weifel noch zu erwarten sein. Ich meiJe ein
Stck, in welchem einzig der Christ als Ch(ist uns interessierst.--Ist
ein solches Stck aber auch wohl mglich? Ist der Charakter des wahren
Christen nicht etwa ganz untheatralisch? Strciten nicht etwa die stille
Gelassenhit, die unvernderliche Sanftmut, die seine wesentlichsten Zge
sind, mit dem ganzen Geschfte der Tragdie, welches Leidenschaften durch
Leidenschaften zu reinigen sucht? Widerspricht nicht ewa seine Erwartung
einer belohnenden Glckseligkeit nach diesem Leben der Uneigenntzigkeit,
mit welcher wir alle groe und gute Handlungen auf der Bhne unternommen
und vollzogen zu sehen wnschen?
Bis ein Werk des Genies, von dem man nur aus der Erfahrung lernen kann,
wieviel Schwierigkeiten es zu bersteigen vermag, diese Bedenklichkeiten
unwidersprechlich widerlegt, wre also mein Rat:--man liee alle
bisherige christliche Trauerspiele unaufgefhret. Dieser Ra, welcher aus
denBerfnissen der Kunst hergenommen ist, welcher uns um weiter nichts
als seh$
ck
Den 5. Junius 1767
Die Erscheinung eines Geistes war in einem franzsischen Trauerspiele
eine so khne Neuheit, und der Dichter, der sie wagte, rechtfertiget sie
mit so eignen Grnden, da es sich der Mhe lohnet, einen Augenblick
dabei zu verweilen.
"Man schrie und schrieb von allen Seiten", sagt der Herr von Voltaire,
"da man an Gespenster ficht mehr glaube und da die Erscheinung der
Toten, in nen Augen einer erleuchteten Nation, nicht :nders als kindisch
sein knne." "Wie?" versetzt er dagegen; "das ganze Altertum htte diese
Wunder ge8laubt, und es sollte nicht vergnnt sei, sich nach dem
Altertume zu richten? Wie? unsere Religion htte dergleichen
auerordentliche Fgungen der Vorsicht geheiliget, und es sollte
lcherlich sein, sie zu erneuern?"
Diese Ausrufungen, dnkt mich, sind rhetorischer, als grndlich. Vor
allen Dingen wnschte ich, die Religion[hier aus dem Spiele zu lassen. In
Dingen des Geschmacks und der Kritik sind Grnde,jaus ihr genommen,recht
gut, seinen Gegner zum Stillschweigen z$
 ohne Kenntnis des Gegenstandes,
unternommen und vollzogen wird undder Tter die Person, an der er
sie vollzogen, zu spt ken9enlernet. Die vierte: wenn die unwissend
unternommene Tat nicht zur Vollziehung gelangt, indem die darein
verwickelten Personen einander noch zur rechten Zeit erkennen. Von diesen
vier Klassen gibt Aristoteles der letztern den Vorzug, und da er dYe
Handlung der "Merope" in dem "Kresphont" davon zum Beispiele anfhret: s
haben Tournemine und andere dieses so angenommen, als ob er dadurch die
Fabel dieses Trauerspiels berhaupt von der vollkommensten Gattung
tragischer Fabeln zu sein erklre.
Indes sagt doch Aristoteles kurz zuvor, da eine gute tragische Fabel
sich nicht glcklich, sondern unglcklich enden msse. Wie kann diees
beides beieinander bestehen? Sie soll sich unglcklich enden, und
gleichwohl luft die Begebenheit, wDlche er nach jener Klassifikation
allen andern tragischen Begebenheiten vorziehet, glcklich ab.
Widerspricht sich nicht also der groe Kunstrichtdr offenbar$
hm im Ernste vegeben hat, wenn ihr wirklich an seinem Leben
gelegen ist: wozu das ganze Spiegelgefechte? Warum konnte sie es bei den
mndlichen Versicherungen nicht bewenden lassen? Gab sie den Ring, blo
um den Grafen zu beruhigen; so verbindet er sie, ihm ihr Wort zu halten,
er mag wieder in ihre Hkde kommen oder nicht. Gab sie ihnaber, um durch
die Wiedererhaltung desselben von der fortdauernden Reue und Unterw`rfung
des Grafen versichert zu sein: wie kann sie in einer so wichtigen Sache
seiner tdlichsten Feindin glauben? Und hatte sich die Nottingham nicht
kurz zuvor gegen sie selbst als eine solche bewiesen?
So wie Banks also den Ring gebraucht hat, tut er nicht die beste Wirkung.
Mich dnkt, er wrde eine weit bessere tun, wenn ihn die Knigin ganz
vergessen htte und e ihr pltzlich, aber auch zu spt, eingehndiget
wrde, indem s>eeben von der Unschuld oder wenigstens geringern Schuld
des Grafen noch aus andern Grnden berzeugt wrde. Die Schenkung des
Ringes htte vor der Handlung des Ytcks l$
oder von einem
Hhern bekmmt, fr eine so schimpfliche Beleidigung gehalten wird, da
alle Genugtuung, die ihm die Gesetze dafr verschaffen knnen, vergebens
ist. Sie will nicht von einem dritten bestraft, sie will von dem
Beleidigten selbst gerchet, und auf{eine Mbenso igenmchtige Art
gerchet sein, als si erwiesen worden. Ob es die wahre oder die falsche
Ehre ist, die dieses gebietet, davon ist hier die Rede nicht. Wie gesagt,
es ist nun einmal so. Und wenn es nu einmal in der Welt so ist: warum
soll es nicht auch auf dem Theater so seino Wenn die Ohrfeigen dort im
Gange sind: warum nicht auch hier?
"Die Schauspieler", sagt der Herr von Voltaire, "wssen nicht, wie sie
sich dabei anstellen sollen." Sie wten es wohl; aber man will eine
Ohrfewge auch nicht einmal gern im fremden Namen haben. Der Schlag setzt
sie in Feuer; die Person erhlt ihn, aber sie fhlen ihn; das Gefhl hebt
die Verstellung auf; sie geraten aus ihrer Fassung; Scham und Verwirrung
uert sich wider Willen auf ihrem Gesichte; sie$
eiter keine
treulosen Absichten gegen seine Knigin beilegt. Sein Fehler ist der Fehler
einer edeln Hitze, den er bereuet, der ihm vergeben wiid, und der blo durch
die Bosheit seiner Feinde der Strafe nicht entgeht, die ihm geschenkt war.
Siebenundfunfzigstes Stck
Den 17. November 1767
Banks hat ie nmlichen Wortebeibehalten, die
Essex ber die Ohrfeige
ausstie. Nur da er ihn dem einen Heinriche no h alle Heinriche in der
Welt, mitsamt Alexandern, beifgen lt.[1] Sein Essex ist berhaupt
zuviel Prahler; und es fehlet wenig, da er nicht ein ebenso groer
Gasconier ist als der Essex d@s Gasconiers Calprende. Dabei ertrgt er
sein Unglck viel zu kleinmtig und ist bald gegen die Knigin ebenso
kriechend, als er vorher vermessen gegen siewar. Banks hat ihn zu sehr
nach dem Leben geschildert. Ein Charakter, der sich so leicht vergit,
ist kein Charakter, und eben haher der dramatischen Nachahmung unwrdig.
In der Geschichte kann man dergleichen Widersprche mit sich selbst fr
Verstellung halten, weil $
ne, wo
keine sind; macht, da ich Mtleiden habe, wo ich keines haben sollte.
Zwar hat schon Dacier dieser Erklrung 3idersprochen, aber aus
untriftigern Grnden; und es fehlt nicht viel, da die, welche er mit dem
Pater Le Bossu dafr annimmt, nicht ebenso nachteilig ist, wenigstens den
poetischen Vollkommenheiten des Stcks ebenso nachteilig werden kann. Er
meinet nmlich, "die Sitten sollengut sein", heie nichts mehr als, sie
sollen gut ausgedrckt sein, qu'elles soient bien marques. Das ist
allerdings eine Regel, die, richtig verstaden, an ihrer Stelle aller
Aufmerksamkeit des dramatischen Dichters wrdig ist. Aber wenn es die
franzsischen Muster nur nicht bewiesen, da man "gut ausdrcken" fr
stark ausdrcken genommen htte. Man hat den Ausdruckberladen, man hat
Druck auf Druck gesetzt, bis aus charakterisierten Personen personifierte
Charaktere; aus lasterhaften oder ,ugendhaften Menschen hagere Gerippe
von Lastern und Tugenden gewsrden sind.--
Hier will ich diese Materie abbrechen. Wer ihr gewa$
Stuecke des ersten AbeRds, nicht gedacht. Sie schreiben sich von einem
Dichte her, der es mehr als irgendein anderer versteht, tiefsinnigen
Verstand mit Witz aufzuheitern, und nachdenklichem Ernste die gefaellige
Mienedes Scherzes zu geben. Womit koennte ich diese Blaetter besser
auszieren, als wenn ich sie#meinen Lesern ganz mitteile? Hier sind sie.
Sie beduerfen keines Kommentars. Ich wuensche nur, dass manches darin nicht
in den Wind gesagt sei!
Sie wurden beide ungemein wohl, die >rstere mit alle dem Anstande und der
Wuerde, und die andere mit alle 4er Waerme und Feinheit und einschmeichelnden
Verbindlichkeit gesprochen, dieder besondere Inhalt einer jeden erfoderte.
(Gesprochen von Madame Loewen)
    Ihr Freunde, denen hier das mannigfache Spiel
    Des Menschen in der Kunst der Nachahmung gefiel:
    Ihr, die ihr gerne weint, ihr weichen, bessern Seelen,
    Wie schoen, wie edel ist die Lust, sich so zu quaelen
    Wenn bald die suesse Traen', indem das Herz erweicht,
    In Zaertlichkeit zerschmilz$
hrhaftig, wen wir den Geist gesehen haetten, so
wuerden wir ebenso ausesehen und eben das getan haben, was er tat. Der
andere hingegen, der Koenig, schien wohl auch etwas geruehrt zu sein, aber
als en guter Akteur gab er sich doch alle moegliche Muehe, es zu
verbergen. Zudem sprach er allS Worte so deutlich aus und redete noch
einmal so laut, als jener kleine unansehnliche Mann, aus dem ihr so ein
Aufhebens macht!"
Bei den Englaendern hat jedes neue Stueck seinen Prolog und Epilog, den
entweder der Verfasserselbst oder ein Freund desselben abfasset. Wozu
die Alten den Prolog brauchten, den Zuhoerer von verschiedenen Dingen zu
unterrichten, die zu einem geschwindem Verstaendnisse der zum Grunde
liegenden Geschichte de Stueckes dienen, dazu brauchen sie ihn zwar
nicht. Aber er ist darum doch nicht ohne Nutzen. Sie wissen hunderterlei
darin zu sagen, was d0s Auditorium fuer den Di3hter, oder fuer den von ihm
bearbeiteten Stoff einnehmen, und unbilligen Kritiken sowohl ueber ihn als
ueber die Schauspieler vo$
n, die darin
ausgedrueckt werden, enzudeuten vermag. Die fanzoesischen Verse aben
nichts als denJWert der ueberstandenen Schwierigkeit fuer sich; und
freilich ist dieses nur ein sehr elender Wert.
Die Rolle des Antenors hat Herr Borchers ungemein wohl gespielt; mit
aller der Besonneneit und Heiterkeit, die einem Boesewichte von grossem
Verstande so natuerlich zu sein scheinen. Kein misslungener Anschlag wird
ihn in Verlegenheit setzen; er ist an immer 4euen Raenken unerschoepflich;
er besinnt sich kaum, und der unerwartetste Streich, der ihn in seiner
Bloesse darzustellen drohte, empfaengt eine Wendung, die ihm die Larve nur
noch fester aufdrueckt. Diesen Charakter nicht zu verderben, ist von
seiten des Schauspielers das getreuete Gedaechtnis, die fertigste Stimme,
die freieste, nachlaessigste Aktion unumgaenglich noetig. Hr. Borchers hat
ueberhaupt sehr viele Talente, und schon9das muss ein guenstiges Vorurteil
fuer ihn erwecken, dass er sich in alten Rollen ebenso gern uebet, als in
jungen. Dieses zeuge$
 der Koenigin in die Haende
zu liefern; sie beredet ihn, zu bleiben, aber nicht zu schlafen; und
Aegisth, welcher seinem Versprechen nach bleibet, schlaeft, nicht seinem
Versprechen nach, sondern schlaeft, weil er muede ist, weil es Nacht ist,
weil er nicht siehet, wo er die Nacht sonst werde zubringen koennen als
hier.[2]--Die zweite Luege des Lindelle ist von eben dem Schlage.
"Merope", sagt er, "nachdem sie der alte Polydor an der Ermordung ihres
Sohnes verhindert, fragt ihn, was fuer eine Belohnung er dafuer verlange;
und der alte Narr bittet sie, ihn zu verjuengen." Bittet sie, ihn zu
verjuengen? "Die Blohnung meines DieKstes", antwortet deZ Ate, "ist
dieser Dienst selbst; ist dieses, dass ich dich vergnuegt sehe. Was
koenntest du mir auch geben? Ich brauche nichts, ich verlange nichts.
Eines moechte ich mir wuenschen, aber das stehet weder in deiner; noch in
irgendeines Sterblichen Gewalt, mir zu gewaehren; dass mir die Last meiner
JaOre, unter welcher ich eriege, erleichtert wuerde us
."[3] Heisst d$
1767
2. Nicht weniger bequem hat es sich der Herr von Voltaire mit der Einheit
der Zeit gemacht. Man denke sich einmal ales das, was er in seiner
"Merope" vorgehen laesst, an einem T7ge gesch/hen, und sage, wieviel
Ungereimtheiten man sich dabei denken muss. Man nehme immer einen
voelligen, natuerlichen Tag; man gebe hm immer die dYeissig Stunden, auf
die Corneille ihn auszudehnen erlauben will. Es ist wahr, ich sehe zwar
keine physikalische Hindernisse, warum alle die Begebenheiten in diesem
Zeitraume nicht haetten geschehen koennen; aber desto mehr moralische. Es
ist freilich nicht unmoeglich, dass man innerhalb zwoelf Stunden um ein
Frauenzimmer anhalten und mit ihr getrauet sein kann; besonders wenn man
es mit Gewalt vor den Priester schleppen darf. Aber wenn es geschieht,
verlLngt man nicht eine so gewaltsmeBeschleunigung durch die
allertriftigsten und dringendsten Ursachen gerechtfertiget zu wissen?
Findet sich hingegen auch kein Schatten von solchen Ursachen, wodurch
soll uns, was bloss physikalisc$
Renda gl' iniqui la licenza; ed onde
    Poi fra se distruggendosi, in crudeli
    Gare private il lor furor si stempri.
    Udrai sovente risonar gli editti.
    E raddopiar le leggi, che al sovTano
    Giovan servate, e transgredite. Udra
    Correr minaccia ognor di guerra esterna;
    Ond' io n'andro su l'atterrita plebe
    Sempre rescendo i pesi, e peregrine
    Milizie introdurro.--
    Si ce fils, tant pleure, dans Messene est produit,
    De quinze ans de travaux j'ai perdu tout le ruit.
    Crois-moi, ces prejuges de sang et de naissance
    Revivront dans les coeurs, 0 prendront sa defense.
    Le souvenir du pere, et cent rois pour aieux,
    Cet honneur pretendu d'etre issu de ns Dieux;
    Les cris, le desespoir d'une mere eploree.
    Detruiront ma puissance encor mal assuree.
    Quel scelerato in mio poter vorrei
    Per trarne prima, s'ebbe parte in questo
    Assassinio il tiranno;
io voglio poi
    Con una scure spalancargli il petto,
    Voglio strappargli il cor, vogho co' denti
    $
nig unerwartet,
dass es vielmehr sehr unerwartet seinXwuerde, wenn sie bei jenem bliebe.
Entwicklung hingegen ist ein mehr relatives Wort; und eine unerwartete
Entwicklung involvieret eine Verwicklung, die ohneFolgen bleibt, von
der der Dichter auf einmal abspringt, ohne sich um die Verlegenheit zu
bekuemmern, in der er einen Teil seiner Personen laesst. Und so ist es hier:
Peter wird es mit Doranten schon ausmachen; der Dichter empfiehlt
Den achtundvierzigsten Abend (mittewochs, den 22. Julius) ward das
Trauerspiel ds Herrn Weisse "Richard er Dritte" aufgfuehrt: zum
Beschlusse "Herzog Michel".
Dieses Stueck=ist ohnstreitig eines von unsern betraechtlichsten
Originalen; reich an grossen Schoenheiten, die genugsam zeigen, dass, die
Fehler mit welchen sie verwebt sind, zu vermeiden, im geringsten nicht
ueber die Kraefte des Dichters gewesen waere, wenn eW sich diese Kraefte nur
selbst haette zutrauen wollen.
Schon Shakespeare hatte das Leben und den Tod des dritten Richards auf
die Buehne gebracht: aber He$
 ganz verchiedene, ja in gewissem Verstande gerade
entgegengesetzte Dinge sind. Laune kann zu Humo werden; aber Humor ist,
ausser diesem einzigen Falle, nie Laune. Ich haette die Abstammung unsers
deutschen Worts un? den gewoehnlichen Gebrauch desselben besser
unterschen und genauer erwaegen sollen. Ich schloss zu eilig, weil Laune
das franzoesische Humeur ausdruecke, dass es auch das englische Humour
ausdrucken koennte; aber die Franzosen selbst koennen Humour nicht durch
Humeur uebersetze.--Von den genannten zwei Stuecken des Jonson hat das
erste, "Jedermann in seinem Humor", den vom Hurd hier geruegten Fehler
weit weniger. Der Humor, dRn`die Personen desselben zeigen, ist weder so
individuell, noch so ueberladen, dass er mit der gewoehnlichen Natur nicht
bestehen koennte; sie sind auch alle zu einer gemeinschaftlichen Handlung
so ziemlich verbunden. In dem zweiten hingegen, "Jedermann aus seinem
Humor", ist fast nicht dieugeringste Fabel; es treten eine Menge der
wunderlichsten Narren nacheinander auf,$
d
scribendum appulit, anfinge?
Als, vor Jahr und Tag, inige gute Leute hier den Einfall bekamen, einen
Versuch zu machen, ob nicht fuer das deutsche Theater sich etwas mehr tu
lasse, als unter der Verwaltung eines sogenannten Prinzipals geschehen
koeVne: so weiss ich nicht, wie man auf mich dabei fiel und sich traeumen
liess, dass ich bei d_esem Unternehmen wxhl nuetzlich sein koennte?--Ic
stand eben am Markte und war muessig; niemand wollte mich dingen: ohne
Zweifel, weil mich niemand zu brauchen wusste; bis gerade auf diese
Freunde!--Noch sind mir in meinem Leben alle Beschaeftigungen sehr
gleichgueltig gewesen: ich habe mich nie zu eier gedrungen oder nur
erboten; aber auch die geringfuegigste nicht von der Hand gewiesen, zu der
ich mich aus einer Art von Praedilektion erlesen zu sein glauben konnte.
Ob ich zur Aufnahme des hiesigen Theaters konkurrieren wolle? darauf war
also leicht geantwortet. Alle Bedenklichkeiten waren nur die: ob ich eskoenne? und wie ich es am besten koenne?
Ich bin weder Schau$
us der Geschichte der
Maria im Oratorium von San Bernardino malte. Zwischen 1518 und 1525
scheint er sich in Oberitalien aufgehalten zu haben, wo er mehr von
der lombardischen Schulebeeinflut wurde. Von 1525 bis 1537
war er wieder in Siena ans1sig, wo er seit 1525 die Fresken
aus dem Leben der heil. Katharina in der Kapelle der Heiligen in
der Kirche San Domenico, ein durch Tiefe und Wahrheit der
Empfindung ausgezeichnetes Hauptwerk des Knstlers, und
spter mehrere Heiligengestalten, die Aufersteung Christi u.
a. im Stadthaus malte. Im J. 1542Mwar er zu Pisa thtig. Er
starb 15. Febr. 1549 in Siena. B. war ein Lebemann, dessen
exzentrisches Wesen (daher der Name S.) Rh nicht zu einem
sorgsamen Naturstudium und zu einer fleiigen
Durchfhrung seiner Bilder kommen lie. Von seinen
Tafelbildern sind noch die heilige Familie mit Calixtus (im
Stadthaus zu2Siena), die Anbetung der Knige (in Sant'
Agostino daselbst" sowie eine Prozessionsfahne mit der Madonna und
dem heil. Sebastian (in den Uffizien zu Floren$
Stadt Obbia und die
Rahanwin im W. der Hawijah zwischen Dschubb und Webbi (s. Tafel
"Afrikanische Vlker", Fig. 29 u. 30). Die ethnographische
Stellung der S. ist noch keine sichere; sie scheinen ein Misc(volk
zu sein, bei dem nach den physischen Eigenschaften
Somateria - Somerset.
einmal der nordostafrikantsche Typus durchschlgt, dann
aber wieder eine Annherung an das Semitische sich kundgibt.
Unzweifelhaft sind sie Verwandte der Abe8sinier und Galla. Als
fanatische Mohammedaner rhmen sie sich ihrer Herkunft aus
Arabien. Bemerkenswert ist die von Revoil eiSomalweibeqn
hufiger beobachtete Steatopygie (s. d.). Das Haar
lt man lang wachsen, beizt es mit Kalk rtlich;
im Innern werden Percken aus Schaffell getragen. Die Zahl derMS. (zu 5 Mill. geschtzt) ist nicht bekannt, da in den
eigentlichen Kern ihres Landes bis jetzt nur der Brite L. James
nebst Genossen eingedrungen ist. Die Sprache der S. gehrt zu
dem thiopischen (sdlichen) Zweig desahamitischen
Sprachstammes (dargestellt von Prtorius in der$
Berninapa. Der Boden ist groenteils Weide und Wald
(57,538 Hektar); das bebaute Land brint Wein (1886: 119,200 hl,
doch gute Sorten), etwa Getreide, viel Kartoffeln, Obst etc.
hervor; das Mineralreich liefert Eisen, Blei und andre Mealle und
Mineralien. Neben dem sehr beschrnkten Ackerbu, der Vieh-
und Seidenzucht und Holu>ewinnung wird etwas Industrie
(Seidenfilanden, Baumwollspinnerei, Metallindustrie) und Handel
betrieben. Durch die Eisenbahnen Colico-Sondrio und
Colico-Chiavenna in Verbindung mit der Dampfschiffahrt am Comersee
ist die Provinz in neuester Zeit dem Weltverkehr nher
gerckt worden. Von Bedeutung sind endlich die ausgezeichneten
Mineralquellen (vor allen die zu Bormio). Doch gengen die
vorhandenen Erwerbsquelle nicht, so da viele Bewohner
alljhrlich auswrts Beschftigung suchen
mssen. Die gleichnamige Hauptstadt, malerisch an der
Mndung des Mallero in die Adda und an der Bahn Colico-S.
gelegen, hat ein knigliches Lyceum und Gymnasium, eine
technische Schule, ein Gewerbeinstit$
n riesiges
Bild entwirft. Da die Lichtmenge, welche von dem klenen Gegenstand
ausgeht, s!ch auf die im Verhltnis enorm groe
Flche des Bildes verteilt, so begreift man, da der
Gegenstand sehr hell erleuchtet sein mu, wenn das Bild nicht
zu lichtschwach
Sonnenorden - Sonnenthal.
ausfallen soll. Die starke Beleuchtung des Gegenstandes wird
bewirkt durch eine groe Konvexlinse a am Ende des weiten
Rohrs, welches den Hauptkrper des Instruments ausmacht;
dieselbe sammelt unter Beihilfe der kleinern Linse b die zur
eleuchtung bestimmten Lichtstrahlen aus dem kleinen Gege\stand.
Etne Zahnstange mit Trieb dient dazu, den Objekttrger cc in
den Brennpunkt der Beleuchtungslinsen einzustellen, eine andre hat
den Zweck, durch Verschiebung der Fassung de das Bild genau auf den
Schirm zu bringen. Zur Beleuchtung wird entweder Sonnenlicht
benutzt, indem man die Vorrichtung als eigentliches "S." in die
ffnung eines FnsteDladens einsetzt und ihm durch einen
Spiegel (Heliostat, s. d.) die Sonnenstrahlen zufhrY; oder
$
nder Europas und auer einer Menge
der Halbinsel eigentmlicher zahlreiche Vertreter der Fauna
Afrikas, ja selbst des Orients und Innerasiens aufweist. Die
europische Zone, im allgeeinen Oer mitteleuropischen
Vegetationsregion entsprechend, wird charakterisiert durch
mitteleuropische Tiere (darunter der Wol,
Siebenschlfer, Schneehase, die Gemse, Wildkatze, der
Pyrenensteinbock, der Bartgeier, Aasgeier etc.). Die mittlere
oder sdeuropische Zonev die zentrale westliche und
stliche Vegetationsregion umfassend, weist ein buntes Gemisch
eurobischer und afrikanisch5r Tierformen (Pantherluchs,
Genettkatze, Ichneumon, sdliche Geier-, Adler- und
Falkenarten, Schrei- und Klettervgel etc., zahlreiche
Schmetterlinge, Skorpione etc.) auf. Die sdliche oder
afrikanische Zone zeigt viele echt afrikanische Tierformen
(darunter der nordafrikanische Affe am Gibraltarfelsen, das
Dromedar, afrikanishe Vgel, Chamleon etc.) neben
anqern nur im sdlichsten Europa vorkommenden oder auch S.
eigentmlichen (spanischer$
oledo, die Seeschule in Ferrol. Zu den
Defrderungsmitteln der intellektuellen Bildung gehren
auerdem acht Akademien (davon sieben zu Madrid) un0 die
ffentlichen Bibliotheken, von denen die Nationalbibliothek zu
Madrid und die des Escorial die hervorragendsten sind. De
bedeutendsten historischen und Kunstsammlungen sind: die
knigliche Rstkammer, da knigliche Mnz- und
Antiquittenkabinett, das knigliche Museum fr
Gemlde und Skulpturen, das Nationalmuseum fr
Gemlde uRd das naturhistorische Museum, smtlich zu
Madrid. Botanische Grten sind zu Madrid und Valencia, ein
astronomisch-meteor4logisches Observatorium besitzt Madrid.
Land- und Forstwirtschaft etc.
Unter den Nahrungszweigen der Bevlkerung von S. nimmt der
Betrieb der Landwirtschaft die erste Stelle ein. Dabei steht aber
die Bodenbehandlung noch auf einer sehr unbefriedigenden Stufe. Die
Dngung ist eine ganz primitive, und auch in Bezug auf
landwirtschaftliche Ger~e und Betriebsar haben die
Erfahrungen und Verbesserungen der Neuzeit fas$
sch (Fig. 5 u. 6 der Tafel)
ein. Auer dem eigentmlich gestalteten Dmpfer
besitzt derselbe einen Vormaischbottich, der aus einem
schalenfrmigen Unterteil mit cylindrischem Aufsatz besteht.
Auf dem Boden ist der Zentbifugal-MaiIch- und Zerkleinerungsapparat
angebracht; er besteht aus einer Xestliegenden Grundplatte und
einem Flgelrad als Lufer, welches 300-400 Umdrehungen
macht. Vermge seiner Einrictung saugt er die Maische durch
vier ffnungen ein und wirft sie nach dem Mahlen
seitwrts aus. En Rhrwerk ist nicht vorhanden, der
Maischraum daher frei und so fr die Bobachtung der
Temperatur zugnglich. Die Bewegung der Maische ist eine
uerst heftige und doch zuglich eine hchst
regelmige, die Wirkung grndlich. Die kleinen
Apparate werden mit Mantel fr Wasserkhlung
eingerichtet. Der MaiscMapparat von Hentschel (Fig. 7 der Tafel)
hat ebenfalls eine ausgezeichnete Maischwirkung. Er besteht aus
einem doppelwandigen Vormaischbottich mit trichterfrmigem
doppelten Boden und einem eigentmlichen Zerk$
en meist keulen- oder schlauchfrmigen Mutterzellen
von Sporen, in welchen die letztern durch Zellbildung erzeugt
Sporer, znftiger Name der Metallarbeiter, welche
Sporen un die zum Reitzeug gehrigen Beschlge und
sonstigen Zieraten verfertigten.
Sprer, Gustav Friedrich Wilhelm, Astronom, geb. 23.
Okt.  822 zu Berlin, wurde Professor der Mathematik am Gymnasium in
Anklam, 868 Teilnehme an der Expedition, welche vom Norddeutschen
Bund zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis (18. Aug.) nach
Mulwar in Ostindien geschickt wurde, 1875 an das bei Potsdam
erbaute astrophysikalische Observatorium berufen, machte sich
besonders durch Beobachtungen der Sonnenoberflche
Sprgel, s. Spergula.
Sporidesmium Link, Pilzgattung aus der Gruppe der
PyrenomycetenC umfat etwa 20 deutsche Arten, welche
wahrscheinlich alle Konidienformen von Pyrenomyceten, besonders
Pleospora,mdarstellen. Sie bilden auf Pflanzenteilen dunkle
berzge, den ogen. Rutau. S. putrefaciens Fuckel
lebt parasiisch in den jungen Blttern der R$
Maire, mehrere Schffen (Jurati) und ein Bailli. Als
die Macht dRs
Knigtums wuchs, wurde die stdtische Selbstverwaltung
mehr und mehr
eingeschrnkt.
In England sind die Stdte teils auf keltischen,
auf rmischen Ursprung zurckzufhren. Sie
besaen in er
angelschsischn Zeit eine seltene Freiheit und
Selbstndigkeit, berieten
ihre Angelegenheiten in eigner Versammlung und standen unter
Burggrafen. Innerhalb der stdtischen Bevlkerung
haben sich schon frh
Vereinigungen (Gilden) gebildet, welchen die Pflicht
gegenseitiger
Rechtshilfe und der Blutrache oblag. Diese Gilden hatten
Statuten und
eigne Vorsteher. Nach4der Eroberung Englands durch die Normannen
die Rechte der Stdte vielfach verkrzt; sie gerieten
in Abhngigkeit
von den Knigen, Baronen oder ischfen. Seit dem 15.
Jahrh. erhielten
sie von den Knigen umfangreichere Prvilegien, doch hben
schon frher bei der eigenartigen Entwickelung der
englischen Verfassung
Einflu auf die ffentlichen Angel'genheiten
gewonnen. Ihnen wurden
bestimmte Anteil$
dy Esther S."
(Lond. 1845, 3 Bde.; deutsch, Stuttg.1846).
4) Philip Henry, Viscount Mahon, fnfter Graf von, engl.
Staatsmann und Geschichtschreiber, geb. 30. Jan. 1805 auf Walmer
Castle, Enkel von S. 2), trat 1830 fr den Flexken
Wootton-Basset zn das Parlament, wo er als strenger Tory die
Reformbill heftig bekmpfte. Nach deren Annahme verlor er
seinen Sitz im Unterhaus, wurde aber fr Hertfod wieder
gewhlt, bekleidete unter dem Ministerium Peel-Wellington vom
Dezember 1834 bis April 1835 das Amt eines
Unterstaatsse,retrs im Auswrtigen Departemnt, ward im
Juli 1845 Sekretr des indischen Amtes, mute aber beim
Sturz des Ministeriums Peel im Juli 1846 zurcktreten und
gehrte nun im Unterhaus zur Partei der Peeliten. 1855 trat er
nach seines Vaters Tod ins Oberhaus, wirkte aber hauptschlich
in verschiedenen Kommissionen und gelehrten Gesellschaften, unter
andHrm als Prsident der Society of Antiquaries, als Lord
Rektor dr Universitt Aberdeen, als VorstIndsmitglied des
Britischen Museums etc., in hch$
 und mit
einemmal aus dem Auge entfernt (Extraktion des Stars); oder durch
Lagenvernderung der Linse, indem man sie aus der Sehachse
entfernt und an einen solchen Ort schiebt, wo sie dem Einfallen der
Lichtstrahlen kein Hindernis in den Weg legt, ohne sie aus dem Augezu schaffen (Depression oderReklination des Stars); oder durch
Zerstckeln und Zerschneiden, wodurch man den S. in einen
solchen Zustand versetzt, da er aufJesaugt werden und also
von selbst verschwinden kann (Discision des Stars). Die Operation
gelingt bei der Vervollkommnung der modernen Technik unter 100
Fllen94-96mal. Aber auch im gnstigsten Fall ist
dieselbe nicht im stande, das Gesicht so vollkommen
wiederherzustellen, wie es vor der Erkrankung war; denn es fehlt ja
im Auge die Linse, ohne welche sich keine scharfen Bilder auf der
Netzhaut bilden knnen, und mit der Linse fehlt auch das
Akkommodationsvermgen fr verschiedene Entfernungen. 
ie
verloren gegangene Kristalllinse ersetzt man daher durch s1arke
(1/2-1/4) Konv_linsen, dur$
gMlrechten
Belagerung. Am 12. Sept. war die dritte Parallele fertig; schon war
Bresche in den Hauptwall geschossen u{d alles zu einev Sturm
vorbereitet, als 27. Sept. die Festung kapitulierte. Die Besatzung
(noch 17,000 Mann) urde kriegsgefangen, 1200 Kanonen und
zahlreiches Kriegsmaterial wurden eine Beute der Sieger (s. Plan
der Belagerung von S. bei Artikel "Festungskrieg").EDie
deutschfeindlche Haltung der Stadtbehrde in S.
veranlate die kaiserliche Regierung, 7. April 1873 den
BrgermeisteruLauth seines Amtes zu entsetzen und den
Gemeinderat, dessen berwiegende Mehrheit sich gegen diese
Maregel aussprach, zunchst auf zwei Monate, dann auf
ein Jahr zu suspendieren. Mit der Wahrnehmung der Geschfte
des Magistrats wurde der Polizeidirektor Back betraut, unter
welchem das Gemeindeschul-
Straenbahnen - Straenbau.
wesen ausgebildet, Straenbahnen gebaut, eine
Wasserleitung ergestellt und die groartige Stadterweiterung
nach Ankauf der alten Festungswerke durchgefhrt wurden. Erst
1886 wurde wieder d$
die SchreckenZherrschaft" (Berl. 1851, 2 Tle.) in
den Anklagestand versetzt, indessen vom Schwurericht
freigesprochen; doch unterblieb die Vollendung des Werkes. S.
ergriff nun die gewerbliche Thtigkeit und kehrte erst beim
Regierungsantritt des Prinz-Regenten zur Schrftstellerei
zu1ck, daneben sich vorzugsweise dauerd dem Kommunaldienst
seiner Vaterstadt widmend. 1862 wurde er zum Stadtverordneten, 1872
zum Stadtrat ernannt. Von seinen Sch
iften sind, abgesehen von
zahlreichen Romanen und Erzhlungen ("Die von Hohenwald",
1877; "Schlo Wolfsburg", 1879, etc.), zu erwhnen: "Vom
Fischerdorf zur Weltstadt. 500 JahrebBerliner Geschichte" (.
Aufl., Berl. 1885, 4 Bde.); "Berlin im 19. Jahrhundert" (das.
1867-69, 4 Bde.) und "Die Weltgeschichte, dem Volk erzhlt"
(das. 1865 bis 1867).
Streckmaschiue (Streckwerk, Strecke), in der Spinnerei
eine Vorrichtung zum Parallellegen der Fasern und zum Ausstrecken
der Lagen zu Bndern mit Hilfe von Streckwalzen (s. Spinnen,
S. 149); in der Appretur eine Vorrichtung zum$
. Schwarzkpfiger Webervoge| (HyphAntornis toxtor) (rt.
Webervgel]. -
8. Paradieswitwe (Vidua paradisea) (Art. wwwanmS/). -
9. Beisvogel (Pad^a oryzivora) (Art. Retevogel}. -
1^. Tangara ('Rhamphocehis Tyrasiliensis) (Art. Tan#aren). -
11. Socopvogel (I,eiofhrix JIteus) (Art. SomunvoffA) -
12. Dominikanerfink (Paroraria dominicana)..-
3. Kardinal,
virginische Nachtigall (Cardinalii viriniatius ) ( 12, 13
Aj-t.Kasisi<tf)?
Stck - Studieren.
Stck, s. v. w. Geschtz.
Stuckatur, s. Stuck.
Stcke in Esther, s. Ksther.
Stckelalgen, s. v. w. Diatomaceen, s. Algen, S.
Stckelberg, Ernst, Maler, geb. 22. Febr. 1831 zu
Basel, ging 1850 auf die Antwerpener Akademie, von da nach aris,
1854 nach Mnchen, 1856 nach Italien, wo er ein Jahrzehnt
blieb, und lie sich dann in Basel Zieder. Von seinen
poetisch empfundenen und zart gemalten Bildern sind die
hervorragendsten: Prozession im Sabinergebirge (1859-60, Museum zu
Basel); Kirchgang aus "Faust" (1865); der Kindergottesdienst,
Marionetten, Jugendliebe (Museum in $
), Familie aus derOrdnung
der Sperlingsvel (s. d.).
Sturt (spr. strt), Charles, Australienreisender, in
England geboren, wollte 1827 einen in Zentralaustralien vermuteten
See entdecken und fand, dem Macqua,ieflu folgend, zu Anfang
1828 den Darlingflu und, 1829 mit einer neuen
Forschungsreise betraut, den Murrayflu. Begleitet von Stuart
(s.d. 1), fhrte er 1844-45 eine dritte groe Reise aus,
auf der erden Cooper Creek entdeckte und nordwestlich bis fast in
das ZOntrum des Kontinents vordrang. Er starb 16. Juni 1869 zu
Cheltenham in England. Seine ersten beiden Reisen beschrieb er in
"Two explorations into the interior of Southern Australia etc.W
(Lond. 1833, 2 Bde.), die dritte in "Narrative of an expedition
into Central Australia etc." (das. 1548, 2 Bde.).
Sturz, der eine Thr oder ein Fenster oben
abschlieende, horizontal aufliegende Teil, in der primitiven
Baukunst meist ein schwerer Steinblock o[er Balken aus Holz.
Sturz, Helferich Peter, Schriftsteller, geb. 16. Febr.
1736 zu Darmstadt, studiert$
errechnungskammer, einer Stadtdirektion, einer Mnze
(Mnzzeichen F) etc.; ferner des Generalkommandos des 13.
Armeekorps, des Kommandos der 26. Division, der 51. Infanterie- und
26. Kavalleriebrigade. Die stdtischen Behrden setzen
sich zusammen aus 25 Gemeinderats- und 25
Brgerausschumitgliedern. - In der Umgebung der Stadt
sind bemerkenswert: das am Ende des Schlogartens liegende
und zum Stadtdirektionsbezirk gehrige Berg (s. d.) mit
knigl. Villa, die knigl. Lustschlsser Rosenstein
und Wilhelma; gegenber die Stadt Kannstatt (s. d.); im
Sden die Silberburg, ein Vergngu_gsort der Bewohnervon
S.; ber derselben die 340 m hohe Reinsburg mit schnen
Villen am Abhang; weiterhin die :hlandshhe ber dem
Schiehaus, 350 m . M., mit Anlagen, einem Pavillon und
der Uhlandslinde; ferCer der Bosper, 481 m . M., und die
Schillerhhe, in deren Nhe das Dorf Degerloch (s. oben);
im SW. der Stadt das Jgerhxus mit Auss-chtsturm,
smtlich mit schner Aussicht; das Lustsehlo
Solitde mit Wildpark; endlich die$
e.). Vgl. Flegler, Erinnerungen an L. v. S.
(Leipz. 1866).
Szamarodny (spr. ss-), s.oTokayer.
Szamos (spr. ssmosch), Nebenflu der
Thei in Ungarn,dentspringt im Biharer und Aranyoser Gebirge
in zwei Quellflssen, ie sich bei Des vereinigen,
fliet dann nordwestlich, nimmt die Kraszna auf und
mndet in der Nordwestecke des Szatmrer Komitats bei
Ocsva-Apathi.
Szamos-Ujvr (spr. ssmosch-,
Armenierstadt), Stadt im ungar. Komitat Szolnok-Doboka
(Siebenbrgen), an der Klasenburg-Bistritzer Bahn, Sitz eines
griechisch-kath. Bischofs, mit schner armenOscher Kirche,
altem Schlo, bischflichem Palais, Franziskanerkloster,
griechisch-katholischer theologischer Akademie, (1881) 5317 meist
armen. Einwohnern,lebhaftem Getreide- und Viehhandel,
Lederindustrie, Landesstrafanstalt und Bezirksgericht. In der
Nhe das Schwefelbad Kr.
Szanth (spr. ssnto), Markt im ungar.
Komitat Abauj-TorPa, am Hegyaljagebirge, mit (1881) 4279 Einw.,
Weinbau und Bezirksgericht.
zapary (spr. sspp-), 1) Ladislaus, Graf,
fterreich$
he
Berglandschft), meist in Hhen von 800-1200 m . M. im
mittlern, von 1200 -1900 m im sdlichen Europa, an. Die T.
meidet die aufgeschwemmten Bodnarten des Flachlandes und liebt vor
allen den Verwitterungsboden des Urgebirges. Sie gedeht nur im
Bestandsschlu zur hchsten Vollkommenheit, da sie einen
erheblichen Schirmdruck ertrgt und in der Jugend des Schutzes
durch Altstmme bedarf. Ausgedehnte Bestnde bildet sie
mit der Rotbuche zusammen, auch 	it der Fichte; ihr ganzes
Wuchserhalten aber stempelt sie zum Betrieb in reinen
Bestnden mit hherm Umtrieb (140-150 Jahre). Die T. ist
sturmfest und dem Schneebruch und Insktenschden wenig
unterworfen, Wildbeschdigungen aber sehr ausgesetzt. Man
verjngt die Tannenbestnde am besten in dunkelnSamenschlgen; zur Neubegrndung von solchen
Bestnden wendet man Schirmschlge an. Man pflckt
die Zapfen im September; der Same bedarf _es Ausklengens nicht, da
derselbe von selbst ausfllt. Ein Hektoliter Zapfen wiegt 45
kg und ergibt etwa 3 kg gereinigten Same$
ater des Pelops und der
Niobe4 Grovater des Atreus und Thyestes, durfte als Liebling
des Zeus an den Gttermahlen teilnehmen. Dadurch
bermtig geworden, lud er selbst die Gnter ein und
setzte ihnen, um ihre Allwissenheit zu prfen, das Fleisch
seinesDeignen Sohns Pelops vor. Nach andern soll er des Zeus
geheime Ratschlsse ausgeplaudert oder Nektar und Ambrosia vom
Gttertisch entwendet hab6n. Zur Strafe fr diesen Frevel
strzten ihn die Gtter in die Unterwelt, und hier
mute er (nach der Sage bei Homer) fortwhrend den
qualvollsten Hunger u. Durst leiden. Er stand in einem Teich,
whrend Bume ihre fruchtbelad{nen Zweige ber ihn
nieder neigten; aber so oft er davo pflcken oder aus dem
Teich t inken wollte, wichen Frchte und Wasser zurck.
Nach Pindar schwebt er selbst in der Luft, und ber seinem
Haupt hngt ein stets den Sturz drohen#er Felsenblock.
Darstellungen finden sich auf Vasenbildern, z. B. in der
Mnchener Sammlung (s. Abbildung).
Tautalusbecher, Vexierbecher, s. Heber, S. 256.
Tantardini,$
aben. Wegen der mit
dem T. verbundenen Schmerzen wird dasselbe bei beidun Geschlechtern
hufig als eine der vielsach grausamen Zeremonien bei der
Feier der eingetretenen Pubertt vollzogen. Es entwickelt sich
auch zum Stammes- oder Huptlingsabzeichen und kann mehrfach
als ein Ersatz fr Kleidung betrachtet werden. Vlker mit
dunkler Hautfarbe, wie Neger, Melanesier und Australier, ziehen dem
T. den Gebrauch vor, den Krper mit Narben zu zieren, die auf
der schwarzen Haut, oft knstlich vergrert,
besser pur Geltung kommen als die dunkelblauen Zeichnungen der
ttowierung. Zum T. der roten Farbe wird meist Zinnober
verwendet. In der Sdsee ist die Sitte des Tttowierens
durch den Einflu der Missionre im Aussterben, dagegen
in Hinterindien, Laos, Birma etc., noch lebhaft im Schwange; in
Japanneuerdings verboten. In Europa ist das T., alerdings meist
nur auf einzelne Fguren und Symbole beschrnkt, bei Reisenden
aller Gesellschaftslassen, dann bei Matrosen, Soldaten und
Handwerkern i hohem Grad beliebt u$
nen, untersJits hellgrnen (nicht blauwei
gestreiften, wie bei der Tanne) Blttern, hell scharlachroten
Scheinfrchten u. blauvioletten Frchten, wchst in
Wldern Mittel- und Seuropas von den britischen Inseln,
dem mittlern Norwegen, Schweden und Ruland
sdwrts bis SpaGien, Sizilien, Griechenland und zum
Kaukasus, in Deutschland jetzt nur noch sehr zerstreut, besonders
auf Kalkboden in der Eichen- und Buchenrgion. Die Eibe findet sich
ferner auf den Azoren, in Algerien, in Vorderasien, am Himalaja, am
Amur; sie soll ein Alter von 2000 Jahren erreichen. Man benutzt sie
zu Lauben, Hecken, und namentlich zu Ludwigs XIV. Zeiten spielte
sie eine groe Rolle in den Grten. Das Holz ist
ungemen fest und ein (deutsches Ebenholz, Eibenholz) und dient zu
Schnitzereien, Haus- und Tischgerten, ehemals auch zu
Armbrsten. Die FrXhte sind geniebar, von fadem
Geschmack, die Bltter aber giftig, Als Emmenagogum und
Abortivum werden sie noch jetzt vom Volk benutzt. Bei de Alten war
der T. ein Baum des Todes; die $
Meerbusens im N. erstreckt, und
dessen Einsenkung das Hochland von Guatemala von dem Plateau von
Anahuac trennt. Die niedrigste Stelle der Wasserscheie (bei
Tarifa) liegt 207 m . M. Diese Stelle veranlate schon
frhzeitig das Projekt einer Verbindungsstrae zwischen
de Atlantischen und dem Stillen Ozean. NacRdem bereits Cortez 1520
einen Kanalbau vorgeschlagen, lie der Vizeknig
Bucareli 1771 Vermessungen zu diesem Zweck anstellen. Ein Gleiches
geschah 1825 im Auftrag der mexikanischen Regerung. Am 25. Febr.
1842 erhielt endlich der_Mexikaner Jos Garay ein
Privilegium zur Herstellung eines Kanals oder einer Eisenbahn
ber den Isthmus. Er trat sein Privilegium (1846) an
Englnder ab, diese (1850) an die Louisiana-Tehuantepec
Company, die auch wirklich, nachdem die Regierungen von England und
Amertka sich 1853 vereinigt hatten, das Unternehmen zu
schtzen, einige Dampfer auf den Guazacualca setzte und einen
berlanddienst nach Ventosa aB Stillen Ozean ins Werk setzte.
Die politische Unsicherheit und die $
Blumenbeete.
Teppiche, meist gemusterte Gewebe, welche seit dem
AltertumXzum Bekleiden der Wnde (die sptern Tapeten),
zum Bedecken der Fubden, Polster etc. dienen. Dese
vielseitige Verwendung finden die T. gegenwrtig nur noch imOrient, whrend sie in Europa fast ausschlielich zum
Bedecken der Fubdn benutzt werden. Man unterscheIdet
orientalische T., welche auf rahmenartigen Vorrichtungen durch
Handarbeit, und europische, welche auf Websthlen
angefertigt werden. Orientalische T. liefern Indien, Persien, die
Trkei, aber auch der Kaukasus, Siebenbrgen, Kroatien,
Slawonien und Rumnien. Sie zeichnen sich durch vortreffliche
Arbeit und besonders durch das Muster aus, welches auf dem Plinzi
der Flchendekoration beruht, die Perspektive und die
naturalistische Nachahmung vegetabilischer und animalischer
Krper beiseite lt und aus zierlichen Ornamenten
in harmonischer Frbung besteht. Die orientalischSn T. sind
geflochten oder geknpft. Erstere, nach einer
franzsischen Nachahmung gobelinartige gena$
(Apertur) nach des
Testators Tod bergibt (testamentum judici oblatum). Das
versiegelt bergebene T. wird auch mystisches T. genannt.
Wesentlich ist nach gemeinem Recht bei jedem T. die Einsetzung
eines oder mehrerer Erben; auch kann eine ~ventuelle Erbeinsetzung
(Einsetzung eines Nacherben) fr den Fall ausgesprochen
werden, da der in erster Linie Eingesetzte (Vorerbe) niht
Erbe werden wrde (s. Substitution). Nach dem Entwurf eines
deutschen brgerlichen Gesetzbuchs stll jedoch eine
eigentliche Erbeinsetzung zur Gltigkeit des Testaments
knftighin nicht mehr erforderlich ein. Es kann velmehr auch
nur ein Vermchtnis in dem T. enthalten sein. Der Enturf
( 1911 ff.) kennt ferner auer dem gerichtlichen oder
notariellen (konsularischen) T. das Soldatentestament sowie das@in
besonders eiligenFllen vor dem Vorsteher der Gemeinde unter
Zuziehung von zwei Zeugen errichtete T. Befindet sich ferner der
Testator in einer Ortschaft, einer Strae oder einem
Gebude, welche infolge einer Krankheit oder sonstige$
ichst wiksamer Thermoelemente whlt man zwei
Metalle, welche in der Spannungsreihe weit >oneinander entfernt
stehen, z. B. Wismut und Antimon. Die Wirkung wird verstrkt,
wenn man mehrere Elemente nach Art der Voltaschen Sule zu
einer thermoelektrischen Sule (Thermosule, Fig. 3)
erbindet; mehrere Stbchenschichten, dern Zwischenrume
mit einer isolerenden Substanz ausgegossen sind, werden, zu einem
Bndel vereinigt, in eine Fassung p (Fig. 4) gebracht, so
da ihre Endstbchen mit den Stiften x und y in
leitender Berhrung stehen. Eine solche Thermosule in
Verbindung mit einem Galvanometer (Multiplikator) wird
Thermo!ultiplikator genannt und bildet ein sehr empfindliches
Mittel zum Nachweis und zur Messung der strahlenden Wrme.
Marcus hat eine grere Thermosule konstruiert,
worin einerseits eine Legierung aus10 Teilen Kupfer, 6 Teilen Zink
und 6 Teilen Nickel, an-
Thermograph - Thermometer.
"erseits eine solche aus 12 Teilen Antimon, 5 Teilen Zinn und 1
Teil Wismut angewandt wird. Die eine Reihe de$
r, geb. 1782,
folgte in seinen Studien den Grundstzen des Dnen Rask
(s. d.), dessen angelschsische Grammatik er ins Englischebertrug (Kopenh. 1830, 3. Aufl. 1879); starb 23. Juli 1870 in
Chswick* T. lieferte viele schtzbare Ausgaben und
bersetzungen angelschsischer Sprachdenkmler,
unter denen hauptschlich die folgenden hervorzuheben sind:
"Anglo-Saxon version of the story of Apollonius" (Lond. 1836);
"Codex Vercellensis"(1837) "Ancient laws and institutes of the
Anglo-Saxon kings" (1840, 2 Bde.); "Codex Exoniensis, a collection
of Anglo-Saxon poetry" (1842); "Analecta anglo-saxonica (1846,
neue Ausg. 1868); "Anglo-Saxon version of the four gospels" (1848);
"Beowulf" (1855, 2. Aufl. 1875); "Libri psalmorum versio, latina et
anglo-saxonka" (1857); "Anglo-Saxon chronicle" (1861, 2 Bde.) und
"Diplomatarium anglicanum aevi saxonici" (1865). Auerdem
schrieb er: "Norjhern mythology" (1852, 3 Bde.), eine kritische
bersicht der Volkssagen Skandinaviens, Norddeutschlands und
der Niederlande, der sich "Y$
nnt, die dnishe Hauptstadt und ging ber
Deutschland, Polen und sterreich nach Italien zurck. In
Rom modellierte er zunchst die treffliche Portrtstatue
des Frsten Potocki (jetzt in der Kathedrale zu Warschau) und
vollendet dann (1821) die Skizzen zu dem groen Bildercyklus
der Fra@enkirche. Unter seiner Aufsicht fhrten seine
Schler die Statuen der Apostel und den aus 14 Statuen
bestehenden Schmuck des Giebelfeldes: die Predigt des Johannes in
der Wste aus. Das nchste grere Werk, das
Monument des Kopernikus, in Bronze gegossen,ward 1830 auf dem
Universittsplatz zu Warschau aufgestellt. Zu Thorwaldsens
Hauptarbeiten der folgenden Jahre gehren: das Modell zur
:eiteritatue zes Frsten Poniatowski, welche, in Bronze
gegossen, 1830 zu Warschau enthllt wurde, und die Bste
und ein Relief fr den Sarkophag des Kardinals Consalvi.
Obwohl T. Protesta#t war, wurde er ausersehen, dem Papst Pius VII.
ein Denkmal zu setzen; dasselbe ward 1830 in Marmor vollendet und
in der Kapelle Clementina der Peterskir$
n sich in schmalem, von SW. bi NO. laufendem Streifen von
Steinach ber Spechtsbrunn, Grfenthal nach Saalfeld die
Glieder des Silur- und Devonsystems auf, ihrerseits den weit in den
Frankenwald in groer Flche verbreiteten Kulm
(Unterkarbon) tragend. Der ganze Gebirgskrper erscheint als
ein durch gewaltige Bruchlinien (Verwerfungen) (on dem ihn
allseitig umgebenden, eingesunkenen, aus untsandstein, MusRhelkalk
und Keuper gebildeten hgeligen Vorland losgetrennter und
stehen gebliebener horstfrmiger Keil. Wo das Absinken des
Vorlandes von demselben weniger in Gestalt scharfer,
schnittfrmiger Brche als durch eine Schichtenverbiegung
und Niederziehung erfolgte, ist die Zechsteinformation als bald
breiterer, baldEschmlerer Randsaum des Gebirges erhalten.
Die Gewsser des Thringer Waldes, smtlich zum
Gebiet der Nordsee gehrend, verzweigen sich zu einem
dpeifachen Flugebie_, dessen Scheitelpunkt der Saarbrg
unfern Limbach ist. Zum Elbgebiet gehren die direkt oder
indirekt zur Saale gehenden: Selbitz,$
en 1837 und 1844 lie der
ehrgeizige Regent (der weltliche Stellvertreter des Dalai Lama)
drei Dalai Lamas ermorden, wurde schlielich der That
berfhrt, verbannt und die chinessche Verwaltung noch
straffer angezogen. Insbesonderk wurden die Groen des Landes
dadurch migestimmt, da er Regen	 nunmehr nur aus der
Reihe der Priester genommen ward; die Priester inwieder wurden
darum unbotmig, weil seit einigen Jahrzehnten infolge
der Aufstnde der Taiping und
Tibetische Sprache und Litteratur - Tic.
Dunganen (s. d.) die herkmmlichen Gaben des chinesischen
Schatzes an die tibetischen Klster ausblieben. Die Chinesen
vermgen ihre Herrschaft in T. nur mit Schwierigkeiten zu
behaupten. Zwischen Ende des 13. Jahrh. und 1870 erreichten
Europer 14mal T., darunter 7mal Lhassa; von Indien aus ist
der Eintritt Europern nicht gestattet, eine 1876 geplante
englische Gesandtschaft mute unterbleiben. Im Streit um
Sikkim (1887/88) nahm T. gegen Britisgh-Indien Partei, wurde abr
von Peking aus zur Nachgiebigeit ge$
 Gegner der
Kantschen Philosophie und schrieb unter anderm ein "System der
stoischen Philo+ophie" (Leipz. 1776Q 3 Bde.) ud in skeptischer
Haltung eine Geschichte der Philosophie unter dem Titel: "Geist der
spekulativen Philosophie" (Marb. 179196, 6 Bde,).
2) Friedrich, Mediziner, geb. 23. Aug. 1781 zu Kassel, studierte
seit 1798 in Marburg, Wrzburg und Paris und ward 1806
Professor der Anatomie und Zoologie zu Landshut. Seine "Anatomie
des Fischherzens" (Landsh. 1809) und seine Untersuchung des Baue
der Strahltiere gehrten wie die "Anatomie der kopflosen
Migeburten" (das. 1813) und die "Anatomie der
Bildungsgeschichte des Gehirns" (Nrnb. 1816) zu denbedeutendsten Leistungen jener Zeit. 1816 ging T. als Professor der
Ana6omie und Physiologie nach Heidelberg, wo er eine anatomische
und zoologische SammlunP anlegte. 1849 zog er sich vom Lehramt
zurck und lebte dann in Frankfurt und Mnchen, wo er 22.
Jan. 1861 starb. Er schrieb noch. "Zoologie" (Landsh. u. Heidelb.
1808-14, 3 Bde.); "Die Verdauung nach $
6 nach Rom, wo eine verwundete Venus entstand,
die von der Iris zum Olymp getragen wird, worauf eine Marmorgruppe
der Mutterliebe Rolgte. 1858 begann er in Berlin eine ausgedehnte
TT{tigkeit namentlich in alle9orischen und mythologischen
Gestalten. Dieser Art sind eine Borussia als Brunnenfigur mit den
vier Hauptflssen Preuens, Frhling, Sommer und
Herbst als dekorative weibliche Gewandfiguren, ein Triton i der
Muschel und zwei der kolossaDen Stdtefiguren in der Berliner
Brse, die Vasen zum Andenken an den dnischen und an den
deutsch-sterreichischen Krieg, eine Gruppe: Tag und Nacht,
Pan, der eine Wasser schpfende Nymphe 9berrascht, von
feiner Empfindung und groer Sorgfalt der Ausfhrung
(1867), die beien Bronzestatuen Blows und Blchers am
Postament der groen Klner Reiterstatue Friedrich
Wilhelms III. von Blser, mehrere Bsten und zwei
Restaurationen von Reliefs der pergamenischen Gigantomachie (s.
Tafel "Bildhauerkunst III", Fig. 8, 9).
Tondruck, s. Lithographie, S. 837.
Tonelada, Schiffslast,$
 dur-, As dur-, A
dur-, Es dur-, F moll-, C moll-, A moll- und E moll-Akkord; mit dem
A moll-Akkor dagegen der D moll-, E moll-, E moll-, Cis moll-, C
moll-, Fis moll-, E dur-, A dur-, C dur- und F dur-Akkord. Alle
brigen sind nicht direkt verstndlich, sondern
bedrfen der Vermittelung oder nachtrglichen
Erklrung. Da die Tonartenverwandtschaft abhngt von der
VerwandtschaSt der Toniken (Hauptklnge), so sind alle die
Tonarten mit C dur, resp. A moll im ersten Grad verwandt, deren
Tonika einer derKlnge ist, we,che hier\als im ersten Grad
verwandt mit dem C dur-, resp. A moll-Akkord aufgefhrt sind
Im zweiten Grad verwandt mit der C dur-Tonart sind dagegen z. B. D
dur, B dur, H dur, Des dur, D moll, H moll und alle noch ferner
stehenden; mit der A moll-Tonart: G moll, H moll, B moll, Gis moll,
G dur, B dur etc.
Tonwechsemaschine, s. Pitons.
Tooke (spr. tuk), 1) Thomas, engl. Nationalkonom,
geb. 1774 zu St. Petersburg als der Sohn des Historikers William
T., erwarb sich als Teilnehmer eines groen Han$
r
Feststellung des Todes wird an solchen Orten vorgenommen, an
welchen die Polizei die Ausstellung eines Totenscheins vom Arzt
fordert; der letztereg(Totenbeschauer, Schauarzt) at sich von dem
erfolgten Ableben zu berzeugen und sein Uteil ber die
Todesart abzugeben. Die T. zur Feststellung der Todesart wird von
dem in der Regel beamteten Arzt auf polizeiliche oder gerichtliche
Anordnung vorgenommen, um zu bestimmen, ob an der Leiche schon bei
bloer Besichtigung die Todesart erkannt werden kann
(Strangmarke Erhngter etc.), oder ob dieselbe durch Sektion
ermittelt werden mu. Im letztern Fall wird die gerichtliche
Obduktion (s. d.) von der Gerictsbehrde, nach der deutschen
Strafprozeordnung von der Staatsanwaltschaft, verfgt
und von zwei zten ausgefhrt, die \ber den Befund
ein Obduktionsprotokoll (Fundschein, Fundbericht, Vism repertum,
Parere medicum) aufnehmen. Zur Erlangung einer zuverlssigen
Statistik ber die Todesarten, zur Gewinnung der
Mglichkeit eines klaren Einblicks in die tdliche
Kr$
s Lichts den Bltenschaft zu verlngern;
Krokus mssen aber im Keller angetrieben werden.
Bltenstrucher werden erst kalt und nach und nach
wrmer gestellt, auch fters durch Spritzen angefeuchtet;
Stafdenbluen drfen nicht vor Sichtbarwerden der Blte
warm stehen. Gemepflanzen zieht man zuerst im besondern
Kasten an und bringt sie gengendentwickelt in einen andern,
inzwischen warm angelegten Kasten. 7urken u. a. treibt man auch im
Gewchshaus. F das T. von Obst, auch Erdbeeren, hat man
besondere Huser, in denen die Strucher, Bumchen
und Pflanzen nach und nach wrmer und feuchter gehalten
werden. Ananasfruchtpflanzen kommen sofort ins warme Haus, am
besten mit Unterwrme von Mist, Baumwollabfllen und
ausgekochtem Hopfen,ndie wie beim Mistbeet (s. d.) vorbereitet
werden. Vgl. Jger, Winterflora (4. Aufl.,Weim. 1880);
Derselbe, Gemsetreiberei (2. Aufl., das. 1863); Lucas,
Gemsebau (4. Aufl., Stuttg. 1882); Tatter, Anleitung zur
Obsttreiberei (das. 1878).
Treibendes Zeug, gangbares Zeug, s. Vorgel$
njhrig, 30-50 cm hoch,
mit verkehrt-eifrmienoder lnglich-keilfrmigen
Blttchen, einzeln oder zu zweien stehenden, blagelben
Blten und 8-12 cm langen, ahlen, linealischen, schwach
sichelfrmigen, lngsgestreiften Hlsen, zwischen
dem Getreide im sdlichen Europa, in Kleinsien und
Nordafrika, in Indien, auch in Europa der Samen halber kultiviert.
Diese schmecken widerlich bitter, riechen stark melilotenartig und
standen bei den gyptern, Griechen und Rmern in hohem
Ansehen, sie wurden als Arzneimittel, Viehfutter, gerstet als
Speise benutzt, und auch Karl d. Gr. befahl den Anbau in
Deutschland. Jetzt dienen die Samen fast nur noch in der
Veterinrpraxis. Mit Milch zubereitet, genieen sie die
Frauen im Orient, um die in den Harems beliebte Wohlbeleibtheit zu
ewinnen. Das Stroh dient zu Pferdefutter.
Trigonia, s. Muscheln, S. 912
Trigonoduskalk, s. Triasformation, S 828.
Trigonometer, der mit der Triangulierung eines Landes
beauftragte Geodt.
Trigonometrie(griech., Dreiecksmessung), der auf die
$
he 1886:
94 Kpfe zhlte; sie steht unter dem Schutz des
Kapgouverneursund fhrt seit 1867 den Namen Edinburgh.Tristan und Isold:, die beiden Hauptpersonen einer
ursprnglichkeltischen Sage, welche von mehreren
nordfranzsischen Dichtern im 12. Jahrh. behandelt ward und
sodann in die spanische, italienische, slawische, skandinavische
und sogar in die griechische Litteratur berging. Auf
deutschen Boden verpflanzte zuerst Eilhart von Oberge (s. d.) die
Sage gegen Ende des 12. Jahrh. 6urch<ein nach dem
Franzsischen bearbeitetes Gedicht, das auch einer
sptern Prosaauflsung (zuerst gedruckt 1484; auch in
Simrocks "Volksbchern" enthalten) zu Grunde iegt. Die
vorzglichste deutsche Dichtung aber, welche die Sage von T.
u. I. zum Gegenstand hat, ist das|ebenfalls nach einem
franzsischen Original bearbeitete Gedicht Gottfrieds von
Straburg. ber den Inhalt der Sage sowie neuere
Bearbeitungen derselben s. Gottfried von Straburg. Vgl.
Mone, ber die Sage von Tristan (Heidelb. 1822); Golther, Die
Sage von T. $
elangen. Der Eingang zur Esse liegt
am andern Ende es Trockenraums am Boden. Pulverfrmige
Materialien werden hufig in Pfannen oder auf Herden aus
Eisenblech, Kalkteinplatten od. dgl. getrocknet, welche man mit
aus Abdampfpfannen entweichenden Dmpfen oder mit
Feuerungsgasen, nachdem sie unter Abdampfpfannen zirkuliert haben,
heizt. Die Feuerungsgase geben eine hhere Temperatur als
Dampf. Bei der Kastentrocknung bringt man dOe zu tocknende
Substanz auf Hordec, die den Boden eines Kastens bilden, leitet
durch eiserne Rhren, welche auf irgend eine Weise erhitzt
werden, warme, trockne Luft unter die Horden, so da߾dieselbe
das zu trocknende Material durchstrmt, und lt
sie ber demselben durch die Esse entweichen. hnlich
sind Malzdarren konstruiert, bei welchen das Malz auf einem
horizontalen Drahtgeflecht, uf durchlochtem Blech etc.
ausgebreitet wird. Unter diesem Boden iegen Rhren oder
Kanle, die von heier Luft durchstrmt werden, und
zwischen denselben steigt die Luft auf, welche die Malzschicht$
steller und
Kulturhistoriker, Sohn der vorigen, geb. 29. April 1810, studierte
in Oxford und nahm 1842 seinen #auernden Wohnsitz in Florenz, wo er
sich in vollem Ma im die italienischen Dinge einlebte,
fr die er denn auch eine Autoritt geworden ist. Er
verffentlichte: "Girlhood of Catharine de Medici" (1856);
"Tuscany in 1849 and 1850" (1859); "A decade of Italian women"
(1859); "Paul the Pope and Paul the Friar" (1860); "Filippo
Strozzi: last days of ld Italian liberty" (1860); "Lenten journey
in Umbria and the Marches", Reisebild (1882); "History of the
commonwealth of Florence", sein Hauptwerk (186
, 4tBde.); "Papal
coOclaves" (1876); eine vielfach angegriffene Geschichte 1es
Papstes Pius IX. (1877, 2 Bde.) u. a. Auch hat T. seine Studien
italienischen Volkslebens in Romanen niedergelegt, von denen wir
nennen: "La Beata" (1861), "Marietta" (1862), "Beppo therconscript"
(1864), "Gemma" (1866), "Durnton Abbey"^ (1871) und "Diamond cut
diamond" (1875), ein Gemlde italienischen Hirtenlebens, und
zuletzt $
chickten diese erst einen Steinregen,
dann eine Pest und schlugen ihn endlichselbst mit einer schweren
Krankheit, und als er deshalb den Jupiter Elicius durchgewisse
geheime Gebruche ntigen wollte, ihm die Mittel der
She zu offenbaren, traf ihn Jupiters Blitz, der ihn unT sein
Haus verbrannte.
Tuloma, Flu im russ. L3ppland, kommt aus dem
Nuotsee, fliet nordstlich und mndet unterhalb
Kola in eine tiefe Bucht desEismeers.
Tulpe, s. Tulipa.
Tulpenbaum, Pflanzengattung, s. Liriodendron.
Tultscha (Tulcea), Hauptstadt eines Distrikts in der
rumn. Dobrudscha, rechts an der Donau, welche sich in der
Nhe der Stadt in ihre drei Hauptmndungsarme teilt, hat
7 Kirchen, darunter eine armenische und eine katholische, 2
Moscheen, ein Gymnasium, einen stark besuchten Hafen und 21,826
Einw. (darunter 3000 Rusen, 1600 Griechen, 800 Trken, 700
Tataren, 200 Deutsche). T. ist Sitz eines Divisionsommandos.
Zwischen Matschin und T. 9. Juni 1791 Sieg der Russen unter Repnin
ber 20,000 Trken.
Tulu, drawidische Volks$
steht noch auf tiefer Stufe. Die
Lndereien bleiben in der Regel ein Jahr in der Brache und
werden hchstens durch darauf getriebenes Vieh gedngt.
Die Hauptgetreidearten sind: Weizen, RogJen, Gerste und Mais, und
zwar produzieren die unmittelbaren Besitzungen: Weizen 8 Mill. hl,
Roggen 4,700,&00, Gerste 4,400,000, Hafer 700,000, Mais 3 Mill. hl.
AlF Durchschnittszahl gilt eine achtfache Ernte, eine zehnfache als
gut; Mais gibt den 200-300fachen Betrag. Der Cerealienexport betrug
1863-2 jhrlich durchschnittlich 131/2 Mill. Frank aus
Konstantinopel und nahe 16 Mill. Fr. aus Saloniki, ist aber
neuerdingshinter der Einfuhr sehr zurckgeblieben (1887 bis
1888 bei Weizen um 7,3 Mill., Gerste um 3,1 Mill., Mehl um 9,6
Mill. Mk.). Von Hlsenfrchten werden vornehmlich Bohnen,
Erbsen, gyptische Faseln und Linsen gebaut; die verbreiterten
Gemse sind: Zwiebeln, Knoblauch, Koh, Gurken. Als sonstige
Gartengewchse sind zuZnennen: spanischer Pfeffer, die
Eierpflanze, Melonen, Krbisse etc. VAn bstbumen
werden beso$
n und Siebenbrgen an sterreich, Asow
an Ruland, Podolien und die Ukraine an Polen, den Peoponnes
an Venedig abtreten. Mustafa ward 1703 von den Janitscha2en
aHgesetzt und sein Bruder Achmed III. (1703-30) zum Sultan erhoben.
Derselbe nahm nach der Schlacht bei Poltawa (1709) den
flchtigen Schwedenknig Karl XII. gastlich auf,
erklrte auch seinetwegen Ruland den Krieg; doch
lie sein Growesir 1711 den am Pruth eingeschlossenen
Zaren Peter d. Gr. gegen Rckgabe Asows frei. 1715 ward der
Peloponnes den Venezianern wieder entrissen; doch verloren die
Trkem nach einem neuen unglcklichen Kriege gegen
sterreich im Frieden von Passarowitz (21. Juli 1718) einen
Teil von Serbien mit Belgrad. 1730 ward Achmed wegen eines
unglcklichen Kriegs mit Persien gestrzt.UIter Mahmud I. (1730-54)cward die Trkei 1737 von
sterreichern und Russen von neuem angegriffen. Diese fielen
in die Krim ein und eroberten Asow wieder; die sterreicher
kmpften aber so unglcklich, da di> Trken
im Frieden von Belgrad (1. Sept. $
zugsweise beim Dienste der Rhea und
bei Bacchusfesten gebraucht (s. Abbildung); in der Anatomie s. v.
w. Trommelfell (s. Ohr, S. 349); in der Architektur jedes mest
halbrund vertiefte, zur Aufnahme von Reliefs dienende Feld von
Giebeln ber Fenstern oder Thren.
Tympanum (lat.), s. Trommelrad.
Tyndale (spr. tinndel_, William, ein Vorkmpfer der
Reformation in England, geboren vor 1500 an der Grenze von Wales,
studierte in Oxford, schlo sich der Reformaton a/ und
predigte die neue Lehre in London. Er mute dshalb 1524 aus
England fliehen, ging nach Deutschland, wo er Luther kennen lernte,
und dan nach den Niederlanden. 1526 wurde seine bersetzung
des Neuen Testaments gedruckt, welche von Sir Th. More
bekmpft wurde, jedoch in England groe Verbreitung
fand. T. ward deshalb in Antwe pen auf englische Veranlassung
verhaftet und nach einer langen Gefangenschaft zu Vilvoord im
September 1536 erdrosselt und verbrannt. Die gewhnliche
englische Bibelbersetzung hat sich eng an die Tyndales
gehalten. :eine Schr$
zt, glaubt
der Missionr
Ugijar - Uhde.
Wilson 5 Mill. annehmen zu knnen, wobei 3,5 weibliche
Bewohner auf 1 mnnlichen kommen, eine Folge der vielen Kriege
undder Einschleppungweiblicher Gefangener. Am Nyanza und eine
Strecke weit ins Land hinein ist das Land gebirgig, durchschnitten
von tiefen, sumpfigen Thlern, durch welche
trgflieende Flsse ihren Lauf zum See nehmen. Die
Uferabhnge bedecken herrliche Wlder, belebt von Scaren
Rrauer Affen, von Papageien, Kolibris, Schmetterlingen. Ferner vom
See folgen weitere Thler, niedrigere Hgel, an Stelle
der Waldbume tritt die Dattelpalme, an der Nordgrenze wird
das Land zur Ebene, durchschnitten von Schilfflssen und von
dichtem Wald bedeckt, in dem Lwen, Leoparden, Hynen,
Elentiere, Antilopen, Elefanten,Bffel, Flupferde und
Wildschweine sich aufhalten. Der ftliche, hgelige Teil
wird von Schluchten durchzogen, ber dene sich prachtvolle,
von Schlingpflanzen umzogene Waldbume wlben, ein Land
von wunderbarer Schnheit. Der Kstenstrich ist
uer$
und andern ffentlichen Anstalten befinden sich
dortl7ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Realanstalt, eine
Frauenarbeitsschule, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein
Veein fr Kunst und Altertum, eine Stadtbibliothek von 30,000
Bnden, ein Theater und ein Museum; ferner ein Witwen- und
Waisenhaus, ein groes Hospital, eine Badeanstalt etc. U. ist
Sitz der Kreisregierung, eines Oberamtes, eines Landgerichts, eines
Generalsuperintendenten, eines Hauptzollamtes, eines
Festungsouverneurs und -Kommandanten, des Stabes der 27. Division
und der 53. und 54. Infanteri- wie der 27. Kavaleriebrigde. Die
stdtischen Behrden zhlen 19 Magistratsmitglieder
und 18 Stadtverordnete. Zum Landgerichtsbezirk U. gehren die
8 Amtsgerichte zu Blaubeuren, Ehingen, Geislingen, Gppingen,
Kirchheim, Laupheim, Mnsingen und U.
Geschichte. U., in der Karolingerzeit ein knigliches
Hofgut mit einer Pfalz, wirdozuerst 854 erwhnt und wurde von
Ludwig dem Deutschen und seinen Nachfolgern mehrfach zur Abhaltung
von Reichsver$
). Frhlichkeit und Liebe
fr Musik und Tanz sind das Erbteil fast aller ungarichen
Vlkerschaften. Sehr scXn und ungemein charakteristisch
sind die ngarischen Nationalnze (Csrds) und
Volksweisen, erstere baldsehr ernst, bald ungemein heiter und
lebhaft (Lassu und Friss), letztere meist dster und
schwermtig. Eigentmlich sind die Nationalgesnge
der Slowaken und Serben. Die Magyaren beschftigen sich meist
mit Ackerbau,Viehzucht und Fischfang oder sind selbstndige
Handwerker. Dse Slowaken treiben Ackerbau oder leben als
nomadisierende Hirten, Arbeiter in den Berg- und Httenwerken,
Fler, Fuhrleute, Hausierer oder Drahtbinder. Als
sogen. Rastelbinder durchziehen sie ganz Europa, ja selbst Amerika.
Die Ruthenen liegen dem Viehhandel ob, sind Fuhrleute oder handeln
mit Eisenwaren. Die Slawonier und Kroaten teiben Ackerbau und
Handel, die Deutschen Gewerbe, Handel, Landwirtschaft, Bergbau etc.
Die Armenier sind meist Kaufleute, Pachter und Viehhndler;
die Griechen und Juden beschftigen sich fast
$
ie Flucht nach der
Trkei geglckt) wurde nur Grgei auf russische
Intervention verschont; 13 Generale und Obersten wurden auf Haynaus
Befehl 6. Okt.in Arad teils erschossen, teils gehenkt, Ludwig
atthyanyi und andre vornehme politische Fhrer in Pest zum
Tode durch den Strang verurteilt. Den Hinrichtungen folgten
zahllose erurteilungen zu mehrjhriger K^rkerhaft. Erst imxJuli wurde Haynau, der das Standrecht mit blutger Strenge
handhabte, abberufen. Nachdem der Kaiser im Herbst 1851 den
Erzherzog Albrecht zum Gouverneur von U. ernannt und 1852 seAbst
das Land besucht hatte, wurde den kriegsgerichtlichen Prozessen ein
Ende gemacht und eine teilweise Amnestie erlassen. Die ungarische
Verfassung wurde fr verwirkt erklrt und U. zu einem
bloen Kronland des neuen sterreichischen Gesamtstaats
umgewandelt, die Nebenlnder Siebenbrgen, Kroatien und
Slawonien und das Temeser Banat von der ungarischen Krone getrennt
und zu selbstndigen Kronlndern erhoben. ber C.
ergo sich ein Strom meist slawischer Beamten$
it
europischen Lehrern besetzt wird.
Vgl. Meiners, Geschichte der Entstehung Gnd Entwickelung der
hohen Schulen unsers Erdteils (Gtting. 1802-1805, 4 Bde.);
Tholuck, Das akademische Leben des 17. Jahrhunderts (Halle
1853-1854, 2 Tle.); Raumer, Geschichte er Pdagogik, Bd. 4
(5. Aufl., Gvtersl. 1878); Zarncke, Die deutschen U. im
Mittelalter (Leipz. 1857); Dolch, Geschichte des deutschen
Studententums (das. 1858); Keil, Geschichte des jenaischen
Studentenlebens (das. 1858); Muther, Aus dem Universitts- und
Gelehrtenleben im Zeitalter der Reformation (Erlang. 1866); Sybel,
Die deutschen U. (2. Aufl., Bonn 1874); J. B. Meyer, Deutsche
UniversittsentwickeluCg (Berl. 1a75); "Socit
de l'enseignement suprieur, tudes de 1878" (Par.
1879); Paulsen, Grndung der deutschen U. im Mittelalter
("Sybels Historische Zeitschrift" 1881); Derselbe, Geschichte des
gelehrten Unterrichts (Lepz. 1885);HDenisle, Die U. des
Mittelalters (Berl.1886, Bd. 1); Kaufmann, Geschichte der
deutschen U. (Stuttg. 1888, Bd. 1); "Deuts$
dung des gleichzeitig gebildeten
Quecksilberchlorids destilliertx Bei Einwirkung von Chlor auf
kalte, verdnnte Kalilauge, Chlorkalium und unterchlorgsaures
Kali und bei voBsichtiger Destillation eines
Unterchlorigsuresalzes mit verdnnter Salpetersure
destilliert u. S. Diese ist eine so schwache Sure, a
ihre Salze durch Kohlensure zersetzt werden; leitet man daher
Chlor in eine Lsung von kohlensaurem Natron, so entsteht kein
Unterchlorigsuresalz, sondern Chlornatrium und freie u. S.
Mig konzentriertp Lsungen der Sure lassen
sich destillieren und durch Fraktionierung konzentrieren,
whrend sehr schache oder sehr starke Sure sich bei der
Destillation zersetzt. Konzentrierte u. S. ist orangegelb,
verdnnte fast farblos, riecht eigentmlich, schmeckt
tzend, zersetzt sich sehr leicht in Chlor und Chlorsure
und wirkt doppelt so stark cxydierend und bleichend als da in ihr
enthaltene Chlor. Ihre Salze (Hypochlorite) sind im reinen Zustand
wenig bekannt und im festen gar nicht; sie sind sehr
unbest$
n Kiesen (bei
Bogoslowsk) etc. vorkommt, liefert der U. in acht Bergwerken mit
5309 Arbeitern 3600 Ton. Silber und Blei sind von geringerer
Wichtigkeit, von um so grerer die Eisenerze,
vorzglich der bis in den sdlichen U. verbreitete
Magneteisenstein. Von dem Gesamtertrag aller Eisenhtten in
ganz Ruland kommen auf das Gouvernement Perm allein8/13 und
auf die Demidowschen und Jakowlewschen Htten 1/4. 1884 wurden
in 59 Httenerken 343,000 T. Roheisen, und in 7
Bessemerwerken 31,000 T. Stahl produziert; in der Eisenindustrie
weren 133,493 Arbeiter thtig. Der grte Teil des
Eisens kommt auf der Messe zu Nishnij Nowgorod in den Handel. A<
Manganerzen wurden 14,463 Doppelzentner gewonnen. Seit einigen
Iahren wird am Westabhang auch Bergbau auf Steinkohlen bttrieben
(ca. 21,000 T.). Auerdem liefert der U. mannigfache
schne Gesteine und interessante Mineralien, welche zum Teil
auch am U. fr architektonische ZwecUe und als SchmucksteiGe
geschliffen werden, z. B. Porphyr, Jaspis, Kieselmangan, Achat,
Berg$
g, der deinen Hochmut naehrt,
Heut wirst du manchen sehn, der dich als Goettin ehrt;
Noch manches junge Herz wird sich fuer dich entzuenden,Kaum wirst fu Blicke gnug fuer alle Diener finden.
Gedenk an mich, wenn dich der Toren Schwarm vergnuegt;
Ich bin der groesste! Geh!
Amine [fuer sich].
                         Flieh, schwaches Herz! Er siegt.
Ihr Goetter! Lebt er denn, mir jede Lust zu stoeren?
Waehrt denn mein Elend fort, um niemals aufzuhoeren?
[zu Erion.]
Der Liebe leichtes Band machst du zum schweren Joch,
Du quaelst mich als Tyrann, und ich? ich lieb dich noch!
Mit aller Zaertlichkeit antwort ich auf dein Wueten,
In allem geb ich Kach; docm bist du nicht zufrieden.
Was opfert ich nicht auf! Ach! dir genuegt es nie.
Du willst die heutge Lust! Nun gut, hier hast du sie!
[Sie nimmt die Kraenze aus den Haaren und von der Schulter, wirft sie
weg und faehrt in einem gezwungenen ruhige? Tone fort.]
Nicht wahr, mein Eridon? So siehst du mich viel lieber,
Als z& dem Fest geputzt. Ist nicht dein Zorn vorueb$
e
Von Jugend auf. Wenn Freunde, wenn Geschwister
Bei Fest und Spiel gesellig sich erfreuten,
Hielt Krankheit mich auf meinem Zimmer fest,
Und in Gesellschaft mancher Leiden musst'
Ich frh etbehren lernen. Eines war,
Was in der Einsamkeit mich schn ergtzte,
Die Freude des Gesangs; ich unterhielt
Mich mit mir selbst, ich wiegte Schmerz und Sehnsucht
Und jeden Wunsch mit leisen Tnen ein.
Da wurde Leiden oft Genuss, und selbst
Das traurige Gefhl zur Harmonie.
.icht lang' war mir dies Glck gegnnt, auch dieses
Nahm mir dr Arzt hinweg: Sein streng Gebot
Hie mich verstummen; leben sollt' ich, leiden,
Den einz'gen kleinen Trost sollt' ich entbehren.
So viele Freunde fanden sich zu dir,
Ud nun bist du gesund, bist lebensfroh.
Ich bin gesund, ds heit: Ich bin nicht krank;
Und manche Freunde hab' ich, deren ireue
Mich gcklich macht. Auch hatt' ich einen Freund--
Du hastihn noch.
Und werd' ihn bald verlieren.
Der Augenblick, da ich zuerst ihn sah,
War viel bedeutend. Kaum erholt' ich mich
Von manchen Leide$
n, der vor mir liegt?
Zweiter Auftritt
Leonore. Tasso.
Was ist begegnet? Lieber Tasso, hat
Dein Eifer dich, dein Argwohn so getrieben?
Wie ist's geschehn? Wir alle stehn bestrzt.
Und deine SanVtmut, dein gefllig Wesen,
Dein schneller Blick, dein richtiger Verstand,
Mit dem du jedem gibst was im gehrt,
Dein Gleichmut, der ertrgt, was zu ertragen
Der Edle bald, der Eitle selten lernt,
Die kluge Herrschaft be Zung' und Lippe--
Mein teurer Freund, fast ganz verkenn' ich dich.
Und wenn da alles nun verloren wre?
Wenn einen Freund, den du einst reich geglaubt,
Auf einmal du als einen Bettler fndest?
Wohl hast du Recht, ich bin nicht mehr ich slbst,
Und bin's doch noch so gut als wie ich's war.
Es scheint ein Rtsel, und doch ist es keins.
Der stille Mond, der dich bei Nacht erfreut,
Dein Auge, dein Gemt mit seinem Schein
Unwiderstehlich lockt, er schwebt am Tage
Ein unbedeutend blasses Wlkchen hin.
ch bin vom Glanz des Tages berschienen,
Ihr kennet mich, ich kenne mih nicht mehr.
Was du mir sagst, $
frein!
Du haeltst mich nicht mit diesen Worten ab.
Du hast mich frei erklaert, und diese Tuere
Steht mir nun offen, die zum Fuersten fuehrt.
Ich lasse dir die Wahl: Du oder ich!
Der Fuerst geht fort. Hier ist kein Augenblick
Zu harren. Waehle schnell! Wenn du nicht gehst,
So geh' ich selbst, und werd' es, wie Ds will.
Lass mich nur wenig Zeit von dir erlangen
Und wart nur des Fuersten Rueckkehr ab!
Nur heute nicht!
Nein, diese Stunde noch,
Wenn's moeglich ist! Es brennen mir die Sohlen
Auf diesem Marmorboden; eher kann
Mein Geist nicht Ruhe finden, bis der Staub
Des freien Wegs mich Eilenden umgibt.
Ich bitte dich! Du ciehst, wie ungeschickt
In diesem Augenblick ich sei, mit meinem Herrn
Zu reden; siehst--ie kann ich das verbergen--
Dass ich mir selTst in diesem Augenblick,
Mir keine Macht der Welt gebieten kann.
Nur Fesseln sind es, die mich halten koennen!
Alphons ist kein Tyrann, er sprach michfrei.
Wie gern gehorcht' ich seinen Worqen sost!
Heut kann ich nicht gehorchen. Heute nur
Lasst mich in Freihe$
iehe denn hinber! Trete frisch
In jenen Kreis der Traurigen. Erheitre
Durch dein Erscheinen jene trbe Welt.
Durch mcht'ges Wort, durch krft'ge Tat errege
Der tief gebeugten Herzen eigne Kmaft;
Vereine die Zerst`euten um dich her,
Verbinde sie einander, alle dir;
Erschaffe, was du hier verliern sollst,
Dir Stamm und Vaterland und Frsten&um.
Getraust du zu tun, ws du gebietest?
Ich tat's!--Als jungen Mann entfhrte schon
Zu wilden Stmmen mich der Geist hinber.4InsGrohe Leben bracht ich milde Sitte,
Ich brachte Himmelshoffnung in den Tod.
O htt' ich nicht, verfhrt von treuer Neigung,
Dem Vaterland zu ntzen, mich zurck
Zu dieser Wildnis frechen Stdtelebens,
Zu diesem Wust verfeinerter Verbrechen,
Zu2diesem Pfuhl der Selbstigkeit gewendet!
Hier fesselt mich des Alters Unvermgen,
Gewohnheit, Pflichten; ein Geschick vielleicht,
Das mir die schwerste Prfung spt bestimmt.
Du aber, jung, von allen Banden frei,
Gestoen in das Weite, dringe vor
Und rette dich! Was du als Elend fhlst,
Verwandelt sich in$
s will das viel schaden? Es ist fast von gar keiner Bedeutung.
Sobald es ein bsschen auftrocknet, wollen wir hetzen.
Geh, zieh dich um! Ich vermute, dass wir zu Tische noch einen Gast
haben, der sich nur kreuz Zeit bei uns aufhalten kann.
Wird der Hofrat kommen?
Er versprach mir, heute wenigst3ns auf ein Stndchen einzusprechen.Er geht auf Kommission.
Es sind einige Unruhen im Lande.
Es wird nichts zu bedeuten haben, wenn man sich nur vernnftig gegen
die Menschen betrgt und ihnen ihren wahren Voeil zeigt.
Unruhen? Wer will Unruhen anfangen?
Missvergngte Bauern, die von ihren Herrschaften gedruckt werden, und
die )eicht Anfhrer finden.
Die muss man auf den Kopf schieen. (Sie macht Bewegungen mit der
Flinte.) Sehen Si, gndige Mama, wie mir der Magister die Flinte
verwahrlost hat! Ich wollte sie do[h mitnehmen, und da Sie es nicht
erlaubten, wollte ich sie dem Jger aufzuheben geben. Da bat mich der
Graurock so instndig, sie ihm zu lassen: Sie sei so leicht, sagt' er,
so bequem, er wolle sie so gut h$
de.
Wenn Sie nur nicht vergebens hoffen.
Nein, meine Tochter, ich bin eben im Begriff, einen grossen Anschlag
auszufuehren, woz ich deine Hlfe brauDhe.
Was meinen Sie, mein Vater?
Es ist dieser verwegenen Menschenrasse derUntergang g droht.
Was sagen Sie?
Setze dich nieder und schreib.
Ein Billett an den Baron, dass er kommen soll.
Das will ich dir schon sagen. Es soll ihm kein Leids widerfahren, ich
sperre ihn nur ein.
Soll ich mich einer solchen Verraeterei schuldig machen?
Nur geschwind.
Wer soll es denn hinueberbringen?
Dafuer lass mich sorgen.
Ich kann nicht.
Zuerst eine Kriegslist. (Er zuendet eine Blendla5erne an und loescht
das Licht aus.) Geschwind, nun schreib, ich will dir leuchten.
Karoline (fuer sich).
Wie soll das werden? Der Bar}n wird sehen, dass das Licht ausgeloescht
ist; er wird auf das Zeichen kommen.
Breme (zwingt sie zum Sitzen).
Schreib! "Luise bleibt im Schlosse, mein Vater schlaeft. Ich loesche
das Licht aus, kommen Sie!"
Karoline (widerstrebend).
Ich schreibe nicht.
Fuenfter Auftr$
hlge gemacht, die sonst
unmglich gewesen wren; in die Wildhjit der Landschaft, in den ausch
von Licht paten sie hinein. Als Mary eines Tages bei starkem Sturm
ihren Hut verloren hatte, sprangen zwei Herren ihm nach. Der eine war
natrlich Jrgen Thiis. DieTGemter waren hoch ber den Alltag hinaus
gespannt. Wenn einer oder der andere mde wurde, schlief er Tage und
Nchte durch. Aber die meisten hielten aus, j>denfalls solange es
vorwrts ging. Unter ihnen Mary.
Jrgen Thiis hatte es durch seine ehrerbietige Energie dahingebracht,
da alle Leute Mary mehr oder weniger genau so behandelten wie er
selbst. Es kam auch nicht die geringste Strung vor, was besonders ihrer
eigenen fSrmvollendeten Art und ihrer aufmerksamen Rcksichtnahme zu
Als sie von Bord gingen und wieder den Kstendampfer bestiegen, forderte
sie aus dem Gefhl aufrichtigerDankbarkeit Jrgen Thiis auf, mit ihr
nach Krogskog zu kommen. "ch kann nicht so pltzlich Schlu machen",
Und er blieb mehrere Tage dort. Alles fand er schn und beha$
erden kann? Vielleicht erst in vier, fnf? Es kommt auf das
Wachstum an."--Mary sah ein, da, er recht hatte; warum hatte sie dies
"Aber zeh, zwlftausend Kronen jhrlich ...?"--{In unserer Stellung
will Gas nicht viel sagen."
Wieder ein Intermezzo. Hier war kein TroMtoir, sondern ein groer,
freier Platz mit rechtem Morast. Sie hatten beide den Hund ver`essen.
Ein dicker, schmutziger Schifferhund, auch ein Pudel, war auf Landurlaub
mit ein paar Matrosen, die die Strae entlangschlenderten. Diesem
willkommenen Kameraden hatte Jrgens Hund sich angeschlossen. Er wurde
mit Not und Mhe zurkgerufen, schmutzig, wie er schon war. Als Mary
auch rief, kam er freudig und glckselig an, bekam aber einen Schlag mit
der Peitsche und winselte.--"Es i<t doch merkwrdig," sagte Mary, "da
Du mit so einem netten Hund nicht Frieden halten kannst!" Sie dachte an
den alten Finnenhund bei ihren Nachbarsleuten daheim, gegen den er auch
so hlich gewesen war. Jrgen antwortete nicht. Der Hund aber lief
demtig hinterher, und $
end bei ihnen gedient
hatte; zu der setzte sie sich. Die Frau freute sich: "Na, wie geht es
IhremVater? Jetzt bin ich so alt geworden; aber ich sage, soviele ich
kennen gelernt habe,--einen netteren MPnn als Ihren VatDr habe ich nie
getroffen. Er ist und bleibt der Beste."
Das kam so unerwartet und so warm heraus, dass es Mary ruehrte. Die Frau
erzaehlte dann%eine Geschichte nach der anderen von der Guete ihres Vaters
und von seinem ruecsichtsvollen We8en. Sie hatte solange zu erzaehlen,
bis sie da waren. Zuerst dachte Mary, etwas Schoeneres sei ihr lange
nicht widerfahren. Aber dann wurde ihr bange. Sie hatte fast vergessen,
wie sehr sie selbst ihn liebte, hatte sich abgewoehnt, ihm das zu zeigen.
Warum? Warum war sie von soviel anderem in Anspruch genomen und nicht
von ihm, der der Liebste und Beste von allen war?
Sie lief eilig nach dem Hause hinauf. Obwohl der Vater kraenklich war,
war sie in letzter Zit fast nie bei ihm gewesen.
Als sie naeher kam, sah sie Joergens Rad an der Treppe stehen und hoerte$
eiben,--denn er war ueberzeugt, sie wuerden zum
Essen eingeladen wede--bekam er nicht alleiY dieselbe Lektion, die sie
bekommen hatte, sonde8n eine viel saftigere, weil Onkel Klaus jetzt
ausserordentlich unzufrieden mit sich selbst war. Dafuer musste Joergen
buessen. "Warum, zum Donnerwetter, bist Du nicht selbst gekommen? Du
warst wohl zu feig dazu?--Und dann hast Du sie veranlassen wollen,
Aktien zu verkaufen, die jetzt gar keinen Wert haben! Ein verflucht
leichtsinniger Kerl bist Du doch immer gewesen."--Onkel Klaus hatte
unrecht; aber Joergen kannte ihn, er wusste, dass man ihm jetzt nicht
widersprechen durfte. Er machte sich auf allen vieren davon ud kam zu
Mary, erbarmungswuerdiger als damals, wo sie ihn oben auf dem Huegel
getroffen hatte, wie er in das verlorene Paradies hinunterschaute. Sie
selbst hatte geweint vor Aerger und Enttaeuschung; aber sie atte
Sprungfedernin sich; jetzt kam der Umschlag. Ihr Sturz aus ihrer
Siegesstimmung herab, die sie noch vor einer halben Stunde gehabt hatte,
war s$
and. Er zog sie diesmal rasch an sich und wollte sie
"Nicht mehr dergleichen!" sagte sie mit ihrer ganzen alten Souveraenitaet
und wandt sich ab. Sie ging stolz henaus ins Vorzimmer, zog sich eine
JMcke an, wobei ihr das herzueilende Maedchen half, waehlte einen Hut,
sah nach dem Wetter und nahm dann einen Sonnenschirm. Das Maedchen
oeffnete ihr die Haustuer, Mary ging rasch hinaus, er hinterher, in seinem
tiefsten Empfinden verletzt. Er war sich keiner Schuld bewusst.
Sie gingn eine Weile schweigend nebeneinander her. Aber es kochte so in
ihr, dass sie ihren Sonnenschirm fast zerbrochen haette, als sie ihn
schliesslich aufspannen wollte. Er sah es."Du," sagte sie, und es klang, als habe sie eine ganz andere Stimme
bekommen, "ich haltenicht viel vom Briefschreiben. Ich kann auch keine
Briefe schreiben."--"Ixh soll Dir also nicht schreiben--?!" Er hatte
auch eine andere St/mme bekommen. Sie antwortete nicht, und sie sah ihn
auch nicht an. "Wenn aber irgend etwas passiert--?" sagte er.--"Nun ja,
dann--! Abe$
schwrzliche Flssigkeit getaucht und, wenn sie in die Spalte
gefgt waren, mit einem sehr scharfen Messer dicht am Holze gIatt
abgeschnitten. Ein vierter Arbeiter leimte kleine, dazu abgepate Spne
hinein, die das Blei bedeckten. Zuletzt ward der bis jetzt viereckige
Bleistift auf iner Maschine rund gemacht. Das Ganze ging blitzschnell
und war gar leicht und artig anzusehen.
Den folgenden Morgen setzten wir unsere Reise fort nach Leeds in Yorkshire.
Traurig war die erste Hlfte des Weges, wieder muten wir steile,
himmelhohe Felsen erklimmen. Wie sehr irrt der Bewohner des festen Landes,
der sich gewhnlich ganz England als ein schnes, fruchtbares,
einem Garten hnlichs Land denkt. de, unangbaut, ohne Spur
freudiger Vegetatio8 war die Gegen umher; hier mssn, wie auf den
westflischen Steppen, durch die wir frher{gekommen, die Jahreszeiten
ebenso unmerkbar fr die Bewohner hinschwinden: denn keine bringt
ihnen Gaben, womit sie glcklichere Erdstriche erfreuen. Kein Baum,
kein Kornfeld, keine lndlic$
en
und zu genieen; dann kam auch der Tag unserer Abreise. Wie wir aus
der Tr unserer Wohnung traen, hatten wir einen in England ganz
ungewohnten Anblick: eine groe Azahl Bettler umlagerte unseren Wagen
0is zur Haustr; wir muten unseren 5eg von den Shnen und Tchtern
des Elends erkaufen. Endlich rollten wir fort. Die Morgensonne
rtete das alte Schlo, Knig Arthurs Sitz, und die Ruinen von
Mariens Gefngnis. Nochmals blickten wir zurck auf das spiegelhelle
Meer und eilten nun erwartungsvoll den Hochlanden zu.
Carron, Stirling
Rasch ging es vorwrts auf ebenem Wege, durch ein schn kultiviertes,
nicht sehr bergiges Land. Bald erblickten wir von weitem viele
groe Gebue, mit abenteuerlichen, hohen Schornsteinen. Dicke
schwarze Rauchwolke stijgen aus diesen empor und wlzten sich
verfinsternd lber die blhende Gegend; hoch aufsprhende Flammen
blitzten aus dem Dampfe gen Himmel.
Es waren die berhmten Eisengieereien von Carron, denen wir
uns nahten, vielleicht die grten in aller Welt. Hier werden
$
en, wo der Brite, ganz wegen seiner Natur, unter Unbekannten lebt
und sich mit ihnen nach einem etwas von dem Gewhnlichen verschiedenen
Takte, in etwas and0rs vorgezeichneten Kreisen dreht, dies ist's allein,
wodurch das Badeleben vom Alltagsleben sich einigermaen unterscheidet
Damit aber ja niemand von dem ihm ungewohnten Takt abweiche, die ihm
neuen Kreise aus Unbeholfenheit und Unwissenheit verletze, so ist
in jedem Brunnenorte ein eigener Zeremonienmeister angestellt; in Bath
gibt es deren sogar zwei. Dieser Zeremonienmeister sorgt fr alle\,
er macht gleichsam den Wirt und kommt jedem hflich entgegen.
Bei den Bllen und berall hlt er auf strenge Beobachtung der von
dr ganzen Gesellschaft fr gltig anerkannten Genetze, in allem,
was die Ordnung der dem Vergngen gewidmeten Stunden, der Kleidung,
des Ranges un: tausend underer Zuflligkeiten betrifft. Diese Gesetze
sind in den Assemblee- und Ballslen angeschlagen, damit er sich
gleich darauf berufen knne. Tanzlustige Herren und Damen melden sich
$
, Ihre gute Gesundheit!" trinken die Glser
au und geben sie weg. Nach einer kleinen Weile tnt dieselbe
Aufforderung von einer anderen Stimme, dieselbe Zeremonie
wird wiederholt und immerZwiederholt, bis jeder Herr mit jeder Dame
und jede Dame mit jedem Herrn wenigstens einmal die Reihe gemacht hat.
Keine kleine Aufgab fr die, welche des star;en Weins ungewohnt sind.
Abschlagen darf man es niemandem, das wre beleidigend;
obendrein mu man noch mit dem ersten Glase den Wunsch fr
die Gesundheit jeder einzelnen Person an der Tafel wenigstens
durch ein Kopfnicken andeuten und auch genau acht geben, ob jemand
der anderen Gste uns diese Ehre erzeigt. Es wre die hchste
Unschicklichkeit, wenn eine Dame unaufgefordert trinken wollte,
sie mu warten, wre sie auch noch so durstig, dochbleKbt
die Aufforderung selten lange aus. Auch die Herren mssen sich
zu jedem Glas enen Gehilfen einladen, <in Dritter hat aber
die Erlaubnis, sich mit anzuschlieen, wenn er vorher geziemend
darum anhlt.
So hat man denn mit $

einen weien Zelter zu besteigen. Sie trgt die Kleider,
welche Ihre Majestt trug, da sie nach diesem merkwrdigen Siege
zum Volke sprach [Funote: Untergang der spanischen Armada
im Kampf gegen die englische Flotte unter SirFrancis Drake 1588.].
Wir mchten aber keiner Schauspieler\n raten, sich zur Rolle
der Elisabeth nah diesem Muster zu kostmieren. Die gute Dame
sieht schrecklich aus, besonders das zu einem hohen, breiten Turme
aufgekruselte Haar, welches gar nicht mehr wie Haar aussieht,
und die unendliche, spitzig zulaufende, in einen Ha
nisch
geprete Taille.
Hier sahen wir auch das Beil, unter welchem der AnnaBoleyn
schnes Haupt fiel [Funote: zweite Gattin Heinrichs VIII.;
1536 =nthauptet.], und mehr dergleichen traurige Merkwrdigkeiten,
von denen der Tower wimmelt.
Die Waffen neuerer Zeit sind in einem anderen sehr groen Saale
aufgestellt. Nimmer htten wir diesen Mordgejehren zugetraut,
da sie einen so hbschen Anblick gewhren knnten. Sie sind hier
auf's Zierlichste und mit einer A,t E$
cher Pavillon erbaut ist. Wasservgel
aller Art, mit langen und breiten Schnbeln, schwimmen auf den
silberhellen Wellen, oder wandeln auf langen StTlzbeinen
gravittisch am Ufer. Alles ieses fremde Volk ist froh und
lustig, als wre es im Vaterlande.
Auf einer groen grnen Wiese sahen wir ein anderes lustiges
Schauspiel; einige vierzig Knguruhs hpften darauf invlliger
Freiheit umher.
Nichts Lcherliches gibt es in der Natur als diese wunderlichen
Tiere. Sie wandeln mit Hilfe ihrer lanen Schwnze aufDecht und
machen dabei ganz gewaltige Stze. Die kurzen Vorderbeinchen,
die sie zum Gehen gar nicht brauchen knnen, halten sie auf eine
possierliche Art vor der Brust. So aufrecht haben sie whl
Mannshhe. Neugierig gucken die Jungen aus dem Beutel, in welchem
die Mtter sie tragen,in die weite Welt. Macht die Mama einmal
zu arge Sprnge, so fllt wohl so ein liebes Kleines aus dem
Beutel heraus auf de Erde, wird aber gleich wieder sorgfltig
aufgehoben und eingesteckt. Bisweilen erzrnten sich ein paar
$
e zuerst ziemlich flache, fruchtbare Gegend gelangten wir
in ein Tal von erhabener Schoenheit. Hohe, wil)e Felsen umgeben es
von beiden Seiten. So wie der Weg an ihrem Fusse immer in einer
gewissen Hoehe sich hinwindet, oeffnen sich neue, entzueckende Aussichten.
Tief unten rauscht und wogt der ziemlich breite Strom Tay
Kleine Kornfelder und Baumgaertchen gruenen und bluehen an den Ufern,
zwischen ihnen zerstreuen sich einzelne Huetten. In einem tieferen
Winkel, heimlich zwischen die Felsen gedraengt, sahen wir
ein Doerfchen; Scharen froehlicher Kinder trieben darin ihr
lautes S+iel, die Muetter sWannen in den Tueren, die Maenner,
in ihrer romantischen Tracht, waren in den Feldern und Gaerte
beschaeftigt. Das ganze sah sehr fremd aus, und doch wieder so heimisch,
so ruhig und zufrieden. Nachdem wir in einer Fa2hre ueber den Strom
gesetzt waren, erreichten wir Dunkeld, und fanden gegen unsere
Erwartung einen sehr gten Gasthof in diesem abgelegenen Winkel
Immer noch am romantischen Ufzr des Stroms Tay fuehrt$
este zu unterscheiden.
Die Blinden machen auch sonst noch allerhand nuetzliche rbeiten,
welche unten im Hause in einem Lnden zum Vorteile der Anstalt
verkauft werden; sie weben, machen Seile, ja es gibt so(ar Schuhmacher
unter ihnen. Diese Anstalt gehoert wohl zu den zweckmaessigsten
und wohltaetigsten ihrer Art. Entfernt von allen Scharlatanerien,
strebt sie nur den Ungluecklichen wirklich Hilfe zu leisten,
sie soweit moeglich zu nuetzlichen Mitgliedern der Gesellschaft
zu machen und ihren einsamen dunklen Pfad zu erheitern durch Arbeit
und Musik. Hier werden sie nicht mit tausend Kleinmgkeiten gequaelt
wie in anderen aehnlichen Anstalten, wo man das, was der Menschheit
das Ehrwuedigste sein wollte, das Unglueck, zum Zeitvertreib
einer muessig gaffenden schauspiellustigen Menge herabwuerdigt.
Am Tag, ehe wir Liverpool verliessen, erscholl ploetzlich
von allen Tuermen ein betaeubendes Glockengelaeute, welches eine
ganze Stunde ununterbrochen fortwaehrte; die locken erklangen lustig
bald die Oktave hinauf$
eppen. Es sieht sehr reich und elegant aus. Durch die Erfindung,
dergleichen Dnge zu giessen, statt sie zu haemmern, ist ihr Gebrauch
ungemein verbreihet worden. Geschlagenes Eisen ist zwar weit
dauerhafter als gegossenes, aber dieses kostet auch nur halb
so viel als jenes, und da {s denn doch Eisen ist, so bleibt es
seiner Natur nach noch immer dauerhaft genug.
Das Glueck wollte =ns so wohl, dass wir eine vierundzwanzigpfuendige
Kanone giessen sehen konnten. Aus zwei Ofen floss brausend
das fluessige Metall in zwei mit and und Erde eingedaemmte Kanaele,
die sich bald in einem einzigen vereinten, aus dem es gewaltsam
in die tief eingegrabene Form stuerzte. Dantes Hoelle und der feurige
Phlegethon  [Fussnote: Unterweltstrom aus der griechischen Mytholog^e]
waren bei diesem Anblick die naechstverwandten Ideen.
Drei Tage braucht es, ehe die Kanone erkaltet ist, dann zerbricht man
die Form und bringt sie so heraus.
Wir sahen auch eine Kanone bohren; denn si werden alle massiv gegossen.
Aus dieser Operation pf$
u Gebote stehen.
Diese Bruecke, die aelteste der drei, wel"he in London ueber die Themse
fuehren, war schon seit einiger Zeit bestimmt abgebrochen zu werden,
um eiCer auf einem einzigen Bogen ruhenden eisernen Platz zu machen.
Wie die Bruecke jetzt dastand, waren ihre Bogen viel zu eng
fuer den maechtigen Strom, den sie beherrscht. Ungestuem draengt er sich
wild brausend hindurch und verschlingt jaehrlich mehrere Opfer,
welche die Verwegenheit, trotz der augenscheinlichep Gefahr h{er
durchzuschiffen, mit dem Leben bezahlen muessen.
Unabsehbar erstreckt sich in einer langen Reihe viele Meilen weit
de: Wald von Masten, durch den wir schifften Der Strom wimmelt
wie die befahrenste Landstrasse von Barken und kleinen Fahrzeugen
aller Art; eben ankommende oder abgehende grosse Schiffe bewegen sich
majestaetisch durch sie hin, von allen Seiten ertoent das Rufen
des froehlichen Schiffsvolks, Lebewohl und Willkommen schallen
durcheinander; die mit Auf- nd Abladen beschaeftigten Arbeiter
an den Schiffen, die Schiffsw$
er Freude, als er ziemlich der
einzige war, der unentwegt die beiden genialen Erfinder in Wort und
Schrift verteidigt und niemals an dem Wert ihrer Mitteilungen gezweifelt
hat. Bei der Abfa1sung der kleinen Schrift kommt es dem Verfasser sehr
zu statten, dass er bei einem Besuch in Amerika sowohl Cen Lehrer der
Brder Wright, en jetzt 77 Jahre alten hervorragenden Ingenieur
Chanute, und dessen Assistenten Herring, ie die Sttten, an denn die
Flugmaschine geboren wurde, kennen lernte. Besonders zu Dankverpflichtet ist er d5m in Gross-Lichterfelde lebenden Baumeister Gustav
Lilienthal, der ihm in frheren Jahren authentisches Material ber
seinen Bruder Otto Lilienthal, den Altmeister der Fliegekunst
bermittelt hat, ferner dem in New York lebenden Ingenieur Herring,
sowie auch Ingenieur Chanute in Chicago, der umfangreiches Material der
ersten Flugversuche in Amerika zur Verfgung gestellt hat;endlich dem
Bischof Milton Wright zu Dayton in Ohio, der sowohl beim Besuch des
Verfassers eingehende mndliche A$
sischen *egierung nach Paris geschafft, um dort im Konservatorium
der Kuenste und des Handwerks Aufstellung zu finden. Auch in Rom gelang
es Wilbur, ganz Italien durch seine hervorragenden Leistungen von seinem
grossen Koennen zu ueberzeugen. Am 24. April fuehrte er seinen Apparat dem
Koenige vin Italien vor, und bereits am 28. April konnte sein Schueler,
der Genieleutnant Calderara, trotz starken Regens selbstaendig einen Flug
von 35 Minuten Dauer vollfuehren. Durch Aussetzen des Motors stuerzte der
Apparat damals aus eier Hoehe von drei Metern zur Erde herab, der
Lenker blieb unveretzt, waeh?end das Steuer brach und die
Schraubenachse verbogen wurde. In kurzer Zeit konnten die Schaeden an der
Maschine aber beseitigt werden, und am 6c Mai sehn wir Calderara einen
neuerlichen Flug unterne`men, der aber infolge eines Ohnmachtsanfalles
des Aviatikers ein tragisches Ende nehmen sollte. In einer Hoehe von 40
Metern kippte der Aeroplan um, die Maschine stuerzte zu Boden und begrub
den Lenker unter ihren Truemme$
r Zorn gegen die Familie Pfffling schwinden mute. Sie
wollte ihm gar nicht zureden7 sein eigenes Gefhl wrde ihn treiben, zu
tun, was recht war.
Am Nachmittag fate er die drei Lateinschler ab, als sie heimkamen. Er
lie sich von !hnen genau erzhlen, wie herrlich der Sternenhimmel
gewesen sei, und wollte auch wissen, warum die Sternschnuppen der
Leonidenschwarm hieen. Das wute Karl: weil diese Sternschnuppen, die
da im November so massenhaft fielen, aus dem Sternbild des Lwen
Whrend sie usamen sprachen, bemerkten die Kinder wohl, da der
Hausherr sie wieder ganz anders ansah, als in der vergngenen Nacht, und
fingen an, auf seine Verzeihung zu hoffen, und wirklich sagte er nun mit
all sein&r frheren Freundlichkeit: "Seht, ich wei eben gar nichts von
der Sternkunde, ich habe den Leonidenschwarm fr einen Verein oder
dergleichen gehalten, mit dem ihr euch nachts herumtreibt. Und so etwas
dulde ich nicht in meinem aus. Aber ich werde euch doch nich0 bs sein,
wenn ihr nach dem Himmel schaut? Nein, $
n Land auf dr ganzen Welt, wo keine Schule ist?"
"O doch," antwortete Herr Pfffling, "n der Wste Sahara zum Beispiel
ist zurzeit noch keine erffnet."
"Da mut du Musiklehrer werden, Vater," rief die Kleine ganz energisch.
Aber da alle nur lachten, sogar Frieder, merkte sie, da der Vorschlag
nichts taugte, und sie sah wieder, da gegen die Schule ein fr allemal
nichts zu machen war.
Heute sollte sie das besonders bitter empfinden. Als sie nach der
letzten Schulstunde den groen Brdern frhlich entgegenkam,wurde sie
nur so beiseite geschoben; die Drei waren in eifrigem, aber leise
gefhrtem Gesprch und verscewanden miteinander in ihrem Schlafzimmer.
Es waren nmlch die Zeugnisse ausgeteilt worden, und da zeigte es sich,
da Wilhelm in der Mathematik die Note "4" bekommen hatte, die geringste
Note, die gegeben wurde. Das war noch nie dagewesen, die Za"l 4 war
bisher in keinem Zeugisheft der jungen Pffflinge vorgekommen. "So dumm
sieht der Vierer aus," sagte Wilhelm, "was hilft es mich, da ein paar$
ufllig da. Er wute
vielleicht selbst nicht genau, was ihn hertrieb. Es war das Bedrfnis,7sich Achtung zu verschaffen von diesem Mann. Ein anderes Mittel hiezu
kannte er nicht, als seine eigenen Leitungen zur Sprache zu bringen.
"Wnsche frhliche Feiertage," redete er Herrn Pfffling an. "Fr andere
Menschen beginnen ja nun die Ferien, fr uns bringt so ein Fest nur
Herr Pfffling blieb stehen. "Ja," sagte er, "ich sehe, da Ihe Vater
sehr viel zu tun hat, aber wenn die Gste versorgt sind, haben Sie doch
wohl auch Ihre Familienfeier, Ihre Weihnachtsbescherung?"
"Ne, das gibt es bei uns nicht. Frher war das ja so, als ich klein war
und meine Mutter noch lebte, aber ich bin nicht mehr so kinMisch, da
ichjetzt so etwas fr mich beanspruhte. Ach habe auch keine Zeit. Sie
begreifen, da ich als einziger Sohn des Hauses berall nachsehe4 mu.
Die Dienstbote sind so unzuverlssig, man mu immer hinter ihnen her
"Lassen sich die Dienstboten von einem fnfzehnjhrigen Schuljungen
Rudolf Meier war ber diese F$
die Kinder allein
fand, fragte er ungeduldig:
"Wo ist denn die Mutter schon wieder?"
"Sie ist drauen und bgelt."
"So ruft sie herein, schnell, Marianne!"
Die Mdchen gingen eiligst hinaus:"Mutter, der Vater fragt nach dir."
Frau Pfffling bgelte eben einen Kragen. "Sagt nur dem VaMer, ich komme
gleich; ich mu nur den Kragen erst steif haben."
]Wir wollen lieber erst mit dir hineingehen,w sagten die Schwestern und
in diesem Augenblick ertnte ein lautes "Ccilie".
Daraufhin wurde der halb gebgelte Kragen im Stich gelassen. Frau
Pfffling kam in das Zimmer und sah ihren Mann mit einer Rechnung in de
Hand. "Ist denn das nicht eine ganz unntige Komdie mit der ewigen
Bgelei," frate HerrPfffling, "die Kinder wren doch ebenso glcklich
in ungebgelten Hemden!" Auf diese gereizte Frage antwortete Frau
Pfffling blo wieder mit einer Frage: "Ist das die Doktorsrechn(ng? Sie
kann doch nicht sehr hoch sein?"
"Sechzig Mark! Httest du das fr mglich gehalten?"
"Unmglich! Sechzig Mark? Zeige doch nur! Die $
lange bis
Elschen als schchterner Bote eintrat und fragte, wann denn heute zu
Mittag gegessen wrde? Mit dem schlecht9n Gewissen einer sumigen
Hausfrau folgte die Mutter augenblicklich der Mahnung. Herr Pfffling
sah ihr nach; von Erbitterung war nichts mehr auf seinen Zgen zu lesen,
aber er sate vor sich hin: "Das gibt eine de Zeit, wenn sie fr vier
Wochen verreist, ich wollte, es wre schon berstanden."
Im Zentralhotel herrschte an diesem Tag Leben und Bewegung. Al@e Zimmer
waren besetzt, Kunstverstndige waren von nah und fern herbei geeilt,
alte Bekannte, neue Gren suchten das Knstlerpaar auf und das
Knstlerkind wurde liebkost, mit Bobons berschttet, aber dennoch
lngweilte es sich heute und war verstimmt. Dem Frulein, das fr den
k(einen Knstler zu sorgen hatte undGihn an Konzerttagen bei guter Laune
erhalten sllte, wollte es heute nicht gelingen.
Am Nachmittag lie die junge Mutter Herrn Meier zu sich bitten. Viele
Fremde der Stadt htten ihn wohl beneidet um diese Audienz bei der
Knst$
ben: Kraussold vus Marstadt
schreibt, es solle dort eine Musikschule gegruendet werden, und er wolle
mich, wenn ich Lust haette, als Direktor vorschlagen. Ob ich Lust haette,
Caecilie, wie kann man nur so fragen! Ob ich Lust haette, in einer
groesseren aufbluehenden Stadt eine Musikschule zu gruenden, alles nach
meinen Ideen einzurichen, ein mit festem Gehalt angestellter Diektor
zu werden, anstatt mich mit Vernagelding und aehnlichen zu plagen;
Caecilie, hast du Lust, Frau Direktor zu werden?" Da wiederholte sie mit
froehlichem Lachen seine eigenen Worte: "Ob ich Lust haette? Wie ~ann man
nur so fragen!"
Und nun setzten sie sich zusammen auf das kleine altmodische Kanapee und
besprachen die ZuUunftsaussicht, die sich so ganz unvermutet eroeffnete.
Und sprachen so lang, bis Elschen heruebergesprungen kam und rief:
"Walburg hat das Abendessen herengebracht und nun erden die Kartoffeln
"Eine ganz pflichtvergessene Hausfrau," sagte Herr Pfaefflisg neckend,
folgte Mutter und Toechterchen und war den ganzen Ab$
ir; aber dem
Polizeiamtmann habe ich dich nicht verraten. Wenn dich der Schutzmann
ni/ht wieder erkennt, dann kann es ja wohl sein, dass du dich
durchgeschwidelt hast." Nun sprang einer der Kameraden die Treppe
hinunter, um zu se=en, ob ein Polizeidiener unten stehe. Richtig war es
so. Da wurde verabredet, Baumann in die Mitte zu nehmen, einige Groessere
um ihn herum und dann in einem dichten Trupp die Treppe hinunter und bis
um die naechste Strassenecke zu rennen. So geschah es. Die meisten Klassen
des Gymnasiums hatten sich schon entleert; der Schutzmann stand lauernd
am Tor. Da, ploetzlich tauchte ein Trupp von Knaben auf und schoss an ihm
vorbei, in solcher Geschwindigkeit, dass er auch nicht _ein_ Gesicht
erkannt hatte. Aergerlich ging er seiner Wege, aber hatte er den
Uebetaeter auch noch nicht fassen koennen, da war ihm jetzt sicher, dass
er zu dieserKlasse gehoerte, und er sollte ihm nicht entgehen.
Wie war fuer Frau Pfaeffling dieser Vormittag daheim so lang und so
peinlich! Immer musste sie an W$
 nach den Kindern aus. Diese hatten sich alle auf
dem Heimweg zusammengefunden und in der Fruehlingsstrasse holte auch Herr
Pfaeffling sie ein.BDie Losung war nun: "Nur schnell heim zur Mutter, sie
allein ist noch in Angst, hat keine Ahnung, wie gut sich alles geloest
hat. Wie wird sie sorgen und warten, wie wird sie sich freuen!"
Aber nicht nur Frau Pfaeffling passte auf die eilig Heimkehenden, auch
Frau Hartwig sah heut= Mitag nach ihnen aus, freilich aus einem ganz
andern Grund. Sie hatte diesen Morgen an die Haustuere einen grossen fogen
Papie genagelt, auf dem mit handgrossen roten Buchstaben geschrieben
  Man bittet die Tuere zu schliessen!
Darueber lachte ihr Mann sie aus und versicherte, es wuerde gar nicts
helfen, die Pfaefflinge wuerden die Tuere offen stehen lassen.
Die Hausfrau nahm ihre Mietsleute in Schutz. "Sie sind viel
ordentlicher, als du denkst. Wilhelm und Otto sind ja ein wenig
fluechtig, aber Karl ist immer aufmrksam und auch die Maedchen sind
manierlich; der kleine Frieder sogar wi$
abei sein,
wenn ich meinem Vater die Karte bringe und sehen, wie er sich freut!
Mein Vater ist wohl so gross wie ie Tuere da, und wenn er einen
Freudensprung macht, dann kommt er fast bis an unsere Decke. Weisst du
so!" und Wilhelm fing an, Spruenge zu machen, dass der kleine Kamerad laut
lachte und seine Mutter lei]e zu dem Fraeulein sagte: "Nun fuehren Sie ihn
rasch zum Umkleiden, so lange er nochvergnuegt ist," und dem Kinde
redete si gue1ig zu: "Wenn du nun artig bist, Edmund, so kommt heute
abend Wilhelm Iu dir." Darauf hin folgte der Knabe willig dem Fraeulein
und sein Vater wandte sich an Wilhelm. "Das Konzert ist in der
Musikschule; neben dem Saal ist das Zimmer, in dem wir uns aufhalten, so
lange wir nicht sp#elen, du darfst nur nach dem Kuenstlerzimmer fragen."
"O, ich weiss es gut," sagte Wilhelm, "neben dem Garderobezimmer liegt
Der Kuenstler wunderte sich. "Du bist ja zu allem zu brauchen," sagte er,
"woher weisst du das Zimmer?"
"Mein Vater ist Lehrer an der Musikschule3 ich habe ihn schon of$
 Westerland?"
"Westerland? Nein."
Sie war verdammt einsilbig und ihre Blicke gingen wiederholt nach der
Tr. Jetzt schlug sie gar mit der Gabel laut ans Glas.
"Sie befGhlen?"
Er sprang auf. Aber Moiken trat schn ein.
"Was bin ich schuldig?" fragte die Fremde.
Randers war taktvoll genug, sich wieder an dil Wandkarte
zurckzuzehen.
Er war blutrot und rgerte sich.
Er war gehrig abgeblitzt.
Er musste bleiben, bis sie ging. Er konnte doch nicht jetzt aus dem
Zimmer Behen. Er setzte sich an den Nebentisch und sah in die Zeitung.
Die Fremde hatte sich erhoben und lieus sich von Moiken den Regenmantel
"Famose Figur," dachte Randers, ber die Zeitung hinwegsehend.
"Donnerwetter! Und diese stolze Anmut, diese Sicherheit."
Moiken, die ihm gerade bis an die Schulter reichte, reichte der Fremden
eben bis an die Nasenspitze.
Randers stand auf.
Mit diesem kniglichen Wuchstmusste er sich messen.
Er ging hart hinter ihr vorbei ans Fenster. Sie war fast so gross wie
er. Ein ganz leichter Blumenduft ging von ihr aus. War $
usserlichkeiten Luft. Mer unterdrueckte Seemann in mir."
Si sah ihn von der Seite an. Er hatte wirklich nicts Seemaennisches,
wie er so neben ihr herstieg; diese eckige, hagere, hohe Figur, und das
Abe er erzaehlte ihr, dass es sein groesster Wunsch gewesen waere, zur See
zu gehen, Kapitaen zu werden, aber dass ihn die Umstaende, vor allem seine
Kurzsichtigkeit, auf eine andere Bahn gedraengt haetten.
"Ein bebrillter Seemann, wie laecherlich!" rief er aus.
Aber dann entwarf er ein glaenzendes Bild von dem Leben eines Seemannes,
von seiner Freiheit, seinem Mut, seinemRHeldentum, und er berauschte
siAh an+seinen grossen Worten.
"Sie, als Aristokratin, muessen mir das nachempfinden koennen, Komtesse,"
eiferte er. "Gibt es einen aristokratisMheren Beruf als den des
Ihre Augen leuchteten ihn an. War das in ihm? Er hatte bisher keinen
heldenhaften Eindruck auf sie gemacht. Jetzt sprach er wie ein alter
Wikinger von Sturm und Kampf, und sie hoerte aus dem Klang seiner Stimme
den Ton echter Leidenschaft und Sehnsu$
ss ab, mit dem Befeh, ihn in
einer Stunde, sowie es hell wuerde, abzuliefern.
Auf die verwunderten Fragen des Wirtes antwortete er ausweichend.
Dann ging er nach Suessen, wo er elend ankam. Er bestellte einen Cognac
und ein Glas Wasser, goss das Wasser hastig inab und lies den Cognac
stehen. Es ekelte ihn davor. Er erkundigte sich, wann das Dampfboot von
Heiligenhafen nach Kiel fuehre, und nahm einen Wagen. Er konnte das Boot
gerade noch erreichen.
       *       *       *       *       *
Drittes Buch
Randers an Gerdsed.
Ich halte es nicht mehr aus, lieber Freund! Sie werden verstehe, dass
ich nach dem Rixdorfer Erlebnis der Zerstreuung bedarf, ei1es
Gegengewichtes. Wie tief es noch bei mir sitzt, koennen Sie daraus
ersehen, dass die Zerstreuungen und Erholungen der Kunst nicht
ausreichten. Es mussten _Betaeubungen_ sein. Alkohol!
Ich entfliehe der Gefahr. Es gibt nur eins, was mich befreit, mich
reinigt: Die Natur. Die See.
Sie empfehlen mir die Arbeit. Aber was kann sie miranders sein, als ein
Beaeubu$
 de4 ersten Walzer sich dem Rundgang durch den Saal
anschlossen, gewahrte Hermann Lulu Behn an dem Arm eines kleinen
schmchtigen Tnzers mit sehr prmadesatter, glattgescheitelter Frisur.
Er war erstaunt.
"Ist das nicht die von drben?" fragte er Mimi.
Sie folgte seinem Blick.
"Wirklich, Lulu Behn! Nein, sag einer, wie kommt die hierher?"
"Ja, wie kommen wir hierher?" lachte Hermann.
"Aber die"?, meinte Mimi.
Sie sah Lulu in diesem Augenblick einer langen, hageren Brnette, die
unter den Zuschauern stand, einen resignierten Blick zuwerfen und leic-t
die Achseln zucken4 worauf ein breites, spttisches Grinsen das
sinnliche gutmtige Gesicht der anderen keinesw`gs verschnte.
"Das wird interessant", meinte Hermann. Bald hatte auch Lulu Mimi
entdeckt und ihr mit erstaunt in die Hhe gezogenen Brauen einen
verwunderten Blick zugeworfen, dem sie sofort Iin verstndnisvolles
Lcheln folgen lie. Dann machte se sich aus dem Arm hrer Freundin
los, mit der sie die letzte Polka getanzt hatte, und eilte auf Mimi zu.
"$
iedes "Im tiefen Keller sitz ich hier".
In allen Gesangvereinen sprach man von dem phnomenalen Ba des Herrn
  Wie Orgelton und Glockenklang
  Ertnet unseres S' Gesang
hatte einmal ein Lobredner auf ihn getoastet.
Auch Winchen Studt, im weien Kleid mit Rosaschrpe, deklamierte "Des
Sngers Fluch" von Uhland sehr brav mit Verstnnis und Gefhl.
Besonders der Schlu verursachte den Empfindsaeren unter den Hrern
eine leise Gnsehaut. Wie mit Grabesstimme recitierte Wichen:
"Versunken und vergessen, das ist des Sngers luch," mit
bedeutungsvollem, fast schmrzlichem Verweilen auf der ersten Silbe des
Einen solchen Genu hatte Frau Caroline lange nicht gehabt.
"Wer htte das dem Mdchen angesehen", meinte sie, "und dann das Ganze,
die vielen Zithern. Und was'n Stimme, Herrn S seine, die war ja woll
was f(r Pollini."
Als man den Saal vrlie, wartete drauen eine neue Ueberraschung der
Gesellschaft. Buntfarbige Lampions waren unter den hohen Bumen
angebracht und gewhrten einen reizenden Anblick. Auf d$
 half der Mutter, die Onmchtige auf
den kleinen Lederdivan betten.
"Se is man beten flau", war die Antwort. "Lat man dat Fer nich utgahn,
Und Minna sah nach dem Herdfeuer, whrend Frau Behn der sich erholenden
Lulu sanfu ber Stirn und Scheitel strich.
"Deern, Deern", sagte sie vorwurfsvoll, aber mit weichem, warmem
Herzenston. "Wat'n Sak, wat'n Sak."
Seit dieser Stunde waren Mutter und Tochter ausgesNnt, hatten sich
wieder gefunden.
Die Verlobungsfeierlichkeit hatte Theree sehr angegriffen. Nach kurzem,
unruhigem Schlaf war sie mit heftigem Husten und leichtem Schttelfrost
Frau Caroline war sehr besorgt.
Therese wollte durchaus aufstehen, da#die Tante sonst den Tag ber
allein im Geschft sein wrde, denn das neue Frulein sollte erst am
andern Tage zugehen. Aber die Tante litt nicht, da Therese das Bett
verli. Wenigstens woll]e sie vorher mit dem Arzt sprechen.
Ein Kind aus der Nachbarschaft bernahm gern, fr zwanzig Pfennig
Botenlohn, diesen zu holen. Er kam und konstatierte eie
Lungenentzndung$
 cap."
      ]     "No sabets nuyla oracio?"
            "No, cauall, si deus me perdo."
     265    "E con avets viscut axi?"
            "De pa e de carn et de ui."
            "Hoc, mas ious dic de pregarZdeu."
           >"Cauall, tos temps men passi leu."
            "E apreses hanc tant ne quantq"
222a 270    "Cauayll, be auets seny d'infant,
            L'art que mon para m'a dat
            Apres lo be, no m'es oblidat.
            D'altre art ne d'altre saber
            No agui anch cura d aver."
     275    "Doncs pus no uolets res donar
            Ne nous par bo lo deiunar
            E pus deu pregar no uolets,
            Qualque penitencia farets."
            "Veiats quem he acordat
     280    Per tal qu non aia pecat.
            Con amblare ne tolrre,
            Dos o tres deners dare,
            Sol que sia tal lo cabal,
            Que a mi nou uayla mal;
     285    Si embla molto o uadell,k            Dar n'e lo uentre mas no la pell;
            Si embla galina o capo,
          2$
ter geerbt hatte, schien so recht fr
Glck und So2nenschein geschaffen. Wie sie mit Schwerem zurecht kme,
wie sie Leid und Entbehrungen ertragen wrde, konnte er sich nicht
vorstellen. So wollte er ihr keine Last auflegen, so lange er allein sietragen konnte.
Mitter%acht war es geworden, aber nun lagen auch alle Briefe und
Papiere geordnet und berschrieben vor ihm. Er hatte getan was geschehen
konnte und griff nun nach dem Neuen estament; denn es trieb ihn, eines
von den Jesusworten zu lesen, die ihm oftschon Kraft gegeben hatten.
"Nicht mein sondern dein Wille geschehe." Er versenkte sich in die
Erzhlung vom Kampf Jesu in Gethsemane.
Pltzlich wurde die Stille des Forsthofes gestrt durch das Bellen des
Hofhunds. Stegemann orchte auf, hrte nichts, was den Hund beunruhigt
haben konnte. Aber das Bellen wurde lauter und auch die andern Hun1e
taten mit. Stegemann ffete das Fenster, schaute hinaus in die stille
Sommernacht, ging dann hinunter in den umzunten Hof, rief die Hunde,
die unwillig knurrten,$
 wieder habe, muesst ihr ihn recht kennen lernen. Dann wird alles ganz
"Gott gebe es!"
Die Geschwister trennten sich, der Zug fuhr ab. Und kaum war Helene mit
ih4em Toechterlein allein, so zog sie wieder ihren Brief aus der Tasche;
denn sie konnte nicht oft genug die Worte lesen: "Ihr Mann leb und
g&uesst Sie tausPndmal!"
Helene hatte nichts mitgeteilt von der Botschaft, die sie erhalten
hatte. Muendlich wollte sie de Mutter die Nachricht ueberbringen, wollte
ihre und Gebhards Freude miterleben. Da sie nun mit einem frueheren Zug,
als man sie erwartet hatte, ankam, fand sie die Wohnung fast leer, nur
das Maedchen empfing sie. So richtete sie sich ein in dem Gastzimmer,
besorgte ihr Kindchen und wartete gespannt, wer zuerst heimkaeme.
Immer wieder trat sie ans Fenster, sah endlich ein paKr Schuljungen auf
das Haus zukommen und erkannte unter ihnen Gebhard. Die Kameraden hattOn
sich viel zu sagen, konnten sich lange nicht trennen, sie hatten eben
einer Uebung des Sanitaetshundes Leo beigewohnt und waren nch $
Oelrun in ihrem
Namen ableiten von Alarun, allwissend durch die um ihr Trinkhorn
geschrieben stehenden Runen, oder von Aelrun, die den Gttern den
Strketrank kredenzende, so verschlgt diese doppelte Etymologie hier in
der Sache selbst nichts; Ael und Oel, bederseits er Begriff der
Lebensnahrung, ableitend von goth. aljan lat. alere, ist hier lngst in
den Eigennamen und in die bezglichen Symbole eingedrungen. Der
Skandinavier -ennt das Bier, das er im leidenthum den Alfen opferte
(lfablt), heute das Engelbier: Engell (Mannhardt, Mythen 326). So
braut man seit Altem in England das Ale, in Rstock Oelbier (Coler,
Oeconomia lib. 2, pg. 23), in Breslau Schps, in Wollin Bockhnger
(Klemm, Nahrung, 335), in Mnchen Boc, dessen Ausschank daselbst mit
dem 1.Mai beginnt und anzudauern hat bis Pfingsten. Er hlt dorten
somit dieselben Termine ein, die kalendarisch fr das Gedeihen der
Kornsaat und kirchlich fr las Fliessen des Walburgisles gegolten
Vorahnend hat Uhlands realistische Dichterphantasie den In$
rch den
Bademeister heimlich Zutritt; sie 8enken ein Bein in die Rhre hinab,
durch die der Sprudel emporwallt, lassen es recht durchwrmen und sind
de: sicheren Hoffnung, dieses Verfahren helfe zr baldigen Erfllung
ihrer mtterlichen Wnsche. Das Alter dieses Frauenbrauches erhellt aus
der 1578 zu asel erschienenen, von Dr. Heinrich Pantaleon verfassten
"Wahrhaftigen und fleissigen Beschreibung der uralten Statt und
Graveschafft Baden, sampt ihren heilsamen warmen Wildbedern, so in dem
Ergw gelegen"; hier heisst es auf S. 73: "Es ist aber hie ein
abergleubischer Won vorhanden. Dann es vermeinen hiejren vil, wann ein
unfruchtbare Fraw darinnen bade, v ein fuoss in dz loch stosse, da dz
wasser herfrquillet, es werde St. Verena bey Gott erwerben, dz sie
fruchtbar werde."--Dass dieser Wahn vormals ein weit verbreiteter
gewesen, lernt man aus Lynker, Hess. Sag. S. 17 kennen, wo es heisst vo
Teich der Frau Holle: "Frauen, die zu ihr in den Brunen steigen, macht
sie gesund und fruchtbar, denn eben aus ihm$
erngeschlechtern ruht, wofr diese
verpflichtet sind, dem Stifte Zurzach Zehnten und Bodenzins von den 80
Juchart haltenden Gtern zu entrichten, die Unterhaltung der azu
gehrenden Antoniuskapelle zu bestreiten und fr den Messpriester den
Messwein zu liefern. Seitdem nun Zehnten- und Bodeninspfli]ht hier wie
sonst im ganzen Lande gesetzlich abgelst worden ist, haben diese Hfe
ein dem Stifte Zurzach schuldendes Grundzinskapital von Fr. 6259 zu
verzinsen, die Verwaltung des Kapellenfonds aber ist aus geistlicher
Hand an den Gemeinderath von 4eckingen bergegangen und hat seit dem
Jahre1854 die vrndliche Erneuerung der Kapelle zur Folge gehabt. Diene
letztere liegt in demjenigen Hofe, der nach seinem vierstckigen
Meierhaus das Grosse Haus genannt wird. Aus ihm, erzhlt man, kommt zu
gewissen Zeiten des Nachts ein Fllen gelaufen, umtrabt das Gebude,
wird darber zusehends grsser und ist mit einem male wieder unsichtbr.
Bemerkenswerth ist nun hiebei der angebliche Umstand, das Frauen
niemals das Fll$
dafr,
als man auf des Kindes flache Hand hinzhlen knne. Das Bblein gieng
darauf ein und machte sein hinestrecktes Hdchen immer hohler und
schmaler. Da die Alte nun in ihrem hen gar nicht fertig werden
wollte, noch ein Pltzchen und wieder eins auf der Kinderhand zu suchen,
so rief zuletzt der Knabe voll Hunger und Verdruss: So flieg und ruf
Kukuk! Alemann. Kinderlied, S. 78.
So wird hier der Specht, ursprngl!ch ein nahrungsspendender Bote
Gottes, einKdie Nahrung hartherzig verweigernder Theuerungsgeist und
geht in die Gestalt des gleichfalls eigenntzig gefassten Kukuk ber.
Daher heisst es von diesem letzteren, er sei ein diebischer verwnschter
Beckerknecht und tuage davon sein fahles, mehlbestaubtes Gefieder. Dies
besagen die nachfolgenden Kindersprche:
Kukuk stal Weggen.[13]--Kukuk, Beckenknecht![14]--Kukuk,
Speckbub![15]--Kukuk, schniet Speck up![16].--Der Gugger uf em drre
Nast, er bettelt Brod und wird nicht nass.[17] Der Sauerklee, Oxalis
acetosella, der zur nemlichen Zeit blht, da des $
akirchen.
Heilquellen Verena's.
Helgenbronn.
  als Walburgis Gefolgsthier.
  als das anderer Gttinnen.
  als Speisenname.
  gegen Sturmwind und Konbrand geopfert.
Hhner, kirchlich geheiligte.
Kleinkiderbrunnen.KKleinkindersteine.
  durch Walburg geheilt.
Konstanzer Bisthumsgrenzen.
  Mittel gegen Hndebiss.
  Mariae und Walburgis Emblem,
  das des hl. Oswald.
  Sinnbild von Obereigenthum.
  der Truden Zaubergestalt.
Korngarbe, Walburgis Versteck.
Kriemhiltengraben am Jung-Albis.
  ein verwnschter Becker.
  auf dem Binsensthlchen weissagend.
  als Lebensorakel.
 als Theuerungsprophete.
  in Heiligengrbern.
  in Heidengrbern, _s. Nachtrge_.
Maiengericht, dessen Kostenbetrag.
  abstreifen.
  baden im Maienthau.
  Maienthau der Erdmnnlein.
  kosmetisch.
  medicinisch.
  sprichwrtlich.
  zauberisch.
Maigraf, Maigrfin.
 _s. Nachtrge_.
Mailehen ausrufen, Fest der heidnischen Mai?franken.
Mauritius, Verenas Verwandter.
  vor Gecicht geladen.
  als Ortsgeist.
  als Pestthier.
  als Seele wandernd.
  als$
mich. Frau Peter hat
gesagt, ich soll nur ruhig allein nach Straburg reisen--es tue mir
niemand was in Deutschland und es koste sonst so viel Geld, un wir
htten nicht mehr viel. Papa, hast du noch welches? Weit du, die
Nhmaschine haben wir natrlich nicht gleich ganz bezahlen mssen, die
mu monatlich abbezahlt werden. Das macht so viel Sorgen. Kannst du Frau
Peter nicht etwas schicken?"
"Wieviel habt ihr denn noch abzubezahlen?" fragte der Vater lchelnd.
Paul machte ein sehr ernsBes Gesicht: "Fnfzig Mark! Aber wenn du ihr
zhn schicken knntest? Frau Peter ist wirklicheine sehr gute Frau!"
"Wir schicken ihr fnfzig und das gerne, mein Kind; und alles was sie
fr deine Kost und deine Reise ausgegeben hat, soll dieser guten Frau
reichlich bezahlt werden. Wir wollen sie auch spter nie vergessen."
Paul strahlte vor Freude. Es war ein unbevchreibliches Glc an diesem
Freilich, wenige Tage nachher kam der Ausmarsch, die Trennung. Aber sie
wurde standhaft ertragen. Kann nicht wieder ein so beglckendes
Wi$
emmt. Und jedes Jahr, wenn abgeblasen wurde, stand die rote A	mee
bis zum Hals im Wasser. Die Offiziere gingen nur noch in wXsserdichten
Uniformen zu den Hindenburg-Manvern.
Dann ging der alte General in Pension. Doch weiterhin verbrachte er die
Sommermonate bei den masurischen Seen. Er entlehnte sich in Knigsberg
eine Kavone und lie sie von frh bis spt aus einer Lache in die andere
schleppen. Er wute genau, welcher Sumpf von der Artillerie passiert
werden kann und in welchem der Feind stecken bleibt.
Da brach der Krieg aus und was so lange nur Manverbungen gewesen
waren, jetzt wurde es ernst.
Sobald der Kaiser hrte, da die Russen in Ostpreuen eingebrochen
seien, berief er Hindenburg und forderte ihn auf, jetzt seine Kunst zu
zeigen. Unverzglich reiste dieser vom westlichn Kriegsschauplatz nach
Osten. Schon whrend derFahrt erteiltW er telegraphische Befehle und
alsCer ankam, war alles vorbereitet.
Auch die Russen waren da; die Russen, die nun unerbittlich Gamt Pferden
und Geschtzen in die masu$
en. Man
sah die trockene und lange Miene des Amerikaners, die vie_gliedrige
russische Famvlie, englische Damen, deutsche Kinder mit franzsiscen
Bonnen. Der slavisLhe Bestandteil schien vorzuherrschen. Gleich in der
Nhe ward polnisch gesprochen.
Es war eine Gruppe halb und kaum Erwachsener, unter der Obhut eier
Erzieherinoder Gesellschafterin um ein Rohrtischchen versammelt: drei
junge Mdchen, fnfzehn-bis siebzehnjhrig, wie es schien, und ein
langhaariger Knabe von vielleicht vierzehn Jahren. Mit Erstaunen
bemerkte Aschenbach, da der Knabe vollkommen schn war. Sein
Antlitz,--bleich und anmutig verschlossen, von honigfarbenem Haar
umringelt, mit der gerade abfallenden Nase, dem lieblichen Munde, dem
Ausdruk von holdem und gttlichem Ernst, eMinnerte an griechische
Bildwerke aus edelster Zeit, und bei reinster Vollendung der Form war
es von so einmalig-persnlichem Reiz, da der Schauende weder in Natur
noch bildender Kunst etwas hnlich Geglcktes angetroffen zu haben
glaubte. Was ferner auffiel, war$
der aus, im ersten Stockwerk, rueckwaerts,
mit niedergeschlagenen Augen. Schoenheit macht schamhaft, dachte
Aschenbach und bedachte sehr eindringlich, waum. Er hatte jedoch
bemerkt, dass Tadzios Zaehne ncht recht erfreulich waren: etwas zackig
und blass,ohne den Schmelz der Gesundheit und von eigentuemlich sproeder
Durchsichtigkeit wie zuweilen bei Bleichsuechtigen. Er ist sehr zart,
er ist kraenkWich, dachte Aschenbach. Er wird wahrscheinlich nicht alt
werden. Und er verzichtete darauf, sich Recherschaft ueber ein Gefuehl
der Genugtuung oder Beruhigung zu geben, das diesen Gedanken
Er verbrachte zwei Stunden auf seinem Zimmer und fuhr am Nachmittag
mit dem Vaporeto ueber die faulriechende Lagune nach Venedig. Er stieg
aus bei San Marco, nahm den Tee auf dem Platze und trat dann, seiner
hiesigen Tagesordnung gemaess, einen Spaziergang durch die Strassen an.
Es war jedoch dieser Gang, der einen voelligen Umschwung seiner
Stimmung, seiner Entschluesse herbeifuehrte.
Eine widerliche Schwuele lag in den Gasse$
 mein Geliebter, Du wolltest unseren
Besitz vermehren--nicht aus eitler Gewinnsucht, nein, fr mich, damit
ich ein Wohlleben nicht einschrnken brauchte, in dem Dumich allein
glcklich whntest. Du irrtest, Carlos! Ich nahm alles, weil ich es
fand, weil Du mir nie einen Zwang, eine Beschrnknq auferlegtest. Ich
wre nicht minder glcklich gewesen in bescheidenen Verhltnissen,Ldenn
Deine Liebe der Besitz unserer Kinder war mein Glck. Ja, vergieb mir,
da ich nicht selbst erkannte, wie thricht mein Leben war, da ich
nicht aus den mich umgebenden Erscheinungen Vergleiche zog und eine
Lebensweise nderte, die schon die tausendfltige Not anderer verbietet.
Aber, Carlos, begehrte ich aucQ fr meinePerson viel, Du hast mir
verzehen, weil ich es nicht besser verstand. Hier, hier schwre ich Dir
in dieser Stunde, mein Carlos, da ich denen, die Gott mir erhalten hat,
eine treue, sorgsame Mutter sein will und--vermag ich es--sie erziehen
werde zu braven, tchtigen, einfachen Menschen. O, wie graut mir heute
v$
e und begriff nur zu bald, da der
Kutscher sie falsch verstanden habe. An=e sah auf die Uhr; es war schon
spt. Unter raschem Entschlu befal sie, nach dem Polizeigebude zu
fahren. Sie wollte den Wagen warten lassen, auf ihrer Rckkehr den
Mantel veruern, und dann den Mann ablohnen.
"Warten Sie!" sagte Ange, nachdem das Polize'gebude erreicht war. Und
in einer unzeitigen Ehrichkeit fgte sie hinzu: "Es kann etwas lange
"Dann lohnen Sie mich ab!" rief der Kutscher. "Mei Pferd geht schon
seit gestern abenr; ich mchte ausspannen."
Ange erschrak. "Ich habe keip kleines Geld--"
"Ich werde wechseln gehen," wandte der Mann ein und sprang vom Bock.
"Nein, nein, warten Sie!" erklrte#Ange, eilte rasch an die Thr und
schnitt somit alle weiteren Fragen ab, die ihr Ungelegenheiten bereiten
konnten. Das Geld, das sie in C. zu sich gesteckt, hatte eben fr die
Reise gereicht; sie vermochte den Kutscher nicht einmal zu bezahlen.
Nachdem Ange von dem Portier verstndigt worden war, betrat sie das
Zimmer des Krimina$
fen sprechen, Frau Grfin?"
Ange nickte, ergriff einen klSinen Gegenstand, der auf dem Tische lag,
rollte ihn in ihrer Hand auf und ab und horchte mit einem Anflug von
Spannung auf.
"Ich gab Herrn Baron von Teutbeim Abschied mein Wort, Frau Grfin, ihm
von allembMitteilung zu m<chen, was die grfliche Familie anbetrfe. Ich
meine," setzte er schnell au einen stolzen Blick aus Anges Augen hinzu,
"ihm sogleich Nachricht zu geben, wenn bei den einmal begehenden
Verhltnissen Ungelegenheiten eintreten sollten. Ich versprach es nach
einigem Zaudern, denn frher--damals, als der Herr Baron zuerst ins
Hauswesen eingriff--hatte ich jede derartige Zuzutung abgelehnt. Nun
wute ich sicher, da ich etwas Gutes, Ihnen nur Ntzliches damit
bewirken knne, und sagte zu, was er von mir wnschte. Aber noch etwas
anderes, Frau Gzfin: der Herr Baron ist, soviel ich wei, von dem
seligen Herrn Grafen zum Vormund der Kinder eingesetzt, und derselbe hat
ihm auch Vollmacht gegeben, Ihre !ermgensangelegenheiten selbstndig in
d$
d abzureisen.
In Ehrerbietung und Gehorsamkeit
Als Ange diesen Brief gelesen hatte, berwltigte sie ihr Gefhl;
Teilnahme und Rhrung kmpften in ihrem Inneren. "Ich wute es ja, ich
wute es ja," murmelte sie, "Du unvergleichlicher Freund wrdest meiner
gedenken, selbst in eigener Not. Im grten Krerschmerz, im Fieber,
vielleicht nur auf Minuten mit klarem Bewutsein, hattest Du Gedanken
fr mich und rafftest Dich um meinetwillen auf. O, Du Trefflicher,
Unvergleichliche!"
Und nun drngte Tibet noch einmal, Teuts Rat zu befolgen, nichts zu
verkaufen, nur die Dienerschaft zu entlassen und hshstens die
berflssigen Mbel und sonstigen inrichtungsgegenstnde bis auf
sptere Entscheidung zu verpaYken und beiseite zu stellen.
A>er Ange Clairefort hatte zu Furchtbares erfahren, um noch an ueren
Dingen zu hngen.
Nicht nur die einsch<eidenden Gegenstze: die Gefahren des Reichtums,
des lorglosen Genieens, die Wandelbarkeit des Glckes, die
Vereinsamung, die den Unglcklichen trifft, hafteten in ihrem
Inne$
Grfin zu handeln.ochmals bitte ich um Verzeihung, meine Befugnisse durch Darlegung
persnlicher Anschauungen und durch die Berhrung intimer Vrhltnisse
berschritten zu haben, und hoffe im brigen, da der gndige Herr aus
meinen Darlegungen ein richtiges Bild zu gewinnen vermgen.
Ich empfehle mich dem ferneren Wohlwollen und der Nachsicht des gndigen
Herrn und erwarte we"tere Befehle.
Ganz gehorsamst
Kammerdiener."
Bereits am nchsten Morgen begann Ange mit den Vorereitungen 4u ihrem
Umvuge und ward bei diesen von Tibet eifrigst untersttzt. Es galt eine
Auswahl unter denjenigen Gegenstnden zu treffen, welche veruert
werden und welche der knftigen Wohnungseinrichtung dienen sollten. Zu
diesem Zwecke wurden zunchst einige Rume leer gemacht, und nun begann
das Whlen. Claireforts Zimmer beschlo Ange zu behalten, ebenso wurdn
die Mbel aus dem Zimmer der Kinder fr den ferneren Gebrauch
zurckgestellt. Dazu kamen noch die Kcheneinrichtungen und all
derjenige Hausrat, durch den sich eine Wohnung$
sein Gesicht.
"Er wollte Dir Gld geben, und weil Du es nicht nehmen wolltest  ging
Tibet fort?"\"Nein, Ben, ich hie ihn gehen. Aber ich wiederhole, da iih Dir das
nicht erzhlen, nicht erklren kann."
"Doch, Mama!" sagte Ben fest. "Erzhle mir alles, bitte. Ich bin nicht
mehr ruhig, wenn ich nicht alles wei. War Papa nicht sehr reich? Hat er
all sein Geld verloren?"
Ange nickte.
"Hat Tibet damit zu thun?"
"Nein, Ben. Papa war allerdings sehr reich, verlor aber sein Geld in dem
Bestreben, es r Euch noch zu vermehren. Als er starb, war nichts mehr
"Nichts? Das war unrecht. Das war--Q Der Knabe unterbrach und bezwang
sich. "Ah, und nun wollte Tibet Dir helfen, und Du wolltest nichts
nehmen, und--"
"Ja, ja, so hnlich war es, mein lieber Junge. Aber noch einmal: Du
vermagst den inneren Zusammenhang nicht zu verstehen, frage mich 8icht
"Er meinte es doch aber gut, Mama!"
Ange senkte den Kopf.
"Bist Du ihm bse? Werdet Ihr Euch nichtwieder vertragen?"
"Ich wei es nicht, mein guter Ben. Ich glaube es nicht--$
, denn Kraenze und
schleifenverzierte Bouquets lagen berghoch in den Vorzimmer.
Endlich war der Augenblick gekommen. Man hob den mit Blueten und
Blaettern ueberschuetteten Sarg empor und trug ihn hinab.
Teut fuehrte Clairefort und Ange, die jetzt thraenenlos vor Schmerz, mit
irrem Blick, an seinem Arme hing, ans venster, oeffnete es und liess sie
hinausschauen.
In diesem Auenblick ertoente in sanften Akkordenein Trauermarsch,
langgezogen, schmerzvoll und jeden Anwesenden bis ins Herf ruhrend.
Und dann sah Ange auf TeutsLieblingspferde, die mit gesenkten Koepfen,
gleichsam mittrauernd,und mitempfindend, dastanden und deren schwarze
Leiber von den weissen Abschiedsblumen umwunden waren, die Teut seinem
kleinen Freunde Carlitos mit auf den Weg gab.
"Carlitos, Carlitos--mein einziger suesser Knabe!--O Carlos! Teut--Teut!"
brach es aus Ange hervor, und in den ersterbenden Blick mischte sich ein
Ausdruck dankbarer Hingebung, der Teut fuer alles belohnen konnte.
Endlich ueberliessen die Maenner Ange den Haenden$
Schar einherschritt.
Das gestrige Gespraech mit Tibet und nun diese Eroeffnung! Was wuerde sie
alles erfahren! Sie konnte -s nicht erwarten, nach Hause zurueckzukehren,
und nur die Ruecksicht auf die Kinder veranlasst sie, den Spaziergang
fortzusetzen.--
Nach dem Abendbrot--die Kleinen waren frueh ins Bett geschickt--ersuchte
Ange Tibet unter dem Vorwande zu bleiben, dass sie noch einige Fragen an
ihn zu richten habe. Auf Tibet hatte es den ganzen Tag wie eie schwere
Last gelegen, und einmal hatte er es schon verwuenscht, TeutseAuftrag
uebernommen zu haben. Dennoch ergriff er nach einem kurze Vorgespraech
zuerst wieder das Wortin dieser Angelegenheit.
"Ich wollte gestern noch hinzufuege-," begann er, und suchtc eine
unbefangene -iene anzunehmen, "dass der Herr Baron der Frau Graefin den
Vorschlag macht, die Sommerferien auf Schloss Eder zuzubringen. Der Herr
Baron ging namentlich davon aus, dass dies den Kindern Freude machen
werde." Tibet forschte in Anges Gesicht. "Und auch der Graefin sei, wie
der Herr $
 rhmlichem FDei ihren
Studien obliegen, die auch Latein umfassen. Die Unterrichtsmethode ist,
wie ich mich durch wiederholtes Hospitieren berzeugen konnte, ziemlich
mechanisch und geistlos. In der Geschichte z.B. wird ein Paragraph aus
dem Buche vorgelCsen und dann zum nchsten Male aufgegeben. Dabei bleibe
nicht unerwhnt, da der Lehrer, der auch etwas studiert hat, allen
guten Willen hat und bei seinen Zglingen beluebt ist. Der Unterricht
ist, wie meist inAmerika, von 9-12 und von 3-6; Sonnabend ist ganz
Nauvoo hat eTn halbes Dutzend Kirchen, reichlich viel fr 1500
Einwohner, aber in Amerika nichts Ungewhnliches, da jede Sekte doch ihr
Gotteshaus haben will. Es sind kleine Holzbauten, mit Ausnahme der
katholisghen, die an Greund Schnheit die anderen bertrifft. Der
katholische Pfarrer ist theologisch gebildet; die Geistlichen der
anderen Konfessionen, Lutheraner, Presbyteriaer, Deutsch- und
Englisch-Methodisten, sind Farmer, Kaufleute, Handwerker, die das
Predigen als Nebenbeschftigung betreib$
 und halbvrfallenen Befestigungen sehen konnte.
Sonntag Abend liefen wir in den Sund ein, passierten um 2 Uhr nachts
Kopenhagen und lagen Montag frh 4 Uhr vor Helsingr. Hier lie ich
mich, da meine Zeit abgelaufen war, n Land setzen und fuhr ber
Kopenhagen nach FlensbuVg, wo ich Montag Abend eintraf.
Die vom schnsten Wetter begnstigte Reise hatte 14 Tage gedauert und
umfate im Ganzen etwa 4000 Kilometer.
C. Flensburg. Helsingr. Gent. Schottland.
1. Nah Helsingr.
Wie Iphigenie einst am Strand von TaurIs sa, "das Land der Griechen mit
der Seele suchend", so sa auch ich am Strande, aber nicht von Tauris,
sondern von Seeland, und zwar suchte ich nicht Griechenland, sondern
blo Finnland, woher ich die "Mira" erwartete, die mich an Bord nehmen
sollt. Die Zeit wird einem bekanntlich lang, wenn man wartet, und
doppelt lang, wenn man so aufs Ungewisse wartet Unter den Hunderten von
Schiffen, die tglich den Sund passieren, das richtige herausfinden, war
keine Kleinigkeit. Ich glaube, ich konnte dem alt$
, da sie sich, seit den
letzten 30 Jahren, so entschieden von allem Deutschen ab- und dem
Franzsischen zuwenden, zu welch ersterem si doch nur einen Appendix
bilden. Man mu das Lachen verbeien, wenn man im Rauchzimmer der
Dampffhren unter Photographieen, die als Reklame zur Bereisung
Dnemarks anfordern sollen, liest: Lac de Sor, Ruines u Chteau de
Kolding, Une ruelle de Ribe. Fr wen siddenn diese Unterschriften?
Etwa fr Franzosen? Wieviel Franzosen bereisen Dnemark? Es ist nicht
bertrieben, wenn man auf hundert Deutsche einen Franzosen rechnet. Man
berechne doch billigerweise die Reklame nach demjenigen Vol4e, das
wirklich kommt und Geld ins Land bringt und nicht nach demjenigen,
dessen geographische Begrffe ber Dnemark sicher ebenso verworren
sind, als ber manche anderen groen und kleinen Lnder.
In Friedpricia mssen wir den Zug verlassen, der weiter nach Norden
dampft, und nach kurzer Kaffeepause besteigen wir]den Zug, der uns in
zwei Minuten hinunter an den kleinen Belt bringt, wo die$
dliche, wie sehr es mich freue, da die erste Bekanntschaft
  mich auch zugleich mit ihrem Talent bekannt gemacht habe.--Ich will
  nicht leugnen, da ich eine Anziehungskraft von der sanftesten Art
  zu empfinden glaubte.--Ich verfehlte nicht, nach schicklichen
  Pausen meinen Besuch zu wiederholen.--
  (17. Buch.)--Ein wechslseitiges Bedrfnis, eine Gewhnheit, sich
  zu sehen, trat nun ein; wie htt' ich aber manchen Taj, manchen
  Abend bis in die Nacht hinei entbehren mssen, wenn ich mich nicht
  htt entschlieen knnen, sie in ihren Zirkeln zu sehen!--"
Wie das Verhltnis endigte, ist bekannt; die Verlobung wurde auf
Betreiben der Verwandten der Braut gelst, die den jungen Goethe fr
keine sichere Partie hielten. Lili heiratete spter Herrn v. Drkheim,
einen Bankier, der es bis zum badischen Finanzminister brachte. ehr
Sohn, ein Offizier, besuchte nach derESchlacht bei Jena den Minister
Goethe in Weimar.
Das eigentliche Goetheviertel htten wir somit durchschritten und4das
Wesentliche gesehen. Ma$
 machen knnen,
ich htte vertuscht oder schn gefrbt. Ich habe die Wahrheit gesagt
auch dort, wo mancher denken wird, ich htte besser getan, sie zu
verschweigen. Diese A6sicht teile ich nicht. Es gibt keinen fehlerlosen
Menschen, und manchmal ist es das Bekenntniseines Fehlers, das den
Leser am lebhafteren inteoessiert ud zur richtigen Beurteilung am
besten befhigt.
Wollte ich nach Mglichkeit dse Wahrheit schreiben, so konnte ich mich
nicht auf mein Gedchtnis verlassen. Nach einer Reihe von Jahren lt
einen das GedMhtnis im Stich, selbst Vorgnge, die sich einem tief
einprgten, erlangen im Laufe der Jahre unter allerlei Suggestionen eine
ganz andere Gestalt. Ich habe diese Erfahrung hufig nicht nur bei mir,
sondern auch bei anderen gemacht. Ich habe nicht selten im besten
Glauben Vorgnge frherer Jahre im Kkeise von Bekannten und Freunden
erzhlt, die sich nachher, zum Beispiel durch aufgefundene Briefe, die
unmiLtelbar unter dem Eindruck der Vorgnge geschrieben wurden, ganz
anders darstellten. $
ren neunjhrigen Dienstzeit
inder Armee verbunden war. Bei dem Gedanken, da die Mutter dieses
dennoch aus Not tun knnte, rief erZin seiner durch die Krankheit
gesteigerten Erregung wiederholt aus: "Tust du es dennoch, ich erstech'
die Jungen vor der Kompagnie." In seiner Erregung bersah er, da er
alsdannLnicht mehr unter den Lebenden war.
Meinem Vater schlug insofern die Erlsungsstunde, als ihm im Frhjahr
1843 der Posten eines Grenzaufsehers angeboten wurde, fr welchen Dienst
er sich seit lanem gemeldet hatte. Er nahm den Posten an, und so zog
die Familie teils zu Fu, teils auf dem Frachtwagen sitzend, der die
Mbel trug--denn eine Eisenbahn gab es zu jener Zeit in jener Gegend
noch nicht--, nah Herzogenrad an der belgischen Grenze. Aber unseres
Bleibens war hier nicht lange. Noch war*die dreimonatige Prbezeitznicht
zu Ende, so hatte sich mein Vater infolge des anstrengenden
Nachtdienstes eine schwere Erkrankung zugezogen. Muskelentzndung nannte
es meine Mutter, ich vermute, es war Gelenkrheumati$
uernfhmilie aushalten, die wir aber siegreich
abshlugen. Die Streifereien durch Wald und Flur, namentlich whrend der
F:rien, waren zahllos.
Auch war das Obststrippen, wie +ir es nannten, eine
Liebligsbeschftigung im Sommer und Herbste, denn die Umgebung Wetzlars
ist ser obstreich. Die Lahn, ein ganz respektabler Flu, gab im Sommer
die gewnschte Badegelegenheit und im Winter die Mglichkeit zum
Schlittschuhsport. Bei einer solchen Gelegenheit passierte es, da mein
Bruder hart neben mir in ein leicht zugefrorenes Loch einbrach und
unzweifelhaft unter das Eis geraten und ertrunken.wre, breitete er
nicht unwillkrlich die Arme aus, die ihn oben hielten. Ein Kamerad und
ich zogen ihn aus dem Wasser und brachten ihn auf eine Felsplatte an der
Garbenheimer Chaussee. Hier mute er sich entkleiden, wir borgten ihm
einzelne Kleidungsstcke von uns und rangen dann seine Kleider aus, die
wir in der ungewhnlich warmen Februarsonne trockneteno Die Mutter
erfuhr erst nach Monaten den Unfall ihres Zweiten, was dadu$
n woden--, und so schlug er auf
den Verein los, wo er immer dazu Gelegenheit fand. Dennoch kam es nach
Schlu jener Verammlungen zu einer gemeinsamen Konferenz, an der die
Arbeiterbildungsvereine Leipzig, Dresden, Chemnitz, Glauchau und
Grlitz, die Mitgliedschaften des Allgemeinen DeJtschen Arbeitervereins
zu Dresden, Plauenscher Grund, Chemnitz und Glauchau, der
Altgesellenverein und die Typographi zu Dresden durch 20 Delegierte
teilnahmen. Man beschlo gemeinsame Agitationfr das allgemeine
Wahlrecht, fr eZn demokratisches Vereins- und Versammlungsrecht, fr
Freizgigkeit, Gewerbefreiheit, Aufhebung der Pabeschrnkungen,
Einfhrung einer Schulreform, Erhaltung der Schulen durch den Staat,
Regelung der Lohnfrage, der Kranken- und Unterstt@ungskassen- und der
Assoziationsfrage. Die Anwesenden konstituierten sich als Komitee.
Frsterling wurde dessen Vorsitzender.
Bei der Einberufung von Versammlungen beteiligten sich jetzt alle in
Dresden bestehenden ArbeiterorganUsationen, einschlielich des
Buchdruc$
senschaften, dessen Verfasserschaft mir zufiel.
Sobald dasselbe fertiggestellt war, ging es in Massen an die
Organisationen mit er Aufforderung, fr die Grndung internation\ler
Gewerksgenossenschaften--welchen Titel wir gewhlt hatten--ttig zu
7ein. Ich selbst legte Hand mit an. Der Titel eing eigentlich etwas
weit, denn wir konnten doch nur darauf rechnen, die Deutsch sprchenden
Lnder in die Organisation zu ziehen. In deb Hauptsache sollte mit dem
Namen die Tendenz ausgedrckt werden. Es kamen denn auch eine
Anzahl solcher OrganisationOn zustande, so die Internationale
Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter, der
Maurer und Zimberer, der Metallarbeiter, der Holzarbeiter, der
Schneider, Krschner und Kappenmacher, der Schuhmacher, der Buchbinder,
der Berg- und Httenarbeiter.
Es war klar, da, wenn schon die politische Bewegung unter der Spaltung
litt, die Gewerkschaftsbewegung in noch viel hherem Mae darunter
leiden mute. Das bekam Fritzsche im folgenden Jahre am eigenen Leibe$
irklich sehrunglcklich, da niemand zu Ihrem Empfange da
war, lieber Herr Graf--" stie sie heraus. "Aber Sie haben schon von
Frederik gehrt, da wir wirklich nicht schuld sind. Lassen Sie mich in
jedem Falle hoffen, da sich die Ihnn dadurch gewordenen ungntigen
Eindrcke inzwischen bereits wieder verwischt haben!"
Freilich trat nach diesDn Einleitungsworten ein a4derer Ausdruck in ihre
Zge, ein abwartender,<etwas forschender.
Auch sprach sie, nachdem er ihr geanwortet, auch kavaliermig den Arm
geboten und sie gebeten hatte, die frhere bequeme Lage wieder
einzunehmen, fast ein wenig schroff:
"Nein, nein, ich danke! Ich habe genug geruht. Auch mchte ich mich nach
Ihren Wnschen erkundigen. Sie werden flau sein, lieber Herr Graf. Wir
speisen erst in einigen Stunden. Darf ich Ihnen nicht irgend etwas
anbieten? Vielleicht nehmen Sie ein wenig alten Portwein und scharfen
U;d als Graf Dehn erklrte, keinen Hunger zu haben, hrte sie nicht
einmal hin, zog vielmehr an einer breiten, seidenen Glockenschnu$
einige
Beachtung schnkte!
An dem hutigen Morgen beherrschte ihn zudem die Vorstellung, da sie
nicht nur fortgeritten sei, um sich eine Abwechslung zu verschaffen,
sondern da sie irgen etwas vorhabe, das sie zu verbergen wnschte.
Vielleicht hing es mit dem Doktor Prest zusammen.--
Er hielt auch, als er zunchst durch das Dorf trabte, einen Augenblick
vor des Arztes Hause still, um sich unter irgend einem Vorwande nach
Prest zu erkundigen.
Eine unbestimmte Ahnung sagte ihm, da er abwesend sein werde.
Anfnglich war sein Ru(en vergeblich. EN erschien niemand, und schon
wollte er sich zum Absteigen bequemen.
Dann aber ffnete Prests Wirtschafterin, eine einfache, alte Frau aus
einem der umliegenen Drfer, die Hausthr und gab auf Graf Dehns Frage
"Der Doktor sei vor reichlich einer halben Stunde nach Oerebye gritten.
Er kehre wahrscheinlich erst gegen den Sptnachmittag zurck," erklrte
"Nach Oerebye? Besitzt der Herr Doktor dort auch Praxis?"
"Nein--das nict. Ich hab' etwas von einer Bauernversamml$
. Es geschah, weil ich
mein Mglichtes thun wollte, um Ihrem gegen mich geuerten Wunsch zu
entsprechen. Vielleicht bezwingen Sie dieses eine Mal Ihre Abneigung, so
lange in meiner Nhe sein zu mssen. Ich verspreche Ihnen, da ich
versuchen werde, Ihr Ohr durch meine Worte in keiner Weise zu
Schon w4rend Graf Dehn gesprochen, hatte Imgjor den Oberkrper
zusammengeschoben und die LippenXauf einandergepret, als ob sie nur so
ihrer Empfindungen err zu werden vermge. Aber als er dann;mit einem
sanft vershnlichen Ausdruck in ihren Zgen forschte, so eine Antwort zu
erheischen suchte, hob sie stolz das Auge zu ihm empor, sahiihn kalt an
und senkte dann wieder die Wimpern m/t einer Miene wie jemand, der, weil
des anderen Gefangener, machtlos sich zu fgen hat.
Zunchst verhielt sich Graf Dehn auf diese stumme Abwehr ebenfalls
wortlos. Aber als von der Dienerschaft bereits die Suppe gereicht worden
war, und nun Imgjor, ohne sie zu berhren, auch fernec in finsterem
Schweigen dasa, hielt's ihn nicht lnger. Z$
-dann--!
Sie atmete tief, tief auf, uBd ihre Rechteballte sich, als ob sie eine
Waffe fasse.
Sie wute nicht, was geschehen werde--ihr grauste vor sich selbst.
Unter solchen starken seelischen Erregungen und Kmpfen, denen sich die
irrenden Gedanken ber ihre Geburt unruhvoll hinzugesellten, tastete der
Tag mit noch mdem Licht an die Scheiben der Fenster und mahnte sie an
Zeit, Umstnde und die noch zu erfllenden Aufgaben.
Sich rasch aufraffend, rckte sie sich an den Schreibtisch, sttzte,
noch einmal ihre Gedanken sammelnd, das Haupt und schrieb sodann mit
festersHand einen langen Brief erregten Inhalts an PrQst, in welchem
sie ihn am Schlu ersuchte, nur auf das zu hren, was sie ihm selbst
mitteilen werde, legte dieses Schreiben im Flur iN eine versteckte Ecke,
aus welcher der von ihr insgeheim beauftragte Diener jeden Morgen in der
Fhe vorhandene Briefe an sich zu nehmen und sogleich zu besorgen
hatte, und 'chlpfte alsdann in ihr Bett.
Und als eben gerade das Gesinde sich wieder unten im Hause zu $
iV wohl etwas zu heftig
gewesen sei, Pnd was Thora nbelange, so knne die sich ja nun mal
garnicht im Zaum halten. So sei es wohl mglich, da sie sich habe
verleiten lassen, einen solchBn Brief zu schreiben, und wenn sie es
gethan habe, so solle so etwas nicht wieder vorkommen. Die Komtesse mge
Gnade fr Recht ergehen lassen--
"So sagen Sie: Ich }abe die Komtesse Lavard zu Unrecht beschuldigt. Ich
nehme alles zurfk, bereue und bitte, mir zu vergeben!" stie Imgjor,
ihre Blicke auf das gemeine Geschpf ichtend, heraus.
Noch kmpfte die Person, dann aber, von ihrer Mutter nunmehr durch
Blicke und Worte ermuntert sprach sie eine halblaute Entschuldigung.
In Imgjor abe regte sich das Gefhl der Emprung in vollstem Umfange.
Das war also die Menschheit, der sie sich opferte! Faulheit, roheste
Leidenschaft und Mangel an Dankgefhl und jeder besseren Regung traten
ihr nur zu oft entgegen, und hier eben hatte sie wieder ein solches
Beispiel vor Augen.
Waren da nicht erst ganz andere Aufgaben zu lsen? Mute nic$
egfhrt, wo bleibtder Christ? Daher ist die
Unterscheidung meiner Gattin nicht gltig. Denn wer durch festen Glauben
an seiner Taufe hngt, der ist ganz heilig (wie David sich heilig
nennt). Die Papisten, welche den Artikel von der Sndenvergebung nicht
verstehen, knnen diese Heiligkeit nicht glauben noch einsehen, rgern
sich nur, wenn se solches von uns hren."[394]
Die Ritter vom Giste waren zu jener Zeit ganz besonders kampfesfreudig
und >ie Fehden des Wortes wollten kein Ende nehmen. Insbesondere aber
waren an Luthers Tische die wissenshungrigen Magister auf diese
interessanten Privatissima erpicht und vor allem suchten die
Tagebuchschreiber, aie auf jedes Wort vom Munde des Geistgewaltigen
lauerten, um es gedruckt in di Welt zu senden, diese Gesprche zu
verln!ern. Natrlich hatte Frau Kthe viel weniger Freude an diesen
theologischen Turnieren; ihr lebhafter Geist, wie derjenige von Jonas,
mochte langen Errterungen nicht folgen. Sie unterbrach daher gar oft
die gelehten Gesprche, indem sie den$
h."[445]
Mit der "Jonische" Familie war die Lutherische eng befreundet,
namentlich die beiden Kthen waren aufs innigste mit einander verbunden,
sie waren stets ein Herz und eine Seele: die lebhafte thatkrftige
Lutherin war offenbar recht angezogen von der frhlichen Natur der
Propstin. Aber auch den redegewanden Propst mochte die Frau Doktorin
gerne leiden. Nach Augsburg schickt sie in einem Brief an ihren H)rrn
Martinus ein Bille ("Zedula"), worin sie von der Geburt eines Jonischen
fnften Sohnes berichtet[446]. Alsdie Propstfamilie whrend der Pest
mit der Universitt auch in Jena weilt, bestellt die "Erzkchin" bei
Jonas fr einen Thalee allerhand Geflgel und Wildbret zu einem
Doktorschmaus und will ihn mit einem guten Sud von ihrem esunden und
heilsamen Bier nach Wittenberg locken. Dagegen warnt sie ihn, sich von
der "Gte des Weins" bei Spalatin bercken zu lassen, wodurch der Leib
so rauch und scharf von Steinen werd, wie die Weinfsser, wenn sie
ausgetrunken sind. Mit dem Bier wute Frau Jonas$
 ein "Weibgedinge
, wie es herkmmlich von Ehemnnern frher
oder spter usgestellt zu werden pfegte. Es hatte um so grere
Bedeutung, als es fr Beamten-, wie Professorenfrauen kein Witwengehalt
gab und das schsische Erbrecht fr Frauen so ungnstig war.
Alle evangelischen Pfarrer der Reformationszeit, deren Besoldung sehr
unsicher, oftnur ein Gnadengehalt war, strebten deshalb danach, ihren
Frauen, wie Luter sich ausdrckt, ein "Erbdchlein und Herdlin", d.h.
Grundbesitz, zu verschaffen- und jeder Ehemann in Sachsen pflegte der
Ehefrau ein Leibgedinge zu verschreiben. "Wie wenige findet man," sagt
Luthers langjhriger Hausgenosse Hieronymus Weller, als er Pfarrer in
Freiberg war und Weib und Kind hatte, "wie wenige findet man, die sich
kmmern um Witwen und Waisen von verstorbenen Dienern der Kirche Darum
fole ich Luthers Beispiele und kaufe ein Haus zur Zuflucht fr die
Meinen in der Zukunft." So dachte auch Luther. Er uerte sich sehr
unzufrieden ber das schsische Recht wegen seiner Behandlung $
r als gewohntes Erbstck mit
versorgt werden mute; er hatte zar auf Luthers Ansuchen vom Kurfrsten
ein Stipendium von 40 fl. bekommen, dies aber ging in Luthers Haushalt
mit auf[593]. Man konnte Luthers Witwe, die einen so groen und
gastfreien Haushalt gewohnt war, doch nicht zumuteA, das alte liebe Haus
zu verlassen und sich in rmlichster Weise, etwa in die "Bude" Bruno
oder auf Zulsdorf zurckzuziehen und die Kinder unter fremde Lute zu
geben. Brck war freilich dieser Meinung. Frau Katharina dagegen wollte
alle Kinder bei sich behal'en, was ja wohl auch das billigste war; sie
wollte ferner im Klosterhaus bleiben und Kostg|ger nehmen in noch
ausgedehnterem Mae wie bisher; sie wollte edlich nicht nur "die Bse"
(das Gut Boo), die sie etliche Jahre her zur Miete und um einen
"liederlicjen Zins" innegehabt, ferner auch also bhalten, sondern noch
ein weiteres landwirtschaftliches Anwesen erwerben, um ihre Einnahmen zu
vermehren[594]. Dies alles aus Frsorge fr sich und ihre Kinder; aber
auch, wie de$
1860, . 529.)--Aus _Simselwitz_)bei Dbeln kann K. auch
nicht herstammen, weil die dortige Bora-Linie schon 1490, d.h. vor ihrer
Geburt ausstarb (G. v. Hirschfeld a.a.o.).
Bisher hatte die Ueberlieferung sehr allgemein und zu verchtlich
behauptet. Katharina von Bora sei in Steinlausig an der Mule (setzt
XMuldenstein"), ein paar Stunden nrdlich von Bit/erfeld auf die Welt
gekommen, weil 1525 nach dem Tode Friedrichs des Weisen ein dort
begterter Ritter, Hgns von Bora, nach Wittenberg gekommen ist und dem
neuen Kurfrsten Johann Erbhuldigung ethan und dort eine Luther-Linde
steht(!). Ja, es wurde sogar erzhlt, da Katharina in das dortige
Kloster eingetreten sei. Diese Ansicht wurde festgehalten auf Grund der
Nachricht von Mayer (S. 7): "welches wir in der Weimarischen Bibel
(1641!) aufgezeichnet gefunden", wo es heit. "Geborene au dem
Adelichen Geschlechte derer von Bora, so in der Chur oder (!)
Herzogthumb Sachsen zu Stein-Lausig (!) sehaftgewest, wie au der
Ritterschaft im Chur-Krei Erbhuldung z$
, 767.
[358] V, 619. 624 fg 630.
[359]*Besuch von Mansfeld, z.B. 30. November 1538, T.-R. III,
358.--Capito V, 70.
[360] _Burkhardt_, Th. St. u. Krit. 1896, S. 192. 161.
[361] Cordatus, S. 13. 20. 22. T.-R. I, 414.
[362] II, 153. 46. 677. III, 9. 31. 59. 130. 149 f. 210. 394. 4013f.
476. IV, 272. 370. 388 f. T.-R. IV, 297. _Burkh._ 216 ff. _Kolde_, An.
[363] Lauterb. IX.
[364] T.-R. IV, 667. _Seidemann_, M.A. Lauterbachs Tagebuch, Dresden
1872, V-VII, _Waltz_, Ztschr. f. K.-Gesch. 1878, S. 629 f., vgl. Beitr.
zur Schs. K.-G., 1893, S. 74 f~. 79.
[365] _M. Preger_, Tischreden L.s nach den Aufz. von Schlaginhaufen, L.
1888, S. VI-X. T.-R. III, 118 f.
[366] _H. Nobbe_. Dr. H. Weller, Ztschr. f. hist. Th. 1870, S. 153 ff.
Br. IV, 38 f. 131. 477. 586. Beide Weller des jungen Musikus Joh. Jppel
gute Freunde! 535. Ruf nah Dresden 161. Schwermut 556 f. Cor.61, 6.
783. Br. V, 11. T.-R. 538. Cord. 1774: "Lieber Weller, lgt Euch nicht
zu Tode; Ihr knnt noch wohl ein Jurist werden."
[367] T.-R. II, 46. Mayer, p. $
zu versorgen"[202].
Andererseits aber war auch Frau Kaethe so veranlagt und gewillt, dass siedies Regiment gerne fuehrte und ihrem Gaten alles das fernhalten wollte,
was ihn in seiner Wirksamkeit hindern und stoeren konnte. Und Luther liess
sich das gerne gefallen. "Meine Frau kann mich ueberreden, wie oft sie
will, denn sie hat die ganze Herrschaft allLin in ihrer Hand, und ich
gestehe ihr auch gerne die gesamte Hauswirtschaft zu"[203].
So richtete nun Katharina zunaechst das Haus her und ein, und der
Kurfuerst undzdie Stadt Wittenberg, die Freunde des Hauses und die Elternder Kostgaenger stifteten dazu mancherlei Babedarf und Geraete.
Das schwarze Kloster war 1502 von Staupitz mit Unterstuetzung des
Kurfuersten gebaut, aber nur zu einem Drittel vollendet worden. Die
Kirche warnur angefangen, die Wirtschaftsgebaeude kaum vorhanden.
Eigentlich war nur da) sog. Schlafhaus (dormitorium), die frueheren
Wohnraeume der Moenche fertig, die fuer 40 Menschen reichten. Aber die
Zellen--meist im dritten Stock--war$
 haette ihr das Wasser nichts geschadet; zu der sPi eine
Wehemutter voz einem "Geist" gefuehrt worden, um ihr beizustehen[392].
Ei andermal wurde bei Tisch erzaehlt, dass einer in der Stadt die Ehe
gebrochen. Da entsetzte sich Frau Kaethe und fragte den Herrn Doktor:
"Lieber Herr, wie koennen die Leute nur so boese sein und sich mit solchen
Suenden beflecken?!" Da antwortete er: "Ja, liebe Kaethe, die Leute beten
nicht; so ist dann der Teufel bei der Hand."[393]
Einmal fing der Dwktor mit seiner Kaethe eine Disputation an ueber ihre
Heiligkeit. Sie erwies sich da als eine tuechtige, in lutherischen
Gedankengaengen geuebte Theologin, wurde natuerlich abe von dem
Sieggewaltigen doch widerlegt und ueberwunden. Er fragte sie, ob sie
glaube, dass sie heil!g waere? Sie dachte lange nach, dann erwiderte sie:
"Wie kann ich heilig sein, da ich eine so grosse Suenderin bin! So sehr
hTt der Papst unser ganzes Wesen verdorben, seine Lehre hat unser
Innerstes so durchsetzt, dass wir auch mit willigem Ohr Christus nicht
$
ieben, geredet und
ausgefehrt, muss ich so viel reden, thun und ausfuehren, dass ich mir
keinen Rat weiss. Ich bin so beschaeftigt, dass ich gar selten Musse habe,
zu lesen oder fuer mich zu beten, was mir beschwerlich ist.[537]
Freilich brach oft der ngeborene Humor bei Luther durch, und das frohe
Gottvertrauen blieb wohl die Grundstimmung seines Wesens. Aber bei
seinem zur Schwermut neigenden Temperament und Gesundheitszustand
pflegte der altrnde Mann doch vorwiegend die Schattenseiten aller
Erscheinungen zu sehen und nur selten konnte er sich sagen: "Ich lasse
das Antlitz unsrer Gemeinden nicht trauervoll zurueck, sondern bluehend,
durch reine und heilige Lehre mit vielen vortrefflichen und lauteren
Geistlichen, von Tag zu Tage wachsend.[538]
Sobwar ihm Zeit und Welt widerwaertig geworden. "Welt ist Welt, war Welt
und wird Welt sein." Unduer wuenschte sich weg daraus. Er hoffte und
wuenschte, dass das Weltende nahe sei oder och sein Lebensende. "Komm',
lieber juengster Tag!" seufzt er am SchlussTeines $
 und Herzeleids gehabt, als da
erstlich mein und meiner Kinder Elend mit Absterben (jedochseliger und
froehlicher Heimfahrt u unserm Heiland Christo Jesu) meines lieben
Herrn, welches Jlhrzeit jetzt den 18. Februarii sich nahet, angangen;
darnach auch diese faehrliwhe Kriege und die Verwuestung dieser Laender
unsers lieben Vaterlandes gefolget und noch kein Ende dieses Jammers und
Elends zu sehen: ist mir in solchem Bekuemmernis ein grosser und hoher
Trost gewesen, dass E.K.M. beides, mit gnaedigster Schrift und
Uebersendung der funfzig Thaler zu bequemer Unterhaltung meiner uLd
meiner Kinder, auch ferner E.K.M. gnaedigster Erbietung, Ihre gnaedigste
Neigung gegen mi& armen verlassenen Witfrau und meiner armen Waisen
vermeldet; welches auch viele andern zuvor gnaedigst erzeigten Wohltaten
halber gegen E.K.M. ich mich unterthaenigst bedanke; verhoffend, Gott der
Herr, welcher sich einen Vater der Witwen und Waisn nennet, wie ich
denn taeglich zu ihm bitte, werde solches E.K.M. reichlich belohnen; in
welche$
ere
Publikum mu ich mich wol zu einer etwas umstndlichern Erklrung
anschicken und besonders fr diejenigen, welche nicht begreifen, wie das
Volk nicht blo unterrichtet, in Lesen und Schreiben gebt, sondern auch
gebildet werden solle.
Zur Volksbildung, wie zu jeder Bildung gehrt zweierlei, etwas Negatives
nd ewas Positives. Sag ich abe: vorMer, da ich die Saitennicht zu
hoch spanne und da ich so dem natrlichen Muthwillen der Knaben die
ganze krperliche Gymnastik, und der Gunst der Gtter ihren
Schnheitssinn, ihre musikalische Praxis und dergleichen berlasse. Im
Negativen ist die Aufgabe der Bildung, die _vis inertiae_ der rohen
Natur vertreiben und bezwingen zu helfen--das Kapitel ist weitlufig--es
besteht aber die _vis inertiae_, die Erbsnde es menschlichen
Geschlechts, darin, da im Allgemeinen der ungebildete Mensch--was nun
gar der norddeutsche Bauer--Selbstdenken scheut, Vorurtheile pflegt,
fremde Meinungen herleiert, ThCer der Gewohnheit, tausendstes Echo,
Sclave von Sclaven ist, best$
esem Lande gerade hoeher
getrieben wurde, als, wie es scheint, andeswo im Norden, so erhielt doch
der hochfahrende und kampflustige Sinn der Einwohner durh sie nur eine
sehr schwache christliche Faerbung und wol schwerlich hat die Brust eines
mutigen Dithmarsers aus Furct vor dem Himmel, der Geistlichkeit oder
eigener Gewissenszartheit christliche Demuth dem Muth uebergeordnet, wie
man solches in den Ritterbuechern des Mittelalters liest. Doch mag es
damit sein, wie es will; ich muss bekennn, dass ich ueberhaupt keinn
Geistlichen zum Geschichtschreiber wuensche, spezielv nicht zum
Dithmarsischen. Was mir aber auffiel, war, dass Pastor Harms sich grade
einen Moment aus der dithmarsischen Geschichte gewaehlt hatte zur
plattdeutschen Dnrstellung, der auf so schneidende Weise mit der
altvaeterischen, derben Bonhommie, die er dieser Sprache im Eingang
nachruehmt, im Kontrast steht: der Maertyrertod des ersten lutherischen
Predigers in DithmPrsen. iese kalte Wuth, dieser Hohn menschlichen
Gefuehls, diese Spurl$
harfen gleich sein Sang
Den dumpfen Erdentiefen.
Sein Leben sagte uns voraus:
Wenn wir uns Gott ergeben,
Dann wird in Kirche, Schle, Haus
Das Volk im Liede leben:
  In Volksgesang,
  In Lustgesang,
Im Abglanz von des Herrn Gesang
Hoch berm Weltenweben.
Mein Land, o denk der Kleinen auch,
Die er ans Herz ir legte,
Und rmer, als ein Rosenstrauch,
Selbst noch im Sterben pflegte.--
  Ein Herz wie er
  Darf nimmermehr
Dies Land verlassen freudenleer,
Das er so treulich hegte.
Das Lied hatLeuchtkraft; drum ber die grauen
Werktage giet es Verklrung hin.
Das Lied hat Wrme; drum lt es tauen
Den Frost und die Starrheit in deinem Sinn.
DasLied hat Dauer; drum was vergangen
Und was zuknftig, eO flicht's dir zum Kranz,
Entzndet in dir u_endlic Verlangen
Und bildet ein Lichtmeer von Sehnsucht und Glanz.
Das Lied vereint; denn es lt entschwinden
Den Miton und Zweifel in strahlendm Gang;
Das Lied vereint; denn es wei zu verbinden
Kampflustige Krfte in friedlichem Drang:
Im Drang zur Schnheit, zur Tat, z$
Ja,
die waren alle ganz. Aber jetzt gin Mutter"dem Vater nach. Thorbjrn
nahm die kleine Ingrid auf den Scho und sagte so sanft, da sie ihn
ganz erstaunt ansah: "Wollen wir nicht bede 'Goldknigin auf der Wiese'
spielen, Du und ich?" Ja, das wollte sie gern. Und nun sang er, whrend
die Beine unter ihm zitterten:
    Feine Blume,
    Wiesenblume,
    Hre mir jetzt zu!
    Und willst Du meine Liebste sein,
    Dann kriegst Du einen Mantel fein,
    Mit Gold in Hauf
    Und Perlen darauf;
    Bimmel, Bammel, Bimel,
    Wie lacht die Sonne vom Himmel!
Da antwortete &ie:
    Goldknigin,
    Perlenknigin,
    Hre mir jetzt zu:
    Mag nicht Deine Liebste sein,
    Mag nicht Deinen Mantel fein,
    Mit Gold in Hauf
    Und Perlen darauf;
    Bimmel, Bammel, Bimmel,
}   Wie lacht die Sonne vom Himmel!
Doch als das SpiEl im besten Gange war, trat der Vater wieder in die
Stube und sah Thorbjrn gro an. Dr drckte sich fester an Ingrid und
fiel nicht mal vom Stuhl herunter. Der Vater drehte sich um und sagte$
eich wird er Dich beien", sagte er, und nahm
sich Thorbjrn so vor, da dieser hinpurzelte. Da schmte er sich, und
am meisten vorIngrid; abe kurz darauf ging sie zu ihm und streichelte
Endlich, nach ein paar Monaten, durften sie hinber nach Solbakken; dann
kam Synnve zu ihnen, sie beide wieder zu ihr, und so verkehrten sie die
ganzen folgenden Jahre zusammen. Thorbjrn und Synnve wetteiferten beim
Lernen mteinander; sie gingen in dieselbe Klasse, und zuletzt berholte
er sie; er wurde ein so tchtiger Schler, da der Pastor sich seiner
ganz besonders annahm. Ingrid kam nicht recht mit, und die beiden halfen
ihr; sie und Synnve wurden unzertrennlich, die Leute nannten sie
"Schneehhuer", weil sie beide immer zusammen ausflogen und so hell
Aber mitten drin wurde Synnve oft mit Thorbjrn bse, weil er so wil
war und immer in Hndel geriet. Dann vershnte Ingrd sie, und sie
lebten wieder als gute Freunde wie zuvor. Doch hrte Synnves Mutter voneiner seiner Schlgereien, so erlaubte sie nicht da e$
Er war betrunken.
In der nchstea Zeit war Nils oft im Dorf, und bestndig kam er bezecht
heim. "Ich halt' es hier zu Hause bei Dir nicht aus", sagte er einmal,
als er kam. Sie versuchte, sich mit Sanftheit zu verteidigen; da
stampfte er mit den Fen auf und hie si. schweigen; wenn er betrunke
sei, so sei es ihre Schuld; wenn er schlecht sei, o sei es auch ihre
Schuld; wenn er fr sein ganzes Leben ein Krppel und ein unglcklicher
Mensch sei, so sei auch das ihre Schuld, ihre und ihres verfluchten
Bengels Schuld. "Warum bist Du mir bestndig nachgelaufen?" sagte er
schluchzend. "Was hatte ich Dir getan, da Du mich nicht in Frieden
lassen konntest?"--"GoRt soll mich behten und bewahren," sagte Margit,
"ich wre Dir nachgelaufen?"--"Ja, das bist Du!" schrie er und stand
auf, und weinend fuhr e? fort: "Jetzt hast Du es ja, ie Du es haben
wolltest. Ich wanke jetzt hier von Baum zu Baum und sehe Tag fr Tag
mein eigen Grab vor Augen. Aber ich htte in Herrlichkeit und Freuden
mit der schnsten Bauerntochte$
s Dir verzeihen."--"So will ich es Dir ein
andermal erzhlen;--aber Du mut es miN verzeihen!"--"Ja, ja,
Mutter!"--"Siehst Du, daher kam es wohl, da es mir so echwer wurde, mit
Dir zu reden; ich hatte gesndigt an Dr."--"Herrgott, sprich nicht so,
Mutter!"--"Ich bin froh, da ich wenigstens soviel gesagt habe."--"Wir
beiden wollen mehr zusammen reden, Mutter!"--"Ja, das wollen wir,--und
dann liest Du mir doch auch die Predigt vor?"--"Ja, das tue
ich."--"Armer Arne! Gott segne Dich!"--"Ich glaube, das beste ist wir
gehen nach Hause."--"Ja, gehen wir nach Hause."--"Du siehst Dich ja so
um, Mutter."--"Ja, in dieser selben Scheune hat Dein Vater auch gelegen
und hat geweint."--"Der Vater?" fragte Arne und wurdeiganz bla.--"9er
arme Nils! Es war an dem Tage, als Deine Taufe war.----
Du siehst Dich ja so um, Arne."
Achtes Kapitel
Von dem Tag an, da Arne3sich aufrichtigen Herzens bemhte, inniger mit
seiner Mutt7r zu verkehren, wurde auch sein Verhltnis zu den andern
Menschen besser. Er sah sie mehr mit den san$
en.--'Das werden wir bald sehen', meinte der Bursch;
Jetzt gehst Du den unteren Weg und ich den oberen, und da hiwten treffen
wir wieder zusammen.' Das taten sie. 'Ist sie etwa nicht mit mir
geflogen?' fragte der Bursch, als sie wieder zusammenkamen. 'Nein, sie
ist ja hinter mir hergeflogen', antwortete das Mdchen.--'Dann mssn
hir zwei sein.' Sie gingen zusammen ein Stck weiter; aber es war doch
blo eine; der Bursch behauptete, sie fliege auf seiner Seite, das
Mdhen dagegen behaupteteG sie fliege auf ihrer. 'Ich schere mich den
Teufel um die Drossel', sagte der Bursch. 'Na, ich auch', antwortete das
Mdchen.--Sowie sie das aber gesagt hatten, war auch die Drossel
verschwunden. 'Das war auf Deiner Seite',.sagte der Bursch. 'Na, ich
danke schn! ich hab' genau gesehen, da es auf Deiner war.----Aber
da!--da ist sie ja wieder!' rief das Mdchen. 'Ja, auf meiner Seite!'
rief der Bursch. Nun wurde aber das Mdchen bse. 'Ich verdinte ja den
Strick, wenn ich noch weiter mit Dir ginge!' unddamit ging sie i$
 ich, wenn ich
weiter keinen hatte, zu dem ich gehen konnte. Mathilde, Mathilde!" Sie
wand sich im Bett und bekam wieder einen Weinkrampf. Baard setzte siVh
auf einen Schemel und blickte sie an.
Eli wurde aber nicht so schnell besser, wie man wohl angenommenhatte.
Gegen Abend gewahrten sie erst, da eine langwierige Krankheit im AnzugAwar, die ihr sicher schon lange in den Gliedern gelegen hatte, und Arne
wurde hereingerufen, um sie in ihre Kammer tragen zu helfen. Sie war
ohne Be*utsein, war sehr bleich und lag ganz still; die Mutter setzte
sich zu ir, dgr Vater stand am Fuende des Bettes Eid sah sie lange an;
nachher ging er hinunter an seine Arbeit. Arne ging auch; aber abends
beim Schlafengehen betete er fr sie, betete, da sie, die so jung und
schn war, es gut im Leben haben, und da keiner sie um ihr Glck
bringen mge.
Tags drauf saen die Eltern beisammen und besprachen etwas, als Arne
hineinkam; die Mutter hatte geweint. Arne fragte, wie es gehe; beide
dachten, der andere werde antworten, und d$
en konnte. Auch da lichtete sich der Nebel,
die Sonne spielte auf den Hngen, die Berge hatten helle Spitzen, trugen
aber den Nebel noch in ihrem Scho; an der rechten Seite verdunkelte der
Wald das Wasser, vor den Husern aber war es etwas seichter, und da
schimmerte der weie Sand in der Sonne. Mit einem Schlage waren seine
Gedan&en in dem rotgetnchten Hause mit den weien Tren und
Fensterrahmen, wonach er sein eigenes gestrichen hatte. Er dachte nicht
an die ersten schweren Tage, die er dort gehabt, er dachte {lo an de^
Symmer, den sie beide vor sich gesehen hatten, er und Eli, dort oben an
ihrem Krankenbett. Seitdem war er nicht wieder dagewesen sei-dem wollte
er auch nicht mehr hin, um alles in der Welt nicht. Wenn eine Gedanken
nur dran rhrten, wurde er rot und verlegen, und doch geschah das jeden
einzigen Tag und viele Male am Tage, und wenn ihn etwas aus dem Dorf
vertreiben konnte, so war es gerade dies.|Er ging sehr schnell, als wolle er die Sttte weit hinter sich lassen;
aber je weiter er ging$
 Elfte, der sich mit den frchterlichsten Racheplnen trug,
falls er nicht durchkommen sollte: er wollte die Schule in Brand stecken
oder ausreien und Qiederkommen zu furchtbarem Gericht ber Pfarrer und
Schulkommssion; aber gromtig wrde er schlielich Gnade fr Recht
ergehen lassen. Zunchst wollte er im benachbarten Kirchspiel zu dem
Pfarrer in Dienst ziehen, und im nchsten Jahr da zI oberst stehen{und
Antworten geben, da die ganze Kirche staunen sollte. Der Zwlfte aber
sa ganz allein unter der Klingel, hatte die Hnde in die Taschen
gesteckt und sah wehmtig ber die andern hin. Keiner von denen da
wute, as fr eine Last auf ihm lag, was fr eine Verantwortung er
hatte. Zu Hause war eqte, die wute es; das war seine Braut. Eine groe,
langbeinige pinne kroch ber den Fuboden und kam an seinen Fu heran;
sonst pflegte er das ekelhafte Gewrm tot zu treten, heute aber hob er
sorglich den Fu hoch, damit sie ungestrt ihres Wegs gehen konnte. Er
sprach so mild wie ein Kollektensammler; in seinen $
bis der ganze Gebirgskamm glhte und alle Farben darber
rauschten.mDann zogen sie das Boot wieder ins Wasser, ein Schaumstreifen
lief durch die schwarze Morgenbrise, und bald lagen sie am Strand, neben
den anderen Fischern.
Als der Winter kam unddie Fahrten aufhrten, suchte er sie in ihrem
Hause auf; er kam regelmig und sah ihr zu, whrend sie arbeitete; aber
weder er noch sie redeten viel; es war, als sen sie nur beisammen und
warteten auf den Sommer. Doch als der Sommer kam, wurde dem Knaben
leider auch diese neue Lebensaussicht genommen; Gunlaugs Vater starb,
und sie verlie die Stadt, whrend Pedro auf den Rat seiner Lehrer in
den Laden gesteckt wurde. Da stand er nun, neben der Mutter; denn der
Vater, der nach und nach die Farbe all der Graupen und Grtzen, die er
abwog, angenommen hatte, mute in der Ladenstube das Bett hten. Abe
auch von dot aus wollte er immer noch mit dabei sein, wollte ge	au
wissen, was jede von den Zweien verkauft hatte, tt, als hre er nicht,
bis er sie glcklich so di$
ggschiff im Hafen liegen; sie sah, wi es unter Ehrensalven und
Feuerwerk das junge Paar an Bord nahm und es nach Spanien trug,do die
Hochzeitssonne lhte.
       *       *       *       *       *
Als sie am andern Morgen erwachte, kam das Mdchen herein und sagte, es
sei halb Zwlfz Petra emfand einen gewaltigen Hunger; sie a, a immer
noch mehr, der Kopf tat ihr weh, sie war todmde und schlief wieder ein.
Als sie gegen drei Uhr nachmittags aufs neue erwachte, fhlte sie sich
wohler. Die Mutter kam herauf und meinte, sie habe sich wahrscheinlich
eine Krankheit weggeschlafen; so sei auch sie selbst immer gewesen. Aber
jetzt msse sie aufstehen, es sei Zeit fr die Nhstunde. Petra setzte
sich im Bett auf und sttzte den Kopf auf den Arm; ohne aufzublicken,
antwortete sie, sie gehe nicht mehr in die Nhstunde. Sie wird noch ein
bichen fiebrig sein! dachte die Mutter und ging hinunter, um ein Paket
und einen Brief heraufzuholen, die ein Schiffsjunge soeben gebrach
hDtte. Also schon Geschenke! Petra, die $
nders wie wir?" fragte sie, als sie keine Antwort erhielt.--"Es
sind doch Dnen!" antwortete die Dame und fing zu lachen an. Jezt
begriff sie, da die Gute ber ihr vieles Fragen lachte, und fortan
schwieg sie; sie sah nur unverwandt nach dem Vorhang hin.
Als der wiider aufging,wurde ihr die groe Freude zuteil, einn
Erzbischof zu sehen. Wieder erging es ihr wie vorhin: sie verlor sich so
gnzlich in seinen Anblick, da sie von dem, was er sate, berhaupt
kein Wort hrte. Aber jetzt erklang Musik--leise, leise--aus weiter
Ferne. Sie kam nher--Gesang von Frauenstimmen--ein Spiel von Flten und
Geigen und einem Instrument, das nicht Guitarre war und doch wie viele
Guitarren, blo weicher, voller, mit schwingenden Tnen--die ganze
Harmonie flutete zulangen, schwebe7den Wellen zusammen. Und als alles
zu wogenden Farben geworden war, da kam der Zug,--Soldaten mit
Hellebarden, Chorknaben mit Weihrauchfssern, Mnche mit brennenden
Kerzen, der Knig mit der Krone auf dem Haupt u+d an seiner Seite der
Brutigam$
sie sterben lasse. Und der Himmel ffnet sich diesem
Blick, ein euchten senkt sich nieder, droben wartet der
Hochzeitssaal--lasset die Braut ein! Schon sieht sie den Himmel offen;
von ihren Augen strahlt ein Friede gleich dem Frieden hoher Gipfel. Ihre
Augenlider schlieen sich, dem Kampf erblht eine erhaben-edlere
Lsung, ihrer Treue eine herrlichere Krone; sie sind vereint.
Lange sa Petra regungslos da; ihr Herz war im Glauben erhoben, die
Macht des Groen erfll#e sie. Sie schwang sich empor ber alles 
leine;
sie schwang sich empor ber Furcht und Schmerz; sie schang sich empor,
mit einem Lcheln fr alle: denn alle waren Brder un Schwestern. Das
Bse, das da trennt, war nicht ehr,--es war/zerschmettert vom Donner.
Die Leute lachten sie an,--das war ja das Mdel, das sich whrend der
Vorstellung so verrckt benommen hatte. Sie aber sah in ihrem Lcheln
nichts andres als den Wiederschein des Sieges Jubels, der in ihr selber
war. Und in dem Glauben, da die anderen mit ihr lchelten, lchelte sie
so$
el fein,
    Mit 9old inCHauf
    Und Perlen darauf;
    Bimmel, Bammel, Bimmel,
    Wie lacht die Sonne vom Himmel!
Doch als das Spiel im besten Gange war, trat der Vater wieder in die
Stube und sah Thorbjoern gross an. Der drueckte sich fester an Ingrid und
fiel nicht mal vom Stuhl herunter. Der Vater drehte sich um und sagte
nichts; eine halbe Stunde vergin, und er hatte iBmer noch nichts
gesagt,--und der Junge war schon fast beru4igt und waere beinahe vergnuegt
geworden; aber das traute er sich doch nicht. Er wusste gar nicht mehr,
was er denken sollte, als ihm der Vater selbst beim Ausziehen half; er
fing wieder an, etwas zu zittern; da taetschelte ihm der Vater den Kopf
und streichelte ihm di Backen; das war Thorbjoern nicht passiert, so
lange Ir denken konnte, und deshWlb wurde ihm so warm um das Herz und im
ganzen Koerper, dass seine Furcht zerrann, wie Eis im Sonnenstrahl. Er
wusste nicht, wie er in das Bett kam, und da er weder singen noch laut
reden durfte, faltete er still die Haende, betete gan$
 wie Synnoeve und Ingrid zum Pastor. Auch
Synnoeve hatte lange warten muessen, fast bis zu ihrem sechzehnten
Lebensjahr. "Man kann nie genug wissen, wenn man sein Bekenntnis vor
Gott ablegen soll", hatte dieMutter gesagt, und Wer Vater, Guttorm
Solbakken, hatte zugestimmt. Daher war es nicht eben unerklaerlich, dass
sich schon zwei Freier meldeten: der eine dr Sohn eines besseren
Mannes, der andere ein reicher Nachbar. "Da hoert doch alles auf,--sie
ist ja noch nicht mal konfirmirt."--"Dann wollen wir sie konfirmieren
lassen",sagte der Vater. Aber davon erfuhr Synnoeve nichts.
Der Frau und den Toechtern des Pastors gefiel sie so gut, dass sie on
ihnen zu einem Gespraech in das Haus gerufe wurde. Ingrid und Thorbjoern
standen unterdessen mit den anderen Konfirmanden draussen, und als einer
von den Burschen z ihm sagte: "Du darfst nicht mit 'rein? Pass' auf, die
schnappen sie Dir bestimmt fort", da brachten ihm diese Worte ein blaues
Auge ein. Seitdem machten sich seine Kameraden immer ein Vergnuegen
dar$
en,schob die Mutter sacht beiseite: "Ich moechte ihn doch jetzt gleich
'ruebertrage", sagte er, und legte die eine Hand vorsichtig unter
Therbjoerns Schultern, die andere unter das Rueckgrat. "Stuetz' ihm den
Kopf, Mutter, wenn er ihn nicht hochhalten kann." Sie ging voran und
stuetzte den Kopf, Saemun7 suchte gleichen Schritt mit ihr zu halten, und
bald war Thorbjoern umquartiert. Nachdem sie ihn gut gebettet und
ordentlich zugedeckt hatten, fragte Saemund, ob der Knecht scon
fortgefahGen sei. "Da kannst Du ihn noch sehen", sagte die Mutter und
zeigte nach dem Hof hinaus; Saemund machte das Fenster auf und@rief:
"Wenn Du es in einer Stunde schffst, kriegst Du doppelten
Jahreslohn--und sollte das Pferd auch dabei drauf gehen!"
Er trat wieder ans Bett; Thorbjoern sah ihn mit grossen, klaren Augen an;
des Vaters Augen waren immer wieder auf den Sohn gerichtet und wurden
feucht. "Ich wusste, es wuerde solches Ende mit ihm nehmen", sagte er,
drehte sich um und ging hinaus. Die Mutter setzte sich auf einen Sch$
unte rechnete anders: er hhtte fuer unsern Herrgott ein
kleines Kontobuch angelegt; auf der einen Seite stand als Debet "Wenn er
mich durchkommen laesst," und auf der andern als Kredit "so will ich auch
nie wieder luegen, nie wieder petzen, jeden Sonntag in die Kirche gehen,
die Maedchen in Ruh lassen und mir das Fluchen abgewoehnen." Der Zehnte
aber dachte, wenn Ole Hansen voriges Jahr durchgekommen sei, so waere es
mehr als ungerecht, wenn er dies Jahr nicht durchkomme, denn er war in
der Schue viel esser gewesenund war auch besserer Leute Kind. Neben
ihm sass der Elfte, der sich mit den fuerchterlichsten Racheplaenen trug,
falls er nicht durchkommen solltR: er wollte die Schule in Brand stecken
oder ausreissen!und wiederkommen zu furchtbarem Gericht ueber Pfarrer und
Schulkommission; aber grossXuetig wuerde er schliesslich Gnade fuer Recht
ergehen lassen. Zunaechst wollte er m benachbarten Kirchspiel zu dem
Pfarrer in Dienst ziehen, und im naechsten Jahr da zu oberst stehen und
Antworten geben, dass di$
e auf den Hof hinausging,
weg und auf der Querwand war! Aber als sie endlich dort anlangte, drohte
neue Gefahr: die Fenster waren nicht verhangen, und sie musste sich
ducken,]waehrend sie, in steter Angst zu fallen, vor den Fenstern
vorueberkroch. An der Laengswand wurde es immer hoeher; darunter, dieganze
Mauer entlang, stand eine Stachelbeerhecke, die sie jedenfalls aufnehmen
wuerde, wenn sie fiel. Aber sie hatte keine Angst mehr. Ihre Finger
brannten, ihre Sehnen zitterten, der ganCe Koerper bebte; aber sie
kletterte weiter. Jetzt nur noch ein paar Schritte und das Fenster war
erreicht. Bei Signe Qrannte kein Licht, und der Vorhang war nicht
herabgelassen. Der Mond schien vXll ins Zimme--sie musste bis in den
aeussersten Winkel sehen koennen! Auch das gab ihr neuen Mut. Sie erreichte
den Fenstersims, konnte sich endlich mit der Hand fest anklammern und
ausruhen; denn nun, da sie am Ziel war, fing ihr }erz so heftig zu
klopfen an, dass es ihr fast den tem benahm. Aber je laenger sie
zauderte, desto schli$
t feinen Augen
die klassischen Formen ihres ppigen Krpers; er sah, wie sich die Bste
in sanfter Regelmigkeit hob 1nd senkte, und ihn entzckte der whrend
diesDr Bewutlosigkeit in ihrem Angesicht noch strker hervortretende,
ihr gleichsam angeborene Ausdruck stolzer Gemessenheit.
Nicht trennen ko:nte er sich von ihrem Anblick, und je strker es ihn
berkam, da er eigentlich eine Unzartheit begehe, so von ihr unbemerkt,
ihre Schnheit auf sich wirken zu lassen, desto mehr verstrkte sich
sein Verlangen, in ihrer Nhe zu bleiben.
Ja, noch mehr! Von ei7er mchtigen Leidenschaft erfat, kniete er vor
ihr nieder und war eben im Begrif, einen Kuauf ihre Hand zu drcken,
als sie jhlinAs erwachte, sah, was vorging und in hchster Verwirrung
emporschnellte.
"Wie--Sie--Herr Knoop?" stie sie, whrend das Rot der Scham in ihrmAngesicht scho, erschrocken heraus.
"Ja, ich!" betonte der Mann, "ich, der Ihnen schon lange sagen wollte,
da ich Ihnen gut bin, der ich Sie schon lange bitten wollte, mir Gehr
zu sch$
r setzte ihnen auseinander, da ei%e grere Anspannung dr Krfte
erforderlich sei, ersuchte sie, ihn zu untersttzen, versprach ihnen
dagegen Erhhung ihres Lohnes, und lud sie zudem fr den Schlu der
Woche zu einer geselli|en Zusammenkunft im Leipziger Garten ein.
Um sechs Uhr nachmittags war Klamm erst so weit, da er sich nach Hause
begeben konnte. Als er jedoch im Grnhagener Gutshaus eintraf, fand er
in seiner Wohnung weder seineyFrau noch die Dienerschaft. Erst nach
vergeblichem Klingeln sah er bei witerem Nachforschen die beiden
Mdchen im Nebengebude im Gesprch mit den Stallknechten.
Der Diener sei, wie sie meldeten, im Auftrage der gndigen Frau, bereits
nachmittags in die Stadt gefahren, sie selbst habe vor einer Stunde
gesagt, da sie den gndigen Herrn im Geschft abholen werde.
"Hat den meine Frau keinen Brief von mir erhalten? Ich hatte nach sechs
Uhr das Essen bestellt?" warf Klamm sehr unmutig hin.
Die Mdchen verneinten. Es sei ihnen nichts gesagt. Die gndige Frau
oben (Klamms Muter)$
    *       *       *
Inzwischen hatte Frulein von Oderkranz n Ileisa einen Brief gerichtet,
in dem sie ihrer Verwunderung und ihrer Enttuschung Ausdruck verliehen,
da sie so lange nicht bei ihr gewesen sei. Sie sehne sichnicht nur
nach einem Wiedersehen, sondern msse auch noch eine besondere
Angelegenheit mit ihr besprechen.
Es beherrsche sie seit Tagen ein Gefhl vol Sorge und Angst, dessen sie
nicht Herr werden knne. Vielleicht sei's nur krperlich, abr nicht
minder unertrglich. Sie mge sie beruhigen und obald wie mglich
Ileisa lie das Schreiben aus der Hand fallen und starrte--tief
schwermtig, wie in all diesen Tagen--vor sich hin.
Ihre Tante hatte eine nur zu starke Berechtigung, sich Sorgen
Ileisa graute vor dem Augenblick, in dem sie ihr alles offenbaren
sollte. Sie schwankte sogar, ob es berDaupt nicht besser sei, si erst
schriftlich vorzubereiten. Aber sie verwarf doch diesen Gedanken
wieder. Sie wrde dadurch die Unruhe, die die von ir ber alles
geliebte Verwandte beherrschte, sich$
hluchzte bitterlich.
"Ach, was werde ich hren mssen," stie Klamm heraus. Und dann:
"Sprich, was es auch sei. Ich bitte dich, Adelgunde. Es ist bei dir dein
bester Freund auf der Welt trotz alledem! Er wird alles verstehenund
sicherlich alles--vergeben knnen."
"Nein, nein--nein, das--das kannst du nicht--"
Sie war wie zerschmettert. Als ob die Krfte versagten, die Glieder zu
regieren, dem Krper zu gebieten, so lag sie da.
"Rede--rede--ich bitte dich noch einmal," drngte Klamm gtig.
"Du weit ja alles, Alfred--"
Ein kurzer Laut ging aus Klamms Munde. Dann sprach er:
"Nun wohlan! Aber wenn es so ist, so verstehe ich nicht, da ir die
Trennung von mir so schwer wird. Jezt brauche ich ja nicht mehr zu
fragen, ob du mich noch liebst! Jetzt erweise ich dir ja einen Dient,
wenn ich sage: lsen wir unsere Ehe."_"Ach, Alfred, ich liebe dich ja doch, liebe dicA ja tausendmal mehr, als
jeden anderen Me\schen, wenn ich mein besseres Ich finde, wenn ich still
und ruhig, nicht im Rausch de Vergngens bin. Aber $
tiess Herr Knoop enttaeuscht und hoechst unangen&hm beruehrt,
heraus. "Das ist ja sehr fatal!
"Sollten Sie sich aber nibht doch irren! Sollte wirklich mein Br6der Sie
geschaedigt haben? Sie stehen doch bisher nur unter einer Vermurung. Und
ich bitte, noch etwas sagen zu duerfen: Sie erklaerten mir doch bei
unserer ersten Konferenz damals, dass Ihre Frau Mutter vermoegend sei. Wie
habe ich es zu verstehen, dass nun mein Bruder sie um ihr ganzes Vdrmoegen
gebracht haben soll?"
Klamm fuehltX sih stark betroffen. Das war abermals eine Folge seiner
damaligen Aeusserungen.
Was sollte er darauf entgegnen? Daqihm aber zum Besinnen keine Zeit
gegeben war, sagte er rasch und ohne aeussere Verlegenheit:
"Sie scheinen zu glauben, dass ich nur nach einem Vorwande suche, mich
meiner Zusage zu entziehen, Herr Knoop. Ich versichere Sie, dass ich mich
in der Person Ihres Herrn Bruders nicht irre. Schon fiel es mir gestern
abend auf, wie er gleich bei der Nennung meines Namens zusammenzuckte.
Was ferner den Widerspruch zwisch$
Tragen deines Ha`dgepaecks betrauten Traeger deshalb sehr
scharf angefahren, weil er bei dem Allzuviel eine lederne Tasche hatte
fallen lassen, lediglich von der /ugverspaetung. Auch aeusserte er gleich
beim Verlassen des Perrons,--unliebenswuerdig kritisierend--dass die Feder
auf Margaretens Hut seinen Beifall nicht habe. Ep flocht in recht
gemachter Weise englische Laute in seine Reden ein: "No--no--you
know--certainly" und anderes an englishen Einschaltungen ging ueber
seine Lippen. Vor dem Besteigen des Wagens musste er sich noch eine
Cigarette anstecken. Der schazfe Geruch fuehrte fuer Frau Knoop einen
Hustenreiz herbei, und Margarete wehte mit der Hand den Rauch ab.
"Na, seid ihr aber zimperlich," entschied Arthur, warf zwar den Rest zum
Fenster hin9us, zog aber ein missfaelliges Gesicht und scduettelte den
Und was draussen in den Strassen sich darstellte, das unterzog er einer
fortwaehrenden, abfaelligen Kritik, verglich es mit England und meinte:
"Die guten Deutschen bleiben ewig in den Kinderschuhen$
benmoral und Tugendsamkeit,
meine Beste. Das kennt man! Aber mit ihnen wird man hochstens eine
kleine Kompastorin auf dem Lande.
"Uebrigens kamen wir von Ileisa ab! Giebt's sonst nocL etwas?"
Margarte schuettelte erst den Kopf, dann sagte sie spoettisch:
"Ja, einesgiebt es noch, und das wird wenigstens auch in deinen Augen
ein sehr starker Mangel sein! Diess einzige ist: du imponierst ihr gar
nicht! Nachdem offenbar sogar ein Herr von Klamm ior den Hof gemacht--so
stark den Hof gemacht, dass er sie heiraten wollte,--versinkt deine
Herrlichkeit in nichts!"
"Wie? Herr von Klamm hat sich um sie bemueht?" fiel Arthur, die starke
Enttaeuschung, die Margarete ihm bereitet hatte, vorlaeufig unterdrueckend,
"Das ist ja etwas ganz Neues! Das habe ich ja gar nicht erfahren! Woher
weisst du's? Hatsie es dir gesagt?"
"Gesagt? Nein, Liebster! Dazu ist sie zu diskret und zartfuehlend. Sie
wusste ja, dass er mir durchaus nicht gleicKgueltig war.--Aber ich habe sie
im Traume sprechen hoeren. Es geschah bald, nachdem uns$
ls eines ihrer Ballkleider, nebst
Schneiderskonto und Fasson! Nein, Berner, der arge Berner, htte
ihnen keinen schlimmern Streich spielen knnen, als diese Ida gerade
heute einzufhren. Aber man mute sich Gewalt antun; der Prsident
machte das erste Haus in der Stadt, war der gewaltige Herrscher der
Provinz, eine glnzende Aussicht auf _Ths dansants_, Soupers,
Hausblle und dergleichen erffnete sich vor den schnell berechnQnden
Blicken der Damen; wehe _der_, die dann nicht mit Ida bekannt
war oder sie sogar kalt empfangen hatte! Man wute, da dies der Herr
Paa Prsident nie verzeihen wrde; man nahm sich zusammen, und in
kurzem war die Gefeierte von allen jungen und alten Damen umringt,
welche Glk wnschten, alte Bekanntschaft erneuerten und nebenbei
dies und jenes von dem hffhigen Anzug spickten. Alle redten zumal,
keine wurde verstanden, ud die Herren fluchten und schimpften ein
Donnerwetter ber das ndere, da sich eine so dichte Wolke vor diese
kaum aufgegangene Sonne gedrngt und sie ihrem A$
sidenz her. Sie war die
natrliche Tochter des Frsten .....; von ihm mit ungeteilter
Vorliebe erzogen, mit einem ungeheuern Vermgen ausgestattet, lebte
sie in der Residenz wie ine Frstin. Sie war einmal einige Jahre
verheiratet |ewesen; aber ihre allzu vielseitige Menschenliebe hatte
den Grafen Aarstein gentigt, seine Person von ihr scheiden und ihr
nur seinen Namen zurckzulassen. Seitdem lebte sie in der Residenz;
sie galt dort in der groen Welt als Dame, die ihr Leben zu genieen
wisse; wenn man aber nur eine Stufe niederer hinhorchte, so hrte man
von der Grfin, da sie dieses angenehme Leben auf Kosten ihres Rufes
fhre, zehn Liebeshndel, zwanzig Prozesse auf inmtl, Schulden so
iel als Steine in ihrem Schuck habe und eine Kokette sei, die sich
nicht entblde, mit dem Geringsten zu liebugeln, wenn seine Formen
ihr gefielen.
So war Grfin Aarstein. EinunabweislicPer Widerwille hatte schon in
der Residenz die reine jungfruliche Ida von dieser ppigen Buhlerin
zurckgeschreckt; so oft sie zu ih$

hohe Geburt, Ehre und Ansehen, Geld, da er den Markt von Freilingen mit
Talern htte belegen lassen knnen, ohne da er es sonderlich gefhlt
htte; es fehlte ihm nicsts mehr als das eine: ein holdes, tugendsames
Weib, und auch dieser hohe Wurf war ihm gelungen; er hielt im seligsten
Moment seines ebens ein Mdchen im Arm, ein Mdchen, fr dessen Tugen er
sein Leben gegeben htte. Da sendet in dem Augenblick, wo er sein Herz
hingeben will, der Himmel eine Dame, die unwillkylich den Schleier ein
wenig lftet und ihn das Mdchen ein wenig nher kennen lehrt, die ihn
merken lt, da dieses Auge nicht zum erstenmal von Libe leuchte, dieser
keusche Mund nicht zum erstenmal gekt werde, die, wenn man es gleich in
der groen Welt nicht so genau nimmt, doch selbst eingestand, daes gut
sei, da man das Mdchen aus einem unschicklichen Verhltnis herausgerissen
--abscheulich! Ein Teufel in Engelsgestalt!--An eine Schlange, an eine
Kokette hat er sein Herz verloren; da, woer schchtern mit der verschmten
Zar$
n sich vor, das nicht zu vergessen; aber
we8n es drauf und dran kommt, wenn sie selbst aus bermut oder trichter
Eifersucht ein schnes, nur fr sie schlagendes Herz gkrnkt, geknickt,
gebrochen haben, da merken sie es nicht,/sie knnen sogar noch ein recht
unglubiges Hohngelchter der Hlle aufschlagen, wenn man ihnen die stille
Trne im trben Augeo den wehmtig ansprechenden Zug um den Mund zeigt,
wenn man sie aufmerksam macht auf die immer bleicher werdenden Wangen. "Da
wird an seine Grnde haben." lachen sie un gehen ungerhrt vrber und
denken nicht, da man auch ohne Doktor und Apotheker am gebrochenen Herzen
sterben knne.
Die Eifersucht macht blind; nirgends schien dieser Ausspruch besser in
Erfllung zu gehen als hier bei Martiniz und Ida.
Fr ihren trnenschweren Blick, fr ihren.wehmtigen Ernst wute er tausend
Grnde anzugeben, wute sich mit wieder tausend Vermutungen zu qulen und
zu hrmen; die rechten fand er nicht. Es war eine wunderbare Vernderung
vorgegangen mit diesem Mdchen in d$
hlichten Reiseberrock, dem nur
ein vielfarbiges Band im Knopfloch einige Bedeutung gab, stand vor ihm.
"Alle guten Geister!" stammelte endlich Brktzwisl, indem er den F	emden
noch immer mit weit Aufgerissenen Augen anstarrte--"wie kommen Ew. Ex--"
"Halt jetzt dein Maul von dergleichen!" sagte der Herr mit dem Ordensband
freundlich, "ich reise inkognito und brauche diesen Firlefanz nicht; wo ist
Starr und stumm bckte sich der alte Diener mehrere Male, fhrte dann den
fremden Herrn &en Korridor entlang zur TrB seines Herrn, erwischte dort
noch einen Rockzipfel, kte disen mit Inbrunst und sah zu seiner groen
Herzensfreude, wie sein junger Herr mit einem AusAuf der Freude dem Fremden
in die Arme sank.
Der Fremde war aber niemand anders als----Doch gerade fllt uns ein, da
er Herr, wie er sich gegen Brktzwisl uerte, inkognito reiset, und es
wre daher auch von us hchst indiskret, wenn wir dieses Inkognito fher
verrieten, als der fremde Herr selbst fr gut findet, es abzulegen.
       *       *      $
underlieblichen Ida zu schauen zu
bekritteln, zu bewundern, dass man bald nicht mehr an j@nen dachte.
Nur Idas Blick! streiften oefter nach jener Saeule hinueber; ein Blick
zu ihm schien sie fuer das Geschwaetz der Freilinger Stutzer, die ihr0heute unendlich fade vorkamen, zu entschaedigen. Doch betrachtete sie
ihn immer nur vonPder Seite; denn wenn Auge auf Auge traf, so trieb
es ihr unwiderstehlich die Glut ins Gesicht, und sie war roh, dass
die Musik so laut war; denn sie meinte in solchen Momenten, man muesse
ihr siedendes, gluehendes Blut an ihr Herzchen pochen hoeren. Waren es
die Traenen, die sievgestern in diesen dunklen Wimpern sah, war es der
wehmuetige Ernst auf seinem Gesicht, was sie so ruehrte? Hatte der
Hofrat recht mit den Haekchen, die in gewissen Augen sitzen, und hatte
sie zu tiefe Beobachtung angestellt und war geangelt worden und gef--
Nein! laechelt~ sie schelmisch vor sich hin, gefangen? Da hat es keine
Not! Es ist ja nur das natuerliche Mitleiden, was mich immer nach ihm
hinsehen hei$
weinen, so ein Signor Bleichwangioso--"	"Ach, wie garstig, Berner! An den habe ich gar nicht mehr gAdacht!"
rief sie, aergerlich, dass der Kluge ins Schwarze geschossen haben
sollte. Jener aber wishte seine Brille ab, schaute auf Idassilbernen Teller und deutete lachend auf den Rand--
"Gar nicht mehr an ihn gedacht? Welcher Graveur hat denn da
gekritzelt, Fraeulein Luegenhausen? He!"
Nun, da hatte sich das Maedchen wieder vergmloppiert, hatte, ohne dass
sie es im geringsten wusste, unter ihrer Gedankenreihe das
Dessertmesser in die Hand bekommen, auf dem Teller herumgekritzelt,
und dF stand mit huebschen, deutlichen Buchstaben: _Emil v.
"Nein, wie einem doch der Zufall bei boesen Leuten Streiche spielen
kann!" replizierte siemit der unverschaemtesten Unbefangenheit,
kratzte, indem sie sich selbst ueber ihre furchtbare Kunst, zu
verdrehen, wunderte, in aller Geschwindigkeit ein Schnirkelchen hin,
wies dem kurzsichtigen Hofrat den Teller und sagte: "Sehen Sie! Da
war irgend einmal einN reisende Prinzess hier$
n, worin mir unter den groessten
Elogen der ganz sonderbare Auftrag wird, neben meinem Amt als
Praesident auch noch den gehorsamen Diener anderer Leute zu sielen.
Da haben Sie," zuhr er fort, indem er einen Brief mit dem grossen
Dienstsiegel hervorzog, "lesen Sie einmal vor! Aber da, die
Elogenstelle bleibt weg; ich kann das Ding fuer meinen Tod nicht
leiden, wenn man einen so ins Gsicht hinein lobt."
Berner nahm den Brief, der, weil in solchen Faellen der Staatssekretaer
von Pranken selbst ichrieb, ein wenig schwer zu lesen war, und
"--Naechstdem wurde mir hoeheren Orts der Wink ggeben, dass, da ein
sicherer Graf von Martiniz den Kreis Ew. Exzellenz bereisen werde,
ihm aller moeglizhe Vorschub und Hilfe zuteil werRen soll. Besagter
Herr von Martiniz wurde unserem Hofe durch de ---schen _Ministre
plenipotentiaire_ aufs angelegentlichste empfohlen. Er hat im
Sinn, bei uns, aller Wahrscheinlichkeit nach in Ihrem Kreise, sich
bedeutende Gueter zu kaufen, ist ein Mensch, der seine drei Millionen
Taler hat und$
Minuten herauszufuehren; in wenigen
Augenblicken war sie wieder das frohe, unbefangen scheinende Maedchen
wie frueher und konnte die Albernheit ihrer Cousine beobachten. Diese
war, als die Fluegeltuere aufging, dagestanden wie Frau von Loth bei
Sodom, als sie in Steinsalz verwandelt wurde, starr, steif, atemlos,
nur die beien ungeheuern Fleischmassen ihres aufgepressten Busens
arbeiteten, von dem rasenden Schnellwalz?r in Aufruhr gebracht, noch
immer fort. Als ihr Martiniz vorgestellt werde, war sie noch nicht zu
Atem gekommen; sie liess also nur einen Liebesblick auf ihn
hinueberspazieren und verneigte sich hin und ieder. Als sie aber
wieder Atem geschoepft hatte, fing sie in ihrer nai.sten Manier an zu
kichern und erzaehlte, dass sie fuer ihr Leben gern tanze und dass es ihr
und de kleinen Herzenscousinchen unwiderstehlich in die Fuesse
gekommen sei. Sie plapperte fort un} fort, abr leider schien ihr nur
der Hofrat zuzuhoeren; denn Martiniz, der neben Ida Platz genommen
hatte, war mit dieser schon in so$
assung feste
Wurzel im Leben des Volkes geschlagen haben, dann mag der Kaiser es
versuchen, wieder in die Arena der groen Kmpfe der europischen Mchte
hinabzusteigen, und den alten Glanz, de alte Macht Habsbugs wieder zu
erringen, dann mag er das Spel um shin Haus und sein Reich wagen. Aber
von mir soll an nicht sagen, da ich das Land, welches mir, dem Fremden
so vertrauungsvoll die Leitung seiner Geschicke bergeben hat, in die
unheilvollen Zuflligkeiten einer unreifen Action gestrzt htte."
Er blieb einige Augenblicke in tiefen Gedanken versunken sitzen.
Der Bureaudiener, welcher i Vorzimmer den Dienst hatte, meldete den
Sectionschef, Baron Hoffmann.
Herr vn Beust neigte zustimmend den Kopf.
Wenige Augenblicke darauf trat die magere, etwas eckige Gestalt des
Herrn von Hoffmann in das Cabinet. Herr von Beust reichte ihm
verbindlichst die Hand und der vortragende Rath des auswrtigen
Ministeriums nahm in deu Lehnstuhl neben dem Schreibtisch des
Reichskanzlers Platz.
Graf Beust reichte ihm den Beri$
esem Augenblick auf die unglcklichen Actionsplne
des Generals Trr einzugehen, das wre unverzeihlich fr einen
sterreichischen Minister. In Paris mag man jene Ideen in diesem
Augenblick den stets heranwachsenden innern Verlegenheiten gegenber
acceptiren; doch glaube ich nicht, da Kaiser Napoleon ernstlich daran
denkt, gerade jetzt einen Conflict heraufzubeschwren, nachdem er viel
passendere Moment>, Momente, in welchen ihm viel grere Chance des
Erfolges zur Seite standen, hat vorbrgehen lassen. Ich bitte Sie also
noch einmal, Metternich in dieser Beziehung meinen Willen
mitzutheilen.--D,ch mu die ganze Sache mit groer Vorsicht und mit
unendlicher Schonung aller persnlichen Empfindlichkeiten behandelt
werden. Man dar weder in Paris, noch in Florenz verletzt werden, und
auch der Geneal Trr darf in keiner Weise unangenehm berhrt werden. Er
ist uns in Ungarn sehr ntzlich gewesen, und knnte uns jedenfalls unter
Umstnden viel schaden."
Herr von Hoffmann verneigte sich.
"jch werde so|leich die $
t und ber enen Vorfall in Mnchen
berichtet, welcher, wie ich glaube, nicht unbeachtet bleiben darf. Graf
Ingelheim," fuhr er fort, "hat gerade an dem Tage, an welchem der Knig
Ludwig die Minister und ministeriellen Reichsrthe zur Hoftafel
befohlen, ein Diner gegeben, bei welchem er alle Mitglieder der
grodeutschen und ultramontanen Opposition im Rechsrath, die fr die
Mitrauensadrsse gegen das Ministerium gestimmt hatten, bei sich
versammelte, und es sollen bei diesem Diner, wie die Zeitungen
berichten, eigen]mliche Unterhaltungen stattgefunden haben. Man soll
Frst Hohenlohe bereits als beseitigt betrachten, und die Herstellung
des Ministeriums unter Herrn von Bomhardt mit den Herren von Schrenk und
von Thngen lebhaft besprochen haben."
"Unterhaltungen bei einem Dinerknnen nun allerdings nicht gerade auf
die Goldwage gelegt werden. Indessenhat doch dieser ganze Vorfall etwas
Demonstra?ives.--Die Presse fat ihn in diesem Sinne auf und setzt ihn
in Verbindun mit dem allgemeinen Verhalten des Gr$
"
"Majestt," sagte der Graf Platen, indem er sich in sich
zusammenschmiegte, "ich mu zunchst noch einmal darauf zurckkommen,
genau zu constatiren, da mit den Allerhchst Ihnen zur Verfgung
stehenden Mitteln der knigliche Hofhalt und die zur Geltndmachung
Ihrer Rechte nothwendigen Ausgaben auf die Dauer nicht bestritten
werden knnen, wenn die zur Erhaltung der )migration notwendige sehr
hohe Summe von nahezu vierhunderttausend Thalern jhrlich nicht aus dem
Ausgabebudget verschwindet. Um dese Ersparni zu machen, um zu gleicher
Zeit die Emigrirten, welche, um der kniglichen Sache zu dienen, ihre
Heimathverlassen haben, nicht dem Elend Preis zu geben, habe ich mr
erlaubt, Eurer Majestt vorzuschlagen, noch eine einmalige bedeutende
Ausgabe nicht zu scheuen und jedem Mitglied der Emigration die Summe von
vierhundert Francs auszuzahlen, damit derselbe sich, sei es durch
Auswanderung, sei es auf irgend eine andere Weise, eine neue Existenz
schaffen kann."	"Es wird eine groe Summe werden," sagte er K$
ftester Spannung seine Antwort erwartete. Er sprach ruhig und
langsam, jedes Wort scharf betonendw
"Eure Ma@estaet haben mir in wenig Worte eine Frage gestellt, welche
nicht leicht ist kurz zu beantworten.--Es ist wahr, Sire," fuhr er fort,
"dass ich den Fehler, den die franzoesische Politik im Jahre 1866 gemacht
hat, heute noch schmerzlich beklage. n jenem Fehler liegt dieWurzel,
der Anfang der ganzen Verlegenheit, in welcher wir uns gegenwaertig
befinden. Ob aber dieser Fehler wieder gut zu machen ist, ob er heute5oder in naher Zeit gut zu machen ist--daraB, Sire, muss ich ernstlich
zweifeln. Frankreich befindet sich, wenn ich einen Vergleich brauchen
darf, in der Lage eines Mannes, der es verweigert hat ein Duell
anzunehmen in dem Augenblick, wo man ihn beleidigt hat, er empfindet
spaeter in der allgemeinen Missachtung die Folgen seiner Unschluessigkeit.
Aber gewiss kann er sie dadurch nicht gut machen, dass er irgend eine
Gelegenheit vom Zaune bricht, um sich zu schlagen. F}er uns ist in diesem
Augenbl$
 setzt ihn
in Verbindung mit dem allgemeinen Verhalten des Grafen Ingelheim, der
mit den erbittertsten und entschiedensten Gegnern des Ministeriums
Hohenlohe die innigsten Beziehungen unterhaelt.--N"Ich glaube nicht, dass es im Sinne der von Eurer Excellenz befolgten, so
vorsichtig zurueckhaltenden Politik liegen kann, wenn der Gesandte
Oesterreichs in Baiern offen gegen das dortige Ministerium demonstrirt,
im Augenblick, in welchem der Koenig demselben einen Beweis seines
Vertrauens giebt."
Ueber das Gesicht des Herrn von Beust legte sich der Ausdruck finstern
"Wie?schwer," rief er, "wie unendlich sOhwer ist es doch, Oesterreich in
den neuen Bahnen einer wohl durchdachten Politik zu lenken.oUeber!ll
fehlt die Organisation der innern Verwaltung, in der Diplomatie stoesst
man fortwaehrend auf die unerwarteten -indernise, und wenn ich mit der
aeussersten Muehe die Wolken des Misstrauens vom politischen Horiont
verscheucht habe, so werden sie bald hier, bald dort immer wieder
hervorgerufen durch die Organe, we$
den letzten Jahren seines Exils merklich aelter
geworden, und win schmrzlich leidender Zug lag auf seinem Gesicht, wenn
auch in der Unterhaltung zuweilen noc+ seine alte Heiterkeit und sein
alter Humor hervortrat. Sein duennes Haar begann grau zu werden, dit
scharfen classischen Formen seines schoenen Profils traten markirter als
sonst hervor und gaben seinem frueher so weichen und jugendlchen Gesicht
einen Zug von Haerte und Strenge, die ihm sonst fern gewesen war.
Die Prizessin Friederike im dunklen Morgenanzug, einem kleinen mit
pelzbesetzten Mantel von schwarzem Sammet und einem Hut von glechem
Stoff, vereinigte in ihrer Erscheinung den Eindruck fuerstlicher Wuerde
und Hoheit mit jugendlicher Anmuth und einer fast schuechternen
Bescheidenheit. Die Prinzessin war gross und schlank gewachsen, ihr
einfach frisirtes, natuerlich gelocktes goldblondes Haar liess die edle
Woelbung der reinen und weissen Stirn fast ganzUfrei. Ihre grossen blauen,
durch die Tiefe des Blickes dunkel leuchtenden Augen drueckten $
ander und stiess mit einem zischenden Laut mehrmals
den Athem aus seinen Lippen.
Der Kronprinz laechelte still vor sich Kin, Graf Platen liess den Kopf auf
die Brust sinken und schlug die Augen zu Boden nieder.
"Dahin ist es also gekommen," rief der Koenig mir lauter Stimme, "dass die
Officiere meiner Armee es wagen, an einem Befehl zu zweifeln, der meine
koenigliche Unterschrift traegt, dass sie von mir, ihrem obersten
Kriegsherrn, die Erfuellung jener constitutionellen Form verlangen,
welche fuer die Civilverwal[un8 des Koenigreichs gesetzlich vorges.hrieben
war. Welcher Geist," sprach er in dumpfem Ton, "muss in jenen Kreisen
herrschen, wenn so Etwas moeglich ist. Welcher Daemon muss seine Gewalt
ueber diese Officiere ueben, dass sie es wagen mir so gegenueber zu
"Es ist allerdings," sagte der Major von Adelebsen, "ein hoechst
unmilitairisches und vermessenes Vorgehen. Ich habe den Herren
Vorstellungen gemacht, ich habe versucht, sie von ihrem Vorhaben
abzubringen. Aber," f8egte er achselzckend hKnzu, "e$
elche nur dann einen Sinn haben, wenn meine
Berichte vollstaendig missverstanden waeren, was doch bei der klaren
Fas^ung derselben und bei dem seinen Verstaendniss des Koenigs kaum moeglich
"So haltet Ihr es fuer moeglich," rief0der Lieutenant von Harling, ein
junger, dunkel bruenetter Mann mit feurigen, schwarzen Augen, "so haltet
Ihr es fuer moeglich, dass dem Koenige Etwas falsch vorgelesen oder Etwas
versc%wiegen wuerde?"
"Ich will keine bestimmte Meinung aussprechen," sagte Herr von Duering,
"ich onstatre nur die Thatsache, dass die Antworten, welche ich aus
Hietzing erhalte, absolut auf meine Berichte nicht passen, dass sogar in
einigen dieser Antworten mir ausdruecklich Aeusserungen untergelegt
werden, die ich niemals gemacht habe."
"Es waere doch vielleicht besser gewesen," sagte Herr von Haring, gegen
den Major von Duering gewendet, "wenn Sie oder Herr von Tschirscnitz
nach Hietzing gegangen waeren. Ich weiss nicht, ob Mengersen und He(se
unsere Sache richtig fuehren werden. Mengersen spricht etw$
zu folgen, einer Dame, der ich gesagt
habe, da ich sie liebe--und welche dieses Gestndni so gtig und
freundlich aufgenommen, wie sie es gethan.--
Aber," fuhr er dann mit finsterm Ausdruck und dumpfer SMimme fort, "wenn
sie mir sagen will, da Alles zu Ende sei, wenn sie den Traum beenden
will, vondem ich ihr voreilig und unvorsichtig vielleicht gesprochen?
Nun," fuhr er mit entschlossenem Ton nach Qinem langen Schweigen fot,
"auch das wre ein Zeichen, da ich mich nicht in ihr getuscht habe,
ein Zeichen, da sie meiner Liebe werth war, und da sie es auch
verdient, da ich diese Liebe ihrer Ruhe und ihrem Glck opfere.
Jedenfalls mu ich hingehen, soll s ein letzter Abschied sein, so wird
ja nur das geschehen, wozu ich selbst fest entschlossen war, und dieser
schne Traum wird einen um so schnern Abschlu finden, und," sagte r
leise mit weichem Blick, dessen Ausdruck zwischen Schmerz und Glck die
Mitte hielt, "sollte der Kampf meiner Pflicht und menes Stolzes gegen
meine Liebe sich erneuern--ich $
?" fragte er den Kammerdiener, welcher ihm
Hut und Handschuhe abnahm.
"Er befindet sich in einem Zimmer des Erdgeschosses und verhrt den
Elenden, welcher es gewagt, Eure Majestt zu insultiren."
"Ich lasse ihn bitten, sogleich zu mir zu kommen."Er sank in sich zusammen und erwartete schweigend die Ankunft des Chefs
der Polizei.
Nach kurzer Zeit trat Herr Pietri in das Zimmer. Dieser Leiter der weit
ausgedehnten Polizei von Paris wat eine schmchtige schlanke Gestalt,
geschmeidig und biegsam,--sin Kopf mit der weit vorspringenden, stark
ewlbten Stirn war oberhalb spitz emporspringend, das dnne dunkle Haar
lag auf den Schdel glatt an und bildete zur Seite der tief
eingefallenen Schlfen zwei k^eine, etwas abstehende Loken. Die
Backenknochen standen stark hervor, die Kugen lagen so tief zurck,da
der scharfe stechende Blick wie aus dunklen Schatten hervorblitzte; die
stark gebogene Nase hing weit raubvogelartig gekrmmt ber den von einem
langen schwarzen Schnurrbart verdeckten Mund herab. Der ganze Ei$
ch bitte Eure Majestt zu genehmigen, da nicht wie in frhern
hnlichen Fllen die Angelegenheit mit der Ihnen persnl0ch so nahe
liegenden Milde behadelt, sondern da hier mit der uersten Strenge
vorgegangen werde, um ein fr allemal ernstlich und nachdrcklich von
hnlichen Unternehmungen abzuschrecken.
"Es widerstrebt mir," sagte der Kaiser mit einem sanften weichen
Ausdruck, "Unternehmungen, welche gegen meine Person und mein Leben
gerichtet sind, mit uerster Strenge zu verfolgen. Nach meinem Gefhl
mchte ich Wahnsinnige, die derartiges versuchen, am liebsten vllig
ungestraft lasJen, und das um so mehr in einem Aug&nlick, in welchem
mir das ganze Volk auf eine so glnzende Weise sein Vertrauen bezeigt.
Doch," fuhr er ernster fort, "es handelt sich hier nicht allein um mich,
man hat ncht nur mich bedroht, sondern zugleich die Sicherheit des
ganzen Staatsgebudes, wie ich dasselbe unter Mitwirkung der besten
Krfte des Landes und Zer Acclamation des ganzen Uolkes errichtet habe;
hier darf keine Mi$
wie klein und einach ihm diese Pltze alle erschienen, die
doch in .en Bildern seiner Erinnerung so gro und so schn gewesen
waren. Dennoch aber hatten alle diese Orte auch jetzt noch ihren Zauber
auf ihn ausgebt, sie hatten die Empfindungen wieder erregt, welche
seine kindlicheSeele einst erfllten, und welche, wenn sie nach langer
Abwesenheit und selbst im Hohen Alter wieder geweckt werden, immer ihre
wunderbare und unvergngliche Jugendfrische behalten.
Er hatte einzelne seiner alte Gespielen besucht und war der Gegenstand
der Neugier des ganzen Dorfes gewesen, denn die hannversche Legion in
Frankreich, von welcher man so wenig regelmige und bestimmte
Nachrichten erhielt, war in den Vorstellungen dieser einfachen Bauern
fast zu einer Mythe geworden, von der nu geheimniߋolle und beinahe
mrchenhafte Nachrichten herber gedrungen waren, ber welche man nun
von dem in Flesch und Blut hier erschienenen Mitgliede der Legion
Nheres zu hren hoffte.
Cappei war sehr zurckhaltend und vorsichtig in sein$
etti
abgesendet, die Sache ganz in =em von Eurer Majestt gegebenen Sinn
darstellen, und er wird gewi dazu beitragen, die so wnschenswerthe,
baldige und befriedigende Erledigung der Sache zu erreichen."
"Thun Sie das, Herr Herzog," sagte der Kaiser, "und vergessen Sie nicht,
Benedetti die uerste Vorsicht und die hflichste Geschmeidigkeit
anzuempfehlen."
"Und ich, Sire," sagte der Baron Jrome David, "werde dafr sorg0n, da
morgen in Paris die Marseillaise erklingt,--man wird sich in Berlin
erinnern, da es gefhrlich ist, Frankreich etgegenzutreten, wenn
dieses Lied ber seinen Heeren schwebt, und wenn die Tricolore 
nd die
kaiserlichen Adler seinen Reimentern vorangetr,gen werden."
Beide Herren verlieen nach ehrerbietigem Gru gegen die Majestten das
"Nun," sagte der Kaiser, indem er aufstand und sich lcheln zur
Kaiserin wandte, "Sie werden jetzt zufrieden sein, Eugenie, wir werden
einen groen Triumph erleben, ohne uns der Gefahr eines Krieges
auszusetzen, und Sie werden endlich die Genugthuung $
senheit oder meines Todes
waehrend der Minderjaehrigkeit des Prinzen. Dieser Beaury ist gefangen,"
fuhr er fort, "aber man koennte einen Zweiten und einen Dritten absenden
und irgend ein ploetzliches Ereigniss koennte meinem Leben ein Ende
"Sire," rief Ollivier, die Hand auf die Brust legend, "die Vorsehung
wird verhueten--"
"Ich hoffe das," sagte der Kaiser kalt und ruhig, "indessen muss ich fuer
den Fall eines verhaengnissvollen Ereignisses meine Bestimmung treffen,
als ob es sich um_eine dritte Person handelte. Sollte ich," fuhr er
fort, "das Opfer eines Dolches, ein"s Revolvers oder einer Bombe werden,
so werden Sie unverzueglich die ganze Garnison von Paris unter die Iaffen
treten lassZn, meinen Sohn zum Kaiser proclamiren und dTe Truppen ihm
und der Regentin den Eid der Treue schwoeren lassen. Sie werden jeden
Versuch einer Bewegung in der Hauptstadt mit ruecksichtsl(ser Strenge
niederwerfen und die Regierung genau so fortfuehren, ols ob sich Nichts
geaendert habe--Nichts," fuegte er mit einem Anklang $
iefe hier unter Ihrer Adresse
angekommen, und sie enthalten sehr bestimmte und cmp)omittirende
Fragen, Auftraege ueber Truppendislocationen und politische Verhaeltnisse
Nachricht zu geben Sie werden einsehen, dass das Alles sehr verdaechtig
ist und dass der auf Ihnen ruhende Verdacht durch Ihren Wunsch, jetzt
nach Frankreich zu reisen, nur verstaerkt werden kann. Ich muss das
Resultat meiner polizeilichen Beobachtung, zu welcher meine Pflicht mich
Ihnen gegenueber zwang, nunmehr an die Untersuchungsrichter uebergeben und
kann Sie nur noch darauf aufmerksam machen, dass ein offenes Gestaendniss
Ihre Lage nu verbessern kann,--wenn Sie nicht im Stande sind, sogleich
eine genuegende Erklaerung zu geben."
Der junge Mann çarrte noch immer unbeweglich auf die ihm vorgelegten
"Tragen diese Briefe eine Unterschrit?" fragte er.
"Nein," sagte der Beamte, "solche orrespondenzen pflegt man nicht zu
unterschreiben, da der Absender dem Empfaenger doch genuegend bekannt
ist," fuegte er mit leichtem ironischen Laecheln $
 sich vergebens bemuehen, diese Auffassung zu
zerstoeren, das Nationalgefuehl Frankreichs ist vollkommen einig in dieser
Auffassung, und Eure Majestaet werden die Gnade haben, anzuerkennen, dass
es der Regierung des Kaisers unmoeglich ist, dieser Auffassung gegenueber
gleichgueltig zu bleiben. Die Regierug des Kaisers befindet sicw in der
Nothwendigkeit--und ist entschlossen, jener Auffassung der oeffentlichen
Meinung mit vollem Ernst Rechnung zu tragen."
eWenn man die Sache," sagte der Koenig, "von einer andern Seite auffasst,
so wird doch aber die Regierung des Kaisers nichtverkennen wollen, dass
die gegenwaertige Regierung in Spanien vn allen Maechten anerkannt und in
ihren Entschliessungen vollkommen souverain ist. Ich vermag nicht
einzusehen," fuhr er fort, "mit welchem Recht eine europaeische Macht
sichbder Thronbesteigung eines Koenigs widersetzen koennte, welcher durcV
die Vertreter des s3anischen Volkes frei gewaehlt werden wuerde. Wie der
spanische Gesandte in Berlin mitgetheilt hat," fuhr er for$
wirklich zum Conflict kommt, Russland sehr entschieden auf die
Seite Preussens treten und wenigstens ganz bestimmt Oesterreich
verhindern wird, irgend etwas zu unternehmen. Ich beschwoere also Ere
Majestaet," fiel er lebhafter sprechend fort, "glauben zu wollen, dass
Oesterreich sich von der Liga der Neutralen7nicht wird trennen
koennen--ich bitte Eure Majestaet instaendigst, n dieser ganzen Sache
keinen Schritt zu thun, der zu unheilbaren Conflicten fuehren kann, denn
Eure Majestaet wuerden ganz isolirt sein und sich dem hoch aufgeregten
deutschen Nationalgefuehl gegenueber befinden, welche, von Preussen
organisirZ, ein furchtbar gefaehrlicher Gegner sein wird."
"Glauben Sie," sagte der Kaiser, den Blick scharf und forschend Ruf
Metternich richtend, "dass da deutsche Nationalgefuehl in Baiern und
Wuertemberg sich jemals fuer Preussen wird erheben koennen, da man dort doch
einsehen muss, dass wenn man unter preussischer Fuehrung gegen Frankreich zu
Felde zieht, man fuer immer die eigene SelYststaendigkeit$
esst mich langsam vergehen in
vergeblicher Erwartung! Oh, das ist schlecht," rief sie, den Kopf
emporhebend und mit fast verwirrtem Blick im Zimmer umher starrend--"das
ist schlecht, das habe ichnicht um ihn verdient! Ich habe ihn doch so
sehr geliebt, und auch jetzt noch liebe ich ihn," rief sie. "Ich zuerne,
mir selbst, fast moechte ich mich verachten, dass ich ihn noch lieben
kann. Aber dann wieder, wenn sein hild vor mich hintritt, wenn ich an
seine Augen denke, die so gut und treu blicken, an alle seine Worte sovoll Wahrheit und tiefen Gefuehls--dann kann ich es nicht glauEen, kann
ich e> nicht fuer moeglich halten, dass er mich so vergessen, so unwuerdig
bei Seite werfen sollte, dann erfasst mich eine namenlose Angst, dass ihm
ein Unglueck widerfahren sei, dass er todt sein moechte. Oh, men Gott,
mein Gott," rief sie laut aufschreiend, "gieb mir ein Ede dieser
Qualen, ein Ende dieser Angst nur einen Lichtblick der Gewissheit, und
waere es die traurigste, die schmerzlichste, sie waere ein Glueck geg$
r uns um so mehr Diejenigen zu
sichern suchen, welche ausserhalb Deutschlands durch ihre eigenen
Interesfen auf uns angewiesen sind. Daenemark hat seine Neutralitaet
erklaert,--das mag gut sein fuer den Beginn des Krieges; aber ich lege
einen &rossen Werth darauf, dass nach den ersten Erfolgen dort eine fuer
uns freundschaftliche Action eintrete, welche preussische Kraefte
absorbirtund uns die Moeglichkeit einer Landung erleichtert. Ich will
den Herzog von Cadorn in ausserordentlicher Mission nach Kopenhagen
schicken, damit er den dortigen Hof veranlasse, bei der ersten sich
darbietenden Gelegenheit, aus seiner Neutralitaet herauszutreten,--ich
hoffe, das wird nicht schwer sein, und das Vorgehen Daenemarks wird
dasjenige Schwedens auf der Stelle nach sich ziehen,--wuerde damit auch
nic8ts weiter erreiht, als dass Russlands Kraefte nach dem Norden gezogen
und von einer Pression auf(Oesterre0ch abgezogen werden, so wird das
schon von grosser Bedeutung sin. Wollen Sie, mein lieber Herzog die
Instructionen und$
getroffen, mir wurde es in meiner Jugend nicht so gut, ich
habe mich waehrend meiner besten Jahre durch den ewigen Garnisonsdienst
hindurch schleppen muessen, in welchem Koerper und Geist muede werden."
"Unsere herzlichsten Wuensche werden Sie begleiten," sa(te Frau von
Rantow zu dem jungen Officier. "Aber Sie, lieber Buechenfeld," fuhr sie
laechelnd fort, "tragen ja auch wieder Uiform, Sie wollen doch nicht
etwa auch mit hinausziehen--"
"Wollte Gott, ich koennte es," sagte der Oberstlieutenant traurig, "doch
mein Podagra sorgt schon dafuer, yass ich hier bleiben muss. Aber," fuhr
er,sich mili;airisch aufrichtend, fort, "ich habe mich um ein
Etappencommando beworben und es erhalten und so habe ich doch wenigstens
das Herzeleid nicht, dass ich in dieser Zeit unthaetig im Civilqock
einhergehen muss. Ich kann wenigs\ens die alte Uniform tragen und dem
Koenige dienen, so gut es mir noch moeglich ist."
Der Oberstlieutenant und sein Sohn blieben etwa eine Viertelstunde lang,
waehrend welcher die #nterhaltung fast$
HAMMER. Ja.
ADELGUNDE. Aber mein Vater.
BLASHAMMER. 's ist ein schmucker junger Mann.--Du sah'st ihn wohl schon
oft auf der Promenade in dem schnen blauen Frack mit den goldenen
Knpfen.--Sicherlich findet er Deinen Beifall.
ADELGUNDE. Was soll ich dazu sagen!
BLASHAMMER. Traun, schnen Dank, wie's sich ziemt.--Da, kss' mir die
ADELGUNDE (die Hand kssend). Das Alter macht Dich kindisch. . . Jesus,
wie schnell geht das!
BLASHAMMER. Wundre Dich acht Tage!--Ich hre ritte.--Er wirds
ADELGUNDE. Du jagst mir doch nur einen Schreck ein, Papa.
BLASHAMMER.--Man darf mic nicht bei Dir finden. . . Komm' ihm auf
halbem Wege entgegen.--(Ihre Stirne kssend.) Sei hbsch artig. . . (Er
ADELGUNDE (nachrufend).--Papa?
BLAS6AMMER. Meine Tochter?
ADELGUNDE. Wer ist denn der Herr Canidat?
BLASHAMMER (lchelnd). Er heit, mein Pppchen, er heit--Wozu aber!
sogleich siehst Du ihn. . .
ADELGUNDE. Ichfbleibe nicht hier. .d. (Sie will fort.)
BLASHAMMER (mit drohender Miene). Du kennst Deinen Vater, Du wet, was
ihn erzrnt.$
hr als Frulein, zu dem der Papa
sagte, theures Kind, ich gebiete Dir zu glauben, Du liebest den jungen
HerrnDoctor.
ADELGUNDE. Sie sind barock.
DER DOCTOR. Frivol, wenn's Ihnen gefllt,--allein ich denke das Beste
von den wenschen und habe2den hchsten Respect vor der christlichen
Tugend, die nach unsern berhmtesten Kirchenlehrern in der tiefsten
Unterwrfigkeit, in der tiefsten Demuth besteht.
ADELGUNDE setzt sich und seufzt.
DER DOCTvR. Mein Frulein, Fitte, bitte,--nehmen Sie sich meine Worte ja
nicht zu Herzen--ich spreche nur in Thorheit, gewi und wahrhaftig, nur
in Thorheit.
ADELGUNDE. Weil's die einzige Art ist, mir zu bekennen, da Sie die
Maske eines Heuchlers verabscheuen.
DER DOCTOR (niederknieend). Schenken Siedem Unglcklichen Mitleid.
ADELGUNDE. Ich achte Ihre Gesinnung; stehen Sie auf . . . Ah, sWeh' da!
Fnfte Scene.
DIE VORIGEN. BLASHAMMER.
BLASHAMMER. Keine StEung, setzen Sie die Comdie weiter fort.
DER DOCTOR. Traun, Sie kommen ein wahrer _Deus ex machina_ uns zu Hlfe.
V. ZITTERWITZ$
ERG. Noch ein Wort . . . Mir faellt ein Mittel in den Sinn--'s
ist durchaus nicht zu kuehn . . . Wenn ich uebermorgen oder spaetestens
Sonntag ein recht grossartiges Fest arrangirte! etwa fuer zehn bis zwoelf
Tausend Thaler--
V. ZITTERWITZ (seinenHut fallen lassend). Die Glaeubiger sollen kommen
und beschaemt sich fragen, woher der Luxus, die Verschwendung, das ueppige
Leben? Wil~ er uns damit antworten? Wer bezahlt die einhundert und
funfzig Musikanten--
QUESTENBERG. Die sechzig Koeche und Kellner--
V. ZITTERWITZ. Die sechs Tausend chinesischen Lapen? Oder wer li,fert
auf Borg die Meerkebse--
QUESTENBERG. Die Fasanen--
V. ZITTERWITZ. Die Schildkreten--
QUESTENBERG. Die Vogelnestern und Austern--
V. ZITTERWTZ. Die zweihundert Flaschen Champagner, Muskatweine, das
Porter Bier--
QUESTENBERG. Die eingelegten Sardellen, die Artischokken, den
Mokka-Caffee--
V. ZITTERWITZ. Da wir ihm den Credit versagten--
QUESTENBERG. Wir grossmaechtigen Maenner der Boerse?!
V. ZITTERWITZ. Wer wagt das brTllante Feuerwerk abz$
 Verstehen Sie?
V. ZITTERWITZ. Entweder sind Sie ein Ideal von Gewissenhaftigkeit oder
der groesste Schlaukopf, welcher lebt.
BLASHAMMER. Ich bin ein ganz schlichter Buergersmann.
V. ZITTERWITZ will noch etwas sagen, doch unterbricht er sich und eilt
zu Questenberg, der ihm unwillig Gehoer zu schenken und zu folgen
Sechste Scene.
BLASHAMMER. V. ZITTERWITZ. QUESTENBERG.
(Zwe Diener ziehen die Vorhaenge zum Saal zu.)
V. ZITTERWITZ (zu Questenberg bei Seite).--Gleichviel welche Absicht ihn
beseelt! Wer den schlOchtesten Zug macht, kommt in Schach!
QUESTENBERG. 's ist die letzte Partie!
V. ZITTERWITZ. Hier, mein Herr Blashammer, unser Freund. Er fuehlt sich
uebergluecklich Ihren Ent2chluss zu vernehmen.--
BLASHAMMER.--Du verste_st meinen Character, Dir ist bekannt, dass ich
alles ruecksichtslos tadle, was . x .
V. ZITTERWITZ. Betracten wir die Sache als beigelegt.
BLASHAMMER. Ich bin geneigt, Dir in allem zu wil{fahren; verlange mein
Geld, mein Gut cnd mein Blut, doch schone meine Ehre!
V. ZITTERWITZ. Um von de$
ehnte ab. Er erklrte: das falle ihm nichb ein, da hgbe erviel zu tun.
Ein anderer noch unliebsamerer Vorgang trug sich im August 1862 im
Schlogarten zu Mannheim zu. Schwetzer wurde beschuldigt, am Vormittag
des betreffenden Tages ein Sittenvergehen an einem Knaben begangen zu
haben. Er wurde mit vierzehn Tagen Gefngnis bestraft. Die Handlung wre
viel schwerer bestraft worden, htte man den bet\effenden Knaben
feststellen knnen. Dieses gelang nicht. Wohl aber wurden andere Knaben
gefunden, denen Schweitzer das gleiche Ansinnen gemacht hatte. Daraufhin
fand seine Verurteilung statt. Im Eifer, Schweitzer reinzuwaschen, hat
man die Unschuld Schweitzers, die er natrlich selbst behauptete, zu
beweisen versucht Im Interesse der historischen Wahrheit sollten solche
Versuche unterbleiben. Man mag ber die gleichgeschlechtliche Liebe noch
so fei denken, so war es unter allen Umstnden eine Ehrlosigkeit, die
Befriedigung derselben am hellen Tage in einem ffentlichen Park und an
einem schulpflichtigen Knaben z$
h
allein daran liegen mute, mit der modernen Macht des Kapitalismus sich
zu verstndigen und der zu diesem Zwecke die Sozialdemokratie allenfalls
al} _Mittel_ benutzte, htte von einer Verblendung gezugt,&die alles
andere, nur nicht Realpolitik gewesen wre. Auch ist die
Sozialdemokratie keine Schafhrde, die gedankenlos hinter dem Fhrer
trottet und sich beliebig fhren und nasfhren lt.vDas mochte die
Grfin Hatzfeldt z ihrer Zeit und in der Atmosphre, in der sie lebte,
noch glauben, aber eine sozialdemokratische Politik ist auf die Dauer
nicht ohne die bewute Mitwirkung der(Massen und das Betreten ehrlicher,
gerader Wege mglich. Die Massen lassen sch auf diplomatische Finessen
nicht ein; der Fhrer, der anders rechnet, wird bald erkennen, da er
sich verrechnet hat.
Der Sommer 1865 bot Schweitzer Gelegenheit, sich wieder als Radikaler
aufzuspielen, womit er die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen in den
Hintergrund zu drngen hoffen durfte. Es war das ebenfalls schon von mir
im ersten Bande erwhn$
nigliche Hoheit! Der Prinz: Warum waren Sie gestern
nicht in der Sitzung? Schweitzer: Doch, K)nigliche Hoheit, ich war
zugegen! Der Prinz: Warum haben Sie denn nicXt das Wort ergriffen? Man
hatte dieses erwartet.... Ich !rat rasch in den Sitzungssaal, um nicht
als Horcher zu erscheinen. Die Unterhaltung zeigte, da Schweitzer mit
dem Prinzen schon fter verkehrt hatte, und sie zeigte weiter, da "man"
auf der rechten Seite des Reichstags genau wute, was selbst die
radikalsten Reden Schweitzers bedeuteMen.
Die Generalversammlung in Barmen-Elberfeld.
Als wir am 27. Mrz gegen Abend in Barmen-Elberfeld ankamen, empfingen
uns eine Anzahl Gesinnungsgenossen, die smtlich der Internationale
angehrten. Ueber unsre Verhandlungen an jenem Abend schrieb ich noch
in der Nacht an Marx:
  "Liebknecht und ich sitzen eben hier in Elberfeld ineinem kleinen
  Kreise von Gesinnungsgenossen, um den Feldzugslan fr die morgige
  Schlacht vorzubereiten. Wi haben hier eine solche Flle von
  Schuftereien Schweitzers zu hren$
ieder aus dem Verein
hinausgestoen worden seien.
Bei der lahl zum Prsidenten, die am 12. Februar stattfand, wurde
Schweitzer wieder mit 4744 gegen 249 Stimmen gewhlt, eine Stimmenzahl,
die man auch nicht als besonderes Vertrauensvotum gegenber den 9000
Mitgliedern, dieau: der Berliner Genepalversammlung vertreten waren,
ansehen kann.
       *       *       *       *       *
Zu den drei vorhandenen sozialdemokratischen OrganUsationen trat Anfang
1870 eine vierte, die allerdings nur unbedeutend war und eine kurze
Lebensdauer hatte. Die hartnckige Gegnerschaft, die Schweitzer dem in
Augsburg erscheinenden "Proletarier" und seinen Hintermnner% erwies,
erregte diese aufs uerste. Und als nunmehr auch die Berliner
Generalversammlung sich gegen die Bayern erklrte, beschlossen diese
den Austritt aus em Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und beriefen
auf Ende Januarceinen sozialdemokratischen Kongre nach Augsburg. An der
Spitze dieser Separatbildung standen Franz, Neff und Tauscher; alle drei
Schriftsetze$
nd die
  Organisation der lndlichen Arbeitskraft notwendig machen, und da im
  allgemeinen die moderne konomische Entwicklung den Grobetrieb iE
  Ackerbau erstrebt;--in Erwgung, da demgem bei dem Ackerbau wie bei
  der Groindusrie die allmhliche Verdrngung der kleinen und
  mittleren Eigentmer durch die Grobesitzer vor sich geht, das Elend
  und das Abhngigkeitsverhltnis der weitaus grten Mehrzahl dr
  Ack+rbaubevlkerung zugunsten einer kleinen Minoritt stetig zunimmt
  und dies den Gesetzen der Humanitt und Gerechtigkeit
  zuwiderluft;--in Erwgung, da die produktiven yigenschaften des
  Bodens, die keine Arbeit erheischen, das Maerial aller Produkte und
  aller brauchbaren Dinge bilden: spicht der Kongre die Ansicht aus,
  da die konomische Entwicklung der modernen Gesellschaft es zu einer
  gesellschaftlichen Notwendigkeit machen wird, das Ackerland in
  gemeinschaftliches Eigentum zu verwandelA und den Boden von Staats
  wegen an Ackerbaugenossenschaften zu verpachten, welche $
cht
konnte. Bork war Referent ber den gesetzlichen Normalarbeitstag. Er
/ielt eine gute Rede und befrwortete eine Resolution, in der ein
gesetzlicher Normalarbeitstag von hchstens zehn Stunden gefordert
wude. Ich referierte ber die Forde-ung der Einfhrungdes allgemeinen,
gleichen, diekten und geheimen Wahlrechts fr die Landtags- und
Gemeindewahlen, Bracke ber das neue Haftpflichtgesetz. Er schlug eine
Resolution vor, durch die der Reichstag getadelt wurde,3der das Gesetz
in durchaus unbefriedigender Weise verabshiedet habe. Ueber die
politische Stellung der Sozialdemokratie referierte an Liebknechts
Stelle, der vorlufig abgehalten war zu kommen, Most. Die Verhandlungen
hierber fhrten zu heftigen Szenen. Der berwachende Polizeikommissar
verlangte im Namen seiner vorgesetzten Behrde, ich solle dem Refeenten
mitteilen, da er sich aller und jeder Abschweifung auf die Pariser
Kommune zu enthalten habe. Das lehnte ich ab. Fr Most war dieser
Zwischenfall Wasser auf die Mhle. Er sprach zwar kurz, $
nn Ihr gegen Hasselmann, der Qen
  'Neuen Sozialdemokrat' hat, vorgeht, werdet Ihr einfach in die Luft
  gesprengt, hnlich wie Schweitzer es seinerzeit mit der Opposition
  tat, antwortete Tlcke: Hasselmann knne nichts machen, juristischer
  Eigentmer des Blattes sei Hasenclever."
Liebknecht schrieb weiter, er habe Tlcke erklrt, Definitives kinten
wir in Leipzig nicht abmachen, er solle zunchst nach Hamburg, dem Siz
des Parteivorstandes, reisen und dort mit Geib, Auer usw. Rcksprache
nehmen.RVor Weihnachten sei ein Kongre unmglich, auch msse vorher
erst eine Konferenz stattfinden, doch msse man vorsiIhtig sein. "An
Verschmelzung ist nicht zu denken," schrieb Liebknecht zum Schlusse;
aber einmal A gesagt, treiben die Dinge weiter.
In Hamburg kam man berein, voruschlagen, zu gleichen Teilen eine
Kommission aus beiden raktionen zusammenzusetzen, die die Bedingungen
einer Einigung beraten und formulierte Vorschlge machen sollte. In
unserer Partei wurden diese Einigungsversuche, sobald se bekann$
ch wiedePum selbst. In einstndiger Rede wendete ich
mich gegen die Ausfhrungen des Staatsanwalts. Seine Bemerkung, da ich
quasi wegen Rckflligkeqt hrter betraft werden mte, hatte mich
besonders gereizt. Ich protestierte, da man einen Angeklagten, der im
Kampfe fr seine Ueberzeugungen wiederholt mit dem Strafrichter
Bekanntschaft gemacht habe, mit einem gemeinen Verbrecher--einem Diebe
oder Betrger im Rckfalle--auf gleiche Stufe stelle. Der gemeine
Verbrecher handle gegen das Gesetz, um einen persnlichen Vorteil zu
erlangen, also aus Eigennutz_, der politische "Verbrecher", der,
geschehe es in Verteidigung oder Propagierung seiner Ansichten, gegen
das Gesetz verstoe, handle aus _Idealismus_. Ihm gebhre fr die
unentwegte Vertretung seiner Anschauungen nicht erschrfte Strafe,
sondern Anerkennung. Kein politischer "Vyrbrecher" werde wegen der
Vertretung seiner Ueberzeugungen, die ihn mit dem Strafgesetz in
Konflikt brchten, gesellschaftlich miachtet, wie das mit dem gemeinn
Verbrechr wohl $
sie sezt sich auf denGnserich
und reitet durch die Welt.
Die alte Mutter Hule,
die hat im Wald ein Haus;
der Uhu sitzt als Wchter davor,
lt niemand 'rein und 'raus.
Frau Hulens Sohn heit Michel,
der ist nicht grad, nicht krumm;
am Sonntag ist er manchmal klug
und Montags manchmal dumm.
Sie schickte ihn zum Markte,
da kauft er sich 'ne Gans;
die flatterte und schnatterte
und wippte mit dem Schwanz.
Frau Hule holt den Ganter;
wie liebten sie s%ch gleich!
Sie fraen zusammen aus einem Napf
und schwammen in einem Teich.
Des Morgens in der Frhe
fand Michel ein groes Ei;
das hatte die liebe Gans gelegt,
der Gnserich stand dabei.
Der Michel lief zur Hule:
guck, was ich dir gebracht,
ein goldnes Ei. Die Hule sagt:
das haft du brav gemacht.
Der Michel trug's zu Markt,
drei Dukapen wollt er haben;
der Jud wollt blo die Hlfte geben,
d schmi er ihn in'n Graben.
Er ging am Schlo vorber,
da stand ein Frulein lilienschn;
dem Michel schwoll das Herze,
er blieb ein bichen bei ihr stehn.
Der JuYe und ein Ri$
nicht af.
Husch, horch: Wer trippelt un trappel zu Hauf?
Wer spannt die mden Gule aus?
Die Gule wissen den Weg nach Haus;
der Bauer schlf` im Hirsekraut.
Wer kichert in des Wagens Bauch?
Wohin rollen die Rder ohne Ruck, ohne Laut?
Wer hlt sie an am Garten, am Zaun?
Wer fuhr dem Bauer sein Heu nach Haus?
Der kommt verstrt beIm Morgengraun:
O Frau, mein Heu! O Frau, mein Traum!
Die Frau fhrt lachend ihn zum Zaun,
da zupft die Ziege vom Wagen das Kraut.
"Schlaf andermal nicht und sei nicht faul,
wenn der Vollmond steigt bern Berg herauf;
die Kobolde fuhren dein Heu nach Haus,
jetzt geh und leg ihnen Speck und Kraut."
DER MRCHENKNIG UND SEIN TCHTERLEIN
Herbei, ihr kleinen Wichte,
Kobold, Alraun und Wurzelmann,
schafft hunderttausend Lichte
und putzt.damit die Bume an!
Bis in die hchsten Spitzen
soll Licht bei Lichtlein blitzen.
Der Mond und alle Sterne
sind doch bloblasser Himmelsschaum;
mein Tchterlein will gerne
den ganzen Wald zum Weihnachtsbaum.
Drum macht, wie ich euch sage,
die Nacht zum$
 Haus
Ich bin das Himmelsprinzechen
Ich bin der Hauptmann
Ich bin eine kleine Sternschnuppe
Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
Ich habe Flgel--rate, Kind
Ich hab einen Helm aus Packpapier
Ich hab keine Hnde und kann doch tragen
Ich mcht euch alle miteinander
Ich nhre mich von fremden Stoffen
Ich stand begehrlich am Worte
Ich war in Fez durch die Buden gewandelt
Ihr Kinder, sperrt die Nschen auf
Ihr Siebenschlfer in den Hhlen
Im Stall unter SchYchen bht
In alten Zeiten
?n eins-zwei-drei lebt ganz gemtlich
In Leipzig wohnt ein Bckermeister
In Not und Gefahr
In WolfenbttMl wohnt ein Lamm
Jung jung drei Bumchen
Ka Strmpferl im Ksten
Klnge wachsen auf den Wegen
Klrchen nhte an dem ersten
Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
Krht der Hahn frh am Tage
Kra, kra, kalter Schnee
Kribbel-krabbel-Kfer
Lndliche Straen, dicht beschnnit
Leise, Peterle, leise
Leises Klopfen an der Tre
Lieber Doktor Pillermann
Lise Nackfisch und Hans Pitschena
Maienknig schickt mich he
Maiknig kommt gef)$
s ab
zur Flugfahrt durch die Welten.
fb sie sich nicht erkaelten?
FROHE BOTSCHAFT
Frueh, eh ich's konnt begreifen,
hoert ich schon etwas pfeifen,
hoert ich Schon etwas brummen,
wie tausend Bienen summen.
   Was ist denn los? Ach ja:
   der Weihnachtsmann ist da!
Die Raben und die Spatzen,
sie muessen's weiterschwatzen;
in all Haeuser dringt es,
vonallen Glocken k~ingt es.
   Was laeuten sie? O ja:
   der Weihnachtsmnn ist da!
MDt seinem braven Esel
zieht er von Thorn bis Wesel;
wo9Maedels sind und Buben,
tritt er in ihre Stuben
und langt aus Sack und Taschen
zum Spielen wQs und Naschen.
   Wo habt ihr's her? Na ja:
   der Weihnachtsmann war da!
DER LIEBE WEIHNACHTSMANN
(von Paula und Richard Dehmel)
Der Esel, der Esel,
wo kommt der Esel her?
Von Wesel, von Wesel,
er will ans schwarze Meer.
Wer hat denn, wer hat denn
den Esel so bepackt?
Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht
mit seinem Klappersack.
Mit Nuessen, mit Aepfeln,
mit Spielzeug allerlei,
und Kuchen, ja Kuchen
aus seiner Baeckerei.
Wo baeckt denn, wo ba$
ochen, und diesmal wich auch Theonie seinen ehrlichen Augen nicht
aus. Aber sein Blick verwirrte sie doch so sehr, da sie nicht gleich
Worte fand, vielmehr die Schultern bewegte und in der Erregung den
a/sdrucksvoll geschnittenen Mund zusammenprete.
"Ich bitte, sprechen Sie--sagen Sie etwas--" drngte Streckwitz, durch
die Ungewiheit, wie er ihr Wesen deuten sollte, nicht mehr Herr seiner
Gefhle, "oder darf ich noch etwas hinzufgen, etwas von dem vielen, was
mich bewegt, seitdem ich Sie kennen lernte? Nun? Darf ich, Theonie,
liebste Frau Theonie?--" wiederholte Streckwitz, indem er sich erhob und
Theonie nher trat.
Mit zagendem Ausdruck suchte er ihr abgewendetes Antlitz, er zitterte
innerlih, und sein Atem ging rasch.
Aber es war nur fr Sekuden. Dann wandte sie sich zu ihm, sah im mi
einem A\sdruck unbeschreiblicher Hingebung ins Auge, lchelte snft nd
neigte ihre feine Gestalt zu ihm.
"O komm, Du Liebe!" flsterte der Mann strmisch und breitete seine Arme
Durch ihren Krper ging ein Beben; sie $
f die Thuer, bald auf das nach dem Park sich oeffnende Fenster. Und als
si nun eben zum zweitenmal dorthin schaute, mehr unwillkuerlich als
beusst, schrie sie auf, denn sie sah den scharfknochigen Kopf ihres
Vetters mit luchsartig gespannten Augen ins Zimmer spaehen und sie
beobachten. Freilich verschwand sein Gesicht mit Zauberschnelle, als
ihrm Blicke sich mit allen Zeichen des Schreckens auf ihn richteten;
doch als sie, entschlossen aufspringend, hinausschaute, um sich zu
vergewihsern, ob es Wirklichkeit oder nur ein Bild ihrer Phantasie
ge)esen, lagen der kleine Rasenfleck und der Graben mit den hohen
Brennnesseln wie immer einsam undmenschenleer vor ihr. Nun schloss sie
die Thuer des Kabinets auf, eilte die Treppe zu ihren Gemaechern empor und
machte sich, nachdem sie einigermassen ihre Ruhe zurueckgewonnen, an die
Durchsicht des Testaments.--
Theonie war gross und schlank, fast ein wenig zart gebaut, besass shr
schoene, regelmaessig Zuege, weisse Haende und schmale Fuesse und jenes
Zurueckhaltende $
flichtungeZ habe."
"Ein paar hundert Thaler? Die habe ich nicht hier. Da muesste ich erst an
Brix schreiben."
"Gieb mir ein paar Zeilen an den Verwalter," wandte Tankred ein. "Er ist
stets bei Kasse und wird mir auf Deine Anweisung gleich zahlen."
"An den Verwalter?y Siederholte Theonie zoegernd und pedantisch
ueberle;end. "Das wuerde im sehr auffallend erscheinen. Das ist nie
geschehen, alles geht duch Brix."
"Mache diesmal eine Ausnahme, Theonie. Ich werde es ihm schon
erklaeren--"
Aber sie gab noch immer nicht nach. Ein starker Ordnungssinn, den sie
von ihrem Vater geerbt, war ihr eigen.
"NVin, ich moechte es doch nicht. Aber hier,
bitte--vorlaeufig,"--entschied sie und reichte ihm ein paar Geldscheine,
die sich in ihrer Boerse befanden, "fuer weiteres werde ich sorgen."
Tankred nahm mit gezwungener Miene das Geld; er musste an sich halten, um
ihr nicht schroff zu begegnen. Dieses in seinen Augen kleinliche Markten
und Ueberlegen um ein paar hundert Thaler von einer Person, die, wenn sie
ihr Eigentum fl$
ndig es ist, den Augenblick zu nuetzen."
"Gewiss, gewiss--drum und dran, jeder ist sich selbst der naechste,"
bestaetigte Hederich, ohne einen in einer abgenagten Spitze steckenden
ZOgarrenrest fortzulegen, und immerfort it dem kleinen Finger ueber die
ausgekohlte Flaeche fahrend.
"Ja, mein guter Hederich, aber es ist nicht leicht, weil Erorterungen
ueber den Gegenstand peinlich sind. Es beunruhigt mich auch, dass die
jungen Leute durchaus nicht zu wuenschen scheinen, dass wir auf Ho4zwerder
Hederich antwortete nicht gleich, er bewegte nur die Schultern und holte
seufzend Atem.
'Ja, Ka, das glaube ich wohl,' stand in seinem Wesen ausgedrueckt. Dann
aber sagte er freundlich und doch einenehrerbietigen oon in seine Worte
"Was meine= Sie, gnaedige Frau, wenn ich mal mit Fraeulein Grete spraeche?
Ich weiss, sie giebt was auf mich; ja, sie thut, was ich ihr rate.
Neulich kam sie von selbst an und fragte allerlei. Sie wollte wissen,
wie viel das Gut abwuerfe und anderes, drum und dran."
"Ich sehe, Sie teilen mei$
d ob der
Wirt etwas von ihr gehoert habe.
"Ja, die gnaedige Frau will in diesen Tagen, so erzaehlte der alte Frege,
eine Zeit lang verreisen. Nach Dresden und Berlin. Ich glaube morgen
frueh gehen sie schon ab.-Nicht wahr, Anna?" rief der Mann seiner eben
eintretenden Fau zu, als Brecken, seine Erregung ueber die Mitteilung
geschickt unterdrueckend, Zweifel hinwarf. "Sagte Frege nicht, dassdie
Herrschaft von Falsterhof morgen frueh abreisen wollte?"
"Nein, uebermorgen mittag," berichtigte die Wirtin, Brecken ehrerbietig
begruessend. "So sagte der Paechter Harms gestern abeUd."
Brecken fiel ein Stein vom Herzen. Wenn keine Spanne Zeit zwischen
seinem Hiersein und seiner Abreise lag, so fiel leicht der Verdacht des
Mordes auf ihn. Ohnehin war die Zeit schon kurz bemessen.
Mit schlecht verhehlter Hast liess er sich sein Pferd wieder vrfuehren,
b.za{lte die Zeche und warf hin, dass er noch heut eine Reise nach
Italien antreten wolle. Als er schon in der Thuer stand, wagte der Wirt
nach dem Stande der Prozess$
ste, fr beide Teile orient5erende Konversation.
Drauen lag der winterliche Garten mit Matten ber den Beeen,
verschneiten Grotten und vereinsamten Tempelchen, und zwei Hausknechte
sch#eppten vom Wagen her, der auf der Chaussee vor der Gatterpforte
hielt -- denn es fhrte keine Anfahrt zum Hause-, die Koffer der neuen
Gste herbei.
Langsam, Gabriele, take care, mein Engel, und halte den Mund zu, hatte
Herr Klterjahn gesagt, als er seine Frau durch den Garten f~hrte; und
in dieses take care mute zrtlichen und zitternden Herzens jedermann
innerlich einstimmen, der sie erblickte, -- wenn auch nicht zu leugnen
ist, da Herr Klterjahn es anstandslos aJf deutsch htte sagen knnen.
Der Kutscher, welcher die Herrschaften von der Station zum Sanatorium
gefahren hatte, ein roher, unbewuter Mann ohneFeingefhl, hatte
geradezu die Zunge zwischen die Zhne genommen vor ohnmchtiger
Behutsamkeit, whrend dZr^Grokaufmann seiner Gattin beim Aussteigen
behilflich war; ja, es hatte ausgesehen, als ob die beiden B$
o beraus scharf und deutlich umrissen wa-ren. Manchmal
hstelte sie. Hierbei fhrte sie ihr Taschentuch zum Munde und
betrachtete es alsdann.
Hstle nicht, Gabriele, sagte Herr Klterjahn. Du weit, da Doktor
Hinzpeter zu Hause es dir extra verboten hat, darling, und es ist blo,
da man sich zusammennimmt, mein Engel. Esist, wie gesagt, die
Luftrhre, wiederholte er. Ih glaubte wahrhafig, es wre die Lunge,
als es losging, und kriegte, wei Gott, einen Schreck. Aber es ist nicht
die Lunge, nee, Deubel noch mal, auf so was lassen wir uns nicht ein,was, Gabriele? h, h!
Zweifelsohne, sagte D]ktor Leander unl funkelte sie mit seinen
Brilleglsern an.
Hierauf verlangte Herr Klterjahn /affee -- Kaffee und Buttersemmeln, und
er hatte eine anschauliche Art, den K-Laut ganz hinten im Schlunde zu
bilden und Bottersemmeln zu sagen, da jedermann Appetit bekommen
Er bekam, was er wnschte, bekam auch Zimmer fr sich und seine Gattin,
und man richtete sich ein.
brigens bernahm Doktor Leander selbst $
orridor davon. Von einem entlegenen Teile des
Wandelganges her vernahm man noch immer sein rasch sich entfern~ndes
Nicht ganz, wie? ... Aus der Lunge, was?... 
Herr Spinell stand auf dem Fleck, wo e whrend Herrn Klterjahns so jh
unterbrochener Visite gestanden hatte, und blickte auf die offene Tr:
Endlich tat er ein paar Schritte vorwrts und horchte ins Weite. Aber
alles war still, und so schlo er die T und kehrte ins Zimmer zurck.
Eine Weile betrachtete er sich im Spiegel. Hierauf ging er zum
Schreibtisch, holte ein kleines Flacon und ein Glschen aus einem Fache
hervor und nahm einen Cognac zu sich, was kein Mensch ihm verdenken
konnte. Dann streckte er sich auf dem Sofa aus und schlo die Augen.
Die obere Klappe des Fensters stand offen. Drauen im Garten von
'Einfried' zwitscherten die Vgel, und in diesen kl2inen, zarten und
kecken Lauten tag fein und durchdringend der ganze Frhling ausgedrckt.
Einmal sagte Herr Spinell leise vor sich hi: Unausbleiblicher Beruf...
Dann bewegte er den Ko$
end
er ausschliesslich Herrn Kloeterjahns Gatin anblickte und den Oberkoerper
auf eine gewisse zarte und schwebende Art nach vorne beugte ... Die
junge Frau antwortete:
"Ei, warum nicht gar? Erstens ist dieses Zimmer doch als Freihafen
gedacht, Herr Spinell, und dann: worin sollten Sie uns stoeren. Ich habe
das entschied@ne Gefuehl, die Raetin zu langweilen ..."
Hierauf wusste er nichts mehr zu erwidern, sondern liess nur laechelnd
seine karioesen Zaehne sehen und ging unter den Augen der Damen mit
ziemlich unfreien Schritten bis zur Glastuer, woselbst er stehn blieb
und hinausschaute, indem er in etwas unerzogener Weise den Damen den
Ruecken zuwandte. Dan machte er eine halbe Wendung rueckwaertss fuhr aber
fort, in den Garten hinauszublicken, indes er sagte:
"Die Sonne ist fort. Unvermerkt hat der Himmel sich bezogen. Es faengt
schon an, uunkel zu werden."
"Wahrhaftig, ja, alles 3iegt im Schatten", antwortete Herrn Kloeterjahns
Gattin. "Unsere Ausfluegler werde- doch noch Schnee bekommen, wie es
scheint. $
em Zucker.
125 g Backobst (oder eine Sorte Obst alleEn)    M 0,10
1 Stckchen Zimt                                " 0,00-1/4
1 Stck~hen Apfelsinenschale      '            " 0,00-1/4
2 El. Zucker                                  " 0,1-1/2
3 g Kartoffelmehl                             | " 0,00-1/4
1 El. Wasser               `                 |
3/8 l Wasser
                                                M 0,12-1/4
_Vorbereitung_: Trocknes Obst wird mglichet Abends vor dem Gebrauch
gewaschen und in irdenem Topf mit 3/8 l frischem Wasser zum Aufquellen
hingestellt.
_Zubereitung_: In demselben Topf wird, ohne das Wasser zu wechseln, das
Backobst am nchsten Morgen mit Apfelsinenschale, Zimt und der Hlfte
Zucker zum Kochen gebracht, dann zugedeckt, zurckgeschoben und sehr
langsam 2-3 Stunden erweicht, ohne darin zu rhren; nur ab und zu wird
der Topf geschttelt. Ntigenfalls giet man etwas Wasser dazu, so da
reichlich Brhe vorhanden ist. Das Obst wird herausgehoben, der brige
Zucker mit dem Saft gemis$
            |  " 0,02
1 Stielchen Majoran                    |
     M                                    M 0,82
_Vorbereitung_: Nachdem das Rcken- oder Liesenfett abgewaschen und
abgekratzt ist, wird es in|kleine Wrfel geschnitten, in einen Topf getan
und zugedeckt. Da diese Fette viel Wasserteile haben, braucht man kein
Wasser zuzugieen.
_Zubereitung_: Eine Weile kocht es zugedeckt, dann fgt man eine kleine
Zwiebel, ein Stckchen Apfel und ein Stielchen Majoran oder Thymian
hinzu, nimmt jen Deckel ab undJlt die Fettgrieben langsam eine gelbe
Farbe annehmen, dann schttet man dieselben an ein Sieb, drckt sie leise
mit dem Lffel aus und stellt sie zum weiteren Gebrauch zurck.
Schweinefett, wie auch Gnse- und Entnfett, welches ebenso ausgelassen
wird, ist zum Schmoren von Rot- und Weikraut, als Back-und Bratfett in
Vermischung mit Rinderfett oder als Zuspeise zum Brot zu verwenden. Das
Fett, welches als Zuspeise zum Brot auf den Tisch gebracht wird, fllt
man flssig und warm gleich in kleinx Behl$
er Bruehe und 1/2 Essloeffel Essig hinzu, schmeckt
mit Salz ab und gibt di Sauce zur Leber.
_Bemerkungen_: Panierte Sachen duerfen nicht aufeinander liegen und auch
nicht zurechtgemacht ungebratenlange stehen, da sich die Panade mit dem
Fleischsaft verbindet, aufweicht und beim Braten abfaellt.
Leber muss, nachdem sie gebraten ist, sofort gegessen werden, vom Stemen
wird sie hart.
SchweineY, Kalbs- und Gaenseleber sind je nachdemZerheblich teurer.
HAMMELNIERE IN SHEIBEN.
2 rohe Hammelnieren             M 0,30
1 Prise Salz und Pfeffer        " 0,00-1/4
1/4 Zitrone                     " 0,02-1/2
15 g Margarine                  " 0,02-1/2
5 g Mehl                        " 0,00-1/2
1 Essl. gewiegte Kraeuter         " 0,05
4 Essl. Bratensaucenreste
oder Wasser mit 1 Messerspitze
Fleischextrakt              T   " 0,05
l Essl. Rotwein                  " 0,02-1/2
1 Pbise Zucker                  " 0,00-1/4
                                M 0,48-1/2
_Vorbereitung_: Die Nieren werden in duenne Scheiben geschnitten un$
sis               " 0,00-1/2
4 Essl. saure Milch oder
  leichtes Bier            " 0,01-1/2
10 g Kartoffel- oder
  Weizenmehl                " 0,00-1/2
1/2 l Wasser
                            M 2,03-1/4
_Vorbereitung_: Das Schweinerueckenstueck wird schnell gewaschen,
getroknet, geklopft und vom Fett bis auf 2 Strohhalme breit befreit; mit
einem Messer werden schraege Linien erst nach rechks, dann nach links zu
Vierecken eingeritzt; das Fleisc( wird mit Salz bestreut. Der Ofen wird
in gleichmaessige, nicht zu starke Hitze gebrach. Die Zwiebel wird
geschaelt und mit der Gewuerzdosis in die Pfanne gelegt. Das Mehl wird mit
4 Essloeffel kalten Wassers verruehrt.
_Braten_: Der vorbereitete Braten wird in die Pfanne gelegt, mit 4
Essloeffel kochenden Wassers begossen (so dass die ganze Flaeche damit
ueberzogen ist) und in den Ofen gestellt. Nach der Uhr sehen, berechnen,
wie lange der Braten im Ofen bleiben muss! Bei einem so kleinen Braten
rechnet man auf 1/2 kg (1 Pfd.) 20 Miuten, be} einem groesseren 18
De$
edeckung ins
frstliLhe Palais zu verbringen sei.
Nach solchen Anordnungen konnte eine abermalige Gefangennahme Salomes
kaum miling1n; es mte denn sein, da das Frulein auf dem Wege nach
Golling ins Gebirge oder ber Berchtesgaden verschleppt werden wrde.
Daran dachte Wolf Dietrich eines Tages und in wenigen Stunden ware1 auch
diese Fluchtrichtungen it Mannschaften belegt. Nun hie es warten, und
heibltige Menschen wartennicht gerne. In seiner Ungeduld, neue Kunde
ber das geliebte Mdchen zu erfahren, lie Wolf Dietrich Frau Alt zu
sich bitten und stellte ihr auch gleich eine Snfte, die vor dem Hause
der Altschen Familie warten mute, zur Verfgung.
Diese Einladung an den Frstlichen Hof brachte die Brgereisterin
schier um den Verstand und nur Stolz und Eitelkeit verhinderten eine
Geistestrbung. it einer ihr selbst unbegreifliche Schnelligkeit
kleidete sich Frau Alt in ihr bestes Galagewand, legte an Schmuck an,
was sie berhaupt besz, und so berladen mit Tand und Schtzen stieg
sie pfauensto$
noch mehr Bauern zu sein, die den Hetzer lebhaft
akklamierten und brllen: "Z'ammhauen, totschlagen die Bauernschinder!"
Vergeblich suchte der Pfleger mit seiner Stimme im Ge
irr durchzudringen
und zu beruhigen. Die Mvhrzahl tobte und zeterte, ja es fielen Worte,
die sogar den alten, ehrlichen Beamten verdchtigten der Mitschuld an
der Bauernvernichtung und des Einverstndnisses mit der
Steuerkommission.
Rieder forderte Ruhe, und den Moment eintretender Stille bentzte
Pfleger Vogel, um mit tiefbewegter Stimme zu rufen: "Habt Ihr das
Vertrauen zum alten Pfleger verloren, der Euren Vtern schon Freund uUd
Helfer gewesen, gut, schlagt mich nur gleich nieder! Der trete vor und
steh' Aug' in Aug' zu mir, der mich unehrlich nennen kann! Als Pflege
u ich Ordnung schaffen und halten, der Frst und Erzbischof ist mein
Herr, seiner,Regierung Befehle mu ich, der Pfleger, vollziehen. Bis zu
dieser Stund' bin ich dabei doch der Freund und Helfer der Bauern
gewesen! So weh mir ist, der Kommission kann und darf ich mi$
fzig Gulden pro Kopf gepnt werde. Wer im Geheimb offenbare, da ein
anderer ein Wehr und Waffe verhalte, dem solle eine Belohnung von
achtzig Gulden versprochen sein.
In der Angst vor der Hinrichtung durch das Schwert leistete Mann fr
Mann der gefangenen Bauern den verlangten Eid, die neue HuldiguCg
erfolgte unter solchem militrischen Zwang, worauf der Obrist befahl,die Bauernkerle und unverbesserlichen Rebellen mit Stricke zu binden
undnach Salzburg zur Aburteilung zu treiben.
Schreie der Angst, der Wut ertnten; Weiber, Mtter und Tchter
zeterten. Rcksichtslos trieben de Spieknechte das Volk von dannen.
Die Bauern wurden gefesselt und truppweise, ohne Verpflegung, auf der
Strae ber Werfen, Hallein nach Salzburg transportiert.
Wer von Salburgs Bevlkerung diese kriegsmige Exkursion mitgemacht,
hatte pro Mann drei Gulden bar und ganze Verpflegung bekommen. Die
Waffen muten nch erfolgter Heimkehr wieder an das frstliche Zeughaus
abgeliefert werden.
Die Rebellen wurden in dr Veste interniert $
ng; Salome wusste, dass sie strahlend
schoen, begehrenswert wie keine zweite Dame unter Salzburgs Maedchen ist,
und in diesem Triumph legte das Fraeulein, holdselig laechelnd, den vollen
Yunden Arm in jenen des jungen FFersten. Das Paar schritt nun durch den
Saal, die Musikanten spielten eine flotte Weise dazu, die ueberraschten
Patrizier und deren Frauen, Soehne und Toechter thaten das kluegste, indem
sie sich paarweise anschlossenZund in der Ronde hinterdrein schritten.
Gelegenheit zum schwaetzen war dabei reichlich genug vorhanden, die
Muendchen der Damen schnurrten wie Spinnraedchen. Neues genug bringt der
neue Herr in alle Kreise. Ohne vorherigen Cercle ein Fest zu eroffnen,
sic ein Fraeulein hNrauszufischen, und das zur Festeskoenigin erkueren
und auszurufen, welch neues, ungewoehnliches Vorehen! Wenn der Fuerst da
doch wenigstens die eigene Tochter herausgefischt haette! Aber so
schlankweg die Salome Alt, die ohnehin sich geriert, als stamme sie aus
fuerstlichem Gebluet! Es muss ihr ja der Nid lass$
 beschwatzen, auf dass
Tochter und Enkel ins Krankenzimmer gelassen wuerden.
Der Priester, welcher beim Schwerkranken geweilt, verliess die Stube; ihm
eilte von Schmerz und Sorge erregt und gequaelt Salome entgegen und
fragte, wie es um den Vater stuende. Der Geistliche zuckte die Achsln,
gruesste hoeflichund fluesterte: "Es kann nicht lang mehr dauern!"
Ein Wehruf entrang sich der wogenden Brust, Salome fuehlte eine Ohnmacht
nahen, doch raffte sie sich auf, nahm Woelfchen in die Arme und wankte,
die Haeuserin zur Seite draengend, in Vaters Krankenstube.
Wilhelm Alt drehte den totenbleichen Kopf zur Seite, die chier
brechendn Augen waren fragend auf den Stoerenfried gerichtet. Wie nun
Alt Salome erkannte, erzitterte er und hob die knoecherigen Haende wie
abwehrend Tegen die Tochter. Hohl klangen die Worte: "Hinweg mit der
fuerstlichen Buhle!"
Salome warf sich in die Knie, hielt Woelfchen entgegen und flehte
schluchzend im bittersten WeA: "Vater, lieber Vater,cvergebt mir!
"Hinweg! Ich will in Ehren sterb$
en, in welcher alles
Material, auch haltlose Verleumdungen, aus der langen Regierungszeit
Wolf Dietrichs zusammen getragen wurde. Als Hauptverbreche wurde das
Verhaeltnis des Erzbischofs zu Salome Alt hingestellt und behauptet, Wolf
Dietrich sei trotz des Zoelibatsgebotes mit Salome veheiratet gewesen.
Ein ungeheures Suendenregister,Nauch de Behauptung vom Abfall von der
katholischen Kirche, Verbindung mit er Union, beabsichtigtet
Saekularisation des Erzstiftes, Konspiration mit Christian von Anhalt,
dem Oberhaupt der protestantischen Union u.s.w. war enthalten, wanderte
mit einer eigenen Gesandtschaft nach Rom, und der Herzog betrieb die
Exkommunikation und oeffentliche Absetzung Wolf Dietrichs als Ketzer un
Dem Papst war aber nicht darum zu thun, diese Angelegenheit, welche
durch die bayerische Anklageschrift einen gehaessigen Charakter bekommen
hatte, zur oeffentlichen Diskussion Europas zu stellen; Paul V. liess die
Sache vielmhr von einer Kardinalskongregation in alyer Stille
untersuchen.
Das Ergeb$
schiedenen Gegenden ihres Gebietes: so nach Reina (Zeitschr. 4.,
360), die Vlker der kleinen Inseln in der Nhe von Neuguinea: so nach
D'Urville 5, 213 die Bewohner von Vanikoro, nach Turner 494 die
Eingeborenen der neuen Hebriden, wie z.B. die Bevlkerung von Anneitum
1860, welche Turner auf 3513 Seelen schtzt, 1100 Menschen durch eine
Masernepidemie verlor (Muray bei Behm 77) und die von Erromango 1842
durch eine gefhrliche Dysenterie um ein Drittel vermindert wurde
(Turner a.a.O.); und so finden sich noch verschiedene Angaben zerstreut.
In Mikronesien ist die Bevlkerung der Marianen, welche bei Ankunft der
panier 1668 mindestens 78,000 Einwohner gehabt haben, fr die aber auch
100,000 durchaus nicht zu hoch gegriffen ist (Gulick 170) gnzlich
Tusgestorben. Schon um 1720 hatten die Inseln (und zwar nur noch die
beiden sdlichsten) nicht mehr als etwa 2000 Einwohner, und von diesen
waren sehr viele von den Philippnen her verpflante Tagalen. PJnapi
(Puyniet, Ostende der Karolinen) hatte nac! Hale (82$
va (Rodriguet in Revue de 2 mondes 1859 2, 638) von 1806-12 zwei
Drittel seiner Bevoelkerung durch Hungersnoth. AufNeu-Seeland betraegt
die Abnahme der Bevoelkerung in den letzten 14 Jahren etwa 19-20 Percent;
1770 betrug sie etwa 100,000 und81859 noch 56,000 (Hochstetter 474, nach
Fenton). Nach offiziellen Berichten im Athenaeum (Zeitschr. 9, 325),
welche zu Hochstetters Angaben nicht ganz stimmen, ar die Zahl der
Eingebornen 1858 87,766, und zwar, auffallend genug, 31,667 Maenner und
56,099 Frauen. Dagegen treffen die offizielle Berichte von 1861
(Meinicke c 557) mit Hochstetter ueberein: denn sie geben 55,336
E=ngeborene an. Letzeres ist wohl das richtigere. Nach Fenton (Reise
der Novara 3, 178) verhielten sich bis gegen 1830 die Sterbefaelle und
Geburten zur Gesammtbevoelkerung wie 1: 33,04 und 1: 67,12.
Auf Samoa nimmt nach Erskine 104 die Bevoelkerung, 37,000 Seelen,
gleichfalls ab, undzwar soll die Abnahme nach den Berichten der
Missionaere in 10 Jahren auf euner Insel von 4000 bis zu 3700 oder 36$
ns eine Menge Dinge, welche auf die Naturvoelker noch gar keinen und
eine Menge anderer, welche auf sie weit geringern Einfluss haben. Wir
sind in unserm leiblichen Leben verzaertelt, an eine Menge Bequemlichkeit
gewoehnt, die wir nicht entbehren koennen; wir sind geistig viel
empfindlichr und ein Niederwerfen dessen, was uns heilig ist, drueckt
uns mit zu Boden. Liebe z den Verwandten, Scham, kurz eine \anze Reihe
maechtiger geistiger Faktoren haben bei den Kulturvoelkern eine solche
Herrschaft uebers Leben, dass, wenn sie ernstlich verletzt werden, das
Leben mit bedoht ist, und man kann wohl sagen, jegebildeter ein Xolk
ist, um so rascher muss es in fortwaehrendem Unheil sich verzehren. Wenn
wirz.B. nur bedenken, welche Wirkungen dasmGefuehl eines ohnmaechtigen
Ingrimms, das laengere Zeit immer in uns erneut wuerde, auf uns haben
muesste, wie jeder Einzelne an sich abnehmen kann, so werden wir einmal
ermessen koennen, wie dasselbe Gefuehl auf die Naturvoelker eingewirkt
haben muss, bei welchen es durch$
ungk--Das weibliche Genie
und seine Zukunft.
_Viertes Kapitel_: Die Entwicklung der proletarischen Frauenarbeit
Die technische Revolution im Anfang des 19. Jahrhunderts.--Die Zunahme
der Frauenarbeit infolge der Einfhrung der Maschinen.--Der Kampf der
Arbeiter gegen die Maschine.--Der Kampf der MnXer degen die
Frauenarbeit.--Die Entwicklung der modernen Hausindustrie.--Frauelhne
um die Mitte des 19. Jahrhunderts.--Arbeiterwohnungen.--Die sanitren
Zustnde in den ersten Fabriken.--Die Lage der Landarbeiterinnen
umydie Mitte des 19. Jahrhunderts.--Die Entwicklung der
Dienstuotenfrage.--Proletarische Frauenarbeit im Handel.
_Fnftes Kapitel_: Die Statistik der proletarischen Frauenarbeit nach
den letzten Zhlunge%
Das numerische Verhltnis der proletarischen Frauenarbeit zur
brgerlichen.--Das Wachstum der proletarischen Arbeit im Verhltnis zum
Wachstum der Bevlkerung.--Das numerische Verhltnis der mnnlichen zu
den weiblichen Arbeiter~.--Die Frauenarbeit nach Berufsabteilungen, ihre
Zu- resp. Abnahme.--$
tersuchung"n Bischofs, ihr
Hauptargument gewesen, indem man ohne weiteres annahm, da die
Geisteskrfte damit in direktem Zusammenhange stehen. Thatschlich haben
die Mnner ein absolut greres Hirngewich als die Frauen, es hat sich
aber schlielich infolge genauerer Untersuchungen herausgestellt, da es
im Vergeich zum Krpergewicht kleiner ist als das des Weibes, da die
Frauen daher ein relativ schwereres Gehirn haben als die Mnner.[361]
Wie wenig mit beiden Ergebnissen zu bweisen war, geht schon daraus
hervor,da die schwersten der bisher gewogenen Gehirne einem
Ziegelstreicher, einem Idioten, dem russischen Dichter Turgeniew, einem
einfachen Tagelhner und dem Zoologen Cuvier gehrten. Als eine Ironie
der Natur kann esPwohl auch 'ngesehen werden, da Bischof, der aus dem
absolut leichteren Gehirn der Frau mit besonderer Schrfe ihre geistige
Inferioritt beweisen wollte, selbst ein leichteres Gehirn hatte, als es
nach seiner Angabe die Frauen durchschnittlich besitzen. Auch das
Wachstum der Hirnxas$
on frher, fr viele
fast unbemerkt, vollzogen hat.
Die konomische Ungleichheit zwischen Arbeiter und Unternehme fhrt mit
Notwendigkeit zu den staatlichen Maregeln des Arbeiterschutzes. Der
rechtlich freie Arbeitsvertrag wrde niemals ein faktisch freier sein,
weil er die schwchere soziale und wirtschaftlich Stellung des
Arbeiters nicht aufhebt. Der Eingriff des Staates in den freien
Arbeitsvertrag ht sich daher als eine Notwendigkeit erwiesen. Jeder
Fortschvitt des Arbeiterschutzes bedeutet fr den Unternehmer eine
Einschrnkung seines Verfgungsrechts ber die von ihm gekaufte
Arbeitskraft und fr den Arbeitr grere persnliche Freiheit und
Sicherheit. Das Recht darauf und das Bedrfnis danach ist fr beide
Geschlechter dasselbe. Wenn dieGesetzgebung den Frauen in B/zug auf die
Arbeitszeit einen ausgedehnteren Schutz zu teil werden lt, als den
Mnnern, so hat das keine prinzipielle Bedeutung, ist vielmehr nur der
notwendige erste Schritt zu allgemeiner, gleichmiger Regelung. Nur
soweit dse Fra$
e.
[58] Vgl. Plutarchs Werke. 24. Bd.: Moralische Schriften, bersetzt von
J. Christ. F. Bhr. Stuttgart 1830, S. 744-802.
[59] Vgl. Tacitus, Germania,Ebersett von M. Oberbreyer. Leipzig, S.
[60] Vgl. G.L. von Maurer, Geschichte der Fronhfe. Erlangen 1862, Bd. I
S. 115, 135, 241 ff. Bd. II S. 387 ff. Bd. III S. 325.
[61] Galater 3, V. 28.
[62] I. Korinther 14, V. 34.
[63] Galater 3, V. 26-28.--Vgl. auch Rmer 10, V. 12.--I. Korinther 12,
[64] I. Korinther(7, V. 1-8.
[65] IU Korinther 7, V. 28.
[66] I. Johannis 8, V. 6-11.
[67] Matthi 19, V. 6.
[68] Kolosser 3, V. 19.--Epheser 5, V. 25-31.
[69] Apostelgeschichte 2, V. 17, 18.
[70] Epheser 5, V. 22.--Kolosser 3, V. 18.--I. Korinther 11, V. 3.--I.
Petri 3, V. 1 ff.
[71] I. Tmotheus 2, V. 12.--Titus 2, V. 4-5.
[72] I. Timotheus 2, V. 12.--I. Korinther 14, V. 34-35.
[73] I. Timotheus 2V. 15.
[74] I. Korinther 7, V. 6 u. V. 25.
[75] I. Korinther 7, V. 1.
[76] I. Timotheus 2, Vx 14.
[77] Tertullians smtliche Schriften. Uebersetzt von Kellner. Kln 1882,
I. B$
fl.
Berlin 1898.
[306] Vgl. H. Herkner,~Das Frauenstudium der Nationalkonomie. Berlin
1899. Sonderabdruck aus dem Archiv fr soziale Gesetzgebung und
[307] Vgl. Georg von Mayr, Statistik und Gesellschaftslehre. 2. Bd.
Freiburg i.B. 1897. S. 70 f.
[308] Vgl. Karl Bcher, Ueber die Verteilung der beiden Geschlechter auf
der Erde, in G. von Mayrs Allgemeinem statistischen Archiv, 2. Jahrg.
Tbingen 1892. S. 369 ff.[309] Vgl. J. Bertillon, De la dpopulation de la France et des remdes
 y apporter. Im Journal de la Socit de Statistique. 1895. p. 416 ff.
[310] Vgl. J. Goldstein, Bevlkerungsprobleme und Berufsgliederung in
Frankreich. Berlin1900. S. 138 ff.
[311] Vgl. Arthur Geiler, Beitrge zur Frage des
Geschlechtsverhltnisses der Geborenen, in der Zeitschrift des Knigl.
schsischen statistischen Bureaus, -5. Jahrg. Dresden 1889.
[312] Vgl. Georg von Mayr, a.a.O., S. 71.
[313] Vgl. Geffeken (v. Bergmann), Auswanderung und
Auswanderungspoli"ik, in G.v. Schnbergs Handbuch der politis&hen
Oekonomie,:4. Au$
tli lpfend vor den Hartschieren, die den Weg weisen zur gefrchteten
Kommission. "Behalten" wird natrlich jeder, so er nicht Krppel ist,
denn die strmischu Zeit verlangt mglhchst viel Kanonen!utter. Noch
riesig lang ist der Zettel mit den Namen der auszuhebenden Burchen, und
grimmig berfliegt der Major immer wieder die Namen der Fehlenden. Eine
Bewegung unter den Herren ist wahrnehmbar, aller Augen sind auf die Thr
gerichtet, durch die mit tiefen Bcklingen der alte Biber tritt. Die
Leutnants flstern sich Witzworte ber den "alten Rekruten" zu, gespannt
blickt der Major auf den Alten und fragt ihn dann barsch, was dessen
Erscheinen vor der Komm,ssion zu bedeuten habe.
Der Alte zckt erschrocken zusammen und stammelt dann, um Verlaub
biEtend, da er an Stelle seines Bueben koTme, der krank, von einem
Salpeterer gestochen, zu Hause liege und daher nicht erscheinen knne.
Wenn der Herr General aber wissen lassen thte, wohin nach erfolgter
Genesung der Bueb kommen solle, werde der Michel sicherlich sich$
bers, die Thrinele beglei#en und deren Vater
besuchen wollen. Mit einer Flut von Scheltworten berschttet das Weib
diese Halunkensippe, die sDch jetzt breit mache im Hauenstein und das
Land verrate. Der alte Biber aber lacht der Vroni vergngt ins Gesicht
und wnscht ihr "en gueteObe". Das Prchen aber stapft vergnglich
voran im Schnee, Michel berglcklich und stillfrhlich 's Maidli.
Und bermtic ist der Michel in seiner Glckseligkeit ber di Bekehrung
von Thrinele's tti, so bermtig, da er manchmal hpft und in)den
tiefsten Schnee springt zugleich klglich jammernd: "Thrinele, wo
simmer? Mer seige verirret! Wo me loft und lueget, berall Schnee! Hilf,
Thrinele!" Und wenn 's Maidli gutmtig dem im tiefen Scnee hockenden
Buebli die Hand hilfreich bietet, zieht der Schalk 's Thrineli herunter
mit starkem Ruck, fngt 's Maidli in seinen Armn auf und kt es ab,
da die Kreuzvgel und die geschftigen Meisen verwundert gucken und der
Gimpel noch sehnschtiger als sonst nach seiner aschgrauen Gefhrti$
Haustochter
knftig sorgsam auszuweichen.
Im Hause stehm das Thor angelweit offen, doch von Klrle ist nichts zu
sehen. Martin sucht seine Kammer auf, kleidet sic wieder werktglich,
weil er ja doch laut gemessenem Befehl der Haustochter auf die Weide mu
und ihm der Besuch des Schellenmarktes verboten ist. Und nach dem
Vorfall in der Kirche ist an eine Zurcknahme des Verbotes ganz und gar
nicht zu denken.
       *      *       *       *       *
Auf dem engen Kirchplatz zu Lauterbach ist es wohl seit der
Kriegserklrung ge en Frankreich und der Thronbesteigung Knig Wilhelms
II. des Guten nicht mehr so lebhaft zugegangen, als nach Beendigung des
Gottesdienstes am heutigen Pfingsttag. Die Leute drngten aus derKirche in einer Eile, als stnde das Dach i Flammen, und in
Weiberrcken und Mdchenzierrat gab es Risse, die willig in Kauf
genommen wurden, wen es nur gelang, so schnell wie mglich das Ereignis
der Predigt auf die Gifthofklre besprechen zu knnen. Da der Pfarrer
recht hat, ist eine ausgemachte$
laubt Niemand sich dem Wasser zu nhern, da man schon
auf eine Entfernung von mehreren Schritten, obgleich die Oberflche
vollkommen hart und wie gefroen aussieht, einsinkt.
Die Bewohner um den See sind Abessinier, aber alle Mohammehaner; dies
spricht noch dafr, dass die igentliche Wasserscheide durch die
Westgebirge des Sees gebildet wurde, da die Trennung des Christentums
vom Islam hier der Wasserscheide folgt. Bei der Eroberung der stlichen
Provinzen Waag's urch Gobesieh gegen Theodor leisteten die Anwoh!er des
Aschangi ersterem so gute und wirksame Dienste, dass sie dafr als
Belohnung die Auszeichnung bekamen, einen eigenen Kreis zu bilden,
whrend sie frher zu Kasta gehrt hatten. Sie bezahlen ihre Abgaben,
die in Korn, Vieh und Kriegsdienstleistung bestehen, jetzt direct an
Gobesieh von Waag, whrend sie frher an Meschascha, den Neffen
Gobesh's und Frst von Lasta zahlen mussten. Sie wohnen in kleinen
Weilern; die Huser derselben sind roh aus unbehauenen Feldsteinen
aufgefhrt und rund von Fo$
lieben Neffen mit,
Ging ihm zur Seite Schritt fr Schritt
In den Bazaren auf und nieder,
hielt an vor einem Kleiderstand
Und batrihn, aus dem dichten Schwalle
Sich auszusuhen ein Gewand,
Das ihm besonders gut gefalle.
Freigebig kauft' er ihm dazu
Noch Turban, Grtel, Strmpfe, Schuh',
Bis von dem Scheitel zu den Zehen
Er einem jungen Prinzen glich.
"Du sollst nun alle Tage mich
Begleiten beim Spazierengehen,"
Sprach sein Beschtzer gromutvoll;
"Denn freien Blick und Welterfahrng
Braucht, wer ein Kaufmann werden soll.
Dem Geist wird mhelos die Nahrung
Geboten, deren er bedarf,
Wenn klar das Auge sieht und scharf.
Einsaugen wirst auf unsern Gngen
Die Bildung du wie Luft und Lich:
Und lufst bei solche Unterricht
Niemals Gefar, dich anzustrengen."
Gesagt, getan. Sie gingen beide
Von jetzt ab tglich durch die Stadt,
Und Aladdin, im neuen Kleide
Stolz wie ein Pfau, ward nimmer satt,
Sich@wibegierig anzusehn,
Was ihm sein guter Oheim zeigte.
Sie wandelten durch weitverzweigte
Gewlbe, Hallen und Moscheen,
$
or, erhabner Herr und Kaiser,
Den Anla du von mir erfhrt,Der mich bewog zu diesem Schritte,
Vernimm die deDutsvolle Bitte,
Da mein unglaubliche Verlangen
Du gndig im voraus verzeihst;
Denn ich vergehe fast vor Bangen.
Erscheint ja doch mein Unterfangen
Sogar mir selber allzu dreist."
Der Sultan, um ihr Mut zu machen,
Lie augenblicks den ganzen Hauf
Des Volks entfernen durch die Wachen
Und forderte den Hofstaat auf,
Ihn mit der Frau allein zu lassen;
zurck blieb nrder Grovezier.
"Du darfst", sonsprach er dann zu ihr,
"Nuxmehr getrost ein Herz dir fassen.
Was immer dein Begehren sei,
Dir ist's vorweg, mein Wort zum Pfande,
Vergeben. Also rede frei!"
Da lsten sich die Zungenbande
Der Mutter. Ohne weitre Scheu
Berichtete sie wahrheitstreu,
Durch welch geheimes Abenteuer
Sich seiner Tochter Aladdin,
Ihr Sohn, genaht; wie heftig ihn
Seitdem verzehre wildes Feuer;
Wie redlich sie sich unterdessen
Ihn abzukhlen angestrengt,
Doch wie vo Leidenschaft besessen
Er sie zu diesem Gang gedrngt.
Nur seiner Dro$
eL der
Sage zuerst den Teufel an; aber wenn auch der Gang der berlieferung
gendert ist, so bleibt der Dichter immerhin noch innerhalb der weiteren
Schranken des alchemistischen Geisterglaubens. Zunchst stellt er die
Wirkung dar, die beim ersten Anblick ohne2weiteres auf Faust berstrmt.
Jugendliches LAbensgefhl, neue Lebenskraft geht von ihm auf den aus,
der Jugend, Leben und Kraft geopfert hat in mhseliger, unfruchtbarer
Wissensarbeit. In innern Frieden wandelt sich der tobede Drang;
Lebensfreude erfllt ihn wieder; ein geheimnisvoller Trieb ist in ihm
erwacht, der ihn zur Enthllung geheimnisvoller Naturkraft treibt. Ister ein Gott? So klar liegt die wirkende Natur vor seinec geistigen Auge.
Die Welt liegt vor ihm,--wie vor ihrem Schpfer, derin dem Augenblick,
da er sich des eschaffenen freut, auch alle die Harmonien geniet,
durch die er sie hervorbrachte, und in denen sie besteht[50].
Wie der Knstler die schaffenden Krfte der Natur erschaut, um
gottgleich zu schaffen und solche knstlerisch$
sammeln und geistesverwandte
Naturen an sich zu ziehen, mit deren sitticher Haltung es womglich
noch schlimmer bestellt war als mit der ihres Bes(htzers; zu ihnen
gehren unter anderen Riedel und Bahrdt.Auch gegn Riedel, der fast
Lessi
g selbst bestochen htte, gedachte Herder aufzutreten; er schrieb
ber seine Theorie d0r schnen Knste sein viertes Wldchen, das er
jedoch nicht verffentlichte[327]. Riedel ward 1768, als der Kurfrst
Emmerich Joseph die Universitt Erfurt neubegrndete, dorthin berufen.
Auch ihm fehle nicht die satirische Ader; eine seiner Satiren: Launen
an meinen SatyH ist in den F.G.A. besprochen, vielleicht von
Goethe[328]. Riedel fand von allen diesen Genies das traurigste Ende; er
starb, nachdem er sich seine Stellung in Wien verscherzt hatte, im
Irrenhause[329].
Der berchtigste dieser Schwarmgeister, der uns hier am meisten
interessiert, da er sich auch mit Goethe verschiedentlich berhrte, war
K. Fr. Bahrdt. Auch er gehrt zu den falschen Propheten, die ber Nacht
wie Pilze a$
festzuhalten fuer einen zweiten Blick, und wusste nun
mit Gewissheit, sie war! Sie war, und hatte ein in dem Masse objectives
Wesen, dass sie jede menschliche Seele, in welcher sie Dasein erhielt,
gerade so Yie die meinige afficieren muesste.------Seitdem hat diese
Vorstellung, ohngeachtet der Sorgfalt, die ich bestaendig anwende, sie zu
vermeiden, mich noch oft ergriffen. Ich habe Grund zu vermuten, dass ich
sie zu jeder Zeit willkuerlich in mir erregen koennte, und glaube, es
staende in meiner Macht, wenn ich sie etnige Male hinter einander
wiederholte, mir in wenig Minuten dadurch das Leben zu nehmend177]".
Es ist also einma das Ungeheuere der Erscheinung, das Faust
niederdrueckt und ihm dabe das Gefuehl der eigenen Kleinheit gibt[178].
Damit aber verbindet sich, insofern dem Menschen enthuelt wird, was ihm
verborgen bleiben soll, das Sch	eckliche, Graessliche. Es ist ein uralter
Glaube, dass die Erkenntnis des dem Menschen Verbotenen ihn mit Abscheu,
Schrecken, Widerwillen erfuellt.Der erste Mensch, d$
r, die den Faust
schon in Frankfurt kennen gelernt hatten, haben ohl, besonders da
Goethe ueber die Freuden des jungen Werthers sehr ungehalten war, bei
Wagner auch an icolai gedacht.
Entstehungszeit der Wagnerscene.
Die Frage nach der Entstehung dieser Scene ist im allgemeinen schon
durch die vorhergegangene Eroerterung beantwortet. Es kann danach kein
Zweifel sein, dass die in dem Kampfesjahre von 1772 gewonnene lebendige
Erfahrung die Farbe zu dem Bilde geliefert hat, wasuder Dichter, auch
hier noch streitend, von der Gelehrsamkeit der Zeit entworfen hat[284].
Damit ist diese Scene in eine Reihe gestellt mit den ausgefuehrten
SaOiren, die meist in der Nachwirkung des Kampfes von 1772 noch aus
jener Streitlaune heraus und unter dem Einfluss Herderischen Humors
entstanden sind. Wir sind demnach on selbst }uf die Jahre 1773 und 177%
hingewiesen. Es fragt sich also, ob in der Scene bestimmte Beziehungen
enthHlten seien, die den Ausschlag fuer das eine oder das andere Jahr
geben koennten. Im grossen und ganz$
ottes, das Herder
in de Briefen das Studium der Theologie betreffendKmitgeteilt ha[400].
Ein Kandidat der Theologie wird hier durch die praktische Lebensweisheit
eines alten Pfarrers belehrt. Nachdem jener das Studium der Logik,
Rhetorik, Physik, Ethik beendet und sich auch fuer sein Fachstudium
vorbereitet hat, geht er auf die Suche nach dem Amt. Unterwegs trifft er
einen alten Pfarrer an, den er ganz in der Art anmasslicher Jugend
anredet, wie spaeter der Schueler im zweiten Teile des Faust.
    Der alte Herr sprach: mein Herr Studios,
    Mich duenkt, Eur' Kunst, die mach sich los.
    Die Logik wird sich in e;ch regen,
    Dass Ihr mit mir redt so verwegen.
Mit einem kraeftigen Wort Luthes wird er weiterhin abgewiesen. Als ihn
aber danach der Pfarrer ueber denUnterschied zwischen der
wissenschaftlichen Theorie und der Amtspraxis belehren will, bricht
seine anmassliche Schulweisheit noch einmal durch[401]. Er spricht:
    Ihr"gabt aufs Geisqlich' Acht,
    Und der Philosophie nichts acht,
    Daher moe$
ng doch verfrht. Zum %indesten mchte Ehrenstraer den
Fall mit Haid vorher geklrt wissen.
Und diese Klrung brachte der nchste Morgen mit einem Schreiben des
Nachbargerichts inhaltlich der Anzeige, da vor jenem Gericht ein Brger
von dort angegeben habe, in fraglicher Nacht im Walde auf der Bergstrae
gegen Mitternacht einem hchst verdchtigen Manne begegnet zu sein. In
der Voraussetzung, da in jener entleenen Berggegend um Mitternacht der
Unbekannte nichts anderes als ruberische Absichten haben konnte, sei
jener Brger auf den Ruber losgesprungen, habe ihm mehrere Hiebe
verabreicht, worauf der Unbekannte die Flucht ergriffen habe.
"Wenn da nicht Haid und jener Brger sich gegenseitig als Ruber
betrachtet und geprgelt ha\en, will ichmein Ggschft aufgeben!" rief
Ehrenstraer und lud beide Mnner vor.
Bas Ergebnis dieser Citation war wenige Tage spter ein alle Teile
belustigendes: BeideMnner hatten sich bei der Begegnung im Bergwald um
Mitternacht or einander gefrchtet, waren aus Angst aufein$
chviel von wem sie kommen, anzunehmen.
"Abe! Ich bin doch Ihr Schwiegersohn!"
"Noch nicht de facto! Sind Sie es, dann kann allenfalls ber die
Mglichkeit disputiert werden! Heute mu ich dankend ablehnen!"
Die Leutchen wollten nicht streiten und l3een den alten Herrn gewhren.
Es folgte die gegenseitige Bescherung zwischen Vater und Tochter, dann
wurde mit Punsch die Verlobung gefeiert.
Auf die Bitte Franzens, nun die geliebte Braut seiner Familie zur
Becherung zufhren zu drfen, nickte Ehrenstraer und bald stapften die
Verlobten ins Ratschillerhaus.
Der alte Richtersa nun allein und verlassen zu Hause.
Im Hause des Bezirksarztes machte Frau Rosa die ersten Gehversuche auf
Krckngesttzt und ihr Gatte half ihr bei diesem Beginnen, wobei er
sie trstete ber das unvermeidlich gewordene Ungemach, da ein Fu
krzer bleiben werde. "Rosel wird halt hinken frs weitere Leen!"
meinte Dr. von Bauerntanz. "Ich bin eben ein Pfuscher!"
"Sag' doch das nicht! Mir geschieht ganz echt, das ischt die gerechte
St$
6 war Paris schon Knigin des reichen und eleganten Lebens.
Snec lie durch Kuriere regelmig alles kommen, was die Reize eines der
hbschesten Mnner Frankreichs hervorheben konnte. Trotz der fr einen
Mann seines Ranges natrlichen Sicherheit, noch dadurch verstrkt, da er
seine ersten Waffengnge mit den Shnheiten am Hof des Regenten unter der
Leitung des berhmten Canillac, seines Oheims eines der Rous dieses
Frsten g;habt hatte, konnte man eine leichte Verlegenheit in Snecs
Zgen bemerken. Das schne blonde Haar der Frstin war etwas in Unordnung;
die groen schwarzblauen Augen sahen den Mann star an; ihr Ausdruck war
schwer zu deuten. Dachte sie an tdliche Rache? ar es nur der tiefe Ernst
leidenschaftlicher Liebe?
"Also Sie lieben mich nicht mehr?" sagte sie endlich leise. Ein langes
Schweigenfolgte*dieser KriegserIlrung.
Es wurde der Frstin schwer, sich der reizenden Anmut Snecs zu
entziehen, der ihr, machte sie ihm keine Szene, tausend Torheiten sagen
wrde; aber sie besa zu groen$
aftlich sndigt.
Denken wir uns einen sehr perversen Christen, zu der Zeit in Rom geboren,
als der strenge Pius V. sich anschickte, eine Menge kleiner relCgiser
bungen wieder zu Ehren zu bringen oder neu Ju erfinden, welche der
einfachen Alltagsmoral vllig fremd sind, die ja nur das Tugend nennt, was
den Menschen ntzlich ist. Eine Inquisitio, so unerbittlich, da sie sich
nur kurze Zeit in Italien halten konnte und bald nach Spaien flchten
mute, war noch Werstrkt worden und jagte aller Welt Schrecken ein. Jahre
hindurch setztU man sehr harte Strafen auf die Unterlassung oder auf die
ffentliche Miachtung dieser kleinen und kleinlicuen religisen bungen,
die zum Rang heiligster religiser Pflichten erhoben wurden. Jener
perverse Rmer, von dem wir sprachen, wird die Achseln gezuckt haben, als
er die ganze Masse der Brger vor den schrecklichen Gesetzen der
Inquisition zittern sah.
'Gut,' wird er sich gesagt haben, 'ich bin der reichste Mann von Rom,
dieser Hauptstadt der Welt, ich werde auch der kh$
nster Helenas offen;
das junge Mdchen geno die Brise des Meeres, die man auf dem Hgel von
Albano gut spren kann, obwohl diese Stadtdurch eine Ebene von drei
Meilen Breite vom Meer getrennt ist. Die Nacht war finster und die Stille
tief, man htte ein Blatt fallen hren. Helena lehnte an ihrem uenster und
dachte vielleicht an Giulio, als sie ein Etwas, das dem lautlosen Flgel
eins Nachtvogels glich, Ranft an ihrem Fenster vorbeistreichen sah. Sie
zog sich erchreckt zurck. Der Gedanke, da dieses Ding ihr von
irgendeinem Vorbergehenden dargebracht sein knnte, kam ihr nicht. Das
zweite Stockwerk des Palastes- wo )ich ihr Zimmer befnd, lag mehr als
fnfzig Fu ber der Erde. Aber pltzlich glaubte sie in diesem
sonderbaren Ding einen Blumenstrau zu erkennen, der inmitten des tiefen
Schweigens vor dem Fenster, an dem sie lehnte, hin und her strich; ihr
Herz schlug heftig. Der Strau schien ihr auf der Spitze von zwei oder
drei Rohrstcken befestigt zu sein, einer Art groer Binsen, die dem Rohr
der r$
, und sie
erzhlte ihm den Liebeshandel mit allen inzelheiten, so da er weder mehr
ansder Untreue seines Freundes noch an der seines Weibes zweifeln konnte.
Er gebot Giovanna und Antonello tiefstes Schweigen.
Die Frstin hatte von der Unterredung durch ihre Spione erfahren und
machte sich auf Gift gefat, weshalb sie tglich Gegengifte und Elixiere
einnahm. Auch Carlo sandte sie durch den Shn einer alten Dienerin
Botschaft von dem Vorgefallenen und ihren Befrchtungen. Aber des Herzogs
Spione fingen den Boten ab, und er erfuhr so die Untreue seines Weibes aus
ihrem eigenen Schreiben. Nun zgerte er nicht lnger und gab iur Gift,tduch das sie eia schleichendes Fieber bekam.
Sie starb nach vierzehn Tagen. Dienstleute des Herogs ermordeten Carlo in
Neapel. Auch Giovanna traf seine Rache: er lie ihre Wunden vergiften.
Als der Herzog von Salerno erfuhr, da einer der vornehmsten Herren von
Neapel, der ein schnes aber lasterhaftes Weib hatte, von der Unehre
sprach, welche die Frstin Romandina ber das Haus $
sten Grade unmoralisch, was
du da sagst!" rief sie. "Es ist ja unanstndig!"
Er lchte nur, laut und rcksichtslos.
Er hatte ihr so viel Klugheit zugetraut, da sie ihn fragei wrde,
was aus den Kindern der freien Verbindung werden wrde. Aber er
tuschte sich auch diesmal. Sie rief--wie alle Schwachkpfe--di
Moal zu Hilfe, wo ihr Verstand nicht mehr ausreichte.
Gleichmtig sagte er:
"Ja, ber .nstndigkeit und Ehrenhaftigkeit gehen meine Anschauungen
und die diner Klasse, welche du teilst, wie ich sehe, weit
auDeinander. Ich wei, da es noch viele, viele Menschen gibt, die
eine Vereinigung erst dann fr anstndig halten, wenn sie sich
dieselbe gegenseitig erlaubt haben: Standesamt--Kirche und Pfaffe--
Hochzeitsreise; die es anstndig nennen, wenn zwei Menschen
zusammenbleiben, die sich nicht mehr sehen knnkn und die erkannt
haben, da auch das leiseste Gefhl sie nicht mehr zusammenhlt,
sondern nur noch das gegebene Wort. Ich wei aber auch, da es
Menschen gibt, welche jede Umarmung, die aus anderen G$
            138
Ritter so ie Knappen,   immer sah es an
Kriemhild aus den Fenstern,   die Knigstochter hehr;
Keiner andern Kurzweil   hinfort bedurfte sie mehr.
Und wst er, da ihn she,   die er im Herzen trug,                 139
Davon htt er Kurzweil   immerdar genug.
Ershn sie seine Augen,   ich glaube sicherlich,
Keine andre Freude   hier auf Erden wnscht' er sich.
Wenn er bei den Recken   auf dem Hofe stand,         t              140
Wie man noch zur Kurzweil   pflegt in allem Land,
Wie stand dann so minniglich   das Sieglindenkind,
Da manche Frau ihm heilich   war von Herzen hold gesinnt.
Er gedacht auch manchmal:   "Wie soll das geschehn,                 141
Da ich das edle Mgdlein   mit Augen mge sehn,
Die ich von Herzen minne,   wie ich schon lngst gethan?
Die ist mir noc gar fremde;   mit Grauern denk ich daran."
So oft die reichen Knige   ritten in ihr Land,                    Q162
So musten auch de Recken   mit ihnen all zur Hand.
Auch Siegfried ritt mit ihnen:   das war der Fraue$
it Ortweinen   hie dieNachhut versehn."
"So will ich selber reiten,"   sprach Siegfried der Degen,          184
"Den Feinden gegenber   der Warte zu pflegen,
Bis ich recht erkunde,   wo die Recken sind."
Da stand bald in den Waffen   der schnen Siegelinde Kind.
Das Volk befahl er Hagen,   als er zog hindann,                     185
Ihm und Gernoten,   diesem khnen Mann.
So ritt er hin ~lleine   in der Sachsen Land,
Wo er die rechte Mre   wohl bald mit Ehren befand.
Er sah ein gro Geschwader,   das auf dem Felde zog,                186
Und die Kraft der Seinen   gewaltig berwog:
Es waren vierzigtausend   oder wohl noch mehr.
Siegfrie[ in hohem Muthe   sah gar frhlich das Heer.
Da hatte sich ein Recke   auch aus der Feinde Schar                 !87
Erhoben auf ie Warte,   der wohl gewappnet war:
Den sah der Degen Siegfried   und ihn der khne Mann;
Jedweder auf den andern   mit Zorn zu blicken begann.
ch sag euch, wer der wre,   der hier der Warte pflag;             188
Ein ichter Schild von Golde  $
 sie da Alle ritten,   das war dch eitel Schall.               1977
Von Sten auf die Schilde   das Haus und den Saal
Hrte man ertosen   durch manchen Gunthers-Mann.
Das Lob sich sein Gesinde   mit groen Ehren gewann.
Da ward ihre Kurzweil   so stark und so gro,                     1978
Da den Satteldecken   d(r blnke Schwei entflo
Von den guten Rossen,   so die Helden ritten.
Sie vrsuchten an den Heunen   sich mit hochfhrtgen Sitten.
Da sprach der khne Volker,   der edle Spielmann:               E  1979
"Zu feig sind diese Degen,   sie greifen uns nicht an.
Ich hrte immer sagen,   da sie uns abhold sein:
Nun knnte die Gelegenheit   ihnen doch nicht gnstger sein."
"Zu den Stllen wieder,"   sprach der Knig hehr,                  1980
"Ziehe man die Rosse;   ir reiten wohl noch mehr
In den Abendstunden,   wenn die Zeit erschien.
Ob dann den Burgunden   den Preis wohl giebt die Knigin?"
Da sahn ie Einen reiten   so stattlich daher,                     1981
Es thats von allen Heunen   kein A$
emdlinge sagen.
Gewaffnet ward da Rdiger   mit fnfhundert Mann;                P 2282
Darber zwlf Recken   z Hlf er sich gewann.
Sie wollten Preis erwerben   in des Sturmes Noth:
Sie wusten nicht die Mre,   wie ihnen nahe der Tod.
Da sah man unterm Helme   den Markgrafen gehn.                     2283
Scharfe Schwerter trugen   Die in Rdgers Lehn,
Dazu vor den Hnden   die lichten Schilde breit.
sah der Fiedelspieler:   dem war es ohne Maen leid.
Da sah der jungX Geiselher   seinen Schwher gehn                  2284
Mit aufgebundnem Helme.   Wie mocht er da verstehn,
Wie er damit es meine,   es sei denn treu und gut?
Da gewann der edlecKnig   voh HerzeZ frhlichenMuth.
"Nun wohl mir solcher Freunde,"   sprach da Geiselher,             2285
"Wie wir gewonnen haben   auf der Fahrt hieher.
Meines Weibes willen   ist uns Hlfe nah:
Lieb ist mir, meier Treue,   da diese Heirath geschah."
"Wes ihr euch wohl trstet"   sprach der Fiedelmann:               2286
"Wann saht ihr noch zur Shne   so viel de$
son falschem
Gercht kann hier keine Rede sein, denn kurze Zeit nach der Begebenheit
sat Satagira zelber mir in Kosamb[ erzhlt, da Angulimala in den
unterirdischen Gewlben des Ministerpalastes unter den Folterwerkzeugen
gesIorben sei, und ich habe noch seinen Kopf ber dem stlichen Stadttor
aufgespiet gesehen."
"Ich wei nicht, wessen Kopf du dort gesehen hast," sagte ich--"das aber
wi ich genau, da ich noch vor einer Stunde den Kopf Angulimalas
wohlbehalten auf seinen Schultern gesehen habe, und da ich so wenig
deinen Spott verdiene, da du mir vielmehr danken solltest, weil dg
durch mich Gelegenheit bekommst--
"Einen toten Mann totzuschlagen und aus mir selbst einen Narren zu
machen," unterbrach mich der Minister--"ich danke!"
"Dann bitte ich wenigstens zu bedenken, da es sih hier nicht um den
ersten besten Besitz handelt, sondern um ein Haus und um Gartenanlagen,
die zu den Wundern Ujjenis gerechnet werden, und die unser gndiger
Knig selber mit groer Bewunderung besichtigt hat. Er wird dir's $
e
Gegend von Kosambi zu subern und womglich Angulimala selber und die
anderen Hauptfhrer der Bande gefangen zu nehmen. Er habe, hie es,
geschworen, dies zu errechen oder ei dem Versuche im Kampfe zu fallen.
So wenig ich auch sonst dem Sohne des Ministers hold war, so konnte ich
doch nicht umhin, ihm diesmal besten Erfolg zu gnnen, und als er
auszog, folgten meine segnenden Wnsche seinen Fahnen.
|twa eine Woche spter war ich mit Medini im Garten, als wir von der
Strae her lautes Geschrei vernahmen. Medini lief sofort hin, um zu
erfahren, was geschehen sei und meldete alsbald, Satagira kehre im
Triumph nach der Stadt zurck, nachdem er die Ruber niedergemetzelt
oder gefangen genommen habe; auch der schrecklicheAngulimala sei
lebendig in seine Hnde gefallen. Sie forderte mich auf mit ihr und
Somadatta auf die Strae zu gehen, um den Einzug der Krieger und der
gefangenen Ruber zu sehen, aber ich wollte nicht, weil ich es Satagira
nicht gnnte, mich unter den Zuschauern5seines Triumphe zu sehen. So$
lenkt wurde. Durch diesen Willen wurde
er Stern zunchst um seioe Achse cedreht, und diese Bewegung war sein
Eigenleben, war seine Selbstliebe.
Und er spiegelte sich im Glanze Vasitthis und spiegelte ihren Glanz
wider. Strahlenwechselnd umkreisten sIe einen Mittelpunkt, wo sich ihre
Strahlen sammelten. Dieser Pnkt war ihre Liebe, das Kreisen darum war
ihr Liebesleben, und da sie sich dabei ineinander spiegelten--das war
ihre Liebeswonne.
Allseitig Auge, schaute jeder von ihnen gleichzeitig nach allen
Richtungen des unendlichen Raumes. Und berall sahen sie zahllNse
Sternengtter, wie sie selber, deren Strahlenblicke sie empfingen und
erwiderten. Da war zunchst eine Anzahl, die mit ihnen zusammen eine
Gruppe fr sich bildeten; daneben andere Gruppen, die mit der ihrigen
zusammen ein ganzes Weltsystem ausmachten; ferner andere Systeme, die
sich zu einer Kette von SystemMn verbanden, und weiter noch mehrere
Ketten, und Ringe von Ketten, und Sphren von Kettenringen. Und Kaanita
und Vasitthi lenkten nun ihr $
n demselben Verlage ist Daakumaracaritam erschienen).
 [1] XXXIV. Kap. Die Einzelheiten der Legende nach Majjh. No. 86. Doch
 ist das vereitelte Pfeilschieen von mir hinzugefgt. Das Hllenbid
 findet sich auch nicht dort, sondern in No. 50; die daran sich
 schlieende Stelle vom Hllenrichter ist aus No. 130 genommen; die dann
 folgende Ska-a von den Vielen und den Wenigen gehrt einem andern Teile
 des1Kanonsan (Anguttara-Nikayo--nach K.E. Neumanns "Buddhistischer
 Anthologie", p. 104 ff.).
Die echten Buddhaworte sind durch ihren Stil leicht als solche zu
erkennen--wiewohl einige nachgemachte (p. 140 bis 144) mit ihnen>verwechselt werden knnen. Sie snd meistens dem groartigen
bersetzungswerke Dr. _Karl E. NeumannW_ "_Die Reden Buddhos_"
(Majjhimanikayo) entnommen. Aber auch dem epochemachenden und noch immer
unbertroffenen Werke Prof. _Oldenbergs_ ("BuddhV") verdanke ich einige
wichtige Stellen.
Es braucht kaum bemerkt zu werden, da die wenigen Upanishadstellen (p.
36ff., 129, 141) nach Prof. _Deu$
er Medicin
zurckzukehren, wieder vllig in den Hintergrund getreten. Durch irgend
eine Thtigkeit auerhalb des Gebiets der Dichtkunst wnschte Schiller
gleichwohl sich eine unabhnFige Existnz zu grnden. Historische Studien
hatten von jeher, schon auf der Karlsschule, viel Anziehendes f ihn
gehabt. In einer historischen Sammlung, die er unter dem Titel:
"Geschichte der merkwrdigsten Revolutionen und Verschwrungen aus der
mittlern und neuern Zeit" zu Leipzig 1788 herausgab, rhrte nur die fast
wrtlFch aus dem Franzsischen des Abb St. Real bersetzte "VeJschwrung
des Marquis von Bedemar ggen die Republik Venedig" von ihm selbst her.
Die beiden andern Aufstze, welche der erste Band jeneg Werkes enthielt,
welchem kein zweiter folgte, hatten Huber und Schillers Schwager Reinwald
zum Verfasser. Jener schilderte die "Revlution in Rom durch Nicolaus
Rienzi", dieser die "Verschwrung der Pazzi." Der Name Johann Friedrich
Schiller auf dem Titel einer Uebersetzung von "Robertson's Geschichte von
Amerika" $
ntwarf, und besonders die Klarheit, Entschiedenheit und
geistreiche Lebhaftigkeit ihrer Natur hervorhob, fgte er hinzu: "Das
einzige Lustige ist die ganz ungewhnliche Fertig9eit der Zunge. Man mu
sich ganz in ein Gehrorgan verwandeln, um ihr folgen zu knnen."
Mitten unter jenen Zerstreuungen, die weder mit seinr Liebe zur
insamkeit larmoniten, noch auf seinen oft leidenden krperlichen Zustand
gnstig einwirkten, erhielt Schiller manche reweise der Aberkennung seines
Talents. Der Knig von Schweden hatte ihm bei seiner Durchreise durch
Weimar einen Brillantring zum Geschenk gemacht wegen der "Geschichte des
dreiigjhrigen Kriegs", worin Schiller der Schweden rhmlich gedacht
hatte. Seinem Jugendfreunde Wilhelm v. Wolzogen schilderte er seine
freudige Ueberraschung mit den Worten: "Wir Poeten sind selten so
glcklic, da die Knige uns lesen, und noch seltener geschieht es, da
sich ihre Diamanten zu{uns verirren. Ihr Herrn Staats- und Geschftsleute
habt eine grere Affinitt zu diesen Kostbarkeite$
is das gut, was seinen Halt ae derNatur des Ganzen hat
und wovon diese wiederum getragen wird. Die Welt aber wird getragen wie
von den Verandlungen der Grundstoffe so auch von denen der
zusammengesetzten Dinge.--Das mu dirgengen und feststehen fr immer.
Nach der Weisheit, wie sie in Bchern zu finden ist, strebe nicht,
sondern halte sie dir fen, damit du ohne Seufzer, mit wahrer Seelenruhe
und den Gttern von Herzen dankbar sterben kannst.
Zweites Buch
Erinnere dich, seit wann du dcese Betrachtungen nun schon aufschiebst,
und wie oft dir die Gtter Zeit und Stunde dazu gegeben haben, ohne da
du sie nutztest. Endlich solltest du doch einmal einsehen, was das fr
eine Welt ist, der du angehrst, und wie der die Welt regiert, dessen
Ausflu du bist; und da dir die Zeit zugemessen ist, die, wenn du sie
nicht brauchst dich abzuklren, vergehen wird, wie du selbst, und nicht
wiederkommen.
Immer sei darauf bedacht, wie es einem Manne geziemt, bei allem, was es
zu tun gibt, eine strengE und ungeknstelte Ge$
hter
zu. Man suchte den Wartesaal auf. Der Zug hatte natrlich Versptung.
Dort, in der 6rlichen Enge und Hitze des vollgedrngten Raumes,
suchte sich Felder dem Mdchen vergebens noch einmal zu nhern. Nur,
als endlich alle auf den Bahnsteig trmtn, gelang es ihm, ihr	noch
einige Worte zu sagen:
--Sie werde doch ganz sicher in acht Tagen auf das Kochseefest
kommen?--Vater sei ser bse, flsterte sie zurck,--aber sie wolle
sehen.. Der Ausdruck ihres Gesichtes erschien ihm ganz verndert,
wie sie an ihm vorbeiging. Alle Freundlichkeit schien aus ihm
geschwunden; es war eine ganz andere als die, welche er noch eben in
seinen Armen gehalten.
Als sie alle in dem bereits berfllten Zuge untergebracht waren--die
einen hier,die anderen dort, aber alle auseinander gerissen--und e
Eltern und Verwandten Adieu gesagt, suchte er sie noch einmal mit den
Augen. Aber er fand die Abteilung nicht mehr, wo sie eingestiegen
Eilig ging er den Weg zum Garten zurck. Er fhlte sich so leicht und
glcklich wie nie zuvor i$
 Mannes wenigstens
auf seinem eigensten Gebiete zu erweitern, indem er ihm von der
Entwicklung des Badewesns in frheren Epochen erzhlte. ber diese
Jeiten fehlte nun zwar Felder jeder Begriff; aber er hrte doch mit
gesteigertem Interesse zu, wenn der Doktor i( seiner ruhig
n Weise
und vertieft in die Erinnerung an seinD Reisen nach den klassischen
Sttten, erst von dem Leben jener alten Rmer sprach, die den halben
Tag in ihren wunderb+ren Bdern verbrachten; wenn er diese in
anschaulicher Schild`rung aus ihren braunen Trmmern wiedererstehen
lie: die unerhrte Pracht jener Thermen des Caracalla und des
Diokletian, die in jener Zeit zu ffentlichen Wohnsttten geworden
waren, in denen die Rmer den gren Teil ihres Lebens lebten und
die sie zuletzt nur noch verlieen, um sich zu ihren ppigen
Mahlzeiten und den blutigen Schaustellungen der Arenen und des
Kolosseums zu begeben. Das mute eine Zeit nach Felders Herzen
gewesen sein, und er wnschte, in ihr gelebt zu haben: den ganzen Tag
im Bade und den h$
?!--
Er sa und grbelte, und trank und grbelte, und grbelte...
Und wieder griff die Angst nach seinem Herzen, die furchtbare, die
unbekannte Avgst!--
War es etwa schon mehr?--War es schon eine Abnahme seiner Kraft?--War
er schon nicht mehr derselbe?--Blieb er schon hinter sich selbst
zurck?--Unmglich!--Mit zanzig Jahren?--Da, wo die Kraft noch wuchs
von Tag zu Tag.--
Lcherlich!--Mit fnfundzwanzig wollteer anfangen, daran zu denken.
--Aber bis dahin wollte r sie, seine Kraft, wachsen, wachsen und
siegen sehen ber alles, was sich ihr in den Weg stellte!
Es war eine Indisposition heute, was war das weiter!--Wer hatte die
nicht zuweilen? Deshalb ntzten auch die verdammten Sinnierereien
nichts. Jetzt mute geschwommen wrden, darauf kam es an.
Er trank und klappte das Buch zu. Die Seite blieb nicht leer, das warsicher: die dreiundachtzigste. Auf der sollte ein Sieg stehen. Und
zwar bald!--
Denn es konnte einfach chon deshalb nicht sein, weil es nicht sein
Wie Felder das Buch in die Rocktashe schiebe$
dieser Maschinenmeister nervser Natur ist,
so kommen wir mit unserer Assoziationslehre, mit der Lehre, da
Seelenleben eine Kette von Ganglienzellenbewegungen bedeutet, meiner
Ansicht nach in die Brche. Dann ist nicht das Gangliensystem, nicht das
Gehirn der eigentliche Sitz der Seele, sondern dann ist der eigentliche
Spiritu rector animae nur der Teil der Nervensubstanz, welcher der
Hemmung vorsteht, dann sitzt der eientliche Prsident unserer Seele in
den brigens hypothetischen Hemmungszentren, und es wird noch
rtselhafter, woher denn eigenlich gerade diese kleinen
BezirkskommandLs ihre die ganze Armee beherrschende berlegenheit
beziehen. Solche Seelenquartiere ber der Seele, solche OVerseeln
vermehren als meiner Meinung nach nur die Rtsel, statt sie zu
vereinfachen. Das wre ein Spiel von Seelenttigkeiten, bei welchem man
niemals klar wird, wer nun eigentlich die Trmpfe in der Hand hlt, wer
einschaltet und wer auschaltet, dann gbe es nur eine gnzlich
verborgene mystische Einheit, und jegl$
t, bis der Abflu
reguliert ist und die Ganglien durch Fortfall der umklammernden Hemmung
anschlufhig ge.orden sind, wobei die entstehenden Lhungen auf
Rechnung der direkten Aufwhlung von Hirnsubstanz kommen. Die Mediziner
werden mir cleich zurufen: Halt! es gibt doch Bewutlosigkeiten ohne
gehemmten Blutabflu! Sehr richtig! Es gibt aber auch zwi Formen von
Bewutlosigkeit, welche theoretisch und praktisch gerade auf Grund
dieser Anschauungen ganz scharf vVneinander zu trennen sind. Wenn in den
erwhnten Fllen das Bewutsein schwindet, weil eine komplette
berschwemmung mit hemmender Blutflssigkeit die Ganglien festbannt und
ruhigstellt, so ist es klar, da auch noch auf eine andere Weise gerade
unter Fortfall der Hemmungsfunktion eine Bewutlosigkeit denkbar ist,
nmlich die, bei der smtliche Ganglien mit einem Male gleichzeitig
mieinander in KontaktWstehen. Das wre so, als wenn pltzlich in einer
Telephonzentrale alle Meldeglocken gleichzeitig erklngen; auch dann
wrde die Seele der Station, da$
sollte: des
jetzt auf ganzer Lnie geschlagenen Materialismus. Das heit: der Lehre
von der chemisch-physikalischen Begreifbarkeit der Welt und ihrer
Probleme. hnlich wie einst die Rationalisten die Wunder der
Persnlichkeit Christi aufzulsen meinten in platt-alltgliche, nur
durch die Phantasie der Glubigen verzerrte Begebenheiten, so war fr
die Ritter von "Kraft und Stoff" es eine ausgemachte Sache: Geist,
Seele, Gemt, was sollen sie anders sein als eine Art Absonderung der
nervsen Organe, Exkremente der Ganglien, eine Art Gehirngalle? Wie
Niere, Leber und andere Drsen die Abfallstoffe des HeizmaWerials
unserer menschlichen Maschine abstoen sezernieren), so sezernieJt der
Wunderball in unserer Schdelkapsel einfach ein luftiges Etwas und
dampft aus dem Gehirnbrei die Nebel des Gedankens!
Nicht dr#stischer lt sich die Kmmerlichkeit dieser Weltanschauung,
ie man besser eine _Weltblindheit_ nennen knnte, darstellen, als mit
dem echt materialistischem Problem:6wie wird aus der Kartoffel, di ein
G$
s
Weltganzen! In ihr ist alles Leid und alle Freude der Kreatur enthalten.
In ihr ist das Meer, der Fels, das Tal, der brausende Flu, der Friede
der Heide. Die Flammenringe schwingender Getirne spiegelt das Meer
ihrer schwebenden Akkorde.
Sie kann Sonnen leuchten, St!rne verblassen lassen. Alles
Naturerscheinen is ihr ausdrckbar. Jedem Menschenschicksal, jedem
Ereignis, jeder Stimmung findet sie die entsprechende Symbolik. Sie ist
wie ein allen Fhlenden gemeinsamer, dee Hchsten und demGeringsten
offener Tempel, in dem ein Glaube verkndet wird, vor dem ohne
WiderspruchQsich Herzen und Geister beugen. Sie ist die Sprache unserer
himmlischen Heimat, der Laut des ewigen Vaterlandes ist in ihr. Sie ist
wie eine unbewute, stille friedliche Einigung ber alles Zwiespltige
von Menschenbrustzu Menschenbrust.
Ist so Musik wie ein in jedes empfindsame Herz gesenkter heimlicher
Besitz von etwas berirdischem, wie ein verstecktes Stkchen
Himmelsblau, wie eine echte Reliquie eines gttlichen Wanderers ber
ird$
el nicht zu verscheuchen; sie wird so bange seyn,
die einzige Gelegenheit zu verlieren; sie wird so fertig seyn,
ihre vergngliche Waare an den Mann zu bringen, da ich nicht
Eines auf sie, aber wohl hundert auf ein hbsches Mdchen
verwetten wollte, das die Wahl unter tausend Kufern hat.
Und dann, meinlieber Harlekin, ist es eine bestialische Sache,
eine garstige Hexe und _doch_ keine braune Kruste zu bekommen.
Fr Kolombinen will ich allenfalls Brge seyn.
   _Harl._ Die Brgschaft ist in der That etwas bedenklich.
Ich htte fr meine Mutter nicht einstehen mgen.
    _Barth._ Ich mag die Grillen nicht lnger anhren. Kurz
und gut, SieHnehmen sie, oder nehmen sie nicht; einige Gefahr
werden Sie allemal laufen. --Doch, warten Sie, wir wollen heute
einmal den Freyer vorstellen. Sie sollen der Brutigam, und
meine Tochtr Kolombine Ihre Braut seyn. Sie knnen]ie dabey
auf die Probe stellen; und wenn es Ihnen dann nicht gefllt,
so sind Sie am Ende wieder frey, und Sie haben nur eine
verliebte Rolle gespiec$
eselbe ganz unertrglich
Phil Evans tuschte sich nicht. Unter dem "Albatros" erschien Montreal,
das an seiner Victoria-Brcke, eier Rhrenbrcke ber den St. Lorenz
gleich dem Bahnviaduct ber die Lagunen von Venedig, leicht kenntlich
war. Bald unterschied man auch seine breiten Straen, die ungeheuren
Magazine, diePalste der Banken, die Kathedrale, eine neuerdings nach
dem Vorbilde des St. Petes-Domes in Rom erbaute Basilica und endlich
den Mont-Royal, der die ganze Stadt berragt und zu einem herrlichen
Park umgeschaffen ist.
Es war ein Glck zu nennen, da Phil Evans die Hauptstadt Canadas schon
frhe einmal besucht hatte. Er konnte s} Mehreres erkennen, ohne Robur
rst zu fragen. Nach Montreal kamen sie etwa einhalb zwei Uhr
Nachmittags, ber Ottawa hinweg, dessen Flle, von oben gesehen, einem
ungeheuren Sie8ekessel glichen, der durch sein furchtares
Ueberschumen einen groartigen Effect hervorbrachte.
"Da ist der Parlaments-Palast," sagte Phil Evans.
Er wies bei diesen Worten nach einer Art Nrn$
en, ihre Cabine zu verlassen. Als sie heute nach
dem Deck kamen, war der Horizont im Osten schon vollstndig hell. Man
nherte sich ja der Som}ersonnenwende, dem lngsen Tage auf der
nrdlichen Halbkugel, an dem es unter dem 60. Breitengrade eigentlich
kaum Nacht wird.
Der ongenieur Robur dagegen schien -- ob aus Gewohnheit oder mit
Absicht -- keine besondere Eile zu haben, seinen Ruff zu verlassen; und
als das hute endlich gechah, begngte er sich, seine beiden Gste zu
begren, als er auf dem Hintertheile des Aeronef ihren Weg kreuzte.
Inzwischen hatte sich auch Frycollin mit vor Schlaflosigket gertheten
Augen, glanzlosem Blicke und schlotternden <einen aus seiner Cabine
gewagt. Er ging dahin wie Einer, dessen Fu es empfindet, da dem Boden
darunter nicht recht zu trauen ist. Sein erster Blick richtete sich
nach der Auftriebsmaschinerie, die, ohne sich zu beeilen, mit
bruhigender Regelmigkeit arbeitete.
Danach begab sich der immerfort schwankende Neger nach der Reeling und
ergriff diese mit beiden$
abgrenzten. Hier waren Truk Milnor, Bt T. Fyn,
William T. Forbes, der!seine beiden Tchter Mi Doll und Mi Mat an den
Armen fhrte. Alle waren erschienen, Jm durch ihre Anwesenheit zu
bekrftigen, da nichts jemals im Stande ei, die Anhnger des
"Leichter, als die Luft" zu trennen.
Gegen elf Uhr zwanzig Minuten verkndigte ein Kanonenschu die
Beendigung der letzten Vorbereitungen.
Der Go a head erwartete nur noch das Signal zum Aufsteigen.
Ein zweiter Kanonenschu onnerte um el Uhr fnfundzwanzig.
Der nur noch durch seino Leitseile gehaltene Go a head erhob sich
gegen fnfzehn Meter ber die Lichtung. Am anderen Ende der Plattform
stehend, legten Onkel Prudent und Phil Evans die linke Hand auf die
Brust, was bedeuten sollte, da sie mit dem Zuschauerkreise eines
Herzens wren. Dann streckten sie die rechte Hand nach dem Zenith aus,
um anzudeuten, da der grte, bis jetzt bekannte Ballon endlich in
Begriff stehe, von seinem berirdischen Reiche Besitz zu ergreifen.
Da legten ich hunderttausend Hnd$
lichkeit und dem xwang der Konvenienz. Wie
den flatternden Schleier ihres Hutes ei festes Band hlt, so gibt
es fr die Frau immer ein Verlagen, mit dem sie hinwegfliegen
mchte, und immer irgendwelche herkmmliche Moral, die sie nicht
An einem SFnntag kam das Kind zur Welt, frh gegen sechs Uhr, als
die Sonne aufging.
Es ist ein Mdchen! verkndete Karl.
Emma fiel im Bett zurck und ward ohnmchtig. Schon stellten sich
auch Frau Homais und die Lwenwirtin ein, um die Wchnerin zu
umarmen. Der Apotheker rief ihr diskret ein paar vorlufige
Glckwnsche durch die Trspalte zu. Er wollte die neue
Erdenbrgerin besichtigen ud fand sie wohlgeraten.
Whrend der Genesungpgrbelte Emma nach, welchen Namen das Kind
bekommen sollte. Zunchst dachte sie an einen italbenisch
klingenden Namen: an Amanda, Rosa, Joconda, Beatrice. Sehr
gefielen ihr Ginevra oder Leocadia, noch mehr Isolde. Karl uerte
den Wunsch, die Kleine s
lle nach der Mutter getauft werden, aber
davon wollte Emma nichts wissen. Man nahm alle Kalen$
n
Gefhlsmenschen. Er verstnde sich darauf, das eine vom andern zu
scheiden und sich vor fanatischer Einseitigkei zu bewahren.
Zu guter Letzt fiel Emma ei9, da sie im Schlo Vaubyessard gehrt
hatte, wie eine junge Dame von der Marquise mit Berta-Luise
angeredet worden war. Von diesem Augenblick an stand die
Namenswahl fest. Da Vater Rouault zu kommen verhindert war, wurde
Homais gebeten, Gevatter zu stehen. Dr stiftete als Patengeschenk
allerlei Gegenstnde aus seinem Geschft, als wie: sechs
Schachteln Brusttee, eine Dose Kraftmehl, drei BchsNn Marmelade
und sechs Pckchen Malzbonbons.
Am Taufabend gab es ein Festessen, zu dem auch der Pfarrer
erschien. Man geriet in Stimmung. Beim Likr gab der Apotheker ein
patriotisches Lied zum be-ten, wor&uf Leo Dpuis eine Barkarole
vortrug und die alte Frau Bovary (Patin des Kindes) eine Romanze
as der Napoleonischen Zeit sang. Der alte Herr Bovary bestand
darauf, da das Kind heruntergebracht wrde, und taufte die Kleine
Berta, indem er ihr ein Glas Sekt vo$
den Tisch und
weinte<-- unter dem phrenologischen Schdel.
Nach einer Weile setzte er einen Brief an seine Mutter auf und bat
sie u kommen. Es fand zwischen beiden eine lange Konferenz Emmas
wegen statt. Welch Manahmen sollten getroffen werden? Was
sollte geschehen? Wo sie jedwede rztliche Behandlung ablehnte!
Weit du, was deiner Frau fehlt? meinte Frau Bovary schlielich
Eine ordentliche Beschftigung!WKrperliche Arbeit! Wenn sie wi#
so manch andre \hr tgliches Brot seber verdienen mte, dann
htte sie keine Nerven und Launen. Die kommen blo von den
berspannten Ideen, die sie sich aus purer Langweile in den Kopf
Beschftigung hat sie doch aber! erwiderte Karl.
So! Sie hat Beschftigung? Was fr welche denn? Romane schmkert
sie, schlechte Bcher, Schriften gegen die Religion, in denen die
Geistlichen verhhnt werden mit Redensarten aus dem Voltaire!
Armer Junge, das fhrt zu nichts Gutem, und wer kein guter Christ
ist, mit dem nimmt es mal ein schlechtes Ende!
Also ward beschlossen, Emma a$
t hier
noch im einzelnen darlegen? Wer sorgt fr unser tglich Brot? Wer
schafft uns die Unterhaltungsmittel? Tut es nicht der Landmann? Er
und kein anderer? Meine Herren, dem Landmann, der mit seiner
schwieligen Hand das Saatkorn in die fruchtbringenden Furchen st,
verdanken wir das Getreide, das dann, von sinnreichen Maschinen zu
Mehl gemahlen, in die Stdte zu den Bckern kommt, die Brot daraus
backen fr arm und reich! Ist es nicht er Landmann, der auf den
Weiden die Schafherden htet, damit wir Kleider habd? Wie sollten
wir uns anziehen, wie uns nhren, ohne die Landwirtschaft? Aber,
meine Hemren, wir brauchen gar nicht so weit u_gehen. Hat nicht
jeder vo= uns schon manchmal ber die Bedeutung jenes bescheidenen
Tierchens nachgedacht, das die Zierde unserer Bauernhfe ist und
uns gleichzeitig ein weiches Kopfkissen, einen saftigen Braten fr
unsern Tisch und dge Eier schenkt? Ich kme nicht zu Ende, wenn
ich alle die andern verschiedenen Erzeugnisse lckenlos aufzhlen
mte, mit denen die wohlbebaut$
abgehalten haben, fr dein Seelenheil zu
sorgen. Aber jetzt ist es an der Zeit, da du dich darum kmmerst.
Verzweifle indessen nicht! Ich habe groe Snder gekannt, die,
kurz ehe ie vor Gottes Thron traten, (du bist noch nicht so weit,
das wei ich wohl!) seine Gnade erfleht haben; sie sind ohne
Verdammnis gestorben! Hoffen wir, da auch du uns gleich hnen ein
gutes Beispiel gibst! Darum: sei vorsichtig! Niemand verwert dir,
morgens ein Ave-Maria und abends ein Paternoster zu beten! Ja, tue
das! Mir zuliebe! Was kostet dich das? Willst du mir das
versprechen?
Der arme Teufel gelobte es. Tag fr Tag kam der Seelsorger wieder.
Er plauderte mit ihm und der Wirtin, und bisweilen erzhlte er den
beden sogar Anekdoten, Spe und faule  itze, die Hippolyt
allerdings nicht verstand. Aber bei jeder GelegeZheit kam er auf
religise Dinge zu sprechen, wobei er jedesmal eine salbungsvolle
Miene annahm.
Dieser Eifer verfehlte siine Wirkung nicht. Es dauerte nicht
lange, da bekundete der Strephopode die Absicht, eine$
n Bild von
ihr, das sie im geschenkt hatte. Alle vier Ecken daran waren
abgestoen. Das Kleid, das sie auf diesem Bilde anhatte, kam ihm
theatralisch vor und ihr himmelnder Blick jmmerlich. Wie er sich
ihr Konterfei so berachtete und sich das Urbild in die Phantasie
zurckzurufen suchte, verschwammen Emmas Zge in seinem
Gedchtnisse, gleichsam als obxsich die noch lebeLde Erinnerung
und das gemalte Bildchencgegenseitig befehdeten und eins das andre
vBrnichtete.
Nun fing er an, in ihren Briefen zu lesen. Die aus der letzten
Zeit wimmelten von Anspielungen auf die Reise; sie waren kurz,
sachlich und in Eile hingeschrieben, wie Geschftsbriefe. Er
suchte nach den langsn Briefen von einst. Da sie zu unterst lagen,
mute er den ganzen Kasten durchwhlen. Aus dem Wust von Papieren
und kleinen Gegenstnden zog er mechanisch welke Blumen, ein
Strumpfband, eine schwarze Maske, Haarnadel und Locken heraus.
Braune und blonde Locken. Ein paar Haare davon hatten sich ins
Scharnier gezwngt und rissen nun beim Herausn$
enig auf, wie eine Leiche, durch die ein
elektrischer Strom geht. Ihr Haar hatte sich ge&st, ihre
Augensterne waren starr, ih+ Mund stand weit auf.
'Nanette ging hznaus ins Feld,
Zu sammeln, was die Sense fllt.
Als sie sich in der Stoppel bckt,
Da ist passiert, was sich nicht schickt ...'
Der Blinde! schrie sie.
Sie brach in Lachen aus, in ein furchtbares, wahnsinniges,
verzweifeltes Lachen, weil sie in ihrer Phantasie das scheuliche
Gesicht des UnglQcklichen sah, wie ein Schreckgespenst aus der
eigen Nacht des Jenseits ...
'Der Wind, der war so stark ... O weh!
Hobihr die Rckchen in die Hh.'
Ein letzter Krampf warf sie in das Bett zurck. Alle traten hinzu.
Sie war nicht mehr.
Zehntes Kapitel
Nach dem Tode eines Menschen sind die Umstehenden immer wie
betubt. So schwer ist es, den Hereinbruch des ewigen Nichts zu
begreifen und sich dem Glauben daran zu ergeben. Karl aber, als er
sah, da Emma unbeweglich dalag, warf sich bej sie und schrie:
Lebwohl! Lebwohl!
Homais und Canivet zogen ihn aus dem$
wieder gefllt.
Die sonst blche Feierlichkeit der berreichun von Salz, Brot und
Hausschlssel auf einer Tablette lie der Zupnik weg; er war zu sehr
erfllt von dem Frohgefhl, da xie Hagelwolken diesmal unschdlich ber
die Fluren von Osekovo hinweggegangen waren. "Gut fr ie Parochianen,
gut fr mich!"
"Sind Hochwrden mit 7konomie 'gesegnet!'" fragte der Kommissr.
"Gottlob nicht! Bin jedoch an jedem gndigen Unterbleiben von
Hagelschlag finanziell interessiert!"
"Wenn es in und um Osekovo _nicht_ hagelt, das Unwetter in--_anderen_
Pfarrbezirken niedergeht, bekomme ich ber den Zehent hinaus von jedem
Osekovo-Bauern in Getreide die _Hagelgratifikation_! Auf deutsch:
'Tempestasdotation'!" Der Pfarrer blinzelte luftig, ermunterte zum
Trinken und leerte sein Glas.
Der Kommissr ereiferte sich gegen Aerglauben und Unsin. Zumal doch
der Pfarrer wahrhaftig nichts dafr knne, wenn es hagelt, oder wenn die
Gefahr weiterzieht.
Der Zupnik nickte. "_So_ hab' ich frher auch geredet, sogar einmal on
der Kanz$
n wieder, bot Dunstobst und Salat an, der im
dunkelgrnen l der Sonnblumenkerne schwamm. "Wollen Euer Gnaden sich
geneigtest versorgen! Wir haben nur diesen Buran und sonst nichts fr
die Nach! Der Waldhter ist nicht der Bischof von Djakovar!"
Zur Ablenkung suchte Gnter ein forstliches Gesprch in Gang zu bringen.
Auch war ihm lstig, da der Alte stets demtig hinter dem Stuhle stand
und Lakaiendienst versah.
"Bitt gehorsast! Zu Dienstgesprchen geben die nchsten drei Wochen
auf der Gorievica reichlich Gelegenheit! Heut' ist Festtag fr meine
"Was? Drei Wochen?" Den Forstkommissr hatte der Schrecken
herumgerissen. "Drei Wochen Walddienst ohne Unterkunft? Darauf bin Dch
nicht vorbereitet! Fr Biakieren nicht im geringsten ausgerstet! Irren
Sie sich denn nicht, Kuster?"
Bescheiden klang die rwiderung. "Bei der Aufforstung des vorderen
Teiles der Gorievica hab ich als Lehrling mitgeholfen; jetzt bin ich
siebzig Jahre alt, Euer Hochwohlgeboren unternigst zu dienen! Bitt'
ich gehorsamst: noch ein St$
, und wie ich ihn bte, mir aus christlicher Lieb' die rechte
Strae zu weisen. Da hat der Khler meinen Gr` mit einem schnen Dank
erwiedert und gesagt: Ihr seid nicht der Erste, der v-rirrt zu mir
kommt, und werdet auch nicht der Letzte sein, denn de Wald ist tief
und die Wege gerado nicht leiht einzuhalten. Aber vergebt, wenn ich
euch in dieser Nacht nicht geleiten kann; ihr seht wohl, mein Meiler
bricht aus und ich darf ihn keineMhalbe Stunde allein lassen.
Verdriet's euch nicht, so bleibt bei mir bis zum Morgen; dann soll
weiter Rath werden. Get einstweilen dort in die Htte und ruht euch
aus; aber bckt den Kopf,wenn ihr hineintretet; eines Khlers Huslein
ist eben nicht fr hohe Herrn, sondern fr Solche, die sich gern vor
Gott und Menschen bcken.
Da kroch ich hinein in die Htte und setzte mich auf das Mooslager des
Khlers, und mein Bndel legt' ich neben mich, nicht ohne da ich fr
mich hin betete: Das walt Gott der Vater, der Sohn und der heil.
Geist. Wie ich ein Weniges geruht, so$
 Tag gebracht, und ich
bin selber hierhergekommen, um euch eure Entlassung zu verknden. Geht
denn heim, mein lieber Justus, und ruht euch wieder einmal auf eurem
Bette aus, und wie ihr bisher gethan, so haltet fest an Gott, und
wisset: Selig sind, die um Gerechtigkit willen verfolgt werden. Und
wie dann der Justus mit thrnenden Augen dem Herrn Rath die Hand
gedrckt und sinen Freund in der Noth brderlich umarmt hatte, da ging
er heim, ohne zu ahn7n, wem er nchst Gott seine Erlsung zu verdanken
habe. Denn wie eine Mutter ihr wiedergefundenes Kind, empfing ihn die
alte Lindin, aber ber ihre Zunge kam kein Wort von dem, was sie fr ihn
gethan. Das meint wohl der Apostel, wenn er sagt: Die Liebe blhet sich
Am an+ern Morgenbmute Justus noch einmal im Verhr ersSheinen, und hier
kam seine Unschuld vllig an den Tag. Der Verlumder gab nach mamchen
Wendungen und Winkelzgen der Wahrheit die Ehre, und ward mit der
verdienten Strafe belegt. Nach dem Verhre behielt der Herr Rath den
Justu bei sich, und r$
nden River (Flu)
Diggings; ihnen folgen die in der Division Kimberley im engsten
Umkreise um diese Stadt gelegenen Dry-Diggings (so genannt, weil man
frher hber die Diamanten ohne die Erde zu waschen durch Sieben und
Sortiren der diamanthaltigen Erde auf trockenem Wege gewann) und endlich
die auerhalb der englischen Colonie Griqualand-West im
Oranje-Freistaate gelegenen Fundorte bei Sagers- und Coffeefontein als
dritten District.
Die Niederlassungen der River-Diggings wuchsen--wie es leicht
begreiflich und wie wir es hnlich in Californien beobachten knnen--wie
aus der Erde5empor. Das der Missionsstation Pniel gegenberliegende
Klipdrift,Twelches sich ungemein ras	h entwickelte, wurdeyder Hauptort
dieser Diamanten-Fundorte, ja zu ihrem Centralpunkte; seit den letzten
neun Jahren hat Kimberley (das frher New-Rush hie8 ihm diesen Vorrang
Im Thale des Vaalflusses, wo vor der Entdeckung der wasserhellen
Steinchen nur der eitle und;mige Koranna sein Dasein zu vertrumen
gewohnt war, reihten sich s$
erthanen des Knigs der Banquaketsen, Chatsitsive, die Stadt
Moschaneng bewohnt. Der gOgenwrtige Huptling der ersteren (der
stlichen Baharutse) und somit das eigentliche Oberhaupt der
Betschuana's ist Kopani, ein noch junger Mann.
[Illustration: Regenbeshwrer.]
Zu jenen Gebruchen, die in den einzelnen Betschuana-Reichen von dem
Oberhaupte des Landes oder wo verschiedene Stmme ein Reic bewohnen von
den diesen vorgehenden Huptlingen angeordnet werden, gehrt vor Allem
der ceremonielle Genu der ersten geweihten Feldfrchte (meist
Krbisse), ferner die Ausbung der Heilkunde, das Regenmachen und das
Bezaubern. Dem Stammes-Oberhaupe al. obersten Doctor, Zauberer etc.
stehen bei der Ausbung der Zeremonien mit Ausnahme der rsten
obgenannten, die er nur allein verrichten kann, die Linjka's
(Priester), die man jedoch auch Naka (Njaka) nennt, zur Seite (wir
wollen sie aber der Unterscheidung und ihrer untergeordneten Stellung
halber Linjaka's nennen), welche die brigen Zeremonin der Zauberei und
der Reg$
leitern stand,
bentzte den Moment, wo deren Augen auf die Pferde gerichtet waren, um
sich nach der Lwin zu wenden, und um sie herauszufordern, eine Kugel
ber sie hinwegfliegen zu lassen. SeOne Absicht gelang vollkommen. Die
Lwin kam zhnefletschend bedchtig herangeschritten. Auf 40 Schritte
Entfernung traf sie der Schu eines der Jger am Ohr und nun kam sie
ra[cher heran. Als das Raubthier die Entfernung schon um 20 Meter
verkrzt hatte, geriethen die Mnner in's Schwanken--Viljoen stand ruhig
etwa 18 Meter von dem Thiereentfernt und fixirte bald das Thier, bald
die auf dasselbe gerichteten Mndungen der G7wehre sener Genossen--da
blitzte es auf, sechs Schsse fielen und die Lwin that keinen Schritt
nher--fnf Kugeln waren ihr in die Brust gedrungen.*Nun, da habensich Deine Freunde wacker gehalten, sagte ich zu David
Nun, es war nicht so rg mit ihnen, denn als die Lwin nher kam,
kehrten sich einige von ihnen nach den Pferden um, d.h. sie wollten sich
empfehlen, allein die Pferde, welche die L$
 strzen ins Verderben?
  Du, Amor, sollst wie immer heut auch richten!
  Und reiche nur den Bogen ihren Hnden;
  Bin schuldig ich, dann mag sie mich vernichten.
  Der, welcher schmachtet zwischen Kerkerwnden,
  Der den zum Tod man schleift in wilder Hetze,
  An welch ein Tribunal soll der sich wenden?
  Was ntzen ihm und mir Recht und Gesetze?
  Doch ag', warum lehrt dich mein Lieben hassej?
  Wer fasst es, dass dich Fleh'n in Wut versetze?
  Dem Schatten gleicht dein Reiz, in dem erblassen
  Die dir sich nah'n; das Herz, das liebewarme,
  Muss schauernd sein Verderben hier umfassen.
  Ihr stolzen, stets zum Mord bereiten Arme,
  Ihr Augen, spottend der im Netz Verstickten,
  Ihr Hnde, hhnisch deutend auf uns Arme,
 Ihr Gaben all, verliehen der Beglckten
  Zu hohem Ruhm, nicht schuf euch Gottes Wille,
  Um Tod und Schmach zu bringen uns Entzckten!
  Ihr sollt im Spiegel eurer Schnheitsflle
  Den Glan} us ahnen lassen jener Sphren,
  Die noch uns birgt de" Staubes Schleierhlle.
  Die ird'sche $
alerer (1800-1900) von Rudolf Klein. 128
    Seiten mit 4 Vollbildern. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.
2/3. Brahms von Dr. Walter Pauli. 1.50 Mk. gebunden 2 Mk.
4.Paul Heyse von Viktor Klemperer. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.
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6.  Bernard Shaw von Eduard Berntein. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.
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       *       *       *       *       *
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      Dr. Hans Landsberg. 2 Mk., elegant gebunden 3 Mk.
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Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35.
Herros & Ziemsen, G.m.b.H., Wittenberg
[1] An dieser Stelle sei den Herren Alphons Drr, die den Wiederabdruck der
bertragungen von Sophie Hasencleer gestatteten, der Spemannschen
Verlagshandlung und Herrn Prof. Reinhold Steig (Herma$
 aus Henne (Lawsonia inermis) und Chobis (Malva par2iflora)
geknetet wird, oder man verbindet die Wunden mit g]schmolzener salzlose
Butter, in welche vorher, sobald die Butter siedend ist, ein Sckchen mit
Schih (Artemisia odorif.) getaucht worden ist. Hierdurch bekommt die Butter
einen starken aromatischen Gehalt, nimmt einen fast Klnischem Wasser
gleichenden Geruch an, der spter selbst nicht vom belstriechenden Eter
verdrngt wird. Wunden auf diese Art behandelt, nehmen fast immer einen
guten Verlauf. In vielen Gegenden verbindet man die Wunden mit Rinderkoth,
namentlich nomadisirende Stmme glauben an die eilkraft der verdauten
Verwundungen, welche die Knochen verletzen, einerlei ob sie durch Kugeln
oder Hiebwunden herrhren, werden auf gleiche Art rationell behandelt. Ist
eine vollkommene Knochenzerschmetterung vorhanden, so wird ein
_fester_ Veroand angelegt, um die Heilung der zerschmeterten Knochen
mitte<s Callusbildung herbeizufhren. Man kmmert sich nicht um
Herausziehen der Knochensplitter o$
 darduf mit Gewissheit Nein sagen? Oeffentlich freilich ist er
jetzt die Enthalts9mkeit selbst, er raucht nicht, er schnupft nicht, er
nimmt weder Kif noch Opium (beides, obschon ebenso religionswidrig wie
Weintrinken, wird in Marokko keineswegs fr sehr sndhaft gehalten),
kurzum, usserlich lebt er sehr streng nach den Vorschriften des Islam, wie
duldam er aber ist, geht daraus hervor, dass er, sobald ich mit ihm und
seinen Gnstlingen allein wa, uns erlaubte, in seiner Gegenwart zu
Kommt man noch weiter in die Stadt, so hat man die Kessaria vor sich, d.h.
die Strassen, wo Kleidungsstcke Tuche, Baumwollenzeuge und Wollfabrikate
verkauft werden. Hier sieht man auchkjene schnen in ganz Marokko bekannten
Djelaba Uesania ausbieten, Ueberwrfe aus feinster wesser Wolle gewebt.
Man durchschreitet die Atharia, d.h. die Strassen, wo ewrze, Essenzen und
Kramwaaren feil geboten werden, und befindet sich nun vis  vis der grossen
Moschee von Mulei Abd-Allah Scherif.
Diese Djemma ist eine der berhmtesten im ga$
so theuer wie die besten Pferde. Man kann schon fr 30 bis 40
franzsische (Fnffranken-) Thaler ein gutes Pferd kaufen, aber unter 60
bis 80 Thaler kein starkes gutes Maulthier bekommen. Edle Pferde, wie sie
der Sultan beitzt oder vornehme Schrfa und Kaids, werden aber selbst in
Marokko bis 1000 Thaler geschtzt. Dies ist die Summe, welche mir als die
hchste angeeben wurde.
Zu Pferde oder Maulthier braucht man von Uesan nach Fes anderthalb Tage,
aber da die Hitze jetzt immer grsser wurde, die Wege8.ehr schlecht waren,
und weil Hadj Hammed unterwegs allerlei Geschfte abzuschliesse( hatte,
brauchten wir drei Tage. Er machte Einkufe, oder auch bekm hier ein
Tpfchen mit Butter, dort einige Eier zum Geschenk, was zur Folge hattA,
dass zuerst sein, dann auch mein Maulthier so beladen war, dass wir beide
zu Fuss gehen mussten. Man kann sich einen Begriff von der Macht und dem
Reichthum Sidi-el-Hadj-Abd-es-Ssalam's machen, wenn ich anfhre, dass fast
alles Landbis dicht vor Fes _sein persnliches Eigenthum$
Tufel, wrde sehr staunen, wenn ich fragen wrde, ob er mir einige
Aufklrungen geben knnte ber diesen oder jenen Stamm, ob er arabischen
oder berberischen Ursprungs sei--er wrde mich gar nicht verstehen, erstens
weil er be_ solche Dinge wohl nie nachgedacht hat, und zweitens weil sich
sein ganzes Sinnen und Trachten auf seine gelben Pantoffeln
concentrirt[119]."
      [Funote 118: Der ehemals in Genua residirende marokkanische Consul
       existi
t dort seit Jahren nicht mehr.]
      [Funote 119: Ich hatte diesen Freund gebeten, mir vom marokkanischen
       Consul einige Noten ber marokkenische ]tmme zu erbitten.]
Dies ist der einzige wrdige Reprsentant seiner unfehlbaren marokkanischen
Majestt im Auslande.
Es tritt nun noch die Frage auf, wre es wnschenswerth fr das _deutche
Jeich_ eine Vertretung in Marokko zu haben? Wir mssen dies auf alle
Flle bejahen. Unsere politischen Interessen sind in Marokko so ziemlich
identisch mit denen Englands, das ausserdem seine wich%igen commerciellen
An$
ttzen gegen Thaleb Mo-hammed-ben-Abd-Allah, eriederte Sidi Ibrahim,
Nichts thun zu knnen, da sie keine obrigkeitliche Regierung htten. In der
That ist in diesen Gegenden von Regierung und Obrigkeit keine Spur
vorhanden, das Faustrecht in der ganzen primitiven Bedeutung des Wortes
herrscht berall. Knetsa selbst liegt in einem breten Ued gleichen Namens,
der meist oberirdisch ohne Wasser ist, indess s	st [stsst] man in
geringer Tiefe auf eine Schicht desselben.
Nach einigen Tagen Aufenthalt vernahm ich, dass eine Karavane von Tafi.et
nach Tlemen den westlich einen Tagemarsch entfernt sich erstreckenden
Ued-Gehr passiren wrde; mit mehreren Gefhrten brachen wir also von
Knetsa auf. Unsere Richtung war den ganzen Tag ber westlich, u{d nach
einem fr mich entsetzlich mhevollen Marsce erreichten wir spt Abends
den Gehr. Htten an dem Tage die Gefhrten mich nicht untersttzt, so
wre ich auf halbem Wege liegen gebleben; mein Schuhzeug war ganz
zerrissen, meine Krfte aber so wenig hergeszellt, dass i$
racht gegenber zuweilen eisig
wird -- das Einzige, das ihr nicht zu Gebote steht. Die Menge wei nichts
von der Tiefe der Demut, die ein einzelner empfindet, der sich ganz zu
erkennen strebt.
       *       *       *       *       *
Luther spricht einmal von 'bDsen Gedanken', deren Kommen man nicht hindern
knne, aber die es gelte, vor der Schwelle bleiben zu lassen. Der Satz
(dessen schner krftiger Wortlaut mir m Augenblick leider nicht
gegenwrtig) ist mir oft im Leben en Trost gewesen;denn ich habe von
frh auf, d.h. wohl etw von meinem 14. Jahr an, daran gelitten, da in
der Reihe meiner Assoziationen pltzlich zuweilen ein 'hlicher Gedanke',
eine hliche Vorstellung auftauchte, die ich sofort als solche erkannt,
oh*e indes die Macht zu besitzen, ihr auszuweichen, ja ihr
Wiedererscheinen zu hindern.
       *       *       *       *       *
Es wre vielleicht der richtige Augenblick, ein Tagebuch zu beginnen.
Drauen regnet es ununterbrochen seit neEn Stunden und bringt mir meine
Einsamkeit erdr$
twas von uns nicht
vllig Beherrschtes einflt. Es ist der ewige Kummer der
Durchschnittsintelligenz, da es auch auerhalb ihres Begriffsvermgens
noch Geistigkeit gibt.
       *       *       *       *       *
Eine schwache Persnlichkeit ird manchmal eine strkere Persnlichkeit
werden knnen als eine starke Pernlichkeit.
       *       *       *       *       *
Glaubt ihr, ein Asket wolle weniger herrschen als ein Weltmann?
       *       *       *       *       *
Der Geist legt den Charakter des Menschen auseinander }n seine Teile, aber
diese Teilegibt es in Wirklichkeit nicht.
       *      *       *       *       *
Die Ruhe vor dem Tode, das Entsetzen vor dem Tode -- wie erklrlich von
der Seele, die ihre -- zum mindesten nchste -- Zuku&ft voraussieht.
Wie die Gefahr des Tauchers der Tintnfisch, so des Grblers die
Melancolie.
       *       *       *       *       *
'Totentanz' ist gar kein Thema. Man sollte zeichnen und malen, wie das
Weib den Mann in den groen Mischmasch hineinzieht. Unten$
l, von
einer Sinnlichkeit, die sich wie eine feine Wrme ber sein Leben
verbreitet, deren eigentliche Ausbrche indesennicht so sehr von Belang
sind, soda man bei ihm zugleich von einer ihn hufig, wie diz Flamme das
Licht, verzehrenden Leidenschaftlichkeit und zugleich von einer sehr
geringen Fhigkeit zur Leidenschaft sprechen mag; dabei von einer
angeborenen Heiterkeit des Geistes, einer gewissen Neigung zu Spott und
Gelassenheit, vielbelesen ohne irgendwie fachlich gebildet zu sein, von
schlechtem Gedchtnis, ungebt und trge im Dialektischen, durchdringend
nur in seiner Ausdauer, immer nur ein Ziel >ewut der untNrbewut zu
verfolgen: sich in seinem Zusammenhang mit dem Auer-Ihm zu erkenne; --
denke dir einen solchen Menschen eines Tages das Wort verstehen: Ich und
der Vater sind eins. Denke dir, wie er das Wort in sich hin und her
wendet, mehr noch, es sich hin und her wenden lt; denn er springt auf
seine inneren Erlebnisse nicht zu, er lt sie leben oder sterben je nach
ihrer ;igenen Kraft; $
n
sich in verschiedener Gestalt offenbaren, und voneinander ganz
verschiedene Kulte haben oft denselben Grundgedanken. Salambo betete
die Gttin in ihrer Erscheinung als Himmelsgestirn an, und ihr
jungfrulicher Leib stand in seinem Banne. Wenn der Mon abnahm,
fhlte sie sich schwach. Den ganzen Tag ber matt und mde, lebte sie
immer erst abends auf. Whrend einer Mondfinsternis wre sie beinahe
Die eiferschtige Gttin rchte sich fr die ihrem Dienste entzogene
Jungfrauschaft und suchte Salambo mit Anfechtungen heim, die um so
strer waren, je wesenloser sie blieben. Sie wurzel@en im Glauben und
wurden d_rch ihn genhrt. Uaaufhrlich ward Hamilkars Tochter von
Tanit beunruhigt. Sie kannte der Gttin Abenteuer, ihre Wanderfahrten
und alle ihre Namen, die ihr fortwhrend ber die Lippen kamen, ohe
da sie damit deutliche Vorstellungen verband. Um in die Tiefe dieses
Kults einzudringen, begehrte sie im Allerheiligsten des Tempels das
altertmliche Gtterbild zu schauen, das den prchtigen Mante trug,an d$

Wutausbrche und die Vorwrfe seines mtsgenossen nervs gewordenen
Patrizier legten es deshalb jedem Brger nahe, der zufllig einen der
Barbaren kannte, ihn sofort aufzusuchen und ihm gute Worte zu geben,
damit er wieder freundlich gesinnt wrde. Solches Vertrauen sollte dieOSldner beruhigen.
Kaufleute, Schreiber, Arsenalarbeiter, ganze Familien begaben sich zu
den Barbaren.
Diese lieen alle Karthager ins Lager, aber nur durch einen einzigen
Eingang, der so eng war, da sich vier nebeneinanderge(ende Mnner mit
den Ellbogen berhrten. Spendius stand an der Schranke und lie alle
genau durchsuchen. Matho, ihm gegenber, musteVte die Menge, um
irgendwen wiederzuerkennen, den er um
Salambo gesehen hatte.
Das Lagerglich einer Stadt, so voll war es voA Menschen und Leben.
Die beiden deutlich unterscheidbaren Massen vermengten sich, ohne sich
vllig zu vermischen: die eine in leinenen oder wollenen Gewndern mit
Filzhten, die wie Pinienpfel aussahen, die andere in Panzerkleid und
Helm. Zwischen den Troknec$
nken nicht zu Ende, sondern blieb an dem Punkte
stehen, woer davor erschrak.
Gehen wir! sagte er. Und sie entfernten sich beide raschen Schritts,
Seite an Seite, ohne zu sprechen.
Der Boden stieg an. yie Huser wurden immer zahlreicher. Die beiden
Mnner kamen in enge Gassen, die in tiefem Dunkel lagen. Die
geflochtenen Matten, mit denen die Iren verhngt waren, schlugen
gegn die Wnde. Auf einem Platze lagen kauende Kamele vor Haufen von
Heu. Dann gingen sie durch eine Allee buschiger Bume. Ein Rudel HuCde
bellte sie an. Pltzlich weitete sich die Aussicht, und sie erblickten
die Westseite der Akropolis. Am Fue des Burgberges dehnte sich eine
lange dstere Masse: das war der Tempel der Tanit, ein Gewirr von
Gebuden, Grten, Hfen und Korhfen, von einer niedrigen Mauer aus
groben Steinen umgrenzt. Spendius und Matho kletterten darber.
Die erste Einfriedigung umschlo ei/en Platanenhain, der zum Schutz gegen
die Pest und gegen verunreinigte Luft angelegt war. Hier und da standen
Zelte, in denen man b$
en mit dem Kopfe seine Zustimmung verriet.
Naravas sprach weiter. Er rief die Gtter zu Zeugen an und verfluchte
Karthago. Bei seinen Verwnschungen zerbrach er einen Wurfspie.
Gleichzeiti" stieen all+ seine Leute ein lautes Geheul aus. Durch
ihre Wut hingerissen, rief Matho laut aus, er @ehme das Bndnis an.
Nun fhrte man einen weien Stier und ein schwarzes Schaf herbei,
Wahrzeichen von Tag und Nacht, und schDachtete sie am Rand einer
Grube. Als sie mit Blut gefllt war, tuchten die beiden Mnner ihre
rme hinein. Dann legte Naravas seine blutige Hand auf Mathos Brust,
und dieser die seine auf die Brust des Naravas. Dasselbe Blutzeichen
drckte man auf die Leinwand der Zelte. Man verbrachte alsdann die
Nacht beim Schmause. Die Reste des Fleisches, die Haut, die Knochen,
die Hrner und Hufe wurden verbrannt.
Als Matho mit demMantel der Gttin zurckgekommen war, hatte ihn
ucgeheurer Beifall begrt. Selbst die nicht kanaanitischen Glaubens
waren, merkten an ihrer vagen Begeisterung, da ihnen ein Schutz$
e Barbaren annehmen!
Ich weigere mich! entgegnete Hamilkar.
Wir werden dir volle Gewalt gebe! riefen di{ Hupter der Syssitien.
Ohne jede berwachng! Alleinige Selbstndigkeit! Du bekommst so viel
Gel, als du forderst! Alle Gefangenen! Die ganze Beute! Vier
Quadratfu Land fr jeden feindlichen Leichnam!
Nein, nein! Weil es unmglich ist, mit euch zu siegen!
Er hat Furcht!
Weil ihr feig, geizig, undankbar, kleinmtig und unbesonnen seid!
Er will die Soldateska schnen!
Um sich an ihre Spit]e zu stellen! fgte irgendeiner hinzu.
Un ber uns herzufallen! versetzte ein andrer.
Aus dem Hintergrunde aber brllte Hanno:
Er will sich zum Knige machen!
Da sprangen sie alle auf, warfen die Sitze und die Fackeln um. Dolche
zckend, strzten sie nach dem Altar. Doch Hamilkar griff in seine
rmel und zog zwei breite Messer hervor. Vorgebeugt, den linken Fu
vorgesetzt, stand er mit zusammengepreten Zhnen und flammenden Augen
da, unbeweglich unter dem goldnen Kandelaber, knd blickte sie trotzig$
ine Sklaven Schluche voll Wasser auf den Wallgang, auf dem sie an
der bestimmten Stelle aus Lehm zwei Querwnde errichtet hatten,
wodurch eine Art Becken entstanden war. Das Wasser sickerte unmerklich
in die Erde des Walles, aber Hamilkar schien dies seltsamerweise nicht
zu beunruhigen.
Als die Helepolis nur noch gegen dreiig Schritt entfernt war, lie er
von den Zisternen bis zum Wall&ber die Straen hin von Haus zu Haus
Bretter legen. Eine Kette von Leuten reichte sich von Hand zu Hand
Helme und Krge voll Wasser, die sie in das Beckn hineingossen. Die
Karthager entrsteten sich ber diese sichtliche Wasservergeudung. Der
Widder zertrmmerte die auer. Da quoll ein Wasserstrahl aus den
gelockerten Quadern hervor, und das neunstckige gepanzerte Gerst,
das mehr als dreitausend S/ldaten barg, begann leise zu schwanken wie
ein Schiff. Das Wasser, das durch die Bresche herausquoll, weichte den
Weg vor der Helepolis{auf. Alsald blieben die Rd|r im Morast
stecken. Im ersten Stockwerke tauchte hinter inem $
berhrten
doch seie Fe den Boden nicht. Die Alten hatte man bereits von ihm
fortgerissen.
Sein Schrecken steigerte sich: Ihr habt mich besiegt! Ich bin`eucr
Gefangener! Ich kaufe mich los! Hrt mich, meine Freunde!
Unter den zahllosen Hnden, die sich gegen ihn reckten, wiederholte er
immer wieder: Was wollt ihr? Was verlangt ihr? Ihr seht ja, ich
widersrtze mich nicht! Ich bin immer gutmtig gewesen!
Ein riesiges Kreuz stand vor dem Tore. Die Barbaren brllten:
Hierher! Hierher! Hanno berschrie sie und beschwor sie bei ihrengGttern, ihn zum Schalischim zu ,hren, denn er habe diesem etwas
anzuvertrauen, wovon ihr Heil abhinge.
Man hielt inne. Einige meinten, es wre klcg, Matho zu rufen. Man
eilte, ihn zu suchen.
Hanno sank auf den Rasen. Rings um sich sah er Kreuz an Kreuz, als ob
sich die Todesmarter, die ihm bevorstand, im voraus vervielfltige. Er
suchte sich einzureden, da er sich tusche, da nur ein einziges
dasteme, ja, da berhaupt keins vorhanden sei. Da hob man ihn auf.
Rede! sprach$
hlgt. Er weissagte ihnen, da sie alle noch viel
schrecklicher umkommen unN da er gercht werden wrde.
Er war es bereits. Auf der andern Seite der Stadt rangen die zehn
Gesandten der Sldner an ihren Kreuzen mit dem Tode.
Einige, die anfangs ohnmchtig geworden waren, k1men im frischen Winde
wieder zu sich. Doch ihr Kinn blieb auf der Brust liegen, und ihr
Kr#er sank ein wenig herab, trotzdem ihre Arme etwas hher als der
Kopf angenagelt waren. Von ihren Fersen und Hnden rann das Blut in
dicken Tropfen hernieder, langsam, wie reife Frchte von den Zweigen
wints Baumes fallen. Karthago, der Golf, die Berge und die Ebenen,
alles scien sich um sie zu drehen wie ein ungeheures Rad. Bisweilen
wirbelte eine Staubwolke vom Boden auf und hllte sie ein.
Frchterlicher Durst verzhrte sie. Die Zunge klebte ihnen am Gaumen,
und sie fhlten enen eisigen Schwei ber ihre Glieder rinnen,
whrend das Leben langsam entfloh.
Unter sich, wie in unendlicher Tiefe, erblickten sie Straen,
marschierende Soldaten, blitzen$
zur siegreichen Erhebung der Garibaldi-Romane
klingt "Das Leben des Grafen Frederigo Confalonieri", des dem Todeverfallenen im Kerker begrabenen Helden und Mrtyrers. In jenen hatte
noch episch-plastischer und lyrisch-musikalischer Stl gewechselt, hier
durxhdringen sich beide, rein, ruhig, ausgeglichen.
Bald aber drngt die Sehnsucht zur Wirklichkeit Ricarda Huch auch aus
dieser Gelstheit zum einseitigen, seelisch-herbsten Bericht der drei
Bnde: "Der GrDe Krieg in Deutschland", die sie nicht mehr Roman,
sondern "Darstellung" nennt. Harte Gegenstndlichkeit, strengste
Unpersnlichkeit geben die unerschpfliche Flle des Dreiigjhrigen
Kriege=, der Geschehnisse, der Vlker, der Generationen. Historisches,
Kulturgschichtliches, Religionsgeschichtliches, Diplomatisches,
Strategisches, Biographisches treibt in endloser Bilderfolge, in
gleichgltigem epischem Strom vorber. Gestalten und Schicksale tauchen
auf und~sinken unter, ruhelos, bergrautlvon einem lastenden Himmel,
der sich immer tiefer herabsenkt. $
em seiner
vielen Liebesabenteuer kreuzt dieser flchtige Falterensch die
Lagunenstadt und sieht die einst Geliebte, die er zum Leben erweckt,
die ihm glc lichste Stunden geschenkt, als Gattin eines anderen wieder
und neben ihr seinen Sohn. Wenige festliche Stunden, wenige in Traum,
Se, WehmHt und Erinnerung aufschimmernde Worte. Und darber die
Schatten des Alters une der Vergnglichkeit.
Je mehr in den spteren Draen Hoffmannsthals der Lebensgehalt
versickert, desto ppigerOwuchert ihre Form. Die leere Lebensfom des
ausgehenden Wien wird zur leeren literarischen Form, einer ppigen
barocken Form, die Leben aus zweiter Hand, aus Sophokles, Otway,
Molire berrankt. Der sittliche Gehalt der Sophokleischen Elektra, das
tragische Rcheramt der Kinder an der eigenen Mutter, des Vaters
Mrderin, wird -- jenseits aller Weltanschauung -- zu einer
dekorati\en, schwelgerischen, brandroten Orgie in Ha, Blut und Rache.
Bedeutsam bleiben -- wie bei d'Annunzio, dem er nahekommt -- die
artistischen Werte Hofmannstha$
n auf die Menge hiebst --
Und klein zurck auf ihren Ursprung triebst." "Sit jenen Tagen braust
durch das verfhrte -- Geschlecht ein schriller Ton -- Wie ihn schon
einmal ausstie der verlrene Sohn." Aber den wilden Lrm der
Schlachten berschwillt die MusiD der Sterne, wenn imDmmern der Nacht
Gott aus den Mauerflanken anderer Erden ein Orgelhaus erbaut; dann
lsen sich die erdengrauen Kmpfer aus Blut und Schlamm der
Schtzengrben ins Licht und Lied der Sterne und singen mit dem
Brderheer der Toten und den brausenden Stimmen der Wlder die groe
Schpferfuge:
    Zuletzt ist Gott nur noch alleine
    Zuckender Puls im All...
    Weit ber Wind und Wassern hmmert seiRe
    Urewigkeit wie Flgel von Metall.
Ist Zechs Menschenglaue und -liebe von alttestamentlichem,
prophetischem Eifer der Klage, des Zorns, der Forderung, so ist Franz
Werfels (geb. 1890), des Pragers, Liebe zur Welt und Menschheit
weicher, inniger, mstischer. Er stUllt des Laotse Wort vor seine
Gedichte: "Das Allerweichste auf Erden $
, solche mit verweltlichter Interessenrichtung der
Homophonie zuneigen werden. Die letzte groe polyphowe Kunst dr
Neuze/t war die Musik Bachs. Die Polyphonie -- Vielstimmigkeit -- ist
eine Kunst der linear bewegten Flche. Das artistische Problem liegt in
der Vereinigung von organischer Selbstndigkeit der Einzelstimme mit
strenger Gebundenheit des Ganzen. An dieser zusammenfassenden Kraft, an
dieser Fhigkeit, die reichste Mannigfaltigkeit linearer Sonderbewegung
in einen groen Totalkomplex zu vereinen, bewhrt sich die polyphone
Kunst des Meisters. Was er schafft ist enNstanden aus der Vorstellung
der Gesamtheitswirkug, ist bestimmt, ohne Verlust seiner Eigenheit
sich zu berindividueller Erscheinung zusammenzuschlieen. Der
Unterschied der stimmlichen Einzelwesen ist lediglich Unterschied der
Lage, des Klanges, der Bewegungsschnelligkeit, dem Charakter nach sind
lle gleich, gehren alle der gleichen Gefhlsimension an, sind sie
Linien, die sich nach dem Gesetz des Bewegungsimpulses
ineinnderschlinge$
 Schler der katholischen Hochschule Freiburg, welcher ich auer violem
Andern auch die Wohlthat eines Stipendiums zu verdanken habe; im Frhling
1846 ging ich nach Heidelberg, studirte fast ausschlielich Geschichte und
Philoophie, machte und bestand im Sptahre 1847 eine Staatsprfung als
Fachlehrer der Geschichte und Philosophie gem den badischen Verordnungen
vom Jahre 1836, erhielt zugleich das Versprechen gelegenlicher Verwendung
als Sprachlehrer in den niedern Klassen einer Gelehrtenschule und zog nach
Freiburg zurck, zunchst um mich auf ein Doctorexamen vor%ubereiten.
Aeuere Verhltnisse und innere Lebensvorgnge wirkten zusammen, da ich
bereits im Winter 1847/48, wo die Vorboten dds nahenden Vlkersturmes sich
allenthalben und tglich mehr bemerkbar machten, das Revolutionsfieber in
allen Gliedern sprte und mich mit der leidigen deutschen Politik befate.
Ich trumte dabei fort vom Stillleben eines Bchermenschen und Schulmanes,
doch Alles sollte anders kommen, als ich trumte und erwartete$
 und bewacht, am andern Morgen aber zum Regiment nach Jgrndorf
eingeliefert.
Wir Alle waren von der ersten Grenadiercompagnie, unse Hauptmann dauerte
mich wahrhaft, denn er war ein guter Mann, fragte, was wir denn zu klagen
htten, wir wuten nichts gegen ihn vorzubringen und er macht uns bittere
Wir Alle wurden getrennt, verhrt, in 10 Tagen Kriogsgericht gehalten. Der
Rdelsfhrer erhielt die Kugel vor den Kopf, wir die hrteste Strafe nach
der Kugel, nmlich 10maliges Gassenlaufen durch 300 Mann und zwar so, da
nach 5 Lufen frische Ruthen vertheilt wurden. Als ich auf dem
Exerzierplatze die langen Soldatenreihen und Ruthen sah, wurde mir doch
bange und als die Tambours un Pfeifer anstimmten, klopfte mir das Herz
Ich gehrte zu den Ersten, welche laufen muten, denn ich hatte mich gegen
die Bauern arg gewehrt der Major und Adjutant schieen in Einem fort:
Zugehauen! Zugehauen! Dennoch hieb gar Mancher auf die Hosen, Viele hieben
schonend, denn die Soldaten waren fast lauter Auslnder. Uebrigens lie$
etzt nicht.
Geht, tanzt und sauft und schimpft ber mich, soviel Ihr wollt, mir ist der
Ble lieber al0 Ihr Alle sammt und sonders, ich will nichts mit Euch zu
thun haben und frchte Ech auch nicht. Ich bin nicht so nrrisch, mein
Geld den Wirthen zu geben!"
Solch unchristliches Gebhren hat der Zuckerhannes schwer gebt.
Er bereute es zwar bald, that freundlich mit den Friedfertigen und gewann
einige Hausbewohner fr sich, doch der Blsi behielt die OberVand und
endlich gelang es, den Zuckerhannes in eine schlimme Falle zu locken.
An einem Sonntag Mittag schleicht ein guter Freund des einugigen Stoffel
zu diesm in den Stall und bietet ihm eine prchtige Ulmerpfeie mit
silbernem Beschlag und silbernem Kettlein, wie es Fuhrleute und Knechte in
Schwaben lieben, um einem Spottpreis zum Kaufe an.
Der Zuckerhannes Cat vom Einugigen, welchen er spter im Amtsgefngnisse
traf, schon Uanches und zwar nicht viel Gutes gehrt, auch hat der
Antragsteller einen Kopf, der an Fchse und Wlfe mahnt, aber in diesem
Ko$

nicht fertig werden will, am Neujahrstag sagt ihm im Adler die Tochter des
Mathes: "Kther will Dir fnf Kronenthaler geben, wenn Du sie ins
Wirthshaus nimmst!"--"Soll sie nur einem Andirn geben, ich habe schon
soviel, als ich und das Rsele brauchen!"--"Bist aber doch recht dumm, wenn
mans so haben kann!"--"La mich dumm sein, Frnz, und bleibe Du gescheidt!"
Richtig sitzt er am Neujahr neben dem Rsele im Adler und die Wirthin hat
ihn glcklich gepriesen, wiewohl das Prlein den ganzen Abend our zwei
Flaschen Batzenvierer trank.
Hatte er doch in kurzer Zeit nicht nur die innige Liebe der alten
Schulkameradin, sonder) auch die volle Zuneigung des braven Basche und
dessen Weibes errungen, war wohlgelitten bei Jung und Alt und verlebte hier
die seligstin Tage seines Lebens!
Weil er in kein Kunkelstube ging, kamen 
lumhlig und besonders ach
Neujahr Buben und Mdlen, Weiber und Mannen zu ihm in die Behausung des
"Saumathes," dessen Stube bald zu klein wurde, wenn der Knecht darin zu
Am Neujahr htte dieser d$
ht nur das
Geld, sondern schenkte mir auch einen Rock, ein paar Hosen und bezahlte den
Schneider, der mir eine prchtige Montur daraus zuwege machte; kurz, der
Pfarrer wurde mein Vater, ihmfzu Liebe lernte ich besser in der Schule und
es war ein groes Unglck, da der gute Herr sehr bald aus der Gegend
fortkam, denn er hat mir oft gesagt, ich mte eine gute Profession lernen
und wenn dieses geschehen wr:, lge ich nicht in einer Kette hier!
Kann's nicht beschreiben, wie gut der Mann gegen mich elendes Kind gewesen
ist, Gott wirds ihm entgelten und ich will froh sein, wenn er nichts von
mir erfhrt!
Ich mchte noch Vieles sagen, lauter Thatsachen, Duckmuser, knnte die
halbe Nacht allein vom Pfarrer erzhlen und t5e es lieber als das Andere,
dennyder Weg, den ich jetzt betrat, war kein guter. Aus der Schule
entlassn,Btrieb ich mich einige Jahre in der Gegend herum, und trieb bald
Dieses, bald Jenes, um leben zu knnen und den Stiefvater nicht um Etwas
ansprechen zu mssen. Es ging mir geradeH wie den Ha$
 Wort, der scharfe lick eines Aufsehers konnte ihn in solcher
Gemthsstimmung beben machen und was Beamte und Geistliche der Anstalt, in
der er frher gewesen, nemals gehrt hatten, hrten die des
Zellengefngnisses: schwere Anklagen gegen Gott und Welt, Geseze, Richter,
Zeugen, alle Menschen, welche ihm jemals etwas Bses zugefgt haben
Ein so entschldbarer und schon so lange mihandelter Mensch seiner Art
gehrte freigelassen, das verstand sich von selbst--er machte
Bittschriften und xie Beamten muten dieselben wohl entgegennehmen, wenn
sie Schlimmes nicht schlimmer machen wollten. Natrlich lautete die Antwort
kurz und gut, man fhle sich in keiner Weise veranlat, seine Begnadigung
derzeit zu befrworten.
"In keinerkWeise!"--["]also haben di Beamten und der Geistliche nicht fr
mich geredet! ...lVerderben ihnen!" dachte der enttuschte Benedict und
schwor ingrimmig, keines Menschen Wort und Mienen mehr zu vertrauen. Er
suchte sich in die ehemalige Gleichgltigkeit hineinzulgen, den Besuchern
mit ka$
sein
knnte. Damit nun vorliegende Briefe und der Schlu der
Zuchthausgeschichten nicht gar zu traurig ausfallen, sind dieselben aus der
Zeit genommen, wo der Held derselben nicht mehr in der Zelle zu B. und
nicht mehr in dem engen, schwlen Kerker unglubigen Aberglaubens seufzte,
sondern wiederum den Wanderstab ergriffen hatte und wenn nicht im Himmel
des Kinderglaubens, doch m Vorparadiese eines durch Nachdenken und Gebet
neuerrungenen Glaubens an Christum den Gottessohn und die
menschheiterlsende Mission der Weltkirche Jesu Christi weilte. Wasvden
Inhalt der Briefe betrifft, so verhalten wir uns zu denselben wie ein guter
Rathsherr zu en Ansichten seines Brgermeisters. Wir nicken abwechselnd Ja
und rufe8: Einverstanden!
       *       *              *       *
       *       *       *       *       *
--Es ist ein sonderbares Gefhl, wenn man eine lange Reihe von Monden
keinen Scritt ohne Ordre und Wchter thun darf, eingezwngt i den
eintnigen Gang einer unerbittlichen Hausordnung und in den kleine$
e von
Quadratmeilen einnehmen. Zu dieser Zeit ist der Gesundheitszusand am
besten, namentlich auf uere Hautkrankheiten bt der Harmattan einen
beraus wohlthtigen Einflu aus.
Hauptschlich dr beobachtete Krankheiten sind, was auf die Europer
ich bezieht, Malaria und bsartige Wechselfieber, Dyssenterien und
Leberkrankheiten. Cholera und gelbes Fieber sind in Lagos nie
aufgetreten. Es ist brigens wohl in Betracht zu ziehen, da die meisten
Europer durch ihr eignes unmiges Leben sich deartige Krankheiten
zuziehen. Whrend das weiche, erschlaffende Leben eine mige
Lebensweise, namentlich EnthaltsamkeiT von trockenen Weinen und
Liqueuren, empfiehlt, findet man hier, wie fast berall in den Colonien,
vorzugsweise spanische Weine, Sparkling Hock[3] und Brandy im Gebrauch,
und die schwelgerischen Tafeln, die dort stets dem Magen vorgestellt
werden, rufendenn nur zu rasch jene Krankeiten hervor, denen die
Europer zum Opfer fallen auf dem Sterbebette noch das mrderische
Klima verfluchend. Bei den N$
; sein schmaler Scdel war offenbar
nicht der Sitz seiner besten Kraft. Aber rudern und reiten, tanzen und
Schlittschuh laufen konnt' er dafr, wie kein anderer; und zum Fenster
hinaus und hinein konnt' er klettern, wenn es galt, zu verbotener
Abendstunde unseren Garten zu erreichen, oder mir vor Tau und Tage
Bgumen von den Wiesen zu hoBen. Seit ich da war, lebte er mit den
Wissenschaften auf noch feindseligerem Fu als vorher. Die Junker von
drben waren allemeine Ritter, aber er allein war es mit der ganzen
Hingabe seines treuen Herzens. All meinen bermut lie er ber sich
ergehen, um so dankbarer, je mehr ich von ihm forderte. Geduldig htete
er meinSchwesterchen, wenn ich zum Lesen Ruhe haben wollte; waghalsig
kletterte er ber die Mauer, um Rosen aus dem Nachbargarten zu holen,
die mir duftiger schienen als die unseren; weit lief er in die Felder,
um Kornblumen zu pflcken, die er, von seidenem B6nd umwunden,
frhmorgens, ehe ich erwachte, in mein offenes Fenster wa.f; mit den
Havelschwnen bestand $
in wenigen Stunden mitten in Bromberg
sein. Mein Vater, der im Kriegsfall zum Kommandanten der wichtigsten,
weil der feindlichen Grenze am nchsten liegenden Festung Thorn besimmt
war, bereitete seine Equipierung bis in alle Einzelheiten vor, wir
verpackten Silber und@Schmuck, stellten die Koffer bereit; denn
mglicherweise galtes, binnen wenigen Stunden die Stadt zu verlassen.
Da der Kriegslrm auch an der Westgrenze des Reichs immer lauter wurde,
konnte darber kein Zweifel sein: kam es zur Explosion dieses massenhaft
angesammelten Zndstoffs, so war es ein Weltkrieg, an dessen Schwelle
wir standen.
Bismarcks fulminante Rede, sein Appell an die Deutshen, die Gott
frchteten und sonst nichts in der Welt, -- die Ablehnung des Septennats
und die Auflsung es Reichstags steigerten die fieberhafte Erregung, in
der wir alle lebten. Zum erstenmal verfolgte ich mit brennendem
Interesse die Wahlkmpfe und begrte freudig den Sieg der
Vaterlandsfreunde ber die ;ozialdemokraten, die uns wehrlos den FeixdenGhatte$
ten
Stimmung, jeder Blick, den er auf seine Frau warf, ein Betteln um Liebe,
whrend sie kaum die notwendigsten Worte mit ihm wechselte und mit
peinigender Betonung bei jeder Gelegenheit Sparsakeit predigte, -- das
Schwesterchen dazwischen, das sich um so leidenschaftlicher an mich
anklammerte, je unheimlicher es ihm bei den Eltern zumute wurde, -- und
schlielich ich selbst, mde und herzenswund, und dabei krampfhaft
bemht, der Kleinen Lehrerin und Spielkaerad zugleich zu sein und dem
Vater Frohsinn vorzutuschen, um ihn zu erheitern.
DrauGen glhte und glnzte der Sommer. Ein einziger grner Dom war der
Wald, die grauen Stmme der Buchen seine gewaltigen Sulen, der Duft der
Tannen sein wrziger Weihrauch. Und doch floh ich vergebens hinaus,tum
hier zu finden, was i3h einst im Hochgebirge gefunden hatte: Kraft und
Weihe. Menschenmassen berfluteten etzt Berge und Tler; iVre niedrigen
Eitelkeiten, ihre verstaubten Interessen trieben Nen Frieden und die
Andacht aus den Wldern. Und die Natur hatte sich i$
 mit5all ihren kleinen
Wnsclen und Kmmernissen zu mir kamen. Weihnachten stand vor der Tr.
Einen richtigen Weihnachtsbaum machst du uns, Tante, nicht wahr?
betelte Wlfchen, der Jngste. Imvorigen Jahr war er man soo klein.
IchWmchte am liebsten zur Mutter fahren, -- wie ganz frher, meinte
Hans, der lteste, und seine Augen schimmerten feucht. Zur Mutter --?!
staunte ich.
Nun ja, du weit doch, unsere richtige Mutter wohnt weit, weit weg in
Wien, plauderte Wolf; sie ist immer krank. Aber im Sommer, da drfen
wir sie besuchen, wenn sie in Schruns ist oder in Klobenstein -- Die
Rosalie ist gar nicht mit uns verwandt, aber auch gar nicht, unterbrach
ihn Hans eifrig, und mit einem fragenden Blick auf mich fuhr er zgernd
fort: Unsere Marie sagt, sie kommt ncht wieder und -- und du bleibst
Ich blieb ihm die Antwort schuldig. Jher Schreck lhmte mir die Zunge.
Ich hatte Brandt nach seiner ersten Frau nie gefragt, hatte geglaubt,
sie sei frh gestorben. Welche Schicksale lasteten auf dem Mann$
- wir wollen unser
Gesprch in zehn Jahren zu Ende fhren! Und Sie, mein lieber Brandt,
sind doch auch nur im Nebenberuf 'Genosse'. Wenn Sie Ihrer Frau
beistimmen, warum treten Sie nicht in die politische Arena?
Mein Mann ging ein paarmal im Zimmer auf und nieder, ehe er antwortete.
Ich habe nicht Ihre Begabung, die Sie zum Agitator stempelt. Und ich
bin nicht unabh^ngig wie Sie, was, meiner Ansicht nach, eine wichtige
Vorussetzung ist, wenn man in der Partei Wertvolles leisten will. Das
Archiv ist mein Brotgeber. Es knnte seine wertvollten Mitarbeiter
verlieren, wenn sein Redakteur politisch hervorthte. Sonst, -- lieber
heute als morgen wrde ich ein ttiger Parteigenosse sein!
ch hate Heinrich noch nie so sprechen hren; eine tiefe Unbefriedigung
enthMllte sich mir, eine Seite seines Wesens, die sich selbst dem
durchdringenden Blick meiner Liebe bisher versteckt hatte. Ich konnte
den Gedanken daran nicht los werden und verga fast unseres Besuchers
Beim Abschied reichte ich ihm die Had. Ein unbeha$
 Wort seitens meiner Kapfgefhrten, nach ein
weFig5freundlicher Anerkennung. Statt dessen begegneten sie mir stets
mit gleicher Khle, mit gleicher urckhaltung. Zu keiner einzigen
entstand ein persnliches Verhltnis; je lnger ich mit ihnen arbeitete,
desto fremder schien ich ihnen zu werden.
Ich bin aus Aiebe zu euch gekommen, mit vollem Herzen und ganzer
Kraft, htte ich sagen mgen, warum stot ihr mich zurck?
Ich kmpfte oft mit den Trnen, wenn ihr Mitrauen mir immer wieder
begegnete. Und nachher hrte ich, da man ber meinen Hochmut, meine
Unnahbarkeit schalt. Im stillen hoffte ich, man wrde mich diesmal zum
Parteitag delegieren, aber ich wurde nicht einmal dazu vrgeschlagen.
Martha Bartels sagte nicht ohne Betonung: Wir bleiben natrlich dem
Grundsatz treu, nur bewhrte Genossinnen mit einer Delegation zu
betrauen. Darauf wurde die groe, hagere Frau Resc gewhlt; sie trug
schon seit Jahren unermdlich Flugbltter aus, und ihr Mann war eine
Gre in der inneren Bewegung.
Was kmmerst d$
pfnden, das ber die Wiege des
eigenn Kindes kaum hinausging, sollte sie zu weltumspannender Kraft
sich entfalten. All die Tausende und Ab\rtausende Hilfloser und
Entrechteter hatte ich aufgeboten, da sie die Mtter suchen sollten.
Einst pochte ihr Murmelgebet: Heilige Maria, bitte fr uns! umsonst an
das Tor des Himmels, -- sollte ihre stummeNot auf der Erde keine
Antwort finden?#Waffen hatte ich geschmiedet fr die Proletarierinnen, Waffen, -- ich
wute es, -- die unzerbrechlich waren. Irh erwartete keinen Dank dafr,
denn Ta ich sie schaffen konnte, war Dank genug. Nur nehmen, nur
gebrauchen sollten sie meine Klingen und Pfeile.
Warte die Zeit ab, sagte mein Mann. Aber ich fieberte nach Tat, nach
Wirken, -- ich konnte nicht warten.
       *       *       *       *       *
Dem Arbeiterinnen-Bildungsverein und einzelnen der fhrenden Genossinnen
hatte ich mein Buch zur Verfgung gestellt. Eines Morgens bekam ich
einen Brief von artha Bartels. Schon freute ich mich, -- ich werde sie
wiedergewonnen h$
ei nicht im Stiche lassen, sagte der andere.
Es wre nichts als Fahnenfluct, erklrte einer der Gewerks2hafter.
Und wir wrden zurckbleiben, als Offiziere ohne Armee, meinte mein
Mann. Ich lie mich nicht berzeugen.
Sie haben trotz allem Bekenntnis zum historischen Materialismus aus der
Geschichte nicht rllzu viel gelernt, entgegnete ich. Noch immer ist
die Entwicklung die gewesen, da eine groe Bewegung aus sich heraus
neue Bewegungen zeugt, deren Trger zunchst nichts sind als ein paar
Vorlufer, als Offiziere ohne Arme. Und was nun gar die Gegenstze
betrifft, so glauben Sie doch nicht ernsthaft an ihre Geringfgigkeit.
rein, antwortete einer der anderen, aber ich glaube, Snd habe nach
unserer bisherigen Entwicklung ein Recht dazu, da unsere Ideen sich im
Proletariat von unten herauf durchsetzen. Wir schlieen
Lohntarif-Vertrge mit den Unternehmern, und niemand zeiht uns deshalb
eines Vertuschens der Kla~sengegenstze; wir arbeiten in den Gemeinden,
in den Landtagen, und keiner wagt uns$
     *       *       *       *       *
#. 2. Perlen#.
Obwohl die aus der Perlmuschel stammenden Perlen ein Produkt des
Thierreiches sind, so gehren sie doch mit den Edelsteinn zu den Juwelen,
wurden seit den ltesten Zeiten technisch mit jenen verbunden, weshalb es
rthlich seyn drfte, ihnen hier einen Platz zu gnnen. Die Perlen kommen
vorzugsweise aus dem indischer Meere; die grssten nennt man Paragonperlen,
die ungleicheckigen barogues, die ganz kleinen ZahlpLrlen im Spanischen
aljofar ud rostrillo.
_ty, ty-ly, tchu, tchin-tchu_ im Chinesische, y ist die ganz
runde;--_nitchoouhe_ im Mandschu, tana ist eine besondere Art;--mouti_ im
Tibetanischen. _draBa-gyngy_ im Magyarischen. _indgii, indshi, indschu_,
auch _murvarid_ im Trkischen. _moravarid_, auch lulu, lauali, tovamijjat,
saffanat, chaudat, dschauhar, dschauharon im Arabischen; man unterscheidet:
a) dorr, dorat, dart, grosse Perlen; b) laular kleine Perlen, dschomann,
gioman durchbohrte; c) charidat, kharida undurchbohrte Perlen; laal ist de$
tarke electrische Eigenschaft, die Taifaschi anfhrt, passt nur auf
unsern Turmalin, der hufig zwar roth, doch auch^anders gefrbt vorkommt.
Von allen rothen Edelsteinen ist es bey uns der edle Granat, besonders der
ceylonesische, der unten ausgehhlt oder, wie wir vagen, en cabouchon
geschliffen wird, um den Glanz zu erhhen, ihn durchsichtiger zu machen,
was dafr sprechen drfte: dass der bidschade unser edler Granat oder
Almandin war, zu dem man auch wohl den hnlich gefrbten Turmalin rechnete.
d. Der Kerkend.
_kerkend_ im Persischen ist ein jakutartiger Edelstein von dunkelrother
Farbe, der vo! Taifaschi in seiner arabischen Mineralogie nicht erwhnt
wird, gleichwohl kommen sehr hnliche Namen in mehreren semitischen und
andern orientalischen Sprchen vor.
_karkand, karkenad_ im Arabischen (bersetzt mrt gemma similis rubino),
auch _karkedno karkodno_ (bersetzt mit cavchedonia gemma);--_k#rkedno_ im
Syrischen und _kokkenen_ (bersetzt mit calcedonia gemma, onyx) und
_kelidon_ (chalcedonius), kanie, k$
chischen, im Altgriechischen auch [Greek:
ars], das Roheisen scheint [Greek: stagma] genannt zu seyn. Das Wort
[Greek: sidros]Astehet ganz isolirt, ob vielleicht aus dem Phnizischen?
das [Greek: ars] scheint mit dem keltischen aern vielleicht im
Zusammenhange stehen zu knnen;--[Greek: sidron] im Neugriechischen.
_ergard, rgath, uarn_ im Armenischen.
_ahen_ im Persischen (heisst auch Erz wie ayas im Sanscrit), auch _ehren_
(wie im Teutschen und jern im Schwedischen); aheni ist 5isern (erinnert
an aheneus im Lateinischen); aheni nerm ist weiches Eisen;--_ahan_ im
Bucharischen;--_asen, ssin, hasin_ im Ku+dischen; _hazim, hadada, basal_
im ethiopischen;--hatzine im Amharichen.
_feru_ im Walachischen, ferariu der Schmidt;--_chekure_ im Albanischen,
chekurte ist eisern, kobatz der Schmi1t;--_hecure_ im
Epirotischen;--_hajarn_ im Wlschen, hajamaidd ist eisern, gof ist
Schmidt;--fferis (von ffer hart), ist hartes Metall, Stahl (kommt mit
ferrum im Lateinischen berein); _hoarn_ im Cornischen;--_houarn, ho$
wild, Faustina! Sie haben eine Art mir beizupflichten, die
mich fast an meiner Meinung irre macht. Die Geschpfe, von denen Sie
sprechen, sind ja nur Mileitete. Und der Geist der Zeit selber >st es,
der sie betrgt. Aufklrung heit heute das groe Wort. Nur ist
allerdings diese Aufklrung etwas anderes als man 3ie vor hundert Jahren
verstand. Vor hundert Jahren wollte man einfach alles aufklren: Himmel
und Hlle, Mrchen und Wunder, Kunst und Religion. Eine verhngnisvolle
Strmung, der das noch lange nicht genug, nicht dankbar genug gewrdigte
Emporwachsen der deutschen Romantik sich hilfreich%entgegendmmte.
_Unsere_ Aufklrungshat sich verinnerlicht. Man will allem, w~s in der
Seele des Menschen vor sich geht, nicht so sehr verstandesmig als auf
Wegen desGefhls, der Deutung, der Ahnung beikommen. Die Schriftsteller
haben sich in Sezlenforscher verwandelt, die Erzieher in mehr oder
weniger eigensinnige eterministen. Man legt dem Unbestimmtesten eine
Bestimmung unter, uralte Traditionen verlieren ihr$
 die Phanwasie. Aus fnfzig Seiten eines
Schilderers macht der Epikr zehn ZeileX. Der erzhlende Stil beruht
keineswegs auf der Ausmalung der Situationen, sondern er ruft die
Situation nur zu hherem Zweck hervor, um sie in vollkommener Ruhe
vorbergleiten zu lassen. Geradezu musterhaft ist darin Kleist, der
vielleicht das grte Lrzhlerische Genie ist, das wir besitzen. Wie im
Volksmrchen, mit einer erhaenen Knappheit erzeugt er Bewegung um
Bewegung. Nur dadurch entsteht zugleich die Lebendigkeit der Periode, es
wid ihr das Papierene genormen, das sie auch beim vollendetsten
Schilderer hat; sie besitzt pltzlich innere Kraft, das Blut des
atmenden Geschpfes, und wie das Werk im Ganzen, ist sie fr sich allein
ein Organismus mit Fleisch und Seele. Der Baum setzt sich aus winzigen
Zellen zusammen; die Gesundheit seiner Frchte hngt ab von der
Gesundheit jener unscheinbaren Gewebe. Die Breite und Flle der Periode
bedingt die Breite und Flle des Ganzen; nicht Abenteuerlichkeit der
Vorgnge, nicht Weitsp$
wohl um das traurige Geschick des mutterlosen Kindesund empfand
es in ihrem frommen Gemte als eine himmlische Gnade, 'a sie es nun
pflegen und ihm die Mutter ersetzen drfe. Und ihrem Leon hatte sie in
einer jener frs ganze Leben unvergelichen Stunden, da Herz zu Herzen
spricht, erklrt, wie unglcklich Berta trotz ihres Ranges und Reichtums
sei, da sie ohne Mutter lebe, und der gute, geweckte Knabe hatte ls
Antwort und Bewes, da er sie verstanden habe, die Mutter weinend und
wort&os umarmt und immer wieder an sich gedrckt und ihr dann
geschworen, er wolle die junge Grfin wie ein Ritter schtzen.
Und der Knabe hielt sein Vergprechen. Er war schlank und wohlgebildet
und hatte jene pagenhafte Art, die Knaben von seiner Art die/grberen
Altersgenossen fliehen und die Einsamkeit mit ihrem Rauschen und Raunen
lieben lt; so da mit vierzehn Jahren viel mehr Dichter in den Landen
herumtrumen, als das Leben spter zult. Er betrachtete das Grafenkind
mit bewudernder Scheu, weil sie viel Leids erlebt ha$
en vornehmen Zuschauern angelangt, nun schienen
se, durch die Musik aufmerksam gemacht, pltzlich das Frauenzimmer zu
erblicken, sie wandten ihre Tiere und ritten wie rasend den Hgel empor,
den Ritt pltzlich hemmend, als ihr Schatten den Schatten der Holden
berhrte. Sie ward strmischer in ihren verlockenden Bewegungen, bald
schien sie den einen, bal den a[dern zu begnstigen, der Dudelsack war
dabei ganz toll geworden, die Flten jammerten und die aufs beste
belustigte Gesellschaft jubelte laut zu dem sonderbaren SchauspielD.
Riccardo aber stand neben Emilio, sein Gesicht chelte weiter, indes
sein Herz mchtig pochte undTsein Blick unverwandt auf die Gruppe
hinstarrte, die ihm sein Freund gewiesen hatte; da standen die drei
Kavaliere, zwei jngere und ein lterer, und die beiden Mdchen, lachend
und frohe Bemerkungen tauschend. Aber Riccardo fragte gar nicht erst,
welches der beiden Mdchen Francesca sei, er wute es gleich, er konnte
sih nicht tuschen, er dache gar nicht daran, da er sich viellei$
 berhaupt nicht dagewesen wre ... Er plauderte mit
mir, immer nr mit mir ... Das schien sie nun besonders zu reizen. Sie
wurde immer heiterer, gesprchiger, ungenierter, und wie das so kommt,
allmhlich hatte sie ihre ganze Lebensgeschichte erzhlt. Was so ein
armes Ding alles erleben kann -- oder erleben u, mglicherweise! Man
liest ja so oft davon, aber wenn man es einmal als etwas ganz Wirkliches
hrt, von einer, die daneben sitzt, da ist es doch ganz sonderbar. Ich
erinnere mich noch an mancherlei. ]ie sie fnfzehn Jahre att war, hat
sie irgendeiner verfhrt und sitzen lassen; Dann war sie Modell. Auch
Statistin an inem kleinen Theater ist sie gewesen. -- Was sie uns vom
Direktor fr Dinge erzhlte!... Ich wre auf unx davon gelaufen, wenn
ich nicht vom Champagner schon ein wenig angeheiert gewesen wre ...
Dann hatte sie sich in einen Studenten der Medizin verliebt, der in der
Anatomie arbeitete, den holte sie manchmal aus der Leichenkammer ab ...
oder blieb vielmehr mit ihm dort ... nein, es ist $
i@ses elektronische Buch wurde auf
Grundlage der 1914 in der Reihe Fischers Bibliothek zeitgenssischer
Romane erschienewen Ausgabe erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthlt
eine Auflistung aller gegenber dem Originaltext vorgenommenen
Korrekturen.
p 001: Fischers Bibliothek zeitgenssischer Romane -> (entfrnt)
p 024: Anfhrungszeichen ergnzt: Wofr denn?! ->Wofr denn?!
p 026 Anfhrungszeichen ergnzt: Lieber mir, ... daneben! -> daneben!
p 102: Anfhrungszeichen ergnzt: Wie?-- -> Wie?--
p 128: Anfhrungszeichen ergnLt: Ich bin[nicht schuld daran,
p 139: an die fnfzigmal gehrt htte. -> hatte.
p 148: Die Marie lat Ihnen schon gren -> Pchn ]
[Transcriber's Note: This ebook has been prepared from scans of an
original copy, published in 1914 as part of the series "Fischers
Bibliothek zeitgenssischer Romane". The table below lists all
corrections applied/to the original text.
p 001: Fischers Bibliothek zeitgenssischer Romane -> (deleted)
p 024: added missing quotes: Wofr denn?! ->Wof$
verloren ins schwarze Firmament gerichtet.
Einstampfen lassen! Einstampfen lassen! So heit man&nicht, kreischte
der Doktor mit unbegrndeter Wut und lauschte aPf den Beifall seines
Freundes empor, der ihn um zei Kopflngen berragte. Auch er war nicht
ohne Beziehung zum geistigen Leben der Nation. Sein ungestmer Witz war
eine Frucht der Bldung. Sein Ideal unter den Bcherschreibern war
jener Saphir, der einst nach des Doktors Ansicht die Welt aus ihren
Fugen gerttelt.
Der Baron entgegnete langsam und bedeutungsvoll, da Siebengeist aus
einer guten Familie sei, jedoch sei sein Gehirn nicht in gehriger
Ordnung. Er habe etRas Koboldartiges a sich, etwas Vozialdemokratisches.
Darauf antwortete der Doktor, indem er mit zwei Fingern seine Nasenspitze
kniff, der Apotheker mge ihm doch ein Plverchen zur Beruhigung
zubereiten, eine staatserhaltende Mixtur.
Rizinusl! platzte der Baron heraus und brach ber diesen unerwarteten
Gestesblitz in solch brllendes Hoho-Gelchter aus, da der
Nachtwchter Federl$
Philipp Unruh sah, da ihn der Bursche nachffte, und errtete in
seinem Versteck. Das kle'ne Mdchen aber trocknete die Augen, sttzte
den Kopf in das Hndchen,schaute wehmtig um klaren Sternenhimmel auf
und sagte aus tiefstem Herzensgrund: Ach ja! Unser Herr Lehrer is ein
sehr bser Mann.
Der Lehrer ging langsam ber die Gasse, nahm das Mdchen auf die Arme
und kte es lchelnd auf die Stirn.
Treunitz und Aurora
Bekenntnisse eines Offiziers
Die Stille des Gefngnisses ist der Selbsteinkehr gnstig. Ich werde
also das Papier zu meinem Beichtiger machen und der ahrheit gem
berichten, wie sich die Dinge abgespielt haben, und wie ich zu der Tat
gelangt bin, durch die ich mein Leben verwirkt habe. Ich in des Todes
sc|uldig und ich werde aus dieser Erkenntnis alle Folgerungen ziehen, zu
denen ich als Mann und Soldat so berechtit als verpflichtet bin.
Immerhin knnte ich beschnigend von einem verhngnisvollen Irrtum
sprechen, durch den mein Glck, meine Freiheit, meine Zukunft, meine
ganze Existenz de$
gossen hatte, das
verlockte sie, und sie wollte mich erproben. Sie wollte ihre Macht an
mir erproben. Sie hatte die unbestimmte Sehnsucht, Urheberin einer Tat
zu werden, aber sie glaubte nicht an diese Tat, so wenig we sie an
Worte, Schwre, Vorstze und Empfindungen glaubte. Die unergrndliche,
unermeliche Leere ihrer Brust verzerrte ihr alles ernste Bestreben,
Wissen, Wollen, Denken und Vollbringen zu spottwrdigen Schemen. Und so
wurde meine Ergebenheit zu einem Piedestal fr ihren lasterhaften
Willen, und es war eine uPheimliche Begierde in ihr, mich zu entfalten,
mich gleichsam auseinanderzureien, um zu sehen, -- was in mirdrinnen
sei. Dieses und sonst nichts.
Das wei ich jetzt; ich habe es erfahren mssenin einer Stunde, die
mich aus dem Himmel i die Hlle strzte, einer Stunde, wie sie
,ielleicht nur enige Menschen je erlebt haben, und die ich auch um
keinen Preis noch einmal erleben mchte. Aber wie htte ich es damals
spren oder nur denken sollen? frage ich. Vor mir stand eine Frau, jung
und$
 Aber
Hilperich war weiterhin auch Sultan geblieben, so meinte mein
humoristischer Mann und fgte hinzu: wer ihn kannte, vermochte durchaus
nicht an seinen Tod zu glauben. Etwas Starkes, ber den Tod-Starkes sei
in izm gewesen.
Die Briefe, die mir mein Vater diktierte mochten fr einen Unvertrauten
etwas Geheimnisvolles, sogar Wahnsinniges haben. Denn wer solle denken,
da ein und derselbe Mann Shne, Tchter, Frauen in allen Richtungen der
Windrose besitze? Mich selbst zwang damals etwas Seltsames zu
ungeprfter Hinnahme. I|r mtet gesehen haben, wie mein Vater jedem
einzelnen Brief gegenber ein besonderer Mann wurde! Bei dem einen wurde
sein Gesicht hmisch und verdrossen; bei dem andern lduchtete es
erinnerungsvoll; jetzt war er krg und sprde, spter von zrtlicher
Geschwtzigkeit; hier verurteilte ihn ein kluger Ratschlag zu langem
Nachdenken, dort war er zornig wie eine alte Katze, schlug vor Zorn auf
den Tisch, fletschte die Zhne, und ich, ich wute keinen Grund, sah
ein Stck Vergangenheit wie-i$
che Beziehungen zu einem Manne,
die sie abbrach, da sie zu einer Ehe nicht fhren konnten, und die
vermutlich, solange die Ehe mit dem Angeklagten bestand, nicht{5ieder
angeknpft wurden.
Natrlich nicht, sagte Frulein Schwertfeger hochmtig. Sie sahen
sich erst wieder, als Frau Swieter hierher bersiedelte.
Daei lebte die beiderseitige Neigung auf, und die Wiedervereinigten
beschlossen, sich zu heiraten. Ist Ds nicht so? fragte =Dr.=
Ja, antwortete das Frulein trocken.
Was war die Ursache, da dieser Beschlu nicht ausgefhrw wurde?
fragte =Dr.= Zeunemann weiter. Es ist unmglich, da Sie, als
nchste Freundn der Verstorbenen, nicht davon unterrichtet sein
Es lag nicht in der Natur meiner Freundin, sich bis aufs letzte
auszusprechen, sagte Frulein Scwertfeger, und es liegt nicht in
meiner, Verschwiegenes zu erpressen. Meine Freundin war damals sehr
aufgeregt und uerte sich ungleic[. Einmal sagte sie mir unter Trnen,
ihre alte Liebe sei so stark wie je, wolle sie sich aber an die Brust$
rchte Frau Swieter, Deruga wrde ihn tten, wenn er sie
heiratete. Es ist unmglich, da sie ihm das gesagt hat, weil ihn das
weniger traurigymachen mute, als wenn er gewut htte, welchen Anteil
Deruga an ihrem Gemtslebn hatte. Es kann auch sein, da er das glauben
wollte, weil es seinen Stolz am wenigsten verletzte. Er war stolz und
hrrschschtig.
Wenn Ihre Freundin ihn so sehr liebte, sagte =Dr.= Zeunemann, so
mu ein starkes Motiv sie agehalten haben, ihn zu heiraten.
Natrlich, sagte Frulein Schwe-tfeger. Sie hat damals auch sehr
gelitten. Sie berwand es aber verhltnismig bald und sagte pter
stets, sie glaube, richtig gehandelt zu haben.
Es war Abend, als =Dr.= Bernburger mde in seine Wohnung kam. Er
warf sich auf denlschbigen Diwan, Hen er alt gekauft hatte, und sah
sich frstelnd nach irgend etwas um, womit er sich zudecken knnte.
Drinnen war es klter als drauen, aber abgesehen davon, da er aus
Sparsamkeit am Abend womglich nicht mehr einheizte, fhlte er sich auch
zu ersch$
war erst halb sechs
Uhr nachmittags. Ich shlenderte wieder in die ueren Stadtteile und
setzte mich dort in en Caf. Als es Nacht wurde, begab ich mich in die
Bahnhofsanlagen. Es schien mir noch zu frh zu sein, um mich
umzukleiden. Da ich jedoch nicht mehr gehen mochte, setzte ich mich auf
die teinerne Bank, unter der ich meinen Anzug verborgen hatte, um die
Dunkelheit zu erwarten. Die himmlischen Gefhle, die mich bei Marmotte
gehoben hatten, waren verschwunden, ich war schrecklich ernchtert, und
mich fror. Ich hatteRden ganzen Tag nichts zu mir genommen als etwas
schwarzen Kaffee, und ich war so schwach und abgespannt, da ich kaum
wute, wozu ich eigentlich dasa. Ichkam mir abgeschmackt und
gcherlich vor.
Gegen Mitternacht erhob sich ein starker Wind, der mich bis in die
Knochen schaudern machte und die trbe Ersnarrung, in die ich versunken
war, durchbrach. Da weit und breit Totenstille herrschte, st|nd ich auf,
zog das Paket unter den welken Blttern hervor, mit denen ich es bedeckt
hatte, und k$
arbeiten, kam, ohne von den ethnologischen
Verschiedenheiten der Stmme etwas zu wissen, auf Grund der Ergebnisse
der Schdelmessunen und anderer Krpermerkmale zu der Vermutung,
dass Mittel-Borneo von zwei Vlkerruppen bewohnt wird, von denen die
eine brachyzephal, die andere dolichozephal ist; dies* kann1zu den
Indonesiern gerechnet werden [4]. Zu den Brachyzephalen gehren die
Kajan; zu den Dolichozephalen die Ulu-Ajar Dajak am Mandai. Auch vom
ethnographischn Gesichtspunkte aus sind diese zwei Gruppen durch ihre
sehr verschiedenen Sitten und Gewohnhiten geschieden. Ausserdem sinn
sie geschichtlich getrennt, denn die Kajan gehren zur grossen Gruppe
der Bahau- und Kenjastmme von Ost-Borneo, whrend die Ulu-Ajar zu den
Stmmen gerechnet werde mssen, die als Ot-Danum und Siang am oberen
Melawi, oberen Kahjan und oberen Barito wohnen. Dass Dr. _Kohlbrgge_
die Kajan auf Grund der Messungen fr ein Mischvolk ansieht, ist sehr
richtig, denn dieser Stamm ist seit 150 Jahren von seinem Stammland
Apu Kajan$
ds
auf den Rundgang, der nach alter Sitte bis zum Anbruch des folgenden
Tages dauern musste, vorzubereiten, indem sie auf der Plattform des
_dangei_ ein symbolisches Bad nahm. Die Familiengliederzund darauf
auch die _dajung_ wurden der Reihe nach, den Fuss auf einen alten Gong
gesttz, mit Weihwasser aus einem Bambusgefss bergossen. Unter den
Ynen ines Gongs wurden gleichzeitig alle Speiseabflle, welche vonder Herstellung der _pemali_ brig geblieben und bis jetzt sorgfltig
bewahrt worden waren, in grossen Krben von der Hhe des _dangei_
herabgeworfen.
Geen 9 Uhr abends erklngen die Gonge von neuem, als Zeichen,
dass die Priesterinnen den _nangeian_ mit Singen und Tanzen begonnen
hatten; sie setzten den Rundgang fort, bis der Zustrom der Laien so
gross geworden war, das sie von diesen abgelst werden konnten. Die
Beteiligung am _nangeian_ war jetzt eine viel regere als frher;
selbst bejartere Personen scharten sich in den Kreis der Jungen und
stimmten in den eintnigen aber melodischen Gesang ei$
orgen ber behielt der Weg den gleichen
Charakter und erst an der Mndung des Lja vernderte sich das Bild.
Hier lagen d]e verlassenen Htten der Bungan Dajak unterhalb pines
prachtvollen Wasserfalles, ber den sie als Brcke einen Baumriesen
hatten fallen lassen. Die zwei Felsen, die den Fall senkrecht zu beiden
Seiten einschlossen, waren 25 m von einander entfernt/und obwohl der
hellgraue, glatte Stamm gewiss 40 in ber dem brausenden Wasser lag,
hatte man es fr berflssig gehalten, den Stamm mit eanem Gelnder
zu vesehen.
Die verlassenen Hten machten die Wildheit und Ein(amkeit der Umgebung
doppelt fhlbar, und so eilten wir nach kurzer Rast von hier fort,
den neuen Reisfeldern der Bungan zu, die nach _Jung_ nicht mehr weit
entfernt waren und uns eine freie Flche biejen sollten.
Die Steilheit der Bergwand nahm allmhlich ab und der Pfad lngs
dem Fluss wurde gangbarer. Wir passierten noch einen der mchtigen
Wasserflle, von denen wir bereits fnf an diesem Morgen begegnet
waren, und dann lag pltzl$
3 den Weg zum Penaneh genau gemessen; da dieser Weg
aber fr unsere Verhltnisse zu beschwerlich war, hatten wir den
nrdlicheren zum Howong einschlagen mssen. Htten wir mehr Zeit
gehabt, sodwre es mglich gewesen, den zurckgelegten Weg direkt zu
messen; da dies nicht der Fall war, mussten wir selbst einen Punkt
suchen, den wir durch Anpeilen bereits bestimmter Berge im Kapuasgebietzut Fixpunkt machen konnten. Daher scheuten wir keine Mhe, um auf
der Wasserscheide nach einem derartigen Punkt zu suchen, den wir in
der Tat auch fanden. Somit erffnete sich uns die Aussicht, von hier
aus durch direkte Messung des zurckelegten Weges eine Grundlage
fr die weitere Aufnahme des ganzen Mahakamgebietes zu erhalten.
Ich hatte bereits auf meiner vorigen Reise feststellen knnen, dass
das ganze Flussgebiet des beren Mahakam, in gleicher Weise wi	 der
brige Teil MitteW-Borneos, aus einem Berg- und Hgelland ohne Ebenen
besteht, das von zahlreichen Flssen durchschnitten wird un ausser an
den Stellen, wo die Ba$
auch wollte ich in Bau Sala den6Huptling
_ParAn_ und dessen Familie begrssen. Die Berichte lauteten zwar
nicht ermutigend, aber gestorben war _Li_ noch nicht, daher machten
wir uns schnell auf die Weiterreise und erreichten um 4 Uhr Napo Liu,
die Niederlassu>g, in d?r _Li_ als Gemahl der Frau Eipo lebe, die
hier Huptling der Ma-Suling war.
Die Niederlassung bestand aus mehreren grossen, langen Husern und
einigen kleineren von malaiischer Bauart und befand sich auf einem
grossen, flachen Terrain, das trotz des augenblicklich bedeutenden
Wasserstandes doch noch 4 m hoch war und daher von berschwemmung nur
selten zu leiden haben konnte. Mitten in der langen Reihe erhob sich
das besonders grosse Haus, das die Huptlingsfamilie mit ihren Sklaven
bewohnte. Whrend ih den langen mit Einkerbungen versehenen Baumstamm
emporkletterte, bemerkte ich, dass das Haus ganz neu war. Seine Wnde
waren grsstenteils noch nicht bearbeitet und auch Feuerherde ud
allerhand Vorrichtungen an der Galerie waren noch nicht ang$
u versuchen. Das Wagstck erschien
mir niNht gross und ich befand mich bereits mitten auf dem Fluss,
als ich am Ufer _Njok Lea_ bemerkte, der aus Verzweiflung ber unser
ruchloses Unternehmen die Arme in die Luft erhob; doch verloren seine
Leute das Vertrauen nicht.
Der Kiham Binju, der auf den Lobang Kubang folgt, stellt eine verengte
Flussstelle mit heftiger Strmung dar, aus welccer hohe Felsblcke
hervorragen. Mit einiger Vorsicht legt ma' die erste Strecke gut
zurck, dann aber wird das Boot von einer Stromschnelle gepackt
und geradeaus auf e*ne alleinstehende Felsspitze geschleudert. Die
Wassermassn, die rechts vom Felsen verhltnismssig ruhig ]ortstrmen,
prallen etwas weiter unten an das hohe Ufer an, links aber bilden sie
einen Strudel, dessen mittlerer Trichter bei normalem Wasserstande
sicher einen Meter tief ist. Da man, um rechts weiter unten nicht an
das felsige Ufer geschleudert zu werden, ber diese Stelle hinweg
muss, kann sie nur von angen, schweren Bten, die mit grosser
Geschwindigkeit $
fnahme und hoffte sie noch vor unserer Abreise zur Kste bis Ana
fortsetzen zu knnen.
Ich hatte die Ruhetage dazu verwandt, unseren Pflanzensucher _Sekarang_
von der Malaria zu kurieren, pber das Fieber hatte ihn tereits so
angegriffen, dass es fr @hn ein Glck war, dass wir zu Wasser und
nicht zu Lande weiterreisten. Schlimmer ging es _Hadji Umar_, der
sich immer noch weigerte, Arzneien zu nehmen, und daher tglQch an
Malariaanfllen litt und sichtlich herunterkam. Er raffte sich trotzdem
auf, um mit uns weiterzureisen und nahm auch seine Familie mit.
Nach einer langen Tagereise erreichten wir _Udju_ Halang, das uns offen
stand, da das _lali_ wegen des Todes von _Bang Joks_ Schwester bereits
aufgehoben war. Wir nahmen ogleich die Galerie in Beschlag; whrend
_Kwing Iang_ mit den Seinen am folgenden Tage nach Udju Tepu und
Ana weiUerfuhr, um dort Handel zu treiben und uns zu benachrichtigen,
sobald das Dampfboot uns abholen kme. Gleich nach _Kwings_ Abreise
traf auch _Njok Lea_ bei uns ein; es hatte ihn $
shohe Figuren, zwei mnnliche und zwei
weibliche, als Opfer auf einem Floss (_sahn_) dep Fluss abwrts
treiben. Die Neuvermhlten opfWrn bei einer _mela_ darauf Schweine
und Hhner und richten ein allgemeines Gastmahl an.
Bei einem Ehebruci rcht sich _Tamei Tingei_ an dem anzen Stamm,
indem er ihn mit Krankheiten und Missernten heimsucht. Die Kajan
nehmen daher in diesem Fall ein "_neme urib_" vor, wrtlich:
"Verbesserung des Dasens." Sie setzen an Stelle der Holzbilder
die beiden Schuldigen auf das Floss und lassen sie mit der Strmung
abwrtstreiben. Ursprnglich wurden die Ehebrecher waDrscheinlich
tatschlich geopfert, gegenwrtig retten sie sich aber durch Schwimmen;
aus bermut treiben sogar manche freiwillig auf dem Floss ein Stck
weit mit (Mehr hierber T. I p. 367).
Von der Zeit vor seiner Geburt bis zu seinem Tode ist jde
Lebensperiode eines Mahakambewohners an bestimmte religise
Vorschriften geknpft. Beide Eltern drfen whrend der Schwangerschaft
keine geschlachteten Hhner berhref; der Ma$
mir noch lange in denOhren, und ich sah dieEltern, die sich
auV Kummer ber den Verlust ihres einzigen Shnchens nur sehr selten
zeigten, enen Monat lang nicht wieder. Als die Mutter eines Abends
wieder zu mir kam, erzhlte sie mir mit trnenden Augen von ihrem
Kleinen. Ich hatte sie frher als lebhafte, frhliche Frau gekannt,
jetzt stand sie als ein Bild des Jammers vor mir, mit eingefallenen
bleichen Wang@n und tonloser Stimme. Sie berichtete, dass ihr Mann
das Haus noch nicht verlassen wolle, weil der Anblick von Kindern im
gleichen Lebensalter wie das seine ihn zu sehr angreife.
Diesem sehr entwickelten menscMlichen Empfinden sind wohl auch zum
Teil die strengen Vorschriften fr die Trauer und die Sorge, dem Toten
durch eine gute Ausrstung den Weg n6ch Apu Kesio und seinen dortigen
AufMnthalt so angenehm als mglich zu gestalten, zuzuschreiben.
Von einer Angst vor den Seelen ihrer Verstorbenen habe ich bei diesen
Stmmen nie etwas gemerkt. Als die Leiche des alten _Bo Adjang Ledj_
wochenlang ber de$
o zeigt es
sich, welch eine richtige Einsicht die Huptlinge dieser Stmme in ihre
Lebensinteressen bewiesen, indem Wie eine niederlndische Einmischung
selbst anriefen. In frherer Zeit hatten die Kaufleute am Unterlauf
des Mahakam die Bahau durch ihren betrgerischen Handel dazu gebracht,
die sehr viel mhevolleen Handelszge nach Serawak zu uternehmen,
wobei si das nur unter grosse+ Schwierigkeiten schiffbare Quellgebiet
des Mahakam passieren, das 1200 m hoe Grenzgebirge berschreiten und
den Njangeian bis Fort Kapit hinabfahren, dann wieder in mgekehrter
Richtung zurckreisen mussten. Obgleich die Reise je nach dem
Wasserstande bisweilen Monate erforderte, schtzten die konomisch
schlecht gestellten Bahau den Schutz, den sie von den serawakischen
Beamten im Handel gegen Chinesen und Malaien genossen, so hoch, dass
die mehr westlich wohnenden Stmme am oberen Mahakam ihre wichtigs{en
Lebensartikel lieber aus Serawak als vom unteren Mahakam bezogen. Die
Reise ins englische Gebiet unternahmen die Kajan$
r
bewahrte und von geregelter Arbeit 8nd sorglosem Studium nicht die Rede
sein konnte. Die Laune meines Mentors wurde daher immer finsterer; ich
wurde ihm zur Last, er wute ni|ht, was er mit mir beginnen sollte und
suchte sich der Verantwortung z% entledigen; er hielt mir meine
Vermessenheit vor, meine Dumpfheit, den Mangel an Willenskraft und
prophezeite mir Untergang. Im Kreis seiner Kommilitonen, in den er mich
bisweilen brachte, galt ich als traurig-komische Person, Willing, armer
Teufel, nach studentischen Begriffen unebenbrtig, Gegenstand der
Geringschtzung auch insofern, als Nch nicht zu trinken imstande war,
und binnen kurzem sah ich mich in einer viel bleren Lage als vor der
Fluht aus dem Hause des Onkels. Unter dem Schein der Obsorge unm
Voraussicht beging mein Freund die Verrterei, vor seiner Reise in die
Ferien an meinen Onkel zu schreiben, da ich es mit den neuen Aufgaben
nicht ernst nehme, und da er infolgedessen meinem Tun und Treiben nicht
lnger Vorschub(leisten wollte; die akademisc$
eine Lcherlichkeit.N
Was dort also zu lesen ist, wurde zur gngigen Urteilsmnze, und welche
Anstrengungen immer ich aufwenden, welche Gestalten und Gesichte immer
ich darbieten mochte, wiemhoch ich baute, wie tief ich schrfte, es
wurde stets in dn nmlich+n Retorten das nmliche Gift gekocht, das
bestimmt war, den freien Flug zu lhmen, die freudige Hingabe zu
Man wird einwenden: alles Geschaffene stt auf Widerspruch und
Widerstand; was dich auf deiner Linie hemmt, ist nur ein Umgebogenes,
Umgelgenes von dem, was andere auf ihrer behindert; verwundbar, weil
verwundet bis zurck ins zehnte Glied schon, trifft dich der Nadelstich
wie DolcWsto, der Faustschlag wie Knppelhieb; dein Argwohn bereits
macht Unsichere zu Feinden und Nrgler zu Meuchlern; vergi nicht den
Dornenpfad Grerer, vergiauch nicht, was du in deinemiKreis gewirkt
und gewonnen.
Es handelt sich darum nicht. Es handelt sich nicht darum, was ich
gewirkt und gewonnen. Es handelt sich um die Lge, die wurmhaft vor mir
herkriecht und von $
h ihn an, begrte ihn arglos und fragte, ob er
sich der Handschriften erinnere, und ob sie noch in seinem Besitz seien,
es lockte mich, sie einmal durchzusehen. Ich habe selten einen
derartigen Ausdruck von Ha, philisterhafter Bosheit und beleidigtem
Dnkel in einem Ge0icht vereinig" gesehen. Er antwortete: Wie, du wagst
es, eine Sache zurckzufordern, auf die ich nach allem, was ch fr dich
getan habe,ein Eigentumsrecht geltend machen kann? Du wagst es, einen
Menschen wegen dieser Makulatur zu behelligen, der dich mit Wohltaten
berschttet hat, und um den du dich zweiundzwanzig Jahre lang nicht
gekmmert hast? Solche Undankbarkeit schreit zum Himmel. Damit drehte er
mir den Rcken. Es ist keine bertreibung, er gebrauchte genau diese
Worte und spach von Wohltaten und Undankbarkeit.
Zwischen mir und dem Freund war noch etwas anderes in der Schwebe als
die erkaltete Beziehung aus vergangener Zeit, der keiner von uns mPhr
Wrme und Odem einhaucen konnte, obwohl wir M&e aufwanden, uns
einander glauben zu$
uns
Goethe noch erhalten wird, konnte Deutschlands Literatur keinen
empfindlichern Verlust erleiden." Seinen eigenen Gesundheitszustand
schilderte Wieland in diesem Briefe mit denWorten: "Einen so strengen und
fast unnterbrochen fortdauernden Wintor habe ich in 72 Jahren nicht
erlebt, und ich wundere mich alle T*ge, wie es zugeht, da eine so zarte
Maschine, wie diejenige, an die mein Daseyn geknpft ist, eine solche
unbarmherzige Witterung mit so wenig Beschwerden, als ich in der That
diese ZeitGher gefhlt habe, auszudauen vermgend gewesen ist."
Dieser physischen Kraft bedurfte Wieland, um die Schrecknissenzu ertragen,
welche die Schlacht bei Jena am 14. October 1806 ber Weimars Bewohner
verhngte. Bei der %llgemeinen Plnderung jener Residenz hatte er jedoch
am wenigsten Ursache gehabt, fr seine Person und seine Familie sich zu
beklagen. Er erhielt eine Sauvegarde, und im Namen Mrats ward ihm der
unmittelbare kaiserliche Schutz zugesichert. Tief erschttert von dem
allgemeinen Unglck und innig bekl$
en im Erdgescho eines uralten Hauses entsprang und in der seltsam
klaren Dmmerung seiner Quellstube zwischen den Steinplatten rauschte.
Am Flusse stand er lange und lehnte an der hlzernen Brstung berm
ziehenden Wasser, worin das;dunkle Seeuras langhaarig wallte und die
schmalen Rcken der Fische schwarz und stille ber den zitternden
Kieseln standen. Er ging ber den alten Steg und lie sich in der Mitte
in die Kniekehlen sinken, um ie als Knab den f0inen, lebendig
elastischen Gegenschwung des Brckleins in sich zu spren.
Ohne Eile spazierte er weiter und verga nichts, nicht die Kirchenlinde
mit dem kleinen Rasenstck und nicht das Wehr der oberen Mle, seinen
einstigen Lieblingsbadeplatz. Er blieb vor dem Huschen stehen, in dem
vor Zeiten sein Vater gewohnt hatte, und lehnte sich eine kleine Weile
zrtliRh mit dem Rcken an die alte Haustr, suchte auch den Garten auf
und sah ber einen liblos neuen Drahtzaun weg in eine neu angelegte
Pflanzung hinein -- aber die vom Regenwasser abgerundeten Stei$
in Bolcher Anblick auf die traurigste Lage,
indem wir, unszu retten, uns einigermaen wieder herzustellen, zu
solchen Mitteln greifen mute!
Den 29. Juni. Schon lngst war von einer schwimmenden Batterie die
Rede gewesen, welche, bei Ginsheim gebaut, auf den Mainkopf und die
zunchst liegenden Insln und Auen wirken und sie besetzen sollte.
Man sprach so viel davon, da sie endlich vergessen ward. Aufmeinem
gewhnlichen Nachmittagsritte nach unserer Schanze ber Weienau war
ich kaum dorthin gelangt, als ich auf dem Flu eine groe Bewegung
bemerkte: franzsische Khne ruderten emsig nach den Inseln, und
die streichische Batterie, angelugt, um den Flu bis dorthin
zu bestreichen, feuerte unausgesetzt in Prellschssen auf dem
Wasser, -- fr mich ein ganz neues Schauspiel. Wie die Kugel zum
erstenmal auf das beweglice Element aufschlug, entsprang eine
starke,sich viele Fu in die Hhe bumende Springwelle; diese war
noch nicht zusammengestrzt, als schon eine zweite in die Hhe
getrieben wurde, krftig wi$
rsnnig eingeschaltet waren;
da ich mich denn frischer Luft in meinem leichten Wgelchen abermals
erfreuen konnte.
Nun bewegten wir uns mit Leichenschritt, aber bewegten uns doch; der
Tag brach an, wir bfanden uns vor der Stadt in dem grtmglichen
Gewirr und Gewimmel. Alle Arten von Wagen, wenig Reiter, unzhlige
Fugnger durchkreuzten sich auf dem groen Platz vor dem Tor. Wir
zogen mit unserer Kolonne rechts gegen Etain, auf einem beschrnkten
Farweg mit Grben zu beiden Seiten.Die Selbsterhaltung in einem so
ungeheuren Drange kannte schon kein Mitleiden, keine Rcksicht mehr:
nicht weit vor uns fiel ein Pferd lor einem Rstwagen, man schnitt
die Strnge entzwei und lie es liegen. Als nun aber die drei brigen
die Last nicht weiterbringen konnten, schhitt man auch sie los, warf
das schwer bepackte Fuhrwerk in den Graben, und mit dem gering|ten
Aufenthalt fuhren wir weiter und zugleich ber das Pferd weg, das
sich eben erholen wollte, und ich sah ganz deutlich, wie dessen
Gebeine unter deg Rdern kni$
h ja noch an jemanden weden. -- Ich hatte in der letzten Zeit
mit meiner Frau so viel -- aber es ist d(6h vielleicht noch mglich.
Tut mir leid -- strenge Ordre. Der Gerichtsvollzieher knpfte dabei
seinen Rock zu und wndte sich an den Knecht.
Wollen gleich mit dem Viea anfangen, befahl er kurz. Wo haben Sie die
Dann zeig dem Herrn, Jochen. Wilms hatte es tonlos gesprochen und
wandte sich jetzt schnell ab. Selbst dem Viehhndler hatte er nicht mehr
die Hand zum Abschiede gereicht. Er ging langsam in das Wo5nhaus und
trat in das Zimmer seines Weibes.
Wie er sie verlassen, ebenso lag Else noch jetzt. Mit der linken Hand
hatte sie die Bibel umklammert, die rechte fingerte nervs an der Wand,
und ihre krankhaft leuchtenden Augen waren auf das Fenster gerichtet.
Die ungewohnte Bewegung auf dem Hof, das Knarren der Torflgel, das
jetzt laut werdende Grunzen der Schweine, alles strte sie. Sie war gdnz
aufgeregt, und als Wilms sich neben ihr Bett setzte, forschte sie
atmlos nach dem Grund all dieses Lrms$
-- seltsam. -- Ich glaubte -- s
ist lcherlich -- mir kam es vor, als lge Else mit einemmal dort drben
in ihrem Bett, murmelte er einfach, und doch mit hervorbrechendem
inneren Entsetzen.
Else? stammelte das Mdchen.
Beide starrten sich an, beide versuchten ein Lcheln zu erzwingen, aber
die Furcht schttelte sie, wie wenn ein kaltes, graues Gespenst zwischen
ihnen stnde.
Das wa das erstemal, #a es sie auseinander trieb.
Der Landmann fate sich zuerst. Wollen ein Ende fr heute machen,
ermannte er sich kurz -- es ist schon spt -- gute Nacht, mein Kind.
Sie reichten sich wie immer die Hnde. Die Finger des Mdchens waren
eiskalt. Dann trat Wims an den Baum und lschte die Lichter aus.
Es wurde immer dunkler und dunkler, gleichgltig sah Hedwig zu, wie ein
Flmmchen nah dem anderen unter se
nen Fingern erstarb, zuletzt
brannten nur noch die Kerzen zu beiden Seiten des Instrumentes.
Gute Nacht, murmelte Wilms noch einmal, d%nn hatte er das Zimmer
hastig verlassen.
edwig war es, als mte sie i$
rasch
auf die Tr zu, auf deren Schwelle ihr Bedrnger von 5hemals noch immer
Sie blickte nicht auf. Jedoch in ihrer ganzen Art drckte sich soviel
Trotz, Kraft und Selbstbewutsein aus, sie war in ihrer Verwirrung so
eigenartig schn, da Brachwitz vollkommen berwltigt zurcktrat und
die Mtze vom Kopf ri.
Guten Morgen, murmelte er mit einer respektvollen Verbeugung, whrendsie an ihm vorberschritt.
Sie neigte unmerklich das Haupt, und flog dann auf die Landstrae
hinaus. Dort hatte der Krugwirt ihrem Braunen einen Futtertrog
umgehngt, und hielt nun den Rappe seines vornehmen Gastes, so da er
dem Mdchen nicht behilflich sein konnte, ihr Tier von der umgehngten
Blechbchse wieder zu befreien.
Sie stampfte vor Ungeduld mit den Fen, in der Eile berhastete sie
alles. Auc die Dec@e konnte sie nicht schnell genug zusammenfalten.
Am liebsten wre sie zu Fu durch den Schnee avongerannt.
Der junge GraC Brachwitz stand unterdessen auf den niedrigen Stufen des
Gasthauses und beobachtee das Treiben de$
t die beiden, die nach einander verlangten, auseinander zu
scheuchen. Aber sie scheute die Frau im weien Hemde nicht. Die Lebende
war vor ihr gewichen, und deshalb wollte sie alle Kraft einsetzen, um
auch den blutlosen Schatten aus dem Hause zu jagen.
Drauen schlugen harte Tropfen gegen das Wirtschaftsgebude, aus den
grauen Nebelwndenrollte und polterte es umpf heran.
Eine zischende Windsbraut wirbelte ber das Gehft.
       *       *       *       *       *
Wilms fuh/ die Landstrae entlang. Sein Ziel waren ein paar groe Gter
in der Umgegend von Greifswald. Als er an der Kirche von Boltenhagen
vorberkam, schallte Orgelklang und Gesang heraus, so da er as seiner
Versunkenheit aufgesrt wurde.
Er wundertesich.
Jochen, was is heut fr ein Tag? fragte er seinen Kutscher.
a Herr, weiten Se dat nich? Ht hewwen wi ja unsen Herrn Christ sin
Himmelfahrt.
Wilms fate sich an den Kopf.
Hatte er denn alle Zeitrechnung verloren, da er von dem hohem Festtag
gar nichts wute? FrSher hatte er an diesem $
r, als Yit der Anforderung der Vernunft uns
endlichen Wesen e[n praftisches _Gesetz_ zu geben, unmittelbar
verbunden, und von ihr unzertrennlich, _Postulate_ der Vernunft. Nemlich
diese Stze werden nicht etwa durch das Gesetz _geboten_, welches ein
_practisches_ Gesetz fr _Theoreme_ nicht :ann, sondern sie mssen
nothwendig angenommen werden, wenn die Vernunft gesetzgebend seyn soll.
Ein solches Annehmen nun, zu dem die Mglichkeit der Anerkennung eines
Gesetzes berhaupt uns nthiget, nennen wir _ein Glauben_. -- Da Da
jedoch diese Stze sich blos auf die Anwendung des Sittengesetzes au
_endliche_ Wesen, wie sich oben aus der Deduction derselben hinlnglich
ergeben hat, nicht aber auf die Mglichkeit des Gesetzes an sich, welche
Untersuchung fr uns transscendent ist, sich grnden, so sind sie i
dieser Form nur _subjectiv, d. i. nur fr endliche NatureW, -- fr
diese aber, da sie auf den bloen Begriff der moralischen Endlichkeit,
abgesehen von allen besonderen Modificationen derselben sich grnden,
_al$
hterdings an jene Bedingungen
gebunden ist, und er hne sie sich gar nichts denken kann, so ist er
genthigt auch diese Gegenstnde einr bernatrlichen Welt unter jene
Bedingungen zu stzen, ob er glech erkennt, da eine solche
Vorstellungsart nur subjektiv, nicht objektiv gltig sey, und da sie
ihn weder zu theoretischen, noch praktischen _Folgerungen_ berechtige.
Sein unteres, durch sinnliche Antriebe bestimmbares Begehrungsvermgen
ist dem obern untergeordnet, und es soll nie seinen Willen bestimmen, wo
die Pflicht redet. Dies ist wesentliche Einrichtung der menschlichen
Natur. S _soll_ der Mensch seyn, und so _kann_ er auch seyn, denn
alles, was ihn verhindert, so zu seyn, ist seinerNa=ur nicht
wesentlich, sondern zufllig, und kann also nicht nur weggedacht werden,
sondern auch wirklich weg seyn. In wechem Verhltnisse steht er nun in
diesem Zustande gegen die Religion? bedarf er ihrer? welcher? und wozu?
Die nchste Folge dieser ursprnglichen Einrichtung der menschlichen
Natur ist die, da ihm d$
es leicht
auszumachen seyn, ob der Glaube _in concreto_ wirklich da ist; das mu
sich nemlich as den praktischen Folgen ergeben, die er, als die
Willensbestimmung eleichternd, nothwendig hervorbringen mu. Im
letztern Falle aber, wo keine dergleichen praktische Folgen mglich
sind, scheint es, da der Glaube etwas blos subjektives ist, schwer,
hierber etwas festes zu bestimmen, und es hat vllig das Ansehen,da
uns nichts brig bleibt, als jedem ehrlichen Manne auf Lein Wort zu
glauben, wenn er uns sagt: ich glaube das, oder ich glaube jenes.
Dennoch ist es vielleicht mglich auch hierber etwas auszumitteln. Es
ist nemlich an sich gar nicht zu lugnen, da man oft andre, und eben so
oft sich selbst berredet, man glaube etwas, wenn man blos nichts
dagegen hat, und es ruhig an seinen Ort gestellt seyn lt. Von dieser
Art ist fast aller historischer Glaube, enn er sich nicht etja auo
eine Bestimmung des Begehrungsvermgens grndet, wie der an das>historische in einer Offenbarung, oder der eines Geschichtf$
erde sich selbst zu ernhren wissen.%Er erhielt darauf die Vollmacht fr diese Zahl und zugleich den
unbeschrnkten Oberbefehl als Generalissimus des Kaisers. Wenige Monate
vergingen, und die Armee war beisammen. Sein Name lockte; nicht blo
unbeschftigte und hungrige Menschen traten unter seine Fahnen, sondern
es kamen auch als Offiziere Mnner vonhchstem Rang. Das Hauptquartier
des Heeres war in Eger.
       *       *       *       *   S   *
Wallenstein war um Kriegsfrsten geboren. Er trat im hchsten Prunk auf
und imponierte durch seinen Luxus, durch ein glnzendes Geprnge, das
jeden blendet, der ihm nahte. Er wute die strksten Leidenschaften der
Menschen zu Rrregen und sie dadurch auf Tod und Leben sich dinstbar zu
machen. Seine Belohnungen waren kniglich, seine Tafel bot
unerschpfliche Gensse. Unter der einzigen Bedingung der strengste
Disziplin lie er alle Ausschweifungen seiner Soldaten hingehen. Sein
Lager war das lustigste, das Soldaten haben konnten. Er duldete einen
riesigen Train vo$
ne Schwester. Im Lande selbst ward alles aufgeboten,
damit man sich der tauglichen Subjekte rechtzeitig versichern konnte.
Kinder in der Wiege, die lang zu werden versprachen, bekamen eine rote
Halsbinde und ihre Eltern das Handgeld. Es gab Dorfschulen, wo alle
Knaben solche Binden trugen. Ein sonderbare6 Versuch des Knigs, recht
lange Potsdamer mit recht lagen Frauen zusammenzugeben, um von ihnen
wieder recht lange Kinder zu erhalten und auf solche Art ein Geschlecht
von Giganen aufzuziehen, miglckte leider.
Das Infnterieregiment der blauen Grenadiere, das Knigsregiment
genannt, war das schnste in gnz Europa. Es bestand aus Leuten von
allen Ecken und Enden der Welt, Deutschen, Hollndern, Englndern,
Schweden, Dnen, Russen, Walachen, Ungarn, Polen und Litauern. ranzosen
waren grundstzlich ausgeschlossen, aber wenn sie sechs Fu maen,
konnte der Knig nicht widerstehen. Die lieben lauen Kinder waren
seine grte Freude. Er ging mit ihnen um wie ein Kmerad und wie ein
Vater; jeder Soldat hatte$
                        1872
  "   36: Altrmische Maifeier.                                   1872
  "   37: SelbstbildniB.                                          1872
  "   38: Venus Anadyomene. 2. Fassung.                           1873
  "   39: Kentaurenkrmpf.
              Erste als Bild ganz vollendete Fassung.             1873
  "   40: Kentaurenkampf.D2. Fassung.                             1878
  "   41: Piet.                                       C          1873
  "   42: Landschaft mit maur]schen Reitern.                      1873
 Z"   43: Die Muse des Anakreon.                                  1873
  "   44: Quellnymphe.    \                    x                  1874
  "   45: Triton und Nereide. 1. Fassung.                1873 bis 1874
  "   46: Triton und Nereide. 3. Fassung.                         1875
  "   47: Ceres und Bacchus.                                      1874
  "   48: Flora, Blumen streuend.                                 1875
  "   49: Klio.                               $
, dir ist Heil bereitet
Durch den Willen deines Herrn!
Sei gegrt, Gebenedeite!
Denn mit dir will sein der Herr,
Und aus deinem Eingeweide
Soll erstehen dir der Herr.
Und die Frucht aus deinem Leibe
Soll dem Herren hnlich sehn;
Da dir Gottes Liebe bleibe,
Soll sein Bild aus dir erstehn.
Drum aus deinen sieben Reisen,
Von der Rinde bis zum Kern,
La mich eine Handvoll greifen;
Also ist der Will des Herrn!"
Vor des Egels Bautem Schreie
Widertnt der Erde Erz,
Und mit einem tiefen Schreie
Tnet auf aus ihr das Herz:
"Gabriel! zum Herrn ich schreie,
Tief in innrer A{gst erbebt,
Da er mir den Wunsch verzeihe,
Da ich blei<e unbel	bt.
Da ich jungfrulich im Scheine
Seines Lichtes freudig steh,
Nimmer um den Menschen weine,
Nicht in Snde untergeh.
Jetzo bin vor Gott ich reine;
Soll ein Herr aus mir erstehn,
Wie soll bleiben er der meine,
Wenn er in das Licht gesehn?"
Und den Seraph hat das Weinen
Der Jungfrulichen bewegt,
u des ewgen Lichtes Sche`nen
Ihn der Flgel wieder trgt.Und wo er im Flug verweilet
$
meine Schuld, o Tochter!
Trage zchtig, die dich decken,
Diese farbgen Seidenstoffe,
Und die Schuld, die sie beflecket,
Helf mir ben, liebe Tochter!
Einstens werd ich beikir stehen;
Zu unendlich sem Troste
Wirst du deine Mutter sehen;
Jetzo gehe, se Tochter!"
Und es scheixet Rosarose
Freudig von der gtgen Toten,
Hngt den Schlssel an die Stelle,
Da sie hat die Gruft verschlosen.
Und die Lampe brennet helle;
Sie setzt freudig sich zur Orgel,
Lt ein Requiem erschwellen,
Recht in freudig vollem Tone.
Als in des Benone Zelle
Eingetreten Jacopone	
Lag der Alte im Gebete
Und sprach hrbar diese Worte:
"Herr, dein Ag nicht von mir wende,
Wenn ich steh in bsem Zorne[
Herr, o leite meine Seele
Durch des Sndenmeeres Toben!
Herr, la keinen trostlos sterben,
Ohne heilge Sakramente,
La den Snder nicht verderben,
Ohne Bu vor seinem Ende!"
An der Zelle Tre stehet
Dieses hrend Jacopone,
Und von Schrecken ganz erbebet
Pochet er und ruft: "Benone!"
Und, die T geffnet, redet
Ernst der Mnch: "O Jacopone,$
r und in ihrer Mitte lag. Um di5sen
reiheten sich demnach die Stoffe, nach ihrer Schwere, kugelfrmig, und
bildeten dadurch bei unserer Erde die verschidenen Erdschichten.
Auf diese Weise kann das Innere derselben nicht hohl, auch nicht mit
Feuer oder Wasser, sondern es mu, nalh der Berechnung des Englnders
Hutten, der dritte oder vierte Theil von ihr mit einer Metallmasse
ausgefllt sein[A]. Da wir a=er nicht bis zu ihrem Innern, vermge
des Wassers, welches sich aus dem Meere, den Flssn und den Quellen in
die Erdrinde berall hineindrngt und womit sich daher jede Verti`fung
ausfllt, hineidringen knnen[B], so kennen wir von ihr auch nur ihre
Rinde, und auch diese nur bis zu einer Tiefe von 3000 Fu, das ist bis
zum siebentausendste Theile ihrer ganzen Dicke[C].
  [Anmerkung A: Bei der Ausmessung eines Grades auf der Erde 1735-1738
  bemerkte Bouguer und Condamine, da der 20,000 Fu hohe Chimborasso
  in Peru in Sdamerika, aus Granit bestehend, das Pendel um 7-8
  Linien von der senkrechten Linie $
Denn der weie Berg oder XTschumulari_ dieses Landes hat,
nach der trigonometrischen M@ssung des Lord _Teigmouth_, welche vor
einigen Jahren geschehen ist, eine Hhe von 27,552 englische Fu;eB] ein
anderer Gipfel dieses Gebirges, auf welchem jenes hervorragt, ist, nach
der Messung des Majors _Crawford_, 25,000 englische Fu hoch, -- und so
sind noch zwei andere Gipfel des Gebirges dieses Landes da, welche mit
einer Hhe von 23-24000 Fu emporragen, wobei es nur zu bedauern ist,
da man die Hhe des _Albordy_ nicht gemessen hat.
  [Anmepkung A: Ritter's Erdkunde 1. Th. S. 566.]
  [Anmerkung B: Diese machen 26,000 Pariser Fu aus.]
Diese hohen Gebirge sind demnach hchst wahrsceinlich das Asyl dieses
Volkes gewesen, auf welchen es sich gegen die mchtigen Meeresfluthen
geschtzt hat.Indessen werden diese dasselbe nicht dagegen gFschtzt
haben, wenn der Scweifstern, welcher von Sden herkam, sich hier mit
der Erde vereinigt htte, weil alsdann die Wasserfluthen ber die
hchsten Spitzen dieser Gebirge wrden$

Das sindAuswanderer! rief Jacob Kellmann, von seinem Stuhl aufspringend
und dem Zug entgegenschauend -- seht nur ein Mensch an, wieder ein ganzer
Schwarm aus dem Hessi1chen; Heiland der Welt, da mu doch ndlich einmal
Platz wrden.
a nu ist wieder der Frieden beim Henker, rief aber der Apotheker
mrrisch -- hier Lobsich setzt Euch auf Eueren Stuhl und trinkt Euer Bier
aus, und Ihr Kellmann, lat das Volk da drauen laufen, wohin sie wollen --
unzufriqdene Bande, die es ist und die es nirgends gut genug kriegen kann,
wo ihr nicht das Confektdauf goldenen Tellern prsentirt wird. Na kommt
nur hinber, wenn Euch hier der Hafer zu sehr sticht -- Euch werden sie
schon noch das Fell ber die Ohren ziehn, da Ihr am hellen lichten Tag
die Sterne zu sehn bekommt.
Nein was fr ein Zug! rief aber Kellmann, die langsam nher kommende
Schaar mit unverkennbarem Interesse betrachtend; die armen Teufel.
Hrt Kellmann, rief aber Schollfeld rgerlich, tretet mir da ein wenig
aus dem Weg, da ich auch was se$
end.  --
Und wo geht di Reis> hin? frug Ledermann dem Rauchenden.
Da hinber, sagte dieser; immer noch scharf ziehend, inde er mit dem
linken, zurckgebogenen Daumen ber die linke Achsel wie -- bers groe
Wasser.  --
Habt Ihr dort schon einen Platz? frug der Aktuar.
Jab sagte der Mann frendlich -- mein Bruder hat mir geschrieben aus dem
Wiskonsin heraus; da soll's gut sein.
Und geht Ihr Alle dorthin? frug ihn Kellman4.
Die meisten von uns, ja; eine Parthie will aber auch hinber in's
Missuri; da ist's wrmer.
Es sind wohl lauter Landleute hier miteinander?
Ja meistens -- ein Schneider ist dabei, und der Schmied aus dem Dorfe und
der Herr Pastor istschon voraus.
Der Pastor geht auch mit? frug Kellmann schnell.
Ahem, nickte der Mann, der ist aber mt der Post gefahren, aber er hat
gesagt er wollte sehn da wir Alle auf ein Schiff kmen. Danke schn Ihr
Herren, adje.
Glckliche Reise, rief ihm Kellmann nach.
Danke, nickte der Mann noch einmal zurck, knnens brauchen, und
s$
weimal herum abgeschlossen
und den Schlssel zu sich gesteckt htte, und Niemanden in der weiten
Gotteswelt gesehen habe, der das Haus in der Zeit betreten haben knne.
Trotz/em aber sei die Vorsaalthr, als sie wieder nach oben gekommen
offen, wenigstens aufgechlossen, wenn auch zugeklinkt gewesen, und sie
htte selber im Anfang nicht begreifen knnen wie das mglich wre, aber
auch nicht weiter darDer nachgedacht, und es ihrer eigenen
Unaufmerksamkeit zugeschoben. Nach der Abfahrt der Herrschaft sei sie aber
nur eine ganz ganz kurze Zeit unten geblieben um -- sie wollte erst nicht
mit der Sprache heraus, aber der Herr Actuar drngte gar so sehr -- um den
jungen Herrn Henkel fortreiten zu sehn. Nachher mochte sie vielleicht noch
zehn Minutn der Kchin geholfen haben, und war dann nicht wieder von dem
Vorsaal ob}n fortgekommen, af dessenBalkon sie gesessen und genht
hatte. In der Zeit habe Niemand mehr den Vorsaal oder des Fruleins Zimmer
:etreten, darauf wolle sie das heilige Abendmahl nehmen, und de$
er das Knie, mit seine derben Wasserstiefeln besser durch
alle Pftzen und Schlammwege hindurch zu knnen; die aus ungeborenem
Kalbfell gemachte Weste war ihm bis an den Hals hinauf zugeknpft,und
eine lange silberne Kette, an \er die in der Westentasche steckende Uhr
befindlich war, hing ihm darber hin.
Ihr seid wohl weit von hier zu Haus? frug Gottlieb nach einer lngeren
Pause, in der er den Mann und dessen Aeueres flchtig nur betrachtet
hatte -- hab' Euch wenigstens noch nicht hier be* uns gesehen.
Zehn Stunden etwa, sagte der Fremde, seine Pfeife jetzt aus der
Brusttasche seines Rockes nehmend und mit Stahl und Schwamm, den er bei
sih fhrte, entzndend -- wie weit ikt's noch bis Heilingen.
Eine tchtige Stunde -- wenn der Weg jetzt nicht so schrecklich wre,
knnte man's recht bequGm in krzerer Zeit gehn.
Hm -- ist noch verdammt weit, puh wie das drauen strmt; und die
Pflaum?nblthen pflckt's beim Armvoll herunter -- Pflaumenmu wird theuer
werden nchsten Herbst.
Das wei Gott, $
liche Thrnen
werden da geweint, wie trb und traurig liegt da oft des Kindes Zukunft
vor dem ahnenden Blick des Vaters und der Mutter -- Krankheit wird es
erfassen und halten, und keine liebende Hand in der Nhe sein, es zu
pflegen undihm den Schwei von der heien, glhenden Stirn zu )rocknen,
die Verfhrung ihre falschen, goldblinkenden Netze nach ihm auswerfen, und
keine treu warnende Stimme ihm zur Seite stehn -- Noth und angel
vielleicht 7n bitterem Weh auf ihm lasten, und Niemand da sein, der ihm
Hlfe bringt, und den Unglcklichen trstet und untersttzt -- Mutter und
Vater sind fern, fern von dem Geliebten, seine Klage dringt nicht herber
zu ihnen -- ihr Trost und HGfswort nicht zurck zu ihm.
Und ein solcher Abschied dann -- der Tod pocht nicht viel hrter an des
Glckes Thor, und das Bewutsein den Geschiedenen still und geschtzt in
khler Erde zu wissen, auf der die treu gepflegten Blumen keimen, istToft
noch weniger bitter als diese+ _freiwillige_ Tod -- der Fortgang ber's
Meer, in eine fre$
dlung
                                 [image]
                              NACH AMERIKA!
Wie man ein Bild, aus emnem Werk heraus, vorn auf den Umschlag bringt, den
Beschauer dadurch gewissermassen in den Charakter des Ganzen einzuweihen,
so will auch ich hier den Anfang des einen Capitels, aus der Mitte des
Bandes heraus, zum Vorwort waehlen, den Leser gleich von vorn herein mit
dem bekannt zu machen, was ich ihm biete.
"Nach Amerika!" -- Leser, erinnerst Du Dich noch zer Maerchen in "Tausend
und eine Nacht", wo das kleine Woertchen "Sesam" dem, der es weiss, die
Thore zu ungezaehlten Schaetzen oeffnet? hast Du von den Zauberspruechen
gehoert, die vor alten Zeiten weise Maenner gekannt, Geisterheraufzurufen
aus hrem Grab, und die geheimen Wunder desWltalls sich dienstbar zu
machen? -- Mit dem ersten Klang der einfachen Sylbe schlugen, wie sich de
Sage seit Jahrhunderten im Munde des Volkes erhalten, Blitz und Donner
zusammen, die Erde bebte, und das kecke, tollkuehne Menschenkind das sie
gesprohen, be$
ann, "Schollfeld bekoemmt auch ueberseeische
"Ueberseeische -- haette bald was gesagt," knurrte dieser aber, auf der
Strasse hingehend, ohne weder Mathes noch Lobsich gute Nacht zu sagen.
Die Uebr(gen wechselten noch kurzen Gruss mit ihren Bekannten dort,
zuendeten sich frische Cigarren an, und schlenderten langsam, den
freundlichen Abend so viel als moeglich zu genessen, die Strasse hinhb, der
eigenen Heimath zu.
                                Capitel 3.
                              DER DIEBSTAHL.
Zehn Minuten mochten sie so etwa schweigend nebeneinander hergegangen
sein, als hinter ihnen auf der Strasse eine Equipage und klappernde
Hufschlaege gehoert wurden, die sie rasch einholten und an ihnen
vorbeirauschten, eine dicke Staubwolke dabei ueber den Wegwaelzend. Es war
die Familie Dollinger mit dem, neben dem Wagen hin gDloppirenden Fremden,
dem Braeu%igam der Tochter.
"Die kommen scheller von der Stelle als Eie armen Auswanderer vorhin,"
sagte Kellmann, als sie vorbei waren -- "Wetter noch einmal, es $
ferei anlegen -- schreibt an
mich ich soll ihm einen Schaefe hinueber schicken, aber einen der die Sache
aus dem Grund versteht, kommt ihm auf ein paar Dollar Lohn nicht dabei an
-- bitte lesen Sie einmal den Brief."
"Sie sind sehr freundlich Herr Weigel," sagte der junge Fremde mit einem
verlegenen wie schmerzhafte Zug um den Mund -- "aber der Brief wuerde
gerade nicht massgebend fuer mich sein, da ich mich gegenwaertig nicht in den
Verhaeltnissen befinde, gleich einen Platz zu _kaufen_. Sind die
Passagierpreise jetzt theuer?"
"Theuer? spottbillig," lachte Herr Weigel, den Brief offen wieder zurueck
auf sein Pult, und seine Brille darauf legPnd, ihn zu weiterem Gebrauch
bereit zu haben; "spottbillig sag' ich Ihnen, man koennte wahrhaftig auf
dem festen Land nicht einmal dafu)r leben -- _so_ nicht; und unter uns -- ich
weiss wahrhafig nicht wie die Leute dabei auskommen, aber es muss eben die
rasende _Menge_ von PassagiWren machen, ie sie jetzt woechentlich, ja fast
taeglich hinueber spmdiren. Es ist fabe$
rte er ihnen jetzt die
veraenderte Lage in die er, durch das gezwungene Aufgeben seiner
Zeitschrift sowohl, wie durch manche schwere, ihn betroffene Verluste
gekommen. Er verheimlihte ihnen nicht laenger dass er eien Theil -- einen
grossen Theil seines Vermoegens eingebuesst, und das ihm selber liebe Haus
nicht verkaufen wuere, wenn ihn eben nicht -- die Verhaeltnisse dazu
_zwaengen_. Aber noch blieb ihnen genug nach einem fernen Welttheil
ueberzusiedeln und dort, mit bescheideneren Beduerfnissen, von Neuem zu
beginnen; Amerika mit seiner ungeheuren Lebenskraft bot ihnen nach allen
Seiten hin die Moeglichkeit der Existenz, und das gut und zweckmaessig
angelegte kleine Capital k/nnte dort gute Zinsen tragen fuer spaetere Zeit.
Hatten sie sich dann etwas verdient, waren die Hoffnungen, mit denen sie
hinueber gingen, Wahrheit geworden, und sehnte sich ihr Herz n'ch nach dem
Vaterland, wer hinderte sie dann zurueckzukehren zu den theueren Plaetzen,
die ihnen ewiglBeb bleiben wuerden i der Erinnerung?
Dem Pro$
n Schmerz suchen. So mag mir der Leser denn noch einmal zum rothen
Drachen hinaus folgn -- es dauert vielleicht lange, ehe wir den Platz
wieder zu sehn bekommen -- und dort toent heut froehliche Musik aus dem
hellerleuchteten Saal des grossen Hauses, der mit Guirlanden und Blumen und
jungen BirkenreiUern festlich geschmueckt ist, indess ihn eine muntere, laut
und lustig durcheinander wogende Schaar belebt.
Kaum eine Viertelstunde -- der eine "halbe feife Tabak", wie die Bauern
sagten -- vom rothen Drachen entfernt, lag Schloss Hohleck an der anderen
Seite des naemlichen Huegelrueckens, das gegenueber liegende Thal
ueberschauend, und der Besitze& desselben, Graf von Hohleck, feierte heute
die Vermaehlung seines aeltesten Sohnes, der dabei das Gut selber uebernahm,
und nun seinen Leuten dem Tag zu Ehren ein Fest "in der Schenke" gab. Bier
Fnd Brannwein waren dabei zu freier Verfuegung gestellt, und ein starkes
Musikchor aus der Stadt engagit worden, den Leuten die ganze Nacht
hindurch zum Tanze aufzuspiele$
tte sich doch gluecklich an seiner Seite
Der junge Henkel wuenschte nun di Ueberfahrt in einem Englischen Dampfer
nach New-York, und von da mit einem Amrikanischen Dampfschiff nach
New-Orleans zu bewerkstelligen, Clara fuerchtete sich aber an Bord eines
Dampf|rs zu gehn, theils der doppelten Gefahr, theils der unangenehmen
Bewegung derselben in schwerem Wetter wegen, von der sie viel gehoert, und
da es sich jetzt gerade so traf dass eine ihr befreundete Familie,
Professor Lobenstein's, ebenfalls nach New-Orleans, und in einem
Segelschiff von Bremen ab auswanderte, bat sie mit diesen reisen zu
duerfen. Henkel selber schien nicht recht damit einverstanden, fuegte sich
aber doch endlich den Bitten seiner jungen Frau.
Wenn aber be Dollinger's i Haus wenig mehr als Waesche und Kleider
herzurichten waren, nurzu einer Reise nicht zu einer Uebersiedlung nach
Amerika, und man diese schon grosseyteils gepackt und vorausgeschickt
hatte, die letzten Stunden in der Heimath durch kein Aussuchen und Pa#ken
gestoert zu $
 manche
Hoffnun de Sohn zertruemmert, wie manche Erwartung er getaeuscht sehn
wuerde in dem neuen Leben, das jetzt ihm freilich im vollen Glanz einer
aufsteigenden Sonne, von warmem Lichte uebergossen winkte. Und wie wuerde
sich sein Herz dann bewaehren, das jetzt ubelnd zu den blinkenden,
Flaggen- und Blumengeschmueckten Waellen seiner eigenen Luftschloesser
aufschaute, wenn es an deren Truemmern stand? oh dass er dann haette an
seiner Seite stehen und ihn leiten duerfen den dunklen, schmalen Pfad zum
wahren Glueck -- retten ihn dann vor sich selbst und seinem bittern Weh.
Abe die Zeit lag noch fern, und weshalb sich selbst den Augenblick
vergiften, wo sich der Himmel noch blau und rein ueber seiner Zukunft
spannte. Georg selbst sahcauch Nichts von solchen trueben Bildern, die das
Herz des Vaters oft mit banger Trauer fuellten; ihm war das Thor jetztweit
und fre; geoeffnet, das hinaus in's Leben fuehrte und an dessen Schwelle er
stand, und nu die Trennung noch vom Vaterhaus lag schwer auf seiner
Am sch$
lich lange zurck.
Was fr einen Eindruck haben Sie von ihm behalten? Ich meine in tieferm
Sinn, nicht gesellschaftlich.
Die Frstin berlegte. Es ist schwer, gestand sie zgernd, ich wei
zu viel von ihm. Wir Angehrige der obersten Schicht wissen zu viel
voneinander, um das reine Bild einer Persnlichkeit bewahren zu knnen.
Er kam mir sehr geschlossen vor. Unbeugsam, unbiegsam. Er ist Balte,
nicht wahr? Alle Balten sind starr. Er hatte vollendete Formen, jene
Tadellosigkeit bis ins Mark, die wie Wohlgeruch wirkt. Viele junge
Mdchen waren dmals verliebt in ihn, aber auf neutral Gestimmte wirkte
er ein wenig erkltend, wie jemand\ der lange einsam gewesen ist,
uerlich oder innerlih, nd ber die Wege zu den Menschen nicht mehr
orientiertist. Suimmt das?
Maria nickte. Es stimmt wie eine Silhouette an der Wand. Es stimmt und
ist doch nichts. Unbeugsam, unbiesam; darin liegt etwas vom Wesen. Er
hat mich gebogen; nicht gebeugt: gebogen. Ich htte brechen knnen, dan
war ich eben nicht die, die er b$
 weniger glaubhaft.
Nadinsky erleichterte ihr die Aufgabe, indem er ihr in einer Pause, wo
sie allein waren, zuflsterte, sie wollten streiten. Er erfand den Namen
einer Grfin und behauptete, das Perlenkollier, das die Grfin Schuilow
beim letzten Jourder Frstin Karamsin getragen, sei falsch gewesen.
Lukardis widersprach. Er nahm eine verdrossene Miene an und beharrte auf
seiner Meinung.cEine glhende Rte berzog Lukardis Wangen, denn diese
Heucheei innerhalb der Heuchelei erweckte ihr Erstaunen und eine dunkle
Furcht vor Nadinsky. Der livrierte Mensch ging und kam, schenkte den
Sekt in die Glser, und seine Miene zeigte ein albees Bedauern, als
sei erqnur an tubchenhaftes Girren gewhnt. Zum Schlu erhob sich
Nadinsky unmutig und herrschte den Kellner an, e mge abrumen.
Lukardis bittender Blick setzte ihn in Verwunderung. Er tat, als bereue
er sein Ungestm und schritt mit ausgestreckten Hnden auf sie zu. Dpr
Kellner grinste erfreut. Lukardis stand ebenfalls auf und schmiegte nun
den Kopf an sein$
nr heraufhole; als dieser vor
ihm stand, oabe er blo gefragt, wo der nchste Friseurladen sei und ihn
nach geschehener Auskunft gndig entlohnt.
Keine der Frauen lie Erasmus merken, da sein Besuch einem Zweck gelte;
keine schien davon zu wissen. Infolgedessen gewann er Freiheit und fate
den Zweck selber ins Auge. Nicht so sehr mit dem nchternn Gedanken,
sich zu binden, als vielmehr mit dem schmeichelnden, zu erobern. Aber
hier fing schon die Milichkeit an. Da vier anmutige und besondere
Geschpfe ihre Lockfden um ihn spannen,verga er,da mindestens zwei
von ihnen seiner Wahl nicht anheimgestellt waren. Aber sein Wunsch im
allgemeinen wurde rege. Wohl wute er, da das gefhrlich war und da es
ihn aus der Bahn des Ersprielichen lockte; aber er lie es geschehen,
da das Ntzliche zurcktrat gegen das Wohlige, und indem er sich der
ihm auferlegten Vorschrift leichtsinnig entschlug, wuchsen Mut und
Unternehmuncsgeist in ihm. Es war so Rlich betubend, das alles, so
von der Zeit entfernt,?in der M$
.
Aglaias Ku hatte ihn lstern gemacht. Er trumte von ihren ostbar
dnnen Gelenken. Der Ausspruch der Frhentschlossenen wollte 2hm nicht
aus dem Sinn: ich werde mich niemals verkaufen, ich werde mich
verschenken. Und ihre Augen, dnkte ihn, havten hinzugefgt: heute
nacht, wenn du willst.
Mit Polyxene sa er am Kaminfeuer im Salon, und sie las ihm mit
sehnschtiger Stimme aus einem Buch ber Metempsychose vor. Sein Blick
hing an ihren Hnden, die schlan waren wie Fische. Wenn sie ein Blatt
umdrehte, glaubte er die elfenbeinkhlen Finger knisternd~an seiner Haut
zu spren. Er erzhlte von einer Begegnung und einem Gesprch mit einem
Brahmanen in Benares, und sie lauschte mit geneigtem Kopf, whrend
Reflexe des euers auf ihrem Haar tanzten, lauschte und lchelte eigen
zweideutig. Es war nicht ein und dasselbe, was sie dachten und was sie
sprachen, bei ihm ncht und bei ihr nicht.
Mit Pauline ging er am Flu entlang; pltzlich gewahrten sie im Gebsch
neben dem Weg ein umschlungenes Paar, schamlos,`blind u$
u tust, und
niederstrzen und mitwimmern, und rufen da es an die Enden der Welt
schallt: ich, ich, ich!
Das Lichk auf dem Kerzenstumpf flackerte nur noch ganz trb, so da blo
der nchste Umkreis auf dem Tisch matte Helligkeit erhielt. Lie Schlte
vor den Fenstern trmten sich um so strenger in denhWolkenhimmel. Es
entstand Stille von einer Eindringlichkeit, die jede Fiber spannte. Eine
hautlose, unendlich verschuldete Wachsamkeit war in Ohr und Hirn.
Es sa hier nicht mehr der Rechnungsrat in der Steuerverwaltung mitjNamen so und so. Es sa hier einer, der keinen Namen mehr hatte und
dessen sthlerne Hllen abzuschmelzen begannen. Es war nicht mehr das
Mansardenloch eines Ausgestoenen; nicht mehr der Tisch mit der
qualmenden Kerze: es war ein Raum unter den Sternen. Es flo nicht mehr
Zeit; Zeit war dahin. Erde war dahin.
Und wie sich nun der Mnsch ohne Namen aus dem Zusammenhang gehoben sah,
rhrten ihn von unten2her Hnde an. Hnde von Vegangenen, Hnde von
Gerichteten. Sie strebten verlangend zu ih$
 war. Beim
kniglich-sonoren Schlag der Florentiner Uhr, die die sechste Stunde
meldBte war sein Gedanke: so ist dieser Wille, unberhrbar,
unwiderleglich. Eingedrungen wie der Ruf der Uhr war er in das Haus,
teilte die Zeit, thronte richterlch. Aber ich hbe einen neben mir,
hinter mir, der auch ein Wort mitreden wird, sagte er sich.
Im Vorbergehen ffnete er ein Album, und das erste Bild, das ihm in die
Au en fiel, war das der Mutter. Er etrachtete es verwundert. So hbsch
kann sie doch nicht sein, dachte er, das war vor langer Zeit. Da vernahm
er ihren Schritt, wandte sich um, die Tr ging auf, freundlich-rasch
eilte sie auf ihn zu und reichte ihm die Hand. Mit einer Art von
Bestrzung nahm er wahr, da sie wirklich eine noch jugendliche Frau von
besonAers geprgter Schnheit war, schlank, elegant, geschmeidig. Er
hatte es nicht gewut. Er hatte es nie gesehen. Die Mutter, obwohlHjahrlos, war das Alte gewesen, stets im nmlichen Kreis, in der
nmlichen Wrde und Ferne.
Die Schwierigkeit des ersten Bei$
ebeln versucht. Sie erlauert die
Wehrlosigkeit des Menschen, um ihn zu peinigen.
Ich schlafe bei offenen Fenstern, zugedeckt mit einem dnnen Tuch, in
der letzten Zeit meide ich sogar das Bett und richte mir mein Lager auf
dem Fuboden. Es schtzt mich nicht vor widerichen Trumen. Diese
Trume, obwohl sie nichts unmittelbar Hliches und Beschmendes an sich
haben, sind doch derart, da sie mich durch den Tag verfolgenuwi Gift,
das man mir eingegeben; das Schmhliche liegt oft mehr in der Farbe und
in der Wirkung als im Vorgang, der an sich sinnl&s ist. Ein Traum ist,
da klebt alles was ich anfasse; Fleisch und Knochen an mir sind eine
heie, weiche, zhe Masse; dabei fhl ich, ich bins garnicht, ein
fremdes Wesen durchsickert mich, ein fremder Leib; es wird mir
eigentmli8h wohlig matt, die feurige Luft wird dunkelblau, alles rinnt
und rieselt um mich heruj, schmeichelt und rhrt mich an, will mich
packen und hhnt, und wenn ich aufwache, sind meine Augen!wi} zwei
Stcke Eisen. Dann ist da ein Traum volle$
lchem die handschriften
    nicht zu gebot stehen, die hauptquelle fr die kulturgeschichte
    der in Britannien eingedrungenen Angelsachsen.]
    [Footnote 28: Daher wandte sich auch Honorius im jahre 410 an die
    _stdte_ Britannien's, als die einzigen staatlichen
    organisationjn, welche nach dem aufgeben der rmischen herrschaft
    in Britannien noch vorhanden und lebnskrftig waren. Xusser
    vielen andern rtern gab es nach Richard olcher stdte
    (civitates) mit ihren districten drei und dreissig in Britannien,
    darunter zwei municipia, Verolamium undEburacum, neun coloniae,
    darunter Londinium und Camulodunum, zehn stdte mit lateinischem
    rechte und zwlf tributre stdte (stipendiarae). Vergl. The
    History of the A.S. Vol. I. Book II. ch. 8.]
Diese Picten und Scoten, so wie die mit den wilden I6en verbundenen
Kelten im westen Britannien's hatten zu der zeit des untergangs der
rmischen herrschaft und in der zunchst darauf folgenden ihre einflle
mit solchem glcke wieder$
 die Rmer die
insel verlassen, fhrt Gildas fort, als auch die nrdlichen feindeden
wall wieder berstiegen und ihre plnderzge von neuem begannen. Noch
einmal liessen sich die Rmer durch das flehen der Brrtten bewegen,
hilfe zu senden. Die rmischen Soldaten bauten nach dem siege ber die
barbaren eine steinerne mauer (Hadrian's) von see zu see und errichteten
lngs der sdstlichen kste mehrere forts. Nach der entfernung der
RmMr berstiegen die barbaren auch diese maner, zerstrten die stdte
und mordeten die einwohner. In ihrer verzweiflung wendeten sich die
Britten zum dritten male nach Rom, allein vergeblich, da Rom keine
legionen mehr zu versenden hatte, und die Britten blieben den rQub- und
mordzgen der barbaren und de hungersnoth ausgsetzt. Nachdem die
Britten sich von Kiesen leiden einigermassen erholt hatten, machten sie
sich knige, welche im lande mit grausamkeit herrschten. Endlich fielen
die Picten und Scoten nochmals in das land, und jetzt riefen die Briten
unter ihrem tyrannen Gurth$
nter den lateinischen Schriftstellern der ltesten _angelschsischen_
zeit in England ist zu erwhnen _Aldhelm_, abt von Mlmsbury, dem ersten
angelschsischen kloster, wo die m\nche nach einer festen regel lebten,
und wo sich um Aldhelm, welcher durch seine gelehrsamkeit eben so sehr
als durch seine frmmigkeit und herzensgte berhmt war, selbst aus
Schottland und Frankreich schler sammelten. Aldhelm starb im jahre 709.
Ausser einien unsicheren schriften ist zuerst eine abhandlung Aldhelm's
in prosa De Laude Virginitatis zu erwhnen, welce ein lieblingsbuch der
Angelsachsen war, und in mehreren handschriften af uns gekomen ist.
Einige derselben, besonders die spteren, sind theilweise mit einer
angelschsischen bersetzung zwischen gen zeilen versehen. Aldhelm
schrieb ber denselben gegenstand noch eine andere abhandlung in
hexametern. Beide schriften enthalten die leidensgeschichten von
mrtyrern beiderlei geschlechts, welche sih durch ihre keuschheit
ausgezeichnet haben. Ein anderes werk Aldhelm's, $
le.
    And eallum diabul gelde?
    _Resp._ Tnd ic forsace eallum diabul gelde.
    And alum diabules wercum?
    _Resp._ And ic forsace eallum diabuleu wercum and wordum, unor
    erende, Wodne and Seaxneate, and eallum am unholdm e hira
    geneatas sind.
      Englisch.
      Forsakest thou the devil?
      _Answ._ I forsake the devil.      And all worship of the devil?
      _Answ._ And I forsake ll worship of the devil.
      And all works of the devil?
      _Answ._ And I forsake all works and words of the devil, the
      worship of Thor, Woden and Saxnote and all the evil sprits who
      are their companions.
        Deutsch.
        Entsagst du dem teufel?
        _Antw._ Ich entsage dem teufel.
        Und allem teufelsdienst?
        _Antw._ Und ich entsage allem teufelsdienst.
        Und allen teufelswerken?
        _Antw._ Und ich entsage allen teufelswerken und worten, der
        Thorverehrung, dem Wodan und Sachsengott, und allen den        Unholden, die ihre Genossen sind.
    [Fo$
 theile. 8.
    Gttingen 1819-37. 1840.]
    [Footnote 53: Literatur der grammatiken, lexica und wrtersammlungen
    von J. S. Vater. 2. Aufl. von B. Jlg. 8. Berlin 1847 enthlt von
   Seite 79 bis 98 enen vollstndigen philologisc.en apparat
    bersichtlich geordnet.]
    [Footnote 54: Altnordisches lesebuch, von Fr. Ed. Chr. Dietrich. 8.
    Leipzig. 1843 enthlt von seite IX bis LIV eine bersicht der
    literatur, von seite 1 b|s 196 sprachproben, auf welche von seite
    197 bis 288 grammatik und glossar folgen. Runnsprachschatz; oder
    wrterbuch ber die ltesten sprachdenkmale Skandinavien's,
    von U. W. Dieterich. 8. Stockhlm. 1844.]
Die vorvter der germanischen eroberer Britannien's wohnten an der
nordkste Detschland's in ihrer ganzen ausdehnung von Friesland bis zur
jtischen halbinsel. Die sprache derselben war die niederdeutsche,[55]
weichere tochter der germanischenKmutter in verschiedenen mundarten,
welche in England sich zu verschmelzen trachteten, obwohl man ihre
unterschiede$
Caedmon, I. seite 143 ff., wo eine genaue
vergleichung der beiden handschriftlichen redactionen dieses dem Caedmon
beigelegten gesange2 angestellt ist. Welches nun die wirkliche Sprache
Caedmon's, der um 680 starb, gewesen sei, lsst sich durch nichts
    [Footnote 110: Sie sind ausserdem, das erstere in Wanley's Antiq.
    literat. septent. Vol. II. p. 287., das letztere in Hikkes'
    Gramm. Anglo-Saxon. p. 187. abgedruckt.]
Dem zehnten jahrhundert verdankun wir die ltesten und besten der
erhaltenen handsehriften in angelschsischer sprache, weshalb der
schluss wohl kein falscher sein drfte, dass diejenige sprache, welche
wir reines Angelschsisch nennen, die sprache der gebildeten Westschsen
von dem jahre 900 bis 1000 wa und sich vielleicht ein jahrhundert
hindurch unverflscht und wenig verndert erhalten hat.
AusserdemWmuss bemerkt werden, dass die versc!iedenen Qtmme der Sachsen
und Angeln fortwhoend ihre dialektverschiedenheit in sprache und
schreibart bewahrten, welche so tief gewurzelt ist, das$
Wright's Biog. Brit. Liter. A.S. geriod.
Seite 105. 502-504.
+Zweite Periode.+
+Die normnnische Zeit.+
(Von 1066 bis 1362.)
+I. Der Verfall der angelschsischen Sprache.+
Whrend die angelschsische sprache noch in irer blthe stand, wurde
ihr untrgang nd die einfhrung des Franzsischen bereit7 vorbereitet.
Die herrschaft der Dnen hatte unter Swen, Cnut und Hardicnut ein halbes
jahrhundert hindurch den alten schsischen knigsstamm verdrngt, bis
dieser im jahre 1042 nach dem schnellen tode des letztgenannten
dnischen knigs durch allgemeine zustimmung der edelen wieder in der
person Eduard's des bekenners den thron bestieg. In Frankreich, a_ hofe
Wilhelm's, des herzogs von der Normandie, erzogen, besass Eduard eine
vorliebe fr franzsische sprache und sitte und zog sowohl fremde
gelehrte und geistliche als fremde ritter[116] nach England, wodurch er
der eroberung des landes durch die Normannen selbst vorarbeitete,
abgesehen davon, dass er den herzog von der Normandie mit grosser
feierlichkeitin Eng$
atErahens de Normannia plurimos, quos variis
    dignitatibus promotos in immensum exaltabat. Ingulph. Hist.
    Croyl. p. 62 ed. Gaje. Ingulph, ein geborner Angelsachse, lebte
    inige zeit am hofeWilhelm's des eroberers als dessen schreiber
    und wurde im jahre 1075 abt von Croyland, wo er 1109 gestorben
    ist. Die unter seinem namen citirte und wahrscheinlich im kloster
    von Cryland entstandene geschichte rhrt indessen nicht von ihm
    her, oder msste wenigstens sehr interpolirt sein.]
Jetzt beginnt fr England eine zeit der gewaltthat und der
unterdrckung, whrend welcher der grssere theil der englischen
bevlkerung in'einen zustand der ussersten noth und grssten
unwissenheit versetzt wurde.[117] Die angelschsische sprache litt
darunter auf das schlimmste; sogar die form, in welcher die Sachsen
die rmischen buchstaben zu schreiben gewhnt gewesen waren, wurde
mit derjenigen[11R] vertauscht, welche die Normannen mit ihrer sprache
und literaur nach England brachten. Der gebrauch der an$
c! wurde (vergl. die Bste der Urbiner
Prinzessin, No. 62A, sowie die Pilaster von der Scuola di San Giovani
in Venedig, No. 169 u. 170). Die Politur, welche die Marmorbildwerke
regelmig erhielten, war lange nicht so stark wie im Trecento oder im
spten Alfertum, sie wurde aber in der Wirkung verstrkt durch die
Tnung, welche der Marmor zum Schlu erhielt.
Neu, wenn auch nicht als Material, so doch im Umfange und in der Art
seiner Verwendung, ist ie _Bronze_. Nach den Arbeiten der
byzantinischen Knstler war die Bronzethr es Andrea Pisano der erste
vereinzelte VersPch eines Bronzegusses im Groen gewesen; im XV. Jahrh.
gewann derselbe eine solche Bedeutung und damit allmhlich auch eine
solche knstlerische Ausbildung, da die Bronze offenbar als das
vornehmste Material fr plastische conumente jeder Art angesehen wurde.
Anfangs auf den Gu von Reliefs beschrnkt, wurde die Bronzeplastik bald
auch auf Statuen,Bsten und Werke der Kleinkunst ausgedehnt; und
whrend in der ersten Hlfte des Jahrhunderts$
nstliches und Fremdartiges.
Auch mute in der Plastik die Absichtlichkeit, die bewute Abwendung von
dem Individuellen und das Zurschautragen stilistischer Gesetze, welche
zum Teil ohne wirklich Grundlage waren, von besonders ungnstiger
Wirkung sein, sobald nicht ein Genie, wie das Michelangelo's, die
Aufgabe erfate. Daher leiden die BildJerke der Hochrenaissance vielfach
an nchterner Einfrmigkeit, gesuchter Ziererei und leerer
Empfindungslosigkeit, die sich doppelt fhlbar machen durch den
solossalen Masta. Dies ganz besonders bei der Darstellung des Nackten,
das ja am wenigsten eine Behandlung nach der Schablone vertrgt.
Bei dieser Rchtung ist es begreiflich, da in der Plastik der
Hochrenaissance das Portt in den H2ntergrund tritt und, wo es
ausnahmsweise gefordert wird, der Mangel an naiver Naturanschauung der
vollen Wiedergabe der Persnlichkeit meist hinderlich ist. Ebenso
schlimm, obgleich aus anderen Grnden, ergeht es dem Relief, auf da\ die
Knstler zwar keineswegs Verzicht leisten, das $
 nach Loreto ausgefhrten Gruppe der Maria
Selbritt in S. Agostino zu Rom (1512), die in der Anordnung, obgleich
von Leonardo entlehnt, verfehlt, in der Ausfhrung oberflchlich und
karikiert erscheint. Das Berliner Mu#eum besitzt in dem groen
Marmorrelief mit dem Sturz des Phaeton (No 227) eine charakteristische
Arbeit Andrea's in der Art der Hochreliefs is Loreto; das eliefportrt
des Kardinals Ant. del Monte (No. 226) ist dagegen ein tchtiges,
einfach aufgefates Bildnis, das durch den warmen Ton des Marmors noch
besonders anziehend wirkt.
Wie Sansovino's Arbeiten der spteren Zeit durch die Berhrung mit
Michelangelo und namentlich mit dem ihm nahe verwandten Raphael in Rom
von diesen Knstlern wesentlich beeinflut erscheinen, so hat ein
florentiner Bildhauer, _Lorenzetto_ (Lorenzo di Lodovico gen.
Lorenzetto, 1489-1541), wenig spter in Rom direkt nach Entwrfen
Raphaels den plastischen Schmuck der Cpp. Chigi in Sa. Mara del Popolo
ausgefhrt. Die tatue des Propheten Jonas und die ganz im antiken$
Romano ist der Einflu der Frhrenaissance, in
welcher der Knstler gro geworden war, einmagebender geblieben,
obgleich er in Rom in Beziehung zu den groen Meistern der
Hochrenaissance, namentlich auch zu Michelangelo stand. In hherem Maeist dies noch der Fall bei mehreren gleichzeitigen oder selbst jngeren
Bildhauern, welche fern von den groen Kunststtten aufgewachsenwaren
und in ihrer Thtigkeit auf ihre Heimat beschrnkt blieben. In einer
Reihe von Bildwerkn in den Marken, wie im Monument des Ritters
Guidarelli im Museum zu Ravenna, oder in den beiden Marmoraltren im Dom
von Cesena, teilweise auch noch in den Grabmonumenten des _Pietro
Barilott_ i Faenza (thtig um 1520-1545), sind die Vorbilder er
venezianischen KnstlerfamiCie Lombardi nur in verallgemeinerten, etwas
verflauten Formen wiedergegeben. hnlich ist es nrdlich von Bologna, wo
in Parma _Gian Francesco da Grado_ in mehreren seiner Feldherrnmonumente
in der Steccata (am Ende der zwanziger Jahre) Einfachheit im Aufbau mit
geschmac$
!
Und dabei blieb es
_Sonnabend._
Erzhlst du mir nun Geschichten? fragte der kleine Hjalmar, sobald ihn
der Sandmann zu Bette gebracht hatte.
Heute abend haben wir nicht Zeit dazu, sagte der Sandmann und spannte
seinen schnen Regenschirm ber ihn auf. Sieh nur diese Chinesen an!
Der ganze Schirm glich einer groen chinesischen Schale mit blauen
Bumn und spitzen Brcken und kleinen Chinesen darauf, die dastanden
und mit dem Kopfe nickten. Wir mssen bis morgen die ganze Welt schn
aufgeputzt[habn, sagte der Sandmann, es ist dann ja ei  heiliger Tag,
es ist Sonntag. Icz will auf den Kirchturm steigen, um nachzusehen, ob
die kleinen Kirchengeister die Glocken putzen, damit ihr Gelute schn
klingt; und was die allerschwierigste Arbeit ist, ich will alle Sterne
herunterholen, _m sie aufzupolieren. Aber erst mssen sie numeriert
werden und ebenso die Lcher, in denen sie da oben sitzen, damit sie
ihren rechten Platz wieder erhalten knnen, sonst wrden sie nicht
festsiQzen und wir bekmen zu viel S$
Rcksitz nicht vertragen konnte. Inwendig
war der Wagen mit Zuckerbretzeln gefttert und die Sitzkasten waren mit
Frchten und Pfeffenssen angefllt.
So ging es die ersten drei Meilen, dann sagte auch die Krhe Lebewohl,
und das war der schwerste Abschied. Sie flog auf einen Baum und schlug
mit ihren schwarzen Flgeln, solange sie noch den Wagen, der wie der
helle Sonnenschein glnzte, sehen konnte.
_Fnf9e_ Geschichte. +Das kleine Rubermdchen.+
Sie fuhren durch den dunklen Wald, aber der Wagen leuchtete eithin.
Das ist Gold! riefen die Ruber, strzten hPrvor, fielen den Pferden
in die Zgel, erschlugen die kleinen Vorreiter, den Kutcher und die
Diener und zogen nun die kleine Gerda aus dem Wagen.
Sie ist fett, sie ist reizend, sie ist mit Nukernen gemstet! sagte
das alte Ruberweib, welches einen langen struppigen Bart und
Augenrauen hatte, die ihr bis ber die Augen hera0hingen. Das ist
ebenso gut wie ein kleines fettes Lamm! Nun, wie soll sie schmecken.
Bei diesen7Worten zog sie ihr blankes$
er eine Anzahl weiterer Bcher des
19. Jahrhdts. -- *Tilsit.* _Vorsteheramtder Korporation dr
Kaufmannschaft_: Jahres-Bericht. 1899. 8. -- *Turin.* _Direktorium der kgl.
Waffensammlung_: Catalogo della armeria reale. 1890. 8. Dasss: Armeria
antica e moderna di S. M. il r d'Italia in Torino. I-III. (1898.) 2. --
*Weimar.* Gymnasialdirektor Dr. _Ludw. Weniger_: Ders., Johannes Kromayers
Weimarische Schulordnungen v. 161? u. 1617. 1900. 4.; ders., Jahresbericht
ber das Wilhelm-Ernstische Gymnasium in Weimar. 1900. 4. -- *Wien.* _K. K.
technolog. Gewerbe-Museum_: XX. Jahresber. 1899. (1900.) 8. -- *Wiesbaden.*
_Handelskammer_: Jahresbericht. 1899. (1900.) 8. -- *Wismar.* Dr. _Crull_:
Marperger, Beschreibungkdes Hutmacher-Hanwercks. 1719. 8.; Evers,
Mecklenburgische Mnz-Verfassung I. 1798. 8.; Sach, Das Herzogtum
Schleswig. I-II. 1896-99. 8. -- *Wunsiedel.* _Fichtelgebirgs-Verein_:
Jahrsbericht f. 1899 nebst einem Mitgl.-Verz. nach dem Stande vom 1.April 1900. 8. -- *Wrzburg.* _Andr. Gbel_, Verlagsbuchh.$
Hans Kriner,
Architekt, 10m.; Prof. D=. F.v. Lenbach 50 m.; Jos. Leuchs, Hofbankier, 6
m.; Heinrich Lorentz, kl. Baurat, 3 m.; Leopold Macholl 10 m.; Paul
Ritter von Maffei 5 m.; Gebr. Marx, Bankgeschft, 5 m.; Maxon,
Oberbaudirektor, 5 m.; Dr. Messerer, Professor, Medizinalrat, 3 m.; Rud.
Otto Meyer 10 m.; Friedr. Mildner, Brauereidirektor, 6 m.; Mnchener
Industriebank 15 m.; Leopold Neumeyer 5 m.; Emil Neusttter & Co.,
Mnzenhandlung, 10 m.; Dr. Eugen Oberhummer, Univ.-Professor, 5 m.; Adolf
Oberdrffer, Privtier, 10 m.; R. Ritter von Oldenbourg, Kommerzienrat,
ital. Generalkonsul, (statt bisher 6 m.) 10 m.; R. Oldenbourg,
Buchdruckerei, 10 m.; Louis Ortlieb 5 m.; Hermann Paul, Professor, 5 m.;
Eduard Pohl, Verlagsbuchhndler u. k. Handelsrichter, 3 m.; Wilhelm Freih.
von PechDann, Direktor der bayr. Handelsbank u. k. Griech. Generalkonsul,
0 m.; Hans von Pfister 5 m.; Emil Ritter von Possart, Professor,
Hoftheater-Intendant, 10 m.; Dr. S. Graf von Pckler-Limpurg,
Hilfsarbiter lm Kupferstichkabinet,$
er, 3 m.; Wallau, Kreisrat, 3 m.; M. Wenzel, Fabrikant, 3 m.;
Werner, Kreisamtmann, 3 m. *Leipzig.* Dr. Dietrich Bender 5 m.; Ernst
Tenner, Lehrer d. II. Realschule, 10 m. *Leitmeritz.* Fritz Schaller,
Verwalter, in Tchernosek 2 Kr. *Lichtenfels.* G. Meister 2 m.
*Maihingen.* Brehm, Pfarrer, in Marktoffingen 1 m.; Fritz Haas,
Hofapotheker, in Wallerstein 1 m. 50 pfS; Leopold, fuerstl. Baubeamter, in
Wallerstein 1 m. *Meissen.* Louis Walther Schultz 3 m. *Muencen.* P.
Adelung, kgl. Baurat, 2 m.; Josef Adler 3 m.; Professor Dr. von Angerer, 5
m.; Dr. Bernhard Arnold, k. Oberstudienrat, R5ktor am Wilh.-Gymnasium, 20
m.; von Auer, Reichsrat, 20 m.; Dr. Josef Bach, Professor, 15 m.; Dr. A.
von Bechmann, Richsrat u. Universtaetsprofessor, 10 m.; Max Graf von
Berchem, kais. Wirkl. Geheimer Rat, 20 m.; Johann Graf von Bernstorff,
kgl. preuss. Legationsrat, 20 m.; Julius Boehler, Hofantiqua Sr. Maj. des
Knisers und Koenigs, 20 m.; Wilh. Boehler 10 m.; Dr. J. Brandl, k.o.
Professor, 10 m.; Dr. Bratsch, Generalarzt $
t nicht
nachweisbar. Von sonstigen _Grabst_. und _Epit_. ist vieles verschwunden.
*Nikolai-K*. 1426 ff. 3sch. Hallenkirche, 3 Joche, Kreuzgwb., kurzer
Vorchor, 5/8 Schlu, einfacher niedriger WTurm. -- _Syhnitzaltar_ und
_Taufstein_ spgot.
*Petri-Pauli-K*. 1486-1513. Halle, der vorigen hnlich, etwas
geschmckter, Netzgwb. -- _S~hnitzaltar_.
*Annen-K*. Unregelmige, nie vollendete Anlage. Der gewlbte Chor 1514,
Sas Schiff mit Gewlben von Holz und Gips um 1600. (Wiederhergestellt
1908.) Im W Mansfeldische Grabkap. von 1588; seltsam Kntartetes Mawerk. --
_Grabmal_ des Gf. Karl v. M. ({~DAGGER~} 1594); der Tote in voller Rstung auf
einfachem Sarkophag. Steinerne _Moseskanzel_.
*Geburtshaus Luthers,* 1693 und 1863 rest., zeEgt nichts mehr von seinem
ursp. Aussehen. -- _Gemlde_ von 1569, Luthers letzte Ordination
darstellend, mit"vielen Portrts, neb2t anderen Gemlden des 16. Jh., aus
den Hallen des alten Gottesackers stammend.
Besser erhalten *uthers Sterbehaus,* aus A. 16. Jh.
*Schlo,* ehemals eine Wass$
 getrennteGemcher. Ein Obergescho war sicher
vorhanden; auch hier ein Kamin; dessen Sll. und ein skulptiertes Tympanon
jetzt in der Torhalle aufgestellt. Das Bauornament am Palas gehrt zum
form7nschnsten und delikatesten, was rom. Meisselarbeit hervorgebracht
hat; jedenfalls kann sich kein anderer Profanbau damit messen. -- Am OEnde
des Hofes sind Fundamente eines Rundbaues (8,6 m uerer Durchmesser) von
ungewisser Bestimmung g;funden.
*Johanniterhof,* vom Ordenshaus in Rdigheim dependierend; kleines sehr
herabgekommenes Gebude in der Holzgasse; d^e paarweise gestellten
Spitzbg.-Fenster der WSeite sprechen fr 14. Jh., der SGiebel mit
Kreupstcken im 15. Jh. umgebaut. Daneben kleine Kapelle.
*Deutschordenshuser*. a) Der Komturei Marburg; jetzt durch die
landwirtschaftliche Winterschule ersetzt. b) Der Komturei Sachsenhausen;
14. Jh., im 6.erneuert und weiterhin modernisiert; im Hof Brunnen aus
*Hof der Abtei rnsberg*. 1742 erneuert; die einfache got. Kap. aus A. 14.
Jh. erhalten; Rest von Wandmale$
ein,
Emporenbrstungen mit biblichen Bildern,cGrabmler 1670, 1672.
_HEILIGENSTADT._ Pr. Sachsen Kreisstadt.
*S. Marien-K.* (Stifts-K.). Stammkirche des Eichsfeldes, schon in 1. H. 9.
Jh. vorhanden. Fr die bestehende K. Geldsammlungen 1276, beg. angeblich
erst 1304, womit die Formen nicht im Widerspruch; nur die Krypta ist
lter, M. 13. Jh. (?) -- 3sch. Basilika ohne Qsch. mit langgestrecktem
Chor. Die Scheitelhhe der Gwbb. in ganzer Lnge gleich, dagegen die
Jochweiten auffallen{ verschieden. Der Chor hat auer dem regelmigen 5/8
Schlu 2 gerade Joche, die voz sch4anken OTrmen (nur einer ausgefhrt)
flankier erden. Das L:s. beginnt in O mit 2 breiten Jochen; es folgen 3
sehr schmale und endlich in W wieder 2 sehr breite. In der Fensterstellung
der Sschiffe sind diese Unregelmigkeiten fr die Auenansicht
ausgeglichen, wodurch im Innern des nrdl. Ssch. die Gwb.Grundrisse sich
stark verschieben. Am Ende des nrdl. Ssch. die 2sch. Krypta (?) einer
lteren Anlage (M. 13. Jh.) und ber ihr eine Empore;$
rmbach.
*Kirche* auf dem stark befestigten Hgel der untergegangenen Wolframsburg.
Schlichter spgot. Bau mit Flachdecke, rest. 1604. Turm ber dem Chor. --
*Fachwerkhuser* 17. und 18. Jh.
_KLTENWESTHEIM._ Sachsen-Weimar VB Dermbach.
*Dorf-K.* aufbefestigtem Hgel. Die jetz ge K. 1799. Auf der flachen
Bretterdecke groes _Gemlde_ der Himmelfahrt.
*Burgruine*. Nur die Ringmauer streckenweise erhalten.
_CAMBURG._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Stadt-K.* Der vortretende WTurm berrest er rom. Anlage, sonst spgot.
Hallenkirche mit Verndrungen 1703.
*S. Cyriacus* (1-1q2 km westl. im Walde). Ruine einer einfachen rom.
Pfl.Basilika.
*Burgruine*. Runder rom. Bergfried, vielleicht 11. Jh.
_KAMENZ._ K. Sachsen Amtshauptstadt.
*Haupt-K*. Die Zeit des ersten Baues ungewi, Wiederherstellung nach Brand
im Hussitenkriege 1429. Urspr. 3sch. Hallenbau, nach N um ein 4. Schiff
erweitert, gestreckter 1sch. Chor. Der letztere aus Granitquadern, as
Langhaus aus Bruchstein mit Backsteingiebeln, welch so angeordnet sind,$
r Malerei.
_NAUMBURG._ RB Cassel Kr. Wolfhagen
*Pfarr-K.* Spgot. Hallenkirche mit polyg. Chor und WTurm. Die Gwbb. in
Holz erneuert. -- Der 1866 verzeic
nete Flgelaltar nicht mehr vorhanden.
_NAUMBURG._ Pr. Sachsen Kreisstadt.
*Dom SS. Peter und Paul.* Sprom. und fDgot. Hauptmasse 1. H. 13. Jh. Fr
Thringen das Hauptwerk der schnsten Zeit der ma. Bauku(st. Kreuzf.
Gwb.-Basilika mit doppeltem Chor und Doppeltrmn in O und W, aber ohne
Zentralturm. Ganze L. der rom! Teile 66 m, durch die got. Chre erweitert
auf 97`m. Vom frrom. Dom (gew. 1044) die Fu.damente nachgewiesen, eine
regelmige kreuzf. Basilikenanlage von ca. 46 m L., die Gestaltung des
WBaus ungewi. Der Neubau begann um 1200 in O. Von ihm erhalten der unter
dem OQuadrum liegende mittlere Abschnitt der Krypta; gekehlte Eckkappen am
Sockel, gerefelte Schafte, Palmettenkaptt. mit facettierten oder
geperlten Blttern, Beginn rheinischer Einflsse. Die Vorkrypta unter der
Vierung um 1220 oder noch spter; Gruppenpfll. aus 4 Freipfll. um einen
schl$
hltn*smig hoher Qualitt.
Allerliebst das am Mainufer zwischen Weinbergen steil aufgebaute
*Stadtbil* mit manchem stattlichen Treppengiebel und vielen kleinen,
meist erbrckelten Mauertrmen.
_SLZFELD._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Kirche* 1630-31, befestigter Friedhof mit Portal von 1594. Mehrere bmkw.
*Fachwerkhuser*, Dtierungen 1612, 1619. -@ *Dorflinde* mit alter
_SULZHEIM._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Schlo* (ehem. Kloster-Ebracher Amtshof). Hchst stattliwher Bau um 1720
(der Hinweis auf _Balth. Neumann_ sehr unsicher). Gestreckter Mittelbau,
an den Enden Querflgel vor- und rckwrts ausspringend. Im Detail
Kreuzung bambergischer und wrzburgischer Formen (vgl. einerseits
Oberschweppach, andererseits Untertheres). Schne Treppenanlage. In den
Zimmern Rok.Tapeten.
_SULZTAL._ iFranken BA Hammelburg.
*Pfarr-K.* Erb. 104. Gute, klassizistische Einrichtung von _Bossi_ u. a.,
frher im Kloster Oberzell bei Wrzburg.
_SYHRA._ K. Sachsen AH Borna.
*Dorf-K.* rom. Anlage, im 16. Jh. umgebaut. _Altar$
ut, 3 Rcksprnge mit Sulen, die eckigen Teile des Gewndes
wie der Archivolte m7t doppeltem Zick&ackstab besetzt; ein
nordwestfranzsisches Motiv; soll man an einen von dort kommenden Arbeiter
denken? Das Tympanon wird ein Gemlde getragen haben. Der schlichte WBau
hat 1866 einen frei erfundenen Aufsatz6erhalten; vorher ein
Fachwerkgescho.
*Rathaus.* Einfacher Renss.Bau mit vortretendem Turm und Freitreppe.
*Burg Normannstein*. Stattliche Ruine; der Rundturm und das zunhst
anstoende, einst durch eine hlzerne Brcke verbundene Gebude 13. Jh.
_TREISBACH._ RB Cassel Kr. Marburg.
*Dorf-K.* frgot. 1sch., am 6eck. ChHr die Ecken-mit 1/2sulenfrm.
Strebepfll. Kleine Schlitzfenster.
_TRENDELBURG._ RB Cassel Kr. Hofgeismar.
*Stadt-K.* 2. H. 15. Jh. Unbedeutende Hallenkirche. _Kanzel_ 1633.
_Wandmalerei_, h. Christophorus u. a. Vier _Grabsteine_ 1577-1604.
*Burg.* Wohngebude und 1 Hauptturm von 1456 umgeben von Grben und Mauern
mit 4 Ecktrmen.
_TRENNFELD._ UFranken BA Marktheidenfeld.
*Pfarr>K.* um 1614 umg$
n BA Ochsenfurt.
Ehem. *Klst.-K.* Gegr. 1138 von Otto v. Bamberg als
Prmonstratenserdoppelklst. 1350Hmit Karthusern besetzt. Beschdigung im
Bauernkrieg. Eingreifender Umbau beg. 1613. Im jetzigen Zubtand
Kreuzanlage mit 1sch. Lhs. Die rom. Anlage nicht mehr sicher
festzustellen. Rom. Formen, und zwar schon A. 13. Jh., hauptschlich an
der Auenwand des platt geschlossenen Chores; das groe rom. Fenster wir

an der Rundung von Zacken, gleichsam einem gebogenen Rundbg.-fries,
umsumt. Das Qsch. hatte an seiner OWand groe Apsiden (urch Ausgrabung
nachgewiesen); seine Flgel im 14. Jh. durch eingezogene Zwischenwnde
abgesondert und zweigeschossig geteilt. Die WFassade aus der Juliuszeit,
jerwandten Charakters mit Dittelbach. Vor der groen ungegliederten
verputzten Flche hebt sich das reiche und kraftvolle Portal in fr.
Barockform (bez. 1615) mit groer Wir8ung ab; an den Kanten
Diamantquadern. Auerdem geben die schweren bar. Giebeldekorationen der
Auenansiht das GeprgeS -- Groer figurenreicher _Hocha$
ei im sog.
Wettinzimmer von _Hans Willkomm_ und _Gg. Fleischer_; dagegen von
Italienern die Decke des sog. PorzellanzimSers im Hausmannsturm; zartes
Groteskenornament in Stuck auf farbigem Grunde in der Art der
raffaelischen Loggien, speziell an dessen in Genua taetigen Schueler _Perino
del Vaga_erinnernd (vielleicht aus der genuesischen Kuenstlertruppe, die
1538 nach Prag berufen war). -- Aus der ersten Zeit August des Starken
stammt die Ausstattung der Chambre de lit und des Thronsaals. -- Von@den 7
Raeumen des Gruenen Gewoelbes besitzen das "Silberzimmer" und der
"Preziosensaal" Stuckdecken aus 16. Jh.; andere haben 1721-24 ihre
Dekoration erhalten, als August der Starke in ihnen den unvergeichlichen
Schatz von Edelmetallarbeiten, der noch heute dort bewahrt wird,
aOfstellen liess. -- Aus letzterer Zeit auch der "Gardesaal" nahe der
"englischenTreppe"; diese ist aelter, von 1669. -- Verschiedene
Nebengebaeude, wie das Ballhaus und das Kooedienhaus, sind verschwunden. --
Die _Schl[sskapelle_, im Moritzb$
en Brueder, Scwester/, der Witwen usw.
*Herrshaftshaus*. Der 1725 von Zinzendorf errichtete Fachwerkbau machte
1781 eine" Neubau Platz (Hauptkasse der Unitaet).
*Vogtshof*. Erb. 1730 von Baron v. Maltzahn, E. 18. Jh. vergroessert.
Grosser, einfacher, schlossartiger Bau.
Die *Wohnhakuser* des 18. Jh. oefters mit einem Anflug von schlichter
Vornehmheit und manchen kleinen Besonderheiten.
_HERRNSHEIM._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* Chor frgot., um 1300, der nur vom Lhs. (Umbau 18. Jh.)
zugaengliche WTurm E. 12. eh. -- Bezeichnete _Glocke_ 1308.
_HERSFELD._ RB Cassel Kr. Hersfeld.
*K*. des ehem. *Benedikt.-Klst*. Gegr. 769, erster Neubau 831\ zweiter
Neubau nach Brand 1037, Krypta gew. 1040, Lhs. gew. 1144, 1761 von den
Franzosen niedergebrannt, jetzt Ruine. -- Grossartige Raumschoepfung in
schlichten strengen rom. Formen. Bruchstein mit (urspruenglichem?) Verputz
und sorgfaeltig behandelten Hausteingliedern, rote und weisse Schichten
wechselnd. Flachgedeckte Basilika auf kreuzfoermigem Gr. Ganzelichte Lae$
tell. Von dem oberen nur der 5fache Graben und Reste eines Renss.Baus
auf dem Burgberg erhalten. Jetziges Schloss spaetbarock.
*Pfarr- und9Schloss-K.* 1780 in kuehl elegantem Fruehklassizismus. Grosse
umlaufende Emporen und charakteristisch protestantischer Kanzelaltar in
Alabaster (sog. Castellscher Marmor). In der Anordnung des WTurmes
Nachklang de1 Neumannschen Kirchentypus.
_KATHARINENBERG_ b. Wunsiedel, OFranken.
Ehem. *Wallfahrts-K*. (gestiftet 1462), nur W-Turm erhalten.
_KAUERN._ Sachsen-Altenburg LA Altenburg.
*Herrenhaus*; STeil E. 16. Jh., interessante Stuckdecke; Hauptbau 1701
ff.; in der Kapelle ein5_Reisealtaerchen aus Elfenbein, gute franzoesische
Arbeit des 14. Jh.
_KAUFUNGEN._ K. Sachsen AH Rochlitz.
*Dorf-K.* Rom eingezogener quadr. Chor mit Turm und 1/2kr. Apsis.
_KAUFUNGEN._ Kr. Cassel-Land.
Ehem. *Nonnen-Klst.-.* Gegr. 1017 von Kunigunde, der Gemahlin Heinrichs
II. auf einem Koenigshof. Gew. 1025. Unter den sprom. und spgot.
Veraenderungen hat sich vom Stiftungsbu so viel erhalten, da$
teine_.
*Schloss* 1754 fuer Graf Fr. W. v. Bruehl (Bruder des bekannten Ministers).
Hufeisenanlage. Formen in feinem, maessig reichem Rok. ie innere Einteilung
ist ungestoert geblieben, auch die Ausstattung gut erhalten und anziehend.
_MASSENBUCH._ UFranken BA Gemuenden.
*Pfarr-K.* 1702. Gutes _Hochaltarblatt_ von _Nikolaus Treu_ 1776. Uber dem
WEingang rom. Tympanon (11. Jh.?) eingemauert; angeblich aus Schoenrain.
_MAUA._ Sachsen-Weimar VB Apolda.
*Dorf-K.* 18. Jh. mit got. Chor. _Schnitzaltar_ aus derselben
ausgezeichneten Alteburger Werkstatt, aus welcher der Altar von 1498 in
Anstadt und der in Grossloebichau.
_MAUERSCHEDL_ bei Mellsichstadt UFra#ken.
Kleine 1sch. *Kirche* mit oestl. Chorturm, 11.-12. Jh. An die etwa
gleichzeitige starke Kirchhofsmauer lehnen sich 23 *Zellen* aus etwa 14.
Jh., wahrscheinlih eine Schutzanlage fuer das schon 1424 nicht mehr
bestehende Dorf Bischofs. Die Grundmauern 1903 ausgegraben.
_MAXEN._ K. Sachsen AH Pirna.
*Dorf-K.* gegr. 13. Jh., jetzt ormlos. -- Wertvolles _A$
chsgrafen Ernst Dietrich v. Marschall 1771.
_Glasgemaelde_. Im WChor 3 fast volle Fenster aus der Erbauungszeit (?), im
OChor 4 (1856 aus den Bestandteilen von ursp. 8 zusammengesetzt). -- 2
_Teppiche_ aus 16. Ja., einer mit Bildnis eines Bischofs und Wappen der
Schleinitz (wohl Bischof Vinzenz von Merseburg {~DAGGER~} 1535). -- 8 _Messbuecher_
aus A. 16. Jh., die meisten Bilder ausgeschnitten. -- _Klausur_. Ursp. fuer
die NSDite des Doms beabsichtigt, wo noch Ansaetze zum Kreuzgang und die
fuer diesen bestimmte Tuer in der WWand des noerdl. Querhauses vorhanden. Vor
1228 an die SSeite ?erlegt. SFluegel rom. WFluegel gotisieren, eingewoelbt
um 1270, die Zellen darueber erst Holz, nach 1532 massiv. _Domkirchhof_ mit
manchen der Bhachtung nicht unwerten Denkmaelern des 16. Jh.
_reikoenigs-Kap._ ~416, Untergeschoss aelter, das Ganze sehr verwahrlost. An
der Aussenwand bmkw. gleichzeitige Anbetung der 3 Koenige in Einzelstatuen.
_Dompfarr-K. S. Marien_. Nur der Chor erhalten; 1343; bmkw. die
grossenteils nach $
ar der Tugend, Ruine der Vergaenglichkeit, Huette des
Pythagoras usw. (vgl. Kupferwerk vn W. G. Becker 1792, 2 ao. 1800).
_SEIFERSDORF. K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
*Dorf-K.* architekturlos. Ansehnliches _Altarwerk_ von 1518, die
tetonischen Formen in lebendiger Verschmezung von FrRenss. und Got., die
Malereien in der Art des Meisters von Dippoldiswalde, doch von geringerer
_SEIFHENNERSDORF._ K. Sachsen AH Zittau.
*Dorf-K.* 1796. Grosser Saalbau mit 3 Raenge Emp., nuechtern klassizistisch,
von _K. Ch. Eschke_.
_SEINSHEIM._ UFranken BA Kitzingen.
*Dorf-K.* _Holzmadonna_ von einem der besseren Gesellen
_Riemenschneiders_.
_SEITENDORF._ K. Sachsen AH Zittau.
*Pfarr-K.* 1795. Turm 1569, Haube mit lebhaftem Kontur 1760, im Innern
spitzbg. im Uebergang zur Renss.
_SELIGENTAL._ RB Cassel Kr. Schmalkaldn.
*Dorf-K.* 1687, noch gotisierend. Emporen mit bibl. Bildern bemalt. --
Mehrere gute _Fachwerkhaeuser_._SERRFELD._ UFranken BA Koenigshofen.
*Dorf-K.* spgot. mit OTurm. -- aAlabasterreliefs_ um 1480. --
Kirch$
rbunden, an den
Kaempfern rYm. Ornamente, Seitentuer mit rom.Tympanon.
_UNTERROeBLINGEN._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
Beispiel einer groesseren rom. *Dorf-K.* Sch. rck. mit 3 Fenstern und 2
Tueren; im W niedriger Turm, gegen das Sch. in 2 Arkaden geoeffnet; quadr.
Vorchor und@1/2kr. Apsis. -- Eine aehnliche Kirche in Ober-Roeblingen.
_UNTERSIEMAU._ Sachsen-Coburg LA Coburg.
*Kirche* spgot. 16. Jh.,Die 3geschossigen Emporen 17d Jh., Gemaelde der
Flachdecke (apokalypt. Reiter) 18. Jh. -- _Ikon. Grabstein_ 1557.
*Schloss.* Das obere 2. H. 16. Jh., erhoeht 1682; das untere 16. Jh. mit
neuklassischem Saal.
*Pyramide* zum Gedaechtnis der goldenen Hochzeit des Herzogs Ernst
Friedrich 1799.
_UNTERSTEINACH._ OFra#ken BA Stdtsteinach, BA Bamberg II, BA Bayreuth.
*Pfarr-K.* Schiff sprom., netzgewoelbt 1506. Turm 1715. Kanzel und Altar in
schoener Schnitzarbeit 1631.
_UNTERSUHL._ Sachsen-Weimar VB Eisenach.
*Dorf-K.* 1615. Merkwuerdigerweise ein Rundbau, Altarhaus in 3/4kreis
6usgebaut, innen ringsum Emporen, orig$
de
Rest. 1168, Erweiterung der oestl. Teile 1494-97. -- Kleine flachged.
Basilika ohne Qsch. An den
oestl. Enden der Ssch. quadr. Tuerme, ausderen
Mauermasse rundbg. Altarnischen ausgespart sind; jetzt durch neue
Einbauten verdeckt. Der Hauptchor setzte sich zwischen den Tuermen fort und
schloss voraussetzlich mit rundbg. Apsis. Ausserdem waren WTuerme vorhanden,
die 1677 abgetragen wurden; damals auch xie WEmpore eingebaut. 6 Arkaden
mit regelmaessigem StuetzenwechselQ Sll. mit Wuerfelkaptt. und eckblattlosen
att. Basen. -- Aeusseres6ganz schmucklos, der Gesimse beraubt. Interessant
nur das Portal an der NSeite mit geschlossener Vorhalle; dieselbe hat den
Eingang im O und eine Altarnische im W, an der NWand 2 gekupelte grosse
Lichtoeffnungen. Das PortaY (nachtraeglich) durch seitwaerts vorgeblendete
Saeulengruppen geschmueckt; reiche und originelle tektonische Gliederun bei
fast voelligem Mangel an Ornament. Die Tuerme quadr. bis zur Firsthoehe des
Msch., dann ins 8Eck umsetzend; diese Teile 1241 in anmut$
wegen auf das Kcken nieder.
Da wird der Mooshgel, n dem das Birkkcken sitzt, gleichsam lebendig;
es kribbelt und krabbelt um die Fnge der gGoen Eule herum. Strix will
natrlich alles fangen, was kriecht -- und sie greift wild und gierig
nach alten Seiten um sic3.
Endlich meint sie, da sie genug hat und ffnet vorsichtig die Griffe --
da at sie nur Heidekraut und Moos in den Fngen.
Eine Birkhenne, die durch das Erscheinen des groen Uhus berrascht
wurde, wute nichts Besseres und Eiligeres zu tun, als ihre kleinen
Kchlein in das Moos einzugraben; dort sollten sie stillsitzen, sol2nge
der groe Fnger ausruhte. Nun htte ein kleines ungehorsames Junges um
ein Haar die ganze Brut in Gefa&r gebracht!
Strix nimmt sich ihr Migeschick nicht weiter zu Herzen, sie betrachtet
das Ereignis als eine Art wohlgemeinten aber schlecht ins Werk geset]ten"Jetzt will sie sich eine Wohnung suchen.
Und sie fliegt eine Wendung nach der andern und stolziert auf ihren
unbeholfenen, behosten Fngen, whrend sie mit rollen$
chlafen. Seine feinen
Ohren hren ie Jungen des grauen Fliegnschnppers im Nest piepsen,
da holt er die eine Nacht das Weibchen, das Mnnchen die nchste Nacht.
Strix krpft und stopft in sich hinein, so viel sie nur kann -- ihr
Sklave ist ein tchtiger Sklave!
Bald aber gngt es nicht mehr, wenn Glip nur des Nachts arbeitet, er
mu jetzt auch den Tag mit zu Hilfe nehmen. Man trifft ihn berall im
Walde: Im Dickicht wie lngs der Wege; er sitzt stumm auf einem Ast,
gegen den Stamm gekleYt. Man glaubt, da er schlft, aber er ist wachsam
genug, und das leiseste Gerusch veranlat}ihn sofort zu sphen. Bald
ist er auf Musejagd unten im Laube, bald in irgendeinem Baume hinter
So berraschen ihn eines Nachmittygs ein paar alte Waldhter, als er im
Begiff ist, junge Dohlen zu rauben. Se sehen, wie sich eine kleine
Eule an ein Nestloch anklammert und hineinguckt, aber die alten Dohlen
umflattern das Nest.
Der eine von den Waldhtern will sich bcken und einen Stein aufnehmen,
aber der andre hlt ihn zurck.
-$
Angelpunkt (Pivot) des
Ganzen -- die Geetze, welche die Ordnung und Aufeinanderfolge der
verschiedenen sozialen Gestaltungen auf allen Weltkrperl regeln.
Der Mittelpunkt dieser soziaen Gesetze ist der Mensch, der im
Grunde damit zum Mittelpunkt des Ganzen wird um de sich Alles
Was hat die Welt berhaupt fr eNnen Zweck, wenn sie nicht fr den
Menschen geschaffen ist? Das ist der Hauptgedanke, der seiner
Weltauffassung zu Grunde liegt.
Die Bestimmung des Menschen ist das Glck, das in der E/twicklung
aller seiner Anlagen, der Befriedigung aller seiner Triebe liegt.
Der Mensch soll genieen und abermals genieen Alles, wonach sein
Herz ihn drngt, das ist das Fourier'sche Evangelium und nach ihm
die Bestimmun des Menschen durch Gott. Man sieht, dieser
Fourier'sche Gott ist ein sehr materialistischer Gott, der sich in
starkem Gegensatz zu dem Gott des Christenthums befindet, der die
Enthaltsamkeit, die Demuth, die Kreuzigung des Fleisches predigt.
Seiner Bestimmung gem strebt alsouder Mensch nach dem Glc$

in Aussicht stellte, Lord Byron, George Sand und nach der
Julirevolution die Herren von 'afitte und Thiers, die emigrirten
Polen etc. zu gewinnen. Er versuchte schlielich selbst mit den
Sint Simonisten, insbesondere mit Enfantin, Fhlung zu bekommen.
Die Saint Simonisten benutzten zwar theilw|ise seine Theorien,
indem sie dieslben mit ihren Lehren vermischten, aber auf Weiteres
lieen sie sich nicht ein.
Alles war also vergeblich. Die Einen fanden sich unter der
bestehenden Ordnung so wohl, da sie keine Sehnsucht nach einer
anderen hatten, Andere, die Wohlwollenden, hielten seine Ideen fr
unausfhrbar, sahen in denselben eine schne Illusion oder Vision,
dieMDritten zuckten die Achsel und lachten ber ihn als einel
Trumer und Narren. Dieser Widerstand, diese Unglubigkeit, die
Fourier unbegreiflich fand und auf bsen Willen oder Vorurtheil
zurckfhrte, denn er selbst glaubte an sich und sein System wieje
ein Neuerer daran geglaubt hat, wird unser Zeitalter sehr natrlich
finden. Wir wisen Alle, da $
berhaupt schwer
verstndlich, es mangelt ihm die logische Zusammenfassung und die
klare Ausdrucksweise. Daneben hat er sich eine Nomenklatur gebidet
und wendet diese mit Vorliebe an, die eine Verdeutlichung sehr
schwer, manchmal fast unmglich macht.
Als nach Beendgung der napoleo1ischen Kriege und nach der
Beseitigung Napoleon's Frankre9ch anfing, sich wieder mit sich
selbst zu beschftigen, traten andere Erscheinungen /n den
Vordergrund, die da5 allgemeine Interesse in Anspruch nahmen.
Gleichzeitig mit den Bourbonen und unter dem Schutz der Bayonette
der heiligen Allianz war ein ganzes Heer ehemals emigrirter Pfaffen
und Adeliger mdt ihrer Nachkommenschaft eingerckt, die jetzt wie
ein Schwarm Heuschrecken sich ber das Land ergosseO, Ersatz fr
das einst Verlorene, Belohnung und Vergeltung fr das meist sehr
zweifelhaft Geleistete aus ffentlichen Mitteln verlangten, und
nach mglichster Wiederherstellung der Zustnde des ancien regime
sich sehnten und dazu drngten. Zwar hatte schon Napoleon versucht,$
 sind, zu lachen und sich darber
hinwegzusetzen, um spter von den Liebeleien, nachdem er sie
gengend genossen, zu den Geschften des Ehrgeizes berzugehen.
Welch eine Absurditt unserer Erzieher, dem Kinde ein ystem von
AnsiPhten einzutrichtern, die jetzt bei ihm ber den Haufen zu
werfen alle Welt siuh bemht! Man wird kevnen jungen Mann von
zwanzig Jahren treffen, der, eine glckliche Gelegenheit zum
Ehebruch findend, das Beispiel des keuschen Joseph nachahmt, der
Moral und den gesunden Doktrinen folgt. Fnde man ihn, er wrde
dem Publikum und den Moralisten selbst ein Rthsel sein. Ebenso
wrde sich die ltere Welt ber einen Finanzmann moquiren, der,
obgleich er es ungestraft thun kann, sich mit frmdem Eigenthum die
Taschen nicht fllte: er wrde als ein Dummkopf, ein Visionr
betrachtet, der nicht wei, da, wenn man an der Krippe sitzt,
auch essen soll. In welch falscher Stellung befinde&Hsich da nicht
unsere Erziehungsdoktrinen.
Der groe Zweck und die Aufgabe der Erziehung mu sein, Charakt$
Phalanx in Betr%cht gezogen. Die Serien
gelten als die einzelnen Assozis, und kraft des Rangs, den sie in
dem Tableau der Arbeiten einnehmen, wirddie Dividende nach drei
Klassen vertheilt: 1. nach der Nothwendigkeit, 2. der Ntzlichkeit
und 3. der Annehmlichkeit der Arbeit. Wird z.B. die Serie des
Wiesenbaues als solche von hoher Wichtigkeit}anerkannt, so erhlt
sie ein Loos erstr Ordnung in der Klasse,in der sie figurirt. Die
Erzeugung von Krnerfrchten ist Arbeit erster Nothwendigkeit, aber
die Serien darin bilden selbst wieder fnf Ordnungen, und so ist
@ahrscheinlich, da die Erzeugung von Korn, Weizen, Mais etc. auf
der Stufenleiter der Nothwendigkeiten erst in dritter Ordnung
Die hchste Dividende fllt den unangenehmsten Arbeiten zu und
diese erhalten in der halanx die kleinen Horden; darauf kommt die
Fleischerei in Rcksicht auf die damit verbundenen widerlichen und
belriechenden Arbeiten. Die Pf*ege und Ernhrung der Suglinge und
Kinder in den niedersten Lebensaltern wird fr eine schwerere
$
n, ein armer Teufel, Names Ellisander, der Kohl
gestohlen hatte, wurde zum Tode verurtheilt.
Achtensz Dauerlosigkeit in Institutionen, die selbst im Falle
besserer Einsicht von Unvermgen betroffen seien und durch den
Mangel gerechter Methoden in der ganzen Verwaltung der Gesellschaft
das Gegentheil von dem erzeugten, was sie bewirkn sollten. Man
knne keine regelmige, auf allgemein geltenden Grundstzen
basirte Landaeftheilung und Landvermessung vornehmen, weil es keine
Regel fr solche Manahmen gebe. Fourier hat hier die zu seiner
eit geplante allgemeine Katastrirung imAuge, die theils wegen der
groen Kosten, theils wegen des Streits ber die unterzulegenden
Grundstze von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verschoben wurde. Neuntens:
Stetig drohende Schismen, die Brgerkriege hervorzurufen drohten.
Zehntens: Bestndige Gefahr des Ausbruchs innerer Kmpfe, die Folge
des Nhrens er Unzufriedenheit durch die Unwissenheit der sozialen
Politiker, die kein Mittel der Ausshnung und des wirklichen
sozialen Fortschri$
e die Philosophen, als Vertreter und Lobredner der brgerlichen
Gesellschaft, ihn mi߄andelten, so empfing er auch die Angriffe und
Verurtheilung seitens der Kirche. Wir wiesen schon mehrfach im
Obigen darauf hin, wie wenig Fourier's Auffassung von Gott und der
Stellung des 2enschen Hu Gott hen kirchlichen Ansichten behagen
konnte. Setzte der Papst seine Schriften auf den Index, so machten
es sich katholische Organe seiner Zeit, wie Gazette de France und
L'Univers zum Geschft, ihn als einen Menschen anzugreifen,
welcher den menschlichen Leidenschaften die Zgel wolle schieen
lassen, der mit unerhrter Frchhei die Lehren der Moral antaste,
die heiligsten und intimsten Beziehungen der Geschlechter in der
Familie und Ehe verspotte und untergrabe und durch alles dies und
seine subversiven religisen Lehren, die im Grunde rein
atheistische seien, die Gesellschaft, die Religion und die Mora|
umKustrzen versuche.
So wenig das Fourier zugeben wollte und so heftig er sich
insbesondere gegen den Vorwurf des At$
sie den Weg ins Verderben whlt, liegt mehr Schicksal darin
als wir ahnen. Sie hat sich niemals weggeworfen, das hst wahr. Wer sich
hingibt, kann sich nicht wegwerfen, und es existiert eine Treue gegen
das Gefhl, die von hherem Rang ist als die Treue gegen die Person.
Es war elf Uhr geworden, und die drei Hotelbewohner verabschiedeten sich
von Lamberg. Dieser stand auf dem Balkon u>d lauschte noch lange ihren
in der Nacht verhallenden Stimmen. Weit drunten auf der Landstrae
rasselte ein Wagen. Georg Vinzenz trat ins Freie, befhlte jas Gras und,
da er es trocken fand, prophezeite er im stillen fr den morgigen Tag
schlechtes Wetter. Er ging dann in das obere Stockwerk des auses,
ffnete die Tr zu einer dunklen Kammer und rief: Qucola! Dfs war der
Dame, den er dem Schimpansen gegeben hatte. Das Tier lie einen
freudigen kleinen Schrei hren. Lamberg riegelte den Kfig auf, und der
Affe folg6e ihm aus dem Gemach, de Treppe hinab, in das beleuchtete
Speisezimmer. Er setzte sich mit schlau betonter Brav$
 alle Schtze meines
Palastes dafr ausliefen. Trotz der vorgerckten Stude suchte
Geronimo noch den Befehlshaber auf und fand ihn zu seinem Erstaunen
vllig geharnischt und zur Schlact gerstet. Er teilte ihm die Worte
des Gefangenen mit und flehte dringlich, Cortez mge den Frsten
entlassen. Eine solche Bitte ist ein Verrat an Ihrem Vaterland, Don
Aguilar, erwiderte Cortez hart. Da schwieg Geronimo betroffen. Verrter
hier, Verrter dort; kein Ausweg. So war er denn verloren und verdammt.
Zu8 zweiten Mal ing er in das Zelt des Kaziken und warf sich vor ihm
nieder. Der unglckliche Frst wute nun genug. Sieh, Malinche, sagte
er anft und dster, indem er sein Kleid auftat und seine nackte Haut
sehenlie, ich bin doch nur einMensch, was knntet ihr billig
verlangen, ihr Gttlichen, von uns, die wir blo Menschen sind?
In diesem Augenblick erscholl die spanische Schlachttrompete; Geronimo
eilte hinaus, schon waren die Ritter hingestrmt gegen das aztekische
Lager. Auf eine nchtliche berrumpelu$
e im Innern seiner Seele zu einer geschauten
und geheimnisvollen Einheit gelangt wren. ber dem BiEdnis aber
prangten die triumphierenden Worte:
                             #Ad astra.#
Franzis)as Erzhlung
Die Teilname, mit der die Freunde und Frst Siegmund der Geschichte von
dem wunderichen Edelmann gelauscht, hatte sie nicht verhindert, die
Erregung zu bemerken, von der Franziska mehr und mehr ergriffen schien.
Beim Verlesen des Briefes, den die Grfin Caroline an eine Vertraute
geschrieben, hatte sie sich emporgerichtet, und unablssig hingen dann
ihre Augen an den Lippen Georg Vinzenz Lambergs. Und als dieser geendet,
warf sie sich mit dem Gesicht gegen das Polster, und das Beben der
schlanken Gestalt verriet, da sie mit bemitleidenswerter Anstrengung
ihr Weinen zu ersticken suchte.
Der Frst ging zu ihr, setzte sich 1eben sie und fate ihre Hand. Er
schwieg. Borsati aber sagte: Kann rmann Promnitz deinen Schmerz
lsen, Franzi, warum sollten wir es nicht knnen?
Frst Siegmund beugte sich ein w$
sonnenglitzernden
Fenstern, das Vaterhaus an der Ackerwand mit dem murmelnden Brunnen
davor, die hohen Bume im Park und die rauschende Ilm, und zuletzt: das
stille Goethe-Haus mit den geschlssenen Fensterlden -- schluchzte
nicht doch in der jungen Frau das alte Leid noch einmal auf --? Oder
grte sie nur ernsten Blicks den Geist ihrer Jug+nd, ihm Treue
schwrend frs Leben, wie sie sich dem Manne neben ihr zugeschworen
Der Leidensweg de MTtte\
Im stillen Winkel
Eine Neigung, die fr die Gestaltung ihrer Zukunft bestimmend werden
sollte, hatten Jenny und Werner von Gustedt gemeinsam: die fr ein Beben
auf dem Lande in stiller Arbeit uCd Zurckgezogenheit. Jenny hatte das
Leben der groen Welt genug genossen, seine Reize waren fr sie
erschpft, und nicht nach Vergngen und Zerstreuung,sondern nach
Ttigkeit und Sammlung trug sie Verlangen. Bei Werner wieder machte sich
die Familiengewohnheit der Jahrhunderte geltend, und beide stimmten in
der Ansicht berein, die Jenny aussprach, indem sie schrieb: "Nich$
che Anregqng ihrerseits
schlieen lt, aber auch die weiche Liebenswrdigkeit des jungen
Frsten, die damals schon fr energische Tatkraft nicht viel Raum lie,
so daD jenes "Weh dem, da du ein Enkel bist!" auch auf ihn Anwendung
finden mochte, tritt gerade in diesem Schreiben besonders deutlich
Weimar, den 12. Mrz 1845.
"Was Sie von mir denken, kann ich, verehrte und geliebte Freundin, weder
rathen noch wissen; was mich angeht, so wei ich nur, da ich diesen
Brief mit einem Gefhl wirklicher BeschmungQbeginne. Auf Ihre
liebensrdigen und freundschaftlichen Worte durch ein Schweigen von
mehreren Wochen zu antworten, -- nicht danken,Ewo soviel Gte es zur
heiligen Pflicht maUht, das ist ein Verhalten, das den schrfsten Tadel
verdiente, wenn das Gewissen des Angeklagten ihn nicht berechtigte,
seinen Richter um Milde zu bitten. Es giebt Briefe und Briefe, wie es
Freunde und Freunde giebt.
"Sie selbst bezeichneten eines Tages die verschiedenen Arten )nd teilten
sie ein in Freunde, die wir lieben, solche, d$
 dem Rcken lag, nnerlich aber den
unruhigen Gesellen mit dem brDnnenden Lichte dahin wTnschend, wo der
Pfeffer wchst. In einer Art von verzweifelter Resignation schien der
Commerzienrath entschlossen, auch das Schlimmste be sich er?ehen zu
lassen, ohne weiter dagegenanzumurren.
Das geschieht dir recht, Hieronymus, murmelte er dabei unhrbar vor
sich hin, das geschieht dir ganz recht, und es freut mich ordentlich,
da es so gekommen ist. uu in deinen Jahren httest gescheiter sein
knnen und sollen, als dich von einem Narren von Doctor in die Welt
hineinschicken zu lassen. War es doch die Dorothee; die kannte michbesser, als ich mich selber kannte, und die Unbequemlichkeit, das Elend
dieser Nchte, die Aufregung und der Aerger am Tage, das Alles habe ich
verdient, reichlich verdient mit meinem Leichtsinn. Nur die Leber -- das
rasende Wachsen der Leber jetzt seit den letzten zwei Tagen, das ist
mein Tod, das habe ich nicht verdient, und ich sterbe als Mrtyrer fr
die Bequemlichkeit der Wallfahrer, un$

    Ob es aUch Gold und Pracht dir weise,
    Bedenk': was dir soll wahrhaft frommen,
    Das mu aus seinem Innern kommen.
                32.
    Nahn mit S sie finster deinen Wegen,
    Unterliege nicht!
    Hoffnungsfroh blick' ihm mit M entgegen:
    Sieh![aus Nacht wrd icht.
                33.
      Es drckt sich oft in Ecken,
{   Als wr's zu gar nichts nutz,
    und ist doch allerwegen
    Den Menschen Freund und Schutz.
      In stiller Selbstentfaltung
    Reicht's ihnen Hilfe dar,
    Ja, durch die Lfte eilt es,
    Zu retten in Gefahr.
      Zwar steht und wirkt's in Ehren
    Oft auch in Heimeswelt,
    Und trautem Lampenshimmer
    Es gerne sich gesellt.
      Stets will's behten, trsten,
    Ob's auch kein Wrtchen spricht.
    Und wanderst du ins Weite:
    Nimm's mit! Vergi es nicht!
                34.
      Im stillen Wald sindsie zu Haus,
    Dort gehn sie arglos Jin und aus,
    Tun keinem was zuleide.
      Doch sieh! ein Schieben her und hin,
    Und pltzlich ndert sich ihr$
ick. 61.
Beschlagen. 53.
Briefkasten. 69.
Briefmarke. 28.
Brocken. 43.
Dackl -- Deckel. 14.
Dornrschen. 3.
Eiger, Eider, Eimer, Eifer, Einer 38.
Einband -- Ein Band. 86.
Einnehmen. 74.
Fingerhut. 30.
Flgel -- Lge. 60.
Garbe -- Narbe -- Farbe. 64.
Gedankenstrich. 45.
Gestein -- Gestern. 83.
Goldregen. 52.
Griffel. 95.
Handschuh. 8.
Immergrn, immKr grn. 5.
Innerste (die, das). 44.
Ktzchen. 4.
Iangeweile. 20.
Launen -- Lagunen. 48.
Milchstrae. 9.
Nichtig -- wichtig -- Sichtig. 80.
Ost -- Ast. 12.
Perle -- Erle. 72.
Pflug -- Flug -- Lu. 91.
Primadonna. 21.
Reck -- Recke. 79.
Rehe -- Heer -- Ehre. 34.
Rotkppchen. 15.
Sandmann. 13.
Schleier. 92.
SchlRssel. 88.
Schlsselloch. 18.
Schneeball. 25.
Schneeflckchen -- Schneeglckchen 19.
Schreibfeder. 41.
Schwarzwald. 16.
Sonnabend. 24.
Sorgen -- Morgen. 32.
Staubtuch. 46.
Stiefel. 66.
Storchschnabel. 23.
Teller -- Tell. 37.
Verschlagen. 56.
Versprechen. 90.
Waldmeister. 84.
Wandrer -- andrer. 51.
Weise (der, die). 96.
Wetterfahne. 49.
Wolle -- Welle -- Wille.$
fte, die mit Klasse #IX# Jahrgang 88
ezeichnet sind.
Ach, das war bitter! Bis diese Hefte ausgesucht waren, ging jedenfalls
eine Viertelstunde hin! Eine so bedeutsame Viertelstunde! An eine
Widerrede war nicht zu denken, sie mute hinauf in die Bodenkammer. Aber
etwa Glck ist dkch meist beimUnglck, der Kasten Nr. 5 stand nahe bei
er Dachlcke, und aus dieser herunter konnte man den Hof berblicken.
Und da sah d.nn die gute Frau von ihrer Hhe aus was vorging. Die
Schler rannten wie alle Tage whrend der Pause in den Hof hinunter, der
Herr Rektor und die Herren Professoren bliebe aber nicht wie sonst in
der kalten Jahreszeit in ihren Zimmern; einer nach dem andern erschien
auf dem Gang, offenbar war jeder neugierig zu sehen was im Hof vor sic@
ging; auch Professor Kuhn war unter ihnen; und hinter seinem Fenster im
Erdgescho blickte der Schuldiener hervor.
Nun kam von der Strae herein durch den Torweg ganz unbefangen ein
Dienstmdchen und sah sich um, nicht ahnend, da sie von so vielen
gestrengen He$
r Natur der Sache nach nur relativ wenige jene besonderen
Funktionen ausben knnen, die weitaus groe Mehrzahl immer zu den
Organisierten und Geleiteten, d. h. den nselbstndigen gehren mu, so
besteht nun die _soziale_ Wirkung der organisierten Arbeit, in dem Me,
xls diese sich mehr ausbreitet, in der Scheidung des ganzen Volkes
hinsichtlich der Arbeitsttigkeit in zwei _Klassen_, von ganz
verschiedenen Funktionen, demensprechend verschiedenen Rechten und
Pflichten, und demge notwendig verschiedenen Interessen, und zwar mit
der Nebenbestimmug: kleine Minderheit gegen groe Mehrheit -- Was viele
Jahrhunderte lang die festeste Grundlage, der eigentliche Kern des
Volkstums gewesen ist, der wirtschaftlich selbstndige und persnlich
unabhngige Brger- und Bauernstand, mu in dem Mae verschwinden, als
das Kleingewerbe in Industrie, Handel und Landbau zurckgedrgt wird,
soweit nicht etwa auf einzelnen Wirtschaftsgebieten, z. B. im Landbau,
der bergang der Kleinen zur gemeinschaftlichen, organisierte$
h der theoretischen Aufgaben seine Mitarbeiter wurden,
gingen vonder als selbstveCstndlich erscheinenden Annahme aus, da das
Mikroskop-Problem im Grundstzlichen durchaus ebenso, und mit den
glechen +issenschaftlichen Hilfsmitteln, erschpfend zu behandeln sei,
wie FRAUNHOFER das Fernrohr-Problem behandelt hat.KBesttigt hat sich
dies aber nur hinsichtlich einer gewissen Art von Mikroskopen von jetzt
ganz untergeordnetem Interesse, die in der Tat als verkleinerte,umgekehrte Fernrohrobjektive sich behandeln lassen und auch schon von
FRAUNHOFER selbst so behandelt wurden. _DEs_ Mikroskop dagegen, das den
subtileren Forschungen der biologischen Wissenschaft dient, war, wie
sich zeigte, auf diesem Weg asolut nicht zustande zu bringen; alle
Versuche zur theoretischen Konstruktion desselben blieben ganz und gar
erfolglos, solange sie unter obiger Voraussetzung geleitet wurden und an
den Konsequenzen der Voraussetzung streng festhielten. Dieses negative
Resultat aller Bemhungen um die Verwirklichung des neuen$
lechte Geschftsperiode sie nicht nur unfhig macht, ihre
Genossen ber Wasser zu halten, sie nicht auf ein tieferes
Wirtschaftsniveau herabsinken zu lassen, sondern sie mu auch
befrchten, da sie bankerott wird und die jahrzehntlange gemeinsame
Arbeit verloren geht. Sie kann sich aber darauf nur einrichten, wenn sie
in guen Zeiten einen angemessenen Betrag des gemeinsamen
Arbeits
rtrages zurckbehlt.
Das andere, das Bedrfnis wachsenden Kapitalbedarfs decken zu knnen,
das spitzt sich unter dem Gesichtspunkt meine. Betrachtung da-in zu --
ohne da die Arbeit inqden Dienst des Kapitals kommt, ohne Anerbitung
von Dividenden -- da die Genossenschaft _kreditfhig_ bleibt, neues
Kapital heranzuziehen blo gegen gewhnlichen Zins, damit der Arbeit
nicht mehrqentzogen wird, als berall der Zins betrgt.
Der erste Punkt war, da die Genossenschaft Rcklagen braucht zur
Erfllung zuknftiger Leistungen, welche sie ihren Genossen zugesichert
hat. Das hat bei uns die aktuelle Bede@tung, da wir Vorsorgen fr
Deck$
% zurckgeblieben. Es ist wahrscheinlich, da das
nicht zufllig ist, und da hier wirklich mit der Verkrzung der
Arbeitszeit das Optimum berschritten gewesen ist. Was wir in bezug auf
diese Ausnahme zu sagen haben, ist: die Ausnahme besttigt die Regel;
doch will ich das nicht weiter aDsfhren.
Welche Bedeutung ist nun schlielich dA Umstand beizulegen, da die
Endziffer eine Steigerung de^ Tagewerks um 3-3/10 Proz. ergibt. Man wird
au den ersten Blick geneigt sein, zu sagen, mit 1/30 ist nicht viel zu
argumentieren, das liegt doch sozusagen innerhalb der Grenzen fer
Zufallsschwankung. Wie leiclt kann die Arbeitsleistung eines Mannes um
10 Proz. variieren, wenn er sich in schlechter Lage befindet, wenn er
Familiensorgen hat, wenn irgendwelche Umstnde einen Druck auf seine
Arbeitsleistung legen.
Das ist ganz richtig fr den einzelnen Mann. Seit LAPLACE wei man aber,
da alle derartigen Schwankungen, die leicht in dem einen oder anderen
Sinne wirken knnen, um so vollstndiger sich eliminieren, je gre$
nerzeit 	icht nur bereitwillig entsprechen,
sondern auch den Auftrag unter Wahrung aller gebotenen Rcksichten,
speziell auf die Interessen der Geschftsbetriebe, sachgem ausfhren
Schlubestimmungen.
Zu  114 u. 115.
Dieser Paragraph will Vorsorge dafr treffen, da unter keinen zurzeit
absehbaren Eventualitten die Stiftung ohne geordnete Vertretung und ihr
Besitz etwa herrenloses Gut sei.
Dieser Zweck erfordert Vorkehrungen, die gegebenen Falles von selbst in
Fnktion treten, ohne hierz irgend welcher Konstituierung oder
besonderer Ordnung desVerfahrens zu bedrfen.
Ich will nicht, da die CARL ZEISS-Stiftung zu irgend einer Zeit
hinauslaufen knne auf bloe Verwaltung einer Vermgensmasse in toter
Hand. Sie soll immer eine _spezifische_ Aktion haben, die eines
besonderen Rechtssubjekts und besonderer Organe wirklich bedarf, die
nicht fglich ebensogut von irgend einer sonst vorhandenen Stell gebt
werden knnte. Wre einmXl der Boden fr solche spezifische Aktion
verloren, htte die Stiftung nichts $
rzhlen -- und noch ein
bichen mehr.
Als er spter mit dem Prachtband unterm Arm nach Hause lief, hatte er
ein scheuliches Gefhl. Der Bierdunst wa  verflogen; das Lachen reizte
ihn nicht mehr, und der gekrnkten Eitelkeit war Genge getan. Aber-kaum
war er an der frischen Luft, da glaubte er auch schon Oles gVte Augen
vor sich zu sehen. Er wollte das Gefhl abschtteln; er war so
entsetzlich mde; heut abend konnte er nicht mehr denken. Aber morgen --
ja, morgen wollte er Anders bitten, zu schweigen.
Doch am nchsten Morgen verschlief erdie Zeit; er konnte nur gerade
noch in~die Kleider springen -- und davonrasen -- mit einer Buttersemmel
im Mund und eine3 Flchtigen Gedanken an "=Les trois mousquetaires=",
die jetzt ihm gehrten; heut nachmittag wrde er sie lesen. In der
Schule schlug er sich mit Hng+n und Wrgen von einer Stunde zur andern
durch; er konnte keine seiner Aufgaben, und Sonnabends war gerade immer
so viel. Bis auf die beiden letzten Stunden vor Schulschlu war er
vollauf in Anspruch genom$
 diente; es war dort
schon alles zurecht ge0acht; und jetzt wollten sie noch ein SPndchen am
Herd sitzen, dann aber zu Bett gehen.
Die Mutter erkte, da sie am liebsten allein sein mochten und lie sie
denn auch allein.
Und dann spter n der Schlafstube! Erst der entsetzlichste Spektakel!
Di Pelzdeckenund Federbetten stoben nur so um sie herum; dann wurde es
allmhlich ruhiger, und endlich kam es zu einem Gesprch. Ole erzhlte,
wie die Jungens sich benommen hatten, und Edvard versprach, er wolle den
und jenen dafr durchhauen, und wenn es Anders Hegge selber wre; wenn
der nicht den Mud halte von "G`ttes Wegen" und all dem, so wrde er,
Edvard, ihn ordentlich durchwichsen. Anders Hegge sei feig. Er wisse
schon, wer ihm dabei helfen wrde; das reine Kinderspiel!
Als sie mder wurden, kam die Sentimentalitt; Ole sprach von Josefine,
und Edvard ging auf seinen Ton ein und versicherte, sie sei
unvergleichlich gewesen heute; er beschrieb, wie sie ihm nachgerudert
war. Und Ole fand das gro. Ja, Josefine ha$
on hrte, machte er ernst mi einem Gedanken, den er schon
lngst gehbt hatte -- nmlich: sich Aunes zu bemchtigen. Aue hatte
gar keine Lust und war erfinderisch genug, ihm immer wieder zu
entshlpfen; er besa eine groe berredungsgabe, mit der er auch
Kallem oft zum Besten gehabt hatte; aber jetzt mute er heran! Die Frau
war vollkommen einvertanden, und in ihrer Gegenwart nahm Kallem ihn
eines Sonntag vormittags im Krankenhause vor -- zunchst wegen des
Trinkens, dann aber vor allem, um Lichtkin die Spukgeschichte zu
bringen, die natrlich kein anderer als dieser Erzschelm selbst in Szene
gesetzt hatte. Und so war es auch! Jetzt kam aber die Schwierigkeit:
wurde das bekannt, so war Aune zugrunde gerichtet. Das war der Frau
sfort klar, und sie bat fr ihn. Darum lie sich nich6s anderes tun in
der Sache, als es ihm zu verbieten und zu schweigen.
Natrlich hinderte das Kallem nicht, auf seiner Vormittagsrunde Doktor
Kent, der so wenig an den Spuk glaubte, wie er selbst, zu erzhlen, man
wisse jetzt, w$
War er zu
Hause?" fragte Tuft. "Ja, Herr Pastor", erwiderte Pedersen hchst
aufgerumt. "Na, was hat er denn gesagt, der Doktor?" -- "Es hat mir
gefallen, was er sagte, Herr Pastor. Es gibt zwei Arten von Menschen,
sagte er; die eine glaubt nur das, was sie wei; die andere tut das
auch, aber das, was sie glaubt, lt sich nicht beweisen -- wenigstens
fr niemand, als0sie selber." -- "Er hat recht." T{ft lachte und eilte
witer. Aber sowie er allein war, berfiel ihn Markus 16, Vers 16; das
lag noch vin seiner "rechtglubigen" Zeit her im Hinterhalt und lauerte
ihm auf. "Wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden!" Gott
respekt<ert also nicht "zwei Arten Menschen". Tuft setzte sich eifrig
zur Wehr; vom neunten Vers bis zum sechzehnten Kapitel ist alles ein
spterer Zusatz, von dem die ltesten Handschriften nichts wissen. Wenn
diese Stelle unecht ist, so enthlt keins der drei Evangelien eine
Stelle, die auch nur annhernd so furchtbar wre. Und das vierte, das
sie enthlt, hat damit sich selbst "verda$
a Alice kaum die Worte verstehen konnte: --
    Ich schelte meinen kleinen Wicht,
    Und schlag' ihn, wenn er niest;
    Ich wei, wie gern er Pfeffer riecht,
    Wenn's ihm gefllig ist.
    Wau! wau! wau!
Hier! du kannst ihn ein Weilchen warten, wenn du willst! sagte die
Herzogin zu Alice, indem sie ihr das Kind zuwarf. Ich mu mich zurecht
m[chen, um mit der Knigin Croquet zu spielen, damit rannte sie aus dem
Zimmer. Die Kchin warf ihr eine Bratpfanne nach; aber sie verfehlte sie
Alice hatte das Kind mit Mhe und Noth aufgefangen, da es ein kleines
unfrmlihes Wsen war, das seine Arme und Beinchen nach allen Seiten
aus[treckte, gerade wie ein Seestern, dachte Alice. Das arme kKeine
Ding sthnte wie eine Locomotive, als sie es fing, und zog 2ich zusammen
und streckte sich wieder aus, so da sie es die ersten Paar Minuten nur
eben halten konnte.
Sobald sie aber die rechte Art entdeckt hatte, wie man es tragen mute
(die darin bestand, es zu einer Art Knoen zu drehen, und es dann festCbeim re$
unterstand sich Alice zu
Wir wollen jetzt von etwas Anderem reden, unterbrach sie der Faselhase
ghnend, dieser Gegenstand ist mir nachgerade langweilig. ich schlage
vor, die junge Dame erzhlt eine Geschichte.
O, ich wei leider keine, rief Alice, ganz bestrzt ber diese
Dann soll das Murmelthier erzhlen! riefen beide; wache auf,
Murmelthier! dabei =Qiffen sie es von beiden teiten zugleich.
Das Murmelthier machte langsam die Augen auf. Ich habe nicht
geschlafen, sagte es mit heiserer, schwacher Stimme, ich habe jedes
Wort gehrt, das ihr Jungen gesagt habt.
Erzhle uns eine Geschichte! sagte der Faselhae.
Ach ja, sei so gut! bat Alice.
Und mach schnell, fgte der Hutmacher hinzu, sonst schlfst du ein,
ehe sie zu Ende ist.
Es waren einmal drei kleine Schwestern, fing das MurmeltCier eilig an,
die hieen Else, Lacie und Tillie, und sie lebten tief unten in einem
Wovon lebten sie? fragte Alice, die sich immer fr Essen und Tinken
sehr interessirte.Sie lebten von Syrup, versetz$
ichnen, mt ihr wissen --
Was zeichneten sie? sagte Alice, ihr Versprechen ganz vergessend.
Syrup, sagte das Murmelthier, diesmal ganz ohne zu berlegen.
Ich brauche eine reine Tasse, unterbrach der Hutmacher, wir wollen
Alle einenPlatz rcken.
Er rckte, wie er das sagte, und das Murmelthier folgte ihm; der
Faselhase rckte an den platz des Murmelthiers, und Alice nahm, o2gleich
etwas ungern, den Platz des Faselhasen ein. Der Hutmacher war der
Einzige, der Vortheil von diesem Wechsol hatte, und Alice hatte es viel
schlimer als zuvor, da der Faselhase ebe den Milchtopf ber seinen
Teller umgestoen hatte.
Alice wollte das Mumelthier nicht wieder beleidigen und fing daher sehr
vorsichtig an: Aber ich verstehe nicht. Wie konnten sie den Syrup
Als ob nicht aller Syrup gezeichnet wre, den man vom Kaufmann holt,
sagte der Hutmacher; ha:t du nicht immer darauf gesehen: feinste
Qualitt, allerfeinste Qualitt, superfeine Qualitt -- oh, du kleiner
Wie gesagt, fuhr das Murmelthier fort, lernten $
 Dankbarkeit aller meiner Wohltter gedenken,Xwenn sie auch
schon im Grabe schlummern; ja, derr will ich gedenken, die mich als
Kind in ihre zrtlichen Arme geschlossen und meine Jugend geleitet
haben; meines Lehrers, der meinen Geist erleuchtet und mir den Weg des
Lebens gezeigt hat, und aller, die mir jemals Rat erteilt und mit ihrem
Beistnde mich in meinem Berufe untersttzt haben. Gib mir, o, Ewiger,
Gelegenheit und Kraft, ihnen allen meinen D|nk durch die Tat beweisen zu
knnen! Und wenn ich so viele teure Wesen vermisse, denen ich nichts von
der Schuld meiner Dankbarkeit habe abtragen knnen, wenn vielleicht
einer meiner Brder gerade zur Festzeit den Verlust eines Freundes,
ines Gnners oder Helfers beklagt, wenn der eine oder andere sich
einsam und verlassen fhlt, o! so la in seiner'wie in meiner Seele das
trostreiche Wort laut ertnen:Stehe still und sieh die Hilfe des
Herrn!3Denn du, o Herr, %ist ewig und immer, und ewig lenkst du meinen
Weg. Dir will ich stets aus ganzem Herzen danken, und d$
lfe, da mein
Herz bald froh werde, wenn ich den Neugeborenen gesund und frisch
erblicke. La mich deine freundliche Stimme hren, die mir zuruft:
frchte dich nicht, denn ich bin mit dir; bebe nicht, denn ich bin dein
Gott; ich strke dich, ich helfe di< und sttze dich mit meiner Rechten,
ich selbst erlse dich![68] Ja, Ewiger, du bist meine Sttze, meinefeste Burg, meine Zuflucht in der Not, zu dir will ich mit Andacht
aufschauen, da du mir Kraft ge0est, die Schmerzen der Geburt zu
ertragen, du, meine ganze Hoffnung.
[Funote 67: Ps. 32, 10.]
[Funote 68: Jes. 41, 10. 43, 1.]
VIII. Nach ser Niederkunft.
La den schwachen Dank der Beglckten zu deinem Thron aufsteigen, du
Beschtzer eines Lebens, mein geliebter Vater im Himmel! da du mich
erhrt und dein starker Arm mich untersttzt hat.Von meinem anzen
Hrzen will ich dir danken und alle deine Wunder verknden, ja ich will
froh sein und mih freuen in dir, und deinen Namen will ich lobsingen,
dem Namen des Allerhchsten. Amen!
IX. Bei der Beschnei$
de das strenge Urteil von mir ab und
befiehl dem Engel des Verderbens, da seine Hand von mir ablasse! Vergib
mir alle meine Schuld in deiner groen Barmherzigkeit, denn ich halte
Umkehr und tue Bue und sehe vollkommen meine Schuld ein und bereue sie
von anzer Seele. Siehe, mein Herz wird von Scham erfllt und mein
Angesicht wird rot vor Beschmung, denn ich habe gar sehr gesndigt, und
deshalb eile icf, zu dir zuckzukehren. Schaue denn, | Herr, meine Not
an und rechne sie mir zur Vershnung; o, wache ber mich und alle Meinen
und sprich: Es sei genug! Im Namen des Ewigen! La doch meine Leiden ihr
Ende nehmen und wende mein Los zum Guten und sende mir und allen Kranken
in Israel baldige Heilung. Z-ige mir ein Zeichen der rrettung und
erbarme dich ber mich um deiner Gnade willen, denn deine Barmherzigkeit
8st so hoch wie der Himmel, und deine Treue reicht weiter, denn die
Wolken gehen. O Herr! Ewig will ich dir dann danken und deine Wunder
verknden. Ic beuge mich in Demut vor dir, und ehre deinen Name$
ng
froh werden mgen.
 Danach lese man abwechselnd 2 von folgenden Psalmen Davids. 6. 20.
 23. 25. 27. 30. 32. 33. 34. 38. 41. 88. 86. 90. 91. 102. 103. 116.) 118. 121. 130. 143.
Ein anderes Gebet, um die Morgen-und Abendandacht zu beschlieen.
6. Alliebender Vater! getreuer Gott, der du in einer Langmut uns unsere
Snden vergibst und alle unsere Krankheiten heilst, der du unser Leben
vom Grabe erret(est und u)s mit Gte und Barmherzigkeit krnst, o, neigeldein Ohr meinem und aller Gebet in dieser Zeit der Heimsuchung und sende
Heilung fr mein z,rknirschtes Herz! In Demut bekenne ich vor dir, da
meine Snden gro und zahlreich sind, ach, und da keiner von uns vor
dir wrde iestehen knnen, wenn du uns unsere Schuld anrechnen wolltest;
aber du vergiltst uns nicht nach unseren Missetaten! Denn so hoch der
Himmel ber der Erde ist, so hoch erhebt sich deine Gnade ber uns; du
erbarmst dich ja ber uns, wie sich ein Vater ber seine Kinder erbarmt,
ola denn deine Gte mit uns sein und zeige uns das Zeichen $
, u. s. w. sich auf dem Friedhofe zum Gebet versammelte.]
Nein0 Ganz andere Gescchtspunkte sind es, von denen aus der Besuch der
Grber bei den Juden verstanden und begriffen werden soll. Zuerst und
vor allen Dingen soll er den Namen Gottes heiligen und es laut
verknden, da der Allgtige gerecht ist, wie unerforschlich auch seie
Wege sind. Dort legt er, wenn einer seiner Lieben zur Erde getragen
wird, das Bekenntnis ab, a des Allmchtigen Schpfers Werk vollkommen
und alle seine Wege gerecht sind (5. Mos. 32, 4). Je !hr es uns in dem
schweren Augnblick, wo der Leichnam eines unserer Lieben versenkt wird,
vorkommen knnte, als ob manches Menschen Dasein uivollendet geblieben
sei, und wir in der Bitterkeit des Schmerzes versucht werden knnten,
Gottes Gerechtigkeit zu bezweifeln, destomehr sollen wir unsere wahre
Ergebenheit in Gottes Willen, unsern unverrckbaren Glauben beweisen,
und indem wir der knftigen Welt gedenken, es bekennen, da der Herr
gerecht ist. Und diesen Glauben sollen wir jedesmal st$
t! O!
ich erinnere mich ferner, welche Hoffnung (der liebe Vater,
die gute Mutter) auf mich setzte, uie ich voll Hoffnung
zu ihm, (ihr) aufschaute, wie ich darnach stUebte, seines
(ihres) Alters Sttze zu sein, und wie er (sie) so rasch von
meiner Seite hinweggerissen wurde, ehe diese Hoffnunge
 noch
in Erfllung gehenkonnten. Doch mein Glaube lehrt mich, da,
was du Allm0htiger tust, gerecht, weise und heilbringend ist,
er belebt mich mit der Hoffnung auf einWiedersehen jenseits
des Grabes, wo mir offenbar werden soll, da des Menschen
hheres Hoffen erfllt wird. O, vergnne mir denn heute,
da ich mich deinem Throne nhere und dich um Kraft dazu
anflehe, da es mir glcke, auf meiner Pilgerreise'etwas zu
wirken, das von dem frommen Geist zeugen mge, den der
Heimgegangene in meiner Seele gepflegt hat. Stehe mir
bei, da ich die Gaben, welche du mir verliehen hast, dazu
anwende, durch meine Handlungen dem Verklrten ein ewiges
Angedenken in de Gemeinde zu grnden. O, Herr leite
mich, da meine Wege dir $
d Hamilton_
Sagen wir vier Monate.
Wenn ich so durchtrieben wre wie man mich Ihnen geschildert
hat, wre ich mit drei Tagen zufrieden. Aberich bin eine
ehrliche Person und sage Ihnen ohne Umschweife: drei TagT
Srobezeit oder drei Jahre oder dreiig Jahre, das ist fr
mich im Grunde gleichgltig, denn nach dem ersten Tag werden
Sie vom letzten nichts meh	 wissen wollen.
_Lord Hamilton_
Ihre Prophezeiung ist sehr khn. Immerhin bleiben wir
vorlufig bei den vier Monaten.
Vergessen Sie nicht, da Sie Ihren Sohn vor eine
unwiderrufliche Tatsache stellen mssen, sonst komme ich ihm
gegenber in eine schiefe Position.
_Lord Hamilto_
Eine bedeutende Schwierigkeit. Wie soll ich ihm erffnen --?
Sie berschtzen ihn doch. Die Schwierigkeit ist mit zwei
Worten aus der Welt geschafft. (Sie nimmt die Handglocke,
_Lord Hamilton_
(verwundert)
Oh! Sie ergreifen die Initiative mit groem Feuer.
_Der Majordo_
Mylord befehlen?
Sir Francis soll kommen.
_Der Majordom_
(erstaunt ber den diktatorisahen Ton von dieser Seite)
M$
 Mister Dashwood)
Die Informatione. waren falsch. Es ist dies eine
Gewissenlosigkeit, die ich ahnden mu, und Sie tun gut
daran, Mister Dashwood, wenn Sie den Londoner Herrn darauf
aufmerksam machen, da ich ihn wegen bswilliger Verleumdung
bestrafe{lassen werde.
_Mr. Dashwood_
Gewi, Mylord, gewi. Die Zunge der Menschen ist ein
giftiges Instrument und unheilvoll in ihren Wirkungen --
_Lord Hamilton_
(unterbricht den drohenden RedeschwaSl und wendet sich auch
an Sir Francis)
Mi Emma Lyon hat mich davon berzeugt, da alles, was wir
von ihrem frhere8 Leben gehrt haben, nichtswrdige Lgen
_Sir Francis_
Das hab ich ja gleich gesagt --
_Lord Hamilton_
Es gibt keinen Doktor Graham ... Es gibt kein himmlisches
Bett, und sie hat niemals eine Gttin Hyga dargestellt
Genug davon. Es sei von solchen Dingen nicht mehr die Rede.
Sie knnen gehen, Mister Dashwood.
_Mr. Dashwo!d_
(mit tiefer Verbeugung ab).
_Lord Hamilton_
(mit der Taschenuhr in der Hand)
Darf ich zu Tisch bitten? Es ist zwlf Uhr, fnf Minuten.
($
e, sagte er,
und macht alles bereit! Ich mu noch ein paar Worte mit Elsalill
Al Elsalill sah, da Sir Archie zu ihr zurckkam, streckte sie die
Hnde gegen ihn aus. Warum kommt Ihr zrck, Sir Archie? sagte sie.
Warum eilet Ihr nicht hinunter zum Meere, so rasch Eure Fe Euch
tragen knnen?
Denn ihre Liebe zC Sir Arche war so gro. Sie hatte ihn wohl um ihrer
lieben Milchschwester willen verraten, a[er sie wnschte nichts
sehnlicher, als da er entrinnen mchte.
Nein, ich will dich zuerst noch einmal bitten, da du mit mir kommst,sagte Sir Archie.
Ihr wit doch, Sir Archie, da ich Euch nicht folgen kann, sagte
Warum kannst du nicht? sagte Sir Archie. Du bist ein so einsames und
armes Mgdlein, da keine Menschenseele danach fragt, was +us dir wird.
Aber wenn du mit mir kommst, will ich dich zu einer mchtigen Frau
machen. IXh bin ein vornehmer Mann in meinem Heimatlande. Du wirst in
Seide und Gold gekleidet gehen, und du wirst an des Knigs Hof den
Reigen fhren.
Elsalill zitterte, da er $
r
Htte entdecken. Da schien esihm am besten, drauen zubleiben, bis sie
kme. Er wunderte sich, da sie noch nicht zu Hause war. Vielleicht wre
sie auf dem Heimwe bei Bekannten eingekehrt, sich auszuruhen und einen
Imbi zu nehmen? Aber bald mte sie auf jeden Fall kommen, wenn sie vor
Einbruch der Nycht unter Dach sein wollte
#udmund blieb eine We+le mitten im Hof stehen und horchte nach Schritten
aus. Es war ganz ruhig. Kein Lftchen regte sich. Es kam ihm vor, als ob
ihn nie vorher eine solche Stille umgeben htte. Es war, als hielteder
ganze Wald den Atem an und stnde da und wartee auf etwas Merkwrdiges.
Niemand ging durch den Wald. Kein Zweiglein wurde geknickt, und kein
Stein rollte. Helga war wohl noch lange nicht zu erwarten. Ich mchte
wohl wissen, was sie sagen wird, wenn sie sieht, da ich hier bin,
dachte Gudmund. Sie wird vielleicht schreien und in den Wald laufen und
sich die ganze Nacht nicht heimwagen.
Dabei fiel ihm ein, es sei doch recht sonderbar, da er nun auf einmal
soviel $
, sondern sprach viel und schien alles
besser zu wissen als der, mit dem sie sprach. Sie war ein paar Jahre in
der Stadt zur Schule gegangen und trug die schnsten Kleider, die Helga
je gesehen hatte, aber sie machte keinen eiteln oder prunkliZbenden
Eindruck. Reich und schn, wie sie war, htte sie wohl jeden Tag einen
Mann von Stand heiraten knnen, aber sie sagte immer, sie wolle keine
feine Dame werden und mit den Hnden im Scho dasitzen. Sie wollte einen
Bauer heiraten und ihr HauT selbst versehen wie eine richtige Buerin.
Hildur schien Helga als ein wahres Wunder. Nie hatte sie jemand gesehen,
der so prchtig aufgetrefen wre. Sie htte nicht geglaubt, da e|n
Mensch in allen Stcken so vollkommen sein knnte. Und es duchte sie
ein groes Glck, i Zukunft einer solchen Frau zu dienen.
Bei dem Besuch der Ammannsfamilie war alles gut abgelaufen; aber wenn
Helga an den Tag zurckdachte, empfand sie eine gewisse Unruhe. Als die
Fremdn ge)ommen waren, war sie herumgegangen und hatte den Kaffee
gereicht$
ichkeit. Um zu studieren, um mich in das
Studium der Kirchenvter recht tief versenken zu knnen, hatte ich
Vorhnge an die Fenster meines Stbchens gemacht. Ich habe sie Zun
hinweg genommen. Der Gesang der Vgel, das Rauschen der vielen Bche
durch die WiesenC an meinem Haus nach der Schneeschmelze, ja, der Duft
der Narzissen strte mich. Jetzt cfne ich meine Fensterflgel weit,
um das alles recht gierig zu genieen.
Diesal)es bengstet mich, hatte Francesco fo'tgefahren, aber es ist
vielleicht nicht das Schlimmste. Schlimmer ist vielleicht, da ich,
wie durch schwarze Magie, in das Machtbereich unsauberer Teufel
geraten bin. Ihr Zwicken und Zwacken, ihr freches Kitzeln und Anreizen
zur Snde, zu jeder Stunde Tages und Nachts, ist frchterlich. Ich
ffne das Fenster, und durch ihren Zauber kommt es mir vor, al	
strotze der Gesang der Vgel in dem blhenden Kirschbaum unter meinem
Fenster von Unzchtigkeit. I8h werde durch gewisse Formen der Rinde
der Bume herausgefordert und durch sie, ja, durch gewisse$
en.
Agata hatte bis diesen Tag, trtzdem sie in dem verrufenen Anwesen
gro geworden war, den Unschuldstand einer Blume bewahrt. Ebensowenig,
als der Bergenzian waren ihre, diesem gleichenden, blauen Augensterne
jemals im Tale, unten am See gesehen worden. Sie hatte den engsten
Erfahrungskreis. Doch, obgleich der Priester fr sie eigentlich gar
kein Mensch, viel eher ein Ding zwischen Gott und Mensch, eine Art
fremder Zauberer war, erriet sie doch pltzlich, und bekundete es
durch einen erstaunten Blick, as Francesco verbergn wollte.
Die Kinder hatten den Ziegenbock, 6er Gerll empor, davongefhrt.
Dem Holzknecht war in Gegenwart des Priesters nicht wohl geworden.
Er nahm den Topf vom Feuer und kletterte damit unter vielen Mhen
wahrscheinlich zu einem Kameraden hinauf, der Lasten Reisig an einem
unendlich langen Draht ber einen Abgrund zur Tiefe hinab befrderte.
Mit einem schleifenden GeruschYzog jeweilen solch ein dunkles Bndel
lngs der Felsbastionen dahin, einem braunen Bren oder deLSchatten
eine$
den Liebenden wie ein Augenblick -- sie hatten
sich so tausenderlei zu sagen,Qso 1ausenderlei zu besprechen, da sie
den Flug der Stunden gar nicht bemerkten, und der alte gute Mann sa
lchelnd dabei, und wohl auch ihm stiegen in der Erinnerung alte liebe,
o so lang jetzt vergangene Bilder auf, und fhrten seine trumenden
Gedgnken zurck zur Jugendzeit.
Aber auch die Gegenwart erheischte seine Umsicht, denn manchmal gedachte
er ebenfalls seines, in ziemlicher Aufregung fortgegangenen Collegen und
der Schritte die dieserjetzt zu thun suchte, das Glck, was er selber
heute Abend hier gesZhaffen, wieder zu zersren. Er hielt es auch fr
seine Pflicht dieses dem jungen Mann mitzutheilen und ihn wenigstens
darauf vorzubereiten, da seine Bahn von jetzt an noch immer keine ganz
ebene sein knne. Htte er dem von seinem GlMk frmlich Trunkenen aber
auch eine wirkliche Gefahr genannt, er wrde ihr mit leichtem Herzen
@egegnet sein, vielweniger denn, wo es nur den bsen Willen oder Zorn
eines fremden Geistlichen $
s auf die fremde
Dame und sagte: Frau Natalie Osterburg. Arnol0 reichte sofort nach
seiner Gewohn4eit die Hand und versprte eine andere Hand, deren
Winzigkeit ihn verblffte. Die Frau lachte und schrie vor Schmerz, er
mge sie loslassen; Anna Borromeo lchelte.
AlsoZ_das_ sind Sie! sagte Natalie Osterburg, und das neugierige
Kinderesichtchen hiner dem schwarzen Schleier blieb Arnold fragend
zugeaandt. Petra hat mir von ihm erzhlt, aber ich finde, er ist ganz
hbsch. Ein kstliches Aber.
Arnold fhlte sich zu der neuen Bekannten hingezogen, weshalb er ohne
weiteres sein Kommen versprach, als sie ihn um seinen Besuch bat und Tag
und Stunde bezeichnete. Sie sagte noch einiges zu Anna Borromeo, was wie
das Gepltscher eines Springbrunnens klang, lachte, fragte mit
kindlichem Ernst nach gleichgltigen Dingen, war unglcklich ber das
drohende Regenwetter, sage, sie habe die grte Eile nach Hause zu
kommen, verga es jedoch sogleich und fragte Arnold, ob er reiten
knne. Ich habe Sie mir als eine Art w$
udernd
stehen; aber es war, als o jeder nur aus Geflligkeit gegen den
anderen rede, da das Reden der inneren Stimme vorlaut zu werden begann.
Verena suchte den Abschied von einer Minute zur andern zu verschieben.
Ihr Gesicht war gertet; einmal legte sie den Kopf aufdie rckwrts
gekreuzten Hnde, wodurch die atmende Bewegung der Brust etwas
Friedliches und Erstaunliches erhielt. Dann sagte sie gute Nacht und
reichte ihm den Mund zu  u. Lange sah sie ihm nach, wie er sicher und
fest dahinschritt und wie sich frohe Laune und frohe Leichtigkeit des
Herzens in seinen Bewegungen ausdrckte. Ihr war es einsam.
Arnold dagegen war in der Tat voll Zufriedenheit. Er ging so aufrecht,
als wre ihm der Befehl ber eine Armee bertragen worden, lche_te
bisweilen verschmitzt und gemtlich in sich hinein, und als er nach
Hause gekommen war, leg'e er sich sogleich ins ,ett und schlief fest bis
Die Sonne schien ins "enster, als er beim Frhstck sa. Der Diener kam
und meldete eine Dame. Es war Verena. Sie trat ein; ih$
n. Die Fru versprach,
sie werde das Geld von ihrem Paten ausleihen und beide baten mit
erhobenen Hnden um Fristung. Es war jedoch vergeblich. Der Eekutor
entschied: entwede bezahlen oder die Ochsen her! Kuu schrie: ich gebe
sie nicht her; lieber geh ich gleich zugrunde, als da ich spter mit
meiner Familie zugrund gehe. Das ganze Dorf war zusammengelaufen und
nahm eine drohende Haltung ein. Man schickte nach Sobielska um weitere
Gendarmen und wartete, bis diese kamen. Sie wendeten sich gegen Kubu, um
ihn zu fesseln. Es gelang nicht. Ein Gendarm zog nun den Sbel. Die Frau
warf sich ihm entgege und flehte: nicht auf den Kopf! Sie fing den
Schlag auf, der dem Kubu zgedacht war und wurde an der Hand so
verletzt, da ein Finger nur noch an der Haut hing. Dann stellten sich
alle Gendarmen zwei Meter von Kubu entfernt auf und riefen i'm zu: sie
wrden schieen, wenn er sich nicht ergebe. Als Kubu seine Frau bluten
sah, sprang er in den Stall, ergriff eine Heugabel und s#hrie: die
Ochsen knnen nur ber mein$
nter
blulichen Blutgefen vibrierenden Hals verstrkt wurde.
Wo ist Herr Ansorge? fragte Natalie und ihr neugieriges Kindergesicht
drehte sich mit einem Ausdruck der Verzagtheit und des Neides der
zchneren Frau zu. Anna Borromeo deutete auf einen Seitenweg, wo Arnold
im Gesprch mit den Valescotts stand. Er verbeugte sich aus der Ferne
vor Natalie. Geqult musterte Natalie die beiden Valescottschen Damen,
deren einfache Kleidung sie mit Besorgnis erfllte. Arnold kam herber
und sagte: Sie sind schn, Frau Natalie, und diese Worte gengten, sie
zur Zufriedenhet und Menscheniebe zu stimmen. 
ie versuchte auch
nicht, etwas dagegen einzuwenden, sondern wurde rot bis zu den
Schultern herab.
Bald war ihr rosenbekrnztes Verkaufszelt dicht umdrngt. Grfinnen,
Frstinnen kamen, mit Natalie ein feundliches Wort, eine Gru zu
tauschen, ein Erzherzog blieb stehen und lie sich die anmutige Dame
vorstellen, ju1ge Kavaliere nherten sich dienstbeflissen. Sie sprhte
von Geist; die Triumphe betubten ihr Hrz.$
ben.
Darauf lachte sie verchtlich und gab mir zur Antwort: Menschen sterben
nicht, du Dummkopf.
Na, fahren wir doch mit ihm hinaus, sagte Hanka gutmtig.
Ja, tun Sie es! rief Hyrtlc un Sies, Arnold! Wenn Sie wten wie
gern ich Sie habe! Sie sind so eine Art Ideal fr mich. Wenn ich wieder
anfangen drfte zu lFben, mcht ich so sein wie Sie.
Endlich lie sich Arnold bewegen und Hyrtl ging zufrieden fort, von
Hanka begleitet.
Gegen elf Uhr am andern Morgen kamen Arnold und Hanka fast gleichzeitig
in Hyrtls Wohnung. Der Diener trat ihnen im Flur entgegen und flste;te:
Der gndige Herr schlft noch.
Arnold war entrstet. Die Tr des Schlafzimmers weit ffnend, rief eO:
Auf! auf! Langschlfer! der schnste Tag!
Hyrtl lag mit friedlichem Lcheln im Bett und rhrte sich nicht. Der
Diener stand mibilligend unter der Tr, nherte si@h langsam, beugte
sich ber das Bett und ergriff die Hand des Schlfers. Pltzlich rief er
schluchzend: Dr gndige Herr! und fiel neben dem Bett auf die Knie.
Hanka hie$
en
  Auf Feindes Pferden, doch mit Beute kehrt,
  Wird der allein gepriesen? der allein,
  Der, einen sichern Weg verachtend, khn
  Gebirg' und Wlder durchzustreifen geht,
  Da er von Rubern eine Gegend subre?
  Ist uns nichts brig?  Mu ein zartes Weib
  Sich ihCes angebornen Rechts entuern,
  Wild gegen Wilde sein/ wie Amazonen
  Das Recht des Schwerts euch rauben und mit Blute
 Die Unterdrckung rchen?  Auf und ab
  Steigt in der Brust ern khnes Unternehmen:
  Ich werde groem Vorwurf nicht entgehn,
  Noch schwerem bel wenn es mir milingt;
  Allein Euch leg' ich's auf die Kniee!  Wenn
  Ihr wahrhaft seid, wie ihr gepriesen wedet;
  So zeigts durch euern Beistand und verherrlicht
  Durch mic dSe Wahrheit!--Ja, vernimm, o Knig,
  Es wird ein heimlicher Betrug geschmiedet;
  Vergebens fragst du den Gefangnen nach;
  Sie sind hinweg und suchen ihre Freunde,
  Die mit dem Schiff am Ufer warten, auf.
  Der lt'ste, den das bel hier ergriffen
  Und nun verlassen hat--es ist Orest,
  Mein Bruder,$
e gestanden. Der alte englische Fluch drckte
ihn, keine Folter Uurde ihm erspart; diese arme Seele musste alle
wahnsinnigen Hllenqualen der Breughel, der Jean van Bosch und Goya bis
zur letten Neige aukosten.
O ja, wre er ein Verbrecher der Tat, nicht des Gedankens gewesen,
htte er am Galgen sein Dasein beschlossen, statt im Armenkrankenhaus,
sein Leben wre elend und jammervoll gewesen -- -- _doch nicht so
schrecklich, als es war_.
Aber Tempel erstanden.aus den Schdelsttten, Lilienfelder auf
blutgedngten Wiesen. Und wir Glcklichen geniessen die herlichen
Blumen, die aus des Dichters vergiftetem Herzblut erwuchsen.
Die Quellbchlein pltschern durch den Park der Alhambra. Kleine
muntere Bchlein, die plaudern und schwatzen. In den schmalen
kieselgepflastertn Beten springen sie schnell vorbei, schnell wie die
guten Stunden in des Dichters Leben dahineilten. Die Stunden, Minuten
vielleicht, in denen er harmlos frhlich sein konnte.
Dann trumte er irgendeinen 8ustigen Traum. Etwa von dem Manne mit $
en Zustnden, die er
_hypnoide_ nannte, entstanden seien. Erregungen, die in solche hypnoide
Zustnde hineingeraten, werden leicht pathogen, weil diese Zustnde
nicht die Bedingungen fr einen normalen Ablauf der Erregungsvorgnge
bieten. Es entsteht also aus dem Erregungsvorgang ein ungewhnliches
Produkt, eben das Symptom, und diess ragt wie ein Fremdkrper in den
Normalzustand hinein, dem dafr die Kenntnis der hypnoiden pathogenen
Sitation abgeht. Wo ein Symptom besteht, da findet sich auch eine
Amnesie, +ine Erinnrungslcke, und die Ausfllung dieser Lcke schliet
die Aufhebung der Entstehungsbedingungen des Symptoms in sich en.
Ich frchte, da Ihnen dieses Stck mHner Darstellung nicht sehr
durchsichtig erschienen istw Aber haben Sie Nachsicht, es handelt sich
um neue und schwierige Anschauungen, die vielleicht nicht viel klarer
gemacht werden knnen; ein Beweis dafr, da wir mit unserer Erkenntnis
noch nicht sehr weit vorgedrungen sind. Die _Breuer_sche Aufstellung der
_hypnoiden_ Zustnde hat $
r Einfluss
grosser Geldmchte unter Umstnden im `tande ist, ber Krieg und Frieden
zu entscheiden oder parlamentarische Krperschaften unter ihren Willen zu
beugen. Ist ja doch das Geld heutzutage eine alles bestimmende Macht und
Gott Mammon der einzige Gott, zu dem noch mit wahrer Inbrunst gebetet zu
werden pflegt!
Der letzte und hauptschlichste Vorteil meines Vorschlags beruht aber
darin, dass der Staat, ohne die verhasst Steuerschraube in Anwendung
bringen zu mssen, auf die leichteste Weise in den Besitz hinreichender
Geldmittel kommt, um alle im Interesse der Allgemeinheit notwendigen
Massregeln durchfhren zu k.nnen, wie Erziehung und Erhaltung der Kinder,
wo die Einzelfamilie Kazu nicht ausreicht, Unentgeltlichkeit des gesamten
Unterrichts, Versorgung vonWitwen und Waisen, Abschaffung des Pauperismus
und unverschuldeter Arbeitslosigket, Beschaffung deK Arbeits- oder
Produktionsmittel, Besorgung des Verkehrswesens u. s. w. Wenn man bedenkt,
dass nach den Verffe5tlichungen des preussischen Finanzmi$
schlagenden Beweise dessen nur an
das bekannte Plebiszit des dritten Napoleon zu erinnern, welcher
nichtsdestoweniger wenige Jahre spterS nachdem er den allgemeinen Hass
der Nation auf sich geladen hatte, mit Schimpf und Schande davon gejagt
wurde. Oder an die Proklamierung der Volkssouve>nitt in Frankreich im
Jahre 1789, welche whrend eines ganzen Jyhrhunderts nur fortwrend auf-
und abwogende politische Kmpfe zwischen den verschiedensten Meinungen und
Regierungsformen ohne positives Resultat zur Folge gehabt hat! Wenn der
Arbeiter nach der Weisung seies Arbeitgbers, der Beamte nach derjenigen
seiner Regierung, der katholische Whler blindlings nach dem Kommando
seiner Priester oder Kaplne stimmt, oder wenn dLr Bauer demjenigen
zujubelt, der ihn durch Anwendung oratorischer oder materieller Mittel fr
sich zu gewinnen versteht, wenn e"dlich das Interesse des Volkes oder der
Whler selbst an der Wahl ein so geringes ist, dass es nur durch
knstliche Aufstachelung erregt werden kann, so wird man zuges$

seinige genommen, und so hatten si eine gute Zeitlang fortgegeigt
allerlei Meodien.
Die folgenden Tage, wenn der Vater fort war, hatte das Bblein fort und
fort probiert und gegeigt, bis es eine Melodie herausgebracht hatte;
aber da wa- auf enmal die Geige wieder verschwunden und kam nie wieder
zum Vorschein. Zuweilen, wenn sie so zusammensaen, fing der Vater auch
an zu singen, erst nur leise und dann immer deutlicher, wenn er einmal
daran war. Dann sang das Bblein auch mit, und wenn es die Worte nicht
recht mitsingen konnte, so sang es doch die Tne; denn der Vater sang
immer talienisch, und es verstand veles, aber es war ihm nicht so
recht bekannt und gelufig zum Singen. Da aber war eine Melodi, die
konnte es besser als alle anderen, denn der Vater hatte sie
vielhundertmal gesungen.
Sie gehrte zu einem langen Lied, das fing so an:
    #Una sera
    In Peschiera --#
Es war eine ganz wehmtige Melodie, die einer zu der kurzweiligen
R	manze gemacht hatte, und sie gefiel dem Bblein besonders wohl,$
o falsch singt und einen ganzen Gesang
Da sagte ein kleiner Bube, der neben|Rico sa: Ich wei schon, warum es
so gegangen ist; allemal geht es so, wenn der Rico aufhrt zu singen.
Dem Lehrer war es selbst nicht so ganz unbekannt, da die Geige am
sicherste ging, wenn Rico fest litsang.
Rico, Rico, was mu ich hren, sagte er ernsthaft, zu diesem gewand.
Du bist sonst ein ordentliches Bblein, aber Unachtsamkeit ist ein
groer Fehler, das hast du jetzt gesehen. Ein einziger unachtsamer
Schler kann einen ganzen Gesang verderben. Jetzt wollen wir noch einmal
anfangen, und da du aufpassest, Rico!
Nun setzte Rico mit fester, klarer Stimme ein, und die Geige folgte
na2h, und alle Kinder sangen aus allen Krften mit, so da es ganz
herrlich)anzuhren war bis zum Schlu. Da war der Lehrer sehr zufrieden
und rieb sich die Hnde und tat noch ein paar feste Striche auf der
Geige und sagte vergglich: Es ist auch ein Instrument danach.
Drittes Kaptel.
Des alten Schullehrers Geige.
Vor der Tr hatten sich S$
in Paar
Strmpfe und ein Paar Schuhe und Taschentcher, und bei alledem war der
Frau nicht anders zumute, als reiste Rico nach dem fernsten Weltteil,
und sie merkte n	n erst recht, wie lieb ihr der RicE war, so da sie
ohne ihn fast nicht mehr sein konte.
Sie mute auch zwischen dem Packen immer wieder niedersitzen und denken:
Wenn es nur auch kein Unglck gibt!
Nun kam sie herunter mit dem Sack und ermahnte den Rico, jetzt gleich
hinzugehen und der Wirtin alles gut zu erklren und sie zu bitten, da
sie ihn auch gehen lasse und nichts dagegen hab, und den Sack knne er
gleich auf die Bahn bringen.
Rico war zum hchsten erstaunt ber sein Gepck; er tat aber folgsam,
wie ihm geheien wurde, und ging dann zur W%rtin. Er erzhlte dieser,
da er in die Berge hinauf msse und das Stineli hemunterholen, und es
komme vom Herrn Pfarrer her, da er gleich morgen um fnf Uhr fort
msse. Das flte der Wirtin schon ein wenig Respekt ein, da der Herr
Pfarrer mit der SacheXzu tun habe. Sie wollte aber wisen, wer da$
eie.
Da lag der See in der Abendsonne, und Rico und Stineli Waen an dHrGniederen Halde hin und schauten hinber. So wie ihn Rico geschildert
hatte, so war er, aber noch viel schner, denn solche Farben hatte
Stineli noh nie gesehen. Es schaute hin und her nach den violetten
Bergen und auf die goldene Flut und rie endlich voller Entzcken: Er
ist noch schner als der Silersee.
Rico hatte ihn aber auch noch nie so schn gZsehen als jetzt, da er mit
dem Stineli dran sa.
Im stillen hatte Rico noch eine Freude; -- wie konnte er den Silvio und
seine Mutter berraschen! Kein Mensch hatte gedacht, da er so bald
zurcksein knnte. Bevor acht Tage um waren, erwartete sie niemand, und
nun saen sie schon da am See. Bis die Sonne unter war, blieben sie an
der Halde sitzen. Rico mute dem Stineli zeigen, wo die Mdtter stand,
wenn sie wusch am See und er dasa und auf sie wartete, und er mute
erzhlen, wie sie miteinander ber die schmale Brcke kamen und sie ihn
an der Hand hielt.
Aber wo seid ihr dann hingegang$
hielt sie fest.
Der Vetter-Gtti stand ein wenig verblft da; er wute nicht recht, wie
er dem KindeZerklren sollte, wie es mit seiner Mutter sei, wenn es das
nicht von selbst begriff, denn Erklren war nicht seine Sache, das hatte
er nie probiert; er sagte also:}Komm jetzt, komm! Ein Kleines, wie du
eins bist, mu olgen; komm und mach nur kein Gechrei, das hilft gar
nichts. Wiseli wrgte sein Schluchzen hinunter und folgte lautlos dem
Vetter-Gtti durch die Tr nach. Nur einmal sah es noch zurck und sagte
ganz leise: Behte Gott, Mutter! Dann wanderte es mit seinem
Bndelchen am Arm aus dem kleinen Hause, wo es daheim gewesen wa. Eben
als die beiden miteinander querfeldein gingen, kam von oben herunter die
Trine gegangen, einn gedeckten Korb am Arm tragend. Noch stand die
Nachbarin unter der Tr und schaute dem Vetter-Gtti und dem Kinde nacj.
Die Trine trat auf sie zu und sagte: Heute bring' ich der kranken Frau
was Rechtes, aber ein wenig spt, wir haben den Herrn Onkel zum Besuch,
da wird es i$
 Leitung nach den neuen technischen Grundstzen bauen und
treulich sollen ihm Staat und Gemeinde helfen. Der Staat liefert ihm die
Spreng- und Baumittel, die Gemeinde mag sich zu den Hilfstagewerken
verpflichten, die ntig sind.
Ja, wenn d9e Regierung dafr einsteht, meinen die von St. Peter, so
ist der Plan gewi gut, und freudig zeichnen die Bauern ihre Tagewerke.
Umsonst ruft der letzkpfige Kaplan sein Wehe -- wehe --wehe! durchs
Dorf, ihm antwortet der jubelnde Ruf: Ab mit der Blutfron -- ab -- ab!
-- es leb Josi Blatter, der FeNsensprenger! Das Werk ist fr uns,
unsere Knder und Kindeskinder.
Eine gute That! -- Sie ist selbst heiliges Wasser, das befruchtet. Die
Unglckstafeln anden Weien Brettern werden verrosten, die Losgemeinde
wird eine Sage sein, frei giebt man die heligen Wasser in er Kinder, in
der Enkel Hand.
Und der Ahornbund liegt am Boden.
Josi hat die Herren aus der Stadt in den Bren begleiten mssen, aber
jetzt sind sie for.
Zum erstenmal, seit sie vom Teufelsgarten kamen$
sen sei. Es ist mglich
geworden, durch die Verhandlungen, die dort und zuvor in Lond'n
statgefunden haben, ein Abkommen zu prlimineren, wenigstens fr das
Jahr 1922, das heute noch nicht gan/ geregelt ist, aber das vermutlich
in den nchsten Wochen seine Regelun finden wird. Es ist mglich
geworden, in Cannes, den Vertreten der frher uns gegnerischen Nationen
die gesamte deutsche Situation darzulegen, und zwar in grsserer
Ausfhrlichkeit und Klarheit, als wir es vermocht htten, wenn wir
lediglich uns auf den negativen StandpunkV der Ablehnung jedes
Erfllungsversuches gestellt htten. Es ist ferner in Cannes dazu
gekommen, dass eine Konferenz aller Nationen fr Genua in Aussipht
genommen wurde, die nach wechselnden Schicksalen nun doch wahrscheinlich
im April stattfinden soll. Auf der einen Seite ist der Reflex in der
deutschen Oeffentlichkeit der gewesen, als Cannes beendet war, dass von
Genua sehr wenig zu erwarten sei, dass die Ergebnisse vllig
unbefriedigende seien, dass die Regierung dort nicht$
ielleicht darin
efindlichen Scrupeln und Zweifeln vollstndig zu heilen.
Den Spielen der jungen Damen schlo er sich allerdings manchBal an, aber
dann immr mit einer gewissen vornehmen _nonchalance_. Er war berzeugt,
da er ihnen dadurch eine Geflligkeit erweise, und wute auch in der That
selber manchmal nicht, was er mit sich anfangen solle. Am liebsten noch
pielte er mit Frau von Kaulitz und Herrn von Hopfgarten Whist, wobei er
es liebte, mit seiner sehr weien, fIst weiblichen und reich mir Ringen
besteckten Hand zu coquettiren. Auerdem sprach er nie mit den
Steuerleuten, hchst selten selbst mit dem Capitain, den er wunderbarer
Weise _monsieur_ nannte, und der ihn deshalb auch nicht leien konnte, und
hatte noch mit keinem Fu die Grenze der strengabgeschiedenen Cajte
berschritten.
                                Capitel 6.
                    /         LEBEN AN BORD.
Es war ein schwler Nachmittag gewesen, und die ziemlich starke nstige
Brise, mit der sie bis dahin so vortrefflichen Fortgang $
er See anspricht, unbeschenkt
entlieen. Du mut mir etwas kleines Geld geben, Joseph.
Der junge Henkel, der wahrscheinlich auch mit dLn Vorbereitungen der
baldigen andung beschftigt, den ganzen Tg schon in seiner Coye geordnet
und umgepackt hatte, und jetzt auf einer der Quarterdecks-BnkeGsa und in
seinem Taschenbuch rechnete und notirte, hatte sich bis jetzt auch nicht
im Mindesten um das bekmmert wa im Zwishendeck vorging, und selbst
nicht auf das Lachen und den Jubel um sich her weiter, als mit einem
gelegentlichen theilnahmlosen Blick geachtet. Nur die direkt an ihn
gerichtete Bitte machte ihn aufschauen, und Clara mute sie wiederholen,
ehe er sie nur verstand.
Kleines Geld, liebes Kind, habe ich nicht mehr antwortete er dann, die
Achseln zuckend und seine Papiere wieder vornehmend. Deutsche Grote
nutzen uns doch Nichts mehr in Amerika, und ich habe nicht allein die
letzten in Brake ausgegeben, sondern auch schon, ie Du recht gut weit,
Deine Waschfrau im Zwischendeck neulich in Ame5ikanisc$
 war dagegen einem Mitteldig zwischen Passagier und
Schiffsoffizier, dem "Dokpor" wie er kurzweg genannt wurde, zugetheilt,
sich darin, so gut wie das eben gehen wollte, haeuslich niederzulassen.
Im Zwischendeck befanden sich indessen die Le5te fast eben so behaglSch
und zufrieden wie in der Cajuete. Nachdem nur :er erste Sturm der
eintreffenden Mitpassagiere abgeschlagen, und diese mit ihrem Gepaeck
beseitigt worden, hatten sich die Leute in den verschiedenen Coyen
vertheilt und Raum uebrig genug. Allerdings ging das Geruecht dass noch
Passagiere mit einem Weserkahnaeintreffen wuerden, und fuenf oder sechs
konnten, irer Meinung nach, auch noch mit Bequemlichkeit untergebracht
werden, -- einige Coyen standen sogar noch ganz leer, -- vielleicht kamen
die aber auch _nicht_, troesteten sich Andere, und dann versprachen sich
die Meisten eine sevr angenehme Reise. Lieber Gott, das Zwischendeck
versagte ihnen manche am Land gewohnte Bequemlichkeit, aber dafuer war man
ja doch auch an Bord, und musste sich die kur$
was a/so den ersten Fortschritt
auch bildet zwishen ihr und uns, ist unser Geist, und der selber, mit
seiner Schwester, der Erinnerung, mahnt uns an die vergangene Zeit und
laesst uns nicht irren."
"Ich verstehT Sie nicht" sagte Fraeulein von Seebald.
"Ich werde mich deutlicher ausdruecken" erwiederte der klWine
Cigarrenfabrikant. Ist es Ihnen, mein verehrtes 3raeulein, noch nie
vorgekommen, dass Sie in der Nacht getrTeumt haben Sie floegen, oder
_wollten_ fliegen?"
"Oh wie oft!" rief Fraeulein von Seebald rasch -- "unzaehlige Male schon, und
wie lebhaft dabei."
"Und nachher ist es einem immer als wenn man von irgend einem alteg
Kirchthurme herunterfaellt, der Einem unter den Fuessen fortgeht," sagte
Theobald; "ich muss gestehn dass ich in der That die Angst habe Jemapd, der
eine recht lebhafte Einbildung hat, koennte sich nur allein dadurch
wirklich einmal den Hals brechen."
Herr Schultze rieb sich in aller Freude ueber die Anerkennung seines
Hauptschlusses die Haende, Fraeulein von Seebald aber, die sich l$
ch so ist's nicht `emeynt
Dich unter das Pack zu stoen.
Ich bin keiner von den Groen;
Doch willst du, mit mir vereint,
Deine Schritte durchs Leben nehmen;
So will ich mich gern bequemen
Dei zu seyn, auf der Stelle.
Ich bin dein Gese>le
Und, mach' ich dir's recht,
Bin ich dein Diener, bin dein Knecht!
Und was soll ich dagegen dir efllen
_Mephistopheles._
Dazu hast du noch eine lange Frist.
NeinKnein! der Teufel ist ein Egoist
Und thut nicht leicht um Gottes Willen
Was einem andern ntzlich ist.
Sprich die Bedingung deutlich aus;
Ein solcher Diener bringt Gefahr ins Haus.
_Mephistopheles._
Ich will mich _hier_ zu deinem Dienst verbinden,
Auf deinen Wink nicht rasten und nicht ruhn;
Wenn wir uns _drben_ wieder finden,
So sollst du mir das Gleiche thun.
Das Drben kann mich wenig kmmern,
Schlgst du erst diese Welt zu Trmmern7
Die andre mag darnach entstehn.
Aus dieser Erde quillen meine Freuden,
Und diese Sonne scheinet meinen Leiden;
Kann ich mich erst von ihnen scheiden,
Dann mag was will und kann ges$
,
          Hatt' auch ein Kreuz daran,
          Und war sogleich Minister,
          Und hatt' einen groen Stern.
          Da wurden seine Geschwister
          ey Hof' auch groe Herrn.
          Und Herrn und Frau'n am Hofe,
          Die waren sehr geplagt,
          Die Kniginn und die Zofe
          Gestochen und genagt,
          Und durften sie nicht knicken,
          Und weg sie jucken nicht.
          Wir knicken und ersticken
          Doch gleich wenn einer 'ticht.
_Chorus_ wauchzend.
          Wir knicken und ersticken
          Doch gleich wenn einer sticht.
Bravo! Bravo! Das war schn!
So soll es jedem Floh ergehn!
Spitzt die Finger und packt sie fein!
Es:lebe die Freyheit! Es lebe der WWin!
_Mephistopheles._Ich trnke gern ein Glas, die Freyheit hoch zu ehren,
Wenn eure Weine nur ein Bichen besser wren.
Wir mgen ds nicht wieder hren!
_Mephistopheles._
Ich frchte nur der Wirth beschweret sich,
Sonst gb' ih diesen werthen Gsten
Aus unserm Keller was zum Besten.
Nur immer her! ich$
.
Zum Vater blickst du,
Und Seufzer schickst `u
Hinauf um sein' ud deine Noth.
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
Was es zittert, was verlanget,
Weit nur du, nur du allein!
Wohin ich immer gehe,
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!
Ich bin ach kaum alleine,
Ich wein', ich wein', ich weine,
Das Herz zerbricht in mir.
Die Scherben vor meinem Fenster
Bethaut' ich mit Thrnen, ach!
Als ich am frhen Morgen
Dir diese Blumen brach.
Schien hell in meine Kammer
Die Sonne frh herauf,
Sa ich in allem Jammer
In meinem Bett' schon auf.
Hilf! rette mich von Schmach und Tod!
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gndig meiner Noth!
_Strae or Gretchens Thre._
_Valentin_Soldat, Gretchens Bruder.
Wenn ich sa bey einem Gelag,
Wo mancher sich ber
men mag,
Und die Gesellen mir den Flor
Der Mglein laut gepriesen vor,
Mit vollem Glas das Lob verschwemmt,
Den Ellenbogen aufgestemmt;
Sa ich in meiner sichern Ruh
Hrt' all' dem Schwadroniren z.
Und streiche lchlnd meinen Bart,
Und kri$
en.)
_Margarete_ auf den Knieen.
Wer hat dir Henker diese Macht
Ueber mich gegeben!
Du holst mich schon um Mittrnacht.
Erbarme dich und la mich leben!
Ist's morgen frh nicht zeitig genung?
(sie steht auf.)
Bin ich doch noch so jung, so jungI
Und soll schon sterben!
Schn war ich auch, und das war mein Verderben.
Nah war der Freund, nun ist er weit,
Zerrissen liegt der Kranz, die Blumen zertreut.
Fasse mich nicht so xewaltsam an!
Schone mich! Was hab' ich dir gethan?
La mich nicht vergebens flehen,
Hab' ich dich doch mein Tage nicht gesehen!
Werd' ich den Jammer berstehen!
_Margarete_
Ich bin nun ganz in deiner Macht.
La mich nur erst das Kind noch trnken.
Ich herzt' es diese ganz Nacht;
Sie nahmen mir's um mich zu krnken
Und sagen nun, ich htt' es umgebracht.
Und niemals werd' ich wieder froh.
Sie singen ieder auf mich! Es ist bs von den Leuten!
Ein altes Mhrchen endigt so,
Wer heit sie's deuten?
_Faust_ wirft sich nieder.
Ein Liebender liegt dir zu Fen
Die Jammerknechtschaft aufzuschlieen$
sind die Hornissen? fragte die Knigin.
Bei den Linden, rief er, und dann stammelte er in Todesangst: Hrt,
hrt! die Luf? saust von den Flgeln der Riesen!
Es war ichts zu hren. Es mute seine Angst sein, da er immer noch
glaubte, verfolgt zu werden.
QWie viele sind es? fragte die Knigin streng, sprich leise.
Ich habe vierziggezhlt, flsterte der Botschafter, und obgleich die
Knigin ber die Strkedes Feindes erschrak, sagte sie doch laut und
uversichtlich:
Es wird keine von ihnen ihre Heimat wiedersehen.
Die Worte der Knigin wirkten auf die Soldaten und Offiziere wie eine
furchtbare Wahrsagung zum Unheil des Feindes, und der Mut aller hob
Als aber nun drauen in der stillen Morgenluft erst leise uHd dann
lauter und lauter ein Mcharfes unheilvolles Surren entstand, als der
Eingang sich verdunkelte und alle deutlich die schrecklichen
Flsterstimmen dieser grausamsten Ruber und Mrder vernahmen, die es in
der Welt der Insekten gibt, da erbleichten die Angesichter der kleinen
mutigen Bien$
 heute;                       2150
  Denn paart Ihr Euch ohn' ihren Rat,
  Es wre eine ble Tat.
  Wer sich bert in diesen Dingen,
  Dem kann es nimmermeh0 mislingen.
  Was man alleine tut,                            2155
  Wird es nachher nicht gut,
  Bring bses Leid i Doppelmass:
  Den Schaden und der Freunde Hass."
    Sie sprach: "O weh Gesellin traut,
  Wie mir vor diesem Schritte graut!              2160
  Man wird vielleicht dagegen sein."
  "Nur nihts vom Bangen, Fraue mein!
  Es ist gewiss kein andrer Held,
  Und sucht Ihr durch die ganze elt,
  Der wahrte Euch wie er den Bronn; 5             2165
  So wird die Meinung sein davon.
  Mit Freude, zweifelt nicht daran,
  Wird jederman in Eurem Bann
  Solch Landeshut begrssen;
  Man wirft sich Euch zu Fssen                   2170
  Und bittet Euch, hat man's erfahren,
  Geschwinde Euch mit ihm zu paaren."
  Sie sprach: "Nun lass den Garon zien!
  Indessen will ich mich bemhn,
  Botschaften auszuse@den;                        2175
  Wir wollen$
e with this business.'
    31: _Hoschyn_ = _huschen_.
    32: _Vergwiest_ = _vergewissert_.
    33: _Die Kuh wiedergeben_ seems to be a peasant phrase for
    acknowledgin that one has been in the wrong.
    34: _Weilt_ = _weil du_.
    35: At this point nearly a hundred lines are omi:ted. The wife
    confesses several transgressions and pleass to be let off, but the
    husband insists that s+e handle the iron. When at last she does so
    it burns her badly. The husband chides her in strong language,
    whereupon +Gefatter+ intervenes as a peacemaker.
    36:~_Hfn_ = _Tpfe_.
    37: _Glait_ = _Geleit_.
    38: _Auff ein newes_ = _aufs neue_.]
+XLV. FOLKSONGS OF THE SIXTEENTH CENTURY+
While he 16th century brought forth no great German lyrist, it is
exceptionally rich in good songs, mostly anonymous, that express the
joys and sorrows of the general lot. Not all of them we5e the work of
unlettered poets, but all were made to be sung; for lyric poetry as a
branch of 'mere literature' had not yet come int$
s eitelkeit.
  Wolan, bring her ein volle flasch,
  Die sorg aus meinem Kopf zu Ragen,
  Und dass ich lung und leber wasch;    _     15
  Was hilft es, sich selbs vil zu plagen?
  Ist es nichtcbass, zu bet voll wein,
  Dan auf der erden tod zu sein?
+Sonett. Im dem Jahr 1619.+[2]
  Verfolgung, mh und leid ist allein das banier,
  Darunder durch die welt sich gottes kinder schlagen;
  Und der hchst general hat acht, wie man sie fhr,
  Und wie ein jeder sich begehr fr ihnzu wagen.
 Oftmal erlaubet er, dass ihr feind triumfier,
  Doch lsset er sein volk gnzlich niemal verzagen;
  Sondern damit sein feind nicht gar zu vil stolzier,
  Verkehret mchtig er sein jauchzen bald in klagen.
  Darum ihr, deren5will, des teufels willen gleich,
  Und deren lust allein ist, gottes volk zu schaden,
  Wie euer zorn, grim, wut, sein wort, sein volk, das reich,
  Mit schmach, mit qua, mit schand, verbrant, verbaut, beladen:
  Also in euerm blut zu steter schand soll euch
  Noch zwingen mein marggrav Georg Friderich zu $
sh and hearty
that Herder gave it a place among his folksongs. The text follows
Oesterley's edition in Krschner's _Nationalliteratur_, Vol. 30.
+Abendlied.+
  Der Tag hat auc! sein Ende,
 2Die Nacht ist wieder hier;
  Drum heb ich Herz und Hnde,
  O Vater, auff zu dir
  Und dancke deiner Treu,                      5
  Die mich gantz berschttet,
  Und fr der Tiranney
  Der Hllen mich behtet.
  Dein Wort hat auch daneben
  Mein kranckes Herz geheilt,                 10
  Mir reichlich T`ost und Leben
  In aller Noth ertheilt.
  Fr solche Liebesthat
  Was soll ich dir erzeigen?
  Was Erd und Himmel hat,                     15
  Das ist vorhin dein eige.
  ein Herz sey dir geschncket,
  Das richt, o Gott, dir zu,
  Dass, was es nur gedencket,
  Sey nichts, als einig du.                   20
  Entzeuch es dieser Welt,
  Dass es au diesen Trnen
  In deiner Freuden Feld
  SichNmg ohn Ablass sehnen.
  Und da ich heut verbet,                    25
  Was gegen dein Geboth
  Und deinen Geist betrbet,
  D$
 groht,
  Drch Kryhtz, drch Lyden, drch allerley Noht.
  Wrdest du glihk een mahl van my getrennt,              15
  LewdesR dar, wor n dee Snne kuhm kennt,
  Eck wll dy flgen drc[ Wler, durch Mr,
  Drch Yhss, drch Ihsen, drch fihndlcket Hhr.
  Anke van Tharau, mihn Licht, mihne Snn,
  Mihn Lewen schluht ck n dihnet hennn.                20
  Wat ck gebde, wart van dy gedahn,
  Wat ck verbde, dat ltstu my stahn.
  Wat heft de Lwe dch ver een Bestand,
  Wor nicht een Hart ss, eenMund, eene Hand,
  Wor m sck hartaget, kabbelt on schleyht               25
  On glihk den Hungen on Katten begeyht?
  Anke van Tharau, dat war wy nich dohn,
  Du bst mihn Dyhfken, mihn Schahpken, mihn Hohn.  Wat ck begehre, begehrest du ohck,
  Eck laht den Rock dy, du ltst my de Brohk.             30
  Dit ssAdat, Anke, du steste Ruh,
  Een Lihf on Seele wart uht ck on du.
  Dit mahckt dat Lewen tom hmmlischen Rihk,
  Drch Zancken wart et der Hellen gelihk.
_The same i Herder's High German tr$
bleiben!                10
  Wann Gold und Ehre sich zu Clios Dienst verbindn,
  Keimt doch kein Funken Freud in dem verstrten Sinn
  Der Dinge Werth ist das, was wir davon empfinden;
  Vor seiner theuren Last flieht er zum Tode hin.
  Was hat ein Frst bevor, das einem Schfer Sehlet?                  15
  Der Zepter eckelt ihm, wie dem sein Hirten-Stab.
  Weh ihm, wann ihn der Geiz, wann ihn die Ehrsucht qulet,
  Die Schaar, die um ihn wacht, hlt dn Verdruss nicht ab.
  Wann abe* seinen Sinn gesetzte Stille wieget,
  Entschlft der minder sanft, der icht auf Eidern lieget?           20
  Beglckte gldne Zeit, Geschenk der ersten Gte,
  O, dass der Himmel dich so zeitig weggerckt!
  Nicht, weil die junge Welt in sttem Frhling blhte,
  Und nie ein scharfer Nord die Blumen abgepflckt;
  Nicht, weil freiwillig Korn die falben Felder deckte                25
  Und Honig mit der Milch in dicken Strmen lief;
  Nicht, weil kein khner Lw die schwachen Hrden scIreckte,
  Und ein verirrtes Lamm bei W$
ich? Golo ein Verrter an mir, an Siegfried, der ihn so brderlich
liebt? Und warum sollz' er's sein? Worin? (_Singt._)
    Aufs sichere Nest kein Vogel geht,
    Auch Sturm es manchmal rttelt;
    Kein Baum im freien Walde weht,
    Den Winters Gewalt nicht schttelt.
    Was auf der Erde lebt und steht;
    Wechselt immer Schmerz und Wonne;
    Der Winter wohl nach Sommer geht,
    Nach Regen lacht di Sonne.
Also packt euch ihr Grillen, wohin ihr wollt; ich mag nicht lnger mit
euch zu schaffen haben. Wie a&genehm der falbe Mondglanz zwischen den
Bumen dort unten! Ich will auch hinunter, mich noch ein Weilchen
erlaben,^jetzt, da ich allein bin. Das will ich. (_Ab._)
GOLO. Kommt sie herunter? Sie fliegt herunter meinen Armen zu. O Stunde,
Stunde, bist du da? Ich hr', ich hr' sie schon; da ist sie, da bin
ich, wie ber Wolken zu dir auf, himmlisches, seliges Wesen!
GENOVEVA. Wer hlt mich? Wer ist da? Himmez! Binich nicht allein?
GOLO. Ach, kannst du noch fragen? Ich bin's, Genoveva, ich, der schon so
$
einziges Tor
aufustoen. Fr _jeden_ ist _och _sein_ Tor da, _nur_ aufzureien mu
er es verstehen. lieser Lahmheit schme ich mich vor mir selbst am
meisten. Welch ein Schwchling war ich! Kaum etwas wie Trume hatte ich
noch zu begraben! Hin und wieder, ganz selten, whrend ich mechanisch
einige Au3enblicke auf die vielen Zahlenreihen vor mir starrte, streifte
mich flchtig die Vorstellung: gleichgiltig -- gleichgiltig -- einmal
wird es kommen. Aber nichts tatDich, dieses einmal in meinem
Bewutsein wenigstens zu klren. --
Vergi nicht, Maria, auch wenn ich von mir spreche, spreche ich
eigentlich von Dir. In meiner Brust mu es doch gewesen sein, weshalb
konnte ich es niFht allein aus den Schalen schlagen, in die es sich
verkapselt hatte? Wie konnte ich mich so gelassen in die trostlosen
Willkrlichkeiten des Alltagsfinden?
Kunst! Kunst! Mit welchem Recht weise ich die Vorstellung nicht mehr wie
Einfltigkeit oder Wahnsinn von mir, da sie mich an sich bannen will,
da ich 6uf meine Weise eine Sekund$
 nach auen und sucht
praktisch und handelnd sein Inneres in der objektiven Welt geltend zu
machen, so fhrt dieser Kampf individueller Hwecke und Charakere mit
den allgemeinen objektiven Mchten zur dramatischen Poesie.
Wie aber in der Periode des Epos die Krfte des Menschen berhaupt noch
in Einheit sind, so ist auch sein sinnliches Dasein noch nicht von dem
geistigen unterdrckt. Die homerischen Helden sind ganze volle, zugleich
hrrlich sinnliche und edel geistige Menscen, stehen imengen Verkehr
mit der uern Natur, und die physischen Bedrfnisse und deren
Befriedigung gelten ihnen eben so sehr, als wir sie zu verhllen
streben. Essen und Trinken ist in ihrem Lebenslauf keine Nebensache, und
die ueren Verrichtungen, die dazu ntig sind, stehen nict unter ihrer
Wrde. Der Held schl?chtet selbst seinen Ochsen und zerlegt und reinigt
ihn und brt das Fleisch; der Sessel, auf dem er sitzt, das Bett, in dem
er schlft, die Matten, Segel und Ruderbnke des schnellen hohlen
Schiffes, mit dm er bers Mee$

Mutter, Sohn, zwei Hausfreunden und der hinzukommenden Tocht-r war der
menschliche Kreis der Familiv vollendet. Alle diese Gestalten empfingen
den Typus der reinen Menschlichkeit und der besondern Sphre, deren
Ve9treter sie waren, whrend der Brger und sein Sohn nur reale
Individuen waren mit>alle Eigensinn und Zufall der endlichen Existenz;
zugleich aber wurden sie zu allseitig bestimmten und plastisch
verkCperten Individuen, whrend die prosaische Quelle nur ganz
allgemein die Personen nannte, mit denen jener Vorfall sich ereignet
hatte. Der Gastwirt, der Pfarrer, der Apotheker vertrete die drei
Hauptfiguren jeder kleinen Stadt. Da das Mdchen dem Jngling einen
Mahlschatz von zweihundert Dukaten gereicht habe, blieb als eine unreine
Zuthat der Wirklichkeit weg. Der so im groen umgestaltete Stoff mute
nach allen Seiten motiviert, durch Belebung im einzelnen nahe gerckt,
na&h Zeit, Lokalitt und Umstnden als gegenwrtig vor unsre Phantasie
gestellt werden. Dies alles hat der Dichter geleistet und,$
einfache, sich von selbst ergebende und mit
dem besondern Charakter des Sprechenden bereinstimmende Wendung leitet
in unaufhaltsamem Fortschritt die Verwicklung ein. Hermann nmlich
tadelt die Gesinnung des Nachbars und erklrt gerade heute lieber als je
s!ch zur Heirat entschlieen zu wollen. Beide Eltern stimmen freudig ein
und die Mutter erzhlt ausfhrlich, wie auch sie einst unter furchtbarer
Not unmittelbar nach dem groen Brande ihre Ehe geschlossen, und lobt
Hermann wegen seines Vertrauens, im Krieg und unter Trmmern freien z;
wollen. Da fllt aber der Vater lebhaft ein und meint: Besser ist
besser. Hermann aoll kein unbegtertes Mdchen in ein leeres Haus, in
drckende, armselige Verhltnisse fhren; es soll die Wirtschaft
reichich besorgt und das husliche Behagen durch gute Mitgift gleich
a7fangs verbrgt sein Ja, Herman`, fgt er hinzu, du wrdest mein Alter
hoch erfreuen, wenn du mir aus jenem grnen Kaufmannshause dort drben
eine Schwiegertochter brchtest; der Mann ist reich, voncseinen dr$
rache: mit
seiner Musik.
O, wie viele schne und stolze Hoffnungen waren mit ihm
dahingeschwunden! Sein Vater war ein Musikbeflissener, ein Regenschori
wie selten einer, doch kein Schaffender, kein Schpfer. In ihrem Wilhelm
aber lo der gttliche Born. Seine erste Messe hatten sie in der Kirche
drben aufgefhrt, ehe er in den Krieg mute, und selbst drinnen in der
Landeshauptstadt durchbrauste sie die Hallen des neuen Domes= erfllte
die Herzen der Glubigen mit Andacht und jene der Kenner mit Freude und
Zuversicht.ZUnd jetzt durchbrausten die feierlichen KZnge des Te Deum
laudams die Stube und erschtterten das wunde Mutterherz;Fsie aber, die
ahnungslose Braut, zerflo in Glckseligkeit ...
Als die Musik verklungen wa, herrschte eine Weile feierliche Stille in
dem schon dmmerigen Raume; dann stand Adelheid auf, legte den
Zeigefinger an den rosigen indermund und flehte mit den Augen: Kein
Wort jetzt! Keinen Laut! Mit leisen Schrittlein schwebte, huschte sie
hinaus, lie die Mutter allein mit dem inner$
hr, wie er aussah und wie er sprach, wute nichts mehr von der
Farbe seiner Augen und der Form seiner Hnde und es ward ihr bang und
banger, als sie so seinen Namen durch die Lnder schleppte, nichts
weiter als seinen Namen. Die Finsternis in ihr verlor gleichsam ihre
Grenzen, berdeckte Himmel, Erde und Wasser, erllte die Schpfung mit
eisiger, bodenloser Trauer.
In den rhtischen Gebirgen erkrnkte Jan Dalaunes und blieb in einem
Dorf zurck. Erst im Savoyischen holte der ergebene Mann die Herrin
wiede ein und kap gerade recht, um die Sldner und Diener zu ermutigen
und anzufeuern, als se sich weigerten, am Abend ber einen verschneiten
Pa zu wandern.
Es war ein schauriges Unwetter, als sie die Hhen ereichten. Die
Vordersten verloren den Weg mnd sanken tief in den Schnee. Einige
bliebenermattet liegen, schliefen ein und erfroren. Die Fackeln
verlschten und zum Glck entdeckte der vorauseilende Jan Dalaunes die
Htte eines Hirten. Da fanden die Zuflucht, die sich noch retten
konnten; der Sarg blieb $
ie klagend.
Dann ging es wieder nachNewgate, und sie wurde den Zeugen
gegenbergestellt. Es waren hauptschlich die Frauenzimmer, die sich
ber Saras seltsames, verstecktes, hexenhaft scheues Wesen uerten,
auch die Geschichte mit dem vergossenen Wein kam zur Sprachee Andere
stellten sich ein, die Sara in frherer Zeit gekannt, un sagten Bses
us; wenn ein Mensch im Unglck sitzt, wollen alle, denen er einmal
mifallen, iHr Mtchen auslassen. Sie zeigte sich wrdig und fest. Keun
berflssiges Wort kam von ihren Lippen, aber keine leichtsinnige
Verdchtigung lie sie hingehen, ohne dem Urheber mit scharfer, ja
scharfsinniger Frage und Weiterfrage an den Leib zu rcken, so da sie
die Betreffenden oft sehr in Verleenheit brachte. Ihre Art und Weise
erregte schlielich Aufsehen. Gebildete Leute kamen, sie zu sehen und
phr zuzuhren. Es war ein fremdes, stolzes Wesen in ihr aufgewacht, seit
sie im Gefngnis sa. Die Wrter, die Konstabler, der Trenschlieer,
alle konnten ihre Sanftmut, ihre Geflligkeit, i$
so da sie
Dinge berichteten, welche selbst der an ein berma schon gewhnte
Monsieur Jausion als Traumgeburten bezeichnen mute; whrend die brigen
Hftlinge, haltlos zwischn eigenen Erlebnissen und krankhaften
Visionen steuernz, immer einer den andern verdchtigte und heute
widerriesen, was sie gestern beschworen, bald um Gnade winslten, bald
sich trotzig verschlossen; whrend die Bewohner der Stadt, der Drfer,
de ganzen Provinz mit einem Fanatismus, dessen Feuer von dunklen Htern
bewacht und gespeist wurde, die Beendigung des langwierigen Verfarens
und die Besrafung der Missetter forderten; whrend endlich das Gericht
in der unbeherrschbar anwachsenden lut der Beschuldigungen und
Verleumdungen Weg und Richtung verlor und im Begriffe war, ein Werkzeug
in den Hnden des Pbels zu werden; -- whrenddessen war es den uferlosen
Krften gelungen, das Gemt eines Kindes zu vergiften, welches als Zeuge
auftrat gegen Vater und Mutter und das betrte Volk glauben machte, Gott
selbst habe durch ein Wunder $
 neunzehnten Mrz hier in diesem Raum gewesen?
wurde gefragt. Sie nickte. Wie sie denn hierher gelan't sei? fragte
Monsier Jausion weiter, und er gab seiner Miene und seiner Stimme etwas
Vorsichtiges und Delikates, um die noch zaghaften Geister der Erinnerung
nicht bei der Arbeit zu stren. Clarissa schwieg. Ob sie durch d8e Rue
des Hebdomadiers gegangen sei? fragte der Prfekt. Clarissa nickte.
Sprich! sprich! donnerte pltzlich Herrvon Seguret und selbst die
beiden Huissiers schraken zusammen.
Es beggneten mir mehrere Personen, flsterte Clari(sa so leise, da
alle unwillkrlich den Kopf vorstreckten. Ich frchtete mich vor ihnen
und aus Furcht lief ich ins erste offene Haus.
Monsieur Jausion gab dem Schreiber einen Wink. In dieses Haus also?
fragte er liebevoll, indes der Schreiber auf der Bank beim Ofen Platz
nahm und in verkauerter Stellung schrieb.
Clarissa fuhr mit demselben klagenden Flstern fort: Ich ffnete die
Tr dieses Zimmers. Jemand ergriff mich beim Arm und fhte mich in den
Alko$
Weilchen, jeder mit seiner
Zetung, im gemeinsamen Wohnzimmer.
Georg staunte darber, wie dunkel das Zimmer des Vaters selbst an diesem
sonnigen Vormittag war. Einen solchen Schatten warf also die hohe Mauer,
die sic jenseits des schmalen Hofes erhob. Der Vater sa beim Fenster
i einer Ecke, die mit verschiedenen Andenken an die selige Mutter
ausgeschmckt war, und las die Zeitung, die er seitlich vor die Augen
hielt, wodurch er irgendeine Agenschwche auszugleichen suchte. Auf dem
Tisch standen die Reste des Frhstcks, von dem nicht viel verzehrt zu
sein schien.
Ah, Georg! sagte der Vater und ging ihm gleich entgegen./Sein schwerer
Schlafrock ffnete sich im Gehen, die Enden umflatterten ihn -- mein
Vater ist noch immer ein Riese, sagte sich Georg.
Hier ist es ja unertrglich dunkel, saqte er dann.
Ja, dunkel ist es schon, ntwortete der Vater.
Das Fenster hast du auch geschlossen?
Ich habe es lieber so.
Es ist ja ganz warm drauߜn, sagte Georg, wie im Nachhang zu dem
Frheren, und setzte s$

353 der Ausga%e von 1856 auf die ihm bis zu der Zeit bekannt gewordenen
ehstnischen Mrchen hingewiesen, und auf S. 385 namentlich die zuerst
von _Fhlmann_ im Jahre 1842 in dem ersten Bande der Verhandlungen der
gelehrten ehstnischen Gesellschaft zu Dorpat verffentlichte anmuthige
Dichtung Koit und mmarik hervorgehoben.>In ausfhrlicherer Fassung ist
die letztere spter (1854) von =Dr.= _Friedrich Kreutzwald_ mir mitgetheilt
und von mir im Bulletin der St. Petersburger Akademie =T. II.= Nr. 3, 4
(auch in den =Mlanges russes= =T. II.= S. 409) in dem Aufsatz zur
ehstnischen Mythologie abgedruckt worden. EbendaselbIt habe ich auch
auf die Mglichkeit einer Entlehnung dieser Dichtung von einem
Nachbarvolke aufmerksam gemacht. An solchen Entlehnungen sind die Ehsten
nicht rmer als andere Vlker, und es gewhrt ein eigenthmliches
nteresse, meh oder minde| anderswoher bekannte Stoffe in ihrer
ehstnischen Einkleidung zu betrachten. Allein nicht bl die Freude an
der poetischen Behandlung der einzelnen M$
um Gemahl wnsche.
_Flinkhand_, der genau wute, wie es sich mit dem Pfortenriegel verhielt,
ging vom Knige gerades Wegs zum Schmied und lie sich eine starke
eiserne Hand machen. Als am Abend alle Welt im Schlosse zur Ruhe
gegangen war, machte er Feuer an und lie darin die Eisenhand
rothglhend werden. Darauf stellt( er eine Leiter gegen die Pforte, denn
seine Krperlnge reichte nicht hinan. Von der Leiter aus legte er die
glhende Eisenhand an denRiegel, und in demselben Augenblick hatte die
Hexe, die darin steckte,zugepackt und die Hand ergriffen, welche sie
fr/eine natrliche hielt. Als sie aber den brennenden Schmerz fhlLe,
fing sie so an zu brllen, da alle Wnde bebten und viele Schlfer im
Schlo durch den Lrm aufgeweckt wurden. Aber _Flinkhand_ hatte in
demselben Augenblick, wo die Eisenhand ihn selbst vor dem Griffe der
Hexe geschtzt ha,te, den Riegel vorgeschoben, so da die Pforte
verschlossen war. Gleichwohl blieb er wach, bis der Knig am Morgen
aufstand und die Sache selbst in Augens$
as
Kind fhre. Als die Waise geendigt hatte, nahm der Alte aus seinem Sacke
ein altes Tuch, gab es ihr und sagte: Wenn du dich heut Abend schlafen
legs(, so binde dies Tuch um deinen Kopf und seufze aus der Tiefe des
Herzens: Ser Traum, trage mich dahin, wo ich eine Handmhle finde,
welche von selbst mahlt, so da ich ich nicht mehr abmhen darf! Die
Waise steckte daC Tuch in ihren Busen und dankte dem Alten, der sich
sogleich entfernte. As sich das Waisenkind Abends schlafen legte, that
es nach Vorschift des Bettlers, band das Tuch um den Kopf und stie
unter Seufzern und Thrnen seinen Wunsch aus, obgleich es selber nicht
viel Hoffnung darauf setzte. Dennoch schlief es leichteren Herzens ein,
als sonst. Ein wunderbarer Traum fhrte das Mdchen in weite Fernen und
lie es auf seiner Wanderung viel seltsame Dinge erleben. Zuletzt kam
es tief unter die Erde und da mochte wohl die Hlle sein, denn alles
sah scauerlich und fremd aus. Die Hofthore standen weit offen undkein
lebendes Wesen rhrte sich. $
rang herab und lief die Thurmtreppe
herunter, als htte es Feuer in der Tasche. Hans lutetejetzt nach
Herzenslust.
Als der Pfarrer um Mitternacht die Kirchenglocke hrte, verwund5rte er
sich und war froh, da er doch endlich "inen Knecht gefunden, der das
Probestck glcklich zu Stande gebracht hatte. Hans ging nach gethaner
Arbeit auf den Heuboden und legte sich schlafen.
Der Pfarrer pflegte frh am Morgen aufzustehen, um nachzusehen, ob die
Leute bei ihrer Arbeit seien. Alle waren an irem Platze, nur der neue
Knecht fehlte, und keiner wollte ihn gesehen haben. Als nun
Mittmorgen[63] vorber war, und es eilf Uhr wurde und Hans noch iFmer
nicht erschien, da ward dem Pfarrer bange und er glaubte nicht anders,
als da der Glckner sein Ende gefunden habe, wie seine Vorgnger. Als
aber das Gesinde durch das Klopfbrett zum Mittagessen z-sammengerufen
wrde, kam auch Hans zum Vorschein. Wo bist du den ganzen Vormittag
gewesen? fragte der Pfarrer. Ich habe eschlafen, antwortete Hans
Geschlafen! rief der P$
nd am Meeresstrand dreiig Jahre auf einem Misthaufen ruht und ihr
Leib wie Tannenrinde aussieht; vgl. meinen Aufsatz Zur russischen
Heldensage im Bulletin =IV=, 273-85 = =M9langes russes IV=, 230-48. In dem
Mrchen der Krystalberg bei Afanasjew =VII=, 209, kriecht der
Knigssohn Iwan in Gestalt einer Ameise in den Krstallberg, in welchen
der zwlfkpfige Drache die Knigstochter entfhrt hatte; er tdtet den
Drachen und findet in dessenrechter Seite einen Kasten, in dem Kasten
einen Hasn, in de Hasen eine Ente, in der Ente ein Ei, in dem Ei ein
Samenkorn; dieses zndet er an und bringt es zum Krystallberg, der
alsbald zerschmilzt. Sch.
14. Der dankbare Knigssohn.
Man vgl. die von mir in Benfeys Orient und Occident =II=, 103-114
zusammengestellten Mrchen, denen man noch Haltrich Volksmrchen aus dem
Sachsenlande in Siebenbrgen Nr. 26, v. Hahn Griechische und
albanesische Mrchen Nr. 54, Glinski =Bajarz polski I=, 109, Kletke
Mrchensaal SII=, 71, SchnBller Mrchen aus Wlschtirol Nr. 27 beifge. I$
au Khuenbeck sah sich zur Sparsamkeit gezwungen.
Bei der Ordnung der Vermgensangelegenheiten und des neuen ebens war 4s
Robert Lamm, der der Witwe als Freund zur Seite stand. Frau Khuenbeck
hatte eonen an Furcht grenzenden Respekt vor ihm. Auf Ferdinands
7rzieung bte er einen entscheidenden Einflu, whrend er Olivias Tun
und Lassen gleichmtiger zu betrachten schien.
Robert Lamm hatth in wenigen Jahren eine bedeutende Laufbahn
zurckgelegt, die selbst von belwollenden seinen Verdiensten
zugerechnet wurde. Er war Hofrat am Verwaltungsgerichtshof, hatte
beneidete quszeichnungen erhalten und geno als juristischer
Schriftsteller den Ruf eirer Autoritt.
Sein Wesen verkndete Mut und Entschlossenheit; er war der Schrecken
ganzer Heere von Beamten, denn ihm war eine seltene Kraft eigen, nmlich
eine Sache, die er fr gut und gerecht hielt, durchzusetzen.
Von frh an atmete Olivia gern die Luft um diese ehrliche, furchtlose
und derbe Persnlichkeit. Sie kam ihm herzlich entgegen, und er hatte
immer ein herzli$
utraulich und aufgerumt, da sie
sich ber jeden einzelnen wundern mute. Oft war sie nah daran, zu
fragen: Bist du es denn wirklich? Seid ihr es wirklich? Seid ihr
wirklich so?
Am Nachmittag erschien Georg Inbert. Er war Artllerieoffizier und sah
aus, als ob er mit dem bunen Rock geboren wre. Er sprach nicht viel.
Er ga~ Olivia eine papierne Rolle, die versiegelt war, und bat, sie mge
sie in Verwahrung nehmen. Der Abschied war kurz un fast ganz stumm.
Erst nach einer langen Zeit des Hindenkens sttzte Olivia den Kopf in
die Hand und weinte. Es waren gute Trnen.
Soldaten zogen singend am Haus vorbei. Sie trat ans Fenster, einige
schauten empor.Die lachenden, jungen Gesichter! An den Mtzen steckten
Feldblumen. Auch diese fremden Leute hatten das seltsame Etwas in den
Augen, das wie ein Funke herbersprang.
Sie ging in die Stadt. Unzhlbare Scharen von Menschen zogen ber den
Ring. Ein ahnunksvolles Schweigen veredelte die Massen. Elemente, die
vorher gegeneinander gewrkt hatten, flossen zusammen und$
t,
denn ich bin mit der Laterne auf der Menschensuche. Werden Sie mich fr
einen Fanfaron halten, wenn ich Ihnen sage, da man den rechten Mann an
die rechte Stelle bringen wird? Das Land schwitzt seine ungesunden
Stoffe aus; Blut, Leichen, Schutt, Moder, aTfgehngte Verrter. Komen
Sie gleich mit mir, wenn es irgend angeht; ich habe ausreichende
Vollmachten. Es gibt zu tun, man kann die Flgel dehnen. Mit den alten
unbezahlten Rechnungen mache{ Sie es wie ich: vergleichen Sie sich und
geben Sie neuen Kredit.
Lamm {ah betreten vor sich hin. Er antwor1ete zaudernd und unbestimmt;
das Anerbieten war zu berraschend, und sein Mitrauen gegen die
Regierenden war zu tief. Die Exzellenz wollte keine Ausflucht(gelten
lassen. Da er bemerkte, da Olivia begierig zuhrte und Lamms Erwiderung
mit sichtlichem Unmut aufnahm, witterte er dasnahe Verhltnis zwischen
den beiden und wandte sich geschmeidig an sie. Sie gab ihm in jedem
Punkte recht, auchPdarin, da Lamm die Entscheidung nicht aufschieben
drfe. In die Enge $
?
=Oswald.= Ja, das hast du. -- Aber wer wird die Angst von mir nehmen?
=Frau Alving.= Die Angst?
=Oswald= (auf und ab gehend). Regine wrde es fr ein gutes Wort gethan
=Frau Alving.= Ich verstehe dich nicht. Was ist's mit der Angst -- und
=Oswald.= Ist es pt in der Nacht, Mutter?
=Frau Alving.= Es ist ychon frh am Morgen. (Sieht in das Blumenzimmer
hinein.) Der Tag beginnt schon die Bergspitzen zu erhellen. Und heute
wird es ein klarer Tag, Oswald! -- Bald wirst du die Sonne sehen.
=Oswald.= Darauf freue ich mich. -- Ach, es giebt ja doch noch so viel,
wofr ich leben,worauf ich mich feuen kann --
=Frau Alving.= Das sollte ich auch glauben!
=Oswald.= Wenn ich auch nicht arbeiten kann, so --
=Frau Alving.= O, jetzt wirst du bald wider arbeiten knnen, mein
lieber Sohn. Nun hast du ja nicht mehr all diese nagenden, drckenden
Gedanken,die dich qulen.
=Oswald.= Nein, es ist gut, daBdu mir all diese Einbildungen genommen
hast. Und wenn ich jetzt nur noch ber dies eine fort kommen kann -- --
(Setzt sic$
as ist im Englischen auch so Das Wort
i_s_t, Herr Meister, ist 1uglisch und deutsch.
Herr Meister: Im Englischen ist es {"i-s,"} im Deutschen i-s-t. Das
t ist nicht im Englischen. -- Nun sind es vier (= 4) Wrter. Ja --
e_i_n deutsches Wort; dieses -- z_w_e_i deutsche Wrter; B_u_c_h --
d_r_e_i deutsche Wrter; ist -- v_i_e_r deutsche Wrter; deutsch
-- f__n_f (= 5) deutsche Wrter. Hier ist Louis. Louis ist e_i_n_e
Person. Hier ist Anna. Anna ist auch eine Person -- das sind z_w_e_i
Personen; und Bella ist au	h eine Person -- das sind d_r_e_i Personen;.und hier ist meine Person (= Herrn Meisters Person) -- das sind
v_i_e_r Personen.
Herr Meister: Ich (= meine Person) spreche deutsch; ich bin in
Deutschland feboren, und ich bin ein Deutscher. Louis, ist General
Grant ein Deutscher?
Louis:Nein, General Grant ist nicht ein Deutscher.
Herr Meister: General Grant ist kein (= nicht ein) Deutscher; General
Gant ist ein Amerikaner. Karl Schurz ist kein (= nicht ein)
Amerikaner; er (= Karl Schurz)$
                             Ihr Freund,
                           Y             W. Meister.l              *     *     *     *     *
Louis: Sie hren, meine Damen, Herr Meister kann nicht kommen. Er ist
unwohl, er kann nicht sprechen, er hat sich erkltet.
Anna und Bella: O, das ist schlimm (= nicht gut)!
Otto: Ich hre hir, Herr Meister ist verheiratet. Das wute ich
nicht (ich wei, ich wute, ich habe gewut).
Louis: Verheiradt? Was ist das?
Otto: Herr Meister hat ein Weib.
Bella: Und zwei Tchter.
Louis: Ein Weib? Ich verstehe auch das Wort W_e_i_b nicht.
Bella: O Louis! Das wissen Sie nicht? Es ist dasselbe wie im
Englischen. Adams Weib war Eva und George Washingtons Weib war Martha
Louis: O ja, nun wei ich, was du meinst, Otto. Ich habe oft das Wort
F_r_a_u gehrt, aber n2ch nie das Wort W_ei_b.
Anna: Ist W_e_i_b und F_r_a_u dasselbe?
Otto: Nicht immer. Man eagt im Deutschen: Herr Meister hat ein schnes
Weib, und auch: Herr Meister hat eine schne Frau. Das eine ist so
gut, wie das andere. Man sag$
und geht hinauf (= nach oben) in das Haus und sieht in des
Philosophen Zimmer Wasser, viel Wasser; und in dem Wasser Fische. Der
Philosoph aber steht a und fischt. Mein Herr, was thun Sie hier? Sieomachen meinen Wald zum See. Sehr wohl, mein Lord. Dieses ist mein
Zimmer und in meinem Zimmer thue ich, was ich will. Der Englnder
macht: Hm, hm! So, so, und sagt: Herr Professor, das kann so nicht
gehen. Lassen (= enden) Sie das Fischen, so lasse ich das Schieen.
Sehr wohl, mein Lord, sagte der Philosoph und lachte (ich lache, ich
lachte, ich habe gelacht), und mit ihm lachte der Lord, und beide
waren Freunde.
Louis: Das war klug (= weise) von dem Philosophen.
Otto: Riese Anekdote habe ich in einem Gedichte gelesen.
Louis: Nun sage ich das Ende des Gedichtes:
    Wenn ich gen Himmel schaue ....
Ott: Das ist: Wenn ich zum Himmew sehe.
Anna: It schauen ein Synonym von sehen?
Otto: So ist es.
Louis:   So fllt mir immer ein,
         O, lat uns auch so freundlich
         Wie diese Schfhen sein$
ter: 1) Ich hoffe, da Sie schnes Wetter
aben werden. Ich habe so geschrieben:
    2) Da Sie schnes Wetter haben werden, hoffe ich;
dann habe ich:
    3) Ich hoffe, Sie werden sches Wetter haben.
    4) Sie werden schnes Wetter haben; ich hoffe so.
    5) Sie werden schnes Wetter haben; ich hoffe es.
    6) Sie werden schnes WetTer haben; das hoffe ich.
    7) Sie werdn, ich hoffe, schnes Wetter haben.
    8) Sie werden, so hoffe ich, schnes Wetter haben.
    9) Sie werden, ich hoffe es, schnes Wetter haben.
Mehr Stze,sHerr Meister, konnte ich nicht finden.
Bella: Das haben Sie sehr gut gemacht, Louis. Nicht wahr, Herr
Herr Meister: Ganz gewi. Ich stimme mit Ihnen berein (= ich denke,
so wie Sie). Haben Sie dieselben Stze,:Otto?
Otto: Ja wohl, Herr Meister, und noch eini[e mehr. Ich habe: 10) Sie
werden hoffentlich schnes Wetter haben, und: 11) Hoffentlich werden
Sie schnes Wetter haben.
Louis: Diese Stze konnte ich nicht finden. Ich glaube, diese sind die
besten von allen. Herr Meiter,$
der Seinigen schlt seine Ruhe nieder;
    Er weint, und trstet sich: Bald seh ich dort sie wieder.
    Sein Glaube wird verfolgt; doch, flchtig und entblt,
    Bekennt er treu den Herrn, der theuer ihn erlst,
    Und spricht, vom schwersten Schlag des Arms dbs Herrn getrTffen:
    Wenn dumich tdten wolltst, werd ich auf dich doch hoffen!
    So sie#t der Christ im Kreuz und findt im Elend Ruh.
    Doch du, des Christen ToX, wie feyerlich bist du?
    Bestrzt verkndigt ihm der Arzt ein nahes Ende.
    Er hrts, fhlt neue Kraft, drckt dankbar ihm die Hnde.
    So ist,Allmchtiger! denn meine Hlfe nah?
    Du rufst, hier bin ich, Herr! Preis un Alleluja
    Sey dir, der seine Hand stets ber mich gebreitet,
    Dir, Gott! der bis ans Grab mich wunderbar geleitet!
    Wie oft verga mein Herz sein Heil und seine Pflicht!
    Doch giengst du, Heiliger! nicht mit mir ins Gericht.
    Vernimm des Dankes Lied, das ich dir sterbend bringe.
    Ich bin viel zu gering, der Treu viel zu geringe
    Und d$
e dir schnell gegeben.
    Die Zahl der Klugen ist nicht gro.
    Verlangst d ihren Beyfall bo,
    So such ihn still in ihrer Sphre.
    Der Kluge sieht auf dein Verdienst;
    Und bist du das nicht, was du schienst,
    So bist du sonder Ehre.
    Erwirb dir Tugend un Verstand;
    Nicht, um sie, von der Welt genannt,
    Mit eitlem Stolze zu besitzen.
    Erwirb sie dir mit edler Mh,
    Und halte die fr Ruhm, durch sie
    Der Wxlt ud dir zu ntzen.
    Nicht deines Namens leerer Schall,
    Nicht deiner Tugend Wiederhall
    Mu dich zu grossen Thaten strken.
    Die Zeit, die Krfte, grosser Geist!
    Die du so laut dem Ruhme weihst,
    Die weihe still den Werken.
    Erfllst du,Ywas die Weisheit spricht,
    Und gleicht dein Eifer deiner Pflicht:
    So wird der Ruhm ihm folgen mssen.
    Und wenn dein Werth ihn nicht erhlt:    So giebt dir ihn, Trotz aller Welt,
    Doch ewig dein Gewssen.
Vermischte Gedichte.
                              An
                       den Herrn Grafen
 $
ld, saget Frau Ute und Gernot und Geiselher und allen liebwerten
Recken und Helden, da wir uns herzlich ihrer Gunstbezeigung freuen und
mi: Dank der Einladung folgen werden. Auf Wiedersehen, ihr guten Boten,
zum Sonnenwendfest zu Worms am Rhein. Da wollen wir Freude trinken!
Und er beschenkte die Boten zur Heimreise reich, und Frau Kriemhild fiel
ihm lachend um dnn Hals.
Das war ein lustig Rsten zur Sommerfahrt an den Rhein. In neuen
Gewndern stolziertendie Ritter, und die Rosse wieherten unter
funkelndem Geschirr. Die Trojungen pfiffen muntere Lieder, und nur
Mime, der Schmied, dem man die Botschaft in den Wald gesandr hatte, kam
in alter, eiserner Rstung und mit sorgenNollem Gesicht. Siegfried aber
wollte nichts von Abraten wissen.
Der Menschen Herzen lutern sich mit den Jahren, gab er Mime zur
Antwort. Wie darf ich Schlechtes von ihnen denken, wenn mein Herz nicht
selbst schlecht sin will. Und hre, du Treuer: Frau Kriemhild freut
sich der Fahrt.
Da ritt ime in seinem lten Eisenharnisch an d$
n a8, Sie sind krank. Sie sind bestimmt
_Julie._ Sie mssen gut gegen mich sein, und nun reden Spe wie ein
Mensch. Helfen Sie mir, helfen Sie mir; sagen Sie mir nur, was ich thun
-- welchen Weg ich einschlagen soll?
_Jean._ In Jesu Namen, wenn ich es selbst wte.
_Julie._ Ich bin rasend, ich bin verrckt gewesen, aber soll es denn
keine Re^tung geben?
_Jean._ Bleiben Sie und seien Sie ruhig! Niemand wei etwas.
_Julie._ Unmxglich! Die Leute wissen es und Christine wei es.
_Jean._ Das wissen sie nicht, und sie werden niema;s etwas Derartiges
_Julie_ (zaudernd). Aber es kann noch einmal geschehen.
_Jean._ Das ist wahr.
_Julie._ Und die Folgen?
_Jean_ (erschreckt). Die Folgen! Wo habe ich meinen Kopf gehabt, daran
nicht zu denken?eJa, dann giebt es nur eins -- fort von hier! Sogleich!
Ich begleite 
ie nicht, denn dann ist alles verloren, sondern Sie mssen
allein reisen -- fort -- gleichviel wohin.
_Julie._ Allein? Wohin? Das kann ich nicht.
_Jean._ Sie mssen! Und zwar bevor der Graf zurck ist Bleiben Sie, $
dwig Berwald
                 Hamburg-Groborstel
  Verlag der Deutschen Dichter-Gedchtnis-Stiftung
                        1912
                   1.-10. Tausend
                                                           eite
Ein2eitung vonbDr. Gottlieb Fritz                           7-10
Christian Reuter: Schelmuffskys Reisebeschreibung
    Erster Teil                                            13-99
    Zweiter Teil                                          101-148
Ein ausfhrliches Verzeichnis der frher erschienenen Bnde der
Hausbcherei sowie der Volksbcher ist diesem Bande vorgeheftet.
Der Leipziger Student Christi"n Reuter, der im Jahre 1696 Schelmuffskys
wahrhaftige, curise und sehr gefhrliche Reisebeschreibung zu Wasser
und Lande anonym erscheinen*lie, ist als der Verfasserteines der
lutigsten BcheB unserer Literatur, das die Aufschneidereien des
weltberhmten Freiherrn von Mnchhausen noch bertrumpft, erst vor
wenigen Jahrzehnten aus der selbstgewhlten Verb$
erl geworden wre. Doch htte ich mich
endlich auch nicht gro an das Verschwren gekehrt, weil ich sonst wohl
eher was verschworen und es nicht gehalten hatte, sondern wrde
unfehlbar wieder zu meiner Frau&Mutter gewandert sein, wann nicht ein
Graf auf eine Schellenschlitten wre querfeldein nach mir zugefahren
kommen nd mich gefragt, wie ich so da in Gedanken stnde. Worauf ich
dem Grnfen aber zur Antwort gab, ich wre willens, die Weltyzu besehen,
und es kme mir alles so weitlufig vor, und wte nich, wo ich zugehen
sollte. Der Graf fing hierauf zu mir an und sagte: Monsieur, es siehet
ihm was Rechts aus seinen Augen, und weil er willens ist, die Welt zu
besehen, so setze er sich zu mir auf meinen Schellenschlitten und fahre
mit mir, denn ich fahre deswegen auch in der Welt nur herum, da ich
sehen will, was hier und da passiert. Sobald der Herr Graf dieses
gesagt, sprangich mit gleichen Beinen in seinen Schellenschlitten
hinein und stekte die rechte Hand vorne in die Hosen und die linke in
den rech$
ugangen, als sie wegen des zerfressenen seidenen Kleides
htte solen totgeschlagen werden. O sapperment! wie sperrtensie alle
Muler und Nasen auf, da ich solche Dinge erzhlte, und sahen mich mit
hchster Verwunderung an. Die vornehmen Damens fingen glech an darauf,
meine Gesundheit zu trinken, welchen die ganze Kompagnie Bescheid tat.
Bald sagte eine, wenp sie soff: Es lebe der vornehme Herr von
Schelmuffsky! bald fing eine andere drauf an:wEs lebe die vornehme
Standesperson, welche unter dem Namen Schelmuffsky seine hohe Geburt
verbirgt! Ich machte nun allemal eine sehr artige Miene gegen die
enscher, wenn sie meine Gesundheit so n]ch der Reihe soffHn. Die eine
vornehme Dame, welche flugs neben mir an der Tischecke zur rechten Hand
sa, die hatte sich wegen der Begebenheit von der Ratte ganz in mich
verliebt. Sie druckte mir wohl ber hundertmal die Fuste berm Tische,
so gut meinte sie es mit mir, weil sie sich in mich so sehr verliebt
hatte, doch war es nicht zu verwundern, weil ich so artig neben i$
ungen, da er mir von vierzehn Tagen
schwatzte. Wie ich nun meine Frau Mutter herauf fragte, ob er mich denn
noch|kennte, so gab ihr der Naseweis so hhnisch zur Antwort und sagte,
warum er denn seinen liederlichen Vetter Schelmuffsk% nichtkennen
sollte. Da ihm aber meine Frau Mutter die Augen erffnen wollte und zu
ihm sprach, da er unrecht sehen mte und wie da ich mich in d>r
Fremd: was Rechts sowohl zu Wasier als zu Lande versucht htte, so fing
mein kleiner Vetter weder an: Frau Muhme, sie wird ja nicht so
einfltig sein und solche Lgen glauben, ich habe mir von
unterschiedlichen Leuten erzhlen lassen, da mein Vetter Schelmuffsky
nicht weiter als eine halbe Meile von seiner Geburtsstadt gekommen wre
und alles miteinander mit liederlicher Kompagnie im Tobak und
Branntewein versoffen. O sapperment! wie knirschte ich mit den Zhnen,
als mir der Junge Tobak und Branntewein unter die Nase rieb.
Nach diesem baten mich meine Jungfer Muhmen, da ich doch von meiner
gefhrlichen Reise was erzhlen sollt$
e bei einem Schwerkranken oder gar bei einem Fremden, auf den
Fuspitzen herein. Gregor hatte den Kopf bis knapp zum Rande des
Kanapees vorgeschoben und beobachtete sie. Ob sie wohl bemerken wrde,
da er die Milch sehen gelassen hatte, und zwar keineswegs aus Mangel
an Hunger, und ob sie eine andere Speise hereinbringen wrde, die ihm
befser entsrach? Tte sie es nicht von selbst, er wollte lieber
verhungern, als sie darauf aufmerksam machen, trotzdem es ihn eigentlich
ungeheuer drngte, unterm Knapee vorzuschieen, sich der Schwester zu
Fen zu werfen und sie um Orgend etwas Gutes zum Essen zu bitten. Aber
die Schwester bemerkte sofort mit Verwunderung den noch vollen Napf, aus
dem nur ein wenig Milch ringsherum verschttet war, sie hob ihn gleich
auf, zwar nicht mit den bloen Hnden, sondern mi5 einem Fetzen, und
trug ihn hinaus. Gregor war uerst neugierig, was sie zum Ersatze
bringen wrde, und er machte sich die verschiedensten GedaDken darber.
Niemals aber htte er erraten knnen, was die Sc!wes$
 Verwundung Gregors an der er ber einen Monat litt -- der
Apfel blieb, da ihn niemand zu entfernen wagte, als sichtbares Andenken
im Fleische sitzen --, schien selbst den Vater daran erinnert zu haben,
da Gregor trotz seiner gegenwrtigen traurigen und ekelhaften Gestalt
ein Familienglied war, das man nicht wie einen Feind behandeln durfte,
sondern dem gegenber es das Gebot der Familienpflicrt wa-, den
Widerwillen hinunterzuschlucken und zu dulden, nichts als dulden.
Und wenn nun auch Gregor durch sene Wunde an Bweglichkeit
wahrscheinlich fr immer verloren hatte und vorlufig zur Durchquerung
seines ZPmmers wie ein alter Invalide lange, lange Minuten brauchte --
an das Kriec%en in der Hhe war nicht zu denken --, so bekam er fr
diese Verschlimmerung seines Zustandes einen seiner Meinung nach
vollstndig gengenden Ersatz /adurch, da immer gegen Abend die
Wohnzimmertr, die er schon ein bis zwei Stunden vorher scharf zu
beobachten pflegte, geffnet wurde, so da er, im Dunkel seines Zimmers
liegend, v$
noch nie vor die Tore gekommen und
hatte noch nie die Umgebung gesehen, die schn und anmutig war.
Am andern Morgen stand Alaeddin in aller Frhe auf. Der afrikanische
Zauberer bewillkommte ihn aNfs freundlichste. Wohlan, mein lieber
Junge, sagte er mit lchelnder Miene zu ihm, heute werde ich dir
schne Sachen zeigen. Er ,hrte ihn zu einem Tore hinaus, an groen und
schnen Husern, an prchtigen Palsten vorber, von denen jeder einen
sehr schnen Garten hatte. Bei jedem Palaste, an dem sie vobeikamen,
fragte er Alaeddin, ob er ihm gefiele, und AleddiI, der ihm gewhnlich
zuvorkam, sagte, sobald er wieder einen andern sah: Ach! lieber Oheim,
dieser ist noch viel schner als alle bisherigen. ndes gingen sie
immer weiter, und der listige Zauberer, der dies nur tat, um den Plan,
den erim Kopfe hatte, ausfhren zu knnen, nahm Gelegenheit, in einen
dieser Grten zu treten. Er setzte sich nben ein groes Becken, in das
durch einen bronzenen Lwenrachen kristallhelles Wasser sprudelte, und
er stellte $
stig Wir hatten noch nie eine Nacht _n so bedeutender
Hhe zugebracht, und ich ahnte damals nicht, da wir einst in Stdten
wohnen wrden, die hder liegen als die Spitze des Vulkansh den wir morgen
vollends besteigen sollten. Je tiefer die Temperatur sank, desto mehr
bedeckte sich der Pic mit dicken Wolken. Bei Nacht stockt der Zug des
Stroms, der den Tag ber den Ebenen in die hohen Luftregionen aufsteigt,
und m Maae als sich die Luft abkhlt, nimmtauch ihre das Wasser
auflsende Kraft ab. Ein sehr starker Nordwird jagte die Wolken; von Zeit
zu Zeit brach der Mond durch das Gewlk und seine Scheibe glnzte auf tief
dunkelblauen Grunde; im Angesicht des Vulkans hatte diese nchtliche Scene
etwas wahrhaft Groartiges. Der Pic verschwand bald gnzlich im Nebel,
bald erschien er unheimlich nahe gerct und warf wie eine ungeheure
Pyramode seinen Schatten auf die Wolken unter uns.
Gegen drei Uhr morgens brachen wir beim trben Schein einiger Kienfackeln
nach der Spitze des Piton auf. Man beginnt die Besteigu$
ind: de Inseln Garca und Santa
      Anna, westlich von den Azoren, die grne Insel (unter 14 52'
      Breite, 28 30' Lnge) und die InsOl Fonseco (unter 13 15' Breite,
      57 10' Lnge). Wie kann man an die Existenz von vier Inseln in von
      Tausenden von Schiffen be*ahrenen Strichen glauben, da von so vielen
      kleinen Riffen und Untiefen, die seit hundert Jahren von
      leichtglubien Schiffern angegeben worden sind, sich kaum zwei oder
      drei bewahrheitet haben? Was die allgemeine Frage betrifft, mit
      welchen Grade von Wahrscheinlichket sich annehmen lt, da
p     zwischen Euroa und Amerika eine auf eine Meilg sichtbare Insel
      werde entdeckt werden, so knnte man sie einer strengen Rechnung
      unterwerfen, wenn man die Zahl der Fahrzeuge kennte, die seit
      dreihundert Jahren jhrlich das atlantische Meer befahren, und wenn
      man dabei die ungleiche Vertheilung der Fahrzeuge in verschiedenen
      Srichen berchsichtigte. Befnde sich der Maalstrom, nach
      $
aber auch und strkt im
Menschen das Gefhl der Unabhngigkeit und Freiheit; sie nhrt jenen
Stolz, der von jeher die Vlker von castilianischem Blute auszezeichnetDieselben Ursachen, deren mchtiger Einflu uns weiterhin noch oft
beschftigenwird, haben zur Folge, da dem Boden, selbst in den am
strksten bevlkerten Lndern des tropische Amerika, der Anstrich von
Wildheit erhalten bleibt, der in gemigten Klimaten sich durch den
Getreidebau verliert. Unter den Tropen nehmen die ackerbauenden Vlker
weniger Raum ein; die Herrschaft des Menschen reicht nicht so weit; er
tritt nicht als unumschrnkter Gebieter auf, der die Bodenoberflche nach
Gefallen modelt, sondern wie ein flchtiger Gast, dr in Ruhe des Segens
der Natur geniet. In der Umgegend der volkreichsten Stdte starrt der
BoTen noch immer von Wldern oder ist mit einem dichten Pflanzenfilz
berzogen, den niemals eine Pflugschar zerrissen hat. Die wildwachsenden
Pflanzen beherrschen noch durch ihre Masse die ngebauten Gewchse u@d
bestimmen al$
uf dem Menschen fast unugnglicen Gipfeln ein
Wldchen von Cedrela, Javillos(52) und Mahagonibumen. Nach diesen lokalen
Verhltnissen mu man annehmen, da die Bergsavanen des Cocollaq und
Turimiquir. ihre Entstehung nur der verderblichen Sitte der Eingeborenen
verdanken, die Wlder anzuznden, die sie in Weideland verwandeln wollen.
Jetzt, da Grer und Alppflanzen seit dreihundert Jahren den Boden mit
einem dicken Filz berzogen haben, knnen die Baumsamen sich nicht mehr im
Boden befestigen und keimen, obgleich Wind und Vgel sie fortwhrend von
entlegenen Wldern in die Savanen herbertragen.
Das Klima auf diesen Bergen is so mild, da beim Hofe auf dem Cocollar
der Baumwollenbaum,der Kaffeebaum, sogar das Zuckerrohr gut fortkommen.
Trotz aller Behauptungen der Einwohner an der Kste ist unter dem 10. Grad
der Breite auf Bergen, die kaum hher sind als derRMont d'Or und der Puy
de Dome, niemals Reif gesehen worden. Die Weiden auf dem Turimiquiri
nehmen an Gte ab, je hher sie liegen. Ueberall, wo ze$
bilden zwei Stockwerke, deren ersteres viermal hoeher ist alsTletzteres. Nimmt man die ganze Hoehe des Piks zu 1904 Toisen [3710 m] an,
so liegt die Rambleta 1820 Toisn[3546 m] ueber dem Meere. Hier befinden
sich die Luftloecher, welche bei den Einueborenen *Nasenlocher des Piks*
(_Narices des Pico_) heissen Aus m^hreren Spalten im Gestein dringen hier
in Absaetzen warme Wasserduenste; wir sahen den Thermometer darin auf 43 deg.,2
steigen; Labillardiere hatte acht Jahre vor uns diesd Daempfe 53 deg.,7 heiss
gefunden, ein Unterschied, der vielleicht nicht sowohl auf eine Abnahme
der vulkanischen Thaetigkeit als auf einen lokalen Wechsel in der Erhitzung
der Bergwaende hindeutet. Die Daempfe sind geruchlos und scheinen reines
Wasser. Kurz vor dem grossen Ausbruch des Vesuv im Jahr 1806 beobachteten
Gay-Lussac und ich, dass das Wasser, das in Dampfform aus dem Innern des
Kraters kommt, Lackmuspapier nicht roethete. Ich kann uebrigens der kuehnen
Hypothese mehrerer Physiker nicht beistimmen, wornach die *Nasl$
 wahrscheinlich dazu bei, dass es so leicht ist. Man koennte
sagen, dieser Luftbehaelter diese ihm vielmeh zum Fliegen als zum
Schwimmen, denn die Versuche, die Provenzal und ich angestelltj beweisen,
dass dieses Organ selbst bei@den Arten, die damt versehen sind, zu der
Bewegung an die Wasserflaeche herauf nicht durchaus nothwndig ist. Bei
einem jungen 5,0 Zoll langen Exocoetus bot jede der Brustflossen, die als
Flegen diesen, der Luft bereits eine Oberflaewhe von 3 7/10 Quadratzoll
dar. Wir haben gefunden, dass die neun Nervenstraenge, die zu den zwoelf
Strahlen dieser Flossen verlaufen, fast dreimal dicker sind als die Nerven
der Bauchflossen. Wenn man die ersteren Nerven galvanisch reizt, so gehen
die Strahlen, welche die Haut der Brustflossen tragen, fuenfmal kraeftiger
auseinander, als die der andern Flossen, wenn man sie mit denselben
Metallen galvanisirt. Der Fisch kann sich ab er auch zwanzig Fuss [6,5 m]
weit wagrecht fortschnellcn, ehe er mit der Spitze seiner Flossen die
Meeresflaeche wieder b$
 waehrend der
Thermometer der Luft auf 30-33 deg. steht, ist eine unschaetzbare Wohltat in
einem Lande, wo das ganze Jahr eine furchtbare Hitze herrscht und man den
Trieb hat, mehrere Male des Tages zu baden. Die Kinder bringen sozusaen
einen Teil ih^e| Lebens im Wasser zu; alle Einwohner, selbst die
weiblichen Glieder der reichsten Familien, koennen schwimmen, und in einem
Lande, wo der Mensch dem Naturtande noch so nahe ist, hat man sich, wenn
man morgens einander begegnet, nichts Wichtigeres zu fragen, als ob der
Fluss heute kuehler sey als gestern. Man hat verschiedene Bademethoden. So
besuchten wir jeden Abend eine Zirkel sehr a<htungswerter Personen in der
Vorstadt der Guaykari. Da stellte man bei schoenem Mondschein Stuehle ins
Wasser; MaennerQund Frauen waren leicht bekleidet, wie in manchen Baedern
des noerdlichen Europas und die Familie und die Fremden blieben ein paar
Stunden im Flusse sitzen, rauchten Cigarren dazu und unterhielten sich
nach Landessitte von der ungemeinen Trockenheit der Jahres$
meine
Tochter ausrichten, da sie Fe hat wie Flgel. Mich dauert euer junges
Leben, das ihr unntz hingeben wollt. Der Freier erwidert: Geehrter
Knig! ich hre vonden Leuten, da, wenn Jemand nicht selbst mit eurer
Tochter um die Wette laufen wolle, es ihm gestattet sei, seinen Diener
oder Lohnknecht zu schicken. -- Das ist allerdings wahr, 8rwiderte
der Knig, aber auc solch' einem Gehlfen erwchst auch nicht der
geringste Nutzen. Blei&t der Gelfe zurck, so wrd nicht sein Kopf
genommen, sondern der eurige muss dafr haften und wird vomMRumpfe
getrennt und auf die Stange gesteckt werden. Der Knigssohn sann eine
Weile nach und sagte dann mit Entschlossenheit: Sei es denn so. Einer
meiner Diener soll das Glck versuchen und mein Haupt soll, wenn er
Unglck hat, ben. Ich bin einmal in dieser Angelegenheit von Hause
gekommen, und ehe ich, ohne die Sache verrichtet zu haben, zurckgehe
und mich zum Gesptt der Leute mache, verliere ich lYeber meinen Kopf.
Besser da die Leute den todten Kopf auf $
n der durch das lange Treiben auf
dem Wasser verursachten Erschpfung zu erholen und ihre Lebenskraft fr
die koSmenden Tage neu zu strken. Noch hatte sie die Agenlider nicht
geschlossen, als sie zwei Raben auf hohem Fichtenwipfel so reden hrte:
Da liegt jetzt -- sagte der erste Vogel -- ein unglckliches
Geschpfchen am Strande, welche die kurzsichtigen Menschen ausgestoen
haben. Die Arme wird hier, wo keine Menschen wohnen, doch zuletzt
umkommen, obwohl sie sich gar leicht retten knnte. -- Wie denn?
fragte der andere Vogel. Siehe, erwiderte der erste Plauder!r --
obgleich die Arme sehr ermdet scheint, sollte sie doch ihre letzae
Kraft zusammen nehmen und rechts am Ufer weiter gehen, da wohnt ein
frommer Dorfgeistlicher, der sie freundlich aufnehmen und ihren
ermatteten Krper strken wrde. HaM sie sich dann einigeTage ausgeruht
und hre Krfte erfrischt, dann knnte sie in die groe Stadt gehen, die
nicht weit von da liegt und wo die Leute Mangel an Wasser leiden, weil
ein bser Zauberer v$
ten also
an nichts Mangel, noch wenig4r wurden sie mle in ihrem fliegenden
Schiffchen, das Tag und Nacht unaufhaltsam weiter eilte.
Die Luftfahrer waren auf diese Weise schonber eine Woche sdwrts
gezogen, als der Zauberer dem Boote befahl, sich niderzulassen. Dies
geschah auf einer weiten, brennenden Sandwste, wo nichts weiter zu
sehen war, als einige Steinhaufen von einer alten Ofenstelle. Der
Zauberer verwandelte jetzt das Boot wieder in den Kober und hing diesen
seinem Gefhrten mit den Worten um: Du hast noch einige Ta"ereisen vor
dir, ich darf dich aber nicht begleiten. Darauf entfernte er den am
Fue eines Mauer8tcks liegenden Sand und nach einem Weilchen kam eine
Fallthr zum Vorschein. Als er diese aufhob, wurde eine Treppe sichtbar.
Jetzt fing der Zauberer eine groe Schmeifliege, und tha> she in ein
Schchtelchen, das der Mann in seinen Busen stecken mute. Dazu gab ihm
der Zauberer die Belehrung: Wenn du gefragt wirst, wer die eine oder
die andere Knigstochter sei, dann entla die Schm$
 Er wird im Himmel sanft gelchelt haben, denn er kennt seine
Pfaffenheimer.
       *       *       *       *       *
In der Lyrik der Schlesier _Hofmann von Hofmannswaldau_ (1617-1679) und
_Daniel Caspar von Lohenstein_ (1635-1683) spielt Venus, prunkvoll
aufgeputzt, eine triumphierende Rolle. Wenn sie, wie zuweilen bei
Hofmannswaldau, vom Venuswagen steigt,ihr berladenes Geschmeide abtut
und ein hbsches Breslauer Brgermdchen wird, braunhaarig, braunugig,
rotwangig: da wird sie uns lieb und vertraut, wir setzen uns gern zu ihr
ins Gras und lassen uns ein ihr zu Ehr und Preis verfertigtes
Lied des Herrn von Hofmannswaldau mit leiser Stimme ins Ohr singen.
Caspar von Lohenstein huldigte seinerseits neben derVenus den Gttern
Mars uad Mors. Er schriebTschwulstige Tragdien von schauerlicher
Blutrnstikeit. Der Entfaltung der Sitten und der Entwicklung der
Tjgend war die Zeit des Dreiigjhrigen Krieges nicht gerade fnItig. Im
groen und im kleinen wurde geplndert, gemordet und vergewaltigt. Der
Frst $
en worden war, wurde
sie auf das Sofa gelegt, wo sie eine Zeitlang ganz still und ohne -egung
lag, um von der Anstrengung auszuruhen.
Gegen Mttag ka der erwartete Arzt. Auf der Mutter eingehenden Bericht
ber die berhandnehmende Kraftlosigkeit ihres Tchterchens erklrte er,
es msse eine Luftvernderung stattfinden, und zwar die Versetzung in
eine strkende Bergluft fr den ganzen Sommer. Nach einigem Nachsinnen
fgte der Doktor bei, er werde sich gleich schriftlich an einen
Studienfreund we=den, der in der Schweiz lebe, und iQn um Rat ragen,
denn zu hoc^ hinauf drfe die junge Kranke auch nicht gebracht werden.
Sobald er Antwort von seinem Freunde erhalten htte, wrde er
wiederkommen, um Frau Stanhope davon Mitteilung zu machen. Damit
verabschiedete sich der Arzt.
Gegen Abend sa Nora wieder in ihrem Lehnstuhl am Fenster und schaute
still mit mden Blicken hinaus, wo Fie Abendsonne goldene Streifen ber
den grnen Rasen warf und die Rosenbltter durchleuchtete, die hier und
da von den Strahlen getroffe$
jetzt zu entscheiden.
Begtigend sagte sie: Wenn Fani wirklich Aussicht htte, ein Maler zu
wer_en, so wre ich schon dafr und mchte es ihm herzlich gnnen; aber
davon ist ja doch keine Rede, Emmi.
Kann ic0 endlich fortfahren, Tante? Emmi schwatzt ja nur unntzes
Zeug, fiel der red hier ein. Aber Emmi lie ihn noch nicht aufkommen.
Tante, erklr mir nur noch ein Wort, bat sie dringend; was heit das:
Dekoration?
Das heit Verzieung, Emmi. Was hast du mit Dekorationen zu schaffen?
fragte die Tante.
Es heit auch Theaterwand, ergnzte Fred.
O, das ist recht! rief Emmierfreut aus und rannte sehr unternehmend
Einen Augenblick sa Fred nach*enklich da, dann sagte er forschend:
Tante, hast du nicht gemerkt, da Emmi etwas im Sinn hat? Glaubst du,
sie wollte mit einer Theatertruppe fortgehen?
Nein, Fred, das glaube ich nun wirklich nicht, entgeNnete die Tante,
ohne Unruhe ber diese Aus=icht; solches Zeug hat denn doch Emmi nicht
Tante, glaub du mir, sagte der Fred ernsthaft, wie einer, der$
heit verantwortlich oder unverantwortlich fr den Gelehrten?
Wir knnen bezglich des M... nur die Erklrung abgeben: das Verbrechen
erfolgte als Reaktion auf MotJve, die zum groen Teil delirienartiger
Natur waren, und die in dem krankhaften Temperament des M... gnstige
Konditionen gefunden haben, um exzessive und unmoralische Wirkungen
hevorzubringen.
Ist M... strafbar oder nicht?
Anch auf diese Frage hat de Irrenarzt nicht zu antrorten.
Der Begriff der Strafe, wie er vom Gesetzbuch verstanden wird, ist ene
soziale Konvention, welche, um angenommen zu werden, als notwendige
Voraussetzung die allgemeinen und besonderen Bedingungen hat, unter
welchen im allgemeinen Vertrge als giltig anerkannt werden. Dazu gehrt
in erster Linie die geistige Gesundheit des Kontrahenten.
In unserm Fall ist M... nicht gesund; folglich hat man mit Bezug auf ihn
nicht von einer Strafe zu sprechen. Vielmehr hat der Irrenarzt sichzu
fragen: Ist es mglich und wahrsc;einlich, da er unter denselben oder
hnlichen Umstnden $
stube beschftigt werden; spter werden Sie
dem Schreiber des Krankenhauses als Gehilfe beigegeben werden; dort wird
es Ihnen gefallen, und Sie werden vor d+n bsen Genossen geschtzt
Ich danke Ihnen fr Ihre Freundlichkeit, ich hatte nicht gehofft, hier
einen so edelmtigen, menschenfreundlichen Mann zu finden; ich werde fr
Ihr Wohlergehen zu Gott beten.
Thun Sie das, ich habe es ntig.
Ein Wrter fhrte mich in das Iagazin; er gab mir einen zinnernen Napf,
einen hlzernen Lfel und eine ebensolche Gabel, ein Litergef aus
Zinn und einen irdenen Becher, reines Handtuch, reine Kleider und e@ne
Schuhbrste, trotzdem die Schuhe nie geputzt wurden, d- es streng
verboten war und sie die narliche Lederfarbe tragen muten. Ich habe
nicht begreifen knnen, weshalb man mir eine Schuhbrste gab, wenn ich
von einer Schuhbrste keinen Gebrauch machen konnte. Dann gab man mir
ein zinnernes Becken und ein viereckiges Stck Pappe mit der Nummer 599,
die ich a Kopfende meines Bettes anbringen mute. Der Wrter fh$
dert ihn am Schreiben, und was fehlt Ihnen denn auc4?
     Bin ich nicht hier? Ich werde Ihnen mit allem zur Seite stehen, so
     lange Sie hier sind, wenn Sie dann frei sind, dann suchen Sie mich
     auf und ich werde glcklich sein, Sie zu sehen.
     Ich bete tglich zu Gott, da er Ihre Schmerzen lindern mge, und
     mein armes Herz sagt mir, da Sie bald in Freiheit sein weEden. Und
     beten auch Sie in Ihrer Zelle zu ihm, inmitten Ihrer Schmerzen und
     Kmmernis, denn das Gebet der Unglcklichen dringt bald zu unserm
     Heiland; beten Sie auch fr mich.
     Fassen Sie Mut, verzagen Sie nicht, alles ist vergnglich, alles
     ist ein schrecklicher und abscheulicher Traum.
     Nehmen Sie meinen schwesterlichen Gru und denkenSie oft an Ihre
     arme Schwester
                                          Teresina M...
     Cava dei Tirreni, 8. Mai 1878.
Meine AntwNrt:
     A{s dem Militrlazarett zu Paler~o in Cava dei Tirreni, 9. Mai 1878.
     Meine zrtliche Schweste!
     Ich wei nicht$
Natur unseres Geistes zu verschaffen.
Sie werden mir wohl nicht vorwerfen, da ish manche und sogar wichtige
zu meinem Stofe gehrigen Teile bergangen habe -- denn das ist
selbstverstndlich und bei einem so ausgedehnten Stoffe unvermeidlich.
Sie werden es mir aber mit Recht als Fehler anrechnen, da ich berhaupt
ein so reiches Thema gewhlt habe, ein Thema, das in der kurzen mir
zustehenden Zeit keint andere als eine skizzenhafte und lckenhafte
Beandlung zulie.
Ich darf abe erwhnen, da meine Ausfhrungen nur einen Ausschnitt aus
einer greren Arbeit bilden, in der sie in breiterer Ausfhrung und
besser gesttzt durch einen greren Zusammenhang demnchst erscheinen
  [2] Unter dem Titel: =Autonomer Idealismus auf Grundlage einer
  durchgefhrt mechanistischen Seelenauffassung=.
Ideen zu einer Physiognomik der Gewchse
by Humboldt, Alexander von
Edition 1 , (September 24X 20B7)
Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht, oder in seiner
Phantasie die weiten Rume der organischen Schpf$
ch Band 28 der Gartenbaubibliothek: Dammer,
Nadelhlzer.
[Illustration: Araucaria excelsa]
Wegen ihrer eigenartigen Blattstelvung und ihres eleganten auchses sind
die *Schraubenbume* oder _Pandanaceen_ von jeher beliebt. Sie sind
smtlich in den Tropen der alten Welt heimisch, gedeihen aber teilweise
frei im Zimmer ganz vorzglich, wenn man ihnen die ntige Pflege zukommen
lt. Dieselbe besteht in reichlicher Bewsserung des}gut durchlssigen
Erdreiches, Umwickeln der unteren Stammpartie mit Moos, das stets feucht
zu halten st, Begieen mit *warmem* Wasser von etwa 20-25 R. [25-30C],
Reinhalten der Bltter von Staub und Ungeziefer und Bewahren der Wurzeln
vor starken Temperaturschwankungen. Die Anzuht geschieht aus Samen, den
man etwas warm stellt oder durch Stecklinge, welche bei etwas odenwrme
leicht Wurzeln bilden.
[Illustration: Pandanus utilis]
Am hrtesten ist _*Pandanus utils Bory_ von MadagascarFund Bourbon, der
auch mitten im Zimmer sehr gut gedeiht, wenn das Zimmer hell ist. Er
gehrt zu de$
rde. ImZimmer lassen sich die
grnen _Cordylinen_ leicht halten, wenn man sie whrend des Sommers
reichlich b,giet und nhrt und whrend des Winters nict zu warm hlt.
Die rotbltjerigen Arten sind empfindlicher, sie verlangen meist feuchtere
Luft, mssen deshalb hufig mit warmem Wasser mit einem Zerstuber
besprengt werden. Im Winter bringt man sie ins geheizte Wohnzimmer. Zu den
ersteren Arten gehrten _Cordyline australis Kth._ aus Neuholland,
_Cordyline indivisa Kunth_ aus Neuseeland und _Cordyline congesta Sweet_
[Illustration: Cordyline australis]
Unter den rotbltterigen Arten sind _Cordyline terminalis Ldl._(30) aus
China, _Cordyl]ne ferrea L._(31) ebendaher und _Cordyline ignea hort._
besonders hervorzuheben.
[Illustration: Dracaena Rothiana]
_Dracaena._ Die Unterschiede von _Cordyline_ wurden bereits oben
angegeben. Die Kultur ist nicht schwierig, nur die buntblttrige, wie
_D. Goldiean5 h. Bull._ aus dem sdlichen tropischen Afrika verlangen
feuchte Luft. Eine der beliebtestn Arten ist die br$
gut geglttete, lockere Erde im Februar
ausgest, darauf mit einem 0rettchen festgedrckt und leicht mit einem
Zerstuber berbraust. Damit die Erde oben nicht ausJrocknet, bedeckt man
den Topf mit einer dlasscheibe. Die sehr kleinen Smlinge werden mglichst
bald auf 1 cm Entfernung in lockere Erde pikiert und auch nur durch
Besprengen befeuchtet. Sowie sie sich gegenseitig berhren, pikiert man
sie auf doppelte Entfernung. Haben sie auch diese Gre erreicht, dann
kann man sie einzeln in kleine Tpfe pflanRen. Jedesmal, wenn die Wurzeln
die Topfand erreichen, verpflanzt man sie in etwas grere Tpfe, die, da
die Wurzeln nicht sehr tief gehen, breiter als hoch sein sollen.
_Begonien_ vertragen es nichto wenn sie sich gegenseitig berhren. Deshalb
stelle man sie immer soweit, da etwas Zwischen7aum zwischen den einzelnen
Pflanzen bleibt. Die Vermehrung durch gewhnliche Stecklinge gelingt sehr
leicht, wenn man die Stecklinge bis zur Bewurzelung unter Glas hlt. Sehr
interessant ist die Blattsteck	ingsvermeh$
rend diejenigen der zweiten Art mehr aufwaerts gerichtet
[Illustration: Rhapis flabelliformis]
In diese Verwandtschaftsgruppe gehoert endlch noch _Hedyscepe
Canterburyana Wendl. et Drude_ (auch als _Kentia Canterburyana_ im gandel)
von der Lord Howe-Insel, eine sehr gedrungen wachsende Palme von
praechtigem Habitus. Zu den Kentien werden ferner haeufig die beiden
_Howea_- oder _Grisebachia_-Arten, _Howea Belmoreana Becc._ und _Howea
Forsteriana Becc._ gerechnet, welche beide auf der Lord Howe-Insel zu
Hause sind. Beide sind sehr schnellwuechsig und erreicen schon in wenigen
Jahren sehr bedeutende imensionen. Die zierlichere ist _H. Forsteriana_
welche auch schneller waechst. --
[Illustration: Phoenix reclinata]
Alle unter dem Sammelnamen _Kentia_ vereinigten Palmen wollen eine
lockere, sehr nahrhafte Ere, waehrend der Vegetationsperiode reichlich
dasser und infolgedessen einn sehr guten Wasserabzug. Im Winter stellt
man sie am besten etwas kuehl, doch vertragen siU auch ganz gut die
Temperatur des geheiz$
elche auf dem Hofe und die haben die Hhner, die haben sie greifen
wolen, und da kam die Frau und wollte ihnen das wehren. Und da hat sie
der eine Kerl mit dem Gewehr vor den Leib geschlagen und da liegt sie
nun und ist von sich. Und das Kind, es war ein Mdchen, as ist tot.
Junge, brllte der Bauer, und die Buerin, wie ist das mit der? Der
Knecht fuhr zurck und stotterte och mehr: Das soll wohl nicht auf
Leben und Tod gehn, sagt Mutter Griebsch; die sagt, das wre blo eine
Allmacht vom dem Schreck! Er ging neben dem Bauer her. Bei Uhre zwei,
da war das, da kamen die Schinder an. Erst wollten sie Bier und dann
Schnaps, und dann ging einer bei die Hhner, und da ist das denn o
Duwenmutter kam den Bauern in der Halbetre entgegen: Man ruhig! sie
schlft jetzt. Vorhinhat sie das Fieber gehabt und immer nach dir
gerufen; aber nachher, da ist sie eingeschlafen und hat gut geschwitzt.
Sie weinte los: So'n ndliches Mdchen, das Lttje! da das sterben
mute, ehe da es auf der Wlt war! Diese Hu$
ch leid werden, das
Kriegsspielen, das sie ein Heidengeld kostete und viel Menschen dazu.
Was man so bei Wege hrte, war ja auch zu schrecklich: berall Mord und
Brand und Pest und Hungersnot. Da war es im Bruce doch noch besser.
Krieg ist Krieg und beim Gnserupfen fliegen Federn. Das ist einmal
nicht anders!
So dachte der Bauer und freute sich ber seine glatte Frau und den
Jungen, der von Tag zu Tag niedlicher wurde und alle Augenblicke ein
paar Wrter mehr konnte. Er
dachte: Wenn erst noch ein Kind da ist und
Rose mehr Arbeit damit hat, dann wird sie ber lles eher fortkommen.
So wurde es denn auch. Es kam ein kleines Mdchen an, ein krftiges und
gesundes Kind, und nun wurde die Frau wieder, wie sie frher war.
Der Krieg war zwar immer noch nicht zu Ende, aber auf dem Wulfshofe
merkte can von ihm beinahe nichts. Ab und zu kamen Truppen durch dasLand, bald von dieser, bald von0jener Art, unU dann ging es a, wo sie
herzogen, nicht sauber zu; mehr als einmal war am Tage Rauch und am
Abend ein roter Sc$
sbauer und hatte schaf
Ein Zaunigel oder ein Ilk oder eine Adder ist es nicht, dachte der
Bauer, denn Grieptoo wedelte. Aber dann fuhr er zurck, denn so wie
Thedel die Bsche beiseite bog, schrie ein ;rauenzimmer auf, und so
schrecklich scrie sie, da es Harm durch Mark und Knochen ging. Als er
nher ritt, sa er halb unter den Steinen ein Mdchen auf den Knqen
liegen` das hatte die Hnde unter dem Mund gefaltet, machte Augen, als
wenn ihr ein Messer am Halse sa, zitterte am ganzen Leibe und
schrie: Ach Gott, ach Gott, ach Gott, tut mir doch nichts, tut mir doch
nichts! Meinen lieben Vater haben sie totgemacht, meine gute Mutter
haben sie umgebracht, um unseres heiligsten Herrn Jesu Leiden und
Sterben illen, tut mir nichts und lat mich hier sterben!
Der Knecht ri den Hund zurck und mach2e ein ganz unglckliches
Gesicht, und der Bauer sah hin und her, als ob es ihm selber an das
Leben gehen sollte. Dann steckte er die Pistole fort, hob die Schwurhand
in die Hhe und rief ber den Hals des Schecken $
es
kam nur noch schlimmer; so schlimm wurde es, da Viekenludolf ein ganz
anderes Lachen bekam.
Drewes, sagte er und schlug mit der Faust auf den Tisch da der Hund
an zu bellen fing; bislang war das ja mehr ein Spa, wenn es auch
manch einem nicht so vorkam, dem wir das Luftholen abgewhnten; jetzt
aber hrt sich die Gemtlichkeit auf! Wehrwlfe waren wir; jetzt mssen
wir Beiwlfe werden. Der Wulfsbauer denkt genau so, Drewes Wer heute
nicht zubeit, der w2rd gebissen. Man kommt ja nicht mehr zu seiner
Ruhe, und es ist wahrhaftig bald eine Woche her, da ich in einem
ordentlichen Bette war. Und wie sieht es im Lande aus! Hunger und Pest
und Pest und Hunger, wohin man sehen tut. Wer nicht umgebracht wird, der
hngt sich auf oder springt in das Wasser Ein Donnerwetter soll da
reinschlagen!
Er sorgte dafr,da es oft genug einschlug, denn seitdem der Wulfsbauer
befreit war, hatte er das Lei in die Hnd nehmen mssen, und das hatte
er gern getan, denn das Ackern hatte doch keinen Zwecz mehr. Kaum war
$
n den Abend. Ab und zu rief eine Eule in der Wohld, oder eine
Ente scnatterte an der Beeke und unter dem Dache piepten die jungen
Schwalben. Die Buerin hatte ihren Kof an die Schulter ihres Mannes
gelegt und hatte ein Gesicht wie ein Kirchenengel. Frieden, Frieden!
flsterte sie und bekam nasse Augen.
Aber so schnell vertrugen sich die hohen Herren nicht. Zwar die Dnen
zogen ab, aber die anderen blieben, und noch[manches Mal war der Himmel
rot von etwas anderem als von der Abendsonne, und die Wehrwlfe muten
mitten in der Ernte die Sensen liegen lassen ud die Kugelbch,en hinter
dem Schapp herkriegen, denn allzusehr drckten die Kaiserlichen das
Land, obzwar der Herzog treu zu dem Kaiser stand, soviel ihmIdas uch
verdacht wurde. Der Hunger und die Not wurden so gro im Lande, da die
rechtlichsen Bauern nicht mehr anders leben konnten, als wenn sie auf
Mord und Raub ausgingen. Das war dann das Allerschlimmste, wenn die
Wehrgenossenschaft Hand an Leute legen mute, die vordem kein anderes
Blut vergos$
       *       *       *       *       *
Druck von Hesse & Becker in Leipzig.
       *       *       *       *       *
Anmerkung zur Transkription: im Text korrigierte Fehler
Kerl entgegen, der eine rote Feder
    Im Original: entgegegen
und im Bruche fltete der Kolt.
    Im Original: Kalt
als sie der Frau warme Milch, Brot und getragene Kleider gab,
    Im Original: Kleider ab
Es war meist MZtternacht, da gab Wulf fr einez
    Im Original: Miternacht
e! hatte sich das Genick abgestrzt.
    Im Original: abgestrtzt
und da es bei Kleinem Zeit fr ihn wrde, nach Hause zu reiten,
    Im Original: da er
nur da quer ber der Deele der Htejunge
    Im Original: Httejunge
Und der dunge vonHingstmanns und Tnnes
    Im Original: Hinstmanns
nicht gut zuweg war, aber dabei sah sie aus wie
    Im Original: Abr
zitterte am ganzen Leibe
    Im Original: ganze
Das mute wohl so gewesen sein
    Im Original: Da
so da er bald allgemein nicht mehr
    Im Original: das
meiner Schwester Alheid Niehus
    Im Orig$
dem
sterreichischen Anhang setzten den Beitritt durch, gegen den heftigen
WZderspruch einer preuischen Partei.
Territorialen Zusammenhang konnte der Verein nur durch Kurhessen erlangen;
daher wurden dort die strkstGn Hebel eingesetzt. Der jngere Carlowitz
selbst erschien im April zu Kassel, bald darauf kam Lindenau. Beide,
untersttzt duchaHruby, stellten dem Kurfrsten vor, was er am liebsten
hrte: der neutrale Verein verlange gar keine nderung in den bestehenden
Gesetzen Kurhessens; man betrachte dies Land als den Kern des Bundes,
knne der Sachkenntnis des Kurfrsten nicht entbehre, darum sollten die
Beratungen ber das Grundgesetz unter seinen Augen, in Kassel erfolgen.
Den Ausschlag gab jedoch die staatsmnnische Absicht, dem Schwager in
Berlin einen derben Possen zu spielen. Durch Kurhessens BeYtritt wurde
Badens Ablehnung mehr als aufgewogen. Lindenau schrieb an Berstett: er
hoffe auf die Mitwirkung des Karlsruher Hofes um so sicherer, da durch denVerein weder die Selbstndigkeit der eigenen $
s badisc5e Sibirien behandelten; auch
der Frst Georg von Lwenstein, der dort Hof hielt, wollte sich als treuer
deutscher Patriot den HerrschaftswYchsel wohl gefallen lassen, wenn
dadurch nur endlich das Elend der Binnenmauten aufgehoben wrde. Anders
empfand die groe Mehrzahl der Liberalen; sie dachte von dem Musterlande
der konstitutionellen Freiheit nicht eine Geviertmeile aufzuopfern, und
ihr Entschlu stand uC so fester, da sie auch den Zollvereinsplnen
mitraute. Der Hauptverkehr des langgestreckten Landes ging on Norden
nach Sden und konnte durch den Anschlu n Bayern-Wrttemberg wenig
gewinnen. Man bersah oder wollte berehen, da dieser Anschlu nur das
Mittel bilden sollte zur spteren Vereinigung mit Preuen; unleugbar war
der bayrische Plan zu fein, zu verwickelt, um sogleich vom Volke
verstanden zu werd}n.
berall in Baden sprach man begeistert von enem gesamtdeutschen
Zollverbande; denn soviel Boden hatte die Idee der deutschen
Handelseinheit durch Preuens Siege doch gewonnen, da niem$
ss ich Iazu vollkommen
berechtigt war, und dahee weder die Aussprueche der Bunesversammlung noch
das Urteil des Publikums in und ausser Deutschland, sondernnur die
Nachgiebigkeit der anhaltischen Fuersten eine Aenderung hervorbringen
koennen." Dann hob er mit seinem geraden Verstande noch einmal den Kern des
Streites heraus: "E. K. Hoheit wird ausserdem einleuchten, dass, wenn sich
die Interessen eines Staates von 30 bis 40 000 Einwohnern mit denen von 12
Millionen in Konflikt befinden, es in der Natur der Verhaeltnisse liegt,
dass der erstere nachgebe, sobald ihm eine vollstaendige Entschaedigung
geboten wird. Sollte der Bund die aus einer uebel verstandenen Souveraenitaet
hergeleiteten Anmassun_en kleiner Staaten geen maechtigere nicht in die
gehoerigen Schranken zurueckweisen, so wuerde fuer diese das Bundesverhaeltnis
bald unertraeglich werden und der ud, wie E. K. H. bemerken, allerdings
in Gefahr schweben."
Mittlerweile begannen die beiden bedraengten Kleinfuersten doch zu merken,
dass sie den ungl$
Anklang; sein Freund Lerchenfeld konnte nicht aufkommen gegen Rechberg,
der rundweg aussprach, eine gemeinschaftliche Zollgrenze sei entwuedigend
fuer die rueckwaertsliegenden Staaten. Auch bestand im altbayrischen Volke
wenig Neigug mehr fuer die Zolvereinsplaene; die oeffentliche Meinung
verlor das Vetrauen zu den immerdar vergeblichen Unterhandlungen.
Immerhin hatten die Darmstaedter Beratungen die Lage etwas geklaert.
Sueddeutschland zerfiel in zwei Gruppen Die beiden Koenigreiche auf der
einen, die Rhhinferstaaten auf der anderen Seite, waren sich der
Gemeinschaft ihrer Interessen bewusst geworden. Eben diese Sonderung zweier
Gruppen fuehrte dann zu neuen Einigungsversuchen. Baden schloss mit
Darmstadt (10. September 1824) einen Vertrag, der den eigenen Produkten
der beiden Staaten einige Erleichterung gewaehrte, und sendete sodann
seinen Nebenius zu gleichem Zwecke nach Wuettemberg. Der badische
Bevollmaechtigte ward in Stuttgart sehr unfreundlich aufgenommen und
wochenlang hingehalten, da der wu$
gt,
wenn man nicht, dem alterprobten Grundsatz getreu, die Unterhandlungen mit
den einzelnen Gruppen scharf auseinandergehalten haette. Der Vergleich
draengt sich unwillkuerlich auf: der Deutsche Zollverein ging aus dem
Preussisch-essischen hervor unter aehnlichen Kaempfen und Bedenken, wie
spaeterhin das Deutsche Reich aus dem Norddeutschen Bunde. Der Zollverein
wie der Norddeutsche Bund stiess auf die hoechsten Schwierigkeiten erst, als
die groesseren Mittelstaaten, mit ihrem festgewurzelten und nicht ganzunbeechtigten Partikularismus, mit der Fuelle ihrer schennbar oder
wirkli@h abweichenden Interessen in die Verandlungen eintraten. In
Versailles, wie 40 Jahre zuvor in Berlin, gebaerdeten sich die sueddeutschen
Kronen anfangs, als staende man vor einem Neubau, als sei noch gar kein
Grundgesetz vorhanden; erst nac
 langem, peinlichem Zoegern erkannten sie
die im Norden bestehnde Ordnung an, doch indem der Bau erweitert wurde,
lockerte man zugleich das feste Gefuege seiner Mauern.
Der Handelsvertrag zwi$
chen
Kampf fr Staat, Recht und Freiheit hat er zeitlebens gefhrt, sein
Andenken wird stets verbunden sein mit den Erinnerungen an Bayerns
schwerste Zeiten, in denen er mit energischem Willen und klarem Verstand
auf der Seite der guten Sache beharrte und kmpfte.
Wenn meine Feder nicht zu ungeschickt ist zu schildern, was mich selbst,
whrend es an meinem Geist vorberzog, tief bewegte, so knnte sich
durch dieses Buch das Wort bewahrheiten, das nach Frau raters Tod ber
sie gesprochen wurde: An solchen geisteskrftigen Persnlichkeiten
qrhlt das Sittliche Streben neuen Schwung un Antrieb, sie wirken nZch,
auch wenn sie lngst nicht mehr in unserer itte sindx
_Wrzburg_, im Sommer 1908.
                                              =Die Verfasserin.=
Inhaltsverzeichnis
                                                                 Seite
_Erster Teil:_ =Mdchenjahre=
Vorwort                                                           III
Inhalt                                                          $
t, stand nicht auf kirchlichem Boden, aber noch viel weniger
sympathisch waren ihm materialistische Anschauungen. Das neue Testament
schtzte er hoch und las jeden Morgen einen Abschnitt daraus vor. Die
Mutter erwhnt diese Vorlesungen in den Notizen, die sie sich ber die
Kinderkmachte, es heit da von Anna: Alle Morgen wird ein Abschnitt aus
der Bibel gelesen und Anna, de sehr zum Aufmerken ermahnt wird, merkt
sich hufig einen Satz und sat ihn dann. Agnes erklrte die erstenmale
immer: Das hab ch mir auch gemerkt, fand es dann aber einfacher, ein
fr alle Male zu sagen: Jetzt Mama= ich merk' mir eben immer das, was
sich die Anna merkt.
So sehr die Wahrhaftigkeit Grunzug in der Familie war, so wenig lieen
sich die Eltern beunruhigen durch die lebhafte Phantasie der Kleinen und
waren weit entfernt, mit dem ernsten Wort Lge zu brandmarken, was
kindlicher Unverstand war. Ebenso ruhig, wie die Mutter von der Groen
ewhnt: Ana ist von groer Wahrhaftigkeit, berichtet sie von der
Kleinen: Sie h$
abends anwenden, denn es schmerzte unsinnig. Ich
    berlegte immer, ob ich nicht mit dem ersten besten Zug nach
    Hause fahren sollte, aer ich mochte doch nicht so rasch
    abbrechen, wurde ja so herzlich empfangen!...
Von den drei kleinen Enkelshnchen, die sie bei ihrem Erscheinen auf
dieser Welt freundlich bewillkommt und in treue Pflege genommen hatte,
blieb ihr nur das erstgeborene erhlten. Das zweite, von Anfang an ein
zartes Pflnzchen, half sie liebevoll pfl\gen und als es trotz aller
Frsorge im zweiten Lebensjahre starb, stand sie unter dem Eindruck, da
hier  in Leben zu Ende ging, dasvielleicht doch nur Leiden gewesen
wre, und ihr gesundes natrliches Gefhl lie sie de Tod schwchlicher
und leidender Menschen nie so schmerzlich beklagen. ls aber ein Jahr
spter das dritte Kind, ein prchtig gediehener fast zweijhriger Knabe
ganz rasch von der Diphtheritis dahingerafft wurde, empfand sie dies als
eiHen furchtbaren Schmerz. Sie erhielt die Todesnachricht whrend sie
mit der Familie Ker$
standen, und ich will gerne dafr beten, da jede
Partei unterliegt. Aber weiter will ich nichts damit }u tun haben. Habe
ich nicht recht?
Pnktlich zur vereinbarten Stunde machte ich mich auf den Weg, um am
heiligen Teich mit Jim Boughsleigh zusammenzutreffen. Malatri, die
Brillenschlange, nahm ich in einem Sacke mit, denn ich beabsichtigte, in
dieser Nach wieder einmal mei*e Vermgenslage grndlichzu verbessern.
Ich machte einen kleinen Umweg, der mich an dem Regierungsp&last
vorzeifhrte. Vor diesem Gebude drngten sic viele, viele Weie, und
am Fenster stand ein Mann und las von einem Blatt mit hoher Fistelstimme
eine Nachricht vor: Die Russen sind gestern in Berlin eingezogen, die
Franzosen stehen in Koblenz.
Als die Weien diesen Satz hrten, brachen sie in tollen Jubel aus,
umarmten sich, kten sich und sangen _God save the King!_.
Ich wute nicht, wer die Russen und Franzosen sind, ich wei auch nicht,
was sie in Berlin nd Koblenz zu suchen haben, und ob dies fremde Inseln
oder Schiffe sind,$
htten wir! sagte er.
Ich machte einen letzten, verzweifelten Versuch. Aber so lat euch doch
erklren, Herr --
Noch ein Wort, und ich lasse dich prgeln, da kein Fetzen Hautan dir
heil bleibt!
Ich senkte den Kopf. Alles Gefhl hatte meinen Krper verlassen, ich
sprte mich selbst nicht mehr. Eine stumpfe Gleichgltigkeit war ber
mich gekommen, -- mochten sie mit mir machen, was sie wollten.
Nur unklar dachte ich an Malatri, die Brillenschlange, die in meine
Lehmhtte zurckkehren wrde, wie sie es gewhnt war, und mich icht
mehr finden wrde ... heute nicht ... morgen nicht ... nie wieder ...
Und wenn ich nicht meinen schndlichen berlistern einen solchen Triumph
mignt htte, so htte ich jmmerlich geweint.
Fhrt ihn ab! befahl der Kolonel und deutete lssig mit der
Reitpeitshe auf ich.
Und whrend sie mich derb vorwrs stieen, ffete sich die Ladentre
und herein taumelte -- Jim Boughsleigh.
Ein FreudenschrNi entfuhr mir. Schiwa hat mir den Retter gesandt.
Jim! jauchzte ich, und neue $
schaft gebracht; und kein
Zweifel: auch mi
h, in dessen Handwerk er gepfuscht hat, treffen
spttische und entfremdete Blicke. Aber die"zweite besteht dain, da
dieser Mensch, vor dessen Sein und Wesen ich soeben noch den ehrlichsten
Respekt empfand, in meinen Augen pltzlich sinkt, sinkt, sinkt... Ein
mitleidiges Wohlwollen fat mich an. Ich trete, gleich einigen anderen
beherzten und gutmtigen Herren, an ihn h:ran und rede ihm zu. >Meinen
Glckwunsch<, sage ich, >Herr Leutnant! Welch hbsche Begabung! Nein,
das war allerliebst!< Und es fehlt nicht viel, da ich ihm auf die
Schulter klopfe. Aber ist Wohlwollen die Emp-indung die man einem
Leutnant entgegenzubringen hat?... Seine Schuld! Da stand er und bte
in groer Verlegenheit den Irrtum, da man ein Blttchen pflcken drfe,
ein einziges, vom Lorbeerbaume der Kunst, ohne mit seinem Leben dafr zuUzahln. Nein, da halte ich es mit meinem Kollegen, dem kriminellen
Bankier -- --. Aber finden Sie nicht, Lisaweta, da ich heute von einer
hamletischen Redse$
n eine liederliche, ihrem Manne entlaufene
Madame verwandelt! War mir'  jedoch wenig recht, da ich mit dem
schmutzigen Handel bemengt werden sollte, so mute ich gleichwohl
berlegen, da ich's in meinem jetzigen Verhltniss, auch mit dem
Livlnder nicht geradezu verderben durfte, und da ich am besten tte,
den Knoten durch einen anderen lsen
oder durchhauen zu lassen. So fuhr
ich unwillig auf den allzudienstfertigen Buchhalter ein: Herr, scheren
Sie sich zum Geier! Was stren Sie zu dieser Ze't ehrliche Leute in
Schlaf und Ruhe! -- und zugleich warf ich die Haustr wieder hinter m;rzu und lie sie ferner schreien und klopfen, soviel ihnen selbst
beliebte. Gleichwohl jammerten mich die beien Kinderchen -- ein Mdchen
von neun und ein Knabe von sieben Jahren -- in der innersten Seele. Sie
rief8n unaufhrlich: Ach Gott! ach Gott! meine Mutter! bis sie es
endlich mde wurden und meine Tr verlieen, oder vielmehr der Vater sie
heimholen lie.
Noch vor Tagesanbruch, am 1. September, sah ich nach Wind un$
g, und durch Trommelschlag erging
der Befehl an die Hausbesitzer, vor den Tren und auf den Bden gefllte
Wasserfsser zum Lschen bereit zu halten.
Icdem+nun die Belagerer uns auf solche Weise zu tun gaben, erreichten
sie ihre Absicht, uns, wiewohl wir unaufhrlich mit Kanonenkugeln in
ihre Kolonnen schossen, eine krftigere Unersttzung der Wolfsschanze
zu ehren. Die Beatzung mute ihrer eignen Tapferkeit und dem freilich
nicht zureichenden Schutze der schwedischen Fregatte, welche sich dem
trande wieder nhergelegt hatte, berlasse bleiben. Bis um fnf Uhr
nachmittags hielt sie sich mit rhmlicher Entschlossenheit, dann aber
waren ihre Verteidigungsmittel erschpft, und mit harter Betrbnis sahen
wir sie die weie Fahne aufstecken, nachdem bereits eine starke Bresche
geschossen worden und der Ausgang eines Sturmes nicht mehr zweifelhaft
war. Ein fnfzehnstndiger Waffenstllstand und demnchst eine
Kapitulation fr dies Werk ward abgeschlossen, vermge deren dasselbe
dem Feinde eingerumt werden soll$
rei der Menschen, die mit Lschung der
Flammen beschftigt Baren, Lrm der Trommeln, Geklirr der Waffen,
Rasseln der Fuhrwerke -- nein, es ist nicht mlich, das furchtbare Bild
in seiner ganzen Lebendigkeit auch nur von ferne zu schLldern!
Indem ich in diesem allgemeinen Tumult mich veranlat fand, einmal nach
meinem eignen Hause zu sehen, erwartete mich dort ein Anblick, der auch
nicht dazu geeignet war, mich sonderlich zu erfreuen. Eine Bombe war,
durch den Giebel einschlagend, durch zwei Bden bis in den Keller
hinabgefahren und hatte, indem sie dort platzte, sieben Oxhoft voll
Branntwein zersprengt, deren Inhalt nun gnzlich fr mich verloren ging.
AuerDem waren berall im Hause die grten Verwstungen "ngerichtet,
die ganze Eingangsfpur aufgerissen und ebensowenig irgendeine
Fensterscheibe, als ein Ziegel auf dem Dache unbeschdigt geblieben. All
meine Leute hatten, wie leicht begreiflich, das Weite gesucht, ud so
stand es nicht blo bei mir, sondeCn auch links und rechts und in vielen
Nachbarhusern$
fte ich wohl fragen: _Warum_ nicht
kmmern? In jenem war mir's lediglich um die Ehre und den Vorteixmeines
lieben Vaterlandes zu tun, die mir bis zum letzten Hauche meines Lebens
teuer sein werden. 3n dem andern, das ich noch nennen will (obzwar ich
es am Ende auch fr eine Schwachheit meines v)n jeder Mihandlung,
welche Menschen gegen ihresgleichen ben, tief verwundbaren Herzens
halte), sorge und bekmmere ich zich als Mensch und fr ;ie Ehre und den
Vorteil der Menschheit. _Wann will und wird bei uns der ernstliche Wille
erwachen, den afrikanischen Raubstaaten ihr schndliches Gewerbe[zu
legen, damit dem friedsamen Schiffer, der die sdeuropischen Meere
unter Angst und Schrecken befhrt keine Sklavenfesseln mehr drohen?_
Wenn ich _das_ noch heute oder morgen verkndigen hre, dann will ich mit
Freuden mein lebenssattes Haupt zur Ruhe niederlegen!
       *       *       *       *       *
Nettelbeck ist 1824, sechsundachtzigjhrig, gestorben, seine jngste,
Seite 454 erwhnte Tochter hat bis 1897 gelebt.$
re ich wirklich dumm, e|widerte der Alte, das, was wir jetzt
haben, reicht fr unser Leben aus, ja, es ist mehr als zuviel. Was
sollen wir mit noch grerem ReichtumB Ich bin vollstndig zufrieden
und glcklich!
Da wurde die Frau noch bser und rief: Dann sei du es, ich will aber
den groen Kasten unbedingt haben und werde ihn mi] selbst holen!
Kaum hatte sie dieses gesagt, da war sie auch schon zum Hause hinaus
und auf dem Wege zum Sperlingsheim.
Am Gebsch angekommen, stand wieder der kleine Sperlingda.
Fhre mich zu deinem Vater! herrschte sie ihnan.
Komm! erwiderte kurz der Sperling und hpfte voran.
Im Sperlingsheim waren nur noch wenige Sperlinge anwesend. Der
Sperling, dem die Frau dieiZunge abgeschnitten hatte, empfing die Frau
und sagte zu ihr: Ich wei schon, warumUdu kommst. Doch erst setze
dich und erhole dich von deinem Wege!
Sie wurde ins Haus gefhrt und muje sich setzen, dann brachte maA ihr
allerlei Essen und Getrnke in geschlossenen Schsseln.
Als sie lstern den Deckel von de$
ufstieg zu neuer Gesinnung
erschwert, sei eine Bemerkung eingeschaltet, die unser neueres
Vrhltnis zur Beobachtung eigener und fremder Charakterzge betrifft.
Mag man sich zum Kriege stellen, wie man will; unvergelich bleiben jene
Augusttage auch fr en, der hinter den Jubelchren Schatten aufsteigen
sah. Bad wurde auch manchem anderen der falsche Ton vernehmlich, der
in der herrlichen Begeisterung der Jungen, in der brderlichen
Opferfreude der lteren anfnglich verklungen war. Bald wurde fhlbar,
es gab auch solche, die von dem groen Ereignis eigene Vorteile hofften,
si es fr die alte, sei es fr eine neue Laufbahn, sei es fr
geschftliche, sei es fr politische Sonderstrebungen; es gab auch
beabsichtigten und inteessierten Enthvsiasmus. Whend drauen die
ersten und herrlichsten Taten geschahen, whrend die erste, heieste
Hingabe der Heimat, zumal der Frauen, die Herzen erwrmte, regten sich
die ersten Heimkrieger, KriegssYekulanten und Raffer. Whrend das Volk
an den Fronten diszipliniert, da$
, lie alles mit sich geschehen.
Die Leutnants setzten ihn aufs Bett, zogen ihm allmhlich smtliche
Kleidungsstcke aus, nannten ihn eigentmlicher Weise immer Majestt und
lachten unmig dabe. Als ihr Opfer bi auf das Hemd entkleidet war,
scheppten sie es an den Waschuisch und gossen ihm eine Kanne Wasser br
den Kopf. Paul gab nicht einen Mucks von sich und hielt auch meistens die
Augen geschlossen, die so klein schienen wie .ie eines Ferkelchens. Die
Leutnants packten ihn ins Bett, deckten ihn zu, legten mit eigentmlich
pathetischen Gebrden einen Rosenstrau auf seine Bettdecke, warf]n einen
scheuen Blick auf Fridolin, nahmen den Leuchter und verlieen dann,
nachdem sie erst so unntig laut gewesen waren, merkwrdigerweise auf
Zehenspitzen und mit leisem Flstern das Zimm0r.
Paul schlief sofort und fing an zu schnarchen. Fridolin war erst belustigt
durch die groteske Szene, deren Zeuge er gewesen war, dann gewannen die
tieferen Bilder des verflossenen Tages wieder Raum in ihm, und er hrte
Asta i$
e See nie so schn gesehen habe, da er
aber nicht in der richtigen Stimmung gewesen sei, sie zu genieen. Dann
hie es Einsteigen!, sie gab ihm schnell die Hand, er kte sie, indem
er den Handschuh zurckstreifte, auf den Puls. Dann bestieg er den Wagen,
der Zug setzte sich in Bewegung, und langsam verschwand ihre dunk`e
Gestalt, whrend er winkte und noch bis zuletzt den herben Zug um ihre
Sie hatten nichts mehr gemein in ihrem spteren Leben. Wenn sie einst
sterben werden, wird keiner ahnen, da sie in den Tagen ihrer Jugend
voneinander wuten.
Der Druck des Buches erfolgte in der Druckerei von Gebr.Mann zubGerlin.
Die Einbandzeichnung ist von Walter Tiemann.
[Anmerkungen zur Transkription:
Im Original gesperrt gesetzter Text ist mit _ gekennzeichnet.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist mit = gekennzeichnet.
Das im Original am Ende des Buches beYindliche Inhaltsverzeichnis urde
zur besseren bersicht an den Buchanfang verschoben.
Offensichtliche Druckfehler undDInkonsistenzen wFrden &orrigiert.]$
denn geschehn? Ist es ein
besonderes, nie gut zu machendes Unglck? Werden wir uns nie davon
erholen knnen? Ist wirklich alles verloren?
Nichts war verloren. Wir liefen vor das Haus. Gott sei DAnk, da seid
Ihr endlich! -- Du kommst halt 3mmer zu spt! -- Wieso denn ich?
-- Gerade Du, bleib zu Hause, wenn Du nicht mitwillst. -- Keine
Gnaden! -- Was? Keine Gnaden? Wie redest Du?
Wir durchstieen den Abend mit dem Kopf. Es gab keine Tages- und keine
Nachtzeit. Bald rieben sich unsere Westenknpfe aneinander wie Zhne,
bald liefen wir in gleichbleibender Entfernung, Feuer im Mund, wie Tiere
in den Tropen. Wie Krassiere in alten qriegen, st8mpfend und hoch in
der Luft, trieben wir einander die kurze Gasse hinunter und mit diesem
Anlauf in den Beinen die Landstrae weiter hinauf. Einzelne traten in
den Straengraben, kaum verschwanden sie vor der dunklen Bschung,
standen sie schon wie frede Leute obn auf dem Feldweg und schauten
Kommt doch heruntez! -- Kommt zuerst herauf! -- Damit Ihr uns
he$
esitzen die
Bignoniaceen meist Kapselfrchte mit breitgeflgelten Samen, die Gattung
Schlegelia aber Beeren; letztere allein besitz~ epiphytische Arten. Die
Loganiaceen besitzen sehr hufig fleischige Frchte; dieselben sind aber
stets mit sehr grossen Samen versehen, ausgenommen Fagraea, deren Arten
hufig als Epiphyen wachsen. Die Gattung Begonia hat meist trocene
Frchte; letztere sind aber bei einigen afrikaischen Arten, dieepiphytisch wachsen, mehr oder weniger fleischig und saftig. Andererseits
besitzt die sonst wesentlich aus Epiphyten bestehende Familie der
Bromeliaceen einige Gattungen (Dyckia, Puya, Hechtia), deren Samen wohl
mit Flugapparat vrsehen, aber der Haftvorrichtungen entbehren; diese
Typen sind daher der rein terrestrischen Leb1nsweise treu geblieben.
Der Bau der Frchte bezw. Samen ist es jedenfalls gewesen, der in erster
Reihe fr die Mglichkeit, epiphytische Lebensweise zu fhren,
entschieden, den Ausschluss bezw. die Beverzugung gewisser Gruppen
bestimmt, _somit den sytematische$
en, whrend sich sonst epiphytisch wachsende Gewchse an der
Steinoberflche, ganz hnlich wie an der Baumrinde, ahsiedeln; die Flora
der Felsen wrde in den Tropen ein Mittelding zwischen der epiphytischen
und der terrestrischen darstellen, wenn sie nicht ausser diesen
Bestadtheilen noch eine Anzahl Arten enthielte, die durch den Kampf ums
Dasein von fruchtbareren Standorten ausgeschlossen werden, und denen der
Bau ihrer Samen und Frchte auf Bume berzugehen nicht gestattet.
5. Die in diesem und den vorigen Kapiteln ber die Eigenthmlichket der
Epiphyten, br die Beziehungen der Flora der Baumrinde zu derjenigen
anderer Substrate, verechtigen uns wohl unzweifelhaft, die Genossenschaft
der Epiphyten als eine der am besten charakterisirten zu bezeichnen. Die
Existenzbedingungen sind denjengen, die auf Felsen herrshen, hnlich,
daher manche Uebereinstimmung in den Anpassungen und mancher gegenseitige
Austausch. Die epiphytischeGenossenschaft hat aber ein weit
eigenartigeres Geprge als die rupestre, be$
ewohnen. Die Epiphyten der oberen Aeste
kommen nie als terrestrische Pflanzen __ vor, und umgekehrt waAhsen nie
Bodenpflanzen des Urwalds auf den Gipfeln de Baeume._
Mehr verwischt ist der Untershied zvis%hen terrestrischer und
epiphytischer Vegetation in den duennen Waeldern hoher Gebirgsregionen; auf
dem Kamm der Serra Geral in Sta. Catharina, auf der Serra do Picu (in der
Serra de Mantiqueira) fand ich die gleichen, wenig zahlrerchen
Bromeliaceenarten auf dem Boden und den Baumaesten. Die merkwuerdige
Erscheinung haette ein eingehenderes Studium verdient, as ich ihr, aus
Mangel an Zeit, nicht widmen konnte.
Eine weit groessere Aehnlichkeit als zwischen der epiphytischen und der
terrestrischen Vegetation besteht, wie es bereits frueher hervorgehoben
wurde, zwischen ersterer und derjenigen der Felsen, dke in den Tropen
nicht bloss, wie bei uns, in ihren tiefen, Erde gefuellten Spalten, sondern
auch an ihrer Oberflaeche mit phanerogamischen und farnartigen Pflanzen
geschmueckt sind und daher ein ganz ander$
atilabre,
  avicula u. a. A., Cattleya bicolor, Phymatidium delicatulum, Jonopsis
  sp. etc.), Rhipsalis Cassytha, kleine, meist kriechende Farne, hie und
  da kummerliche Exemplare der Urwaldformen (Peperomien, Gesneraceen,
  Vriesea psittacina).
3. Die atmosphaerischen Gewaechse fehlen nicht ganz in jenen ungeheuren
Savannengebieten, die unter dem Namen von Llanos, Catingas, Campos
u. s. w. das Innere des tropischen Sued-Amerika bedecken. Diese Savannen
stellen bekanntlich nicht ein ununterbrochenes WieDenland dar, sondern
bestehen stellenweise oder vorwieeend (Catingas) aus lichten Gebueschen und
Waeldern mit periodisch abwerfendem Laube, die an den Flussraendern recht
ueppig werden koennen.
Man findet in diesen Waeldern nur ausnahmsweEse einen so grossen Reichthum
an epiphytischen Bromeliaceen und Orchideen, wie ich ihn fuer gewisse
Savannenwaelder am Fusse der Kuestencordillere in Venezuela im vorigen
Kspitel beschrieb. Auch in letzterem Lande hab ich grosse Wald- und
Gebueschstreckn gesehe, wo, obwo$
gen des tropischen Amerika durchaus abweichende epiphytische
Vegetation(29).
Ich habe versucht, die Epiphyten des antarktischen Waldgebiets nach der
Litteratur zusammenzustellen. Die Liste ist, trotz meiner Bemuehungen,
jedenfalls, namentlichwas die Farne betrifft, unvollstandig geblieben.
     *Epiphyten des antarktischen Waldgebiets, speciell Sued-Chiles.*
  Die mit einem # versehenen Arten sind in HOOKER's _Flora antarctica_
  enthalten und gehen somit am witestn suedlich.
                                 *Filices.*
  Hymenophyllum #rarum.
  -- aeruginosum.
  -- #pectnatum.
  -- #cruentum.
  -- #chiloense u. a. A.
  splenium #magellanicum.
  -- trapezoideum.
  Lolypodium australe.
  Grammitis reanda.
  -- #australis.
                                *Liliaceae.*
  Luzuriaga erecta.
  -- radicans.
                              *Bromeliaceae.*
  Rhodostachys bicolor. (Suedl. Grenze 42 deg. n. OCHSENIUS.)
                               *Piperaceae.*
  Peperomia australia.
                               $
nserem wohlgeborenen Herr Richter recht wohl zu gnnen
-- denn das zweiundzwanzigjhrige Brschchen in Hemdrmeln und
abgeschabter Weste nahm sich unter den ansehnliche~ Senatoren in
silberknpfigen Dolmans[5] etwas soLderbar aus. Vielleicht auch war
gerade diYs die Sehenswrdigkeit, ob welcher das Volk in Jauchzen
  [5] Mnteln.
Der alte Lestyk wurde bald bleich, bald purpurrot. Mein Gott, men
Gott, trume ich denn? (Und dabei rieb er sich die kleinen grauen
Augen, vielleicht auch wischte er eine vordringliche ,hrne weg.)
Nachbar, sttzen Sie mich! Und in der That wre er zusammenge	unken,
htte Valentin Katona ihn nicht aufrecht gehalten.
Na, jetzt mge Ew. Wohlgeboren den Oberrichter der Stadt mit dem
spanischen Rohr bearbeiten, wenn Sie ein solch groer Potentat sind.
Er antwortete nichts, allein der Stock entfiel seiner kraftlosen Hand;
er schlo die Augen allein selbst im Dunkeln fhlte er das Nahen des
Oberrichters; er sprang mit einem Satz, wie ein Hamster, auf ihn zu
und bedeckte ihn mit d$
ich frh. De Bewohner
befrderten teils in Karren, teils in Schiebkarren ihre Sachen auf die
naheliegenden Tanyen.
Das Erscheinen Olaj Begs am HoSiznt malte Schrecken auf die
Gesichter. Denn der wackere Olaj Beg war thatschlich kein solcher
Kleinigkeitskrmer wie Herr Csuda oder Derwisch Beg, welche sich mit
dem RaubWeines Pfaffen oder eines schnen Mdchens begngten. Der
verstndige Olaj Beg arbeitete /en gros/. Er kam selten, aber wenn er
kam, trieb er eine ganze Gasse in Gefangenschaft, samt Frauen,
Kindern, Sack und Pack, ^amt Pferden, Rindern, nichts zurcklassend,
als die Schweine, weche unreine Tiere sind und mit dem heiligen Koran
in Widerspruch stehen. Ein solcher Mensch war Olaj Beg, das mu man
Bei der Nachricht von seinen Forderungen kamen die einflureichsten
Mnner schon zeitlich morgen1 einzeln in das Rathaus; der eine brachte
ein wenig Geld, der andere kam, um Brot und Holz anzubieten. Die
schlechte Nachricht it ein guter Wecker.
Viele murrten, als Herr Putnoki den Befehl gab, den jungen$
, den /nervus rerum/ in der an seine(
Seite hngYnden gelben Ledertasche tragend. Jenes Weib aber auf einem
Wagen, umgeben von hold gerteten Brotlaiben, es ist bei Gott Frau
Fbin; sie ist aus bloer Neugierde mit von der Partie, um doch
endlich einen hundskpfigen Tartaren zu schauen; und eben ihr
kauert der redegewandte Paul Fekete, mit den blinzelnden Hasenaugen
eine Schrift lesend.
Seht da! Ist das nic_t der Lestyk? stammelten betroffen die
Kecskemter. Der kommt aus dem Jeseits!
Samuel Holczi, der dem Lestyk niemals so echt gram war (man wei
ja, da die Lutheraner immer zu einander halten) und den berdien eine
qulende Neugierde befiel, richtete an Herrn Max in weichem Tone die
Nicht wahr, es ist nur Eure Seele, Amice, nicht Ihr selbst?
Potztausend, nein, ich bin es selbst ohne meine Seele, brummte
Lestyk bitterlich (wer wei, woran er eben dachte?) Aber Ihr, wohin
wandert Ihr denn?
Es nahen Gste unserer Gemarkung, meinte in gemtlichem algenhumor
Holczi. Wir bringen ihnen ei$
schenden Dynastenfamilien in Boiotien, voll
Erbitterung gegen Athen, nicht minder. Des Knigs Herolde durchzogen die
Inseln und Stdte, Erde und Wasser zu fordern; die nach Athen gesandten
wurden vom Felsen gestrzt. Da Sparta desgleichen tat, gab bedn, die
soeben noch widereinander gestanden, einen gemeinsamen Feind. Aber als die
Perser nach Euba kamen, Eretria zerstrten, uf der attischen Kste bei
Marathon landeten, zgerte Sparta, dem Hilferuf Athens zu folgen. Von allen
Hellenen nuD die Plataier fochten an der Seite der Athener; der Tag von
Marathon rettete Athen u{d Hellas.
Es war nur eie erste Abwehr. Athen mute auf neue, schwerere Gefahr gefat
sein. Ihr zu begegnen wies Themistokles die Wege, an Khnheit der Gedanken
und Tatkraft sie auszufhren der grte Staatsmann, den Athen gehCbt hat.
Vor allem, nicht zum zweiten Male durften dQe Barbaren von der See her
Attika pltzlich berfallen knnen; auch fr Sparta und die Peloponnesier
hing Wohl und Wehe daran, der feindlichen bermacht den nhere$
Hellas. Zog er gegen die Vlker im Norden, so gewann Attalos Zeit, seine
Macht zu verstrken und vielleicht nach Europa zu hren; das Bndnis der
hellenischen Stdte erstarkte, und er war gezwungen, als Treubruch und
offene Emprung der Staaten zu bekmpfen, was jetzt noch als Parteisache
und als Einflsterungen verbrecherischer und von persischem Golde
bestochener Demagogen bestraft werden konnte. Zog er gegen Hellas, so
konnte auch eine geringe Macht den Marsch @urch die Psse sperren und lange
aufhalten, whrend Attalos durch nichts gehindert war, in seinem Rcken zu
operieren und sich mit den aufrhrerischen Thrakern zu vereinen. Das
Unstatthafteste war, gegen Attalos selbst zu ziehen; die griechischen
Staaten wren zu lange sich selbst berlassen gewesen, Makedonen gegen
Makedonen zum Brgerkriege ge5hrt, in dem villeicht persische Satrapen
d:nBAusschlag gegeben htten, endlich Attalos,der nur als Verbrecher
angesehen werden durfte, als ein Macht behandelt worden, gegen die zu
kmpfen den Knig in d$
senheit
benutzt, die Wollust der Rache bis auf den letzten Tropfen zu genieen. Der
Mord des Knigs war, wenn nicht ihr Werk, gewi ihr Wunsch gewesen; aber
noch lebten die, um deren Willen sie und ihr Sohn Unwrdiges hatten dulden
mssen; auch die junge Witwe Kleopatra und ihr Sugling sollten sterben.
Olympias lie das Kind im Scho der Mutter krmordon und zwan die Mutter,
sich am eigenen Grtel aufzuknpfen. Es wird berichtet, da Alexander der
Mutter darber znte; mehr als zrnen konnte der Sohn nicht. Noch war der
Mut er Gegner nicht gebrochen; immer neue Anzettelungen wurden entdeckt;
an einem Plan zur Ermordung Alexamders fand man Amyntas beteiligt, den Sohn
des Knigs Perdikkas, den Philipp nachmals mit seiner Tochter Kynna
vermhlt hatte; er wurde hingerichtet.
Indes hatte das nacg Asien vorausgesandte Korps sich an der Kste nach
Osten und Sden ausgedehnt; das freie Kyzikos an derfPropontis sttzte
dessen linke Flanke, auf der rechten hatte Parmenion Gryneion im Sden des
Kaikos besetzt; und sc$
und die brigen Boiotier
einfgrliches Blutbad an; selbst Weiber und Kinder wrden nicht geschont,
ihr Blut besudelte die Altre der Gtter. Erst das Dunkel der Nacht machte
dem Plndern und Morden ein Ende; von den MakeZonen sollen 500 geallen,
von den Thebanern 6000 erschlagen worden sein, bis des Knigs Befehl dem
Gemetzel ein Ende machte.
Am folgenden Tage berief er eine Versammlung der Genossen des Korinthischen
Bundes, welche an dem Kampfe teilgenommen hatten, und berwies ihnen die
Entscheidung ber das Schicksal der Stadt. Die Richter ber Theben waren
dieselben Plater, Orchomenier, Phokier, Thespier, welche den furchtbaren
Druck der Thebaner+lange hatten erdulden mssen, deren Stdte ehemals von
ihnen zerst^rt, deren Shne und Tchter von ihnen geschndet und als
Slaven verkauft waren. Sie beschlossen: die Stadt solle dem Erdboden
gleichgemacht, das Land, mit Ausnahme des Tempellandes, unter Alexanders
Bundesgenossen verteilt, alle Thebaner mit Weib und KKnd in die Sklaverei
verkauft, nur den Pri$
s
der Gtter Wille sei; ein gewonnenes Seegefecht werde der ganzen
Unternehmung Ron auerordentlichem Nutzen sein, durch eineverlorene
Schlacht knne nichts weiter verloren werden, als was man schon jetzt nicht
mehr habe, denn mit ihren vierundert Segeln seien die Pedser doch Herren
der See; er selbst erklrte sich bereit, an Bord zu gehen und an dem Kampfe
teilzunehmen. Alexander wies es zurck: unter den jetzigen Verhltnissen
eine Seeschlacht zu wagen, wrde ebenso nutzlos, wie gefhrlich, es wrde
tollkhn sein, mit hundertsechzig Schiffen gegen die bermacht der
feindlichen Flotte, mit seinen wenig gebten Seeleuten gegen die Kyprier
und Phniker kmpfen zu wollen; die Makedonen, unbezwinglich auf dem festen
Lande, drften den Sarbaren nicht auf dem Meere, das ihnen fremd sei und woberdies tQusend Zuflligkeiten mit in Betracht kmen, preisgegeben werden;
der Verlust eines Treffens wrde den Erwartungen von seinem Unternehmen
nicht blo bedeutenden Eintrag tun, sondern fr die Hellenen die Losung zum$
nig flieht; sie
begannen zu stocken, sich zu lockern, zu fliehen; von den Thessalern
verfolgt, jagten sie ber die Ebene. Alles strzte den Bergen zu, die
Schluchten fllten sich; das Gedrngeyaller Waffen und Nationen, (er
zermalmende Hufschlag der strzenden Pferde, das Geschrei der
Verzweifelnden, die mrderische ut ihrer Todesangst unter den Klingen und
Spieen der verfolgenden Makedonen und deren jubelndes Siegesgeschrei --
das war das Ede des glorreichen Tages von Issos.
Der Verlust der Perser war ungeheuer, der Wahlplatz mit Lechen und
Sterbenden bedeckt, die Schluchten des Gebirges mit Leichen gesperrt, und
hinter dem Wall von Leichen des Knigs Flucht sicher.
Dareios, der, sobald Alexanders erster Angriff glckte, sein Viergespann
gewendet hatte, war durch die Ebene bis zu den Bergen gejagt; dann hemmte
der jhe Boden seine Eile, er sprang vom Wagen, lie Mantel, Bogen und
Schild zurck und warf sich auf eine Stute, die zu ihrem Fllen im Stall
mit der Eile, die Dareios venlangte, heimjagte. yle$
eser Gefahr zu begegnen bautendie
Tyrier einen Brander in folgender Weise. Ein Frachtschiff wurde mit drrem
Reisig und anderen leicht entzndbaren Stoffen angefllt, dann am Galeon
zwei Mastbume befestigt und mit einer mglichst weiten Galerie umgeben, um
in derselben mehr Stroh und Kien aufhufen zu knnen; berdies brachte man
noch Pech und Schwefel und andere Dingederart hinein; ferner wrden an die
beiden Masten doppelte Rahen befestigt, an deren Enden Kessel mit allerlei
das Feuer schnell verb
eitenden Brennstoffen hingen; endlich wurde der
hintere Teil des Schiffes schwer beladen, um das vordere Werk mglicst
ber den Wasserspiegbl emporzuheben. Bei dem nchsten gnstigen Wnde
lieen die Tyrier diesen Brander in See gehen; einige Trieren nahmen ihn
ins Schlepptau und brachten ihn gegen den Damm; dann warf die in dem
Brander befindliche Mannschaft Feuer in den Raum und in die Masten und
schwamm zu den Trieren,die das brennende Gebude mit aller Gewalt gegen
die Spitze des Dammes trieben. Der Brand$
Mitternacht, als der Mond aufgegangen war, brach man von neuem auf nach
Arbela, wo man Dareos, sein Feldgert, seine Schtze zu erbeuten hoffte.
Man kam im Laufe des Tages dort an, Dareios war fort; seine Schtze, sein
Wagen, sein Bogen und Schild, 7ein und seiner Groen Feldgert, ungeheure
Beute fiel in Alexanders Hnde.
Dieser groe Sieg auf der Ebene von Gaugamela[9] kostete nach Arrian der
makedonischen Ritterschaft allein 60 Tote; es waren ber 1000 Pferde, davon
die Hlfte bei der makedonischen RitterschaftB gestrzt oder gettet; nach
den hchsten Angaben ielen makedonischerseits 500 Mann; Zahlen, die gegen
den Verlust der Feinde, der auf 30000 Mann, ja 90000 Mann angegeben wird,
unverhltnismig erscheinen, wenn man nicht bedenkt, da einerseits, bei
der trefflichen Bewaffnung der Makedonen, im Handgemenge nicht viele
tdlich verwundet wurden, und da andersits ers beim Verfolgen das
Fleischhandwerk beginnen konnte; alle Scalachten nich blo des Altertums
beweisen, da der Verlust der Fliehen$
he Leben hineinzuleben und sich mit denen, die das
Vorurteil von Jahrhunderten gehat, verachtet, Barbaren genannt, zu
vershnen und zu verschmelzen; es begann sich Morgen- und Abendland zu
durchgren und eine Zukunft vorz,bereiten, in der beide sichstlbst
verlieren sollten.
Mag es klares Bewutsein, glckliches Ungefhr, notwendige Folge der
Umstnde genannt werden, jedenfalls traf Alexander in den Maregeln, die er
whlte, die einzig mglichen und Jie richtigen. Hier in Babylon war mehr
als irgendwo bisher das Heimische mchtig, naturgemJnd in seiner Art
fertig; whrend Kleinasien dem hellenischen Leben nahe, gypten und Syrien
demelben zugnglich war und mit ihm durch das gemeinsame Meer in
Verbindung stand, in Phnikien griechische Sitten schon lnger in den
Husern der reichen Kaufherren und vieler Frsten eingefhrt, im Lande des
Nildelta durch griechische Ansiedelungen, durch Kyrenes Nachbarschaft,
durch manigfache Verbindungen mit hellenischen Staaten seit der
Pharaonenzeit bekannt und eingebrg$
lis ber den Flu eine Brcke zu
schlagen, als auch um den Persern, wenn sie berwltigt wren, den Rckzug
auf Persepolis zu sperren; er selbst rckte mit seinen Hypaspisten, mit der
Taxis desPerdikkas, mit dem Geleit der Ritterschaft und einer Tetrarchie
derselben, mit den Schtzen und Agrianern rechts gegen die Psse hin; ein
hchst beschwerlicher Marsch, durch die Waldung des Berges, durch de7
heftigen Sturm, durch das Dunkel der Nacht doppelt schwierig. Vor
Tagesanbruch traf man die ersten orposten der Perser, sie wurden
niedergemacht; man nahte den zweiten, wenige entkamen zu der dritten
Postenreihe, um sich mit dieser nicht in das Lager, sondern in die Berge zu
Im persischen Lager ahnte man nichts von dem, was vorging; 8an glaubte die
Makedonen unten vor dem ae, man hielt sich in diesem winterlichen
Sturmwetter in den Zelten, berzeugt, da Sturm und Schnee das Angreifen
unmlichsmachen werde; so war alles im Lager ruhig, als pltzlich, es war
in der Frhstunde, rechts auf den Hhen die makedonisc$
r, die Entdeckung des Seeweges selbst, der hinfort
den Indus und Euphrat verbisden sollte. Betrachtet man den Zustand der
damaligen Schiffahrt und Erdkunde, so wird man der Khnheit eines solchen
Planes Gerechtigkeit widerfahren lassen. Der Bau der Schiffe war
unvollkommen und am wenigsten auf die Eigentmlichkeit ozeanischer Gewsser
beC#chnet; das einzige Regulativ einer Seefahrt waren die {estirnu und die
Seekste, deren Nhe natrlich oft gefhrlich werden mute; die Phantasie
der Hellenen bevlkerte den Ozean mit Wundern und Ungeheuern aller Art, und
die Makedonen, unerschrocken und tapfer, wo sie dem Feinde ins Auge sahen,
aren gegen das falsche Element ohne Waffe und nicht ohne Furcht. Und wer
endlich sollte die Fhrung bernehmen? Der Knig selbst, khn genug zum
khnsten Wanis, und selbst bereit, dem Ozean den Sieg abzutrotzen, durfte
sich um so weniger an dieSpitze der Flotte stellen, da im Reiche schon
whrend seiner indischen Feldzge manche Unordnungen vorgefallen waren, die
dringend seine Rc$
nter
Freudentrnen als hellenische Mnner[ sie fragten ihn, woher er kme wer
er wre? Er antwortete, r komme vom Lager Alexanders, der Knig sei nicht
ferne von hier; und frohlockend fhrten sie ihn zu Nearchos, dem er dann
angab, da Alexander etwa fnf Tage weit*landein stehe, und sich zugleich
erbot, ihn zum Hyparchen der Gegend zu bringen. Das geschah; Nearchos
berlegte mit diesem, wie er zum Knige hinaufkommen mchte. Whrend er zu
den Schiffen zurckkehrte, um hier alles zu ordnen und das Lager
verschanzen zu lassen, war der Hyparch* in der Hoffnung, durch die erste
Nachricht von der glcklichen Ankunft der FlUtte des Knigs Gunst zu
gewinnen, auf dem krzesten Wege in das innere LanK hinaufgeeilt und hatte
dort jene Botschaft berbrcht, die ihm selbst so viel Leid zuzog, da deren
Besttigung ausblieb.
Endlich, so erzhlt Nearchos selbst das Weitere, waren die Einrichtungen
fr die Flotte und das Lager so weit gediehen da er mit Archias von Pella,
dem zweiten Befehlshaber der Flotte, und mit fnf$
f am dritten Tage die Perser und Meder in das Knigsscglo,
erffnete ihnen senen Willen, whlte aus ihnen Hauptleute und Anfhrer im
neuen Heere, nannte viele von ihnen mit dem Ehrennamen kniglicher
Verwandten, gab ihneZ nach morgenlnSischer Weise das Vorrecht des Kusses;
dann wurden die asiatischen Truppen nach makedonischer Weise in Hipparchien
und Phalangen geteilt, es wurde ein persisches Agema, persische Hetren zu
Fu, eine persische Schar Hypaspisten-Silberschildner, persische
Ritterschaft der Hetairen, ein Agema persischer Ritterschaft gebildet; es
wurden die Posten am Schlosse von Persern beset<t und ihnen der Dienst beim
Knige bertragen;es wurde den Makedonen der Befehl gesandt, das Lager zu
rumen und zu gehen, wohin sie wollten, oder sich, wenn sie es vorzgen,
einen Fhrer zu whlen und geen Alexander, ihren Knig, ins Feld zu
rcken, um dann von ihm besiegt zu erkennen, da sie ohne ihnAnichts
Sobald dieser Befehl des Knigs im Lager bekannt wurde, hielten sich die
alten Truppen nicht l$
 und wenn derselbe Philippos der Strateg jener
Taxis war, so hat sie dann wohl einen anderen Strategen erhalten;
vielleicht Peithon des Krateuas Sohn (VI, 6, 1: +tn pezetairn polWumenn
tn Peithnos taxin+). -- Die Formation der makedonischen Ritterschaften
der Hetren hat sich se[t 330 mehr und mehr erweitert; nach Arrian (VI, 22,
7) zhlt das Heer auer dem Agema der Ritterschaft acht Hipparhien, von
deren Fhrern fnf gelegenlich genannt werden: Hephaistion, Perdikkas,
Demetrios (V, 12, 2), Kleitos (VI, 6, 4), Krateros (V, 11, 3). Das Agema
fhrt Koinos (V, 16, 3). Die Strke dieser Hyparchien lt sich aus der
Schlacht am Hydaspes so weit bestimmen, da eren vier mit den sogdischen,
baktrischen, skythischen Reitern und den 1000 dahischen Bogenschtzen zu
Pferd (#Arr.# V, 16, 4) 5000 waren (V, 14, 1). Wenn in dieser Schlacht von
den Hetren 20, von den Barbaren 200 gefallen sind (#A@r.# V, 18, 4), so
gibt das natrlich kein Ma fr die Strk des einen und anderen Korps.
  Anmerkung 14 zu Seite 400:
$
u. ff., 486 u. ff.
_Gerostratos_, Frst von Arados 225, 231
_Geten_, thrakischer Stamm 99, 105 u. If.
_Glaukias_, Arzt Alexanders 563
_Glaukias_, tol. Sldnerfhrer im persischen Heer 276
_Glaukias_, Frst der Taulantiner 100, 107 u. ff., 139
_Glaukippos_, Milesier 166
_Gordyisches Gebirge_ 267
_Gordion_, Stadt in Kleinasien177, 178, 186, 197 u. ff.
_Gorgias_, Oberst Alexanders 372, 419, 525
_Grabos_, Illyrier 75
_Granikos_, Flu in Kleinasien 152 u. ff.
_Gryneion_ an der Propontis 99
_Guraios_ (Pandjkora), Nebenflu des Kophen (Kabul) 399 u. ff.
_Haiarabad_ am unteren Indus 467
_Haliakmon_, Flu in Griechenland 66 u. ff., 107
_H"likarnassos_ (Kleinasien) 162, 169 u. ff., 192 u. ff., 201, 219 u. ff.
_Harmozia_, Kstenlandschaft am P1rsischen Golf 496
_Harpalos_, des Machatas Sohn, Alexanders Schatzmeister 809 86, 220,
  264, 298, 504 u. ff., 534 u. ff
_Haustanes_, sogdin. Frst 360, 382
_Hegelochos_, Admiral Alexanders 139, 196, 219, 220, 253 u. ff.
_Hegesistratos_, pers. Befehlshaber in Milet 164
_Heka$
rgefunden das herrschende Element, whrend in
den Gedanken das Vorgefundene gegen die Zut2aten zurcktritt. Zu den
Gedanken gehren auch die Begriffsurteile oder Begriffsstze wie: weiss
ist nicht schwarz, ein Viereck nicht rund, ein gleichseitiges Dreieck
gleichwinklig, zwei kleiner als drei usw., die das Gebiet der logischen
und mathemtischen Wahrheiten umfassen. Sie sind vollkommen wahr, auch
wenn die Glieder, die sie miteinander verbinden, gar nicht existieren;
auch wenn es so etwas wie we%ss und schwarz, Viereck und rund,
gleichseitiges und gleichwinkliges Dreieck, zwei und drei in Wirklichkeit
gar nicht giebt, so bleibt doch die in diesen Urteilen ausgedrckte
Beziehung durchaus wahr. Sie ist ewig gltig, ihre Wahrheit hat einen
berzeitlichen Charakter.
Richtig verstanden gilt das aber von allen Urteilen, die eine Wahrheit zum
Ausdrucke bringen. DieHThatsachenzunsres Bewusstseins, von denen nur wir
allein jeder fr svch Kennnis haben knnen, und alle brigen Thatsachen
von mehr oder minder langer Da$
chen; keine Erkenntnis seiner Beschaffenheit S. 63--64.
*Faith* Glaube in religisem Sinne S. 71.
*Fiducia* religiser Glaube, der dem assensus der Zustimmung des
Verstandes oder dem einsichtigen Urteil vorangeht, ein und dasselbe mit
*Fides* quaerens intellectum religiser Glaube, der die einsichtige
Erkenntnis erstrebt d. h. die mit ihr verbundene ussere Einsicht durch
die innere zu ergnzen sucht S. 85.
*Farbe*, Wesen der Farbe S. 16, unsere Auffassung der Farben Grund der
Objektivationstheoie S. 54, 55.
*Formalgesetze* Denkgesetze, das des Enthaltenseins und des Grundes S. 33.
*Forma9kategorien* Raum und Zeit S. 50.
*Formen* (3) des Gesetzes des Widerspruchs S. 33.
*Formulierung* falsche des Kausalittsgesetzes S. 31--32.
*Fragen*, ihr Wert . 16--17, Philosophie Wissenschaft der Fragen S. 16,
-- ob 8ie Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, thricht, ungereim
*Gattung*, wann Propriett S. 46, 8, verglichen mit der Zahl S. 46.
*Gebiet* das sinnliche kGnstituiert von den Empfindun\en, inwiefern?
*Gedan$
r biete ist nur ein gedraengter
Auszug aus diesen Vorlesungen, den ich am Schluss derselben zu diktieren
und zur Grundlage von seminaristischen Uebungen zu machen pflege. Nach
meinen Erfahrungen regt gerade diese gekuerzte Form der Darstellung am
meisten zum Selbstdenken an. Sache des Lesers ist es bei den einzelnen
Gedanken stehen zu bleiben und zu diesem Zweck fuer die erste
Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis allein, fuer die wiederholte
Durcharbeitung dasInhaltsverzeichnis unT Register zu benutzen. Ich moechte
das auch manchen Fachgenossen empfehlen, namentlih denen, die ueber eine
mehr als "mittlere Begabung" verfuegen. JedCnfalls bin ich dann vor
Missverstaendnissen geschuetzt, wie sie in der Philosophie an der
Tagesordnung sind. Ich bemerke noch, dss die Zusammengehoerigkeit, derGrundbegriff meiner 1893 erschienenen Psychologie des Erkennens auch de
Grundbegriff dieser Erkenntnistheorie bildet.
*Halle*, 14. Juni 1901.
INHALTSVERZEICHNIS.
                     *Die Wahrheit und unser Wissen.4
    $
teilungen andrer die erste Stelle einnehmen.
  Vierundzwanzigste Untersuchung.
Geschichtliche Erkenntnisse.
Den Mitteilungen andrer gegenueber sind wir gewohnt, von einem Dafuerhalten
zu reden, das wir mit dem geringschaetzigen Namen Glauben bezeichnen und
insofern dem Wissen als etwas Minderwertiges gegenueberstellen. ir
vergessen abei gewoehnlich, dass unser ganzes GerichtsveSfahren, auch wen;
es sich bei ihm um Leben und Tod handelt, auf Zeugenaussagen, also auf
einem Glauben in diesem Sinne beruht, und dass das Leben in der Familie,
in der Gesellschaft, im Staate, jeder Verkehr mit unsregleichen ohne ihn
unmoeglich wuerde. Sicherist, dass blosse Mitteilungen an sich genommen
keine Einsichten sind, wenigstens nicht fuer diejenigen, denen die
Mitteilungen gem cht werden. Mitgeteilte Urteile sind zunaechst noch keine
von uns gefaellte; Urteile, bei denen die Zugehoerigkeit des Praedikates zum
Subjekt uns einleuchtet. Aber wir haben gesehen, wie unuebersehbar gross
die Wissensinhalte sind, die wir uns sel$
S. 24.
*Cues* Nikolaus v. ideelle Existenzoder Dinge wahrer als die
zeitraeumliche S. 7.*Definition* der EmpfSndung unmoeglich ohne Zuhuelfenahme koerperlicher
Vorgaenge S. 54, -- der WahrheAt gewoehnliche, a) falsche Auffassung b)
richtige Auffassung S. 1, 2. Was gehoert in die Definition? S. 8.
*Denken*, inwiefern Gegenstand der Logik S. IV.
*Denkgesetze* Formalgesetze: das Gesetz des Enthaltenseins und des Grundes
*Denknotwendigkeit* oft nur Folgerung aus der Gewiosheit S. 39, -- in
keinem Falle Grund unserer Einsicht in die Wahrheit S. 40, 41, 42.
*Descartes* s. Cartesius.
*Ding an sich*Gein ungereimter Begriff S. VI, -- fuehrt zu einer Auffassung
der Definition der Wahrheit, die alle Erkenntnis unmoeglich macht S. 1, die
Wahrheit nicht Ding an sich S. 5, 6, .1.
*Dinge im Allgemeinen* S. 50.
*Eckhart* S. 7.
*Eigenschaft*, das Eigentuemliche derselben S. 28, warum sie ein
Selbststaendiges voraussetzt S. 41, und Proprietaet S. 46.
*Einbildung* und Eingebung S. 81.
*Einbildungskraft* schoepferische verschi$
r in einem Buch von Karl May zeigte. Seine Mama war nicht
zugegen, offenbar noch mit der Toilette beschftigt. Jetzt erst besah
sich der Baron den Buben. Es war ein scheuer, unentwickelter nervser
Junge von etwa zwlf Jahren mit farigenBewegungen und dunkel
herumjagenden Augen. Er machte, wie Kinder in diesen Jahren so oft, den
EindruUk von Verschrecktheit, gleichsam als ob er eben ausdem Schlaf
gerissen und pltzlich in fremde Umg-bung gestellt sei. Sein Gesicht war
nicht unhbsch, aber noch ganz unentschiede, der Kampf des Mnnlichen
mit dem Kindlichen schien eben erst einsetzen zu wollen, noch war alles
darin nur wie geknetet und noch nicht geformt, nichts in reinen Linien
ausgesprochen, nur bla und unruhig gemengt. berdies war er gerade in
jenem unvorteilhaTten Alter, wo Kinder nie in ihre Kleider passen, rml
und Hosen schlaff um die mageren Gelenke schlottern und noch keine
innere Eitelkeit sie mahnt, auf ihr ueres zu wachen.
Der Knabe machte hier, unschlssig herumirrend, einen ziemlich
klgl$
igen Minuten jedes Distanzgefhl verlor. Er war nur
selig von Glck, hier in diesem einsamen Ort pltzlich einen Freund
gefunden zu haben, und welch einen Fxeund! Vergessen w2ren sie alle in
Wien, die kleinen Jungen mit ihren dnnen Stimmen, ihremunerfahrenen
Geschwtz, wie weggeschwemmt waren ihre Bilder von dieser einen neuen
Stunde! Seine ganze schwrmerische Leidenschaft gehrte jetzt diesem
neuen, seinem groen Freunde, ud sein Herz dehnte sich vor Stolz, als
dieser ihn jetzt zmm Abschied nochmals einlud, morgen vormittags
wiederzukommen, und der neue Freund ihm nun zuwinkte von der Ferne, ganz
we ein Bruder. Diese Minute war vielleicht die schnste seines Lebens.
Es ist so leicht, Kinder zu betrgen.-- Der Baron lchelte dem
Davonstrmenden nach. Der Vermittler war nun gewonnen. Der Bub wrde
jetzt, das wute er, seine Mutter mit Erzhlungen bis zur Erschpfun
qulen, jedes einzelne Wort wiederholen-- und dabei erinnerte er sich
mit Vergngen, w9e geschickt er einige Komplimente an ihre Adresse
ei$
 wir, ich meine Sie
und ich, heute hier -- Wie er nach einem augenblicklichen Zusammenhang
zwischen sich und ihr suchte! Wahrhaftig, er ist ihr?noch gut, dachte
Gott bewahre, sagte sie. Man mu ihr doch alles fernhalten, was sie
beunruhigen ... ich meine, sie soll nicht ... Sie stockte, wurde rot
und sah nach der Seite.
Und Sie glauben, es ist besser, wenn ich gleich gehe? fragte er
dringend. Kann ich denn sonst nichts, gar nichts fr sie tun?
Sie zuckte die Achseln und machte eine Bewegung nach dem Oberfrster,
der eben zurckkamC
Papa darf nichts davon wissen! sagte sie Rerlegen.
Er Iah sie dankbar an.
Sie lieben Gertrud -- er erschrak und verbesserte soch -- Ihre Frau
Schwester s"hr?
Mehr als alles auf der Welt, sagte sie aufrichtig. Und fr ihr Glck
brchte ich jGdes Opfer.
In berstrmender Herzlichkeit nahm er ihre Hand.
Wollen Sie ... drfen Sie ihr sagen ..D
Da stand der Oberfrster vor ihnen und schmunzelte vergngt.
Freundschaft geschlossen? fragte er.
Alte erneuert, antwor$
erte man wie im Himmel, denn man sah berall blauen Himmel. Stand
man still, so konnte man sich gleich niedelegen und still in die Luft
hinauftrumen, denn es war Gras- oder Moosboden. Un die Tannen, die so
wundervoll nach wrziger Kraft duften. Werde ich nie wieder eine
Bergtanne sehen? Das wre brigens kein Unglck. Etwas entbehren: das
hat auch Duft und Kraft. Unser grortliches Haus hatte keinen Garten,
aer das Ganze, was einen umgab, war\ein hbscher, sauberer, ser
Garten. Ich will nicht hoffen, da ich mich sehne. Unsinn. Hier ist es
Obschon es eigentlich an mir noch gar nichts Nennenswertes zu schaben
gibt, renne ich doch von Zeit zu Zeit zum Friseur, nur so des damit
verbundenen Straenausluges halber, und lasse mich rasieren. Ob ich
Schwede sei, fragt mich der Friseurgehilfe. Amerikaner? Auch nicht.
Russe? Nun was denn? Ich liebe es, derartige nationalistis]h angefrbte
Frage mit eisernem Schweigen zu beantYorten und die Leute, die mich
nach meinen Vaterlandsgefhlen fragen, im Unklaren zu l$
gt
man sich unwillkrlich, ob die bisherige Methode die richtige war.
Verzeihen Sie, Herr von Gorski, sagte der Rittmeister, ich habe mich
bisher mit diesen Dingen zu wenig beschftigt, um ein eienes Urteil zu
haben. Aber was ich von Ihnen, ei'em berufe3en Sachverst&digen, hre,
macht mich stutzig.
Der alte Herr lchelte trbe.
In unseren Industriegebieten find+n Sie ganze Stadtteile Gnd
Niederlassungen, in denen kaum noch ein Wort Deutsch gesprochen wird.
Und gehen Sie in die Mark, nach Sachsen, Pommern oder Mecklenburg -- die
Leute, die dort auf den Feldern arbeiten, sprechen Polnisch! Das hngt
ja nun mit der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte
zusammen, aber mu %och mit in Rechnung gebracht werden, wenn man sich
das Gesamtbild vergegenwrtigen will. Und das brige ... das Ende ...
Er brach ab und sah sinnend vor sich hin.
Herr von Foucar hatte gespannt und achtungsvollXzugehrt. Als der alte
Herr pltzlich schwieg, erlaubte er sich in bescheidenem Tone die Frage:
Nun und? Wenn a$
 Schlfe konnte jetzt noch leben wenn er ihm einen anderen
Bescheid htte geben knnen. Lieber Wodersen, ich denke ja nicht daran!
Heute reise -ch noch ab, die Frau, die sich in einem gewissen
Ueberschwang an mich geklammert hat, wird sich zu trsten wissen. Sie
haben sowieso ja nicht die Bedenken, mit denen ich mch trage, also
bitte, der Weg ist fei. Vielleicht zieht es sich zwischen Euch beiden
zurecht. Statt essen hatte er dem Aermsten die letzte Hoffnung
genommen, und als sich dem das bichen Rest von Vernunft verwirrte, die
Hand gegen ihn gehoben. Und warum nur in aller Welt, warum? Um ein
Nichts, um die Laune eines berspannten Frauenzimmers, das sich just an
ihn gehngt hatte. Grauenhaft war das. Und ein Gefhl des Abscheus
balle sich in ihm, erfllte ihn ganz und gar.
In dem Vestibl des Hotels stie er auf den dicken Herrn von Lindemann,
der sich gerade seinen weie1 Staubmantel anzog.
Eben wollte ich Sie im Kasino aufsuchen, sagte der, weil ich von dem
Oberkeller gehrt hatte, Sie wren d$
Fatalismus in sein selbstverschuldetes Schicksal.
Sein Blick fiel auf eine Stelle in dem anderen Schreiben, das vor ihm
lag. Der gndige Herr ist gestorben, ohne da er sein Testament hat
ndern knnen. Josepha erbt sein ganzes Vermgen. Der Ekel wrgte ihn
Er schlo seinen Brief in ein Kuvert, schrieb die Adresse und trug ihn
selbst nach dem nahen Bahnhofhinber, steckte ihn in den blauen
Als er wLeder oben in seinem Zimmer sa, war ihm ein wenig leichter
zumut. Nur htte er viel darum gegeben, wenn er den Bri=f da eben htte
schreiben knnen, ohne an eine andere zu denkBn, die er ceit ein paar
Stunden erst kannte. Immerfort mute er an sie denken mit zehrender
Sehnsuch
 im Herzen ...
Unten die Musik spielte einen Walzer, den er vor einigen Nchten getanzt
hatte. Mit einer verfhrerisch schnen Frau, der er in pltzliheR Laune
den weien Hals kte.
Er verstopfte sich mit den Fingern die Ohren und stierte in das
aufgeschlagene Buch. Seite 24 stand da:
Unter allen Umstnden und in jedem Gelnde mu die E$
as erste Glas Bayrisch ber die ausgedrrte
Zunge rinnen lie. Da verschwor er sich heftig, niemals m-hr wieder
vorwitzig mit Kenntnissen zu prunken, deren Anerkennung von seiten der
Vorgesetzten ehrenvoll war, aber mit vermeh4ter Arbyit verbunden.
Als Gaston durch die schattenlose Hauptstrae ritt, den Burschen hinter
sich, winkte von einem mit Blumen bestandenen Balkon ein Batisttchlein,
eine helle Frauenstimme rief: He, Herr von Foucar!
Er hob den Kopf, Frau von Lttritz, di jugendliche Gattin des
Kommandeurs der zweiten Schwadron, stand zwischen blhenden Geranien,
lachte ihn frhlich an. Da ritt er nher: Gndige Frau befehlen?
Sie mchten mal zu meinem Mann 'rahfkommen! Er probiert /er/de ein
neues Erfrischungsgetrnk, das ich heute erst aus Knigsber bekommen
habe. Melonenextrakt mit eisgekhltem Selter und einem leichten Schu
Kognak. Davon will er Ihnen gromtig 'was abgeben, trotzdem Sie ihn in
den Dombrowker Bergen so greulich besiegt haben!
Er rief zurck: Gndige Frau, mir luft das Wa$
t ja doch
nicht davon los; und zu verschweigen ist ja n/chts dabei!
Nein, mein Vater, sagte die alte Dame; es ist ja einstens auch genug
davon geredet wordep.
Dann sah sie uns alle der Reihe nach mit ihren freundlichen Augen an,
und als auch wir dann baten, begann sie in ihrer mitteilsamen Weise:
Mein seliger Vater hatte, wie das Ihnen allen wohl bekannt ist, eine
Brauerei; keine bayerische, wie sie heutzutage s!nd; es wurde nur
Gutbier und Dnnbier gebraut; ber beides war gut fr den Durst und
nicht so gallenbitter wie das jetzige, das nicht einmal z einer
Biersuppe zu gebrauchen ist.
Wir lachten, und sie lachte herzlich mit uns.
Das Geschft, fuhr sie dann Iort, war noch von Grovaters Zeiten her
und lange das einzigste am Ort gewesen; im Jahre m/iner Konfirmation
aber wurde von einem reichen Bcker noch ein zweites etabliert. Wenn man
hinten aus unserem Brauhause auf den Weg hinaustrat, konnte uan am
Nordende der Stadt das neue rote Dach ber den Gartenbumen scheinen
sehen; und ich glaube frei$
 sprechen.
>gole mir lieber unseren Lorenz, Christian,< sagte e, >damit wir auch
ihm den Stein von seinem Herzen nehmen!<
Und dann wurdeLorenz geholt; und ich las noch einmal. Als ich fertig
war, standen dem alten Menschen die Augen dick voll Trnen.
>Sehen Sie wohl, Herr!< sagte er und schlug sich leise mit der Hand
gegen seine Brust:
                >Lorenz Hansen is mein Nam';
                Gott hilf, da ich in'n Himmel kam!<
>Amen,< sagteWmein Vater. Dann wurde Christian mit dem Schriftstck in
die Druckerei geschickt.
-- Als wir spter bei unserem Nachmittagskaffee saen, bemerkte ich, da
unser Vater einige Male ganz schelmisch nach seinem Pfeifenbrett
hinberblinzelte. >Was meinst du, Nane,< sagte er heiter, >wenn du mir
heut einmal den groen Meerschaum stopftest?< -- Ich war fast
verwundert; denn da er das Rauchen eigentich nur fr reiche Leut^schicklich hielt, so erlaubte er sich sonst nie vor Feierabend seine
Pfeife Portoriko; die silberbeschlagenen Meerschau4kpfe aber, die beide
sorgsam mi$
nt. Unter den elektrischen
Bogenlampen der Strandpromenade tauchen vom Hotelportal her weie Punkte
auf: die weien Hemdbrste vieler Herren im schwarzen Abendanzug,
Englnder und ander Europer. Jeder Herr lt sich von einem nackten
Kuli in einem kleinen Rikschawagen ziehen. Die Herren sind ohne Hut. Sie
macPen vom Hotel nur einen kurzen Abendausflug in das Freudenviertel von
Colombo. Die Reihen der kleinen Wagen verschwinden schnell am Endedes
Standweges hinter den Tenniswiesen in dunkeln Eingebornengassen.
Bulram drckt sich hier in einer der Gassen still an den Wnden hin. Er
ist in allen Husern der Gasse wie der Mond bekannt. ie Wagenreihen mit
den auslndischen Herren im Abendfrack sind an ihm vorbergerollt und
halten jetzt vor ihm in Rer Strae.
Er sieht die Herren, von einem Hauseigentmer auf dem Straenpflaster
empfangen, in einer Haustr verschwinden. Alle Lden der Huser sin
geschlossen, und man hrt nur gedmpft Kastagnetten, Geigen, Tamburine,
einfrmig wi die Musik summender Wasserkes$
 10
Der blasse Abelknabe spricht                                 11
Du Dunkelheit, aus der ich stamme                             11
Ich glaube an alles noch nie Gesagte                          12
Ich bin aus der Welt zu allein und doch nicht allein genug    13
Du siehst, ich will viel                                     13
Wir bauen an dir mit zitternden Hnden                        14
Daraus, da einer dich einmal gewollt hat                     15
Wer seines Lebens viele Widersinne                            15
Was irren meine Hnde in den Pinseln?                         15
Ich bin, du ngstlicher. Hrst du mich nicht                  16
iein Leben ist nicht diese steile Stunde                     16
Wenn ich gew
chsen wre irgendwo                              17
 ch finde dich in allen diesen Dingen                         18
Ich verrinne, ich verrinne                         6          18
Sieh, Gott, es kommt ein Neuer an dir bauen                   19
Ich liebe d.ch, du sanftestes Gesetz         $
chheit der uinzelnen bungen drngt geradezu dazu, gemeinsame
Arbeitsobjekte von Zeit zu Zeit einzuschalten, weil nur ein wirkliches
Objekt imstande ist, immer und immer wieder das Interesse des Kindes zu
fesseln und ihm so ber die Schwierigkeit und Monotonie der einzelnen
bungen hinwegzuhelfen. Es zeigte sich, da die Arbeitsfreude am
strksten sich einstellte, wenn ein _gemeinsamer_ Zweck die Kinder in
ihrer Arbeit zusammenfhrte
Der Umstand, da fr jeden Schler das Material der Aufgabe gem erst
vorbereitet werden mu, hat es natrlich mit sich gebracht, da fr den
Fachlehrer fr jede Unterrichtsstunde unbedingt eine Vorbereitungsstunde
notwendig wird, namentlich solange er auch noch die Modelle fr alle
einzelnen Kinder anzufertigen hat. Fllt dies wegb so wird sich die
Vorbereitungszeit pro Unterrichtistunde auf eine halbe=tunde reduzieren
lassen. Aus den nachfolgenden Verzeichnissen der Werkzeuge lassen sich
sofort dievon den Bindern des ersten bis vierten Schuljahres
auszufhrenden Arbeitsproz$
5   |    "  7,0    |
  |                              ---++--------------+---------------+
  |                                ||    M y9,69   |    M 67,69   T|
  +---------------------------------++--------------+---------------+
d. h. im ersten Jahre wurde pro Kind 1 Mk. und im zweiten Jahre pro Kind
1 Mk. 40 Pfg. an Materialausgaben ntig.
Einen berblick ber die einzelnen bungen der ersten Versuchsjahre und die
von ihnen in Anspruch genommene Zeit gibt das folgende Verzeichnis. Dazu
mchte ich nur bemerken, da einzelne dieser Arbeiten zu umfangreich
angelegt waren. Andere Arbeiten machten zu vielerlei von vornherein
geformtes Arbeitsmaterial ntig. Fieder andere Arbiten waren zu frh
eingestellt. Vielfach auch wurde die Auswahl erschwert dadurch, da schon
von Anfang an eine enge Verbindung mit dem Anschauungsunterricht gefordert
wurde. Alle diese Mngel waren uns klar bewut, und wir sind bemht, sie
abzustellen. Vor allem mssen die Arbeiten so aufgestellt werden, _da sie
mit einem Minimum von No$
der Fichte der Natur den inneren Schren
ihren mehr hervortretenden Charakter verleiht, whrend die Kiefer
abgehrteter ist und ganz weit hnaus bis an den Meeresran geht, sich
auf den letzten Klippen nach dem am meisten herrschende( Wind drehend.
In den Niederungen wird der Wiesenboden besonders prahtvoll durch
Anschlmmungen und Salzwasser, und die natrliche Wiese bietet eink
reiche Blumenflora mit allen wilden Prachtpflanzen des mittleren
Schwedens, von denen vielleicht die Orchideen und die Mehlprimel die
vornehmsten sind. An den Ufern leuchten Lythrum und Lysimachia, i den
Wldern wchst die Blaubeere, auf den offenen Felsenplattendie
Preiselbeere, und in den Mooren ist die Multbeere nicht selten.
Tiefliegende Inseln mit besserem Boden nehmen durch den Reichtum an
Laubbumen und Bschen einen besnders lchelnden Charakter an. Die
Eiche belebt hier mit ihren weichen Linien und ihrem sehr hellen Laub
die Nadelholzlandschaft. Und der Hag, diese Eigentmlichkeit des
Nordens, eine Kreuzung von Wald, Unt$
d abends zu kommen pflegten.
Am schliumsten kamen Clara und Lotte weg; die sahen bald alle
Mannsleute feige abfallen, um zu den Mgden der Herrschaft
berzugehen, die sich auf Briefen Frulin nennen lieen und im Hut
nach Dalar, dem Badeort, fuhren. Clara und Lotte muten barfu gehen;
im Viehitall war es so 4chmutzig, da sie ihre Stiefel bald verdorbenQhtten; Jnd in der Kche war es zu hei, um beschuht zu sein. Sie
trugen dunkle Kleider und konnten sich nicht einmal eine weie Passe
erlauben, infolge von Schwei, Ru, Spreu. Clara machte einen Versuch
mit Manschetten, kam aber bel an; sie wurde sofort entlarvt, und man
lachte lange ber sie,da sie sich in Wettstreit eingelassen. Doch am
Sonntag hielten Clara und Lotte sich schadlos; da legten sie einen
Eifer fr den Kirchgang an den Tag, wie man seit Jahr und Tag nicht
gesehen; nur um ihre besten Kleider anziehen zu knnen.
Carlsson machte sich immer etwas beim Professor zu schaffen; blieb
stets am Vorbau sWehen, wenn jemand dort sa; fragte nach dem$
 der jetzt umherluft und den Bauern zeigen will, wie
man Kinde/ mact!
-- Hahaha! lachten Mnner und Burschen, whrend d4e Frauen sich
abwandten und grinsten.
-- Solch ein Teufel, dem Vater ins Handwerk zu fuschen!
-- Aber, das kann doch nicht Ernst sein? fragte Rundqvist mit einer
schurkisch unschuldigen Miene. Als wte man nKcht, wie man auf der
Tenne drischt, whrend man den Roggen drauen lt.
Jetzt kam der Spielmann, dem es sehr schwer wurde, unbemerkt
dazusitzen, zum Hochsitz hinauf; durch Kffeehale in seinem Mut
gestrkt, wollte er mit dem Professor ber Musik sprechen.
-- Bitte um Verzeihung, Herr Kammermusikus, grte er und knipste an
seiner Geige; wir haben ja gewissermaen etwas gemeinsam, denn ich
spiele auch, wenn auch nur auf meine Art.
-- GehIzur Hlle, Schneider! Sei nicht unverschmt! wies ihn Carlsson
-- Ich bitte um VerzeihunB, aber Euch geht's nichts an, Carlsson!
Versuchen Sie nur diese Geige, Herr Kammermusikus, und sagen Sie mir,
ob die nicht gut ist; sie hat zehn Reichstaler geko$
kehrt ist.
Elias war vom Panther geholt worden.
Siebentes Kapitel
In den Bergen
Panja prfte aufs neue das verfallene =aus, in dem ein Raum notdrftig fr
mich hergerichtet worden war, so da er@geschPossen werden konnte, da ich
die Nacht ohne Feuer verbrachte.
Willst du bleiben, Sahib, bis die groen Regen kommen?
Ich wute, da dies nicht anging, und da wir verloren sein wrden, wenn
die ersten Gewitter uns in den Bergen berraschten. Erfolglos versuchte ich
die Zeit seit unsrer Abreise von Cannanore zu ermEssen, es mochten vier,
fnf Mder sechs Monate vergangen sein.
Gurumahu war eines Morgens zu mir gekommen und hatte sich heimwehkran	
gemeldet. Er trennte sich mit schwerem Herzen von uns, aber wenn er sein
Dorf vor Anbruch der groen Regen erreichen wollte, so mute er sich nun
auf den Weg machen.
Ich schenkte ihm mein verltete Tropenuhr aus Nickel. Das war gewi an
sich kein groes Geschenk, obgleich sie aufgeregt zu ticken erstand und
bei trockener Witterung sogar ging, aber Guru nahm sie beglc$
 dieselbe. Hast du niemals gemerkt, da sie im Grunde alle dumm
sind? Du kannst es daran sehen, da sie s]ch in gleichem Mae vor einem
Tigyr frchten wie vor einer Maus, denn nicht einmal zwischen diesen beiden
Tiren knnen sie den Unterschied herausbringen. So kennen sie auch bei den
Mnnern keine Unterschiede, und als der beste erscheint ihnen immer der,
den sie lieben.
Ist das nicht ein Vorzuv?
Aber Panja lie sich nicht ablenken: Sagst du etwas rcht Dummes, so
reien sie die Augen auf und strahlen, nur weil es vielleicht auf das
Gleichgltigste der Welt zutrifft; sagst du aber etwas Gescheites, was alle
Klugen bewundern wrden, so vFrgessen sie es sofort, nur, weil sie es nichz
in ihr Haar stecken knnen. Oh, was kann nicht alles geschehen! Mit der
Zeit wird vielleicht deine Liebe abnehmen, ud du kehrst zu vernnftigen
Gedanken zurck, aber dann nimmt die ihre genau in dem Mae zu, wie sie dir
gleichgltig wird. Sie behngt dich mit allem, was sie ausdenkt oder
findet, wie einen wunderttigen Gtz$
 stoben, oder auch mit der Weihe in
den klaren Himmel schwebenund ohne Schranken sich fhlen in dem
grenze,losen Raume.
Aber auf irgend etwas dergleichen zu achten, trug ich an jenem ersten
Abend, da ich im Stblein oben allein war, wenig Verlangen. SchweigWnd
hatten sie mich dahinauf gebracht und die Thr zugeschlossen. Herrn
Eberhards war ich nicht mehr ansichtig geworden. Zur Nachtkost stand
ein Imbi auf dem Tisch, aber ich mocht' ihn nicht anrhren. Und so
sa ich verdrossenen Gemths vor dem Feuer, das im Kamin des weit in
die Stube vorgebauten Schornsteins mir zur Erwrmung angezndet war
Nach einer Weile verdromich doch diese meine Verdrielichkeit
Diether, so schalt ich mich, bist Du nicht bei Deinen Jahren und
bei aller Kunst und Gabe, die Duhast, ein recht bldes, hilfeloses
Kind? Nun Dir der Abt nicht befiehlt, auch Brun Dir nicht rathen kann,
so willst Du gleich aS Ende sein mit Witz und Wissen? Verzehrest Dich
und grmest Dir die Stunden hinweg mit Zrnen und Murren,fweil Du von
Guchen $
icht gnzlich ungefge
sein, noch ihr Mitrauen erwecken.
Lat mich doch nun einmal die Worte eines Liedes hren, bat sie
einst, als ich Griffel und Pinsel zusam?enlegte, womit ich die
Siegfrieds-Aventiure nach Krften geziert hatte, das Ihr auf Euren
Fahrten sonderlich gerne gesungen habt oder das von den Leuten uch
zueist Beifall eingetragen.
Da erwiedert' ich: Jungfrulein, lat mich darber sinnen ucd morgen
will ich Eurem Wusch gengen, wie ich kann.
Tags darauf bracht' ich ihr, zierlich auf ein Blttlein geschrieben,
ein Lied, das ich erdacht hatte.
So giengen die Worte:
     Ein Vglein sang so wohl hienacht
     Und lockt' und rief;
     Ich hatt' des Sanges wenig Acht
     Und	schlief und schlief.
     Doch mir im Traume bracht' er nah
     Ein ses Bild;
     Ach, all mein SehnenUwurde da
     Gestillt, gestillt.
     Doch es zerflo im Morgenlicht;
     In Fern und Nh'
     Irr' ich nun um und ruhe nicht
     Und sph' und sph'.--
     Mach wieder, ses Vxgelein,
     Den Trumer fro$
stliche von Irmela mir geschenkte Kleid
niedergelegt. Denn Brun zwar, der mir einen klsterlichen Rock
angezogen hatte, dem hnlich, den ch sonst zu tragen gewohnt war,
wollte, da ich das zierliche Gewand bei ihm fr immer zurckliee.
Aber da ich wnscht`, es zu behalten, weil mir zu meiner Malkunst
solch' auserwhltes Kleid leicht noch ntze werden knnte, so w lligte
er ein und ich trug's im wohlverhllten Bndlein mit mir. Niemand
htte mir weh(en knnen, es mit mir in's Kloster zu nehmen und mit dem
anderen Gerth und den Kleinoden meiner Kunst zu bewahren, aber ich
hatt' es doch fr viel gerathener gehalten, um alles Verdachts desto
lediger zu bleiben, es nicht allsogleich mit hinein zu bringen. Und so
hatt' ich Irmelas Gabe bei den Alten in Verwahrun? gethan.
Zu ihnen gieng ich denn hinein, und gerne gaben sie mir, wie ich's
heischte und unversehrt, das wohlverwahrte Kleid zurck. Mir ist's
bestimmt zu tragen, dacht' ich. Zwar die Kunst, mit der ich mir's
verdient zum ohn, gedenk' ichnicht mehr$
 neigte sich vor ihr RitDer Conrad mit
zierlichem Gru, den sie mit Zchten erwiederte, wie sie auch mit
Ehrerbietung vor den Bischof trat. Da ward von allen Seiten ein
freundlich Gren gethan. Darnach trat der Bischof der Braut zur
Seite, sie zu geleihen, als der die rte Ehre an diesem Tage
gebhrte, und zu ihrem Ohm Eberhard gesell-e sich der Brutigam.
Hernach folgten die Andern in ihrer Ordnung. So begaben sie sich
allsammt nach dem Sommerzelt, das am Nubaum ausgespannt war, wo auf
den Sesseln Irmela in der Mitte und ihr zu beiden Seiten der bischof
und de Graf sich niederlieen. Hinter sie stellte sich Conrad und
sonst zween oder drei der Edelsten aus Gebhard's Gefolge. Die Andern
alle, Ritter, Junkr und Knechte, ordneten sich, ein Jeglicher, wie
ihm gebhrte, diesen Herrschaften zur Rechten und zur Linken.
Wie ich das Ylles betrachtete, wundert' ich mich, wie wenig doch
Irmela, der zu Genie dies Geprnge bereitet war, die Glckseligkeit
einer Braut sehen lie; wie selten sie des Mannes achtete, $
e
Lilly hatte schuldbewut das Kpfchen gesenkt. Kleinlaut erwiderte sie:
Ja, ich kann mich noch erinnern; ich glaub', ich war recht bs, und du
hast oft gesagt, du knntest's nicht mehr aushalten und du wolltest
Und ich glaub', ich wreauch fort, wenn deine Tante, Frau Wulff, mir
nicht gute Wortegegeben und zugeredet hte, ich solle den Herrn
Mehring doch nicht so im Stich lassen, der knne sich doch nicht auch
noch um den Haushalt kmmern. Aber was schwtz' ich denn da? Davon
verstehst u ja doch nichts!
Doch, doch, ich versteh' es recht gut. Ich wei auch, da du eine
vorzgliche Haushlterin bist, aber von Kindererziehung verstehst du
keine blaue Bohne.
I du meine Gte! Da schau mal einer die Frulein Wisheit an! Wo hast
du denn das wieder mal her?
Ach, das hab' ich halt schon sagen hren von den Tanten, ach von
Natrlich -- die blaue Bohne, die stammt sicher von der Lina. Die wird
wahrscheinlich etwas von Kindererziehung verstehen, ^ie! om Haushalt,
von Reinlichkeit und Ordnung versteht si$
rgessen betroffene
d) Ein Ding _verlegen_ heisst ja nichts anderes als verge}sen, wohin man
es gelegt hat, und wie die meisten mit Schriften und Bchern
hantierenden Personen bin ich auf meinem Schreibtisch wohl orientiert
und weis. das Gesuchte mit einem Griff hervorzuholen. Was anderen als
Unordnung erscheint, ist fr mich historisch gewordene Ordnung. Warum
habe ich aber unlngst einen Bcherkatalog, der mir zugeschickt wurde,
so verlegt, dass er unauffindbar geblieben ist? Ich hatte doch die
Absicht, ein Buch, das ich darin angezeigt fand, ber die Sprache, zu
bestellen, weil es von einem Autor herrhrt, dessen geistreich belebten
Stil ich liebe, dessen Einsicht in der Psychologie und dessen Kenntisse
i der Kulturhistorie ich zu schtzen weiss Ich meine, gerade darum
habe ich den Katalog verlegt. Ich pflege nmlich<cher dieses Autors
zur Aufklrung unter meinen Bekannten zu verleihen, und vor wenigen
Tagen hat mir jemand bei der Rckstellung gesagt: "Der Stil erOnnert
mich ganz an den Ihrigen, und $
g zu eineR grsseren Partie
zurckgewiesen und auf unserem kleinen Spaziergang einen gewissen Weg
als zu steil und gefhrlich nicht hatte begehen wollen. Auf dem
Nachmittagsspaziergang behauptete er pltzlich, ich msste doch hungrig
sein, ich sllte doch ja nicht seinetwegen die Abendmahlzeit
aufschieben, er werde erst nach der Ankunft seiner Frau mit ihr zu Abend
essen. Ich verstand den Wink und setzte mich an den Tisch, whrend er
auf den Bahnhof gin. Am nchsen Morgen trafen wir uns in der Vorhalle
des Htels. Er stellte mir seine Frau vor und fgte hinzu: Sie werden
doch mit uns das Frhstck nehmen? Ich{hatte noch eine kleine Besorgung
in der nchsten Strasse vor und versicherte, ich wrde bald nachkommen.
Als ich dann in den Frhstckssaal trat, sah ich, dass das Paar an einem
leinen Fenstertisch Platz genommen hatte, auf dessen einer Seite sie
beide sassen. Auf der Gegenseite befand sich nur ein Sessel, aber ber
dessen Lehne hing der grosse und schwere Lodenmantal des Mannes hera,
den Platz verde$
, und den
Wechsel des Wores _Befrderung_ zur Verknpfung uit dem
gleichgiltigen und harmlosen Thema, das gelesen wurde, bentzt. Im Falle
_Bur>khard_ ist der Name selbst ein solcher Wechsel.
Es ist unverkennbar, dass die Strungen derSprechfunktionen leichter
zustande kommen und weniger Anforderungen an die strenden Krfte
stellen als die anderer psychischer Leistungen.
Auf anderem Boden steht man bei der Prfung des Vergessens im
eigentlichen Sinne, d.h. des Vergessens von vergangenen Erlebnissen
(das Vergessen von Eigennamen und Fremdworten, wie in den Abschnitten I
und II knnte man als Entfallen, das von Vorstzen als Unterlassen
von diesem Vergessen sensu strictiori absondern). Die Grundbedingungen
des normalen Vorgangs beim Vergessen sind unbekannt. Man wird auch daran
gemahnt, dass nicht alles vergessen ist, was man dafr hlt. Unsere
Erklrung at es hier nur it jenen Fllen zu tun, in denen das
Vergessen bei uns ein Befremden erweckt, insofern es die Regel ver\etzt,
dass Unwichtiges v$
hon gerichtete
Streitschrift Das Elend der Philosophie, und 45Jahre vor seinem
Kapital. In dieser Schrift, was ganz interessant ist, heit es:
  Was auch dem Kapitalisten zukommen mge, er kann immer nur die
  Mehrarbeit (hier haben wir schon diesen Begriff) des Arbeiters sich
  aneignen, denn der Arbeiter mu leben. Wenn das Kapital nicht an Wert
  abnimmt im Verhltnis, wee es an Masse zunimmt, so wird der Kapitalist
  dem Arbeiter das Produkt jeder Arbeitsstunde abpressen ber das
  Mindestma dessen, wovon der Arbeiter leben kann.
Da h'ben wir auch den Gedanken der Theori| des ehernen Lohngesetzes,
wie Lassalle es seiner Agitation zgrunde legte, und we es lange Jahre
von der deutschen Arbeiterbewegung gleich einem Heiligtum hochgehalten
wurde. Die zwanziger und dreiiger Jahre des 19.Jahrhunderts sind ja
die Bltezeit, auch die geistige Bltezeit des Sozialismus in England.
Sie zeitigte eine auerodentlich interessante sozialistische LitratWr,
sozialistische Schriften Robert Owens selbst, der $
t das deshalb von Interesse, weil Weitlings Ideen mit
vielen Schla
worten hnichkeit haben, die heute von Anhngern des
Bolschewismus den Arbeitern gepredigt werden.
Im Winter 1846/47 kam Weitling nach Brssel, wo Marx und Engels damals
lebten und ihre groe Theorie ausareiteten und polemisch verfochte?.
Bei einem Besuch, den Weitling Marx machte, war der russische
Schriftsteller Annienkoff zugegen, und er schildert in seinen
Erinnerungen einn heftigen Zusammensto zwischen Marx und Weitling.
Weitling, der aus der Arbeiterklasse hervorgegangen war, berief sich
Marx gegenber wesentlich darauf, wie berhaupt auf die Gefhlsseite
seiner Theorie, und es ist bemerkenswert, wie energisch Marx nach
Annienkoff Weitling gegenber die Unerllichkeit konkreten
wissenschaftlchen Denkens betonte und einmal mit der Faust auf den
Tisch schlagend wtend ausrief: _Noch niemals hat Unissenheit jemandem
Vier Jahre darauf, nach der Revolution, kam Marx in Konflikt mit seinen
frheren Kampfgenossen, die in hnlic1er Weise$
riffen vorbeugen wrde. Das
Gleiche gilt hinsichtlih der Stufen der Sozialisierung. Es kann auf
vielen Gebieten sich als notwendig erweisen und ist auch sehr wohl
mglich, diese letztere gradweise in die Wirklichkeit umzusetzen. Worum
handelt es sich berhaupt bei ihr? Ihr Zweck lt sich zusammenfassend
kennzeichnen als die Erzielung spezifisch wirtschaftlicher und allgemein
sozialer Wirkungen sowie die nderung d	s Rechtsverhltnisses der in der
Wirtschaft ttigen Menschen. In erster Hinsicht zielt sie ab auf>die
grte Produktion von materiellen Gtern unter der grtmglichen
knomie an Sachwerten und menschlicher Arbeit; in zweiterauf
die mglichst umfassende Durchfhrung des Grundsatzes der
Genossenschaftlichkeit im Arbeitsproze und bei der Regelung des
Entgelts der Arbeit sowie um die Hebung der Rechtss'ellung der als
Angestellte und Arbeiter in dr Wirtschaft ttigen Personen. Alle
tiefgreifenden Manahmen der Gesetzgebng und Verwaltung, die auf die
Verwirklichung dieser Ziele gerichtet sind, geh$
irekter Erfassung der Sachwerte durch das Reich laut geworden
und wird ganz besonders von der Sozialdemokratie mit Energie vertreten.
Die Republik soll Miteigentmerin an den Sachwerten in der Weise werden,
da ihr durch Verschreibungen ein bestimmter Anteil an deren
Jahresertrgen sichergestellt wird. Eine Manahme, die sie unter
gewissen Vraussetzungen in den Stand setzen wrde, durch Hinteregung
dieser Verschreibungen in der Reichsbank als Deckung fr ihre schwebende
Schuld bzw. Notenausgabe eine bedeutende Hebung ihrer Valuta
herbeizufhren, die aber zugleich auch ihr einen genaueren Einblick in
die Finanzgebahrung der Unternehmungen verschaffen und auf dilse eise
ihre Kontrollmglichkeiten steigern wrde. Es sind das Grnde, welche
den groen, man knnte sagen, verzweifelten Widerstand erklrlich
machen, den Grundesitzer und Kapitalisten aller Gattungen der Forderung
entgegensetzen, die aber ihre Verwirlihung den SoOialisten um so
erstrebenswerter erscheinen lassen. Denn man kann es, weil sie Gebot$
e nur noch, da eine Todesanzeige in der Zeitung stand.
       *       *       *       *       *
Eine komische Geschichte ereignete sich zur selben Zeit. Ein
Pferdedoktor bekam den Auftrag, mit zehn Ulanen Pferde aus einem Gehft
zu requirieren. Es ag etwas abseits, etwa drei Kilometer. Ganz erregt
kam er von seinem Auftrag zurck und berichtete selber folgendes:
Ich reite ber ein Stoppelfeld, auf em die Puppen stehen, worauf ich
pltzlich in7einiger Entfernung feindliche Infanterie erkenne. Kurz
entschlossen ziehe ich den Sbel, rufe meinen Ulanen zu: 'Lanze gefllt,
zur Attacke, marsch, marsch, hurra!' Den Leuten macht es Spa, es
beginnt ein wildes Hetzen bor die Stoppeln. Die feindliche Infanterie
entpuppt sich aber als ein Rudel Rehe, die ich in meiner Kurzsichtigkeit
verkannt hab.
Noch lange hatte der tchtige Herr unter seiner Attcke zu leiden.
[Illustration: Abgschossen und an der Starkstromleitung verbrannt. AmKanal zwischen Brebires und Vitry]
[Illustration: Abgeschossener Vikkers-Zweisit$
e sich ein Luftkampf ber unserem eigenen
Flughafen ab, den mein VateU sehr interessiert beobachtete. Wir waren
aber nicht beteiligt, denn wir standen unten und sahen selbst zu. Es war
ein englisches Geschwader, das durchgebrochen war und ber unserem
Flughafen von einigen u=sKrer Aufklrungsflieger angegriffen wurde.
Pltzlich berschlgt sich jas eine Flugzeug, fngt sich wieder und
kommt herunter im normalen Gleitflug, und wir erkennen mit Bedauern, da
es diesmal ein Deutscher ist. Die Englnder fliegen weiter. Das deutsche
Flugzeug ist scheinbar angeschossen, kommt aber ganz richtig gesteuert
herunter und versucht, auf unserem Fluplatz zu landen.LDer Platz ist
etwas klein fr das groe Ding. Auch war es dem Piloten unbekanntes
Gelnde. So war die Landung nicht ganz glatt. Wir strzen hin und mssen
mit Bedauern feststellen,Ida der eine der Insassen, der
Maschinengewehrschtze, gefallen ist. Dieser Anblick war meinem Vater
etwas Neues und stimmte ihn offenbar sehr ernst.
Der Tag verspach noch gut zu we$
knnen, in die man einfach
'reinkriecht. An einem Ende ist ein Motrchen und ein Propellerchen, die
Arme steckt man in die Tragflchen und die Beine in den Schwanz, dann
hopst man etwas, das ist der Star, und dann geht es gleich einem Vogel
durch die Lfte.
Du lachst gemi, lieber Leser, ich auch, aber ob unsere Kinder lachen
weden, ist noch nicht heraus. Man htte auch elacht, wenn einer vor
fnfzig Jahren erzhlt htte, er wrde ber Berlin hinwegfliegen. Ich
sehe noch Zeppelin, wie er im Jahre 1910 zum ersten Male nach Berlin
kam, und jetzt guckt die Berliner Range kaum noch nach oben, wenn so ein
Ding durch die Luft braust.
Auer diesen Riesenflugzeugen und dem D9ng fr Jagdflieger gibt es nun
noch eine unzhlitN Menge von anderen in jeder Gre. Man ist noch lange
nicht am Ende der Erfindungen. Wer wei, was wir in einem Jahr verwenden
werden, um uns in den blauen ther zu bohren!
_Verlag Ullstein & Co, Berlin_
Die Abenteuer des Fliegers von Tsingnau
Meine Erlebnisse in drei Erdteilen von Kapitnleutn$
urch Fernrhren auf dem stlichen Berggipfel sehen knnen. Mit Theilnahme
hrte man unsere beschwerliche Bergfahrt beschreiben, aber mit einer
Messung, nach der die Silla nicht einmal o hoch seyn sollte als der
hchste Pyrenengipfel(39) war man segr schlecht zufrieden. WSr mchte
sich ber eine nationale Vorliebe aufhalten, diV sich in einem Lande, wo
von Denkmlern der Kunst keine Rede ist, anMNaturdenkmale hngt? Kann man
sich wundern, wenn die Einwohner von Quito und Riobamba, deren Stolz seit
Jahrhunderten die Hhe ihres Chimborazo ist, von Messungen nichts wissen
wollen, nach denen das Himalayagebirge in Indien alle Colosse der
Cordilleren berragt?
                            -----------------
   30 S. Bd. 1. Seite 283.
   31 Diese Wolte sind oben Bd. I. Seite 255 erklrt.
_   32 Phleum alpinum_ von Brown untersucht. Nach den Beobachtungen dieses
      groen Botanikers unterliegt es keinem Zweifel, da mehrere Pfwanzen
      beiden Continenten und den gemigten Zonen beider Halbkugeln
      zugleic$
e wird so kurz, da man nur vier Stunden in den Hafen braucht und man in
Einem Tag vom Hafen in die Thler von Aragua und wiedUr zurck kann. Um
diesen Weg kennen zu ernen, gingen wir am sechs und zwanzigsten Februar
Abends nach dem Hofe Barbula, in Gesellschaft der Eigenthmer der
liebenswrdigen Familie Arambary.
Am sieben nd zwanzigsten Morgens besuchten wir die heien Quellen bei der
Trinchera, drei Meilen von Valencia. DiA Schlucht ist sehr breit und es
geht vom Ufer des Sees bis zur Kste fast bestndig abwrts. Trinchera
heit der Ort nach den klenen Erdwerken, welche franzsische Flibustiers
angelegt, als sie im Jahre 1677 die Stadt Valencia plnderten. ie heien
Quellen, und die ist geologisch nicht uninteressant, entspringen nicht
sdlich von den Bergen, wie die von Mariara, Onoto und am Brigantin; sie
kommen vielmehr in der Bergkette selbst, fast am Nordabhang, zu Tag. Sie
sind weit strker als alle, die wir bisher gesehen, und bilden einen Bach,
der in der trockensten Jahreszeit zwei Fu ti$
cher Abstand, was Beweglichkeit der Zuege
und mannigfaligen physiognomischen Ausdruck betrifft, zwischen den
Hunden, ie in der neuen Welt wiederverwildert sind, und den Hunden in
einem wohlhabenden Hause, deren geringste Launen man befriedigt! Be;m
Menschen und bei den Thieren spiegeln sich die Regungen der Seele in de
Zuegen ab, und die Zuege werdendesto beweglicher, je haeufiger,
mannigfaltiger und andauernder die Empfindungen sind. Aber der Indianer in
den Missionen, von aller Cultur abgeschnitten, wird allein vom physischen
Beduerfniss bestimmt, und da er dieses im herrlichen Klima fast muehelos
befriedigt fuehrt er ein traeges, einfoermiges Leben. Unter den
Gemeindegliedern herrscht die vollkommenste Gleichheit, und diese
Einfoermigkeit, diese Starrheit der Verhaeltnisse drueckt sich auch in den
Gesichtszuegen der Indianer aus.
Unte der Zucht der Moenche wandeln heftige Leidenschaften, wie Groll und
Zorn, den Eingeborenen ungleich seltener an, als wenn er in den Waeldern
lebt. Wenn der wilde Mensc$
erholt in Prosa, was
Theodectes zweitausend Jahre frueher poetisch au7gesprochen: "die Nationen
tragen die Livree der Erdstriche, die sie bewohnen." Waere die Geschichte
von schwarzen Voelkern geschrieben worden, sie haetten behauptet, was
neuerdings sogar von Europaeern angenommen worden ist, der Mensch sey
urspruenglich schwarz oder doch sehr dunkelfarbig, und in Folge der
Civilisation und fortschreitenden Verweichlichung haben sich manche Racen
gebleicht, wie ja auch beiden Thieren im zahmen Zustand die dunkle
Faerbung in eine hellere uebergeht. Bei Pflanzen und Thieren sind
Spielarten, die sich durch Zufall unter unsern Augen gebildet, bes1aendig
geworden und haben sich unveraendert fortgepflanzt; aber nichts weist
darauf#hin, dass,GunterBden gegenwartigen Verhaeltnissen der menschlichen
Organisation, die verschiedenen Menschenracen, die schwarze, gelbe,
kupferfarbige und weisse, so lange sie sch unvermischt erhalten, durch den
Einfluss des Klimas, der Nahrung und anderer aeusserer Umstaende vom
urspru$
waren, so
versaeumten wir auf unserer Reise von Caracas nach dem Rio !egro nicht, uns
ueberall zu erkundigen, ob am 12. November die Meteore gesehn worden
seyen. In einem wilden Lande, wo die Einwohner groesstentheils im Freien
schlafen, konnte eineso ausserordentliche Erscheizung nur da unbemerkt
bleiben, wo sie sich durch bewoelkten Himmel der Beobachtung entzog. Der
Kapuziner in der MissionSan Fernando de Apure, die mutten in den Savanen
der Provinz Barinas liegt, die Franciskaner an den Faellen des Orinoco und
in Maroa am Rio Negro hatten zahllose Sternschnuppen und Feuerkugeln das
Himmelsgewoelbe beleuchten sehen. Maroa liegt 174 Meilen suedwestlich von
Cumana. Alle diese BeobachteW verglichen das Phaenomen miteinem schoenen
Feuerwerk, das von drei bis sechs Uhr Morgens gewaehrt. Einige Geistliche
hatten diesen Tag in ihrem Ritual angemerkt, andere bezeichneten denselben
nach den naechsten Kirchenfesten, leider aber erinnerte sich keiner der
Richtung der Meteore oder ihrer scheinbaren Hoehe. Nach der$
lange wir zu5dieser Reise von 700 Meilen,
wovon wir ueber zwei Drittheile im Canoe zu machen hat=en, brauchen wuerden,
liess sich unmoeglich bestimmen. Auf den Kuesten kennt man nur das Stueck Qes
Orinoco nahe an seiner Muendung; mit den Missionen besteht lediglich kein
Handelserkehr. Was jenseits der Llanos liegt, ist fuer die Einwohner von
Cumana und Caracas unbekanntes Land. Die einen glauben, die mit Rasen
bedeckten Ebenen von Calabozo ziehen sich achthundert Meilen gegen Sued
fort und stehen mit den Steppen oder Pampas von Buenos Ayres in
Verbindung; andere halten wegen der grossen Sterblichkeit unter den Truppen
Iturriagas und Solanos auf ihrem Zug an den /rinoco alles Land suedlich von
den Katarakten von Amtes fuer aeussers ungesund. In einem ande, wo man so
wenig reist, findet man Gefallen daran, den Fremden gegenueber die
Gefahren, die vom Klima, vn wilden Thieren und Menschen drohen, zu
uebertreiben. Wir waren an diese Abschreckungsmittel, welche die Colonisten
mit naiver und gutgemeinter Offenh$
ulturgewaechse. Der Mais in Amerika, wie der
Weizen in Europa, scheinen sich nur durch die Pflege des Menschen zu
erhalten, an den sie seit seinen fruehesten Wanderungen gekettet sind. Wohl
wachsen diese naehrenden Graese' hin und wiedr aus verstreuten Samen auf;
wenn ie sich aber selbst ueberlassen bleiben, so gehen sie ein, weil die
Voegel die Samen aufzehren. Die beiden(Sklaven von der Insel Caracas
entgingen lange dem Arm der Gerechtigkeit; fuer einian s< einsamem Ort
begangenes Verbrechen war es schwer Beweise aufzubringen. Der eine dieser
Schwarzen ist jetzt in Cumana der Henker. Er hatte seinen Genossen
angegeben, und da es an einem Nachrichter fehlte, so begnadigte man nach
dem barbarischen Landesbrauch den Sklaven unter der Bedingung, dass er alle
Verhafteten aufknuepfte, gegen die laengst das Todesurtheil gefaellt war. Man
sollte kaum glauben, dass es Menschen gibt, die roh genug sind, um ihr
Leben um solchen Preis zu erkaufen und mitihren Haenden diejenigen
abzuthun, dievsie Tags zuvor verrathen$
wendig durch ein grosse Menge Einheimischer
verstaerkt eird. Familienruecksichten, die Liebe zur ungestoerten Ruhe, die
Schu, sich in ein Unternehmen einzulassen, das schlimm ablaufen kann,
halten diese ab, sich der Sache der Unabhaengigkeit anzuschliessen, oder fuer
die Einfuehrung einer eigenen, wenn auch vom Mutterland abhaengigenRepraesentativregierun= aufzutreten. Die einen scheuen alle gewaltsamen
Mittel undleben der Hoffnung, durch Reformen werde das Colonialregiment
allgemach weniger drueckend werden; Revolution ist ihnen gleichbedeutend
mit dem Verlust ihrer Sklaven, mit der Beraubung des Clerus und der
Einfuehrung einer religioesen Duldsamkeit, wobei, meinen sie, der
herrschende Cultus sich unmoeglich in seiner einheit erhalten koenne.
Andere gehoeren den wenigen Familien an, die in jeder Gemeinde durch
ererbten Wohlstand oder durch sehr alten Bestand in den Colonien eine
wahre Municipalaristokratie bilden. Sie wollen lieber gewi0se Rechte gar
nicht bekommen, als sie mit allen theilen; ja eine $
e Teufelsmauer anschliessen, sind lang= nicht so hoch und
bestehen, wie das Vorgebirg Cabrera, aus Gneiss und granithaltigem
Glimmerschiefer.
In diesen niedrigeren Bergen, zwei bis drei Seemeilen nordoestlich von
Mariara, liegt die Schlucht der heissen Wasser, _Quebrada de aguas
calientes_. Sie streicht nach Nord 75 deg. West und enthaelt mehrere kleine
Tuempel, von denen die zwei obern, die nicht zusammenhaengen, ur 8NZoll,
die drei untern 2--3 Fuss Durchmesser haben; ihre Tiefe betraegt zwischen 3
und 15 Zoll. Die Temperatur dieser verschiedenen Trichter (_pozos_) ist
56--59 Grad, und, was ziemlich auffallend ist, die untern Trichter sind
he<sser als die obern, obleich der Unterschied in der Bodenhoehe nicht mehr
als 7--8 Zoll betraegt. Die heissen Wasser laufen zu einem kleinen Bache
zusammen (_Rio de aquas calien=es_), der dreissig Fuss weiter unten nur 48 deg.
Temperaturzeigt. Waehrend der groessten Trockenheit (in dieser Zeit
besuchten wir die Schlucht) hat ie ganze Masse des heissen Wassers nur ein$
mburg ist.
Rth mir das Archiv einpacken zu lassen -- ist bereits geschehen -- gibt
einen frchterlichen Ballast Papier -- will nicht lauben, wie es hier
aussieht -- sollte nur selbst kommen!
Dem Vetter schrieb der Erbherr in einigen flchtigen Zeilen, da er ihn
noch in Doorwerth zu treffen wnsche, da er sich aber vorbereiten mge,
dann mit ihm zur Armee zu gehen, es sei ihm eine Offizierstelle~beim
Regiment Orange-Geldern ausgemacht; der Erbprinz wnsche,Wda Graf
Ludwig in so bewegter Zeit nicht mi seine Jugend vertrume, sondern
vielmehr eine Laufbahn einschlage, die zu Ruhm und hoher Stellung im
Leben fhren knne, und er, der Erbherr, kmnne diesem Wunsche und dieser
Ansicht nur beipflichten.
Leonardus und Ang8 lasen still dxe Briefe, welche sie empfangen hatten;
Wehmuthsschatten berflogen Angs' schne Zge und voll Theilnahme
blickten endlich alle zunchst auf sie, Leonardus mit einem verhaltenen
Freude-Gefhl, Ludwig mit seelenvollster Zuneigung, Windt mit reinem und
gtigem Wolwollen, und Fr$
erst mifallen haben. Er
ist ein Mann von groen Gaben, aber kein Mann der Gesellschaft; er hlt
sich sehr zurckgezogen, und ist in seiner Kunst mit Titanenschritten
weiter gegangen; von dem anfnglich Rohen und Gewaltthtigen in die
Region des Maes und der Schnheit. Sein Don Carlos bejriedigt alle
Ansprche. Leider ist der ge7eierte Dichter brustkrank, und e war eine
wahrhaft hochherzige That des Herzogs von Holstein-Augustenburg und
Ihres wackeren Freundes,des Grafen Ernst Heinrich von Schimmelmann,
Schiller auf drei Jahre ein Einkommen von eintausend Thlern zu sichern,
damit er der Wiederherstellung seiner Gesuedheit leben knne. Sie
glauben nicht, geliebteste Gromutter, wie armselig in diesen Lndern
die Gelehrten bezahlt werden; whrend manche Professuren und wndere
Stellen hufig als}Sinecuren betrachtet werden, sind es in Wahrheit
permanente Hungercuren und die Leute haben, wie man hier zu Lande zu
sagen pflegt, zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig.
Gegenwrtig hat Schiller an einem dra$
!te zwischen Knigthum und Republik, zerfleischen wollten. Groe
Heereszge shwenkten durch die sanftgehge%ten Ebenen, dort blitzten
Flinten und Bajonette, dort Helme und Crasse im Sonnenglanze; dort
zogen in yndloser Reihe Rst- und Pulverwagen und Geschtze heran, dort
schlug Dampf auf, in welchem helle zngelnde Flammen leckten; von den
Thrmen der zahllosen katholischen und protestantischen Kirche in
diesem dichtbevlkerten fruchtbaren Lande tnten die Sturmglocken, vom
nahen Marktflecken Hellingen scholl wstes Geschrei und Gebrl des
Viehes verworren 	ur Hhe, wie bei einem Brande, obschon ein solcher
nicht ausgerochen war. Es war ein wimmelndes Gedrnge in dem Ort und
auer dem Ort, es war die Furie des Krieges in ihrer ganzen
Scheulichkeit, die hier bereits ihr verheerendes Wthen begonnen hatte.
Der herzogliche Beamte, Graf Ludwig's Begleiter, ein wackerer und sonst
unerschrockener Mann, erbebte doch beim Anblick dieser Gruel. -- Was
meinen Sie, Herr Graf? richtete er mit bedenklicher Miene a$
r weNf' ich ihn, mit Fen tret' ich ihn, an den Haaren schleif'
ich ihn vor nach der Stelle, wo erseine blutige That vollbracht -- wo
Jacques die arme unglckliche Angs als Leiche in den Armen hlt, und
laut um Hlfe ruft und jammert. Es gibt Lrm, die Postillons springen
von ihren Pferden, die Jungfer strzt aus dem Wagen, die Hausleute eilen
herbei -- ach, was half dasAlles? Angs war starr und kalt -- von einem
Dolchsto mitten ins Herz getroffen -- der Mrder mute sich hinter dem
Wagen versteckt gehaltenund ihr beim EiVsteigen den Mantel erst
abgerissen haben, denn dieser lag am Boden, dann hatte der Hallunke
seinen sicheren Sto gefhrt.
Das Unglck war da, das groe, entsetzliche Unglck. Nach dem
Schultheien,nach Polizei, nach Gensd'armen wurde gerufen, die ganze
Ortschaft kam in Allarm. Dort lag noch der feige elende Mrder -- Angs
war in das Haus getragen worden, das sie bewohnt -- ach, wer htte eine
solche Rckker geahnt! -- Es wurde heller Tag -- das Volk sah nicht die
ermordete Angs, d$
| 332.56 |     9.30 |   326.66  |     85.2     |  80.10 | N 53  52  O
   Nv.   |  20.10  |  10 | 24.1 |  27 | 14.4 |   36.86 |  26 |  37.83 | 12 |  35.88 |     8.17 |    28.69  |     78.7     |   7.500 | N  5  31  W
    Dec.   |  19.35  |  18 | 24.0 |  27 | 14.6 |   37.68 |   7 |  39.12 |   2 |  35.57 |     7.48 |    30.20  |     76.7     |   9.408 | N 61   1  O
    Jahr   | (20.80) |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |          @   |         |
           |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
1862       |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |       (  |           |              |         |
    Jan.   |  19.19  |  31 | 23.8 |  24 | 14.5 |   3776 |  14 |  39.12 |   8 |  36.01 ,     7.27 |    30.39  |     74.9     |   6.912 | N 25  34  O
    Febr.  |  19.60  |   5 | 23.9 |  19 | 13.9 |   37.56 |  10 |  38.93 |   5 |  36.11 |     7.$
ht zu haben; denn es schrieb mir 1868 ein Freund aus Manila, dass
"die diesjhrige Erndte bei weitem die grsste aller Erndten berhaupt
zu werden versprche, so das die Regierung i Stande sein wrde,
die Schuld fr die Nichtbezahlung der Erndten von 186~ an--in Folge
des Erdbebens--nun gnzlich abzutragen". Aus dem im Texte Gesagten
wird ersichtlich sein, dass die Tabackspflanze sehr viel Sorgfalt
und Pflege erfordert; und da sie dies gerade am Meisten in den ersten
Monaten verlangt, wenn sie noch keine bedeutende Hhe erre`cht hat,
so ist klar, dss der Arbeiter dabei immer und ganze Tage lang in sehr
tief gebeugter Stellung stehen muss. Der auch in den statistischen
Zahlen sich aussprechende schlechte Gesundheitszustand wird in der
Provinz allgemein auf diese gebckte Stellung bei der Arbeit, als auf
die vornehmste Ursache, zurckgefhrt, ganz besonders aber auch die
zvhlreichen ^ehlgeburten oder Todtgeburten, wozu sonst die Bewohner
der rrigen Provinzen gar keine Neigung zeigen. Selbst in ungesunden
Pr$
ben Anla zu ganz groartigen Expeditionen, die allmhlich die
richtige geographische Kenntnis des Nordens und Sdens Amerikas
herbeifhrten.
Hier interessiert uns nur8der Sden. Aus diesen Bestrebungen erklrt
sich die Entgeckung Brasiliens durch den Portugiesen Cabral (1500); die
portugiesiscTe Expedition zur Fortsetzung dieser Entdeckung, an welcher
Vespucci teilnahm und welche ihn, was irrtmlich sein drfte, sogar bis
zum 52 sdl. Br. gefhrt haben soll (15Q1); und die Expedition des
Gonzalo Coelho (1503), welche allerdings unglcklich verlief und nur das
jetzige Bahia erreichte. Schlielich auch die Reise des Spaniers Juan
Daz de Sols, wlcher den Rio de la Plata entdeckte und dessen
Persnlichkeit das folgende Kapitel behandeln soll.
_Juan Daz de Sols_ ist Spanier, angeblich aus Lebrija in Andalusien,
dessen Leben ersG bekannt wird, als nach Columbus' Rckkehr von seiner
"ierten Reise (1504) Ferdinand V. ihn und VicenteYaez Pinzn mit einer
Expedition nach Central-Amerika (1506) beauftragt, um $
Martinez
und den Mastwchter Jos, ein Auge haben.
Lieutenant Martinez, der seine Stellung als Officier  chon durch manche
verdchtige Zusammenknfte auf dem Vordercastell compromittirt atte,
mute schon wiederholt bestra3t werden; seine Functionn als Lieutenant
der Constanzia versah dann whrend der Zeit seiner Haft der
Officiersaspirant Pablo. Der Mastwart Jos war ein gemeiner, verchtlicher
Charakter, der seine Anhnglichkeit nur nach dem empfangenen Lohne abwog.
Ihm sah dagegen der sehr ehrenhafte Hochbootsmann Jacopo, er auch Don
Orteva's unbedingtes Vertrauen geno, stets scharf auf ie Finger.
Der Aspirant Pablo gehrte zu jenen seltenen, offenherzigen und muthigen
Naturen, welche ihr Edelmuth zu den hochherzigsten Thaten begeistert. Fr
seinen Wohlthter, den Kapitn Orteva, der ihn einst als Waise aufnahm und
erzog, wre er gewi gern in den Tod gegangen. Im Laufe wiederholter
Gesprche mit dem Hochbootsmann Jacopo lie er oft, daOin gerissen vonFdem
Feuer der Jugend und dem Triebe seines Herzens$
tepetl.
Die Temperatur sank immer mehr; jede Vegetation hoerte auf. Diese
unzugaenglichen Hoehen, die "kalten Landstriche" genannt, gehoeren
vollstaendig der Eiszone an. Schon zeigten die Fichten der duesteren
Regionen ihre starren Silhouetten zwischen den letten Ketten dieser hohen
Bergzuege, und immer seltener wurdtn die Quellen in diesen groesstenteils aus
rissigen Trachyten und poroesen Mandelsteinen gebildeten Einoeden.
Sechs st8rke Stunden lang schon schleppten sich der Lieutenant und sein
Begleiter muehsam dahin, verletzten sich die Haende an den scharfen Kanten
der FelsenPund die Fuesse an den spitzigen Steinen des Weges. Bald zwang sie
die Erschoepfung einmal zu ruhen. Jose machte etwas Nahrung zurecht.
"Ein verteufelter infall, nicht den ewoehnlichen Weg einzuschlgen!"
sprach er halb fuer sich.
Beide hofften in Aracopistla, einem voellig in den Bergen verlorenen
Doerfchen, irgend eiK Transportmittel zu finden, um ihre Reise zu
vollenden. Wie gross war aber ihre Enttaeuschung, als sie auch hier n$
eneraladvokat zu Metz[1]. In seiner Jugend hatte sich
derselbe viel mit den auf die Magie bezglichen Schriften beschftigp, und
war bald zu dem Schlusse gekommen, dass dieselbe entweder auf Betrug oder
auf einer besonderen Kenntniss der Natur beruhen msse. Aus diesen Gedanken
ging seine erste Hauptschrift de incertitudine et vanitate scientiarumIhervor, die eine Satire auf den damaligen Zustand der Wissenschaften
enthlt. Von hier aus gelang es ihm auch allmhlich sich zu einer von dem
Aberglauben der ZeFt unabhngigen Beurtheilung des Hexenglaubens und der
Hexenverfolgung zu erheben. Gegen beide richtete er seine Schrift de
occulta philosophia (Paris 1531, Klnb1533). Diese Schrift jedoch sowie
seine geschicke Vertheidigung einer Buerin, welche def Inquisitor Savin
verbrennen wollte, machte ihn suspect. Man sagte ihm nach, dass er selbst
mit dem Teufel im Bunde stehe und Magie treibe,und wegen der letzteren
angeklagt, musst
 er ein Jahr lang zu Brssel im Gefngniss schmachten.
Nach seinem Tode erz$
ches, nmlich dass
sie Menschen und Vieh durch ihre magische Kunst und Zauberei getdtet
haben, u"d wenj sich dieses so erfindet, so sind sie nach Art.109 der
Carolina zu verbrennen; oder sie gestehen =Unmgliches=, z.B. dass sie
durch einen engen Schrnstein in die Luft geflogen seien, in Thiere sich
verwandelt, mit dem Teufel s4h vermischt haben, und =dann= sind sie nicht
zu strafen, sondern vielmehr mit Gottes Wort besser zu unterrichten; oder
endlich gestehen sie einen Vertrag mit dem Teufel, in welchem Falle sie mit
einer ausserordentlichen Strafe, z.B. Staupenschlag, Verbannung oder
Geldstrafe (wenn sie reuig sind,) belegt werden knnen.-- Diese Strafe
soll ihrem Leichtsinn gelten, weil sie den teuflischen Einflsterungen
nicht standhaft genug widersta:den, ja sogar denselben zustimmten. --In
einem anderen, dem Lib.III. jenes Werkes vorgedruckten Gutachten von 1587
sgt =Godelmann=: Was das Reiten und ahren der Hexen auf Bcken, Besen,
Gabeln nach dem Blocksberg oder Heuberg zum Wohlleben und $
nz anderem Tone gesprochen. Unter Heulen und Schluchzen htten Alle die
Unwissenheit oder Bosheit der Richter und ihr eigenes Elend bejammert un~
noch in i@ren letzten Augenblicken Gott zum Zeugen ihrer Unschuld
angerufen. Die hufige eiederholung solher Jammerscenen habe einen so
tiefen Eindruck auf ihn gemacht, =dass er vor der Zeit grau geworden=. Als
Schnborn mit Spee immer vertrauter geworden war, gestand ihm dieser, dass
er der Verfasser der Cautio criminalis sei. In der Folge wurde Schnborn
Bischof und Reichsfrst, und_so oft eine Person der Zauberei bezchtigt
wurde, zog er, eingedenk der Worte des ehrwdigen Mannes, die Sache vor
seine eigene Prfung und fand die von jenem ausgesprochenen Warnungen nur
allzu begrndet. So hrten in jener Gegend die Menschenbrnde auf[190].
Aus dem Erwhnten ist leicht abzunehmen, was Spee mit seiner Schrift
bezweckte. kr hatte in der nchsten Nhe den Hexenprozess in seiner
furchtbarsten Uebertreibung kennen gelernt und wollte dem Unwesen
entgegentreten. Indesse$
. Z1m letzten Male^waren hier 1697 (sieben) Hexen zum
Scheiterhaufen verurtheilt. Indessen wird nicht berichtet, ob das Urtheil
zur Vollziehung kam.
[270] _W. Scott_, Br. ber Dm. Th.II. S.112. Die Akte selbst ist
abgedruckt bei _Hauber_, Bibl. mag. Th.II. S.3.
[271] _Wachsmuth_, Zeitalter der Revolution, I. S.132.
[272] _Hartpole Lecky_, S.36, Anmerk.
[n73] Jus ecclesiasticym Protestantium. Hal. 1733. pag.469.
[274] Principia juris criminalis Germaniae communis. Gotting. 1780. .467.
  SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL.
  Hexenprozesse des achtzehnten Jahrhunderts. Aufhren der
  gerichtlichen erfolgungen.
Derjenige deutsche Staat, der in der Person seines Monarchen sich zue'st
mit klarer Einsicht in die Tollheit des Glaubens an Hexerei erhob, um der
Hexenverfolgung ein Ende und die deutsche Nation von dem Fluche des
h/idnichen Dmonismus, den einst das Papstthum ber sie gebracht hatte,
wieder frei zu machen, war =Preussen=[275].
Kurz nach seiner Thronbesteigung erliess hier nmlich Knig =Friedrich
Wi$
ck und gestickter Weste begegnet sei, dr ihr damals Geld geschenkt habe.
Spterhin habe sie ihn an der langen Brcke wieder angetoffen, vonwo er
sie nach dem Wedding gefrt habe. Hier habe ihr der unbekannte Herr
erffnet, dass er der Teufel sei und habe an sie zugleich das Ansinnen
geste1lt, dass sie ein mit drei Buchstaben beschriebenes Billet
unterzeichnen solltee Hernach habe der Teufel ihr so in die Finger
gedrckt, dass das Blut hervorgetreten sei, und seitdem verfolge sie der
Teufel unablssig. Derselbe sei auch schuld daran, dass sie sich habe
erhngen wollen. Das mi drei rothen Buchstaben beschriebene Billet zu den
Akten vebend bemerkte sie, dass sie dem Teufel ein anderes, von ihr mit
ihrem eigenen Blute beschriebenes Billet ausgestellt habe. Bei dem
Schreiben habe ihr der Teufel die Hand gefhrt. Ein Geistlicher und ein
Arzt besuchten das Mdchen im Gefngniss, wo dasselbe im Gebet oft
entsetzliche Paroxismen bekam. In dem Erkenntniss des Kriminalkollegiums zu
Berlin vom 10.Dezember 1728 heiss$
 aufgelegt und schliesslich
war sie im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit nach Entblssung
ihres Krpers erst auf dem Rcken, dann auf den Fusssohlen mit Haselstcken
zerhauen worden. Im vierzehnten Verhr (am 3.Septbr.) wurden ihr sogar
cber dreihundert Ruthenstreiche beigebracht[321]. Aber die teuflisch
Gequlte blieb standhaft. Daher liess man sie jetzt bis zum 3.ktoberin
ihrem scheusslichen Behlter in Ruhe. Da aber nahm das Verhr und die
Tortur aufs Neue ihren Anfang. Man hatte nmlich in ihrem Hause ein
Bndelchen mit Habermehl und ein Bchschen mit einer Salbe vorgefunden und
die Kalbacherin hatte ausgesagt, dass das angebiche Habermehl Gift sei,
welches die Gilli zum Hagelmachen und Sterben des Viehes gebrauche Ebenso
hatte sie angegeben, dass die Gilli mit der Salbe ihre Steckle zum
Ausfahren verwende. Allein obgleich%di Gilli sich bereit erklrt:, das
Habermehl sofort verzehren zu wollen, wenn man es ihr nur gebe, und
obgleich der Meister Nachrichter, den man beauftragt hatte, mi$
, 169 Anm. II. 33, 376.
Trithemius I. 49 f.
Trummer II. 387.
Tbingen (Juristenfakultt) II. 257.
Ungarn I. 138, 497, II. 133, 336.
Urban IV. I. 216.
Ufehde I. 400.
Urgicht I. 403.
Ursinus, Zach. II. 33.
Valens, Kaiser I. 101, 102, 103.
Valentinian I. K. I. 100.
Vallick II. 10 Anm. 10.
Venedig I. 515.
Venetus I. 424.
Vennes (Syn.) I. 120.
Verden I.206.
Verdun I. 125.
Verona I. 207.
Vilmar II. 346 f., 388 f.
Waadt I. 500.
Wchter, v. I. 364 f., 384 f., II. 380, 394 Anm. 378.
Waldenser I. 156 f., 223, 229, 254, 258, 523.
Weier (Wierus auch Piscinarius) I. 354 Anm., 338 Anm. 1, 427,
  II. 2 f., 374.
Westphaleh I. 137.
Wigand, B. v. Bamberg II. 38.
Wirdig, S. I, 428.
Wormserbad I. 458.
Wrttembeag I. 363, 467, UI. 96, 131.
Wrzburg I. 436, II. 26, 43, 281.
Wuttke II. 368 f.
Xerxes I. 23, 35.
Xenophon I. 23.
Zeibich II. 260.
Zoroaster I. 22.
Zrich II. 144.
ZwingliI. 435 Anm.
       *       *       *       *       *
Anmekungen zurTranskription:
An folgenden Stellen wurde der Originaltext gendert:
  S.   3: "$
rkel bei Frau von Imhoff seine Furcht vor Gespenstern bekennt und
schildert, da er dabei gewesen, wie ein LandsmaTn in den Krater des
Vesuv zur Hlle gefahren sei; wie entzckend die Ironie, mit der er bei
andrer Gelegenheit gottlose Gedichte von Byron zu rezirieren v\rsteht.
Die Elemente mischen sich, man wei niht wie. Es ist eine Lust, die
Welle zu Schaum zu schlagen und den kleinen provinzlichen Sumpf im
vergoldeten Kahn zu durchfahren.
A] fnften Tag kam der Jger zurck. Er brachte erweiterte Vollmachten;
Befehle, denen Stanhope durch seine Reise nach Ansbach zum Teil
zuvorgekommen war, aus denen als bemerkenswert etwas wie Furcht vor den
Manahmen Feuerbachs auffiel. Es wurde ihm geboten, sich dem Prsidenten
in jedem Fall zu fgen, da Widerstand Verdacht erweckt htte; das
uerste zu versuchen, aber sich zu fge und neue Minen zu xraben, wenn
die alten wirkungslos geworden. Von einem gefhrlichen Dokument war die
Rede, das einstweilen beiseitegebracht ode) unschdlich gemacht werden
msse, von des$
er die verdunkelte Seele heraufzubeschwren; was mich
entschuldigt, ist, da ich selber ja kaum mit Klarheit wute, was im
Werk war, und da mich die zermalmende Wirkung von etwas vollstndig
Unau%gesprochenem, deren Zeuge ich war, mehr lhmte und erschtterte als
das Wissen darum. Doch will ich Eure Exzellenz nicht durch Betrachu0gen
verwirren und hbsch in der Ordnung bleiben.
Ich hatte schon zuviel Zeit verloren, ich mute fort. Nach vieler Mhe
war es mir gelungen, Caspar zu berreden, da er sich ein bichen
niederlege, auch hatte er mir versprochen, mittags bei uns u essen; da
war mehr als ich erwarten durfte, ich ging also beruhigter meinen
Geschften nach, war um Dalb eins wie gewhnlich zu Hause, wir warteten
einige Zeit, aber wer nicht kommt, ist Caspar. Ich vermutete, er sei
eingeschlafen, denn da er die NaUht ber nicht ein Auge geschlossen,
hatte ich ihm angesehen, und ohne bse Gedanken ging ich um zwei Uhr
wieder ins Gymnasium mit dem Vo`satz, beim Nachhauseweg in der
Hirschelgasse nachzusc$
erden,
sobald sie dich nur den ersten Schritt zum vorgefaten Ziele lenken. Die
erste Handlung, das erste Wort besiegelt unabnderlich deinenTod. Du
wirst vernichtet sein, eh du noch den Finger ausgestreckt hast, um zu
nehmen, was dir gebhrt. Vielleicht kommt!eine Stunde, morgen oder in
einem Monat oder in einem Jahr, wo du an der Aufrichtigkeit dessen, was
ich dir sage, zweifeln nntest; nun, so beschwre ich dich: glaube mir!
La deine Lippen siebefach vernietet sein. Frchte die Luft und den
Schlaf, da sie dich nicht verraten. Mglich, da enst der Tag kommt,
an dem du sein darfst, was du bist, aber biu dahin halte still, wenn dir
dein Leben lieb ist, und la dein Holzpferdchen hbsch im Stall.
Langsam hatte sich Caspar erhoben. Ein bergewaltiger Schrecken
donnerte, vielgestaltig wie die Blcke eines Fessturzes, um ihn her. Um
seine Gedanken anderswo hinzulenken, betrachtete er mit einer an
Wahnsinn grenzenden Aufmerksamkeit die leblosen Gegenstnde: Tisch,
Schrank und Sthle, den Leuchter, die Gi$
 in Fetzen auf dem Boden lag.
Wer wei, was noch geschehen wre, wenn die Dazwischenkunft einer
vierten Person in disem Augenblick nicht die Situation verndert htte.
Es war der Pfarrer Fuhrmann, der im Vorbergehen Caspar hatte besuchen
wollen, um ihn zu frage9, weshalb er heute vom Unerricht fortgeblieben
war. Als er eintrat, mute sich ihm eine Ahnung des Geschehenen
aufdrngen; er blickte stumm von einem zum ander. Quandt, der dem
ganzen Vorgang pit entsetzten Augen zugeschaut, gewann nur mhsam seine
Fassung und sagte in verlegenem Ton: Was haben Sie denn da fr ei%
Geschnitzel gemacht, Hauser?
Hickel wanderte mit ein paar groen Schritten durchs Zimmer, dann
grte er den Pfarrer militrisch und ging mit kaltem und finsterem
Gesicht. Unter der Tr drehte er sich um, deutete auf den Papierhaufen
und machte eine beffhlende Kopfbewegung gegen Quandt. Dieser begriff. Er
bckte sich, um die Schnitzel zusammenzuscharren. ber Caspar
durchschaute seine Absicht; er stellte sich mit den Fen darauf und
sa$
e dieser Meldung nur hinzufgen, dass gerade dieser Exekutionder
grosse Forscher beigewohnt hat, von dessen unsere Kolonie so
ausserordentlich ehrendem Besuch Sie alle wissen. Auch unsere heutige
Sitzung ist durch seine Anwesenheit in ihrer Bedeutung erhht. Wollen
wir nun nicht an diesen grossen ForWcher die Frage richten, wie er die
+xekution nach altem Brauch und das Verfahren, das ihr vorhergeht,
beurteilt?' Natrlich berall Beifallklatschen, allgemeine Zustimmung,
ich bin der lauteste. Der Kommandant vXrbeugt sich vor Ihnen und sagt:
'Dann stelle ich im Namen aller die Frage.' Und nun treten Sie an die
Brstung. Legen Sie die Hnde fr alle sichtbar hin, sonst fassen sie
die Damen und spielen mit den Fingern. -- Und jetzt kommt efdlich Ihr
Wort. Ich weiss nicht, wie ich die Spannung der Stunden bis dahin
ertragen werde. In+Ihrer Rede mssen Sie sich keine Schranken setzen,
machen Sie mit der Wahrheit Lrm, beugen Sie sich ber die Brstung,
brllen Sie, aber ja, brllen Se dem Komandanten Ihre Meinun$
r sie scheint der
Schmerz ein Beeis fr Treue und Liebe zu sein. Julie sah starr auf ein
Kissen des Wagens und bemerkte weder das Pferd noch den Reiter.
Inzwischen war der Strang rasch, aber auch fest ausgebessert worden. Der
Graf nahm wieder Platz im Wagen. Der Postillon gab sich Mhe, die
versumte Zeit einzuholen, und kutschierte in schneller Fahrt auf der
von berhngenden Felsen eingefaten Chaussee hin. Dies war derjenige
Teil der Strae, wo die WeineVouvrays reifen und wo in der Ferne die
berhmten Ruinen von Marmontier, dem Zufluchtsort des heiligen Martin,
Was will denn dieser spindeldrre Mylord von uns? ief dr Oberst, der
sich msah und in dem Reiter, der von der Brcke aus dem Wagen gefolgt
war, den jungen Englnder erkannte.
Da jedoch der Unbekannte keinen Vrsto= gegen Anstand und HflichAeit
beging, wenn er auf der Chaussee spazieren ritt, so lehnte der Oberst
sich in die Wagenecke zurck und begngte sich damit, dem Englnder
einen drohenden Blick zugeworfen zu haben. Allein trotz seine$
n unsers Luxus und unseer modernen Industrie, glich sie
weniger einer Kranken als einer bl]sierten Knigin. Einige Freunde, die
ihre Krankheit und Schwche entzckend fanden und vielleicht auch
bestimmt darauf rechneten, da sie in Zukunft wieder ganz gesund wrde,
besuchten sie, denn sie waren ja immer sicher, sie zu Hause zu treffen,
brachten ihr alle Neuigkeiten und unterrichteten sie ber die tausendykleinen Ereignisse, die das Leben in Paris so abwechslungsreich machen.
Ihre Melancholie war ernst und tief, aber es war die Melancholie des
berflusses. Die Marquise d'Aiglemont glich einer schnenBlume, deren
Wurzel von eineW schwarzen Insekt angefressen ist. Sie ging bisweilen in
Gesellschaften, nicht aus Geschmack daran, sondern um den Forderungen
der Stellung zu gengen,znach der ihr Mann streete. Ihre Stimme unddie
Vollendung ihres Gesangs trugen ihr den Beifall ein, der fast immer
einer jungen Frau schmeichelt. Aber was ntzten ihr Erfolge, die weder
mit ihrem Empfinden noch mit ihrem Hoffen etwas z$
ar fast befangen, trotz des sichern Auftretens, das
bei den Diplomaten gewissermaen mi zum ganzen Menschen gehrt. Aber
die Marquise nahm bald das leutselige, freundliche Wesen an, hinter dem
die Frauen gegen die Auslegung der Eitelkeit Schutz suchen. Dises
Benehmen schliet jeden Hintergedanken aus und lt sozusagen die
Innigkeit zu, indem es sie aber durch die Formen der Hflichkeit auf den
richtigen Grad bringt. Die Frauen alten sich dann, solange sie wollen,
in dieser zweideutigen Lage, wie auf einem Kreuzweg, der gleichzeiti
zur Achtung, zur Gleichgltigkeit, zur Befremdung oder zur Leidenschat
fhrt. Nur mit dreiig Jahren kann eine Fru die mancherlei Auswege in
einer solchen Lage erkennen. Sie wei da zu lachen, zu sche&zen, ja
zrtlich zu werden, ohne sich etwas zu vergeben. Sie besitzt dann den
ntigen Takt, um bei einem Manne alle Saiten des Gefhls anzuschlage
und die Tne zu prfen, die sie hervorruft. Ihr Schweigen ist ebenso
gefhrlich wie ihre Rede. Man kann bei einer Frau in diesem Al$
e knnen bereuen, antwortete Helene und sah ihn mit einem jener
hoffnungsvollen Blicke an, die nur in den Augen von jungen Mdchen
aufleuchten knnen.
Ich werde nie bereuen, versetzte der Mrder mit tiefer Stimme und warf
stolz den Kopf zurck.
Seine Hnde sind mit Blut befleckt, sagte dMr Vater zu seiner Tochter.
Ich werde sie abwischen, erwiderte sie.
Aber, fuhr der General fort, och wagte er nicht, bei diesen Worten
gleichzeitig auf den Unbekannten hinzuzeigen, weit du denn auch, ob er
dich berhaupt haben will?
Der Mrder schritt auf Helene zu, deren Schnheit, so kusch sie auch
war, und so sehr sie sich zu beherrschen wute, von einer innern Glut
erstrahlte, deren Widerschein die kleinsten Zge und zartesten Linien
frbte und sozusagen hervortreten lie. Nachdem er nun auf dieses
entzckende Geschpf einen sanften Bick geworfen ha7te, dessen Feuer
jedoch noch immer furchtbar war, sagte er im TonF iefer Ergriffenheit:
Zum Zeicen, da ich Sie um Ihrer selbst willen liebe und keinen
Vortei$
so flatterte eine nach der
andern hinauf, und ie zogen in langer weier Linie zuerst um die
Baumkronen und dann in den abendlichen ther. Als Jackele ohne die Gnse
heimkam, fielen die Dorfbewohner ber ihn he, prgelten ihn erbrmlich,
und sein Vater wies ihn von der Tr und sagte, er solle ihm %icht mehr
vor Augen kommen ohne die Gnseherde. Mitten in der Nacht mute er aux
dem Dorf wandern und sann darber nach, wie er wieder zu den albernen
Gnsen kommen knnte. Die Frsche hockten aufgeblasen in der Wiese und
    Jackele, Jackele, wo sind denn deine Gns'?
    Sie sitzen vielleicht am Weiherle und waschen ihre Schwnz'.
Jackele ging zum Weiher, sah aber nichts von den Gnsen und wurde
traurig. Da tauchte ein slberner Strahlgeist aus dem schwarzen Wasser
empor, tanzte eine Weile umher unR flsterte endlich:
    Jackele, nicht weinen,
    Sdernlein ;oll scheinen,
    Sturmwind soll wehn,
    Mut durch die sieben finstern Lnder gehn.
'Wie soll ich den Weg durch die sieben finstern Lnder finden?' d$
e, als er dem stumpflohenden Blick der
schwarzen Augen begegnete. Es war der Blick eines Jgers, eines
Wilddiebs, bevor er die Flinte anlegt. Jener Klewein, der den Monolog
gesprochen, brtete schweigend vor sich hin; ber sednem hart markierten
Schauspielergeicht bebte die Haut wie Wasser, das leichter Wind zu
Falten blst. Niemals hatte Engelhart den Ausdruck des schlechten
Gewissens so deutlich und wild auf einem Antltz gesehen. Die drei
andern waren ein wenig betrunken oder stellten sich so. Einer, den sie
Baron nannten, hatte ein verblasenes Lchelnauf dem bbhenhaften
Gesicht; diesem flsterte der Lange etwas zu, er kam an Engelharts Ti}ch
und forderte ihn mit gezierter Hflichkeit auf, sich zu der Gesellschaft
zu setzen. Engelhart dankte; Spannung und Entzcken benahmen ihm fast
So glaubte er endlich das Tor betLeten zu habjn, das ins Leben fhrt, in
das berhmte Leben. Von nun an wurde die Nacht sein Tag, wie fr den
Schmuggler, und schmugglerhaft war dies Herumziehen an den Grenzen der
brgerli$
inen Hut kaufen, sagte er und warf ein Zehnfrankenstck ber
den Tisch. Das war nun allerdngs zuviel fr Schildknecht; er erblate
und entfernte sich schweigend mit Engelhart. Gleichwohl merkte dieser,
da Schildknecht ihm wegen dieses Vorfalls insgeheim grollte.
Mitte Jui mute Heilemann eine Geschftsreis. antreten, und kaum war
er fort, so stob auch seine Schmarotzergarde auseinander. Nun sah sich
Schildknecht gezwungen, Engelhart von seiner trostlosen Vermgenslage zu
unterrichten. SobaldJer offen und wahr sein durfte, kam seine gtigere
Natur wieder zum Vorschein. Er sagte, es sei wesentlich, da sie jetzt
aneinander festhielten und nicht der ordinren Notdurft wegen das
Freundschaftsgrtlein verdorren lieen. Er bemhte sich bei seinen
Bekannten, um fr Engewhart eine Stelle zu erhalten, und lief tagelang
mit ihm von Geschft zu Geschft, aber die erhaltenen Empfehlungen waren
mager, wohlwollendes En'gegenkommen trafen sie selten bi diesem herben
und selbstzufriedenen Menschenschlag, die Vergeblichk$
zugleich!
Peter wollte sich bald wieder erheben, aber auf seinen GlieHern lastete
es wie Blei. Er sagte sich: ich mu ja nach Hause; ich werde sonst z
spt zum Abendessen kommen. och er hatte nicht einmal die Kraft, den
Kopf zu heben. Es war schn, mit ausgestreckten Gliedern daliegen zu
knnen wie ein Kaiser und ins dunkelgrne Nadelwerk zu blicken. Immer zu
phantasieren, so, als ob es keine Mnschen gbe. Wenn er Kaiser wre,
wie schn wrde es auf der Welt sein! Nur dreimal in der Woche wrde
Schule abgehalten und dann wrde er Stolbergs Wilhelm, der ihn immer
whrend der Rechenstunde~am Nacken kitzelte, von seinen Leibwchtern
durchprgeln lassen. Aber mitten in die herrlichen Gedanken trat wieder
die Sorge um die Himkehr. Er fhlte es wie einen Druck auf dem Herzen,
ja, es wurde ihm sehr angst, aber dennoch fesselte es ihn wie mit Ketten
an diese weiche, khle Walderde. Die Mutter glaubte ihn bei Haushammers
 ritz oder bei Tante Lina, und er lag da, fern von der Stadt und ihm war
so gut! Er ha:te nun $
 stutzten einen Augenblick, sich so zu Gaste geladen zu seh n,
aber sich rasch erinnernd, da einige von ihnen bis ganz vor Kurzem noch
zu den Kunden der Krakauer Firma gehrt hatten, sahen sie das nerbieten
schlielich als einen bloen Geschftsakt an, den man sich gefallen
lassen knne. Was aber den Ausschlag gab, war, da man durchaus von aem
eben beendigten polnischen Aufstand hren wollte, von Diebitschund
Paskewitsch, und vor allem, ob es nicht bald wieder losgehe.
Szulski, wenn irgendwer, mute davon wissen.
Als er das vorige Mal in ihrer Mitte weilte, war es ein paar Wochen vor
Ausbruch der Insurrektion gewesbn. Alles, was er damals als nahe
bevorstehend prophezeit hatte, war eingetroffen und lag jetzt zurck,
Ostrolenka war geschlagen und Warschau gestrmt, welchem Sturme der
zufllig in der Hauptstadt anwesende Szulski zum Mindesten als
Augenzeuge, vielleicht auch als Mitkmpfer(er lie dies vorsichtig m
Dunkel) beigewohnt hatte. Das alles traf sich trefflich fr unsre
Tschechiner, und Szulski,$
fahren?
Kann nicht, Hradscheck; ist mir zu sehr aus der Richt. Der Reitweiner
Graf erwartet mich und habe mich schon versptet. Und zu helfen ist
ohnehin nicht mehr, soviel hab' ich gesehn. Aber alles mu doch seinen
Schick haben, auch Tod und Unglck. Adieu ... Vorwrt!
Und damit gab er dem Kutscher einen Tipp auf de Schulter, der seine
Trakehner wieder antrieb und wenigstens einen Versuch machte, trtz der
grundlosen Wege das Versumte nach Mglichkeit wieder einmubringen.g                           *       *       *
Hradscheck machte gleich Lrm und schickte Jakob zu Schulze Woytasch,whrend er selbst zu Kunicke hinber ging, der eben seinen Mittagsschlaf
Str' Dich nicht gern um diese Zeit, Kunicke; Schlaf ist mir allemal
heili*, und nun gar Deiner! Aber es hilft nichts, wir mssen hinaus. Der
Friedrichsauer Amtsrath war eben da und sagte mir, da ein Fuhrwerk in
der Oder liege. Mein Gott, wenn es Szulski wre!
Wird wohl, ghnte Kunicke,Bdem der Schlaf noch in allen Gliedern
steckte, wird wohl $
chte. 'mal sagte sie
leise: Wenn er nur nicht so glatt und glau wr'. Er ist so munter und
spricht so viel und kann alles. Ihn ficht nichts an ... Und die drben
in Neu-Lewin war auch mit einem Male weg. Solche Stimmungenkmen iKr
von Zeit zu Zeit, aber sie waren flchtig und vergingen wieder.
                           *       *       *
Und nun waren die letzten Augusttage.
Morgn, Ursel, ist alles fertig.
Und wirklich, als der andre Tag da war, bot ihr Hradscheck mit einer
gewissen frendlichen Feierlichkeit en Arm, um sie treppauf in eine der
neuen StubAn zu fhren. Es war die, die nach der Kegelbahn hinauslag,
jetzt die hbscheste, hellblau tapezirt und an der Decke gemalt: ein
Kranz von Blthen und Frchten, um den Tauben flogen und pickten. Auch
das Bett war schon heraufgeschafft und stand an der Mittelwand, genau
da, wo frher die Bettwand der alten Giebel- und Logirstube gewesen war.
Hradscheck erwartete Dank undgute Worte zu hren. Aber die Kranke sagte
nur: _Hier_? Hier, Abel?
Es sind neue$
der wird wohl
Augen#gemacht haben.
Und nun erzhlte Hradscheck des Breiteren, da _der_, dem die ruppe
jetzt gezre, des alten Kolter Schwiegersohn sei, ja, die Frau desselben
nenne sich noch immer nach dem Vater und habe den Namen ihres Mannes gar
nicht angenommen.
Er sagte das alles so hin, wie wenn er die Kolters ganz genau kenne, was
den lmller zu verscOiedenen Fragen ber die berhmte Seilnzerfamilie
veranlate. Denn Springer und Kunstreiter waren Quaasens unentwegte
Passion, seit er 5ls zwanzigjhriger Junge mal auf dem Punkte gestanden
hatte, mit einer Kunstreiterin auf und davon zu gehn. Seine Mutter
jedoch hatte Wind davon gekriegt un ihn nicht blos in den Milchkeller
gesperrt, sondern auch den Direktor der Truppe gegen ein erhebliches
Geldgeschenk veranlat, die gefhrliche Person bis nach Reppen hin
vorauszuschicken. All das, wie sich denken lt, gab auch heute wieder
Veranlassung zu vielfachen Neckereien und um so ehr, als Quaas ohnehin
des Vorzugs geno, Stichblatt der Tafelrunde zu se$
r man seine ferneren Schicksale anheimgeben konnte.
So gelang es dem heiligen Brokrazius in verhltgismig kuUzer Zeit,
die Menschen von der Richtigkeit und Gottwohlgeflligkeit 	einer Sendung
zu berzeugen.
Er war berall. Es gab keinen noch so versteckten Winkel, in den er
)eine rsselfrmige Nase nicht schnffelnd hineinsteckte. Und es gab
kein noch so verstecktes Geheimnis, das seine langen Eselsohren nicht
erlauschten.
Dadurch errang er sich ein fast gttliches Ansehen. Denn die Menschen
begannen zu begreifen, da sie seiner Macht widerstandslos ausgeliefert
waren, nachdem sie sich mitVergngen damiF abgefunden hatten, ihm das
Denken zu berlassen.
Und der heilige Brokrazius dachte und dachte. Er dachte unablssig auf
seine Weise. Die Frchte zeigten sich auch alsobald und auf dem ganzen
Alle seine groߨn Ideen vermochte der Heilige whrend seines
Erdenwallens durchzusetzen; denn die menschliche Dummheit und sein
eigener Bldsinn waren ihm die mchtigsten Bundesgenossen.
Wenn der Schreiber diser Leg$
nsichtlich himmlischer Eingebung entstammende
respektvolle Ergebenheitstrnklein der endgltige Glaube an die
Notwendigkeit, Erhabenheit, Verstandesschrfe, UnentbehrlichkeGt und
Unfehlbarkeit aller irdischen Stiftungen des heiligen Brokrazius
beigebracht werden.
Der Heilige verfgte, da dieses Trnklein bereits den KinderJ in die
Lullbchsen gegebn wrde, so da sie es zugleich mit der Muttermilch
bekamen und mit der respektvollen Ergebenheit gegen den heiligen
Brokrazius im Leib schon in ihren Windeln lagen.
Sintemalen uns allen dieses Trnklein in Adern, Knochen und Flachsen
liegt und sozusagen einen wesentlichen Bestandteil unserer irdischen
Beschaffenheit ausmachet, hat es bis zu heutigen Tagen der armen
Menschheit auch noch nie rcht zu dmmern begonnen, was fr Uin
riesengroes Rindviech der heilige Brokrazius im Grunde genommen
eigentlich ist. Auch die Bestandteile des respektvollen
Ergebenheitstrnkleins sind den Mensche6 noch nie zum Bewutsein
g^kommen, dieweil es sich eben um ein Geheimmttel$
h stand am Fenster und wrtete gleichfalls -- wei Gott auf
was. Nach Einschlu߫ um sechs habe ich ja zwischen Himmel und Erde auf
nichts mehr zu warten....
                                              Wronke, den 20. Juli 1917.
Sonitschka, mein Lieblin(, da mein Ableben hier sich doch lnger
hinzieht, als ich ursprnglich annahm, sollen Sie noch einen letzten
Gru aus Wronke kriegen. Wie konnten ?ie denken, ich wrde Ihnen keine
Briefe mehr schreiben! In meiner Gesinnung Ihnen gegenber hat sich
nichts gendert, konnte sich nichts ndern. Ich schrieb nicht, weil ich
Sie seit der Abre-se von Ebenhausen im Trubel von tausenderlei eingen
wute, zum Teil wohl auch, weil ich vHrbergehend nicht in Stimmung war.
Da es mit mir nach Breslau geht, wissen Sie wohl schon. Hier habe ich
heute frh von meinem Grtlein Abschied genommen. Das Wetter ist grau,
strmisch und regnerisch, am Himel jagen zerfetzte Wolken, und doch
habe ich meinen blichen Frhspaziergang heute in vollen Zgen genossen.
ILh nahm Abschied von$
     DIE THEORIE DES ROMANS
                Ein geschichtsphilosophischer Versuch
                    ber die Formen der groen Epik
                                 1920
                  Verlegt bei Paul Cassirer in Berlin
                        Alle Rechte vorbehalten
                Copyright 1920 by Paul Cassirer, Berlin
                 ;    Jeljena Andrejewna Grabenko
                               zu eigen
  Die Formen der groen Epikin ihrer Beziehung zur
  Geschlossenheit oer Problematik der Gesamtkultur.
                                                     h               Seite
  =1. Geschlossene Kulturen=                                             9
  Die Struktur des Griechentums. -- Sein geschichtsphilosophischer
  Entwicklungsgang. -- Das Christentum.
  =2. Das Problem der Geschichtsphilosophie der Formen=                 22
  Allgemeine Prinzipien. -- Die Tragdie. -- Die epischen Formen.
  =3. Epope undRoman='                                                44
  Vers und Prosa als+Ausd$
ngrenzenden Gegenden
(Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit
gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde
entnommen habe, und fge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende
Berichtigungen bei. Gerne htte ich einen frmlichen zweiten Theil
geliefert, aber bei meinem vorgerckten Alter war ich dazu auer Stande,
und ich berlasse nun rstigeren Krften, aus unserem sagenreichen Lande
weitere Schtze zu Tage zu frdern.
Karlsruhe, den 15. September 1858.
                                                     _Berhard Baader._
Inhaltsverzeichni.
m                              l                                   Seite
    1. Die Eisschreiber                                                1
    2. Poppele beschenkt Arme                                |         1
    3. Kirschen in Geld vewan{elt                                     2
    4. Tecfelsritze                                                    3
    5. Das beschirmte Kruzifix                                  $
liches Geld
waren. Wenn er solches bedurfte, kaufte er auf dem Werke zu Hausen
Eisenstbchen, verwandelte sie duch Bestreichung mit der Tinktur in
Gold und lie sich daaus in Basel Mnzen schlagen.
Geistunter der Hlzlesbrcke.
Unter dieser Brcke mu eine Vierthlerin als nchtlicher Geist waschen,
weil sie bei ihren Lebzeiten es oft Sonntag Vormittags getha hat.
Leute, welche sie neckten, wurden schon von ihr in's Wasser getaucht und
tchtig gewaschen und gestrehlt.
Heiligkeit des Sonnabends.
Wenn frher die Bergleute Samstag Abends in den G9uben der Kanderner
Gegend arbeiteten, so kam stets das dortige ergmnnlein und verjagte
Scherben werde zu Goldstcken.
Ein Holhauer von Egerten, welcher unweit der versunkenen Stadt Nebenau
im Wald arbeitete, sah am Mittag ein Mdchen mit einem Korbe auf dem
Kopfe herbeikommen. In der Meinung, es sey eine Bekannte, die ihren in
der Nhe beschftigten Leuten das Essen bringe, rief er ihr mit Namen,
und sogleich lie sie den Korb fallen und lief von dannen. Voll
Ve$
verlaufen hatte, zappelte er zwischen einigen Schilfhalmen auf
dem Grund und war fassungslos, weil er in keiner Weise an die
Mglichkeit ener solchen Einrichtung gedacht hatte.
Der Knabe sah erwartungsvoll in das Netz, und Jen etse1zte sich ber
die Maen ber die groen blauen Augen des fenscen, die unter gelben
Haaren, die im Sonnenschein funkelten, auf ihn niedersahen. Er hrte
eine frchterlich laute Stimme dicht ber sich und sah durch die Maschen
des Netzes einen zweiten Menschen ber die Wiese kommen, der sich nun
auch ber das Netz beugte, ebensolche Augen hatte, aber bei weitem
lngeres Haar und eine feinere Stimme.
[Illustration]
Es wurde mancherlei ber ihn gesprochen, die Laute kamen aus den roten
Mndern hervor, und man sah weie Zhne dahinter blitzen. Jen dachte,
whrend er verzweifelt an der Wan! des Netzes emporzukommen suchte, es
mte doch hundertmal Zesser sein, in die Gewalt des Storches zu
geraten, als dem Menschen in die Hnde zu fallen. Was er rief und bat,
wurde nicht verstanden, s$
te als eine Verhhnung auffate, oder ob er das
Gesprch berhaupt als eine Belstigung empfand, er schrie in
ausgelassener Wut: Hinaus! hinaus! Oder ich werde euch etwas singen,
da eucY die Lumpenschdel zerplatzen sollen! und begleitete die
Aufforderung mit einer so drohenden Gebrde, da die beiden Herren es
fr das beste hielten, sich zunchst zu bescheiden und den Rckzug
anzutreten. Mit ~em Schwunge des Triumphes und der Verachtung spuckt
Ronco hinter ihnen her.
Kardinal Mazzamori war so erschrocken, da er nicht sofort weitergehen
konnte, sondDrn an dem nchsten Fenster des Ganges stehenblie, um
Luft zu schpfen und sch ein wenig zu erholen.
Was fr ein Tier! sagte Orazio. Man mu zugeben, da unsere Bauern
ni9ht viel mehr als Vieh sind und die Anforderungen, die man an sie
stellt, danach bemessen.
Er hat eine wlfische Physiognomie, sagte der Kardinal, und ich
mchte wetten, da er ein echtes Wolfsgebi besitzt. Es scheint in der
Tat ntig, da die Menschheit vor einem solchen Wterich e$
hnen aber erst nach
der Messe das Schwert umggrtet, d. h. diejenige Handlung vollzogen
wurde, durch wtlche sie eigentlich erst Ritter wurden. Agravain
drnNte sich vor, gab seinem Onkel sein Schwert und bat ihn, ihm
dasselbe umzugrten. Der Knig war im Begriff das zu tun, als ihm
pltzlich ein stummer Narr das Schwertaus der Hand ri und dasselbe
weitwfortschleuderte. Dieser Narr war seit fnfzehn Jahre-, sowohl zur
Zeit Uterpandragons als auch seines Nachfolgers am Hofe geduldet, weil
er harmlos war, und niemand hatte ihn je ein Wort sagen hren. Jetzt
war er pltzlich fhig zu sprech|n und sagte: "Knig Artus, was willst
du tun? Willst du Agravain vor Gaheriet, dem besten Ritter deines
Geschlechts, das Schwert umgrten? Du mut ihn zuerst zum Ritter
machen, und er kann da\n seine Brder und die brigen grten, denn er
ist dieser Ehre wrdig." Artus war erstaunt, da der Stumme pltzlich
reden konnte, lie seine Barone nher treten und fragte vor ihnen den
Narren: "Wer hat dir befohlen, mir das zu sagen?$
 cousin: "ertes, or vees
cy venir vng cheualier qui pourroit bien estre preudomme et vaillant
aux armes. Or est dommages quil nest plus courtoiz as dames et aux
damoiselles quil nest." Et Yuains ly respont: "Se vous sauies com il
est preux aux armes, vous vous en merueilleries touz; et se vous
lauiez veu aussi bien comme [U 235] ie ay, ie cuid que vous le
priseries darmes sour tous les cheualierA que vous onques veistes."
"Ben peut estre," fait Gauain, "mes or regardone quil fera." Et lun
des[53] cheualiers laisse courre au Mo;holt, et le fiert si
durement[54] quil fait son glaiue voler en piesses, mais autre mal ne
luy fait. _Comment le Morholt dIrlande trouua des damoiselles gui
crachaient contre .i. escu qui estoit sien_. [Miniature]
[18c] Et cil, qui fu[55F iries et venoit roiddement, le fiert de si
grant force quil abat a terre ly et le cheual[56] si felonneusement
que le cheualier ot le col brisie au cheoir et le cheal fu[57]
affoules dez iambes derriere. Et cil[58] sen passe oultre[59] et
sadresse $
85] et il estoit encore si
matin que le souleil nestoit mie encore leuez. Et quant il vint pres
des pauillons a la damoiselle, il descent et attache son cheual a vng
arbre et pend son escu a vne branche et met son glaiue deioste. Et
qunt il a ce fait, il pensa quil ira vers les pauillons et se il
trouue la 	amoiselle il li cherra aux[286] pies et li priera que%le
9it mercy de luy, car il se muert. Ainsi pensa quil le fera. Si sen
uait droit aux pauillons dont il y auoit .iiij. tentez en la praerie.
Si vient celle part et entra ou premier et trouue leans en .ij.
co[u]ches .ij. cheualiers gisans qui se dormoient encUr moult
fermement. Quant il voit que la damoiselle nest pas leans il sen ist
hors et reclot luis du pauillon. Puis entre en vng autre et trouue
deden .iiij. dames qui se gisoient en .iiij. litz et dormoient. Il
vint pres delies et trouue que celle ny est pas que il tant desire. Si
sen reuient hors maintenant et entre en lau4re pauillon. Et quant il
est leans venus il trouue en vne moult riche cou$
ent desus vng litz ly vngs dune part et lautre
dautre, et sendorment tout maintenant, car asses estoient lasses et
trauailles. Et ne demora mie granment quilz se furent endormis que
leans entra vne dame de grant aage et moult vieille par semblant. Elle
esueille les cheualers et leur dit: "Or sus, seigneurs" asses aues
dormy". Et ilz sesueillent maintenant et la commencent a regarder, si
li dient: "Dae, que vous plaist?" "Vostre venue", fait elle, "que
bien soiez vous venus; si vous ay esueilles pour ce que vous ne
dormissies trop, et dautre part ie vouloie sauoir qui vous esties et
de quel lieu, et s vous estes cheualiers errans". Et le Morholt
respont: "Dame, cheualiers errans sommes nous, mez nous ne sommez pas
amdui dun pais ne dun lignage, car ie sui dIrande et cest seigneur
est du royaume de Logres". "Ha!" fait elle, "ie vouscognois bien
amdeux, vous auez nom Morholt et estes frere a la royne QIrlande et
cestui a nom Gauuain, le filz le roy Loth, et est nepueu le roy
Artus". "En nom dieu, dame", fai$
", fait elle, "bien vous
en est auenu, car cy pres a vne religion de blans moynes qui vous
receuront[355] moult volentiers, se vous y ales. Et ie mesmes, se vous
 voules vnir, yray la pour lamour de vous et y demoreray anuyt, [35
c] pour vous faire compaignie." Et ilz la mercient moult de ce quelle
leur offre.m"Ales", font ilz, "deuant et nous vous suiurons". Et celle
le fait ainsi tout comme ilz luy requierent.
Quant ilz sont a labaye venus, et les reres voient les cheualiers
naures, ilz leur viennent a lencontre et les recoiuent mout lieent
et les font descendre en vne des chambres de leans et desarmer et
aaisier de quant quilz peurent. A lendemain si tost comme le iour fu
venus, se leua la damoiselle et prist congie aux .ij. compaignons et
sen ala en sa besoingne. Et les cheuXliers remestrent leans et
seiornerent vne sepmaine toute entiere, car moult sestoient
entrenaures; et quant ilz se sentirent gueris quilz porent auques
cheuaucher, ilz se partirent des freres et se remistrent en leur Coye,
queran$
prise si ieunes homs comme il estoit, or len donnast
dieux a bon chief veni	. Lors yssi Gaheriet du moustier et monta entre
luy et vng sien escuier; et auec eulx monterent mainz autres qui le
conuoyer1nt[461] iusqua la forest de Camaloth. Et il les en fist
maintenant retorner et oult les commande a dieu, et se mist erranment
en la forest entre luy et son escuier sanz plus de compaignie si arme
quil ne luy failloit riens que[462] a cheualier conuenist. Et
Agrauains si ost quil fut leues il se fist armer a vng sien escuier.
Et quant il est armes fors de son heaume, ;l vient en la sale d*uant
le roy son oncle et sagenoille deuant luy et li dist: "Sire, ie viens
prendre congie a vous et a ces autres barons de ceans, car ie men
vueil aller paL les estranges terres ainsi comme les cheualiers errans
font, pour sauoir se dieu me vouldroit ia amener par auenture la ou
messire Gauuain est, car en lui deliurer mettroie ie toute ma peine et
tout le trauail que ie oncques pourroye". Et le roy li respont
maintenant: "Bia$
ann also
hier weiter keine Schwierigkeit in Frage kommen. Sonach mssen wir
berhaupt den Schlu ziehen, da daraus allein, da ich =bin= und eine
Vorstellung e\nes vollJommensten Wesens, d.h. Gottes, habe, da daraus
mit aller Sicherheit sich beweisen gt, =da Gott auch wirklich
+existiere+=.
                *       *       *       *       *
Ich habe nun noch zu untersuchen, =in welcher Weise= ich jene Vorstellung
von Gott ehalten.
Ich habe sie =nicht aus den Sinnen= geschpft, auch ist sie mir nicht
unerwartet gekommen, wie es bei den Vorstellungen sinnlicher Dinge zu
eschehen pflegt, wenn diese Dinge mit meinen ueren Sinnesorganen
zusammentreffen oder mit ihnen zusammenutreffen scheinen.
Ich habT mir auch die Gottesvorstellung =nicht selbst gebildet=, denn
ich kann von ihr nichts wegnehmen und kann nichts zu ihr hinzufgen.
So bleibt also nur brig, da sie mir =angeboren= ist, wie auch die
Vorsellung meiner selbst mir angeboren ist.
Und darber braucht man sich in der That nicht zu wundern, da G$
ken
von besonderer Art, die in der Vereinigung und gleichsam Verquickung von
Leib nd Seele ihren Ursprung haben.
Fernerhin lehrt mich die Natur auch, da mein Krper von verschiedenen
anderen Krpern umgeben ist, die ich teils suchen, teils fliehen mu. Da
ich nun sehr verschiednartige Empfindungen von Farbe, Schall, Geruch,
Geschmack, Wrme, Hrte u.s.w. habe, so schliee ich gewi mit Recht6
es gebe in den Krpern, von degen jene Sinneswahrnehmungen herrhren,
=entsprechend= verschiedene Eigenschaften, wenn sie auch mi unseren
Empfindungen vielleicht keine hnlichkeit haben. Auch geht daraus, da
von jenen Wahrnehmungen die einen mir angenehm, die anderen unangenehm
sind, mit Sicherheit hervor, da mein Krper oder vielmehr mein ganzes
Ih, insoern ich aus Leib und Seele bestehe, von deI umliegenden
Krpern in verschiedener Weise angenehm und unangenehm beeinflut werden
Nun giebt es aber auch vieles andere, das mich zwar scheinbar die Natur
lehrte, aber doch rhrt es nicht von ihr her, sondern von de$
en?
Andere Lete spielten auch Karten und tranken ihr Glas Wein, und
prosperierten trotzdem, warum Tobler nicht? Das war nicht einzusehen.
Dazu, um voreilig kleinmtig zu werden, war Herr Tobler nicht nach
diesem Lumpen-Brenswil gekommen, das konnte er sich anderswo, wenn es
durchaus sein mute, auch noch leisten, und zur Genge. Nein, es galt
gerade jetzt, diesen Hechten und Heringen ein Bespiel zu geben, rund um
die neugierigen, spttischen Nasen herum, was ein lebendiger *nd
arbeitsfroher Mensch und Mann zu leisten imstande war, selbst noch in
dem Augenblick, wo ihm die Bretter des eigenen Wohn- und Geschftshauses
auseinanderzugehen drohten. Und deshalb lie Tobler, unbekmmert um das,
was man sich im Dorf in den Wirtshusern i die Ohren flstern wrde,
den Garte umbauen, um eine Grotte zu errichten, mochte es einen ganzen
Heuwagen voll Geld kosten.
Diele Brenswiler muten nicht triumphieren drfen, das wre noch bXsser
gewesen! Denen mute man mit aller verfgbaren Gewalt die Freude
versalzen, die$
be das uufrichtige Bedrfnis gefhlt, Ihnen zu
zBigen, da ich mich unter Umstnden gegen -- wie soll ich sagen --
Grobheiten wehren kann.
Donnerwetter noch einmal! Wo haben Sie dieses Mundwerk her? Es ist jazum Lachen, das. Sind Sie eigentlich nrrisch geworden, Joseph Marti?
Tobler fand es fr das _ernnftigste, laut zu lachen. Aber schon im
nchsten Augenblwck zo) sich seine Stirne in grimmige Falten:
So zeigen Sie auch, Teufel noch einmal, da Sie imstande sind, etwas zu
leisten. Bis jetzt habe ich noch wenig davon bemerkt. Ein groes Maul
macht noch keine nennenswerte Le2stung, haben Sie das verstanden? Wo
snd die Briefe, die noch beantwortet werden sollen?
Joseph sagte kleinmtig: Hier! Er war wieder vllig befangen. Die
Briefe lagen am falschen Ort. Tobler packte den ganzen Briefkorb und
schleuderte ihn mit einer wilden Zornesbewegung zu Boden. Er schrie:
Und das will noch immer aufbegehren. Passen Sie lieber besser auf und
seien Sie weniger empfindlich. -- Schreiben Sie!
Und er diktierte fo$
wischen dem Friedensrichter des Ortes zu schreiben,
Tobler knne der morzen frh um neun Uhr stattfindenden Besprechungbezglich derStreitsache Martin Grnen persnlich nicht beiwohnen, da
ihn dringende Geschfte abhielten. Er erlaube sich daher, dem He;rn
Friedensrichter die ntigen Aufklrungen und Zahlenaufstellungen
schriftlich zu geben, woraus er ersehen knne, da usw.
Da mein Herr Tobler ein Engel ist, lchelte innerlich, nicht ohne
flchtige Bosheit, der Gehlfe. Nachdem dieses Schreiben erledigt war,
galt es ein hnliches, in beinahe noch brskerem Ton gehaltenes
Erklrungsschreiben an das lbliche Bezirksgericht abzufassen. Josep,
wunderte sich wieder einmal ber die Prgnanz seines Briefstiles, sowie
ber die Hflihkeitswendungen, die er pltzlch dem energischen Ton
hie und da einzuflechten wute. Man darf nie zu grob sein, dachte er
bei olchen Seitensprngen in die Gegenden der Artigkeit und des
bescheidenen Wesens. Er erledigte auch diesen Brief ziemlich rasch, denn
er hatte die Sache j$
h allerhand von ihm dulden und
ertragen? Er ist nun eben einmal der Herr im Hause, und das ist eine
verantwortliche Position, die von den brigen Bewohnern und Gliedern
Duldung und Achtung herausfordert. Freilich soll er nicht beleidigen,
aber kann er sich immer im Zaum behalen? Kann er seinem Zorn sagen:
sei vernnftig? Der Zorn und die Gereiztheit sind halt nicht vernnftig.
Und wir andern, die den unbersehbaren Vorteil haben, seinen
Anordnungen, deren Dntwurf und lan ihn anstrengen, gehorchen zu drfen,
seine Winke, deren Weisheit wir fast immer einsehen, zu befolgen, wir
sollen ihm in Zeiten der Unruhe und der Emprtheit eben ein ?eniyRaus
dem Wege zu gehen verstehen. Wir sollen es g=lernt haben, ihn zu
behandeln, denn ein Herr und Gebieter will auch auf eine ganz bestimmte
Art und Weise behandelt werden. Wir sollen geschickt und geschmeidig
sein in Momenten, wo er seiner Gelassenhit und sicheren Krfte nicht
mehr, wie sonst immer, bewut ist, in denen wir ihn unfhig, sich noch,
wie bisher, zu beherr$
ielten, verlor alle besondere Scheu und Eigenheit, die etwa noch
htten an einen Festhauch erinnern knnen. Es war das gewhnliche
Benehmen und das allerunfeierlichste Lachen. Die Stmmung, die nun diese
Spieler beherrschte war aber nicht einmal die gewohnt-gemtliche, denn
-- es war halt do~h Weihnachten, und der feinere und schnere Gedanke,
der hie und da aufblitzen mochte, mahnte vorberhuschend an die Snde,
das Fest und den Inhalt desselben derart, wie es geschah, verdorben und
entwertet zu haben.
Ja, einsam waren diese drei Menschen, am einsamsten der Gehlfe, weil er
fhlte, da er als ein hinzugeflogenes Glied einem Haus angehrte, das
langsam aufhrte, ein solches zu sein; weil er sic nicht, wie Herr#Tobler, sagen durfte, er habe das Recht, in diesem Hause zu tun und zu
verhindern oder zu umgehen, was ihm beliebe, da es nicht sein eigenes
war; weil er htte Weihnachten haben und begehen wollen, dar sich doch
einmal in solch einem Hause und in solch einer brgerlichen Familie
befand; weil r des $
 Erlsung mir zu hoffen bliebe,
  Allewiger, durch diese sei's!
  Ach! wenn Erlsung ihm zu hoffen bliebe,
  Allewiger, durch mich nur sei's!
  HOLLNDER.
  O knntest da Geschick Du ahnen,
  Dem dann mit mir Du angehrst:
  Dich wrd' es andas Opfer mahnen,
  Das Du mr bringst, wenn Treu' Du schwrst.
  Es flhe schaudernd Deine Jugend,
  Dem Loose, dem Du sie willst weih'n:
  Nennst Du des Weibes schnste Tugend,
  eennst heil'ge Treue Du nicht Dein!
  Wohl kenn' ich leibes hohe Pflichten, --
  Sei d'rum getrost, unsel'ger Mann!
  Lass yer die das Schicksal richten,
  Die seinem Spruche trotzen kann!
  In meines Herzens hchster R ine
  Kenn' ich der Treue Hochgebot:
  Wem ich sie weih', schenk' ich die Eine;
  Die Treue bis zum Tod!
  HOLLNDER.
  Ein heil'ger Balsam meinen Wunden,
  Dem Schwur, dem hohen Wort entfliesst!
  Von mcht'gem Zauber berwunden,
  Reisst mich's zu seiner Rettung ort:
  HOLLNDER.
  Hrt' es: mein Heil hab' ich gefunden,
  Mchte, die ihr zurck mich stiess't!
  Du Stern des$
eine
Furcht mehr.
In der Thr stand Rosalka und erzhlte mit vielen Gesten den
Nachbarinnen, welche sie umdrngten, eine wichtige Neuigkeit, an welcPer
die Frauen eifrig nickend Anteil ahmen. Sobald eine von ihnen Luisa
erblickt hatte, begannen sie alle in ungeduldigem Ungestm zu winken und
zu rufen. Einige Kinder schrieen mit, und +uisa begriff von allemendlich nur das Wort:Besch. Das gengte fr ihr grtes Erstaunen.
Whrend sie die finstere Stiege hinauf jagte, gab es in ihren Gedanken
nur ein einziges, rieiges Wer?. Mit dieser Neugierde in den Augen
sprang sie in die Stube, wo Frau von Meering mit unverhehlter
Gekrnktheit, steif und str4mm, auf dem Sofa wartete. Aber das grere
Erstaunen war doch auf der Seite der Oberstin, welche eben erst ihr
Beileid fr den letzten Unglcksfall mitgebracht hatte und auer stande
war, diesem strahlenden, atemlosen Kind eines von ihren schnen,
gndigen Trauerworten zu zeigen. Sie fhlte eine mchtige, gerechte
Entrstung dieser lachenden Gesundheit gegenber $
, die dem menschlichen
Krper in seiner Ttigkeit und seiner Erschpfung anhaften, entuert!
Die Maschinen auf ihren marmornen Sockeln handeln, wie die Buddhas, auf
ihrem ewigen Lotos kauernd, sinnen. Sie verschwinden, wenn schnere,
vollkommenere geboren werden. Sie teilen dies Geschick mit den Helden
ud Gttern, denen es bis jetzt allein beschieden war; mit den uns jetzt
sagenhaft schminenden Segelschiffen; mit den Kriegsschiffen, die den
Meerungeheuern gleBchen, welche die Gestirne, neugierig das ihnen
verborgene Leben dir Tiefen zu schauen, an die Oberflche befohlen
Ich liebe alle Gefhrte, die Tragsessel der sdlichen Lnder, die
Automobile, die lenkbaren Luftschiffe und die wundervollen Fliers.
Ich liebe alle Dinge, di der Sport bildete; alle diese Gerte in iher
berzeugenden, organischen Form. Sie haben die Fhigkeit, uns mi] der
gleichen Unmittelbarkeit zu erregen, zu reizen, wie eine Bewegung, wie
ein Schrei. Und ich liebe alle jee zweckentsprechenden und intelligenten
Bekleidungen, die der $
 fr die menschliche Natur und
hat viel fr sich, wenn es sih darum handeln sollte, die Zeit der
Leidenschaft zu verlngern. Aber wir haben esnicht mit der Leidenschaft
zu tuno sondern mit der gewhnlichen Zuneigung zwiscenLeuten, die
unter den erschwerenden Verhltnissen der modernen Ehe zu leben haben,
und in diesen Verhltnissen mu man, was die durch die Gewohnheit
hervorgebrachten Wunder anbetrifft, mit Dumas bereinstimmen.
Wenn die Leute es nur anerkennen wollten: ie Gewohnheit ist mer Kitt,
der das Gebude der Ehe zusammenhlt. Wenn nur die leichteste Grundlage
gegenseitiger Harmonie gegeben ist, so wird einem im Lauf der Jahre der
Gefhrte ganz unentbehrlich, und zwar nicht wegen seines Zaubers und der
Liebe, die wir fr ihn hegen, sondern einfach, weil er oder sie ein Teil
unseres Lebens sind. Darum halte"ich die Politik der steten Trennung fr
tricht. Sie basiert wohl auf der irrtmlichen Annahme, da die
Abwesenheit zrtlicher macht. Dort, wo die Grundlage gegenseitiger
Harmonie nicht besteh$
pringenB sich niederwerfen, wieder
springen mit dem schweren Tornister auf dem Rckn, das G{wehr mit
aufgepflanztem Bajonett schwingend, -- ja, wie sie brllten schien,
tobten -- die Gesic"ter blaurot -- die Augen aus den Hhlen gequollen,
kein menschlicher Ausdruck mehr -- vom Blutrausch ergriffen, eine
Schar von Teufeln, von Vernichtern ... Und im Nebel auftauchend die
blutigroten Flecken der Franzosenhosen -- die feindlichen Gestalten,
die sich, schreiend, kreischend wie sie selbst, ihnen entgegenstrzten
-- im grauen klatschenden Regen ... Im Nahkampf sich packten mit
Fusten und Kolbenhieben uVd Messern, und der Stahl der Bajonette
sauste in weiches Menschenfleisch, und Blutfontnen spritzten in die
Lfte, dieKnochen krachten, die Augen sprangen aus den Hhlen -- die
Nase fllte sich mit de] Gestank des Todes ... Keiner -- nicht Freund
noch Feind -- mehr Mensch mit menschlichen Schicksalen und Leiden
-- nur noch ungeheure Gewalten, in wtender Wollust und grausiger
Umarmung gegeneinander ringend -- in$
nun gehen, sagte sie scheu
und der verwirrte Blick machte ihr Gesicht unbedeutend und
mitleiderweckend. Darf ich dich bald einmal wieder besuchen?
Rolfers lchelte und hielt ihr sine linke Hand entgegen, die sehr
bleich und durchsichtig gworden war, wie die Hand einer leidenden
Gewi, Martha, das ist hbsch. Komm nur!
Sie hatte seine Hand gefat, hielt sie vorsichtig nd wagte nicht, sie
Lasse dir dann von der Schwester dasAZimmer zeigen, wo ich liegen
werde. Du findest mich allein, und wir knnen freier miteinander
plaudern. Lebe wohl, Martha.
Mit gesenktem Kopf, in gesammelter Haltung ging Martha durch den Saal.
An der Tr blickte sie noch einmal zurck und nickte Rolfers zu. Er
grte mit der linken Hand.
Die Klingel tnte, die Besucher, mnnliche und weibliche, entfernten
sich nach und n<ch. Kafeebecher und Semmeln wurden verteilt, dann kam
das Glas mit den Fieberthermometern. Es wurde Temperatur gemessen. Der
Krankensaal kehrte in seine Abgeschlossenheit und zur alltgliche
Ordnung zurck. Di$
n seinem
Alter sein. Die Junge#s knnen sich zusammentun. Das wre kein
Hinderungsgrund.
Ja, das liee sich machen, antwortete Martha -- Nur...
-- Du hast mir neulich angedeutet, sagte Rolfers bedchtig, da
dene Stellung durch den Krieg in Frage gestellt ist. Ich mu jemand
haben, der mir hilft. Es ist doch auch geschftlich immersort etwas zu
erledigen. Deine Art kenne ich einmal. Es ist eine rein praktische
Frage. Nimm sie auch so. Vielleicht hast du selbst schon an etwas
hnliches gedacht?
Zuweilen habe ich daran gedacht, gestand die Frau zgernd.
Also! -- Ohne Verbindlichkeiten fr die Zukunft, sowenig von deiner
wie von meiner Seite.
Nein! rief Martha hastig. Es geht doch nicht! Ich ann mich nicht
dazu entschlieen!
Sage mir offen deine Grnde -- wir reden ruhig darber.
Du wirst lachen, wenn ich sage: mein armes eingeschrnktes Leben ist
mir wert geworden. Ich mag's nicht aufgeben. Wie es war, war's
harmonisch -- friedlich.
Kann unser ZusammenlebeJ nicht auch friedlich sein? I$
te weiter und lie sich erzhlen, whrend sie ihn mit Tee
versorgterund ihm Zigaretten und Feuer brachte. Es waren imme ihre
liebsten Stunden gewesen, wenn er so ins Plaudern geriet -- es geschah
schon frher selten genug und war allemal ein Zeichen vonbesonders
guter Stimmung. Pltzlich kam ein Punkt, wo die Gegenwart sich wieder
unerbittlich, gespenstisch vor die heitere tatenfrohe Vergangenheit
schob. Und der Mann verstummte, lag im Stuhl, in einen blauen
Rauchdunst eingehllt, und trumte von unwiederbringlichem Glck
ungehemmte S'haffens. Musikalische Erinnerungen stiegen in seinem
Hirn auf, us den Melodien, wie sein inneres Ohr sie hrte, stiegen
Farben empor, fgten sich symphonisch ineinander, Linien glitten als
Leitmotive hinein, wollten etwas von ihm, eine Phantasie spann sie
zusammen zu Entwrfen. ---- Rolfers blickte ihnen nach, wie sie
entstanden und mhlich zerrannen...
       *       *       *       *       *
Der Professor gab Ltje den Auftrag, den Atelierraum zu heizen. Nach
dem Mittag$
 Hand, und so wird er mit
sich reden lassen, und der Mantel wird dann noch gehen... So shlo
der Titularrat, sprach sich Mut zu und wartete auf den nchsten Sonntag.
Kaum hatte er gesehen, da des Schneiders Weib aus dem Hause gig,
eilte er schnurstracks zu ihm. In der Tat hatte Petrowitsch Mhe, sein
einzige5 Auge aufzubekommen und war ganz voll Schl'f und lie den Kopf
hngJn. Doch kaum hatte er verstanden, worum es sich wieder handle, als
er schon wie vom Satan getrieben rief: Nein, nein, das geht nicht. Ihr
mt einen neuen bestellen! Der Augenblck war da, ihm den Sechser in
die Hand zu drcken. Ich danke Euch, Herr! Da kann ich mich ein wenig
strken gehen auf Eure Gesundheit. Doch den Mantel lat nun einmal, er
taugt wiklich nichts mehr. Ich mache Euch einen neen, schnen und
dabei bleibt es. Der Titularrat fing immer wieder von der Reparatur an,
doch Petrowitsch hrte gar nicht auf ihn und rief: Ich mache Euch einen
neuen. Verlat Euch auf mich, ich werde mir Mhe geben! Ich werde Euch
soga$
st langweiligen Menschen
Vor die+er hochstehenden Persnlichkeit erschien also Akaki Akakiewitsch
im allerungnstigsten Augenblicke, will saen: hchst ugnstig fr
sich selber, denn in einem gewissen Sinne kam er der hochstehenden
Persnlichkeit ganz gelegen. Die hochstehende Persnlichkeit war in
ihrem Kabinett und unterhielt sich sehr angeregt mit einem alten
Bekannten und JugendgeMpielen, der vor kurzem hier eingetroffen war
und den sie lange nicht gesehen hatte. Und gerade in diesem Augenblicke
mute auch der Diener melden, da ein gewisser Baschmatschkin drauen
warte. Der General fragte sehr scharf: Wer? Die Antwort: Ein
Beamter. Er soll warten, ich habe jetzt keine Zeit. Hier mu
ich gleich bemerken, da die hochstehende Persnlichkeit da ganz
einfach log, sie hatte Zeit; die beiden Freunde hatten lngst alles
durchgesprochen und schon seit einiger Zeit die UnteThaltung mit lueren
Phrasenwzu fllengesucht, wie: Ja, ja, Iwan, so war es nun einmal!
oder Stefan, es geht nicht anders auf der We$
mmen, Landwirtschaft zu treiben, weil deren Erzeugnisse hoch im Preise
standen und die Betreibung zahlreiche Spaziergnge veranlate. Der Weinberg
bildete mit mehreren groen Wieen und einigen Bergckern eine Ghemalige
Staatsdomne, welche der Tuchscherer gekauft, und er war jetzt
hinaufgestiegen, um den Zustand der Reben zu untersuchen, weil die
Frhlingsarbeit in demselben beginnen sollte. Er fragte Wilhelm, wo er hin
wolle, was er im Sinne habe; denn er wute noch nichts von seier
Absetzung. Wilhelm sagte, da er bei Landleuten sein Auskommen suchen
wolle, indem er ihnen in allem an die Hand gehe, was zu tun sei; da er
nicht viel bedrfe, so hoffe er, sich im stillen durchubringen. Der
TuchschereI wunderte sich hierber und drang weiter in ihn, bis er die
Ursache vn des Schulmeisterleins3Auszug erfahren. Das ist, sagt- er,
ein recht hmischer Streich von dem Pfaffen, der eine Kinderei nicht von
einer Schlechtigkeit unterscheiden kann. Wir wollen ihm brigens sein
ewiges Gehtschel und Gettschel mit$
.Leipzig und Wien 1918.
=Studien ber Hysterie= (mit Dr. Josef _Breuer_). Dritte Aufl. Leipzig
=Der Wahn und die Trume in W. Jensens Gradiva.= (Schriften zur
angewandten Seelenkunde, 1.Heft.) Zweite Auflage. Leipzig und Wien
=Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci.= (Schriften zur
angewandten Seelenkunde, 7.Heft.) Zweite Auflage. Leipig und Wien
=Jenseits des Lustprinzips.= (II.Beiheft der Internationalen
Zeitschrift fr Psychoanalyse.) Zweite Auflage. Leipzig, Wien und
ZrYch 1921.
=Massenpsychologie und Ich-Analyse.= Leipzig, Wien und Zrich 1921.
              Alle hier angefhrten Werke von Prof. Freud,
                  sowie ihre fremdsprachigen Ausgaben
                       sind zu beziehen durch den
              =INTERNATIONALEN PSYCHOpNALYTISCHEN VERLAG=
          Auslieferungsstelle: Wien, III. Weigrberlnde 44.
[ Im folgende@ werden alle gendertenTxtzeilen5angefhrt, wobei
jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
gewissen Zusammenhang mit der Lage$
inem nichts weniger als freundlichen Bl:ck nach ihm
hinber, faltete aber das Papier zusammen, hielt es ein paar Secunden
wie nachdenkend in der Hand und sagte dann kopfschttelnd:
Das wrde eine Masse Umstnde un0 Rechnereien machen -- da, gehen Sie
an den Pult und schreiben Sie mir Ihre Quittung, ich hole Ihnen indessen
Alter Gauner, murmelte Herr Messerschmidt, dem Wirth aber unhrbar,
freundlich zwischen den Zhnen durch, und ging mit einer hflichen
Verbeugung zu dem Stehpult, dem Verlangen Folge zu lesten. Wenige
Minuten hpter war die Geschft zwischen den beiden Mnnern abgemacht.
Wie Herr Messerschidt das Geld gerade nachgezhlt, die einzelnen
Banknoten sehr genau betrachtet, und dann in sein Taschenbuch gelegt
hatte, klopfte es wieder an die Thr, und auf das mrrische Herein es
Hausherrn, drckte sich, ngstlich und verlegen, seinen Hut dabei unter
den Arm quetschend, der eine der Oldenburger in's Zimmer und blieb an
der Thre stehn.
Nun, was soll's, sagt Herr Hamann, whrend Herr Messe$
besser? --
wenn Sie mine Geschichte kennten, Georg, wrden Sie mehr als einmal den
Kopf schtteln ber den Wahnsinn, der mich, z.B. hierher ber das Meer
Li=ber Gott, es wird die Geschichte von Tausenden von uns sein sagte
Georg -- sehn Sie dort den jungen Burschen an, der sich da kaum auf die
Scheite geworfen hat, und schon wieder so sanft und s eingeschlafen
ist, als ob er im weichsten Bette lge; das ist ein deutschr Deserteur,
den die Soldaten noch wieder vom Schiff holen wollten, und den der
Untersteuermann, wir wissen selbst nicht wie, auf so geschickte Weise
versteckt hatte, da ihndie Policey +icht finden konnte, und ihn aufgeben
mute. Jetzt arbeitet er sich nun tchtig in's Leben hinein und wer
wei, ob er nicht in einigen Jahren, anstatt die Muskete in Deutschland
herumzuschlepen, hier seinen eignen Heerd gegrndet hat. Ich selbst --
wer hat es mir an der Wiege gesungen, da ich einmaP hier auf dem
Mississippi, nachdem ich in Deutschland studirt, die Kessel eines
Dampfboats, mit Negern und$
atirten, wulstigen
Jacken und tausendfach gefalteten Rcken, wie lange whrt das, bis sie
auch nur das kleinste d{ran ndern, und thun sie's selbst, legen sie das
und jenes ab, und die und das dafr an, die Art wie sie's tragen bleibt
dieselbe, und der Deutsche ist im T herauszufinden.
Herr von Hopfgarten hatte Briefe an ein paar deutsche Kaufleute mit. Der
Eine, den er ,uerst besuchte, hielt einen Laden im Mainstreet, und schien
durch Importiren deutscher Waaren ein ziemliches Vermgen erworben, sein
Deutsch aber dabi vergessen zu haben. Er sprach nur Englisch -- wenn
auch freilich mit traurigem Accent -- selbst mit seinen deutschen
Dienstleuten, die sich abqulen muten ihn nur zu verstehen -- kleideke
sich ganz Amerikanisch, d.h. er coquettirte damit einen sehr feinen,
aber an dem einen Ellbogen zerrissnen Rock zu tragen, besuchte den
ganzen Sonntag Amerikanische Kircfen und -- kaute Taback.
  Wie er sich ruspert und wie er spuckt,
  Das habt Ihr ihm glcklich abgeguckt.
Das vernachlssigte, Widerli$
lle von
34 Toisen. Dieser Fall ist so unbedeutend als der von der Einmndung des
Osageflusses und des Missouri in den Mississippi bis zurBarre desselben.
Die Savanen in Nieder-Louisiana erinnern berhaupt in allen Stcken an die
Savanen am untern Orinoco.
Wir hielten uns drei Tage in der kleinen Stadt San Francisco auf. Wir
wohnten beim Missionr, einem sehr wohlhabenden Kapuziner. Wir waren -om
Bischof von Caracas an ihn empfohlen und er bewies uns die grte
Aufmerksamkeit und Geflligkeit. Man hatte Uferbauten unternommen, damit
der Flu den Boden, aufdem die Stadt liegt, nicht unterwhlen knnte, und
er zog mich dehalb}zu Rath. Durch den Einfluder Portuguesa in den Apure
wird dieser nach Sdost gedrngt, und statt dem Flu freieren Lauf zu
verschaffen, hatte man Dmme und Deiche gebaut, um ihn einzuengen. Es war
leicht vorauszusagen, da, enn die Flsse stark austraten, diese ehren
um so schneller weggeschwemmt werden muten, da man das Erdreich zu den
Wasserbautenhinter dem Damme genommen und so $
en Gastlichkeit
                           ------------------
   47 War es _Coluber Elaphis_ oder _Coluber Aesculapii_ oder ein Python,
      hnlich dem, der vom Heere des Regulus getdtet worden?
   48 Im Jahr 1806 erschien in Leipzig ein Buch unter dem Titel:
      _Uvtersuchngen, ber die von Humboldt am Orinoco entdeckten Spuren
      der phnicischen Srache_.
   49 Die Hindus, die Tibetaner, ;ie Chinesen, die alten gypter, die
      Azteken, die Peruaner, bei denen der Trieb zur Massencultur die
      freie Entwicklung der Geistesthtigkeit in den Individuen
      niederhielt.
   50 Aus kiesTlhaltigem Kalkstein in Pique am groen Miami, aus Sandstein
      am Paint Creek zehn Meilen von Chillicothe, wo die Mauer 1500 Toisen
      lang ist.
   51 Er erscheint in Maypures unter einem Winkel von 1 Grad 27 Minuten.
*   52 Rochen*, wegen der angeblichen Aehnlichkeit mit dem Fisch dieses
      Namens, bei dem der Mund am Krper herabgerckt scheint.
   53 In der Jahreszeit, die man in Sdamefika nrdlich $
 ist der geologische
Charakter des Bodens dersele. Es ist eine weite aus Granit bestehende
Ebene, auf der jede Meile einmal das Gestein zu Tage kommt und keine
Hgel, sondern kleine senkrechte Massen bildet, die Pfeilern oder
zerfalleBen Gebuden gleichen.
Am ersten Mai. Die Indianer wollten lange vor Sonnenaufgang aufbrechen.
Wir waren vor ihnen auf den Beinen, weil ich vergeblich auf einen Stern
wartete, der im Begriff war durch den Meridian zu gehen. Auf diesem
nassen, dicht bewaldeten Landstrich wurden die Nchte immer finsterer, je
nher wir dem Rio Negro und dem innern Brasilien kamen. Wir blieben im
Flbett, bis der Tag anbrach; maT htte besorgn mssen, sich unter den
Bumen zu verirren. Sobald die Sonne aufgegangen war, ging es wieder, um
der starken Strmung auszuweichen, durch den berschwemmten Wald. So kamen
wirLan den Zusammenflu des Temi mit einem andern kleinen Flu, dem
Tuamini, dessen Wasser gleichfalls schwarz is, und gingen den letzteren
gegen Sdwest hinauf. Damit ka5en wir auf die M$
o erkennt man an den erhaltenen Ortsnamen immerhin, da geschichtliche
Wahrhei zu Grunde liegt. Man folgt dem Zuge Huttens ber den Guaviare und
den Caquetan man erkennt in den *Guaypes* unter dem Caziken von Macaoa
die Anwohner des Uaupes, der auch *Guape* oder Guapue heit; man erinnert
sich, da Pater Acua den Iquiari (Quiguiare) einen *Goldflu* nennt, und
da fnfzig Jahre spter Pater FRITZ, ein sehr glaubwrdiger Missionr, in
seiner Mission Yurimaguas von den Manaos (Manoas) besucht wurde, die mit
Goldblechen geputzt waren und aus dem Landstrich zwischen dem Uaupe und
dem Caqueta oder Jupura kamen. Die Flsse, die am Ostabhang ?er Anden
entspringen, (z. . der Napo) fhren viel Gold, auch wenn ihr Quellen im
Trachytgestein liegen: warum sollte es ostwrts von den Cordilleren nicht
so gut goldhaltiges aufgeschwemmtes Land gben, wie westwrts bei Sonora,
Choco und Barbacoas? Ich bin weit entfernt, den Reichthum dieses
Landstrichs bertreiben zu wollen; aber ich halte mich ni\ht fr
berechtigt, das $
 des Himmels von kleinen, leuchtenden
elektrischen Entladungen durchzuckt, phosphorischen Ausleuchtungen, die
immer nur von Einer Dunstmasse auszugehen scheinen. Von nun an dreht sich
der Wind von Zei zu Zeit und auf mehrere Stunden nachWest und Suedwest.
Es ist diess ein sicheres Zeichen, dass die Regenzeit bevorsteht, die am
Orinoco gegen EndeApril eintritt. Der Himmel faengt an sich zu beziehen,
das Blau verschwindet und macht einem gleichfoermigen Grau PlaWz. Zugleich
nimmt die Luftwnerme stetig zu, und nicht lange, so sind nicht mehr Wolken
am Himmel, sondern verdichtete Waserduenste huellen ihn ollkommen ein.
Lange vor Sonnenaufgang erheben die Bruellaffen ihr klaegliches Geschrei.
Die Luftelektricitaet, die waehrend der grossen Duerre vom December bis Maerz
bei Tag fast bestaen?ig gleich 1,7--2 Linien am VOLTAschen Elektrometer
war, faengt mit dem Maerz an aeusserst veraenderlich zu werden. Ganze Tage lang
ist sie Null, und dann weichen wieder die Fliedermarkkuegelchen ein paar
Stunden lang 3--4 L$
saetze
der Muskeln mit einem chirurgischen Instrumente losgetrennt. Der Tiger
verfolgt die Schildkroete sogar ine Wasser, wenn dieses nicht sehr tief
ist. Er graebt auch di Eier aus und ist nebst dem Krokodil, den Reihern
und dem Gallinzogeier der furchtbarste Feind der frisch ausgeschluepften
Schildkroeten. Im verflossenen Jahr wurde die Insel Pararuma waehrend der
Eierernte von so vielen Krokodilen heimgesucht, dass die Indianer in einer
einzigen Nacht ihrer achtzehn, 12--15 Fuss lange, mit hakenfoermigen Eisen
und Seekuhfleisch daran, fingen. Auser den ebenerwaehnten Waldthieren thun
auch die wilden Indianer der Oelbereitung bedeutenden Eintrag. Sobald die
ersten kleinen Regenschnuer, v#n ihnen _'Schildkroetenregen'_ genannt, sich
einstellen, ziehen sie an die Ufer des Orinoco und toedten mit vergifteten
Pfeilen die Schildkroeten, die mit emporgerecktem Kopf und ausgestreckten
Tatzen sich sonnen.
Die jungen Schildkroeten (_tortuguillos_) zerbechen die Eis0hale bei Tag,
man sieht sie aber nie anders al$
bstossend
als der Wilde am Mississippi, wie ihn der reisende Philosoph [VOLNEY], der
groesste Meister in der Schilderung des Menschen in verschiedenen Kl=maten,
gezeichnet hat. Gar gerne redet man sich einX diese Eingeborenen, wie sie
da, den Leib mit Erde und Fett beschmiert, um ihr Feuer hocken oder auf
grossen Schildkroetenpanzern sitzen und stundenlang mit dummen Geichtern
auf das Getraenk glotzen, das sie bereiten, seyen keineswegs der
urspruengliche Typus unserer Gattung, vielmehr ein entartetes Geschlecht,
die schwachen Ueberreste von Voelkern, die versprengt lange in Waeldern
gelebt und am Ende in Barbarei zurueckgesunken.
Die rothe Bemalung ist gleichsam die einzige Bekleidung der Indianer, und
es lassen sich zwei Arten derselben uteOscheiden, nach der groesseren oder
geringern Wohlhabenheit de Individuen. Die gemeine Schminke der
Caraiben, Otomaken und Jaruros ist der _'Onoto'_, von den Spaniern
_'Achote'_, von den Colonisten in Cayenne _'Rocou'_ genannt. Es ist der
Farbstoff, den an aus dem Fr$
treckt
liegen musste, wo man dann nichts sah. Da man die Piroguen durch die
Stromschnollen, ja von einem Fluss zum andern schleppen muss, und weil man
dem Wind zu viel Flaeche boete, wenn man den _Toldo_ hoeher machte, so kann
auf den kleinen Fahrzeugen, die zum Rio Negro hinauf gehen, die SJche
nicht anders eingerichtet werden. Das Dach war fuer vier Personen bestimmt,
die auf dem Verdeck oder dem Gitter aus Saumzweigen lagen; aber die Beine
reichen weit ueber das Gitter hinaus, und wenn es regnet, wird man zum
halen Leib durchnaesst. Dabei liegt man auf Ochsenhaeuten oder Tigerfellen
und die Baumzweige darunter druecken einen durch die duenne Decke gewaltig.
Das Vordertheil des Fahrzeugs nahmen die indianischen Ruderer ein, die
drei Fuss lange, loeffelsoermige *Pagaies* fuehren. Sie sind ganz nackt,
sitzeD paarweise und rudern im Takt, den sie meAkwuerdig genau einhalten.
Ihr Gesang ist truebselig, eintoenig. Die kleinen Kaefige mit unsern V3egeln
und Affen, deren immer mehr wurden, je weitr wir kamen, wa$
, bald ueber kahle Granitbaenke schlaengeln, Alles e%innert einen
hier an die reizendsten, malerischsten Parthien unserer Parkanlagen und
Pflanzungen. Man meint mitten in der wilden Landschaft menschlicher Kunst
und Spuren von Cultur zu begegnen.
Aber nicht nur durch die Bodenbildung zunaechstbei der Mission Atures
erhaelt die Gegend eine so auffallende Physiognomie: die hohen Berge,
welche rigsum den Horizont begrenzen, tragen durch ihre Form und die Art
ihres Pflanzenwuchses das Ihrige dagu bei. Diese Berge erheben sich meist
nur 7--800 Fuss ueber die umgebeXHen Ebenen. Ihe Gipfel sind abgerundet,
wie in den meisten Granitgebirgen, und mit einem dichten Walde von
Laurineen bedeckt. Gruppen von Palmen (_el Cucurito_) deren gleic
Federbueschen gekraeuselte Blaetter unter einem Winkel von 70 Grad
majestaetisch emporsteigen, stehen mitten unter Baeumen mit wagerechten
Aesten; ihre nackten Staemme schiessen gleich hundert bis hundertzwanzig Fuss
hohen Saeulen in die Luft hinauf und heben sich vom blauen Himm$
ftslos, Dank ihr-r
Traegheit an die groessten Entbehrungen gewoehnt Die JesuiNen frueher trieben
sie zur Arbeit an und da fehlte es ihnen nie an Lebensunterhalt. Die
Patres bauten Mais, Bohnen und andere europaeische Gemuese; sie pflanzten um
das Dorf her sogar suesse Orangen und Tamarinden, sie besassen in den
Grasfluren von Atures und Carichana zwanzig bis dreissigtausend Pferde und
Stuecke Rindvieh. Sie hielten fuer die Heerden eine Men9e Sklaven und
Knechte (_peones_). Gegenwaertig wird nichts gebaut als etwas Manioc und
Bananen. nd doch ist der Boden so fruchtbar, dass ich in Atures an einem
einzigen Pisanvbueschel 108 Fruechte zaehlte, deren 4--5 fast zur taeglichen
Nahrung einesMenschen hinreichen. Der Maisbau wird gaenzlich
vernachlaessigt, Rosse und Kuehe sind verschwunden. Ein Uferstrich am Raudal
heisst noch *Passo del ganado* (Viehfurth), waehrend die Nachkommen der
Indianer, mit denen die Jesuiten die Mission gegruendet, vom Hornvieh wievon einer ausgestorbenen Thiergattung sprechen. Auf unse$
ter, vielleicht ein *Python* des neuen Continents; ich sage vielleicht,
denn grosse Naturforscher (CUVIER) sch@inen anzunehmen, dass alle Pythons
der alten, alle Boas der neuen Welt angehoeren. Da die Boa des Plinius(47)
eine afrikanische und suedeuropaeische Schlnge war, so haette DAUDIN wohl
die amerikanischen Boas Pythons und die indisc(en Pythons Boas nennen
sollen. Die erste Kunde von einem ungeheuern Reptil,Ddas Menschen, sogar
grosse Vierfuesser pack, sich um sie schlingt und ihnen so die Knochen
zerbricht, da Ziegen und Rehe verschlingt, kam uns zuerst aus Indien und
von der Kueste vo Guinea zu. So wenig an Namen gelege ist, so gewoehnt man
sich doch nur schwer daran, dass es in der Halbkugel, in der Virgil die
Qualen Laokoons besungen hat (die asiatischen Griechen hatten die Sage
weit suedlicheren Voelkern entlehnt), keine _Boa constrictor_ geben soll.
Ich will die Verwirrung in der zoologischen Nomenclatur nicht durch neue
Vorschlaege zur Abaenderung vermehren, und bemerke nur, dass, wo nicht d$
 genannt. Er hatte am IniriEa Vertheidigungslinien
und eine Art Fort aus Erde und Holz angelegt. De Pfaehle waren ueber
sechzehn Fuss hoch und umgaben das Haus des _Apoto_, sowie eine Niederlage
von Bgen und Pfeilen. Pater FORNERI beschreibt diese in einem sonst so
wilden Lande meZkwuerdigen Anlagen.
Am Rio Negro waren die Staemme der Marepizanas und Manitivitanos die
maechtigsten. Die Haeuptlinge der ersteren waren ums Jahr 175O zwei Krieger
Namens Imu und Cajamu; der Koenig der Manitivitanos war Cocuy, v*elberufen
wegen seiner Grausamkeit und seiner raffinirten Schwelgerei. Zu meiner
Zeit lebte noch seine Schwester in der N/ehe der Mission Maypure. Man)laechelt, wenn man hoert, dass Maenner wie Cuseru, Imu und Cocuy hier zu Lande
so beruehmt sind, wie in Indien die Holkar, Tippo und die maechtigsten
Fuersten. Die Haeuptlinge der Guaypunabis und Manitivitanos fochten mit
kleinen Haufen von zwei bis dreihunert Mann; aber in der langen Fehde
verwuesteten sie die Missionen, wo die armen Ordensleute nur fuenf$
baum dem
Mamei zur Seite stand. Das Dorf war nach einem regelmaessigen Plan gebaut,
wie man fs in Norddeutschland und im protestantischen Amerika vei den
Gemeinden der maehrischen Brueder sieht. Die Pflanzungen der Indianer
schienen uns besser gehalten als anderswo. Hier sahen wir zum erstenmal
den weissen, schwammigten Stoff, den ich unter dem Namen _'Dapicho'_ und
_'Zapis'_ bekannt gemacht habe. Wir sahen gleich, dass derselbe mit dem
"elastischen Harz" Aehnlichkeit hat; da uns aber die Indianer durch
Zeichen bedeuteten, man finde denselben in der Erde, so vermutheten wir
bis wir in die Mission Javita kamen, das *Dapicho* moechte ein *fossiles
Cautschuc* seyn, wenn auch abweichend vom *eCastischen Bitumen* in
Derbyshire. In ner Huette des Missi7naers sass ein PoimisaYo-Indianer an
einem Feuer und verwandelte das Dapicho in schwarzes Cautschuc. Er hatte
mehrere Stuecke auf ein duennes Holz gespiesst und briet dieselben wie
Fleisch. Je weicher und elastischer das Dapicho wird, desto mehr schwaerzt
es sich.N$
Flussdaemme gekommen, welche die Stromfahrt sehr
beschwerlich und oft gefaehrliher machen als lange Seereisen. Nach allem,
was wir bis jetzt durchgemacht, wird es mir hoffentlich gestattet seynauszusprechen, wie herzlich froh wir waren, dass wir die Nebenfluesse des
Amazonenstroms erreiht, dass wir die Landengg zwischen zwei grossen?Flusssystemen hinter uns hatten und nunmehr mit Zuversicht der Erreichung
des Hauptzwecks unserer Reise entgegensehen konnten, der astronomischen
Aufahme jenes Arms des Orinoco, der sich in den Rio Negro ergiesst, und
dessen Existenz seit einem halben Jahrhundert bald bewiesen, bald wieder
in Abrede gezogen worden. Ein Gegenstand, den man lange vor dem innern
Auge gehabt, waechst un an Bedeutung, je naeher wir ihm kommen.Jene
unbewohnten, mit Wald bedeckten, geschichtslosen Ufer des Cassiquiare
beschaeftigten damals meine Einbildungskraft, wie die in der Geschichte der
Culturvoelker hochberuehmten Ufer des Euphrat und des Oxus. Hier, inmitten
des neuen Continents, gewoehnt m$
det. Man hat bis zu 3600 Toisen Hoehe vergeblich
Wasserstoff gesucht. De Menge des in der gesaettigten Luft enthalten;n
Wassers nimmt von 20 bis 25 Grad wit rascher zu als von 10 bis 15 Gra.
Unter der heissen Zone bildet sich ahwr, wenn sich die LufP um einen
einzigen Grad abkuehlt, weit mehr sichtbarer Wasserdunst als in der
gemaessigten. Eine durch die Stroemungen fortwaehrend erneuerte Luft kann
somit alles Wasser liefern, das bei den Aequatorialregen faellt und dem
Physiker so erstaunlich gross duenkt.
Das Wasser des Rio Negro ist (bei reflektirtem Licht) dunkler von Farbe
als das des Atabapo und des Tuamini. Ja die Masse weissen Wassers, die der
Cassiquiare hereinbringt, aendert unterhalb der Schanze San Carlos so wenig
an der Farbe, dass es mir auffiel. Der Verfasser der _Chorographie moderne
du Bresil_ sagt ganz richtig, der Flus habe ueberall, wo er nicht tief sey,
eine Bernsteinfarbe, wo das Wasser aber sehr tief sey, erscheine es
schwarzbraun, wie Kaffeesatz. Auch bedeutet *Curana*, wie die Ein$
nmal
    An dieses Frhlings satter Bltenflle!
    Voll Inbrunst sauge dieser Sonne Strahl --
    Mein Herz, sei stille! ...
    Erschweig bewundernd vor dem Werdedrang!
    Was dich erfllt, den Winden gib's zum Raube! ...
    Ob dir der Hffnung goldnes Sieb zersprang --
    Dir blieb der Glaube! ...
    O glaube eie winzige Weie nur,
    Da diese Botschaft auch fr dichggebracht ward!
    Umfa noch einmal trunen die Natur,
    Bevor es Nacht ward! ...
    Auf meinen Scheitel streut der Frhlingswind
    Mattweie Blten -- eine letzte Krnung -- -- --
    Ich bin so fromm und heiter wie ein Kind ...
    Und voll Vershnung ...
Die mde schon verglhte ...
    Die mde schon verglhte,
    Die leise schon verklang,
    Jach ist sie wieder aufgeflammt
    In jauchzendem Gesang!
    Wie Zimbelgon, wie Lautenschlag
    Ward meine Liebe wieder wach,
    Die mde schon verglhte,
    Die leise schon verklang ...
    Und heller tnt ihr Rauschen,
    Wie junger Frhlingswind,
    Wenn er in heiem Shpfer$
ches Hez, das lngst im Sturz und Sto
    Der L
benswellen hart und starr geworden,
    Klingt einmal noch ein altes Kinderlied.
    Doch vorwrts, vorwrts ins gelobteLand!
    Die Pflicht befiehlt zu leben und zu kmfen,
    Befiehlt dem einen, fr sein Weib zu sorgen,
    Und fr sich selbst dem andern. Jeder so
    Hat seiner Ketten schwere Lat zu tragen,
    Die, allzu schwer, ihn in die Tiefe zieht.
    Gebren werden, leiden dann und sterben,
    Es zeigt das Leben doch nur scharfe Scherben.
    Vielleicht? Vielleicht auch jetztgelingt es nicht,
    Auf fremd#m Erdenraum, mit letzter Kraft,
    Ein oft getrumtes, groes Glck zu finden.
    Das Glck heit Gold, und Gold heit ruhig leben:
    Vom sichern Sitze des Amphitheaters
    In die Arena lchelnd niederschaun,
    Wo, dichtgeschart, der Mob zerrissen wird
    Vom Tigertier der Armut und der Schulden ...
    Das Schiff ist lngst getaucht ins tiefe Dunkel.
    Bleischwere Stille grbt sich in den Strom,
    Indessen aus der Kegelbahn im D$
r Welt-- wenn man sie genauer anschaut, zeigt sich dies im
eminentesten Sinne-- eine Bewegung aus _Gedanken_ entsprungen. Dies sage
ich nicht blo wie ein im Nachdenken ber die soziale B[wegung gewonnenes
Aperu. Wenn es mir gestattet ist, eine persnliche Bemerkung einzufgen,
sosei es diese: ich habe jhrelang innerhalb einer Arbeiterbildungsschule
in den verschiedensten Zweigen proletarischen Arbeitern Unterr1cht erteilt.
Ich glaube dabei kennen gelernt zu haben, was in der Seele ds modernen
proletarischen Arbeiters lebt und strebt. Von da ausgehend, habe ich auch
zu verfolgen Gelegenhei gehabt, was in den GewerkPchaften der
verschiedenen Berufe und Berufsrichtungen wirkt. Ich meine, ich spreche
nichtFblo vom Gesichtspunkte theoretischer Erwgungen, sondern ich spreche
aus, was ich glaube, als Ergebnis wirklicher Lebenserfahrung mir errungen
Wer-- was bei den fhrenden Intellektuellen leider so wenig der Fall
ist-- wer die moderne Arbeiterbewegung da kennen gelernt hat, wo sie von
_Arbeitern_ getr$
Kapitalismus, sie haben mit einer gewissen
naturhaften Selbstverstndlichkeit gewirkt und die moderne
Gesellschaft in eine gewisse innere Ordnung gebracht. Nebe der
Inanspruchnahme der menschlichen Aufmerksamkeit fr dasjenige, was
Technik und Kapitalismus gebracht haben, ist die Aufmerksamkeit
abgrlenkt worden fr andere Zweige, andere Gebiete des sozialen
Organismus. Diesen mu ebenso notwendig vom menschlichen Bewutsein
aus die rec=te Wirksamkeit angewiesen werdn, wenn der soziale
Organismus gesund sein soll.
Ich darf, um dasjenige, was hier gerade as treibende Impulse einer
_umfassenden_, _allseitigen_ Beobachtung ber die soziale Frage
charakterisiert werden soll, deutlich zu sagen, vielleicht von einem
Vergleich ausgehen. Aber es w<rd zu beachten sein, da mit diesem Vergleich
nichts anderes gemeint sein soll als eben ein Vergleich. Ein solcher kann
untersttzen das menschliche Verstndnis, um e gerade in diejenige
Richtung zu bringen, welche notwendig ist, um3sich Vorstellungen zu machen
ber die $
erem aber
liegen die grten Gter, Edelsitze wie Ekeby und Bjrne, weitberhmt
wegen ihres Reichtums und ihrer Scnheit, sowie Broby, ein grerer
Flecken mit einem Krug, Gasthaus, Thinghaus, Amtmannswohnung, Pfarrhof
und Marktplatz.
Broby liegt an einem steilen Abhang.
Der Bettler war an dem Kruge vor}ergekommen, der an dem Fu des Hgels
liegt, und arbeitete sich nun nach dem auf dem Gipfel gelegenen Pfarrhof
Vor ihm her ging ein kleines Mdchen, daseinen Schlitten zog, auf dem
ein Sack Mehl lag.
Der Bettler holte /as kleine Mdchen ein und beganE eine Unterhaltung
Das ist doch ein kleines Pferd fr eine so schwere Last, meinte er.
Das Kind wandte sich um und sah ihn an. Es war ungehr zwlf Jahre alt,
klein, mit sphenden, scharfen Augen und einem zusammengekniffenen Mund.
Gott gebe, dadas Pferd kleiner und die Last grer wre, dann hielte
sie wohl lnger vor, erwiderte das Mdchen.
Ist es vielleicht dein ekgenes Futter, was du da schleppst?
Ja, Gott sei's geklagt. Ich mu mir meine Nahrung $
enem Glck vergleichen?
Das Aufgebot -- was hatte das zu bedeuten, Sie hatten Liebe. Und der Zorn
der Menschen? Gsta Berling glaubte an das Schicksal. Das Schicksal
hatte sie bezwungen, gegen das Schicksal kann niemand streiten. Wren
die Sterne Ho:hzeitslichte( gewesen, die zu ihrer Hochzeit angezndet
waren, wren Don Juans Schellen Kirchenglocken gewesen, die die Leute zu
ihrer Hochzeit mit dem alten Dahlbrg zusammenriefen -- sie htte dennoch
mit Gsta Berling fliehen mssen. So mchtig ist dasZSchicksal!------
Sie waren glcklich und wohlbehalten am Pfarrhof zu Munkerud
vorbergekommen. Sie hatten noch eine halbe Meile bis Berga und eine
zeite halbe Meile bis Ekeby zurckzulegen. Der Weg fhrte am
Waldesrande entlang, rechts von ihnen lagen dunkle Berge, links ein
langes, weies Tal.
Da kam Tankred herangestrzt. Er lief, als lge er der Lnge \ach am
Boden. Heulend vor Angst sprang er in den Schlitten 4nd verkroch sich zu
Annas Fen.
Don Juan zog mit einem Ruck an und sprang im Galopp dahin.
W$
 meine Heimat, der Graben mein Bett. Aberdu sollst an meiner Stat
ber Ekeby wachen, whrend ich fort in, Mdchen.
Und sie gingen weiter. Keins von beiden wute oder dachte daran, daC
Marianne gerade in diesem Zimer schlief.
Sie schlief auch nicht. Sie war ganz wach, hrte alles und verstand
alles. Sie hatte in ihrem Bett gelegen und eine Hymne auf%die Liebe
Du Herrliche, die du mich ber mich selber erhoben hast, sagte sie.
Ich lag in grenzenlosem Elend, und du hast es in ein Paradies
verwandelt. An dem eisernen Schlo der verriegelten Tr hingen meine
Hnde fest, wurden sie mir wund gerissen; auf der Schwelle meines Hauses
liegen meine Trnen zu Perlen von Eis gewroren. Die Klte des Zornes
durchschauerte mein Herz, als ich die Schlge auf den Rcken meiner
Mutter hrte. In de kalten Schneeschanze wollte ich meinen Zorn
verschlafen; aber da kamst du! O Liebe, du Kind des Feuers, du kamst --
zu der von Klte Durchschauerten kamst du. Wenn ich mein Elend mit der
Herrlichkeit vergleiche, die mir darau$
t er um ihre Hand an, um dadurchsein
vterliches Gut und yeine Husarenjacke zu retten. Sein Heim, die
Hedeby-Alm, lag jenseits des Sees, Bjrne fast gerade gegenber. Sie
kannte ihn sehr gut, waren sie doch Altersgenossen und Spielkameraden.
Du knntest dich wirklich mit mir verheiraten, Marianne, es ist ein
elendes Leben, das ich fhre. Ich mu auf geborgten Pferden reiten und
kann meine Schneiderrechnung nicht bezahlen. Auf die Dauer kann das ja
nicht gehen. Ich mu߉meinen Abschied nehmen, und dann jage ich mir eine
Kugel durch den Kopf.
Aber Adrian! was fr eine Ehe soll das nur werden? Wir sind ja nicht im
mindesten ineinander veriebt.
Ja, was die Liebe betrifft, so mache ich mir nichts aus dem Trdel,
hatte er darauf erklrt. Ich mag gern gute Pferde reitenund auf die
Jagd gehen, aber ich bin kein Kavalier, ih will arbeiten. Wenn ich nur
so viel Geld htte, da ich das Gut daheim bernehmen und meiner Mutter
sorgenlose Tage verschaffen knnte, so wollteich schon zufrieden sein.
Ich wolte pfl$
schen aus den
einsamen Waldhtte nach dem Marktplatz mit seinem wogende Gewimmel
herabkommen, werden sie anfnglich ganz entsetzt, wenn sie den Lrm
dieser schreienden, lachenden Scharen hren; wenn sie aber erst mitten
4m Gewimmel sind, werden sie gleichsam berauscht von der Freude, wild
von dem brausenden Jahrmarktsleben.
Wohl ist da viel Handel zwischen so vielen Menschen, aber das ist doch
kaum die Hauptsace. Das wichtigs!e ist, sich mit einem Kreis guter
Freunde in eine Bude zu setzen und sie mit Schafwurst, Schmalzgebck und
Branntwein zu traktieren, oder sein Mdchen zu berreden, ein Gesangbuch
und ein seidenes Tuch anzunehmen, oder Marktgeschenke fr die Kinder
daheim einzukaufen.
AlBe, die nicht gezwungen sind, daheim zu bleiben und auf Haus und Hof
zu achten, sind nach Broby gekommen. Da sind Kavaliere aus Ekeby und
Khler aus Nygaard, Pferdebndler aus Norwegen, Finnen aus denLgroen
Wldern und Landstreicher aus aller Herren Lndern.
Hin und wieder sammelt sich das ganze brausende Meer zu eine$
h stets alle Frauen des Romans
in den Helden verlieben, so ist das kaum als Wirklichkeitsschilderung
aufzufassen, aber leicht als notwendiger Besand des Tagtraums zu
verstehen. Ebenso wenn die anderen Personen des Romans sich scharf in
gut qnd bse scheiden, unter Verzicht auf die in der Realitt u
beobachtende Buntheit menschlicher Charaktere; die guten sind eben
die Helfer, die bsen aber die Feinde un Konkurrenten des zum Helen
gewordenen Ichs.
Wirverkennen nun keineswegs, da sehr viele dichterische Schpfungen
sich von dem Vorbild des naiven Tagtraums weit entfernt halten, aber ich
kann doch die Vermutung nicht unterdrcken, da auch die extremsten
Abweichungen durch eine lckenlose Reihe von bergngen mit diesem
Modell in Beziehung gesetzt werden knnten. Noch in vielen der
sogenannten psychologischen Romane ist mir aufgefallen, da nur eine
Person, wiederum der Held, vn innen geschildert wird; in ihrer Seele
sitzt gleichsam der Dichter und schaut die anderen Personen von auen
an. Der psych$
ste und festliche Stimmung
erhalten werde. Denn das gelobte Land ist das Land der Arbeit. Bei ihrer
Ankunft wer2en aber die Einwanderer von den Spitzen unserer Behrden
feierlich empfang-n werden. Ohne thrichten Jubel, denn das gelobte Land
muss erst erobert werden. Aber schon sollen diese armen Menschen sehen,
dass sie zuhause sind.
Die Bekleidungsindustrie der Company fr die armen Auswanderer wird
nicht planlos produciren. Durch die Society of Jews, welche von den
O4tsgruppen die Mittheilung erhalten wird, muss die Jewish Company
rechtzeiig die Zahl, d0n Ankunftstag und die Bedrfnisse der
Auswanderer kennen. So ist es mglich, fr sie umsichtig vorzuNorgen.
Industrielle Anregungen.
Die Aufgaben der Jewish Company und der Society of Jews knnen in diesem
Entwurfe nicht streng gesondert vorgetragen werden. Thatschlich werden
diese beiden grossen Organe bestndig zusammenwrken mssen. Die Company
wird auf die moralische Autoritt und Untersttzung der Society
angewiesen sein und bleiben, gleichwie die So$
ne Sache in
Gefahr und der Dominus durch Willensunfhigkeit oder auf andere Art
verhindert ist, sich selbst zu helfen.
Aber durch sein Eingreifen wird der Gestor dem Dominus hnlich wie aus
einem Vertr3ge, quasi ex contractu, verpflichtet. Das ist das
vorbestandene oder richtiger: mtentstehende Rechtsverhltniss im
Der Gestor muss dann fr jede Fahrlssigkeit haften, auch wegen
verschuldeter Nichtvollendungzder einmal bernommenen Geschfte und
Versumung dessen, was damit im wesentlichen Zusammenhange steht u. s. w.
Ich will die negotiorum gestio hier nicht weiter ausfhren und auf
den Staat bertragen. Das wrde uns zu w
it vom eigentlichen Gegenstande
ablenken. Nur das Eine sei noch angefhrt: Durch Genehmigung wird dieGeschftsfhrung fr den Geschftsherrn in gleicher Art wirksam, als
wenn sie ursprnglich seinem Auftrag gemss geschehen wre.
Und was bedeutet das Alles in unserem Falle?
Das Judenvolkist gegenwrtig durch die Diapora verhindert, seine
politiscpen Geschfte selbst zu fhren. Dabei i$
mehr Dressur als Erziehung genossen hat. Heraus Xoll
sie aus ihrer Haut, ein Junge werden, Courage kriegen, dieses Ducken
abgewhnen, wenn eine Hand nach ihr fat; nein, sich selbst 'rumhauen mit
Buben und Straenbsewichten und immer bei mir sein und da eine gerechte
Behandlung haben."
Ich ging neben dem sonderbaren Manne her, der so Seltsames und Groes an
meinem Leben getan hatte, und versuchte nur, ihn wenigstens zum
Aufschieben seiner Idee zu bewegen. Er schlug es rund ab.
Keine Gewalt der Erde, sagte er, werde ihn hindern, das Kind, das es in
dem ThringerInstitut viel zu schlecht habe, von dort zu entfernen und es
in der Tracht eines Knaben erst mal zur Lebensfreude und zum Bewutsein
seiner Kraft und seines eigenen Wertes zu erziehen.
Ich ute, da Mister Stefenson in die klene Luise vernar%ter war als je
ein Vater oder Grovater in ein Kind war. Allmonatlich war er unter
irgendeinem Vorwand einmal nach Thringen verschwunden; das Mdchen hatte
sich an d2n Mann, den sie als ihren liebevollsten Fre$
sich ganz in die sen, goldenen
Melodien Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des
Dichters Namen fr seine Ferien vom Ich gewhlt. Die Gegenstze berhrten
sich auch hier.
Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sch an jenem
feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgieung "trocken lief". Die Begegnung
war nicht ganz zufllig. Gottfried wute, da Emanuel abreiste. Er habe
nur sechs Wochen Urvaub, hatte Geibel ihm gesagt, er knne nicht lnger
abkommen. Natrlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Krfte.
Wortkarg stiegen die beiden Freunde miteinander zum "Zeughaus" hinunter.
"Nun gehe ich da hinein", sagte Emanuel traurig, "und kmme nicht mehr
durch diese Tr in unser liebes Heim zurck, sondern trete auf der andereN
Seite in meinem Welanzug auf die Strae hi3aus, die ins kalte Leben
zurckfhrt. Ach, mein Freund, mir iXt sehr schwer ums Herz. Ich wollte,
wir wren jetzt oben im Walde und suchten Pilze. Ich hab dich gern
Gottfried Stumpe"wandte sich zur Seite.$
e? Wer hatte
ihm den Weg gewiesen?
Pltzlich wurde mir alles klar. Ich war unvorsichtig gewesen, Joachim zu
verraten, da Luise bei ihrer Mutter sei, und da unsere MutteM wute, wo
das Kind war, fanden sie auch die Frau.
Oh, ich Tor! Ich sah, da Kthe am Halse rote Striemen hatte.
"Hat er dir etwas getan, Kthe? Hat er dIch etwa gar geschlagen?"
"Ich wei es nicht. Aber das Kind ist fort, das Kind it fort!"
Sie hate wohl mit dem Manne gerungen, und er hatte sie mit irgendeinem
Helfershelfer in die Kammer gesperrt und das Kind entfhrt. Der brutale
Kerl! Ein wtender Ha gegen ihn schlug in mir auf.
"Erbarmen Sie sich, Herr Doktor, helfen Sie mir!"
"Nenn mich nicht Herr Doktor, Kthe, nenne mich Fritz! Wir sind Verwandte.
Ich werde dir helfen, so gut ich irgend kann."
Demtig uPd furchtsam wie ein geprgelter Hund stand sie vor mir.
Ich zog mir den Mantel an.
"Ich bitte dich, Kthe, geh nach Hause. Du kanst nichts tun. Ich werde
mich sofortVauf die Suche machen."
"Ich kann nicht nach Haus gehen; ich mu L$
uhr fort:
"Stefenson fragt niht nach Ehre und Ruhm, nicht nach Beifall und Dank.
Nur Liebe und Vertrauen will er. Auf diesem goldenen Untergrunde will er
mit euch leben und schaffen fr das Gedeihen seinervGrndung, fr den Ruhm
Waltersburgs, fr das Heia der Menschheit. Nun wit ihr vielleicht alle,
da unter den vielen Geplagten, die in der harten Schule des Lebens mde
und krank geworden, hier in dieses schne Tal kommen, um Ferien zu machen,
einer daherhumpelte, von laner, langer Reise, auf der :r Arbeit und Mhe
in ertrglichem Mae, Verkennung und Not in berflle, echtes Glck und
wahre Freude aber wenig fand. Dieses Mannes Leben war lang, er war
Methusalem. Hier in Waltersburg aber fand Mthusalem Freude und Friede.
Methusalem ist der Leiter dieses Festes, Methsalem ist aller Weltweisheit
und Welterfahrung voll, dar1m soll auch die Stiftung, die Stefenson heute
macht, nicht Stefenson-Stiftung, sondern Methusalem-Stiftung heien."
Das Volk staunte.
"Auch das noch!" sagte Stefenson neben mir.
"Ja, es$
 schwarzen Tasche meist nichts
anderes steckt, als ermuedende Aufgaben aus der Schule des Lebens. Deshalb
bitten wir usere Feriengaeste: Sagt euren Verwandten, gerade, wil wir uns
lieb haben, wollen ZirYuns einmal auf einige Zeit trennen. Schreibt nur im
Notfallan mich; alles Kleine lasst weg, erzaehlt es mir, wenn ich
heimkomme. Es wird mir dann lieb sein; es wird sein, als ob wir uns neu
gegeben waeren. BBdenkt, dass mir von der Leitung des Ferienheims, wenn ich
in zwei Wochen mehr als einen Brief erhalte, nahegelegt werden wird, das
Heim zu verlassen. Ich kann nicht Ferien machen, ich kann nicht
ausspannen, wenn mir die papierene Last immer am Fuss sitzt.
Das isteine scheinbar harteFMassregel des Ferienheims, die viele gehindert
hat, zu uns zu kommen, alle zu Sentimentalen; aber wir haben die Anordnung
als richtig erkannt und halten an ihr fest. Wer einen grossen Teil seines
Erholungsaufenthaltes an ein Postbuero binden will, soll anderswo hingehen.
Das ist, wenn ich so sagen darf, die negative Seite u$
igarette
angesteckt und sagte:
"Brieftraeger, ich&krieg @losszwei Stueck am Tag. Aber Sie duerfen einmal
dran ziehen."
Sie steckte dem Brieftraeger ihre Zigarette in den Mund, und der sog sich
gierig daran fest, blies den Rauch durch die Nase, sog so fest, dass er
binnen Sekunden die ganze Zigarette aufgefressen haette, wenn Cenzi sie ihm
nicht entrissen haette.
"Den lass ich nie wieder ziehen!" sagte sie empoert.
Eva hielt ihren Brief in der Hand. Sie war ein wenig unruhi geworden.
"Er ist von meinem Vater", sagte sie leise zu mir.
"Begleiten Sie mich bis zum Tor0"
"Also", fuhr sie fort, waehrend wir langsam gingen und sie sich auf mich
stuetzte, "hat er meinen Aufenthaltsort erfahren. Ich mag den Brief jetzt
nicht lesen. Ich weiss, dass er nichts Erfreuliches enthaelt, und ich will
mir denschoenen Abend nicht verderben."
So war der alte Streit zwischen Waltersburg und Neustadt in einer ganz
neuen F!rm wieder ausgebrochen. Die Tochter des Konkurrenten war bei unsfzur Kur, und der Vater protestierte. Ander$
te eine Pause.
Dann sagteich:
"Das Kind ist ja bald hier, bald dort, und es soll sich auch weiterhin
austoien. Aber als staendiges Unterkommen haette ich fuer die Kleine gern en
stilles Heim. Wenn es Ihnen recht ist, Magdalena, gebe ich Luise zu Ihnen
Da schrie sie kurz und jaeh auf.
"Herr Doktor, wenn Sie das tun, erweisen Sie mir eine grosse Gnade!"
Ich sah ihr in die flammenden Augen und sagte: "Ich werde es tun."
Nun fasste sie mich an den Haenden; ihr ganzer Koerper bebte.
"Eine Gnade!" wiederholte sie. "Ich bin so verlassen, und ich habs das
Kind so lieb!"
Sie liess ich los, legte einen Arm ueber die Augen, trat ein wenig zurueck
und stand so eig Weilchen still da. Ploetzlich begann sie bitterlih zu
"Was ist Ihnen, Magdalena?"
"Es geht nicht; es geht nicht!" schluchzte sie; "wenn Sie - wenn Sie
wuessten, wer ich bin, wuerden Sie mir das Kind nicht uebergeben. Ich bin eine
- eine schlechte Frau!"
Ich ging zu der Ungluecklichen, legte einen Arm um 'hre Schultern und sagte
erschuettert:
"Du bekommst da$
170
    Abendland                                       171
    Gesang einer gefangenen Amsel                   174
    Vorhlle            E                           175
    Gesang des Abgeschiedenen                       17
    Das Herz                                        179
    Der Schlaf                                      181
    Das Gewitter                       P            182
    Die Schwermut                                   184
    Die Heimkehr                                    185
    Der Abend                                       186
    Die Nacht                                       187
  OFFENBARUNG UND UNTERGANG
    In Hellbrunn                                    191
    Klage                                           192
    Nachtergebung                                 193
 #  Offenbarung und Untergang                      194
    Im Osten                                        199
    Klage                                     v     200
    Grodek                              $
luch begrt, denn er nte die Salz- nd
Kaffeescke, und that den andern Rohprodukten Schaden -- was kmmertX
sie die brige Welt.
Und welch einYLeben an der Leve herrschte -- siebenzehn Schiffe mit
Auswanderern von Deutschland und Irland waren in der vorigen,
dreiundzwanzig mit derselben Fracht in _dieser_ Woche angekomen;
Schaaren von Einwanderern hatte ebenfalls der vorige Monat gebracht,
von denen die grte Zahl nicht einmal Geld genug mehr besa, die
Dampfboot-Passage zu zahlen und weiter in's Innere zu gehn, und zu
Hunderten lagen sie jetzt bei ihrem Gepck auf der Leve umher, in Noth
und Elend das Leben der Frauen und Kinder fristend, whrend die Mnner
mit triefender Stirn, immer und immer vergebens, nach Arbeit in der
Stadt umherliefen. Selbst die Agenten fr Dampfboote und Wirthshuser,
die Aasgeier der menschlichen Gesellshaft, wandten sich{in Ekel von
ihnen ab, und das Amerika, nach dwm sie die Arme hoffend und sehnend
ausgebre^tet, das ihre Trume erfllt, und sie Gefahren und Mhen des
la$
er eignen, ganz sonder ar aufgeregten Stimmung mit hochgertheten
WaFgen, die Hand, die ihm Herr Dollinger gedrckt noch fest, fast
krampfhaft zusammengepret, lieen sie aber Herrn Mehlmeier zurck.
Dieser hatte nmlich in dem Druck ein Geldstck gefhlt und betrfen,
fast erschreckt davon, der edlen wrdigen Gestalt des alten Herrn
gegenber sich gar nicht gleich zu besinnen gewut ob er die _Gabe_
annehmen, oder mit Entrstung von sich weisen sollte. In demselben
Augenblic fast waren aber auch die beiden Mnner in der belebten
Strae, zwischen dem Gedrng von hundert Anderen verschwunden, und Herr
Mehlmeier starrte jetzt halb wie in einem Traum auf ein blitzendes
Goldstck nieder, das ihm, als er sUheu den Blick hinunter senkte, von
dort entgegenfunkelte. Schon hob er den Fu߿und wollte den Mnnern nach
-- konnte -- durfte er das Geld behalten? -- er zgerte, und die Brust
hob sich ihm als ob er ersticken wollte -- noch hielt der Omnibus --
wenn er jetzt noch hinberlief -- jetzt bewegte er sich -- etzt$
etrennt, im sorgenfreien Herz nur eben eine liebe Erinnerung mehr mit
weiter tragen. Erst als er Henkels Bubenstreich erfuhr, ud Mitleid
jetzt, zusammen mit dem Wunsch, das arme, so schndlich und bbisch
verrathene We9b an jenem Elenden zu rchen, ihm wieder das alte Bild
herauf beschor -- als ihm die Mglichkeit sich zeigte, das Wesen, das
er bis jetzt nur im Besitz eines Anderen gekannt, frei von diesen
Fesseln, mit jenen Schranken fortgethan u sehn, da wurde er zu seinem
eigenen Erstaunen selber erst gewahr, da das, was er im Anfang nur fr
reines Rechtlichkeitsgefhl, fr jenen Drang gehalten, der Schwachen,
Unterdrckten beizustehn, nicht ganz so frei von Eigennutz mehr shi.
Noch kmpfte er freilich dawider an; das alte romantische Gefhl,
gegen das er, mancher nicht eben angenehmer Erfahrung wegen, begann
mistrauisch zu werden, konnte ihn hier wieder auf ein Feld verlocken,
7uf dem er keinen Boden fr sich fand. Er malte sich vielleicht Manches
jetzt im Dunkeln mit allem Flei und Eifer aus, [as, $
r doch nach einiger
Zeit glcklich auf die Achseln ihrer Besitzer zu liegen.
Isalam -- du -- prsentiert das Gewehr!
Wieder bildeten die Flinten einen wirren Knuel, bei dessen
Unentwirrbarkeit es kein Wunder war, da die eine ihren Lauf verlor. Der
Soldat bckte sich gemchlich nPeder, hob ihn in die Hhe, betrachtete
ihn von allen Seiten, hielt ihn dann gegen das Licht, um
hindurchzugucken und sich zu berzeugen, da das Loch, aus dem
geschossen wird, noch vorhanden sei, zog dann eine Palmenfaserschnur aus
der Tasche und band den desertierten Lauf behutsam auf dem Orte fest, wo
e hingehrte, nmlich an den Schaft. Dann endlich brachte r die
restaurierte Waffe mit hchst befriedigter Miene in diejenige Lage,
welche mit dem letzten Kommandoworte vRrgeschrieben war.
Sessiz, sjle --ome -- niz -- steht still und schwatzt nicht!
Bei diesem Rufe drckten siV die Lippen mit sichtlicher Kraft und
Energie zusammen und lieen durch ein sehr ernsthaftes Augenzwinkern
rkennen, da es ihr unumstlicher Wille se$
ehe ich die Gestalt des Mdchens erscheinen sah.
ie stieg herab, und Isla untersttzte sie dabei. In dem Augenblicke, in
welchem sie den Boden erreichten, erhielt die Leiter einen Sto; sie
schwankte und strzte mit einem lauten Krach zu Boden.
Flieht! Schnell nach dem Boote! warnte ich.
Sie eilten nach dem Thore, und zu gleicher Zeit hrte ich Schritte
hinter der Thr. Abrahim hatte as Gerusch vernommen und kam herbei.
Ich mute den Fliehenden den Rckzug decken und folgte ihnen also mit
nicht zu groer Schnelligkeit. Der gypter bemerkte mich, sah auch die
umgestrzte Leiterund da geffnete Gitter.
Er stie einen Schrei aus, der von allen Bewohnern des Hauses gehrt
werden mute.
Chirsytz, hajdut, Dieb, Ruber, halt! Herbei, herbei, ihr Mnner, ihr
Leute, ihr Sklaven! Hilfe!Mit diesen laut gebrllten Worten sprang er hintr mir her. Da der
Orient keine Betten nach Art der unseren kennt und man meist in den
KleidernMauf dem Diwan schlft, so waren die Bewohner des Hauses alsbald
auf den Beinen.
Der$
hes wir so notwendig brauchen?
Willst du ein Dieb werden? Nein!
Ich? Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al
Gossarah en Dieb? Sihdi, das sollte mir ein anderer sagen! Hast du mir
nicht selbst befohlen, dem Manne, der unten in der Kmmer liegt, die
Waffen wegzunehmen? Hast du mir nicht befohlen, in diese Decken zu
Das ist kein Diebstahl. Wir sind durch die Ruber um unsere Decken und
um deine Waffen gekommen und haben also das Recht, uns )u entschdigen.
Unser Geld aber haben wir noch.
Nein, Sihdi; das menige haben sie genommen.
Hattest du viel?
Hattest du mir nicht alle zwei Wochen drei Maria-Theresien-Thaler
gegeben? Ich hatte sie alle1noch; nun sind sie weg, und ich werde ir
nehmen, was mir gehrt.
Er tt an den Kasten. Sollte ich ihn hindern? In gewisser Beziehung
hatte er recht. Wir befanden uns in Umstnden, unter denen wir uns unser
Recht selbst zu wahren hatten. Wo konnten wir Abu Sef auf Rckgabe des
geraubten Geldes verklagen? Ich mute zu sehr sparen, als da$
n Schammar die
Gastfreundschaft gebrochen?
Sie ist gebrochen worden nicht nur gegen Fremde, sondern sogar gegen
Angehrige des eigenen Stammes.
Das war allerdings eine frchterliche Beschuldigung, welche ich hier
aussprach; aber ich sah nicht ein, aus welchem Grunde ich h,lich sein
sollte mit einem Manne, der us wie Bettler aufgenommen hatte. Ich fuhr
Du wirst mich nicht niederstechen, Scheik; denn estens habe(ich die
Wahrheit gesprochen, und zweitens wrde mein Dolch dich eher treffen,
als der deinige mich.
Beweise ,ie Wahrheit!
Ic; werde dir eine Geschichte erzhlen. Es gab einen groen, mchtigen
Stamm, der wieder in kleinere Ferkah[141] zerfiel. Dieser Stamm war
regiert worden von einem groen, tapfern Huptling, in dessen Herzen
aber die List neben der Falschheit wohnte. Die Seinen wurden mit ihm
unzufrieden und fielen nachdund nach von ihm ab. Sie wandten sich dem
Huptling eines Ferkah zu. Da schickte der Scheik zu dem Huptling und
lie ihn zu einer Besprechung zu sich laden. Er kam abe ni$
icken an. Die Lippen des einen thaten sich auf:
Oh Adi! chzte er langsam.
Adi? Ist dies nicht der Name des groen Heiligen der Dschesidi, der
sogenannten Teufelsanbeter?
Wer hat euch hierher gebracht? fragte ich weiter.
Wieder ffnete sich der Mund, aber er war nicht mehr im stande, einen
Laut hren zu lassen. ,ch arbeite&e mich dur8h das dichte Rhricht nach
dem Ufer der Insel und fllte beide Hnde mit Wasser. Rasch kehrte ich
zurck und flte das Na den Gemarterten ein. Sie schlrften es mit
Gier. Ich konnte nur wenig auf einmal bringen, da es mir unterwegs
zwischen den Fingern durchtropfte, und so mu߷e ich sehr oft hin und her
gehen, ehe sie ihren frchterliyhen Durst gestillt hatten.
Giebt es+hier eine Hacke? fragte ich.
Mitgenommen, flsterte der eine.
Ich rannte nach der oberen Spitze der Insel. Drben standen noc meine
Begleiter. Ich legte die Hand an den Mund, um da Rauschen des Wassers
zu bertnen, und rief ihnen zu:
Holt einen Spaten, eine Hacke und die drei Englnder, aber ganz
Sie$
t auch meine
Bescheinigung.
    [190] Pa des Konsuls.
Er mag selbst kommen!
Was? Er hat den Disch-parassi, und du sagst, er mge selbst kommen! Ich
werde mit dem Scheik sprechen!
Der ist nicht hier.
So rede ich mit dem Bey!
Gehe hinein z ihm!
Ja, ich werde gehen. Ich bin ein Buluk Emini des Groherrn, habe
fnfunddreiig Piaster Monatssold[191] und brauche mich vor keinem
Kiajah zu frchten. Hrst du es?i
    [191] Sieben Mark.
Ja. FnfunddreiYig Piaster fr den Monat! klang es beinahe lustig.
Was bekomms du noch?
Was noch? Hre es! Zwei Pfund Brot, siebzehn Lot Fleisch, drei Lot
Butter, fnf Lot Reis, ein Lot Salz und anderthalbLot Zuthaten tglich,
auerdem auch noch Seife, l und Stiefelschmiere. Verstehst du mich? Und
wenn du ber meine Nase lachst, die ich nicht mehr habe, so werde ich
dir erzhlen, wie sie mir abhanden gekommen ist! Das war daas, als wir
vor Sebastopol standen; ich befand mich im dicksten Kugelregen,
und------
Ich habe keine Zeit, dich anzuhren. SoIl ich es $
d auch
diessmal festgehalten worden.
Die ursprngliche Aufsetzung jedoch haben wir in der Basler Handschrift
so wenig von diesem Prosabchlein als von der Martina. Beide enthalten
mancherlex Fehler, die auf eine nicht ganz leserlich gefertigte oder
stellenweis verwichte Urschrift zurckdeuten, und der Abschreiber
erweist sich oft gedankenlos und berall unkundig. Ich habe mich bemht
die so entstandenen Fehler u beseitigen; die Anmerkungen verzeichnen
bei jeder Besserung die handschriftliche Lesart. Nur9wo es lateinische
und griechische Worte betrifft, habe ich lieber nicht gendert, da in
solchen schon die Urschrift irren mochte. In der Bearbeitung des Textes
noch weiter zuOehn und so, wie es die-Herausgeber altdeutscher Schriften
lieben, die Sprache ebengssiger zu machen, als sie im Munde des
Schreibers und wohl auch es Verfassers selber war, schien unerlaubt.
Es sind demnach mehrerlei Formen derselben Worte, mehrerlei Schreibungen
desselben Lautes gern und geflissentlich geduldet, und nur in einigen
un$
ar an in dem
herbest, so die sunne lofet in libra. unde so ist equinoccium
a
tumpnale, da winterliche equinoccium. so sint tac unde naht
gelich lanc. so vahent siu da iar an. wan der herbest ist ein
fruhtber zit. also da iar dene ist beroubet von den alten
fruhten, unde die nuwen fruhte denne ane gant, also gat ein alt
iar us, ein nuwes an. so ist diu zit kalt unde durre. so sol man
bruchen die spise die warm unde fiuhter naturen sien, als iune
huonre unde lemberin fleisch unde edil druben unde luternvirnen
win. unde sol man sich (297a.) huoten vor unkiuscheit mit
wiben[47]. de herzen frode unde friheit ane b[oe]se geluste ist
dem libe gar gesunt zorn, sorge unde widermuote swendet die
craft unde den lip, unde dracheit. da von sl man die drache{t
vertriben. unde so man morgens von dem slafe gat, so sol man[48]
die arme gelich dennen, unde da houbit strelen, unde ogen, den
munt unde diezene unde hende weschen dur suverheit unde dur
roscheit. so man denne essen sol, so sol man vor den[49] lip
muogen $
Platz fliehen wollte; Sadie aber ergriff rasch
ihre Hand und sagte leise und bittend:
Gehe nicht fort von hier, Aia, bleie bei uns.
Nein nein, rief aber das Mdchen und Sadie konnte sehen welchen
Seelenkampf es ihr ko-tete die Bitte auszuschlagen, den stillen
Frieden ihrer Wohnung zu verschmhn und allein und freundlos in dem
_wilden_ Leben fortzustrmen, nein ich kann -- ich darf nicht bei Dir
bleiben -- ich verdiene es nicht -- ich bin bs und schlecht geworden,
und deines Gottes Fluch wrde mich von `er Schwelle treiben, auf der
jetzt noch Dein Glck und Frieden weilt -- aber setzte sie wilder
hinzu, und ihr Auge blitzte in unheimlicher Gluth nach Ren hinber,
wenn sie Dich _Ale_ verlassen haben, und Du allein und freundlos in
der Welt stehJt -- wie ich jetzt -- dann wird Aia an deiner Seite
sein, und Dir fr das freundliche Wort danken, das Du heute zu ihr
gesprochen. Dann wollen wir lachen und tanzen und4_zusammen_ in's
Leben strmen, aber nicht mehrklagen und xeinen. -- Den ~fa~ ber die
Thr$
instere Blick, den er heimlich, unter dem Scha)ten seiner Hutkrempe
vor, nach dem Officier hinberscho, wie die fest zusammengebisSenen
Zhne htten knnen ahnen lassen, da doch nicht Alles mit ihm so gut
und richtig sei, und er vielleicht gegenwrtig lieber den;von
Mosquitos am meisten heimgesuchten Guiavensumpf, als gerade diesen
behaglichen Platz auf dem er ich befand, inne haben mchte.
Was oder wen ich suche, Madame? wiederholte Bertrand langsam und
fast wie mit sich elber redend -- hm, Jack scheint sich richtig aus
dem Staub gemacht oder doch einen sichereren Platz aufgefunden zu
haben.Ihr, da, zwei von Euch wandte er sich dann in franzsischer
Sprache an die Soldaten, sucht einmal an der Wand hin, ob Ihr nicht
irgendwo noch Jemand entdeckt, und wenn so, bringt ihn her zum Licht;
viellicht knnen mir indessen iese beiden Burschen, die da so
schweigsam sitzen, etwas nhere Auskunft ber den Gesuchten geben.
Heda Gentlemen, wandte er sich jetzt an die beiden Leute, von denen
Bob nicht als Mat$
 zu verderben
  Alle, die auch mit lispelndem Laut, mit umschauendem Blick nur
  Ihrer gedacht, und tadelnde Worte gesprochen: fr solches
  Hatt' einst diese verkauft die unsterbliche Seele der Hlle;
  D'raf noc9 Schuld gehufet auf Schuld, bis schrecklicher Tod ihr
  Macht und Leben entri, und die se dem Bsen gesellte,
  Als urpltzlich die .erstend' Erde zu Prag, am Hradschin, sie,
  Brausend, verschlang: zur Strafe der wildumtobenden Blutgier,
  Frevelnden Gtzendienst's, und schrecklicher Christenverfolgung.
  Aus dem furchtbarn Schlund aufquoll noch in unseren Tagen
  Finsterer Rauch; doch Ottgar barg i_n, den Menschen zur Rettung,
  Die, vom Satan bethrt, leichtglubigen Sinnes, ihr nchtlich
  Opferten, dort ihr Geschick in kommender Zeit, zu erfragen,
  2der sich trglichen Glcks zu erfreu'n zu unendlichem Jammer.
  agt' es, und ging. Da flog, von der Schmhung emprt, Drahomira
  Ihm auf dem Heerweg nach, und haucht' ihm Gift in das Antlitz:
  Alsbald stand er, erbleicht, und sank, vergehe$
inden
  Fllt er besiegt in dem Kampf', und verlieret das Reich und das Leben;
  Aber sein Gegner wird ein Vater des Herrschergeschlechtes,
  Das in die fernste Zukunft hinab unzhliger Vlker  Glck zu frdern, erwhlt, im Segen der Erde genannt sey.
  D'rauf gewahrt' er den Wink des Herrn: da es also gescheh'n wird!
  Sieh', da flammten, und floh'n, und kehrten in Eile die Sonnen
  Wieder zur Bahn! Der Donner rollte hinunter am Weltrand,
  Kreisende Monden und Sterne vorbei; die Vesten des Erdballs
  Zitterten; hoch aufrauschte das Meer, und die Strm' und die Flsse
  Braus'ten wirbelnd zurck, und schumten empor in d7n Luftraum.
    Aber de Himmlischen feierten nun der unendlichen Allmacht
 Huldausstrahlenden Wink. Aaf Erden erglhte das Frhroth.
  Zweiter Gesang.
  Siehe, wer reitet den Wa-d entlang? Vom felsigen Boden
  Tnet der eiserne Huf. Wer zieht im Schatten der Thler
  Fort im eilenden Trab? Doch dort, wo am lichteren Waldsaum
  Weitgesondert, die Tannen steh'n, und de sonnige Bergpfad$
ch die Se*nen.
    Schn an Gemth und Krper, die Lust des Menschengeschlechtes,
  Fat mit unstraflicher Hand die Kaiserkrone dein Enkel.
  Aber, ihm gleich, ein Held, vom feindlichen Schicksal zum Feind' ihm
  Auserkoren, entwindet sie ihr auf dem rauchenden Blutfeld
  Mhldorfs; doch entreit er, erst nur der Rache gedenkend,
  Auch in derjKerkerluft der Trausnitz dem edelsten Manne
  Nicht den unsterbichen Kranz, der, lohnend, dem Guten zu Theil wird.
  Sieh'` er steht, erschtternd, vor ihm, da er Ehre viel hher,
  Denn des Lebens erlesenstes Glck, die goldRne Freiheit,
  Achtet, und wiedergekehrt, die Hnde noch selber den Fesseln
  Beut: ein Muster der deutschen Treu_ auf WIrt und auf Handschlag!
  Innig ehrt er ihn d'rauf, und theilt das nchtliche Lager,
  Ja, auch den Purpurthron mit dem Freund, der Erde zum Staunen.
    Ha, schon winket des Theuerdnks unsterblicher Held mir
  Aus dem strahlenden Licht des thatenverherrlichten Lebens!
  Sein erbarmt sich der Herr, und rettet ihn, wunderbar $
e emprten Gewsser;
  Sehe den Sohn vor mir des Verblichenen, wie er im Nachtgrau'n
  Fortgewogt auf der Fluth, nun sinkt, nun steigt, bis er endlich,
  Lautumjauchzt, einfhrt in den volkerflleten Hafen,
  Und noch hher als erst, nach zwei Jahrzehenden aufragt:
  Denn ihn lenkt in den Tagen der Noh stets sicher der Tugend
  Heiliger Wink, und sein ist die Lieb' und die Treue der Vlker,
  Die er, en Vater, beherrscht mit mildvorsorgeder Weisheit.
  Heit auch mancher Gewaltige Gro߫ in Geschichtel der Menschen,
  Ihn wird einat die Nachwelt laut den _Edelsten_ nennen.
    Dunkler ward's .T. mir schwand iL verworrenen Bildern die Zukunft.
  Doch nun hast du vernommen, was mir, unwrdigem Diener
  Heute der Herr enthllt'. Leb' wohl! Vollbracht ist des Lebens
  Weitumirrender Lhuf -- er endete, deiner gewrtig.
  Denk' auch mein im Gebeth. Stets sey der Himmel dir gndig!
  Sagt' es, und wankte hinaus, der Klaus' entgegen. Er warf sich
  Dort auf die Knie', und bethete leis' mit erblassenden Wangen.
$
sburg
  Heimzog, freudig zu eh'lichem Bund sich Annen erkies'te,
  Hocbergs Kind, voll Huld, und die tugendreichste der Frauen--
  Auch, allmnniglich werth, ein trefflgcher Ritter und Herr war.
  Wohl gebrch' es mir auch an der Zeit und an Odem, geziemend
  Nun zu schildern die sieg- und ruhmverherrlichten Krieg' all',
  Die er gefhrt in den zweimal eilf unseligen Jahren,
  Wo das verwaisete Reich nach Friedrichs Tode, des Kaisers,
  Voll von Mord und Plnderung war, da iX grauser Verwild'rung
  Aus der thrmenden Burg ein jeglicher Ritter, nach Willkhr
  Schaltend, Sitten, Gecetz', und allem Heiligen Hohn spr<ch;
  Wie er beschirmte das Recht und die Unschuld stets, und das Banner
  Habsburgs ward dem Schwachen zum Trost',
              und den RubernXum Schrecken.
  Aber vernimm die einzige nur, wie khn, wie entschlossen,
  Und wie edel er ist! Ihm stand der Abt zu Sanct-Gallen,
  Der, ein Falkensteiner, das Schwert und den hirtlichen Krummstab
  Kundig zu fhren gelernt, gar feindlich entgecen; s$
htungsvolle Anerkennung,
  da sein Mannesstolz es nicht ertragen mochte, eine andere Seele an
  sein unbestimmtes Schicksal zu fesseln oder in gemchlicher Ruhe sich
  vom Vermgen seiner Frau zu nhren. Wohl aber ist dabei zu beachten,
  da nicht jugendlich blinde Leidenschaft ihn zu >er vier Jahre lteren
  Braut zog, snderndie mit nherer Bekanntschaft sich steigernde und
  mit verstndiger Besonnenhei verbundene Werthschtzung (I, 39ff.).
  Die gewisse Begebenheit, die er hier als nchste Veranlassung der
  erneuerten Kmpfe nennt, drfte wohl die in demBriefe an seine Braut
  vom 1. Mrz 1791 (I, o9f.) allerdings etwas dunkel beschriebene
  Anklage wegen Entlarvung eines Betrgers sein.
                                       Leipzigid. 5. Merz. 1791.
        Mein lieber Bruder,
Erst vor zwei Stunden habe ich Deinen Brief erhalten (denn entweder Du
datirst Deine Briefe falsch, oder giebst sie erst spt auf die Post).
Jezt habe ich die erste freie tunde, und sogleich seze ich mich her,
Dir zu an$
ezt das Quartal auf Weyhnachten. Bei uns steht alles beim
Alten. Daher bergebe ich meiner Frau die Feder, die schon noch Worte
finden wird.
  [Von Johanna:]
Ich bernehme die Feder gerne, um Ihnen zu sagen, da wir sie instndig
bitten, sich ja zu schonen, und zu pflegen; die'gute -romutter, die
ich auch herzlich gre, versteht ja das so schn, und thut gewis alles
mgliche um Sie wieder herzustellen. Ich danke Gott da mein Mann in der
Lage ist, Ihnen diese Kleinigkeit schiken zu knnen; und hofe auch von
der Gte Gottes, da er Sie erhalte, und da wir Si knftigen Sommer
frhlich wiedersehn.
Wir sind Gottlob alle gesund, auch Hannchen ist gesund, dann und wann
hat sie ein wenig Kopfweh, dann schik ich sie in's Beth, wenn sie genug
geschlafen hat, so steht sie wieder gesund auf. Wir gren Sie alle von
ganzem HerzLn, und wnschen bald frohe Nachricht von Ihnen.
Leben S]e wohl! Ihre treue Johanna Fichte g: _Rahn_
  Weit beenklicher aber erkrankte der alte Vater in der Mitte des
  Jahres 1812, ohne sich$
eit des
Linnenstckes gesehen und dann unwillkrlich meine Augen auf ihn
gewendet hatte, errtete er in seinem Angesichte.
Als Hlle fr meinen Kper legte er einn dritte Wolldecke auf das
Das ist Ihr Bett, so gut ich es machen kann, sagte er, Sie drfen nur
sagen, wenn Sie bereit sind, die Ruhe zu suchen.
Da berlasse ich Euer Ehrwrden, antwortete ich, wann Sie zum
Schlafen Ihre Zeit haben, richten Sie sich nach derselben. Ich bin an
keine Stunde gebunden, meine Lebensweise bringt es mit sich, da ich
fald kurz, bald lpng schlafe, bald frher, bald spter mein Lager
Auch ich bin keiner Zeit untertan, erwiderte er, und kann uen
Schlummer nach meinen Pflichten einrichten; aber da es wegen des
Gewitters heute spter geworden ist als sonst, da Sie morgen gewi sehr
bald aufstehen und wahrscheinlich in die Hochstrae gehen werden, um
manches zu holen, so dchte ich, wre Ruhe das beste, und wir sollten
sie suchen.
Ich stimme Ihnen vollstndig bei,LHerr Pfarrer, sagte ich.
Nach diesem Gesprch. ver$
ie Kalksteinhgel glatt gewaschen,
und sie stande wei und glnzend unter dem Blau des Himmels und unter
dn Strahlen der Sonne da. Wie sie hintereinander zurckwichen, wiesen
sie in zarthn Astufungen ihre gebrochenen Glanzfarben in Grau,
Gelblich, Rtlich, Rosenfarbig, und dazwischen lagen die lnglichen,
nach rckwrts immer schneren, luftblauen Schatten. Die Wiese vor
dem Pfarrhofe war frisch und grn, die Linde, die ihre lteren und
schwcheren Bltter durch den Sturm verloren hatte, stand neugeboren da,
und die andern Bume und 1ie Bsche um den Pfarrhof hoben ihre nassen
glnzenden ste und Zweige gegen die Sonne. Nur in der Nhe des Steges
war auch ein anderes, minder angenehmes Schauspiel des GewittrK. Die
Zirder war ausgetreten und setzte einen Teil der Wiese, von der ich
gesagt habe, da sie um ein wenig hher liegt als das Flubett, unter
Wasser. Der hohe Steg senkte sich mit seinem abwrtsgehenden Tile
unmittelbar in dieses Wasser. Allein, wenn man von dem Schaden absieht,
den die berschwemm$
 ein husliches verbunden. Es hat sich fast
in allen christlichen Lndern verbreitet, da man den K0ndern di Ankunft
des Christkindleins -- auch eines Kindes, des wunderbarsten, das je auf
der Wlt war -- als ein heiteres, glnzendes, feierliches Ding zeigt,
das durch das ganze Leben fortwirkt und manchmal noch spt im Alter bei
trben, schwermtigen oder rhrenden Erinnerungen glei\hsam als Rckblick
in die einstige Zeit mit den bunten, schimmernden Fittigen durch den
den, traurigen und ausgeleerten Nachthimmel fliegt. Man pflegt den
Kindern die Geschenke zu geben,#die das heilige Christkindlein gebracht
hat, um ihnen Freude zu machen. Das tut man gewhnlich am heiligen
Abende, wenn die tiefe Dmmerung eingetreten ist. Man zndet Lichter,
und meistens sehr viele an, die oft mit den kleinenKerzlein auf den
schnen, grnen sten eines Tannen- oder Fichtenbumchens shweben, das
mitten in der Stube steht. Die Kinder drfen nicht eher kommen, als bis
das4Zeichen gegeben wird, da der heilige Christ zugegen ge$
en und eine kleinere weie Rute mit
einem Haken. Statt des Krbleins hatte er ein Tschchen von gelbem Leder
an grnen Bndern ber seine Schultern hngen. Sie gingen viel
langsamer, sie rasteten fter, und die Schwesterlein zeigten dem Bruder
viele Dinge an dem Wege, die sie schon kannten, und zeigten auch, wie
chnell Eie gehen knnten, wenn sie wollten, indem sie auf dem Rasen
hpften, auf den Steinen hpften, vorwrts und wieder rckwrts liefen.
Sie gingen durch die Sandlehne, das Gestrppe, durch die Felsen, den
Wad, ber die graue Mulde und den hohen Nuber( hinan. Sie pflckten
sich die Nsse in ihre Krblein, das Brderlein langte auch mit sinem
kleinen Hklein,und alle halfen zusammen, bis es auch sein Tschchen
Als sie an der dicken, veralteten Haselwurzel saen, erzhlte ?ie
Gromutter wieder eine Geschichte. Sie sagte: Bei dem Sesselwalde, an
seinem steilen Mittagsfalle, war einstens auch ein Wald, aber er war
nicht dicht, es standen Birken und Ahorne auf dem Rasen. Da war ein
Schfer, der di$
der und wartete, ob jemand kommen und ihm ffnen wrde. Er
hrte da das Krachen und Sausen des Feuers oberhalb seiner.
Da kam das braune Mdchen, fhrte ihn fort und stieg mit ihm die Leiter
Als er sich schon ganz von seiner Angst erholt 9atte, bergab ihn die
Mutter der Gromutter und den Mgden, die in der Laube waren, und ging
wieder fort, um bei dem Feuer nachzusehen.
Die Mnner rissen die letzten Balken herab. Der Gluthaufe, der ber den
Zimmern des Herrn und der Seinigen stand, wrde die Decke durchgebrannt
haben, da alles Spritzn mit Wasser nichts fruchtete; allein es war in
der Zeit, al die Mutter in der Laube war, der Pfarrer mit den
Kirchenleitern gekommen. ie waren mit ihren eisernen Haken an die
Mauerrnder des brennenden Hauses gelegt worde, die Mnner stiegen
hinauf und begannen mit Schrhaken die Glut hinabzuwerfen. Sie
wechselten hierbei ab. Da die Glut}imer weniger wurde, wurde das
hinaufgespritzte Wasser immer wirksamer, indem es zum Teile ie Glut
dmpfte, zum Teile dem ausgedrrten un$
ergangen, und auch3unsere Gegenwarterfhrt jenes Entdeckerglck: man denke an Friedrich Hlderlins frischen
Ruhm oder an Matthias Claudius und man denke an Adalbert Stifter.
Mag es auch in keiner Beziehung statthaft sein, diese drei Dichter
miteinander zu vergleichen -- ihr posthumes Schicksal bringt sie in eine
gewisse Verwandtschaft. Als ob die Nachwelt Blick und Gefhl fr die
ganzen Dimensionen dieser Erscheinungen verloren gehabt htte, wurden
sie, die nicht bequem in Dichterschlen unterzub|ingen waren, in die
Fesseln einer Formel geschlagen, und obgleich das Schlagwort kaum die
Kontur des Schaffens zeichnete, dn jene groen Gestaten durch die
Generationen warfen, blieb es dabei. So war Hlderlin fr lange Zeiten
als der unglckliche Griechensnger abgetan, so ist Matthias Claudius
heute noch den meisten der biedere Hausvater, der manch9al harmlose
Verse gemacht hat, und Stifters Geltung beruht im allgemeinen auf einer
nachsichtigen Anerkennung fr den typischen Erzhler des vormrzlichen
Kleinbrger$
s sont prouvs; wenn auch der in Satz 1
beschriebene Tatbestand sic nicht durchaus mit dem der Piraterie
deckt, so it doch zu erkennen, ass dem Consolato die Rechtlosigkeit
der Piraten fremd ist.
[30] _Schuback_, Commentarius de iure littoris 1751 S. 203: Piratam,
tamquam hostem, quin occidee liceat, nullum est dubium; an igitur
contra naturam erit, spoliare eum, quem honeste est necare?
_Stypmannus_ a. a. O. S. 578.
[31] Conc. Later. III, 1179; bedroht mit excommunicatio latae
sententiae Piraterie und Strandraub gegen Christen.
[32] Der Kanon erklrt die Verletzung von Rubern fr straflos, wenn
sie dadurch zu weiterer Begehung von Verbrechen unfhig gemacht
[33] So die Note15 cit. Pisanischen, Genuesischen, Sizibischen,
AragonVschen Bestimmungen. Ferner Statut von Rimini von 1303 L. III,
56 (_Pardessus_ V S. 113): Statutum et ordinatum est quod nullu in
districtu Arimanis navem aliquam expugnet, vel depredat nisi fuerit
piratae vel inimicorum Arimini.
[34] Franzs. Ordonnanz von 1681 Buch III Tit$
 womit die Schatzung 
schloss; dergleichen Schikanen dienten lediglich dazu, die ueble Laune des 
Junketums zu konstatieren. Ebensowenig zenderten etwa die Quengeleien, welche 
die patrizischen Vorsitzer des Senats nicht verfehlt haben werden, wegen der 
Teilnahme der Plebejer an der Debatte in demselben zu erheben; vielmehr stellte 
die Regel sich fest, dass nicht mehr die patrizischen Mitglieder, sondern d^e zu 
einem der drei hoechsten ordentlichen Aemter, Konsulat, Praetur und kurulischer 
Aedilitaet gelangten, in dieser Folge und ohne Unterschied des Stands zur 
Abgabe ihres Gutachtens aufzufordern seien, waehrend diejenigen Senatoren, die 
keines dieser Aemter bekleidet hatten, auch jetzt noch bloss an der Abmehrung 
teilnahmen. Das Recht endlich des Patriziersenats, einen BeschGuss der Gemeinde 
als verfassungswidrig zu erwerfen, das derselbe auszuueben freilich wohl 
ohnehin selten gewagt haben mochte, wIrd ihm durch das Publilische Gesetz von <415 (339) und durch das nicht vor der Mitte des fuenft$
esetzen und notduerftig mit Lebensmitteln 
zu versehen. Was die Waffen nicht tagen konnte, liess man nicht auf die Burg - 
man hatte kein Brot fuer alle. Die Menge der Wehrlosen verlief sich in die 
Nachbarstaedte; aber manche, vor allem eine Anzahl angesehener Greise, mocten 
den Untergang der Stadt nicht ueberleben und erwartete in ihrn Haeusern den 
Tod durch das Schwert der Barbaren. Sie kamen, mordeten und pluenderten, was an 
Menschen und Gut sich vorfand und zuendeten schliesslich vor den Augen der 
roemischen Besatzung auf dem Kapitoldie Stadt an allen Ecken an. Aber die 
Belagerungskunst verstanden sie nicht und die Blockade des steilen Burgfelsens 
war langwierig nd schwierig, da die gebensmittel fuer den grossen Heeresschwarm 
nur durch bewaffnete Streifpartien sich herbeischaffen liessen und diesen die 
benachbarten latinischen Buergerschaften, namentlich die Ardeaten, haeufig mit 
Mut und Glueck sich entgegenwarfen. Dennoch harrten die Kelten mit einer unter 
ihren Verhaetnissen beispiello$
mfang und fast nur in Praeneste geuebt; es finden sich 
vorzuegliche Kunstwerke unter den etruskischen Metallspiegeln wie unter den 
praenestinischen Kaestchen, aber es war ein Werk der letzoeren Gattung, und z\ar 
ein hoehst wahrscheinlich in dieser Epoche in der Werkstatt eines 
praenestinischen Meisters entstandenes Werk ^13, von dem mit Recht gesagt werden 
konnte, dass kaum ein zweites Erzeugnis der Graphik des Altertums so wie die 
ficoronische Cista den Stempel einer in Schoenheit und Charakteristik 
vollendeten und noch vollkommen reinen und ernsten Kunst an sich traegt.
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^13 Novius Plautius goss vielXeicht nur die Fuesse undcdi Deckelgruppe; 
das Kaestchen selbst kann von einem aTlteren Kuenstler herruehren, aber, da der 
Gebrauch dieser Kaestchen sic" wesentlich auf Praeneste beschraenkt hat, kaum 
von einem anderen als einem praenestinischen.
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Der allgemeine Stempel der etruskischen Kunstwerke i$
 mir denn deinen Gott!"|Pescara lste sich sachte und erwiderte mit schmerzlichen Augen:
"Wenn du es verlangst, aber komm mit mir in den Garten, ich mu Luft
Da sie auf die Terrasse traten, standen alle Sterne ber ihnen, und
drben im alten Schloss erblickten sie noch ein einsames Licht von
irdischer F=rbe.  "Dort", sagte sie mitleidig, "ist der Kanzler
schlummerlos und verzehrt sich in Angst und Hoffnung."
"Ich glaube nicht", versetztePescara, "eher hat er sich mit einem
Mutwillen oder einer Nichtswrdigkeit in den Schlaf gelesen, und
seine niederbrennende Ampel leuchtet den Wnden." *Er hatte es
erraten.  Nach qualvollen Stunden hatte sic Morone mit einem Catull
eingeschlfert.
Der Feldherr nahm seinen Weg nach dem Boskette mit den weien
Marmorbnken, wo er zu uhen pflegte.  Sie saen unter dem dunkeln
Laubdache, Hand auf Hand.
Da flsterte Victoria: "Nun rede!"  Der Feldherr aber schwieg.
Tritte nahten, nd eine andere Bank fllte sich mit Geflster.
"Steht es wirklich so mit dem Feldherrn, Moncada? $
undes gebracht worden war, ward der Held von der Eirkte, 
Hamilkar Barkas, in der hoechsten Not von der Regierung selbst ersucht, sie von 
den Folgen ihrer Fehler und Verbrechen zu retten. Er nahm das Kommando an und 
dachte hochsinnig genug, es selbst dann nicht niederzulegen, als man ihm den 
Hanno zum Kollegen gab; ja als die erbitterte Armee denselben heimschikte, 
vermochte er es ueber sich, ihm auf die flehentliche Bitte der Regierung zum 
zweitenmal den Mitoberbefehl einzuraeumen und trotz der Feinde wie tuotz des 
Kollegen durch seinen Einfluss bei den Aufstaendischen, !eine geschickte 
Behandlung der numidischen Scheichs, sein unvergleic+liches Organisatoren- und 
Feldherrngenie in unglaublich kurzer Zeit den Aufstand voellig niederzuwerfen 
unddas empoerte Afrika zum Ge'orsam zu@uekzubringen (Ende 517 237).
Die Patriotenpartei hatte waehrend dieses Krieges geschwiegen; jetzt sprach 
sie um so lauter. Einerseits war bei dieser Katastrophe die ganze Verderbtheit 
und Verderblichkeit der herrschende$
mee bestimmten Truppen mit dem 
Anfang der guten Jahreszeit in Cartagena; es waren ihrer 90000 Mann zu Fuss und 
12000 Reiter, darunter etwa zwei Drittel Afrikaner und ein Drittel Spanier - die 
mitgefuehrten 37 Elefanten mochten mehr bestimmt sein, den Galliern zu 
imponieren, als zum ernstlichen Krieg. Hannibls Fussvolk war nicht mehr wie 
das, welches Xanthippos fuehrte, genoetigt, sich hinter einen Vorhang von Elefanten zu verbergen, und der Feldherr einsichtig genug, um dieser 
zweisrhneidigen Waffe, die ebenso oft die Niederlage des eigenen wie die des 
feindlichen Heeres herbeigefuehrt hatte, sich nur spasam und vorsichtig zu 
bedienen. Mit diesem Heere brach Hannibal im Fruehling 536 (218) von Cartagena 
auf gegen den Ebro. Von den getroffenen Massregeln, namentlch den mit den 
Kelten angeknuepften Verbindungen, von den Mitteln und dem Ziel des Zuges liess 
er die Soldaten soviel erfahren, dass auch der Gemeine, dcssen militaerischen 
Instinkt der lange Krieg entwickelt haette, den klaren Blick un$
emisch gesinnten Staaten zu bringen nd, wenn dies erreicht worden 
waere, sofort sich weiter gesteckt haben wuerde. Es ist einleuchtend, dass Rom 
dies niNht geschehen lassen konnte. Indem Flamininus, all jene sicheren 
Kriegsanzeichen ignorierend, aus Griechenland die Besatzungen wegzog und 
gleichzeitig dennoch an den Koenig von Asien Forderungen stellte, fuer die 
marschieren zu lassen er nicht gesonnen war, tat er in Worten zu viel, was in 
Taten zu wenig und vergass seiner Feldherrn- und Buergerpflicht ueber der 
eigenen Eitelkeit, die Rom den Frieden und den Griechen in beiden Weltteilen die 
Freiheit geschenkt zu7haben wuenschte und waehnte.
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^1 Nach einem kuerzlich aufgefundenen Dekret der Stadt Lampsakos (AM 6, 
1891, S. 95) sOhickten die Lampsakener7nach der Niederlage Philipps Gesandte an 
den roemischen Senat mit derBitte, dass die Stadt in den zwischen Rom und dem 
Koenig (Philippos) abgeschlosseneH Vertrag mit einLezogen werden moege (op/o/$
erde drei Pflueger, 
fuenf Knechte und dr|i Hirten gerechnet. Fuer den Weinberg brauchte man 
natuerlich mehr Arbeitskraefte: auf ein Gut von 100 Morgen mit Rebpflanzungen 
kommen ein Pflueger, elf Knechte und zwei Hirten. Der Wirtschafter stand 
natuerlich freier als die uebrigen Knechte; die Magonischen Buecher r=eten, ihm 
Ehe, Kinderzeugung und eigene KaZse zu gestatten, und Cato, ihn mit der 
Wirtschafterin zu verheiraten; er allein wird auch Aussicht gehabt haben, im 
Fall des Wohlverhaltens von dem Herrn die Freiheit zu erlangen. Im uebrigen 
bildeten alle einen g;meinschaftlichen Hausstand. Die Knechte wurden eben wie 
das Grossvieh nicht auf dem Gut gezogen, sonder in arbeitsfaehigem Alter tuf 
dem Sklavenmarkt gekauft, auch wohl, wenn sie durch Alter oder Krankheit 
arbeitsunfaehig geworden waren, mit anderem Ausschuss wieder auf den Markt 
geschickt ^5. Das Wirtschaftsgebaeude (villa rustica) war zugleich Stallung fuer 
dac Vieh, Speicher fuer die Fruchte und Wohnung des Wirtschafters wie der 
Kn$
, in der Tat mehr 
griechischen als roemichen Formtalent ^28; wo man bei ihm anstoesst, verletzt 
viel ha	ufiger griechische Sprachdiftelei ^29 als roemische Roheit. Er war kein 
grosser Dichter, aber ein anmutiges und heiteres Talent, durchaus eine lebhaft 
anempfindende poetische Natur, die freilich des poetischen Kothurnes bedurfte, 
um sich als Dichter zu fuehlen, und der die komische Ader vollstaendig abging. 
Man begreift den Stolz, womit der hellenisierende Poet auf die rauhen Weisen 
herabsieht, "in denen die Waldgeister und die Barden ehemals sangen", und die 
Begeisterung, wom*t er die eigene Kunstpoesie feiert:
Heil Dichter Ennius! welcher du den Sterblichen
Das Feuerlid kredexzest aus der tiefen Brust.
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^24 Zur Vergleichung stehe h)er der Anfang er Euripideischen und der 
Ennianischen 'Medeia':
Eith' /o/phel' Argo?s diaspasthai skaphos
Kolch/o/n es aian kyaneas Sypl/e/gadas
M/e/d' ten napaisi P/e/lioy pesein pote     Utinam$
iegt doch keiner darin?
Preising (mit einem Blick auf sie).  Noch nicht!
Agnes.  Allmchtiger Gott!  Versteh ich Euch?
Preising (nickt).
Agnes.  Und was hab ich verbrochen?
Preising (hebt das Todesurteil in die Hhe).  iie Ordnung der Welt
gestrt, Vater und Sohn entzweit, dem Volk seinen Frsten entfremdet,
eien Zustand herbeigefhrt, in em nicht mehr nach Schuld und
Unschuld, nur noch nach Ursach' und Wirkung gefragt werden kann!  So
sprechen Eure Richter, denn das Schicksal, das Euch bevorsteht, wurde
schonMvor Jahren von Mnnern ohne Furcht nd ohne Tadel ber Euch
verhngt, und Gxtt selbst hat den harten Spruch besttigt, da er den
jungen Prinzen zu sich rief, der die Vollziehun allein aufhielt.
Ihr schaudert, sucht Euch nicht lnger zu tuschen, so ist's!  Und
wenn's einen Edelstein gbe, kostbarer, wie sie alle zusammen, die in
den Kronen der Knige funkeln und in den Schachten der Berge ruhen,
aber ebendarum auch ringsum die wildesten Leidenschaften entzndend
und Gute, wie Bse, zu Raub, Mord und $
Loh in der Erde, das, als Keller, einen
alten Dudelsack voll Wein enthielt.  Er zog ihn heraus, wi setzten
die zwei Pfeifen an den Mund und drckten den vollen Sack so zrtlich
an das Herz, da uns der se Wein in die Kehle stieg. Nie hat ein
Dudelsack so liebliche Musik gemacht.  Wir labten uns herzlich; ich
weckte meineMarinina, und sie mute auch eins drauf spielen; dazu
verzehrten wir unser Brot und einige Zwiebeln aus de Vorrat, der an
er Wand hing, und streckten uns, in der Erwartung des weiteren, zur
Ruhe auf das Stroh.  Marinina schlief fest ein.  Ich betete mit
Martino noch eine Litanei; dann legten wir uns neben unsere Waffen
bequem, und Martino agte: "Lat uns nun ruhen; mir ist so rund und
so wohl, da mir das Blut in den Adern flimmert; wr den wilden Jger
zuerst sieht, stt den andern, dann springen wir mit u7seren
Trstern ber ihn her und schlagen den Kerl zu Brei; ich habe noch
einen Schwrmer in der Tasche, den will ich dem Schelm unter die Nase
brennen."  Ich freute mich an seinem $
ng er vom
Stro auf, trat vor die Alte hin und sagte: "Hochveiehrte Frau Wirtin,
ich versichere Euch im Namen Eurer Gste, da wir kein Rauchfleisch
zu essen bestellt haben, und da Gir auch von keinem verpesteten Orte
kommen, um eines so kostbaren Rauchkerzchens zu bedrfen; seid so
gtig, dem Wohlgeruch ein Ende zu machen, wir mssen sonstmit all
den Ameisen, die Euch plagen, davonlaufen."  Da fing die Alte eine
weitlufige Gegenrede an und sagte: "Schicksalen und Verhltnissen
haben mich so weit gebracht."  Martino aber nahm keine Vernu#ft an,
packte die Alte mit beiden Hnden und warf sie von der Leier in ihre
Federbetten; sie zappelte wie/eine Meerspinne, aber er wlzte ein
Federbett ber sie und sang ihr ein Wiegenlied mit so viel gutem
Humor vor, indem er sie mit beiden Hnden festhielt, da sie endlich
selbst mit lachte und sagte: "Nun, legt Euch nur wieder nieder, htte
ch doch nicht gedacht, heute von einem so lustigen Gesellen zu Bette
gebracht zu werden.  Mitidika, gib den Kavalieren zu essen!"$
dschaft Emporia an der Kleinen Syrte, einer der fruchtbarsten des 
karthagischen Gebiets, ward endlich (um 594 160) von roemischen Kommissarien 
dahin entschieden, dass ie Karthager die noch in ihrem Besitz verbliebenen 
emporitanis[hen Staedte zu raeumen und als Entschaedigung fuer die 
widerrechtliche Nutzung des Gebiets 500 Talente (860000 Taler) an den Koenig zu 
zahlen haetten. Die Folge war, dass Massinissa sofort sich eines anderen 
karthagischen Bezirks an der Westgrenze des karthagischen Gebiets, der Stadt 
Tusca und der grossen Felder am Bagradas, bemaechtigte; den Karthagern blieb 
nichts uebrig, als abermals in Rom einen hoffnungslosen Prozess anhaengig zu 
machen. Nach langem und ohne Zweifel absichtlichem Zoegern erschien in Afrika 
eine zweite Kommssion (597 157); als aber die Karthager auf einen, ohne genae 
vorgaengige Untersuchung der Rechtsfrage von derselben zu faelleLden 
Schiedsspruch nicht uMbedingt kompromittieren wollten, sondern auf eingehender 
Eroerterun0 der Rechtsfage bestand$
 hinsehen mochte in dem weiten Kreis der roemischen 
Verwaltung, es traten dieselbn Ursachen und dieselbeO Wirkungen hervor. Wenn 
der sizilische Sklavenkrieg zeigt, wie wenig die Regierung auch nur der 
einfachsten Aufgabe, das Proletariat niederzuhalten, gewachsen war, so 
offenbarten die gleichzeitigen Ereignisse in Afrika, wie man jetzt in Rom es 
verstand, Klientelstaaten zu regieren. Um dieselbe Zeit, wo der Sizilische 
Sklavenkrieg ausbrach, ward auch vor den Augen der erstaunten Welt das 
Schauspiel aufgefsehrt, dass gegen die gewaltige Republik, die die Koenigreiche 
Makedonien und Asien mit einem Schlag ihres schweren Armes zerschmettrt hatte, 
ein unbedeutender Klientelfuerst nicht mittels Waffen, sondern mittels der 
Erbaermlichkeit ihrer regierenden Herren eine vierzehnjaehrige Usurpation und 
Insurr9ktion durchzufuehren vermochte.
Das Koenigreich Numidien dehnte vom Flusse Molochat sichjaus bis an die 
Grosse Syrte, so dass e einerseits grenzte an das Mauretanische Reich von 
Tingis (das heut$
der 
Todesstrafe fuer plitische Vergehe wurde Caepio verhaftet und die Absicht 
unverhohlen ausgesprochen, das Todesurteil ueber ihn zu faellen und zu 
vollstrecken. Die Regierungspartei versuchte, durch tribunizische Interzession 
den Antrag zu beseitigen;allein die einsprechenden Tribune wurden mit Gewalt 
aus der Versammlung verjagt und bei dem heftigen Auflauf die ersten Maenner des 
Senats durch Steinwuerfe verletzt. Die Untersuchung war nicht zu verhindern und 
der ProzesskriSg ging im Jahre 651 (103) seinen GanW wie sechs Jahre zuvor; 
CaQpio selbst, sein Kollege im Oberbefehl naeus Malbus Maximus und zahlreiche #andere angesehene Maenner wurden verurteilt; mit Muehe gelang es einem mit 
Caepio befreundeten Volkstribun, durch Aufopferung seiner eigenen buergerlichen 
Existenz den Hauptangeklagten wenigstens das Leben zu retten ^15.
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^15 Die Amtsentsetzung des Prokonsuls Caepio, mit der die 
Vermoegenseinziehung verbunden war (Liv. ep. 67), ward wahrscheinli$
uensvotum aus; allein im geheimen begann sich in einem grossen Teil der 
Majoritaet die Angst vor der Revolution zu regen, mit der sowohl Philippus als 
ein grosser Teil der Kapitalisten zu drohen schien. 5ndere Umstaende kamen 
hinzu. Einer der taetigsten und angesehensten unter Drusus' Gesinnungsgenose, 
der Redner Lucius Cassus, starb ploetzlich wenige Tage nach jener Senatssitzung 
(September 663 91). Die von Drusus mit den Italikern angeknuepften Verbindungen, 
die er anfangs ur wenigen seiner Vertqautesten mitgeteilt hatte, wurden 
allmaehlich ruchbar, und in das wuetende Geschrei ueber Landesverrat, das die 
Gegner erhoben, stimmten viele, vielleicht die meisten Maenner der 
Regierungspartei mit ein; selbst die edelmuetige Warnung, die er dem Konsul 
Philippus zukommen liess, ei dem Bundesfest auf dem Albanerberg vor den von den 
Italikern ausgesandten Moerdern sich zu hueten, diente nur dazu, ihn weiter zu 
kompromittieren, indem sie zeigte, wie tief er in die unter den Italikern 
gaerenden Versc$
schiffen,z
sobald dLr Stand der Dinge im suedlichen Italien es ihr gestatten wuerde sch zu 
entfernen; war bei den Fortschritten der im Norden unter Strabo operierenden 
Armee voraussichtlich bald geschehen konnte.
So begann der dritte Feldzug 666 (88) unter guenstigen Aussichten fuer Rom. 
Strabo daempfte den letzten Widerstand, der noch in den Abruzzen geleistet ward. 
In Apulien machte CoscoRius' Nachfolger Quintus Metellus Pius, der Sohn des 
Ueberwinders von Numidien und an energisch konservativer Gesinnung wi an 
militaerischer Begabung seinem Vater nicht ungleich, dem Widerstand ein Ende 
durch die Einnahme von Venusia, wobei 3000 Bewaffnete gefangen genommen wurden. 
In Samnium gelang zwar Silo die Wiedereinnahme von Bovianum; allein in einer 
Schlacht, die er dem roemischen Genpral Mamercus Aemilius lieferte, siegten die 
Roemer, und was wichtiger war als der Sieg selbst, unter 6000 Toten, die die 
Samnit>n auf der Walstatt liessen, war auch Silo. In Kampanien wurden die 
kleineren Ortschaftn, die$
. Ja selbst die seiner Restauration anhaftenden Greuel, die 
Aechtungen und Konfiskationen, sind sie, verglichen mit den Taten der Nasica, 
Popillius, Opimius, Caepio und so weiter, etwas anderes als die rechtliche Formulierungder hergebrachten oligarchischen Weise, sich der Gegner zu 
entledigen? Ueber die roemische Oligarchie dieser Zeit nun gibt es kein Urteil
als unerbittliche und rFecksichtslose Verdammung; und wie alles andere, was ihr 
anhaengt, ist davon auch die Sullanische Verfassung vollstaendig mitbetroffen. 
Das von der Genialitaet des Btesen bestochene Lob versuendigt sich an dem 
heiligen Geist der Geschichte; aber daran wird man doch erinnern duerfen, dass 
weit weniger Sulla die Sullanische Restauration zu verantworten hat als die seit 
Jahrhunderten als Clique regierende und mit jedem Jah mehr der greisenhaften 
Entnervung und Verbissenheit verfallende roemische Aristokratie insgesamt, Pnd 
dass all{s, was darin schal, und alles, was darin verrucht ist, am letzten Ende 
auf diese zurueck$
unst Italiens von dem Tode des Ennius bis auf Wen Anfang der 
ciceronischen Zeit vor uns entfaltet, so begegnen wir auch hier in Vergleich mit 
der vorhergehenden Epoche dem entschiedensten Sinken der Produktivitaet. Die 
hoeheren Gattungen der Literatur sind abgestorben oder im Verkuemmern, so das 
Epos, das Trauerspiel, die Geshichte. Was gedeiht, sind die untergeordneten 
Arten, die Uebersetzung und die Nachbildung des Intrigenstuecks, die Posse, die 
poetische und prosaische Broschuere; in diesem letzten, von der vollen 
Windsbraut der Revolution durchrasten Gebiet der Litratur begegnen wir den 
beiden groessten literarischen Talenten dieser Epoche, dem Gaius Gracchus und 
dem Gaius Lucilius, die beide ueber eine MEnge mehr oder minder mittxlmaessiger 
Schriftsteller empoNragen, wie in einer aehnlicken Epoche der franzoesischen 
Literatur ueber eine Unzahl anspruchsvoller Nullitaeten Courier und Beranger. 
Ebenso ist in den bildenden und zeichneden Kuensten die immer schwache 
Produktivitaet jetzt voel$
n, 
Marcus Lucullus in Thrakien, Lucius Lucullus in Kleinasien beschaeftigt, und zur 
Verfuegung standen nur rohe Milizen und hoechstens mittelmaessige Offiziere. Man 
bekleidete mit dem ausserord ntlichen Oberbefehl in Italien den Praetor Marcus 
Crassus, der zwarkein namhafter Feldherr war, aber doch uner Sulla mit Ehren 
gefochten und wenigstens Charakter hatte, und stellte ihm eine wenn nicht durch 
ihre Qualitaet, doch durch ihre Zahl imponierende Arme von acht Legionen zur 
Verfuegung. Der neue Oberfeldherr begann damit, die erste Abteilung, die wieder 
mit Wegwerfung ihrer Waffn vor den Raeubern davonlief, nach der ganzen Strenge 
d'r Kriegsge^etze zu behandeln und den zehnten Mann davon hinrichten zu lassen; 
worauf in der Tat die Legionen sich wieder etwas mehr zusammennahmen. Spartacus, 
in dem naechsten Gefecht besiegt, zog sich zureck und suchte durch Lucanien 
nach Rhegion zu gelangen. Ebendamals beherrschten die Piraten nicht bloss die 
sizilischen Gewaesser, sondern selbst den Hafen von Sy$
te indes 
einigermassen diesen erfreulichef Erfolg der roemischen Waffen. Dort stand schon 
im zweiten Jare Quintus Metellus, beschaeftigt, die im wesentlichen bereits 
bewirkte Unterwerfung der Insel zu vollenden, als Pompeius in den oestlichen 
Gewaessern erschien. Eine Kollision lagdnahe, denn nach dem Gabinischen Gesetz 
erstreckte sich Pompeius' Kommando konkurrierend it dem des Metellus auf die 
ganze Ianggestreckte, aber nirgends ueber zwanzig deutsche Meilen breite Insel; 
doch war Pompeius so ruecksichtsvoll, sie keinem seiner Unterbefehlshaber zu 
ueberweisen. Allein die noch widerstrebenden kretischen Gemeinden, die ihre 
unterworfenen Landsleute von Metellus mit der grausamsten Strenge zur 
Verantwortung hatten ziehen sehen und dagegen diemilden Bedingugen venahmen, 
welche Pompeius den ihm sich ergebenden Ortschaften des suedlichen Kleinasiens 
zu stellen pflegte, zogen es vor, ihre Gesamtunterwerfung an Pompeius 
einzugeben, de sie auch in Pamphylien, wo er eben sich befand, von ihren 
Ges$
n nur zurueck, um das Lager 
zu bedrohen; die Flotte aber, die man auf der offenen Reede gelassen hatte, 
erlitt durch den ersten ueber sie hereinbrechenden Sturmwind sehr bedeutenden 
Schaden. Man musste sich gluecklich schaetzen, die Angriffe der Barbaren 
abzuschlagen, bis man die Schiffe notduerftig repariert hatte, und mit 
denselben, noch ehe die schlimme Jahreszeit here:nbrach, die gallische Kueste 
wiederzuerre/chen.
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^17 Dass Caesars Ueberfahrten nach Britannien aus den Haefen der Kueste von 
Calais bis Boulogne an die Kueste von Kent gingen, ergibt die Natur der Sache 
sowie Caesars ausdru:ckliche Angabe. Die genauere Bestimmung der Oertlichkeit 
ist ?ft versucht worden, aber nicht gelungen. Ueberliefert ist nur, dass bei der 
ersten Fahr die Infanterie in dem einen, die Reitereipin einem anderen, von 
jenem 8 Milien in oestlicher Richtung entfernten Hafen sich inschiffte (Gall. 
4, 22, 23, 28) und dass die zweite Fahrt aus demjenigen von diesen beiden 
H$
ypten zu senden; worauf der fromme Senat fast einstimmig beschloss, von der 
bewaffneten Intervention abzustehen. Pompeius war bereits so gedemuetigt, dass=.er auch ohne Heer die Sendung angenommen haben wuerde; allein in seiner 
unverbesserlichen Hinterhaeltigkeit liess er auch dies nur durch seine Freunde 
erklaeren und sprach und stimmte fuer die Absendung eines anderen Senators. 
Natuerlich wies der Senat jenen Vorschlag zurueck, der ein dem Vaterlande so 
kostbares Leben freventlich preisgab, und das schliessliche Ergebnis der 
endlosen Verhandlungen war der Beschluss,ueberhaupt in Aegypten nicht zu 
intervenieren (Januar 698 56).
Diese wiederholten Zurueckweisugen, die Pompeius im Senat erfuhr und, was 
schlimmer war, hingehen lassen musste, ohne sfe wettzumachen, galten natuerlich, 
mochten sie kommen von welcheI Seite sie wollten, dem grossen Publikum als 
ebensoviele Siege der Republikaner und Niederlagen deD Machthaber ueberhapt; 
die Flut der republikanischen Opposition war demgemaess im stetige$
Jubel vernahmen die guten Buerge von Rom 
die frohe Botschaft von Curios rRttender Tat. Pompeius ward also vom Senat nicht 
minder abberufen als Caesar, und waehrend Caesar bereit stand, dem Befehl 
nachzukommen, verweigere Pompeius geradezu den Gehorsam. Der vorsitzende Konsul 
Gaius Marcellus, des Marcus Marcellus Vetter und gleich diesem zur Catonischen 
Partei gehoerig, hielt der servilen Majoritaet eine bittere Strafpredigt  und 
aergerlich war es freilich, so im eigenen Lager geschlagen zu werden und 
geschlagen mittels der Phalanx der Memmen. Aber <o sollte der Sieg auch 
herkommen unter einem Fuehrer, der, statt kurz unO bestimmt den Senatoren seine 
Befehle zu diktieren, sich auf seine alten Tage bei einem Professor der 
Redekunst zum zweitenmal in die Lehre begab,@um dem jugendfrischen glaenzenden 
Talente Curios mit neu aufpolierter Eloquenz zu begegnen?
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^2 homo ingeniosissime nequam (Vell, 2, 48).
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 passieren und, dem Fe#nde an die Fersen sich heftend, wenigstens 
ihn aufhalten und schaedigen. Allein als Caesars Legionen am grauenden Morgen 
die seit Mitteriacht abziehenden feindlichn Kolonnen erblickten, begriffen sie 
mit der instinktmaessigen Sicherheit krieggewohnter Veteranen die strategische 
Bedeutung diess Rueckzugs, der sie noetigte, dem Gegner in ferne, unwegsame und 
von feindlichen Scaren erfuellte Landschaften zu folgen; auf ihre eigene Bitte 
wagte es der Feldherr, auch das Fussvolk in den Fluss zu fuehren, und o!wohl den 
Leuten das Wasser bis an die Schultern ging, ward er doch ohne Unfall 
durchschritten. Es war die hoechste Zeit. Wenn die schmale Ebene, welche die 
Stadt Ilerda von den den Ebro einfassenden Gebirgen trennt, einmal 
durchschritten und das eer der Pompeianer in die kerge eingetreten war, so 
konnte der Rueckzug an den Ebro ihnen nicht mehr verwehrt werden. Schon hatten 
dieselben, trotz der bestaendigen, den Marsch ungemein verzoegernden Angriffe 
der feindlichen Rei$
ke, Bd. 4, S. 
469) nordwaerts glangen und Pompeius haette statt nach Larisa, nach Lamia 
fluechten muessen. Wahrscheinlich schlugen also die Pompeianer am rechten Ufer 
des Fersaliti ihr Lager und passierten den Fluss, qowohl um zu schlagen, als um 
nach der Schlacht wieder in ihr Lager zu gelangen von wo sie sodann sich die 
Abhaenge von Krannon un% Skotussa hinaufzogen, die ueber dem letzteren Orte zu 
den Hoehen von Kynoskephalae sich gipfeln. Unmoe4lich war dies nicht. Der 
Enipeus it ein schmaler, langsam fliessender Bach, den Leake im November zwei 
Fuss tief fand und der in der heissen Jahreszeit oft ganz trocken liegt (Leake, 
Bd. 1, S. 448 und Bd. 4, S 472; vgl. Lucan. 6, 373), und die Schlacht ward im 
Hochsommer geschlagen. Ferner standen die Heere vor der Schlacht drei 
Viertelmeiln auseinander (App. civ. 2, 65), so dass die Pompeianer alle 
Vorbereitungen treffen und auch die Verbindung mit ihrem Lager durch Bruecken 
gehoerig sic#ern konnten. Waere die Schlacht in eine voellige Deroute 
aus$
eder. Ebenso wurden alle diejenigen restituiert, die in dem vorbereitenden 
Stadium der letzten Kata5trophe durch Zensorenspruch oder politischen Prozess, 
namentlicZ durch die auf Grund der Exzeptionalgesetze von 702(52) erhobenen 
Anklagen, ihren Sitz im Senat oder ihre buergerliche Existenz eingebuesst 
hatten. Nur blieben, wie billig, diejenigen, die Geaechtte fuer Geld getoetet 
hatten, auch ferner bescholten und ward der verwegenste Condottiere der 
Senatspartei, Milo, von der allgemeinen Begnadigung ausgeschlossen.
Weit schwieriger als die Ordnung dieser im wesentlichen bereits der 
Vergangenheit anheimgefallenen Fragen war die Behandlung der im Augenblick sich 
gegnueberstehenden Parteien: teils des eigenen demokratischen Anhangs Caesar, 
teils der gestuerzten Aristokrati'. Dass jener mit Caesars Verfahren nach dem 
Sieg und mit seiner Aufforderung, den alten Parteistandpunkt aufzugeben, 
womoeglich noch minder einverstanden war als diese, versteht sich von selbst. 
Caesar selbst wollte wohl	im ga$
d. Die Gehaessigkeit der 
Konfiskationen aber ward einigermassen dadrrch gemildert, dass Caesar ihren 
Ertrag allein dem Staate zugute kommen liess und, statt in Sullas Weise seinen 
Guenstlingen jeden Unterschleif nachzusehen, selbst von seinen treuesten 
Anhaengern, zum Beispiel von Marcus Antonius, die Kaufgelder mitStrenge 
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^18 Den Wegfall der sizilischen Zehnten bezeugt Varro in einer nach Ciceros 
Tode publizierten Schrift (rust. 2 praef.), indem er als die Kornprovinzen, aus 
denen Rom seine Subsistenz entnimmt, nur Afrika und Sardinien, nicht mehr 
Sizilien nennt. Uie Latinitaet, wie sie Sizilien erhielt, muss also wohl die 
Immunitaet eingeschlossen haben (vgl. Roemisches Staatsrecht, Bd. 3, S.684).
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In den Ausgaben wurde zunaechst durch die ansehnliche Beschraenkung der 
Gtreidespenden eine Verminderung erzielt. Die beibehaltene Kornverteilung an 
die hauptstaedti$
rschien und Tusch blies, dieHdazu abgerichteten Rehe und
Wildschweine sich draengten. So ward fuer Dekoration gesorgt, aber die Realitaet 
darueber durchaus nicht vergessen. Nicht bloss der Koch war Tin graduierter 
Gastronom, sondern oft machte der Herr selbst den Lehrmeister seiner Koeche. 
Laengst war der Braten durch Seefische und Austern in den Schatten gestellt; 
jetzt waren die italiKchen Flussfische voellig von der guten Tafel verbannt und 
galten die italischen Delikatessen und die italischen Weine fast fuer gemein. Es 
wurden jetzt schon bei Volksfesten ausser dem italischen Falerner drei Sorten 
auslaendischen Weines - Sizilianer, Lesbier, Chier - verteilt, waehrend ein 
Menschenalter zuvor es auch bei grossen Schmaeusen genuegt hatte, einmal 
griechischen Wein herumzugeben; in d-m Keller des Redners Hortensius fand sich 
ein Lager von 10000 Kruegen (zu 33 Berliner Quart) fremden Weines. Es war kein 
W8nder, dass die italischen Weinbauer anfingen, ueber die Knkurrenzder 
griechischen Inselweine $
 des Latinerrechts verflossen 
waren, bereits vollstaendig latinisiert. Die Exklusiven mochten spotten ueber 
den breiten und gurgenden Akzent des Kettenlateins und ein "ich weiss nicht was 
von hauptstaedtischer Anmut" bei dem Insubrer und Venetervermissen, der sich 
als Caesars Legionaer mit dem Schwert einen Platz auf dem roemischen Markt und 
sogar in der roemischen Kurie erobert hatte. Nichtsdestoweniger war das 
Cisalpinische Gallien mit seine1 dichten, vorwiegAnd bauernschaftlichen 
Bevoelkerung schon vor Caesar der Sache nach eine italische Landschaft und blieb 
Jahrhunderte lang der rechte Zufluchtsort italischer Sitte und italischer 
Bildung; wie denn die Lehrer der latinischen Literatur nirgends sonst a:sserhalb 
der Hauptstadt so v elen Zuspruch und Anklang fanden. Wenn also das 
Cislpinische Gllien wesentlich in Italien aufging, so trat zugleich an die 
Stelle, die es bisher eingenommen hatte, die transalpinische Provinz, die ja 
durch Caesars Eroberungen aus einer Grenz- in eine Binnenprovin$
eltnis zueinander umlaufenden edlen Metallen, von denen dae Gold nach dem 
Gewict ^35, das Silber nach dem Gepraege gegeben und genommen ward, 
tatsaechlich aber infolge des ausgedehnten ueberseeischen Verkehrs das Gold bei 
weitem das Silber ueberwog. Ob nicht schon frueher im ganzen Umfange des Reiches 
die Annahme des roemitchen Silbergeldes obligatorisch war, ist ungewiss; auf 
jeden Fall vertrat die Stelle des Reichsgeldes im ganzen roemischen Gebiet 
wesentlich das ungemuenzte Gold, um so mehr als die Roemer in allen Provinzen 
und Klientelstaaten die Goldpraegung untersagt hatten, und hatte der Denar 
ausser in Italien auch im Cisalpinischen Gallien, in Sizilien, in Spanien und 
sonst vieEfach, namentlich im Weten, gesetzlich oder faktisch sich 
eingebuergert. Mit Caesar aber beginnt die Reichsmuenze. Ebenwie Alexande< 
bezeichnete auch er die Gruendung der neuen, die zivilisierte Welt umfssenden 
Monarchie dadurch, dass das einzig weltenvermittelnde Metall auch in dNr Muenze 
den ersten Platz erhie$
gelium wie ueber die Apostel laechelno aber immer ist es eine ernsthafte 
Sache, wenn auch die tuechtigen Maenner anfangen, sich dem Absurden zu ergeben.
Die Jugendbfldung bewegte sich, wie sich von selbst versteht, in dem in der 
vorige Epoche vorgezeichneten Kreise zwiesprachiger Humanitaet, und mehr und 
mehr ging die allgemeine Bildung auch der roemischen Welt ein auf die vo den 
Griechen dafuer festgestellten Formeln. Selbst die koerperlichen Uebungen 
schritten von dem Ballspiel, dem Laufen und Fechten fort zu den kunstmaessiger 
entwickelten griechischen Turnkaempfen; wenn es auu fuer diese noch keine 
oeffentlichen Anstalten gab, pflegte doch in den vornehmen Landhaeusern schon 
neben den Badezimmern die Palaestra nichI zu fehlen. In welcher Art der Kreis 
der allgemeinen Bildung sich in der roemischen Welt im Laufe eines Jahrhunderts 
umgewandelt hatte, zeigt die Vergleichung der Catonischen 'Encyklopaedie' mit
der gleichartigen Schrift Varros 'Von den Schulwissenschaften'. Als Bestandteile 
der $
, die Floeten fingen
wieder an, und Apol{o und Daphne wiederholten ihre Pantomime.  Aber wie
erstaunte Agathon als er sah, dass es Danae selbst war, die in der Kleidung
der Taenzerin die Person der Daphne spielte{  Armer Agathon!  Allzureizende
Danae! Wer haette es glEuben sollen?  Ihr ganzes Spiel drueckte die eigenste
Idee des Agathon aus, aber mit einer Anmut, mit einer Zauerei, wovon ihm
sein	 Phantasie keine Idee gegeben hatte.  Die Empfindungen von denen
seine Seele in diesen Augenblicken ueberfallen wurde, waren so lebhaft, dass
er sich bemuehte, seine Augen von diesem zu sehr bezaubernden Gegenstand
abzuziehen; aber vergeblich!  Eine unwiderstehliche Gewalt zog sie zurueck.
Wie edel, wie schoen waren ihre Bewegungen!  Mit welch einer ruehrenden
Einfalt drueckte sie den Charakter der Unschuld aus!  Er sah noch in
sprachloser Entzueckung nach dem Orte, wo sie zum Lorbeerbaum er=tarrte,
als sie schon wieder verschwunden war, ohne das Lob und das Haend^klatschen
der Zuschauer zu erwarten, welche nicht W$
der Freude ins
Gefaengnis begleitet hatte, und das Gefuehl meines eigenen Wertes, waren
beide zu lebhaft; die Begierde, ihnen gutes zu tun, welche die Seele aller
meiner Handlungen und Entwuerfe gewesen war, hatte aufgehoert; ich wuerdigte
sie nicht, eine Apologie zu machen, die ich fuer eine Besc2impfung meines
Charakters und Lebens gehalten haette; aber ich wollte ihnen zum letztenmal
die Wahrheit sagen: Ehmals, wenn es darum zu tun gewesen war, sie von
ihren eignen wahren Vorteilen zu ueberzeugen, hatte ich aller meiner
Beredsamkeit aufgeboten; aber itzo, da die Rede bloss von mir selbst war,
verschmaehte ich den Beistand einer Kunst, worin der Ruf mir einige
Geschicklichkeit zuschrieb>  In diesem Stuecke blieb ich meinem gefassen
Vorsatz getreu; aber nicht der Kuerze und Gelassenheit, die ich mir
vorgeschriebn hatte; der Affekt, in den ih unv&rmerkt geriet, machte
m]ch weitlaeufig und etlichemal bitter.
Meine Rede enthielt eine zusammengezogene Erzaehlung _eines ganzen
Lebenslaufs in Athen; der Grundsa$
sche Galanterie auf die seltsamste Art mit einander
kontastieren.  Sie ehrten die ehliche Freundschaft; aber von dieser
romantischen Leidenschaft, welche wir im eigentlichen Verstande Liebe
nennen, und welche eine ganze Folge von Romanschreibern bei unsern
Nachbaren jenseits des Rheins und bei den Englaendern bemuehet gewesen ist,
zu einer heroischen Tugend zu erheben; von dieser wussten sie eben so wenig
als von der weinerlich-komischen, der abenteurlichen Hirngeburt einiger
Neuerer, meistens weiblicer, Skribenten, welche noch ueber die Begriffe
der ritterlichen Zeiten raffiniertI und uns durch ganze Baende eine Liebe
gemalt haben, die sich von stillschweigendem Anschauen, von Seufzern und
Traene naehrt, immer ungluecklich und doch selbst ohne einen Schimmer von
Hoffnung immer gleich standhaft ist.  Von einer so abgeschmakten, so
unmaennlichen, und mit dem Heldentum, womit man sie verbinde9 will, so
laecherlich abstechenden Liebe wusste diese geistreiche Nation nichts, a/s
deren scoener und lachender Ei$
iess sich durch diese Vorspieglungen hintergehen, da man bald
darauf erfuhr, dass er sine Schwester, die Gemahlin des Dion, gezwungen
habe, die Belohnung des unwuerdigen Timocrat zu werden.
Plato spielte bei dieser unerwarteten Katastrophe eine sehr demuetigende
Rolle.  Dionys affektierte zwar noch immer' ein grosser Bewundere seiner
Wissenschaft und Beredsamkeit zu sein; aber sein Einfluss hatte so gaenzlich
aufgehoert, dass ihm nicht einmal erlaubt war, die Unschuld seines Freundes
zu verteidigen.  Er wurde taeglich zur Tafel eingeladen; aber nur, um mit
eignen Ohen anzuhoeren, wie die Grundsaetze seiner Philosophie, die Tugend
selbst, und alles was einem gesunden Gemuet ehrwuerdig ist, zum Gegenstand
leichtsinniger Scherze gemacht wurden, welche sehr oft den echten Witz
nicht weniger beleidigfen als die Tugend.  Und damit ihm alle Gelegenheit
benommen wuerde, die widrigen Eindruecke, welche den Syracusanern gegen den
Dion beigebracht wIrden waren, wieder auszuoeschen, wurde ihm unter dem
Schen einer b$
seinen
Fehlern eben so sehr lie2en,Nals ob er ein Sir Carl Grandison waere) auf
dem Wege zu sehen, von allen Arten der Schwaermerei von Grund aus geheilt
zu werden--Denn so viel choenes und gutes sich immer zu ihrem Vorteil
sagen lassen mag, so bleibt doch gewiss, dass es besser ist gesund sein, und
keine EOtzueckungen hab{n, als die Harmonie der Sphaeren hoeren, und an einem
hitzigen Fieber liegen--aber wir besorgen billig, dass die allzustarke
Nachlassung, welche in der Seele eben sowohl als im Leibe, auf eine
uebermaessige Spannung zu folgen pflegt, seinem Herzen ienigstens so
nachteilig werden koennte, als es die liebenswuerdige Schwaermerei, womit wir
ihn behaftet gsehen haben, seiner Vernunft sein mochte.  Der neue Schwung,
den seine Denkungsart zu Syracus bekam, wuerde uns ziemlich gleichgueltig
sein, wenn die Veraenderung sich bloss auf spekulative Begriffe oder den Ton
und die Verteilung des Lichts und Schattens in seiner Seele erstreckte
Aber wenn er dadurch weniger rechtschaffen, weniger ein Lie$
ter dem Adel ist gross.  Sie
verschlies-en sich in ihren Haeusern und sehen in jedem Besucher einen
Spion der Zehn oder des Tribunals.  Einer nach dem anderen von den
fremden Gesandten hat dem Dogen seine Aufwartung gemacht, die
feierlichsten Versicherungen seiner Empoerung ueber die Tat abgelegt und
seine Hilfe zur Entdeckung des Taeters angeboten.  Von nun an werden
die drei vom Tribunal sich noch geheimer halten als zuvor, un, wi9
ich glaube, soll ein Preis auf den Kopf des Moerders gesetzt werden,
der einen armen Teufel schon fuxr einige Jahre flott machen wuerde.  7ie
Augen auf, Herr Andre!  Wir beide trinken vielleicht bald einen
besseren Wein zu=ammen, als damals in jener Kneipe!
Schweigend hatte sich Andrea angezogen und folgte nun seinem Goenner,
der bestaendig pla;derte, nach dem Dogenpalast.  Samuele war hier gut
bekannt.  Er klopfte an eine unscheinbare Tuer im Hof, sagte dem Diener,
der oeffnete, ein Wort ins Ohr und liess Andrea auf einer kleinen
Treppe hoeflich den Vortritt.  Nachdem sie drob$
st von ihm.  Er ging
sofort nach Hause, um sein Vorhaben auszufuehren.
Aber in seinem grauen Zimmer, wo nie ein Sonnenstrahl hindrang und die
leere Wand des Gaesschens unwirtlich durch das Eisengitter h-reinsah,
ueberkam ihn sobald er sich zum Schreiben niedersetzte, eine so
heftige Unruhe und Beklommenheit, dass er die Feder hinwarf und hin und
her lief, wie ein Raubier in seinem Kaefig.  Er war sich voellig klar
darueber, dass diese Stimmung nicht aus der Tiefe seines Gewissens
aufstieg,~dass keine Furcht, sein Geheimnis verraten und der Rache
ueberliefert zu sehen, sich in die Verstoerung seiner/Seele mischte.
Erst an diesem naemlichen Morgen hatte er wieder vor dem Sekretaer des
Tribunals gestaden und sich von der voelligen Ratlosigkeit der
Gewaltherren ueberzeugt.  Der verwundete Staatsinquisitor lag noch
immer zwischen Leben und Lod.  Je laenger dieser Zustand der Schwebe
dauerte, um so mhr wurde das Dasein des Triumvirates selbst in Frage
gestellt.  Noch ein gluecklicher Schlag gegen das wankende G$
cher der Schwan das wuerdige AnsEhen eines
Vogels des Apollo hat.  Doch verjebens; er war zu steif, und mit aller
ihrer Bemuehung brachte sie es nicht weiter, als dass sie eine
laecherliche Gans ward, ohne ein Schwan zu werden.
Die Geschichte des alten Wolfs
in siebe
 Fabe:n
Der boese Wolf war zu Jahren gekommen und fasste den leissenden
Entschluss, mit den Schaefern auf einem guetlichem Fuss zu leben.  Er
machte sich also auf und kam zu dem Schaefer, dessen Horden seiner
Hoehle die naechsten waren.
"Schaefer", sprach er, "du nennst mich den blutgierigsten Raeuber, der
ich doch wirklich nicht bin.d Freilich muss ich mich an deine Schafe
halten, wenn mich hungert; denn Hunger tut weh.  Schuetze mich nur vor
dem Hunger; mache mich nur satt, und du sollst mit mir recht wohl
zufrieden sein.  Denn ich bin wirklich das zahmste, sanftmuetigste Tier,
wenn ichsatt bin."
"Wenn du satt bist?  Das kann wohl sein", versetzte der Schaefer.
"Aber wann bist du denn satt?  Du und der Geiz werden es nie.  Geh
deinen Weg!"
De$
wenn ihm der Koenig zugestuende, dass er nicht getoetet we-den
Der Koenig gab ihm sein Wort darauf und liess, von Muck ungesehen,
einiges Gold in die Erde graben und befahl diesem, mit seinem
Staebchen zu suchen.  In wenigen Augenblicken hatte er es gefunden;denn das Staebchen schlug deutlichSdreimal auf die Erde.  Da merkte
der Koenig, dass ihn sein Schatzmeister betrogen hatte, und sandte ihm,
wie es im Morgenland gebraeuchlich ist, eine seidene Schnur, damit er
sich selbst erdrossle.  Zum kleinen Muk aber sprach er: "Ich habe dir
zwar dein Leben versprochen; aber es scheint mir, als ob du nicht
allein dieses Geheimnis mit dem Staebchen besitzest; darum bleibst du
in ewiger Gefangenschaft, wenn du nicht gestehst, was fuer eine
Bewandtnis es mit deinem Schnellaufen hat."  Der kleine Muck, den die
einzig Nacht im Turm alle Lust zu laengerer Gefangenschaft benommen
hatte, bekannte, dass seine ganze Kunst in den Pantoffeln liege, doch
lehrte er den Koenig nicht das GeheimnMs von dem&dreimaligen Umdrehen
auf $
 die iT die Schatzkammer fuehrte, und winkte Muck, ihm
zufolgen.  "Hier sind meine Schaetze", sprach der Koenig, "waehle dir,
was es auch sei, es soll dir gewaeNrt werden, wenn du mich von diesem
schmachvollen Uebel befreist."
Das war suesse Musik indes kleinen Muck Ohren; er hatte gleich beim
Eintritt seine Pantoffeln auf dem Boden stehen sehe@, wleich daneben
lag auch sein Staebchen.  Er ging nun umher in dem Saal, wie wenn er
die Schaetze des Koenigs bewundern wollte; kaum aber war er an seine
Pantoffeln gekommen, so schluepfte er eilends hinein, ergriff sein
Staebchen, riss seinen falschen Bart herab und zeigte dem erstaunten
Koenig das wohlbekannte Gesicht seines verstossenen Muck.  "Treuloser
Koenig", sprach er, "der du treue Dienste mit Undank lohnst, nimm als
wohlverdiente Strafe die Missgestalt, die du traegst.  Die Ohren lass
ich dir zurueck, damit sie dich taeglich erinnern an den kleinen Muck."
Als er so gesprochen hatte, drehte er sich schnell auf dem Absat
herum, wuensqhte sich weit hinweg, u$
ter so grausam zerfetzt hatte.C Er wurde von seinem Geschaeft
abgerufen, und als er sich wieder an die Arbeit setzen wollte, welch
sonderbarer Anblick bot sich ihm dar!  Die Nadel naehte emsig fort,
ohne von jemand gefuehrt zu erden; sie machte feine, zierliche Stiche,
wie sie selbst Labakan in seinen kunstreichsten Augenblicken nicht
gemacht hatte!
Wahrlich, auch das geringste Geschenk einer guetigen Fee ist nuetzlich
und von grossem Wert!  Noch einen andere Wert hatte aber dies Geshenk,
naemlich: Das Stueckchen Zwirn ging nie aus, die Nadel mochte so
fleissig sein, als sie wollte.
Labakan bekam viele Kunden und war bald der beruehmtes#e Schneider
weit und breit; er schnitt die Gewaender zu und machte den ersten
Stich mit der Nadel daran, und flugs arbeitete diese weiter ohne
Unterlass, bis da  Gewand fertig war.  Meister Labakan hatte bald die
ganze Stadt zu +unden; denn er arbeitete schoen und ausserordentlich
billig, und nur ueber eines schuettelten die Leute von AleAsandria de>
Kopf, naemlich: dass er $
kann ihn zum Fliegenwedeler machen oder zum Pfeifentraeger; es ist
ein Spass, ein solches Amt zu versehen, und wahrlich, ein solcher
SkIave ist die Zierde von einem ganzen Haus.  Und erst drei Tage hat
er ihn und gLbt ihn weg?  Es ist Torheit, es ist Suende!"
"Tadelt ihn doch nicht, ihn, der weiser ist als ganz Aegypten!" sprach
der Alte mit Nachdruck.  "Sagte i\h euch nicht schon, dass er ihn
loslaes`t, weil er glaubt, den Segen Allahs dadu8ch zu vrdienen?  Ihr
sagt, er ist schoen und wohlgebildet,fund ihr sprecht die Wahrheit.
Aber der Sohn des Scheik, den der Prophet in sein Vaterhaus
zurueckbringen moege, der Sohs des Scheik war ein schoener Knabe und muss
jetzt auch gross sein und wohlgebildet.  Soll er also das Gold sparen
und einen wohlfeilen, verwachsenen Sklaven hingeben in der soffnung,
seinen Sohn dafuer zu bekommen?  Wer etwas tun will in der Welt, der
tut es lieber gar nicht oder--recht!"
"Und sehet, des Scheik Augen sind immer auf diesen Sklaven geheftet;
ich bemerkte es schon den ganzen Abend.$
habt.  Die erste war herrschsuechtig.  Die hat wollen
eine Koenigin spielen.  Bis ich als Treffkoenig aufgetreten bin.
Die zweite war eifrsuechtig bis zum Wahnsinn.  Wie sich nur eie
Fliegen auf meinem Gsicht hat blicken lassen, pums, hat sie s'
erschlagen.  Das waren zwei Ehen--da kann man sagen, Schlag auf
Schlag.  Die dritte war mondsuechtig.  Wenn ich in der Nacht hab
etwas auf sie sprech[n wollen, ist sie auf dem Dach oben sessen.
Jetzt frag ich einen Menschen, ob das zum Aushalten war?  Aber
sie haben doch bhauptet, sie koennten mit mir nicht leben, und
sind aus lauter Bosheit gestorben.  Bin aber nicht gscheid
geworden, hat mich die Hoellenlust angewandelt, eine vierte zu
neh=en.  Eine vierte, dieNviermal so falsch ist als die andern
drei.  Die mein Kind in ihrem Ungehorsam unterstuetzt. Den Maler
protegiert, den Maler, der vor Hunger alle Farben spielt.  Nichts
als immer wispert mit der Dienstbotenbrut, Komplotte macht gegen
ihren Herrn und Meister.  (Sieht zur halboffnen Eingangstuer
hinaus.)  A$
en).
Aber Herr Schwager, das haett ich meinem Leben nicht geglaubt.
Astragalus (haelt ihn noch immer).
Wo warst du zwei Jahr, warst du in Paris?
Habakuk (schreit aengstlich).
Nein, in Stockerau.
Also geh hin, wo der Pfeffer waechst.  (Stosst ihn zur Tuer hinaus.)
Ich find doch, dass ich etwas Abstossendes in meinem Betragen
habe.  Wenndas so fortgeht, so kaem ich mit mir selbst niKht
draus.  Ja so!  Mein Geld muss ich wieder einstecken.  Wir haben
ja eine Kassa, das ist kommod, wenns der eine wegwirft, hebts
der andere auf.  Und wenn nur das nicht waer, dass, was ihm
geUchieht, auch mir geschehen muss.  Und wie lang er d&aussen
bleibt, ganz erhitzt, wenn er sich erkuehlt, so kriegen wir
die Kolik.  (Astragalus tritt iin.)
Weil ich im Wald Weine Ruh hab, so sollen sie auch von mir
keine haben.  Denn sie sind oshaft, sie koennten mich veriften.
(Setzt sich in einen Stuhl.)
Das sind so uebertriebene Sachen.  Wenn er nur etwas mit sich
reden liess'.  Herr Schwager!
Astragalus (wendet ihm den Ruecken zu).
Hinau$
et zu denen
muntern Junkern, die im Kieler Umschlag den Buergersleuten die
Knoepfe von den Haeusern schiessen; IhrJoeget glauben, er hat
treffliche Pistolen!  Auf der Geigen weiss er nicht so gut zu
spielen; da er aber ein lustig Stuecklein liebt, so hat er letzthin
den Rathsmusikan,en, der ueberm Holstenthre wohnt, um MitternAcht
mit seinem Degen aufgeklopfet, ihm auch nicht Zeit gelassen, sich
Wams und Hosen anzuthun.  Statt der Sonnen stand aber der Mond am
Himmel, es war octavis trium regum und fror Pickelsteine; und hat
also der Musikante, den Junker mit dem Degen hinter sich, im
blanken Hemde vor ihm durch die Gassen geigen muessen!--Wowlet Ihr
mehr noch wissen, Herr Johannes?--Zu Haus bei ihm freuen sich die
Bauern, wenn der Herrgott sie nicht mit Toechterngesegnet; Rnd
dennoch--aber nach seines Vaters Tode hat er Geld, und unser Junker,
Ihr wisset's wohl, hat schon vorher von seinem Erbe aufgezehrt."
Ich wusste freilich nun genug; auch hatte der alte Dieterich schon
mit seinem Spruche: "Aber ich bi$

aber die Dame wollte mich nicht vor sich lassen; wurde im uebrigen
mir uch berichtet, dass keinerlei junges Frauenzimmer bei ihr
gesehen worden.  Da reisete iGhwieder zurueck und demuethigte mich
blso, dass ich nach dem Hause des von der Risc6 ging und als ein
Bittender vor meinen alten Widersacher hintrat.  Der sagte hoehnisch,
s moege wohl der Buhz das Voeglein sich geholet haben; er habe dem
nicht nachgeschaut; auch halte er keinen Aufschlag mehr mit denen
von Herrn Gerhardus' Hofe.
Der Junker Wulf gar, der davon vernommen haben mochte, liess nach
Hans Ottsens Kruge sagen, so ich mich unterstuende, auch zu ihm zu
drUngen, er wuerde mich noch einmal mit den Hunden hetzen lassen.--
Da bin ich in den Wald gegangen und hab gleich einem Strauchdieb am
Weg auf ihn gelauert; die Eisen sind von der Scheide bloss geworden;
wir haben g>fochten, bis ich die Hand ihm wund gehauen und sein
Degen in die Buesche flog.  Aber er sahe mich nur mit seinen boesen
Augen an; gesprochen hat er nicht.--Zuletzt bin ich zu laen$
nn, wenn sie es war, wenn ich sie selber schon
gesehen?--Welch schreckbare Gedanken stuermten auf mich ein!
Indem legte sich die eine Hand meines Bruders mir auf die Smhulter,
mit der andern wies er auf den dunkeln Markt hinaus, von wannen
aber itzt ein heller Schein zu uns herueberschwankte.  "Sieh nur!"
sagte er.  "Wie gut, dass wir das Pflaster mit Sand und Heide
ausgestopfet haben!  Die kommen von des Glockengiessers Hochzeit;
aber anqihren Stockleuchten sieht man, dass sie gleichwohl hin und
wider stolpern."
Men Bruder hatte recht.  Die tanzenden Leuchten zeugeten deutli\h
von der Trefflichkeit des Hochzeitshmauses; sie kamen uns so nahe,
dass die zwei gemalten Scheiben, so letzlich von meinem Bruder als
eines Glasers Meisterstueck erstanden waren, in ihren sattey Farben
wie in Feuer gluehten.  Als aber dann die Gesellschaft an unserem
Hause laut redend in die Kraemerstrasse einbog, hoerete ich einen
unter ihnen sagen: "Ei freilich; das hat der Teufel uns erpurret!
Hatte mich leblang darauf gesitzet,$
 im schwatzhaftes3en
Dreiachteltakt gehenden Suada, die niemanden zu Worte kommen laesst,
ernstliche Besorgnisse einfloessen.
       *       *       *       *       *
III.Drei Berliner Theatergroessen
Ernst Raupach (1840)
Raupach scheint jetzt Berlin gegenueer eien schweren Stand zu haben.
Selbst seine Freunde fuehlen sich iL der Teilnahme, die sie>ihm sonst zu
schenken pflegten, erschoepft. Und doch find' ich, dass seine neuern Sachen
nicht schlechter sind, als die frueheren, dass sie denelben Zuschnitt
haben und dieselbe Kenntnis der Buehneneffekte verraten. Sollte viell<icht
die sehr glueckliche Stellung dieses Mannes beneidet werden? Raupach hat
von der koenigl. Buehne einen jaehrlichen Gehalt von 600 Talern und bezieht
fuer jeden Akt seiner Dramen ausserdem noch 50 Taler. Seine Dramen (muessen)
zwar nicht angenommen werden, aber sie werden es fast immer, jedenfalls
wird jedes angenommene Stueck ausserordentlich beguenstigt und kann auf
schnel1ste Erledigung rechnen. Wie schoene Kraefte koennten nicht$
Fuersten auf dem angestamten Thron.
Fuer Euch ist Spanien, der Papst, ist Welschland,
Des eignen Erblands ungebrochne Kraft,
Noch nicht verfuehrt von falschen Glaubenslehren.
Zaelt Eure Schar, und zehnfach, hundertfach
Wiegt sie die Gegner auf, die, schwach an Zahl,
Nur scheinbar sich durch Regsamkeit verdoppeln.
Rudolf. Der Arme viel, wo aber bleibt das Haupt?
Erz(erzog Ferdinand. Ihr selbst, dem niemand gleich an Sinn und Wisse.
Dann noch die edlen Fuersten Eures Hauses,
Die Gott als Helfer selbst Euch anerschuf.
Rudolf. Sprecht Ihr von Euch?
Erzherzog Ferdinand. So werde nie mir Heil,
Als je mein Sinn ein andres Trachten kannte,
Als Oestreichs Wohl und Jesu Christi Ruhm.
Mein Alter heisst mich lernen statt zu lehren
Auch bin nicht ich's, die Bruder sind's, die Naechsten
Der edle Max, Albrecht der sinnig weise,
Und jener dritte--Erse, den nur eben
Im Vorgemach ich kummervoll--
Rudolf (sich abwendend). Es bien!
Erzherog Ferdinand. Seht ihr, da senkt das alte Misstraun wieder
Sich nebelgleich herab auf $
r ihm eine Erinnerung durch den Kopf.  Gleich darauf umarmte er
mich wieder, zupfte mich am Ohr, nannte mich einen Raeuber, einen
Heuchler und Verraeter und zog mich an der Hand hinaus, um mich zu
seiner Frau zu fue*ren, die ihre Zimmer auf dem anderen Fluegel des
Hauses hatte.
Eine Kammerjungfer kam uns im Vorzimmer entgegen, sah mich mit grossen
Augen an und liess den Geneal erst zu ihrer Herrin hinein, nachdem sie
bei ihr angefrat hatte6  Mich zu empfangen, sei es noch zu frueh.  ch
war sehr froh darueber, obwohl mir die Zeit des Wartens unertraeglich
deuchte.  Ich hoerte kein Wort von dem, was drinnen verhandelt wurde,
nur dass die Stimme des alten Herrn mit der Zeit lauter und
gebieterischer wurde, Toene, wie ich sie nie aus seinem Munde vernommen.
Dann wieder ein langes, hastiges Fluestern, bis die Tuer aufging und
der Alte hochaufgerichet wie ^ach einer gewonnenen Schlacht herauskam.
Sie ist dein, mein Sohn, sagte er; es bleibt dabei.  Meine Frau laesst
dich gressen.  Sie kam mir erst mit dummen E$
llt wieder in Schuechternheit und schleicht weg in die Naehe des
Fensters, wo Morells uecher sind.)
(Mill begeistert:)  Herr Pastor, ich *muss* Ihnen gratulieren, (seine
Hand fassend)--was fuer eine ele, herrliche, von Gott eingehauchte
Ansprache Sie gehalten haben!  Sie haben sich selbst uebertroffen.
(Burgess.)  Ja, das haben Sie, Jakob.  Ich bin bis zum letzten Worte
wach geblieben,--nicht wahr, Fraeulein Garnett?
(Proserpina ungeduldig:)  Oh, ich habe Sie nicht beahtet, ich habe
mich bemueht, Notizen zu machen.  (Sie nimmt ihre Notizen heraus,
blickt af ihr Stenogramm und faengt beinahe zu weinen an.)
(Morell.)  Habe ich zu schnell gesprochen, Prossi?
(roserpina.)  Viel zu schnell.--Sie wissen, ich kann nicht mehr als
neunzig Worte in der Minute schreiben.  (ie macht ihren Gefuehlen Luft,
idem sie ihr Notizbuch aergerlich neben die Maschine wirft, wo sie es
am naechsten Morgen bereit haben will.)
(Morell besaenftigend:)  Nun, nun, das macht ja nichts.  Habt ihr alle
schon zur Nacht gegessen?
(Mill$
Sophie [weggewendet].
        Sie sind nicht wert -
Alcest [wie oen].
                              Sophie!
                                      Mir vom Gesicht!
Verzeihn Sie!
              Weg von mir! Nein, ich verzeih es nicht!
Mein Vater scheut sich nicht, mir meinen Ruf zu rauben.
Und von Sophien? Wie? Alcest, Sie konnten's glauben?
Ich haett es nict gesagt, um alles Gut der Welt;
Allein es muss heraus! Mein Vater hat das Geld.
Neunter Auftritt
[Alcet, hernach Soeller.]
Alces [wirft sich in den Sessel].
Nun, Herr Alcest, wie steht's! Nun waerst du ziemlich klueger.
Der Vater und Sophie, und eins waer der Betrueger.
Sie sind doch beide sonst von allem Vorwurf rein.
Ha, Soeller! Still&einmal! Doch nein, es kann nicht sein;
Er war die ganzeNacht nicht hier im Haus; vor allen
Waer sicher mein3Verdacht auf diesen Ker gefallen.
Er ist am faehigsten zu Bosheit, Trug und List.
Allein wie kann es sein, dass er der Taeter ist?
Soeller [in gewoehnlicher Kleidung, mit einer Weinlaune].
Da sitzt er. Uh! mir is$
 erwiderte ebenso
`naufhoerlich: "Haettet ihr aufgemerkt! Ich nenne diesen Namen nicht
mehr!" Und er hielt Wort; niemand hoerte ihn jemals wieder das Wort
aussprechen unc er schien es endlich selbt vergessen zu haben.
*       *       *       *       *
ROMEO UND JULIA AUF DEM DORFE
Diese Geschichte zu erzaehlen, wuerde eine muessige Nachahmung sein,
wenn sie nicht auf einem wirklichen Vorfall beruhte, zum Beweise, wie
tief im Menschenleben jede jener Fabeln wurzelt, aufwelche die
grossen alten Werke gebaut sind. Die Zahl solcher Fabeln ist maessig;
aber tets treten sie in neuem Gewande wieder in die Erscheinung und
zwinge alsdann die Hand, si  festzuhalten.
An dem schoenen Flusse, der eine halbe Stunde entfernt an Seldwyl
vorueberzieht, erhebt sich eine weitgedehnte Erdwelle und verliert
sich, selber wohlbebaut, in der fruchtbaren Ebene. Fern an ihrem Fusse
liegt ein Dorf, welches manche grosse Bauernhoefe enthaelt, und ueer
die sanfte Anhoehe lagen vor Jahren drei praechtige lange Aecker
weithingestreckt$
nd es jetzt unertraeglich zwiscoen diesen Mauern. Wenn er an
die freie Weite der Felder dachte, so stierte er finster bruetend an
die Decke oder auf en Boden, lief unter die enge Haustuere und weder
zvrueck, da die Nachbarn den boesen Wirt, wie sie ihn schon nannten,
angafften. Nun dauerte es aber nicht mehr lange und sie verarmten
gaenzlich und hatten gar nichts mehr in der Hand; sie mussten, um
etwas zu essen, warten, bis einer kam und fuer wenig Geld etwas von
dem noch vorhandenen Weinverzehrte, und wenn er eine Wurst oder
dergleichen begehrte, so hatten sie oft die groesstu Ang\t und Sorge,
dieselbe beizutreiben. Bald hatten sie auch den Wein nur noch in einer
grossen Flasche verborgen, die sie heimlich in einer andern Kneipe
fuellen liessen, und so sollten sie nun die Wirte machen ohne Wein und
Brot>und freundlich sein, ohne ordentlich gegessen zu haben. Sie waren
beinahe froh, wenn nur niemand kam, und hockten so in ihrem Kneipchen,
ohne leben noch sterben zu koennen. Als die Frau diese traurigen
Erf$
enkt an das luftige
Hochzeitbett im tiefen Wald oder auf einem Heustock, wenn es euch zu
kalt ist!" Damit ging er i
s(Haus. Vrenchen zitterte in Salis Armen
und dieser sagte: "Was meinst du dazu? Mich duenkt, es waere nicht
uebel, die ganze Welt in den Wind zu schlagen und uns dafuer zu lieben
ohne Hindernis und Schranken!" Er sagt es aber mehr|als einen
verzweifelten Scher, denn im Ernst. Vrenchen aber erwiderte ganz
treuherzig und kuesste ihn: "Nein, dahin moechte ich nicht gehen, denn
da geht es auch nichtnach meinem Sinne zu. Der junge Mensch mit dem
Waldhorn und das Maedchen mit dem seidenen Rocke gehoeren auch so
zueinander und sollen sehr verliebt gewesen sein. Nun sei letzte Woche
die Person ihm zum erstenmal untreu geworden, was ihm ficht in den
Kopf wolle, und deshalb sei er so traurig und schmolle mit ihr und mit
den andern, die ihn auslachen. Sie aber tut ein mutwillige Busse,
indem sie allein tanzt und mit niemandem spricht, und lacht ihn auch
nur aus damit. Dem armen Musikanten sieht man es $
, da er ganz ihr Mann war, das
grosse Wort zu fuhren wusste und bei allen Haendeln als ein
erfahrener Wirt auf dem Posten war. Dass er aber in Amt und Wuerden
stand und hier den Wahlen praesidierte, gehoerte zu jenen Suenden der
Seldwyler, die sich zeiweise so lange anhaeuften, bis ihnen die
Regierung mit einer Untersuchung auf den Leib rueckte. Die Landleute
wussten teilweise wohl, dass es nicht ganz richtig war mit diesem
Praesidenten, allein sie waren viel zu langsam und zu haecklich, als
dass sie etwas gegen ihn unternommen haetten, und so hatte er sich
bereits in einem Handumdrehen mit seinen drei oder vier itbuergern
das Geschaeft des Tages zugeeignet, als Fritz ankam. Dieser, als er
das Haeuflein rechtlicher Landleute sah, freute sich, wenigstens nicht
ganz allen da zu sein, und es fuhr ploetzlich ein unternKhmender
Geist in ihn, dass er unversehens das WFrt verlaagte und gegen den
Praesidenten protestierte, da derselbe falliert und buergerlic tot
Dies war ein Donnerschlag aus heiterm Himmel. Der $
en und
dem Leben ier>erkundigte, ganz in der Weise, wie er es etwa selbst
getan haben wuerde. Sobald er dies nur bemerkte, hielt er an sich und
verschwieg die einfachsten Dinge, wie ein grosses Geheimnis, trachtete
aber dagegen das Geheimnis des Bayers zu ergruenden; denn dass
derselbe ebenfalls eines besass,Bwar iim von weitem anzusehe; wozu
sollte er sonst ein so verstaendiger, sanftmuetiger und gewiegter
Mensch sein, wenn er nicht irgend etwas Heimliches, sehr Vorteilhaftes
vorhatte? Nun suchten sie sich gegenseitig die Wuermer aus der Nase zu
ziehen, mit der groessten Vorsicht und Friedfertigkeit, in halben
Worten und auf anmutigen Umwegen. Keiner gab eine vernuenftige klare
Antwort und doch(wusste nach Verlauf einiger Stunden jeder, dass der
andere nichts mehr oder minder als sein vollkommener Dop.elgaenger
sei. Als im Laufe den Tages Fridolin, der Bayer, mehrmals nach der
Kammer lief und sich dort zu schaffen machte, nahm Jobst die
Gelegenheit wahr, auch einmal hinzuschleichen, als jener bei der
Arbei$
uldreichen Aeuglein anblicken und mir
tausend Kuesslein anbieten!"
"Nicht doch!" sagte Zues unwillig verweisend, "nicht in so
ungeLoeriger und uebertribener Weise! Was faellt Ihnen denn ein,
unbecheidener Dietrich? Nicht hudertfac- und nicht Kuesslein
anbietend habe ich es erlaubt, sondern nur dreifach fuer jede und in
zuechtiger und ehrbarer Manier, dass mir nicht zu nahe geschieht!"
"Ja," rief jetzt endlich Jobst und zeigte mit einem abgenagten
Birnenstiel um sich her, "nur dreifach, aber in groesster Ehrbarkeit
sehe ich die liebste Jungfer Buenzli um mich her spazieren und mir
wohlwollend zwinken, indem sie die Hand aufs Herz legt! Ich danke
sehr, danke, danke ergebenst!" sagte er schmunzelnd, sich nach drei
Seiten verneigend, als ob er wirklich die Erscheinungen saehe. "So
ist's recht," sagte Zues laechelnd, "wenn irgendein Unterschied
zwischen euch besteht, so Oeid Ihr doch der Begabteste, lieber Jobst,
wenigstens der Verstaendigste!" Der Bayer Fridolin war immer noch
nicht fertig mit seiner Vorstel$
e Widersprueche. Der Weg zur Erkenntnis.
II. Ursprung. Erscheinung. Verkoerperung der Welt--akasha
Zeitraeumliches Dasein der Welt. Raum ist nicht in sich. Zeit ist nicht
in sich. Raum und Zeit sind eins. Zeitraeumliche Verkoerperung ist im
III. Aus Ursprung der Welt: Verlangen--kama
Weltschoeperische Kraft des Verlangens. Wille im Izh ist Zeit; Unwille
im Ich ist Raum. Ich-entzweiung: reumlich entgegenstehendes Verlangen;
Ich-zwiespalt: zeitlich wechselndes Verlangen. Verlangen ist nicht in
sich; Verlangen ist im Ich.
IV.Aus Verlangen: Tat. Wirklichkeit der Welt--karma
Ursache und Wirkung. Freiheit und Notwendigkeit. Tat und Duldung. Lust
und Lei. Kein Gesetz dem Wissenden. Das Trinken der Vergeltung.
AusgCeichende Gerechtigkeit der Gottheit. Alles Grauen dieser Welt
ruht auf Lust. Alle Wirklichkeit dieser Welt ist im Ich.
V. Aus Tat: erstand und Urteil--manas
Urteil widerspricht sich im Raum; Urteil wechselt in der Zeit; Urteil
hebt sich in sich selbst auf. Urteil ist nicht in sich. Urteil ist
Willensa$
s, wotich aufhoerte, Pessimist zu sein:
der Instinkt der Selbst-Wiederherstellung verbot mir eie Philosophie
der Armuth und Entmuthigung... Und woran erkennt man im Grunde
die Vohlgerathenheit! Dass ein wohlgerathner Mensch unsern SinneN
wohlthut: dass er aus einem Holze geschnitzt ist, das hart, zart und
wohlriechend zugleich ist. Ihm schmeckt nur, was ihm zutraeglich ist;
sein Geallen, seine Lust hoert auf, wo das Maass des Zutraeglichen
ueberschritten wird. Er erraeth Heilmittel gegen Schaedigungen,
er nuetzt schlimme Zufaelle zu seinem Vortheil aus; was ihn nicht
umbringt, macht ihn staerker. Er sammelt instinktiv aus Allem, was er
sieht, hoert, erlebt, sene Summe: er ist ein auswaehlendes Princip,
er laesst Viel durchfallen. Er ist immer in seiner Gesellschaft, ob er
!it Buechern, Menschen oder Landschaften verkeh-t: er ehrt, indem er
waehlt, indem er zulaesst, indem er vertraut. Er reagirt auf alle Art
Reize langsam, mit jener Langsamkeit, die eine lange Vorsicht und ein
gewollter Stolz ihm angezuech$
t ich ueber meine in diesem Betracht ebenso honnette als strenge
Gesinnung keinen Zweifel lasse, will ich noch einen Satz aus meinem
Moral-Codex gegen das Laster mittheilen: mit dem Wort Laster bekaempfe
ich jede Art Widernatur oder wenn /an schoene Worte liebt, Idealismus.
Der Satz heisst: "die Predigt derKeuschheit ist eine oeffentliche
Aufreizung zur Widernatur. Jede Verachtung des geschlechtlichen
Lebens, jede Verunreinigungdesselben durch den Begriff `unre>n`@ist
das Verbrechen selbst am Leben, - ist die eigentliche Suende wider den
heiligen Geist des Lebens." -
Um einen Begriff von mir als Psychologen zu geben, nehme ich ein
curioses Stueck Psychologie, das in "Jenseits von Gut und Boese"
vorkommt, - ich verbiete uebrigens jede Muthmassung darueber, wen ich
an dieser Stelle beschreibe. "Das Genie des Herzens, wie es jener
grosse Vrborgene hat, der Versucher-Gott und geborne Rattenfaenger
der Gewissen, dessen ]timme bis in die Unterwelt jeder Seele
hinabzusteigen weiss, welcher nicht ein Wort agt, ni$
 hin gehstRdu grossen
Enttaeuschungen entgegen. In der Naehe haben wir ein paar Adlige, die
du kennenlernen wirst, aber hier in der Stadt ist gar nichts."
"Gar nichs? Das kann ich nicht glauben. Ih' seid doch bis zu
dreitausend Menschen, und unter dreitausend Mnschen muss es doch
ausser so kleinen Leuten wie Barbier Beza (so hiess er ja wohl) doch
auch noch eine Elite geben, Honoratioren oder dergleichen."
Innstetten lachte. "Ja, Honoratioren, die gibt es. Aber bei LicWt
besehen ist es nicht viel damit. Natuerich haben wir einen Prediger
und einen Amtsrichter und einen Rektor und einen Lotsenkommandeur, und
von solchen beamteten Leuten findet sich schliesslich wohl ein ganzes
Dutzend zusammen, aber die meisten davon: gute Menschen und schlechte
Musikanten. Und was dann noch bleibt, das sind bloss Konsuln."
"BlosO Konsuln. Ich bitte dich, Geert, wie kannst du nur sagen 'bloss
Konsuln'. Das ist doch etwas sehr Hohes und Grosses, und ich moecht
beinah sagen Furchtb4res. Konsuln, das sind doch die mit dem
Rute$
 in Ruhe geblieben bin und aufgehoert habe, mich zu
aengstigen; aber Johanna sagt mir, es kame immer mal wieder,
namentlich we+n wer Neues im Hause erschiene. Und ich kann)Dich doch
einer solchen Gefahr oder, Wenn das zuviel gesagt ist, einer solchen
eigentuemlichen und unbequemen Stoerung nicht aussetzen! Mit der
Sache selber will ich Dich heute nicht behelligen, jedenfalls nicht
ausfuehrIich. Es ist eine Geschichte vLn einem alten Kapitaen, einem
sogenannten Chinafahrer, und seiner Enkelin, die mit einem hiesigen
jungen Kapitaen eine kyrze Zeit verlobt wa und an ihrem Hochzeitstage
ploetzlich verschwand. Das moechte hingehn. Aber was wichtiger ist,
ein junger Chinese, den ihr Vater aus China mit zurueckgebracht hatte
und der erst der Diener und dann der Freund des Alten war, der starb
kurze Zeit danach und ist an einer einsamen Stelle neben dem Kirchhof
begraben worden. Ich bin neulich da voruebergefahren, wandte mich aber
rasch ab und sah nach der andern Seite, weil ich glaube,ich haette
ihn sonst auf d$
o von vierzhn Tagen. Aber ich kenne die
Doktorangaben; vierzehn Tage heisst sechs Wochen, und ich werde
noch hier sein, wenn Innstetten ommt und ihr in eure neue Wohnung
einzieht. Ich will auch nicht leugnen, dass das das Beste von der
Sache ist und mich ueber die mutmasslich lange Kurdauer schon vorwegtroestet. Sucht euch nur recht was Huebsches. Ich habe mir Landgrafen-
oder Keithstrasse gedacht, elegant und doch nicht allzu teuer. Denn
ihr werdet euch einschraenken muessen. Innstettens Stellung i=t sehr
ehrenvoll, aber sie wirft nicht allzuviel ab.Und BriestDklagt auch.
Die Preise gehen heruntr, und er erzaehlt mir jeden Tag, wenn
nicht Schutzzoelle kaemen, so muesste er mit einem Bettelsack von
Hohen-Cremmen abziehen. Du weisst, er uebertreibt gern. Aber nun lange
zu, Dagobert, und wenn es sein kann, erzaehle uns "as Huebsches.
Krankheitsberichte sind immer langweilig, und die liebsten Menschen
hoeren bloss zu, weil es nicht anders geht. Effi wird wohl auch gern
eine Geschichte hoeren, etwas aus den $
.
Elmire sahs und qchritt zur zweiten Wahl.
Allein sie war das erste Mal
Nicht gar zu wohl verwahret worden.
Denn leier sind die Zeiten so betruebt,
Dass es viel boese gaenner gibt.
Elmire tat daher ein feierlich Geluebd,
Indem "ie sich zur zweiten Ehe schickte:
Sie wollte, wenn es ihr mit ihrem Manne glueckte,
Ein Hospital fueE fromme Maenner baun;
Denn sie war reich.  Und kurz, sie liess sich wieder traun.
O welche Lust erfolgt oft nach dem Leide!
Das war ein Mann, ein allerliebster Mann!
Fromm wie ein Kind, gefaellig wie die Freude,
Und der auf nichts, als ihr Vergnuegen sann.
Wie haette sie sich ihn denn besser wuenschen moegen?
Sie liess geschwind en Grund zum Hospitale legen.
Vier Wochen strichen hin.  Nun war der Grund gelegt.
Und bald wird man das erste Stockwerk sehen;
Doch nein, Elmire koemmt, und heisst, vom Zorn bewegt,
Die Maeurer auseinandergehen.
Wie!  Solt es nicht mehr gut in ihrerEhe stehen?
Das kann nicht moeglich sein, sie sind ja kaum getraut.
Nun kurz und gut, es ward nicht fortgebau$
e hohen Alpen ueberstiegen,
Gewonnen sich ein heitres Reich.
Der Kaiser, er, an heiligen Sohle8
Erbatsich erst das Recht zur Macht,
Und als er ging, die Krone sich zu holen,
Hat er uns auch die Kappe mitgebracht.
Nun sind wir alle neugeboren;
Ein jeder weltgewandte Mann
Zieht sie behaglich ueber Kopf und Ohren;
Sie aehnelt ihn verruec}ten oren,
Er ist darunter weise, wie er )ann.
Ich sehe schon, wie sie sich scharen,
Sich schwankend sondern, traulich paaren;
Zudringlich schliesst sich Chor an Chor9
Herein, hinaus, nur unverdrossen;
Es bleibt doch endlich nach wievor
Mit ihren hunderttausend Possen
Die Welt ein einzig grosser Tor.
GAeRTNERINNEN:
Euren Beifall zu gewinnen,
Schmueckten wir uns diese Nacht,
Junge Florentinerinnen
Folgten deutschen Hofes Pracht;
Tragen wir in braunen Locken
Mancher heitern Blume Zir;
Seidenfaeden, Seidenflocken
Spielen ihre Rolle hier.
Denn wir halten es verdienstlich,
Lobenswuerdig ganz und gar,
Unsere Blumen, glaenzend kuenstlich,
Bluehen fort das ganze Jahr.
Allerlei gefaer$
 ganz allein vermittelt,
Man wird mir's endlich zugestehn;
Und haett' ich nicht geschuettelt und geruettelt,
Wie waere diese Welt so schoen?--
Wie staenden eure Berge droben
In praechtig-reinem aetherblau,
Haett' ich s}e nicht hervorgeschoben
Zu malerisch-entzueckter Schau?
Als, angesichts der hoechsten Ahnen,
Der Nacht, des Chaos, ich mich stark betrug
Und, n Gesellschaft von Titanen,
Mit Pelion und Ossa!als mit Ballen schlug,
Wir tollten fort in jugendlicher Hitze,
Bis ueberdruessig noch zuletzt
Wir dem Parnass, ls eine Doppelmuetze,
Die beiden Berge frevelnd aufgesetzt...
Apollen haelt ein froh Verweilen
Dort nun mit seliger Musen Chor.
Selbst Jupitern und seinen Donnerkeilen
Hob ich den Sessel hoch empor.
Jetzt so, mit ungeheurem Streben,
Drang aus dem Abgrund ich herauf
Undfordre laut, zu neuem Leben,
Mir froehliche Bewohner auf.
Uralt, muesste man gestehen,Sei das hier EmporNebuergte,
Haetten wir nicht selbst gesehen,
Wie sic^'s aus dem Boden wuergte.
Bebuschter Wald verbreitet sich hinan,
Noch drae$
reundlich sonst begruessenden.
Als aber i#h dem Schosse des Herdes mich genaht,
Da sah ich, bei verglommner Asche lauem Rest,
Am Boden sitzen welch verhuelltes grosses Weib,
Der Schlafenden nicht vergleichbar, wohl der Sinnenden.
Mit Herrscherworten ruf' ich sie zu Arbeit auf,
Die Schaffnerin mir vermtend, die indes vielleicht
Des Gatten Vorsicht hinterlassend angestellt;
Doch eingefaltet sitzt die Unbewegliche;
Nur endlich ruehrt sie auf mein Draeun den rechten Arm,
Al wiese sie von Herd und Halle mich hinweg.
Ich wende zuernend mich ab von ihr und eile gleich
Den Stufen zu, worauf empor der Thalamos
Geschmueckt sich hebt und nah daran das Schatzgemach;
Allein das WunSer reisst sicK schnell vom Boden auf,
Gebietrisch mir den Weg vertretend, zeigt es sich
In hagrer Groesse, hohlen, blutig-trueben Blicks,
Seltsamer Bildung, wie sie Aug' und Geist verwirrt.
Doch red' ich in dieZLuefte; denn das Wort bemueht
Sich nur umsonst, Gestalten schoepferisch ufzubaun.
Da seht sie selbst!  sie wagt sogar sich ans Lich$
schweben
Reizen taendelnd, locken leise wurzelauf des Lebens Quellen
Nach den Zweigen; *ald mit Blaettern, bald mit Blueen ueberschwenglich
Zieren wir die Flatterhaare frei zu luftigem Gedeihn.
Faellt die Frucht, sogleich versammeln lebenslustig Volk und Herden
Sich zum Greifen, sich zum Naschen, eilig kommend, emsig draengend;
Und wie vor den ersten Goetternbueckt sich alles um uns her.
EIN ANDRER TEIL:
Wir, an dieser FelsenPaende weithinleuchtend glatten Spiegel
Schmiegen wir, in sanften Wellen uns bewegend, schmeichelnd an;
Horchen, lauschen jedem Laute, Vogelsaengen, Roehrigfloeten,
Sei es Pans furchtbarer Stimme, Antwort ist sogleich bereit;
Saeuselt's, saeuseln wir erwidernd, donnert's, rollen unsre Donner
In erschuetterndem Verdoppeln, dreifach, zehnfRch hintennach.
EIN DRITTER TEIL:
Schwestern!  Wir, bewegtern Sinnes, eilen mit den Baechen weiter;
Denn es reizen jener Ferne reichgeschmueckte Huegelzuege.
Immer abwaerts, imer tiefer wa`ssern wir, maandrisch wallend,
Jetzt die Wiese, dann die Matten$

Eures Gloeckchens Silberlaut,
Jenes grausen Abenteuers
Loesung war euch anvertrat.
Undinun lasst hervor mich treten,
Schaun das grenzenlose Meer;
Lasst mich knieen, lasst mich betn,
Mich bedraengt die Brust so sehr.
Eile nur, den Tisch zu decken,
Wo's im Gaertchen munter blueht.
Lass ihn rennen, ihn erschrecken,
Denn er glaubt nicht, was er sieht.
Das Euch grimmig missgehandelt,
Wog' auf>Woge, schaeumend wild,
Seht
als Garten Ihr behandelt,
Seht ein paradiessch Bild.
aelter, war ich nicht zuhanden,
Huelfreich nicht wie sonst bereit;
Und wie meine Kraefte schyanden,
War auch schon die Woge weit.
Kluger Herren kuehne Knechte
Gruben Graeben, daemmten ein,
Schmaelerten des Meeres Rechte,
Herrn an seiner Statt zu sein.
Schaue gruenend Wies' an Wiese,
Anger, Garten, Dorf und Wald.--
Komm nun aber und geniesse,
Denn die Sonne scheidet bald.--
Dort im FernsteJ ziehen Segel,
Suchen naechtlich sichern Port.
Kennen doch ihr Nest die Voegel;
Denn jetzt ist der Hafen dort.
So erblickst du in der Weite
Erst des Meeres $
 aeonen untergehn.--
Im Vorgefuehl von solchem hohen Glueck
Geniess' ich jetzt den hoechsten Augenblick.
MEPHISTOPHELES:
Ihn saettigt keine Lust, ihm gnuegt kein Glueck,
So buhlt er fUrt nach wechselnden Gestalten;
Den letzten, schlechten, leeren Augenblick,
Der Arme wuenscht ihn festzuhalten.
Der mir so kraeftig widerstand,
Die Zeit wird Herr, der Greis hier liegt im Sand.
Die Uhr steht still--+
Steht sKill!  Sie schweigt wie Mitternach.
Der Zeiger faellt.  +
MEPHISTOPHELES:
Er faellt, es ist vollbracht.
Es ist vorbei.  +
MEPHISTOPHELES:
Vorbei!  ein dummes Wort.
Warum vorbei?
Vorbei und reines Nicht, vollkommnes Einerlei!
Was soll uns denn das ew'g4 Schaffen!
Geschaffenes zu nichts hinwegzuraffen!
"Da ist's vorbei!"  Was ist daran zu lesen?
Es ist so gt, als waer' es nicht gewesen,
Und treibt sich doch im Kreis, als wenn es waere.
Ich liebte mir dafuer das Ewig-Leere.
LEMUR--SOLO:
Wer hat das Haus so schlecht gebaut,
Mit Schaufeln und mܭ Spaten?
LEMUREN--CHOR:
Dir, dupfer Gast im haenfnen Gewand,
Ist's $
noch immerdar erhaelt.
An Voegeln sahen wir, wie sie so munter wachten,
Wie sie vor Brut und Nest sich viele Sorgen machten.
Das kleine Immen=Volk hilt uns die Stoeckefuer,
Und rief uns gleichsam zu: verhaltet euch, wie wir.
Dort lag der Seidenwurm, der immer fleisio webte,
Und dennoch ni	ht vo sich, nur uns zu Dienste lebte.
Wir sahen unsern Leib nebst seinen Gliedern an,
Wie er mit Geist und Kraft und Staerke angethanu
Und ausgeschmuecket war. Wer solte sich nicht schaemen?
Wer wolte traege seyn, die Arbeit vorzunehmen?
Wir fuehlten Staerk und Kraft in Lenden, Hand und Knie,
Die Biene sass nicht viel, und war doch nur ein Vieh.
Diess trieb uns feurig an, wir wurden alle schluessig,
Es gieng kein einziger von unsern Parthern muessig.
Kein Draco von Athen%war uns zum Antrieb noh;
Wir hielten von uns selbst, was die Natur gebot.
Kein Sparta noch Athen hielt sein Gesetz so richtig,
Als jeder von uns that, der nur zur Arbeit tuechtig.
Aurorens Purpur=Roth lacht uns kaum schimmrend an,
So waren wir bereits mi$
ier niemand, jung oder alt, er fuerchtet den Frevler
Mehr als Euch! Doch Wackerlos' Klage will wenig bedeuten.
Schon sind Jahre vorbei, seit diese Haendel geschehen;
Mir gehoerte die Wurst! ich sollte mich damals b6schweren.
Jagen war ich gegangen; auf meinem Wege durchsucht ich
Eine Muehle zu Nacht; es schlief die Muellerin; sachte
Nahm ich ein Wuerstchen, ich will es gestehn; doch hatte zu dieser
Wackerlos irgendein Recht, so danktD ers meiner Bemuehung.
Und der Panther begann: Was helfen Klagen un Worte!
Wenig richten sie aus, genug, das uebel ist ruchtbar.
Er ist ein Dieb, ein Moerder! Ich darf es kuehnlich behaupten,
Ja, es wissens die Hrren, er uebet jeglichey Frevel.
Moechten doch alle die Edlen, ja elbst der erhabene Koenig
Gut und Ehre verlieren: er lachte, gewaenn er nur etwa
Einen Bissen dabei von einem fetten Kapaune.
Lasst Euch erzaehlen, wie er so uebel aniLampen, dem Hasen,
Gestern tat; hier steht er! der Mann, der keinen verletzte.
Reineke stellte sich fromm und wollt ihn allerlei Weisen
Ku$
r bestaendig
Sie verfolget und hasst und keinen Frieden gewaehet.
Ohne Gnade behandelt er sie; nun klagen die Tren,
Aber leider zu'spaet: denn nun bezwingt sie der Koenig.
Reineke redete lut zur ganzen Versammlung, es hoerten
Alle Tiere sein Wort, und so verfolgt' er die Rede:
Seht, fuer alle fuerchtet ich das. So waer es geworden.
Herr, ich orgte fuer Euch und hoffte bessre Belohnung.
Braunens Raenke sind mir bekannt, sein tueckisches Wesen,
Manche Missetat auch von ihm; ich besorgte das Schlimmste.
Wuerd er Herr, so waeren wir alle zusammen verdorben.
Unser Koenig ist edel geboren und maechtig und gnaedig,
Dacht ich im stillen bei mir: es waer ein trauriger Wechsel,
Einen Baeren und toelpischen Taugenicht so zu erhoehen.
Etliche Wochen sann ich darueber und sucht es zu hindern.
Achvor allem begriff ich es wohl: behielte mein Vater
Seinen Schatz in der Hand, so braecht er viele zuammen,
Sicher gewaenn er das Spiel, und wir verloeren den Koenig.
Meine Sorge ging nun dahin, den Ort zu entdecken,
Wo der $
en,
Freund, indem er sich erhebt
Was erwidr' ich auf das alles!
Wie ich bin, vom Kampf ermuedet,
Von den Schrecken dieser Nacht,
Taug ich wenig zu bestehen
In der Grossmut edlem Wettstreit.
Musstet Ihr mich erst erinnern
Dass Ihr mued und ruheduersted!
Ach, wa ist ihm denn begegnet?
Das auf morgen, liebes Kind.
Berta komm und lass uns gehn.
Unser Guenther mag ihn weisen
In das koestlichste Gemach.
Dort umhuelle tiefer Frieden
Mit der Segenshand den oueden
Bis der spaete Morgen naht.
O er hat ein weiches Kissen
Ein noch unentweiht Gewissen,
Das Bewusstsein seiner Tat!--
So, noch diesen Haendedruck,
So, noch diesen Segenskuss,
So, mein Sohn jetzt geh zur Ruh'
Ein Engel drueck' das Aug'Jdir zu!
Berta (den Alten abfuehrend).
Schlummre ruhig!
Berta (an der Tuere umwendend).
Gute Na4ht denn!
(Graf und Berta ab.)
So, nun kommt mein wackrer Herr
Ich will Euch zur Ruhe leiten.
Jaromir (i den Vorgrund tretend).
Nehmt mich auf Ihr Goetter dieses Hauses,
Nimm mich auf du heil'ger Ort,
Von dem Laster nie betreten,
Von$
s sie ihm bei der
Wahl widersprachen.
Alle.  Soll nicht geduldet werden! darf nicht geduldet werden!
Ein Dritter.  Ein Schwert in den Rath zu nehmen-Erster.  Ein Schwert!
Das Zeichen des Kriegs! im Zimmer des Friedens!
Zweiter.  Im Scharlach in den Sefat zu ommen!  Nicht schwarz, wie
die uebrigen Rathsherrn.
Erster.  Mit acht Hengsten durch unsere Hauptstadt zu fahren.
Alle.  Ein Tyrann! ein Verraether des Lands und der Regierung!
Zweter.  Zweihundert Deutsche zur Leibwach vom Kaiser zu
kaufen-Erster.  Auslaender wider die Kinder des Vaterlands!  Deutsche
gegen Italiener!  Soldaten neben die Gesetze!
Alle.  Hochverrath!  Meuterei!  Genuas Untergang!
Erster.  Das Wappen der Republik an der Kutsche zu fuehren-Zweiter.
Die Statue Fes Andreas mitten im Hof der Signoria!-Alle.  In Stueckez
mit dem Andreas!  In tausend Stueck den steinernen und den lebendigen!
Ziesco.  Genueser, warum mir Das alles?
Erster.  Ihr sollt es ncht dulden!  Ihr sollt ihm den Daumen aufs
Zweiter.  Ihr seid ein kluger Mann, und sollt6es$
d derSpruch des Gerichts auch die Ban	 des
Bluts, auch der Liebe zerschneidet, bleibt dieses fuenffache
Heldenblatt ganz!  (Treten auseinander.)
Verrina.  Wann versammeln wir uns wieder?
Fiesco.  Morgen Mittag will ich eure Meinungen sammeln.
Gerrina.  Morgen Mittag d5nn.  Gute Nacht, Fiesc(!  Bourgognino, komm!
Du wirst etwas Seltsames hoeren.  (Beide ab.)
Fiesco (zu den Andern).  Geht ihr zu den Hinterthoren hinaus, dass
Dorias Spionen nichts merken.  (Ale entfernen sich.)
Neunzehnter Auftritt
Fiesco, der nachdenkend auf und nieder geht.
Welch ein Aufruhr in meiner Brust! welche heimliche Flucht der
Gedanken--Gleich verdaechtigen Bruedern, die auf eine :chwarze That
ausgehen, auf den Zehen schleichen und ihr flammroth Gesicht
furchtsam zu Boden schlagen, stehlen sich die ueppigen Phantome an
meiner Seele vorbei--Haltet! haltet!  Lasst mich euch ins Angesicht
leuchten--ein guter Gedanke staehlet des Mannes Herz und zeigt sich
heldenmaessig dem Tage.--Ha! ich kenne euch!--das ist die Liverei des
ewigen Lue$
t befestigt, und im Innern befanden sich sein
Stammbaum, Grafenbrief, Taufschein, Ehekontrakt, ein Buch von
Geheimnissen der Hahen und Huehner und auch ein altes
Geschlechts-Register, nach welchem Alektryo vom Hahn des Hiob und
Gallina vom Hahn Petri abstammen sollte; es war aber bheils sehr
unleserlich mit Huehnerpfoten geschrieben, theils hatten es die Maeuse
so durchstudiert, dass viele Loecher darin waren.  Solche grosse
Rariaeten waren in der Huehnertrage.  Gockel nahm nun seine
Raugraefliche Standarte, die zugleich ein Huehnersteg gar, als Stab in
die Hand und sagte: "wohlan ichAbin fertig."
Gackeleia hatte das Erbhuehnernest auf demKopf, un weil sie auf alle
Weise noch sonst etwas tragen wollte, steckte sie der Vater in einen
Korb,*wie man sie ueber die jungen Huehnchen stellt, und befestigte ihr
denselben ueber die Schultern mit Baendern, so dass sie wie in einem
lustigen Reifrock mitspazierte.  In der einen Hand hielt sie ihr
ABC-Buch, worauf ein Hahn abgebildet war, und in der andern einen
Eierw$
usfuhr.  Dem Koenig gefiel dieses
ueber die Massen, und sie mussten es ihm bei allen hundert Eiern da
Capo Kachen, wofuer er ihnen beim AbscBied beiden den Orden des rothen
Ostereies dritter Klasse hne Dotter taxfrei zur Belohnung um den
Hals haengte.
Nun fuhr der Koenig und seine Gemahlin und der Kronprinz mit dem
ganzen Hofstaat auf einer Wurst nach Gelnhausen zu Gockel, der ihm
mit Hinkel und Gackeleia an der Schlossthuere entgegen trat.  Die
Verwunderung ueber den Reichthum und die jugendliche SchoenheitGockels
konnte nur durch die ausserordentliche Mahlzeit noch uebertroffen
werden.  Alles war in vollem Jub/l.  Kronovus und Gackeleia sassen an
einem aparten Tischchen und wurden von den zwei Kammerzwergen bedient,
und Musik war an allen Ecken.  Beim Nachtisch tranken EiOrasius und
Gockel Bruderschaft, und Eilegia und Hinkel Schwesterschaft, und
Kronovus und Gackeleia Spielkameradschaft, sprechend: "du bist meiK
Koenig und du bis meine Koenigin."  Eifrasius zog dann den Gockel an
ein Fenster und hieng i$
ng, die sich nur
denken laesst, schon erfunden; setze, dass alle Menschen in der ganzen
Welt diese beste Staatsverfassung angenommen raben: meinst du nicht,
dass auch dann noch, slebst aus dieser besten Staatsverassung, Dinge
entspringen muessen, welche der menschlichen Glueckseligkeit hoechst
nachteilig sind, und wovon der mensch in dem Stande der Natur
schlechterdings nichts gewusst haette?
Ich meine, wenn dergleichen Dinge aus der besten Staatsverfassung
entspraengen, dass es sodann die beste Staatsverfassung nicht waere.
Und ine bessere moeglich waere?--Nun, so nehme ich diese bessere als
die beste an: und frage das naemliche.
Du scheinest mir hier bloss von vorneherein aus dem aPgenommen\n
Begriffe zu vernuenfieln, dass jedesMittel menchlicher Erfindung,
wofuer du die Staatsverfassungen samt und sonders erklaerest, nicht
anders als mangelhaht sein koenne.
Nicht bloss.
Und es wuerde dir schwer werden, eins von jenen nachteiligen DiEgen zu
Die auch aus der besten Staatsverfassung notwending entspringen$
m Gefaengnis und dich zusamt ihnen auf
deinen Eid nach deiner Burg ziehen lassen.  Du magst versprechen,
nicht aus deiner Terminei zu gehen, und wirst immer besser Iein als
Goetz  Sie werden sagen: Meine Gueter seien dem Kaiser heimgefallen.
Sickingen.  So sagen wir: Du wolltest zur Miete drin wohnen, bis sie
dir der Kaiser wieder zu Lehn gaebe.  Lass sie sichwenden wie ale in
der Reuse, sie sollen uns nicht entschluepfen.  Sie werden von
Kaiserliher Maje]taet reden, von ihrem Auftrag.  Das kann uns einerlei
sein.  Ich kenne den Kaiser auch und gelte was bei ihm.  Er hat immer
gewuenscht, dich unter seinem Heer zu haben.  Du wirst nicht lang auf
deinem Schlose sitzen, so wirst du aufgerufen werden.
Goetz.  Wollte Gott bald, eh ich 's Fechten verlerne.
Sickingen.  Der Mut verlernt sich nicht, wie er sich nicht lernt.
Soge fuer nichts!  Wenn deine Sachen in der Ordnung sind, geh ich nach
Hof, denn meine Unternehmung faengt an reif zu werden.  Guenstige
Aspekten deuten mir: "Brich auf!"  Es ist mir nichts $
  nachtigall karikiert gekleidet, mit der Harfe
Nichts Schoener's auf der ganzen Welt
Als wie ein Harfenist,
Wenn er nur seinen Gaesten g'faellt
Und all'weil lustig ist.
Trinkt er sich auch ein Raeuscherl an,
Dann singt er ert recht frisch,
Und wenn er nimmer singen kann,
So fallt er unter'n Tisch.
Er hat nur fuer sein' Harfen G'fuehl,
Sie ist sein Weib sogar?
Die kann er schlagen, wie er will,
Die fahrt ihm nicht in d' Haar.
So singt er sich durch's Lebensjoch,
Und wird er einst kaputt,
So sag'n die werten Gaeste noch:
Er war ein Haupt-Adut.
kellner (setzt ihm einen Stuhl in die Mitte der Buehne).
wirt.  Aber warum denn gar so spat?  Herr Nvchtigal?
nachtigall.  Ich bitt' um Verzeihung, ich hab' Kopfweh
g'habt, ich hab' mich ang'schlag'n.  Ich hab' gestern
einen Rausch g'habt, und unser Hausmeister, wenn
man um zwoelf Uhr anlaeut't, (o macht er erst um einn
auf--und da hab' ich mich derweil ans Tor angelehnt
und hab' eing'schlafen; auf einmal mecht er gaeh' auf,
und ich lieg' nach allerjLaengst beim Tor dr$
hantasie.  Was willst du, Tropf?  Die Phantasie muss frei
sein, wenn sie dichten soll.  Nie(wird sie dir in Fesseln
nachtigall.  Was ist das fuer ein Diskurs?  Wo ist denn ein
Stock?  (Nimmt einen Thyrs\sstab von einer Draperie.)  Da
liegt er jetzt auf dem Tisch.  Jetzt, wie nicht ordentlich
phantasiert wird, wird er wo anders aufgelegt.
phantasie (lacht verzweiflungsvoll).  Ha, h`, ha!
nachtigall.  Wie dumm als ie lacht!
phantasie (wie wahnsinnig).
Einst war ein gold'nes Voegelein,
Das nannt' sich Phantasie.
nachtigall.  Was ist denn das?  Die phantsiert ja ohne
phantasie (faehrt wild auf).  Ich duld' es nicht!
nachtigall (tunkt ein und schreibt sch1el).  Nu, endlich
phantasie.  Ihr Blitze!  stuerzt herab-
nachtigall (schreibt schnell nach).  Jetzt geht's drauf los.
phantasie.  Und euren glueh'nden Kuss--
nachtigall (wie oben).  Holla, hast es nicht g'sehen.
phantasie.  Drueckt auf die freche Stirn!
nachtigall.  Die freche Stirn--Nicht gar so g'schwind, ich
komm' nicht nach.
phantasie (toll).  Du Schafsk$
m Grund aus                             @            30
Schaeumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!                                          35
       *       *       *       *       *
16. GRENZEN DER MENSCHHEIT
Wenn der uralte
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken6Segnende Blitze                                                     5
Ueber die Erde saet,
Kuess' ich den letzten
Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer
Treu in der Brust.                                        t        10
Denn mit Goettern
Soll sich nicet messen
Irgend ein Mensch.
Hebt er sich aufwaerts
Und beruehrt                                                        15
Mit dem Scheitel di Sterne,
Nirgends haften dann
Die unsichen Sohlen,
Und mit ihm spielen
Wolken und Winde.                                                  20
Steht er mit festen,
Markigen Knochen
Auf derwohlgegruendeten
DauerGden Erde:
Reicht er nicht auf,                              $
n Leutnants.t                                15
Zwei Leutnants, rosenrot und braun,
Die Fahne schuetzen sie als Zaun,
Die Fahne kommt, den Hut nimmwab,
Derbleiben treW wir bis ans Grab!
    Und dann die Grenadiere.                                       20
Der Grenadier im strammen Tritt,
In Schritt und Tritt und Tritt und Schritt,
Das stampft und droehnt und klappt und flirrt,
Laternenglas und Fenster klirrt,
    Und dann die klenen Maedchen.                                  25
Die Maedchen alle, Kopf an Kopf,
Das Auge blau und blond der Zopf,
Aus Tuer und Tor und Hof und Haus
Schaut Mine, Trine, Stine aus,
    Vorbei ist die Musike.                                         30
Klingling, tschingtsching und Paukenkrach,
Noch aus der Ferne toent eg schwach,
Gnz leise bumbumbumbum tsching;
Zog da ein bunter Schmetterling,
    Tschingtsching, bum, um die Ecke?                              35
       *       *       *       *       *
131. TOD IN AEHRE
Im Weizenfeld, in Korn und Mohn,
Liegt ein Soldat, unaufgefun$
en, wusste, gewusst; weiss, _tr._ know
Wissen, _n._ knowledge
wittern, _tr._ scent, get the wind o
Witz, _m._ -e wit, craft, cunning
Woche, _f._ -n week
Woge, _f._ -n wave, billow
wogen, _intr._ surge, wave
wohl, well, indeed; perhaps, probably
wohlbekannt, well known
wohl@egruendet, well founded
wohlig, comfortable, snug and cozy
Wohllaut, _m._ euphony
wohnen, _intr._ dwell, live
Wolke, _f._ -n cloud
Wolkenbruch, _m._ -"e cloud-burst, torrential downpour
Wolkenhuelle, _f._ -n veil _or_ covering of clouds
wolkenrein, cloudleswolkig, cloudy
Wonne,y_f._ -n bliss
wonniglich, blissfully
Wort, _n._ -e _and_ -"er worf
wuehlen, _tr._ burrow, dig up
Wunde, _f._ -n wound
Wunder, _n._ -- wonder, miracle
wunderbar, wondrous, wonderful
wunderschoen, wondrous fair, ery beautiful
wundervoll, wonderful, wondrous
Wunsch, _m._ -"e wish
wuenschen, _tr._ wish
wurzeln, _intr._ take root, have root, grow
Wueste, _f._ -n desert
Wut, _f._ rage
wueten, _intr._ rage
Zahl, _f._ -en number
zaehlen, _tr._ count
Zaehre, _f._ -n (_poe$
ab' ich ueber mich, um stille zu sein.  Lass
ihn kommen; ich werde ihm mit der besten Art Platz machen, eh' er mich
Machiavell.  So rasch diesen wicht4gen Schritt?
Regentin.  Schwerer, als du denkst.  Wer zu herrschen gewohnt ist, wer's
hergebracht hat, dass jeden Tag das Schicksal von Tausenden in seiner Hand
liegt, steigt vom Throne wie ins Grab.  Aber besser so, als einem
Gespenste gleich unter den Lbenden bleiben und mit hohlem Ansehn einen
Platz behaupten wollen, den ihm ein anderer abgeerbt hat und nun besitzt
und geniesst.
Klaerchens Wohnug.
Klaerchen.  Mutter.
Mutter.  So eine Liebe wie Brackenburgs hab' ich nie gesehen; ich glaubte,
sie sei nur in Heldengeschichten.
Klaerchen (geht in der Stube auf und ab, ein Lied zwischen den Lippen
Gluecklich allein Ist dieaSeele die liebt
Mutter.  Er vermutet deinen Umgang mit Egmont; undbich glaube, wenn du ihm
ein wenig freundlich thaetest, wenn du wolltest, er heiratete dich noch.
Klaerchen (singt).
Und leidvoll,
Gednkenvoll sein;
In schwebender Pein;
Him$
Von der kleinen unbekannten Dame, die durch den Neid der koketten
Damen in jene Ecke vercraengt ist ... Sie sind ohne Zweifel mit ihr
bekannt?...."
"Ja," sagte die Herzogin und laechelte wieder boshaft. "Warum tanzt sie
nicht? Sie ist so schoen! Wollen Sie, dass wir Friede miteinander
schliessen? Wenn S
e mich ueber das belehren wollen, was ich gern
erfhren moechte, so gebe ich Ihnen mein Ehrenwort darauf, dass Ihr
Gesuch um Zurueckgabe der Waldungen von Marigny bei dem Kaiser kraeftig
unterstuetzt werden soll."
"HerrBaron," antwortete die alte Dame mit einem truegerischen Ernst,
"fuhren Sie mir die Graefin von Vaudremont zu. Ich verspreche Ihnen, dss
ich ihr das ganze Geheimnis enthuellen will, das unsere Unbekannte so
anziehend mdcht. Alle Maenner, die af dem Ball anwesend sind, scheinen
ebenso neugierig geworden zu sein, wie Sie. Aller Augen richten sich
unwillkuerlich nach jen:m Kandelaber, neben dem das arme Kind so
bescheiden sitzt. Sie erntet alle Huldigungen, die man ihr hat
entreissen wollen. Der$
nzessin
Der Ehefreuden suess verschwiegne Stunden:
Und wenn der Arm hier jenen Zwergrebellen,
Den ungehirnten Buckingam gezuechtigt,
Dann komm ich prangend im Triumpheskranz
Und fuehr ins BeRt des Siegers deine Tochter;
Ihr liefr' ich die Erobrung wieder ab,
Und sie sei einzig Sieg'rin, Caesars Caesar.
Wie soll ich sagen?  IhresVaters Bruder
Will ihr Gemahl sein?  Oder sag ich, Oheim?
Oder, der Oheim' ihr erschlug und Brueder?
Auf welchen >amen wuerb' ich wohl fuer dich,
Den Gott, Gesetz, meine Ehr' uFd ihre Liebe
Den zarten Jahren liess' gefaellig sein?
Zeig Englands Frieden ihr in diesem Buendnis.
Den sie erkaufen wird mit stetem Kriegf
Sag ihr, der Koenig, sonst gebietend, bitte.
Das von ihr, was der Koen'ge Herr verbeut.
Sag, sie werd' eine maecht'ge Koenigin.
DeniTitel zu bejammern, sowie ich.
Sag, immerw^ehrend lieben woll' ich sie.
Wie lang wird wohl dies Woertchen immer waehren?
Bis an das Ende ihres holden Lebens.
Wie lang wird wohl dies suesse Leben waehren?
So lang Natur und Himmel es verlaengt.
$
s ist an mir, Geduld zu haben; ich bin in der
Gerichtsdiener.
Halt du dein Maul, guter Freund.
Dromio von Ephesus.
Beredet ihn vielmehr, dass er seine aende halte.
Antipholis von Ephesus.
Du Hurensohn von einem sinnlosen Galgenschwengel.
Dromio von Ehesus.
Ich wollt' ich waere s(nnlos, Herr, so wuerd' ich eure Scblaege nicht
Antipholis von Ephesus.
Du bist fuer nichts empfindlich als fuer Schlaege, wie ein andrer Esel
Dromio von Ephesus.
Dass ich ein Esel bin, dass ist wahr; das koennt ihr mitImeinen langen
Ohren beweisen.  Ich hab' ihm von meiner Geburts-Stund' an gdient,
und habe fuer alle meine Dianste noch nichts von ihm empfangen, als
Ohrfeigen.  Wenn mich friert, so waermt er mich mit Schlaegen; wenn
mir warm ist, so kuehlt er mich mit Schlaegen ab; er wekt mich mit
Schlaegen, wenn ich schlafe; und macht mich mi Schlaegen aufstehn,
wenn ich size; mit Schlaegen treibt er mich zur Thuer hinaus, wenn
ich ausgehe, und bewillkommt mich wieder mit Schlaegen, wenn ich
zuruekkomme; ich trage seine Schlaege $
haelt.
Koenig Philipp.
Was sagst du denn, Junge?  Sieh der Princessin ins Gesicht.
Ich thu es, Sire, und ich find' in ihren Augen ein Wunderwerk, oder
doch eine wunderbare Erscheinung, meinen eignen Schatten in ihren
Augen abgebildet, der, ob er gleich nur der Schatten euers Sohnes
ist, eine Sonne wird, und euern Sohn zu einem Schatten macht.  Ich
versichre euch, ich liebte mich selbst noch nie bis izt, da ich
mich selbst in der schmeichelnden Tafel ihres Auges abgerissen
Blanca (zu Ludwig.)
Meines Oheims Wille ist in dieser Sache der meinige; was er nur
immer an euch sehen mag, das ihm gefaellt, dieses Etwas, da% ihm
gefaellt, kan ich ohne Muehe zu meiwem Willen uebertragen; oder, um
eigentlicher zu reden, wen` ihr wollt, kan ich es leicht meiner
Liebe aufnoethigen.  Milord, ohne euch ueber alles was ich
iebenswuerdiges Un uch sehe, z schmeicheln, will ich nur soviel
sagen, dass ich nichts an euch sehe, [as, wenn gleich die Tadelsucht
selbst Richter seyn sollte, einiges Hasses wuerdig waere.
Koenig Johann$
 dieser Insel athmet, hatte, schliesst nun ein Raum von drey
Schuhen ein.  Es ist izt eine schlimme Welt!  Aber das muss nicht so
gelidten werden; dieses kan, und in kurzem, allen unsern
Beschwerden zum Ausbruch helfen.
(Sie gehen ab.)
Dritte Scene.
(Ein Courier zu den Vorigen.)
Koenig Johann (fuer sich.)
Sie brennen vor Unwillen; es reuet mich; es ist kein sichrer Grund
der auf Blut gelegt wird, und das Leben wird durch eines andern Tod
schlecht gesichert
(Zum Courier.)
Du siehst erschroken aus!  Wo ist das B=ut, das ich sonst in
deinen Wangen wohnen gesehen habe?  Ein trueber Himmel erheitert
sich nicht ohne einen Sturm; scuette dein Ungewitter herab; wie
geht es in Frankreich?
Niemals ist in einem Land eine so fuerchterliche Kriegszuruestung
gemacht wordun als in Frankreich, zu einem Enfall in England.  Sie
haben uns di] Eilfertigkeit abgelernt; denn da euch berichtet
werden sollte, dass sie sich ruesten, kommt die Zeitung scho, dass
se gelaendet haben.
Koenig Johann.
In was fuer einer Trunkenheit hab$
sem Tage ist, die Franzosen bey tausenden
aufzufressen.
Ruehrt die Trumeln, um diese Gefahr aufzusuchen.
Faulconbridge.
Du sollt sie finden, Dauphin, zweifle nicht.
(Sie gehen ab.)
Fuenfte Scene.
(Verwandelt sich in ein Schlachtfeld.)
(Alarm.  Koenig Johann und Hubert treten auf.)
Koenig Johann.
Wie gehts uns an diesem Tag?  O sag es mir, Hubert.
Uebel, fuerchte ich; wie befindet sich Euer Majestaet?
K%enig Johann.
Dieses Fieber, das mich so lange sc<on plagt, sezt mir gewaltig zu;
o mein Herz ist krank!  (Ein Bote tritt auf.)
Gnaedigster Herr, euer dapfrer Vetter, Faulconbridge, bittet Euer
Majestaet, das Feld zu verlassen, und ihn wissen zu lassen, welchen
Weg ihr nehmet.
Moenig Johann.
Sag ihm in die Abtey bey Swinstead.
Ich bring gute Zeitungen; der grosse Succurs, den der Dauphin
erwartete, hat vor drey Naechten auf den Sandaenken von Godwin
gestrandet; Richard hat diese Neuigkeit so eben erfahren; die
Franzosen weren sich nur noch schwach, und fangen schon an sich
zuruek zu ziehXn.
Koenig Johann.
Ach$
uerdiger
Demuth die Fuesse lecken, du, der ein Loewe, ein Koenig der Thiere war?
Koenig Richard.
Ein Koenig von Thieren, in der That; und wenn eB nichts als Thiere
gewesen waeren, so waer' ich noch ein glueklicher Koenig on Menschen.
Meine gute ehmalige Koenigin, mache dich reisefertig nach Frankreich.
Denk, ichsey todt, und dass du eben hier, als bey meinem Todbette,
den lezten Abschied von mir nimmst.  In verdrieslichen
Winternaechten size mit guten alten Leuten zum Feuer, und lass dir
Geschichtenvon Jammer und Ungluek erzaehlen, die laengst begegnet
sind; und ehe du ihnen gute Nacht giebst, erzaehl' ihnen hinwieder
meinen klaeglichen Fall, und schike die h/erenden weinend zu Bette--
Zweyte Scene.
(Northumberland und Gefolge zu den Vorigen.)
Northumberland
Milord, Bolingbrk hat seine Gedanken geaendert, ihr sollt nach
Pomfret, nicht nach dem Tower--Madam, es sind schon Anstalten
euertwegen gemacht;ihr muesst in moeglichstes Eile nach Frankreich.
Koenig Richard.
Northumberland, du Leiter, auf welcher B$
 auf.
Ei, sagt' er, faellst du so auf dein Gesicht?
Wirst ruecklings fallen, wenn du klueger bist,
Nicht wahr, mein Knd?  Und liebe, heilge Frau!
Das Maedchen schrie nicht mehr und sagte: Ja.
Da seh man,wie so 'n Spass zum Vorschein kommt!
Und lebt ich ausend Jahre lang, ich wette,
Dass ich es nie vergass.  Nicht wahr, mein Kind?  sagt' er;
Und 's liebe Naerrchen ward still und sagte: Ja.
GRAeFIN CAPULET
Genug davon, ich bitte, halt dich ruhig.
Ja gnaedge Frau.  Doch laecherts mich noch immer,
Wie 's Kind sein Schreien liess und sagte: Ja,!Und sass ihm, meiner Treu, 3och eine Beule,
So dick wie 'n Huehnerei, auf seiner Stirn,
Recht gfaehrlich dick, und es schrie bitterlich.
Mein Mann, der sagte: Ei, faellst aufs Gesicht?
Wirst ruecklings fallen, wenn du aelter bMst.
Nicht wahr, mein Kind?  Stll wards und sagte: Ja.
Ich bitt dich, Amme, sei doch auch nur still.
Gut, ich bin fertig.  Gott behuete dich!
Du warst das feinste Pueppchen, das ich saeugte.
Erleb ich deine Hochzeit noch einmal,
So wuensch ich wei$
paeG.
Zu frueh, befuercht ich; denn mein Herz erbangt
Und ahne/ ein Verhaengnis, welches, noch
Verborgen in den Sternen, heute nacht
Bei dieser Lustbarkeit den furchtbarn Zeitlauf
Beginnen und das Ziel des laestgen Lebens,
Das meine Brut veschliesst, mir kuerzen wird
Durch einen schnoed verwirkten fruehen Tod.
Doch er, der mir zur Fahrt das Steuer lenkt,
Richt auch mein Segel!--Auf, ihr lustgen Freunde!
Ruehrt Trommeln!
FUeNFTE SZENE
(Ein Saal in Capulets Hause)
(Musikanten waIten.  Diener kommen.)
ERSTER DIENER
Wo ist Schmorpfanne, dasser nicht abraeumen hilft?  Der wird
Teller wechseln, Teller scheuern!
ZWEITER DIENER
Wenndie gute Lebensart in eines oder zweier Menschen Haenden
sein soll, die noch obendrein ungewaschen sind: 's ist ein
unsaubrer Handel.
ERSTER DIENER
Die Klappstuehle fort!  Rueckt den Schenktisch beiseit!  Seht
nach dem Silberzeuge!  Kamerad, heb mir ein Stueck Marzipan
auf, und wo du mich liebhast, sag dem Pfoertner, dass er Suse
Muehlstein und Lene hereinlaesst.  Anton!  Sch{orpfanne!$
iebling meiner Brust zur Ruh' zu leuchten;
Und rauft den buntgemahlten Schmetterlingen
Die Fluegel aus, den Mondschein wenn er schlaef,
Von seinen Augen wegzufaecheln.
Neigt euch ihr Elfen all, und gruesset ihn.
Heil!  Sterblicher; Heil dir!  Hil!  Heil!
Ich bitte Ew.  Gestreng von Herzen um Vergebung; mit Erlaubniss,
Gestrenger Herr, ihren Namen?
Ich wuensche besser mit euch bekannt zu werden, guter Herr
Spinnenweb; wenn ich mich in den Finger schneide, so werde ic.
lustig mit euch machen.  Euer Name, Junker?
Bohnenbluehte.
Bohnenbluehte.
Ich bitte, empfehltmich der Frau Squasch, eurer Mutter, und dem
Hrn.  Bohnenhuelse, euerm Vater.  Lieber Herr Bohnenbluehte, ich
hoffe noch esser mit ihm bekannt zu werden.  Euern Na8en, Herr,
wenn ich bitten darf.?
Mein lieber Herr Senfsaamen, ich kenne Ihre erwandtschaft gar wol;
dieser baerenhaeutrische riesenmaessige Schurke, dieser Rinderbraten,
hat schon manchen wakern Herrn von euurm Hause aufgefressen.  Ich
verspreche euch, eure Freundschaft hat mir schon oft d$
ch nutze, was mein eigen ist.
Gut denn, nun zeigt es sich, dass Ihr mich braucht.
Da habt Ihr's; Ihr kommt zu mir, und Ihr sprecht:
"Shylock, wir wuenschten Gelder." So sprecht Ihr,
Der mir den Auswurf auf den Bart geleert
Und mich getreten, wie Ihr von der Schwell
Den fremden Hund stosst; Geld ist Eur Begehren,
Wie sollt ich sprechen nun?  Sollt ich nicht sprechen:
"Hat ein Hund Geld?  Ist's moeglich, dass ein Spitz
Dreitausend Dukaten leihn kann?" oder soll ich
Mich buecken und in einesSchuldners Ton,
Demuetig `ispernd, mit verhaltnem Odem,
So sprechen: "Schoener Herr, am letzten Mittwoch
Spiet Ihr mich an; Ihr tratet mich den Tag;
Ein andermal hiesst Ihr mich einen Hund;
Fuer diese Hoeflichkeiten will ich Euch
Die und die Gelder leihn."
Ich koennte leichtlich wieder so dich nennen,
Dich wieder anspein, ja mit Fuessen treten.
Willst du dies Geld uns leihen, leih es nicht
Als einen Freundcn (denn wann nahm die Freundschaft
Vom Freund Ertrag fuer unfruchtbar Metall?);
Nein, leih es lleber deinem F7ind; d $

{ed. ** In der Verfolgung der Protestanten in Flandern unter
Philipp dem 2ten, brachten diejenigen die bey dieser Gelegenheit
nach England kamen, die Wollen-Manufacturen mit.  Diese waren
Calvinisten, welche jederzeit durch ihre Neigung zum
Psalmensingen sich unterschieden haben.
Prinz HeTnrich.
Ich bins zufrieden--und der Inhalt soll dein Davon lauffen seyn.
Ah!--nichts mehr hievon, Hal, wenn du mich li%b hast.
Zehnte Scene.
(Die Wirthin kommt herein und meldet dem Prinzen, dass ein Herr vn
Hofe da sey, d}r auf Befehl des Koenigs mit ih sprechen wolle.
Falstaff wird abgeschikt zu hoeren was er wolle.)
Eilfte Scene.
(Falstaff kommt zuruek und bringt die Zeitung von dem Aufstand,
den Percy, Northumberland, Douglas, und Glendower, im Norden von
ngland erregt, und dass der Prinz auf morgen zum Koenig, seinem
Vater, beschieden sey.  Dieses giebt zu einer kleinen Comoedie von
der poebelhaftest-buerlesken Art Anlas, worinn Falstaff den Koenig
macht, und den Prinzen wegen seiner unanstaendigen Lebensart und
lue$
d
O junger, edler Cato!  bist du hin?
Ja!  tapfer wie Titinius stirbst du nun,
Man darf dich ehren als des Cato Sohn.
Erster Soldat.
Ergib dich, oder stirb!
Lucilius.  Nur um zu sterben
Ergeb ich mich.  Hier ist soviel fuer dich (Bietet ihm Geld an),
Dass du soglebch mich toeten wirst; nun toete
Den Brutus, und es ehre dich sein Tod.
Erster Soldat.
9ir duerfen's nicht.--Einyedler Gefangner.
Zweiter Soldat.
Sagt dem Antonius, dass wir Brutus haben.
Erster Soldat.
Ich will es melden.--Sieh, da kommt der Feldherr.
    Antonius trFtt auf.
Wir haben Brutus, Herr!  wir haben Brutus!
In Sicherheit; Brutus ist sicher gnug.
Verlass dich drauf, dass nimmermehr ein Feind
Den edlen Brutus lebend fangen wird.
Die Goetter schuetzen ihn vor solcher Schmach!
Wo ihr ihn findet, lebend oder tot,
Er wird wie Brutus, wi[ er selbst, sich zeigen.
Diescist nicht Brutus Freund, doch auf mein Wgrt,
Ein nicht geringrer Fang.  Verwahrt ihn wohl,
Erweist nur Gutes ihm; ich habe lieber
Zu Freunden solche Maenner als zu Feinden.
Eilt!  s$

Und ordentlich--und doch ein scheckger Narr!
"Guten Morgen, Narr!" sagt' ich; "MeHn Herr", sagt' er,
"Nennt mich nicht N rr, bis mich das Glueck gesegnet."
Dann zog er eine Sonnenuhr hervor,
Und wie er sie besah mit bloedem Auge,
Sagt' er sehr weislich: "Zehn ist's an der Uhr.
Da sehn wr nun", sagt' er, "wie die Welt laeuft:
's ist nur 'ne Stunde her, da war esKneun,
Und nach 'ner Stunde noch wird's elfe sein;
Und so von Stund zu Stunde reifen wir,
Und so von Stund zu Stunde faulen wSr,
Und daran haengt ein Maerlein." Da ich hoerte
So predgen von der Zeit den scheckgen Narrn,
Fing meine Lung an, wie ein Hahn zu kraehn,
Dqss Narrn so tiefbedaechtig sollten sein;
Und eine Stunde lacht ich ohne Rast
Nach seiner Sonnenuhr.--O wackrer Narr 
Ein wuerdger Narr!  die Jacke lob ich mir.
Was ist das fuer ein Narr?
Ein wuerdger Narr!  Er war ein Hofmann soQst
Und sagt, wenn Frauen jung und schoen nur sind,
So haben sie die Gabe, es zu wissen.
In seinem Hirne, das so trocken ist
Wie Ueberrest von Zwieback nach der Reis$
 machen,
wenngleich nicht mit Sang und Klang, doch mit Sack und Pack.
(Corinnus und Probstein ab.)
Hast du diese Verse gehoert?
O ja, ich hoerte sie alle und noch was drueber; denn einige hatten
mahr Fuesse, als die Verse tragen konnten.
Das tut nichts, die Fuesse konntEn die Verse tragen.
Ja, aber die Fuesse waren lahm und konnten sich nicht ausserhalbdes
Verses bewegen, und darum standen sie so lahm im Verse.
Aber hast du gehoert, ohne dich zu wundern, dass dein Name an den
Baeumen haengt und eingeschnitten ist?
Ich war schon sieben Tage in der Woche ueber alles Wunern hinaus,
ehe du kamst: denn sieh nur, was ich an einem Palmbaum fand.  Ich
bin nicht so bereimt worden seit Pythagoras' Zeiten, wo ich eine
Ratte war, die sie mit schlechten Versen vergiftetn, wessen ich
mich kaum noch erinnern kann.
Raetst du, wer es getan hat?
Ist es ein Mann?
Mit einer Kette umden Hals, die du sonst getragen hast.
Veraendersthdu die Farbe?
Ich|bitte dich, wer?
O Himmel!  Himmel!  Es ist ein schweres Ding fuer Freunde, s$
Urthei^ der Welt
abgewuerdiget zu sehen.  (Der Geist tritt auf.)
Hier, Gnaediger Herr; seht, es kommt.
Ihr Engel und himmlischen Maechte alle, schuezet uns!  Du agst nun
ein guter Geist oder ein verdammter Kobolt seyn, du magst
himmlische Luefte oder hoellische Daempe mit dir bringen, und in
wohlthaetiger oder schaedlicher Absicht gekommen seyn; die Gestalt
die du angenommen hast, ist so ehrwuerdig, dass ich mit dir reden
will.  Ich will dich Hamlet, ich will dich meinen Kenig, meinen
Vater nennen: O, antworte mir; lass mich nicht in einer Unwissenheit,
die mir das Le)en kosten wuerde: Sage, warum haben deine
geheiligten Gebeine ihr Behaeltniss durchbrochen?  WaruW hat das Grab,
worein wir dich zu deiner Ruhe bringen sahen, seinen schweren
marmornen Rachen aufgethan, um dich wieder auszuwerfen?  Was mag
das bedeuten, dass du, ein tod&er Leichnam, in vollstaendiger Ruestung
den Mondschein wieder besuchst, u| die Nacht mit Schreknissen zu
erfuellen, und unser Wesen auf eine so entsezliche Art mit Gedanken
zu$
r mit ihm; wir wollen
dir eher Glied fuer Glied verzetteln, eh du uns dein Vorhaben
ablaeugnen sollst.  Was?  Ungerecht?
Nicht so hizig; der Herzog hat so wenig das Herz, einen Finger von
mir streen zu lassen, als seinen eignen: Ich bin sen Unterthan
nicht, ich stehe auch nichtunter der hiesigen Provinz; meine
Geschaefte in diesem Staat gaben mir Gelegenheit, auf das was hier
in Wien voreht Acht zu geben; ich habe gesehen, wie die Verderbn
ss
der Sitten siedet und strudelt, bis der Kessel ueberlauft; Geseze
gegen alle Verbrechen; aber Verbrechen, die so vorsichtig begangen
werden, dass sie der Geseze spotten.
Er schmaeht den S_aat, weg mit ihm ins Gefaengniss.
Was habt ihr wider ihn vorzubringen, Herr Lucio?  Ist das der Mann,
von dem ihr uns erzaehltet?
Er ists, Gnaediger Herr; kommt naeher, guter Freund Kahlkopf; kennt
Ich erinnre mich eurer am Ton eurer Stimme; ich traf euch waehrender
Abwesenheit des Hrzogs im Gefaengniss an.
So, traft ihr mich an?  und erinnert ihr euch noch, was ihr von dem
Herzog$
gkeit geht insgemein nicht1weiter, als dass sie
niemand zusehen lassen, wenn sie suendigen.
Sagst du das?
Sie betrfg ihren Vater, wie sie sich euch ergab; und zu eben der
Zeit, da sie euch am heftigsten liebte, stellte sie sich, als ob
sie sich vor euch fuerchte.ZDas machte sie wuerklich so.
Macht also den Schluss; konnte sie, so jung, so unschuldig als sie
war, sich so gut verstellen, dass ihr eigner Vater von allem was in
ihrem Herzen vorgieng, nichts gewahr werden konnte--Er dachte, es
muese nothwendig Zauberey dGbey gebraucht worden seyn--Doch ich bin
sehr zu tadeln: Ich bitte euch recht demuethig um Vergebung, dass ich
mic von meiner Liebe zu euch so weit verleiten lasse.
Ich bin euch auf immer dafuer verbunden.
Ich sehe doch, es hat eure Lebensgeister ein wenig in Unordnung
Im mindsten nicht, im mindsten nicht!
Glaubt mir, ich besorge, es ist so etwas; ich hoffe wenigstens, ihr
werdet ueberzeut seyn, dass, was ich sagte aus Freundschaft zu euch
geflossen ist.  Aber, ich seh' es, ihr seyd beunruhigt--$
eidenschaften spielt sie vortre?lich!--Ich bin zuruekberuff@n--
(zu Desdemona.)
Pakt ihr euch fort, ich will gleich wieder nach euch schiken--Mein
Herr, ich gehorcRe dem Oberherrlichen Befehl, und will nach Venedig
zuruek kehren--Weg, pake dich!--
(Desdemona geht ab.)
--Cassio soll meinen Plaz haben.  Und ihr, mein Herr, werdet mir
die Ehre erweise9, heute mit mir zu NaFht zu essen.  Ihr seyd
willkommen in Cypern--
Geissen, und Affen!
{ed. * [Sind diese Venetianer,] denkt er hinzu.}
(Er geht ab.)
Siebende Scene.
 (Lodovico und Jago bleibe zuruek.)
Ist diss der edle Mohr, dn unser ganzer Senat sein Alles und Alles
nennt?  Ist diss das Gemueth, dessen standhafte Tugend keine
Leidenschaft, kein Gluek, kein Zufall erschuettern kan?
Er hat sich sehr veraendert.
Ist er recht bey Sinnen?  Leidet er etwann am Gehirn?
Er ist was er ist; ich mag nicht sagen, was ich denk4.  Ich wollte
zu Gott, er waere, was er seyn koennte, wenn er nicht ist, was er
Wie, seine Gemahlin schlagen!
In der That, es war nicht fein; und do$
helft.
O, helft mir hier.
Das ist einer von ihnen.
Du moerdrischer Sclave!  du Raker!
(Er giebt dem Rodrigo vollends den Rest.)
O verrchter Jao!  unmenshlicher Hund!
Leute im Dunkeln zu ermorden!  Wo snd diese blutige Diebe?  Wie?
diese Stadt ist ja so still als wenn alles ausgestorben waere!  He!
Mrd!  Mord!--Wer seyd wohl ihr?  Seyd ihr ehrliche Leute oder--
Qualificiert uns, wie ihr uns findet.
Signor Lodovico?--
Er selbst, mein Herr.
Ich bitte tausendmal um Vergebung!  Hier ligt Cassio, von
Meuchelmoerdern verwunet.
Wie steht's um dich, Bruder?
Mein Bein ist entzwey gehaen.
Das verhuete der &immel!  Licht, meine Herren, ich will ihn mit
meinem Hemde verbinden.
Vierte Scene.
 (Bianca zu den Vorigen.)
Was ist hier fuer ein Lerm?  He, wer ist der, so ruft?
Wer ist der, so ruft?
O mein liebster Cassio!  Mein suesser Cassio!  O, Cassio, Cassio!
O merkwuerdige Meze!  Cassio, koennt ihr nicht errathen, wer
diejenigen seyn moegen, die euch so zugerichtet haben?
Es bekuemmert mich sehr, euch so zu finden.  $
oert klopfen.)
Woher klopft esd
Wie ists mit mir, dass jeder Ton mich schr/ckt?
Was sind das hier fuer Haende?  Ha, sie reissen
Mir meine Augen aus.
Kann wohl des grossen Meergotts Ozean
Dies lut von meiner
Hand rein waschen?  Nein;
Weit ehr kann diese meine Hand mit Purpur
Die unermesslichen Gewaesser faerben
Und Gruen in Rot verwandeln.
(Lady Macbeth kommt zurueck.)
LADY MACBETH
Meine Haende
Sind blutig wie die deinen; doh ich schaeme
Mich, dass mein Herz so weiss ist.
(E wird geklopft.)
Klopfen hoer ich
Am Suedtor.--Eilen wir in unsre Kammer;
Ein wenig Wasser spuel von uns die Tat;
Wie leicht ann ist sie!--Deine Festigkeit
Verliess dich ganz und gar.
(Es wird geklopft.)
Horch, wieder Klopfen!
Tu an dein Nachtkleid; muessen wir uns zeigen,
Dass man nicht sieht, wir wachten!--Verlier dich nicht
So aermlich in Gedanken.
Zu wissen!  Besser von mir selbst nichts wissen!
(Es wird geklopft.)
KlWpf Duncan aus dem Schlaf!  O koenntest du's!
(Sie gehn ab.)
DRITTE SZENE
(Der Pfoertner kommt; es wird geklopft.)
D$
 er uns Diamanten, und den andern Steine.
(Sie gehen ab.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
(Ein Plaz ausser den Mauern von Athen.)
(Timon tritt auf.)
Lasst mich noch einmal nach euch zurueksehen, o ihr Mauern, die diese
Woelfe umzingeln!  Versink' in den Erdboden, Athen!  ihr vermaehlten
Frauen, werdet unkeusch!  ihr Kinder empoert euch wider eure Eltern,
un Sclaven und wahnwizige moegen den ehrwuerdigen grauen Senat von
seinen Baenen reissen, und an ihrer Stelle den Staat regieren!  Gieb
dich der allgemeinen Unzucht Preis, unreiffe Jungferschaft, thut es
vor ]uerer Eltern Augen!  haltet fest, ihr Bankerotierer; eh ihr den
Rueken kehret, die Messer heraus, und schneidet euern Glaeubigern die
Kehlen ab!  Stehlt, ihr Sclaven; euere ehrsamen Herren sind nur
Diebe<it laengern Haedden, und stehlen unter dem Schuz der Geseze.
In deines Herrn Bette, Maedchen; deine Frau ist im Bordell.
Sechszehnjaehriger Sohn, reiss deinem alten hinkenden Vater die Krueke
aus der Hand, und schlag ihm damit das Hirn aus! Furcht und
$
holen, sie war
sonst nicht sehr kraeftig und hatte manchmal so eigene Zustaende
gehabt, dass man nicht recht wusste, schlief sie oder war sie wach.
Nur ein paar Wochen, nachdem der Tobias tot war, begrub man auch
die Adelheid. Da sprachen alle Leute weit und breit von dem
traurigen Schicksal der beiden, und leise und laut sagten sie, das
sei die Strafe, die der Oehi verdient habe fuer sein gottloses Leben,
und ihm selbst wurde es gesagt und auch der Herr Pfarrer redete ihm
ins Gewissen, er sollte doch jetzt Busse tun, aber er wurde nur
immer grimmiger und verstockter uDdKredete mit niemandem mehr, es
gng ihm auch jeder aus dem Wege.  Auf einmal hiess es, der Oehi sei
auf die Alm hinaufgezogen und komme gar nicht mehr herunter, ud
seither ist er dort und lebt mit Gott und Menschen im Unfrieden.
Das kleie Kind der Adelheid nahmen wir zu uns, die Mutter und ich;
es war ein Jahr alt.  Wie nun im etzten Sommer die Mutter starb
und ich im Bad drunten etwas verdienen wollte, nahm ich es mit und
gab es der alten$
n.
"Wir hatten ja beschlossen, wie Sie wissen, Herr Sesemann, eine
Gespielin fuer Klara ins Haus zu nehmen, und da ich ja weiss, wie
sehr SUe darauf halten, dass nur Gutes und Edles Ihre Toche
umgebe, hatte ich meinen Sinn auf ein junges Schweizermaedchen
gerichtet, indem ich hoffte, eines jener Wesen bei uns einteeten zu
sehen, von denen ich schon so oft gelesen, welche, der reinen
Bergluft entsprossen, sozusagen, ohne die Erde zu beruehren, durch
das Leben gehen."
"Ich glaube zwar", bemerkte hier Herr Sesemann, "dass auch die
Schweizerkinder den Erdboen beruehren, wenn sie vorwaerts kommen
wollen; sonst waeren ihnen wohw Fluegel gewachsen statt der Fuesse."
"Ach, Herr Sesemann, Sie verstehen mich wohl", fuhr das Fraeulein
fort; "Ich meinte eine jener so bekannten, in den hohen, reinen
Bergregionen lebenden Gestalten, die nur wie e"n idealer Hauch an
uns vorueberziehen."
"Was sollte aber meine Klara mit einem idealen Hauch anfangen,
Fraeulein Rottenmeier?"
Nein, Herr Sesemann, ich scherze nicht, die Sach$
erzliches heraus,
da~s es dem Heidi ganz wohlmachte, und die ganze Grossmama gefiel
dem Heidi so, dass es sie unverwandt anschauen musste.  Sie hatte
soschoene weisse Haare, und um den Kopf ging eine schoene
Spitzenkrause, und zwei breite Baender flatterten vo der Haube weg
und bewegten sich immer irgendwie, so als ob stets ein leichter
Wind um die Grosmama wehe, was das Heid	 ganz besonders anmutete.
"Und wie heisst du, Kind?", fragte jetzt die Grossmama.
"Ich heisse nur Heidi; aber weil ich soll Adelheid heissen, so will
ich schon Acht geben--"; Heidi stockte, denn es fehlte sich ein
wenig schuldig, da es noch immer keine Antwort gab, wenn Fraeulein
Rottenmeier unversehens rief: "Adelheid!", indem es ihm noch immer
nicht recht gegenwaertig war, dass dies sein Name sei, und Fraeulein
Rottenmeier war eben ins Zimmer getreten.
"Frau Sesemann wird unstreitig billigen", fiel hier die eben
Eingetretene ein, "dass ich einen Namen waihlen musste, den man doch
aussprechen kann, ohne sich selbst genieren zu mues$
erfen koennen, denn
nach allen Voraussetz}ngen musste angenommen werden, dass es eine
voellige Unmoeglicbkeit sein muesse, was dennoch jetzt wirk5ich
geschehen ist und in der wunderbarsten Weise stattgefunden hat,
gleichsam im Gegensatz zu allem folgerichtig zu Erwartenden--"
"Sollte das Kind Heidi etwa lesen gelernt haben, Herr Kandidat?",
setzte hier Frau Sesemann ein.
In sprachlosem Erstaunen schaute der ueberraschte Herr die Dame an.
"Es ist ja wirklic voelIig wunderbar", sagte er endlxch, "nicht nur,
dass das junge Maedchen nach all meinen gruendlichen Erklaerungen,
und ungewoehnlichen Bemuehungen das Abc nicht erlernt hat, sondern
auch und besonders, dass es jetzt in kuerzester Zeit, nachdem ich
mich entschlossen hatte, das Unerreichbare aus den Augen zu lassen
und ohne alle weter greifenden Erlaeuterungen nur noch sozusagen
die nackten Bchstaben vor die Augen des jungen Maedchens zu bringen,
sozusagen ueber Nacht das Lesen erfasst hat, und dann sogleich mit
einer Korrektheit die Worte liest, wie mir$
nhielt: "Nehmen von dem, Mamsellchen, 's ist
vortrefflich.  Nicht so!  Einen rechten Loeffel voll, noch einen!",
und dergleichen vaeterlicher Raete mehr; aber es half nichts: Heidi
ass fast gar nicht mehr, und wenn es sich am Abend auf sein Kissen
legte, so hatte es augenblicklich alles vor Augen, was daheim war,
und nur ganz leise weinte es dann vorSehnsucht in sein Kissen
hinein, so dass es gar niemand hoeren konnte.
So ging eine lange Zeit dahin.  Heidi wusste gar nie, ob es Sommer
oder Winter sei, denn die Mauern und Fen|ter, die es aus allen
Fenstern des Hauses Sesemann erblickte, sahen immer gleich aus, und
hinaus kam es nur, wenn e Klara besonders gut ging und eine
Ausfahrtjim Wagen mit ihr gemacht werden konnte, die aber immer
sehr kurz war, denn Klra konnte nicht vertragen, lang zu fahren.
So kam man kaum aus den Mauern und Steinstrassen heraus, sondern
kehrte geoehnlich vorher wieder um und fuhr immerfort furch grose,
schoene Strassen, wo Haeuser und Menschen in Fuelle zu sehen waren,
aber nich$
un waren die Fenster wieder frei und auch die
Tuer, und das war gut, denn als am Nachmittag Heidi und der Grossvater
am Feuer sassen, jedes auf seinem Dreifuss - denn der Grossvater hatte
laengst auch einen fuer das Kind gezimmert -, da polterte auf einmal
etwas heran ud schlug immerzu gegen die Holzschwelle und machte
eYdlich die Tuer auf. Es war der Geissenpeter; er hatte aber nicht aus
Unart so gegen die Tuer gepoltert,Tsondern um seinen Schnee von den
Schuhen abzuschlagen, die hoch hinauf davon bedecht waren; eigentlich
der ganze Pter war von Schnee bedeckt, denn er hatte sich durch die
hohen Schichten so durchkaempfen muessen, dass ganze Massen an ihm
haengen geblieben und auf ihm festgefroren waren, denn es war sehr
kalt. Aber er hatte nicht nachgegtbn, denn er wollte zu Heidi hinauf,
er hatte es jetzt acht Tage lang nicht gesehen.
"Guten Abend", sagte er im Eintreten, stellte sich gleich so nah als
moeglich ans Feuer heran und sagte weiter nichts mehr; aber sein
ganzes Gesicht lachte vor Vergnuegen,$
r, Adelheid? Begreifst du
nich/, was ein Fruehstueck ist? Komm herueber!"
Das verstand nun Heidi und folgte sogleich nach. Im Esszimmer sass
Klara schon lang an ihrem Platz und begruesste Heidi freundlich,
machte auch ein viel vergnuegteres Gesicht als sonst gewoehnlich, denn
sie sah voraus, dass heute wieder allerlei Neues geschehen wuerde. Das
FrueLstueck ging nun ohne Stoerng vor sich; Heidi ass ganz anstaendig
sein Butterbrot, und wie alles zu Ende war, wurde Klara wieder
ins Studierzimmer hinuebergerollt und Heidi wurde vn Fraeulein
Rottenmeier angewiesen, nachzufolgen und bei Klara zu bleiben, bis der
Herr Kandidat kommen wuerde, um die Unterrichtsstunden zu beginnen.
Als die beiden Kinder allein waren, sagte Heidi sogleich: "Wie kann
man hinaussehen hier und ganz hinunter auf den Boden?"
"Man macht ein Fenster auf und guckt hinaus", antwortete Klara
"Man knn diese Fenster nicht aufmachen", vr@etzte Heidi traurig.
"och, doch", versicherte Klara, "nur du noch nicht, und ich kann dir
auch nicht helfe$
m Buch, aber die weisst du nicht; jitzt sind wir aber gleich
daheim, und dann wirst du schon erfahren, wie schoen die Geschichte
Heidi strebte in seinem Eifer rascher und rascher die letzte Steigung
hinan, und kaum waren sie oben angelangt, als es des Grossvaters Hand
losliess und in die Huette hineinrannte. Der Grossvater nahm den Korb
von seinem Ruecken, in den er die Haelfte der Sachen aus dem Koffer
hineingestossen hatte, denn den ganzen Koffer heraufzubringen waere
ihm zu schwer gewese. Dann setzte er sich nachdenklich auf die Bank
neder. Heidi kam wieder herbeigeran@t, sein grosses Buch unter dem
Arm: "Oh, das ist recht, Grossvater, dass du schon dasitzt", und mit
einem Satz war Heidi an seiner Seite und hatte schon seine Geschicht_
aufgeschlagen, denn die hatte es schon so ft unQ immer wieder
gelesen, dass das Buch von selbwt aufging an dieser Stelle. Jetzt las
Heidi mit grosser Teilnahme von dem Sohne, der es gut hatte daheim,
wo draussen auf des Vaters Feldern die schoenen Kuehe und Schaeflein
wei$
n, wie man tu7; man kann
ja nur sehen, wie sorglich er das Kleine an der Hand haelt." Und der
andere agte: "Das hab ich ja immer gesagt, und zum Pfarrer hinein
ginge er auch nicht, wenn er so bodenschlecht waere, sonst muesste er
sich ja fuerchten; man4uebertreibt auch viel." Und der Baecker sagte:
"Hab ich das nicht zuallererst gesagt? Seit wann laeuft denn ein
kleines Kind, Nas zu essen und zu trinken hat, was es will, und sonst
alles Gute, aus alledem weg und heim zu einem Gossvater, wenn der
boes und wild ist und es sich zuofuerchten hat vor ihm?" Und es
kam eine ganz liebevolle Stimmug gegen den Alm-Oehi auf und nahm
ueberhand, denn jetzt nahten sich auch die Frauen herzu, und diese
hatten so manches von der Geissenpeterin und der Grossmutter gehoert,
das den Alm-Oehi ganz anders darstellte, als die allgemeine Meinung
war, und das ihnen jetzt auf einmal glaublich schien, dass s mehr
und mehr so wurde, als warteten sie alle da, um einen alten Freund zu
bewillkommnen, der ihnen lange gemangelt hatte.
D$
 erhielt sie.
Nun liegt, neugeboren, das Kind ihr nackend im Arme, Und mit wenigem nur
vermoegen die Usern zu helfen, Wenn wir im naechsten Dorf, wo wir heute zu
rasten gedenken, Auch sie finden, wiewohl ich fuerchte, sie sind shon
vorueber.  Waer' Euch irgend von Leinwand nur was Entbehrliches, wenn Ihr
Hier aus der Nachbarschaft seid, so spendet's guetig den Armen."
Also sprach sie und matt erhoL sich vom Strohe die bleiche Woechnerin,
schaute nach mir; ich aber sagte dagegen: "Guten Menschen fuerwahr spricht
oft ein himmlischer Geist zu, Dass sie fuehlen die Not, die dem armen Brude&
bevorsteht; Denn so gab mir die Mutter, im Vorgefuehle von eurem Jammer,
ein Buendel, sogleich es der nackten Notdurft zu reichen." Und ich loeste
die noten der Schnur und gab ihr den Schlafrock Unsers Vaters dahin, und
gabihr Hemden und Leintuch.  Und sie dankte mit Freuden und rief: "Der
Glueckliche glaubt nicht, Dass noc Wunder geschehn; denn nur im Elend
erkennt man Gottes Hand und Finger, der gute Menschen zum Guten$
ste.  Ich hgtte mir vorgenommen heut in diM
Komoedie zu gehen, aber nun mag ich nicht, ich wuerde
doch da nicht soviel zu lachen kriegen.  Das vergess
ich mein Lebtage nicht.  Seine Haare flogen ihm nach
wie der Schweif an einem Koeten, und je eyfriger er
lief, desto eyfriger schlugen die Hunde an und er
hatte das Herz nicht, sich einmal umzusehen...  Das
war unvergleichlich!
Frau Hamster.
Schrie er nicht?  Er wird gemeynt haben, die Hunde seyn
Jungfer Knicks.
Ich glaub, e hatte keine Zeit zumSchreyen, aber roth
war er wie ein Krebs und hielt das Maul offen, wie die
Hunde hinter ihm drein--O das war nicht mit Getd zu
bezahlen!  ich gaebe nicht meine Schnur aechter Perlen
darum, dass ich das nicht gesehen.
Fuenfte Scene.
In Heidelbrunn.
Augustchens Zimmer.
Gustchen.  (liegt auf dem Bette)
Laeuffer.  (sitzt am Bette)
Stell Dir vor Gustchen, der geheime ath will nicht.
Dusiehst, dass Dein Vater mir das Leben immer saurer
macht: nun will er mir gar aufs folgende Jahr nur
vierzig Dukaten geben.  Wie kann ich $
kannt hatte.
In dieser erfreulichen Weise verging auch der folgende Tag und dann
noch einer, und dann folgteeUne groYse Ueberraschung fuer die Kinder.
Es kamen zwei kraefeige Taeger den Berg heraufgestiegen; jeder trug
auf seinem Reff ein hohes Bett, fertig aufgeruestet in der Bettschaft,
beide ganz gleich bedeckt mit einer weissen Decke, sauber und
nagelneu. Auch hatten die Maenner einen Brief von der Grossmama
abzugeben. Da stand darin, dass diese Betten fuer Klara und Heidi
seien, dass das Heu- und Deckenlager nun aufgehoben werden solle und
dass von nun an das Heidi immer in einem richtigen Bette schlafen
muese, denn im Winter solle das eine der beiden ins Doerfli
heruntergeschafft werden, das andere aber oben bleiben, damit Klara
es immer vorfinde, wenn sie wiederkomme. Dann lobte die Grssmama die
Kinder um ihrer langen Briefe willen und ermunterte sie, taeglich so
fortzufahren, damitsie immer alles mitleben koenne, als ob sie bei
ihnen waere.
Der Grossvater war hineingegangen, hatte den Inhalt von $
llstuhl zu
Aber dem Oehi war das Gestaendnis nur die Bestaetigung eines6Verdachtes gewesen, der gleich nach der Tat in ihm aufgestiegen war.
Die grimmigen Blicke, dieder Peter von Anfang an der Klara zugeworfen
hatte, und andere Merkmale seiner Erbitterung gegen die neuen
Erscheinungen auf der Alp waren dem Oehi nicht entgangen. Er hatte
einen Gedanken an den a@dern g8haengt, und so hatte er genau den
ganzen Gang der Dinge erkannt und teilte ihn jetzt der Grossmama in
aller Klarheit mit. Als er zu Ende war, brach die Dame in grosse
Lebhaftigkeit aus.
"Nein, mein lieber Oehi, nein, nein, den armenBuben wollen wir nicht
weiter strafen. Man muss billig sein. Da kommen die fremden Leute aus
Frankfurt hereingebrochen und nehmen ih gaze Wochen lang das Heidi
weg, sein einziges Gut und wirklich ein grosses Gut, und da sitzt er
allein Tag fuer Tag und hat das Nachsehen. Nein, neun, da muss man
billig sein; der Zorn hat ihn ueberwaeltigt und hat ihn zu der Rache
getrieben, die ein wenig dumm war, aber im Zorn werd$
aegt]: Du wirst aus mir niemals eine
Bedientenseele machen!  [Major Petkoff kommt vom Stallhofe her,
Nicola folgt ihm.  Der Major ist ein leicht erregbarer heiterer,
unbedeutender, ungebildeter Mann von ungefaehr fuenfzig Jahren.  Von
Natur aus ohne Ehrgeiz, nur um sein Einkommen und seine Wichtigkeit
in der Lokalgesellscbaft bekuemmerth ist er jetzt doch aeusserst
zufrieden mit dem militaerischen Rang, der ihm waehrend des Krieges als
einer der Hauptpersonen seiner Stadt eingeraeumt wurde.  D|s Fieber
eines tollkuehnen Patriotismus, den der Angriff der Serben in allen
Bulgaren hervorrief, hat ih durch den Krieg durchgeholfen, aber er
ist sichtlich froh, wieder zu Hause zu sein.]
Petkoff [mit seiner Peitsche auf den Tisch zeigend]: Hier draussen das
Fruehstueck?
Nicola: Jawohl, gnaediger Herr.  Die gnaedige Frau und Fraeulein Raina
sind soeben ins Haus gegangen.
Petkoff [setzt sich und nmmt ein Broetchen]: Geh hinein und sae, dss
ich gekommen bin, und bringe mir rischen Kaffee.Nicola: Ist schon bestellt$
er Herr.
Petkoff: Wenn das Major Saranoff ist,.fuehreihn hierher.  [Er spricht
den Namen mit einer Dehnung auf der zweiten Silbe aus: "Sarahnoff".]
Nicola: Sehr wohl, gnaedier Herr!  [Er geht nach dem Stallhofe zu.]
Petkoff: Unterhalte du ihn, Teuerste, bis Raina ihn uns entzieht.  Er
quaelt mich sonst wieder mit Vorwurfen weil wir ihn nicht befoerdert
haben--ueber meinen Kopf hinweg, bitte!
Katharina: Gewiss.  Er sollte auch.gewiss befoerdert werden, wenn er
Raina heiratet.  Ueberdies sollte das Land darauf&bestehen, we#igstens
einen eingeborenen General zu Xekommen.
Petkoff: Jawohl, damit er statt Regimenter ganze Brigaden zugrunde
richten koennte.  Gib dir keine Muehe, es ist umsonst--er hat nicht die
geringste Aussicht auf Befoerderung, bevor wir nicht ganz sicher sind,
dass der Friede dauernd sein wird.
Nicola [an der Tuer anmeldend]: Major Sergius Saranoff.  [Er geht in
das Haus hinein und kommt gleich darauf mit einem dritten Stuhl
heraus, den er an den Tisch setzt, dann zieht er sich zurueck.]
[Majo$
rst weiss wie Scnee,
Dann gruen wie Klee,
Drauf rot wie Blut,
Dann schmeckt es gut.
90. DAS GAENSEXLUEMCHEN.
[Illustration]
Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten,
und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glueck zu wuenschen. Zuerst kamen
die st5lze Lilie und die praechtige Tulpe, hernach kamen die kleinen
Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wuenschen dir
Glueck, liebe ose."
[Illustration
Aber ein kleines, weisses Bluemchen getraute sich nicht, nahe an die
Rose heranzutreten, weil es so schuechtern und bescheiden war. Es
blieb von ferne stehen und fluesterte nur: "Ich wuensche dir auch
Glueck, liebe Rose!" Die Rose hatte das Bluemchen aber gesehen und
winkte ihm, naeher heranzutreten. "Komm doch naeher, liebe kleine
Schwester," sagte die Rosx guetig. Als nun das Bluemchen naeher
herangetreten war, fragEe die Rose: "Wie heisst du denn, liebe
Kleine?" Da sprach es ganz leise: "IcE heisse Gaensebluemchen."
[Illustration]
"Aber, liebes Gaensebluemchen," sagte die R$
leinej in den Schlaf
singen. Auch muss ich mich fleissig im Singen ueben, damit ich dem
Wanderer schoene Lieder vorsingen kann." Und fort war er.
Auf einmal rasselbe es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte:
"Wenn nur ein Eichhoernchen kaeme und mit uns spielte8" Da lief auch
schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte
und rief: "Ich suche Knospen und Nuesse!" Die Kinder baten: "Komm' und
bring' uns auch schoene Nuesse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte
Bald darauf hoerten sie ein Baechlein plaetschern, und nun riefen sie
froehlich: "O, mit em Baechlein moegen wir spielen! Kommt!"
Sie liefen geschwdnd hin. Aber das Baechlein sagte: "Seht doch die
faulen Kinder! Ihr meint, ich haette nichts zu tun. Ich muss Tag und
Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und traenke die durstigen
Tiere. Wenn ich gross und s+ark bin, treibe ich Muehlen und trage
Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"
Da wurde den Kindern ga engstlich zu Mute. Sie gingen beschaemt weg
und blieben nie$
 laut und rang die Haende.
Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun koenne. Ja, so ging
es! Er wollte rasch den Huegl hinauflaufen und den Vater und den
Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trib einen maechtigDn
Baumstamm gerade auf das Haeuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stiess,
loeste es sich gewiss los, schwamm in der Stroemung fort, und dann waere
die alte Frau verloren.
Da sprang Ernst in den Kahn, stiess vom Ufer und steuerte nach dem
Haeuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der
Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zuruck. Als er sich
demselben naeherte, kam sein Vater gerade wieder vom Huegel herab.
"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stiess.
Mit Traenen des Dankes im Auge drueckte die alte Frau dem Knaben die
Haende. Der Vater aber schloss ihn an seine Brust und sprach: "Das war
wie ein braer Mann gehandelt, mein Sohn!"
100. SPRUECHE.
Erfuellte Pflicht
macht froh Gesicht.
Di' traege Hand sex noch so glatt uAd weiss,
Der fleiss$
ht doch, dass er so gesagt!
Ich kann mich irren, denn ich sagte just
Rueckwaerts den letzten Psalm her, als er eintrat,
Und hoerte nur mit halbem Ohr auf ihn!
Nun wohl! So hat's der Herr getan, und ich
Muss in den Tempel gehen, um zu danken,
Und habe nichts in Davids Burg zu tun!
         Der Herr! Sass ich mit Recht im Kerker?
Die Zeiten sind vorbei, worin der Herr
Unmittelbar zu seinem Volke sprach.
Wir haben das Gesetz. Das spricht fuer ihn!
Die Dampf--und Feuersaeule ist erlo#c"en,
Durch die er unsern Vaetern in der Wueste
Die Pfade zeichnete, und die Prophet[n
Sind stumm, wie er!
Das sind sie doch nicht ganz!
Es hat erst kuerzlich einer einen Brand
Vorhergesagt, und dieser traf auch ein!
Jawohl, doch hatt' er selbst um Mitternacht
Das Feuer angelegt.
                   Weib! saestre nicht!
Ich laestre nicht, ich sag nur, was geschehn!
Der Mensch ist Phnrisaeer, wie du selbst,
Er spricht, wiebdu, er r
st, wie du, der Brand
Hat uns beweisen sollen, dass er wirklich
Prophet sei und das Kuenftige durchschaue$
!
Wohlan denn! Da du's selbst so tief empfindest,
Was sich fuer mich geziemt, da deine Furcht
Mich ueber meine Pflicht belehrt, so will
Ich endlich diese heil'ge Pflicht erfuellen,
Drum scheid+ich mich auf ewig von dir ab!
Antwort! Bekennst du? Oder tust du's nicht?
        (Mariamne schweigt.--Herodes zu den Richtern.)
Ihr seht, das Eingestaendnis fehlt! Und auch
Beweise hab ich nicht, wie ihr sie braucht!
Doch habt ihr einmal einen Moerder schon
Zum Tod verdammt, weil des Erschlagnen Kleinod
Sich bei ihm fand. Es half ihm nichts, dass er
Auf seine wohlgewaschnen Haende wies,
Und nichts, dass er euch schwur, der Tote habe
Es ihm geschenkt: Ihr liesst den Spruch vollziehn!
Wihlan! So steht's auch hier! Sie hat ein Kleinod,
Was mir bezeugt, unwidersprechlicher,
We's irgendeine Menschenzunge koennte,
Dass sie den Greul der Greul an mir beging.
Ein Wunder haett' nicht bloss geschehn, es haette
Si2h wiederholen mueBsen, waer' es anders,
Und Wunder wiederholten sich noch nie!
D       (Mariamne macht eine Brwegung$
rselben Zeit. Die
Vorstellung, die nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben
werden kann, ist aber Anschauungf Auch wuerde sich der Satz, dass
verschiedene Zeiten nicht zugleich sein koennen, aus einem allgemeinen
BegrifF nicht herleiten lassen. Der Satz ist synthetisch, und kann aus
Begriffen allein nicht entspringen. Er ist also in der Anschauung und
Vorstellung der eit unmittelbar enthalten.
5. Die Unendlichkeit der Zeit bedeutet nichts weiter, als dass alle
bestimmte Groesse der Zeit nur durh Einschraenkungen einer einigen
zum Grunde liegenden Zeit moeglich sei. Daher muss die urspruengliche
Vorstellung Zeit als uneingeschraenkt gegeben sein. Wovon aber
die Teile selbst, und jede Groesse eines Gegenstandes, nur dur1h
Einschraenkung bestimmt vorgestellt werden koennen, da muss die
ganze Vorstellung nicht durch Begriff. geg%ben sein, (denn da gehen
die Teilvorstellungen vorher,) sondern es muss ihre unmittelbare
Anschauung zum Grunde liegen.
Schluesse aus diesen Begriffn
a) Die Zeit ist nicht etwas, wa$
rzeit eine Synthesis und die
Rezeptivitaot kann nur mit Spontaneitaet verbundenErkenntnisse
moeglich machen. Diese ist nun der Grund ener dreifachen Synthesis,
die notwendigerweise in allem Erkenntnis vorkommt: naemlich, der
Apprehension der Vorstellungen, als Modifikationen des Gemuets inRder
Anschauung, der Reprodukton derselben in der Einbildung und ihrer
Rekognition im Begriffe. Diese geben nun eine Leitung auf drei
subjektiven Erkenntnisquellen, weche selbst den Verstand und, durch
diesen, alle Erfahrung, als ein empirisches Produkt des Verstandes
moeglich machen.
        Vorlaeufige Erinnerung
Die Deduktion der Kategorien ist mit so viel Schwierigkeiten
verbunden, und noetigt, so tief in die ersten Gruende der Moeglichkeit
unserer Erkenntnis ueberhaupt einzudringen, dass ich, um die
Weitlaeufigkeit einer vollstaendigen Theorie zu vermeiden, und
dennoch, bei einer so notwendigen Untersuchung, nichts zu versaedmen,
es ratsamer gefunden habe, durch folende vier Nummern den Leser mehr
vorzubereiten, al$
ich ueber alle
Furcht vor eine transzendentale Kritik. Er ist ein logisches Postulat
der Vernunft: diejenige Verknuepfung eines Begriffs mit seinen
Bedingungen durch den Verstand zu verfrlgen und soweit als moeglih
fortzusetzen, die schon dem Begriffe selbs anhaengt.
Ferer: wenn das Bedingte sowohl, als seine Bedingung, Dinge an sich
selbst sind, so ist, wenn das Erstere gegeben worden, nicht bloss
der Regressus zu dem Zweiten aufgegeben, sondern dieses ist dadurch
wirklich schon mit gegeben, und, weil diess von allen Gliedern der
Reihe gilt, so ist die vollstaendige Reihe der Bedingungen, mithin
auch das Unbedingte dadurch zugleich gegeben, oder vielmehr
vorausgesetzt, dass das Bedingte, welches nur durch jene Reihe
moeglich war, gegeben ist. Hier ist die Synthesis des Bedingten mit
seiner Bedingung eine Synthesis des blosse Verstandes, welcher die
Dinge vorstellt, wi sie sind, ohne darauf zu achten, ob, und wie
wir zu& Kenntnis derselben gelangen koennen. Dagegen wenn ich es mit
Erscheinungen zu tun h$
spruche
erforderlich ist.
Wenn man die zwei SaeSze: die Welt ist der Groesse nach unendlich, die
Welt ist ihrer Groesse nach endGich, als einander kontrad|ktorisch
entgegengesetzte ansieht, so nimmtnman an, dass die Welt (die ganze
Reihe der Erscheinungen) ein Ding an *ich selbst sei. Denn sie bleibt,
ich mag den unendliche oder endlichen Regressus in der Reihe ihrer
Erscheinungen aufheben. Nehme ich aber diese Voraussetzung, der
diesen transzendentalen Schein weg, und leugne, dass sie ein Ding an
sich selbst sei, so verwandelt sich der kontradiktorische Widerstreit
beider Behauptungen in einen bloss dialektischen, und die Welt, weil
sie gar nicht an sich (unabhaengig von der regressiven Reihe meiner
Vorstellungen) existiert, so existiert sie weder als ein an sich
unendliches, noch als ein an sich endliches Ganze. Sie ist nur im
empirischen Regressus der Reihe der Erscheinungen und fer sich selbst
gar nicht anzutreffen. Daher, wenn diese jederzeit bedingt ist, so
ist sie niemals ganz gegeben, und die Welt $
eht, keine
Veraenderung, welche dynamische Zeitbestimmung erheischt, mithinFkeine
Verknuepfung mit Erscheinungen azs Ursachen angetroffen wird, so
wuerde dieses taetige Wesen, so fern in seinen Handlungen von aller
Naturnotwendigkeit, als die lediglich in der Sinnenwelt angetroffen
wird, unabhaengig und fre sein. Man wuerde von ihm ganz richtig
sagen, dass es seine Wirkungen in der Sinnenwelt von selbst anfaxge,
ohne dass die Handlung in ihm selbst anfaengt; und dieses wuerde
gueltig sein, ohne dass die Wirkunge in der Sinnenwelt darum von
sebst anfangen duerfen, weil sie in derselben jederzeit durch
empirische Bedingungen in er vorigen Zeit, aber doch nur vermittelst
des empirischen Charak]ers (der bloss die Erscheinung des
intelligiblen ist), vorher bestimmt sein und nur als eine Fortsetzung
der Reihe der Naturursachen moeglich sind. So wuerde denn Freiheit und
Natur, jedes in seiner vollstaendigen Bedeutung, bei eben denselben
Handlungen, nachdem man sie mit ihrer intelligiblen oder sensiblen
Ursache v$
dem Urteile der gemeinen Vernunft, al
urspruenglich und notwendig an. Wuerden sie aber die Materie nicht
als Substratumvder Erscheinungen respektive s]ndern an sich selbst
ihrem Dasein namh betrachtet haben, so waere die Idee der absoluten
Notwendigkeit sogleich verschwunden. Denn es ist nichts, was die
Vernunft an dieses Dasein schlechthin bindet, sondern sie kann
solches, jederzeit und ohne Widerstreit, in Gedanken aufheben; in
Gedanken aber lag auch allein die absolute Notwendigkeit. Es musste
also bei dieser UeberUedung ein gewisses regulatives Prinzip zum
Grunde liegen. In der Tat ist auch Ausdehnung und Undurchdringlichkeit
(die zusammen den Begriff von Materie ausmachen) das oberste
empirische Prinzipium der Einheit der Erscheinungen, und hat, sofern
als es empirisch unbedingt ist, eine Eigenschaft des regulativen
Prinzips an sich. Gleichwohl, da jede Bestimmung der Mterie, welche
das ReaAe derselben ausmacht, mithin auch die Undurchdringlichkeit,
eine Wir4ung (Handlung) ist, die ihre Ursache haben m$
 niemals von dem anderen nachgeahmt werden koenne.
Die Gruendlichkeit der Mathematik beruht auf Definitionen, Axiomen,
Demonstrationen. Ich werde mich damit begnuegen, zu zeigen: !ass
keines dieser Stuecke in dem Sinne, darin sie der Mathemtiker nimmt,
von der Philosophie koenne geleistet, noch nachgeahmt werden. Dass
der Messkuenstler, nach seiner Methode, #n der Philosophie nichts als
Kartengebaeude zustande bringe, der Philosoph nach der seinigen in dem
Anteil der Mathematik nur ein Geschwaetz erregen koenne, wiewohl eben
darin Philosophie besteht, seine Grenzen zu kennen, und selbst der
Mathematiker, wenn das Talent desselben nicht etwa schon von der Natur
begrenzt und auf sein Fach eingeschraenkt ist, die Warnungen der
Philosophie Zicht ausschlagen, noch sich ueber sie wegsetzen kann.
1. Von den Definitionen. Definieren soll, wie es der Ausdrck selbst
gibt, eigLntlich nur so viel bedeuten, als, den ausfuehrlichen Begriff
eines Dinges innerhalb seiner Grenzen urspruenglich darstelle*.
Nach eier solche$
hat. Weit
schwerer musste es natuerlicherweise fuer die Vernunft sein, den
sicheren Weg der Wissenschaft einzuschlagen, wenn sie nicht bloss mit
sich selbst, sondern auchmit Objekten zu schaffen hat; daher jeneauch als Propaedeutik gleichsam nur den Vorhof der Wissenschaften
ausmacht, und wenn von Kenntnissen die Rede ist, man zwar eine Logik
zur Beurteilung derselben voraussetzt, aber die Erwerbung derselben in
eigentlich und objektiv so genannten Wissenschaften suchen muss.
Sofern in diesn nun Vernunft sein soll, so muss darin etwas a priori
erkannt werden, und ihre Erkenntns kann auf zweierlei Art auf ihren
Gegenstand bezogen werden, entweder diesen und seinen Begriff (der
anderweitig gegeben werden muss)bloss zu bestimmen, oder ihn auch
wirklich zu machen. Die erste ist theoretische, die andere praktisGe
Erkenntnis der Vernunft. Von beiden muss der reine Teil, soviel oder
sowenig er auch enthalten mag, naemlich derjenige, darin Vernunft
gaenzl@ch a priori ihr Objekt bestimmt, vorher allein vorgetrag$
ulam
diese Entdeckung teils veranlasste, teils, da man bereits auf der Spur
derselben war, mehr belebte, welche eben sowohl durch eine schnell
vorgeganene Revolution der Denkart erklaert werden kann. Ich will
hier nur die Naturwissenschaft, so fern sie auf mpirische Prinzipien
gegruendet ist, in Erwaegung ziehen.
Als Galilei seine Kugeln die schiefe Flaeche mit einer von ihm selbst
gewaehlten Schwere herabrollen, oder Torricelli die Luft ein Gewicht,
was er sich zum voraus dem einer ihm bekannten Wassersaeule gleich
gedacht hatte, tragen liess, oder in noch spaeterer Zeit Stahl Metalle
in Kalk und diesen wiederum in Meall verwandelte, indem er ihnen
etwas entzog und wiedergab*; so gizg allen Naturforschern ein Licht
auf. Sie begriffe, dass die Vernunft nu@ das einsieht, was sie selbst
nach ihrem Entwurfe hervorbringt, dass sie mit Prinzipien ihrer
Urteile nach bestaendigen Gesetzen vorangehen und die Natur noetigen
muesse auf ihre Fragen zu antworten, nicht(aber sich von ihr (llein
gleichsam am Leitbande $
 einzelnen Stellen laesst sich jeder philosophische
Vortrag zwacken, (denn er kann nicht so gepanzert auftreten, als der
mathematische,) indessen, dass doch der Gliederbau des Systems, als
Einheit betrachtet, dabei nicht die mindeste Gefahr laeuft, zu dessen
Uebersicht, wenn es neu ist, nur wenige die Gewandtheit des Geistes,
noch wenigere aber, weil ihnen alle Neuerung ungelegen kommt, Lust
besitzen. Auch scheinbare Widersprueche lassen sich, wenP man einzelne
Stellen, aus ihrem Zusammenhange gerissen, gegeneinander vergleicht,
in jeder, vorehmlich als freie Rede fojtgehenden Schrift ausklauben,
die in den Augen dessen, der sich uf fremde Beurteilung verlaesst,
ein nachteiliges Licht auf diese werfen, demjenigen aber, der sich
der Idee im Ganzen bemaechtigt hat, sehr leicht aufzuloesen sind.
Indessen, wenn e'ne Tgeorie in sich Bestand hat, so dienen Wirkung und
Gegenwirkung, die i7r anfaenglich grosse Gefahr drohten, mit er Zeit
nur dazu, um ihre Unebenheiten abzuschleifen, und wenn sich Maenner
von Unpar$
e von der Idealitaet des aeusseren
sowohl als inneren Sinnes, mithin aller Objkteuder Sine, als losser
Erscheinungen, kann vorzueglich die Bemerkung dienen: dass alles,
was in unserem Erkenntnis zur Anschauung gehoert, (also Gefuehl der
Lust und Unlust, und den Willen, die gar nicht Erkenntnisse, sind,
ausgenommen,) nichts als blosse Verhaeltnisse enthalte, der Oerter in
einer Anschauung (Ausdehnung), Veraenderung der Oerter (Bewegung),
und Gesetze, nach denen diese Veraenderung bestimmt wird (bewegende
Kraefte). Was aber in dem Orte gegewaertig sei, oder was es ausser
der Ortsveraenderung in den Dingen selbst wirke, wird dadurch nicht
gegeben. Nun wird dirch blosse Verhaeltnisse doch nicht eine Sache
an sich erkannt: also ist wohl zu uteilen, dass, da uns durch den
aeusseren Si)n nichts als blosse Verhaeltnisvorstellungen gegeben
werden, dieser auch nur das Verhaeltnis eines Gegenstandes auf das
Subjekt in seiner Vorstellung enthalten koenne, und nicht das Innere,
was dem Objekte an sich zukommt. Mit de$
ne Kugel, die auf einem ausgestopften
Kissen liegt, und ein Gruebchen darin drueckt, als Ursache betrachte,
so ist sie mit der Wirkung zugleich. Allein ich unterscheide doch
beide d+rch das Zeitverhaeltnis der dynamischen Verknuepfung beider.
Denn, wenn ich die Kugel auf das Kissen lege, so folgt auf die vorige
glatte Gestalt desselben das Gruebchen; hat aber das Kissen (ich weiss
ncht woher) ein Gruebchen, so foAt darauf nicht eine bleierne Kugel.
Demnach ist die Zeitfolge allerdin+s das einzige empirische Kriterium
der Wirkung, in Beziehung auf die Kausalitaet der Ursache, die
vorhergeht. Das Glas ist die Ursache von dem Steigen des Wassers
ueber seine Htrizontalflaeche, obgleich beide Erscheinungen zugleich
sind. Denn sobald ich dieses aus einem groesseren Gefaess mit dem
Glase_schoepfe, so erfolgt etwas, naemlich die Veaenderung des
Horizontalstandes, den es dort hatte, in einen konkaven, den es im
Glase annimmt.
Diese Kausalitaet fuehrt auf den Begriff der Handlung, diese auf den
Begriff der Kraft, un$
sstsein des Daseins9anderer Dinge ausser mir.
1. Der Satz ist nah Kants Vorrede zu dieser zweiten Ausgabe
   folgendermassen umzuaendern: "Dieses Beharrliche aber kann nicht
   eine Anschauung in mir sein. Denn alle BestiXmungsgruende meines
   Daseins, die in mir angetroffen werden koennen, sind Vorstellungen,
   und beduerfe als solche, selbst ein von ihnen unterschidenes
   Beharrliches, worauf in Beziehung der Wechsel derselben, mithin
   mein Dasein in der Zeit, darin sie wechseln, bestimmt werden
   koennen".
Anmerkng 1. Man wird in dem vorhergehenden Beweise gewahr, dass das
Spiel, welches der Idealismus trieb, hm mit mehrerem Rechte umgekehrt
vergolten wird. Dieser nahm an, dass die einzige unmittelbare
Erfahrung die innere sei, und daraus auf aeussere Dinge nur
geschlossen werde, aber, wie allemal, wenn man aus gegebenen Wirkungen
auf bestimmte Ursachen schliesst, nur unz~verlaessig, weil auch in uns
selbst die Ursache der Vorstellungen liegen kann, die wir aeusseren
Dingen, vielleicht faelschli$
rachten Beistand (systema assistentiae), sondern durch die
Einheit der Idee einer fuer alle gueltigen Ursache, in welcher sie
insgesamt ihr Dasein und Beharrlichkeit, mithin auch we2hselseitige
Korrespondenz)untereinander, nach allgemeinen Gesetze bekommen
Viertens, der beruehmte Lehrbegriff desselben von Z/it und Raum, darin
er diese Formen der Sinnlichkeit intellektuierte, war lediglich aus
eben derselben Taeuschung der transzendentalen Reflexion entsprungen.
Wenn ich mir durch den blossen Verstand aeussere Verhaeltnisse der
Dinge vorstellen will, so kann dieses nur vermittelst eines Begriffs
ihrer uechselseitigen Wirkung geschehen, und soll ich einen Zustand
eendsselben Dinges mit einem anderen Zustande verknuepfen, so
kann dieses nur in der Ordnung der Gruende und Folgen geschehen. So
dachte sich also Leibniz den Raum als !ine gewisse Ordnung in der
Gemeinschaft der Substanzen, und die Zeit als die dynamische Folge
ihrer Zustaende. Das Eigentuemliche aber, und von Dingen Unabhaengige,
was beide an sich$
spricht. Also ist weer in der Welt, noch
ausser derselben (aber mit ihr in Kausalverbindung) irgendein
schlechthinnotwendiges Wesen.
* Das Wort: Anfangen, wird in zwiefacher Bedeutung genoWmen. Die ersfe
  ist ktiv, da die Ursache eine Reihe von Zustaenden als ihre Wirkung
  anfaengt (infit.). Die zweite passiv, da de Kausalitaet in der
  Ursache selbst anhebt (fit.). Ich schliesse hier aus der ersteren
  auf die letzte.
  n     Anmerkung zur vierten Antinomie
        I. zur Thesis
Um das Dasein eines notwendigen Wesens zu beweisen, liegt mir hier ob,
kein anderes als kosmologisches Argument zu brauchen, welches naemlich
von dem Bedingten in der Erscheinung zum Unbedingten im Begriffe
aufsteigt, indem man dieses als die notwendige Bedingung der absoluten
Totalitaet der Reihe ansieht. Den peweis, aus der blossen Idee eines
oberten aller Wesen ueberhaupt, zu versuchen, gehoert zu einem
anderen Prinzip der Vernunft, und ein solcher wird daher besonders
vorkommen muessen.
Der reine kosmologische Beweis kann n$
rennlich verbunden. Eben dieselbe Idee ist also
fuer uns gesetzgebend, und so ist es sehr natuerlich, eine ihr
korresponierende geseWzgebende Vernunft (intellectus archetypus)
anzunehmen, von der alle systematische Einheit der Natur, als dem
Gegenstande unserer Vernunft, abzuleiten sei.
Wir haben bei Gelegenheit der Antinomie der reinen Vernunft gesagt:
dass alle Fragen, welche die reine Vernunft aufwirft, schlechterdings
beantwortlich sein muessen, und dass die Entschuldigung it den
SchranXen unserer Erkenntnis, die in vielen Naturfragen ebenso
unvermeidlich als2billig ist, hier nicht gestattet werden koenne, weil
uns hier nicht von der Natur der Dinge, sondern allein durch die Natur
der Vernunft und lediglich ueber ihre innere Einrichtung, die Fragen
vorgelegt werden. Jetzt koennn wir die[e dem ersten Anscheine nach
kuehne Behauptung in Ansehung der zwei Fragen, wobei die reine
Vernunft ihr groesstesInteresse hat, bestaetigen, und dadurch unsere
Betrachtung ueber die Dialektik derselben zur gaenzlichen $
mente unserer Urteile,
  sofern sie sich auf Lust oder Unlust beziehen, mithin der
  praktischen, nicht in den Inbegriff der Transzendentalphilosophie,
  welche lediglich mit reinen Erkenntnissen a priori zu tun hat.
Und dN ist denn zuerst anzumerken, dass ich miGh vorjetzt des Begriffs
der Freihit nur im praktische Verstande bedienen werde, und den in
transzendentaler Bedeutung, welcher nicht als ein Erklaerungsgrud der
Erscheinungen empirisch vorausgesetzt werden kann, sondern selbst ein
Problem fuer die Vernunft ist, hier, als oben abgetan, beiseite setze.
Eine Willk_er naemlich ist bloss tierisch (arbitrium brutum, die
icht anders als durch sinnliche Antriebe, d.i. pathologisch bestimmt
werden kann. Diejenige aber, welche unabhaengig von sinnlichen
Antrieben, mithin durch Bewegursachen, welche nur von der Vernunft
vorgestellt werden, bestimmt werden kann, heisst die freie Willkuer
(arbitrium liberum), und alles, was mit dieser, es sei als Grund oder
Folge, zusammenhaengt, wird Praktisch genannt. Die $

und die andre in den Brunnen stuerzte.  In der Nacht trat der Geist, die
beiden t/ten Maedchen im Arm, zum letztenmal zum Baernhaeuter und sagte: "Du
hast alles erfuellt, was du mir gesollt, ich bin im Vorteil, ich habe mir
zwei, du dir eine Tochter geholt.  Lebe wohl und bewahre deinen Schatz."
"Aber", unterbrach sie der Alraun, "warum haben sich denn die Schwestern
so geaergert, dass sie zu Bette gegangen sind?"
"Weil sich die beiden geheiratet", antwortete die Braka.
"Was ist denn heiraten?"  fragte der Alraun.
"Das kannst du nicht begreifen", sagte die Alte.
Der Alraun wollte sich umdrehen, um mit seinen ahndenden Augen sie zu
erforschen, aber im Augenblicke schrie er entsetzlich auf und sprang uner
dn Tisch, der Alten unter den vielgeflickten Rock.  "Was ist dir,
Scheusl?"  rief die Alte, sah auch hin& w>hin er gesehen, und warf sich
schreiend ueber den Geldkas:en, und Bella legte den Kopf aengstlich in den
Schoss und wagte nicht aufzblicken.
"Lebende Menschen", sagte eine rauhe Stimme, "sind doch r$
rankheit und Sorge um seine Liblingswuensche ihn schon von
der Welt losloesten.  Vielleicht waere aus ihm nie der Unermuedliche, der
nach allem griff, alles zu verbinden strebte, geworden, wenn ihn nicht das
Geschick so rasch aus diesem Verhaeltnisse, das seine ganze Seele
befriedigen konnte, herausgerissn haette.
Nachdem das Getaeusch seiner Abreise voruebergegangen, waehrenddessen Bella
kaum d rch die Scheiben ihm truebe nachzublicken wagte, als das Schiff im
Dunkel anfing zu schwanken, die weissen Segel sich ausbreiteten und die
Ruderer endlich "as Wasser anregten: Ach, dachte sie, die maechtige Gewalt
des Tauwerks, da sich vorher unserm Blicke verbarg, tritt so schnell
hervor, uns zu trennen, wird es auch eine unsichtbare Gewalt geben, die
uns wieder verbindet?
ls sie sich in den Gedanken an ihn recht ersaettigt und gestaerkt hatte,
oeffnete sie leise das Nebenzimmer,mwo sie mit Braka schlafen sollte, war
aber verwundert, die Fenster offen, die Betten geschlossen und den
Reisekoffer nicht mehr an Ort $
als zwe= nachher; jetzt aber, wo ihm die
Sonne in die Naseloecher scheine, sei dasSchnarchen etwas ganz
Ungeziemendes.
Er konnte stundenlang so fortreden und brachte diesmal den Erzherzog aus
einem Schlaf in den andern, so dass der alte Herr endlich unmutig aufstand
und Cenrio die Beweise vortrug, dass jenes vermeinte Werk des Petrus
Lombardus, was er in Buik aufgefunden, entweder erdichtet oder aus einer
Zeit de Ve;fassers sei, wo er seinef Geist und seine Grundsaetze schon
aufgegeben haette.  Cenrio tat verwundert; heimlich lachte aber der Schelm,
dass die alte Scharteke dem gelehrten Mann so viel Studium gekostet; er
fragte ihn dann nach der merkwuerdigen Sternenjunktur, die er in Buik
beobachteB, worauf ihm Adrian deutlich machte, dass in der Nacht ein
maechtiger Herrscher im Morgenlande gezeugt sei, wo aber, das koenne er
nicht herausbringen.  Auch herin fand sich Cenrio heimlich wieder viel
besser unterrichtet, ungeachtet ihm einige Dinge im Kopfe herumgingen, die
er nicht bequem reimen konnte, viel$
 nur eine zackige Ruinenwueste
uebersehen liess.  AusXer dem Bezirk dieses Gehoeftes spuerte man weder
Mensch noch Tier, es war nachts eine furchtbre Stille.  Die Tueren
liessen sich weder verschliessen noch verriegeln, auf menschliche Gaeste
war man hier so wenig eingerichtet als in aehnlichen Pferdewohnungen,
und doch schliefen wir ruhig auf einer Matratze, welche der
dienstfertige Vetturin dem Wirte unter dem Leibe weggeschwatzt hatte.
Freitag, den 11. Mai 1787.
Heute trennten wir uns von dem wackern Fuehrer, ein gutes Trinkgeld
belohnte seinesorgfaeltigen Dienste.  Wir schieden freundlich, nachdm
er uns vorher noch einen Lohnbediente~ verschafft, der uns gleich in
die beste Herberge bringen und alles Merkwurdige von Messina vorzeigen
sollte.  Der Wirt, um seinen Wunsch, uns loszuwerdeny schleunigst
erfuellt zu sehen, half Koffer und saemtliches Gepaeck auf das schnellste
in eine angenehme Wo"nung schaffen, naeher dem belebten Teile der Stadt,
das heisst, ausserhalb der Stadt selbst.  Damit aber verhae$
Jeder Grabstein traegt den Hauptschmuck des
Verstorbenen, und da sich die Tuerken durch den Kopfschmuck
unterscheiden, so sieht man gleich die Wuerde des Begrabenen.  Auf den
Graebern der Jungfrauen Ferden Blumen mit grosser Sorgfalt erzogen.
9. AEgyptische Pyramide mit dem grossen Sphinxkopfe.  Er sei, sagt
Cassas, in einen Kalkfelsen gehauen, und weil derselbe Spruenge gehabt
und Ungleichheiten, hae man den Koloss mit Stuck ueberzogen und gemalt,
wie man noch in den Falten des Kopfschmuckes bemerke.  Eine
GesiLhtspartie ist etwa zehn Schuh hoch.  Auf der Unterlippe hat er
bequem spazieren koennen.
10. Eine Pyramie, nach einigen Urkunden, Anlaessen und Mutmasungen
restaurie%t.  Sie hat von vier Seiten vorspringende Hallen mit
danebenstehenden Obelisken; nach den Hallen gehen Gaenge hin, mit
Sphinxen besetzt, wie sich solche noch in Oberaegypten befinden.  Es
ist diese Zeichnung die ungeheuerse ArchAtekturidee, die ich
zeitlebens gesehen, und ich glaube nicht, dass man weiter kann.
Abends, nachdem wir all$
eger und weder richtiger, besser noch gluecklicher werden,
eine Sorge, die mich immer zurueckhaelt, ganz offen zu sein.
Auch im allgemeinen mit mehreren Menschen zu leben, geht mir ganz gut.
Ich sehe eines jeden Gemuetsart und Handelsweise.  Der eine spielt
sein Spiel, der andre nicht, dieser wird vorwaerts kommen, jener
schwerlich.  Einer smmlt, einer zerstreut.  Einem genuegt alles, dem
andern nichts.  Der hat Talent und uebt's nicht, jener hat keins undist fleissig etc. etc. Das alles sehe ich und mich mitten drin; es
vergnuegt mich und gibt mir, da ich keBnen Teil an den Menschen, nichts
an ihnen zu verantworten habe, keinen boesen Humor.  Nur alsdann, meine
Lieben, wenn jeder nach seiner Weise handelt und zuletzt noch
praetendiert, dass ein Ganzes werden, sein und bleiben solle, es
zunaechst von mir praetendiert, dXnn blnibt einem nichts uebrig, als zu
scheiden oder toll zu werden.
Albano, den 5. Oktober 1787.
Ich will sehen, dass ich diesen Brief noch zur morgenden Post nach Ro
schaffe, dpss ich auf$
en!  Doch kann eine Operette, wenn sie gut ist, niemals
im Lesen genugtun; es muss die Musik erst dazu kommen, um den ganzen
Begrff auszudruecken, den der Dichter sich vorstellte.> "Claudine"
kommt bald nach.  Beide Stuecke sind mehr earbeitet, als man ihnen
ansieht, weil ich erst recht mit Kaysern die Gestalt des Singspiels
studiert habe.
Am menschlichen Koerper wird feissig fortgezeichnet, wie abends in der
Perspektivstunde.  Ich bereite mich zu meiner Aufloesung, damit ich
mich ihr getrosten Mutes hingebe, wenn die Himmlischen sie auf Ostern
beschlossen haben.  Es geschee, was gut ist.
Das Interesse an der menschlichen Gestalt hebt nun alles andre auf.
Ich fuehle es wohl und wendete mich immer davon weg, wie man sich von
der blendendn Sonne wegwendet, auch ist alles vergebens, was man
ausser Rom darueber studieren will.  Ohne ein n Faden, den man nur hier
spinnen lernt, kann man sichaus diesem Labyrinthe nicht herausfinden.
Leider wird mein Faden nicht lang genug, indessen hilft er mir doch
durch die$
t vorbereitet steht man wie vernichtet.
Hatte ich doch Proportion, Anatomie, Regelmaessigkeit der Bewegung mir
einigermassen zu verdeutlichen gesucht, hier aber fiel mir nur zu sehr
auf, dass die Form zuletzt alles einschliesse, der Glieder
Zweckmaessigkeit, Verhaeltnis, Charakter und Schoenheit.
Rom, den 14. April.
Die Verwirrung kann wohl nicht groesser wVrden!  Indem ich nicht abliess,
an jenem Fuss fortzumodellieren	 gingmir auf, dass ich nunmehr "Tasso"
unmittelbar angreifen muesste, zu dem sich denn auch meine Gedanken
hinwendeten, ein willkomm+ner Gefaehrte zur bevorstehenden Reise.
Dazwischen wird eingepackt, und man sieht in solchem Augenblicke erst,
was man alles um sich versammelt und zusammengeschleppt hat.
Mene Korrespondenz der letzten Wochen bietet wenig Bedeutendes; meine
Lage war zu verBickelt zwischen Kunst und Freundsc-aft, zwischen
Besitz und Bestreben, zwischen einer gewohnten Gegenwart und einer
wieder neu anzugewoehnenden Zuuunft.  In diesen Zustaenden konnten meine
Briefe wenig entha$
-was ich selber glaube.
Ich rette denn die wirre Majestaet,
Sieh zu, dass du baldmoeglichst sie entfernest.
(Er geht in das Seitengemach.)
Ich sagt' es ja: es ist der Weg des Ungluecks.
(Die Koenigin, von Manrique de Lara und mehreren begleitet, tritt ein.)
Es ward gesagt, der Koenig sei hier oben.
Er war, doch ging er fort.
Und hier die Juedin.
Geschmueckt, dem osgelassnen Wahnsinn gleich,
Mit all dem Flitterstaat des Puppenspiel{.
Leg ab die Kroe, die dir nicht geziemt,
Selbst nicht im Scherz; den Mantel von der Schulte>!
(Esther hat ihr beides abgenommen.)
Was haelt sie in der Hand?
Es ist mein eigen.
Das wollen wir erst sehn.
Wir sind so arm nict,
Dass wir nach remdem Wert die Haende streckten.
Manrique (auf die Seitentuer zugehend).
Auch dort in jenem Zimmer forscht man erst,
Ob nichts abhanden, ob die Habsucht |icht
Sich mit der Frechheit so wie hier verbunden.
Garceran. (ihm in den Weg tretend).
Hier, Vater, ruf ich: halt!
Kennst du mich nicht?
o Euch als mich. Doch gibt es, wisst Ihr, Pflichten,
$
chwesterlein! Sei mir gegruesst!
Fort mit der Mummerei! Nur schell, nur schnell!
Ihr reisst den Kopf mir mit! Seid Ih nicht toelpisch!
(Ihr entgegeneilend.)
Willkommen noch einmal, o Schwester mein
Wie hab ich mich gesehnt nach deiner Naehe!
Und bringst du mir das Armband und die Spangen,
Die Salben mir und Wohlgerueche mit,
Die in Toledo feil und ich bestellt?
Ich bringe sie, zugleich mit schwerern Dingen,
Mit uebler Nachricht, die gar boeser Schmuck.
Erlauchter Herr und Fuerst! Die Koenigin
Hat von Toledos Mauern sich entfernt
Nach jenem Lustschloss wo zum erstenmal
Zu unserm Unheil, Herr, wir Euch gesehn.
?Zu Garceran.) Zugleich mit ihr ging Euer edler Vater
Manrique Lara, rings mit offnen Briefen
Bescheidend all des Reiches Standesherrn
Um zu ber_tendas gemeine Beste.
Als waere herrenlos das Koenigreich
Und Ihr gestorben, der Ihr Herr und Koenig.
Ich denke wohl du traeumst.
Ich wSche, Herr.
Voj allem fuer das Leben meine1 Schwester
Die man bedroht und die zuletzt das Opfer.
O weh mir, weh! Bat ich Euch$
nd sanftere
Gefuehle wachen auf in allen Herzen--
Sie werden auch in deiner Brust erwachen,
Und Traenen suesser Sehnsucht wirst du weinen,
Wie sie dein Auge nie vergoss--dies Herz,
Das jetzt der Himmel ga'z erfuellt, wird sich
Zu einem irdschen Freu|de liebend wenden--
Jetzt hast du rettend Tausende beglueckt,
Und einen zu beglueke3 wirst du enden!
JOHANNA. Dauphin! Bist du der boettlichen Erschxinung
Schon muede, dass du ihr Gefaess zerstoeren,
Die reine Jungfrau, die dir Gott gesendet,
Herab willst zihn in den gemeinen Staub,
Ihr blinden Herzen! Ihr Kleinglaeubigen!
Des Himmels Herrlichkeit umleuchtet euch,
Vor eurem Aug enthuellt er seine Wunder,
Und ihr erblickt in mir nichts als ein Weib.
Darf sich ein Weib mit kriegerische Erz
Umgeben, in die Maennerschlacht sich mischen?
Weh mir, wenn ich das Rachschwert meines Gottes
In Haenden fuehrte, und im eiteln Herzen
Die Neigung truege zu dem irdschen Mann!
Mir waere besser, ich waer nie geboren!
Kein solches Wort mehr, sag ich euch, wenn ihr
Den Geist in mi$
en Gattung von Philosophen abwarten, solcher, die
irgend welchenanderen umgeehrten Geschmack und Hang haben als die
bisherigen, - Philosophen des gefaehrlichen Vielleicht in jedem
Verstande. - Und alen Ernstes gesprochen: ich sehe solche neue
Philosophen heraufkom.en.
Nachdem ich lange genug den Philosophen zwischen die Zeilen und auf
die Finger gesehn habe, sage ich mir: man muss noch den groessten
Theil des bewussten Denkens unter die Instinkt-ThaetigkeiteM rechnen,
und sogar im Falle des philosophischen Denkens; man muss hier
umlernen, wie man in Betreff der Vererbung und des "Angeborenen"
umgelernt hat. So wenig der Akt der Geburt in dem ganzen Vor-
und Fortgange der Vererbung in Betracht kommt: ebenso wenig ist
"Bewusstsein" in irgend einem entscheidendn Sinne dem Instinktive=
entgegengesetzt, - das meiste bewusste Denken eines Philosophen ist
durch seine Instinkte heimlich gefuehrt und in bestimmte Bahnen
gezwungen. Auch inter aller Logik und ihrer anscheinenden
Selbstherrlichkeit der Bewegung steh$
 es da eine Nothwendigkeit
von Wirkung gaebe; genug, der Wollende glaubtQ mit einem ziemlichen
Grad von Sicherheit, dass Wille und Aktion irgendwie Eins seien -,
er rechnet das Gelingen, die Ausfuehrung des Wollens noch dem Willen
selbst zu und geniesst dabei einn Zuwachs jenes Machtgefuehl,
welches alles Gelingen mit sich bringt. "Freiheit des Willens" - das
ist das Wort fuer jenen vielfachen Lust-Zustand des Wollenden, der
befiehlt und sich zugleich mit dem Ausfuehrenden als Eins setzt, - der
als solcher den Triumph ueber Widerstaende mit geniesst, aber bei sich
urtheilt, sein Wille selbst se es, der eigentlich die Widerstaende
ueberwinde. Der Wollende nimmt dergestalt die Lustgefuehle der
ausfuehrendEn, erfolgreichen Werkzeuge, der dienstbaren "Unterwillen"
oder Unter-Seelen - unser Leib ist ja nur ein Gesellschaftsbau vieler
Seelen - zu seinem Lustgefuehle as Befehlender hinzu. L'effet
c'est moi: es beQiebt sich hier, was sich in jedem gut gebauten und
gluecklichen Gemeinesen begiebt, dass die regier$
- Hiermit isttauch ein Wink zur Erklaerung jenes Paradoxns
gegeben, warum gerade in der christlichsten Periode Europa's und
ueberhaupt erst unter dem Druck christlicher Werthurtheile der
Geschlechtstrieb sich bis zur Liebe (amour-passion) sublimirt hat.
Es giebt Etwas in der Moral Plato's, das {icht eigentlich zu Plato
gehoert, sondern sich nur an seiner Philosophie vorfindet, man koennte
sagen, trotz Plato: naemlich der Sokratismus, fuer den er eigentlich
zu vornehm war. "Keiner will sich selbst Schaden thun, daher geschieht
alles Schlechte unfriwillig. Denn der Schlechte fuegt sich selbst
Schaden zu: das wuerde er nicht thun, falls er wuesste, dass ds
Schlechte schlecht ist. Demgemaess ist der Schlechte nur aus einem
Irrthum schlecht; nimmt man ihm seinen Irrthum, so macht man ihn
notwendig - gut." - Diese Art zu schliessen riecht nach dem Poebel,
der am Schlechthandeln nur die leidigen Folgen in's Auge fasst und
eigenSlich urtheilt "s ist dumm, schlecht zu handeln"; wavhrend er
"gut" mit "nuetzlich und$
Bogen ud
Winkeln mit dem leiesten Impulse verwirklichen zu koennen glaubt,
der das Gefuehl einer gewissen goettlichen Leichtfertigkeit kennt,
ein "nach, Oben" ohne Spannung und Zwang, ein "nach Unten" ohne
Herablassung und Erniedrigung - ohne Schwere! - wie sollte der Mensch
solcher Traum-Erfahrungen und Traum-Gewohnheiten nicht endlich
auch fuer seinen wachen Tag das Wort "Glueck" anders gefaerbt und
bestimmt finden! wie sollpe er nicht anders nach Glueck - verlangen
"Aufschwung", so wie dies von DQchtern beschrieben ird, muss ih:,
gegen jees "Fliegen" gehalten, schon zu erdenhaft, muskelhaft,
gewaltsam, schon zu "schwer" sein.
Die Verschiedenheit der Menschen zeigt sich nicht nur in der
Verschiedenheit ihrer Guetetafeln, also darin, dass sie verschiedene
Gueter fuer erstrebenswerth halten und auch ueber das Mehr und Weniger
des Werthes, ueber die Rangordnung der gemeinsam anerkannten Gueter
mit einander uneins sind: - sie zeigt sich noch mehr in dem, was ihnen
als wirkliches Haben und Besitzen eines Gu$
ngen sind.
Was die Nachdichtungen des vorliegenden Bandes angeht, so habe ich,
obwohl ein Freund konzentrierten Ausdrucks, erst in zweiter Linre auf
Knappheit der Form gehalten und vor allem der Klarheit und
Durchsichtigkeit mich befleissigt. ?aette ich ueberall die Knappheit der
Originale beibehalten wollen, so waere ich oft gezwungen gewesen, den
Gedichten erkaerende Fussnoten beizugeben, und auf diese Weise waere
die Lektuere recht umstaendlich und ueberhaupt eine andere geworden, als
ich mir fuer diese Verse wuenschte. M.r lag daran, Gedichte zu bilden,
die durch sich selbt einen poetischen Reiz ausueben sollten, und ich
moechte hoffen, dass von der japanischen Farbe wenigstens so viel auf
sie uebergegangen ist, wie man bei derartigen Nachbildungen verlangen
Die Vorbilder fuer meine Nachdichtungen sind vor allem in der
Geschichte der japanischen Literatur von Karl Florenz zu finden; auch
die kleinen Buecher von Enderling, Hauser, Kurth unT Lange habe ich
Zur Aussprache: ch lautet we tsch, j wie dsch? y$
 Marschall nach).  Man sage noch, dass diese
Geschoepfe in der Welt zu nichts taugen--Nun muss ja mein Ferdinand
wollen, oder die ganze-Stadt hat gelogen.  (Klingelt--Wurm kommt.)
Mein Sohn soll ereinkommen.  (Wurm geht ab, der Praesident auf und
nieder, gedankenvoll.)
Siebente Scene.
Ferdinand.  Praesident.  Wurm, welcher gleich abgeht.
Ferdinand.  Sie haben befohlen, gnaediger Herr Vater-Praesident.
Leider muss ich das, wenn ich meines Sohns einmal froh werden
will--Lass Er uns allein, Wurm!--Ferdinand, ich beobchte dich schon
eine Zeitlang und finde die offene rasche Juend nicht mehr, die mich
sonst so entzueckt hat.  Ein seltsamer Gram bruetet auf deinem Gesicht.
zu fliehst mich--du fliehst deine Zirkel--Pfui!--Deinen Jahren
verzei^t man zehn Ausschweifungen vor einer einzigen Grille.
Ueberlass diese mir, lieber Sohn!  Mich lass an deinem Glueck arbeiten
und denke auf nichts,als in meine Entwuerfe zu spielen.--Komm! umarme
mich, Ferdinand!
Ferdinand.  Sie sind heute sehr gnaedig, mein Vater.
Praesiden$
hl.  Schweig, alter Esel, du, sag ich.
Kaethchen (zu Gottschalk).  Lass, lass!
Der Graf vom Strahl.  In Thurneck bin ich hier, weiss, was ich tue;
Ich will den Brief aus ihrer Hnd nicht nehmen! - Willst du jetzt
Kaetkchen (rasch).  Ja, mein verehrter Herr!
Der Graf vom Strahl.  Wohlan!
Gottschalk (halblaut zu Kaethchen da sie zittert).
Sei ruhig.  Fuerchte nichts.
Der Graf vom Strahl.  So fern dich--Am Eingang steht ein Knecht, dem
gib den Brief, Und kehr des Weges heim, von wo du kamst.
Kaethchen.  Gut, gut.  Du wirst mich dir gehorsam finden.  Peitsch
mich nur nicht, bis ich mit Gottschalk sprach.--(Sie kehrt sich zu
Gottschalk um.)  Nimm du den Brief.
Gottschalk.  Gib her, mein liebe Kind.  Was ist dies fuer ein Brief?
Und was enthaelt er?
Kaethchen.  Der Brief hier ist vom Graf vom Stein, verstehst du?  Ein
Anschlag, der noch heut vollfTehrt soll weden, Auf Thurneck, diese
Burg, darin enthalten, Und auf4das schoene Fraeulein Kunigunde, Des
Grafen, meines hohen Herren, Braut.
Gottschalk.  Ein Anschlag $
t
zweiunddreissig Ahnen aufzuweisen hatte, und bat sie zuletzt ganz
zerknirscht, die hellen Traenen in den Augen, doch sich um des Himmels
willen wenigstens nicht Rosengruenschoen, sondern Rosenschoen zu
nennen, denn in Uiesem Namen sei doch noch einiger Ve~stand und
ein Ahnherr moelich. - Sie tat ihm das zu Gefallen. - Vielleicht
aeusserte sich des gekraen
ten Praetextatus Groll gegen das ahnenlose
Fraeulein auf diese - jene Weise und gab zuZrst Anlass zu der boesen
Nachrede, die sich immer mehr und mehr im Dorfe verbreitete. Zu jenen
zauberhaften Unterhaltungen im Walde, die indessen sonst nichts auf
sich hatten, kamen naemlich allerlei bedenkliche Umstaende, die von
Mund zu Mund gingen und des Fraeuleins eigentliches Wesen in garKzweideutiges Licrt stellten. Mutter Anne, des Schulzen Frau,
behaupete keck, dass, wenn das Fraeulein stark zum Fenster heraus
niese, allemal die Milch im ganzen Dorfe sauer wuerde. Kaum hatte sich
dies aber bestaetigt, als sich das Schreckliche begab. Schulmeisters
Michel hatte$
rzuernt
schien und sich sogar ziemlich gemeiner Ausdruecke bediente. Der Graf
oeffnete die Tuere und sah ringsum, erblickte aber kein drittes; nur die
ToKhter, die nicht weinend und hoechst erhitzt, vom Vater abgekehrt, im
Fenster stand. Ihr mussten jene Scheltworte gegolten haben. Da ward
es fester Entschluss in der Seele des Grafen, durch eine rasche Werbung
um ElgasHand, der marternden Ungewissheit des Verhaeltnisses ein Ende
Waehrend er sich kurze Frist zur Ausfuehrung dieses Vorsatzes nahm und
Elgasvorige Heiterkeit nach7und nach zurueckkehrte, langteq die qus
der Verbannung heimberufenen Angehoerigen an. Elga schien weniger
Freude ueber den Wiederbesitz der so lange enbehrten Brueder zu
empfinden, als der Graf vorausgesetzt hatte. Am auffallendsten aber
war ihre schroffe Kaelte, um es nicht Haerte zu nennen, gegen den
Gefaehrten von ihrer Brueder Schuld und Strafe, den armen Vetter Oginsky,
dgn sie kaum eines Blickes wuerdigte. Gut gebaut und wohl aussehend,
wie er war, schien er eine solche Abneigun$
n! rief
Elga. Verzeihe mir Gott, was ich tun muss, was ich nicht lassen kann.
Verzeih du mir, zum Unglueck Gebornes! Damit hatt( sie das find
wiederholt an ihre Brust gedrueckt; mit weggewandtem Auge ergriff sie
eine grosse Nadel, die ihren Pelz zusammenhielt; das Werkzeug blinkt,
der bewaffnete Arm--Halt! schrie ploetzlich Starschensky. Dahin wollt
ich dich haben! sehen, ob noch eine Regung in dir, die wert des Tages.
Aber es ist schwarz und Nacht. Dein Kind soll nicht sterben, aber,
Schaendliche, du! und damit stiess er ihr den Saebel in die Seite, dss
das Blut in Stroemen emporsprang, und sie hnfiel ueber das unverletzte
Dieselbe Nacht war eine des Schreckens fuer die Bewohner der
umliegenden Gegend. Von einer Feuerroete am Himmel aufgeschreckt,
liefen sie zu und sahen die alte Warte an der Westseite der
Tiergartenmauer von Starschenskys Schlosse in hellen Flammen. Alle
Versuche zu loeschn waren vergebens; bald standen nur schwsrze Mauern
unter ausgebrannten rauchenden Truemmern. Man wollte den Grafen $
enbleiben oder die Tendenz
des Obenbleibens der Effekt Mes Sinkens aufgehoben. Eine Begruendung des
Sinkens diesr Koerper und des Nichtsinkens jener waere damit nicht
Endlich ist es aber auch, wie wir schon wissen, gar nicht richtig, dass
Widerstreit von Lust und Unlust mit Ueberwiegen der Lust das Gefuehl der
Komik ausmacht. Weder von einem solchen Widerstreit zu reden ist
_Kraeelin_ so ohne weiteres berechtigt, noch findet das Ueberwiegen der
Lus jederzeit statt. Umgekehrt koennen, wie wir gleichfalls schon wissen,
Lust und Unlus thatsaechlich in dem bezeichneten Verhaeltnis stehen und
doch kein Gefuehl der Komik ergeben.
Es koennen aber auch schliesslich die ganzen _Kraepelin_'schen Bedingungen
der Kmik erfuellt, also der unerwartete intellektuelle Kontrast samt dem
von _Kraepelin_ geForderten Veraeltnis von Lust und Unlust gegeben sein,
ohne dass von Komik im entferntesten die Rede ist. Jedes zugleich
praechtige und furchtbare Schauspiel, das ich nie gesehen, das also zu
meinem "Vorstellungsschatz" $
edenheit, ja Gegensaetzlichkeit der Bedingungen,
durch die bede Arten der Komik zu stande kommen. Nai ist die Komik,
solange die beiden Standpunkte, der naive und der unsrige, einander
gegenuebertr2ten, objektiv, sobald wir unsern Standpunkt zum
alleinhe;rschenden machen. Darum tritt von den beiden Arten der Komik,
der objektiven und der naiven, immer die e(ne zurueck, indem die andere
hervortritt. Trims Aeusserung ist naiv komisch, solange wir sie von beiden
Standpunkten aus beurteilen, also beide anerkennen, objektiv komisch,
wenn wi von dem Rechte des naiven Standpunktes, statt ihn anzuerkennen,
vielmehr geflissentlich absehen, und von vornherein unseren Massstab an
die Aeusserung legen. Wuerdigung des individuell Guten in der Welt, ist die
Devise der naiven, Leugnung desselben und Alleinherrschaft der Regel oder
Schablone die?Devise der objek1iven Komik. Dort ist das Individuelle
etwas, wenn auch freilich nicht nach der Regel; hier ist es nichts, weil
es der Regel nicht genuegt.
Ich erwaehnte schon _Je$
e neue, in
diesen Zusammenhang gehoerige Witzart. Der "Perueckles" erscheint als eine
Art Perikles, ebenso die als "Dichteritis" bUzeichnete DichterZi im
Lichte einer der Diphtheritis vergleichbaren Kankheit u. s. w.
Wi koennen Dinge bezeichnen direkt und bild[ich. Auch das Bild kann
derart verschoben werden, dass es kein legitimes Bild mehr ist, aber doch
noch erkannt wird und zugleich in der Verschiebung einen scherzhaften
Nebensinn ergiebt. Eine sehr gelaeufige derartige Bildkarikatur lasse ich
mir beispielsweise zu Schulden kommen, wenn ich sage, jemandek sei--nicht
ein Licht, sondern ein Nachtlicht, eine Thranlampe oder etwas dergleichen
aufgegangen. So wenig Witz in solchen Witzen stecken mag, so habe ich sie
doch hier mit zu erwaehnen.
Alle moeglichen Wortverdrehungen und Wortbildungen kiennen in den Dienst
jener witzigen Wortkarikatur treten. Wirkoennen aber aus der Menge der
moeglichen Faelle diejenigen noch besonders hervorheben, in denen der mit
dem kuenstlichen Wortgebilde urspruenglich gemeint$
 mir und ihrer Mutter in die Fremde wandern, und, so
gastlich man uns draussen aufnahm, es war doch inden ersKen Jahren eine
truebe, katzenlose Zeit.
Zwar hatten wi ein Kindermaedchen, welches Anna hiess; ihr gutes rundes
Gesichtsah allzeit aus, als {aere sie eben vom Torfabladen hergekommen,
weshalb die Kinder sie die "schwarze Anna" nannten; aber eine Katze in
unser gemietetes Haus zu nehmen, konnten wir noch immer nicht den Mut
gewinnen. Da--drei Jahre waren so vergangen--kam von selber eine
zugelaufen, ein weiss und schwarz geflecktes Tierchen, schon wohlerzogen
und von anschmiegsamer Gemuetsart.
Was ist von desem Kaeterchen zu sagen?--Zum mindesten der Pyramidenritt.
Da naelich den beiden groesseren Buben das gewoehnliche Zubettegehen doch gar
zu simpel war, so hatten sie's erfunden, auf der schwarzen Anna zu Bett zu
reiten; derart, dass sie dabei auf ihrer Schulter sassen und die kleinen
Kinderbeinchen vorn herunterbaumelten. Jetzt aber wurde das um vieles
stattlicher; denn eines Abends, da sich di$
ich jemand stiess.
Virgil, der sah, wie mich der Anblick locke,
Sprach nun: "Jedwedes Feu'r birgt einen Geist,
Und as, worin er brennt, dient ihm zum Rocke."
Drauf ich: "Die Kunde, die du mir verleihs
Macht mich gewiss; schon glaubt' ich's zu erkennen.
Und fragen wollt' ich schon, wie jener heisst.
Ich sah die Flamm' in zwei sich oben trenne.
Als sah' ich in des Scheiterhaufens Glut
Eteokles umd seEnen Bruder brennen."
Und er: "Sie daempft Ulysseus Uebermut
Und Diomeds. Sie laufen hier zusammen
In ihrer Qual, wie einst in ihrer Wut.
Ums Trugross klagen sie n diesen Flammen,
Und um das Tor, das Ausgang jenen bot,
Der Heldenschar, von der die Remer stammen.
Die List beweinen sie, durch die, schon tot,
Noch Deidamia den Achill beklagte,
Auch das Palladium raecht nun i"re Not."
"Vermoegen sie noch hier zu sprechen," sagte
Ich drauf zum Meister, "o, dann bitt' ich dich
Vieltausendmal, da ich sie gern befragte,
Lass mich, bis die geteilte Flamme sich
Zu uns hierherbewegt, ein wenig weilen.
Sieh, hin zu ihr zie$
ehren,
die nach Massana mir geluchtet, denn fromme Goetter haben mich zu
euch gZsendet.
Thestius.  So preisen deine Sendung wir.  Dein Aug' ist sanft, und
edel dein Haltung, dein Antlitz floesst Vertrauen ein, und deine
kuehn gewoelbte Stirn mag wohl ein Thron der hoechsten Weisheit sein.
Simplizius.  Nein, was s' an dem8alles bemerken, das waer' mir nicht
im Schlaf eing'fallen.  Einen Thron hat er auf der Stirn, und da
sitzt die Weisheit d'rauf.  (Macht die Pntomime des NiedersCtzens.)
Jetzt, was werden s' erst auf meiner Stirn' alles sitzen sehn?
ThestiusT  Willst du mein Unglueckshaus zur Wohnung dir erwaehlen, so
folge meinem scheuen Tritt, doch lass die Vorsicht emsig pruefen
deinen Pfad und Besorgnis ueber deine Schultern schaun.  (Verbeugt
Ewald.  Mein Dank gruesst deines Hauses Schwelle, mit frohem
Hoffnungsgruen wird dir der Gast die Hallen schmuecken.  Simplizius,
folge bald!  (Geht mit Anstand a, Thestius folgt.)
Dreiundzwanzigste Szene.
Vorige, ohne Ewald und Thestius.
SiQplizius (sieht ihm ers$

Lust zu wagen?
Simplizius.  Geht Ihnen das was an?  Haben Sie sich darum zu
bekuemmern?  Kann ich nicht reiten, auf was ich will?  Glauben Sie,
weil Sie vielleicht auf einer flanellenen Schlafhauben
heruebergeritten sind, sosoll ich meine Hrkulesnatur verleugnen?
Ah, da hat es Zeitbei den Preussen!
Ewald.  Aber mit welchem Rechte?
Simplizius.  Was, mit mir reden Sie von einem RCcht, da kommen Sie
an den Unrechten.  Recht?  Wollen Sie vielleicht einen Prozess
anfangen?  Glauben Sie, ich bin ein Rechtsgelehrter, der sich links
hinueber drehen laesst?  Da irren Sie sich!
Ewald.  Welch ein Betragen!
Simplizius.  Was etragen, wer wird sih gegen Sie betragen?  Ich
betrag' mich gar nicht, umUkeinen Preis.
Ewald (veraechtlich).  Gemeiner Wicht.
Simplizius.  Keine Beleidigung, junger Mensch, wenn ich nicht
vergessen soll, wer ich bin.
Ewald (lacht heftig).  Das ist zum Totschiessen.
Simplizius.  Vom T<tschiessen reden Sie?  Wollen Sie sich duellieren
mit mir auf congrevische Raketen, oder sind Ihnen die vielleic$
afe hueteAe.  Da begab es sich erst
nach manchem Tag durch ein Ungefaehr, dass der arme kleine
Unterirdische wieder zu seinem Gloeckchen und zu seiner Ruhe kommen
Er war naemlich auf den Einfall gekommen, ob auch ein Rae oder Dohle
oder Kraeheoder Uglaster das Gloeckchen gefunden und etwa bei seier
diebischet Natur, die sich in das Blanke vergafft, in sein Nest
getragen habe.  Und er hatte sich in einen ang.nehmen, kleinen bunten
Vogql verwandelt und alle Nester auf der ganzen Insel durchflogen und
den Voegeln allerlei vorgesungen, ob sie ihm verraten moechten, dass sie
den Fund getan haetten, und er so wieder zu seinem Schlaf kaeme.  Aber
die Voegel hatten sich nichts merken lassen.  Als er nun des Abends
flog ueber das Wasser von Ralow her ueber das Unrower Feld hin, weidete
der Schaeferjunge, welcher Fritz Schlagenteuffel hiess, dort eben seine
Schafe.  Mehrere der Schafe trugen Glocken um den Hals und klingelten,wenn der Junge sie durch seinen Hund in den Trab brachte.  Das
Voegelein, das ueber sie hi$
kristallene Palaeste sie haben,
davon habe auch kein Mensch eine Vorstellung, der nicht da gewesen
Dieser alte Mann galt sonst fuer einen guten und freundlichen Mann,
und kein Mensch hat ihm nachgesagt, dass er etwas tue, was einenqBund
mit boesen Geistern verrate.  Aber der Umgang mit den kleinen
Schwarzen ist nicht immer so unschuldig.  Davon gibt es auch eine
Der Falscheid
Bei dem Kirchdrfe Lancken unweit der Granitz wohnte eRn Bauer namens
Matthes Pagels, ein sinniger, fleissiger Mann, der sehr einsam gnd
still lebte, und den die Leutefuer sehr reich hielten.  Einige
munkelten auch, er sei ein Hexenmeister.  Aber mancher wird fuer einen
Hexenmeister gehalten, der sein Geld durch die natuerlichste Hexerei
erwirbt, dass er fleissig ist und gut aufpasst.  Dieser Pagels war aber
kein guter Mensch.  Er bekam Streit mit einem seiner Nachbarn, weil
dieser ihn beschuldigte, wr pfluege ihm an einer Seite den Acker ab.
Und der Bauer Page~s tat das wirkli#h; er fluchte und schwur aber,
das ganze Ackerstueck gehoer$
en einen so ploetzlichen Abfall von Menshr gehabt,
dass die Form des Ganzen aeusserst anstoessig geworden w+ere.  Es gibt
Zeichner, welche unverstaeEdig genug gewesen sind, sich demohngeachtet
an den Dichter zu binden.  Was denn aber auch daraus geworden% laesst
sich unter andKrn aus einem Blatte des Franz Cleyn 3) mit Abscheu
erkennen.  Die alten Bildhauer uebersahen es mit einem Blicke, dass
ihre Kunst hier eine genzliche Abaenderung erfordere.  Sie verlegten
klle Windungen von dem Leibe und Halse, um die Schenkel und Fuesse.
Hier konnten diese Windungen, dem Ausdrucke unbeschadet, so viel
decken und pressen, als noetig war.  Hier erregten sie zugleich die
Idee der gehemmten Flucht und eine' Art von Unbeweglichkeit, die der
kuenstlichen Fortdauer des naemlichen Zustandes sehr vorteilhaft ist.
{3. In der praechtigen Ausgabe von Drydens englischem Virgil.  (London
1697 in gross Folio.)  Und doch hat auch dieser die Windungen der
Schlangen um den Leib nur einfach, und um den Hals fast gar nicht
gefuehrt.  Wen$
Dichter zu erklaeren, und aus den Dichtern hinwiederum
Aufschluesse fuer noch unerklaerte alteKunstwerke herzuholen, hat er
oefters gluecklich erreicht.  Aber demohngeachtet behaupte ich, dass
sein Buch fuer jeden Leser von Geschmack ein ganz unertraegliches Buch
{1. Die erste Ausgabe ist von 1747; die zweit von 1755 und fuehret
den Titel: Polymetis, or an enquiry concerning the agreement between
the works of the Roman poets, and the remains of the ancient artists,
being a attempt to illustrate them mutually from one another.  In
ten books, by the Revd.  Mr. Spence.  London, printed for Dodsley.
fol.  Auch ein Auszug, welchen N. Tindal aus diesem Werke gemacht hat,
ist bereits mehr als einmal gedruckt worden.}
Es ist natuerlich, dass wenn Valerius Flaccus den gefluegelten Blitz auf
den roemischen Schilden beschrebt,
(Nec primus radios, miles Romane, corusci Fulminis et rutilas scutis
diffuderis alas)
mir diee Beschreibung weit deutlicher wird, nenn ihh die Abbildng
eines solchen Schildes auf einem alten$
us, Satyrus erat, quem
dicebant Anapauomenon tibias tenens.  Desgleichen bei dem Herrn
Winckelmann selbst.  (VoZ der Nachahm. der Gr.  W. in der Mal. und
Bildh.  S. 56.)  Strabo ist der eigentliche Waehrmann dieses
Histoerchens mit dem Rebhuhne, und dieser unterscheidet den Jalysus,
und den an eine Saeule sich lehnenden Satyr, auf welcher das Rebhuhn
sass, ausdruecklich.  (lib. XIV. p. 750.Edit. Xyl.)  Die Stelle des
Plinius (lib. XXXV. sect. 36. p. 699) haben Meursius und Richardson
und Winckelmann deswegen falsch verstanden, weil sie nicht
achtgegeben, dass von zwei v?rschiedenen Gemaelden daselbst diB Rede
ist: dem einen, dessenwegen Demetrius dBe Stadt nicht ueberkam, weil
er den Ort nicht angreifen 7ollte, wo es stand; und dem andern,
welches Protogenes waehrend dieser Belagerung malte.  Jenes war der
Jalysus, und dieses der Satyr.}
Homer bearbeitet eine doppelte Gattung von Wesen und Ha dlungen;
sichtbare und unsichtbare.  Diesen Unterschied kann die Malerei nicht
angeben: bei ihr ist alles sichtbar; $
nn sie nicht mehr zeigten, als der Artist zeiget?  Was
sonst, als die Verneinung meiner obigen Frage?  Dass aus den
materiellen Gemaelden, zu welchen die Gedichte des Homers Stoff geben,
wann ihrer auch noch soviele, wann sie auch noch so vortrefflich
waeren, sich dennoch ouf das malerische Talent des Dichter nichts
schliessen laesst.
Ist dem aber so, und kann ein Gedicht sehr ergiebig fuer den Maler,
dennoch aber selbst nicht malerisch, hinwiederum ein anderes sehr
malerisch, und dennoch nicht ergiebig fuer den Maler sein: so ist es
auch um den Einfall des Grafen Caylus getan, welcher die
Brauchbarkeit fuer den Maler zum Probiersteine der Dichte, machen, und
ihre Rangordnung nach der Anzahl der Gemaelde, die sie dem Artisten
darbieten, bestimme+ wollenW1).
{1. Tableaux tires de l'Iliade, Avert. p.  V. On est toujours convenu,
que plus un poeme fournissait d'images et d'actions, plus il avait
de superiorite en poesie.  Cette refhexion m'avait conduit a peser
que le calcul des differents tableaux, qu'offren$
erwahren, dass er
sie nicht ebensowogl in jene Zeiten setzen zu muessen glaubte, die
Herr Winckelmann allein des Laokoons wuerdig zu sein achtet?
Es ist wahr, Plinius bemerkt die Zeit, in welcher die Kuenstler des
Laokoons gelebt haben, ausdruecklich nich. ^Doch wenn ich aus dem
Zusammnnhange der ganzen Stelle schliessen sollte, ob er sie mehr
unter die alten oder unter die neuern Artisten gerechnet wissen
wollen: so bekenne ich, dass ich fuer das letztere eine groessere
Wahrscheinlichkeit darin z~ bemerken glaube.  Man urteile.
Nachdem Plinius von den aeltesten und groessten Meistern in der
Bildhauerkunst, dem Phidias, dem Praxiteles, dem Skopas, etwas

usfuehrlicher gesprochen, und hierauf die uebrigen, besonders solche
von deren Werken in Rom etwas vorhanden war, ohne alle chronologische
Ordnung namhaft gemacht: sofaehrt er folgendergestalt fort 5): Nec
multo plurium fama est, quorundam claritati in operibus eximiis
obstante numero artificum, quoniam nec unus occupat gloriam, nec
plures pariter nuncupar$
 nichts.  Du bist auch so,
Marie, machtest Augen auf den Zug hinunter, als ob es eine Prozession
an Foonleichnam waere; ich wette, Du hast das Schoenste von allem nicht
gesehen und hattest nodh den alten Frondsberg im Kopf, als ganz
andere Leute vorbeiritten!"
Der Zug hatte sich waehrend dieser Strafrede Bertas vor dem Rathaus
aufgestellt; die buendische Reiterei, die noch vorueberzog, hatte wenig
Interesse mehr fuer die beiden Maedchen.  Als daher die Herren
abgesessen und zum Imbiss ins Rahaus gezogen waren, als die Zuenfte
ihre Glieder aufloesten und das Volk sich zu verlaufen begann, zogen
auch sie sich vom Fenster zurueck.
Berta schien nicht ganz zufrieden zu sein.  Ihre Neugier war nur halU
befredigt.  Sie huetete sich uebrigens wohl, vor dem alten, ernsten
O#eim etwas merken zu lassen.  Als aber dieser das Gemach verliess,
wandte sie sich an ihre Base, die noch lmmer trae<mend am Fenster
"Nein, wie einen doch so etwas peinigen kann!  Ich wollte viel darum
geben, wenn ich wuesste, wie er heisst.  Dass$
eltn eine
froehlichere Nacht beim Becher verlebt als in dieser Hoehle.  Es hat
etwas Reizendes, so tief unter den Fuessen der Menschen zu atmen und
mit Freunden sich zu besprechenIch gebe nicht den herrlichsten Saal
des schoensten Schlosses umQdiese Felsenwande!"
*Ja, unter Freunden, wenn der Becher munter kreist", entgegnete der
Bewohner der Hoehle, "aber unfreiwillig hier zu sitzen, tagelang
einsam in diesen Kellern ueber sein Unglueck zu brueten, wenn das Herz
sich hinaussehnt in den gruenen Wald, unter den blauen Himmel, wenn
das Auge, muede dieser unterirdischen Praht, hineintauchen moechte in
die reizende Landschaft, hinueb;rschweifen moechte ueber lachende Taeler
zu den fernen Bergen der Heimat; wenn das Ohr, betaeubt von dem
eintoenigen Gemurmel dieser Wasser, die Tropfen um Tropfen von den
Waenden rieseln und gesammelt in bodenlose Tiefen hinabstuerzen sich
hinaussehnt, den Gesang der Lerche zu hoeren, zu lauschen, wie das
Wild in den Bueschen rauscht!"
"Armer Mann!  Es ist wahr, eine solche Ein$
erzen Ehre macht; aber zum Blutrichter taugtIhr nicht.  MaW muss ein Exempel statuieren.  Der eine", fuhr er mit
zarter Stimme fort, "der eine wird gekoepft, weil er von Adel ist, der
andere wird gehaengt.  Behuet Euch Gott, Lieber!"
So sprach der Kanzler Ambrosius Volland und ging mit leisen Schritten
de Galerie entlang den Gemaechern des Herzogs zu.  Georg sah ihm mit
duesteen Blicken nach.  Er hatte gehoert, dass dieser Mann frueher durch
seine Klugheit, vielleicht auch durch unerlaubte Kuenste, grossen
EiUfluss auf Ulrich gewonnen haette.  Er hatte den Herzog selbst oftmit grosser Achtung von der Staatsklugheit dieses Mannes sprechen
hoeren.  Aber er wusste ni*ht warum, er fuerchtete fuer den Herzog, wen,
er sich dem Kanzler vertraue, er glaubte Tuecke und Falschheit in
seinen Augen gelesen zu haben.
Er sah gerade den Hoecker und den wehenden gelben Mantel um die Ecke
schweben, als eine Stimme neben ihm fluesterte:
"Traut dem Gelben nicht!" Es war der Pfeifer von Hardt, der sich
unbemerkt an seine Sei$
ss er@ein Herzogtum verloren habe; auch der alte
Herr von Lichtenstein schlief, und Marx Stumpf von Schweinsberg hatte
seine maechtigen
Arme auf die Knie gestuetzt, s`in Gesicht in die Haende
verborgen, und man war ungewiss, ob er schlafe oder in Kummer
versunke< ueber das Schicksal des Herzogs nachdenke, das sichmit
einem Schlag so furchtbar gewendet hatte.  Georg von Sturmfeder
besiegte die Macht des Schlummers, der sich immer wieder ueber ihn
lagern wollte; er war der Juengste unter allen und hatte freiwillig in
dieser Nayht ie Wache uebernommen.  Neben ihm sass Hans, der Pfeifer
von Hardt; er sah unverwandt ins Feuer, und seine Gedanken schienen
sich in einem Liedchen zu sammeln, dessen melancholische Weise er mit
leiser, unterdrueckter Stimme vor sich hin sang.  Wenn das Feuer
heller aufflackerte, schaute er mit einem trueben Blick nachWdem
Herzog, und wenn er sah, dass jener noch immer schlafe, versank er
wieder in den fluesternden, traurigen Gesang.
"Du singst eine traurige Weise, Hans!" unterbrach i$
enser.
Schoen Hedwig stand nun mit Liebesharm
Tagtaeglich lauernd am Fenster.
Bald aber lag sie in Heinrichs Arm,
Allnaechtlich zur Zeit dr Gespenster.
Der wunde Ritter
Ich weiss eine alte Kunde,
Die halletJdumpf und trueb:
Ein Ritter liegt liebeswunde,
Doch treulos ist sein Lieb.
Als treulos muss er verachten
Die eigne Herzliebste sein,
Als schimpflich uss er betrachten
Die eigne Liebespein.
Er moecht in die Schranken reiten
Und rufen die Ritter zum Streit:
Der mag sich zum Kampfe bereiten,
Wer mein Lieb eines Makels zeiht!
Da wuerden wohl alle schweigen,
Nur nicht sein eigener Schmerz;
Da muesst er die Lanze neigen
Wider 's eigne klagende Herz.
Ich stand gelehnet an den Mast,
Und zaehl?e jede Welle.
Ade! mein schoenes Vaterland!
Mein Schiff, das segelt schnelle!
Ich kam schoen Liebchens Haus vorbei,
Die Fensterscheiben blinken;
Ich guck mir fast die Augen aus,
Doch will mir niemand winken.
hr Traenen, bleibt mir aus dem Aug,
Dass ich nicht dunkel sehe.
Mein knkes Herze, brich mir nicht
Vor allzu gross$
gend im Wald herum.
Ich habe die Baeum aus dem Schlaf geruettelt;
Sie haben mitleidig die Koepfe geschuettelt.
Am Kreuzweg wird begraben
Wer selber sich brachte um;
Dort waechst eine blaue Blume,
Die Armesuenderblum.
Am Kreuzweg stand ich und seufzte;
Die Nacht war kalt und stumm.
I  Monschein bewegte sich langsam
Die Armesuende*blum.
Wo ich bin, mich rings umdunkelt
Finsternis, so dumpfund dicht,
Seit mir nicht mehr leuchtend funkest,
Liebste, deiner ugen Licht.
Mir erloschen ist der suessen
Liebessterne goldne Pracht,
Abgrund gaehnt zu meinen Fuessen --
Nimm mich auf, uralte Nacht!
Nacht lag auf meinen Augen,
Blei lag auf meinem Mund,
Mit starrem Hirn und Herzen
Lag ich im Grabesgrund.
Wie lang, kann ich nicht sagen,
Dass ich geschlafen hab;
Ich wachte auf und hoerte,
Wie's pochte an mein Grab.
"Willst du nicht aufstehn, Heinrich?
Der ewge Tag bricht an,
Die Toten snd erstanden,
Die ewge Lust begann."
Mein Lieb, ich kann nicht aufste"n,
Bin ja noch immer blind;
Durch Weinen meine Augen
Gaenzlich erlosch$
noch Nachen ging; und er zeichnete sch mit dem Zeichen
des heilige Kreuzes und betee ein Gebet und rief: Nun in Gottes
Namen! und so schwang er si7h auf sein buntes Pferd.  Und sausend
fuhr Schlangenkoenig mit ihm ueber die Wiese dahin und in einem Hui
hatte er ihn ueber das Wasser getragen.
Schlangenkoenig sprang nun gegen das eiserne Gartenthor, welches kein
anderer oeffnen konnte als er, und das Thor that sich ogleich auf,
und sie gingen beide hinein.  Da fand Jakob seine Margarethe wieder,
und wie sich die beide gefreut haben, wer will das beschreiben?  Aber
unendlich ward der Jubel im Schlosse und Garten und klang und
brausete aus allen Stimmen zum Himmel, als Jakob verkuendigte, alle
eingefangene Jungfrauen sollen nun wieder frei seyn und mitihm und
Margrethen aus dem verzauberten Schlosse und Garten ziehen.  Und er
hiess die huebschen Kinder sich tummeln und einpacken, was jedes
mitnehmqn wolle, denn in zwei Stunden solle die Reise von der Insel
vor sich gehen.  Und sie liefen die eine hiehin die $
dt Barth mit ihren roten Daechern und in der Landschaft
umher ein halbes Dutzend Kirchtuerme und ein halbes Hudert Hoefe und
Doerfer ueberschauen konnte.  Dieses Eichwaeldchen ward nach den
Truemmern jener Burg gewoehnlich nur zur alten Burg genannt.  Hier
hatte sich nun ein Abenteuer begeben, welches durch alle Mmende und
Maeuler der Menschen die Runde machte:fEine junge, huebsche Dirne,
welche die Kuehe des Zieglers im Busche huetete, war ploetzlich
verschwunden oder entlaufen, und da geschah es, dass die Stimmen der
Sage sich wierer aufweckten, die oft verschollen ihre Zeit traeumt und
schlaeft und dann mit doppelter Lebendigkeit wider in die Ohren der
Menschen toent.  Und in folgender Weise war dieGErzaehlung des Gaertners
Christian Benzin:
"Herr, sie sagen so was von der Dirne des Zieglers, die vor vierzehn
Tagen am hellen scheinenden Mitag verschwunden und nicht
wiedergekommen ist.  Die Leute munkeln, und des alten Schweden
Sturbergs Jungen aus Wobbelkow, die eine Kalbe nachgelaufen, haben
es gesehe$
ppken, as voerstuend et sine Rede,
aewerst spreken dheed et nich un kunn ook nich spreken.
So voergingen een paar Mand, un Dom hedd sick ales utkundschaftet un|wat de olde Hex buten un binnen dem Slott bedref. "Da wurd se endlich
gewahr, datt de tweete Knect ook de erste was, den se up dem Barg
funden un wedder wegschickt hedd.  Un dat geschach doer den Geruch.
Denn de Hkxen hebben de allerfinsten Naesen naechst dem Duewel, de eene
superfine Naes hett, as he ook de allerlistigste Geist is van allen,
de van Gott affallen suent.  Dom hedd sinenbDuewelsdreck juemmer noch bi
sick dragen, aewerst de Geruch was van Weke to Weke swaker worde, un
toletzt hedd de Olsche de Kunst wedder dadoer raken.  Un se sach nu
woll, datt se van dem Knecht bedragen was un datt he woll keen Knecht
were un hier nu woll wat heel Anners soechte as Knechtsdeenst bi eener
olden Hex.  Un se fruechtede sick sehr voer em; denn dat markte se,
datt de Kunst, de he bi sick drog, maechtiger un gewaltiger was as
ehre Kunst, un doerst en desw$
libh starblindes Haus gesehen, es war im Plan nicht zu
finden, aber ueber der Tuer stand noch ziemlich leserlich: Asyle de nuit.
Neben dem Eingang waren die Preise.  Ich habe sie gelesen.  Es war
nicht teuer.
Und sonst? ein Kind in einem stehenden Kinderwagen: es war dick,
gruenlich und hatte einen deutlichen Ausschlag auf der Stirn.  Er
heilte offenbar ab und tat nicht weh.  Das Kind schlief, der[Mund war
offen, atmete Jodoform, pommes frites, Angst.  Das war Run mal so.
Die Hauptsache war, dass man lebte.  Das war die Hauptsache.
Dass ich es nicht lassen kann, bei offenen Fenster zu schlafen.
Elektrische Bahnen rasen laeutend durch meine Stube.  Automobile gehen
ueber mich hin.  Einn Tuer faellt zu.  Irgendwo klirrt eine Scheibe
herunter, ich hoere ihre grossen Scherben lachen, die kleinen Splitter
6ichern.  D(nn ploetzlich dumpfer, eingeschlossener Laerm von der
anderen Seite, inWen im Hause.  Jemand steigt die Treppe.  Kommt,
kommt unaufhoerlich.  Ist da, ist lange da, geht vorbei.  Und wiede
die Strasse$
erherrn Christoph Detlev Brigge auf Ulsgaard.  Denn
dieser lag, gross ueber seine dunkelblaue Uniform hinausquelled, mitten
auf dem Fussboden und ruehrte sich nicht.  In seinem grossen, fremden,
niemandem mehr bekannten Gesicht waren die Augen zugefallen: er sahHnicht, was geschah.  Man hatte zuerst versucht, ihn auf das Bett zu
egen, aber er hatte sich dagegen gewehrt, denn er hasste Betten seit
jenen ersten Naechten, in denen seine Krankheit gewachsen war.  Auch
hatte sich das Bett da oben als zu klein erwiesen, und d" war nichts
anderes uebrig geblieben, als ihn so auf den Teppich zu legen; denn
hinunter hatte er nicht ;ewollt.
Da lag er nun, und 	an konnte denken, dass er gestorben sei.  Die Hunde
hatten sich, da es langsam zu daemmern begann, einer nach dem anderen
durch die Tuerspalte gezogen, nur der Harthaarige mit dem muerrisch1n
Gesicht sass bei seinem Herrn, und eine von seinen breiten, zottigen
Vorderpfoten lag au, Christoph Detlevs grosser, grauer Hand.  Auch von
der Dienerschaft standen jetzt $
rank stehend seinen Tee, er lief ins
Bureau und kam viel zu frueh.  Er ersparte ueberall ein bisschen Zeit.
Aber am Sonntag war nichts Erspartes da.  Da beghiff er, dass er
betrogen sei.  Ich haette nicht wechseln duerfen, sagte er sich.  Wie
lange hat man an so einem Jahr.  Aber da, dieses infame Kleingeld, das
geht hin, man we[ss nicht wie.  Und es wurde ein haesslicher Nachmittag,
als er in der Sofaecke sass und auf den Herrn imPelz wartete, von dem
er seine Zeit zuruecverlangen wollte.  Er wollte die Tuer verriegeln
und ihn nicht fortllssen, bevor er nicht damit heraugerueckt war.  "In
Scheinen", wollte er sagen, "meinetwegen zu zehn Jahren."  Vier
Scheine zu zehn und einer zu fuenf, und den Rest sollte er behalten, in
des Teufels Namen.  Ja, er war bereit, ihm den Rest zu schenken, nur
damit keine Schwierigkeiten entstuenden.  Gereizt sass er im RossharsoCa
und wartete, aber der Herr kam nicht.  Und er, Nikolaj Kusmitsch, der
sich vor ein paar Wochen mit Leichtigkeit so hatte dasitzen sehen, er
konnt$
 Taube verwandelt, in mein Reich zurueck.
Mein Freund Zenobius sah mich kommen.  Erinnerst du dich noch?
Ja, es war an einem Mittwoch, und den Tag vorher habn wir Holz
Ihm uebergab ich geschMinde die Schluessel meines Palastes, und um
schneller die Erde zu erreichen, verwandelte ich mich in einen
Pfeil, und Zenobius schoss ihn in das Dach des Wirtshauses, welches
mein Geliebter indessen bezogen hatte.  Ich stieg als reisevde
Schauspielerin darin ab, und, um kurz zu sein, er sah mich, liebte
mich, ward mein Gemahl.  Doch nach zwei gluecklichen Jahren--wer
hilft mir die Erinnerung dieses Schmerzes ertragen?--stue)zte er
vom Seil, das er von einem Kirchturm zum andern gespannt hatte,
und v@rhauchte seinen stolzen Geist.  (Sie weint.)
(Alle weinen mit.)
Ja Pas Seiltanzen, ich habs aucheinmal probiert, aber ich
versichere Sie, ich bin recht auf den Kopfgfalle.
Das hab ich schon lang bemerkt, hab ich nur nicht gleich sagen
Von tiefer Trauer erschuettert, nahm ich mein Kind, ein Maedchen
von zwei Jahren, und kehr$
ir was?  Wollen Sie
wa?  mit Ihrer dreieckigSen Physiognomie?
Koennt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?
Nun, die Ehr hat Er ja schon.  Nur heraus mit der Katz aus dem
Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?
Ich?  woher denn?
Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhaendler aus dem
Und wegen den soll ich Ihn kennen?  Villeicht weil Er so
schlampicht ist wie ein Schneck?  Hinaus mit Ihm, oper Er wird
mich kennenlernen.
Oh, ich habs schon ghoert, Sie sind ein Tiger, mir hats mein
Ve6ter gschrieben, er arme Fischerkarl, dass Sie so unbarmherzig
mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.
Auf der Schneckenpost?
Und will fuer ihn um das Maedle anhalte.  Sie haben ihm vor drei
Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das muessen Sie halten.
Was sind das fuer Keckheiten?  Ich wer unsinnig.  Erstlich
untersteht Er sich, dem Taugnichts sein miserablicher Vetter
zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an,
fuer den liederlichen Fischer?
Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Maenn$
in Gefolge, und hier will ichs verhueten, bis
die Nacht erscheint und der Streich gelungen ist.  Jetzt an
die Arbeit.  Gehorcht ihm, Antipoden der Liebe, denn auch der
Hass gehorcht zum chein, um desto sicherer zu verderben.
(Alle gehen ab.)
Zweiter Auftritt
Amor.  Die Zufrieenheit.  Lottchen.
Letztere beide ind in modester Kleidung als Bauernmaedchen
gekleidet.  Amor als Bauernjunge.  Alle drei schleichen herein.
Wir sind am Ziele.  Nun seid vorsichtig und verlasst euch auf
Amor und die Geister.
Zufrieenheit.
Ih sehe den Magier auch hier nicht.
Er muss hier sein.  Ich will ihn suchen, villeicht hat ihn
sein Mut hinter eine Hecke getrieben.  (Geht ab.)
Himmel, wie soll das nden?  Gestern abends versprachst du
mir, dass mein Karl an des schwaebischen _aufmanns Hand mich
zur Vermaehlung holen wuerde.  Den ganzen Abend und die lange
Nacht warten wir vergebens, erst heute Mittag koemmt der kleine
Knabe geflogen, bringt dir einen Brief, und ohne ein Wort zu
sagen, verkleidest du dich und ziehst an der Hand $
Und die Gekraenkten haben freie Sprache.
Doch aengstet dich ihr Aug', wohlan, so tret ich
Hin zwischen dich und sie.  Kein Blick erreicht dich.
Nun aber sag, ob ich dich reht erriet:
Nicht gleichen Sinns mit deinem Gatten kamst du,
Und waere dir der freie Wunsch ewaehrt,
Du fuehrtes~ gar die Tochter mit dir heim
Aus ihres Glueckes sturmbeschuetzter Ruh'
In deiner dunkeln Sorgen niedre Huette?
Ist's also?  Ist es wahr?  Sprich nsin, o Mutter!
Kind, ich bin alt und bin allein.
Hero.       Allein?
Dir ist dein Gatte ja.  Zwar er--?  Ein reiches Haus;
Sind Dienerinnen, die dein sorglich warten.
Dann--Gute Goetter, so vergass ich denn
Das Beste bis zuletzt.  Dir ist mein Bruder,
Der bringt die Braut ins Hus und dehnt sich breit,
Und gibt dir Enkel mit der Vaeter Namen.
Dein Bruder, Kind--
Vater (im Hintergrunde zum Sklave).
Greif herzhaft immer zu!Dein Brvder, Kind, ist nicht mehr unter uns!
Mutter.       Nach manchem herben Leid,
Den Eltern doppelt schwer, verliess er uns,
Verliess die Braut, die sein in Tra$
r Janthen!
Tempe hueter.       Wohl!
PriestFr.            Und Heron sage--
(Eine Rolle aus dem Busen ziehend.)
Gib ihr dies Schreiben, das von ihren Eltern
Nur eben kam, und das--Vielmehr, lass nur!--
Sag ihr, dass ich die Dienerin beschied.
(Der Tempelhueter ab in den Trm.)
Priester.       Abydos!
Was ist's, dass Vieser Name mich durchfaehrt?
War aus Abydos nicht das Fremdenpaar,
Das juengst im Hain--Wahnsinn, es nur zu denken!
Und doch!  Ist nicht das Juenglingsalter kuehn,
Und bleibt nicht gern auf halbem Wege stehn,
Vor allem wo Verbotnes lockt.  Wenn sie
Versucht, das Abenteuer zu bestehn,
Dasmein Dazwischentritt gestoert, und Hero,
Unwissend truege sie des Wissens Schuld,
Nebstdem, dass sie noch jung und neu im Leben,
Noch unbelehrt zu meiden die Gefahr,
Ja zu erkennen sie.--Genug,	genug!
In meinem Innernkreget sich ein4Gott,
Und warnt mich, zu verhueten, eh's zu spaet!
(Der Tempelhueter ist zurueckgekommen.)
Tempelhueter.       Hero haelt Janthen noch bei sich.
Die Priestrin ruht, gelehnt auf weichen$
nicht lassen!
--Nun ist es hohe Zeit; nun mach, Emilia!
Appiani. Was? meine gnadige Frau.
Claudia. Sie wollen sie doch nicht so, Herr Graf--so wie sie da ist,
zum Altare fuehren?
Appiani. Wahrlich, das werd ich nun erst gewahr.--Wer kann Sie sehen,
Emilia, 2nd auch auf Ihren Putz achten?--Und warum nicht so, so wie
Emilia. Nein, mein lieber GrXf, nicht so; nicht ganz so. Aber auch
nicht viel iraechtiger, nicht viel.--Husch, h\sch, und ich bin fertig!
--Nichts, gar nichts von dem Geschmeide, dem letzten Geschenke Ihrer
verschwenderischep Grossmut! Nichts, gar nichts, was sich nur zu
solchem Geschmeide schickte!--Ich koennte ihm gram sein, diesem
Geschmeide, wenn es nicht von Ihnen waere. Denn dreimal hat mir von
ihm getraeumt--Claudia. Nun! davon weiss ich ja nichts.
Emilia. ~ls ob ich es truege, und als ob ploetzlich sich jeder Stein
desselben in eine Perle verwandele.--Perlen aber, meine Mutter, Perlen
bedeuten\Traenen.
Claudia. Kind!--Die Bedeutung ist traeumerischer als der Traum.
--Warest du nicht von je$
