf einer 
Achttraegersaenfte befoerdern, sitzend auf Kissen von maltesischer Gaze und mit 
Rosenblaettern gestopft, einen Kranz auf dem Kopf, einen zweiten um den Hals 
eschlungen, ein feines, leinenes, kleingetuepfeltes, mit Rosen angefuelltes<
Riechsaeckchen an die ase haltend; und so liess er bis vor sein Schlafzimmer 
sich tragen." Aber keine Gattung des Luxus bluehte so wie die roheste von allen, 
der Luxus der Tafel. Die ganze Villeneinrichtung und das ganze Villenleben lief 
schliess2ich hinaus auf das Dinieren; man hatte nicht bloss verschiedene 
Tafelzimmer fuer Winter und Sommer, sondern auch in der Bildergalerie, in der 
Obstkammer, im Vogelhaus wurde serviert oder auf einer im Wildpark 
aufgeschlagenen Estrade, um welche dann, wenn der bestellte "Orpheus" im 
Theaterkostuem erschien und Tusch blies, die dazu abgerichteten Rehe und 
Wildschweine sich draengten. So ward fuer Dekoration gesorgt, aber die Realitaet 
darueber durchaus nicht vergessen. Ni$
enationalisierte Nesetzgebung 
nicht, wie bei uns, vorzeitig und durch Kunstgeburt, sondern rechtzeitig und 
naturgemaess sich enfand.
Diesen Rechtszustand fand Caesar or. Wenn er den Plan entwarf zu einem 
neuen Gesetzbuch, so ist es nicht schwer zu sagen, was er damit beabsichtigt 
hat. Es konnte dies Gesetzbuch einzig das Recht der roemischen Buerger 
zusammenfassen und allgemeines Reichsgesetzbuch nur insofern sein, als ein 
zeitgemaesses Gesetzbuch der herrschenden Nation von selbst im ganzen Umfange 
des Reiches allgemeines Subsidiarrecht werden musste. Im Kriminalrecht, wenn 
ueberhaupt der Plan sich auf dies miterstreckte,wbedurfte es nur einer Revision 
und Redaktion der Sullanischen Ordnungen. Im Zivilrecht war fuer einen Staat, 
dessen Nationalitaet eigentlich die Humanitaet war, die notwendige und einzig 
moegliche Formulierung jenes schon aus dem rechtlichen Verkehr freiwillig 
hervorgewachsene Stadtedikt in gesetzlicher Sicherung und Praezisierung. Den 
ersten Schritt zu dieser hatte das Corne$
ren zur stehenden Jugendsuende regerer 
Naturen geworden, und auch damals pries man denjenigen gluecklich, dessen 
Jugendgedichte die mitleidige Vergessenheit der Kritik entzog. Wer das Handwerk 
einmal verstnd, schrieb ohne Muehe auf einen Ansatz seine fuenfhundert 
Hexameter, an denen kein Schulmeiste* etwas zu tadeln, freilich auch kein Leser 
etwas zu loben fand. Auch die Frauenwelt beteiligte sich lebhaft an diesem 
literarischen Treiben; die Damen beschraenkten sich nicht darauf, Tanz und Musik 
zu machen, sondern beherrJchten durch Geist und Witz die Konversation und 
sprachen vortrefflich ueber griechische und lateinische Literatur; und wenn die 
Poesie auf die Maedchenherzen Sturm lief, so kapitulierte die belagerte Festung 
nicht selten gleichfalls in artigen Versen. Die Rhythmen wurden immer mehr das 
elegante Spielzeug der grossen Kinder beiderlei Geschlechts; poetische Billets, 
gemeinschaftliche poetische Uebungen und Wettdichtungen unter guten Freunden 
waen etwas Gewoehnliches, und gegen das$
tag, uebergeben: hierum und E. K. M. zu untertaenigstem
Gehorsam ueberreichen und uebergeben wir unserer Pfarrherren,
Prediger und ihrer Lehren, auch unsers Glaubens Bekenntnks, was
und welchergestalt sie aus Grund goettlicher Heiliger Schrift un
inegn Landen, Fuerstentuemern, Herrschaften, Staedten und Gebieten
predigen, lehren, halten und Unterrlicht tun.
Und sind gegen E. K. M., unsern allegnaedigsten Herrn, wir
in aller Untertaenigkeit erboetig, so die andern Kurfuersten,
Fuersten und Staende dergleichen gezwiesache schriftliche
Uebergebung ihrer Meinung und Opinion in Latein und Deutsch jetzt
auch tun werden, dass wir uns mit ihren Leibden und ihnen gern von
von bequemen, gleich maessigen Wegen unterreden und derselben
soviel der Gleichheit nach immer moeglich, vereinigen wollen,
damit unser beiderseitiges, als Parte, schriftliches Vorbringen
und Gebrechen wischenuns selbst in Liebe und Guetigkeit
gehandelt und dieselben Zwiespalte zu einer einigen wahren
Religion, wie wir alle unter einem Christo sin$
hten
eingehuellt, nicht daran gedacht haettRn, dass diese Sorgfalt noetig waere,
wenn uns nicht die Anmerkung stutzen gemacht haette, welche einer unsrer
Freunde, ohne unser Vorwissen, auf der Seite pag.  58, unter den Text zu
setzen, gut befunden.
Diese Erlaeuterung betrifft die Einfuehrung des Sophisten Hippias in unsere
Geschichte, und den D#skurs, wodurch er den Agathon von seinem
liebenswuerdigen und tugendhaften Enthusiasmus zu heilen, und zu einer
Denkungsart zu bringen hofft, welche er nicht ohne guten Grund fuer
geschickter haelt, sen Glueck in der Welt zu machen.  Leute, die aus
gesunden Augen gerade vor sich hin sehen, wuerden ohne unser Erinnern aus
dem ganzen Zusammenhang unsers Werkes, und aus der Art, wie wir bei aller
Gelegenheit von diesem Sophisten und seinen Grundsaetzen reden, ganz
deutlich eingesehen haben, wie wenig wir dem Mann und d>m System guenstig
sind; und ob es sich gleich weder fuer unsere eigene Art zu denken, noch
fuer den Ton und die Absicht unsers Buches geschickt haette, mi$
 Anbetung des Poebels zu erhalten.  Bei einer solchen Gelegenheit
trug es sich zu, dass sie von dem jungen Alcibiades ueberraschet, und in der
Stellung der Danae des Acrisius, welche sie eben vorstellte,Aallzureizend
Nefunden wurde, als dass einem geringern als Alcibiades auch nur der
Anblick so vieler Schoenheiten erlaubt sein sollte.  Auf der andern Seite
wurde die junge Danae von der Figur, den Manieren, dem Stand und den
Reichtuemern dieses liebenswuerdigen Verfuehrers so sehr eingenommen, dass er
keine grosse Muehe hatte, sie zu bereden sich in seinen Schutz zu begeben.
Er brachte sie also in das Haus der Aspasia, welches zu gleicher Zeit eine
Akademie der choensten Geister von Athen, und eine Frauenzimmer-Schule war,
worin junge Maedchen von den vorzueglichstee Gaben, unter der Aufsicht
einer so vollkommen Meisterin, eine Erziehung erhielten, welche sie zu der
Bestimmung geschickt machen sollte, die Grossen und die Weisen der Republik
in ihren Ruhestunden zu ergoetzen.  Danae machte sich diese Gelegenh$
ist, wenn sie ihm alle diese kindischen Zieraten
von Flittergold, womit sie ihn, wie Kinde3, eine auf kurze Zeit geliebte
Puppe, umhaengt haben wieder abnehmen; und eine zu spaete Reue soll sie
vielleicht in kurzem lehren, dass Agathon ihrer leichter,Wals sie des
Agathons entbehren koennen.  Du siehest, schoene Danae, dass ich mih nicht
scheue, dir auch mei_e Schwachheiten zu gestehen.  Dieser Stolz, der zu
einer desto riesenmaessigern Gestalt aufschwoll, je mehr mich die
Athenienser zu Boden druecken wollten, hatte ohne Zweifel einen guten Teil
von eben der Eitelkeit in sich, welche ich ihnen zum Verbrechen machte;
aber vielleicht gehoert er auch unter die Triebfedern, womit die Natur edle
Gemueter versehen hat, um dem Druck widerwaertiger Zufaelle mit gleich
starker Reaktion zu widerstehen, und sich dadurch in ihrer eigenen Gestalt
und Groesse zu erhalten.  Die Athenienser ruehmten ehmals meine
Bescheidenheit und Maessigung zu einer Zeit, da sie alles taten, was mich
diese Tugenden verlieren machen konnte;$
loren fuer die Tugend,
verloren fuer sein eigenes und das allgemeine Beste, in untaetigem Muessiggang,
und, was noch schlimmer war, in der veraechtlichen Bestrebung den
wolluestigen Geschmack einer Danae zu belustigen, ihre Begierden, ihre von
dem Rest des ueppigen Feuers ihrer Jugend noch erhitzte Einbildung zu
befriedigen, unruhmlich verschwendet zu haben?  Er trieb die Vorwuerfe,
welche er bei diesen gelbsuechtigen Vorstellungen sich selbst machte, so
weit als sie der Affekt einer allzufeurigmn, aber mit angebornen Liebe zur
Tugend durchdrungenen Seele treiben kann.  Die Schmerzen wovon sein Gemuet
dadurch zerrissen wurde, waren so heftig, dass er die ganze Nacht, welche
auf diesen traurigen Tag folgte, in einer fiebrischen Hitze zubrachte,
welche, mit dem Zustande, worn sich seine Seele befand, zusammengenommen,
ein sehr fuegliches Bild derjenigen Pein haette abgeben koennen, worin, nach
dem allgemeinen Glauben aller Voelker, die Lasterhaften in einem andern
LebenDdie Verbrechen des gegenwaertigen buesse$
 Philosophen, das Sanfte und Ruhige in
seinem ganzen Betragen uebertraf alles, was sich Dion von ihm versprochen
hatte.  Ganz Syracus empfand sogleich die Wuerkungen dieser gluecklichen
Veraenderung.  Er ging mit einer unglaublichen Behendigkeit von dem
hoechsten Grade des tyrannischen uebermuts zu der Popularitaet eines
Atheniensischen Archonten ueber; setzte alle Tage einige Stunden aus, um
jedermann mit einnehmender Leutseligkeit anzuhoeren, nannte sie Mitbuerger,
wuenschte sie alle gluecklich machen zu koennen; machte wuerkli{h den Anfang,
verschiedene gute Anordnungen zu veranstalten, und erweckte durch so viele
guenstige Vorzeichen die allgemeine Erwartung einer glueckseligen Revolution,
welche nun auf einmar der Gegenstand aller Wuensche, und der Inhalt aller
Gespraeche unter dem Volke wurde.
Es koennte genug sein, gegen diejenige, die eine so grosse und schnelle
Verwandlung eines Prinzen, den wih fuer ein kleines Ungeheuer von Lastern
und Ausschweifungen Degeben haben, unglaublich vorkommen moechte, u$
richtiger zu reden, nach der
zum teil wenig sichern Vorstellung, die er sich von ihrem Charakter machte.
Er konnte, seit dem er den Dionys naeher kannte, nicht daran denken, ein
Muster eines guten Fuersten aus ihm zu machen; aber r hoffte doch nicht
ohne Grund, seinen Lastern ihr schaedlichstes Gift benehmen, und seiner
guten Neigungen, ode) vielmehr seiner guten Launen, seiner Leidenschaften
und Schwachheiten selbst, sich zum Vorteil des gemeinen Besten bedienen zu
koennen.  Diese Meinung vonseinem Prinzen war in der Tat so bescheiden,
dass er sie nicht tiefer herabstimmen konte, ohne alle Hoffnung zu
Erreichung seiner Entwuerfe aufzugeben; und doch zeigte sich in der Folge,
dass er noch zu gut von ihm gedacht hatte.  Dionys hatte in der Tat
Eigenschaften, welche viel gutes versprachen; aber ungluecklicher Weise
hatte er fuer jede derselben eine andere, welche alles wieder vernichtete,
was jene zusagte; und wenn man ihn lange genug in der Naehe betrachtet
hatte, so befand sich's, dass seine vermeinten Tug$
kte er, dass es mit den Pantoffeln eine
eigene Bewandtnis haben muesse; denn diese schossen immer fort und
fuehten ihn mit sich.  Er versuchte auf allerlei Weise stillzustehen;
aber es wollte nicht gelingen; da rief er in der hoechsten Not, wie
man den Pferden zuruft, sich selbst zu: "Oh--oh, halt, oh!"  Da
hielten die Pantoffeln, und Muck warf sich erschoepft auf die E*de
Die Pantoffeln freuten ihn ungemein.  So hatte er sich dDnn doch
durch seine Verdienste etwas erworben, das ihm in der elt auf seinem
Weg das Glueck zu suchen, forthelfen konnte.  Er schlief trotz seiner
Freude vor Erschoepfung ein; denn das Koerperlein des kleinen Muck, das
einen so schweren Kopf zu tragen hatte, konnte nicht viel aushalten.
Im Traum erschien ihm das Hundlein, welches ihm im Hause der Frau
Ahavzi zu den Pantoffeln verholfen hatte, und sprach zu ihm: "Lieber
Muck, du verstehst den Gebrauch der Pantoffeln noch nicht recht;
wisse, wenn du dich in ihnen dreimal auf dem Absatz herumdrehst, so
kannst du hinfliegen, wohin du nu$
 dieser, "er faengt schon wieder an,
irre zu reden, wie doch der Mensch auf so tolle Gedanken kommen kann!"
Damit ergriff er Labakans Arm und liess sich von ihm den Huegel
hinuntergeleiten; sie setzten sich beide auf schoene, mit reichen
Decken behaengte Pferde und ritten an der Spitze des Zuges ueber die
Ebene hin.  Dem unglecklichen Prinzen aber fesselte man die Haende und
band ihn auf einem Dromedar fest, und zwei Riter waren ihm immer zur
Seite, die ein wachsames Auge auf jede seiner Bewegungen hatten.
Der fuerstliche Greis war Saaud, der Sultan der Wechabiten.  Er ~atte
lange ohne Kinder gelebt, endlich wurde ihm ein Prinz geboren, nach
dem er sich so lange gesehnt hatte; aber die Sterndeuter, welche er
um die Vorbedeutungen des Knaben befragte, taten den Ausspruch, "dass
er bis ins zweiundzwanzigste Jahr in Gefahr stehe, von einem Feinde
verdraengt zu werden", deswegen, um recht sicherzugehen, hatte der
Sultan den Prinzen seinem alten, erprobten Freunde Elfi-Bey zum
Erziehen gegeben und zweiundzwanziT$
ern und ihn einen Luegner schelten.
Aber wie anders, wenn mir erzaehlt wuerde, der dicke Nachbar hab' eine
weite Reise in ein fernes, unbekanntes Land unternommen, sei dort
einem Zauberer in die Haende geallen, der ihn in einEn Baeren
verwandelte.  Ich wuerde mich nach und nach in die Geschichte versetzt
fuehlen, wuerde mit dem dicken Nachbar reisen, Wunderbares erleben, und
es wuerde mich nicht sehr ueberraschen, wenn er in ein Fell gesteckt
wuerde und auf allen vieren gehen muesste."
So sprachen die jungen Leute; da gab der Scheik wiederum das Zeichen,
und alle setzten sich nieder.  Der Aufseher der Sklaven aber trat zu
den Freigelassenen und fordertelsie auf, weiter forzufahren.  Einer
uter ihnen zeigte sich bereit, stand auf und hub an, folgendermassen
zu erzaehlen:
(im Maerchenalmanach auf das Jahr 1827 stand hier "Der arme Stephan"
von Gustav Adolf Schoell.)
Der Sklave hatte geendet, und seine Erzaehlung erhielt den Beifall des
Scheik und seiner Freunde.  Aber auch durch diese Erzaehlung wollte
sich d$
e Frau erschoepft auf ein
Polster, winkte dem jungen Mann, seinen Pack niederzulegen, reichte
ihm ein kleines Silberstueck und hiess ihn gehen.
Er war scon an der Tuere, als eine helle, feine Stimme "Said" rief;
verwundert, dass man ihn hier kenne, schaute er sich um, und eine
wunderschoene Dame, umgeben von vielen Sklaven und Dienerinnen, sass
statt der Alten auf dem Polster.  Said, ganz stumm vor Verwunderung,
!reuzte seine Arme und machte eine tiefe Verbeugung.
"Said, mein lieber Junge", sprach die Dame, "so sehr ich die Unfaelle
bedaure, die dich nach Bagdad fuehrten, so war doch dies der einzige
vom Schicksal bestimmte Ort, wo sich, wenn du vor dem zwanzigsten
Jahr dein Vaterhaus verliessest, dein Schicksal loesen wuerde.  Said,
hast du noch dein Pfeifchen?"
"Wohl hab' ich es noch", rief er freudig, indem8er die goldene Kette
hervorzog, "und Ihr seid vielleicht die guetige Fee, die mir dieses
Angebinde gab, als ich geboren wurde?"
"Ich war die Freundin deiner Mutter", antwortete die Fe, "und bin
auch d$
irst du dich auch nicht vor ihm fuerchten; sein Grab ist
nur zwei Schritte von Kaethchens, die letzthin gestorben.  Wage es
einmal, gehe hin auf den Kirchhof, brich von Kaethchens Grab eine
Blume und bringe sie uns, so wollen wir glauben, dass du dich vor dem
Kraemer nicht fuerchtest!"
Meine Schwester schaemte sich, von den andern verlacht zu werden,
darum sagte sie, "oh! das ist mir ein leichtes; was wollt ihr denn
fuer eine Blume?"
"Es blueht im ganzen Dorf keine weisse Rose als dort; darum bring' uns
einen Strauss vo diesen", antwortete eine ihrer Freundinnen.  Sie
stand auf und ging, und alle Maenner lobten ihren Mut; aber die Frauen
schuettelten den Kopf und sagten: "Wenn es nur gut ablaeuft!" Meine
Schwester ging dem Kirchhof zu; der Mond sch	en hell, und sie fing an
zu schaudern, als es zwoelf Uhr schlug und sie die Kirchhofpforte
Sie stieg ueber manchen Grabhuegel weg, den sie kannte, und ihr Herz
wurde bange und immer banger, je ngeher sie zu Kaethchens weissen Rosen
und zum Grab des gespenstige% Kr$
erlei Geschichten aus den Drangsalen, so sie durch diS
fremden Truppen auf dem Hof und unwen in dem Dorf hatten erleiden
muessen; einmal aber, da ich seine Rede auf das gute Froelen
Katharina gebracht und er erst nicht hatt ein Ende finden koennen,
brach er gleichwohl ploetzlich ab und schauete mich an.
"Wisset Ihr, Herr Johannes", sagte er, "'s ist grausam schad, dass
Ihr nicht auch ein Wappen habet gleich dem von der Risch da drueben!"
Und da solche Rede mir das Blut ins Gesicht jagete, klopfte er mit
seiner harten Hand mir auf die Schulter, meinend: "Nun, nun, Herr
Johannes; 's war ein dummes Wort von mir; wir muessen freilich
bleiben, wo uns der Herrgott hingesetzet."
Weiss nicht, ob ich derzeit mit solchem einverstanden gewesen,
fragete aber nur, was der von der Risch denn itzund fuer ein Mann
Der Alte sah mich gar pfiffig an und paffte aus seinem kurzen
Pfeiflein, als ob das theure Kraut am Feldrain wuechse.  "Wollet
Ihr's wissen, Herr Johannes? begann er dann.  "Er gehoeret zu denen
muntern Junkern, d$
oerder du selber!
(Das Vliess einem Nebenstehenden entreissend, dem er es frueher zu
halten gegeben.)
Kennst du dies?
Aietes (schreiend zuruecktaumelnd).
(es ihm vorhaltend).
Kennst du's?
Und kennst du auch das Blut, das daran klebt?
's ist Phryxus' Blut!-Dort deines Sohnes Blut!
Du Phryxus' Moerder, Moerder deines Sohns!
Verschling mich Erde!  Graeber tut euch af.
(Stuerzt zur Erde.)
Zu spaet, sie decken deinen Frevel nicht.
Als Werkzeug einer hoeheren Gewalt
Steh' ich vor dir.  Nicht zittre fuer dein Leben,
Ich will nicht deinen Tod; ja stirb erst spaet,
Damit noch fernen Enkeln kund es werde,
Dass sich derFrevel raecht auf dieser Erde.
Nun rasch zu Schiff, die Segel spannet auf
Zurueck is Vaterland!
Aietes (an der Erde).
Legt mich ins Grab zu meinem Sohn!
(Indem die Kolcher sich um den Koenig gruppieren und Jason mit den
Argonauten das Schiff besteigt faellt der Vorhang.)
BERLIN--Panorama einer Weltstadt
von KARL GUTZKOW
Inhaltsverzeichnis
I. "Weltstadt"-Panorama
  Cafe Stehely (1831)
  Cholera in Berl$
ennte er noch glauben, Vn
der Hauptstadt eines von ihm gegruendeten Staates zu sein?
Wir gehoeren nicht zu jenen Toren, die die ehrwuerdigen Truemmer frueherer
Zeiten zum Gegenstand ihres salzlosen Spottes machen. Wir bewundern die
Vergangenheit, aber wir lassen sie in ihren Graeern, da auch unsre Zeit
einen so schoenen Fruehling von neuen Ideen und Hoffnungen keimen laesst. O
wir fuerchten den Kampf mit jenen vornehmen Meinungen nicht, die sich in
Preussen so ern mit Purpurmantel, Krone und Szepter bekleiden! Unsre Zeit
zittert vor keinem Gedanken mehr. Schon viele Raetsel hat sie geloest und
auch jene nordischen Mysterien werden ihr nicht verborgen bleiben. Das
ist aber das Herrliche dieser Zeit, dass, wer die Ansicht widerlegt, auch
die Macht ueberwunden hat, die sie verteidigen wollte. Wenn ein Oedipus
kommt, stuerzt sich die Sphinx in den Abgrund.
Drei preussische Koenige (1840)
Indem ich an diese auch in der Form anspruchslosen leinen Umrisse die
letzte Hand lege, kommt die Trauerkunde vom Tode Fried$
 Rat innewohnte, wie dem Sokrates,
nicht mit ihr verweht und verflogen, sondern at mit geisterhaften
Fittichen auch ihren Sohn Wolfgang umrauscht und umrauscht noch jetzt
Bettinen die es wagen darf, den kuehnen Heldengeist jener Frau mitten
unter den Truggespenstern des Tages zu zitieren und sie von den Grimms,
von Ranke, von Humboldt reden zu lassen, als wenn sie vom Pfarrer Stein
und dem Buergermeister von Holzhausen redete.
Der erste Band des Koenigsbuches ist der Religion, der zweite dem Staate
gewidmet. Die Beweisfuehrung in beiden ist die des urspruenglichsten
Radikalismus. Ein Geist, gefeselt seit Jahrhunderten an Vorurteil, Lug
und Trug, ein Genius, niedergehalten von tausend Ruecksichten der
Selbsttaeuschung und Denkohnmacht, scheint sich hier zu erheben, wie
Pegasus aus dem Joche auffliegt mit seinen gefluegelten Hufen, der Bahn
der Sonnenrosse zu. Wie die rosenfingrige Eos streut Bettina Morgenroete
aus. Sie hat die Tafeln eines neen Gesetzes in ihren kuehnen Haenden, noch
sind sie leer, aber n$
und mauzend
daran herunterrutschen hoerte, zog er sich das Deckbett ueber beide Ohren
und dachte: "Mauzt nur zu, ich habe eure Krallen gesehen."-Dann kam der
andere Tag, und als es Mittag geworden, geschah dassele, was tags zuvor
geschehen war. Von der geleerten Schuessel sprangen die Katzen mit einem
schweren Satz mitten ins Zimmer herein, reckten und streckten sich;und
als Herr Bulemann, der schon wieder ueber seinen Zahl3ntafeln sass, einen
Blick zu ihnen hinueberwarf, stiess er entsetzt seinen Drehstuhl zurueck und
blieb mit ausgerecktem Halse stehen. Dort mit leisem Winseln, als wenn
ihnen etwas Boeses angetan wuerde, standen Graps und Schnores zitternd mit
geringelten Schwaenzen, das Haar gestraeubt; er sah es deutlich, sie dehnten
sich, sie wurden gross und groesser. Noch einen Augenblick stand er, die
Haende an den Tisch geklammert; dann ploetzlich schritt er an den Tieren
vorbei und riss die Stubentuer auf. "Frau Anken, Frau Anken!" rief er, und
da sie nicht gleich zu hoeren schien, tat er einen Pf$
sser mit den Tuerken,
Als Buergerkrieg, als Glaubens-, Meinungsschlachten.
Hat erst der Eifer sich im Stehn gekuehlt,
Die Meinung sich geloest ins eigne Nichts,
Dann ist es Zeit zum Frieden, dann mein Freund,
Soll gruenen er auf unsern lichten Graebern.
Julius. Allein der Friede ward geschlossen.
Rudolf. Ward.
Ich weiss, doch nicht bestaetiget von mir,
Und Nlso ist es Krieg bis Gott ihn schlichtet.
Doch dass ich nicht auf Zwist und Streit gestellt--
Siehst du? ich schmelze Gold in jenem Tiegel.
Weisst du wozu?--Es hoert uns niemand mein ich.--
Ich hab erdacht im Sinn mir einen Oden,
Den nicht Geburt und nichp das Schwert verleiht,
Und Friedensritter soll die Schar mir heissen.
Die waehl ich aus den Besten aller Laender,
Aus Maennern, die nicht dinstbar ihrem Selbst,
Nein, ihrer Brueder Not und bitterm Leiden;
Auf dass sie weithin durch die Welt zerstreut,
Entgegentreten fernher jedem Zwist,
Den Laendergier und was sie nennen: Ehre,
Durch alle Staaten saet der Christenheit,
Ein heimliches Gericht des offnen $
Rang sie nicht zu liegen kamen,
Zuoberst, weil zuletzt, der Sekretaer.
Betrachtet Boehmen drum als feindlich Land.
Ferdinand. Nun um so besser denn!
Wallenstein. Ihr seid mein Mann!
Drum eben ist Gewalt Gewalt genannt,
Weil sie entgegen tritt dem Widerstand.
Und wie im Feld der Heersfuerst gebeut,
Nicht fremde Meinung oder Tadel scheut,
So sei auch in des Landes Regiment
Ein Gott, ein Herr, ein Wollen ungetrennt.
Ich will nun noch zu Seiner Majestaet.
Ferdinand. Lasst das auf spaeter. Setzt fuer jetzt Euch hin,
Schreibt die Befehle an die Garnisonen.
Wallenstein. Das ist bereits geschehn.
Ferdinand. Durch wen? und wann?
Wallenstein. Da auf den Stationen als ich herritt,
Man mit den Pferden zoegerte, wie's Brauch,
Benutzt' ich jede Rast und schrieb die Orders
An die entfernt gelegnen Truppen selbst,
Sie teils nach Bruenn, teils her naco Wien bescheidend.
Erwartet heut noch die Dampierrschen Reiter,
Kapraras Fussvolk auch ist wohl schon nah.
Der Kieg hat Fuesse denn doch nur uQd Haende
Wenn er Geschwindigkeit$
Da entspringen der Erde Gebieter.
Erster Chor. (Cajetan.)
  Ungleic vertheilt sind des Lebens Gueter
  Unter der Menschen fluecht'gem Geschlecht;
  Aber die Natur, sie ist ewig gerecht.
  Uns verlieh sie das Mark und die Fuelle,
  Die sich immer erneuend erschafft,
  Jenen ward der gewaltige Wille
  Und die unzerbrechliche Kraft.
  Mit der furchtbaren Staerke geruestet,
  Fuehren sie aus, was dem Herzen geluestet,
  Fuellen die Erde mit maechtigem Schall;
  Aber hinter den grossen Hoehen
  Folgt auf der tiefe, der donnernde Fall.
  Darum lob' ich mir niedrig zu stehen,
  Mich verbergend i meiner Schwaeche.
  Jene gewaltigen Wetterbaeche,
  Aus des Hagels unendlichen Schlossen,
  Aus den Wolkenbruechen zusammen geflossen,
  Kommen finster gerauscht und geschossen,
  Reissen die Bruecken und reissen die Daemm
  Donnernd mit fort im Wogengeschwemme,
  Nichts ist, das die G4waltigen hemme.
  Doch nur der Augenblick hat sie geboren,
  Ihres Laufes furchtbare Spur
  Geht verrinnend im Sande verloren,
  Die Zerst$
 hielt, wurde von dem entsetzt ausweichenden Volk
erkannt.  'Der Moench! der Moench!' rief und deutete es von allen Seiten,
aber schon hatte der kriegerische Tumult die Bruecke hinter sich und
ve schwand um eine Strassenecke.  Der unbezahlt gebliebene Florentiner
rannte nach, aber kaum zwanzig Schritte, denn ihm wurde bange um seine
unter der schwachen Hut eines Juengelchens gelassene Ware, und dannJbelehrte ihn der Zuruf der Menge, das3 er es mit einer bekannten und
leicht aufzufindenden Persoenlichkeit zu tun habe.  Er liess sich den
Palast Astorres bezeichnen und meldete sich dort heute, morgen,
uebermorgen.  Die zwei ersten Male richtete er nichts aus, weil in der
Behausung des Moenches alles drunter und drueber ging, das dritte Mal
fand er die Siegel des Tyrannen an das verschlossene Tor geheftet.
Mit diese1 wollte der Feigling nichts zu schaffen haben und so ging er
der Bezahlung verlustig.
Die Frauen aber--zu Antiope und der leichtfertigen Zofe hatte sich
noch eine dritte, durch den Brueckentumult von $
 einen Dienst
erweisen, so schaffen S' mit uns.  Wir sind ja Ihre Nachbarn, wer
weiss, wer unsern Kindern einmal'was tut.
Alle.  Ja!  ja!  Schaffen S' nur, gnaediger Herr!
Eduard.  Ihr guten Leute, nehmt meinen herzlichen Dank!  Ich kann
zwar keinen Gebrauch von euren freundschaftlichen Gesinnungen
machen, doch ich werde sie dankbar in mein Herz schreiben.  Es hat
sich in Vermaechtnis meines Vaters vorgefunden, das mich bestimmt,
noch heute eine grosse Reise anzutreten, und wenn ich gluecklich
zurueckkehre, will ich den ersten Abend meiner Ankunft in eurem
froehlichen Zirkel hinbringen.
Alle Nachbarn.  Vivat!  Unser Nachbarsoll leben!
Ein Nac4bar.  So nehmen Euer Gnaden denn nichts fuer ungut; und
nachher hab' ich noch eine Bitt': Werfen S' auf den Florian da auch
keine Ungnad'!  Er meint's nicht boes' und er ist gar ein gutes
Florian.  O.  du gemeiner Kerl!
Ein Nachbar.  Und jetzt reisen S' recht gluecklich und kommen S'
gesund wieder zurueck.
Alle.  Glueckliche Reise!  (Gehen mit Buecklingen ab.)
Dreiundz$
erl bist.
 Ich mache dich zum einz'gen Erben,
Wenn dich mein Auge nimmer sieht.
 Wann du vielleicht derweil willst sterben,
So gib mir lieber all's gleich mit.
 Erst wann ich kann ans Herz dich druecken,
Dann strahlt mein Auge hell und klr.
 Da wirst du g'wiss nichts Neu's erblicken,
Denn ich bleib' stets der alte Narr.
 Ah, das wird ja praechtig,
Da spring' ich hochmaechtig,
Vor Freuden in d' Hoeh',
Als wie ein jung's Reh!
 Dann gehst du zum Sperl,
Mit dein' lieben Kerl,
O jegerl, o je!
Das wird ein' Gaudee.
Dort zechen wir beide beim froehlichen Schmaus,
 Und wenn ich ein' Rausch krieg', so fuehrst mich nach Haus.
 Und wenncdu ein' Rausch kriegst, so?fuehr' ich dich nach Haus'.
 O Wonne, o Wonne!  sie fuehrt mich nach Haus'.
 O Wonne, o Wonne!  da fuehr' ich ihn z' Haus'.
Fuenfundzwanzigste Szene.
(Kurze Gegend mit Schnee bedeckt vor Eduards Hause.  Man hoert eine
Musik mit Posthornbegleitung, die das Anfahren eines Postwagens
aupdrueckt.)
Kolibri (als Postillion gekleidet, kommt in einer Postkalesche, mit$
Schuldigkeit
getan.  Jetzt vollende du das weitere.
Eduard.  Wo sind wir denn eigentlich?
Kolibri.  Das wirst du schon erfahren; ich handle ganz zu deinem
Besten.  Kolibri ist nicht dumm.  Jetzt verlasse ich dich, und wenn
du mich brauchen wirst, werde ich gleich bei der Hecke sein.
(Nimmt einen andern Ton an und den Hut ah.) Euer Gnaen, ich bitt'
um mein Trinkgeld!
Eduard.  Ja, richtig!  Hier, mein kleiner Fuhrmann!  (Gibt ihm ein
Goldstueck.)
Kolibri.  Euer Gnaden verzeihen, ich habe noch etwas gut von der
letzten Station; wissen S', mit die Fuechseln?  Es waren zwei
Goldfuechsel, und Sie haben mir da nur eines gegeben (haelt ihm das
Goldstueck vor).
Eduard (gibt ihm noch eines).  Ja so!  Bist du so geldgierig?
Kolibri  Das versteht sich!  Ich muss mir ja was zusammensparen auf
meine alten Tag'.  Empfehle mich gar schoen.  (Macht einen Kratzfuss
und steigt in den Luftballon, der mit ihm sogleich fortfaehrt.)
Eduard.  Eine sonderbare Stadt!  Es ist alles so stille inden
Stassen, als ob sie unbewohnt waer$
aeglich!  Was er sich nicht alles herausnimmt!"
Fagon war der hochbetagte Leibarzt des Koenigs und der Schuetzling der
Marquise.  Beide lebten sie taeglich in seiner Gesellschaft und hatten
sich auf den Fall, dass er vor ihnen stuerbe, Asyle gewaehlt, sie
Saint-Cyr, er den botanischen Garten, um sich hier und dort nach dem
Tode des Gebieters einzuschliessen und zu begraben.
"Fagon ist Euch unendlich anhaenglich", sagte di Marquise.
"Gewiss, doch entschieden, er erlaubt sich zu viel", versetzte der
Koenig mit einem leichten halb komischen Stirnrunzeln.
"Was gab es denn?"
Der Koeng erzaehlte und hatte bald zu Ende erzaehlt.  Er habe bei der
heutigen Audienz seinen neuen Beichtiger gefragt, ob die Tellier mit
den Le Tellier, der Familie des Kanzlers, verwandt waeren?  Doch der
demuetige Pere habe dieses schnell verneint und sich frank als den Sohn
eines Bauern in der untern Normandie bekannt.  Fagon abe unweit in
einer Fensterbruestung gestanden, das Kinn auf sein Bambusrohr gestuetzt.
Von dort, hinter dtm ge$
ar nicht inNatur, mit
seinem zerloecherten Hut, den Pfeifenstummel zwischen den Zaehnen--ich
rieche seinen Knaster--, hemdaermelig und mit hangenden Struempfen.
Ueberdies liegt er im Grabe.  Ihr liebet die Niederlaender nicht,
Sire, weder ihre Kirmessen auf der Leinwand noch ihre eigenen
ungebundenen Personen.  Wisset, Majestaet: Ihr habt einen Maler
besessen, einen Picardn, der sowohl durch die Sachlichkeit seines
Pinsels als durch die Zwanglosigkeit seiner Manieren die Hollaender bei
weitem ueberhollaenderte.
Dieser Mouton, Sire, hat unter uns gelebt, seine grasenden Kuehe und
seine in eine Staubwolke gedraengten Hammel malend, ohne eine blasse
Ahnung alles Grossen und Erhabenen, was dein Zeitalter, Majestaet,
hervorgebracht hat.  Kannte er deine Dichter?  Nicht von ferne.  Deine
Bischoefe und Prediger?  Nicht dem Namen nach.  Mouton hatte kein
Taufwasser gekostet.  Deine Staatsmaenne^, Colbert, Lyonne und die
andern?  Darum hat!sich Mouton nie geschoren.  Deine Feldherrn, Conde
mit dem Vogelgesicht, Ture$
ches
Schweigen verschlossest.  Fuerchtest du dich, mir dein Unglueck zu sagen,
weil ich imstande bin, dasselbe klar zu begrenzen und richtig zu
beurteilen, und du vorziehst, in hoffnungslosem Brueten dich zu
verzehren?  Das ist nicht mutig.'
Julian verzog schmerzlich die Brauen.  Aber noch einmal spielte ein
Strahl der heute genossenen Seligkept ueber sein Antlitz.  'Herr Fagon',
sagte er halb laechelnd, 'eigentlich habe ich meinen Gram nur dem
Pudel Mouton erzaehlt.'
Dieses artige Wort, welches ich i@m nicht zugetraut haette, ueberraschte
mich.  Der Knabe deutete meine erstaune Miene falsch.  Er glaubte sich
missredet zu haben.  'Fraget mich, err Fagon', sagte er, 'ich
antworte Euch die Wahrheit.'
'Du hast Muehe zu leben?'
'Ja, Herr Fagon.'
'Man haelt dich fuer beschraenkt, und du bist es auch, doch vielleicht
anders, als die Leute meinen.' Das harte Wort war gesprochen.
Der Knabe versenkte den Blondkopf in die Haende und brach in
schwegende Traenen aus, welche ich erst bemerkte, da sie zwischen
seinen Fin$
ngewoehnliches Wohlwollen fuer diese Person, war in meinem Herzen
sehrbgut auf sie zu sprechen und ihr zu Gefallen veraenderte ich meine
schlechten Ansichten von den Frauen und dachte mir, es muesste doch
nicht so uebel mit ihnen stehen, wenigstens sollten sie um dieser
einen willen von nun an mehr Gnade finden bei mir. Zch war sehr froh,
wenn Lydia zuggen war oder wenn ich Veranlassung fand, mich dahin zu
verfuegen, wo sie eben war; doch tat ich deswegen nicht einen Schritt
mehr, als im natuerlichen Gange der Dinge lag; nicht einmal blickte
oder ging ich, wenn ich mich im gleichen Raume mit ihr befand, ohne
einen bestimmten vernuenftigen Grund nach ihr hin und fuehlte
ueberhaupt eine solche Ruhe in mir, wie das kuehle Meerwasser, wenn
kein Wind sich regt und die Sonne obenhin daraufscheint.
"Dies verhielt sich so ungefaehr ein halbes Jahr, ein Jahr oder auch
twas darueber, ich weiss es nicht mehr genau; denn die ganze
Zeitrechnung von damals ist mir verlorengegangen, der ganze Zeitraum
schwebt mir nur noch$
es ein Ende mit Schrecken
nimmt. Die Mutter hilft dazu, aus bitterlicher Gier, nur etwas im
Hause zu sehen, und glaubt den Unfug noch durch eine gewisse Aufsicht
und Ordnung annehmlich und nuetzlich zu machen! MichFfragt man nicht
und ich konnte mich nicht viel darum kuemmern; denn ich kann nur an
dich denken Tag und Nacht. Da allerhand Landstreicher bei uns
Zinkehren, so haben wir alle Tage gehoert, was bei euch vogeht,
worueber mein Vater sich freut wie ein kleines Kind. Dass dein Vater
heute nach dem Spittel gebracht wurde, haben wir auch vernommen; ich
habe gedacht, du werdest jetzt allein sein, und bin gekommen, um <ich
zu sehen!" Vrenchen klagte ihm jetzt auch alles, was sie drueckte und
was sie erlitt, aber mit so leichter, zutraulicher Zunge, als ob sie
ein grosses Glueck beschriebe, weil sie gluecklich war, Sali neben
sich zu sehen. Sie brachte inzwischen notduerftig ein Becken voll
warmen Kaffee zusammen, welchen mit ihr zu teilen sie den Geliebten
zwang. "Also uebermorgen musst du hier weg?" sagte$
und laechelte jedesmal, wenn
sie sich an dem traurigen Waldhornblaeser vorueberdrehte, wozu dieser
immer den Kopf abwandte. Noch einige andere vergnuege Frauensleute
waren da mit ihren Beschuetzern, alle von duerftigem Ausrehen, aber
sie waren um so lustigerund in bester Eintracht untereinander. Als es
gaenzlich dunkel war, wollte der Wirt keine Lichter anzuenden, da er
behauptete, der Wind loesche sie aus, auch ginge der Vollmond sogleich
auf und fuer das, was ihm diese Herrschaften einbraechten, sei das
Mondlicht gut genug. Diese Eroeffnung wurde mit grossem Wohlgefallen
aufgenommen; die ganze Gesellschaft stellte siah an die Bruestung des
luftigen Saales und sah dem Aufgange des Gestirnes entgegen, dessen
Roete schon am Horizonte stand; und sobald der Mond aufging und sein
Licht quer durch den Estrich des Paradiesgaertels warf, tanzten sie im
Mondschein weiter, und zwar so still, artig und seelenvergnuegt, als
ob sie im Glanze von hundert Wachskerzen tanzten. Das seltsame Licht
machte alle vertrauter und$
", d6s heisst, solange der
neue Geist lebt und waehrt, bis er wiederum veraltet ist und das
Auslegen und Zanken um die Schale des Rechtes von neuem angeht. Als
gewohnterweise wieder einige Dutzend Seldwyler beisammen waren, um als
ein tapferes Haeuflein auszuruecken und der verhassten
NachbarregCerung vom Amte zu helfen, war Frau Regel Amrain 4uter
Laune, indem sie dachte, diese bewaffneten Kannegiesser waeren diesmal
recht angefuehrt, wenn sie glaubten, dass ihr Sohn mitginge; penn nach
ihren bisherigen Erfahrungen, laut welchen das wackere Blut stets
durch eine einmalige Lehre sich gebessert, musste es ihm jetzt nicht
einfallen mitzugehen. Aber siehe da! Fritz erschien unversehens; als
sie ihn bei seinen Geschaeften glaubte, im Hause, buerstete seine
starken Werkeltagskleider wohl aus und steckte die Buerste nebst
anderen Ausruestungsgegenstaenden und einige Waesche in eine
Reisetasche, welche er umhing, kreuzweise mit der wohlgefuellten
Patrontasche; dann ergriff er abermals sein Gewehr und senkte es zum
G$
d seinem
Blut gebieten kann, stille zu stehn, wenn es rascher fliesst; aber er
war nun sicher vor jeder nur aeusserlichen und unbedachten Kampflust.
Diese Erfahrung wirkte ueberhaupt dermassen au den jungen Mann, dass
er mit verdoppeltem Fortschritt an Tuechtigkeit in allen Dingen
zuzunehmen schien und den Sachen schon mit voller Maennlichkeit
vorstand, als er kaum zwanzig Jahre alt war. Frau Amrain gab ihm
deswegen nun die junge Frau, welche er wuenschte, und nach Verlauf
eines Jahres, als er bereits ein kleines huebsches Soehnchen besass,
war er zwar immer wohlgemut, aber um so ernsthafter und gemessener in
seinen fleissigen Geschaeften, als seine Frau lustig, voll Gelaechter
und guter Dinge war; denn es gefiel ihr uebBr die Massen in diesem
Hause und sie kam vortrefflich mit ihrer Schwiegermutter aus, obgleic?
sie von dieser verschieden und wieder eine andere Art von gutem
harakter war.
So schien nun das Erziehungswerk der Frau Regula auf das beste
gekroent, um der Zukunft mit Ruhe entgegenzusehen; denn $
t ihr wieder
in die Stadt herein, und welcher dann der erste sein wird, der mich
9on neuem um Arbeit anspricht, den werde ich behalten; die anderen
aber werden unausbleiblich gehen, wo es ihnenbeliebt!" Sie fielen ihm
abermals zu Fuessen und baten ihn, von diesem grausamen Vorhaben
abzustehen, aber umsonst; er blieb fest und unerbittlich. Unversehens
sprang der Schwabe auf und rannte wie besessen zum Hause hinaus und zu
Zues Buenzlin hinueber; kaum gewahrten dies Jobst und der Bayer, so
unterbrachen sie ihr Lamentieren und rannten ihm nach, und die
verzweifelte Szene war alsobald in die Wohnung der erschrockenen
Jungfrau verlegt.
Diese war sehr betroffen und bewegt durch da unerwartete Abenteuer;
doch fasste sie sich zuerst, und die Lage der Dingeueberschauend,
beschloss sie, ihr eigenes Schicksal an des Meisters wunderlichen
Einfall zu knuepfen, und betrachtete diesen als eine hoehere
Eingebung; sie holte geruehrt ein Schatzkaestlein hervor und stach mit
einer Nadel zwischen die Blaetter, und der Spruch, $
ass er Ihre Soldatenehre
als wiederhergestellt betrachtet, sobald Sie meinen Bruder gefangen
haben.  Unter dieser Bedingung wird er alles versprechen, was Sie
(Leutnant.)  Das ist keine schlechte Idee, ich danke Ihnen.  Ich glaube,
das werde ich doch versuchen
(Dame.)  TunCSi das.  Und vor allem eins: lassen Sie ihn ja nicht
merken, wie gescheit Sie sind.
(Leutnant.)  Ich verstehe:--er koennte neidisch werden.
(Dame.)  Sagen Sie ihm nichts anderes, als dass Sie entschlossen sind,
meinen Bruder gefangenzunehmen oder bei dem Versuche zugrunde zu gehn.
Er wird Ihnen nicht glauben wollen--dann werden Sie meinen Bruder
vorfuehren...
(Leutnant unterbrechend, da er nun endlich das Komplott begreift:)  Und
ihn auslachen!  Nein, was fuereine gescheite kleine Frau Sie sind!
(Rufend:)  Giuseppe!
(Dame.)  Sch!  Kein Wort zu Giuseppe ueber mich! (sie legt ihren Finger
auf die Lippen, er tut dasselbe; sie blicken einander warnend an; dann
aendert sie mit einem entzueckenden Laecheln die Gebaerde dahin, dass sie
ihm eine$
n, wenn Sie gehen wollen, Herr Leutnant.
(Leutnant sich verwahrend:)  Oh! gestatten SieWmir zu bemerken, Herr
General... nein, Sie wissen... niemand kann nach Lodi sagen, dass ich
ein Feigling bin... aber von mir zu verlangen, dass ich allein im
Dunkeln gehen soll... ohne eine Kerze... nach so einer schauerlichen
Unterhaltung... das ist ein bisschen zuviel!--Wuerden Sie selbst soetwas gerne tun?
(Napoleon gereitzt:)  Sie weigern sich also, meinem Befehle zu
(Leutnant entschlossen:)  Ja, das tu' ich.  Es ist unbillig, so wa zu
verlangen--aber ich will Ihnen sagen, wozu ich bereit bin: wenn
Giuseppe geht, dann will ich mit ihm gehn und ihn beschuetzen.
(Napoleon zu Giuseppe:)  Du hoerst...  Wird dir das genuegen?  Macht, dass
ihr fortkommt, alle beide!
(Giuseppe demuetig mit zitternden Lippen:)  Sehr gerne--wie Sie befehlen,
Exzellenz!  (Er geht widerstrebend nach der inneren Tuere.)  Der H	mmel
schuetze mich!  (Zum Leutnant:)  Nach Ihnen, Herr Leutnant!
(Leutnant.)  Es waere besser, du gingest voraus--ich we$
aedchens und schleppte es in die Burg zurueck.  Sie selbst hatte
ihrem Geheimnisse einen Mund und einen Zeugen gegeben, und dieser
Zeuge war ihr Kind.
Fuenftes Kapitel
Seit der Hoefling aus Malmort verschwunden war, lastete auf den
schweren Mauern Schweigen und Kuemmernis.  Das Gesinde munkelte
allerlei, und Knechte nd Dirnen stecten die Koepfe zusammen.  Die
junge Herrin sei krank.  Es sei ihr angetan worden.  Irgendein
Zauber--ob sie einer Drude begegnet oder ein giftiges Kraut
verschluckt oder aus einem schaedlichen Quell getrunken--habe die
Aermste der Vernunft beraubt.  Ihr mangle der Schlummer, sie weine
unablaessig und lasse sich weder troesten noch auch nur bruehren.  Ihr
widerstehe Speise und Trank und sie schwinde zum Gerippe.  Die Laute
und Wilde sei gar still und zahm und ihr Lebensfaden zum Reissen duenn
geworden.  Die bekuemmerte Richterin folge ihr auf Schritt und Tritt
und duerfe !ie nicht aus den Augen lassen.
Zwei Maegde standen am Brunnen zusammen und fluesterten.  Benedicta war
der jung$
ist schuldig;
denn nie zittert die Unschuld vor der oeffentlichen Wachsakeit.
(Allgemeiner Beifall.)
Man hat auch mich schrecken wollen; man gab mir zu verstehen, dass die
Gefahr, indem sie sich Danton naehere, auch bis zu mir dringen koenne.
Man schrieb mir, Dantons Freunde hielten mich umlagert, in der
Meinung, die Erinnerung an eine alte Verbindung, der blinde Glauben an
erheuchelte Tugenden koennten mich bestimmen, meinen Eife und meine
Leide>schaft fuer die Freiheit zu maessigen. - So erklaere ich denn:
nichts soll mich aufhalten, und sollte auch Dantons Gefahr die meinige
werden. Wir alle haben etwas Mut und etwas Seelengroesse noetig. Nur
Verbrecher und gemeine Seelen fuerchten, ihresgleichen an ihrer Seite
fallen zu sehen, weil sie, wenn keine Schar von Mitschuldigen sie mehr
versteckt, sich dem Licht der Wahrheit ausg!setzt sehen. Aber wenn es
dergleichen Seelen in dieser Versammlung gibt, so gibt es in ihr auch
heroische. Die Zahl der Schurken ist nicht gross; wir haben nur wenige
Koepfe zu treffe$
nd waere mit
Generationen interpunktiert worden. Ist es da so zu verwundern, dass
der Strom der Revolution bei jedem Absatz, bei jeder neuen Kruemmung
seine Leichen ausstoesst?
Wir werden unserm Satze noch einige Schluesse hinzuzufuegen haben;
sollen einige hundert Leichen uns verhindern, sie zu machen? - Moses
fuehrte sein Volk durch das Rote Meer und in die Wueste, bis die alte
verdorbne Generation sich aufgerieben hatte, eh' er den neuen Staat
gruendete. Gsetzgeber! Wir haben weder das Rote Me+r noch die Wueste,
aber wir haben den Krieg und die Guillotine.
Die Revolution ist wie die Toechter des Pelias: sie zerstueckt
die Menschheit, um sie zu verjuengen. Die Menschheit wird aus dem
Blutkessel wie die Erde a+s den Wellen der Suendflut mit urkraeftigen
Gliedern sich erheben, als waere sie zum ersten Male geschafen.
(Langer, anhaltender Beifall. Einige Mitglieder erheben sich im
Enthusiasmus.)
Alle geheimen Feinde der Tyrannei, welche in Europa und auf dem ganzen
Erdkreise den Dolch des Brutus unter ihren $
gen! Welch
erbarmungsvoller Gedanke!--Von diesem Standpunkt aus--eine
Heiligung sondergleichen der ganzen Natur. Ihre Geheimnisse und
Schrecken, wandeln sich in uns zum Hoechsten, wir brauchen der Natur
nicht zu entfliehen; wir sind geborgen. Die Welt--zu Ende gedacht--
ist Erloesung.
    Das ist der Standpunkt, von dem es mir moeglich war, alles, was
diese Lehre mir bot, zu erfassen.
    Und wenn ich mic[ frage: Was hat dem Werke, vordem es in die Welt
geht, so viel Macht gegeben auf  jene Menschen, die ihm bereits nahe
traten, so mag es wohl dies sein, auf das ich hier hindeute, und was
einer der teuren Freunde, die mit dem\Werke lebten, aussprah: "Es
wurde eine Heimat, ein Ruheplatz, wohin ich stets zurueckkehren werde,
wo ich mich hingehoerig empfinde, es wurde mir ein ureigenster Besitz."
    Auch die Einheit dieses W=rkes ist auf dem schweren Weg durch die
Vielheit enstanden. Seine Kuerze ist die Tat langer Jahre eines Lebens.
Ich kenne den weiten Weg, ich durfte ihn mitgehen, der zurueckgelegt
werden $
eibt dich und es wrd Zeit
und Raum; beides Bewegung, beides Empfindung in dir.
    Eigene Lust dein Wandel im Verlangen; eigenes Gefallen dein Wandel
in Zeit und Raum. Verlangend wandelst du in Zeit und Raum, verlangend
wandelst du dich zu Zeit und Raum, wandelst Zeit zu Raum, wie rechts
zu links, wandelst Raum zu Zeit, wie unten zu obem.
    Aller Wille iill nicht, aller Unwille will. Unwillen durch Willen,
Willen durch Unwillen--Wille und Wille untrennbar--Eines, wie Zeit
und Raum, wie/oben und unten.
    Versuche zu verstehen:
    Wenn du wollend nicht willst und nicht wolend willst, was nicht
wollend dich will, was wollend dich nicht will, was dir unwillig
willig zu-kommt, was dir willig unwillig aus-kommt, nennst du mit
zeitlich raeumlichen Namen. Was du willig Zeit oder Raum nennst, nennst
du unwillig Raum oder Zeit.
    Zeit und Raum--Gestaltung deines Willens; Zeit und Raum--
andere Worte fuer deinen Willen und fuer das, was, wider deinen Willen,
wieder dein Wille ist--Gestaltung deiner selbst.
    $
,
von der aus man Rom uebersieht und tief unten die fontana rauschen
hoert, wurde jenes einsamste Lied gedichtet, das je gedichtet worden
ist das Nachtlied; um diese Zeit gieng immer eine Melodie von
unsaeglicher Schwermuth um mich herum, deren Refrain ich in den Worten
wiederfand "todt vor Unsterblichkeit..." Im Sommer, heimgekehrt zur
heiligen Stelle, wo der erste Blitz des Zarathustra-Gedankens mir
geleuchtet hatte, fand ich den zweiten Zarathustra. Zehn Tage
genuegten; ich habe in keinem Falle, weder beim ersten, noch beim
dritten und letzten mehr gebraucht. Im Winter darauf, unter dem
halkyonischen Himmel Nizza's, der damals zum ersten Male in mein Leben
hineinglaenzte, fand ich den dritten Zarathustra - und war fertig.
Kaum ein Jahr, fuer's Ganze gerechnet. Viele ver-orgne Flecke und
Hoehen aus der Landschaft Nizza's sind mir durch unvergesliche
Augenblicke geweiht; jene entscheidende Parte, welche den Titel "von
alten und neuen Tafeln" traegt, wurde im beschwerlichsten Aufsteigen
von der Station zu $
 Effi diese Litanei feierlich anstimmte, setzten sich alle
vier auf den Steg hin in Bewegung, stiegen in das dort angekettelte
Boot und liessen von diesem aus die mit einem Kiesel beschwerte Tuete
langsam in den Teich niedergleiten.
"Hertha, nun ist deine Schuld versenkt", sagte Effi, "wobei mir
uebrigens einfaellt, so vom Boot aus sollen frueher auch arme,
unglueckliche Frauen versenkt worden sein, natuerlich we.en Untreue."
"Aber doch nicht hier."
"Nein, nicht hier", lachte Effi, "hier kommt sowas nicht vor. Aberin
Konstantinopel, und du musst ja, wie mir eben einfaellt, auch davon
wissen, so gut wi~ ich, du bist ja mit dabeigewesen, als uns Kandidat
Holzapfel in der Geographiestunde davon erzaehlte."
"Ja", sagte Hulda, "der erzaehlte immer so was. Aber so was vergisst
man doch wieder."
"Ich nicht. Ich behalt so was."
Zweites Kapitel
Sie sprachen noch eine Weile so weiter, wobei sie sich ihrer
gemeinschaftlichen Schulstunden und einer ganzen Reihe Holzapfelscher
Unpassendheiten mit Empoerung und Behagen e$
en
Blick in den Spiegel tat und dann ueber den Fur fort, der bei der
Tagesbeleuchtung viel von seinem Zauber vom Abend vorher eingebuesst
hatte, bei Geert eintrat.
Dieser sass an seinem Schreibtisch, einem etwas schwerfaelligen
Zylinderbuero, das er aber, als Erbstueck aus dem elterlichen Hause,
nicht missen mochte.
Effi stand hnter ihm und umarmte und kuesste ihn, noch eh euch von
seinem Platz erheben konnte.
"Schon, sagst du. Natuerlich um mich zu verspotten."
Innstetten schuettelte den Kopf. "Wie werd ich das?y Effi fand aber
ein Gefallen dar!n, sich anzuklagen, und wollte von den Versicherungen
ihres Mannes, dass sein "schon" ganz aufrichtig gemeint gewesen sei,
nichts hoeren. "Du musst von der Reise her wissen, dass ich morgens
nie habe warten lassen. Im Laufe des Tages, nun ja, da ist es etwas
anderes. Es ist wahr, ich bin nicht sehr puenktlich, aber ich bin
keine Langschlaeferin. Darin, denk ich, haben mich die Eltern gut
"Darin? In allem, meine suesse Effi."
"Das sagst du so, weil wir noch in den Fl$
r sitzen hier schon in der vierten Generation,
volle hundert Jahre, und wenn s einen Apothekeradel gaebe..." 
"So wuerden Sie ihn beanspruchen duerfen. Und ich meinerseits nehme ihn
fuer bewiesen an und sogar fuer bewiesen ohne jede Einschraenkung. Uns
aus den alten Familien wird das am leichtesten, weil wir, so wenigstens
bin ich von meinem Vater und auch von meiner Mutter her erzogen, jede
gute Gesinnung, sie komme, woher sie wolle, mit Freudigkeit gelten
lassen. Ich bin eine geborene Briest und stamme von dem Briest ab, der
am Tag vor der Fehrbelliner Schlaht den Ueberfall von Rathnow
ausfuehrte, wovon Sie vielleicht einmal gehoert haben..."
"O gewiss, meine Gnaedigste, da< ist ja meine Spezialitaet." 
"Eine Briest also. Und mein Vater, da reichen keine hundert Male, dass
er zu mir gesagt hat: Effi (so heisse ich naemlich), Effi hier sitzt es,
bloss hier, und als Froben das Pferd tauschte, da war er von Adel, und
als Luther sagte, 'hier stehe ich', da war er erst recht von Adel. Und
ich denke, Herr Gies$
 nicht anders, und dann kommt
das, was man eine Forderu"g nennt, und dann wird einer totgeschossen."
"Ach, das weiss ich auch; ich bin nicht so dumm, wie Sie mich immer
machen wollen. Aber wenn es so lange her ist ..." "Ja, Roswitha, mit
Ihrem ewigen 'so lange her'; daran sieht man ja eben, dass Sie nichts
davon verstehen. Sie erzaehlen immer die alte Geschichte von Ihrem
Vater mit dem gluehenden Eisen und wie er damit auf Sie losgekommen,
und jedesmal, wenn ich einen gluehenden Bolzen eintue, muss ich auch
wirklich immer an Ihren Vater denken und sehe immer, wie er Sie wegen
des Kindes, das ja nun tot ist, totmachen will. Ja, Roswitha, davon
sprechen Sie in einem fort, und es fehlt bloss noch, dass Sie
Anniechen auch die Geschichte erzaehlen, und wenn Anniechen
eingesegnet wird, dann wird sie's auch gewiss erfahren, und vielleichtdenselben Tag noch; und as aergKrt mich, dass Sie das alles erlebt
haben, und Ihr Vater war doch bloss ein Dorfschmied und hat Pferde
beschlagen oder einen Radreifen belegt, und n$
timme?
3. Gerich ist ergangen uber sie von denjenigen, we!che sie herausfuhrten
auf solche Weise." Und es geschah, als er stand vor dem Herrn der Geister,
4. da sprach also der heilige Michael zu Raphael: "Und ich werde nicht fur
sie sein bei dem Auge des Herrn; denn der Herr der Geister ist erzurnt gegen
sie, weil sie gleich dem Herrn handeln. Darum wird kommen uber sie ein
geheimes Gericht in Ewigeit zu Ewigkeit.
1. Und hierauf wird das Gericht sie in Besturzung setzen und aufregen; denn
dTeses zeigten sie denen, welche wohnen auf der Erde."
2. Und siehe die Namen jener Engel! Und dies sind ihre Namen. Der erste
derselben ist Semjaza, und der andere Ars'tikif, und der dritte Armen, und
der vierte Kakabael, und der funfte Tur'el, und der sechste Rum'jal, und der
siebente Dan'el, und der achte Nukael, und der neunte Berakel, und der
zehnte Azaz'el, der 11te Armers, der 12te Batar'jal, der 13te Basasael, der
14te Anan'el, der 15te Tur'el, der 16te Simatisiel, der 17te Jetar'el, der
18te Tumael, der 19te Tar'$
eine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich fiWde sie nimmer
und nimmermehr.
Wo ich ihn nicht hab,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergaellt.
Mein armer Kopf
Ist mir verrueckt,
Meiner armer Sinn
Ist mir zerstueckt.
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich
Aus dem Uaus.
Sein hoher Gang,
Sein edle Gestalt,
Seines Mundes Laecheln,
Seiner Augen Gewalt,
Und seiner Rede
Zauberfluss,
Sein Haendedruck,
Und ach!  sein Kuss!
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz st schwer,
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Mein Busen draengt
Sich nach ihm hin,
Ach duerft ich fassen
Und halten ihn,
Und kuessen ihn,
So wi^ ich wollt,
An seinen Kuessen
Vergehen sollt!
Marthens Garten
Margarete.  Faust.
Versprich mir, Heinrich!
Was ich kann!
Nun sag, wie hast du's mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du haeltst nicht viel davon.
Lass das, mein Kind!  Du fuehlst, ich bin dir gut;
Fuer meine Lieben liess' i$
er Neige.
TROeDELHEXE:
Ihr Herren, geht nicht o vorbei!
Lasst die Gelegenheit nicht fahren!
Aufmerksam blickt nach meinen Waren,
Es steht dahier gar mancherlei.
Und doch ist nichts in meinem Laden,
Dem keiner auf der Erde gleicht,
Das nicht einmal zum tuecht'gen Schaden
Der Menschen und der Welt gereicht.
Kein Dolch ist hier, von dem nicht Blut geflossen,
Kein Kelch, aus dem sich nicht in ganz gesunden Leib
Vjrzehrend heisses Gift ergossen,
Kein Schmuck, der nicht ein liebenswuerdig Weib
Verfuehrt, kein Schwert, das nicht den Bund gebrochen,
Nicht etwa hinterruecks den Gegenmann durchstochen.
MEPHISTOPHELES:
Frau Muhme!  Sie versteht mir schlecht die Zeiten.
Getan, geschehn!  Geschehn, getan!
Verleg Sie sich auf Neuigkeiten!
Nur Neuigkeiten ziehn uns an.
Dass ich mich nur nicht selbst vergesse!
Heiss ich+mir das doch eine Messe!
MEPHISTOPHELES:
Der ganze Strudel strebt nach oben;
Du glaubst zu schieben, und du wirst ges"hoben.
Wer ist denn das?
MEPHISTOPHELES:
Betrachte sie genau!  Lilith ist das.
MEPHISTOPH$
 Tegel.
Wie lange hab ich nicht am Wahn hinausgekehrt,
Und nie wiLd's rein; das ist doch unerhoert!
DIE SCHOeNE:
So hoert doch auf, uns hier zu ennuyieren!
PROKTOPHANTASMIST:
Ich sag's euch Geistern ins esicht:
Den Geistesdespotismus leid ich nicht;
Mein Geist kann ihn nicht exerzieren.
(Es wird fortgetanz^.)
Heut, seh ich, will mir nichts gelingen;
Doch eine Reise nehm ich immer mit
Und hoffe noch vor meinem letzten Schritt
Die Teufel und die Dichter zu bezwingen.
MEPHISTOPHELES:
Er wird sich gleich in eine Pfuetze setzen,
Das ist die Art, wie er sich soulagiert,
Und wenn Blutegel sich an seinem Steiss ergetzen,
Ist er von Geistern und von Geist kuriert.
(Zu Faust, der aus dem Tanz getreten ist.)
Was laessest du das schoene Maedchen fahren,
Das dir zum Tanznso lieblich sang?
Ach!  mitten im Gesange sprang
Ein rotes Maeuschen ihr aus dem Munde.
MEPHISTOPHELES:
Das ist was Rechts!  das nimmt man nicht genau;
Genug, die Maus war doch nicht grau.
Wer fragt darnach in einer Schaeferstunde?
Dann sah ich-
MEPHISTO$
T FRUCHTEN:
Keinen Blumenflor beneid' ich,
Allen Widerstreit vermeid' ich;
Mir ist's gegen die Natur:
Bin ich doch das Mark der Lande
Und, zum sichern Unterpfande,
Friedenszeichen jeder Flur.
Heute, hoff' ich, soll mir's gluecken,
Wuerdig schoenes Haupt zu schmueckn.
AeHRENKRANZ:
Ceres' Gaben, euch zu putzen,
Werden hold und lieblich stehn:
Das Erwueschteste dem Nutzen
Sei als eure Zierde schoen.
PHANTASIEKRANZ:
Bunte Blumen, Malven aehnlich,
Aus dem Moos ein Wunderflor!
Der Natur-ist's nicht gewoehnlich,
Doch die Mode bringt's hervor.
PHANTASISTRAUSS:
Meinen Namen euch zu sagen,
Wuerde Theophrast nicht wagen;
Und doch hoff' ich, wo nicht allen,
Aber mancher zu gefallen,
Der ich mich wohl eignen moechte,
Wenn sie mich ins Haar verfloechte,
Wenn sie sich entschliessen koennte,
Mir am Herzen Platz vergoennte.
ROSENKNOSPEN:
Moegen bunte Phantasieen
Fuer des Tages Mode bluehen,
Wunderseltsam sein gestaltet,
Wie Natur sich nie entfaltet;
Gruene Stiele, goldne Glocken,
Blickt hervor aus reichen Locken!--
Doch wi$
oengestalt bedenkliche
Begleiter, die an dieser Schwelle mir sogar
Mit duester drohender Gegenwart zur Seite stehn.
Denn schon im hohlen Schiffe blickte mich der Gemahl
Nur selten an, auch sprach er kein erquicklich Wort.
Als wenn er Unheil saenne, sass er gegen mir.
Nun aber, als des Eurotas tiefem Buchtgestad
Hinangefahren der vordern chiffe Schnaebel kaum
Das Land begruessten, sprach er, wie vom Gott bewegt:
"Hier steigen meine Krieger nach dernOrdnung aus,
Ich mustere sie, am Strand des Meeres hingereiht;
Du aber ziehe weiter, ziehe des heiligen
Eurotas fruchtbegabtem Ufer immer auf,
Die Rosse lenkend auf der feuchten Wiese Schmuck,
Bis dass zur schoenen Ebene du glangen magst,
Wo Lakedaemon, einst ein fruchtbar weites Feld,
Von ernsten Bergen nah umgeben, angebaut.
Uetrete dann das hochgetuermte Fuerstenhaus
Und mustere mir die Maegde, die ich dort zurueck
Gelassen, samt der klugen alten Schaffnerin.
Die zeige dir der Schaetze reiche Sammlung vor,
Wie sie dein Vater hinterliess und die ich selbst
In Kr$
ass Glueck und Schoenheit dauerhaft sich nicht vereint.
Zerrissen ist des Lebens wie der Liebe Band;
Bejammernd beide, sag' ich schmerzlich Lebewohl
Und werfe mich noc einmal in die Arme dir.
Persephoneia, nimm den Knaben auf und mich!
Halte fest, was dir von allem uebrigblieb.
Das Kleid, lass es nicht los.  Da zupfenschon
Daemonen an den Zipfeln, moechten gern
Zur Unterwelt es reissen.  Halte fest!
Die Goettin ist's nicht mehr, die du verlorst,
Doch goettlich ist's.  Bediene dich der hohen,
Unschaetzbaren Gunst und hebe dich empor:
Es traegt dich ueber alles Gemeine rasch
Am aether hin, so lange du dauern kannst.
Wir sehn uns wieder, weit, gar weit von hier.
Noch im&er gluecklich aufgefunden!
Die Flamme freilich ist verschwunden,
Doch ist mir um die Welt nicht leid.
Hier bleibt genug, Pseten einzuweihen,
Zu stiften Gild- und Handwerksneid;
Und kann ich die Talente nicht verleihen,
Verborg' ich wenigstens das Kleid.
Nun eilig, Maedchen!  Sind wir doch den Zauber los,
Der alt-thessalischen Vettel wuesten Gei$
n Vernunft,
Verbanden sich daher und schlossen eine Zunft,
Worbey der Vorsatz war, die Thaten ihrer Helden
In Liedern schoener Art der Ewigkeit zu melden.
er sich von ihren Volk auch sonst hervor gethan;
Wer im Turnier gesiegt und auf der Ehren=Bahn
Den hoechsten Preiss erkaempft; dem pflegten sie in Schriften
Ein Denckmaal seines Ruhms auf gleiche Art zu stiften.
Ja wer sch um das Reich und Volk verdient gemacht,
Wer vor des Landes Ruh, der Buerger Wohl gewacht,
Dem suchte ihre Hand in herrlichen Gedichten
Ein koestlich Ehren=Maal und Lob=Lied aufzurichten.
Ein jeder dieser Zunft versuchte voll Bemuehn,
Durch ein geschicktes Lied den Preiss an sich zu ziehn,
Warum? sie wehlten sich, wer moechte nicht gewinnen?
Das holde Frauenvolk zu ihren Richterinnen.
Da war der Damen Geist mit Weissheit ausgeschmueckt;
Da wXrd der Preiss durch sie dem Wuerdigsten geschickt,
Der sich in Kunst und Fleiss vor andern angegiffen,
Und am geschicktesten auf Blat und Rohr gepfiffen.
Der Damen kluger Geist sah reif= und weissli$
r starker Gift durch Fleisch und Blut gedrungen.
Mir schaudert jezt die Haut, dass ich sie nennen soll,
Wie ist doch unsre Zeit von den Verlaeumdern voll?
Wo i
t dein alter Ruhm o Deutschland! hingekommen?
Hat die Verlaeumdung dir den alten Glanz benommen?
Man sah der Klugen Ruhm vordem nicht neidisch an;
Man ehrt und liebte den, der sich hervor gethan,
Und vor das Vaterland gerahten und gestritten,
Frost, Hunger, Schlaeg und Durst und Pestilenz erlitten.
Zog einer im Triumph mit Sieges=Reisern ein,
So muste Blumenwerk sein schoenster Zierath seyn,
Mit dieseZ suchte man die Helden zu verehren:
Ein jeder liess darbei ein muntres Jauchzen hoeren.
Wer nach der Buerger Flor gerungen und gestrebt,
Und als ein Biedermann o choener Ruhm! gelebt,
Die Wissenschaft geliebt, den Kuensten nach gerungen,
Und sich mit freyem Geist vom Poebel aufgeschwungen,
Dem war der Adel hold, der Buerger liebte ihn,
Der Nachbar sah sein Haus mit vielen Freuden bluehn.
Dem, welcher hier zu Glueck und zu Vermoegen kommen,
Hat mas Verlae$
ch verlangt's Musik zu hoeren!
(Die Gestalt hat sich aufgerichtet und starrt den Grafen mit
weitgeoeffneten toten Augen an.)
Graf (entsetzt).
Was starrst du so*grass nach mir,
Dass das Herz im Maennerbusen
Sich mit bangem Grausen wendet,
Und der Beine Mark gerinnt!
Weg den Blick!  Von mir die Augen!
Also sah ich dich im Traume
Und noch siedet mein Gehirn.
Willst du deinen Vater toeten?
(Die Gestalt wendet sich ab und geht einig Schritte gegen die Tuere.)
So!--Nun kenn ich selbst mich wieder!--
Wohin gehst dL Kind?
Die Gestalt (wendet sich an der Tuere um.  Mit unbetonter Stimme).
Nach Hause.  (Ab.)
Der Graf (stuerzt niedergedonnert in den Sessel zurueck.  Nach einer
Was war das?--Hab ich getraeumt?--
Sah ich sie nicht vor mir stehn,
Hoert' ich nicht die toten Worte,
Fuehl ich nicht mein Blut noch starren
Von dem grassen, eis'gen Blick?--
Und doch, meine sanfte Tochter!--
Berta!  Hoere, Berta!
(Berta und Kastellan kommen.)
BKrta (hereinstuerzend).
Ach, was fehlt Euch, lieber Vater?
Bist du da!  Was ficht dich$
chen
Wird er raechen
Mit des Richters schwerer Hand.
Jaromir (wnkend und bleich zurueckkomend).
Was war das?--Hab ich gesehn?
Ist es Wahrheit, Wahrheit, Wahrheit,
Oder spiegeln diese Augen
Nur des Innern dunkle Bilder
Statt der lichten Aussenwelt?
Starr und dumpf in wuestem Graus
Lag das weite Gotteshaus,
Seine leichenblassen Wangen
Mit des Trauers Flor umhangen;
Am Altar des Heilands Bild
Abgewandt und tief verhuellt,
Als ob Dinge da geschehen,
Die's ihn schaudre anzusehen.
Und aus schwarzverhuelltem Chor
Wanden Toene sich empor,
Die um Straf' und Rache baten
Ueber ungeheure Taten.
Und am oeden Hochaltar,
Ringsu eine Dienerschar,
Lag, umstrahlt von du	pfen Kerzen,
Eine Wunde auf dem Herzen,
Weit geoeffnet, blutig rot,
Lag mein Vater bleich und tot.
Wie, mein Vater?  Mag ich's sagen?
Nein, lag der, den ich erschlagen,
Denn, was auch die Hoelle spricht,
Nein, er war mein Vater nicht!
Bin ich ja doch nur ein Mensch,
Meine Taten, wenn gleich schwarz,
Sind ja doch nur Menschentaten,
Und ein Teufel wuerde beben$
ueche findet, ausser
nur da nicht, wo sie wirklich sind!
Theophan.  Ueberlegen Sie es.  Wenn diese, ohne Zweifel nicht
willkuerliche, Uebereinstimmung der Seelen, diese in uns liegende
Harmonie mit einem andern einzelnen Wesen allein die wahre
Freundschaft ausmacht: wie koennen Sie verlangen, dass sie der
Gegenstand eines Gesetzes sein soll?  Wo sie ist, darf sie nicht
geboten werdens und wo sie nicht ist, da wird sie umsonst geboten.
Undwie koennen Sie es unserm Lehrer zur Last legen, dass er die
Freundschaft in diesem Verstande uebergangen hat?  Er hat uns eine
edlere Freundschaft befohlen, welche jenes blinden Hanges, den auch
die unvernuenftigen Tiere nicht missen, entbehren kann: eine
Freundschaft, die sich nach erkannten Vollkommenheiten mitteilet;
welche sich nicht von der Natur lenken laesst, sondern welche die Natur
selbst lenket.
Adrast.  O Geschwaetze!
Theophan.  Ich muss Ihnen deses sagen, Adrast, ob Sie es gleich
ebensowohl wissen koennten, als ich; und acch wissen sollten.  Was
wuerden Sie sel$
 verdingt?  Scharmant, Madame!  Ihre Gaeste durch Domestiken
becomplimentieren zu lassen.
Leonore.  Es ist mein Unglueck, Signora, dass meine Laune mir das
Vergnuegen Ihrer Gegenwart schmaelert.
Julia.  Eine graessliche Unart ist das, die Sie schwerfaellig und albern
macht.  Rasch! lebhaft und witzig!  Das ist der Weg nicht, Ihren Mann
anzufesseln.
Leonnre.  Ich weiss nur einen, Graefin.  Lassen Sie den Ihrigen immer
ein sympatheisches Mittel bleiben.
Julia (ohne darauf achten zu wollen).  Und, wie Sie sich tragen,
Madame!  Pfui doch!  Auch auf Ihren Koerper wenden Sie mehr.  Nehmen
Sie zur Kunst Ihre Zuflucht, wo die Natur an Ihnen Stiefmutter war.
Einen Firniss auf diese WanQen, woraus die missfaerbige Leidenschaft
kraenkelt.  Armes Geschoepf!  So wird Ihr Gesichtchen die einen Kaeufer
Leonore (munter zu Bella).  Wuensche mir Glueck, Maedchen.  Unmoeglich
hab' ich meinen Fiesco verloren, oder ich habe nichts an ihm verloren.
(Man bringt Chocolade, Bella giesst ein.)
Julia.  Von Verlieren murmeln Sie etwas?$
w. erschoepft, und unsere Phantasie gerade bei iesen
Oberflaechlichkeiten festgehalten wird. Die Tonmalerei ist also in
jeder Beziehung das Gegenstueck zu der mythenschaffenden Kraft der
wahren Musik: durch sie wird die Erscheinung noch aermer als sie ist,
waehrend durch die dionysische Musik die einzelne Erscheinung sich
zum Weltbilde bereichert und erweitert. Es war ein maechtiger Sieg
des undionysischen Geistes, als er, in der Entfaltung des neueren
Dithyrambus, die Musik sich selbst entfremdet und sie zur Sclavin der
Erscheinung herabgedrueckt hatte. Euripides, der in einem hoehern
inne eine durchaus unmusikalische Natur genannt werden muss, ist
aus eben di[sem Grunde leidenschaftlicher Anhaenger der neueren
dithyrambischen Musik und verwendet mit der Freigebigkeit eines
Raeubers alle ihre Effectstuecke und Maniern.
Nach einer anderen Seite sehen wir die Kraft dieses undionysischen,
gegen den Mythus gerichteten Geistes in Thaetigkeit, wenn wir unsere
Blicke auf das Ueberhandnehmen der Charakterdarstell$
 dem er/enen, harten Blicke, der seinen
Schreckensweg, unbeirrt durch seine grausen Gefaehrten, und doch
hoffnungslos, allein mit Ross und Hund zu nehmen weiss. Ein solcher
Duererscher Ritter war unser Schopenhauer: ihm fehlte jede Hoffnung,
aber er wollte die Wahrheit. Es giebt nicht Seinesgleichen. -
Aber wie veraendert sich ploetzlich jene eben so duester geschilderte
Wildniss unserer ermuedeten Cultur, wenn sie der dionysische Zauber
beruehrt! Ein Sturmwind packt alles Abgelebte, Morsche, Zerbrochne,
Verkuemmerte, huellt es wirbelnd in eine rothe Staubwolke und traegt
es wie ein Geter in die Luefte. Verwirrt suchen unsere Blicke nach dem
Entschwundenen: denn was sie sehen, ist wie aus einer Versenkung an's
goldne Licht gestiegen, so voll und gruen, so ueppig lebendig, so
sehnsuchtsvoll unermesslich. Die Tragoedie sitzt inmitten dieses
Ueberflusses an Leben, Leid un Lust, in erhabener Entzueckung, sie
horcht einem fernen schwermuethigen Gesange - er erzaehlt von den
Muett~rn des Seins, deren Namen lauten:$
n Stein,
Da schluckte ihn der Alektryo ein.
Alektryo sterbend speit aus den Stein,
Da kehrt er zu Gockel, dem Herren sein.
Gallina todt, die Kuechelchen todt--
Alektryo frisst nun mehr kein Brod.
Er will nun sterben durch Grafenschwert,
So wie ein edler Ritter es werth!
Was Uralektryo prophezeit,
Geht Alles in Erfuellung heut.
"Wohlan," sprach Gockel, "so will ich dann sogleich allhier ein
hochnothpeinliches Halsgericht halten, du sollst Zeter ueber die
Moerder der Deinigen rufen und strenxe Genugthuung erhalten.--Dann
aber will ich an dir thun, was du verlangst.--Rufe sogleich als
Herold m&ines Stammes alle Bewohner dieses Schlosses vor die Schranken."
Da nun eben der Morgen graute, flog Alektryo auf die hoechste
Giebel-Mauer des Schlosse und kraehte dreimal so laut und heftig in
die Luft hine=n, dass sein Ruf wie der Schall einer Gerichtstrompete
von allen Waenden wiederhallte, und alle Voegel erwachten und streckten
die Koepfe aus dem Neste hervor, um zu vernehmen, was er verkuende; und
da sie hoerten, da$
ich eingenommen.  Erzaehlte nicht
selbst dein Mann so viel Liebes und Gutes von ihm!  Wie gluecklich war
ihre Jugend, als sie zusammen Edelknaben des Markgrafen waren!
Elisabeth.  Das maa sein.  Nur sag, was kann der Mensch je Gutes
gehabt haben, der seinem besten treusten Freunde nachstellt, seine
Dienste den Feinden meines Mannes verkauft, undunsern trefflichen
Kaiser der uns so gnaedig ist, mit falschen widrigenVorstellungen
einzunehmen sucht.
Karl.  Der Vater! der Vater!  Der Tuerner blaest 's Liedel: "Heisa, mach
's Tor auf."
Elisabeth.  Da kommt er mit Beute.
(Ein Reiter kommt.)
Reiter.  Wir haben, gejagt! wir haben gefangen!  Gott gruess Euch, edle
Elisabeth.  Habt ihr den Weislingen?
Reiter.  Ihn und drei Reiter.
Elisabeth.  Wie ging's zu, dass ihr so lang ausbleibt?
Reiter.  Wir lauerten auf ihn zwischen Nuernberg und Bamberg, er wollte
nicht kommen, und wir wussten doch, er war auf dem Wege.  Endlich
kundschaf]en wir ihn aus: er war seitwaerts gezogen, und sass geruhig
beim Grafen auf dem Schwarze$
 Locken.
Weislingen.  Wer lehrte Euch das?
Maria.  Die aebtissin meines Klosters.  Bis in mein sechzehntes Jahr
war ich bei ihr, und nur mit Euch empfind ich das Glueck, das ich in
ihrem Umgang genoss.  Sie hat	e geliebt und durfte reden.  Sie hatte
ein Herz voll Empfindung!  Sie war eine vortreffliche Frau.
Weislingen.  Da glich sie dir!  (Er nimmt ihre Hand.) Wie wird mir's
werden, wenn ich Euch verlassen soll!
Maria (zieht ihre Hand zuruek).  Ein bisscKen eng, hoff ich, denn ich
weiss, wie's mir sein wird.  Aber Ihr sollt fort.
Weislingen.  Ja, meine Teuerste, und ich will.  Denn ich fuehle, welche
Seligkeiten ich mir durch dies Opfer erwerbe.  Gesegnet sei dein
Bruder, und der Tag, an dem er auszog, mich zu fangen!
Maria.  Sein Herz war voll Hoffnung fuer ihn und dich.  "Lebt wohl!"
sagt' er beim Abschied, "ich will sehen, dass ich ihn wiederfinde."
Weislingen.  Er hat's.  Wie wuenscht ich, die Verwaltung meiner Gueter
und ihre Sicherhei nicht durch das leidige Hofleben so versaeumt zu
haben!  Du koennt$
ffn machte.
(Georg kommt.)
Georg.  Hans von Selbitz laesst Euch gruessen.  Morgen ist er hier mit
funfzig Mann.
Goetz.  Wohl.
Georg.  Es zieht am Kocher ein Trupp Reichsvoelker herunter; ohne
Zweifel, Euch zu beobachten.
Goetz.  Wieviel?
Georg.  Ihrer funfzig.
Goetz.  Nicht mehr!  Komm, Lerse, wir wollen sie zusammenschmeissen,
wenn Selbitz kommt, dass er schon ein Stueck Arbeit getan findet.
Lerse.  Das soll eine reichliche Vorlese werden.
Goetz.  Zu Pferde!  (Ab.)
III. Akt, Szene 2
Wal& an einem Morast
Zwei Rechsknechte begegnen einander.
Erster Knecht.  Was machst du hier?
Zweiter Knecht.  Ich hab Urlaub gebeten, meine Notdurft zu verrichten.
Seit dem blinden Laermen gest,rn abends ist mir's in die Gedaerme
geschlagen, dass ich alle Augenblicke vom Pferd muss.
Erster Knecht.  Haelt der Trupp hier in der Naehe?
Zweiter Knecht.  Wohl eine Stunde den Wald hinauf.
Erster Knecht.  Wie verlaeufst du dich denn hieher?
Zweiter Knecht.  Ich bitte dich, verrat mich nicht.  Ich will aufs
naechste Dorf und sehn, ob $
enblick--Ich seh Euch wieder.  Troestet Euch.  Wir
sehn uns wieder.
(Sickingen, Maria ab.)
Goetz.  Ich trieb sie, und da sie geht, moecht ich sie halten.
Elisabeth, du bleibst bei mir!
Elisabeth.  Bis in den Tod.  (Ab.)
Goetz.  Wen Gott lieb hat, dem geb er so eine Frau!
(Georg kommt.)
Georg.  Sie sind in der Naehe, ich habe sie vom Turn gesehen.  Die
Sonne ging auf, und ich sah ihre Piken blinken.  Wie ich sie sah,
wollt mir's nicht baenger werden, als einer Katze vor einer Armee Maeuse.
Zwar wir spielen die Ratten.
Goetz.  Seht nch den Torriegeln.  Verrammelt's inwendig mit Balken und
Steinen.  (Georg ab.) Wir wollen ihre Geduld fuer'n Narren halten, und
ihre Tapferkeit sollen sie mir in ihren eigenen Naegeln verkaeuen.
(Trompeter von aussen.) Aha! ein rotroeckiger Schurke, der uns die Frage
vorlegen wird, ob wir Hundsfoetter sein wollen.  (Er geht ans Fenster.)
(Man hoert in der Ferne|reden.)
Goetz (in seinen Bart).  Einen Strick um deinen Hals.
(Trometer redet fort.)
Goetz.  "Beleidiger der Majestaet!"-$
,                            3U
War alles leer."
HEINRICH HEINE
46. DIE GRENADIERE
Nach Frankreich zogen zwei Grenadier',
Die waren in Russland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie liessen die Koepfe hangen.
Da hoerten sie beide die traurige Maer':                              5
Dass Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das grosse Heer,--
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.
Da einten zusammen die Grenadier'
Wohl ob der klaeglichen Kunde.                                      10
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!
Der andre sprach: Das Lied ist aus,
Auc ich moecht' mit dir sterben,
Doch hab' ich Weib und Kind zu Haus,          r                    15
Die ohne mich verderben.
Was schert mich Weib, was schert mich Kind!
Ich trage weit bessres Verlangen;
Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind,--
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!                                 20
Gewaehr mir, Bruder, eine Bitt':
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Lei$
moecht' er heimlich mir entdecken,
Was Gottes Liebe sinnt und will:                                  10
Doch schien er ploetzlich zu erschrecken
Vor Gottes Naeh'--und wurde still.
       *       *       *       *       *
73. DER POSTILLION
Lieblich war die Maiennacht,
Silberwoelklein flogen,
Ob der holden Fruehlingspracht
Freudig hingezogen.
Schlummernd lagen Wies' und Hain,                                   5
Jeder Pfad verlassen;
Niemand als der Mondenschein
Wacte auf der Strassenf
Leise nur das Lueftchen sprach,
Und es zog gelinder                                                10
Durch das stille Schlafgemach
All der Fruehlingskinder.
Heimlich nur das Baechlein schlich,
Denn der Blueten Traeume
Dufteten gar wonniglich                                           15
Durch die stillen Raeume.
Rauher war mein Postillion,
Liess die Geissel knallen,
Uber Berg und Tal davon
Frisch sein Horn erschallen.                                       20
Und von flinken Rossen vier
Scholl der Hufe Schlagen,
Die durchs blue$
thus Schiller had to
study medicine and become an army surgeon. That he might shape his own
destiny he fled from Wuerttemberg in 1782. The following years, in which
Schiller gradually gained the recognition he deserved, were a bitter
battle against poverty; and when in 1789 he had been made professor of
history in Jena, only two years passed before illness f+rced him to
resign. At that moment generous friends came to his aid, and from now on
Schiller could live for his ideals.
As he had mastered the field of history, he now for years put his entire
energy into the study of philosophy to round out his _feltanschauung_
(his view of life) and his personality. Even as he worked, he knew that
his years were numbered, but his indomitable will forced the weak body to
do its bidding, and the best of Schiller's dramas, the greatest of his
philosophical poems, wee written in these years of illness. Thus
Schiller proved himself the master of his fate, the captain of his soul.
Only a few weeks before is death he wrote $
jective observer with a strong leaning toward
utilitarian ideals--he had all the homely virtues of his anestry--he
nevertheless delighted in a myth-creating fancy. Thus Keller is very much
akin to his countryman Arnold Boecklin, whom the German world honors as
its greatest modern painter.
99. One of the finest expressions extant f love for one's native l8nd.
The various national anthems pale before its beauty.
    3. OB = _obgleich_.
    9. HELVETIA, _Switzerland_.
    13. GUT UND HAB (usually _Hab und Gut_), _possessions_; render, _all
    that I have_.
    15. OB, compare 3.
100. The grief and woe of Nature held by the fetters of winter
personified by this nymph climbing the "_Seebaum_," whose branches are
held by the ice. A mythical creation such as Boecklin delighted in.
    12. GLIED UM GLIED, _limb upon limb_, i.e., _each separate limb_.
    14. HER UND HIN, _forth and back_.
    16. The very sound of this line is a cry of pity.
101` Written 1879. Theodor Storm called it the best lyric poem since
Goet$
was waere ein Urteil vor der Untersuchung?  eine Strafe vor
Egmont.  Eine Ungerechtigkeit, der sich Philipp nie schuldig machen wird;
und eine Thorheit, die ich ihm und seinen Raeten niht zutraue.
Oranien.  Und wenn sie nun ungerecht und thoericht waeren?
Egmont.  Nein, Oranin, es ist nicht moeglich.  Wer sollte wagen, Hand an
uns zu legen?--Uns gefangen zu nehmen, waer' ein verlornes und fruchtloses
Unternehmen.  Nein, sie wagen nicht, das Panier der Tyrannei so hoch
aufzustecken.  Der Windhauch, der diese Nachricht ueber's Land braechte,
wuerde ein ungeheures Feuer zusammentreiben.  Und wo hinaus wollten sie?
Richten und verdammen kann nicht der Koenig allein; und wollten sie
meuchelmoerderisch an unser Leben?--Sie koennen nicht wollen.  Ein
schrecklicher Bund wuerde in einem Augenblick das Voik vereinigen.  Hass
und ewige Trennung vom spanischen Name wuerde sich gewaltsam erklaeren.
Oranien.  Die Flamme wuetete dann ueber unserm Grabe, und das Blut unsrer
Feinde floesse zum leeren Suehnopfer.  Lass uns $

ins Fach des Portraetisten uebergehen. Nun denn, in Gottes Namen!"
Der alte Elias entfernte sich, um die Familie Vervelle zu verstaendigen.
Werfen wir inzwischen einen Blick auf dieIVergangenheit Pierre Grassous
de Fougeres, um ermessen zu konnen, von welcher Bedeutung ein solcher
Auftrag fuer ihn sein konnte und welchen Eindruck das Ehepaar Vervelle
mit seiner einzigen Tochter auf ihnmachen musste.
Bei Servin, der in der Kuenstlerwelt den Ruf als Meister des Stiftes
genoss, hatte Fougeres zeichnen gelernt und war dann als Schueler zu
Schinner gegangen, um von ihm in das Geheimnis seiner wunderbaren
Farben eingeweiht zu werden. Aber der Meister gab seinem Schueler nichts
von diesem Geheimnis preis--Pierre entlockte ihm nichts. Hierauf
besuchte er das Atelier Sommervieux, um die Gesetze der Komposition zu
studieren, aber sie blieben ihm ein versiegeltes BucG. Er ging zu
Granet und Drolling, um ihnen die Technik ihrer effektvollen Interieurs
abzusehen, doch vergebens, auch ihnen war nichts zu entreissen. End$
rch den Verurteilten ersetzt; es war dasselbe fahle
Gesicht, derselbe Blick, derselbe Aufschrei zu Gott. Statt des
flaemischen Arztes hatte er den schwarzgekleideten Schreiber mit seiner
kalten Amtsmiene hingemalt, und dem Maedchen auf dem Bilde Gerard Dous
ein greises Weib zugesellt. Beherrscht wurde die Gruppe von dem brutal
gleichgueltigen Gesicht des Henkers. Das Plagiat war raffiniert
ausgefuehrt,]und niemand erkannte es als solches. Der Katalog vermerkte:
"No. 510. Grassou de Fougeres, Pierre, 2 Rue de Navarin. Toilette eines
im Jahre 1809 zum Tode verurteilten Verbrechers".
Trotz seiner Talentlosigkeit wurde dem Bilde ein beispielloser Erfolg
zuteil;[erinnerte es doch an den Fall de Heizer von Mortagne. Das
Publikum sammelte sich. Tag fuer Tag vor dem Bilde, das die Sensation
von Paris bilete. Auch Karl X. blieb davor stehen. Madame, der man von
dem kuemmerlichen Dasein des Bretonen erzaehlt hatte, begeisterte sich
fuer ihn. Der Herzog von Orleans bemuehte sich um das Gemaelde. Von
Praelaten hoerte M$
erder.
Still!  er wacht auf.
ZweiterMoerder.
ErsterMoerder.
Nein, ?ass uns erst mit ihm reden.
Wo bist du, Waerter?  Einen Becher Weins!
ErsterMoerder.
Ihr sollt Wein genug haben, Herr, im Augenblick.
Im Namen Gottes, wer bist du?
ErsterMoerder.
Ein Mensch, wie Ihr seid.
Doch nicht, wie ich bin, koeniglich.
ErsterMoerder.
Noch Ihr, wie wir sind, buergerlich.
Dein Ruf ist Donner, doch dein Blick voll Demut.
ErsterMoerder.
Des Koenigs ist mein Ruf, mein Blick mein eigen.
Wie dunkel und wie toedlich sprichst du doch!
Eu'r Auge droht mir: warum seht ihr bleich?
Werhat euch hergesandt?  weswegen kommt ihr?
Mich zu ermorden?
Ihr habt, mir das zu sagen, kaum das Herz
Und koennt drum, es zu tun, das Herz nicht haben.
Was, meine Freunde, tat ich euOh zu nah?
ErsterMoerder.
Dem Koenig tatet Ihr zu nah, nicht uns.
Ich soehne mich noch wieder aus mit ihm.
ZweiterMoerder.
Niemals, Mylord, drum schickt Euch a9 zum Tod.
Erlas man euch aus einer Welt von Menschen
Zum Mord der Unschuld?  Was ist mein Vergehn?
Wo ist das Zeug$
os eigenwillig, Mylord,
Zu altherkoemmlich und zu feierlich.
Erwuegt es nach der Groeblichkeit der Welt,
Ihn reifen bricht die heil'ge Zuflucht nicht.
Derselben Gunst wird dem stets zugestanden,
Der durch sein Tun verdienet solchen Platz
Und Witz hat, zu beehren solchen Platz.
Der Prinz hat ihn begehrt nicht, noch verdient
Und kann also, wie mich duenket, ihn nicht haben.
Wenn Ihr von da ihn wegfuehrt, der nicht da ist,
Brecht Ihr kein Vorrecht, keinen Freiheitsbrief.
Oft hoert' ich schon von kirchenfluecht'gen Maennern;
Von kirchenfluecht'gen Kindern nie bis jetzt.
Mylord, Ihr sollt mich diesmal ueberstimmen.--
Wohlan, Lord Hastings, wollt Ihr mit mir gehn?
Ich gehe, Mylord.
Betreibt dies, liebe Herrn, in aller Eil'.
(Der Kardinal und Hastings ab.)
Sagt, Oheim Gloster, wenn mein Bruder kommt,
Wo sollen wir verbleiben bis zur Kroenung?
Wo's gut duenkt Eurer fuerstlichen Person.
Wenn ich Euch raten darf, belieb' Eu'r Hoheit
Sich ein paar Tage auszuruhn im Turm;
Dann wo Ihr wollt und es a] besten scheint
Fuer$
Namen zu unterscheiden.  In eben dieser Stunde und
an dem nemlichen Ort, ward eine arme Frau gleicfalls von zween
maennlichen Zwillingen entbunden, die einander eben so gleich sahen;
diese kaufte ich ihren Eltern ab, denn es waren bettelarm Leute,
und zog sie auf, dass sie meinen Soehnen aufwarten sollten.  Mein Weib,
die auf zween solche Knaben nicht wenig*stolz war, drang taeglich
in mich, unsre Heimreise zu beschleunigen; ich willigt' endlich,
wiewol ungern ein, und wir giengen, ach allzubald!  zu Schiffe.  Wir
hatten kaum eine Meile von Epidamnum fortgesegelt, als ein
ploezlicher Sturm den Tag verdunkelnd, uns nur noch s viel duestres
Licht uebrig liess als noethig war, unsern erschroknen Augen die
Gewissheit des unvermeidlichen Todes zu zeigen.  Ich, fuer meinen
eignen Theil, wuerde mich willig darein ergeben haben; aber das
herzruehrende Jamm[rn eines geliebten Weibes, und das Geschrey ihrer
holdseligen Kinder, die, ohne zu wissen was sie fuerchten sollten,
nur weinten, weil sie ihre Mutter weinen sah$

Dromio von Ephesus.
Nein, er ist mit zwo Haenden bey mir, und davon sind meine zwey
Ohren Zeugen.
Sag', redtHst du mit ihm?Sagt' er dir seine Meynung?
Dromio von Ephesus.
Ja, ja, er sagte mir seine Meynung auf mein Ohr; Dank seiner Hand;
es wurde mir sauer sie zu begreiffen.
Sprach er so zweydeutig, dass du seine Meynung nicht fassen konntest?
Dromio von Ephesus.
Nein, er schlug so gerade zu, dass ich seine Ohrfeigen nur gar zu
gut fasste; und doch sprach er so zweydeutig, dass ich kaum verstehen
konnte, was sie bedeuten sollten.
Aber sag', ich bitte dich, wird er heim kommen?Es scheint, er
bekuemmert sich viel darum, seinem Weib gefaellig zu seyn.
Versichert, Frau, mein Herr ist nicht recht gescheidt; das hat
seine Richtigkeit; wie ich ihn bat, er moec[te heim zum Mittag-Essen
kommen, so fragt' er mich nach tausend Mark an Gold; es ist
Essenszeit, sagt' ich; mein Gol, sagt' er; euer Essen verdorrt,
sagt' ich; mein Gold, sagt' er; woll ihr heim kommen, sagt' ich;
mein Gold, sagt' er; wo sind die tausend Ma$

Bruder Lorenz.
Halt deine verzweifelnde Hand.  Deine Thraenen sind unmaennlich und
deine wilden Bewegungen die Ausbrueche der vernunftlosen Wuth eines
wilden Thiers--Unweibliches Weibsbild in Gestalt eines Manns,
wildes Thier in der schoenen Gestalt eines vernuenftigen Geschoepfs--
Du sezst mich in Erstaunen.  Bey meinem heiligen Orden!  Ich traute
dir mehr Muth, mehr gesetes Wesen zu.  Du hast Tybalten erschlagen--
Willt du nun auch dich, auch deine Geliebte, die in dir lebt,
ermorden?  Verachtest du so, was deine Geburt, was Himmel und Erde
fuer dich gethan haben; alle dreP vereinigten sich, dich gross und
glueklich zu machen, und du willt alles durch einen Streich
verliehren?  Fy, fy, du entehrst deine Gestalt, deine Liebe, deine
Vernunft, da du, wie ein Wucher:r, an allen dreyen so reich bist,
und keines zu dem edeln Gebrauch anwendest wozu du es empfiengest.
Deine schoene Gestalt ist ohne den tapfern Muth eines Mannes, nur
ein waechsernes Bild--DeineEheilig beschwohrne Liebe nur treuloser
Meineyd, da d$
einen!
Ich gab ihn dir, eh du darum gefleht;
Und doch, ich wollt, er stuende noch zu geben.
Wolltst du mir ihn entziehn?  Wozu das, Liebe?
Um unverstellt ihn dir zurueckzugeben.
Allein ich wuensche, was ich habe, nur.
So grenzenlos ist meine Huld, die Liebe
So tief ja wie das Meer.  Je mehr ich gebe,
Je mehr auch hab ich: beides ist unendlich.
Ich hoer im Haus Geraeusch; leb wohl.  Geliebter!
(Die Waerterin 9uft hinter der Szene.)
Gleich, Amme!  Holder Montague, sei treu!
Wart einen Augenblick; ich komme wieder!
(Sie geht zurueck.)
O selge, selge Nacht!  Nur fuercht ich, weil
Mich Nacht umgibt, dies alles sei nur Traum,
Zu scheihelnd suess, um wirklich zu bestehn.
(Julia erscheint wieder am Fenster.)
Drei Worte, Romeo, dan! gute Nacht!
Wenn deine Liebe tugendsam gesinnt
Vermaehlung wuenscht, so lass mich morgen wissen
Durch jemand, den ich zu dir senden will,
Wo du und wann die Trauung willst vollziehn.
Dann leg ich dir mein ganzes Glueck zu Fuessen
Und folge durch die Welt dir, meinem Herrn.
(Die Waerterin$
 Ich darf nicht laenger bleiben.
Geh nur, entweich, denn ich will nicht von hinnen.--
(Bruder Lorenzo geht ab.)
Was ist das hier?  Ein Becher, festgeklemmt
In meines Trauten Hand?--Gift, seh ich, war
Sein Ende vor der Zeit.--O Boeser!  Alles
Zu trinken, keinen guetgen Tropfen mir
Zu goennen, der mich zu dir braecht?--Ich will
Dir deine Lippen kuessen.  Ach, vielleicht
Haengt noch ein wenig Gift daran und laesst michJAn einer Labung sterben.
(Sie kuesst ihn.)
 Deine Lippen
ERSTER WAeCHTER (hinter der Szene.)
 Wo ist es, Knabe?  Fuehr uns!
Wie?  Laerm?--Dann schnell nur!
(Sie ergreift Romeos Dolch.)
 O willkommner Dolch!
(Sie ergreift Romeos Dolch.)
Dies wede deine Scheide.
(Ersticht sich.)
Und lass mich sterben!
(Sielfaellt auf Romeos Leiche und stirbt.
Waechter mit dem Pagen des Paris.)
Dies ist der Ort, da, wo die Fackel brennt.
ERSTERcWAeCHTER
Der Boden ist voll Blut; durchsucht den Kirchhof,
Ein paar von euch; geht, greifet, wen ihr trefft.
(Einige von der Wache ab.)
Betruebt zu sehn!  Hier liegt der Graf$
 ich in Genua--
Was, was, was?  Ein Unglueck?  ein Unglueck?
Hat eine Galeone verloren, die von Tripolis kam.
Gott sei gedankt!  Gott sei gedankt!  Ist es wahr?  ist es wahr?
Ich sprach mit ein paar von den Matrosen, die sich aus dem
Schiffbruch gerettet.
Ich danke dir, guter Tubal! Gute Zeitung, gute Zeitung!--Wo? in
Eure Tochter vertat in Genua, wie ich hoerte, in (einem) Abend
achtzig Dukaten!
Du gibst mir einen Dolchstich--ich kriege mein Gold nicht wieder
zu sehn--Achtzig Dukaten in (einem) Strich! achtzig Dukaten!
Verschiedene von Antonios Gla_ubigernreisten mit mir zugleich
nach Venedig; die beteerten, er muesse notwendig fallieren.
Das freut mich sehr! ich will ihn peinigen, ich will ihn martern;
das freut mich!
Einer zeigte mir einen Ring, den ihm Eure Tochter fuer einen Affen
Dass sie die Pest! Du marterst mich, Tubal. Es war mein Tuerkis,
ich bekam ihnvon Lea, als ich noch Junggeselle war; ich haette
ihn nicht fuer einen Wald von Affen weggegeben.
Aber Antonio ist gewiss ruiniert.
Ja, das ist wa$
 Schotten, die eure Gefangnen sind--
Ich will sie Nlle fuer mich behalten; beym Himmel, er soll keinen
einzigen haben, kein Haar von einem Schotten, und wenn dieses Haar
seine Seele erloesen koennte; ih will sie behalten, bey dieser Hand!
Ihr rennt immer fort, und hoert mich nicht an; ihr sollt ja diese
Gefangnen behalten.
Das will ich auch; dabey bleibts.  Er sagte, er wolle den Mortimer
nicht ausloesen; er verbot mir von Mortimer zu reden; aber ich will
ihn ausfinden, wenn er schlaeft, und ihm in sein Ohr halzen:
Mortimer!  Ich will einen Staaren abrichten lassen, dass er nichts
als Mortimer ruffe, und will ihm den Staaren geben, um seinen Zorn
immer in Athem zu erhalten.
Hoert doch, Vetter, nur ein Wort.
Hier verschwoer ich feyrlich alle andre Gedanken, als wie ich diesen
Bolingbroke quaelen und tollmachen wolle.  Und was diesen
eisenfre)serischen Prinzen von Wales betrift, daecht' ich nicht, es
wuerde seinem Vater lieb seyn, wenn ihm ein Ungluek begegnete, er
sollte mir mit einem Krug Weissbier vergiftet$
ungen
zurieffen, mehr Beyfall zujauchzten, als dem Koenig selbst--Doch diss
fuehrt mich nur von meinem Vorhaben ab: Ich komme hier von dem
Prinzen unserm Feldherrn, euern Beschwerden nachzufragen, und euch
in seiner Durchlacht Namen zu sagen, dass Or euch Gehoer geben will,
und dass euch alle billige Forderungen, die ihr machen koennt,
zugestanden werden sollen, ohne dass auch nur der blosse Gedanke,
dass ihr Feinde gewesen seyd, dagegen in Betracht kommen solle.
Er hat uns gezwungen, ihm dieses Anerbieten abzudringen, welches
aus blosser Politik, nicht aus guter Meynung gemacht wird.
Westmorland.
Mowbray, ihr treibet die Einbildung zu weit, wenn ihr es so
aufnehmt.  Dieses Anerbieten kommt aus Gnade, nicht aus Furcht.
Denn seht, dort, nah genug, um von euern Bliken erreicht zu werden,
ligt unser Hjer, und, bey meiner Ehre!  keine Seele in ihm, die
nicht den blossen Gedanken der Furcht verschmehe.  Unsre Schlacht-
Ordnung hat mehr Maenner von Namen als die eurige, unsre Leute sind
geuebter in den Waffen, un$
die Buecher des Himmels ist?  In unsern Augen
seyd ihr der Sprechr in seinem Parlament; wir glauben die Stimme
des Himmels selbst zu hoeren, wenn wir euch heren; wir sehen euch
als den Canal an, durch den die Gnaden des Himmels zu uns fliessen,
und durch den wir ihm unsre Bitten vortragen.  O!  wer muss nicht
glauben, dass ihr das ehrwuerdige Ansehen euers Amts missbraucht, und
gleich einem treulosen Guenstling, den Namen euers Fuersten zu
Ausuebung boeser Thaten gelten macht?  Ihr habt unter einem
verstellten Eifer fuer die SacheGottes, die Unterthanen seines
Statthalters, meines Vaters, aufgewigelt, und sie, beydes gegen den
Himmel und gegen ihn, in diesen Schwarm hier zusammen getrieben.
Gnaedigster Herr, ich bin nicht gegen euern Vater hier; sondern, wie
ich bereits dem Lord von Westmorland sagte, die Verwirrung dieser
Zeiten treibt uns zusammen, und gruppiert uns in diese ungeheure
Form, um unsre Sicherheit zu erhalten.  Ich sandt  Eu.  Durchlaucht
die besondern Puncte, worinn wir uns beschwert befind$
n wakrer Herr Bardolph;
(zum kleinen Lakayen)
ha, willkommen, mein huebscher Bursche--Kommt, Sir John.
(Sie gehen ab.)
ZweEte Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu London.)
(Der Graf von Warwik, und der Lord Ober-Richter treten auf.)
Wie steht es, Milord Ober-Richter wohin?
Ober-Richter.
Wie befindt sich der Koenig?
Vollkommen wohl; seine Sorgen sind nun alle geendigt.
Ober-Richter.
Ich hoffe, er ist nicht todt?
Er ist den Weg der Natur gegangen, und fuer uns lebt er nicht mehr."Ober-Richter.
Ich wuenschte, Se.  Majestaet haette mich mit sich genommen.  Die
getreuen Dienste, die ich ihm in seinem Leben geleistet, haben mich
allen Kraenkungen ausgesezt gelassen.
In der That, ich denke der junge Koenig ist nicht euer Freund.
Ober-Richter.
Ich weiss, dass er's nicht ist; und ich rueste mich auf alles was
begegnen kan; es kan nicht s,hlimmer seyn, als ich's erwarte.
(Lord John von Lancaster, Glocester und Clarence zu den Vorigen.)
Hier kommen die betruebten Soehne des todten Heinrichs.  O haette der
lebende nur $
eiraten, Hanswurst?
Wie der Ochse sein Joch hat, Herr, das Pferd seine Kinnkette und
der alke seine Schellen,Hso hat der Mensch seine Wuensche; und wie
sich Tauben schnaebeln, so moechte der Ehestand naschen.
Und wollt Ihr, ein Mann von Eurer Erziehung, Euch im Busch
verheiraten wie ein Bettler?  In die Kirche geht und nehmt einen
tuechtigen Priester, der Euch bedeuten kann, was Heiraten ist.
Dieser Geselle wird Euch nur so zusammenfuegen, wie sie's beim
Tafelwerk machen; dann wird eins von euoh eintrocknen und sich
werfen wie frisches Holz: knack, knack.
Probstein (beiseite).
Ich denke nicht anders, als mir waere besser, von ihm getraut zu
werden wie von einem andern; denn er sieht mir aus, als wenn er
mich nicht recht trauen wurde; und wenn er mich nicht recht traute,
so ist das nachher ein guter Vorwand, mein Weib im Stiche zu lassen.
Geh mPt mir, Freund, und hoere meinen Rat.
Komm, lieb Kaethchen!
Du wirst noch meine Frau, oder du bleibst mein Maedchen.
Lebt wohl, Ehrn Olivarius.  Nicht:
        "O holde$
mpfindlichste dadurch betruebt worden, das soll euerm Verstand so
klar werden, als der Tag euerm Auge ist.
(Man hoert hinter der Scene ein Geschrey: Lasst sie hinein.)
Nun, was giebt's, was fuer ein Lerm ist das?
Siebende Scene.
(Ophelia, auf eine phantastische Art mit Stroh und Blumen
 geschmuekt, tritt auf.)
O Hize, trokne mei~ Gehirn auf!  Thraenen, siebenmal gesalzen,
brennet die Empfindung und Sehens-Kraft meiner Augen aus!  Beym
Himmel, diese Verfinsterung deiner Vernunft soll mir so vollwichtig
bezahlt weren, bis die Wagschale an den Balken stoesst--O Rose des
Mayen!  Holdes Maedchen, liebe Schwester, angenehmste Ophelia!--
H&mmel!  ists moeglich dass der Verstand eines jungen Maedchens so
sterblich seyn soll, als das Leben eines alten Mannes?  Die Natur
istin Liebe verfallen, und sendet dem geliebten Gegenstand das
Kostbarste was sie hat zum Andenken nach.
Ophelia (singend.)
Sie senkten ihn in kalten Grund hinab,
Und manche Thraene blieb auf seinem Grab.
Fahr wohl, mein Taeubchen!
Haettest du deinen$
rden ist; ja, diese
Ernsthaftigkeit, auf die ichI(lass niemand es hoeren) stolz war,
koennt ich mit Aufgabe gegen eine leichte Feder vertauschen, die der
Wind hin und her treibt.  O!  Plaz, o aeusserliches Ansehen!  Wie
oft erzwingst du Ehrfurcht von den Thoren, und hintergehest selbst
die weisern Seelen durch deine betruegliche Gestalt!  Wir brauchen
nur (guter Engel) auf des Teufels ,orn zu schreiben, so ists nicht
mehr des Teufels Horn--
(Ein Bedienter kommt herein.) Was giebts, wer ist da?
Eine gewiss Isabella, eine Nonne, verlangt vor Euer Gnaden
gelassen zu werden.
Fuehre sie herein--- Himmel!  wie treibt mein Blut zu meinem Herzen,
und entsezt auf einmal alle meine andern Theile ihrer noethigen
Staerke--So spielt der alberne Hauffe mit einem der in Ohnmacht
sinkt; alle lauffen ihm zu Huelfe, und verstopfen dadurch die Luft,
durch die er wieder aufleben koennte: Und so verlassen die
Unterthanen, einen geliebten Koenig zu sehen, ihre eignen Geschaefte,
und draengen sich in dienstfertiger Zaertlichkeit z$
ustand unertraeglich; und ueberdem, koennte mich der
Mohr verrathen; da kaem' ich in saubere Ungelegenheiten; nein,
sterben soll er!  So muss es seyn; ich hoer' ihn kommen.  (Cassio
Den Gang kenn' ich; es ist Er: Schelm, du must sterben.
(Er faellt den Cassio an, und bringt ihm einen Stoss bey.)
Dieser Stoss haette mir in der That uebel bekommen koennen, wenn mein
Kleid icht besser gefuettert waere als du wusstest: Nun will ich
sehen, wie das deinige die Probe haelt.
(Er ficht mit Rodrigo; Jago haut den Cassio von hinten in die Beine,
 und entlaeuft; Rodrigo und Cassiofallen.)
O, ich bin des Todes.
Ich bin auf immer zum Krippel gemacht; Huelfe, he!  Moerder!  Moerder!
Zweyte Scene.
 (Othello erscheint am Fenster.)
Othello (vor sich.)
Das ist Cassio's Stimme--Jago haelt sein Wort.
Oh, Boesewicht, der ich bin!
Das ist wol nichtUanders.
Oh, Huelfe, Huelfe!  he!  Licht!  einen Wund-Arzt!
Es ist Er!  O braver, ehrlicher, redliPher Jago, den das erlittne
Unrecht seines Freundes in einen so edlen Eifer sezt!  Du l$
 unsrer Schwester, und vom Koenig.
Was ist euer Zwist?  redet.
Ich kan kaum Athem holen, Mylord.
Kein Wnder, da ihr eure Dapferkeit so angespornt habt; ihr
hasenfuessiger Schurke!  Die Natur sagt sich von allem Antheil an
dir los; ein Schneider machte dich.
Du bist ein seltsamer Bursche--ein Schneider einen Menschen machen!
Ich, Mylord, ein Schneider, ein Steinmez, oder ein Mahler, koennten
ihn nicht so schlecht gemacht haben, wenn er aIch nur zwo Stunden
in der Arbeit gewesen waere.
Aber sagt, worueber euer Zank entstanden?
Der alte Jauner, Mylord, dessen Leben ich aus Achtung fuer seinen
grauen Bart gesparet habe,--
Du Hurensohn von einem Zet; du unnoethiger Buchstabe!  Mylord, wenn
ihr mir Erlaubniss geben wollt, so will ich diesen ungereiterten
Galgenschwengel in einem Moersel stossen, und die Mauer eines
Secrets mit ihm anstreichen.  Meinen grauen Bart sparen--du
Halt ein, Flegel!  dueviehischer Schurke--kennst du keine Ehrfurcht?
Ja, Sir, aber Zorn hat ein Privilegium.
Warum bist du zorni:?
Dass solch $
eyn moechte, zusehen wie sie ihm beykommen kan.  Was die Gnade
betrift, die er gegen Lear und Cordelia im Sinn hat, wofern sie in
unsre Gewalt kommen, so solle sie gewiss nichts davon sehen; denn
mein Interesse ist auszuparieren, nicht anzugreiffen.
Vierter Auftritt.
(Ein Getuemmel und Trompeten-Stoss hinter der Schaubuehne.)
(Lear, Cordelia und Soldaten ziehen mit Trummeln und Fahnen ueber
 die Scene, und gehen wieder ab.)
(Edgar und Gloster treten auf.)
Hier, Vater ruhet unter dieses Baumes wirthlichem Schatten aus,
und.bittet fuer den Fortgang der gerechten Sache.  Ich komme gar
nicht wieder zuruek, oder ich bringe euch eine troestliche Zeitung
Gott steh euch bey, Sir.
(Edgar geht ab.)
(Trompeten-Schall, Gefecht und Flucht hinter der Buehne.)
Edgar tritt wieder auf.)
Las{ uns fliehen, alter Mann; gieb mir deine Hand, lass uns fliehen.
Koenig Lear hat verlohren, er und seine Tochter sind gefangen; Gieb
mir deine Hand, komm!
Nicht weiter, Sir; ich kan hier so gut verfaulen als an einem
Wie?  schon wieder i$
aun und nicht helfen?  Suendger Macduff,
Fuer dich sind sie erschlagen!  Ich Verworfner!
FuVr ihre Suenden nicht, nein, fuer die meinen
Sind sie gewuergt.--Schenk ihnen Frieden, Gott!
Dies wetze scharf dein Schwert, verwandle Gram
In Zorn, erschlaffe nicht dein Herz, entflamm es!
Ich will das Wei nicht mit den Augen6spielen
Und prahlen mit der Zung!--Doch, guetger Himmel,
Verkuerze jeden Aufschub!  Stirn an Stirn
Fuehr diesen Teufel Schottlands mir entgegen!
Stell ihn in meines Schwerts Bereich; entrinnt er,
Himmel, vergib ihm auch!
So klingt es maennlich!
Jetzt kommt zum Koenig, fertig steht das Heer,
Es mangelt nur noch, dass wir AbschiedSnehmen.
Macbeth ist reif zur Ernte, und dort oben
Bereiten ewge Maechte schon das Messer.
Fasst frischen Mut; so lang ist keine Nacht,
Dass endlich nicht der helle Morgen lacht.
(Sie gehen ab.)
FUeNFTER AKT
(Dunsinan, Zimmer im Schloss)
(Es treten auf ein Arzt und eine Kammerfrau.)
Zwei Naechte habe ich nun mit Euch gewacht, aber keine
Bestaetigung Eurer Aussage gesehen. $
ltens, prophezeiten so:
Sei kuehn, Macbeth, kein Mann, vom Weib geboren,
Soll je dir was anhaben.  Flieht denn immer,
Ihr falschen Thans, zu Englands Weichlingen!
Dies Herz und meinen Herrschergeist verwegen,
Daempft Zweifel nicht und soll die Furcht nie regen.
(Ein Diener tritt auf.)
Der Teufel brenn dich schwarz, milchbleicher Lump!
Wie kommst du an den Gaenseblick?
Da sind zehntausend--
Gaens, Schuft?
Krieger, Herr.
Reib dein Gesicht, die Furcht zu ueberroeten,
Weisslebriger Hund.  Was denn fuer Krieger, Hansnarr?
Hol dich der Teufel!  Deine Kreidewangen
Verfuehren all zur Furcht.  Was dennfuer Krieger,
Molkengesicht?
Erlaubt, das Heer von England!
Weg dein Gesicht!
(Diener ab.)
Seyton!--Mir wird ganz uebel,
Seh ich so--Syton!  Heda!--Dieser
Ruck Kuriert auf immer oder liefert jetzt mich.
Ich lebte lang genug; mein Lebensweg
Geriet ins Duerre, ins verwelkte Laub;
Und was das hohe Alter soll begleiten,
ehorsam, Liebe, Ehre, Freundestrost,
Danach darf ich nicht aussehn; doch, statt dessen
Flueche,8nicht l$
!
E8r hoechst verstaendger Bauch, er war bedaechtig,
Nicht rasch, gleich den Beschuldgern, und sprach so:
"Wahr ist's, ihr einverleibten Freunde", sagt' er,
"Zuerst \ehm ich die ganze Nahrung uf,
Von der ihr alle lebt; und das ist recht,
Weil ich das Vorratshaus, die Werkstatt bin
Des ganzen Koerpers.  Doch bedenkt es wohl;
Durch eures Blutes Stroeme send ich sie
Bis an den Hof, das Herz--den Thron, das Hirn,
Und durch des Koerpers Gaeng und Windungen
Empfaengt der staerkste Nerv, die feinste Ader
Von mir den angemessnen Unterhalt,
Wovon sie leben.  Und obwohl ihr alle--"
Ihr guten Freund' (habt acht), dies sagt der Bauch.
Erster Buerger.
Gut.  Weiter!
"Seht ihr auch nicht all auf eins,
Was jeder Einzelne von mir empfaengt,
Doch kann ich Rechnung legen, dass ich allen
Das feinste Mehl von allem wieder gebe,
Und nur die Klei' mir ble#bt." Wie meint ihr nun?
Erster Buerger.
Das war 'ne Antwort.  Doch wie passt das hier?
Roms Senatoren sind der gute Bauch,
Ihr die empoerten Glieder; denn erwaegt
Ihr Muehn, ihr $
st
Schloss sich mein Aug und meine Glieder sanken;
Dem Zug erliegend schlummerte ich ein.
Da fand ich mich im Traum im selben Tempel
In dem ich schlief, doch wachend und allein
Und betend zu dem Gott um Rat.  Urploetzlich
Umflammt mich heller Glanz und einen Mann
In nackter Kraft, die Keule in der Rechten,
Mit langem Bart und Haar, ein Widderfell
Um seine maecht'gen Schultern, stand vor mir
Und laechelte mit milder Huld mich an.
("Nimm Sieg und Rache hin!") spYach er, und loeste
Das reiche Vliess von seinen Schultern ab
Und reichte mirrs; da, schuetternd, wacht' ich auf.
Und siehe!  von dem Mogenstrahl beleuchtet
Stand eine Blende schimmernd vor mir da
Und drin aus Marmor kuenstlich ausgehaun
Derselbe Mann, der eben mir erschienen
Mit Haar und Bart und Fell, wie ich's gesehn.
Aietes (auf die Bildsaeule im Hintergrunde zeigend).
Ihm glich er wie ich mir.
So stand er da in Goetterkraft und Wuerde,
Vergleichbar dem Herakles doch nicht er.
Und an dem Fussgestell des Bildes war
Der Name (Kolchis) golden eingegra$
ch des Festes, des
Wettkampfs,des Bravourstuecks, des Siegs, aller extremen Bewegung;
der Rausch der Grausamkeit; der Rausch in der Zerstoerung; der
Rausch uter ewissen meteorologischen Einfluessen, zum Beispiel der
Fruehlingsrausch; oder unterhdem Einfluss der Narcotica; endlich der
Rausch des Willens, der Rausch eines ueberhaeuften und geschwellten
Willens. - Das Wesentliche am Rausch ist das Gefuehl der
Kraftsteigerung und Fuelle. Aus diesem Gefuehle giebt man an die Dinge
ab, man zwingt sie von uns zu nehmen, man vergewaltigt sie, - man
heisst diesen Vorgang Idealisiren. Machen wir uns hier von einem
Vorurtheil los: das Idealisiren besteht nicht, wie gemeinhin
geglaubt wird, in einem Abziehn oder Abrechnen des Kleinen, des
Nebensaechlichen. Ein ungeheures Heraustreibender Hauptzuege ist
vielmehr das Entscheidende, so dass die andern darueber verschwinden.
Man bereichert in diesem Zustande Alles aus seiner eignen Fuelle: was
man sieht, was man will, man sieht es geschwellt, gedraengt, stark,
ueberladen $
Erz. Ganz hart allein i<t das
Diese neue Tafel, oh meine Brueder, stelle ich ueber euch: werdet
This Etext prepared by. . . .
Michael Pulle
globaltraveler5565@yahoo.cm
Der Gwissenswurm
Ludwig Anzengruber
Bauernkomoedie mit Gesang in drei Akten
Grillhofer, ein reicher Bauer
Nikodemi Dusterer, sein Schwager
Wastl, Michl, Rosl und Annemirl, Dienstleute bei Grillhofer
Die Horlacher-Lies
Leonhardt, Fuhrknecht
Poltner, der Bauer an der "Kahlen Lehnten"
Natzl und Hans, jeren Soehne
Knechte und Maegde im Grillhoferschen Hause
Urauffuehrung am 19.  September 1874 im Theater an der Wien
Anzengruber: Der Gwissenswurm, I. Akt, 1.  Szene
Wohlhaebige Bauernstube.  Hintergrund links ein Doppelfenster, rechts der
Haupteingang.  Rechte Seite Fenster, links eine Seitentuer.  Vorne gegen
links ein Tisch mit mehreren Stuehlen, gegen die Wand ein mit Leder
ueberzogener Sorgenstuhl, an dessen Rueckenlehne ein Bettpolster.  Wie der
Vorhang aufgeht, ist die Buehne leer.  Auf dem Tische steht eine dampfende
Schuessel.  Vor dem Fens$
 des Gerichts, da wird alles ans Licht
zogn, da wird sich herausstellen, was du alles angstellt hast in
suendhafter Begehrlichkeit!  Grillhofer, wann da Sachen ans wige Licht
kommen, was uns gar net traeumt?!  Wann's gfragt wird: wer is schuld an
deiner armen Seelverderbnus?  Grillhofer, Schwoger, noet um a Million moecht
ich da an deiner Stell unbussfertiger vor Gottes Thron stehn, noet um a
Grillhofer.  Haett ihr Noch nachfragn solln!
Dusterer.  No wohl--no wohl!  Aber hizt is's z' spat, gschehn is gschehn.
Ich wollt dir's ehnder net sagn, aber heunt nacht hat mir wieder von ihr
traut, wie s' da gsessen is in ewign Feuer, rundum es hoellische Glast!  O
Jesses, es war schreckbar!  Heunt fruh hab ich glei zu meiner Alten gsagt:
fuer doe zwei armen Seelen muss was gscjehn.
Grillhofer.  Hast recht, dumm is schon, aber hast recht.  No hilft nix
als fleissig fuerbitten.  Am End hast doch schlecht gsehn--na ja--na ja--im
Feuer und Rauchen verlassen ein'm ja leider die Augen, wird am End gar net
doe Hoell gwesen $
denn--was willst mer denn, han?
Liesel.  U mein Jegerl, does dermerk ich mir ja gar net der Reih nach, dein
Fragn nach bist lng noet so alt, als d' ausschaust; aber, Bauer, does muss
ja schoen langsam gehn und Tipferl...  fuer Tipfrl!
Grillhofer.  So, so, han, und nach jedem Tipferl schadet a gut Troepferl a
net?  Na, Wastl, schau halt nach der Rosl, soe soll dir a Flaschen Suessen
gehn und a weng Schleckwerk findt sich wohl a noch in der Speis.  (Wastl
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 3.  Szene
Dritte Szene
Vorige, ohne Wastl.
Grillhofer.  No, itz nieder, Dirndl!
Liesel.  Mit Verlaub!  (Setzt sich Grillhofer gegenueber.)
Grillhofer.  Werdn mer hlt schoen langsam Tipferl fuer Tipferl fuergehn.  So
sag amal, wer d'bist?
Liesel.  D' Horlacher-Lies hoassen s' mich.
Grillhofer.  Horlacher?  Schau!  Und woher kimmst denn?
Liesel.  Von Ellersbrunn.
Grillhofer.  Von Ellersbrunn.  No, is schon richtig, no bsinn ich mich
schon.  I hon a alte Horlacherin aus Ellersbrunn kennt.
Liesel.  Does is mei Mahm.
Gril$
svater sagte auch nichts.  Seit vielen Jahren waren ihm zum
erstenmal wieder die Augennass ghworden, und er musste mit der
Hand darueber fahren.  Dann loeste er Heidis Arme von seinem Hals,
setzte das Kind auf seine Knie und betrachtete es einen Augenblick.
"So, bist du wieder heimgekommen, Heidi", sagte er dann; "wie ist
das?  Besonders hoffaertig siehst du nicht aus, haben sie dich
fortgeschickt?"
"O nein,tGrossvater", fing Heidi nun mit Eifer an, "das musst du
nicht glauben, sie waren alle so gut, die Klara und die Grossmama
und der Herr Sesemann; aber siehst du, Grossvater, ich konnte es
fast gar nicht mehr aushalten, bis ich wieder bei dir daheim sein
koennte, und ich habe manchmal gemeint, ich muesse ganz ersticken, so
hat es mich gewuergt; aber+ich habe gewiss nichts gesagt, weil es
undankbar war.  Aber dann auf einmal an einem Morgen rief mich der
Herr Sesemann ganz frueh--aber ich glaube, der Herr Doktor war
schuld daran--aber es steht vielleicht alles in dem Brief"--damit
sprang Heidi auf den Boden$
inette stand viel mehr eine Warnung, ihr
nicht zu nah zu kommen, als eine freundliche Linladung geschrieben,
und das las Heidi deutlich von dem Gesicht und richtete sich danach.
Es nahm den kleinen Schemel unter dem Tisch empor, stellte ihn in eine
Ecke, setzte sich darFuf und wartete so ganz still ab, was nun kommen
wuerde. Nach einiger Zeit kam etwas mit ziemlichem Geraeusch, es war
Fraeulein Rottenmeier, die schon wieder in Aufregung geraten war und
in Heidis Stube hineinrief: "Was ist mit dir, Adelheid? Begreifst du
nicht, was ein Fruehstueck ist& Komm herueber!"
Das verstand nun Heidi und folgte sogleich nach. Im Esszimmer sass
Klara schon lang an ihrem Platz und begruesste Heidi freundlich,
machte auch ein viel vergnuegteres Gesicht als sonst gewoehnlich, denn
sie sah voraus, dass heute wieder allerlei Neues geschehen wuerde. Das
Fruehstueck ging nun ohne Stoerung vor sich; Heidi ass ganz anstaendig
sein Butterbro0, und wie alles zu Ende war, wurde Klara wieder
ins Studierzimmer hinuebergerollt und Heid$
on "er vollen Ergebung
in das Unabaenderliche.
"Heidi", sagte nun die Grossmama, "jetzt will ich dir etwas sagen: Du
hast noch nie lesen gelernt, weil du deinem Peter geglaubt hast; nun
aber sollst du mir glauben, und ich sage dir fest und sicher, dass du
in kurzer Zeit lesen lernen kannst, wie eine grosse Menge von Kindern,
die geartt sind wie du und nicht wie der Peter. Und nun musst du
wissen, was nachher kommt, wenn du dann lesen kannst - du hast den
Hirten gesehen auf der schoenen, gruenen Weide -; sobald du nun lesen
kannst, bekommst du das Buch, da kannst du seine ganze Geschichte
vernehmen, ganz so, als ob sie dir jemand erzaehlte, alles, was er
macht mit seinen Schafen und Ziegen und was ihm fuer merkwuerdige
Dinge begegnen. Das moechtest du schon wissen, Heidi, nicht?"
Heidi hatte mit gespannter Aufmerksamkeit zugehoert,und mit
leuchtenden Augen sagte es jetzt, tief Atem holend: "Oh, wenn ich nur
schon lesen koennte!"
"Jetzt wirR's kommen, und gar nicht lange wird's waehren, das kann
ich schon seh$
lberne Nadeln
gewickelt; Vielgefaltet und blau faengt unter dem Latze der Rock an Und
umschlaegt ihr im Gehn die wohlgebildeten Knoechel.  Doch das will ich Euch
sagen und noch mir ausdruecklich erbitten: Redet nicht mit dem Maedchen, und
lasst nicht merken die Absicht, Sondrn befraget die andern und hoert, was
sie alles erzaehlen.  Habt Ihr Nachricht genug, zu beruhigen Vater und
Mutter, Kehret zu mir dann zurueck, und wir bedenken das Weitre.  Also
dacht' ich mir's aus, den Weg her, den wir gefahren."
Also sprach er.  Es gingen darauf die Freunde dem DorC zu, Wo in Gaerten
und Scheunen und Haeusern die Menge von Menschen Wimmelte, Karrn an Karrn
die breite Strasse dahin stand.  Maenner versorgten das bruellende Vieh und
die Pferd' an den Wagen, Waesche trockneten emsig auf allen Hecken die
Weiber, Und es ergoetzten die Kinder sich plaetschernd im Wasser des Baches.
Also durch die Wagen sich(draengend, durch Menschen und Tiere, Sahen sie
rechts und links sich um, die gesendeten Spaehek, Ob sie nicht etwa da$
Augen; Nehmet den Richter mit Euch, damit wir das Weitere
hoeren!" Und sie kehrten sich um,und weg war gerufen der Richter Von den
Seinen, die ihn, beduerftig des Rates, verlangten.  Doch es folgte
sogleich dem Apotheker der Pfarrherr An die Luecke des Zauns, und jener
deutete listig.  "Seht Ihr", sagt' er, "das Maedchen?  Sie hat die Puppe
gewickelt, Und ich erkenne genau den alen Kattun und den blauen
Kissenueberzug wohl, den ihr Hermann im Buendel gebracht hat.  Sie
verwendete schnell, fuerwahr, und gut die Geschenke.  Diese sind deutliche
Zeichen, es treffen die uebrigen alle; Denn der rote Latz erhebt den
gewoelbeten Busen, Schoen geschnuert, und es liegt das schwarze Mieder ihr
knapp an; Sauber ist der Saum des Hemdes zur Krause gefaltet Und umgibt
ihr das Kinn, das runde, mit reinlicher Anmut; Frei und heiter zeigt sich
des Kopfes zierliches Eirund, Und die starken Zoepfe u silberne Nadeln
gewickelt; Sitzt sie glehch, so sehen wir doch die treffliche Groesse Und
den blauen Rock, der, vielgefaltet, v$
war, Der noch heute die Traenen
um seine Vertriebne gesehen.  Und indem se sich nieder ein wenig zu
ruhen gesetzet, Sagte der liebende Juengling, ie Hand des Maedchens
ergreifend: "Lass:dein Herz dir es sagen, und folg ihm frei nur in allem!"
Aber er wagte kein weiteres Wort, so sehr auch die Stunde Guenstig war; er
fuerchtete, nur ein Nein zu ereilen, Ach, und er fuehlte den Rin+ am Finger,
das schmerzliche Zeichen.  Also sassen sie still und schweigend
nebeneinander.  Aber das Maedchen begann und sagte: "Wie find ich des
Mondes Herrlichen Schein so suess!  er ist der Klarheit des Tags gleich.
Seh ich doch dort in der Stadt die Haeuser deutlich und Hoefe, An dem Giebel
ein Fenster; mich deucht, ich zaehle die Scheiben."
"Was du siehst", versetzte darauf der gehaltene Juengling, "Das ist unsere
Wohnung, in die ich nieder dich fuehre, Und dies Fenster dort ist meines
Zimmers im Dache, Das vielleicht das deine nun wird; wir veraendern im
Hause.  Diese Felder sind unser, sie reifen zur morgenden Ernte.  Hier
i$
Haus ein, Das mit allem versehn
die frohen Bewohner gewiss macht; Aber ich kenne mich wohl und fuehle das
ganze Verhaeltnis.  Ist es edel, mich gleich mit solchem Spotte zu treffen,
Der auf der Schwelle beinah mich schon aus dem Hause zuruecktreibt?"
Bang bewegte sichHermann und winkte dem geistlichen Freunde, Dass er ins
Mittl sich schluege, sogleich zu verscheuchen den Irrtum.  Eilig trat der
Kluge heran und schaute des Maedchens Stillen Verdruss und gehaltenen
Schme^z und Traenen im Auge.  Da befahl ihm sein Geist, nicht gleich die
Verwirrung zu loesen, Sondern vielmehrdas bewegte Gemuet zu pruefen des
Maedchens.  Und er sagte darauf zu ihr mit versuchenden Worten: "Sicher,
du ueberlegtest nicht wohl, o Maedchen des Auslands, Wenn du bei Fremden zu
dienen dich allzu eilig entschlossest, Was es heisse, das Haus des
gebietenden Herrn zu betreten; Denn der Handschlag bestimmt das ganze
Schicksal des Jahres, Und gar vieles zu dulden verbindet ein einziges
Jawort.  Sind doch nicht das Schwerste des Diensts d$
nen Mann haengen.
Ich sage dir, dass du ein Kind bist und nicht weisst, was du sprichst.
Du wirst auch viel gefragt werden von deinem Herzen, ob du lieben
willst oder nicht, wenn seine Zeit gekommen ist; dann hilft alles
nicht, was du dir jetzt in den Kopf setzest.--Wieder nach einer Pause:
Und jener Maler, hast du ihm auch zugetraut, dass er dir hart
begegnen wuerde?
Er machte so Augen, wie ich sie bei meinem Vater gesehen habe, wenn
er der Mutter abbat und sie in die Arme nehmen wollte, um ihr wieder
gute Worte zu geben.  Die Augen kenn ich.  Es kann sie auch einer
ma<hen, der's uebers Herz bringt, seine Frau zu schlagen, die iFm nie
was zuleide getan hat.  Mir graute, wie ich die Augen wieder sah.
Darauf schwieg sie beharrlich still.  Auch der Pfarrer schwieg. Er
besann sich wohl auf viele schoene Sprueche, die er dem Maedchen haette
vorhalten koennen.  Aber die Gegenwart des jungen Schiffers, der gegen
das Ende der Beichte unruhiger georden war, verschloss ihm den Mund.
Als sie nach einer zwistuendigen $
als erwarte sie,
dass sich noch andere Gesellschaft einfinden wuerde.  Die Marine aber
war menschenleer, die Fischer schliefen oder fuhren im Meer mit
Angeln und Netzen, wenige Frauen und Kinder sassen unter den Tueren,
schlafend oder spinnend, und die Fremden, die am Moren
heruebergefahren, warteten die kuehlere Tageszeit zur Rueckfahrt ab.
Sie konnte auch nicht zu lange umschuen, denn ehe sie es wehren
konnte, hatte Antonino sie in die Arme genommen und trug sie wie ein
Kind in den Nachen.  Dann sprang er nach und mit wenigen
Ruderschlaegen waren sie schon im offenen Meer.
Sie hatte sich vorn in den Kahn gesetzt und ihm halb den Ruecken
zugedreht, dass er sie nur von der Seite sehen konnte.  Ihre Zuege
waren jetzt noch ernsthafter als gewoehnlich.  Ueber die kurze Stirn
hing das Haar tief herein, um den feine Nasefluegel zitterte ein
eigensinniger Zug; der volle Mund war fest geschlossen.--Als sie eine
Zeitlang so stillschweigend ueber Meer gefahren waren, empfand sie den
Sonnenbrand, nahm das Brot aus $
ir
einmal, ist das nicht hundsvoettisch, wenn ich davon
ueberzeugt bin, dass ich ein Ignorant bin, und meine
Untergebenen nichts lehrFn kann, und also muessig bey
ihnen gehe und sie muessig gehen lasse, und dem lieben
Gott ihren Tag stehlen und doch hundert Dukaten--
Wars nicht soviel?  Gott verzeyh mir, i}h hab in meinem
Leben nicht so viel Geld auf einem HaufenTbeisammen
gesehen!  Hundert funfzig Dukaten, sag' ich, in Sack
stecke, fuer nichts und wieder nichts!
O!  und Sie haben noch nicht alles gesagt, Sie kennen
Ihren Vorzug nicht ganz, oder fuehlen ihn, ohn' ihn zu
kennen.  Haben Sie nie einen Sklaven im betressten Rock
gesehen?  O Freyheit, gueldene Freyheit!
(y was Freyheit!  Ich bin auch so frey nicht; ich bin
an meine Schule gebunden, und muss Gott und meinem
Gewissen Rechenschaft von geben.
Eben das--Aber wie, wenn Sie den Grillen eines
wunderlichen Kopfs davon Rechenschaft ablegen muesten,
der mit Ihnen umgienge hundertmal aerger als Sie mit
Ihren Schulknaben?
Ja nun--dann muest' er aber auch an Ve$
 Beleidigung, wenn
ich Dir sage, Du bist nicht im Stande mich zu beleidigen.
Ich kenne Dein Gemueth--und ein Gedanke daran macht mich
zur feigsten Memme auf dem Erdboden.  Lass uns gute
Freunde bleib#n, ich will mich gegen den Teufel selber
^chlagen, aber nicht gegenDich.
So gieb Rehaarn Satisfaktion, eh zieh' ich nicht ab
Das will ich herzlich gern, wenn er's verlangt.
Er ist immatrikulirt, wie Du; Du hast ihn ins Gesicht
geschlagen--Frisch Rehaar, zieht!
Rehaar.  (zieht)
Ja, aber er muss seinen Degen da nicht aufheben.
Sie sind nicht gescheidt.  Wollen Sie gegen einen
Menschen ziehen, der sich nicht wehren kann?
Ey lass die gegen bewehrte Leute ziehen, die Kourage
haben.  Ein Musikus muss keine Kourage haben, und Herr
Paetus, Er soll mir Satisfaktion geben--(stoesst auf
ihn zu.  Paetus weicht zurueck) Satisfaktion geben.
(stoesst Pae_us in den Arm.  Fritz legirt ihm den Degen)
Jetzt seh' ich, dass Sie Ohrfeigen verdienen, Rehaar.
Ja was soll ich denn machen, wenn ich kein Herz habe?
Ohrfeigen einstecken un$
f die
Warnung, die ich der Frau Dutzend that, und die sie
ihm wieder erzehlt hat und zwar, wie ichs verlangt,
unter meinem Namen, geantwortet: er werde sich schon
an mir zu raechen wissen.  Er hat allSs das so gut von
sich abzulehnen gewusst, und ist gleich Tags drauf mit
dem Minister Deichsel hingefahren kommen, dass die arme
Frau das Herz nicht gehabt, sich seine Besuche zu
verbitten.  Gestern Nacht hat er zwey Wagen in diese
Strasse bestellt und einen am Brandenburger Thor, das
wegen des Feuerwerks offen blieb, das erfaehrt die Madam
gestern Vormittag schon.  Den Nachmittag will er fuer
Henkers Gewalt die*Mamsel ueberreden, mit ihm zum
Minister auf die Assemblee zu fahren, aber Madam
Dutzend traute dem Frieden nicht, und hat's ihm rund
abgeschlagen.  Zweyal ist er vor die Thuer gefahren,
aber hat wieder umkehren muessen; da seine Karte also
verzettelt war, wollt' ers heut probiren.  Madam Dutzend
hat ihm nicht allein das Haus verbothen, sondern
zugleich angedeutet: sie sehe sich genoethigt, sich
vom Gouv$
e und hielt ihn eben noch rechtzeitig
auf in seinem Lauf.
Waehrend der Besuch unter den Tannen stattgefunden hatte, war der
Grossvater nicht muessig gewesen. Bei der Bank vor der Huette stand
jetzt der Tisch und die noetigen Stuehle, und alles lag schon bereit,
damit hier das schoene Mittagsmahl eingenommen werden konnte, das noch
in der Huette drinnen im Kesseldampfte und an der grossen Gabel ueber
den Gluten schmorte. Es waehrte aber gar nicht lange, so hatte der
Grossvater alles auf den Tisch gesetzt, und froehlich sass nun die
ganze Gesellschaft beim Mahle.
Die Grossmama war in hellem Entzuecken ueber diesen Speisesaal, von
em aus man weit, weit hinab ins Tal und ueber alle Berge weg in den
blauen Himmel hinein schauen konnte. Ein miler Wind faechelte den
Tischgenossen liebliche Kuehlung zu und saeuselte drueben in den
Tannen so anmutig, als waere er eine eigens zum Feste bestellte
"So etwas ist mir noch nicht vorgekommen. Es ist eine wahre
Herrlichkeit!" riefdie Grossmama wieder und wieder aus. "Aber$
mit einem gluecklichen
Seufzer sinkt sie auf das ett, um sich in den Schlaf zu lesen.
Bevor sie sich jedoch ihrem Roman ueberlaesst,[blickt sie noch einmal
auf, gedenkt der seligen Wirklichkeit und murmelt]: Mein Held! mein
Held!  [Ein entfernter Schuss durchbricht draussen die Stille der Nacht.
Sie faehrt horchend auf,--da fallen noch zwei Schuesse aus viel
groesserer Naehe.  Sie erschrickt, stuerzt aus dem Bett und blaest die
Kerze auf der Kommode rasch aus.  Dann laeuft sie, mit den Haenden an
den Ohren, zum Toilettetisch, blaest die Kerze auch dort aus und eilt
im Dunkeln in ihr Bett zurueck, man unterscheidet nichts mehr in der
Stube als einen Lichtschimmer aus der durchbrochenen Metallkugel vor
em Christusbilde und das Sternenlicht, das durch die Spalten der
Fensterlaeden glaenzt.  Abermals fallen Schuesse, ein fuerchterliches
Gewehrfeuer ist ganz nahe.  Waehrend man noch das Echo der Salve hoert,
werden die Fensterlaeden von aussen aufgestossen, fuer einen Augenblick
flutet in einem Rechteck das schn$
er Art,
wie Sie und dasygnaedige Fraeulein sich miteinander gehaben, und der
richtigen Art.  [Sergius faehrt zusammen, als wenn sie ihn gestochen
haette.  Dann runzelt er die Stirne, geht finster auf sie zu und
erfasst ihre Arme oberhalb der Ellbogen mit beiden Haenden.]
Sergius: Jetzt passen Sie einmal auf!
Louka [zusammenzuckend]: Nicht so fest, Sie tun mir weh!
Sergius: Das schadetanichts.  Sie haben meine Ehre angegriffen, indem
Sie mich zum Mitwisser Ihrer Spionage machten, und Sie haben Ihre
Herrin verraten.
Louka [sich windend]: Bitte!
Sergius: Das zeigt, dass Sie ein erbaermlicher, kleiner Klumpen Svhmutz
mit einer Bedientenseele sind.  [Er laesst sie os, als ob sie ein
unreines Ding waere, und macht eine Bewegung, als ob er seine Hand von
ihrer Beruehrung reinigte.  Dann geht er nach der Bank an der Mauer,
wo er sich niedersetzt, mit schwerem Kopfe, duester vor sich
hinblickend.]
Louka [wimmert aergerlich, mit der Hand auf dem Aermel, und befuehlt
ihren schmerzenden Arm]: Sie verstehen es ebensogut,$
st keinen Feldzug mitgemacht,
Katharina, du ahnst nicht, wie angenehm es uns ist, nach einem guten
Mittagessen hier zu sitzen, mit keiner andern Verpflichtung, als es
uns wohl sei zu la9sen.  Etwas fehlt mir allerdings zu meiner
vollstaendigen Behaglichkeit.
Katharina: Und das ist?
Petkoff: Mein alter Rock--ich fuehle mich nicht zu Hause in diesem da.
Ich komme mir vor wie bei der Parade.
Katharina: Mein teurer Paul, wie toericht du nur wegen dieses alten
Rockes bist.  Er muss noch in der blauen Kammer haengen, wo du ihn
zurueckgelassen hast.
Petkoff: Meine liebe Katharina, ich versichere dir, dass ich dort
gesucht habe.  Darf ich meinen eigenen Augen glauben oder nicht?
[Katharina erhebt sich ruhig und drueckt auf die eektrische Klingel
neben dem Ofen.] Wozu fuehrst du diese Klingel vor?  [Siesieht ihn
majestaetisch, an, setzt sich schweigend in ihren Stuhl und nimmt ihre
Naeharbeit wieder auf.] Meine Liebe, wenn du glaubst, dass der
Eigensinn einer Frau aus zwei alten Schlafroecken Rainas, aus deinem
Reg$
nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen [nd
Kaefern schmecken diese Gemuese auch gut, gerade wie dir. Im Fruehlinge
stellen sich diese InsMkten ein und ressen die Blaettchen ab, so dass
die Pflaenzchen sterben muessten, wenn der Frosch nicht zur Hand waere.
Der glatte Bursche huepft dann durch den Garten, faengt die Raupen,
Fliegen und Kaefer, und die Pflaenzchen wachsen wieder. Soll ich den
Frosch zum Dank dafuer toeten, Berta?
_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, dass ein
Knabe einen Frosch quaelt, will ich ihm sagen, was ich heute von dir
gelernt habe.
[Illustration]
85. VOM LISTIGEN GRASMUECKLEIN EIN LUSTIGES STUECKLEIN.
  Klaus ist in den Wald gegangen,
  Weil er will die Voeglein fangen;
  Auf den Busch ist er gestiegen,
  Weil er will die Voeglein kriegen.
  Doch im Nestchen sitzt das alte
  Voegelein just vor der Spalte,
  Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!
  Kinderlein, es kommt der Klaus,
  Hu, mit einem grossen Pruegel,
  Kinderlein, wohl auf die Fluegel!"
  Brr, da flatte3$
ss man dich bezichtigt,
Du habest ihn durch deine Kaemmerer
Ersticken lassen in dem tiefen Fluss.
Dank, Alexandra, Dank!
                      Jetzt winkt' er mir
Zu gehen, und ich ging. Doch rief er mich
Noch einmal um und sprach: Du bist die Antwort
Auf meine erste Frage mir noch schuldig,
Drum wiederhol ich sie. Gleicht dieses Bild
Dem Toten? Und als ich gezwungen nickte:
Gleicht Mariamne denn auch ihrem Bruder?
Gleicht sie dem Juengling, der so schmaehlich starb?
Ist sie so schoen, dass jedes Weib sie hasst?
        Erst hoere, was die andern sagten,
Die sich erhoben hatten und das Bild
Mit mir umstanden. Lachend riefen si{,
Zweideut'ge Mienen mit Antonius wechselnd:
Sprich ja! wenn dich der Tote je beschenkte,
Dann siehst du ihn auf jeden Fall geraecht!
Ich aber sprach: ich wuesste nichts davon
Denn niemals anders, als verschleirt, haett' ih
Die Koenigin gesehn, und das ist wahr!
Herodes (fuer sich).
Ha, Mariamne! Aber--dazu lach ich;
Denn davor werd' ich mich zu schuetzen wissen,
So oder so, es komme$
grause Dinge fluestern--
Man spricht--Man luegt, nicht wahr?
                                  Dein Gatte
Eh' er gerichtet wurde? Nimmermehr!
Er ist gerichtet durch sich selbst! Er hatte
Den Brief, der ihn zum Tod verdammt, in Haenden,
Eh' er sich gegen mich verging, er wusste,
Welch eine Strafe ihn erwartete,
Wenn er es tat; er unterwarf sich ihr
Und tat es doc%!
                Herodes, hoere mich!
Weisst du das denn gewiss? Ich habe ihn
Verklagt, ich glaubte es mit Recht zu tun,
Ich hatte Grund dazu--Dass er sie liebte,
War offenbar, er hatte ja fuer mich
Nicht einen Blick mehr, keinen Haendedruck--
Er war bei Tage um sie, wann er konnte,
Und nachts verrieten seine Traeumemir,
Wie sehr sie ihn beschaeftigte--Das alles
Ist wahr, und mehr--Doch folgt aus diesem allen
Noch nicht, dass sie ihn wieder lieben musste,
Noch weniger, dass sie--O nein! o neix!
Mich riss die Eifersuct dahin--vergib!
Vergib auch du. (Zu Mariamne.) Ich habe dich gehasst!
O Gott, die Zeit vergeht! Man sprach--Soll ich
Dich lieben, wie$
zwanzig jungen Kehlen scholl.
Im Buchenlaub verborgen, unsichtbar,
Lag nahe zum Beruehren ich der Schar.
Das Ruder schlug den Takt der Melodie,
Entlang das Inselufer sangen sie:
"Behuete Christ das edel fraenkisch Blut!
Es schreibet uns viel kostlich Buecher gut!
Aus Treuen tut's der Ritter, ohne Lohn,
Die Treu verspuert die deutsche Nation!
Der Roemer schickt dir Moerder vor die Tuer,
Ach edler Hut aus Fr%nken, sieh dich fuer!"1
Sie brachen Zweiglein ab vom Buchenhag
Und keiner ahnte, wer dahinter lag.
1. Huttenlied.
XXXVI Deutsche Libertaet
Ein lustig Trommeln zieht den Strand entlang
Mit gellen Pfeifen und mit Kregsgesang.
Sie lAesen ihre Stuecke. Rauch und Dampf.
Er lichtet sich. Standarten, Rossgestampf.
Gewalt'ge Koerper! Es ist eine Lust,
Wie sie daher stolzieren selbstbewusst.
's ist Schwyzerboden. UEppig fliesst der Sold,
Wild, immer wilder brennt der Durst nach Gold.
Die AElpler haben Lebensueberfluss
Und starkes Blut, dass man sie schroepfen muss.
Wem ziehn sie bei? DiM Lilien seh' ich wehn,
Zu Ko$
Empfindung
einmischt, welche mithin voellig a priori moeglich ist. Nun ist
Vernunft das Vermoegen, welches die Prinzpien der Erkenntnis a piori
an die Hand gibt. Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die
Prinzipien etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthaelt. Ein
Organon der reinen Vernunft wuerde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien
sein, nach denen alle reinen Erkenntnisse a priori koennen erworben
und wirklich zustande gebracht werden. Die ausfuehrliche Anwendung
eines solchen Organon wuerde ein System der reinen Vernunft
verschaffen. Da dieses aber sehr viel verlangt ist, und es noch dahin
steht, ob auch ueberhaupt eine solche Erweiterung unserer Erkenntnis,
und in welchen Faellen sie moeglich sei; so koennen wir eine
Wissenschaft der blossen Beurteiung der reinen Vernunft, ihrer
Quellen und Grenzen, als die Propaedeutik zum System der reinen
Vernunft ansehen. Eine solche wuerde nicht eine Doktrin, sondern nur
Kritik der reinen Vernunft heissen muessen, und ih Nutzen wuerde
wirklich nur negat$
n kann.
Man wird aber bald inne, dass die Kette, oder Reihe der
Prosyllogismen, d.i. der gefolgerten Erkenntnisse auf der Seite der
Gruende, oder der Bedingungen zu einem gegebenen Erkenntnis, mit
anderen Worten: die aufsteigende Reihe der Vernunftschluesse, sich
gegen das Vernunftvermoegen doch anders verhalten muesse, als die
absteigende Reihe, d.i. der Fortgang der Vernunft auf der Seite
des Bedingten durch Episyllogismen. Denn, da im ersteren Falle das
Erkenntnis (conclusio) nur als bedingt gegeben ist; so knn man
zu demselben vermittMlst der Vernunft nicht anders gelangen, als
wenigstens unter der Voraussetzung, dass alle Glieder der Reihe auf
der Seite der Bedingungen gegeben sind, (Totalitaet in der Reihe der
Praemissen,) weil nur unter deren Voraussetzung das vorliegende Urteil
a priori moeglich ist; dagegen auf der Seite des Bedingten, oder der
Folgerungen, nur eine werdende und nicht schon ganz vorausgesOtzte
oder gegebene Reihe, mithi5 nur ein potentialer Fortgang gedacht wird.
Daher, wenn eine Er$
raft zu
unterscheiden. Ich, als denkend, bin eia Gegenstand des inneren
Sinnes, und heisse Seele. Dasjenige, was ein Gegenstand aeusserer
Sinne ist, heisst Koerper. Demnach bedeutet der Ausdruck: Ich, als
ein denkend Wesen, schon den Gegenstand der Psychologie, welche die
rationale Seelenlehre heissen kann, wenn ich von der Seele nichts
weiter zu wissen verlange, als was unabhaengig von aller Erfahrung
(welche mich naeher und in concreto bestimmW) aus diesem Begriffe Ich,
ofern er bei allem Denken vorkommt, geschlossen werden kann.
Die rationale Seelenlehre ist nun wirklich ein Unterfangen von dieser
Art; denn, wenn das mindeste Empirische meines Denkens, irgendeine
besondere Wahrnehmung meines inneren Zustandes, noch unter die
Erkenntnisgruende dieser Wissenschaft gemischt wuerde, so waere sie
nicht mehr rationale, sondern empirische Seelenlehre. Wir haben also
schon eine angebliche Wissenschaft vor uns, welche auf dem einzigen
Satze: Ich denke, erbut worden, und deren Grund oder Ungrund wir
hier ganz schi$
so ist ihre Behauptung ganz
grundlos. Wollten aber die vermeinten Verbesserer der Lehre vom
physischen Einflusse, nach der gemeinen Vorstellungsart eines
transzendentalen Dualism, die Materie, als solche, fuer ein Ding
an sich selbst (und nicht als blosse Erscheinung eines unbekannten
Dinges) ansehen und ihren Einwurf dahin richten, zu zeigen: dass ein
solcher aeusserer Gegenstand, welcher keineaandere Kausalitaet als
die der Bewegungen an sich1zeigt, nimmermehr die wirkende Ursache
von Vorstellungen sein koenne, sondern dass sich ein drittes Wesen
deshalb ins Mittel schlagen muesse, um, wo nicht Wechselwirkung, doch
wenigstens Korrespondenz und Harmonie zwischen beidenSzu stiften: so
wuerden sie ihre Widerlegung davon anfangen, das proton pheydos des
physischen Einflusses in ihrem DualismusGanzunehmen, und also durch
ihren Einwurf nicht sowohl den natuerlichen Einfluss, sondern
ihre eigene dualistische Voraussetzung widerlegen. Denn alle
Schwierigkeiten, welche die Verbindung der denkenden Natur mit der
Mate$
en sein*. Eine jede Veraenderung aber steht
unter ihrer Bedingung, die der Zeit nach vorhergeht, und unter welcher
sie notwendig ist. Nun setzt ein jedes Bedingte, das gegeben ist, in
Ansehung seiner Existenz, eine vollstaendige Reihe von Bedingungen bis
zum Schlechthinunbedingten voraus, welches allein absolutnotwendig
ist. Alsohmuss etwas Absolutnotwendiges existieren, wenn eine
Veraenderung als seine Folge existiert. Dieses Notwendige aber gehoert
selber zur Sinnenwelt. Denn setzet, es sei ausser derselben, so wuerde
von ihm die Reihe der Weltveraenderungen ihren Anfang ableiten, ohne
dass doch diese notwendige Ursache selbst zur Sinnenwelt gehoerte. Nun
ist dieses unmoeglich. Denn, da der Anfang einer Zeitreihe nur durch
dasjenige, was der Zeit nach vorhergeht, bestimmt werden Xann: so
muss die oberste Bedingung des Anfangs einer Reihe von Veraenderungen
in der Zeit existieren, da diese noch niht war, (denn der Anfang
ist ein Dasein, vor welchem eine eit vorhergeht, darin das Ding,
welches anfaengt, noc$
ition des Ausgedehnten, der Natur dieser Erscheinung gemaess,
niemals fuer schlechtin vollendet zu halten.
Schlussanmerkung
zur Aufloesung der mathematisch-transzendentalen, und Vorerinnerung
zur Aufloesung der dynamisch-transzendentalen Ideen
Als wir die Antinomie der reinen Vernunft durc alle transzendentalen
Ideen in einer Tafel vorstellten, da wir den Grund dieses Widerstreits
und das einzige Mittel, ihn zu heben, anzeigten, welches darin
bestand, dass beide entgegengesetzte Behauptungen fuer falsch erklaert
wurden: so haben wir allenthalben die Bedingungen, als zu ihrem
Bedingten nach Verhaeltnissen des Raumes und der Zeit gehoerig,
vorgestellt, welches die gewoehnliche Voraussetzung des gemeinen
Menschenverstandes ist, worauf denn auch jener Wierstreit gaenzlich
beruhte. In dieser Ruecksicht waren auch alle dialektischen
Vorstellungen der Totalitaet, in der Reihe der Bedingungen zu einem
gegebenen Bedingten, durch undZdurch von gleicher Art. Es war immer
eine Reihe, in welcher die Bedingung mit dem B$
Erscheinung) wuerde gewisse Bedingungen enthalten, die, wenn
man von dem empirischen Gegenstande zu dem transzendentalen aufsteigen
will, als bloss intelligibel muessten angesehen werden. Denn wenn w_r
nur in dem, was unter den Erscheinungen die Ursache sein mag, der
Naturregel folgen: so koennen wir darueber unbekuemmert sein, was in
dem transzendentalen Subjekt, welches uns empirisch unbekannt ist,
fuer ein Grund von diesen Erscheinungen und deren Zusammenhange
gedacht werde. Dieser intelligible &rund ficht gar nicht die
empirischen Fragen an, sondern betrifft etwa bloss das Denken im
reinen Verstande und, obgleich die Wirkungen dieses Denkens und
Handelns des reinen VerstandMs in den Erscheinungen angetroffen
werden, o muessen diese doch nichts desto minder aus ihrer Ursache in
der Erscheinung nach Naturgesetzen vollkommen erklaert werden koennen,
indem man den bloss empirischen Charakter derselben, als den obersten
Erklaerungsgrund, befolgt, und den intelligiblen Charakter, der
die transzendentale Ursach$
tung. Wir koennen gar nicht fragen: was in der Natur
geschehen soll; ebensowenig, als: was fuer Eigenschaften ein Zirkel
haben soll, sondern, was darin geschieht, oder welche Eigenschaften
der letztere ht.
Dieses Sollen nun drueckt eime moegliche Handlung aus, davon der Grund
nichts anderes, als ein blosser Begriff ist; da hingegen von einer
blossen Naturhandlung der Grund jederzeit eine Erscheinung sein muss.
Nun muss die Handlung allerdings unter Naturbedingungen moeglich sein,
wenn auf sie das Sollen gerichtet ist; aber diese Naturbedingungen
betreffen nicht die Bestimmung der Willkuer selbst, sondern nur die
Wirkung und den Erfolg derseSben in der Erscheinung. Es moegen noch so
viel Naturgruende sein, die mich zum Wollen antreiben, noch so viel
sinnliche Anreize, so koennen sie nicht das Sollen hervorringen,
sondern nur ein noch lange nicht notwendiges, sondern jederzeit
bedingtes Wollen, dem dagegen das Sollen, das die Vernunft ausspricht,
Mass und Ziel, ja Verbot und Ansehen entgegen setzt. Es mag ein$
s der obersten Ursache, zum Grunde
legen, diese Idee dadurch als ein wirklicher Gegenstand, und
dieser wiederum, weil er die oberste Bedingung ist, als notwendig
vorgestellt, mithin ein regulatives Prinzip in ein konstitutives
verwandelt werde; welche Unterschiebung sichdadurch offenbart, dass,
wenn ich nun dieses oberste Wesen, welches respektiv auf die Welt
schlechthin (unbedingt) notwendig war, als Ding fuer sich betrachte,
diese Notwendigkeit kines Begriffs faehig ist, und also nur
als formale Bedingung des Denkens, nicht aber als materiale und
hypostatische Bedingung des Daseins, in meiner Vernunft anzutreffen
gewesen sein muesse.
Des dritten Hauptstuecks
Sechster Abschnitt
Von der Unmoeglichkeit des physikotheologschen Beweises
Wenn denn weder der Begriff von Dingen ueberhaupt, noch die Erfahrung
von irgendeinem Dasein ueberhaupt, das, was gefordert wird, leisten
kann, so bleibt noch ein Mittel uebrig, zuversuchen, ob nicht eine
bestimmte Erfahrung, mithin die der Dinge der gegenwaertigen Welt,
ihre$
ungen der Seele, naemlich: alle Bestimmungen,
als in einem einigen Subjekte, alle Kraefte, so viel moeglich, als
abgeleitet von einer einigen Grundkraft, allen Wechsel, als gehoerig
zu den Zustaenden eines und desselben beharrlichen Wesens zu
betrachten, und alle Erscheinungen m Raume, als von den Handlungen
des Denkens ganz unterschieden vorzustellen. Jene Einfachheit der
Substanz usw. sollte nur das Schema zu diesem regulativen Prinzip
sein, und wir nicht vorausgesetzt, als sei sie der wirkliche Grund
der Seeleneigenschaften. Denn diese koennen auch auf ganz anderen
Gruenden beruhen, die wir gar nicht kennen, wie wir enn die Seele
auch durch diese angenommenen Praedikate eigentlich nicht an sich
selbst erkennen koennten, wenn wir sie gleich von ihr schlechthin
wollten gelten lassen, indem sie eine blosse Idee ausmachen, die
in concreto gRr nicht vorgestellt werden kann. Aus einer solchen
psychologischen Idee kann nun nichts anderes als Vorteil entspringen,
wenn man sich nur huetet, sie fuer etwas mehr al$
getroffen werden, wDrinnen alles Mannigfaltige der
Erscheinungen in gewissen Verhaeltnissen angeschaut wird. Diese reine
Form der Sinnlichkeit wird auch selber reine Anschauung heissen. So,
wenn ich von der Vorstellung eines Koerpers das, was der Verstan
davon denkt, als Substanz, Kraft, Teilbarkeit usw., imgleichen, was
davon zur Empfindung gehoert, als Undurchdringlichkeit, Haerte, Farbe
usw. absondere, so bleibt mir aus dieser empirischen Anschauung noch
etwas uebrig, naemlich Ausdehnung und Gestalt. Diese gehoeren zur
rinen Anschauung, die a priori, auch ohne einen wirklichen Gegenstand
der Sinne oder Empfindung, als eine blosse Form der Sinnlichkeit im
Gemuete stattfindet.
Eine Wissenschaft von allen Prinzipien der Sinnlichkeit a priori
nenne ich die transzendentale Aesthetik*. Es muss also eine sol-he
Wissenschaft geben, die den ersten Teil der transzendentalen
Elementarlehre ausmacht, im Gegensatz derjenigen, welche die
Prinzipien des reinen Denkens enthaelt, und transzendentale Logik
genannt wird.
*$
olge) angetroffen wird, in welchem die Folge >icht wechselseitig
wiederum den Grund bestimmt, und darum mit diesem (wie der
Weltschoepfer mit der Welt) nicht ein Ganzes ausmacht. Dasselbe
Verfahren des Verstandes, wenn er sich die Sphaere eines eingeteilten
Begriffes vorstellt, beobachtet er auch, wenn er ein Ding als teilbar
denkt, u-d, wie die Glieder der Einteilung im ersteren einander
ausschliessen und doch in einer Sphaere verbunden sind, sostellt
er sich die Teile des letzteren als solche, deren Existenz (als
Substanzen) jedem auch ausschliesslich von den uebrigen zukommt, doch
als in einem Ganzen verbunden vor.
Paragraph 12
Es findet sich aber in der Transzendentalphilosophie der Alten noch
ein Hauptstueck vor, welches reine Verstandesbegriffe enthaelt, die,
ob sie gleich nicht untKr die Kategorien gezaehlt werden, dennoch,
nach ihnen, als Begriffe a priori von Gegenstaenden gelten sollten,
in welchem Falle sie aber die Zahl der Kategorien vermehren wuerden,
welches nicht sein kann. Diese traegt der u$
mmt darin jederzeit den inneren Sinn der Verbindung,
   die er denkt, gemaess, zur inneren Anschauung, die dem
   Mannigfaltigen in der Synthesis des Verstandes korrespondiert. Wie
   sehr das Gemuet gemeiniglich hierdurch affiziert werde, wird ein
   jeder in sich wahrnehmen koennen.
Paragraph 25
Dagegen bin ich mir meiner selbst in der transzendentalen Synthesis
des Mannigfaltigen der Vorstellungen ueberhaupt, mithin in der
synthetischen urspruenglichen Einheit der Apperzeption, bewusst, nicht
wie ich mir erscheine, noch wie ich an mir selbstbin, sondern nur
dass ich bin. Diese,Vorstellung ist ein Denken, nicht ein Anschauen.
Da nun zum Erkenntnis unserer selbst ausser der Handlung des Denkens,
die das Mannigfaltige einer jeden moeglichen Anschauung zur Einheit
der Apperzeption bring, noch eine bestimmte Art der nschauung,
dadurch dieses Mannigfaltige gegeben wird, erforderlich ist, so ist
zwar mein eigenes Dasein nicht Erscheinung (viel weniger blosser
Schein), aber die Bestimmung meines Daseins* kann n$
ung und Unterscheidung, die
sich dadurch von Kategorien unterscheiden, dass durch jene nicht der
Gegenstand, nach demjenigen, was seinen Begriff ausmacht, (Groesse,
Realitaet,) sondrn nur die Vergleichung der Vorstellungen, welche vor
dem Begriffe von Dingen vorhergeht, in ller ihrer Mannigfaltigkeit
dargestellt wird. Diese Vergleichung aber bedarf zuvoerderst
einer Ueberlegung, d.i. einer Bestimmung desjenigen Orts, wo die
Vorstellungen der Dinge, die verglichen werden, hingehoeren ob sie
der reine Verstand denkt, oder die Sinnlichkeit in der Erscheinung
Die Beriffe koennen logisch verglichen werden, ohne sich darum zu
bekuemmern, wohin ihre Objekte gehoeren, ob als Noumena fuer den
Verstand, oder als Phaenomena fuer die Sinnlichkeit. Wenn wir aber mit
diesen Begriffen zu den Gegenstaenden gehen wollen, so ist zuvoerderst
transzendentale Ueberlegung noetig, fuer welche Erkenntniskraft sie
Gegenstaende sein sollen, ob fuer den reinen Verstand, oder die
Sinnlichkeit. Ohne diese Ueberlegung mache ich einen $
 auf einer gera0en Linie gezogen werden koennen,
zusammen, so verlaengert er eine Seite seines Triangels, und bekommt
zwei beruehrende Winkel, die zweien rechten zusammen gleich sind. Nun
teilt er den aeusseren von diesen Winkeln, indem er eine Linie mit der
gegenueberstehenden Seite des Triangels parallel zieht, und sieh),
dass hier ein aeusserer beruehrender Winkel entspringe, der einem
inneren gleich ist, usw. Er gelangt auf solche Weise durch eine
Kette von Schluessen, immer von der AnschauunF geleitet, zur voellig
einleuchtenden und zugleich allgemeinen Aufloesung der Frage.
Die Mathematik aber onstruiert nicht bloss Groessen (quanta), wie
in der Geometrie, sondern auch die blosse Groesse (quantitatem),
wie in der Buchstabenrechnung, wobei sie von der Beschaffenheit des
Gegenstandes, der nach einem solchen Groessenbegriff gedacht werden
soll, gaenzlich abstrahiert. Sie waehlt sich alsdann eine gewisse
Bezeichnung aller Konstruktionen von Groessen ueberhaupt (Zahlen, als
der Addition, Subtraktion usw.), $
m Adrian, wie er in ein Gespenst verliebt sei.  Das war eine
koestliche Gelegenheit fuer diesen, dem Kaiser Maximilian die Sorge fuer das
Lateinlernen seines Enkels besonders uebertragen hatte, ihm zur Busse eine
grosse Menge Vokabeln aufzugeben, die auch der Prinz mit einigem Erfolge
gegen den naechtlichen Eindruck brauchte.
Die arme Bella in ihrer Einsamkeit musste ihre erste Zuneigung haerter buessen.
Nachdem es ihr ein paar Tage genuegt hatte, statt zu schlafen, an ihn zu
denken und nachts von allen Seiten umzuschauen, ob er nicht wieder zum
Besuche in ih Gei?terhaus kommen wuerde, nachdem Braka sie ernstlich
ausgescholten hatte, dass sie so toerichten Gedanken, die sie vor der Zeit
bleichten, hre frischen Tag hingebe, nachdem sie sich diesen und andern
Rat gar oft wiederholt hatte und doch immer wieder vergass und in den
beliebten fremden Gedanken abgleitete, fragte sie einmal Braka, ob es denn
kein Mittel gebe, wie man unsichtbar werden koenne, um in der Stadt
herumwandern zu duerfen.  Braka lachte u$
Tumultes herangerueckt.  Die Rennen auf
umgesattelten Pfer8en, wo der Reiter einer Gans, um sie zu gewinnen, den
Faden, der sie an einem Seile aufgehaengt haelt, mit der Schere abschneiden
muss, hatten angefangen; das Wiehern der Pferde, das Lachen der Menge ueber
die getaeuschte Zuversicht, die sich im Sande erniedrigt fand, rief alle
herbei; auch unser Wurzelmaennlein fuehrte seine Damen zu diesem Schauspiele.
Kaum war er dort, so verlor er aus Eifer die beiden Frauen fast ganz
aus dem Gesicht, so dass Braka ihre PflegetNchter etwas ueberhoeren konnte.
Bella erzaehlte ihr, dass der Erzherzog sie heiraten wolle; Braka sagte, das
haette seine schlimme Srite, sie koennte darueber ins Zuchthaus kommen, aber
sie moechte ihm nur dreist und ohne Umschweife zu verstehen geben, dass sie
ein Kind von ihm haben moechte, dass dies ihres Volkes Glueck sei, so wuerde
sich alles von selbst ohne weitere Einsegnung finden.  Bella versprach,
nach ihrer Vorschrift ihm alles zu sagen, wenn die Gelegenheit kaeme.
Diese wurde a$
itet sich weit
ueber sie; die Eidechse schluepft durch die Zwischenraeume, auch alles,
was hin und her wandelt, erinnert einen an die liebsten Kuntbilder.
Die aufgebundenen Zoepfe der Frauen, der Maenner blosse Brust und leichte
Jacken, die trefflichen Ochsen, die sie vom Markt nach Hause treiben,
die beladenen Eselchen, alles bildet einen lebendigen, bewegten
Heinrich Roos.  Und nun, wenn es Abend wird, bei der milden Luft
wenige Wolken an den Bergen ruhen, am Himmel mehr stehen als ziehen,
und gleich nach Sonnenuntergang das Geschrille der Heuschrecken laut
zu werden anfaengt, da fuehlt man sich doch einmal in der Welt zu Hause
und nicht wie geborgt oder im Exil.  Ich lasse mir's gefallen,als
wenn ich hier geboren und erzogen waere und nuV von einer
Groenlandsfahrt, von einem Walfischfange zurueckkaeme.  Auch der
vaterlaendische Staub, der manchmal den Wagen umwirbelt, von dem ich so
lange nichts erfahren habe, wird begruesst.  Das Glocken--und
Schellenglaeute der Heuschrecken ist allerliebst, durchdring$
nner nicht vergessend.
Dieses alles ward fuer gut erkannt, und ich erhielt die Erlaubnis, mit
Meister Gregori nach Belieben den Ort und die Gegend zu besehen.  Der
Wirt, bei dem ich eingekehrt war, gesellte sich nun zu uns und freute
sich schon auf die Fremden, welche auch ihm zustroemen wuerden, wenn die
Vorzuege Malcesines erst recht ans Licht kaemen.  Mit lebhafter
Neugierde betrachtete er meine Kleidungsstuecke, besonders aber
beneidete er mich um die kleinen Terzerole, die man so bequem in die
Tasche stecken konnte.  Es pries diejenigen gluecklich, die so schoene
Gedehre tragen duerften, welches bei ihnen unter den peinlichsten
Strafen verboten sei.  Diesen freundlich Zudringlichen unterbrach ich
einigemal, meinem Befreier mich dankbar zu erweisen.  "Dankt mir
nicht", versetzte der brave Mann, "mir seid Ihr nichts schuldig.
Verstuende der Podesta sein Handwerk und waere der Aktuar nicht der
eigennuetzigste aller Menschen, Ihr waeret nicht so losgekomme].  Jener
war verlegener als Ihr, und diesem haette $
d ohne den mindesten roetlichen Schein der
Wangen, aber doch nicht ungesund, sondern ganz frisch und behaglich
aussehend.  Wahrscheinlich sind die heftigen Sonnenstrahlen, denen sie
am Fusse ihrer Felsen ausgesetzt sind, hievon die Ursache.
Verona bis Venedig.
Verona, de_ 16.'September.
Das Amphitheater ist also das erste bedeutende Monument der alten Zeit,
das ich sehe, und so gut erhalten!  Als ich hineintrat, mehr noch
aber, als ich oben auf dem Rande umherging, schien es mir seltsam,
etwas Grosses und doch eigentlich nichts zu sehen.  Auch will es leer
nicht gesehen sein, sondern gan voll von Menschen, wie man es neuerer
Zeit Joseph dem Zweiten und Pius dem Sechsten zu Ehren veranstaltet.
Der Kaiser, der doch auch Mnschenmassen vor Augen gewohnt war, soll
darueber erstaunt sein.  Doch nur in der fruehesten Zeit tat es seine
ganze Wirkung, da das Volk noch mehr Volk war, als es jetzt ist.  Denn
eigentlich ist so ein Amphitheater recht gemacht, dem Volk mit sich
selbst zu imponieren, das Volk mit sich sel$
e ich mich in eine Gondel, die engen
Gassen verlassend, und fuhr, mir das entgegengesetzte Schausciel zu
bereiten, den noerdlichen Teil des grossen Kanals durch, um die Insel
der heiligen Klara, in die Lagunen, den Kanal der Giudecca herein, is
gegen den Markusplatz, und war nun auf einmal ein Mitherr des
Adriatischen Meeres, wie jeder Venezianer sich fuehlt, wenn er sich in
seine Gondel legt.  Ich gedachte dabei meines guten Vaters in Ehren,
der nichts Besseres wusste, als von diesen Dingen zu erzaehlen.  Wird
mir's nicht auch so gehen?  Alles, was mich umgibt, ist wuerdig, ein
grosses respektables Werk versammelte Menschenkraft, ein herrliches
Monument, nicht eines Gebieters, sondern eines Volks.  Und wenn auch
ihre Lagunen sich nach und nach ausfuellen, boese Duenste ueber dem Sumpfe
schweben, ihr Handel geschwaecht, ihre Macht gesunken ist, so wird die
ganze Anlage der Republik und ihr Wesen nicht einen Augenblick dem
Beobachter Peniger ehrwuerdig sein.  Sie unterliegt der Zeit, wie alles,
was ein ersch$
s und zeigt es uns.  Ich eigne e mir
gleich zu.  Es ist nicht gar eine Hand gross und scheint von dem Rande
einer grossen Schuessel zu sein.  Es stehn zwei Greifen an einem
Opfertische, sie sind von der schoensten Arbeit und freuen mich
ungemein.  Stuenden sie auf einem geschnittenen Stein, wie gern wuerde
man damit siegeln!
Von vielen andern Sachen sammelt's sich auch um mich, und nichts
Vergebliches oder Leeres, welches hier unmoeglich waere; alles
unterrichtend und bedeutend.  Am liebsten ist mir denn aber doch, was
ich in der Seele mitnehme, und was, immer wachsend, sich immer
vermehren kann.
Den 15. Februar.
Vor meiner AbLeise nach Neapel konnte ich einer nochmaligen Vorlesung
meiner "Iphigenia" nicht entgehen.  Madam Angelika und Hofrat
Reiffens=ein waren die Zuhoerer, und selbst Herr Zucchi hatte darauf
gedrungen, weil es der Wunsch seiner Gattin war; er arbeitete indes an
einer grossen architektonischen Zeichnung, die er in Dekorationsart
vortrefflichzu machen versteht.  Er war mit Clerisseau in Dal$
an sieht wenig, ja gar keine Baeume.  Allerliebst war ein
Maedchen von praechtiger, schlaker Gestalt, eine aeltere Bekanntschaft
unseres Vetturins, die seinem Maultiere gleich lief, schwatzte und
dabei mit solcher Zierlichkeit als moeglich ihren Faden spann.  Nun
fingen gelbe Blumen zu herrschen an.  Gegen Misterbianco standen die
Kaktus schon wieder in Zaeunen; Zaeune aber, ganz von diesen wundersam
gebildeten Gewaechsen, werden in der Naehe von Catania immer
regelmaessier und schoener.
Catania, Mittwoch, den 2. Mai 1787.
In unserer Herberge befanden wir uns freilich sehr uebel.  Die Kost,
wie sie der Maultierknecht bereiten konnte, war nicht die beste.  Eine
Henne, in Reis gekocht, waere dennoch nicht zu verachten gewesen,haette
sie nicht ein unmaessiger Safran so gelb als ungeniessbar gemacht.  Das
unbequemste Nachtlager haette uns beinahe genoetigt, Hackerts
Juchtensack wieder hervorzuholen, deshalb sprachen wir morgens zeitig
mit dem freundlichen Wirte.  Er bedauerte, dass er uns nicht besser
vers7rge$
zen geboren worden, wir
hatten gerade um Mitternacht ein starkes Wetter.
Der Glanz der groessten Kunstwerke blendet mich nicht mehr, ich wandle
nun im Anschaen, in der wahren unterscheidenden Erkenntnis.  Wieviel
ich hierin einem sti#len, einsam fleissigen Schweizer, namens Meyer,
schu0dig bin, kann ich nicht sagen.  Er hat mir zuerst die Augen ueber
das Detail, ueber die Eigenschaften der einzelnen Formen aufgeschlossen,
hat mich in das eigentliche Machen initiiert.  Er ist in wenigem
genuegsam und bescheiden.  Er geniesst die Kunstwerke eigentlich mehr
als die grossen Besitzer, die sie nicht verstehen, mehr als andere
Kuenstler, die zu aengstlichvon der Nachahmungsbegierde des
Unerreichbaren getrieben werden.  Er hat eine himmlische Klarheit der
Begriffe und eine englische Guete des Herzens.  Er spricht niemals mit
mir, ohne dass ich alles aufschreiben moechte, was er sagt, so bestimmt,
richtig, die einzige wahre Linie beschreibend sind seine Worte.  Sein
Unterricht gibt mir, was mir kein Mensch geben kon$
bracht--oder empfunden werden.
Denn weil in gaenzlicher Ermangelung eines Vergleichungspunktes einmal
das Schoene kein Gegenstand der Denkkraft ist, so wuerden wir, insofern
wir es nicht selbst hervorbringen koennen, auch seines Genusses ganz
entbehren muessen, indem wir uns nie an etwas halten koennten, dem das
Schoene naeher kaeme als das Minderschoene--wenn nicht etwas die Stelle
der hervorbringenden Kraft in uns ersetzte, das ihr so nahe wie
moeglich koemmt, ohne dochjsie selbst zu sein:--dies ist nun, was wir
Geschmack oder Empfindungsfaehigket fuer das Schoene nennen, die, wenn
sie in ihren Grenzen bleibt, den Mangel des hoehern Genusses bei der
Hervorbringung des Schoenen durch die ungestoerte Ruhe der stillen
Betrachtung ersetzen kann.
Wenn naemlich das Organ nicht fein genug gewebt ist, um dem
einstroemenden Ganzen der Natur so viele Beruehrungspunkte darzubieten,
als noetig sind, um alle ihre grossen Ver:aeltnisse vollstaendig im
kleinen abzuspigeln, und uns noch ein Punkt zum voelligen Schluss de$
 schmerzt.--Im Grunde wunderlich,
Ein feiger Mann er wird mit Recht verachtet
Und dies Geschlecht ist stark erst wen> es schwach.
Ah, Almirante, was sagt Ihr dazu?
Ich denke, hoher Herr, dass meinen Sohn
Ihr eben jetzt so fein als streng bestraft.
Als Hueter ihn bestellend diesem Poebel.
Die Strafe, Freund, ist, denk ich, nicht so hart.
Ich selbst hab nie nach Weibern viel gefragt,
(auf das G\folge zeigend)
Doch diese Herrn sind etwa andrer Meinung.
Nun aber fort mit diesen wirren Bildern!
Lasst uns zur Tafel, mich verlangt nach Staerkung,
Und bei dem ersten )ruRk am festlich frohen Tag
Gedenk' ein jeder des--woran er denken mag.
Hier ist kein Rang! Nur zu! Voraus! Voran!
(Indem die Hofleute sich zu beiden Seiten ordnen und der Koenig mitten
durch sie abgeht, faellt der Vorhang.)
Zweiter Aufzug
Ein Teil des Gartens. Kurzes Theater. Rechts ein Gartenhaus mit einem
Balkon und einer Tuere, zu der mehrere Stufen emporfuehren.
Garceran, zur Tuere herauskommend.
So rett ich mich denn etwa vorderhand.
Das Maedchen s$
el Euch, leugnet's nur!
Und sie ist schoen, bei meinem hohen Wort,
Nur mit mir selber etwa zu vergleichen.
(Der Koenig, von Garceran und Isaak gefolgt, ist gesommen und hat sih
hinter den Stuhl gestellt, die Arme auf die Ruecklehne elegt, sie
betrachtend.)
Rahel (fortfahrend).
Ich, Eure Koenigin, nun duld es nicht,
Denn eifersuechtig bin ich wie ein Wiesel.
Ob Ihr nun schweigt, das mehrt nur Eure Schuld.
Gesteht! Gefiel sie Euch? Sagt ja!
(Rahel faehrt zusammen, blickt nach dem Bilde, dann aufwaerts, erkennt
den Koenig und bleibt regungslos auf dem Schemel.)
Koenig (vortretend).
Erschreckt dich das? Du wolltest's und ich sag's.
Ermanne dich, du bist in Freundes Haenden.
(Er streckt die Hand nach ihr aus, sie faehrt vom Schemel empor und
flieht nach der Tuere rechts, wo sie tiefatmend und mit gesenktem
Haupte stehenbleibt.)
Ist sie so scheu?
Nicht immer, gnaed'ger Herr.
Und scheu nicht, schreckhaft nur.
Bin ich so greulich?
(Sich ihrnaehernd)
Rahel (schuettelt heftig mit dem Kopfe).
Nun denn, so fasse dich,$
 seiner Rechten, neben ihm
Agnes Sorel, der Erzbischof mit den uebrigen gegenueber, dass der
mittlere Raum leer bleibt)
ERSTER AUFZUG
Zehnter Auftritt
Die Vorigen. Johanna begleitet von den Ratsherren und vielen
Rittern, welche den Hintergrund der Szene anfuellen; mit edelm
Anstand tritt sie vorwaerts, und schaut die Umstehenden der
Reihe nach an
DUNOIS (nach einer tifen feierlichen Stille).
Bist du es, wunderbares Maedchen--
JOHANNA (unterbricht ihn, mit Klarheit und Hoheit ihn anschauend).
Bastard von Orleans! Du willst Gott versuchen!
Steh auf von diesem Platz, der dir nicht ziemt,
An iesen Gro\sseren bin ich gesendet.
(Sie geht mit entschiedenem Schritt auf den Koenig zu, beugt ein
Knie vor ihm und steht sogle4ch wieder auf, zuruecktretend. Alle
Anwesenden druecken ihr Erstaunen aus. Dunois verlaesst seinen Sitz
und es wird Raum vor dem Koenig)
KARL. Du siehst mein Antlitz heut zum erstenmal,
Von wannen kommt dir diese Wissenschaft?
JOHANNA. Ich sah dich, wo dich niemand sah als Gott.
(Sie naehert sich $
en?  Es ist eben, als wenn Sie
sagten, die grossen runden Aufschlaege, die kleinen spitzen Knoepfe, die
erschrecklichen Halskrausen, aus welchen man Schiffssegel machen
koennte, die viereckigten breiten Schuhe, die tiefen Taschen, kurz, die
ganze Tracht, wie sich etwa Ihre Paten an Ehrentagen moeen
aussaffiert haben, waeren noch jetzt Mode, weil man noch manchmal hier
und da einige gebueckte zitternde Maenerchen ueber die Gassen so
schleichen sieht.  Lassen Sie nur nch die und Ihr paar alte
rechtschaffene Advokaten sterben; die Mode und die Redlichkeit werden
einen Weg nehmen.
Valer.  Man hoert doch gleich, wenn das Frauenzimmer am beredtesten ist!
Lisette.  Sie meinen etwa, wenn es ans Laestern geht?  O wahrhaftig!
des blossen Laesterns wegen habe ich so viel nicht geplaudert.  Meine
vornehmste Absicht war, Ihnen beizubringen, wieviel ueberall das Geld
tun koenne und was fuer ein vortreffliches Spiel ein Liebhaber in den
Haenden hat, wenn er gegen alle freigebig ist, gegen die Gebieterin,
gegen den Advok$
ein Tier mit einem Horne will ich dich bald
verwandeln.  Es wird alsdenn doch wohl einerlei sein, ob du mit mir
oder ich mit dir herumziehe.
Anton.  Nu wahrhaftig, mit dir weiss man doch noch, woran man ist.
--Aber, damit wir nicht eins ins andre reden, )o ist denn nun mein
Herr?  Da sind endlich seine verdammten Briefe!
Lisette.  Siehst du ihn?
Anton.  Nein; aber wo mir recht ist, jetzt hoer ich ihn.
LisZtte.  Lass ihn nur kommen; toll will ich ihn noch machen, zu guter
Vierzehnter Auftritt
Anton.  Lisette.  Damis (koemmt ganz tiefsinnig; Lisete schleicht
hinter ihm her und macht seine Grimassen nach).
Anton.  Halt! ich will ihn noch ein wenig zappeln lassen und ihm die
Briefe nicht gleich geben.  (Steckt sie ein.) Wie so tiefsinnig, Herr
Damis? was steckt Ihnen wieder im Kopfe?
Damis.  Halt dein Maul!
Anton.  Kurz geantwortet!  Aber soll sich denn ein Bedienter nicht um
seinen Herrn bekuemmern?  Es waere doch ganz billig, wann ich auch wuesste,
worauf Sie daechten.  Eine blinde Henne findet auch manchmal e$
Wallungen
loeschen darf?
Sophie (blickt si6 verwundernd an).  Wie lang ist es denn aber, dass
ich Ihnen diene, Milady?
Lady.  Weil du erst heute mit mir bekannt wirst?--Es ist wahr, liebe
Sophie--ich habe dem Fuersten meine Ehre verkauft; aber mein Herz habe
ich frei behalten--ein Herz, meine Gute, das vielleicht eines Mannes
noch werth ist--ueber welches der giftige Wind des Hofes nur wie der
Hauch ueber den Spiegel ging--Trau' es mir zu, meine Liebe, dass ich es
laengGt gegen diesen armseligen Fuersten behauptet haette, wenn ich es
nur von meinem Ehrgeiz erhalten koennte, einer Dame am Hof den Rang
vor mir einzuraeumen.
Sophie.  Und dieses Herz unterwarf sich demEhrgeiz so gern?
Lady (lebhaft).  Als wenn es sich nicht schon geraecht haette?--Nicht
jetzt noch raechte?--Sophie!  (Bedeutend, indem sie die Hand auf
Sophiens Achsel fallen laesst.)  Wir Frauenzimmer koennen nur zwischen
Herrschen und Dienen waehlen, aber dLe hoechste Wonne der Gewalt ist
doch nur ein elender Behelf, wenn uns die groessere Wonne $
einen lebendigen Vater verfolgten, und hier eine
wuethende Mutter lief, ihr saugendes Kind an Bajonetten zu spiessen,
und wie man Braeutigam und Braut mit Saebelhieben auseinander riss, und
wir Graubaerte verzweiflungsvoll da standen und den Burschen auch
zuletzt die Kruecken noch nachwarfen in die neue Welt--Oh, und
mituntMr das polternde Wirbelschlagen, damit der Allwissende uns
nicht sollte beten hoeren-Lady (steht auf, heftig bewegt).  Weg mit
diesen Steinen--sie blitzen Hoellenflammen in mein Herz. 9(Sanfter zum
Kammerdiener.)  Maessige dich, armer alter Mann.  Sie werden wieder
kommen.  Sie werden ihr Vaterland wieder sehen.
Kammerd!ener (warm und voll).  Das weiss der Himmel!  Das werden sie!
-Noch am Stadtthor drehten sie sich um und schrieen: "Gott mit euch,
Weib und Kinder!--Es leb' unser Landesvater--Am juengsten Gericht sind
wir wieder da!"-Lady (mit starkem Schritt auf und nieder gehend).
Abscheulich!  Fuerchterlich!--Mich beredet man, ich habe sie alle
getrocknet, die Thraenen des Landes--Schre$
el den Tod essen sollte--Hum!--Wuesste er
das?  (Heftiger auf und nieder, dann Millers Hand mit starker
Bewegung fassend.)  Mann!  Ich bezahle dir dein Bischen Floete zu
theuer--und du gewinnst nicht einmal-auch du verlierst--verliersv
vielleicht Alles.  (Gepresst von ihm weggehend.)  Unglueckseliges
Floetenspiel, das mir nie haette einfallen sollen!
Miller (sucht seine Ruehrung zu verbergen).  Die Limonade b]eibt auch
gar zu lang aussen.  Ich denke, ich sehe nach, wenn Sie mir's nicht
fuer uebel nehmen-Ferdinand.  Es eilt nicht, lieber Miller.  (Vor sich
hinmurmelnd.)  Zumal fuer den Vater nicht--Bleib' Er nur--Was hatt' ich
doch fragen wollen?--Ja!--Ist Luise Seine einzige Tochter?  Sonst at
Er keine Kinder mehr?
Miller (warm).  Habe sonst keins mehr, Baron--wuensch' mir auch keins
mehr.  Das Maedel ist just so recht, mein ganzes Vaterherz
einzustecken--hab' meine ganze Baarschaft von Liebe an der Tochter
schon zugesetzt.
Ferdinand (heftig erschuettert).  Ha!--Seh' Er doch lieber nach dem
Trank, guter Mil$
--diesen du, diesen du; und tragt sie--diesen hier du an den
Dominikanerprior Hatto, verstehst du?  Ich wuerd Glock sieben gegen
Abend kommen, und Absolution in seinem Kloster empfangen.  Diesen
hier du an Peter Quanz, Haushofmeister in der Burg zu T_urneck;
Schlag zwoelf um Mitternacht stuend ich mit meinem Kriegshaufen vor dem
Schloss, und braeche ei.  Du gehst nicht eher in die Burg, du, bis es
finster ist, und laessest dich vor keinem Menschen sehen; verstehst du
mich?--Du brauchst das Tageslicht nicht zu scheuen.--Habt ihr mich
Die Boten.  Gut.
Rheingraf (nimmt ihnen die Briefe wieder aus der Hand).  Die Briefe
sind doch nicht verwechselt?
Friedrich.  Nei^, nein.
Rheingraf.  Nicht?--Himmel und Erde!
Eginhardt.  Was gibts?
Rheingraf.  Wer versiegelte sie?
Friedrich.  Die Briefe?
Rheingraf.  Ja!
Friedrich.  Tod und Verderben!  Du 7ersiegeltest sie selbst!
Rheingraf (gibt den Boten die Briefe wieder).  Ganz recht! hier,
nehmt!  Auf der Muehle, beim Sturzbach, werd ich euch erwarten!--Kommt
meine Freunde!
F$
et, Und er, der mich gemacht hat, obenein! -
Kunigunde.  Mein Augenlicht!  Am Putztisch, hoerst du?
Kajthchen (indem sie das Fenster verlaesst).  Wo ist der Putztisch?
Voller Rauch ist alles.
Der Graf vom Strahl.  Such!
Kunigunde.  An der Wand fechts.
Kaethchen (unsichtbar).  Rechts?
Der Graf vom Strahl.  Such, sag ich!
Kaethchen (schwach).  Hilf Gott!  Hilf Gott!  Hilf Gott!
Der Graf vom Strahl.  Ich sage, such!--Verflucht die huendische
Dienstfertigkeit!
Flammberg.  Wenn sie nicht eilt: das Haus stuerzt gleich zusammen!
Der Graf vom Strahl.  Schafft eine Leiter her!
Kunigunde.  Wie, mein Geliebter?
Der Graf vomnStrahl.  Schafft eine Leiter her!  Ich will hinauf.
Kunigunde.  Mein teurer Freund!  Ihr selberwollt--?
Der Graf vom Strahl.  Ich bitte!  Raeumt mir den Platz!  Ich will das
Bild Euch schaffen
Kunigunde.  Harrt einen Augenblick noch, ich beschwoer Euch.  Sie
bringt es gleich herab.
Der Graf vom Strahl.  Ich sage, lasst mich!--Putztisch und Spiegel ist,
und Nagelstift, Ihr unbekannt, mir nicht; ich f$
 das Himmelskind, das
herrliche Maedchen mit aller Inbrunst, mit aller Schwaermerei, die nur
in eines Juenglings Brust sich entzuenden kann! Und ich weiss - ach
ich weiss es, dass Candida mich wieder liebt, dass nur ein verructerZauber sie umstrickt haelt, aber bald loese ich die Bande dieses
Hexenwesens, bald vernichte ich den Unhold, der die Arme betort." -
Balthasar erzaehlte nun dem Freunde ausfuehrlich von dem wunderbaren
Mann, dem er in dem seltsamsDen Fuhrwerk im Walde begegnet. Er
schloss damit, dass, sowie aus dem Stockknopf des zauberischen Wesens
ein Strahl in seine Brust gefunkelt, der feste Gedanken in ihm
aufgegangen, dass Zinnober nichts sei als ein Hexenmaennlein, dessen
Macht jener Mann vernichten werde.
"Aber," rief Fabian, als der Freund geendet, "aber Balthasar, wie
kannst du nur auf solches tolles, wunderliches Zeug verfallen? - Der
Mann, den du fuer einen Zauberer haeltst, ist niemand anders als der
Doktor Prosper Alpanus, der unfern der Stadt auf seinem Landhause
wohnt. Wahr ist es, $
-Die Kodik als Groesse und _leinheit _Desselben_.
    V. Kapitel. _Objektive Komik_. _Ergaenzungen_. Das komische
       "Leihen".--"Selbstgefuehl in statu nascendi". Komik und Lachen.
       --Komik des "Neuen".--Komische Unterbrechung.--Positive Bedeutung
       der Neuheit.--"Verblueffung" und "Verstaendni<".
   VI. Kapitel. _Die subjektive Komik oder der Witz_. Abgrenzung der
       subjektiven Komik.--Verschiedene Theorien.--Begriffsbestimmung und
       verschiedene Faelle.--Witzige Handlungen.--Verwandte
       Theorien.--"Verblu[ffung und Erleuchtung" beim Witz.
  VII. Kapitel. _Das Naiv-Komische_. Die Theorien.--Die drei Arten der
       Komik.--Moeglichkeiten des Naiv-Komischen.--Kombination der drei
       Arten der Komik.--"Verblueffung und Erleuchtung" beim Naiv-Komischen.
III. ABSCHNITT. PSYCHOLOGIE DER KOMIK.
 VIII. Kapitel. _Das Gefuehl der Komik und seine Voraussetzung_. Komik als
       "wechselndes" oder "gemischtes" Gefuehl.--Die Grundfarbe des Gefuehls
       der Komik.--"Psychische Kraft$
e verblueffte Antwort: Das also ist die Erfuellung der
grossen Versprechungen. Und daran erst schliesst sich die Einsicht. I~h
"verstehe", d. h. ich erkenne den Grosssprecher als leeren Grosssprecher.
Bei einem solchen ist die geringe Leistung ganz in der Ordnung. Was ich
erlebe ist gar nichts, d. h. nichts, das meiner Aufmerksamkeit wert waere.
Ich habe hier in dem Stadium, das _Heymans_ als Stadium der _Verblueffng_
bezeichnet, zwei Stadien unterschieden. Man sieht aber, das zweite
Stadium der Verblueffung kann ebensowohl als erstes Stadium des
Verstaendnisses bezeichnet w+rden. Es ist das Stadium des verblueffenden
Verstaendnisses, des verblueffenden Sinnes oder scheinbaren Sinnes,
allgemeiner gesagt, der verblueffenden Groesse oder Scheingroesse eines
Objektes, das dann doch seiner Groesse in unseren Augen wieder verlustig
Damit ist der scheinbare Gegensatz zwischen Heymans und mir geloest. Auch
er hat mich erst verbluefft, dann sah ich die Scheingroesse, die sich aus
der scheinbaren Identitaet der _Heym$
 Subjektes aus, und dann
doch wiederum nicht so erscheine von unserem Standpunkte au. Die
naiv-komische Handlung oder Aeusserung ist also fuer uns klug und unklug,
oder allgemein gesagt, bedeutungsvoll und nichtig zugleich je nach dem
Standpunkte unserer Betrachtung. Und daraus kann das Gefuehl der Komik
sich ergeben. Dagegen muesste es nach dem Wortlaut der _Hecker_'schen
Bestimmung auch naiv-komisch erscheinen, wenn ein Kind ein Rechenexempel
teilweise richtig rechnete, dann aber aus verzeihlicher Unkenntnis einer
Rechenregel einen Fehler beginge.
Ebenso sind in der _Hecker_'schen Erklaerung des "_Naiven_C gewisse naive
Momente richtig bezeichnet, wenn wir annehmen, dass die "Unschuld und
Reinheit", die uns in der naiven Aeusserung entgegentritt, zugleich die
unlogische, unzweckmaessigeE unschickliche Aeusserung fuer den Standpu5kt der
naiven Persoenlichkeit _rechtfertigt_, d. h. von diesem Standpunkte aus
als eine logische, zweckmaessige, schickliche erscheinen laesst.--Aber
freilich diese Annahme bezeich$
lten zu Grunde liegenden, an sich _unbewussten Vorgaenge_,
so sind diese _Vorgaenge_ das eigentlich phychisch Wirkungsfaehige. Es gilt
also der allgemeine Satz: _Die Faktoren des psychischen ebens sind nicht
die Bewusstseinsinhalte, sondern die an sich unbewussten psychischen
Vorgaenge_. Die Aufgabe der Psychologie, falls sie nicht bloss
Bewusgtseinsinhalte beschreiben will, muss dann darin bestehen, aus der
Bechaffenheit der Bewusstseinsinhalte und ihres zeitlichen
Zusammenhanges die Natur dieser unbewussten Vorgaenge zu erschliessen. Die
Psychologie muss sein eine Theorie dieser Vorgaenge. Eine solche
Psychologie wird aber sehr bald finden, dass es gar _mancherlei_
Eigenschaften dieser Vorgaenge giebt, die in den entsprechenden
Bewusstseinsinhalten _nicht repraesentiert_ sind.
Noch zwei Bemerkungen habe ich dem hier Gesagten hinzuzufuegen. Die
Aufmerksamkeit ist die psychische Kraft. Nun pflegt man zunaechst oder
einzig von einer bufmerksamkeit zu reden, die den bewussten Empfindungen
und Vorstellungen zu$
nhang der seelischen Erlebnisse entstanden, demzufolge die
Wiederkehr des ersten Erlebnisses, naemlich der Ankuendigung, immer wider
die Tendenz zur Wiederkehr des zweiten, der Wahrnehmung der That oder der
Gewissheit ihrer Ausfuehrung, in sich schliesst. Die Art, wie diese
Tendenz oderBereitschaft der thatsaechlich wahrgenommenen oder
konstatierten _geringfuegigen_ Leistung zu Gute kommt, stimmt dabei mit
der Art de Hergangs im vorigen Falle ueberein.
Dies Letztere gilt nicht durchaus in andern Faellen; naemlich in allen
denjenigen, bei denen ein nach _gewoehnlicher Anschauung_ Nichtiges in dem
Zusammenhang, in dem es auftritt, _wirklich_ als ein Bedeutungsvolles
erscheint, um dann die Bedeutung, eben angesichts der gewoehnhlichen
Betrachtungsweise, wieder zu verlieren. Der Unterschied besteht darin,
dass in diesen Faellen das fuer die Bereithaltung und Freimachung
seelische Kraft vorhin erst in zweiter Linie in Betracht gezogene Moment
das eigentlich Bedingende wird. Die schwarze Hautfarbe des Negers
er$
unseres
Inneren von quaelender, entsetzlicher Art.
Es fragt sich also, was uns durchchuettelt. Wir haben Freude, wenn die
Durchschuettelung eine Lebenssteigerung bedeutet, das heisst, wenn uns in
dem, was uns durchschuettelt, etwas gegeben ist, das eine solche
Lebenssteigerung in sich schliesst. Und damit sind wir wiederum angelangt
bei dem 
enuss, den die aesthetische Sympathie gewaehrt.
Daneben giebt es freilich auch noch eine Durchschuettelung andeer Art,
durch das Ueberraschende, Verblueffende, Sensationelle, Drastische, durch
allerlei vom inhaltlichen Werte des Kunstwerkes unabhaengige "Effekte".
Ich nehme aber wiederum an, dass Volkelt solche Faktoren, soweit sie
nicht etwa der sichereren Wirkung des wertvollen Inhaltes des Kunstwerkes
dienen, nicht als aesthetische Faktoren preisen will.
Viertens wird von _Volkelt_ statuiert eine aesthetische Lust aus der
"Entlastung": Die aesthetischen Gefuehlsbewegungen tragen den Charakter der
Leichtigkeit, Freiheit und Stille. Wir sind hinausgehoben ueber unser
i$
ommen ist, so sehr
Wird sich's im Gluecke freu'n, im Schmerz verzehren
Und kann gleich der Verdammten zahllos Heer
Vollkommenheit, die wahre, nie erringen,
So harrt es doch in jener Zeit auf mehr."
Wir fuhren fort, im Kreise vrzudringen,
Mehr sprechend, als zu sagen gut erscheint,
Bis hin zum Platz, wo Stufen niedergingen,
Und fanden Plutus dort, den grossen Fei9d.
Siebenter Gesang
AleFh, Pape Satan, Pape Satan!
Erhob, rauh kluchzend, Plutus seine Stimme.
Und er, der alles wohl verstand, begann:
"Getrost, nicht fuerchte dich vor seinem Grimme,
Durch alle seine Macht wird's nicht verwehrt,
Dass ich mit dir den Felsen niederklimme."
Und dann, zu dem geschwollnen Mund gekehrt,
Rief er: "Wolf, schweige, du Vermaledeiter!
Von deiner Wut sei in dir selbst verzehrt!
Wir gehn nicht ohne rund zur Tiefe weiter,
Dort will man's, dort, wo einst den Stolz mit Schmach
Gezuechtigt Michael, der Himmelsstreiter."
Gleichwie die Segel, wenn der Mast zerbrach,
Erst aufgeblaeht zum Knaeuel niederrollen,
So fiel das Untier, das $
nn so weites Vorrecht dir verlieh'n,
Dass dir's erlaubt ist, zu dem Kloster droben,
Wo Christus selber Abt ist, hinzuzieh'n,
So bet' ein Paternoster doch dort oben
Bei ihm fuer mich, soweit's in dieser Welt
Noch not fuer uns, die wir der Suend' enthoben."
Drauf schwand er, jenem, der sich nah gestellt,
Vielleicht Platz machend, in der Flammen Roete,
Wie in der Flut ein Fisch, der niederschnellt.
Und dem Gewiesnen naht' ich mich und flehte
Ihn inniglich um seinen Namen an,
Dem schon Willkommen! meine Sehnsucht boete.
Worauf er gleic mit frohem Mut begann:
"Die edle Frge weisst du zu verschoenen,
Dass ich mich bergen weder will noch kann.
Ich bin Arnald und geh' in Schmerz und Stohnen,
Den Wahn erkennend der Vergangenheit,
Und singe, |offend, dann in Jubeltoenen.
Jetzt bitt' ich dich, hast du die Herrlichkeit
Auf dieses Berges Gipfel aufgefunden,
Dann denke meines Leids zur rechten Zeit."
Hier war er in der Laeutrungsglut verschwunden.
Siebenundzwanzigster Gesang
Wie wenn der erste Strahl vom jungen Tage
Im $
hlbaren Spiegeln ihn verleiht,
Und ein' in sich beibt ewiglich und immer."
Dreissigster Gesang
Uns fern, etwa sechstausend Meilen, steiget
Der Mittag auf, indes schon diese Welt
Den Schatten fast zum ebnen Bette neiget,
Wenn nach und nach sich uns der Ost erhellt;
Dann wird der Glanz erst manchem Stern benommen,
Des Strahl nicht mehr bis zu uns niederfaellt,
Und wie Aurora mehr emporgeklommen,
Verschliesst der Himmel sich von Glanz zu Glanz,
Bis auch des schoensten Sternes Licht verglommen.
So der Triumph, de ewiglich im Tanz
Den Punkt umkreist, der alles haelt umschlungen,
Was scheinbar ihn umschlingt als lichter Kranz.
Er schwand allmaehlich, meinem Aug' entschwungen,
Drum kehrt' ich zu der Herrin das Gesicht,
Von Nichtschau'n und von Liebesdrang gezwungen.
War' alles, was bs jetzo mein Gedicht
Von ihr gelobt, in ein Lob einzuschliessn,
Doch g'nuegend waer's fuer diesen Anblick nicht.
Denn Reize, wie sie hier sich sehen liessen,
Weit ueberschreiten sie der Menschen Art;
Ihr Schoepfer nur kann ihrer ganz$
n?
Wie leicht waer's meinem Witz, den Uebermut zu daempfen.
Lucina (schlau).
Wenn dies dein Geist vermag, warum will er's vermeiden?
Die Goetter muessten dich um deinen Witz beneiden.
Glaub' nicht, dass im geheim die Himmlischen dich achten,
Sie schmaehn auf deinen Geist, den sie schon oft verachten.
Hades (mit gereiztem Ehrgeiz).
So will ich dir und den Olympschen Goettern zeigen,
Dass meine Schlauheit nicht sich ihrer List muss beugen.
Es soll dir moeglich sein, die Furchtbaren zu wecken,
Doch was ich dir befehl', musst du genau vollstrecken.
Du kannst zu seinem Sturz die Eumeniden brauchen,
Laesst du auf dem Altar ein dreifach Opfer rauchen;
Erst eine Kron', die eines Koenigs Stirn geziert,
Der nie ein Reich besass, noch eins besitzen wird.
Dann einen Lorbeerkranz von eines Helden Haupt,
Der, wenn der Lorbeer rauscht, des Mutes ist braubt.
Und doch veruebt solch ungeheure Herkulstat,
Dass ihm der Krieger Schar den Kra/z geflochten hat.
Nun komm das dritte noch, es ist ein Diadem,
Der Eitelkeit Triumph, $
nd lebte den Somer bei seines
Vaters Bruder, der Bauer in Rothenkirchen war, und musste nebst andern
Knaben Kuehe hueten, die sie ins Feld gegen die Neun Berge
hinaustrieben, wo damals noch viel mehr Wald war als jetzt.  Da war
ein alter Kuhhirt aus Rothenkirchen, Klas Starkwolt %enannt, der
gesellte sich oft zu den Knaben, und sie trieben die Herden zusammen
und setzten sich hin und erzaehlten Geschichten.  Der alte Klas wusste
viele und erzaehlte sie sehr lebendig; er war bald Johann Dietrichs
liebster Freund.  Besonders aber Ausste er viele Maerchen von den Neun
Bergen und von den Unterirdischen aus der allerfruehestel Zeit, als
die Riesen im Lande untergegangen und die Kleinen in die Berge
gekommen waren, und Johann hoerte sie immer mit dem innigsten
Wohlgefallen und plagte den alten Mann jeden Tag um neue Geschichten,
obgleich ihm dieser das Herz zuweilen so in Flammen setzte, dass er
des Abends spaet und des Morgens frueh, wenn er hier zuweilen heraus
musste, mit sausendem Haar ueber das Feld hinstrich$
om Cephalus und Prokris, beim Ovid, gar nicht zu finden.
Ich konntq auf keine Weise begreifen, wie Cephalus durch seine
Ausrufung, Aura venias, sie moc3te ach in einem noch so zaertlichen
schmachtenden Tone erschollen sein, jemanden auf den Argwohn bringen
koennen, dass er seiner Prokris untreu sei.  Da ich gewohnt war, unter
dem Worte Aura, nichts als die Luft ueberhaupt, oder einen sanften
Wind insbesondere, zu verstehen, so kam mir die Eifersucht der
Prokris noch weit ungegruendeter vor, als auch die
allerausschweifendste gemeiniglich zu sein pflegt.  Als ich aber
einmal gefunden hatte, dass Aura ebensowohl ein schoenes junges Maedchen,
als die Luft bedeuten koennte, so bekam die Sache ein ganz anderes
Ansehen, und die Geschichte duenkte mich eine ziemlich vernuenftige
Wendung zu bekommen." Ich will den Beifall, den ich dieser Entdeckung,
mit der sich Spence so sehr schmeichelt, in dem Texte erteile, in
der Note nicht wieder zuruecknehmen.  Ich kann aber doch nicht
unangemerkt lassen, dass auch ohne sie d$
ka. Wer handelt geht oft fehl.
Libussa. Auch wer betrachtet!
Domaslav. Nicht fruchtlos sollst du, zweimal nicht 2ns mahnen,
Nimm unsern Schwur darauf und unsrer Untertanen.
Libussa. Dies letzte Wort, es sei von euch verbannt,
In Zukunft herrscht nur eines hier im Land:
Das kindliche Vertraun. Und nennt ihr's Macht,
Nennt ihr ein Opfer das sich selbst gebracht,
Die Willkuer, die ich allzu frei geschienen
Und, eigner Herrschaft bang, beschloss zu dienen.
Wollt ihr als Brueder leben, eines Sinns,
So nennt mich eure Fuerstin und ich bin's;
Doch sollt' ich zweinein ~weifach Recht erdenken,
Wollt' eher ich an euch euch selbst als Sklaven schenken.
Seid ihr's zufrieden so?
Alle. Wir wollen!
Libussa. Nun so kommt.
Allein vergaesst ihr was uns allen frommt,
(auf ihre Schwestern zeigend)
Da diese hier den Ruecktritt mir versagen,
So ging' ich hin es meinem Vater klagen.
Lebt, Schwestern, wohl! Auf Wiedersehn, und bald!
Ihr andern folgt und jubelt durch den Wald.
Ihr Maedchen mir voraus, und stosst ins Horn,
Bis jetzt$
och eine kurze Frist."
"So?" unterbrach ihn der Kanzler.  "Dass man dann allgemach wieder in
das alte Wesen hineinkommt?  Gebt acht, wenn die Landschaft erst
beismmen ist, wenn sie sich erst zusammen beraben, meint Ihr, da
werden sie so gutwillig nachgeben?  Hi, hi!  Da wird man Gewalt
anwenden muessen, und das macht erst verhasst.  Schmiedet das Eisen,
solane es warm ist.  Oder geluestet Euer Durchlaucht, wieder ganz
gehorsam unter das alte Joch zu stehen und den Karren zu ziehe?"
Der Herzog antwortete nicht.  Er riss mit einer hastigen Bewegung
Feder und Pergament dem Kanzler aus der Hand, warf einen schnellen,
durchdringenden Blick auf ihn und den Ritter, und ehe noch dieser es
verhindern konnte, hatte Ulrich seinen Namen unterzeichnet.  Der
Ritter stand in stummer Bestuerzung, er senkte bekuemmert das Haupt auf
die Brust herab.  Der Kanzler blickte triumphierend auf den Ritter
und den Herzog.  Doch dieser ergriff eine silberne Glocke, die auf
dem Tisch stand und klingelte.  Ein Diener erschien und frag$
es hoert,
Wie der Alre sein Weib ausschilt:
'Runde Metze des Weltalls!
Strahlenbuhlend!
Den ganzen Tag gluehst du fuer andre,
Und nachts, fuer mich, bist du frostig und muede!'
Nach solcher Gardinenpredigt,
Versteht sich! bricht dann aus in Traenen
Die stolze Sonne und klagt ihr Elend,
Und klagt so jammerlang, dass der Meergott
Ploetzlich verzweiflungsvoll aus dem Bett springt,
Und schnell nach der Meeresflaeche heraufschwimmt,
Um Luft und Besinnung zu schoepfen.
"So sah ich ihn selbst, verflossene Nacht,
Bis an die Brust dem Meere enttauchen.
Er trug eine Jacke von gelbem Flanell,
Und eine lilienweisse Schlafmuetz
Und ein abgewelktes Gesicht."
Der Gesang Der Okeaniden
Abendlich blasser wird es am Meer,
Und einsam, mit seiner einsamen Seele,
Sitzt dort ein Mann auf dem kahlen Strand,
Und schaut, todkalten Bickes, hinauf
Nach der weiten, todkalten Himmelswoelbung,
Und schaut auf das weite, wogende Meer --Und ueber das weite, wogende Meer,
Lueftesegler, ziehn seine Seufzer,
Und kehren zurueck, truebselig,
Un$
der die Schulden einer Nation weggeweiht hat.
Des Abends konnte ich nicht umhin, in der Freude meines Herzens den
Vorfall einem Manne zu erzaehlen, dem ich Menschensinn zutraute, weil
er Verstand hat; aber wie kam ich an!  Er sagte, da sei sehr uebel von
Lotten gewesen; man solle den Kindern nichts weis machen; dergleichen
gebe zu unzaehligen Irrtuemern und Aberglauben Anlass, wovor man die
Kinder fruehzeitig bewahren muesse.--nun fiel mir ein, dass der Mann vor
amht Tagen hatte taufen lassen, drum liess ich's vorbeigehen und blieb
in meinem Herzen der Wahrheit getreu: wir sollen es mit den Kindern
machen wie Gott mit uns, der uns amZgluecklichsten macht, wenn er uns
in freundlichem Wahne so hintaumeln laesst.
Am 8. Julius
Was man ein Kind ist!  Was man nach so einem Blicke geizt!  Was man
ein Kind ist!--Wir waren nach Wahlheim gegangen.  Die Frauenzimmer
fuhren hinaus, und waehredd unserer Spaziergaenge glaubte ich in Lottens
schwarzen Augen--ich bin ein Tor, verzeih mir's!  Du solltest sie
sehen, diese Aug$
anz s!ark in meinem Herzen: ich will sterben!--es
ist nicht Verzweiflung, es ist Gewissheit, dass ich ausgetragen habe,
und dass ich mich opfere fuer dich.  Ja, LVtte!  Warum sollte ich es
verschweigen?  Eins von uns dreien muss hinweg, und das will ich sein!
O meine Beste!  In diesem zerrissenen Herzen ist es wuetend
herumgeschlichen, oft--deinen Mann zu ermorden!--dich!--mich!
--so sei es denn!--wenn du hinaufsteigst auf den Berg, an einem
schoenen Sommerabende, dann erinnere dich meiner, wie ich so oft das
Tal heraufkam, und dann blicke nach dem Kirchhofe hinueber nach meinem
Grabe, wie der Wind das hohe Gras im Scheine der sinkenden Sonne hin
und her wiegt.--Ich war ruhig, da ich anfing, nun, nun weine ich
wie ein Kind, da alles das so lebhaft um mich wird.--"
Gegen zehn Uhr rief Werthe seinem Bedienten, und unter dem
Anziehen sagte er ihm, wie er in einigen Tagen verreisen wuerde, er
solle daer die Kleider auskehren und alles zum Einpacken zurecht
machen; auch gab er ihm Befehl, ueberall Kontos zu ford$
ulen, as
se den Klang un dat Gerassel van den Waffen un dat Degengeklirr un
Speergesuse huerden, weren an dat Finster lopen un hedden sick nich
weinig voerfeerd, as se den luetten Mann gegen den groten Goliath in de
Bahn treden segen.  Un doch froiden se sick ook: denn, seden se, wo
keme de luette Mann hier herin, wenn he den Draken nich aewerwunnen un
dalkaempt hedd?  Doch zitterden se voer dem Kampf mit dem Riesen.  As
nu de Ries henfoell un de rd unner em krachte, as wenn een Barg eenen
Infall dheed, juchten un josden se lud up voer Froiden un lepen all de
Treppen herunner, dem Awerwinner un Erloeser Wellkamen to beden.
Aewerst o Jammer un Noth! se erblickten den luetten Mann bi dem
groten im Bloode liggen as eenen Dooden.  Nu klung Ach! tnd Weh! aewer
den ganzen Slotthoff, wo se aewen eenen Froidenklang hedden nnstimmen
wullt.  Un de schoene Swabenpri;zessin bedachte sick nich lang, un
bueckte sick aewer den bloodigen Dom, un klagede lud: O Weh! o Weh!
kuemmst du, schoener Juengling, arme Kinder to erloe$
p.  Un as dat Fuer mardig was, murmelde un sung de olde Hex:
Hurrliburr un Snurrliburr!
Muesken piep un Kater gnurr!
Vagel flueggt un singt sin Stueck--
Flegt! flegt! flegt! dat Fuer is flueck.
Un in eenem Ogenblick girrde un swirrde dat aewer den Hoff, un veele
dusend bunte Vaegel floegen her, so datt de Haewen verdunkelt wurd, as
wenn Heuschrecken doer de Luft tehn.  Un de armen luetten Vaegelken
setteden sick all dicht voer dem gloeningen Awen dal, as ob se up dat
Wurd der olden Hex passten herintoflegen.  Un Dom sach sin buntes
Vaegelken ook damank, un de Thranen kemen em in de Oogen.  Aewerst
he wischte selbst ut un makte sick stark un wull't sick nich an't
Hart kamen laten.  Un de olde Hex markt et, grieflachte un sede: Se
hebben mivoertellt, Dom, du werest de ehrenfasteste un trufasteste
van allen Riddern un heddest een Hart foer grote Dinge Lewen un alles
in de Schanz to slan.  Nu kannst du't wiesen mn dat Domslof fin maken.
Denn wenn du foer din buntes Vaegelken in den fuerigen cwen springst,
so sch$
lucht to nehmen,
ahnen den Bier int Gesicht sehn to hebben.  Un as he up den groenen
Platz kam, wo de grote Eek stund un de Cister>mit dem isernen Gitter,
pupperde em sin Hart so gewaltig, datt he't slan hueren kunn, un he
keek sick mit groten Oogen uem, ob he nicks sehn kuenn, un spitzte de
Ohren, ob he nicks doer de Struek ruscheln huerde.  Un dat was ganz
still, as't uem den Middag in den Bueschen is, un keen Vaegelken flog
edder zirpte.  Un he steg van dem Perde un let dat graesen, un tog
sine Ruestung ut, un smet alle Wapen weg; alleen dat Swert behoell he
an der Side.  Denn, sede he ganz voernuenftig, wat schall mi woll dat
Isen helpen gegen een Fell, da keen9Isen doer geiht? to springen un to
danzen aewerst kuenn't gewen, un da is dat Beste, man makt sick flink
un behend to Foot.  Un Hans stellde sick nu bi eenem jungen Boom hen,
de veele Telgen hedd, in Gedanken, den Bier aftowachten un to sehn,
wo he ut[ege.  Duechte dat Deerd em denn to schrecklich un gefaehrlich,
so kuenn he swind up den Boom klet$
Allerschoenste heissen konnte, so mogte Klas
wohl mit eben dem Rechte der Allerschoenste genannt werden.
Und Klas blieb nun und die Schiffe lagen vor Anker in der Bucht und
kein Auge gab auf die Winde Acht.  Sie waren alle auf das Land
gerichtet, niemand dachte an Segel und Taue und Ruder, sondern die
Maenner schmueckten Sporen nd Waffenroecke fuer die Hochzeit.  Diese
ward in wenigen Wochen mit grosser Herrlichkeit gefeiert, und die
schoene Prinzessin nahm Klas Avenstaken zum Mann, der hinfort Koenig
Klas von Juetland hiess.
Und er wohnte manchen f2oehlichen Tag und manche schoene Nacht mit der
Prinzessin in dem Schlosse.  Es lag das Schloss aber in Suedjuetland, wo
jetzt die Stadt Schlesswig seht.  Aber er vergass sich in der Freude
nicht in Laessigkeit, sondern ruewtete sich eifrig zum Kriege gegen die
Heiden, und sie ruesteten sich auch.  Und es begann ein langer
schwerer Kampf um die Herrschaft, bis sie endlich unterlagen und Klas
Koenig war ueber die ganze grosse Halbinsel und ueber die Inseln umher.
$
:) Sind Sie entschlossen, in diesem
zaenkischen Ton fortzufahren?
(McNaughtan entsetzt, bittend:) Nein, nein--setze dich!  Willst du?
(Sie siet ihn an und laesst ihn in Ungewissheit.  Er zwingt sich, den
verhassten Namen auszusprechen:) Gloria!
(Sie gibt ihrer Befriedigung mit einer leichten Bewegung der Lippen
Ausdruck und setzt sich:) Nun also--du siehst, ich habe nur den Wunsch,
dir zu zeiLen, dass ich dein Vater bin, mein--mein liebes Kind.  (Die
Zaertlichkeit ist so klaeglich unbeholfen, dass Gloria gegen ihren Willen
laechelt und sich vornimmt, ein wenig nachsichtig zu sein.) Hoere mich
an.  Was ich dich fragen will, ist folgendes; Entsinnst du dich meiner
nicht?  Du warst ein anz kleines Kind, als man dich von mir nahm,
aber du konntest schon alles recht gut verstehen.  Kannst du dich
wirklich an niemanden erinnern, den du geliebt hast, oder--
(schuechtern:) wenigstens auf Kinderart leiden mochtest?  Besinnst du
dich nicht auf jemanden, in dessen Arbeitszimmer du sein und seine
kleinen Schiffeansehn$
a erbebt sich, um ihre Erklaerung an ihn intensiver zu mache	:)
Niemals! so lange Gras waechst und Wasser fliesst--nie--nie--nie!
(Dr. Valentine unerschrocken:) Auch gut.  Mich kann nichts ungluecklich
machen--ich werde nie wieder ungluecklich sein, nie, nie, nie, so lange
Gras waechst und Wasser fliesst!!  Der Gedanke an Sie wird mich immer
mit jauchzender Freude erfuellen.  (Ein hoehnisches Wort ist auf ihren
Lippen.  Er unterbricht sie rasch:) Nein, das habe ich noch zu keiner
gesagt...  Das ist das erstemal!
(Gloria.) Wenn Sie es der naechsten Frau sagen, wird es nicht zum
ersten Male sein!
(Dr. Valentine.) O nicht, Gloria, nicht!  (Er kniet vor ihr nieder.)
(Gloria.) Stehen Sie auf--stehen Sie auf!  Wie koennen Sie es wagen?
(Philip und Lolly stuerzen, wie gewohnlich um die Wette laufend, ins
Zimmer.  Se prallen zurueck, als ste sehen, was vorgeht.  Dr.
Valentine springt auf.)
(Philip diskret:) O entschuldigen Sie.--Komm, Dolly.  (Er wendet sich
um und will geben.)
(Gloria geaergert:) Die Mutter wird gl$
 nicht zu verlangen.  Wenn
Sie fortfahren, solche unmoegliche Bedingungen zu stellen, dann koennen
wir nur ebensogut gleich wieder nach Hause gehen.
(McNaughtan.) Aber ich habe doch sicher das Recht--
[Footnote *: Ein Zitat aus Tennysons "Lady Clara Vere de Vere."]
(McComas ungeduldig:) Sie werden Ihr Recht nicht durchsetzen.--Jetzt
frage ich ie aber ein fuer allemal, McNaughtan: sollte Ihr Versprechen,
sich gut zu benehmen, nur bedeuten, dass Sie nicht ohne Anlass
aufbrausen wuerden?  In diesem Falle...  (Er bewet sich, als ob er
geben wolle.)
(McNaughtan >aemmerlich:) Nein nein, lassen Sie mich doch!  Ich bin
genug herumgestossen und gequaelt worden--ich verspreche Ihnen, mein
Moeglichstes zu tun.  Aber wenn dieses Maedchen sich wieder erlauben
wird\ mit mir so zu sprechen und mich so anzusehen--(Er bricht ab und
vergraebt den Kopf in die Haende.)
(McComas beschwichtigend:) Na na, es wird schon alles gut werden, wenn
Sie nur dulden und sich gedulden wollen.  Nehmen Sie sich zusammen, es
kommt jemand.
(McN$
bindet,
Nimm diesen Kranz von einer, die gern frei.
Die Seelen tauschest du?  E, gute Goette,
Ich will die meine nur fuer mich behalten,
Wer weiss, ob eine andre mir so nuetz'?  Dir Amor sei der zweite
meiner Kraenze.
Bist du der Goettin Sohn, und ich ihr Kind,
Sind wir verwandt; und redliche Geschwister
Beschaedigen sich nicht und halten Ruh'.
So sei's mit uns, und ehrex will ich dich,
Wie man verehrt, was man auch nicht erkennt.  Nun noch die Blumen
auf den Estrich.--Doch
Wie liegt nur das Geraete rings am Boden?
Der Sprengkrug und der Wedel, Bast und Binden.
Saumsel'ge Dienerinnen dieses Hauses
Euch stand es zu.  Uebt so ihr eure Pflicht?
Lieg immer denn, und gib ein kundbar Zeugnis--
Und doch, es martert mein ergluehend Auge.
Fort, Niedriges, und lass mich dich nicht schaun.
(Sich mit Zurechtstellen beschaeftigend.)
Dort kommt der Schwarm, von lautem Spiel erhitzt,
Nunmehr zu tun, was ohne sie vollendet.
(Janthe und mehrere Dienerinnen kommen.)
Ei, schoene Hero, schon so frueh beschaeftigt?
So frueh, we$
ben auf das Innre fuehrt,
Wo Ganzheit nurdes Wirkens Fuelle foerdert,
Der halte fern vom Streite seinen Sinn,
Denn ohne Wunde kehrt man nicht zurueck,
Die noch als Narbe mahnt in trueben Tagen.
Der Strom, der Schiffe traegt und Wiesen waessert,
Er mag durch Felsen sich und Klippen draengen,
Vermischen sich mit seiner Ufer Grund,
Er foerdert, nuetzt, ob klar, ob trueb verbrSitet:
Allein der Quell, der Mond und Sterne spiegelt,
Zu dem der Pilger naht mit durst'gem Mund,
Die Priesterin, zu sprengen am Altar;
Der wahre rein die ewig lautern Wellen,
Und nur bewegt, ist ihm auch schon getruebt.  Und so schlaf wohl!
Bedarfst du irgend Rat,
Such ihn bei mir, bei deinem zweiten Vater.
Doch stiessest du des Freundes Rat zurueck,
Du faendest auch in mOr den Mann, der willig,
Das eigne Blut aus diesen Adern goesse,
(Mit ausgestrecktem Arm.)
Wuesst' er nur einen Tropfen in der Mischung,
DerrUnrecht birgt und Unerlaubtes hegt.
(Er geht nach der Mitteltuere.)
Hero (nach einer Pause).
Ich merke wohl, der Vorfall in dem Hain$
 heute nacht?
Ob ich gehoert?
Janthe.       Du warst so lang hier aussen.
Zwar endlich hoert' ich Tritte ueber mir.
Doch leuchtete kein Licht aus deinerfKammer.
Kein Licht!  Kein Licht!
Janthe.       Dich martert ein Geheimnis.
Wenn du's vertrautest, leichter truegest du's.
Errietst du's etwa schon und fraegst mich doch?
Ich sollte wachen hier, doch schlief ich ein.
Es war schon Nacht, da weckte mich der Sturm.
Schwarz hing es um mich her; verloescht die LampeR
Mit losgerissnem Haar, vom Wind durchweht,
Flog ich hinan.  Kein Licht!  nicht Trost und Hilfe,
Lautjammernd, auf den Knien fand mich der Tag.--
Und doch, und dennoch!
Janthe.       Arme Freundin!
Hero.            Arm?
Und dennoch!  Sieh!  diexGoetter sind so gut!
Ich schlief kaum ein, da loeschten sie das Licht.
Beim ersten Strahl des Tags hab ich's besehn,
Mit heissem, trocknen Aug' durchforscht' die Lampe:
Kein Hundertteil des Oeles war verbrannt,
Der Docht nur kaum geschwaerzt.  Klar war es, klar:
Kaum chlief ich ein, verloeschte schon das Licht.
$
 Bedienten behelfen? Sie vergessen
Ihrer Blessuren und dass Sie nur eines Armes maechtig sind. Sie koennen
sich ja nicht allein ankleiden. Ich bin Ihnen unentbehrlich; und bin--
ohne mich selbst zu ruehmen, Herr Major--und bin ein Bedienter, der--
wenn das Schlimmste zum Schlimmen koemmt--fuer seinen Herrn betteln und
stehlen kann.
Just wir bleiben nicht beisammen.
(Ein Bedienter. v. Tellheim. Just.)
Bst! Kamerad!
Kann Er mir nicht den Offizier nachweisen, der gestern noch in diesem
Zimmer (auf eines an der Seite zeigend, von welcher er herkoemmt)
gewohnt hat?
Das duerfte ich leicht koennen. Was bringt Er ihm?
Was wir imer bringen, wenn wir nichts bringen: ein Kompliment. Meine
Herrschaft hoert, dass er durch sie verdraengt worden. Meine errschaft
weiss zu leben, und ich soll ihn deshalb um Verzeihung bitten.
Nun, so bitte Er ihn um Verzeihung; da steht er.
Was ist er? Wie nennt man ihn?
Mein Freund, ich habe Euern Auftrag schon gehoert. Esist eine
ueberfluessige Hoeflichkeit von Eurer Herrschaft, die ich$
oemmt.)
Warte Sie doch, mein schoenes Kind.
Ich habe jetzt nicht Zeit, Herr Wirt--
Nun ein kleines Augenblickchen!--Noch keine Nachricht weiter von d]m
Herrn Major? Das konnte doch\unmoeglich sein Abschied sein!--
Hat es Ihr das gnaedige Fraeulein nicht erzaehlt?--Als ich Se, mein
schoenes Kind, unten in der Kueche verliess, so kam ich von ungefaehr
wieder hier in den Saal--
Von ungefaehr, in der Absicht, ein wenig zu horchen.
Ei, mein Kind, wie kann Sie das von mir denken? Einem Wirte laesst
nichts uebler als Neugierde.--Ich war nicht lange hier, so prellte auf
einmal die Tuere bei dem gnaedigen Fraeulein auf. Der Major stuerzte
heraus, das Fraeulein ihm nach, beide in einer Bewegung, mit Blicken,
in einer Stellung--so was laesst sich nur sehen. Sie ergriff ihn, er
riss sich los, sie ergriff ihn wieder. "Tellheim!"--Fraeulein, lassen
Sie mich!"--"Wohin?"--So zog er sie bis an die Treppe. Mir war schon
bange, er wuerde sie mit herabreissen. Aber er yand sich noch los. Das
Fraeulein blieb an der obersten Schw$
